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VILL
vom Dorf zum Stadtteil
Festschrift zum 200. Weihejubiläum der
Rokoko-St.-Martins-Kirche
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Festschrift Vill
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DIE STADTTEILE INNSBRUCKS
herausgegeben vom Innsbrucker Stadtarchiv
Schriftleitung: Franz Heinz Hye
Band 5:
VILL
Vom Dorf zum Stadtteil in
Geschichte, Kunst und Leben
Festschrift zum 200. Weihejubiläum
des Rokoko-Umbaues der St.-Martins-Kirche
1792-1992
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Titelbild: Ansicht von Vill vom Poltenweg gegen Südwesten, um 1820.
Lavierte Tuschzeichnung, Original im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.
Innsbruck 1992
Herausgeber und Verleger: Stadtmagistrat Innsbruck
Für den Inhalt sind die Verfasser verantwortlich
Gesamtherstellung: Tyrolia Druck, Innsbruck
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Inhalt
Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck,
Romuald Niescher
Grußwort des Abtes des Stiftes Wilten, Mag. Raimund Schreier
7
9
Vorwort des Schriftleiters, Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye.
11
Hermann M. Ölberg
Zur Etymologie der Orts- und Flurnamen von Vill..
13
Harwick W. Arch
Die vorgeschichtliche Hügelsiedlung in Vill
17
- Die Viller Straße und andere Fahrwege
mittelalterlichen Türme von Vill
Franz-Heinz Hye
Vill Geschichte einer alten Dorfgemeinde und eines
jungen Stadtteiles von Innsbruck: .
- Der Viller See
- Das Werden der Dorfgemeinde Vill
- Gemeinsame Schützenkompanie und Schießstand
- Die ehemalige Burg Straßfried und die übrigen einstigen
- Die ehemaligen Viller Vogelhütten
43
43
50
54
57
- Die jüngere Siedlungsentwicklung von Vill und Daten zur Häusergeschichte..
262
62
65
73
Gertrud Beinsteiner-Krall
Die St. Martinskirche und andere Kunstdenkmäler in Vill
125
Barbara Kern-Flora
Geschichte der Seelsorge in Vill.
166
5
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Klemens Halder O.Praem.
Die Pfarre Vill in unserer Zeit.
Sr. Benedicta Freigaẞner
Das Haus,,St. Christoph" in Vill.
Sieghard Matuella
Tiroler Volksbildungsheim Grillhof
Anton Grauss
173
183
189
Die Schützenkompanie Igls-Vill
Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Vill.
199
207
Johann Treichl
62 Jahre Obst- und Gartenbauverein Igls-Vill
215
Franz Wopfner
Die Ortsbauernschaft von Vill.
216
Personen-, Orts- und Sachregister
zusammengestellt von Josefine Justic
217
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Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck,
Romuald Niescher
Wenn die Stadtgemeinde Innsbruck heute mit dem dicht besiedelten Stadtkern am
Talboden, den Grünland-Siedlungen auf den beiderseitigen Mittelgebirgs-Terrassen
sowie mit der Wald- und Hochgebirgsregion ein so vielfältiges Bild darbietet, so ver-
dankt sie dies den Eingemeindungen der Jahre 1904 bzw. 1938/42.
Die Stadtgemeinde ist bestrebt, einerseits gerade die Lebensqualität in diesen ehemals
selbständigen Orten durch eine zeitgemäße Infrastruktur an den allgemeinen Standard
heranzuführen und zu verbessern, andererseits aber auch die Individualität dieser jünge-
ren Stadtteile und ihr Eigenleben zu erhalten und zu fördern. Letzteres geschieht sowohl
durch die Förderung des lokalen Vereinslebens (Feuerwehr, Musik, Schützen etc.) als
auch durch die 1976 ausgewiesenen Ortsbild-Schutzzonen der einzelnen historischen
Ortskerne.
Diesbezüglich nun stellt gerade die im heurigen Jahre jubilierende St. Martinskirche in
Vill ein besonderes Juwel nicht nur für Vill, sondern für ganz Innsbruck dar. Seit ihrem
vor 200 Jahren durchgeführten Rokoko-Umbau steht sie mit ihren zarten Weiß-Gold-
Stukkaturen, Altarplastiken und Deckenfresken etc. wie eine quasi Miniatur-Version der
berühmten Wiltener Basilika fast ebenbürtig zur Seite, weshalb es auch aus der Sicht der
Stadtführung aufrichtig zu begrüßen ist, daß zum 200. Jubeltag der 1792 neu geweihten
Kirche durch das gedeihliche Zusammenwirken des Pfarrgemeinderates von Igls-Vill
und des Innsbrucker Stadtarchives die nunmehr vorliegende Festschrift initiiert und als
zusammenfassende Monographie über den Stadtteil Vill, seine Vorgeschichte, seine
Siedlungs- und Gemeindegeschichte, Kirchen- und Kunstgeschichte, aber auch unter
Berücksichtigung der lokalen Vereine realisiert worden ist. Allen, die zum Gelingen
dieses Bandes beigetragen haben, sei daher ein herzliches Vergelt's Gott gesagt.
Innsbruck, im Juli 1992
Remmired Nimes
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Grußwort des Abtes des Stiftes Wilten, Mag. Raimund Schreier
Als vor 200 Jahren die gotische Viller Kirche umgebaut wurde, um dann im verspielten
Rokoko wieder zu erstehen, gab es in Europa eine radikale Veränderung des geistigen
Klimas: Die Französische Revolution und die Napoleonische Ära haben alles unternom-
men, um die christliche Geschichte auszulöschen. So wurden im Jahre 1792 also im
Jahr der Viller Kirchenrenovierung - in Paris kirchentreue Priester und Laien ermordet.
Im selben Jahr versuchte man den christlichen Kalender abzuschaffen, und im Jahr 1793
wurde die Verehrung der „,Göttin Vernunft" eingeführt. Bedeutende Zentren der Seel-
sorge, der theologischen Wissenschaft und die Volksbildung waren zerstört oder aufge-
hoben. Trotz dieser Niederlage hat die Säkularisation aber etwas gebracht: die Kirche
wurde von vielem jahrhundertealtem Ballast politischer Verpflichtungen und Rücksich-
ten befreit. Sie erlebte vor allem eine spürbare Verinnerlichung.
Heute erleben wir eine Kirche in Freiheit, ohne gesellschaftliche Zwänge, teilweise schon
mit demokratischen Ansätzen. Die Säkularisation jedoch reicht bis in unsere Tage herein
und erschwert immer mehr den Weg zum Wesentlichen. Manchmal scheint das Licht des
Glaubens beinahe zu erlöschen, auch wenn es da und dort spirituelle Aufbrüche gibt.
Deshalb wäre dieses Jubiläum der beste Anlaß, die Kirche wieder zu renovieren. Ich
meine natürlich nicht das Gotteshaus aus Stein. Dieses erstrahlt ja wieder in seinem
Glanz und seiner Schönheit, wofür ich allen, die dazu beigetragen haben, herzlich danke.
Nein, ich meine die Renovierung der Kirchengemeinde von Vill.,,Erbaut nun die
lebendige Kirche!" sagte einmal Papst Paul VI. einer Pfarre in Rom.,,Die Kirche seid
ihr, dieses Gotteshaus ist nur der Raum, der sie aufnimmt."“
Vielleicht gilt es noch, den richtigen „Zement“ zu finden, der anzieht, der eine organische
Einheit formt; den Zement, der Altes und Neues, Altangesessene und Neuzugezogene
verbindet. Wenn alle versuchen, nach dem Vorbild der apostolischen Urgemeinde eine
lebendige christliche Gemeinschaft in Vill aufzubauen, dann gibt es Grund genug, ein
Jubiläum zu feiern. Dann ist hier wahre Kirche. Dann werden auch wir Seelsorger des
Stiftes Wilten, die diese Pfarrei schon seit Jahrhunderten betreuen, zuversichtlich sein,
daß diese Kirche durch alle Stürme hindurch weitere Jahrhunderte überdauern wird.
Innsbruck, im Juli 1992
Raimmed Schreies
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Vorwort des Schriftleiters, Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye
Als der Unterfertigte im Jahre 1982 über Ersuchen der Interessengemeinschaft Hoch-
Innsbruck, Hungerburg-Gramart eine Monographie über den Stadtteil Hungerburg -
Hoch-Innsbruck verfaßt hat, schwebte ihm bereits der Gedanke vor, nach und nach
anläßlich lokaler Jubiläen - damaliger Anstoß war die 75-Jahr-Feier der Hungerburg-
bahn (1906-1981) - für jeden der Innsbrucker Stadtteile eine eigene Stadtteil-Monogra-
phie herauszubringen.
Das 100-Jahr-Jubiläum der neuen Pfarrkirche und des städtischen Kindergartens in St.
Nikolaus brachte dann die Möglichkeit, dieses von der Stadtführung akzeptierte Kon-
zept unter dem Reihen-Titel,,Die Stadtteile Innsbrucks" Wirklichkeit werden zu lassen,
wobei St. Nikolaus als ,,Band 2" dieser Reihe erschienen ist. Band 3 galt dann dem
50-Jahr-Jubiläum der Kirche und Schule bzw. dem Stadtteil Hötting-West/Allerheiligen
und Band 4 der 500-Jahr-Feier der gotischen Pfarrkirche von Amras bzw. dieser ehemali-
gen Dorfgemeinde. In welchem Maße diese Reihe Anklang bei der betroffenen Bevölke-
rung gefunden hat, erweist die Tatsache, daß Band 3 bereits gänzlich vergriffen ist und
von Band 4 nur noch wenige Restexemplare vorhanden sind. Dies manifestiert auch das
Streben und Suchen unserer Mitbürger nach Identifikation mit ihrer engeren Umwelt
und dies sowohl in den alten als auch in den neuen Stadtteilen.
In diesem Sinne darf ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß der vorliegende Band
5 über Vill, herausgegeben zum 200. Weihejubiläum der 1791/92 im Stil des Rokoko zu
einem Juwel unserer Kunstlandschaft umgebauten St. Martins-Kirche, in gleicher Weise
Anklang finden möge und zwar ebenso bei den alten, wie auch bei den neuzugezogenen
Villern. Schließlich darf ich dem Hw. Herrn Pfarrer Klemens Halder O.Praem. und dem
Pfarrgemeinderat von Igls-Vill für ihr Vertrauen sowie allen Mit-Autoren für ihre
engagierte Mitwirkung meinen aufrichtigen Dank aussprechen. In gleicher Weise danke
ich meinen Mitarbeitern, insbesondere Frau Amtsrat Josefine Justić, für die Übertra-
gung aller Manuskripte auf Disketten und die Erstellung des Index.
Innsbruck, im Juli 1992
F.N.
M
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Farbtafeln I-V
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Farbtafel I:
Stadtteilwappen von Vill, angenommen von einer Versammlung der Vereinsobleute und interessierten Mitbür-
ger am 19. Februar 1992. Es zeigt in schrägrechts geteiltem Schild oben auf rotem Grund die stehende Figur
des hl. Bischofs Martin mit Hirtenstab in seiner linken Hand sowie mit der weißen Gans zu seinen Füßen. Das
weiße untere Feld zeigt ein Bronzerädchen von den vorgeschichtlichen Ausgrabungen am Kreit- oder Goarm-
bichl in Vill. Heraldisch-graphische Gestaltung von Ernst Mairhofer, Sautens.
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Farbtafel II:
Ansicht von Vill vom Poltenweg gegen Südwesten, um 1820.
Lavierte Tuschzeichnung, Original im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
...
to the
1.4.
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Farbtafel III:
Die St. Martinskirche in Vill von Nordwesten (1991).
Foto: Murauer
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Farbtafel IV:
Darstellung der armen Seelen im Fegfeuer in der Viller Totenkapelle, wo auffallenderweise nicht Christus,
sondern die durch zahlreiche Rosenkranz-Gebete angeflehte Gottesmutter als Erlöser dargestellt erscheint.
Öl auf Holz, Foto: M. Hye-Weinhart
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Farbtafel V:
Ansicht der alten Poltenhütte (vor 1905).
Original Öl auf Leinwand, Privatbesitz.
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Zum Namen Vill
Von Hermann Ölberg*
Im Jahre 15 v. Chr. haben die römischen Heere unter Drusus und Tiberius den letzten
Teil der Alpen erobert und damit die kürzeste Verbindung vom Süden her über Brenner
und Reschen nach AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg) geschaffen, dem wichtigen
Verwaltungszentrum und Sitz des kaiserlichen Prokurators. Trotz mutigen Widerstan-
des der,,Urtiroler" war es für das römische Heer nur ein kurzer Sommerfeldzug. Antike
Berichte zeigen uns, daß sich in der Brutalität der Kriegsführung bis heute nichts
geändert hat. So ist Horaz IV, 14.7 ff. zu entnehmen,,neulich erst mußten die Vindeliker,
die von römischer Satzung unberührt sind, lernen, was du im Kampfe vermagst. Denn
mit deinen Soldaten vernichtete Drusus in heftigem Ansturm die Genaunen, ein unfried-
liches Volk, und die schnellen Breuner und die auf grausigen Alpenhöhen errichteten
Burgen zu mehreren Malen; bald darauf schlug der ältere der Neronen eine entscheiden-
de Schlacht und warf die gewaltigen Räter mit glücklichem Erfolge" (Tiberius, geb. 42
v.Chr., Drusus, geb. 38 v.Chr.). Und Strabo IV, 6, 9 berichtet von der Kriegsführung der
Eingeborenen, die um BRIGANTIUM (Bregenz), CAMBODUNUM (Kempten) und
am Lech (Likatier) wohnen: wenn sie eine Ortschaft erobern, töten sie alles Männliche
von klein auf, auch alle schwangeren Frauen, die nach Auskunft ihrer Seher männliche
Nachkommen tragen. Florus, Epitome XXII (2. Jh. n.Chr.) erzählt, daß die Wildheit der
Alpenvölker daraus ersichtlich sei, daß die Frauen, wenn sie keine Wurfgeschosse hatten,
ihre Kinder am Boden zerschmetterten und sie den feindlichen Soldaten entgegenschleu-
derten. Die römischen Soldaten werden kaum zimperlicher vorgegangen sein. Wir sind
auch aus antiken Quellen über einige Stämme unterrichtet, die in Tirol hausten, wie die
Breunen, die Genaunen, die Fokunaten, deren Lokalisierung nur relativ bekannt ist
(Haider, Tirol 128 mit Karte). Im allgemeinen wird angenommen, daß die Breuni der
Hauptstamm im Inntal gewesen seien.
Mit der Eroberung des Landes setzte die Romanisierung der Bevölkerung ein. Land
wurde Veteranen zugeteilt (Wattens * Vattānum,,Gut des Vatto", Erl * Aurelianum),
Spuren der Landvermessung (quadra-Fluren) hat Hanns Bachmann rekonstruieren
können. Daß auch Almwirtschaft betrieben wurde, zeigen viele romanische Namen, z. B.
in Thaur (Ölberg, Besiedlungsschichten 107ff. mit Karte, Finsterwalder, Rofan). Das
Land blieb romanisch bis zum Einbruch der Baiern im letzten Viertel des 6. Jh. Als
Venantius Fortunatus um 565 seine Pilgerfahrt von Ravenna nach Tours unternahm und
dabei auch durch Tirol zog, berichtet er, daß im Inntal Breuner waren, während die
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Baiern noch außerhalb des Gebirges, in Oberbayern, saßen. Bald danach müssen aber
die Baiern in Tirol eingefallen sein. Die Germanisierung erfolgte jedoch nicht schlagar-
tig, sondern beide Bevölkerungsteile, Romanen wie Baiern, saßen noch für Jahrhunderte
nebeneinander. Die allmähliche Aufsaugung des romanischen Elementes kann man mit
sprachlichen Kriterien wie Lautsubstitution, Akzentverlegung u. dgl. gut rekonstruieren.
Die Sprache der vorrömischen Bevölkerung ist uns nicht überliefert, immerhin haben wir
etwa 160 Ortsnamen, die uns einen schwachen Hinweis auf den indogermanischen
Charakter des „,Breonischen" geben. Ich ziehe diese kleinräumige Bezeichnung der
früheren als ,,illyrisch" vor. Die Illyrertheorie ist widerlegt und heute nicht mehr aktuell
(Kronasser). Ich erwähne nur die zahlreichen Ortsnamen an den südlichen Plateaus um
Innsbruck: Igls, Lans, Sistrans, Aldrans, Rinn, Tulfes, Patsch, Mutters, Natters, Göt-
zens usw. Daß die jahrhundertelange Romanisierung noch viel mehr romanische Namen
hinterlassen hat, ist verständlich.
Zu dieser Schicht gehört nun auch unser Ortsname Vill, gesprochen /fill/, urk. ca. 1220
Ville. Der Name kommt von lat. villa,,Landgut“. Dieses lateinische Wort kam schon
früh zu den Germanen und ergab durch Lautsubstitution des lat. v-, im Germanischen
als w- und späterer Diphtongierung des german. wil, weil, etwa in Rottweil, Weilheim.
Beim Flurnamen Weil in Arzheim bei Ehrenbreitstein wurden Reste eines römischen
Gehöftes aufgedeckt (Bach, Deutsche Namenkunde II, § 448). Namen auf Weiler gehen
hingegen auf eine Ableitung von villa, nämlich villare zurück. Nun lautet aber unser Vill
nicht Weil, sondern /fill/. Dies läßt sich dadurch erklären, daß das romanische v- später
im Bairischen durch v- substituiert wurde, das lautgesetzlich f- ergab. In der ersten
Landnahmezeit der Baiern war roman. v- noch bilabiales u- und ergab so bair. w- etwa
in Wattens, Wilten. Es muß dann das rom. v- labiodental geworden sein, das die Baiern
entsprechend als v-, später f- substituierten. Praktisch alle romanischen Namen in Tirol
haben diese Vertretung als f, vgl. Vögelsberg * rom. veclu * vetulus,,alt". Was das i in
Vill betrifft, so muß villa im Romanischen die Länge des i gekürzt haben, so daß
regelrecht /fill/ entstand. Es ist also Vill eine bodenständige Entwicklung aus dem
Romanischen. Übrigens tritt villa öfters, besonders in Südtirol, auf, auch in Arzl bei
Innsbruck gibt es einen Flurnamen in der Vill, gesprochen /fill/ (Finsterwalder II, 628).
Im Umkreis von Vill sind auch noch weitere romanische Namen erhalten geblieben. Auf
der Katasteraufnahme von 1856 sind angeführt (und heute noch bekannt):
Ronkes, gesprochen /rungges/ zu roman. *runcu, *runca,,Rodung". Ebenso in Arzl
Runggen und Razell *runcéllu (Finsterwalder II, 629).
Gula, gesprochen /die gul/ zu gula,,Schlund" (REW 3910, Schorta, 168).
Fistel, gesprochen /fischtl/ zu ladinisch festil,,Brunnentrog aus einem Baumstamm"
(Elwert, S. 76). Finsterwalder FN 278 weist Fistill in Enneberg, urk.,,hof ze Vestil“ nach.
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Bei unserem Namen wurde der Akzent im Bairischen auf die 1. Silbe verlegt, eine
Erscheinung, die alle vorrömischen und romanischen Namen betraf, die vor ca. 1000
n.Chr. in bairischen Mund kamen.
Fikes, gesprochen /figges/ kann ähnlich wie der Flurname Figge in Rum und Föderfigkh
in Kortsch, Vinschgau, zu petra ficta,,Grenzstein" gehören (Finsterwalder II, 684).
Pains, gesprochen /pais/ (mit nasalem Diphtong), vielleicht zu pīnus,,Fichte“, „,Föhre"?
Ältere Belege sind mir nicht bekannt. Allerdings müßte das roman. I in offener Silbe
erhalten geblieben sein.
Im Beitrag von Harwick W. Arch in diesem Band sind weiters zwei romanische Namen
angeführt, die nicht im Kataster von 1856 aufscheinen, und zwar: die Balbitte zu lat.
palude, ladinisch palua, paluva,,moosiges Feld" gestellt. Finsterwalder FN 186 erwähnt
ein Palbitt bei Brixen, S.T., das er zu * palwa, einem Alpenwort mit der Bedeutung
,,überhängender steiler Fels" und roman. Ableitung -ittu- stellt; das Kartele, das zu
quarta,,Viertel gehört. Vgl. quartinale als eine Ackerfläche, die eine entsprechende
Menge Getreides liefert. Vgl. Finsterwalder FN 350.
Die schriftliche Wiedergabe der Namen in Urkunden, Katastern u.dgl. ist vielfach nicht
korrekt und bedarf unbedingt einer Überprüfung durch die Befragung von einheimi-
schen Gewährsleuten. So lautet das auf der Katastermappe angeführte und schwer
verständliche Gstans in Wirklichkeit /gstóass/. Die romanischen Flurnamen liegen
westlich des Ortskernes von Vill, zur Sill hin, während östlich von Vill nur deutsche
Namen aufscheinen wie Kreit (= Gereut), Schober, Vierwies, Bachgang, Seebüchl,
Kreuzbüchl, Grill (zum Übernamen Grille; Finsterwalder FN 305). In dem erwähnten
Beitrag von Harwick W. Arch erwähnt der Autor, daß die Tätigkeit eines römischen
Landmessers noch heute im Katasterplan und in der Natur erkennbar sei. Aus der
Namensform /fill/ ist die Frage, wann der Name ins Bairische übernommen wurde,
schwer zu beantworten, da das Wort einsilbig und daher keine für die Chronologie
wichtige Akzentverschiebung festzustellen ist. Es bleibt nur die Substitution des Anlau-
tes durch bair. f-; dies würde auf eine Übernahme ab dem 7.- 8. Jh. hinweisen.
*Ich danke dem Leiter des Stadtarchivs, Herrn Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz
Hye, sowie seinen Mitarbeitern für die Hilfe und Beratung bei der Ausarbeitung dieses
Beitrages.
Literaturhinweise:
Wer sich über die Besiedlungsgeschichte und Interpretation der tirolischen Ortsnamen
genauer informieren will, sei auf die gesammelten Beiträge von Karl Finsterwalder
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verwiesen: Tiroler Ortsnamenkunde, Band I und II, Innsbruck, Universitätsverlag Wag-
ner 1990. Band III ist in Vorbereitung und wird ein Gesamtregister der behandelten
Namen enthalten.
Adolf Bach, Deutsche Namenkunde II, Heidelberg 1954.
Hanns Bachmann, Zur älteren Siedlungs- und Flurgeschichte von Wattens. In: Wattner
Buch (Schlern-Schriften 165), Innsbruck 1958, S. 133-164.
Hanns Bachmann, Über das Flurbild von Erl. In: Tiroler Heimatblätter 23 (1948), S.
119-122.
W. Theodor Elwert, Die Mundart des Fassa-Tales. Heidelberg 1943.
Karl Finsterwalder I, II: Tiroler Ortsnamenkunde, Band I, II. Innsbruck 1990.
Karl Finsterwalder FN: Tiroler Familiennamenkunde (= Schlern-Schriften 284). Sei-
tenzitate nach der Auflage von 1990.
Karl Finsterwalder, Rofan: Rofan - seit Urgeschichtszeit ein Almenland - im Spiegel
seiner Namen. Abgedruckt in Finsterwalder II, S. 758-762.
Peter W. Haider, Tirol unter römischer Herrschaft. Geschichte des Landes Tirol, Band
1. Bozen-Innsbruck-Wien 1985, S. 127-264.
Heinz Kronasser, Zum Stand der Illyristik. Linguistique balkanique 4, Sofia 1962, S.
6-23.
Hermann M. Ölberg, Das vorrömische Ortsnamengut Nordtirols. Ungedruckte Disser-
tation. Innsbruck 1962.
Hermann M. Ölberg, Besiedlungsschichten: Die Besiedlungsschichten in einer Tiroler
Gemeinde anhand der Örtlichkeitsnamen. Amtlicher Gebrauch des geographischen
Namengutes, hg. von Egon Kühebacher. Bozen 1986, S. 107-110.
REW: Romanisches etymologisches Wörterbuch von W. Meyer-Lübke. 3. Aufl., Heidel-
berg 1935.
Andrea Schorta, Rätisches Namenbuch. Band 2. Bern 1964.
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Die vorgeschichtliche Hügelsiedlung in Vill
Von Harwick W. Arch
Die Lage
Beim Dorf Vill, seit 1942 Stadtteil von Innsbruck, ziehen sich unweit der St. Martinskir-
che nördlich des von Igls kommenden Viller Baches drei kleine Hügel von Westen nach
Nordosten. Sie sind an ihrem Südhang von einem kleinen und in Tirol sonst seltenen
Mischwald mit mehrhundertjährigen Eichen bedeckt. Die Kuppe des mittleren, niedrig-
sten Hügels wurde in den letzten Jahrzehnten aufgeforstet. Die Hügel erreichen im
Westen beginnend Seehöhen von 844, 843 und 853 Meter, dann fallen sie gegen das Viller
Moor hin auf etwa 840 m ab.
Die Viller Kirche und der Dorfkern liegen auf 821 m Seehöhe. Das Moor ist also etwas
höher und wird in den Viller Bach entwässert.¹
Die Hügel selbst sind Teil einer Eiszerfalls-Landschaft, die auf dem Phyllit-Grundgebir-
ge der das Inntal begleitenden südlichen Mittelgebirgs-Terrasse liegen. Das anschließen-
de Moor hat eine Mächtigkeit von - heute noch etwa 5 m. Die Torfschicht hat sich in
dem 1813 abgelassenen Viller See erhalten. Heute sind dort saure Wiesen. Als Terrassen-
sedimente kommen wie auf den Hügeln Schotter, fluvioglaziale Sande und Tone vor;
über den Tonen liegt im Moor noch eine Schicht Seekreide.
Mit Kaufverträgen vom 7. Juni 1936 erwarben die Eltern des Verfassers, Josef und Mia
Arch, geb. Redlich von den Landwirten Josef Span (vulgo Bürger) und Josef Abenthung
(vulgo Nocker) einen Teil der Hügel. Es waren die Grundparzellen 307, 306/1, 267/2 und
277/2 der Katastralgemeinde Vill. Die Parzelle 307 deckt sich fast genau mit dem
seinerzeit als,,Heiligtum“ bezeichneten Gebäuderest einer vorgeschichtlichen Siedlung.
Er war im Norden und im Westen durch die starke Winderosion über der Grasnarbe zur
Zeit des Grundkaufes noch sichtbar. Der auch als Legalisator fungierende ehemalige
Gemeindevorsteher von Vill, Josef Span (1904 bis 1908) bezeichnete die Mauerreste als
,,Turm". Nach den ersten archäologischen Funden wurden gegen Osten hin auch die
Parzellen 308, 309 und 276/1 in die Grabungen einbezogen. Die Parzelle 307 ist im
Gegensatz zu allen anderen flach und bildet ein etwa 20 m langes Plateau knapp westlich
1 Sr. Pankratia Feurstein, Geschichte des Viller Moores und des Seerosenweihers an den Lanser Köpfen bei
Innsbruck, in: Beihefte zum Botanischen Centralblatt Bd. LI, Abt. II, 1933, S.477-529; die angegebenen
Seehöhen sind durch neuere Messungen teilweise überholt.
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des baumbestandenen Hügelkammes. Hier wollten meine Eltern - meine Mutter war
Malerin ein Atelierhaus bauen. Dieses hätte sich den Umrissen jenes alten Hauses
anpassen sollen, das in der Natur und auf dem amtlichen Katasterplan 1:2880 erkennbar
war.
Der Name
Unbekannt ist der Name der vorgeschichtlichen Siedlung in Vill. Vill selbst wird meist
auf die römische Villa zurückgeführt, was allerdings etwas kritischer betrachtet werden
muß. Eine römische Villa, also ein großes Landhaus, ein Gutshof, wie es dem lateini-
schen Sprachgebrauch, den Siedlungsgewohnheiten der Römer im engeren Sinne und der
Nähe von Veldidena entsprochen hätte, ist in Vill bis jetzt nicht entdeckt worden. Wenn
auch die Hügelsiedlung in der römischen Kaiserzeit ein wenig bewohnt gewesen war, so
konnte sie doch dem späteren Dorf einen solchen Namen nicht geliehen haben, weil es
ihn in dieser Bedeutung noch nicht gab. Erst die spätere romanische Mischbevölkerung
kannte das Wort,,villa" im Sinne eines Weilers oder eines kleinen Dorfes, wie Beispiele
aus der rätoromanischen Schweiz zeigen.
Die,,via ad villam Ville" in einer Urkunde von 12512 war also nicht der,,Weg zum Hof
Ville", sondern der Weg zum ehemals romanischen,,Weiler Ville", dessen Entstehung
und Namengebung daher erheblich nach dem noch römischen" 4. Jahrhundert n.Chr.
anzusetzen ist. Auf eine Besiedlung des Dorfkernes wesentlich vor der urkundlichen
Nennung im 13. Jahrhundert deuten jedoch die Maße aus der römischen Feldmeẞtech-
nik, von denen noch zu berichten sein wird. Auch gibt es noch zum Teil bis heute
benützte Flurnamen in Vill mit romanischer Wurzel. Dazu gehören die Balbitte (lad.
paluva, moosiges Feld), in der Gulle (roman. golla, Lacke), Runkes (roman. runca,
Rodung) oder das Kartele (Quartele, Viertel).
Andere Deutungen wie die der,,Fülle", die bei alten Wasserbauten (Viller See) soviel wie
Andämmung oder Anschwemmung³ bezeichneten oder der Heilige Vigilius, der in vielen
Tiroler Familiennamen als Fill, Vill, Fili oder File wiederkehrt, verblassen gegenüber der
Erklärung aus der romanischen Wurzel. Bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert
liest man den Ortsnamen zumeist ,, Ville".
2 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung von Tirol (= Archiv für österr. Geschichte Bd. 107)
1923, S. 326; sowie Franz-Heinz Hye, Igls und Vill. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Innsbrucks.
Innsbruck 1976, S. 10.
3 Bartholomäus Eberl, Die Bayerischen Ortsnamen als Grundlage der Siedlungsgeschichte, 2. Bd., München
1926, S. 141 und 189.
4 Karl Finsterwalder, Die Familiennamen in Tirol. In: Schlern-Schriften 81, Innsbruck 1951, S. 210.
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Vorgeschichtliche Ausgrabungen am Kreit- oder Goarmbichl: Die Grundmauern mit dem Eingang (vorne) des
südseitigen Gebäudes.
Foto: Denkmalamt (1941)
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Der Hügel selbst, um den es hier geht, wurde bei den Kaufverhandlungen (1936) stets
,,Turmbichl" genannt, obwohl dieser Name sich auf den südlich benachbarten Hügel
bezieht, wo er sich auch bereits in der Katastermappe von 1856, dem ältesten detaillierten
Plan von Vill, eingezeichnet findet.
Neuere Historiker, vor allem Walter Leitner und Peter W. Haider, denen wir die sehr
aufschlußreiche Darstellung des vorgeschichtlichen Vill verdanken, benützen den
Namen,,Goarmbichl".
Für die Ausgräberin Helene Miltner gab es von Anfang an nur den Turmbichl7. Sie
verfaßte den bis heute einzigen ausführlichen Grabungsbericht unter dem Titel,,Die
Illyrer-Siedlung in Vill", von dem hier noch zu sprechen sein wird. Darin gab es nur den
Namen Turmbichl. Lediglich in einer Fußnote auf Seite 7 meint sie, daß sich der Name
Turmbichl erst während der Ausgrabungen eingebürgert hätte und daß der Hügel mit
den baulichen Resten,,Goarmbichl" hieße. Dieser Name ist jedoch nicht historisch und
auf keiner einzigen alten Landkarte oder Urkunde zu finden. Der Verfasserin wurde
damals bekannt, daß der meiner Familie am 8. Dezember 1939 als Entschädigung für das
enteignete Grabungsareal zugewiesene Teil des Hügels zu einem Hof gehörte, dessen
Eigentümer die Erbengemeinschaft Jakob Schwemberger - ebenfalls einfach enteignet
worden waren. Dieser Hof trug früher den Namen,,Garnhof". Er stand an der Stelle des
heutigen Schwemberger-Wirtschaftsgebäudes (Igler Straße Nr. 19) und ist 1910 abge-
brannt. Der jetzt im Höfemuseum bei Kramsach stehende Schießstand von Vill zeigt
noch Spuren des Brandes in seiner Nähe. In den Akten der Höfekommissions und in den
Grundbuchsauszügen hieß der Hof Gamhof - sicher ein Hörfehler des Gerichtsschrei-
bers. So also wurde aus dem Hügel des Garhofs (vgl. unten im Beitrag von Franz-Heinz
Hye die Daten zur Häusergeschichte) - mit dumpfem a bzw. oa - der Garnhof und der
,,Goarmbichl", dessen Nordhang noch heute im Eigentum der Familie Schwemberger
steht.
5 Walter Leitner, Die Urzeit. In: Geschichte des Landes Tirol, Bd. 1, Bozen 1985, S. 14 und 107ff..
6 Peter W. Haider, Von der Antike ins frühe Mittelalter. In: Geschichte des Landes Tirol, Bd. 1, Bozen 1985,
S. 131 und 179.
7 Helene Miltner, Vorgeschichtliche Siedlung auf dem Turmbichl in Vill. In: Tiroler Heimatblätter 18 (1940),
Heft 5/6, S. 73-76.
8 Bezirksgericht Innsbruck, GZL. 2214 vom 18.8.1936 und Tiroler Höfekommission, Zl. III/574/4 vom
15.2.1936.
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Vorgeschichtliche Ausgrabungen am Kreit- oder Goarmbichl:
die Fundamente des nordseitigen Gebäudes. Im Hintergrund der Seebichl.
Foto: Denkmalamt (1941)
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Die Entdeckung
Vill hatte zu wenig und nicht sehr gutes Trinkwasser. Ein Bauwerber mußte daher 1936
selbst für eine Wasserleitung sorgen, um bauen zu dürfen. Das taten wir daher und
wollten auch gleich das Nutzwasser für die Bauarbeiten aus einer am Fuß des Hügels
gefaßten Quelle in eine 2,7 x 1,3 m große und 2 m tiefe Betonwanne pumpen. Diese hätte
später als Teil einer Kläranlage, in einem sogenannten Emscher Brunnen das Abwasser
aufnehmen sollen. Meine Eltern begannen selbst mit dem Aushub und ich als Vierzehn-
jähriger mußte helfen, was ich sehr ungern tat.
Am 20. August 1937 mittags, einem Freitag, stieß ich in 80 cm Tiefe auf einen - wie ich
meinte Hundsknochen. Wir hatten damals einen munteren Foxterrier mit in Vill, den
aber das Steiẞbein eines menschlichen Skelettes aus dem 7. Jahrhundert überhaupt nicht
interessierte. Damit hatte auch ich jedes Interesse an alten Knochen verloren, von der für
mich langweiligen Arbeit ganz zu schweigen.
Nicht so meine Mutter, die als akademische Malerin auch Anatomie studiert hatte und
mit größtem Interesse noch am gleichen Tag eine Beckenschaufel und einen halben
Oberschenkelknochen sorgfältig barg. Sie rief noch am Abend den Chef des Anatomi-
schen Institutes, Dr. Felix Sieglbauer, an, der aber gerade seinen Urlaub begann. Er
schickte seinen Assistenten Dr. Johannes Schneider am Samstag früh mit der Igler Bahn
zu uns nach Vill.
Das weibliche Skelett - später als 1 bezeichnet - lag mit dem Kopf in Richtung zum Bach
hin, das Gesicht nach rechts, also nach Osten gewendet, in Rückenlage, den rechten
Arm angewinkelt, den linken ausgestreckt über dem Leib und die Beine geschlossen.
Körpergröße in situ 169 cm. Der vollkommen erhaltene Schädel war mit 136 mm Breite
und 186 mm Länge ein echter Langschädel und hatte ein fast vollständiges Gebiß. Man
war damals mit Schneider¹0,,geneigt, das Viller Skelett als Baiwarenskelett (sic) anzu-
sprechen. Das Lebensalter muß bei 20 Jahren liegen. Mit meinem Fotoapparat, einer
Box um zehn Schilling der Firma Miller, mußte ich Fotos machen, wobei es mir nicht
darauf ankam, den Kopf mit dem Gesicht auch einmal nach der anderen Seite blicken
zu lassen.
Das Skelett wurde später vom Anatomischen Institut um S 250,-- erworben und 1938 (!)
9 Nicht nach links, wie es auf einem zweiten Foto (= Abb. 3, in: Tiroler Heimatblätter 18 (1940), Heft 5/6,
S. 75) zu sehen ist.
10 Johannes Schneider, Fund eines früh- oder vorgeschichtlichen, weiblichen Skelettes in Vill bei Innsbruck
und seine Bedeutung. In: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, Math.-Naturwissenschaftli-
che Klasse, Abt.I, Bd. 146, 5. und 6. Heft, Wien 1937, S. 195.
22
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,,als älteste Deutsche auf Tiroler Boden" auf einem Ehrenplatz inmitten des Museums-
saales zu Studienzwecken aufbewahrt. Da es an Stelle seiner bescheidenen Bestattung mit
einer Umrandung von wenigen Steinen nun eine schöne Vitrine, eben einen ,,Glassarg"
erhielt, wurde es von den Medizinstudenten seither als Viller Schneewittchen bezeichnet.
Heute, ein halbes Jahrhundert später, muß allerdings die bajuwarische Herkunft ernst-
lich bezweifelt werden, da sie von Schneider nur auf Grund rassischer Merkmale festge-
stellt wurde. Den Bajuwaren steht eine ethnische Mischbevölkerung, vor allem Roma-
nen, mit größerer Wahrscheinlichkeit gegenüber.
Die Information
Der Bruder meines Großvaters, der Historiker Oswald Redlich, gab meinem Vater die
Anschrift von Gero von Merhart in Marburg an der Lahn. Dem berichtete er am 3.
September 1937 in einem ausführlichen Brief mit Fotos und Skizzen von dem Fund. Da
aber die Antwort ausblieb und wir im Frühjahr 1938 mit dem Neubau beginnen wollten,
wandte sich mein Vater telefonisch an Oswald Menghin in Wien. Für den aber war Vill
zu jener Zeit gleichbedeutend mit dem Viller Moor, wo er Pfahlbauten vermutet hatte¹¹.
Schon im Oktober 1920 war nämlich im Moor bei Torfsticharbeiten eine 130 mm lange
Armbrustfibel gefunden worden¹². Es folgten im Mai 1921 eine Schädelkalotte und aus
2 m Tiefe eine 127 mm lange, frühhallstattzeitliche Lanzenspitze sowie ein schwärzlich-
braunes, nur 2 mm starkes Tontöpfchen, 101 mm hoch und am Boden 60 mm breit. Vor
allem erregten dort waagrecht liegende, behauene Pfähle Menghins besonderes Interesse,
das aber trotz mehrerer Versuche weder von ihm und später auch nicht von seinem Sohn
Osmund durch systematische Bergungen befriedigt werden konnte. Was Wunder, wenn
sich Menghin nicht von einem solchen archäologischen Hoffnungsgebiet ablenken lassen
wollte und meinem Vater bei seinem Anruf wörtlich sagte: „,Das werden halt Tote aus
den Befreiungskriegen sein“ und er möge sich an die Historiker wenden. Da auch die
damaligen Denkmalpfleger Dr. Oswald Graf Trapp in Innsbruck und Hofrat Dr. Kurt
Willvonseder in Wien ähnlich reagierten, war mein Vater zutiefst beleidigt und sprach
von da an nur mehr abfällig über Archäologen.
11 Oswald Menghin, Nordtiroler Funde, 2. Pfahlbauspuren im Viller Moos. In: Wiener Prähistorische
Zeitschrift XI (1924), S. 118-121.
12 Heinrich Schuler, Zur Abtorfung des Viller Sees. In: Tiroler Anzeiger vom 5. 6. 1920: Schuler war der
spätere Abt des Prämonstratenserstiftes Wilten, dem der See bis zur Säkularisierung am 17. September 1807
gehörte.
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Diese Abneigung erhielt dann im März 1938 mit dem Anschluß von Österreich an das
Deutsche Reich neue Nahrung. Durch seinen Kriegskameraden, den Historiker Otto
Stolz, wurde er mit Franz Miltner bekannt. Inzwischen war Schneiders Aufsatz als
Sitzungsbericht durch die Vermittlung Oswald Redlichs im Druck erschienen und auch
in Innsbruck bekannt geworden: Kurz, unser Skelett wurde zum Beweis für die erste
deutsche Besiedlung Tirols und damit auch zu einer pseudo-historischen Rechtfertigung
des Anschlusses erhoben. In der guten Absicht, die neuen Machthaber auch für kulturel-
le Dinge und für wissenschaftliche Arbeit zu interessieren, wurde Gauleiter Franz Hofer
von Miltner zu uns nach Vill geführt. Wenige Wochen darauf mein Vater war bereits
bei der Deutschen Wehrmacht wurde das Enteignungsverfahren über unser Grund-
stück,,zugunsten des Reichsschatzes" eröffnet.
Da unser Haus in der Meraner Straße 6 fast zur gleichen Zeit zur Erweiterung des
Landhauses in das Eigentum des Landes überging und wir nicht einmal mehr eine
Wohnung hatten, wurde der Enteignungsbescheid in einen Tauschvertrag umgewandelt;
unseren Baugrund waren wir aber los. Es wurde uns der Grund mit dem scharfen Kamm
im Westteil des Hügels zugewiesen, der dann einfach der Familie Schwemberger wegge-
nommen wurde. Er war als Baugrund vollkommen ungeeignet und viel zu schmal, so daß
die Aufschließungskosten ungeheuer stiegen und auch der Architekt, Willi Stigler, heftig
protestierte. Dreimal mußte dann der Bau auf Weisung des Gauleiters-Stellvertreters
Parson innerhalb von Stunden eingestellt werden, weil er nicht in die Landschaft paẞte.
Einmal wurde das Weiterbauen verboten, weil auf unserem neuen Grund riesige Weiß-
tannenbalken aus dem Tannheimer Tal abgeladen wurden, die für die Rekonstruktion
des sogenannten,,Heiligtums" gebraucht wurden.
Vom 8. bis 21. Mai 1939 wurde von der Lehrkanzel für Alte Geschichte an der Innsbruk-
ker Universität, damals Deutsche Alpenuniversität, noch auf unserem Areal eine Probe-
grabung begonnen. Dabei hielt man es nicht einmal für notwendig, uns zu verständigen
oder etwa gar meine Mutter zu fragen. Diese Probegrabung brachte aber endlich die
Bestätigung unserer Vermutung, daß es sich um eine Siedlung handelte, deren systemati-
sche Ausgrabung wertvoll zu werden versprach. Mit den dabei ergrabenen Informatio-
nen konnte dann Frau Dr. Helene Miltner, die Gattin des Universitätsprofessors Milt-
ner, am 9. Juli 1939 mit den Grabungen beginnen.
24
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Die Zeit
Osmund Menghin meint in einem Beitrag zur Historisierung der Urgeschichte Tirols¹³
im Zusammenhang mit den auf Volderer und Staner Keramik auftretenden ,,Wolfszahn-
kanneluren", daß noch,,älteres offenbar aus Vill vorliegt; so wird man mit der Tierkopf-
fibel mit nach hinten gewandtem, doch naturalistischen Pferdeköpfchen nur ungern
wesentlich unter das 5. Jahrhundert v. Chr. heruntergehen wollen, auch wenn es vorläu-
fig nicht möglich ist, ihr einen eindeutig zugehörigen Formen- und Dekorkreis aus der
Keramik an die Seite zu stellen. Hingegen wird man gern die bronzene Armspirale mit
Tierkopfenden für den Untergang der Siedlung in Anspruch nehmen, auch wenn sie
isoliert gefunden wurde (. . . ), da ein solches Stück auch in Stans ans Licht gekommen
ist und weitere solche Armreife aus Sanzeno sich im Ferdinandeum befinden, die nach
Patina aus der Brandschicht stammen müssen. Diese Hinweise dürften genügen, um
darzutun, daß dieser Platz zu recht für unseren Störungshorizont in Anspruch genom-
men werden darf, auch wenn (...) eine spätere Wiederbesiedlung, gleich in welcher
Form, stattgefunden hat."
Damit ist der Zeitansatz bei Miltner14 mit der ,,zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v.
Zr." für den Beginn der Besiedlung erheblich früher zu sehen. Im Zusammenhang mit
der eher jüngeren Siedlung am Himmelreich in Volders¹s ist gegenüber Menghin minde-
stens die vorsichtigere Datierung der ersten Viller Siedlungsphase mit dem 4. bis 1. Jh.
v. Chr. bei Lippert¹6 vorzuziehen. Die,,Fritzner Schalen" (siehe unten, Kleinfunde!) mit
dem waagrecht umlaufenden Tannenreismuster (Miltner nennt es Fischgräten) lassen
sogar eine Datierung in die Latènezeit A zu. Reinecke läßt dafür allerdings in weniger
gebirgigen Gegenden absolut chronologisch etwa die Jahre 500 bis 400 v. Chr. gelten. Ein
,,schematischer Versuch der Besiedlungsdauer" bei Paul Gleirscher17 läßt für Fritzens-
Sanzeno-Fundorte in Nordtirol die erste Besiedlung von Vill während der ganzen
Latènezeit (A bis D) durch Keramiken gesichert erscheinen. Sie wird nur von Fritzens
und dem Burgberg in Stans übertroffen, die wie Tarrenz sogar in die späte Hallstattzeit
D hineinragen. Erst mit Abstand folgen dann (ab Latène B, also etwa dem späten 4.
Jahrhundert) Telfes, das Himmelreich in Volders, Ranggen und Birgitz, die alle vor der
13 Osmund Menghin, Zur Historisierung der Urgeschichte Tirols. In: Tiroler Heimat 1961 (XXV), S. 5f.
14 Helene Miltner. Die Illyrer-Siedlung in Vill. Innsbruck 1944, S. 37f.
15 Alfons Kasseroler, Die vorgeschichtliche Niederlassung auf dem „,Himmelreich" bei Wattens. In: Schlern-
Schriften 166, Innsbruck 1957, S. 127.
16 Andreas Lippert, Vill. In: Reclams Archäologieführer Österreich und Südtirol, Stuttgart 1985.
17 Paul Gleirscher. Die Kleinfunde von der Hohen Birga bei Birgitz. Diss. Innsbruck 1984, S. 111 und 113.
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Latènezeit D und vor Vill zerstört oder jedenfalls als Siedlung aufgelassen worden sein
dürften.
Mit der ersten Zerstörung ist auch nicht die Eroberung durch Drusus und Tiberius 15
v. Chr. anzusetzen, wie Miltner noch meinte. Wenn nicht ein großer Brand diese dem
Föhn so stark ausgesetzten Hügel heimsuchte, sind frühere Kriegsereignisse dafür
anzunehmen. Zwar streifte der Kimbernsturm 102 v. Chr. unseren Raum nicht, Unruhen
könnte er aber bei den Kelten ausgelöst haben, in deren Gefolge die Zerstörung der Viller
Hügelsiedlung denkbar wäre.
Leichter fällt uns die zwar dünnere aber durch Münzen eindeutigere Datierung während
einer zweiten Besiedlung des Viller Hügels in der römischen Zeit. Hier liegen Münzfunde
von Commodus (180-192) bis Julianus Apostata (360-363) vor, die noch durch einwand-
frei römische Terrasigillata-Scherben bestätigt werden.
Nach einer fundleeren Epoche, die als Besiedlungslücke gedeutet werden muß, beginnt
vielleicht eine kurze frühmittelalterliche Verwendung des Hügels. Menghin setzt sie
aufgrund der 13 Gräber in das 8. bis 9. Jahrhundert n. Chr. an, neuere Autoren nennen
eher das 7. und das frühe 8. Jh.18. Über den Zeitpunkt, wann und vor allem ob eine
bajuwarische Siedlung auf dem Hügel bestand, gibt es nirgends Angaben. Daß zwei
Bestattungen im südöstlichen Wohnbau innen erfolgten, scheint zu zeigen, daß zumin-
dest dieser Teil der Siedlung nicht mehr bewohnt und wahrscheinlich zerstört war. Nur
die Grundmauern die heute durch einen ebenfalls bereits zerbröckelnden Betonkranz
markiert sind könnten den beiden Bestattungen (Nr. 7 und 8) als Einfriedung gedient
haben.
Anschließend an den Satz über die (anzuzweifelnde) bajuwarische Siedlung führt aber
Osmund Menghin - nur durch einen Strichpunkt getrennt - einen Satz an, gegen den ich
mich mit aller Entschiedenheit verwahren muß; er ist nämlich unwahr. Er schreibt:,,Von
privater Seite habe ich gehört, daß ein weiterer Gebäuderest beim Bau der heute in der
Südwesthälfte des Hügels stehenden Villa zerstört wurde." Zwar wurde uns tatsächlich
von Freunden und Nachbarn oft geraten, neuerliche Funde nun zu verheimlichen, doch
war die Neugier vor allem meiner Mutter aber auch meiner Mitschüler, die zugleich mit
unserem Grundaushub nebenan auf Miltners Grabung arbeiteten, zu groß, um nicht
ständig danach zu suchen. Der Ersatzgrund war so spitz, daß darauf kein vernünftiger
Mensch jemals ein Gebäude gesetzt hätte, es sei denn, er hätte ihn wie wir sechs Meter
abgegraben, angeböscht und mit einer Stahlbetonplatte als Fundament gegen das Abrut-
schen über die steilen Hänge abgesichert.
Außer zwei mittelalterlichen Streufunden, einem Besteckgriff und einer Hakenschnalle
18 Peter W. Haider, a.a.O., S. 227ff.
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mit einer Herzverzierung war die ganze Parzelle 305/3 vollkommen fundleer. Kein
einziges Keramikfragment, von einem Gebäuderest ganz zu schweigen. Irgendein Hin-
weis auf zerstörte Funde konnte von niemand ernstlich gegeben werden.
Die Schließung der chronologischen Lücke zwischen der Viller Vorgeschichte im 7. oder
frühen 8. Jahrhundert n. Chr. und den ersten schriftlichen Aufzeichnungen ist schwierig.
Sie beträgt nach dem heutigen Wissensstand rund ein halbes Jahrtausend 19.
Nur die Tätigkeit eines Landmessers, der mit römischem Fuß, mit,,actus" und,,heredi-
um" zu messen verstand und manchen Viller Wiesen und Feldern ihre auch heute noch
in Katastralplan und Natur20 sichtbare Form gab, vermag diese Lücke ein wenig zu
unterbrechen. Zwar gibt es keinen Beweis für die Datierung dieser Vermessung, doch
darf nach den Erfahrungen aus Salzburg, Oberösterreich und Bayern etwa auf die
Karolingerzeit, vielleicht grob auf das 10. Jahrhundert geschlossen werden.
Die vage Vermutung, Vill könnte uns zwischen den frühchristlichen Gotteshäusern in
Ampass und Zirl eine weitere christliche Stätte aus dem frühen Mittelalter preisgeben,
gewinnt damit an Boden. Dörfer mit römischer Landvermessung sind nämlich,, Aus-
gangspunkte sowohl für die Romanisierung wie für die erste Christianisierung des
Landes 21 Romanische Flurnamen und der Ortsname selbst, die ja wegen der Besied-
lungslücke nach der römischen Kaiserzeit nicht auf diese zurückgehen können, unter-
mauern die spätere Romanisierung. Bis zur ersten urkundlichen Erwähnung eines Viller
Mesners22 im Jahre 1312 klafft freilich noch immer eine Lücke, die höchstens mit
archäologischen Methoden und außerhalb der Hügelsiedlung geschlossen werden könn-
te. Doch damit sprengen wir schon den Rahmen einer vorgeschichtlichen Betrachtung.
19 Bis 1220; Edmund v. Oefele, Geschichte der Grafen von Andechs. Innsbruck 1877, S. 181.
20 5 actus und 1 heredium südlich des Bachganges, 8 actus südlich des Archbichls, 5 actus bei der Parzelle mit
,,Haus 3", 1 Quadratactus um St. Martin, 1 actus bei der Mühlpuiten u.a.
21 Hanns Bachmann, Zur Datierung der römischen Feldvermessungen in Nordtirol. In: Tiroler Heimatblätter
24 (1949), S. 44.
22 Karl Schadelbauer (Bearbeiter), Das Inntaler Steuerbuch von 1312. In: Quellen zur Steuer-, Bevölkerungs-
und Sippengeschichte des Landes Tirol (Oswald-Redlich-Festschrift), Schlern-Schriften 44, Innsbruck
1939, S. 56:,,der Mesner" ist bereits Beiname eines Bauern namens Albreht und daher älter.
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Die Bauten
Im ganzen wurden auf der Hügelsiedlung nur zwei große Häuser und ein kleineres drittes
Haus festgestellt. Ob dieses aber aus mehreren Räumen bestand oder ob es sich um zwei
oder drei verschiedene Häuser handelte, muß offen bleiben. Außerdem war die Archäo-
logie des Holzes in den Vierzigerjahren unseres Jahrhunderts eine noch wenig entwickel-
te Wissenschaft. Es war daher möglich, daß Holzreste zwar in Steinbauten oder Funda-
menten als Schwellen, Fußböden, Säulen und einmal (bei Skelett 4) auch als Bestattungs-
rest festgestellt wurden, daß aber Holzhütten ohne Steinfundament nicht vermutet und
daher auch bei der Grabung nicht erkannt wurden.
Das Haus 1 steht südlich des westlichen Hügelkammes auf einer bereits erwähnten,
künstlich eingetieften Hangterrasse. Es mißt Ost-West 22 m und Nord-Süd 10 m. Neben
einem großen Raum sind noch zwei kleine und ein Gang vorhanden. Miltner wunderte
sich noch über den ,,eigenartigen Grundriß23 des Gangraumes. Ein Jahrzehnt später
wurden jedoch im Himmelreich in Volders genau die gleichen winkelförmigen, an den
Schmalseiten dreier Häuser nach innen führenden Gänge freigelegt. Auch in den räti-
schen Häusern von Stans/Unterinntal, Birgitz, Stufels/Brixen a.E., Tesero im Fleimstal,
Montesei di Serso, Sanzeno am Nonsberg und anderen Tiroler Fundorten des Fritzens-
Sanzeno-Kreises sind sie zu erkennen. Sie sind als Windfang zu deuten, obwohl im Laufe
der Zeit auch eine gewisse Schutzfunktion dazugekommen sein dürfte 24. Ein so aufwen-
diger Windfangbau war aber nur notwendig, wenn das Haus ein Warmdach hatte, das
gegen Winddruck und Sog von außen und gegen Hub von innen geschützt werden
mußte. Das mit Holzschindeln gedeckte,,bairische" Kaltdach, das fast bis in die Gegen-
wart in Vill üblich war, hätte derlei nicht gebraucht, da die Blockbauweise einen
Überboden trug.
Stroh ist als Deckmaterial bei den damaligen, niedrigwüchsigen Getreidesorten unwahr-
scheinlich. Es kommen daher eigentlich nur Sauergräser in Frage, die an den Ufern des
nahen Sees reichlich verfügbar waren. Daraus ergibt sich aber eine Dachneigung von
mindestens 50° und die Form eines Satteldaches. Pultdächer könnten nur bei kleinen
Anbauten verwendet worden sein.
Der große Raum hatte in der Mittelachse drei Bodenplatten, die als Auflager für
Holzsäulen aufgefaßt werden müssen und die die Satteldachform parallel zur längeren
Hausfront bestätigen. Sie sind bei der großen Spannweite der Pfetten und einem Licht-
maß von 8,14 x 8,25 m durchaus erforderlich. An den Wänden befinden sich Mauer-
23 Miltner, a.a.O., S. 9.
24 Renato Perini, Tesero (...) casa retica protoistorica. In: Per P. Frumenzio Ghetta OFM., Vich/Vigo di
Fassa 1991, S. 511.
28
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schlitze, die außergewöhnlich tragfähige Säulen mit einer Schmalseite von mindestens 30
cm aufnahmen. Im Osten gab es davon wahrscheinlich drei (zwei sind noch sichtbar), im
Norden fünf und im Westen drei oder vier. Ähnliche Schlitze gibt es auch im Haus 2, von
dem noch zu berichten ist.
An der Südmauer waren keine Ausnehmungen für Säulen mehr feststellbar, doch waren
sie durch Umbauten, Hangrutschung und vielleicht auch durch rezente Materialentnah-
men gestört. Möglicherweise hatte die Mauer ähnlich dem Himmelreichhaus die Kon-
struktion für den Risalit oder einen Söller zu tragen, wenn das Haus zweigeschossig
gewesen sein sollte. Von der Ausgräberin wurde diese Frage nicht berührt. Mein Vater
behauptete später, in der Mitte der Südmauer, aufgedeckt auf die Säulen an der Nord-
mauer rechteckige Sockellöcher gesehen zu haben, die der Maurer 1942 oder 1943 bei der
Ausbesserung geschlossen habe. Vielleicht müßte man auch der früheren Skizze von
Walter Schreiber (= Abb. 6 bei Miltner) trauen, die diese Stellen leer ließ. Jedenfalls ist
wie beim rätischen Haus im Fleimstal ein halb eingetieftes Haus in Mischbauweise, unten
Stein und oben Säulenkonstruktion anzunehmen, das ein steiles Pfettendach mit stehen-
dem Stuhl hatte, der auf Deckenbalken mit einer Mittelschwelle und zwei Fußpfetten
ruhte. Ein hoher Stauraum, vielleicht auch ein Obergeschoß mit niedrigem Kniestock ist
möglich. In unserem Haus 2 und im vergleichbaren Haus XIII auf der Hohen Birga bei
Birgitz ist ein Obergeschoß 25 sogar gewiß.
Auffallend am Haus 1 ist aber der heute zerbrochene, etwa quadratische Schieferblock,
der etwas aus der Mitte des großen Raumes liegt. Er erhielt nach der vollständigen
Freilegung zu sehen war er schon vorher einen Stahlrahmen mit einer Glasabdek-
kung, doch wurde diese bald wieder zerstört und er ist seither sehr rasch verwittert. Seine
noch 1939 erkennbare Gestalt von etwa 1 m Seitenlänge und 0,25 m Höhe ist vollkom-
men dahin. Er wurde von einer Platteneinfassung umrahmt, die rundherum eine 50 cm
breite und 22 cm tiefe Rinne bildete. Da in der Nähe ein kleines bronzenes Speichenrad
gefunden wurde und besonders schön verzierte Keramikfragmente verstreut lagen,
nannte Miltner den Block Opferstein oder Altar und das Gebäude ein Heiligtum.
Nun glaubte ich aber immer schon übrigens übereinstimmend mit Lippert26 und
anderen an eine ganz prosaische Erklärung. Wenn ein zukünftiger Archäologe in einem
Tiroler Haus zwei Heiligenbilder und ein Kreuz findet, so wird er daraus auch keine
Kirche, sondern eben den Herrgottswinkel der Stube erschließen. Ähnlich ist der,,Opfer-
stein" der Herd des Hauses, auch wenn darauf vielleicht Opfer dargebracht wurden und
ein Kulträdchen die religiöse Überzeugung der Bewohner in der ersten Besiedlungsphase
sichtbar machte. Es gibt dagegen bei Miltner zwei Einwände: Einmal, daß der Altar
25 Paul Gleirscher, a.a.O., S. 21.
26 Lippert, a.a.O., S. 251.
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deswegen aus der Gebäudeachse verschoben sei, weil durch das Eintreten hinzukommen-
der Teilnehmer die kultische Handlung behindert würde; diese Rücksichtnahme kann
aber auch für das Kochen des Mittagessens gelten. Daß zweitens Brandreste oder Asche
auf dem Steinblock 1939 fehlten ist nicht auf die seltenere Verwendung als Altar
zurückzuführen, sondern auf eine Verwitterung, da er ja teilweise freilag. Zählt man die
Breite eines Türstockes zum südlichen (längeren) Teil der ostseitigen Innenmauer des
Hauses hinzu, so steht der Herd sogar genau in der Mitte dieser Mauer - wenn auch nicht
des Raumes!
Der Verfasser konnte in den Abruzzen bei Acquafondata primitive, einräumige Häuser
mit der gleichen offenen Feuerstelle sehen, um die die ganze Familie beim Essen herum-
saẞ und in deren Rinne die Füße Platz fanden. Zudem hat der spätere Ordinarius für
Volkskunde, Karl Ilg, als Student selbst vom 9. Juli bis 13. September 1939 an der
Grabung in Vill teilgenommen und von ihm stammt die Beobachtung einer alten
Niederlegerhütte südlich von Wattens: Dort gibt es eine ähnliche Herdanlage, etwa einen
halben Meter hoch, auf Felsgestein und oben mit Lehm glatt verstrichen. Deren Vertie-
fung wird allerdings nicht wie in Vill von stehenden Schieferplatten sondern von Brettern
eingefaßt.,,Diese Herdgrube wird auch heute noch (1957, Anm. des Verfassers) vom
Almpersonal als vorteilhaft empfunden, wenn es durchnäßt und durchkältet in die Hütte
flüchtet **27
Das Holz der Türschwellen, der Polsterhölzer des Fußbodens und der erwähnten Säulen
war bei der Freilegung noch in Spuren erkennbar. Es wurde 1942 als Tanne angespro-
chen, weil die der Eisenzeit entsprechende Periode in der Botanik als „,Tannen-Buchen-
Zeit 28 bezeichnet wurde. Es könnte jedoch auch eine Rottanne (= Fichte) gewesen
sein, die in der Viller Gegend häufiger war. Der Transport der schweren Weißtannenbal-
ken aus dem Tannheimer Tal für die Rekonstruktion 1940 wäre überflüssig gewesen -
zumal auf unserer Parzelle seinerzeit sogar ein Holzbezugsrecht im nahen Ahrntal lag.
Am Nordhang des jetzt von Birken und Föhren bestandenen Hügels befindet sich das
Haus 2. Es ist 13,9 x 8,3 m groß und hat einen 1,3 m breiten, sich allmählich verbreitern-
den Rampengang im Nordosteck, aus dem man wieder in einen gleichen verwinkelten
Gang gelangt wie bei Haus 1. Die Zugangsrampe wurde in einer späteren Benützungs-
phase, vermutlich in römischer Zeit, zugemauert, die Zwischenmauer von Gang und
Hauptraum abgetragen und ein neuer Eingang an der ehemaligen Verbindung von
Zwischenmauer und Nordmauer im Hang geschaffen. Die Steinfundamente lassen eine
27 Karl Ilg, Die volkstümliche Bauweise in Wattens und Umgebung. In: Wattener Buch, 2. Bd. (= Schlern-
Schriften 165), Innsbruck 1958, S. 270 (mit Zeichnung).
28 Feurstein, a.a.O., S. 513.
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Unterteilung des Hauptraumes vermuten. Die Säulen waren aus Lärchenholz. Wenn
mein Vater Besucher durch die Ausgrabungen führte, legte er immer besonderen Wert
auf die Bemerkung, daß die große Steinplatte im Südosteck29 vor Beginn der Grabungen
noch gleichsam als Deckplatte wie ein Stiegenabsatz über den Mauern des jetzt noch
vorhandenen Geschosses waagrecht gelegen sei. Zusammen mit der im Vergleich zu
Haus größeren Eintiefung des Gebäudes und mit der höheren Nordmauer können
auch damit Indizien für ein Obergeschoß vermutet werden.
Gegen die Bezeichnung des Hauses 2 als Saalbau ist wenig einzuwenden, wenn man
annimmt, daß die erwähnte Unterteilung in einer späteren Baustufe erfolgte; aus stati-
schen Gründen könnte das auch angezweifelt werden. Bei allem Respekt vor den
Erkenntnissen der mit großer Sachkenntnis und mit unermüdlichem persönlichen Ein-
satz arbeitenden Grabungsleiterin, Frau Dr. Helene Miltner, glaube ich aber doch, einen
Zweifel erwähnen zu müssen. Ihre Behauptung, es hätte sich beim Haus 2 um keinen
Wohnzweck gehandelt, ist wohl sehr fraglich. Noch unrichtiger erscheint dann der
Schluß, es habe sich um einen Versammlungsraum der Gemeinde oder der Gemeindeäl-
testen gehandelt. Dabei soll nicht bestritten werden, daß die Nachbarn hier das eine oder
andere Mal zusammengekommen sein mögen, doch dafür ein eigenes Haus zu bauen,
erschien auch für die spätere Gemeinde Vill nie als notwendig. Man kam in der Stube
des Bürgermeisters zusammen; aber eben in der Wohnstube. Nicht einmal die reichere
und vielleicht wirklich als politischer Mittelpunkt zu wertende Höhensiedlung auf dem
Himmelreich in Wattens (Katastralgemeinde Volders) hatte innerhalb ihrer Palisade
einen Versammlungssaal.
Das Haus 3 besteht aus zwei komplett freigelegten Räumen im Ausmaß von 5,5 x 5 m
und 6,3 x 6 m. Der dritte Raum- vielleicht auch ein eigenes Häuschen - war nur teilweise
zu erkennen. Daß nur das Haus 3 als Wohnbau angesprochen wurde, ist nach dem oben
angeführten Gedankengang Miltners verständlich. Es ist am kleinsten, am schlechtesten
erhalten und heute kaum mehr zu erkennen. Im 7. oder 8. Jahrhundert n. Chr. war es,
wie schon erwähnt, nicht mehr bewohnt, Konstruktionsdetails sind kaum zu erkennen.
Erwähnt werden soll hingegen eine Mauerbank im Südwesteck des östlichen Raumes, die
wenn auch hier aus Bruchstein - jener im Haus II auf dem Himmelreich in Volders
ähnelt. Daß sie nicht Erwachsenen als Liegerstatt dienen konnte, ergibt sich aus den
Maßen: 1,2 x 0,75 m.
Hinsichtlich der datierbaren Funde ist aber gerade das Haus 3 am wichtigsten. Hier
wurden neben den genannten Münzen auch eine Reibschale römischer Herkunft gefun-
den und jene beiden, für den Tiroler Raum seltenen Bruchstücke eines Topfes aus
29 Nicht Südwesteck, wie bei Miltner als Text zu Abbildung 16.
31
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graphithaltigem Ton, mit 5 mm Wandstärke und tiefen, senkrecht und eng verlaufenden
Rillen. Sie wurden von Leonhard Franz,,einwandfrei als keltische Ware 30 erkannt.
Ein weiteres Bauwerk ist im Osthang eine in Fundamentlage erhaltene Steinmauer von
rund 30 m Länge und einer durchschnittlichen Breite von 1,5 m. In Anlehnung an die
Kriegsereignisse in Rußland im Jahre 1943 wurde sie mit dem damals täglich gehörten
Namen,,Ostwall" bezeichnet. Wohl mag sein, daß man bei ihrer Errichtung an eine
spätere Verlängerung rund um mehrere Wohnstätten gedacht hatte - Verteidigungsanla-
ge war es aber keine. Sie hätte nicht den geringsten taktischen Zweck erfüllt. Die Mauer
war zweifellos aus den Steinen gebildet worden, die aus den im Osten an die Siedlung
anschließenden Feldern entfernt werden mußten, um sie ertragreicher zu machen.
Die Kleinfunde
Osmund Menghin³1 bemängelte einiges bei der Grabung in Vill unter anderem mit
ziemlich harten Worten:,,Die Fundbeobachtung war unbefriedigend, in der Publikation
wird das geborgene Material nur in Auswahl vorgeführt, die Identifikation von Einzel-
stücken des ins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum gelangten Komplexes ist nur auf
Grund dieser Publikation möglich, kurzum, es bleiben hier viele Fragen, auf die man
gern eine Antwort hätte, offen "Nun hat sich jemand bereit erklärt, die im
Ferdinandeum tadellos geordneten und gelagerten Kleinfunde gründlich zu bearbeiten,
was auch vom Entdecker sehr begrüßt würde; gewonnene Erkenntnisse werden aber
neuen Fragen weichen.
Bei einer nur oberflächlichen Betrachtung der Keramikfragmente springt sofort die
große Übereinstimmung mit anderen Fundorten des Fritzens-Sanzeno-Kreises, vor
allem mit denen aus dem Himmelreich in Volders 32 ins Auge. Dazu geben uns der
Bildteil von Miltners Veröffentlichung mit 188 Abbildungen von Kleinfunden, davon
allein 156 Keramiken, sowie ihre Ausführungen Seite 22 bis 32 Aufschluß. In Vill
konnten ungewöhnlich viele, zum Teil sogar vollständig erhaltene Gefäße aus handge-
formter Hafnerware geborgen werden, die zur groben Datierung der ersten Besiedlungs-
phase in der Latènezeit dienen. Ihre gerieften und vor allem gestempelten Verzierungen
treten neben Ausstrahlungen in die Nachbarschaft im Nordtiroler Inntal, in Südtirol und
als Kernzonen im Trentino auf. Einige Beispiele:
Die,,Fritzner Schale" (zwei schöne Exemplare aus Haus 1) aus hellgrauem Ton hat eine
30 Miltner, a.a.O., S. 30f.
31 Osmund Menghin, a.a.O., S. 12f.
32 Kasseroler, a.a.O., S. 24ff.
32
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Bronzerädchen von den vorgeschichtlichen Ausgrabungen am Kreit- oder Goarmbichl (in doppelter Größe).
Foto: R. Frischauf, Original im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
33
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flache Bodendelle (einen Omphalos), eine steile, leicht S-förmige Wandung und einen
verdickten Mundsaum mit ca. 15 cm Durchmesser. Die flächendeckenden Rollstempel-
muster und Kanneluren vergrößern die Oberfläche und lassen auf die Verwendung in der
Herdglut schließen. Andere Schalen zeigen ein waagrecht umlaufendes Tannenreismu-
ster oder runde Würfelaugen in Gruppen von zwei und zwei. Die typische sogenannte
,,Sanzeno-Schale" mit meist höherem, trichterförmigem Hals konnte - wie die Überein-
stimmung anderer Gefäße und der Bauten hätten vermuten lassen - in Vill bisher nicht
nachgewiesen werden.
Ton-Situlen vom ,,Typ Wattens", etwas größere eimerartige Gefäße ohne Verzierung
hatten zwei aus dem Rand herausgezogene Ösen (Attaschen), die als Fragmente beson-
ders häufig gefunden wurden. Zum Schutz gegen Schädlinge wurden diese Situlen an
zwei Schnüren aufgehängt und dienten zur Vorratshaltung. Der bei den Bauten erschlos-
sene hohe Stauraum findet durch sie vielleicht mit Rispen versehen eine weitere
Bestätigung. Vom ,,Typ Birgitz" mit einem ähnlichen, meist konisch zulaufenden Hals
und mit auf der Gefäßschulter aufgesetzten Attaschen, der in Vill nicht gefunden wurde,
unterscheiden sich diese Ton-Situlen.
Dem,,Typ Telfes" ist ein schöner Henkelkrug aus dem Haus 2 mit geradem Boden, fast
kugelförmiger Wandung und einem Bandhenkel, der den Rand des zylindrischen Halses
übersteigt, zuzuordnen.
Töpfe mit aufgelegten plastischen Leisten (Siehe Abbildung!) haben einen flachen
Boden, runde Schultern, einen leicht konischen Hals mit verdicktem Mundsaum und
einen Durchmesser von 20 cm und mehr. Sie dienten dem Wärmen von flüssigen und
breiigen Speisen; die Leisten waren weniger Verzierung als vielmehr ein Mittel, um die
Gefäßwärme zum Anfassen abzuleiten ohne jedoch den Inhalt, der dem engen Mund des
Topfes entsprechend, warm bleiben sollte, zu sehr abzukühlen. Derartige Töpfe wurden
bisher in einem Raum zwischen Wiesing im Unterinntal und Schuls im Unterengadin
sowie zwischen Siebeneich westlich von Bozen und Steinebach westlich des Ammersees
in so vielen Fundorten geborgen, nämlich 28, daß ihr Auftreten von keinem anderen
Gefäßtyp des Fritzens-Sanzeno-Kreises übertroffen wurde³³; am häufigsten traten sie in
den südlichen und südwestlichen Innsbrucker Mittelgebirgen - also eben um Vill herum
auf.
Von den wenigen metallischen Resten wurden die interessante Tierkopffibel aus Haus 2
und der gediegene Bronzearmreif aus dem Nordhang des Hügels bereits im Zusammen-
hang mit der Datierung erwähnt. Besonders der Armreif für einen auffallend schlanken
Arm (Durchmesser 4,7 cm) zeigt mit waagrechten Rillen, quer geführten Rillenbändern
33 Gleirscher, a.a.O., S. 256 und Tafel 67.
34
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Bronze-Spiralarmreif aus dem Nordhang (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum).
Foto: A. Demanega
35
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und Gruppen von je drei Kreisaugen ähnliche Verzierungen wie einige der ,,Fritzner
Schalen aus Ton und ist wohl das Glanzstück der Funde. Zusammen mit dem sechs-
speichigen Bronzerädchen (Durchmesser 34 mm, Dicke 3 mm) wurden sie in der ersten
Besiedlungsphase verwendet.
Das Rädchen selbst kam aber zweifellos aus Italien, wo es mit den gleichen Maßen,
manchmal mit Öse als Anhänger oder als Kopf einer Ziernadel, in großen Mengen vor
allem im 8. Jahrhundert v. Chr.nachweisbar ist. Es dürfte daher das älteste Fundstück
aus Vill sein, was aber eine kultische Verwendung sicher nicht ausschließt.34
Gürtelbeschläge, Bronzeblättchen, Ziernägel, Münzen und eiserne Messerklingen aus
Haus 3 stammen zusammen mit Terrasigillata-Scherben aus der römerzeitlichen Schicht.
Eine kleine eiserne Speerspitze aus der Umgebung des Hauses 1 könnte mit dem gewalt-
samen Ende der Besiedlung in Zusammenhang gebracht werden.
Faunale oder florale Reste wurden nicht festgestellt. Die menschlichen Skelette waren bis
auf zwei Dinge, die vielleicht bei ihrer Bestattung übersehen wurden, sicher aber nicht
mit einem Begräbnisritus zusammenhängen, ohne jede Beigabe. Daraus läßt sich ein
vorsichtiger Schluß ziehen, über den noch zu berichten sein wird. Nur bei Skelett 8, einer
alten Frau, wurde ein 16 cm langer beinerner Kamm gefunden, der 3 cm hohe Zähne hat
und dessen drei Schichten mit sieben eisernen Stiften zusammengehalten werden. Miltner
ordnete ihn aufgrund seiner Verzierungsart der Merowingerzeit, frühestens dem 6.
Jahrhundert n. Chr. zu.
Beim Skelett 1 wurde ein bescheidenes, glattes, stark abgenütztes Bronzeringlein mit
kreissegmentförmigem Querschnitt geborgen. Es war 3,7 mm breit und 19 mm weit.
Auch dazu scheint noch eine Deutung möglich zu sein.
Die Menschen
Aus der ersten Besiedlungsperiode - den vorchristlichen Jahrhunderten - sind bisher
Bestattungen nicht bekannt geworden. Aussagen über ihre Menschen sind daher nur
aufgrund der Funde und aufgrund von anderen Siedlungsplätzen einigermaßen möglich.
Die Bezeichnung,,Illyrer" für die Bewohner der Hügelsiedlung in Vill wird heute
nirgends mehr gebraucht. Sie entsprach dem Wissensstand der Vierzigerjahre unseres
Jahrhunderts und ging auf die Beobachung von Ortsnamen, Flurnamen und vor allem
Gewässernamen zurück. Die vergleichende Sprachwissenschaft hat jedoch seither,,un-
zweifelhaft illyrische Namen" von der äußersten Bretagne und von Schottland bis nach
34 Gian Luigi Carancini, Gli spilloni nell'Italia continentale. In: Prähistorische Bronzefunde, Abt. XIII, Bd.
2. Tafel 82/2658, München 1975, u.a.
36
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,,Fritzner Schale" aus Haus 1 der Viller Hügelsiedlung. Rekonstruktion F. Platzer.
Foto: H. Arch
37
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Kleinasien festgestellt und damit die Illyrer als Teil einer großen indoeuropäischen
Population wieder in den Nordwestbalkan und an die Adria zurückverwiesen. Von den
Bewohnern des Fritzens-Sanzeno-Kreises ist nicht einmal sicher, ob es sich im Sinne der
Denkweise der Gegenwart um ein Volk oder eine Nation mit sprachlicher Einheit
gehandelt hat. Da in Vill Bestattungsriten, beispielsweise Brandgräber wie in Melaun bei
Brixen ebenfalls fehlen, kann auch eine religiöse Einheit nicht erschlossen werden. Das
wichtigste zutage geförderte gemeinsame Kennzeichen, die Keramik, deckt sich nicht in
allen Erscheinungsformen. Keltische Einflüsse sind zu dürftig, um eine Verwandtschaft
herzustellen. Auch die deutliche Gemeinsamkeit der Bauweise muß nicht einem Volk in
unserem Sinne zugehören. Und schließlich: Waffen, die geeignet wären, eine politische
Zusammengehörigkeit zu bezeugen, gibt es in Vill nicht.
Es bleibt also nichts übrig, als sich bei den Menschen der ersten Phase mit einem
,,Arbeitstitel" zu begnügen. Da später die Römer diesen Raum als Provinz,,Raetia"
bzw.,,Raetia secunda" nannten, könnte es ja sein, daß sie diesen Namen auf eine
Bezeichnung der ansässigen Bevölkerung zurückführten. Mangels einer zutreffenderen
Bezeichnung blieb man bei jüngeren Veröffentlichungen über diese Menschen bei,,Rä-
tern". Schließlich nennen wir ja die Bewohner des Karpatenbogens beispielsweise Sie-
benbürger, obwohl sie Rumänen, Ungarn, Deutsche oder Serben sind.
,,Fragt man nach einem Stamm oder einem Stammesverband der Räter, so könnten sich
die Fritzens-Sanzeno- und die Magrè-Gruppe dafür in besonderer Weise anbieten, ein
derartiges Selbstverständnis der alpinen Stämme vorausgesetzt."35
Auch die Menschen der zweiten, der römerzeitlichen Besiedlungsperiode kennen wir
nicht. Auch von ihnen gibt es hier keine Bestattungen. Nach den einwandfrei zuweisba-
ren Funden im Haus 3 ist aber starker römischer Einfluß sicher. Es könnte sich daher
mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit um mit der früheren Bevölkerung vermischte
Provinzialrömer, um Romanen im weiteren Sinne gehandelt haben. Eine Besiedlungs-
kontinuität zwischen ihnen und den Menschen der ersten Periode ist aber auszuschlie-
Ben.
Ob es eine dritte Besiedlungsphase - eine bajuwarische wie Osmund Menghin meinte -
überhaupt gegeben hat, ist mehr als ungewiß. Aus den geborgenen Skeletten darf
nämlich nicht geschlossen werden, daß diese Menschen auch auf den Hügeln für eine
längere Zeit gewohnt haben, weil dann keramische oder metallische Reste aus ihrer Zeit
gefunden worden wären. Ein vorübergehender Aufenthalt z.B. während einer Wande-
rung im Winter ist zwar möglich, jedoch nicht durch geringste Funde bisher bestätigt
35 Paul Gleirscher, Die Räter. Chur 1991, S. 59.
38
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Viller Topf mit aufgelegten Leisten aus der Latènezeit. Restaurierung E. Dolak.
Foto: H. Arch
39
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worden. Welcher ethnischen Gemeinschaft sie zuzurechnen sind, ist heute nicht mehr so
sicher, wie es die Beurteilungen vor einem halben Jahrhundert zu wissen vorgaben.
Das Skelett Nr. 1 wurde oben im Zusammenhang mit der Entdeckung bereits beschrie-
ben. Es war am besten erhalten und eine zwanzigjährige, höchstwahrscheinlich verheira-
tete Frau, die aber wegen ihres stark zurückspringenden Unterkiefers einen eigenartigen
Gesichtsausdruck gehabt haben dürfte. Entgegen der Bezeichnung als,,Schneewittchen"
durch unsere Medizinstudenten, dürfte sie keine besondere Schönheit gewesen sein.
Anders als alle anderen Skelette wurden an ihrem Knochenbau keine Deformationen
oder sonst erkennbare Krankheiten festgestellt.36
Das weibliche Skelett 2 ist mit 164,5 cm das größte unter den Frauen, es weist aber starke
Verwachsungen im oberen Brustteil (Buckel) und Anomalien der Lendenwirbel sowie
hochgradige Wirbelentzündungen mit starken Knochenauswüchsen auf. Auf dem Schä-
deldach ist eine verheilte 3 cm lange Eindellung als Folge eines Schlagbruches zu sehen
und an Gelenken starke Veränderungen durch deformierende Gelenkentzündung.
Das Skelett 3, dessen Gesichtsschädel zertrümmert wurde, gehört einer sehr schwächli-
chen Frau von nur 153,7 cm Größe.
Das Skelett 4 stammt von einem erwachsenen Mann, der mit 166,8 cm der größte der
Viller Bestattungen ist. Auch er hat an Brust- und Lendenwirbelsäule starke Verände-
rungen (Buckel) durch hochgradige deformierende Wirbelentzündung, sowie Karies und
eine 11 mm lange Grube am Unterkiefer.
Das Skelett 5 stammt von einem Kind, das neben der Frau Skelett 3 innerhalb der
gleichen halbkreisförmigen Steinsetzung bestattet wurde, was ähnlich wie bei den Skelet-
ten 6 und 12 auf einen etwa gleichzeitigen und vielleicht auch gewaltsamen Tod hinzu-
deuten scheint. Auch das Skelett 6 gehört einem sieben- bis neunjährigen Kind.
Vom Skelett 12 ist nur der Schädel ziemlich gut erhalten. Es hat ein ähnliches Alter wie
Skelett 1, ist weiblich und erhielt von Schneider die,,Rassendiagnose: Vorwiegend
nordisch." Sonst war es schlecht erhalten. Auch das letzte der um das Haus 1 bestatteten
Skelette mit 5a bezeichnet - ist schlecht erhalten und daher nicht anthropometrisch
verwertbar.
Die beiden Skelette 7 und 8 wurden bereits bei der Erörterung des Zeitansatzes erwähnt.
Es handelt sich um einen Mann und eine ältere Frau, auch sie mit außergewöhnlich
starken Knochenentzündungen, Auswüchsen und Verwachsungen an der Lendenwirbel-
säule sowie Gelenkentzündungen an den Armen.
Drei weitere Skelette (von insgesamt 13) wurden im Steinwall im Osten der Siedlung
gehoben, eines davon, Nr. 10, im kammerartigen südlichen Ende davon. Es war eine
36 Schneider, a.a.O., S. 195ff.
40
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Frau, deren Schädel gut, die Gliedmaßen aber sehr schlecht erhalten waren. Das Skelett
11 ist eines von einer ähnlich schwächlichen Frau wie jene von Nr. 3, jedoch so zerstört,
daß die Berechnung einer Körpergröße unmöglich ist. Dasselbe gilt für das Kinderskelett
Nr. 9.
Die feststellbaren Mißbildungen und Krankheiten, von denen ja nur die am Knochenge-
rüst erkennbaren von Schneider genannt werden konnten³7, lassen erahnen, unter welch
harten Bedingungen diese Menschen gelebt haben müssen. Sicher waren es nicht die
strahlenden germanischen Helden oder deren Angehörige, wie sie von früheren Histori-
kern im Zuge der Eroberung unseres Alpenraumes durch die Bajuwaren dargestellt
wurden.
Wie endete die Vorgeschichte?
Waren schon die Illyrer der ersten Besiedlungsperiode in Zweifel zu ziehen und durch
,,Räter", wenn auch unter Anführungszeichen zu ersetzen, so gilt das noch mehr für die
Bestattungen der frühmittelalterlichen Periode. Sie war eher keine Besiedlungsphase.
Daß aber der heutige Dorfkern von Vill etwa seit dem 7. Jahrhundert ununterbrochen
besiedelt war, scheint aus dem Ortsnamen selbst und aus einigen Flurnamen hervorzuge-
hen. Aber wer waren diese Siedler?
Schneider selbst, der nach dem damaligen Wissensstand die Langschädel den einwan-
dernden Bajuwaren zuschrieb, nennt beim einzigen Skelett, an dessen Bergung er nicht
persönlich mitgearbeitet hat (Nr. 12), das Rassenmerkmal,,nordisch", drei Schädel
mittellang und zwei rundschädelig. Bei mindestens zweien erwähnt er eine dinarische
Beimischung es war also schon rassisch eine Mischbevölkerung. Dazu kommt mit
Ziegelmayer38, daß heute die anthropologischen Aussagen zu völkerkundlichen Hypo-
thesen nur mehr,,in sehr bescheidenem Umfang möglich sind" und daher viel zurück-
haltender verwendet werden. Ziegelmayer rechnet die Langschädel mehr zu den Aleman-
nen und räumt gleichzeitig ein, daß bei den Trägern der bajuwarischen Kultur nördlich
der Donau die Sitte der Brandbestattung üblich war; im römischen Machtbereich folgte
man hingegen der Sitte, Tote unverbrannt zu begraben. Für das frühe 7. Jahrhundert
stellte er und andere Verfasser³9, z. B. in Altenerding bei 1400 Bestattungen, eine durch-
schnittliche Körpergröße des bajuwarischen Mannes von 173,5 cm fest. Damit vergli-
chen ist das größte männliche Skelett in Vill mit 166,5 cm noch erheblich kleiner - vom
37 Schneider, zitiert nach Miltner, a.a.O., S. 33-36.
38 Gerfried Ziegelmayer, Die Bajuwaren aus anthropologischer Sicht. In: Die Bajuwaren von Severin bis
Tassilo. München 1988, S. 249f.
39 Ziegelmayer, a.a.O., S. 251f.
41
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niedrigen Durchschnitt und den mißgestalteten Personen mit 153,7 cm ganz zu schwei-
gen.
Die Beobachtung, daß Romanen (,,Walchen" u.a.) sehr häufig an Seen siedeiten, wo sie
mit Schleppnetzen oder Reusen fischen konnten, soll hier am Viller See nicht unerwähnt
bleiben.
Romanische Bestattungssitten, eben das Fehlen von Beigaben, können auch den Einfluß
des frühen Christentums in der Diözese Säben andeuten. Nur Heiden gaben ihren Toten
zur Reise in die Unterwelt Speisen, Getränke, Waffen u.ä. mit. Auch bevorzugten die
Bajuwaren Bestattungen in Reihengräbern. Da solche in Vill schon wegen der Ungunst
des Geländes auf den Hügeln nicht angelegt wurden, muß man eher romanische Bestat-
tungssitten annehmen. Ein Ring hingegen, vielleicht sogar in der Bedeutung eines
Eheringes, war bei den einwandernden Bajuwaren so wenig üblich, daß er seine Trägerin
schon mit großer Wahrscheinlichkeit als Romanin ausweist.
Daß schließlich die Bajuwaren die eingesessene romanische Bevölkerung nicht ausrotte-
ten, sondern sich allmählich deren Lebens- und Wirtschaftsformen anpaẞten und sogar
ihren Glauben annahmen, dafür gibt es unbestechliche Zeugen: Der lebendig gebliebene
Ortsname Vill(e) selbst und einige Flurnamen stehen dafür. Ein paar Romanen, die den
neuen Herren ihre besseren Felder und die Baugründe im Viller Dorfkern überlassen
mußten, tragen mit ihren ärmlichen Bestattungen heute noch dazu bei, diesen Befund zu
bestätigen. Ihre Spuren sind für uns an der Parzelle der St. Martinskirche von einem
römischen actus Breite und anderen romanischen Feldvermessungen heute noch sicht-
bar40.
40 Harwick W. Arch, Römische Feldvermessungen in Vill. In: Tiroler Heimatblätter 66 (1991), Heft 4, S. 125f.
42
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Vill-Geschichte einer alten Dorfgemeinde und eines jungen Stadtteiles von
Innsbruck
Von Franz-Heinz Hye
Vill seit dem 1. April 1942 ein Stadtteil von Innsbruck¹ - liegt in einer windgeschützten
Mulde, die von Südost nach Nordwest vom Viller Bach durchflossen wird, der am
Patscherkofel östlich der Seilbahntrasse entspringt, als Ramsbach durch Igls fließt und
schließlich steil hinabstürzt zur Sill. Die östliche Abschirmung dieser Mulde besorgen der
Paschberg, der See-, Kreit- oder Goarm- und der Turmbichl, welch' letztere ursprünglich
einen geschlossenen Wall gebildet haben, der dann vom Taleinschnitt des Viller Baches
zweigeteilt worden ist. Als südliche Begrenzung der Dorfmulde von Vill fungiert die
Terrassenkante des Ortskerns von Igls. Besonders deutlich wird die Muldenlage von Vill,
wenn man sich dem Ort von Osten her nähert, wobei man lange Zeit nur die Viller
Kirchturmspitze sehen kann. Eindrucksvoll ist diesbezüglich auch ein Blick vom Polten-
weg hinunter auf die Dachlandschaft von Vill. Geradezu wie ein malerisches Stimmungs-
bild präsentiert sich diese Ansicht an Wintertagen bei Einbruch der Dämmerung, wenn
aus den Fenstern der Häuser schon die ersten Lichter leuchten und über die Hausdächer
Rauchschwaden ziehen.
Neben dem Ortskern bei der St. Martins-Kirche (811 m Seehöhe) umfaßt das Gebiet der
ehemaligen Dorfgemeinde bzw. noch bestehenden Katastralgemeinde Vill einerseits den
zum großen Teil bewaldeten Abhang hinunter zum Flußbett der Sill (einschließlich des
seit 1975 als Müll-Deponie genützten Ahrntales, sowie mit dem Handel- und dem
Zenzenhof), andererseits den westlichsten Teil des Paschbergs² mit dem Grillhof, die
Fluren nördlich und südlich des Ortskerns sowie schließlich das breite Becken des
ehemaligen Viller Sees.
Der Viller See
Genau genommen hat man in der zeitlichen Abfolge zwei Viller Seen zu unterscheiden.
Der erste Viller See war ein Gebilde des Schmelzprozesses am Ende der letzten Eiszeit
vor ca. 10.000 Jahren, d.h. im Becken hinter dem noch geschlossenen Wall vom See- zum
Turmbichl blieb ein kleiner Teil des Wipptalgletschers liegen und ist dort geschmolzen.
1 Verordnungs- und Amtsblatt für den Reichsgau Tirol und Vorarlberg Jg. 1942, Nr. 5: Verordnung über
die Vereinigung der Gemeinden Igls und Vill mit der Gauhauptstadt Innsbruck vom 15. März 1942.
2 Über den Paschberg vgl. Franz-Heinz Hye, Amras Die Stadtteile Innsbrucks Bd. 4, Innsbruck 1989, S.
20ff.
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Da dieser See auch vom Ramsbach gespeist worden ist, kann man hier nur in einge-
schränktem Maße von einem sogenannten,,Toteissee" sprechen. Der Ramsbach war es
dann auch, der den ersten See zum Übergehen brachte bzw. die Dammkrone an ihrer
schwächsten Stelle, dort wo der Damm nur aus Moränenmaterial bestanden hat, von
oben her angesägt bzw. eingeschnitten hat. Von dem so abgeflossenen ersten See blieb
nur ein seichter Rest im östlichen Seebecken, der an seinen Ufern mehr und mehr zum
Moor wurde. Dort wurden auch einzelne vorgeschichtliche Funde gemacht. So z. B. fand
man Reste von Eichen- und Föhrenpfählen, z.T. mit Eisenkappen, weiters eine Tonurne,
umgeben von Knochenresten, ein Tontöpfchen, eine Bronze-Lanzenspitze und eine Fibel
etc., welche sich 1933 im Kloster Wilten bzw. im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
verwahrt befanden. Dieser z. T. vermoorte Rest des ersten Viller Sees hat noch bestan-
den, als sich am Kreit- oder Goarmbichl die ersten Siedler niedergelassen haben (vgl.
dazu in diesem Bande den Beitrag von Harwick W. Arch).
Vom zweiten Viller See erfahren wir in eindeutiger Weise erst in einer Urkunde von 1328,
als der Tiroler Landesfürst, König Heinrich von Böhmen-Kärnten aus dem Hause Görz,
dem Kloster Wilten diesen und den Lanser See geschenkt hat. Wörtlich lautet die
betreffende Urkundenstelle:,, . . . donavimus et dedimus lacum, lacum situm inter loca
dicta Ville et Igls ac lacum dictum Altsee tenendum, habendum, visitandum et perpetuo
pacifice possidendum pro omni suo commodo et utilitate." (Zu Deutsch: Wir haben
hiemit dem [Abt und Konvent des Klosters Wilten] den See, gelegen zwischen den Orten
Vill und Igls sowie den Altsee zu ihrem ewigen Eigen etc. und zu ihrem Wohlbefinden
und Nutzen geschenkt). Bei dem hier genannten Altsee dürfte es sich höchstwahrschein-
lich um den Lanser See handeln. Wenn übrigens bereits in einer Urkunde von 1270
Konrad von Sistrans demselben Kloster das Recht eingeräumt hat, allwöchentlich an
einem Tage in seinen Fischteichen (,,in piscinis meis") zu fischen, so gibt es kein
zwingendes Argument dafür, daß diese Fischteiche mit dem Viller und dem Lanser See
zu identifizieren seien. Die Frage, ob der Viller See zum Zeitpunkt der Schenkung von
1328 bereits künstlich aufgestaut war, oder ob der Damm, über den heute ein Fahrweg
mit dem für diesen Damm unsinnigen Namen,,Bachgangweg" führt (Bachgang heißt die
Flur beim Ramsbach!), erst über Betreiben der Wiltener Chorherren errichtet worden ist,
läßt sich vermutlich mit dem im Gegensatz dazu als ,,Altsee" bezeichneten Lanser See
3 S. Pankratia Feurstein, Geschichte des Viller Moores und des Seerosenweihers an den Lanser Köpfen bei
Innsbruck. In: Beihefte zum Botanischen Centralblatt Bd. 51, Dresden 1931, S. 482f.
4 Ebenda, S. 481.
5 Otto Stolz, Geschichtskunde der Gewässer Tirols. Schlern-Schriften Bd. 32, Innsbruck 1936, S. 205.
6 S.P. Feurstein, a.a.O., S. 481.
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Ansicht von Vill gegen Nordosten, um 1870/80: Im Vordergrund (Mitte) der Reiterhof, Handlhofweg 2, im
Hintergrund (links vom Kirchturm) der Rainerhof, Grillhofweg 6. Schindeldächer beherrschen das Ortsbild.
Foto: Anton Gratl, Original im Stadtarchiv Innsbruck.
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beantworten: Zum Unterschied vom alten Lanser See scheint der Viller See damals eben
noch relativ jung gewesen bzw. erst kurz zuvor aufgestaut worden zu sein. Sicher
jedenfalls ist, daß der Viller See erst mittels dieses künstlichen Dammes wieder zu einiger
Größe aufgestaut werden konnte, wobei die Wasserzufuhr vom Lanser See und durch
die Quelle des Seebrünnl erfolgte. Andererseits wurde der See durch diesen Damm bis
1808 in einen größeren See östlich davon und in einen kleineren See oder Teich im
Nordwesten abgeteilt. So fungierte der Viller See nun bis zur vorübergehenden Aufhe-
bung des Klosters Wilten durch die damalige königlich-bayerische Regierung im Jahre
1807 als Fischwasser des Klosters, an dessen Fischer noch heute der Name,,Fischer-
steig" erinnert, der vom Nordwestufer des Sees über den Paschberg hinunter zum
Kloster führte. An der bezeichneten Uferstelle befindet sich ein heute z. T. verschütteter
Stein mit viereckig eingemeißelter Vertiefung, worin sich - laut lokaler Überlieferung -
ein Haken befand, an dem der Fischer seinen Kahn befestigen konnte. Dieser Stein liegt
übrigens eine Geländestufe höher, als der heutige nordseitige Uferweg - wenn man
überhaupt noch von einem solchen sprechen darf -, nämlich dort, wo der alte, tatsächli-
che, heute aber stark zugewachsene Uferweg verlaufen ist. Der heutige Weg hingegen
war das alte Ufer.
Ein Jahr nach der Aufhebung des Klosters gelangte der See (,,ein mit Hechten und
Karpfen versehener Teich, 18 Jauch, Schätzungswert 200 fl." [= Gulden]. ... sowie,,ein
kleiner mit Karpfen besetzter See, welcher ebenfalls abzulassen, Schätzungswert 10 fl.")
zur öffentlichen Versteigerung und wurde dabei von den Viller Bauern um 246 Gulden
erworben. Der darüber aufgerichtete Kaufvertrag datiert vom 25. Juli 1808.7 Die neuen
Besitzer waren nicht am See und seinen Fischen, sondern daran interessiert, den See
abzulassen, trocken zu legen und an seiner Stelle zusätzliche landwirtschaftliche Kultur-
flächen zu gewinnen, zumal - wie oben dargelegt - das Dorf Vill von der Natur nur mit
wenigen ebenen Kulturflächen ausgestattet war und ist. Der Durchstich des Dammes soll
dann aber erst im Jahre 1813 erfolgt sein.8
Repräsentierten die Viller Bauern damals die Gemeinde Vill, so hat die spätere Rechts-
und Siedlungsentwicklung diesbezüglich eine Differenzierung notwendig gemacht, wo-
nach der Seegrund, genannt,,beim See", zwar weiterhin Eigentum der Gemeinde-seit
der Eingemeindung 1942 der Stadtgemeinde Innsbruck - ist, seine gesamte Fläche jedoch
in unterschiedlichen Anteilen nur den Viller Bauern zur landwirtschaftlichen Nutzung
zur Verfügung steht. Wörtlich wurde dies im Grundbuch, wie folgt, formuliert:,,Auf
Grund der Ersitzung (Anm.: seit 1808) und des Verhandlungsprotokolles vom 24.
7 Ebenda, S. 482.
8 Ebenda
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"Heisler
Glas
Miht
puter
Tangenkreu
Vill
Set Martm
Freit
Turnbühl
I
Plan des Ortskerns von Vill (1856). Hier fungiert die Viller Dorfstraße zugleich noch als Teil der Straße von
Innsbruck nach Igls. Ausschnitt aus der Katastermappe von 1856.
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September 1901, G.Z. 2200 wird die Dienstbarkeit zur Gras-, Binsen-, Torf-, Streu-
Gewinnung, zum Holzbezuge, zur Ausnützung der sogenannten Viller-Seen in jeglicher
Hinsicht zur ungehinderten Benützung der im Viller-Moose vorhandenen und zu Tage
tretenden Quellen des stehenden und rinnenden Wassers im vollen Umfange zu Gunsten
der jeweiligen Eigentümer der nachstehenden Höfe zu den angeführten Anteilen" hiemit
grundbücherlich verankert bzw.,,einverleibt".9
Hofname
Haus-Nr. Vill
Anzahl der 1/9-Anteile
Zenzenhof
25
6/7
Häuslerhof
22
1/7
Handlhof
24
4/7
Rainerhof
3
3/7
Reitterhof
21
4/7
Melcherhof
4
3/7
Nockerhof
15
6/7
Bürgerhof
20
1/7
Lienharthof
19
4/6
Sinhof
18
2/6
Kapfererhof
17
4/7
Schlaucherhof
16
3/7
Armenhaus
10
4/9
Guglerhof
12
1/9
Garnhof
9
1/9
Wirthof
8
3/9
Lotterhof
Gaspererhof
Klammerhof
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sowie 1/7 für den jeweiligen Zuchtstierhalter dieser Höfe.
9 Stadtarchiv Innsbruck (= StAI.), Grundbuch (über die Besitzungen) der Stadtgemeinde Innsbruck in der
Katastralgemeinde Vill, angelegt im Jahre 1901.
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Blick vom Turnbichl hinunter auf den Ortskern von Vill -im Vordergrund rechts das Dach des Gasthofs
,,Turnbichl" (erbaut 1891). Der Anger zwischen dem Gasthof und den Häusern an der Viller Dorfstraße
erscheint hier noch unzerteilt bzw. ohne die neue Straße.
Foto: F.E. de Wilde, Igls, Original im Stadtarchiv Innsbruck
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Das Werden der Dorfgemeinde Vill
Mit dem Höfe-Verzeichnis des Jahres 1901 sind wir bereits weit in die Siedlungsgeschich-
te von Vill vorgedrungen. Im Folgenden haben wir uns daher mit den Anfängen und der
weiteren Entwicklung dieses alten Dorfes zu befassen.
Urkundlich wird der Ort Vill (,,in Ville") bzw. das Dorf Vill (,,villa Ville") erstmals in
einer Urkunde Herzog Otto's I. von Andechs-Meranien (gest. 1234) von ca. 122010,
sowie in einer das in der Hofmark Wilten gelegene Gluirschgut betreffenden Urkunde
von 1251 genannt." Nach Angabe des Inntaler Steuerbuches von 1312 zählte Vill
damals insgesamt neun Gutsbesitzer bzw. Höfe,12 wozu die erstmals zum Jahre 1397
nachweisbare St. Martinskirche in der Dorfmitte kam.13 Bis zum Jahre 1627 war das
Dorf dann auf 17 Behausungen und zwei Mühlen angewachsen.14 Der einzige nicht
hauptberuflich in der Landwirtschaft tätige Hausbesitzer war damals ein Zimmer-
mann.15
Was die verfassungsmäßige Stellung von Vill anbelangt, ob es immer schon eine selbstän-
dige Gemeinde oder bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts in gewisser Weise mit Igls
verbunden war, ist nicht mit voller Sicherheit erkennbar. Einerseits wird Vill bereits im
obzitierten Steuerbuch von 1312 als eigene Steuergemeinde neben Igls genannt, weiters
in einer Urkunde von 1547 ebenso wie Lans als ,,Nachtperschafft" bezeichnet, 16 doch
wird dieser Titel 1468 ebenso auch in einem Vertrag zwischen der,,Nachtperschafft .. zu
Süll" bzw. den Inhabern der Sillhöfe, und der „Nachtperschafft ..zu Vill" gebraucht,17
wobei bekannt ist, daß die Sillhöfe damals zur Gemeinde Amras gehörten, also einen
unselbständigen Weiler dieser einstigen Dorfgemeinde bildeten. Im Jahre 1550 kam es
dann sogar zu einem Waldabteilungsvertrag zwischen der „,Gmain Nachperschafft zu
10 Edmund v. Oefele, Geschichte der Grafen von Andechs. Innsbruck 1877, S. 181, Anm. 1.
11 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung von Tirol. 1. Teil: Nordtirol = Archiv für österreichi-
sche Geschichte Bd. 107/1, Wien 1923, S. 326.
12 Das Steuerbuch des Inntales von 1312, z. T. ediert von Karl Schadelbauer, in: Quellen zur Steuer-,
Bevölkerungs- und Sippengeschichte des Landes Tirol im 13.-15. Jahrhundert = Schlern-Schriften Bd.44,
Innsbruck 1939, S. 56.
13 Georg Tinkhauser (und Ludwig Rapp), Beschreibung der Diöcese Brixen Bd. 2, Brixen 1879, S. 322.
14 Vgl. den Leopoldinischen Steuerkataster des Landgerichtes Sonnenburg von 1627 (Original im Tiroler
Landesarchiv = TLA; Kopie im StAI.), fol 256-262v.
15 Ebenda, fol. 262v.
16 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 2 (Cop. vid. von 1707); vgl. auch eine weitere Kopie im
Haus-Archiv des Reiterhofes in Vill (Lener).
17 Ebenda, Viller Gemeindeurkunde n. 1 (Neuausfertigung durch den Landgerichtsschreiber von Sonnenburg
von 1633, Original-Pergament).
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Der ehemalige Seedamm des einstigen Viller Sees mit dem darüber verlaufenden Fahrweg (gegen Norden).
Foto: M. Hye-Weinhart
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Ygls" und der,,Gmain Nachperschafft zu Füll", wobei jede der beiden Nachbarschaften
durch je drei namentlich genannte Beauftragte vertreten war.18 In dieser Urkunde
werden auch,,dero von Ygls Veldtzäun von dem Feurschrofn durchein gegen Patsch
werz biẞ in Gellaẞpach" (Anm.: Gollos-, Gollasbach) genannt, denen in diesem Bereich
noch heute die Grenze zwischen den beiden Katastral-Gemeinden Igls und Vill folgt.
In einem Gerichtsentscheid des Jahres 1628 standen,,Adam Loter, Christoph Lener und
Marthin Clarer, all drey zu Vill und in derselben Oblay als von ainer ersamen Nachpar-
schafft alda abgeordneter Ausschuß" gleichrangig den Vertretern der,,Nachperschafft..
zu Patsch gegenüber, ohne daß dabei auch ein Vertreter der Gemeinde Igls anwesend
gewesen ist.19 Wäre Vill jedoch ein Teil der Gemeinde Igls gewesen, so wäre bei den
angeführten Vertragsabschlüssen vermutlich auch die Quasi-Gesamtgemeinde Igls zu-
mindest erwähnt oder ihre Repräsentanz durch die Viller Vertreter erwähnt worden, was
jedoch in den zitierten Urkunden nirgends der Fall war.
Andererseits aber fällt auf, daß die regelmäßigen Ehaft-Taidinge des Landrichters von
Sonnenburg, dem Igls und Vill unterstanden, stets ,,altem Geprauch nach zu Ygls unnd
Füll gemeinsam abgehalten wurden, wobei alljährlich beim Maien-Ehaft-Taiding stets
nur ein gemeinsamer Dorfmeister gewählt worden ist, wie stichprobenweise in den
Gerichts-Protokollen des genannten Landgerichtes von 1570, 1675, 1688, 1700 und 1716
zu entnehmen ist.20 Erst anläßlich der Vermarkung der gemeinsamen Waldgrenze der
Gemeinden Vill und Lans östlich vom Grillhof im Jahre 1785 begegnet dann erstmals ein
eigener Dorfmeister von Vill, welche,,Obley" dabei durch ,,Jakob Hofer, Gerichtsver-
pflichter zu Vill, Georg Farbmacher, Dorfmeister daselbst, Lorenz Perghofer und Ma-
thias Told als Gemeinds-Deputirte von Vill" vertreten war.21 Daraus kann abgeleitet
werden, daß sich Vill, welches bereits in einer Gerichtsurkunde von 1511 (Original beim
Reiterhof in Vill), ebenso wie im Leopoldinischen Steuerkataster von 1627 sowohl als
,,Dorff als auch als „,Oblay" tituliert erscheint, spätestens in der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts als vollkommen eigenständige Dorfgemeinde durchsetzen konnte. Dem-
entsprechend wurde Vill auch bei der Anlage des Maria-Theresianischen Steuerkatasters
im Jahre 1779 als,,die neunte Gemeinde des Landtgerichts Sonnenburg" bezeichnet und
gezählt, welche gegen Morgen (an) die Gemeinde Läns, Mittag an die Gemeinde Ygls,
Abend an den Syllfluß und Mitternacht an die Glursch (!)-Höfe und Gemeinde Amraẞ"
18 StAI., ehem. Gemeinde Igls: Original-Pergamenturkunde; ein weiteres Original dieses,,Vertragsbrief(s)"
im Haus-Archiv des Reiterhofes in Vill (Lener).
19 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 4 (Cop. vid. von 1716).
20 TLA., Verfachbuch Sonnenburg 1570, fol. 101v; Gerichtsbuch 1675, fol. 44; Gerichtsprotokoll 1700, fol.
45v; Gerichtsprotokoll 1716, fol. 281.
21 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 8b (Original Papier).
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Blick vom Seedamm gegen Osten auf den Hauptentwässerungskanal bzw. in das Becken des ehemaligen Viller
Sees.
Foto: M. Hye-Weinhart
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angrenzt. Bei der wirtschaftlichen Charakteristik von Vill wird dortselbst übrigens
festgestellt:,,Die Gütter sind sper und den schädlichen Winden unterworfen."22
Der angesehene Topograph des Landes Tirol, Johann Jakob Staffler, gibt im Jahre 1847
für die,,Gemeinde Vill" 169 Einwohner und 27 Häuser an. 23 - Die im ,,Landes-Regie-
rungsblatt für die gefürstete Grafschaft Tirol mit Vorarlberg" am 29. Dezember 1854
veröffentlichte,,Uebersicht der nach der politischen und gerichtlichen Organisirung (!)
jedem Bezirke zugewiesenen Ortsgemeinden“ sieht im Kreis und im Landesgericht
Innsbruck als Nummer 10 die Ortsgemeinde und Catastral-Gemeinde Vill in der gemein-
samen kirchlichen Curatie Igls und Vill vor.
Die hier angesprochene, im Jahre 1808 vom bischöflichen Ordinariat in Brixen verfügte
kirchliche Zusammenfassung von Igls und Vill in einer Kuratie der Pfarre Patsch 24 lieẞ
beide Gemeinden jedoch auch gemeinsame Projekte etc. durchführen. So wurde im Jahre
1812,,mit gemeinschäftlichen Kräften" in Igls das Kuratie-Widum bzw. das heutige
Pfarrhaus mit Schulzimmer, Holzschupfen, Krautgarten und Brunnen erbaut,,,wozu
Igls in paarem Gelde 900 Gulden, Vill aber 600 Gulden beytrug. In Betreff der hiezu
benöthigten Materialien und Frohndienste hielten beyde Gemeinden einander das
Gleichgewicht. "25 Der am 8. September 1891 in öffentlicher Vollversammlung der
Grundbesitzer, des Gemeindeausschusses und des Waldinteressentschaftsausschusses
von Igls beschlossene Bau eines eigenen, dem starken Siedlungswachstum entsprechen-
den Schulhauses (Igler Straße 58, heute Postamt) scheint jedoch von der Gemeinde Igls
allein durchgeführt worden zu sein (vollendet 1893), doch wurde auch dieses Schulhaus
ebenso wie das heutige von den Schulkindern von Igls und Vill gemeinsam besucht.26
Gemeinsame Schützenkompanie und Schießstand
Der von den Schützen beider Orte benützte Schießstand wiederum befand sich in Vill
und wurde dort,,auf der von einem lieblichen Hügelkranze umgebenen Wiesenfläche
östlich vom Dorfe", d.i. also die heute teilweise verbaute bzw. besiedelte Mulde östlich
vom Ortskern, nördlich vom Goarm- und westlich vom Seebichl, in feierlicher Weise am
Pfingstmontag des Jahres 1863 eröffnet. Der „,Bote für Tirol" 1863 (S. 506) berichtet
22 Original im TLA., Kopie im StAI.
23 Johann Jakob Staffler, Tirol und Vorarlberg Bd. 1, Innsbruck 1847, S. 524.
24 Vgl. oben Anm. 13
25 Pfarr-Archiv Igls, Urkunde C, No. 3:,,Contract zwischen den zwey Gemeinden Igls und Vill in betreff des
von ihnen (im Jahre 1812) erbauten Widums und Schulstube" vom 30. Mai 1832 - Igls (Orig.-Papier)
26 Franz-Heinz Hye, Igls und Vill. In: Das Fenster Nr. 13, Innsbruck 1973, S. 1322.
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GASTTRAUBE
Die Dächer des Garnhofes und das Nord-Süd gerichtete ebenerdige Holzhaus des ehemaligen Schießstandes
rechts dahinter - noch vor dem Bau der bestehenden Ortsdurchfahrt hinter dem Friedhof.
Repro: M. Hye-Weinhart
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darüber u.a.:,,Die treffliche Ellbögener Musikbande, welche freundnachbarlichst eigens
zum Feste gekommen war, eröffnete von Igls aus den Schützenzug. Die Sonnenburger
Schützenfahne wurde dabei von 1809-Veteranen getragen. Nach den lustigen Zielern mit
ihren Scheiben und nach der .... Besttafel folgte unter Vorantritt der Gemeinde- und
Schießstands-Vorstehung von Igls die Schützenschar, von den Villern unter Pöllerknall
freundlichst empfangen.“ Der damalige Besitzer des Grundstückes, auf dem sich der
Schießstand befand, war offenbar der,,Schützenfreund und Güterbesitzer" von Vill,
Franz Tschurtschenthaler, der auch die Eröffnungsschüsse abgab.
Das ebenerdige, in Holz erbaute Schießstandsgebäude hinter dem Wirtschaftsgebäude
des Hauses Vill Nr. 9 wurde 1987 abgetragen und als Geschenk von Max Schwemberger
und der Schützengilde Vill 1988 im Tiroler Höfemuseum bei Kramsach funktionsfähig
wiederaufgebaut. 27 Auch die schon 1848 als Innsbrucker Hofburgwache für Kaiser
Ferdinand I. in Erscheinung getretene Schützenkompanie (seit 1909 mit der roten
Wipptaler Tracht bekleidet) 28 wie auch die 1865 gegründete Musikkapelle29 sind ge-
meinsame Einrichtungen beider Orte, deren wehrhafte Männer in den Tiroler Befrei-
ungskriegen der Jahre 1796/97 bis 1809 Schulter an Schulter in der Aufgebotsmann-
schaft des Landgerichtes Sonnenburg gekämpft haben, wobei sich im Jahre 1809 beson-
ders der aus Igls gebürtige Bauernsohn Paul Hilber (1786-1857) als Hauptmann der Igler
Kompanie durch seine Tapferkeit hervorgetan hat.30 Hilbers Geburtshaus ist das stattli-
che Bauernanwesen Igls, Lanser Straße Nr. 2. Das Innsbrucker Stadtarchiv hat dort erst
vor einigen Jahren eine entsprechende Gedenktafel anbringen lassen.
27 Vgl. Führer durch das Museum Tiroler Bauernhöfe. 4. Aufl. 1989, S. 65.
28 Gottfried Pusch, Aufschreibung gesammelter historischer Notizen nach Art eines Tagebuchs (ab 1806). Ms.
z.T. im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (= TLMF), z.T. im StAI. Hier zitiert: Bd. 1848 im TLMF,
S. 254: Am 5. Juli 1848,,um 12 Uhr bezog die Compagnie von Igls und Vill die Burgwache." Dabei handelte
es sich um eine Ehrenwache vor der Innsbrucker Hofburg, wohin sich Kaiser Ferdinand der Gütige infolge
der revolutionären Unruhen in Wien zurückgezogen hatte. - Siehe auch J.E. Bauer, Denkschrift der Tiroler
Landes-Jahrhundertfeier in Innsbruck (1809-1909), Innsbruck 1910, S. 59.
29 Im September 1905 feierte man in Igls das 40-jährige Bestandsjubiläum der Musikkapelle sowie deren
Gründer, den Schulleiter Josef Eichler, der gleichzeitig in den Ruhestand getreten ist (Neue Tiroler
Stimmen, Jg. 45, 1905, Nr. 185 vom 14. August 1905).
30 Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809. Innsbruck 1909, S. 330f, 459-461, 470, 611 und 803.
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Die Viller Straße und andere Fahrwege
Von Vill führen heute insgesamt drei Straßen bzw. Fahrwege talabwärts, die Straße zum
Zenzenhof bzw. ihre Verlängerung zur Sillbrücke hinüber nach Gärberbach, der Polten-
weg von Vill zur Poltenhütte bzw. zum Lanser Weg und schließlich die Viller Straße.
In die Straße bzw. den alten Fahrweg zum Zenzenhofer Steg über die Sill mündete
früher, d.h. vor der Anlage der Müll-Deponie im Ahrntal (1976), ein einst namentlich
auch von den Patscher Nachbarn gerne benutzter Weg ein, der in seinem oberen Teile
dem Ahrntal folgte. Allerdings haben die Patscher diese Möglichkeit der Wegverbindung
über den Zenzenhofsteg zeitweise auch überstrapaziert und wurden daher - wie einer
Gerichtsurkunde von 1628 zu entnehmen ist damals von der Nachbarschaft Vill und
dem damaligen Zenzenhofer,,wegen beschwehrlichen Farens und Treibens yber ir, der
Viller Wiẞmäder", was sie sich,,bey etlichen Jahren hero ganz neuerlich anmassen",
geklagt. Dabei wurde auch festgestellt, daß die Viller,,ihnen Patscheren (nur) auß
nachtperlichen Willen und khainer Gerechtigkheit Weeg und Steeg yber die Sill beim
Zenzenhof zu gebrauchen zuegesechen und vergont" haben. Gegen diese Vorwürfe
verantworteten sich die Patscher Vertreter, wie folgt:,, Sy und ihre Fordern wären disen
Weeg übern Zenzensteeg und über der Viller Mäder Längs-, Herbst- und Winterszeiten,
da kein Graẞ auf den Veldt gewest, jederzeit rüebig gefahren, hoffen khainen grossen
Schaden niemahls gethan zu haben, ob zwar heür unlängst von iren Nachtperen Jacoben
Ranagger, so von Axambs hiniber nacher Patsch geheurat und seinen Plunder disen
Weeg hiniber geführt, an ainem clainen Örtl etwas wenigs zu weith hinaus gefahren, so
sein sy doch nit gedacht, inen (= den Villern) hinfirter gefehrlicher Weis ichtwas
beschwehrlichs zuezufiegen, bevorab, wan das Graß auf den Wisenn steet." Außerdem
,,miessen sy (= die Patscher) auch in den Uncosten des Zenzensteegs jederzeiten ain
zimblichs darein contribuieren und erstatten und heten ingleichen alda Recht und
Gerechtigkheit nach iren Belieben zu fahren (und) zu treiben."31 - Im heutigen Zeitalter
der Autobahn etc. gewährt diese Urkunde Einblick in alte lokale Kommunikationsver-
hältnisse, die eine heute nur noch wenig benützte Brücke über die Sill einst für Tier und
Mensch, namentlich auch beim Transport des,,Plunders" bei der ehelichen Hausstands-
gründung geboten hat.
Der zweite derartige Fahrweg führt von Vill über das,,Pfaffenmoẞ" (1468) zur Polten-
31 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 4. Vgl. oben Anm. 19.
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hütte. Dieser Weg hieß einst,,Gras- oder Poltenweg" und mündet östlich der Polten-
hütte in den,,Lännser Stadtweg" ein. Der diese beiden Wege in steiler Abkürzung
westlich der Poltenhütte verbindende Fußsteig wird noch heute,,Fischersteig" genannt,
ihn benützte der Wiltener Klosterfischer, um seine Fische möglichst rasch vom Viller See
in das Kloster hinunter bringen zu können.
Außerordentlich guten Einblick in die Topographie des betreffenden Geländes am
Nordwest-Abfall des Paschberges liefert ein gütlicher Waldteilungsvertrag (,,Ab-
märckungsbrief) zwischen der Nachbarschaft von Vill und den Inhabern der Gluirsch-
höfe aus dem Jahre 1690, wobei anzumerken ist, daß die damals festgelegte und durch
Grenzsteine markierte Grenzlinie vom 1. bis zum 9. Grenzstein in diesem Bereich noch
heute die Grenze zwischen den Katastralgemeinden Vill und Wilten (!) bildet, wodurch
die in der genannten Urkunde angeführten Ortsnamen noch heute exakt lokalisiert
werden können. Es erscheint daher angebracht, an dieser Stelle den Wortlaut der
betreffenden Grenzvereinbarung bzw. Markierung bekannt zu machen:
,,Der erste Marchstain (ist) gesezt worden bey den hangenden Schrofen ober den gemai-
nen Weeg, der von Jnnsprugg geen Vill gehet, mit eingehauten Creiz unnd ain Pickh; von
disem (geht die Grenze) hinauf gleich unnter den Gruebachweeg, alda der annder March-
stain auch mit ainen Creiz unnd zween Pickh bezeichnetner (!) verhannden; der Drite
gerad hinauf am Sämb (ist) ebenfahls mit ainen Creiz unnd drey Pickh; verer der Vierte
den Sämb nach hiniber mit ain Creiz unnd vier Pickh; nichtweniger der Finfft auch
hiniber mit ain Creiz unnd finff Pickh; sowohlen der Sechste von obigen hiniber mit ainen
Creiz und sechs Pickh; volgents der Sibende noch weiters hinumb mit ainen Creiz unnd
siben Pickh; widerumben der Achte auch mit ain Creiz und acht Pickh; sodann der neint
unnd leste Marchstain von deme hiniber auf ... Mayrpichl unnd alten Fahrweeg mit
ebenmässig eingeheuten Creiz unnd nein Pickh bemärckhter gesezt ist. Von dannen
erstbemelten alten Fahrweeg nach hinab bis auf vorbeschribnen hangenden Schrofen
unnd ersten Marchstain.
...
Was nun dise Abmärchung in sich begreifft (darin soll) den Jnnhabern des ober- und
unntern Gleurscher Gueths auf ewige Weltzeit die Holzgerechtigkheit allain fir Aigen
zuesteen unnd gebirn. Uberiges unnd ausser obigen March gegen Pfaffenwarter Hof
unnd oberhalben des Sämbs befindlicher Holzbesuech . (soll der) Gemain unnd
Nachtperschafft Vill auch bestenndig unnd aigenthumblichen verbleiben unnd zuegehö-
ren. Die Wun unnd Waid aber auf so gehörten Grundt unnd Poden sye Viller und
Gleurscher miteinander, wie von alters, riebigelichen zu besuechen unnd zu geniessen
32 Die betreffende Urkunde, ein Holznutzungsvertrag zwischen der Gemeinde Vill und den Inhabern der
Sillhöfe, aus dem Jahre 1468 ist in Gestalt einer landgerichtlichen Neuausfertigung von 1633 überliefert
(Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 1, Original-Pergament).
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haben sollen. Belangende das in Gruebach ausser den drey Täflen gegen obernenten
Pfaffenwarter Hof in der Viller Gemain dermahlen stehende grosse Holz, haben die
zween Gleurscher hiervon den gleichen vierten Thail, aber inskönnfftig weiter nit zu
fällen unnd aufzuhöben. "33- Soweit der hier auszugsweise wiedergegebene Text dieser
Urkunde von 1690, dem u.a. zu entnehmen ist, daß die Poltenhütte damals noch
Pfaffenwarter Hof geheißen hat, 34 und wo wir auch erfahren, daß die Viller Straße
ursprünglich am sogenannten „Mayrpichl" vom heutigen Poltenweg abgezweigt und
ziemlich steil hinunter zum „,Hangenden Schrofen“ geführt hat. Dieser Felsen oder
,,Schrofen“, ein alter Grenzpunkt zwischen den Gemeinden Vill und Wilten, befindet
sich ca. 100 Meter unterhalb der Abzweigung zu den Gluirschhöfen an der Südseite der
Viller Straße und war mit einer Kreuzigungsgruppe geziert, wovon heute nur noch das
in jüngster Zeit restaurierte Kruzifix übrig geblieben ist.
Damit sind wir schon in die Erörterung des dritten und wichtigsten Fahrweges eingetre-
ten, der von Vill talwärts führt, nämlich der Viller Straße. Sie begegnet erstmals im Jahre
1251 und zwar in jener Urkunde, kraft welcher Propst Ludwig von Wilten an Friedrich
Perchtinger die Neurodung der Gluirsch verliehen hat, und worin diese Straße als,,via
tendens ad villam Ville" bezeichnet wird.35 Ihr ursprünglicher Verlauf begann - bis zum
Bau der neuen Igler Auffahrt beim Olympia-Eisstadion (1977) - direkt bei der alten
Wiltener Sillbrücke bzw. beim Gasthaus,,Bretterkeller" und verlief - wie oben dargelegt
- im Bereich zwischen dem Hangenden Schrofen und dem Poltenweg wesentlich steiler
als heute. Die erste Neutrassierung in diesem Streckenabschnitt muß jedenfalls einige
Zeit vor 1690 vogenommen worden sein, da die ältere, steilere Trasse, die im Gelände
noch heute erkennbar ist, in der obzitierten Urkunde von 1690 bereits als ,,alter Fahr-
weg" bezeichnet wird.
Das Dorf Vill selbst wurde von der Viller Straße bzw. Viller Dorfstraße, die bereits 1312
zur Bezeichnung des Hofes an der „,Gazze" (Viller Dorfstraße 19) führte, in einer
langgezogenen Schleife durchzogen, welche ursprünglich bei der Einmündung des Pol-
tenweges in die Grillhofstraße ihren Anfang nahm bzw. seit der vorerwähnten Neutras-
sierung beim heutigen Gasthof zur Traube nach Westen in die Viller Dorfstraße eingebo-
gen ist. Der abkürzende Straßenverlauf hinter der Viller Kirche wurde erst in den
Dreißigerjahren unseres Jahrhunderts angelegt. Eine vom Innsbrucker Verschönerungs-
verein im Jahre 1909 herausgegebene Wanderkarte von Innsbruck und Umgebung zeigt
daher noch die alte Straßensituation.
33 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 6.
34 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung, a.a.O., S. 326 hat mangels Kenntnis der hier zitierten
Urkunde den Pfaffenwarter- noch mit dem Lemmenhof identifiziert.
35 Ebenda
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Die ehemalige Wegkapelle am Handlhofweg.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Der heutige HI.Kreuz-Bildstock an der Stelle der ehemaligen Kapelle am Handlhofweg.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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Die ehemalige Burg Straßfried und die übrigen einstigen mittelalterlichen Türme von Vill
Ursprünglich haben in Vill drei mittelalterliche Wohn- und Wehrtürme bestanden. Die
Burg Straßfried, der Turm am Turmbichl sowie ein kleiner Turm beim Zenzenhof. Heute
gehören alle drei der Vergangenheit an, nur die Erinnerung an sie ist geblieben.
Die Burg Straßfried erhob sich nördlich von Vill auf jener Waldkuppe, die die alte
Grenze zwischen der Hofmark Wilten mit den Gluirschhöfen und der Gemeinde Vill
gebildet hat und noch jetzt den bezeichnenden Flurnamen „Burg" trägt. Die erste
Nachricht über dieses ,,Castellum" ist in jener schon mehrfach zitierten Urkunde von
1251 enthalten, kraft welcher Propst Ludwig von Wilten an Friedrich Perchtinger das
neugerodete Gluirschgut verliehen hat, dessen Umgrenzung dort folgendermaßen be-
schrieben wird: A ponte videlicet Süllae, ubi primo montis ascensum aggreditur,
inferiorem partem viae usque ad summitatem collis, super quo via dividitur una quidem
via tendens ad villam Ville, altera vero descendens in ripam a dicta villa suis decursibus
derivatam et ascensum eiusdem ripe usque ad vallem Strassfride, quae deorsum a castello
ut in Süllam cernitur declinare. "36 (In deutscher Übersetzung heißt dies, daß die Um-
grenzung des Gluirschgutes wie folgt verlaufen ist: Von der (Wiltener) Sillbrücke der
Viller Straße nach bis zur Abzweigung des Weges zum Viller Bach (bzw. zu den Gluirsch-
höfen) und von hier dem Bach entlang hinauf bis zu dem ,,Strassfride" genannten Tale
(Talsenke des Viller Baches nördlich von Vill), über dem sich das Kastell erhebt, und
von wo die Grenze steil zur Sill hin abfällt). - Der Name,,Strassfride" bezieht sich hier
sowohl auf das Kastell als auch auf das kleine Tälchen des Viller Baches, an dessen
Osthang schon damals die für die Burg und das Tälchen namengebende Straße nach Vill,
allerdings nicht anstelle der heutigen Straße, sondern anstelle des obersten Abschnittes
des Poltenweges, verlaufen ist. Wie wir aus dem im Jahre 1263 abgeschlossenen Teilungs-
vertrag zwischen den Grafen Meinhard und Albert von Görz-Tirol und dem Grafen
Gebhard von Hirschberg über das ihnen zugefallene Erbe der Grafen von Andechs und
der Grafen von Tirol entnehmen können, saß damals auf Straßfried ebenso wie auf
Vellenberg, Matrei und in Innsbruck sogar ein eigener görz-tirolischer Hauptmann,
woraus die damalige Wichtigkeit dieses Kastells der Grafen von Andechs an der Viller
Straße ersichtlich wird.37 Wie allgemein üblich konnten sich die jeweiligen Inhaber, die
36 Ebenda
37 Hermann Wiesflecker, Die Regesten der Grafen von Görz und Tirol, Pfalzgrafen in Kärnten. Bd. 1,
Innsbruck 1949, n. 707. Vgl. dazu auch Martin Bitschnau, Burg und Adel in Tirol zwischen 1050 und 1300.
Wien 1983, S. 476.
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Die alte Auffahrt der Viller Straße beim,,Bretterkeller" (1963).
Foto: R. Frischauf
feastschalen
IGLS
LANS
WEGEN
BAURRBEITEN
ALDRANS
GESPERRT
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dasselbe vom Landesfürsten zu Lehen erhielten, ,,von Straßfried" nennen. In dieser
Weise begegnet 1292 und 1308 ein Dankwart von Strazzfried,38 während sich unter Graf
Meinhards II. Sohn Otto sogar eine am 19. Juni 1312 durch seinen Bruder Heinrich
erneuerte landesfürstliche Verleihung des ,,Turn ze Strazfried", beidemal an Chunrat
den Helbling, Richter zu Innsbruck, nachweisen läßt.39 Seit dieser Verleihung führte
Chunrad Helbling, wenn auch nicht immer, das Prädikat,,zu" oder,,von Strazzfried".40
Dasselbe gilt auch von seinen Erben und Nachkommen, die noch durch drei Generatio-
nen Straẞfried besessen haben und im 15. Jahrhundert ausgestorben sind.41 Die seit 1387
nachweisbare Untere Mühle nördlich unterhalb des Dorfes (Igler Straße 12) gehörte
übrigens ursprünglich zu den Gütern von Straßfried.42
Mit dem Aussterben der weitverzweigten Familie der Helblinge begann auch der Verfall
der Burganlage von Straßfried, deren Name daher ohne Bedenken von Erzherzog
Ferdinand II. im Jahre 1579 auf das Wohnhaus der adeligen Familie von Freising in
Wilten übertragen bzw. dieses Haus (Leopoldstraße Nr. 53: Glockengießerei Graẞmayr)
unter dem Namen „Straßfried" zum adeligen Ansitz erhoben werden konnte.43 Ab-
schließend sei noch bemerkt, daß im August 1922 am einstigen Burghügel Grabungen
durchgeführt worden sind, bei denen eine etwa zwei Meter hohe Mauer und ein einge-
stürztes Gewölbe festgestellt werden konnten.44
Neben Straßfried ist noch an den ehemaligen Turm am Turmbichl in Vill zu erinnern,
von dem noch im Urbar der St. Martins-Kirche von 1584 berichtet wird, daß,,darauf
der alt Turn steet", woraus zu entnehmen ist, daß der Turmbichler Turm zu diesem
Zeitpunkt noch gestanden ist.45 Heute erinnert an diesen Turm nur noch der bereits im
Leopoldinischen Steuerkataster von 162746 belegte Flurname,,Durnpüchl" bzw.,,Turn-
bühl", welcher auch in der Katastermappe von Vill von 1856 angetroffen wird und damit
38 TLA., Urk. I, 1855.
39 Otto Stolz, Geschichte der Stadt Innsbruck. Innsbruck 1959, S. 474.
40 StAI., Urkunden n. 27, 38, 41, 59, 60, 66, 67, 96.
41 Vgl. TLA. und StAI., Namensindices zu den Urkunden.
42 TLA., P. 738: Hans der Helbling von Strazzfried, ein Enkel Chunrads, verkauft kraft dieser Urkunde vom
12. Mai 1387 Chunrad dem Narrn von Patz (Patsch) einen jährlichen Zins von 10 Pfund Berner,,auz
dem Purchgarten und auz meiner Mül dapey glegen under Vill" (Original-Pergament).
43 Erwin Stockhammer, Die Ansitze in Innsbruck und seiner nächsten Umgebung. = Schlern-Schriften Bd.
202, Innsbruck 1961, S. 93.
44 Rudolf Granichstaedten-Czerva, Führer durch Igls und Umgebung. 1925, S. 76.
45 Pfarr-Archiv Igls
46 Original im TLA., Kopie im StAI., fol. 257.
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hinsichtlich seiner Lokalisierung seit Jahrhunderten fixiert ist. In gleicher Weise sei hier
auch auf den Turm des Zenzenhofes bzw. des „,Hofes zu dem Türnlein" (1411)47
hingewiesen, dessen Rest dort östlich des Hauptgebäudes noch heute erkennbar ist.
Die ehemaligen Viller Vogelhütten
Sozialgeschichtlich den Burgen und Ansitzen verwandt, da sie sich ebenfalls meist im
Besitz von Adeligen befunden haben, dienten die Vogelhütten - wie ihr Name anklingen
läßt dem Vogelfang, welcher in Tirol erst durch das Vogelschutzgesetz von 1899
weitgehend verboten worden ist.
Im Gemeindegebiet von Vill nun haben zwei derartige Vogelhütten bestanden, die
heutige Poltenhütte und der Grillhof. Dabei läßt sich schwer sagen, welche von ihnen die
ältere ist. Jedenfalls berichtet ein Waldabteilungsvertrag zwischen der Gemeinde Vill und
den Inhabern der Sillhöfe aus dem Jahre 1468 bei der Beschreibung der gegenseitigen
Grenzlinie, d.i. die noch heute gültige Katastralgemeindegrenze zwischen Vill und Pradl,
daß diese vom „Vischersteig" - in östlicher Richtung - gerade hinüber zum „,Schaufl-
nockh“ und von dort,,nach der Grueben, da die Voglhit gewesen ist", und weiter bis
zum,,Lännerweg" führen soll, wobei die hier als aufgelassen angeführte Vogelhütte
zweifellos eine Vorgängerin der Poltenhütte war.48 An dem ebenfalls am östlichen
Rande der Poltenwiese bzw. knapp oberhalb des Lanser Weges liegenden östlichsten
Grenzpunkt zwischen Vill und Lans befindet sich übrigens noch heute ein,,alter Haubt-
marckstain" (Grenzstein) mit der eingemeißelten Jahreszahl 1545. Die nächste Nach-
richt über diese Vogelhütte bietet uns eine Belehnungsurkunde vom 24. Dezember 1683,
kraft welcher Paris Graf zu Lodron etc. als tirolischer Obrist-Jägermeister die,,Voglhit-
ten auf dem Paiẞberg, negst ob Pfaffenwart ligent, . . . samt ainen Rocolo (= Fangnetz)
und Leimbstatt" an Johann Franz von Coreth verliehen hat mit dem Recht,,,gross und
claine Vögl, jedoch (nur) zu waidmanischer Zeit“, zu fangen. Im obzitierten Waldabtei-
lungsvertrag zwischen der Gemeinde Vill und den Inhabern der Gluirsch-Höfe wird das
Gut als,,Pfaffenwarter Hof" bezeichnet. Der Name,,Poltenhütte" schließlich begegnet
erst im 18. Jahrhundert, und zwar im Protokoll einer neuerlichen Grenzvermarkung
zwischen Vill und Lans aus dem Jahre 1768. Im Jahre 1832 haben sich dann die
gräflichen Geschwister Ernst und Antonia von Coreth dazu entschlossen,,,die Voglhütte
ober Wilten in der Gemeinde Vill" an ihren bisherigen Pächter Johann Plattner und an
47 Otto Stolz, Geschichte der Stadt Innsbruck. a.a.O., S. 474. - Vgl. dazu unten die Hausgeschichte,,Handl-
hofweg 80".
48 Vgl. oben Anm. 32.
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dessen Gattin Anna geb. Pittl zu verkaufen. Im Jahre 1907 gelangte das Gut kaufweise
von Franz Rofner in den Besitz der Innsbrucker Familie Wiedner.49
Die letzte hier zu behandelnde Vogelhütte ist der Grillhof. Über seine älteste Geschichte
schreibt Fritz Steinegger in der Broschüre,,Von der landesfürstlichen Vogelhütte zum
Volksbildungsheim Grillhof" (= Grillhof-Schriften Nr. 3, 2. Aufl., 1974), S. 8-14:,,Vom
Grillhof wissen wir aus archivalischen Quellen, daß er erst im Jahre 1494 durch den
landesfürstlichen Vogler, Sigmund Grill, erbaut wurde. Am 20. Oktober 1494 erhielt der
Vogler vom Landesfürsten 20 Gulden rheinisch zum Bau seines Hauses und seiner
Hofstatt. Für den Baugrund, der bei der bereits bestehenden Vogelhütte auf der Flur
Gstans (,,Gespans") nördlich von Vill lag, mußte Sigmund Grill vom gleichen Jahr an
jährlich 8 Pfund Geld und 20 Eier Grundzins an das landesfürstliche Propsteiamt
Ambras reichen. Diese Zinslast wurde 1620 auf 8 Pfund Perner reduziert. Der Grillhof
war also von Anbeginn an ärarischer Besitz und diente dem jeweiligen Vogler bzw.
Vogelaufseher der Vogelhütte am Paschberg als ständige Dienstwohnung. Dafür hatte
Sigmund Grill gegen einen in vier Raten ausbezahlten Jahressold von 8 Gulden das
Vogelrevier am Paschberg zu betreuen. In seinen Aufgabenbereich fiel natürlich auch das
Füttern der jagbaren Sing- und Raubvögel, die Instandhaltung der damals gebräuchli-
chen Fangvorrichtungen, wie Netze, Leimruten usw., und der landesfürstlichen Gebäu-
de. Über die persönlichen Verhältnisse des Sigmund Grill sind wir leider nicht näher
unterrichtet. Wir wissen lediglich, daß er ein eigenes Siegel führte, mit dem er unterm 14.
Juni 1495 die ihm ausgefolgte Jahreslöhnung dem Kammermeister Bernhart Happ
quittierte. Im darauffolgenden Jahr 1496 wurde Sigmund Grill ohne Angabe der Gründe
seines Dienstes enthoben und der Grillhof zugleich zu Gunsten des Oberstjägermeister-
amtes eingezogen, das auftragsgemäß künftig die ständige Weiterverpachtung dieses
Hofes vornahm. Aus den Amtsaufzeichnungen der oberösterreichischen Regierung geht
nicht hervor, wer zwischen 1497 und 1525 das Gut bewirtschaftete. Ab 1526 bis 1529
hatte der landesfürstliche Rebhühnerheger Christian Hochenrainer mit seiner Familie
den sogenannten Grillhof inne, den 1529 nach dem plötzlichen Ableben Hochenrainers
anstelle der Witwe Ulrich Lang vorübergehend ohne Entgelt bebaute. Mit Jahresbeginn
1530 übertrug der Oberstjägermeister dem verdienten Jagdangestellten Sixt Pflueg die
vakant gewordene Stelle eines Rebhühnerhegers auf dem Grillhof um das Jahresgehalt
von 6 Gulden. Im Jahre 1539 löste ihn sein Sohn Veit Pflueg im Jagddienst ab. Veit
Pflueg übte den äußerst anstrengenden Jagdaufsichtsdienst volle 49 Jahre aus. Er be-
49 Die hier zitierten Urkunden von 1683, 1832 und 1907 befinden sich im Besitz der Familie Wiedner, die
freundlicherweise Einsicht in dieselben gewährt hat.
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Kreuzigungsgruppe am Hangenden Schrofen an der Viller Straße.
Foto: M. Hye-Weinhart
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wohnte den Grillhof und führte dessen bescheidene Landwirtschaft bis zu seinem Tode
am 22. Juli 1589. Als Inhaber des Grillhofes verglich er sich am 14. Februar 1547 mit den
Gemeinden Vill und Lans wegen Holznutzungsrechten. Die Witwe Pflueg durfte mit
ihren unversorgten Kindern in Ansehung der treuen Dienste ihres Gatten eine geraume
Zeit auf dem Grillhofe weiter hausen, während die Vogelhut am Paschberg dem Tiergärt-
ner im Schloß Ambras, Hanns Pesendorffer, anvertraut wurde. Wegen der ,,Heyung des
Wildperts" am Paschberg wurden ihm 1591 gesonderte Zahlungen verabfolgt. Ab dem
Jahre 1614 aber sehen wir den Grillhof 223 Jahre hindurch pachtweise im Besitz des
alteingesessenen Tiroler Geschlechtes der Kössler zu Vill, dessen männliche Angehörige,
alle von der Jagdleidenschaft erfüllt, der allgemein beliebten Vogelstellerei nachgingen.
Am 24. Oktober 1614 pachtete Andrä Kössler die Liegenschaft. Aus besonderen Gnaden
erließ ihm die oberste Jagdbehörde den jährlichen Pachtschilling von 5 Gulden auf
Lebenszeit. Die Amtsinstruktion für Andrä Kössler enthält ausführliche Anweisungen
über die Pflichten des erzherzoglichen Vogelhegers und detaillierte Beschreibung vom
Umfang des Vogelreviers. Darnach war er verpflichtet, ohne Gehalt das nistende Vogel-
wild vor unbefugten Vogelfängern zu schützen. Vogelhütten standen beim Grillhof, im
Grillhofer Wäldele und im Grillhofer Felde. Das Revier reichte vom Grillhofe bis zu den
Lanser Köpfen, von dort den Weg hinab zu den Gluirschhöfen und von da an hinüber
auf den Rembs. Täglich hatte er das Revier zu begehen, beobachtete Jagd- und Forstver-
gehen zur Bestrafung anzuzeigen und vom aufgefundenen Fallwild dem Landesfürsten
den halben Teil abzuliefern. Zum Pachtobjekt, das Kössler zur Nutzung bekam, gehörte
eine Behausung samt Stadel, Stallung, Vogelhütte, dritthalb Joch Acker, 2 Joch (= 1,15
ha) Gruemmetmahd, 2 Joch Altmahd, das Weiderecht für sein eigenes Vieh und das
Recht, Brenn- und Bauholz nach Maßgabe des jeweiligen Bedarfes aus den umliegenden
Waldungen kostenlos zu beziehen. Reparaturen an Gebäuden und Fanggeräten sollte
der Pächter auf seine Kosten selbst durchführen. Ebenso oblag ihm die Beschaffung der
Lockvögel. Die auf den zwei Vogelhütten mit Leim gefangenen Vögel waren der Hofkü-
che abzuliefern, die für 2 Wacholderdrosseln 3 Kreuzer, für je eine Schwarzdrossel,
Amsel oder Sangdrossel, 2 Krummschnäbel, 2 Kernbeißer und 5 Finken 1 Kreuzer
bezahlte.
Das Inventar der Grillhof-Vogeltennen verzeichnet an vorhandenen Gegenständen 5
Vogelwände, 45 Vogelhäuser, 1 große Truhe für das Lockfutter, 1 Leimkübel und etliche
Spindeln, die bei Beendigung des Pachtvertrages wieder zurückgestellt werden mußten."
-Soweit also die wörtlichen Ausführungen Fritz Steineggers.
Sehr aufschlußreich für die Geschichte des Grillhofes ist auch jener oben schon kurz
erwähnte Vertrag aus dem Jahre 1547, worin zwischen den Gemeinden Vill und Lans
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Blick von Süden auf den zum Teil abgetragenen Turnbichl" (Turmbichl).
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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einerseits und dem damals hier sitzenden „Vogler" Veit Pflueg vereinbart worden ist,
welches Waldstück dem,,Grillhof ob Vill" für seinen Holz- und Taxenbedarf zustehe.
Demnach sollen die jeweiligen Inhaber,,des Grillhofs und der Voglhitten daselbst ihre
Behülzung haben zwischen dem Talel (nördlich der Batzsteinhütte) und dem Zaun,
der bey dem See (d.i. der ehemalige Viller See) steet von der obern Wasserlaufft biẞ hinab
an den Vischer Weeg". Für den Betrieb der Vogelhütte bzw. für den Vogelfang war es
jedoch wichtig, daß die Vogelhütte oder Tenne mit Taxen getarnt wurde. Im betreffenden
Vertrag wird daher zusätzlich bestimmt:,,Unnd nachdem die Vergryenung (= Vergrü-
nung) der Voglhitten nit umbganngen werden khan, ist fir billich angesechen", daß falls
sich im obangeführten Waldbezirk zuwenig,,nuzlicher Poschen unnd Däxen oder Össt"
finden würden, daß dann der jeweilige Vogler auch im umgebenden Wald Taxen holen
dürfe.50 In der Folgezeit kam der Grillhof von 1738 bis 1838 in den Besitz des Stiftes
Wilten (abgesehen freilich die Jahre 1807/14, als das Stift vom Königreich Bayern
aufgehoben war): Pachtinhaber blieb dessenungeachtet weiterhin die Familie Kössler. In
der Bewirtschaftung des Gehöftes scheint sich damals allerdings schon einiges geändert
zu haben, denn die der eigentlichen Vogelstellerei dienende,,Vogeltenne" wird 1768 als
,,schon lang cassiert", d.h. beseitigt, bezeichnet. 51 An ihrer Stelle wurde wenige Jahre
später das sogenannte Batzsteinhüttl erbaut, welches erstmals im Jahre 1785 urkundlich
genannt wird.52 Die betreffende Urkunde ist ein Grenzmarkierungsprotokoll bezüglich
der dortigen Grenze zwischen den Gemeinden Vill (heute Innsbruck) und Lans. Die
damals gesetzten und noch bestehenden sechs Grenzsteine zeigen auf der Viller Seite die
Aufschrift,,Vi" und auf der Lanser Seite die Buchstaben „Lö“ eingemeißelt. Allerdings
erwiesen sie sich später nicht als Markierung der Gemeindegrenze, sondern als Markie-
rung der Grillhofer Waldung, weshalb im Bereich zwischen dem ehemaligen Viller See
und dem Batzsteinhüttl vor einiger Zeit die Gemeindegrenze mit neuen Steinen gekenn-
zeichnet worden ist. Diese Grenzlinie verläuft ein Stück weiter westlich als die Grillhofer
Waldgrenze, die noch in der Katastermappe von 1856 irrig als die Gemeindegrenze
zwischen Vill und Lans aufscheint.
50 Vgl. oben Anm. 16.
51 Pfarr-Archiv Igls, Urkunde n. 8a: Grenzvertrag zwischen Vill und Lans.
52 Ebenda, Urkunde n. 8b: Grenzvermarkungsurkunde zwischen Vill und Lans.
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Die Poltenhütte von Osten.
Foto: M. Hye-Weinhart
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OX
1905
Malerischer Hausschmuck von 1905 (Ausschnitt) an der Südseite der Poltenhütte.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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Die jüngere Siedlungsentwicklung von Vill und Daten zur Häusergeschichte
Bis zum Jahre 1779, als der Maria-Theresianische- Steuerkataster angelegt worden ist,
zählte die Dorfgemeinde Vill insgesamt 24 Wohnhäuser, wozu in der Folge bis 1856 noch
der Hauserle- und der Dudlhof kamen. Das Bauparzellen-Protokoll von 1856 verzeich-
net dann inklusive diverser Wirtschaftsgebäude und auch einschließlich der St. Martins-
Kirche 36 Bauten. Sie alle waren noch mit wenigen Ausnahmen (Zenzen-, Handl- und
Grillhof, Poltenhütte, Hauserle und Dudl) in der eingangs geschilderten Dorfmulde
situiert.
Der Bau des Gasthofes zum Turmbichl im Jahre 1891 (laut Fresko-Inschrift an der
Nordfassade) war dann richtungsweisend für die östlich folgenden Wohnhäuser in der
Senke des Viller Baches bzw. am heutigen Lilly-von-Sauter-Weg. Auch die Villa Arch
auf Kreit (Goarmbichl) ist in diese Besiedlungsphase einzuordnen. Neue Siedlungs-
Schwerpunkte bildeten dann in den letzten zwei Jahrzehnten die Hanglagen am Grillhof-
und vor allem am Poltenweg, sowie das einstige Schießstands-Gelände (Robert-Stolz-
Weg). Den jüngsten neu erbauten Bauernhof stellt das Anwesen Rudolf Wopfners,
Bachgangweg 21, dar. Er signalisiert in eindrucksvoller Weise das hoffnungsvolle Bestre-
ben der Viller Bauern als Landwirte überleben zu wollen, was angesichts der ohnedies
nur in beschränktem Ausmaß verfügbaren intensiv nutzbaren Grundstücke in relativ
ebenem Gelände schwer genug ist. Wie die Verbauungsentwicklung am westlichen
Ortsrand (Oberntalweg, Glasweg) zeigt, kommt es aber auch hier zusehends zum Interes-
senskonflikt zwischen Landwirtschaft und Wohnbautendenzen.
Daten zur Häusergeschichte
(In alphabetischer Reihenfolge der heutigen Straßennamen)
Anmerkung: Die folgenden Angaben beruhen auf den nachstehend verzeichneten, im Text dann nur kurz
zitierten Quellen.
1312 Inntaler Steuerbuch, ediert in Schlern-Schriften Bd. 44 (vgl. oben Anm. 12!)
1627
Leopoldinischer Steuerkataster des Landgerichtes Sonnenburg von 1627 (Original im Tiroler Landes-
archiv TLA.; Kopie im Stadtarchiv Innsbruck = StAI.)
1665 und 1722 = Urbare der Herrschaft Ambras, angelegt in den Jahren 1665 und 1722 (Originale im TLA.,
Urbar n. 82/11 und Urbar 82/12)
1779
Maria-Theresianischer-Steuerkataster der Gemeinde Vill von 1779 (Original im TLA.; Kopie im StAI.).
1856 = Bau-Parzellen-Protokoll der Katastralgemeinde Vill von 1856 (Original im Vermessungsamt; Kopie
im StAI.)
1901 Grundbuch (über die Besitzungen der) Stadtgemeinde Innsbruck in der Katastralgemeinde Vill,
angelegt im Jahre 1901 (Original im StAI.)
1944 bis 1976 = Adreẞbücher der Landeshauptstadt Innsbruck. Da nach 1976 kein Adreẞbuch mehr
veröffentlicht worden ist, unterliegen die späteren, nur aktenkundigen Besitzangaben dem Datenschutz und
konnten hier daher nicht veröffentlicht werden.
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Markstein der Grafen Coreth von 1779 mit dem stark vereinfachten gräflichen Wappen und den Initialen
.,G(raf),C(oreth)" bei der Poltenhütte.
Foto: Dr. Wiedner
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Bachgangweg
Nr. 21 alte Hausnummer Vill 58:
Besitzer: Rudolf Wopfner, laut Adreẞbuch 1976
Nr. 51 alte Hausnummer Vill 42:
Besitzer: Ferdinand und Gisela Lunkmoos, laut Adreßbuch 1946/47 und 1953; Helene
Schmole laut Adreßbuch 1957; Helene Tomasi laut Adreẞbuch 1964 und 1970; Helene
Schwesser laut Adreẞbuch 1976.
Grillhofweg
Nr. 1 Bp.23 alte Hausnummer Vill 5:
Hofnamen: Die Maire von Ville (1312);,,der halbe Mayrhof" (1627, 1779); Klammer
(1856)
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 76):
O: Erben nach Matthias Weiß
S: gemeine Gasse
W: detto
N: eigenen Baumgarten
Besitzer: 1627, fol. 260: Matheus Loter, „,,beim undtern Gatter zu Vill"
1665, Urbar, fol. 93: Georg Plazer und Matheus Lotter
1722, Urbar, fol. 357-366: Matheus Schwaikhofer, vor seine Mutter Elisabeth Clarer, vor
der Vater Martin Schwaikhofer, vor Hanns, vor Matheus Lotter
1779, Cat.Nr. 76: Johann Schwaykofer
1856, Bp.-Prot.: Georg Hölzl
1901, Viller-See-Int.: Johann, Franz, Josef, Anna, Anton, Alois, Martin, Sebastian,
Georg und Johann Hölzl
1944, Adreẞbuch: Josef Rofner, detto bis Adreẞbuch 1976
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Nr. 3 Bp. 24 - alte Hausnummer Vill 4:
Hofnamen: Mühl-Lehen (1627, 1779); Beim Melchiorn (1856); Melcher
GH: Grafen Trapp zu Pisein (Beseno)
Anrainer im Jahre 1779 (Cat. Nr. 79):
O: Jakob Hofer
S: Lorenz Perkhofer
W: Johann Schwaykofer
N: gemeine Gasse
Besitzer: 1627, fol. 260': Mattheus Loter
1779, Cat.Nr. 79: Erben nach Matthias Weis
1856, Bp.-Prot.: Kreszentia Spörr
1901, Viller See-Int.: Josef und Rosa Stöckl
1944, Adreẞbuch: Aloisia Sorg, detto bis Adreẞbuch 1976
Besonderes: Die namengebende Mühle - es ist die Untere Mühle (Bp.22) - wird 1627
noch bei diesem Hofe erwähnt, ist jedoch lange vor 1779 davon getrennt worden.
Dementsprechend enthält der Kataster von 1779 folgende Eintragung:,
Lechen genant, woraus vor alters die Mühl und ein Stuk Grund verkauffet worden."
Nr. 5 alte Hausnummer Vill 4a:
Besitzer: Aloisia Sorg, laut Adreẞbuch 1976
Nr. 6 Bp. 29 - alte Hausnummer Vill 3:
Hofnamen:,,Hochenrainer Lechen" (1722); Reiner (1856); Rainer
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 83):
O: eigenes Grundstück
S: detto
W: Jakob Hofer (,,Mitterrain")
N: gemeine Gasse (,,Hochenrainer Gassen“)
Besitzer:
1665, Urbar, fol. 93: Christan, vor Adam Lotter
1722, Urbar, fol. 374-379: Joseph, anvor Christian, vor Adam Lotter
1779, Cat.-Nr. 83: Georg Lotter
1856, Bp.-Prot.: Kreszentia Wisfleck
1901, Viller See-Int.: Josef Eisendle
1944, Adreẞbuch: Josef Eisendle, detto bis Adreßbuch 1976
"... das Mühl
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Grenzstein zwischen den Innsbrucker Katastralgemeinden Vill und Pradl und der Gemeinde Lans mit der
Jahreszahl 1545 bei der Poltenhütte.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nr. 8 alte Hausnummer Vill 45a:
Besitzer: Wohnungseigentumsgemeinschaft laut Adreẞbuch 1976
Nr. 10 alte Hausnummer Vill 45b:
Besitzer: Wohnungseigentumsgemeinschaft laut Adreẞbuch 1976
Nr. 12 alte Hausnummer Vill 45c:
Besitzer: Wohnungseigentumsgemeinschaft laut Adreẞbuch 1976
Nr. 15 alte Hausnummer Vill 4d:
Besitzer:,,Team" Baugesellschaft m.b.H. laut Adreẞbuch 1976
Nr. 16 alte Hausnummer Vill 45:
Besitzer: Josef Widmann laut Adreßbuch 1953
Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1976
Nr. 17 alte Hausnummer Vill 4e:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf
Nr. 19 alte Hausnummer Vill 4f:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf
Nr. 20 alte Hausnummer Vill 34e:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf
Nr. 22 alte Hausnummer Vill 34:
Besitzer: Anna Lokar (Loker) laut Adreßbuch 1944, detto bis 1953;
Irene Oberdanner laut Adreẞbuch 1957 und 1964;
Ulrich und Brigitte Fessler laut Adreßbuch 1970 und 1976
Nr. 24 alte Hausnummer Vill 34a:
Besitzer: Dr. Ing. Richard und Luise Dagostin laut Adreßbuch 1946/47;
Luise Dagostin laut Adreßbuch 1953 und 1957;
Dr. Richard und Luise Dagostin laut Adreẞbuch 1964;
Walter und Luise Dagostin laut Adreẞbuch 1970;
Walter Dagostin laut Adreẞbuch 1976
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Der alte Grillhof im Jahre 1959 von Nordwesten.
Foto: Hermann Weber, Original im Grillhof
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Nr. 26 alte Hausnummer Vill 34d:
Besitzer: Dr. Volkmar Philadelphy laut Adreẞbuch 1970 und 1976
Nr. 28 alte Hausnummer Vill 44:
Besitzer: Dr. Rudolf und Maria Hojos laut Adreẞbuch 1953;
Feilner-Van Put Claire laut Adreẞbuch 1957;
Claire Fuchshuber laut Adreßbuch 1964;
Dr. Hubert Fuchshuber laut Adreßbuch 1970 und 1976
Nr. 31 alte Hausnummer Vill 40e:
Besitzer: Maria und Eberhard Schedel laut Adreẞbuch 1970 und 1976
Nr. 35 alte Hausnummer Vill 40c:
Besitzer: Dr. Heinz Lechner laut Adreẞbuch 1970;
Dr. Hans Asamer laut Adreßbuch 1976
Nr. 38 alte Hausnummer Vill 30:
Besitzer: Otto Pirchl laut Adreßbuch 1944;
Ottilie Neuner und Sophie Jäger laut Adreẞbuch 1946/47;
detto bis 1957;
Sophie Jäger laut Adreßbuch 1964;
Josef Jäger laut Adreẞbuch 1970;
Josefa Jäger und Ottilie Neuner laut Adreẞbuch 1976
Besonderes: Wie dem Baustil und den Fassadenfresken von Rafael Thaler aus dem Jahre
1901 zu entnehmen ist, dürfte dieses Haus erst kurz zuvor erbaut worden sein.
Nr. 39 alte Hausnummer Vill 40h:
Besitzer: Josef und Hildegard Waldner laut Adreẞbuch 1976
Nr. 40 Bp. 30 alte Hausnummer Vill 2:
Hofname: Hauserle.
Besitzer: 1856, Bp.-Prot.: Alois Bitterich
1944, Adreẞbuch: Otto Pirchl;
Ottilie Neuner und Sophie Jäger laut Adreẞbuch 1946/47;
Dr. Anton und Ottilie Neuner laut Adreẞbuch 1953;
detto bis 1970;
Ottilie Neuner und Sophie Jäger laut Adreẞbuch 1976
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Einer der sechs im Jahre 1785 gesetzten Grenzsteine der Gemeinden Vill und Lans, welche als Gemeinde-
Grenzsteine gedacht waren, tatsächlich aber nur die Ostgrenze der Grillhofwaldung markieren.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Schützen und Musik von Igls und Vill vor dem Eck-Hause Grillhofweg 1/Igler Straße, genannt beim Klammer.
Alte Photographie im Besitz von Karl Schlögl
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Bis vor wenigen Jahren hat die hölzerne Dachtraufe zwischen den Häusern Grillhofweg 1 und 3 die Straße in
ihrer vollen Breite überbrückt.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nr. 45 alte Hausnummer Vill 40i:
Besitzer: Erich Senn laut Adreßbuch 1976
Nr. 47 alte Hausnummer Vill 40d:
Besitzer: Dr. Alfred und Gudrun Schinzel laut Adreẞbuch 1970 und 1976
Nr. 53 alte Hausnummer Vill 40b:
Besitzer: Hermann und Maria Köstenbaumer laut Adreßbuch 1964;
detto bis 1976
Nr. 55 alte Hausnummer Vill 40a:
Besitzer: Hermann Kinigadner laut Adreßbuch 1964;
Hildegard Seidl laut Adreßbuch 1970;
Dr. Otto und Edeltrude Pritzi laut Adreßbuch 1976
Nr. 57 alte Hausnummer Vill 40:
Besitzer: Viktor Kauders laut Adreẞbuch 1946/47;
Amalie Kauders laut Adreßẞbuch 1953:
detto bis 1964;
Amalie Weber laut Adreẞbuch 1970 und 1976
Nr. 64 alte Hausnummer Vill 41:
Besitzer: Ursprünglich Nebengebäude des Grillhofes (vgl. dort!), genannt,,Batzstein-
hüttl";
Landes-Invalidenamt für Tirol laut Adreẞbuch 1953;
detto 1957;
Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz laut Adreßbuch 1964;
detto bis 1976
Nr. 100 alte Hausnummer Vill la:
Hofname: Grillhof
Besitzer: Ältere Geschichte siehe oben!
1856, Bp.-Prot.: Johann Georg Tschurtschenthaler;
1948 Tiroler Kriegsopferverband;
1952 Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz;
1959 Land Tirol
Zur Geschichte des hier nun errichteten Volksbildungsheimes vgl. den Beitrag von
Direktor Sieghard Matuella.
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Blick auf Vill im Vordergrund der Poltenweg, links der Rainerhof, Grillhofweg 6.
Foto: Anton Gratl, um 1870/80, Original im Stadtarchiv Innsbruck
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Blick auf die Ostfassade des Hauses Grillhofweg 38 mit Fresken von Rafael Thaler aus dem Jahre 1901.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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Nr. 101 alte Hausnummer Vill 1:
Siehe dazu Nr. 100!
Handlhofweg
Nr. 2 Bp. 19 - alte Hausnummer Vill 21:
Hofname: Am Orth (1627, um 1779); Reiter (1856)
GH: Grafen Fieger zu Friedberg
Anrainer im Jahre 1779 (Cat. Nr. 13):
O: Bartlmee Lotter
S: gemeine Gasse
W: eigene,,Peinten"
N: detto
Besitzer: 1627, fol. 256': Paul Loter
1779, Cat.Nr.13: Jacob Lotter, später Joseph Lotter
1856, Bp.-Prot.: Ursula Angerer
1901, Viller-See-Int.: Alois Lotter
1944, Adreẞbuch: Josef Lener
detto bis 1976
Nr. 8 alte Hausnummer Vill 21b:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf.
Nr. 51 alte Hausnummer Vill 71:
Besitzer: Ludwig Greier laut Adreẞbuch 1976
Nr. 61 alte Hausnummer Vill 24a:
Besitzer: Max Wegscheider laut Adreßbuch 1953;
detto bis 1976
18
87
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Der Reiterhof (Handlhofweg 2) von Süden.
Foto: F.-H. Hye
88
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Freskodarstellung des Innsbrucker Mariahilf-Gnadenbildes an der Südfassade des Reiterhofes, Handlhofweg 2.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
89
Seite 104
104/244
Nr. 63 Bp. 35, 36 - alte Hausnummer Vill 24:
Hofnamen: von Riede (1312); zu Ried in Viller Oblay (1627); Hof zu Ried im Zenzental
(1767); Handlhof (seit 1784), zum Erbhof erhoben 1935.
GH: frei
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 4):
O: die Gemeinde
S: detto
W: eigene Waldung
N: die Gemeinde
Besitzer: 1627, fol. 259': Martin Clarer's Witwe, Barbara Kleiber
1637-1671: Thomas Klarer
1671: dessen Tochter Maria, Gattin des Martin Wegscheider
1721-1767 Andrä Wegscheider, Sohn
1767-1784 Martin Wegscheider (= 1779, Cat.Nr. 4), Sohn
1784-1843 Franz Wegscheider, Sohn;
1843-1859 Witwe und Kinder (= 1856, Bp.-Prot.)
1859-1907 Alois Wegscheider, Sohn (= Viller-See-Int. 1901)
1907-1919 Alois Wegscheider iun., Sohn
1919-1938 Johann Wegscheider, Bruder
1938-1966 Max Wegscheider, Sohn
seit 1966 Alfred Wegscheider, Sohn
Literatur: Sebastian Hölzl - Hans Schermer, Tiroler Erbhofbuch, Bd. 1, Innsbruck 1986,
S. 127ff.
Nr. 71 alte Hausnummer Vill 90
Besitzer: Städtische Mülldeponie
Nr. 77 alte Hausnummer keine
Besitzer: Österreichische Staatsforste
Nr. 79 alte Hausnummer keine
90
Seite 105
105/244
Der Erbhofbauer Alfred Wegscheider vom Handlhof mit seiner Familie (1977)
Repro aus S. Hölzl - H. Schermer, Tiroler Erbhofbuch, S. 128
91
Seite 106
106/244
Nr. 80 Bp. 32, 33, 34 - alte Haunummer Vill 25:
Hofnamen: Hof,,im Ried zum Türnlein" (1411, 1443 und 1463)
vgl. oben Anm. 47; Schern- oder Zenzenhof (1627); Zenzenhof (1779)
GH: frei
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 1):
O: Martin Weegschaider
S: die Amts-Waldung
W: Sillbach
N: eigenes Neurauth
Besitzer: 1627, fol. 261: Georg von Pennt, Hauptmann, und seine zwei Töchter; hier wird
der Hof,,Schern- oder Zenzenhof" genannt
1779, Cat.Nr. 1: Anton Leiẞ, später Alois Leiẞ
1856, Bp.-Prot.: Katharina v. Hasslmair
ab 1876: Innsbrucker Jesuitenkolleg (vgl. auch 1901,
Viller-See-Int.)
Besonderes: Die Baulichkeiten des Zenzenhofes bestanden 1779 aus einer Behausung mit
Stadel und Stall, aus einer weiteren Behausung,,,so dermahlen an denen Inngebäuden
völlig abgangen und nur zu einen Stadl und Wagen-Schupfen dienet", sowie aus „,einer
andern Wohnung, der Thurn genant."
Nr. 91 alte Hausnummer keine
Nr. 91 a,b,c alte Hausnummern keine
Nr. 92 alte Hausnummer keine
Nr. 92 a,b alte Hausnummern keine
Nr. 93 alte Hausnummer Vill 100:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 93 a alte Hausnummer Vill 27:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen, Bahnwächterhaus
laut Adreẞbuch 1944
detto bis 1976
92
Seite 107
107/244
Nr. 94 alte Hausnummer Vill 100g:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 94 a alte Hausnummer keine
Nr. 95 alte Hausnummer Vill 100c:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 95 a alte Hausnummer keine.
Nr. 95 b alte Hausnummer Vill 100b:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 95 c alte Hausnummer Vill 100a:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 95 d alte Hausnummer Vill 100f:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 96 alte Hausnummer keine
Nr. 98 alte Hausnummer Vill 100d:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 98 a alte Hausnummer Vill 100e:
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976
Nr. 98 b alte Hausnummer keine
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96
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Igler Straße
Nr. 12 Bp. 22 - alte Hausnummer Vill 6:
Hofname: Untere Mühle
GH: Grafen Trapp zu Pisein (Beseno)
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 88):
O: Georg Kößler
S: ein,,Maadflökl" (kleine Wiese)
W: die,,Pachrunst" (= Viller Bach)
N: Georg Köẞler
Besitzer: 1387 Hans Helbling v. Strazzfried (vgl. oben Anm. 42)
1627, fol. 260': Matthäus Loter, Besitzer des Mühl-Lehens (Bp. 24), zu dem die Mühle
damals noch gehört hat;
1779, Cat.Nr. 88: Sebastian Holzer, später Georg Tirler
1856, Bp.-Prot.: Georg Jaufenthaler
1944, Adreẞbuch: Maria Kinzner geb. Hörtnagl sowie deren
Söhne Franz, Josef, Johann und Karl
Maria Kinzner laut Adreẞbuch 1946/47
detto 1953
Georg Schösser laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1970
Theresia und Annemarie Schösser laut Adreẞbuch 1976
Besonderes: Im Kataster von 1779 wird das Gut, wie folgt, beschrieben: „Ein kleine
Behausung, Stadl, Stallung ... darbey aine Mühl mit einen Gang, Stampf und Wasser-
fall."
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Die Untere Mühle (Igler Straße 12)
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nr. 14 Bp. 21 - alte Hausnummer Vill 7:
Hofname: Obere Mühle
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 87):
O: Lorenz Perkhofers Güter
S: detto
W: detto
N: detto
Besitzer: 1627, fol. 257': Rosina Kiechl, Witwe nach Matthäus
Told, als Besitzerin des Gilgengutes (= Bp. 14)
1722, Urbar, fol. 384-386: Andree Prantner (durch Kauf
1711), zuvor Hanns Egger und seine Gattin Gertraud
Kofler; zuvor Franz Peckh; zuvor Thoman Clarer
1779, Cat.Nr. 87: Joseph Herzleier
1856, Bp.-Prot.: Georg Hölzl, Klammer
1944, Adreẞbuch: Maria Span
detto 1946/47
Anna Span laut Adreßbuch 1953, detto bis 1976
Besonderes: Im Kataster von 1779 wird das Gut, wie folgt, beschrieben: „Ein kleine
Behausung darbey eine Mahlmühl mit einen Gang, Stampf, Wasserfall und Früh-
gartl von 6 Klafftern." Laut des Katasters von 1627 sowie auch noch It. Urbar von 1665,
fol. 93v, noch zum Gilgengut gehörig, wurde die Mühle lange vor 1779 von diesem
verkaufsweise abgetrennt. Der Kataster von 1779 (Cat.Nr. 57) bemerkt daher dort:
,,davon eine Mühl und Stampf vor alters verkauft worden."
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I II
Die Obere Mühle am Viller Bach (Igler Straße 14) vor ihrem Umbau.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nr. 15 alte Hausnummer Vill 36:
Besitzer: Josef Rofner laut Adreßbuch 1944, detto bis 1976
Nr. 19 Bp. 17 - alte Hausnummer Vill 9:
Hofnamen: beim Garrer (1856); Garn (1901, 1944)
GH: St. Martins-Kirche in Vill
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 64 und 68):
O: Andree Pichler und das Vogelspergerische Mahd
S: an dasselbe Mahd
W: der Bachrunst (Dorfbach)
N: die Gemeinde
Besitzer: 1627, fol. 262: Simon Gär (Gar),,,ain Sölbehausung"
1779, Cat.Nr. 64 und 68: Paul Singer sowie Maria und Elisabeth Voglsperger
1856, Bp.-Prot.: Joseph Feilegger
1901, Viller-See-Int.: Johann Feilegger
1944, Adreẞbuch: Max Schwemberger, detto bis 1976
Besonderes: Hinter diesem Gehöft befand sich der Viller Schießstand, welcher 1987
abgetragen und 1988 im Tiroler Bauernhöfemuseum in Kramsach wieder aufgestellt
worden ist. Der Kreit-Hügel südwestlich hinter dem Garnhof (Goarn-, Goarm-Hof)
wird nach diesem seit einigen Jahrzehnten,,Goarmbichel" genannt.
Nr. 27 alte Hausnummer Vill 29a:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch von 1976 noch nicht auf
Nr. 28 alte Hausnummer Vill 33f:
Besitzer: Alois Scherzer laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Lilly-von-Sauter-Weg
Nr. 1 alte Hausnummer Vill 43:
Besitzer: Josef Arch laut Adreßbuch 1953, detto bis 1976
Nr. 2 alte Hausnummer Vill 35:
Besitzer: Karl Horneschek laut Adreẞbuch 1944, detto bis 1957
Helene Landauer laut Adreẞbuch 1964
Helene Eller laut Adreẞbuch 1970 und 1976
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Freskenschmuck von Frau Mia Arch an ihrem Hause am Goarmbichl, Lilly-von-Sauter-Weg 1.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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Nr. 4 alte Hausnummer Vill 29:
Hofname: Gasthaus"Thurnbichl"
Besitzer: Erbaut 1891 durch Ferdinand Busch (laut Fresko-Inschrift am Hause), reno-
viert 1927 durch Aloisia Hilber (ebenda)
Anna Hörhager laut Adreẞbuch 1944, detto bis 1957
Anton Hörhager laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 7 alte Hausnummer Vill 51
Besitzer: Lorenz Egger laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 8 alte Hausnummer Vill 38a:
Besitzer: Engelbert und Johanna Lintner laut Adreßbuch 1953, detto bis 1976
Nr. 10 alte Hausnummer Vill 38b:
Besitzer: Johann Lener laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1976
Nr. 11 alte Hausnummer Vill 51b:
Besitzer: Erich und Ida Tratz laut Adreẞbuch 1976
Nr. 12 alte Hausnummer Vill 38:
Besitzer: Josef Lener laut Adreßbuch 1946/47
Johann Lener laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976
Nr. 13 alte Hausnummer Vill 52:
Besitzer: Josef Schlögl laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Oberntalweg
Nr. 4 alte Hausnummer Vill 53:
Besitzer: Otto und Margarete Gatt laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 6 alte Hausnummer Vill 57:
Besitzer: Marianne und Engelbert Bancher laut Adreßbuch 1976
Nr. 7 alte Hausnummer Vill 31:
Besitzer: Anna Lang laut Adreßbuch 1944, detto bis 1976
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Dension
Der Gasthof Turmbichl (Lilly-von-Sauter-Weg 4) gegen Süden.
Foto: F.-H. Hye
GASTHOF Turmbichl PENSION
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Nr. 9 alte Hausnummer Vill 33:
Besitzer: Andreas Feilegger laut Adreẞbuch 1944, detto bis 1970
Johanna Mösl laut Adreẞbuch 1976
Nr. 17 alte Hausnummer Vill 33c:
Besitzer: Josef Wopfner laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 19 alte Hausnummer Vill 33d:
Besitzer: Alois Rauch laut Adreẞbuch 1964
Alois Rauch und Maria Profanter laut Adreßbuch 1970
detto 1976
Nr. 22 alte Hausnummer Vill 46:
Besitzer: Max Mahler laut Adreẞbuch 1953, detto 1957
Ing. Max Mahler laut Adreẞbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 32 alte Hausnummer Vill 46a:
Besitzer: Walter Pallua laut Adreßbuch 1976
Poltenweg
Nr. 4 alte Hausnummer Vill 40f:
Besitzer: Prof. Dr. Helmut Scharfetter laut Adreßbuch 1970
detto mit Mitbesitzern 1976
Nr. 6 alte Hausnummer Vill 40g:
Besitzer: Johann und Marialuise Lener laut Adreẞbuch 1970.
detto 1976
Nr. 8 alte Hausnummer Vill 40k:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf
Nr. 41 alte Hausnummer Vill 40s:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf
Nr. 43 alte Hausnummer Vill 40t:
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf
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Nr. 71 Bp. 27 - alte Hausnummer Vill 26:
Hofname: Poltenhütte
Ehemalige Vogelhütte, vgl. oben die Geschichte derselben
Remmossweg
Nr. 2 Bp. 20 - alte Hausnummer Vill 22:
Hofnamen: Heisler, Häusler (1856)
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 8):
O: Jacob Hofer
S: die Gemeinde
W: detto
N: Lorenz Perkhofer
Besitzer: 1627, fol. 262': Peter Häckhl (Hackl), Zimmermann,,,besizt ain hilzes Sölhe-
üßl" (Söllbehausung)
1665, Urbar, fol. 92: Thomas Schwaighofer, vor Andree Mayr,,,altens Elisabeth Khap-
ferer und Peter Häckhl"
1722, Urbar, fol. 357: Christian Farbmacher, anvor Thoman Schwaichhofers Kinder,
vor Thoman Schwaichhofer, vor Andree Mayr, vor Elisabeth Kapferer
1779, Cat.Nr. 8: Georg Kösler
1856, Bp.-Prot.: Simon Tamers
1901, Viller-See-Int.: Ferdinand und Maria Danler
1944, Adreẞbuch: Anton Lindner (Lintner), detto bis
1953 Mathilde Lintner laut Adreẞbuch
1957 dieselbe und Maria Alessandri laut Adreẞbuch 1964,
detto 1970
Maria Alessandri laut Adreẞbuch 1976
Nr. 5 alte Hausnummer Vill 22a:
Besitzer: Anton Grauß laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 7 alte Hausnummer Vill 22b:
Besitzer: Josef Lintner laut Adreßbuch 1970, detto 1976
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Nr. 11 alte Hausnummer Vill 23:
Hofname: Dudl
Besitzer: 1856, Bp.-Prot.: Johann Pittl
1944, Adreẞbuch: Josef und Anna Lindner
detto 1946/47
Josef Lintner laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976
Robert-Stolz-Weg
Nr. 2 alte Hausnummer Vill 49:
Besitzer: Josef Feller laut Adreßbuch 1957
Josef und Frieda Feller laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 4 alte Hausnummer Vill 9a:
Besitzer: Norbert Wieser laut Adreẞbuch 1957
Norbert und Anna Wieser laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 6 alte Hausnummer Vill 9b
Nr. 8 alte Hausnummer Vill 9c
Nr. 10 alte Hausnummer Vill 9d
Nr. 12 alte Hausnummer Vill 9e
Nr. 14 alte Hausnummer Vill 9f
Nr. 16 alte Hausnummer Vill 9g
Nr. 18 alte Hausnummer Vill 9h
Nr. 20 alte Hausnummer Vill 9i
Nr. 22 alte Hausnummer Vill 72
Nr. 24 alte Hausnummer Vill 72a
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Nr. 26 alte Hausnummer Vill 72b
Nr. 28 alte Hausnummer Vill 72c
Nr. 30 alte Hausnummer Vill 73
Nr. 32 alte Hausnummer Vill 73a
Nr. 34 alte Hausnummer Vill 73b
Nr. 36 alte Hausnummer Vill 73c
Nr. 38 alte Hausnummer Vill 73d
Nr. 40 alte Hausnummer Vill 73e
Nr. 42 alte Hausnummer Vill 73f
Nr. 44 alte Hausnummer Vill 73g
Nr. 46 alte Hausnummer Vill 73h
Nr. 48 alte Hausnummer Vill 73i
Nr. 50 alte Hausnummer Vill 73k
Nr. 52 alte Hausnummer Vill 731
Besitzer: Die Häuser Robert-Stolz-Weg 6 bis 52 scheinen im Adreẞbuch von 1976 noch
nicht auf
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Blick auf den ehemaligen Schießstand bzw. auf das Schießstandsgelände mit den Häusern am Robert-Stolz-
Weg (rechts).
Foto: F.-H. Hye
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Seeweg
Nr. 2 alte Hausnummer Vill 34b:
Besitzer: Elisabeth Swan laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 4 alte Hausnummer Vill 34c:
Besitzer: Herbert und Aloisia Kössner laut Adreẞbuch 1964
Aloisia Kössner laut Adreẞbuch 1970, detto 1976
Viller Dorfstraße
Nr. 1 Bp. 16 - alte Hausnummer Vill 10:
Hofname: Söllbehausung, Armenhaus
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.-Nr. 59):
O: Dorfbach
S:,,Gottsaker"
W: eigener Obstgarten
N: Gemeinde (Dorfgasse)
Besitzer: Laut des Urbars von 1722 im Jahre 1519 aus den Viller
Mayrhof-Gütern von Oswald Nockher vermutlich an Urban Nockher verkauft.
1627, fol. 262: Hanns Kapferer, Mesner, später Christina Kapferer und ihr Gatte
Jenewein Holzer
1722, Urbar, fol. 372-374: Gall Holzer
1779, Cat.-Nr. 59: Balthauser Werrner
1856, Bp.-Prot.: Gemeinde Vill (vgl. auch 1901, Viller-See-Int.)
seit 1942: Stadtgemeinde Innsbruck
Besonderes: Laut des Urbars von 1722 und des Katasters von 1779 befand sich anstelle
des genannten Obstgartens der „Zöchend-Stadl" = Zehentstadl des Klosters Wilten in
Vill.
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Ehemaliges,,Armenhaus" der Gemeinde Vill (Viller Dorfstraße 1).
Foto: F.-H. Hye
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Nr. 2 Bp. 15 alte Hausnummer Vill 8
Hofname:,,Wirthshaus" (1856), Zur Traube
GH: Kloster Stams
Anrainer im Jahre 1779 (Cat. Nr. 72):
O: Gemeine Gasse
S: detto
W: der,,Mühlbach"
N: Johann Schwaykofer
Besitzer: 1779, Cat. Nr. 72: Joseph Wild,,,Söllbehausung" (wird 1627 noch nicht
erwähnt)
1856, Bp.-Prot.: Josef Schlögl, Wirt
1901, Viller-See-Int.: Alois Schlögl
1944, Adreẞbuch: Anna Haid, Gasthof zur Traube
detto bis 1957
Herbert Haid laut Adreẞbuch 1964
Anna Haid laut Adreẞbuch 1970, detto 1976
Nr. 4 Bp. 14 - alte Hausnummer Vill 11
Hofnamen: Gilgengut (1779), Gasperer (1944)
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 57):
O: gemeine Gasse
S: detto
W: Bartlmee Lotter
N: detto
Besitzer: 1627, fol. 257': Rosina Kiechl, Witwe nach Matthäus Told
1665, Urbar, fol. 93': Jakob Clarer, zuvor Thoman Clarer und Franz Pockh
1722, Urbar, fol. 379-384: Agnes Clarer, Tochter des Jakob Clarer und Gattin des Joseph
Perckhofer
1779, Cat. Nr. 57: Lorenz Perkhofer
1856, Bp.-Prot.: Maria Gogl
1901, Viller-See-Int.: Josef Reitmayr
1944, Adreẞbuch: Andreas Hofer, detto bis 1976
Besonderes: Die noch im Kataster von 1627 zu diesem Gute gehörige Obere Mühle
wurde lange Zeit vor 1779 daraus verkauft (vgl. dort!)
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Der Gasthof zur Traube (Viller Dorfstraße 2) und die Häuser Grillhofweg 1-3: Klammer und Melcher.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nr. 7 Bp. 2 alte Hausnummer Vill 12
Hofnamen: Thurn- oder Hochenrainer-Lehen (1779), Gugler (1856)
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 47):
O: Bartlmee Lotter (und gemeine Gasse)
S: Veit Lotter
W: detto
N: gemeine Gasse
Besitzer: 1627, fol. 259: Christan Told
1665, Urbar fol. 94: Lamprecht Told,,,anvor Christan
Told und Benedict Toldens Erben"
1772, Urbar fol. 393-397: Franz Hilber,,,anvor Urban
Kössler, vor Lorenz Kössler, vor Lambrecht, vor Christian Toldt
1779, Cat.Nr. 47: Andrae Pichler
1856, Bp.-Prot.: Johann Baumann
1901, Viller-See-Int.: Nikolaus und Sofie Steger
1944, Adreẞbuch: Anna Hörhager, detto bis 1957
Paul Unterwurzacher laut Adreßbuch 1964, detto 1970
Erich und Renate Unterwurzacher laut Adreßbuch 1976
Besonderes: Laut des Katasters von 1627 umfaßte dieser Gutshof damals,,zway, als ain
gemaurte und ain hilzene Behausung, Städl, Stallungen, zwen Pachofen, ain Padstuben
und Gärten" etc.
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Die geschlossen verbaute Gebäudegruppe Viller Dorfstraße 7-11 (= Gugler, Loter, Schlaucher) sowie der
Sinhof (21 rechts). Die Häuser Nr. 7-9 wurden unterdessen zum Teil umgebaut.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nr. 8 Bp. 13 - alte Hausnummer Vill 15
Hofnamen: die Maire von Ville (1312); halber Mayrhof (1779); Nocker (1856)
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 36):
O: Lorenz Perkhofer (und Purggassen")
S: gemeine Gasse
W: eigene,,Peinten"
N: detto
Besitzer: 1627, fol. 260: Matheus Loter
1665, Urbar fol. 93: Georg Plazer und Matheus Lotter
1722, Urbar fol. 366-372: Martin Lotter, abvor Mathias Lotter
1779, Cat.Nr. 36: Bartlmee Lotter
1856, Bp.-Prot.: Johann Lotter
1901, Viller-See-Int.: Egidius Spann
1944, Adreẞbuch: Josef Abenthung, detto bis 1957
Amalia Feilegger laut Adreẞbuch 1964
Andrä Feilegger laut Adreßbuch 1970
derselbe und Mitbesitzer laut Adreẞbuch 1976
Nr. 9 Bp.: 4 und 5 alte Hausnummer Vill 13
Hofnamen: Schleiffer-Gut (1627, 1779); Pusterer (1856); Loter (1901)
GH: Waldauf-Stiftung in Hall i.T.
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 44):
O: Andree Pichler
S: eigene Peinten"
W: Veit Lotter
N: detto (und gemeine) Dorfgasse
Besitzer: 1627, fol. 256: Adam Loter
1779, Cat.Nr. 44: Anna Singer
1856, Bp.-Prot.: Georg Holzer
1901, Viller-See-Int.: Alois Hofer
Franz Wopfner laut Adreẞbuch 1946/47
Rudolf, Josef, Luise Wopfner und Maria Profanter laut Adreẞbuch 1953, detto 1957
Rudolf Wopfner laut Adreẞbuch 1964, detto bis 1976
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Nr. 9a alte Hausnummer Vill 13a
Nr. 9b alte Hausnummer Vill 13b
Nr. 9c alte Hausnummer Vill 13c
Besitzer: Die Hausnummern Viller Dorfstraße 9a bis 9c scheinen im Adreßbuch 1976
noch nicht auf.
Nr. 11 Bp. 6 - alte Hausnummer Vill 16
Hofnamen:,,die Erbgüter" (1627); Schlaucher (1856)
GH: Grafen Trapp zu Pisein (Beseno)
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.33)
O:,,Freüthofmauer" (Friedhofmauer!)
S: detto
W: Bartlmee Lotter
N: gemeiner Weg
Besitzer: 1627, fol. 256: Christoff Lener, später Hanns Kössler und Maria Toldt, seine
Gattin
1779, Cat.Nr.33: Jakob Hofer
1856, Bp.-Prot.: Anton Scholl
1901, Viller-See-Int.: Dr. Hugo Tschurtschenthaler
1944, Adreẞbuch: Irene v. Eckhel
Rupert v. Eckhel und Mitbesitzer laut Adreẞbuch 1946/47
Alice und Wilhelmine Ekhel laut Adreẞbuch 1953, detto 1957
Wilhelmina Eckhel und Alice Kriegshaber laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
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Nr. 13 Bp.9 alte Hausnummer Vill 14
Hofnamen: Rauchengut (1779); Lother (1856)
GH: Herren von Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.40):
O: Anton Tusch
S: detto
W: Schleifer-Güter
N: detto
Besitzer: 1779, Cat.Nr.40: Veit Lotter
1856, Bp.-Prot.: Alois Jordan
1901, Viller-See-Int.: Alois Hofer
1944, Adreẞbuch: Franz Wopfner, detto 1946/47
Rudolf Wopfner laut Adreẞbuch 1953
Heinrich Wopfner laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1976
Nr. 15 alte Hausnummer Vill 32
Besitzer: Anna Sailer laut Adreßbuch 1946/47
Andreas Hofer laut Adreßbuch 1953.
Johann und Paula Weber laut Adreßbuch 1957, Johann Weber sen. und Mitbesitzer laut
Adreẞbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 19 Bp.10 - alte Hausnummer Vill 17
Hofnamen: ab der Gazze (1312); Gut in der Gasse (1665 und 1779);
Kapferer (1856)
GH: Schloß Ambras
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.27):
O: Anton Tusch
S: gemeiner Weg
W: Bartlmee Lotter und Andree Told.
N: Matthias Told
Besitzer: 1627, fol. 258v: Georg Told, später Gregor Told
1665, Urbar fol. 93v: Jakob Clarer,,,anvor Gregori und Georg Told"
1722, Urbar fol. 387-393: Joseph Perckhofer und seine Gattin Agnes Clarer,,,anvor ihr
Vater Jacob Clarer"
1779, Cat.Nr. 27: Lorenz Perkhofer
1856, Bp.-Prot.: Johann Schmid
1901, Viller-See-Int.: Johann Schmid
1944, Adreẞbuch: Maria Feichtner, detto 1946/47
Johann Feichtner laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976
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Besonderes: Der Kataster von 1627 erwähnt bei dieser „gemaurten Behausung" noch
einen „,Casten" (= Getreidespeicher), einen „Pachofen“ und eine „,Padstuben“.
Nr. 21 Bp.7 alte Hausnummer Vill 18
Hofnamen: der Schutze (1312); Schüzengut (1627, 1779); beim Sihn (1856, 1901 etc.)
GH: Herr von Egger
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.24):
O: gemeine Gasse
S: Lorenz Perkhofer
W: Andree Told
N: gemeine Gasse
Besitzer: 1627, fol 258: Rosina Kiechl, Witwe nach Mattheus Told
1779, Cat.Nr. 24: Matthias Told
1856, Bp.-Prot.: Johann Told
1901, Viller-See-Int.: Josef Told
1944, Adreẞbuch: Johann Greier
Ludwig Greier laut Adreßbuch 1946/47
Johann Greier laut Adreẞbuch 1953, detto 1957
Ludwig und Maria Greier laut Adreẞbuch 1964, detto 1970
Ludwig Greier laut Adreẞbuch 1976
Nr. 23 Bp.12 - alte Hausnummer Vill 19
Hofnamen: Sindleinsgut (1779); Lienhart (1856)
GH: Grafen Fieger zu Friedberg
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.20):
O: Matthias Told
S: Bartlmee Lotter
W: gemeine Gasse
N: detto
Besitzer: 1779, Cat. Nr.20: Andrä Told
1856, Bp.-Prot.: Maria Töchterle
1901, Viller-See-Int.: Carl sen. und Carl und Josef Schlögl
1944, Adreẞbuch: Karl Schlögl, detto bis 1976
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Der Sinhof (Viller Dorfstraße 21).
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nordseitiger Fassadenerker am Sinhof.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Nr. 25 Bp. 11 - alte Hausnummer Vill 20
Hofnamen: Gatterer-Lehen (1779); Heislerjörgl (1856); Bürger (1901)
GH: Mariae-Himmelfahrts-Bruderschaft in Innsbruck
Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 18):
O: Lorenz Perkhofer
S: gemeine Gasse
W: detto
N: Andree Told
Besitzer: 1779, Cat.Nr.18: Bartlmee Lotter
1856, Bp.-Prot.: Georg Lotter
1901, Viller-See-Int.: Josef Spann
1944, Adreẞbuch: Josef Span, detto bis 1957
Hedwig Span laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 26 alte Hausnummer Vill 47b
Besitzer: Heinz und Hanna Lener laut Adreßbuch 1976
Nr. 34 alte Hausnummer Vill 31a
Besitzer: Karl Lener laut Adreßbuch 1976
Nr. 42 alte Hausnummer Vill 47
Besitzer: Josef Span laut Adreẞbuch 1953, detto 1957
Hedwig Span laut Adreẞbuch 1964, detto bis 1976
Nr. 44 alte Hausnummer Vill 47a
Besitzer: Luise und Walter Pöll laut Adreẞbuch 1964, detto 1970
Luise Pöll laut Adreẞbuch 1976
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Der Lienhart- und der Bürgerhof (Viller Dorfstraße 23-25).
Foto: M. Hye-Weinhart
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Schutzengel mit Weizenähre. Fresko von Josef Prantl an der Westfassade des Lienharthofes, Viller Dorfstraße 23.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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Vill Unterberg
Nr. 1 alte Hausnummer Vill 54
Besitzer: Josef Gschirr laut Adreßbuch 1970, detto 1976
Nr. 2 alte Hausnummer keine
Besitzer: Scheint im Adreßbuch 1976 noch nicht auf
Nr. 3 alte Hausnummer Vill 48
Besitzer: Ing. Rudolf Scholz laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976
Nr. 4 alte Hausnummer Vill 50
Besitzer: Josef und Anna Strobl laut Adreßbuch 1957, detto bis 1970
Josef und Eva Strobl laut Adreẞbuch 1976
Nr. 5 alte Hausnummer Vill 28
Besitzer: Österreichische Bundesbahnen, Bahnwächterhäuschen
Nr. 10 alte Hausnummer keine
Besitzer: Scheint im Adreßẞbuch 1976 noch nicht auf
Nr. 21 alte Hausnummer keine
Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf
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LAURENTIUSO
ELIG,
LABEEN A REFER
SEINESALT/ERG 8,
Wappengrabstein des aus Vill gebürtigen Priesters Laurenz Lotter von 1770 in der St. Martinskirche in Vill.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Die St. Martinskirche und andere Kunstdenkmäler in Vill
Von Gertrud Beinsteiner-Krall
Wer die Paschbergstraße benützt, um in das südliche Mittelgebirge zu gelangen, wird
nach der letzten Kurve des steilen Waldstückes vom schlanken spitzen Turm der Pfarr-
kirche begrüßt, noch ehe er das in sanfte Hügel eingebettete kleine Dorf wahrnimmt.
Besonders eindrucksvoll erweist sich dieses Bild an trüben Wintertagen, wenn sich
ebenhier die Nebel lichten und an der Turmspitze über der Kugel Kreuz und Wetterhahn
in goldenem Licht blinken.
Der gotische Turm ist nordseitig an das Gotteshaus angebaut. In Höhe der zwischen die
beiden Glockengeschosse mit ihren rundbogig gekoppelten Schallöffnungen eingefüg-
ten Uhr entwickelt sich aus Spitzgiebeln der oktogonale Helm. Während die Giebelan-
läufe an den Turmkanten in wolfskopfähnliche Wasserspeier auslaufen, werden die vier
Giebelspitzen von vergoldeten Kugeln überhöht; beides Merkmale, die neben ihrem
praktischen Nutzen den ästhetischen Wert des Turmbaues steigern. Die aus Schindeln
gefertigte Turmdachhaut erhält zusätzlichen Reiz durch drei Abstufungen in Form
diagonal verlegter Schindelstreifen, wodurch das Spiel des Lichtes auf dem edlen Mate-
rial verstärkt wird. Glücklicherweise wurde diesem auch bei der Neueindeckung des
gesamten Kirchendaches im Jahre 1954 trotz höherem Kostenaufwand gegenüber mo-
dernen Eindeckungsarten der Vorzug eingeräumt.²
Anläßlich seiner 1991 erfolgten Restaurierung erhielt dieser charakteristische Zeuge des
alten gotischen Kirchenbaues wieder die erstmals sicherlich im 17. Jahrhundert ange-
brachte Eckquaderung, 3 die nach vorgefundenem Muster in hellem Ockergelb mit
graugrüner Umrandung angelegt worden ist, wobei man auf die Anbringung der im
gelben Feld noch vorhandenen Marmorierung in Caput mortuum (einem lila-rötlich-
grauen Farbton) verzichtete, um den Kontrast zur derzeit bestehenden, in Gelb-Ockertö-
nen ausgeführten Fassadengliederung des Gotteshauses zu verringern.
Wer sich noch an den Turm vor seiner Restaurierung erinnert, wird feststellen, daß er
1 Sie erhielten ihre heutige Form im 18. Jahrhundert. Die ehemals gotischen Schallfenster wurden um etwa
1730 erneuert. Laut Urkundenlage erstrecken sich die Arbeiten am Turm auf die Zeit von 1726-1731 und
beinhalten Reparaturen am Bauwerk und an der Uhr (Gesamtkosten 719 fl). Die Archivalien wurden
dankenswerterweise von Frau Dr. B. Kern zur Verfügung gestellt.
2 Siehe Denkmalamt-Akten vom 17. November 1954..
3 Freundliche Mitteilung von Dipl. Ing. Walter Hauser, Bundesdenkmalamt.
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heute zwar nicht mehr so schlank sondern im Gegensatz zu früher etwas gedrungen
erscheint, dafür kommt nun die Dominanz des Helmes stärker zum Tragen.
Die Mittelalter-Archäologie könnte klären, ob vor dem urkundlich gesicherten Datum
von 13974 in Vill bereits eine Kirche vorhanden war. Bedenkt man die lange Siedlungs-
kontinuität und die erste urkundliche Erwähnung des Ortes um das Jahr 12205, so läge
dies nahe.
Fest steht, daß heute zum gotischen Baubestand außer dem Turm noch der dreiseitig
geschlossene Chor und der untere Teil der westlichen Front zu rechnen ist. Daraus läßt
sich ableiten, daß bereits die gotische Kirche über das gleiche Längenausmaß wie die
heutige verfügte. Am äußeren Mauerwerk des Chores lassen sich dort, wo er nicht durch
den Anbau der in ihrer jetzigen Form einer späteren Periode entstammenden, doppelge-
schossigen Sakristei verdeckt wird, noch die zugemauerten, in einem gedrückten Spitzbo-
gen geschlossenen, gotischen Fenster erkennen. Durch die Verwendung des gedrückten
Spitzbogens erscheint die Fensterform optisch verbreitert, was für eine Entstehungszeit
in der Spätgotik spricht.
Auch die Ausdrucksform des westseitigen Portals weist in die zweite Hälfte des 15.
Jahrhunderts. Die spitzbogige Türöffnung besteht wie die über kantigem Ansatz abgefa-
ste Rahmung der beiden seitlichen, vergitterten gotischen Rechteckfenster daneben, aus
demselben rosa-grauen Hausteinmaterial, nämlich der in unserem Gebiet allenthalben
verwendeten Höttinger Breccie. Über vorspringendem, mehrfach gebrochenem Sockel
legt sich die Steinfassung zunächst flach der Mauer an, der schräg geführte Mauerein-
schnitt ist durch eine Profilierung mittels starkem Wulst und tiefer Kehlung, die sich in
leichterer Ausführung noch einmal wiederholt, abgestuft, um im gerade geführten
Türeinschnitt zu enden. Eine fast wörtliche Entsprechung der Portalgestaltung findet
sich an der ursprünglich romanischen, im 2. Weltkrieg zerstörten und 1982 wiederaufge-
bauten Bartholomäuskapelle an der Sill, die der Wiltener Abt Johannes Lösch 1479 der
Zeit entsprechend adaptieren ließ.7
Dem Portal wurde im 17. Jahrhundert ein hölzerner, mit Schindeln eingedeckter Porti-
kus vorgestellt, der eigentlich auf den über Postamenten errichteten Säulen aus weiß-
schwarz-gemasertem Stein aufruhen sollte. Paradoxerweise scheinen diese Säulen mit
den über den Schaftringen seltsam altertümlich wirkenden Kapitellen für den Giebelauf-
4 Abtei-Archiv Wilten (AAW), Lade 26, Lit. A, Nr. 1e.
5 Franz-Heinz Hye, Die Städte Tirols. 1. Teil Bundesland Tirol (= Österreichisches Städtebuch 5/1 hg. von
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), Wien 1980, S. 71.
6 Im Gegensatz zum Konglomerat, Sedimentgestein aus splittrigen Teilen, die miteinander durch Bindemittel
verkittet sind.
7 Vgl. H. Hammer, Kunstgeschichte Innsbrucks, Innsbruck-Wien-München 1952, S. 23; Dehio-Tirol. Wien
1980, S. 130 datiert das Viller Portal um 1460.
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Der gotische Polygonal-Chor der Viller St. Martinskirche von Südosten, 1989.
Foto: Denkmalamt
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bau zu kurz geraten, weshalb diese Distanz auf derbe Weise durch einen untergeschobe-
nen Mauerwürfel ersetzt wurde. Obwohl die Ursache hiefür nicht eindeutig zu klären ist,
weist diese dilettantische Lösung auf ein Anheben des Giebels zu einem späteren Zeit-
punkt, um den Blick auf die Bogenform des Portals nicht zu schmälern. Im Giebelfeld
weist eine gemalte Kartusche mit der Inschrift,,Dem Hl. St.(!) Martin geweiht" auf den
Kirchenpatron.
Obwohl sich die gotischen Baubestandteile klar zu erkennen geben, fügt der Kirchenum-
bau des späten 18. Jahrhunderts das äußere Erscheinungsbild zu harmonischer Ge-
schlossenheit, die nur wenig durch erst in neuerer Zeit durchgeführte bauliche Verände-
rungen beeinträchtigt wird. Dazu zählt das steife Pultdach der bereits im 17. Jahrhundert
südlich dem Turm angelehnten Totenkapelle, die erst um 1970 ihre rundbogige Fenster-
öffnung erhielt, aber auch die nordseitig des Turmes hochgeführte, doppelgeschossige
Sakristei. Ihr ostseitiges Mauerwerk verlief ursprünglich nicht wie heute fast bis zur
Chormitte, sondern ließ das nördliche Drittel des Chorschlusses frei, wie dies auch auf
einer Ansicht des frühen 19. Jahrhunderts wiedergegeben wird, weshalb die ostseitigen
übereinanderliegenden Fenster ehemals sinnvollerweise in der Mittelachse lagen. Die
heutige an das runde Chorfenster grenzende Mauerführung mit geänderter Dachzone,
die wohl einer besseren Ableitung des Regenwassers dient, war offensichtlich eine
notwendige Maßnahme zur Verhinderung von Feuchtigkeitseinwirkungen.
Der Grundriß des gotischen Kirchenlangbaues wird durch den spätbarocken Bauwillen
einem Zentralbau angenähert. Der Planer setzte eine entscheidende und gekonnt einfa-
che Maßnahme, indem er einen großen Mittelraum aus der seitlichen Mauerflucht
herausschob und die Ecken desselben abrundete. Dieser nun über die Flucht von
Vorjoch und Chor hinausragende Baukörper wird durch eine dreiteilige Fenstergruppe
betont, die aus zwei hohen Rundbogenfenstern und einem in die Mitte darübergesetzten
Ochsenauge besteht. Den stärksten und auf Fernwirkung bedachten Akzent erzielte der
Mittelbau aber durch das Emporheben des Daches über das Niveau von Vorjoch und
Chor. Das Satteldach dieses Mittelteiles verläuft zu den niedriger geführten Dachpartien
von Chor und Vorjoch mittels einer wohldurchdachten Abwalmung. Der Winkel des
steil geführten Kirchendaches läuft zum Dachrand hin etwas flacher aus, wodurch sich
sein zeltartiger Charakter verstärkt - im gesamten eine Dachlandschaft von außeror-
dentlichem Reiz. Am eindringlichsten spricht der Baukörper seine Wirkung nach Süd-
westen demjenigen entgegen, der aus der Höhe von Igls kommt und sich dem Dorf
nähert, wobei dessen Blick die südliche Flanke samt Chor und die Westseite umspannt.
8 Original abgebildet bei Franz-Heinz Hye, Igls und Vill. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Inns-
brucks. In: das Fenster, 1973, Heft 13, S. 1325.
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Spätgotische Fresko-Darstellung des hl. Martin an der Nordseite des Presbyteriums der St. Martinskirche in
Vill. Bei der Innenrestaurierung 1972 aufgedeckt, jedoch dann wieder übermalt.
Foto: Denkmalamt
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Die einfache Westfassade weist, abgesehen von der bereits besprochenen älteren Por-
talzone ein Rundbogenfenster in Emporenhöhe auf. Stärker formuliert sich die Gie-
belzone mit drei geschweiften Fensterchen, in deren Mitte al fresco in ähnlich geführtem
Rahmen der als Bischof auf Wolken kniende hl. Martin betet. 9 Aus den ockergelb
bemalten Hohlkehlen unter dem Dachansatz entwickeln sich in Höhe des obersten
Fensterchens parallel geführte stuckierte Schnecken, die zur ondulierenden Giebellinie
des Daches überleiten. Optische Zusammenfassung erhält der Außenbau durch ockergel-
be Fensterumrahmungen und ebensolche, die Vertikale betonende Kolossalpilaster an
den Schnittpunkten der Mauerflächen.
Eigentümlicherweise gelang es bis heute nicht, durch historische Quellen die Frage nach
dem planenden bzw. ausführenden Meister dieses ausgewogenen Bauwerkes zu beant-
worten, weshalb eine Werkszuweisung nur mit Hilfe stilistischer Kriterien versucht
werden kann. Erich Egg¹0 schreibt die Viller Kirche aufgrund der Verwandtschaft mit
annähernd zeitgleich und ebenfalls in Zentralbauweise errichteten Bauten dem Baumei-
ster Johann Michael Umhauser zu. Im Inntal war ja die Zentralbauweise gegen Ende des
18. Jahrhunderts nicht üblich. Sie ist als Annäherung an die österreichische Zentralbau-
weise aufzufassen. Umhausers späte Bauten in Medraz im Stubai (1775), in St. Peter in
Thaur (1778) und die noch immer nicht wiederhergestellte Johanneskirche der ehemali-
gen Theresianischen Normalschule in der Kiebachgasse (1778) verfügen alle wie auch die
Viller Kirche über einen quadratischen, mit einer Flachkuppel überdeckten Hauptraum,
der die Gesamtlänge beherrscht und dessen hervorstechendstes Merkmal die in den
Ecken des Innenraumes konkav eingeschwungenen Wandpfeiler darstellen.
Zu dieser richtigen Beobachtung können noch weitere Kriterien angeführt werden, die
Umhausers Urheberschaft für Vill zusätzlich unterstützen: die Gruppierung der beiden
Rundfenster mit dem in der Mitte darübergelegten Ochsenauge etwa findet sich auf der
Südseite der Pfarrkirche von Kematen, die von Johann Michael Umhauser ab 1736
gemeinsam mit seinem Bruder Matthias barockisiert wurde.¹¹ An der nördlichen Außen-
wand der Viller Kirche erhebt sich zwischen dieser Fenstergruppe ein schmaler, erkerar-
tiger, mit oblonger Fensteröffnung versehener und mit abgewalmtem Schindeldach
geschlossener Vorbau, der den nur von innen zugänglichen Aufgang zur Kanzel birgt.
9 Restaurierungsbericht des Bundesdenkmalamtes vom 26. November 1966: Restaurierung durch den Maler
und Graphiker Josef Prantl.
10 Erich Egg, Kunst in Tirol. Band 1, Innsbruck-Wien-München 1973, S. 202. Bereits früher stellte Egg die
Überlegung an, die Viller Kirche könnte von einem Mitarbeiter Franz Singers stammen. Vgl. E. Egg, Die
Pfarrkirche Gries am Brenner in: Tiroler Heimatblätter 40 (1965), S. 68.
11 Dehio Tirol, a.a.O., S. 405.
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Blick auf das nach dem Rokoko-Neubau wiederverwendete spätgotische Portal, welches von zwei barocken
Säulen flankiert wird.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Auch dieses Detail zeigt sich an einem gesicherten Umhauser-Bau, nämlich an der
Nordseite der Thaurer Romedi-Kirche.
Wer das freundliche helle Kircheninnere betritt, empfindet den Wohlklang eines aus
Architektur, Stuck, Plastik und Malerei verschmolzenen Gesamtkunstwerkes. Nach dem
kurzen Vorjoch, dessen flache Decke von der Empore gebildet wird, gelangt man durch
das einfache, schmiedeeiserne Gitter in den geweiteten Hauptraum, dessen konkav
gerundete Eckpfeiler mit verkröpften Doppelpilastern und kräftig vorstoßendem Gebälk
besetzt sind. Die beiden vorderen, dem Altarraum zugewendeten Pfeiler, nehmen die
schräggestellten Seitenaltäre auf. In die beiden rückwärtigen, gleichermaßen ausgestatte-
ten Pfeiler, sind, zugänglich durch flachbogige Öffnungen, geschickt die Emporenauf-
gänge integriert. Charakteristischerweise beschränken sich in diesem Raum die Gebälke
auf Pfeiler und Pilaster und umziehen nicht den gesamten Raum. Wohl aber werden die
gestelzten Gurtbögen zum Vorjoch und zum Chor sowie die Schildbögen an den Seiten
von kräftig profilierten, aus Voluten aufsteigenden Bändern begleitet. Diese Bogenstel-
lungen steigern den zentralen Gedanken, der seinen logischen Abschluß durch die
bekrönende Kuppel erhält. Auch in der Gestaltung der aus den Voluten aufsteigenden
Gurtbänder lassen sich entschieden Parallelen zur Romediuskirche verfolgen, die wieder-
um auf den gleichen Planer weisen. Gegenüber der raumbestimmenden Flachkuppel des
Schiffes werden Vorjoch und Presbyterium mit einem gestelzten Tonnengewölbe ge-
schlossen, welches im Vorjoch von einer Stichkappe seinen Ausgang nimmt, während es
im Chorraum von paarweise gestellten Stichkappen emporsteigt; zu ihrem Ansatz ver-
mitteln Pilaster, deren kräftig in den Raum vorstoßende Gebälkstücke den Rhytmus der
Eckpfeiler im Hauptraum aufnehmen und zum Altar weiterleiten.
Der abgerundete Chorschluß läßt seinen gotischen Ursprung im Innenraum nicht mehr
erkennen. An der nördlichen Chorwand wurde während der Innenrestaurierung 1972 ein
spätgotisches Fresko mit der Darstellung des heiligen Martin aufgedeckt.12
Die denkmalpflegerische Entscheidung, dieses Gemälde zugunsten des einheitlichen
Gesamtbildes wieder zu übertünchen, erweist sich zweifellos als richtig.13 Während die
großen raumbestimmenden Gesten von den plastisch stark sprechenden Gliedern wie
Pilastern, Gebälkstücken und Bogenprofilen bestimmt werden, stellen die feineren
Stuckgebilde die dekorative Belebung des Raumgefüges dar. Sie zeichnen sich schon vom
12 Franz-Heinz Hye, a.a.O., S. 1326
13 Sie wurde von der damaligen Leiterin des Bundesdenkmalamtes Frau Hofrat Dr. Johanna Gritsch
getroffen.
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Das wie ein zentraler Baldachin erhöhte Dach des leicht gegen Norden und Süden vortretenden Langhauses
der Viller St. Martinskirche von Süden.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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matriellen Aufwand her durch die Verwendung des kostbaren Werkstoffes Blattgold
aus. 14
Dieses ist jedoch so zurückhaltend eingesetzt worden, daß die Helligkeit des Raumein-
druckes auf einem tonangebenden Weiß beruht. So beschränkt sich der Goldauftrag auf
die Betonung besonderer Stellen: der mit fast nur mehr symmetrischem Zierat begleite-
ten, vierpaẞförmigen Apostelkreuze im unteren Wandbereich; dann unter der Gebälkzo-
ne mit starker Akzentuierung der Kompositkapitelle; schließlich zur Hervorhebung der
Kanzel und auf der Südwand gegenüber der Nische, welche die plastische Darstellung
des Schmerzensmannes enthält - stellt eine kräftig plastische, annähernd regelmäßig
gearbeitete Kartusche die nahtlose Verbindung zum darüberliegenden querovalen Fen-
ster her; dazu kommen noch die Rocailleakzentuierungen der Rahmungen der Fenster
in ihrer Mitte und ihrem Scheitel.
In der Wölbezone konzentriert sich die Verwendung des Goldes besonders auf die
Rocaillekartuschen, die die vier Zwickelbilder des Hauptraumes rahmen. Sie sind aus
vier C-Schnörkeln symmetrisch aufgebaut und leiten in ein Muschelband über, das in
züngelnden Wellen ausklingt. Auch die Gurt- und Schildbögen werden von wenig
plastischen, dem Grund flach angelegten Rocaillestukkaturen begleitet. Das Gleichmaẞ,
mit denen sie der Wölbung entlang geführt werden, erinnert an Wellen, deren Kämme
durch aufgesetztes Gold angedeutet werden.
Gerade die Art und Weise, wie die Stuckierung eingesetzt wurde, erweist mit aller
Deutlichkeit, daß es sich hier um ein sehr spätes Rokoko handelt; es ist zwar aus den
typischen Motiven wie Muscheln, C-Schnörkeln, S-Schwüngen, Blütengirlanden und
vereinzelten Palmwedeln zusammengesetzt, aber die Motive treten kaum plastisch her-
vor, sondern legen sich beinahe linear der Wand als Träger an und besonders im
Presbyterium mischen sich immer mehr das Empire ankündigende Charakteristika ein,
wie etwa die bebänderten Girlanden und zopfartige Gehänge, welche die, den beiden
südlichen Chorfenstern entsprechenden, blinden Mauerflächen der Turmseite beleben.
Die Mischung der Motivik zeigt sich noch deutlicher in der Ornamentierung des ge-
schweiften Rahmens des Deckenbildes über dem Orgelchor. Am entschiedensten tritt sie
jedoch in den teigigen Zopfgehängen der Emporenbrüstung entgegen, die schon gänzlich
dem Klassizismus angehören.
Auch der profilierte Rahmen der Kuppel weist mit seinem diademartigen Goldzierat
trotz der leichten Überschneidungen durch die stukkierten Aufsätze der Pendentivs und
der aufwendigeren Kartuschenrahmung des Chronogramms über dem Chorbogen schon
14 Wie während der Restaurierungsarbeiten festgestellt wurde, war eine noch stärkere Vergoldung geplant
gewesen, was aus zahlreichen freigelegten, für die Vergoldung vorgesehenen Grundierungen festgestellt
werden konnte (Aktenvermerk des Bundesdenkmalamtes vom 17. August 1972).
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Das Langhaus der St. Martinskirche in Vill gegen Süden.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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auf eine Stilberuhigung hin. Dieses Chronogramm ist wie die vier Pendentivs in caput
mortuum ausgeführt und enthält den Text, woraus sich die Fertigstellung des neu
adaptierten Gotteshauses mit 1791 ablesen läßt:,,heILIger MartIn/VOLL VertraVen/
VVIr aVf DICh hler baVen".
Diese zwiespältige Handhabung des Ornamentformenschatzes entspricht der Zeit des
ausgehenden 18. Jahrhunderts, die gerade in Tirol mit der damals im Volk tief verwurzel-
ten Frömmigkeit oft noch bis über die Wende zum 19. Jahrhundert an barockem
Formengut festzuhalten versucht, während von den Kunstzentren die frühklassizistische
Strömung doch langsam einfließt.
Ein ähnliches Pendeln zwischen den Stilen läßt sich auch in der Deckenmalerei verfolgen,
die von den aus Götzens stammenden Malern Franz Xaver und Josef Anton Kircheb-
ner15 gemeinsam ausgeführt wurde und die dem Leben und Wirken des hl. Martin von
Tours gewidmet ist.
In der großen Flachkuppel erlebt der Beschauer Martins feierliche Ernennung zum
Bischof von Tours, die sein religiöser Lehrmeister, Bischof Hilarius von Poitiers vor-
nimmt. Das Ereignis findet in der geschlossenen Kuppelhalle einer Rundkirche statt. Das
beharrliche Festhalten an diesem während des 18. Jahrhunderts immer wieder in Wölbe-
zonen verwendeten, letztlich auf Pozzos Perspektivwerk¹6 zurückzuführendem Kuppel-
schema beweist nicht nur die Traditionsverbundenheit der ausführenden Meister, son-
dern auch die Beliebtheit derartiger Scheinarchitekturen seitens der Auftraggeber. Die
Komposition läßt sich am besten vom Beginn des Hauptraumes überblicken, da die
Perspektive auf Schrägsicht konzipiert ist.
Zur figuralen Szene vermittelt eine Treppenanlage, die zum rechten Rahmenrand hin mit
einer Dockenbrüstung abschließt; dort haben sich Vertreter verschiedener Stände ver-
sammelt. Fanfarenbläser bilden hier den Abschluß. Angeführt wird die Gruppe von je
zwei Partisanenträgern, weihrauchfaßschwingenden Ministranten und kerzenhaltenden
Pagen; letztere vermitteln zur nach links geschobenen Hauptgruppe mit dem knienden
Martin, der, umgeben von Bischöfen und Diakonen, von Bischof Hilarius die Weihe
empfängt. Ein Baldachin mit seitlich gerafften Vorhängen unterstreicht die Bedeutung
der Gruppe.
In der Mittelachse des Deckenbildes erhebt sich ein barocker Altar, dessen Bild mit der
Heimsuchung Mariens von Säulenpaaren über hohem Podest umschlossen wird. In
diesen irdischen, geschlossenen Kuppelraum hat sich noch einmal der Himmel herabge-
15 Vgl. Josef Ringler, Die Götzener Malerfamilie Kirchebner. In: Tiroler Heimatblätter 40 (1965), S. 28-39.
16 A. Pozzo, Perspectivae Pictorum adque Architectorum. P. II., Augsburg 1709, fig. 53.
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Blick auf das zentrale Langhaus-Kuppelfresko mit Darstellung der Bischofsweihe des hl. Martin von Tours
von Franz Xaver Kirchebner.
Foto: Denkmalamt
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senkt. In Gebälkhöhe thront auf sanftem Gewölk die von Engeln und Putten begleitete
Dreifaltigkeit und die Taube des hl. Geistes sendet ihren Gnadenstrahl auf den knienden
hl. Martin.
Die annähernd symmetrische Verteilung der drei Gruppen, vor allem aber die ruhige
Verhaltenheit der Personen selbst, deren Gewänder sich kaum mehr bauschen, sondern
die Gestalten sanft umfließen, haben nichts mehr mit der lebensvollen Üppigkeit des
Spätbarockes, geschweige denn mit der sprühenden Leichtigkeit des Rokoko gemein,
sondern versuchen, den neuen Tendenzen zu entsprechen. Eigentümlicherweise sind die
Figuren hier im Hauptfresko sehr groß dimensioniert ganz im Gegensatz zu den
übrigen Deckenbildern der Kirche.
Die ausgewogen verteilte Farbigkeit beschränkt sich auf wenige Haupttöne: das Grau
und Caput mortuum der gemalten Architektur wird vom Graublau der Fensteröffnun-
gen begleitet; dazu kommen die eher bräunlichen Rottöne, zu denen ein ins Grau
spielendes Blau kontrastiert. Nur selten mischen sich feinere Nuancierungen ein, wie
etwa das Kupfergrün der weiblichen Rückenfigur rechts. Im gesamten wirkt der Farb-
auftrag gedämpft, ja beinahe etwas stumpf. Die vier Pendentivs der Hauptkuppel
beinhalten in monochromen Caput-mortuum-Tönen vier wunderbare Begebenheiten
aus der Vita Martini: links vorne die Heilung eines Gelähmten und rechts eines Besesse-
nen; rückwärts die Austreibung eines Teufels aus einer wilden Kuh, sowie die Fällung
des Götzenbaumes.
Fast scheint es, als wären die Kirchebner mit dem Format der großen Flachkuppel ein
wenig überfordert gewesen.
Denn die kleineren Fresken des tonnengewölbten Presbyteriums und Orgelchores sind
wesentlich harmonischer in die geschweiften Rahmungen eingefügt.
Auch im Deckenfresko des Altarraumes führt eine brüstungsbestandene Treppe zur
Raumbühne, die von einer etwas schwerfälligen, asymmetrischen Palastarchitektur mit
zum rechten Rahmenrand gerafftem Vorhang gebildet wird. Sie bildet die Folie für den
,,Tod des hl. Martin“. Dieser ruht auf einem Lager aus Polstern, etliche Gefährten
bemühen sich um ihn, teils stehend, teils gebeugt dem Sterbenden zugeneigt, mit Gesten
des Gebetes, der Trauer und Anteilnahme. Ein Priester liest die Sterbegebete. Zum linken
Bildrand hin ordnet sich eine Gruppe von Menschen verschiedenen Standes.
Im lichten, rosagrauen Gewölk erscheinen Christus, Maria und der hl. Josef in Beglei-
tung von Putten und weiteren, im Hintergrund angedeuteten Heiligen, um den Sterben-
den zu empfangen.
Auf den Stufen des Vordergrundes liegen die Insignien der Bischofswürde, Mitra, Infel
und Stab. Von hier stürzt die nackte Figur des,,bösen Geistes" über ein durch Quade-
rung angedeutetes Mauerwerk in die Tiefe.
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Dieses Deckengemälde wirkt verglichen mit dem Hauptbild kompositionell und von der
Farbgebung her leichter und heiterer im Sinne des Rokokos.
Die Zwickel zwischen den Stichkappen des Wölbeansatzes füllt je eine weibliche Gestalt,
die personifizierte göttliche Tugend der Liebe (nordseitig) und des Glaubens (südseitig)
in zart-graugrünem Chiaro-scuro.
Das Fresko über der Orgelempore beinhaltet die bekannteste Szene aus dem Leben des
hl. Martin, die,,Mantelspende".
Das Geschehen spielt sich hier nicht, wie die Legende berichtet, unmittelbar am Stadttor
von Amiens ab, sondern ist in die Mitte einer baumbestandenen Landschaft gestellt. Im
Hintergrund links lassen sich unterhalb der im dunstigen Licht angedeuteten Hügelkette
Türme einer bewehrten Stadt erkennen, rechts kann ein von rückwärts anstürmendes
Heer beobachtet werden. Im Vordergrund lagert der Bettler an einem Baumstumpf. In
der Mittelachse steht Martin neben seinem Schimmel und teilt seinen roten Umhang mit
dem Schwert. Über ihm schweben in lachsrosigem Gewölk von Putten begleitete Engel,
die hier außer den Insignien der Bischofswürde auch einen Heiligenschein bereithalten.
Sowohl bei der Engelgruppe, als auch bei der Gestalt des hl. Martin fällt ein geänderter
Duktus der Handschrift auf. Gesichter und Figuren wirken derber, Farbigkeit und
Faltengebung der die Engelsgestalten umspielenden Hüllen verfügen über eine andere
Charakteristik. Möglicherweise war an diesem Deckenbild der mehr als 15 Jahre jüngere
Bruder Franz Xaver Kirchebners, Josef Anton maßgeblich beteiligt.
Von entscheidender Bedeutung für die einheitliche und heitere Gesamtwirkung des
Kirchenraumes sind die drei Altäre, die seit der Innenrestaurierung von 197217 auch
farblich wieder übereinstimmen. Es handelt sich um rosa-blau-grau marmorierte Holz-
aufbauten, wobei die Ornamente teilweise vergoldet sind. Auch die Altarfiguren sind aus
Holz; ihre Weißpolimentfassung mit teilweiser Vergoldung verleiht ihnen einen vor-
nehm-festlichen Anstrich.
Der Säulenaufbau des Hochaltares wird von zweigeschossigen, über Eck gestellten
Postamenten getragen, welche gleichzeitig eine Rahmung für Mensa und Tabernakel
bilden und die vier Plastiken aufnehmen. Über dem Hochaltarblatt wiederholt ein
verkröpftes Gebälk dessen rundbogigen Abschluß. Der Aufsatz erhebt sich mit gedop-
peltem Volutenanlauf, adorierenden Engeln, Putten, Vasen und einem aus einer Kartu-
sche aufragenden Kreuz. Seine durchbrochene Mitte läßt - gleichsam in überirdischem
17 Bundesdenkmalamt - Aktenvermerk vom 17. August 1972: Damals wurde der Hochaltar nach Resten der
originalen Fassung neu gefaßt. Die Fassung der Seitenaltäre war 1972 nicht original, sondern sehr derb in
Mittelbraun und dunklem Grau. Bild und Rahmung des Sebastiani-Altares wurden wieder in dieselbe
Form gebracht, die das originale Altarbild des linken Seitenaltares zeigt.
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Grisaille-Darstellung von Wundertaten des hl. Martin in den Gewölbezwickeln des Langhauses der St.
Martinskirche in Vill.
Foto: Denkmalamt
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Licht die Taube des hl. Geistes im Strahlenkranz, umgeben von Puttenköpfen und
Gewölk, erscheinen.
Diese seit Berninis Cathedra Petri der römischen Papstkirche unzähligemal abgewandel-
te Einbeziehung des natürlichen Lichtes in die Architektur und Plastik des Hochaltares
ist besonders eindrucksvoll, letztlich aber auch der Beweis dafür, daß die Planung des
Kirchenumbaues und des Altares praktisch in einem Guß entstanden sein müssen und
die Altäre nicht, wie ein Dokument des 19. Jahrhunderts behauptet, 18 aus der alten
Kirche übernommen sein können. Sicherlich kann diese Aussage dahingehend interpre-
tiert werden, daß wohl die Altarbilder von der alten Ausstattung stammen, aber in neue,
zum Stil der Kirche passende Rahmenformen gefügt wurden. Diese entsprechen durch-
aus wieder jenem Formenschatz, der zwar noch dem Rokoko verpflichtet ist, aber doch
bereits frühklassizistische Elemente aufnimmt. Dies gilt nicht nur für einzelne Schmuck-
motive wie etwa den zopfartigen Blütengehängen in den gelängten seitlichen Voluten des
Aufsatzes oder den Blattfries im Gebälk, sondern vor allem auch für die großen Altarfi-
guren der Heiligen, die gegensätzlich zu den noch stärker gebauschten Gewändern der
Engel im Aufsatz durch eine elegante Schwingung der Figur mit sanft fließenden Gewän-
dern gekennzeichnet sind.
Die ikonographische Zuordnung der vier Heiligen am Hochaltar bereitet einige Schwie-
rigkeiten, weshalb sie in der vorhandenen Literatur teilweise verschiedene Interpretatio-
nen erfuhren. Wohl eindeutig erkennbar sind die südlich des Hochaltares postierten
Statuen: Die Innenfigur zeigt einen noch jugendlich bartlosen Heiligen mit Strahlen-
kranz-Nymbus in einer für den Ordensmann möglichen Kleidung, die über der Tunika
aus dem Rochett, einem engärmeligen, bis zu den Knien reichenden Leinengewand und
einer Mozzetta, dem mit Knöpfen vorn geschlossenen Schultermäntelchen und dem
Pallium, einem ringförmig die Schultern umziehenden Band mit je einem Endstück an
Brust und Rücken, sowie dem Pectorale, dem Brustkreuz besteht. Es ist dies die außerli-
turgische Amtstracht eines Chorherrn; die ergänzenden Attribute des Kreuzstabes, vor
allem aber die Monstranz, die der Heilige in seiner Rechten hält, kennzeichnen ihn
eindeutig als hl. Norbert, den Begründer des Prämonstratenserordens, dessen Fest am 6.
Juni gefeiert wird; beinahe ein,,Pflichtheiliger" in einer Gemeinde, die dem Stift Wilten
inkorporiert ist. Als ebenso eindeutig erweist sich die bärtige Figur daneben, diesmal in
pontifikaler Kleidung mit Mitra, Krummstab und Pluviale. Wieder sind es die Attribute,
in den Händen Federkiel und Buch, zu Füßen ein Bienenkorb, welche die Gestalt als den
eigentlichen Begründer des Zisterzienserordens, den hl. Bernhard von Clairvaux, auswei-
sen.19 Sein Fest wird am 20. August gefeiert.
18 AAW, Lade 26, Lit. A, Nr. 1e.
19 Im Dehio Tirol, a.a.O., ist fälschlicherweise der Kirchenlehrer Ambrosius angegeben.
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Blick in das Presbyterium der Viller St. Martinskirche.
Foto: Denkmalamt
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Mehr Kopfzerbrechen als die nebeneinander vereinten Klostergründer bereiten die zwei
nördlich des Altarblattes aufgestellten Figuren. Auch hier trägt die äußere pontifikale
Kleidung, die innere dagegen die außerliturgische Amtstracht. Und ebenso wie zwischen
den bereits besprochenen Heiligengestalten ein inhaltlicher Zusammenhang vorhanden
ist, ist dies auch bei den nun in Frage stehenden zu vermuten. Die Außenfigur, durch
Pedum (Krummstab), Buch und Schlüssel genauer beschrieben, wird meist als Hubert
von Lüttich gedeutet, dessen Fest auf den 3. November fällt und der als Patron der Jäger
und Forstleute allgemein bekannt ist. Die Heiligengestalt daneben verfügt wie der hl.
Norbert über einen Strahlennymbus, ihr einziges individuelles Attribut beschränkt sich
auf einen Stab, der durch sein dreifaches Kreuz auf einen Papst hindeuten müßte.
Tatsächlich läßt sich ein Papst mit Hubert in Beziehung setzen, nämlich Kornelius, der
den hl. Stuhl um die Mitte des 3. Jahrhunderts innehatte. Wohl weil sein Name von
,,cornu" abgeleitet werden kann, gilt er als Beschützer des Hornviehs, wurde aber auch
bei Nervenleiden angerufen (Gedenktag: 14. September). Der hl. Kornelius zählt mit
dem hl. Hubert und zwei weiteren, hier nicht vertretenen Heiligen (Quirinus, Antonius
Abbas) zu den sogenannten „,4 hl. Marschällen", welche die bekannten und früher so
beliebten 14 Nothelfer ergänzten und die vor allem im niederrheinischen Gebiet um Köln
starke Verehrung erfuhren.20 Die zwei Heiligenpaare erzeugen durch ihre jeweils im
Gegensinn wiedergegebene Körperschwingung eine Rhythmik, die vom Tabernakel in
der Mitte über der Mensa aufgefangen wird. Der Mittelteil dieses Tabernakels wölbt sich
konvex vor, während die Seiten in konkavem Schwung zurückversetzt sind. In ihren zum
verkröpften Gebälk überleitenden Voluten knien symmetrisch gestellte Putten, die mit
der Gestik ihrer Hände auf das „,Allerheiligste" im Tabernakel hinweisen. Die Taberna-
kelöffnung erhält zusätzlichen Schmuck durch zwei aus krautigem Volutenornament
sich entwickelnden Hermenputten in Gebetshaltung. Die Drehtür mit dem Kruzifix in
der Mitte verfügt über Reliquiare, die mit reicher Posamentierarbeit in die beiden
oblong-vierpaẞförmigen und mit reicher Rokokoornamentik verzierten Rahmungen
eingefügt sind. Den oberen Abschluß des Tabernakels bildet ein baldachinartiger, aus
vier krautigen Voluten zusammengefügter Aufsatz, über welchem auf dem ,,Buch mit 7
Siegeln das apokalyptische Lamm im Strahlenkranz erscheint. Diese Tabernakelbekrö-
nung überschneidet den untersten Teil des Hochaltarblattes, das von dem aus Meran
20 Kaum überzeugen könnte eine Deutung als hl. Servatius, auf den die Pontifikalkleidung wie die Attribute
Schlüssel und Buch ebenfalls zuträfen. Als Eisheiliger wäre er mit Bonifatius in Verbindung zu bringen,
dem als päpstlichen Legaten der 3-fach-Kreuzstab allenfalls noch zustünde, wobei der Eisheilige-Bonifatius
als angeblich römischer Märtyrer (14. Mai) nicht faßbar ist und daher mit dem Glaubensapostel Bonifatius-
Winfried (5. Juni) auf einer Verwechslung beruhen müßte.
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Das Hochaltarbild - Christus erscheint dem hl. Martin von Matthias Puẞjäger - die erwähnte Dorfansicht
(unten) ist hier durch das Agnus Dei verdeckt.
Foto: Denkmalamt
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stammenden Tafel-Maler und Bürgermeister Matthias Pußjäger21 um 1715 für die Viller
Kirche angefertigt wurde. Matthias Pußjägers Sohn Norbert ging übrigens als Abt von
Wilten (1747-1765) und Erbauer der Wiltener Rokoko-Basilika in die Geschichte ein.
Das Gemälde zeigt in warmen bräunlich-rötlich bis dunklen Tönen, aus denen nur
vereinzelt hellere in Blau, Rot und Weiß herausragen, den hl. Martin als Fürbitter und
Beschützer des im untersten Teil des Bildes wiedergegebenen Dorfes. Er kniet in bräun-
lich-goldfarbenem Brokatmantel mit weißlichem Untergewand auf einer dunklen Wol-
kenbank, wo auch seine Attribute, Krummstab und Gans nicht fehlen. Schräg hinter ihm
und vom Rahmen teilweise überschnitten erscheint sein Lehrmeister Bischof Hilarius
von Poitiers. Martin weist mit dem Zeigefinger seiner linken Hand auf das unterhalb des
Gewölks in einen Hügel gebettete Dorf, seine Rechte deutet mit einer Geste des Empfeh-
lens auf seine Brust, während sich sein Blick nach links oben wendet, wo der Erlöser, auf
die Mantelspende hinweisend, gleichsam mit,,offenen Armen" diese Empfehlung entge-
gennimmt. Zu den drei statuarisch aufgefaßten Gestalten bilden im Gewölk schwebende
Putten und Puttenköpfe einen Ausgleich.
Zur strittigen Frage, ob das abgebildete Dorf mit Vill zu identifizieren sei, ist zu
erwähnen, daß es zu Beginn des 18. Jahrhunderts durchaus noch nicht zu den gängigen
Praktiken gehörte, ein,,Landschaftsporträt" wiederzugeben. Die sogenannte „Vedute",
die topographisch genaue Wiedergabe eines Ortes wird erst im weiteren Verlauf des 18.
Jahrhunderts üblich.
Dennoch sehen wir hier einen von einem Bächlein umflossenen Ort, eine noch gotische
Kirche und eine Anzahl von Häusern, die jener von Vill zu Beginn des 18. Jahrhunderts
entsprochen haben könnte. Insgesamt vermittelt diese Ortsansicht den Eindruck, daß
Puẞjäger Vill besucht und bei dieser Gelegenheit eine Skizze angefertigt haben dürfte,
daẞ dann aber bei der Ausführung des Bildes in Öl zwischen Realität und Wiedergabe
eine erhebliche Differenz enstanden ist.
Zieht man in Betracht, daß der hl. Martin mindestens seit 1407 zu den Kirchenpatronen
von Vill zählt22, bedenkt man weiters, daß das Hochaltarblatt eindeutig als Patronats-
bild aufzufassen ist, so kann die Ansicht vertreten werden, daß mit dieser Ortsdarstellung
sicherlich das Dorf Vill gemeint ist, daß die Wiedergabe desselben aber gänzlich den
21 AAW, Lade 26, lose: Notiz vom 5.11.1917,,das gut gemalte Bild trägt die Jahreszahl 1715"; J. Ringler, Die
barocke Tafelmalerei in Tirol. Darstellung, Innsbruck 1973, S. 59; J. Kustatscher-Pernter, Der Meraner
Maler Matthias Pussjäger. Innsbruck 1978, Kat.-Nr. 18, Abb. 10.
22 F.H. Hye, a.a.O., S. 1324, berichtet, daß die Gemeinde Vill 1407 in ihre Kirche zu den hll. Ingenuin, Albuin
und Martin eine ewige Wochenmesse stiftete.
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Der linke Seitenaltar Mariä Himmelfahrt in der Viller St. Martinskirche.
Foto: Denkmalamt
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Intentionen eines Künstlers und der Zeit des 2. Jahrzehntes des 18. Jahrhunderts ent-
spricht, die nicht an der tatsächlichen Realität zu bemessen ist.23
Noch einmal muß auf die deutliche Wechselbeziehung zwischen Architektur und Hoch-
altar, bzw. aller drei Altäre hingewiesen werden: da das Ochsenauge im Chorschluß
eigens auf diesen Altar hin konzipiert wurde, liegt die Vermutung nahe, der Planer des
Kirchenumbaues wäre gleichzeitig auch der Planer der Altarausstattung des Gotteshau-
ses gewesen. Johann Michael Umhauser trat mehrfach als Planer bzw. ausführender
Meister von Einrichtungen in Erscheinung: unter anderem barockisierte er um 1766 die
Pfarrkirche seines Wohnortes in Thaur; bereits 1758 hatte er nach dem Entwurf des
Wiener Hofarchitekten Nikolaus Pacassi für die Innsbrucker Hofkirche den Hochaltar
erbaut.24 Beim Vergleich des Tabernakels der Hofkirche mit jenem von Vill ergeben sich
trotz der völlig anderen künstlerischen Wirkung - dort ein Werk aus Marmor, freiste-
hend, klassizistisch; hier in Vill aus gefaßtem Holz, in den Altarbau integriert, noch dem
Rokoko verpflichtet - doch auch gemeinsame Aspekte: hier wie dort finden sich auf den
vier vom Sockel zum Tabernakelgehäuse aufschwingenden Voluten Putten und hier wie
dort wird die Tabernakelbekrönung vom Lamm Gottes auf dem Buch mit 7 Siegeln
gebildet.
Sicherlich ein Umstand, der die These erhärten kann, Johann Michael Umhauser sei in
Vill mit dem Plan des Umbaues sowie mit der Kirchenausstattung betraut gewesen.
Als Quelle für den zeitlichen Ansatz der Umbauplanungsarbeiten in Vill kann wiederum
der Tabernakel Aufschlüsse liefern; es versteht sich von selbst, daß ein Bau- und
Ausstattungsvolumen dieses Ausmaßes nicht in dem immer wieder kolportierten Jahr
1791 bewältigt werden konnte. Die Kirchprobstrechnungen25 vom 6. März 1777 bis 20.
März 1778 verzeichnen, daß,,der Maria Mesnerin zu Lans für die zum Tabernakel
verfertigten 6,fühlungen mit Samtspitzen, Gold und Perlen 24 fl" ausbezahlt wurden.
Zweifellos handelt es sich dabei um die Posamentierarbeiten für die Tabernakelreliquien
in den zwei oblongen Vierpässen, wobei die Zahl der sechs Felder durchaus stimmt, denn
die Vierpaẞform ergibt sich aus einem größeren mittleren Kreis, der oben und unten
jeweils von einem kleineren Kreis überschnitten wird.
Demnach kann davon ausgegangen werden, daß spätestens 1777 ein genau ausgearbeite-
tes Konzept für den Hochaltar vorgelegen sein mußte. Daß sich die Fertigstellung der
Kirche bis 1791 hinzog, ist wahrscheinlich dem Umstand zuzuschreiben, daß Johann
23 AAW, Lade 26, lose, Notiz vom 5. November 1917: Hier wird die Meinung vertreten, daß auf dem
Hochaltarblatt das Dorf Vill dargestellt ist.
24 E. Egg, Die Hofkirche in Innsbruck. Innsbruck 1974, S. 84.
25 Pfarrarchiv Igls, Kirchprobstrechnungen vom 6.3.1777 bis 20.3.1778.
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Der rechte Seitenaltar St. Sebastian in der Viller St. Martinskirche.
Foto: Denkmalamt
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Michael Umhauser 1784 starb, zu einer Zeit, in welcher längst zumindest teilweise an den
Ausstattungsstücken gearbeitet worden war, während der Kirchenumbau selbst durch
alle mit dem Tod des Planers auftretenden Probleme wohl auf längere Zeit verschoben
werden mußte, wobei auch die Frage der Finanzierung des für den kleinen Ort doch
ehrgeizigen Unternehmens mitgespielt haben mag.
Es ist unbekannt, in welcher Werkstatt der Hochaltar bzw. die Seitenaltäre gebaut
wurden. Die Kirchprobstrechnungen geben aber zumindest einen Künstlernamen
preis, 26 wenn im Zusammenhang mit den Stickereien für den Tabernakel, der Bezahlung
des Glasers Josef Rinn für die ,,Arbeit an den Reliquien-Kästlen" auch der Bildhauer
Peter Hopfner aus Rinn 31 fl. erhielt. Bis heute ist Peter Hopfner unbekannt, denn er
scheint weder in den Lexika des 19. Jahrhunderts auf, noch sind sonstige Quellen über
ihn bekannt. Allerdings konnte H. Arnold-Öttl feststellen, 27 daß Peter Hopfner für den
Hochaltar der Sistranser Pfarrkirche sowohl die zwei adorierenden Engelgestalten am
Tabernakel, wie auch den auf Wolken thronenden Gottvater im Aufsatz gearbeitet hat.
Aus dieser Untersuchung geht hervor, daß Peter Hopfner zumindest zeitweise für die
ebenfalls bis dahin von der Kunstgeschichtsforschung nur stiefmütterlich behandelte
Stukkateur-Familie Mussak aus Sistrans gearbeitet hat. Das bedeutendste Mitglied
dieser Familie war Johann Mussak d.J. (1745-1793), der nicht nur den Stuck der
Stiftsbibliothek im Kloster Neustift bei Brixen (1771) und der Pfarrkirche von Cortina
(1773), sondern auch zahlreiche Altäre ausführte.28 Eigenartig mutet an, daß beim sonst
reichen Schaffen dieser Werkstätte für die Zeit von 1778-1788 bisher keine Arbeiten
bekannt sind.
Das nährt die Vermutung, in diesem Dezennium könnten für die Sistranser Umgebung
Altäre, aber auch Stuckarbeiten entstanden sein, denn in den Pfarrkirchen des südlichen
Mittelgebirges finden sich allenthalben Schöpfungen dieser Jahre, die noch mit keinem
Künstlernamen in Verbindung gebracht wurden. Bis jetzt gibt es aber kein historisches
Beweisstück, daß die Sistranser Mussak-Werkstatt die Altäre bzw. den Stuck der Viller
Kirche lieferte. Schließlich kann weder die Mitarbeit der Malerbrüder Kirchebner, die
1786 auch die Sistranser Kirche freskierten, noch jene des Bildschnitzers Peter Hopfner
dies letztlich untermauern.
26 Ebenda
27 Herta Öttl, Die Pfarrkirche St. Gertraud in Sistrans. Mit einem Exkurs über die Sistranser Stukkateur-
Familien Mussak und Kienast. In: Festschrift Dr. Johanna Gritsch (= Schlern-Schriften 264), Innsbruck-
München 1973, S. 209.
28 1771/72 zwei Seitenaltäre in Neustift; 1774/76 rechter Seitenaltar der Pfarrkirche Lienz; 1774/76
Hochaltar Sistrans; 1776 Hochaltar und zwei Seitenaltäre in Cortina; um 1778 Hochaltar und Kanzel
der Spitalskirche Lienz; 1778/88 - keine bekannten Werke; 1787 Rahmung der Kreuzwegstationen in
Sistrans; 1792 Kanzel in Pfalzen; 1793 Hochaltar in Ampass.
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Wohl aber kann aufgrund stilistischer Vergleiche der Viller Tabernakel-Engel mit den
übrigen, ebenso weiß gefaßten Viller Plastiken und jenen des Peter Hopfner in Sistrans
festgestellt werden, daß hier die gleiche Hand am Werk war. Besonders gute Vergleichs-
möglichkeiten ergeben sich zwischen den anbetenden Engeln des Sistranser Tabernakels
mit den beiden knienden Engelsgestalten im Aufsatz des Viller Hochaltares; aber auch
die Charakterisierung des Hauptes der Gott-Vater-Figur im Sistranser Aufsatz läßt
Parallelen zu den Gestaltungen der Viller Hochaltar-Heiligen zu. Diese wiederum lassen
sich eindeutig mit den Figuren der Viller Seitenaltäre in Beziehung setzen. Über den
künstlerischen Werdegang des Peter Hopfner ist beim derzeitigen Wissensstand zunächst
eine Lehre bei einem Rokoko-Plastiker zu vermuten, schließlich kann aber eine Prägung
im Sinne des beginnenden Klassizismus festgestellt werden. Sie erfolgte sicherlich durch
den Innsbrucker Hofbildhauer Urban Klieber, der durch seine akademische Ausbildung
als Vertreter des Wiener Klassizismus gilt. Zweifellos liegen Berührungspunkte vor, da
Klieber gleichzeitig wie Hopfner für Sistrans Altarfiguren lieferte. Diese Beeinflussung
wird zunächst bei der Gestalt des hl. Norbert sichtbar, dessen annähernd,,griechisches
Profil mit gerader Stirn und ebensolcher Nase an die etwas herbe Gesichtsform von
Kliebers hl. Helena in Sistrans gemahnt.
Auch bei den Heiligengestalten der Seitenaltäre beobachtet man die Hinwendung zum
Klassizismus. Die über Eck gestellten Seitenaltäre sind sicher nach dem Hochaltar
entstanden und verfügen bereits über stark von klassizistischem Dekor bestimmte Men-
sen. Über ihnen erhebt sich ein Sockel, dessen schräggestellte seitliche Abschlüsse die
plastischen Figuren tragen. Die mit geknickten Karniesbögen geschlossenen Altarblätter
werden nicht von Säulen, sondern von pilstergleichen, aus Voluten aufsteigenden und in
ebensolche, aber kleinere Voluten ausklingende Glieder begleitet, die über einem Kämp-
fer ein kapitellähnliches Gebälkstück tragen, das mit bereits dem Empire angehörenden
Agavenvasen geschmückt ist. Zwischen diesen erhebt sich ebenfalls aus Voluten mit
sitzenden Putten und Palmwedelzier ein stark einwärts geschwungener Aufsatz, über
dessen volutengerahmtem, leicht gebogenem Abschluß mit Engelsköpfchen zwischen
einer Wolke das Kreuz erscheint. Entsprechend der Heiliggeisttaube des Hochaltares
beinhalten die Aufsätze der Seitenaltäre in einem Strahlenkranz auf Stuckwolken nord-
seitig das Monogramm Mariens, südseitig das Monogramm Christi. Die bevorzugte
Verwendung der Volute als rahmengebendes Element im Altaraufbau erinnert wieder an
den Formenschatz des Johann Michael Umhauser; beim groß dimensionierten Hochal-
tar der Hofkirche wurde sie ebenfalls in die Rahmung einbezogen.
Für den nördlichen Seitenaltar wählte man als Plastiken die hll. Thomas von Aquin und
Antonius von Padua. Thomas von Aquin, der berühmte Scholastiker des 13. Jahrhun-
derts, dessen Gedenktag auf den 7. März fällt, verfügt hier außer dem Strahlenkranz-
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Der hl. Isidor und die hl. Notburga von Eben am rechten Seitenaltar.
Fotos: M. Hye-Weinhart
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Nymbus auf seinem Haupt auch über eine Strahlensonne auf seiner Brust, die ihm außer
dem Kruzifix in der Hand als Attribut beigegeben ist. Sein Pendant, der hl. Antonius von
Padua, dessen Fest am 13. Juni gefeiert wird, hält das Jesuskind in seiner Rechten. Beide
Heiligen tragen über dem Talar mit hohem Kragen das Superpelliceum, ein leinenes
Chorgewand, das sich vom Rochett durch seine weiten Ärmel unterscheidet.
Dieser Altar enthält das alte, aus dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts stammende
Altarbild mit der ,,Himmelfahrt Mariens" von Philipp Haller.29 Die Komposition des
Blattes erinnert noch sehr an ein Altarbild des venezianischen Meisters Piazzetta, dessen
Schüler Haller nach seiner Ausbildung bei Nikolaus Auer in St. Martin in Passeier
gewesen war, bevor er sich in Innsbruck als Tafelbildmaler niederließ.30 Die Apostel
umstehen teils als Rückenfigur, teils mit weit ausholenden Gesten den leeren, schrägge-
stellten Sarkophag, während über der links hochgeschraubten Wolke in der Bildachse die
von Engeln hochgehobene Madonna in weißem Gewand und blauem Umhang im
himmlisch hellen Licht erstrahlt. Die Farbverteilung ist äußerst delikat und beruht auf
dem Gegensatz von hellen Creme- bis Ocker- und wenigen Rot-Nuancierungen und den
kühlen Blau-Abstufungen des Atmosphärischen, wie des Mantels der Maria und des
Kleides jenes Apostels mit den emporgeworfenen Armen.
Je nach den wechselnden Festen des Kirchenjahres werden an der Mensa dieses nordsei-
tigen Altares auf einem Vorsatz in einem geschweiften rokokoartigen Rahmen des 19.
Jahrhunderts hinter Glas beschriftete Reliquien in Posamentierarbeit auf rotem Samt
aufgestellt; zu den Hochfesten werden sie von den Plastiken des hl. Michael und eines
Schutzengels flankiert. Die beiden qualitätvollen gold- und silbergefaßten Holzfiguren
gehören der Mitte des 18. Jahrhunderts an und stehen den Werken des Plastikers Stefan
Föger nahe. Zwischen den Hochfesten werden die beiden Statuetten mit knienden
anbetenden Engeln vertauscht, die aus dem 19. Jahrhundert stammen.
Im Advent wie im Marienmonat Mai wird anstelle des Reliquienaufsatzes eine neuzeitli-
che, etwa in der Art der Gotik gegen 1400 gearbeitete, gefaßte Holzskulptur der stehen-
den Muttergottes mit dem Jesukind aufgestellt, die seit ungefähr 1972 zum Bestand der
Viller Kirche zählt.31 Das Altarbild des südlichen Seitenaltares wird von den plastischen
Figuren der traditionellen Tiroler „,Bauernheiligen" Isidor und Notburga begleitet.
Isidor, der Bauer aus Madrid, dessen Namenstag auf den 15. Mai fällt, ist sonntäglich
mit Kniehose und Knierock wiedergegeben und hält in seiner Rechten die Schaufel,
während seine Linke in demutsvoller Geste auf seine Brust deutet.
29 Nicht wie mehrfach fälschlicherweise überliefert von Franz Haller, zuletzt noch im Dehio-Tirol, a.a.O., S.
130.
30 Vgl. J. Ringler, Die barocke Tafelmalerei, a.a.O., S. 110f.
31 Freundliche Auskunft der Viller Mesnerin Gertraud Hofer.
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Notburga von Rattenberg, die Schutzheilige der Mägde und Dienstboten, deren Ehren-
tag am 14. September in Eben, wo der Glasschrein mit den Gebeinen der Heiligen am
Hochaltar aufgestellt ist, besonders festlich begangen wird, erscheint wie Isidor in
bäuerlicher Sonntagstracht mit geschnürtem Mieder und hochgekrempelten Ärmeln, in
der erhobenen Rechten die Sichel, die Milchkanne in der Linken, an einem über der
Schürze locker herabhängenden Gürtel baumelt der Schlüsselring. Auch diese beiden
volkstümlich wiedergegebenen Gestalten stehen in ihrer beschaulich-versunkenen Hal-
tung bereits an der Schwelle zum Klassizismus.
Das Altarblatt mit der Darstellung des hl. Sebastian wurde 1868 von Franz Plattner aus
Zirl gemalt und gegen das ursprüngliche, anscheinend ebenfalls von Haller stammende
themengleiche Bild ausgetauscht, welches sich jedoch nicht erhalten hat.33
Die Bedeutung Franz Plattners liegt vor allem in seinen umfangreichen Freskowerken,
die er ab 1860 in Tirol schuf. Umso bemerkenswerter erscheint es, ihn in Vill als
Tafelbildmaler kennenzulernen. Trotz der beinahe ein Jahrhundert ausmachenden, spä-
teren Entstehungszeit fügt es sich vom Farblichen her recht gut in das Gefüge des Altares
ein; der Märtyrer, in dessen etwas massigem nackten Oberkörper etliche Pfeilspitzen
stecken, lehnt sich halb kniend an den Baum, an welchen seine Handgelenke mittels
Stricken gefesselt sind. Sein caput-mortuum-farbener Überwurf und die in grüngrau-
bläulichen Tönen gehaltene Landschaft, die zwei Drittel des Bildes einnimmt, bevor sie
unter einem rötlichen Lichtstreifen in einen ziemlich dunkel gehaltenen Himmel überlei-
tet, harmonisiert gut zu den Caput-mortuum- und Blaugrau-Tönen der Altarfassung.34
Auch die Mensa dieses Altares verfügt über einen Aufsatz mit entsprechend gerahmtem
Reliquiar, das zu den Hochfesten von den Statuetten des hl. Georg mit der Kreuzfahne
und des hl. Florian mit dem Wasserschaff begleitet wird. Wie bei den Figuren des hl.
Michael und des Schutzengels auf der gegenüberliegenden Seite handelt es sich um gold-
bzw. silbergefaßte Holzplastiken, trotz aller Ähnlichkeit in der Ausführung des Kostüms
und auch der zeitlichen Nähe ihrer Entstehung aber deutlich derber und wohl nicht von
derselben Hand. Sie werden zwischen den Hochfesten durch zwei sitzende Putten aus
dem 19. Jahrhundert ersetzt.
Die einheitliche Altarausstattung wird durch die einfach, schlank und leicht wirkende
Kanzel an der nordseitigen Schiffsmitte ergänzt. Wie die Altarfiguren besteht sie aus
32 AAW, Lade 26, lose: in einem Verzeichnis des ,,Sinbauers" Josef Told wird erwähnt, daß Plattner hiefür
110 fl erhielt.
33 AAW, Lade 26, Lit. A, Nr. 1e: liefert eine Beschreibung der Gemeinde um 1842.
34 Dennoch war es richtig, das ebenfalls von Plattner 1871 gemalte Hochaltarblatt, das seit seiner Entfernung
vom Hochaltar an der Nordseite des Presbyteriums angebracht war, anläßlich der Kirchenrestaurierung
von 1972 zu entfernen und im Turm zu verwahren. Zu diesem Bild existiert eine Skizze von Franz Plattner
im Klosterarchiv Wilten, Lade 47, Lit. W.
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weiẞpolimentgefaßtem Holz, während die sparsam verwendeten Schmuckmotive vergol-
det sind.
Der Kanzelkorb entwickelt sich aus einem konkav geführten Anlauf. Er wird durch
hochgezogene Volutenbänder mit klassizierender Ornamentik in drei Felder geteilt,
deren mittleres die Initialen Christi in Verbindung mit dem Kreuz und dem Herzen Jesu
enthält. Am Schalldeckel schwingt das verkröpfte Gesims zu freiplastischen, sich in der
Mitte treffenden Voluten auf, die eine vergoldete Rokokokartusche tragen. In der
dadurch entstandenen Öffnung darunter findet sich noch einmal eine Kartuschenzier.
Sinnbezogen erscheint unter der Fläche der Unterseite die Heiliggeisttaube inmitten
eines Strahlenkranzes. Den luftig durchbrochenen Aufsatz des Schalldeckels bilden erst
konvex, darüber im Gegensinn konkav aufgerollte Voluten. Darüber kniet ober einem
geschwungenen Mittelteil mit den Gesetzestafeln, dem Buch mit 7 Siegeln und der
Erdkugel ein Putto, in der Rechten den Kelch, in der Linken das Kreuz; wie die beiden,
an den aufgebogenen Gesimsen darunter knienden Putten mit dem brennenden Herzen
in Händen, bzw. dem Hoffnungsanker in der linken Hand, symbolisieren diese drei
Kinderengel die drei göttlichen Tugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe.
Kanzelkorb und -deckel werden an der Wand durch stuckierte und vergoldete, flach
geschwungene Volutenglieder und palmettenartigen Rankenstuck mit Goldaufsätzen
zusammengebunden.
Sicherlich kann auch hier die plastische Gestaltung der Putten dem Bildhauer Peter
Hopfner zugeschrieben werden.
An der der Kanzel gegenüberliegenden Stelle auf der Südwand wurde eine mit reicher
Stuckzier geschmückte Nische aus der Wand ausgespart, in welche man das ältere, von
einem unbekannten Meister aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts stammende Schnitz-
werk,,Unseres Herrn im Elend" einfügte. Es ist dies eine sehr eindrucksvolle, farbig
gefaßte Holzskulptur des „,Verspotteten Christus", angetan mit dem roten Mantel, der
über der Brust verschlungen ist und mit den durch Stricke zusammengebundenen
Händen, zwischen denen ein Rohrstock steckt. Die Dornenkrone drückt das bärtige
Antlitz mit den zum,,Himmlischen Vater" emporgerichteten Augen und dem leidvoll
geöffneten Mund. Den geschundenen Körper überziehen zahllose kleine Wunden, aus
denen Blutstropfen rinnen.35
Den geschlossenen Eindruck der Kirche vervollständigen außer dem, anläßlich der
Restaurierung 1972 wiederhergestellten schönen Boden aus Südtiroler Marmor auch das
damals abgebeizte Gestühl mit seinen in krautigen Akanthusranken ausgebildeten Wan-
35 Schon F.H. Hye, a.a.O., S. 1325 machte auf die besondere Verehrung des Leidens Christi in den Mittelge-
birgsorten Igls-Vill aufmerksam.
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Betstuhlwangen der Kirchenbänke.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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gen aus dem 1. Viertel des 18. Jahrhunderts36 und das fein geschmiedete Kommuniongit-
ter aus der Zeit des Umbaues.
Zum wesentlichen Bestandteil eines Gotteshauses gehört auch seine Orgel, denn sie ist
unverzichtbar für die Gestaltung eines feierlichen Gottesdienstes. Die Viller Orgel stellt
ein gut erhaltenes Werk aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts dar. Sie verfügt über einen
vierfeldrigen Prospekt, der in der Mitte halbrund eingesenkt ist. Gebaut wurde sie von
Franz (I.) Reinisch 1845. Die Orgelbauwerkstatt Reinisch-Pirchner führte 1973 eine
gelungene Restaurierung durch. Heute verfügt die Orgel über ihren schönen,,alten"
Klang.37
Zu den beweglichen Kunstgütern der Viller Kirche zählen außer dem qualitätsvollen,
möglicherweise aus der Thaurer Giner-Werkstatt stammenden und gegen 1800 entstan-
denen Vortragskreuz mit seinem anatomisch ausgewogenen Körper, das vor den rechts-
seitigen Bankreihen fixiert ist, auch die 14 Kreuzwegstationen. Sie stammen aus der
Werkstatt des Malers Michael Ignaz Mildorfer, in welcher während der Dreißigerjahre
des 18. Jahrhunderts etliche Stationsfolgen für Kirchen der Innsbrucker Umgebung
ausgeführt wurden.38 Diese große Produktion führte je nach Mitarbeit verschiedener
Gehilfen auch innerhalb einer Folge zu unterschiedlicher Qualität, was auch für den
Viller Zyklus gilt. Wo der Meister selbst am Werk war, offenbart sich handwerkliches
Geschick und ein ausgeprägter Sinn für die farblichen Werte, wie das an dem durch die
Signatur des Künstlers gekennzeichneten letzten Bild der Folge mit der Grablegung
festgestellt werden kann.
An der Ostwand der räumlich beschränkten Totenkapelle befindet sich ein querformati-
ges, die ganze Raumbreite ausfüllendes Gemälde in Öl auf Holz, dessen Thematik sich
dem Ort entsprechend, mit den ,,Armen Seelen" auseinandersetzt. In der untersten Zone
des Bildes tauchen aus dem glühenden Flammenmeer des Fegefeuers die hellen Leiber
der Armen Seelen mit flehentlichen Gebärden und drastischen Gesichtszügen. In der
Mitte thront Maria mit dem Jesukind in hellrotem Gewand und blauem Mantel auf
einem von zahlreichen Putten belebten Gewölk, das sich unterhalb der Gottesmutter
dunkel zusammenballt und nach oben hin in himmlischer Helle erstrahlt. Von beiden
Seiten schwebt ein großer Engel herbei, um eine Arme Seele aus der Feuersglut zu
erlösen.
36 Pfarrarchiv Igls, Kirchprobstrechnungen, 25. 1.1724 bis 25.1.1725: darin erhielt ein ungenannter Bildhauer
für .,Stecke, Aushauen der Dockhen" (= Planung und Ausführung) 12 fl.
37 Erneuert wurde nur der Pfeifenprospekt und zwar nach dem Vorbild einer ähnlichen Orgel derselben
Werkstatt in Mauern. Die Neufassung dieses Prospektes nahm Rest. Traudl Zulehner aus Igls 1973 vor.
38 So etwa für Lans 1733, Mils bei Hall i.T. 1734, Rietz Pfarrkirche 1735, Amras 1736, Vill 1736, Patsch 1736
(heute in Maria Taferl). Vgl. J. Ringler, Die barocke Tafelmalerei, a.a.O., S. 153.
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Einige der kleinen Engel halten wie Maria einen Rosenkranz in Händen, um den Sinn
und die Wirkung des Rosenkranzgebetes der Menschen für die Erlösung der Seelen im
Fegefeuer zu verdeutlichen.
In der Barockzeit hat ja das Rosenkranzgebet einen besonderen Aufschwung genommen
und vielerorts entstanden Rosenkranz-Bruderschaften, die sich der Pflege des Rosen-
kranzgebetes in besonderer Weise widmeten.
Weitere Kunstdenkmäler in Vill
Friedhofskreuz
Qualitätsvoller Korpus im 3-Nagel-Typus; das feine Antlitz des toten Christus wirkt
nach der Überwindung des Leidens friedlich und gelöst. Als Entstehungszeit kann das
3. Viertel des 18. Jahrhunderts angenommen werden.
Bildstock vor dem Friedhof
Neben dem Eingang steht ein einfacher Bildstock, dessen Nische mit einem Flachbogen
abgeschlossen wird. Am Giebel des mit einem Satteldach eingedeckten Bauwerkes
wiederholt sich die Wölbekontur der Nische. Diese enthält eine Tafel (Öl auf Holz) mit
der volkstümlich wiedergegebenen Darstellung der ,,Mantelspende des hl. Martin". Die
seitlich der Nische angebrachten Bronzetafeln verzeichnen links die Gefallenen der
Befreiungskriege 1797-1809 und des ersten Weltkrieges 1914-1918, rechts jene des 2.
Weltkrieges 1939-1945. Der Bildstock dürfte um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts
errichtet worden sein.
Bildstock am Viller Steig
Kleiner hölzerner Bildstock mit der Darstellung des Cranach'schen,,Mariahilf*-
Gnadenbildes; ungewöhnlich ist die Ausführung des Werkes als flachgeschnitztes Holz-
relief mit farbiger Fassung. Entstehungszeit Ende 19. Jahrhundert.
Bildstock an der Igler Straße
An der Grenze zwischen beiden Dörfern steht eine Rundsäule aus Höttinger Breccie. Sie
trägt ein modernes Christophorus-Mosaik.
Kruzifix am,,Hangenden Schrofen" an der Viller Straße
Der plastische, anatomisch genau wiedergegebene Korpus erscheint stehend als 4-Nagel-
Typus. Die dazugehörigen, aus Holz ausgeschnittenen und bemalten Assistenzfiguren
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von Maria und Johannes wurden etwa Mitte der Achzigerjahre entwendet und sind
seither nicht mehr aufgetaucht. Das Werk dürfte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun-
derts entstanden sein.
Handlhofkapelle
Die alte Kapelle mußte der Straßenverbreiterung weichen; sie wurde 1973/74 etwas
zurückversetzt neu errichtet, wobei die Seitenwände aus geschichteten Bruchsteinen
hochgeführt und mit einem einfachen Pultdach geschlossen wurden. Die Front ist durch
ein schmiedeeisernes Gitter bis zu einem Drittel der Gesamthöhe geschlossen, wodurch
der Blick ungehindert auf den großen, ungefaßten Korpus mit herbem Ausdruck des
nach rechts zur Seite geneigten Hauptes fällt. Die Entstehungszeit des als 3-Nagel-Typus
wiedergegebenen Kreuzes ist in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu setzen.
Feldkreuz beim Handlhof
Geschnitzter und gefaßter 3-Nagel-Typus mit nach vorne gesenktem Haupt, dessen Züge
einen romanisierenden Einschlag aufweisen, wohl im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts
entstanden.
Prozessionsaltäre
Es ist der Verbundenheit der Viller zu ihren traditionellen Werten zu danken, wenn sich
im Ort Prozessionsaltäre erhalten konnten, die heute noch Einblick in jene Erzeugnisse
echter Volksfrömmigkeit gestatten, wie sie das religiöse Leben unserer Vorfahren be-
stimmte.
Nicht nur von ihrem ikonographischen Gehalt, der sich auf das Fronleichnamsfest
konzentriert, verdienen sie Beachtung, sondern auch durch die Verwendung von Wachs
als bildnerisches Material und dessen technischer Verarbeitung. Die Zeroplastik (Wachs-
bildnerei) spielte aufgrund der relativ einfachen Bearbeitungsmöglichkeiten zu allen
Zeiten seit der Antike eine wichtige Rolle, aber wegen der eingeschränkten Haltbarkeit
des Materials konnten nur wenige Denkmale in unsere Zeit überdauern.
Die beiden Altäre bestehen aus mehreren kunstvoll gerahmten und verglasten Schreinen,
die vorwiegend Wachsfiguren, aber auch Reliquien und Posamentierarbeiten beinhalten.
Die einzelnen Schreine werden stufenförmig über den Mensen angeordnet und von
einem Baldachin zur Einheit eines Altares zusammengefaßt.
Der ältere der beiden Altäre gehört noch zum überwiegenden Teil dem späten 18.
Jahrhundert an. Sein Hauptschrein in der Mitte verfügt über einen geschwungenen
Spiegelrahmen, der in der Art venezianischer Arbeiten eingeschliffene Blüten und Ran-
kenmuster aufweist. Darin steht auf einer Spiegelkonsole mit reichem Dekor das aus
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Wachs gebildete, gekrönte Jesukind in einem Gewand aus kunstvoller Seidenstickerei
mit dem Kreuz auf der Weltkugel in seiner Linken vor einem vergoldeten Rokoko-
Baldachin, auf dessen rotem Grund in einem Strahlenkranz sechs Putten schweben.
Der Mittelschrein darüber besteht aus einem vergoldeten Holzrahmen in reicher Roko-
ko-Ornamentik und beinhaltet zuunterst den liegenden Leichnam Christi, darüber er-
strahlt eine reich geschmückte Sonnenmonstranz, die noch eine Abbildung des
,,Schweiẞtuches der Veronika“ ziert. Diese beiden mittleren Schreine werden von je drei
Reliquienbehältnissen in reich verzierten und vergoldeten Rahmen flankiert, die zum
Teil erst im 19. Jahrhundert hinzugekommen sein dürften.
Die Schreine des anderen Altares sind um die Mitte des 19. Jahrhunderts einzuordnen,
wobei die vergoldeten Rahmen aus verschiedenen Stilelementen bestehen. Der unterste
Rahmen ist einfach gehalten und wird von einer aus Blattwerk aufsteigenden hostienför-
migen Kartusche mit den Initialen Christi bekrönt. Der Schrein veranschaulicht in
kulissenartiger Räumlichkeit die Einsetzung des „,Allerheiligsten Altarsakramentes"
(Wasserfarbenmalerei auf Karton).
Darüber erscheint in einem renaissanceartig gerahmten Schrein die Halbfigur der Ma-
donna mit dem vor ihr liegenden nackten Jesukind. Diese Arbeit wurde als Wachsrelief
gestaltet und bemalt. Der oberste Schrein mit seiner barockisierenden Rahmung beinhal-
tet die kostbar bekleidete Gestalt eines wächsernen Jesukindes mit dem Kreuz in der
Linken.
Diese drei Schreine werden auf jeder Seite von einer Heiligendarstellung begleitet. Sie
sind in aufwendige Posamentierarbeiten eingefügt und besitzen rokokoartige Rahmun-
gen. Zudem ziert reicher alter Papierblumenschmuck in vergoldeten Behältnissen den
Altaraufbau.
Fassadenschmuck
Viller Dorfstraße 21,,,Sineler❝
An diesem weiterentwickelten Mittertennhof befindet sich neben dem dreiseitigen Erker
im Obergeschoß eine kleine rundbogige Nische. Diese enthält eine Holztafel mit der
Darstellung der „,Heiligen Familie" in sehr verblaßter Ölmalerei. Maria und Josef mit
dem Christkind in ihrer Mitte wandeln in einer durch Palmen angedeuteten Landschaft.
Die Tafel dürfte noch dem späten 18. Jahrhundert angehören.
Viller Dorfstraße 23,,,Lienhard"
Über der Haustür dieses Mittertennhofes befindet sich die Freskodarstellung eines etwa
lebensgroßen Engels in cremefarbenem Gewand und blauem Umhang. In der Hand hält
er eine Weizenähre. Eigenartig muten die portraithaften Züge der Gestalt an. Nach
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Hornbach39 soll die Darstellung das Portrait der Hofschauspielerin Geßner wiederge-
ben, das von ihrem Bruder, dem Maler August Geßner verfertigt wurde (Entstehungszeit
Ende 19. Jahrhundert). Das angeblich schon 1907 stark verblaẞte Fresko wurde zweimal
überarbeitet, zuletzt 1974 vom Maler Josef Prantl.
Handlhofweg 2,,,Reiterhof"
Das Gebäude erhielt um 1908 auf der Giebelseite einen Verandavorbau. Die zur Straße
gerichtete Traufseite besitzt eine rundbogige Türfassung aus Höttinger Breccie mit einem
schönen alten Tor. Im Obergeschoß schräg darüber findet sich ein Fresko mit der
Darstellung des ,,Mariahilf-Gnadenbildes in ockergoldenem Rahmen, das vom öster-
reichischen Erzherzogshut bekrönt wird. Dieses Gnadenbild wird von zwei Engeln auf
einer Wolkenbank getragen, über demselben bildet ein kleineres Wolkenband mit drei
Puttenköpfen den Abschluß. Das Beiwerk der Engel, Putten und Wolken in neubarok-
ken Formen könnte auf Rafael Thaler als Urheber dieser Komposition schließen lassen.
Dieser Künstler begegnet im 1. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mehrfach auf Viller
Gebiet, dennoch kann angenommen werden, daß schon früher eine Madonnendarstel-
lung vorhanden war. 1949 wurde das Gemälde vom Sohn des Künstlers, E. Thaler,
renoviert.
Grillhofweg 16,,,Haus St. Christoph"
(Provinzialat der Schwestern vom „,Guten Hirten")
Die nach Süden gerichtete Fassade verfügt über ein monumentales, etwa 4 m hohes
Christophorus-Sgraffitto. Es wurde 1956 von Sr. Roswitha (Hildegard) Oberlechner
geschaffen. Die Künstlerin stammt aus einer Lienzer Bildhauerfamilie und erhielt ihre
Ausbildung vorwiegend in Innsbruck. Die aus tief-braunroten Konturen und grauen
Binnenfeldern aufgebaute Gestalt des hl. Christophorus kennzeichnet eine Dynamik, die
von den bewegten Fluten auf den schwungvoll ausschreitenden Riesen übergreift und
auch nicht im Antlitz desselben zur Ruhe kommt, in welchem sich staunende Verwunde-
rung über die drückende Last dieses Kindes auf seiner Schulter spiegelt.
Viller Dorfstraße 44
Das Einfamilienhaus trägt die flächig aufgefaßte Darstellung eines ,,Kornschitters", die
Halbfigur eines Bauern, der eine Korngarbe im Arm hält. Das kleine Fresko wirkt durch
seine kräftigen, vorwiegend blau und gelb gehaltenen Farben, die zu den gedämpfteren
39 L. Hornbach, Malerischer Hausschmuck in Tiroler Dörfern II. In: Forschungen und Mitteilungen zur
Geschichte Tirols und Vorarlbergs, 1907, S. 177.
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Rotbraun- und Grün-Tönen kontrastieren. Das Fresko wurde 1961 von Mia Arch
geschaffen.
Neuzeitliche Fensterumrahmungen in Schablonenmalerei befinden sich außer am Haus
Handlhofweg 2 noch am Haus Viller Dorfstraße 4 und am Haus Igler Straße 19.
Während die Fassade des Gasthofes Turmbichl, Lilly-von-Sauter-Weg 4, mit Jagdmoti-
ven geschmückt ist, verfügt der Gasthof Traube, Viller Dorfstraße 2, wie der Reinerhof,
Grillhofweg 6, über neobarocke Fensterumrahmungen; letzterer besitz darüber hinaus
noch die Lüftlmalerei eines „pflügenden Bauern" von Rudolf Winkler aus Sistrans.
Zum Gemeindegebiet von Vill zählen noch zwei Sommerfrisch-Häuser, die zu Beginn des
20. Jahrhunderts von Innsbrucker Bürgern errichtet wurden und die beide durch den
bereits erwähnten Künstler Rafael Thaler ihren Freskenschmuck erhielten:
Grillhofweg 38,,,Villa Pirchl"
Neben dem alten Fischerhäusl, dem heutigen,,Hauserlhof wurde um 1900 ein Sommer-
frischhaus errichtet. Dabei handelt es sich um ein zweigeschossiges, annähernd quadrati-
sches Gebäude mit Krüppelwalmdach. An der Südseite erhebt sich über einer im Erdge-
schoß gelegenen, flachbogig geöffneten Laube ein Verandavorbau bis zum vorgezogenen
Dach. Das Hauptgeschoß besitzt an der Südostseite einen über Eck gestellten Erker, der
aus zwei Konsolen aufsteigt und in zwei schindelgedeckten Steildächern ausklingt. Das
oberste Geschoß verfügt zudem über Balkone an der Ost- und Westseite.
Die Villa zeigt reichen Freskenschmuck von Rafael Thaler. Allerdings wurde bei der
Renovierung 1992 auf die das Gebäude harmonisch zusammenbindende Eckquaderbe-
malung verzichtet, und einheitlich mit,,Schönbrunnergelb“ übertüncht.
Die malerische Ausschmückung beschränkt sich auf der Westseite auf die Darstellung
des,,Tiroler Adlers".
Die südseitig gelegene Laube enthält ein besonders Kinder ansprechendes Fresko: An
einem von einem Zaun abgegrenzten, mit einem rotblühenden Strauch bestandenen
Wiesenstück trifft sich der Osterhase mit einem Fröschlein.
Die frei sichtbare Ostseite weist die romantisierende Hauptdarstellung auf:
Es handelt sich dabei um eine großformatige Jagdszene in freier Landschaft, welche
rechts unten ein Täfelchen mit der Künstlersignatur,,Thaler Rafael 1901" trägt. Sie wird
noch von kleineren Gemälden begleitet; links erscheinen Jagdtrophäen, rechts ein ins
Horn stoßender Jäger, darüber finden sich der österreichische Binden- und der Tiroler
Adler-Schild; den Erker schmücken Blumenstücke. Inmitten einer baumbestandenen
Landschaft erscheint groß ein Jäger in renaissanceartiger Tracht mit Lanze und einem
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Jagdhund an der Leine. Links dieser Hauptfigur liegt der erlegte Hirsch, während aus
dem Dickicht rechts eine blaugewandete Reiterin auf einem Schimmel auftaucht.
Die Familientradition weiß zu berichten, daß das im Hintergrund sichtbare Schloß auf
Ambras hindeuten soll. Mit dem Paar, das sich der Jagd hingibt, sollen Erzherzog
Ferdinand II. und seine Gemahlin Philippine Welser gemeint sein.
Poltenweg 71,,,Poltenhütte"
Das bäuerliche Anwesen, von dem bekannt ist, daß es bereits im 16. Jahrhundert als
,,Vogelhütte" in Verwendung war, wurde 1905 umgebaut, um seinen Eigentümern als
,,Sommerfrische" zu dienen. Damals erhielt es einen zusätzlichen zweiten Stock mit
Fachwerkdekor und auf der Westseite einen durchgehenden Verandavorbau im ersten
Obergeschoß, welcher den darüberliegenden Balkon abstützt. Der malerische Schmuck
umfaßt ein Christophorusfresko auf der Nordseite, das die Künstlersignatur,,Thaler
Rafael 1911" enthält, sowie dekoratives Zierat: Eckquaderungen in Caput-mortuum-
Tönen, Fensterumrahmungen in barockisierend geschwungener Form, über dem von
einem doppelten Wellenband begleiteten, mit ornamentalen Blüten, Kränzen, einem
springenden Hirsch und der Angabe der Erbauungszeit 1905 (auf der Südseite) versehe-
nen Fachwerk des zweiten Obergeschosses noch blumengeschmückte Vasen. Die Polten-
hütte wurde 1990 vorbildlich restauriert.
Der in Vill mehrfach als Maler in Erscheinung tretende Rafael Thaler (1870-1947)40
entstammte einem Bauerngeschlecht aus Gries am Brenner, war zunächst Schüler von
Alois Siber in Hall und erhielt seine weitere Ausbildung zum Freskanten an der Akade-
mie von Venedig. Seine Arbeiten kennzeichnen vor allem eine ausgezeichnete Beherr-
schung der Freskotechnik, was den witterungsgefährdeten Fassadenmalereien zugute-
kommt. Sein Stil entspricht einem Neubarock mit nazarenischen Anklängen. Rafael
Thaler hinterließ ein reiches Freskowerk, vor allem in Nord- und Südtirol, er arbeitete
aber auch als Restaurator, besonders in Schlössern.
Bei der Darstellung der Kunst und Geschichte von Vill sollte nicht die Verbundenheit
der Malerin Mia Arch (1895-1986) mit diesem Ort vergessen werden. Sie war es, die
durch die Wahl ihres Wohnsitzes auf dem Bühel Kreit die frühgeschichtlichen Grabun-
gen ins Rollen brachte. Zugleich erhielt der Ort durch das mit dem hügeligen Gelände
40 Nachruf auf Rafael Thaler. in: Tiroler Heimatblätter 22 (1947), S. 86f.
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im Einklang stehende, 1940 vom Architekten Willi Stigler für die Malerin errichtete
Atelierhaus ein wichtiges Beispiel der „,Neuen Sachlichkeit" in Tirol.
Mia Arch stammte aus einer Künstlerfamilie. Nach dem Besuch der Innsbrucker Mal-
schule Toni Kirchmayrs studierte sie in München und Paris. Anregungen erhielt sie
durch ausgedehnte Reisen, aber auch durch die Mitgliedschaft bei der Tiroler Künstler-
vereinigung,,Waage".
Ihr Schaffensbereich umfaßt Fresken, graphische Gestaltungen von Bucheinbänden,
Teppichentwürfe, vor allem aber Ölbilder. Eine umfassende Aufarbeitung ihres Werkes
bleibt der Zukunft vorbehalten.
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Geschichte der Seelsorge in Vill
Von Barbara Kern-Flora
Am 10. September 1992 jährt sich zum 200. Mal der Tag, an dem die Kirche in Vill neu
geweiht wurde. Anlaß dafür war eine grundlegende Renovierung, durch die die Kirche
im Großen und Ganzen ihr heutiges Aussehen erhielt. Doch bereits damals konnte man
in Vill auf eine lange Geschichte der Seelsorge zurückblicken, die seit je her mit dem
Kloster Wilten verbunden war. Die früheste Erwähnung einer Kirche in Vill erhalten wir
aus einer Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1397. Auf das damals gotische Bauwerk
weisen heute noch einige Bauteile der Kirche hin.
Ungefähr seit dem Jahre 1259, als die Chorherren des Prämonstratenserstiftes Wilten die
Führung und Verwaltung der Großpfarre Patsch, zu der damals neben dem Dorf Patsch
Ellbögen-St. Peter, Sistrans, Lans, Igls und Vill gehörten, übernommen hatten, wurde
die Seelsorgsarbeit vom Stift Wilten aus besorgt. Obzwar die Kuratie Vill dem jeweiligen
Pfarrer von Patsch unterstand, wohnte der Kurat von Vill nicht im Patscher Widum,
sondern im Kloster und kam von dort ins Mittelgebirge hinauf, um die Messen zu lesen
und sonstige Seelsorgsarbeit zu erledigen.²
Die Sonntagsmessen wurden anscheinend abwechselnd in Vill oder Igls gelesen.³ Im
Jahre 1407 wurde für Vill eine ewige Wochenmesse gestiftet. Zu dieser Zeit war die
Kirche den beiden damaligen Diözesanheiligen Ingenuin und Albuin und dem hl.
Martin, Bischof von Tours, geweiht.+
1695 vereinbarten die Gemeinde Vill und das Stift Wilten, daß wöchentlich an einem
anfallenden Feiertag oder jeweils am Donnerstag eine Messe gelesen werde. Dafür
sollten dem Stift Wilten jährlich 110 fl aus dem Kirchenvermögen bezahlt werden. Um
diese Summe zu sichern, steuerten die Viller 500 fl zum Kirchenvermögen bei, und die
Gemeinde verpflichtete sich, im Notfall das Defizit der Kirchenausgaben zu decken.5 Im
1 Abteiarchiv Wilten (= AAW), Lade 26, lit. A, Nr. 1e; Franz-Heinz Hye, Igls und Vill - Ein Beitrag zur
Geschichte der Stadtteile Innsbrucks. In: Das Fenster 1973, Heft 13, S. 1317-1329.
2 Stiftsarchiv Wilten (StAW), Pfarrarchiv Patsch, Hausbuch 1. Teil, S. 481ff; Pfarrarchiv Igls-Vill, Hans-
Hermann Lentze, Geschichte der Seelsorge Vill, o.O., o.J. (Maschinschrift).
3 AAW, Lade 26, lit. A, Nr. 1e; Hannelore Steixner, Die Wiltener Pfarreien in Vergangenheit und Gegen-
wart. In: 850 Jahre Prämonstratenser-Chorherrenstift Wilten, Innsbruck 1988, S. 304f.
4 StAW, Lade 47, lit. B; Hye, a.a.O.
5 AAW, Lade 26, lit. A, Nr. le..
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selben Jahr war auch von der Regierung ein Grundstück in Vill für den Unterhalt des
Mesners zur Verfügung gestellt worden.6
Im Jahr 1735 erhielt die Gemeinde Vill die Erlaubnis, in ihrer Kirche einen Kreuzweg zu
errichten. In der Zeit der immer häufiger werdenden Kreuzwegandachten und auch auf
Grund der Tatsache, daß die Igler Kirche schon seit zwei Jahren mit einem Kreuzweg
ausgestattet war, suchten die Gläubigen in Vill extra darum an.
Wie schon erwähnt, erhielt die Kirche nach einem umfassenden Umbau ihr heutiges
Aussehen ein Vorgang, der mit einer feierlichen Neu-Einweihung abgeschlossen wurde.
So wurde die Kirche am 10. September 1792 dem hl. Martin geweiht. Der Kirchtag
wurde auf den 10. Oktober festgesetzt.
Während der Jahre der bayerischen Herrschaft über Tirol, in denen auch das Stift Wilten
unter bayerische Administration gestellt war, wurden Vill und Igls im Jahre 1807 zu einer
Seelsorgsgemeinde unter einem Kuraten, dem ein Kooperator beigestellt wurde, verei-
nigt. Um die beiden Seelsorger am Ort beherbergen zu können, erbauten die beiden
Dörfer in den Jahren 1812/13 auf eigene Kosten das Widum in Igls. Die Mittel dafür
wurden zum Teil aus Spendengeldern und zum Teil aus zweckgebundenen Zahlungen
der Hausbesitzer aufgetrieben. Das Gebäude des Pfarrhauses bot auch Platz für den
Unterricht einer Schulklasse - den Erinnerungen alter Igler Einwohner zufolge bis in das
20. Jahrhundert herein. Wenige Jahre - bis 1816 - wohnten zwei Wiltener Seelsorger in
Igls. Mit der Aufhebung der bayerischen Administration wurden verschiedene Verände-
rungen, die während dieser Zeit entstanden waren, wieder rückgängig gemacht. Der
jeweilige Kooperator oder Primissarius kam nun wieder,,excurrendo" aus dem Stift.
Im Jahr 1891 wurde die Kuratie zur Pfarre Igls-Vill erhoben. In dieser Epoche entstan-
den in den beiden Dörfern christlich-katholische Vereinigungen. 1854 wurden die Chri-
stenlehrbruderschaft und die Bruderschaft vom Heiligen Herzen Mariä gegründet.10
Aber auch Wallfahrten und Prozessionen stellten einen wichtigen Teil des religiösen
Lebens dar. Hier ist besonders die Kirche in Heiligwasser zu nennen, die seit dem 17.
Jahrhundert Ziel zahlreicher Bittgänge der Viller und anderer umliegender Gemeinden
war, um gutes Wetter, gute Ernten etc. zu erflehen oder zu Maria Schnee das Patrozini-
6 StAW, Lade 47, lit F.
7 Ebenda, lit. K.
8 Ebenda, lit. R.
9 AAW, Lade 26, lit. A, Nr. 1e; Pfarrarchiv Igls-Vill, Pfarrgeschichte 1947-1968; Steixner, a.a.O.
10 Ebenda, lit. B, Nr. 8a.
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um zu feiern." Heute findet die jährliche Prozession der Igler und Viller zu dem
Wallfahrtskirchlein am 1. Mai statt. Auch am Palmsonntag und zu Fronleichnam
fanden in Igls und Vill Prozessionen statt, eine Tradition, die auch heute noch gepflegt
wird.12
Während sich Igls seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Kurort entwickelte und den
Fremdenverkehr anzog, blieb in Vill der bäuerliche Charakter des Dorfes erhalten. Dies
wurde auch durch den starken Zuzug der Städter, die sich hier Zweit- und Hauptwohn-
sitze bauten, kaum verändert. Innerhalb der katholischen Gemeinschaft fanden sich
Interessensgruppen zusammen - so werden z.B. für das Jahr 1956 in der Pfarre Igls-Vill
eine Buben- und eine Mädchengruppe, eine Männer- und eine Frauenrunde verzeich-
net. 13 In den Fünfzigerjahren enstand auch der Brauch der Bergweihnacht - der Christ-
kindlumzug der Viller und Igler, der zur festen Tradition werden sollte. Das Ereignis
zieht jährlich auch viele Bewohner der umliegenden Gemeinden an.14
Mit dem Bau des Pfarrheimes in Igls, das 1990 eingeweiht wurde, wurde ein zentraler Ort
zur Kommunikation innerhalb der Pfarrgemeinde Igls und Vill geschaffen. Dort trifft
sich heute die Pfarrjugend zu verschiedenen Feiern, Jungschargruppen-Heimstunden
oder zur Kindermeẞvorbereitung. Für die Erwachsenen bieten die Räume Gelegenheit
zum Besuch von Vorträgen, Gebetskreisen und Seniorennachmittagen, sowie zur Vorbe-
reitung von Messen oder zur Abhaltung von Chorproben.
Die nachfolgende Liste gibt die lange Reihe von Geistlichen wieder, die sich jeweils kurze
oder längere Zeit hindurch um die Seelsorge kümmerten.15 Sie entstammten - wie die
meisten Chorherren des Stiftes Wilten - hauptsächlich dem Großraum Alttirols. Unter
ihnen finden sich drei Männer, die sich durch ihre außerordentliche Persönlichkeit und
durch besondere intellektuelle Qualitäten aus der Reihe ihrer Mitbrüder herausstellen.
Sie haben der Seelsorge durch die Betreuung der Menschen, durch die Gestaltung der
Meẞfeiern und durch ihren geistigen Einfluß sicherlich eine eigene Prägung verliehen.
11 StAW, Verkündbuch der Pfarre Igls-Vill 1912-1934; Ebenda, Adalbert Tschaveller, Continuatio annotia-
tionum chronicarum Wilthinensium sub glorioso regimine reverendissimi perillustris ac amplissimi domini,
domini praesulis Martini, 1718-1749, S. 1216, 1218 und 1270.
12 Verkündbuch der Pfarre Igls-Vill 1912-1934.
13 Schematismus des Welt- und Ordensklerus der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch 1956,
S. 63.
14 Pfarrarchiv Igls-Vill, Chronik.
15 Diese Liste erhebt bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da die
Quellen teilweise unvollständig sind oder sich als widersprüchlich erweisen.
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Norbert Puẞjäger wurde 1689 als Sohn des Malers Mathias Puẞjäger in Meran geboren.
Er studierte Philosophie und Theologie an der Universität Innsbruck und trat dann in
das Kloster Wilten ein. Er übte dort zahlreiche Tätigkeiten aus, vor allem in der
Seelsorge der umliegenden Gemeinden - so von 1731-1733 in Vill. 1747 wurde er zum
Abt seines Klosters gewählt. Als solcher ließ er die Wiltener Pfarrkirche neu im Rokoko-
stil aufbauen. Er wurde Rektor der Universität Innsbruck. Im Jahre 1765 starb er.16
Heinrich Schuler wurde 1868 in Latsch in Südtirol geboren und trat mit 18 Jahren in das
Kloster Wilten ein. Er war viele Jahre als Seelsorger tätig - ab 1914 in der Pfarre Igls-Vill,
von wo er 1922 in das Stift zurückkehrte, um die Abtwürde zu übernehmen. In dieser
Funktion leitete er das Schicksal seiner Chorherren auch in der schweren Zeit der
Beschlagnahmung des Klosters durch die Nationalsozialisten. Die Konventualen muß-
ten in die verschiedenen Pfarrhöfe umziehen. Seit 1946 leitete Schuler dann den Wieder-
aufbau des schwer beschädigten Klosters.
Daneben verwendete er seine Freizeit für wissenschaftliche Studien - geschichtliche und
kunstgeschichtliche Aspekte seines Klosters betreffend. Er verfaßte Schriften über die
Stiftskirche, die Kunstsammlung, Wallfahrtsorte, Gebetsverbrüderungen, das St. Bar-
tholomäuskirchlein und die Geschichte Wiltens zur Zeit der Römer. Auch den prähisto-
rischen Funden widmete er großes Interesse. Er war Ehrenmitglied der Universität und
trug den Ehrenring der Stadt Innsbruck. Innerhalb des Verbandes der Prämonstratenser
wirkte er als Generalvikar der österreichischen Zirkarie. Er starb 194917.
Hubert Szántó wurde 1925 in Kaptalanavis com. Sopron in Ungarn geboren und trat mit
18 Jahren in das Prämonstratenserkloster Csorna (Diözese Györ) in Ungarn ein. Seit
1959 wirkte er in den USA als Professor der Mater-Dei-Highschool der Norberteni
Fathers in Sta. Anna/Kalifornien.18 Vor dieser Zeit verbrachte er einen Lebensabschnitt
im Kloster Wilten. 1949 und eventuell auch noch 1950 versah er das Amt eines Koopera-
tors in der Pfarre Igls-Vill. Während seiner Jahre in Wilten studierte er Geschichte an der
Universität Innsbruck. Mit seiner Dissertation über das Leben im Stift Wilten vom
Spätmittelalter bis zur Barockzeit, die 1954 erschien, schuf er einen grundlegenden
16 StAW, Lade 11, lit. M; Anton Haidacher, Studium und Wissenschaften im Stifte Wilten in Mittelalter und
Neuzeit. In: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 38 (1958), S. 91; Hubert Szántó, Das Leben
im Stift Wilten vom Spätmittelalter bis zur Barockzeit. Phil. Diss., Innsbruck 1954, Teil 1, S. 309-353.
17 Hans-Hermann Lentze, In memoriam Abt Heinrich Schuler von Wilten. In: Analecta Prämonstratensia,
Bd. 26, 1950, S. 71-74; Fritz Steinegger, Nachruf für Abt Heinrich Schuler. In Tiroler Tageszeitung 1949,
Nr. 241.
18 Catalogus sacri candidi et canonici Ordinis Prämonstratensis pro anno 1959, S. 225.
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Beitrag zur Erforschung der Klostergeschichte. In einem Aufsatz beschäftigt er sich mit
den Reformversuchen des Klosters nach dem Konzil von Trient.
Hans-Hermann Lentze wurde 1909 in Lauban in Schlesien als Sohn eines Protestanten
geboren. Er studierte in Deutschland Rechtswissenschaften. 1933 kam er nach Wien und
trat 1934 zum katholischen Glauben über. Bald darauf zog es ihn nach Innsbruck, wo
er Theologie studierte und 1939 bei den Prämonstratensern in Wilten eintrat. Er versah
seit 1945 in verschiedenen Pfarreien seinen Dienst als Landkooperator, 1950 und 1951
in Igls-Vill. Er habilitierte sich an der juridischen Fakultät und wurde außerordentlicher
Professor. 1954 nahm er die deutschrechtliche Lehrkanzel an der Universität Wien an.
Hans-Hermann Lentze förderte in jeder Hinsicht die Erforschung der Geschichte des
Stiftes Wilten und beschäftigte sich besonders mit der Rechtshistorie des Klosters. Von
seinen zahlreichen Veröffentlichungen seien hier nur jene genannt, die unseren Heimat-
ort betreffen, wie,,Die St. Jakobs-Kirche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichte“
und die ,,Studia Wiltinensia". Er starb 1970 in Wien. 19
Die Seelsorger von Vill20
1720 1722
Felix Tanner
1722 1723
Paul Schranzhofer
1725
1727
1726 1729
Gereon Schlechl
Augustin Egger
Marian Spaur (zugleich in Igls)
19 Nikolaus Grass, Hans-Hermann Lentze Ord. Praem. In: Archiv für katholisches Kirchenrecht Bd. 39, Jg.
1970, S. 131-135; Fritz Steinegger, Hans-Hermann Lentze. In: Analecta Prämonstratensia.
20 Pfarrarchiv Igls-Vill, Tauf-, Trau- und Sterbebücher 1690-1810; StAW, Leopold Kalchschmidt, Continua-
tio chronicae Wilthinensis, 1719-1747; ebenda, Petrus Schluderpacher, Verzaichnis unterschidlicher Bege-
benheiten, welche hin- und wider vorgefallen, 1725-1735; ebenda, Adalbert Tschaveller, siehe Anm. 11;
ebenda, Renovatio Votorum, 1784-1919; ebenda, Catalogus Canonicorum Regularium Sacri ac Canonici
Ordinis Prämonstratensis in Canonia Wiltinensi; Catalogus Personarum Ecclesiasticarum Diocesis Brixi-
nensis; Schematismus des Welt- und Ordensklerus der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch;
Schematismus des Welt- und Ordensklerus der Diözese Innsbruck.
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1735 1736
1736-1740
1729 1730
1730
1731 1733
1731
1733 1735
Marcellin Stickler
Joachim Schanazar
Norbert Puẞjäger
Joseph Kremer
Paul Schranzhofer
Franz Holler
1740
Laurentius Woller
1740
1743
Bernard Recordin
1743
1753
Marquard Stocker
1753
Claudius Aniser
1754
Gereon Steixner
1755-1757
Gilbert Bläsl
1758 1759
Aloysius Payr
1759
1763
Gregorius Rüdl
1763
1764/66
Franz Xaver Egloff
1766
Sebastian Suitner
1766 1767/68 Fridericus Lotter
1768
Petrus Lener
1769
Dominicus Schnell
1771 1772
Adalbert Lizzi
1773 1774
1774 1775
1776 1777
1777 1778
1779-1780
1780-1781
1782 1784
1784 1787
Ludolph Steger
Godefridus Grassmayr
Bartholomäus Nidergatscher
Leopold Waid
Stephan Knipfelberger
Martin Perger
Ludolph Steger (wahrscheinlich)
Ludolph Steger
Stephan Knipfelberger
Clemens Lenauer
Fridericus Jauffentaler
Augustinus Stöckl
1787 1789
1789-1790
1791 1792
1792
1793
1793
1795 1798
um 1798
um 1806
Henricus Schaffter
um 1808
Xaver Steixner
Andreas Suitner
Stephan Knipfelberger
Norbert Würstl
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172
um 1809
1810 1813
1816 1817
um 1818
1820 1829
1830
1831 1834
1834-1839
1839-1842
1842 1851
1851-1854
1854-1873
1873-1877
1878 1881
1881
1882
1882
1887
1887-1894
1894 1896
1896-1900
1900 1907
1907 1914
1914-1922
1922 1926
1926-1927
1927-1940
1940 1947/48
1948-1951
1957
1951
1957-1958
1958 1960
1960 - 1961
1961 1983
1983-1988
1988 - 1992
seit 1992
Gilbert Pernloher
Xaver Steixner
Martin Wallfahrter
Joseph Flory
Jacob Mallknecht
Stephan Prantner
Ignaz Gassler
Christian Strähl
Ignaz Gassler
Anton Perktold
Philipp Pfeiffer
Bernhard Pinzger
Martin Hauptmann
Vinzenz Schindl
Philipp Matzgeller
Dominikus Dietrich
Ignaz Praxmarer
Andreas Flunger
Franz Lindentaler
Gottfried Konrath
Ludwig Kropf
Heinrich Schuler
Peter v. Perckhammer
Norbert Haas
Pius Fortmann
Heinrich Pregenzer (zusammen mit
Pius Fortmann als Pfarrer im Ruhestand)
Adrian Höck
Ludwig Tanzer
Leo Hafner
Siard Eberl
Ewald Karl Pühringer
Philipp Joseph Schönweiler
Augustin Bruch
Klemens Halder
Magnus Roth
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Die Pfarre Vill in unserer Zeit
Von Klemens Halder O.Praem. *
Ich möchte nicht gleich mit meinen eigenen Darlegungen beginnen. Mich beeindruckt
immer wieder die Predigt, die der hl. Bischof Augustinus zur Weihe einer Kirche gehalten
hat. Einen Abschnitt daraus möchte ich hier voranstellen. Er kann gleichsam einen tiefen
Hintergrund abgeben für das, was für die Pfarre Vill in unserer Zeit wichtig ist.
,,Wir sind hier versammelt, um ein Haus des Gebets feierlich zu weihen. Dies hier ist also
ein Haus für unser Beten; Haus Gottes dagegen sind wir selbst. Wenn wir selbst Haus
Gottes sind, werden wir in dieser Welt aufgebaut, um am Ende der Zeiten geweiht zu
werden. Das Bauwerk, vor allem das Bauen, bringt Mühsal, die Weihe Jubel.
Was hier geschah, als diese Mauern erstanden, ereignet sich nun, da die Christusgläubi-
gen sich versammeln. Im Glauben werden sozusagen in den Wäldern die Hölzer gefällt
und in den Bergen die Steine gebrochen. Werden aber die Glaubenden unterrichtet,
getauft und herangebildet, ist es, als würden sie von den Händen der Zimmerleute und
Steinmetzen behauen, gerichtet und geglättet.
Aber sie werden nicht zum Haus des Herrn, wenn sie nicht durch die Liebe verbunden
werden. Wenn diese Hölzer und Steine nicht nach einem bestimmten Bauplan miteinan-
der zusammenhingen, wenn sie nicht friedlich ineinandergefügt wären, wenn sie einander
nicht gewissermaßen lieb hätten, niemand würde hier eintreten. Wenn du jedoch siehst,
daẞ in einem Gebäude Hölzer und Steine gut miteinander zusammenhängen, trittst du
unbesorgt ein und fürchtest keinen Einsturz." (Augustinus, Sermo 336)
Christen haben sich zu allen Zeiten um ein würdiges Haus des Gebetes, um eine schöne
Kirche bemüht. So auch die Christen in Vill. Sie haben vor 200 Jahren einen aufwendigen
Umbau der ursprünglich gotischen Kirche vollendet und damit ein reizvolles Rokoko-
kirchlein geschaffen. Wir freuen uns auch in unserer Zeit über dieses schöne Gotteshaus
und wollen das 200-Jahr-Jubiläum der Viller Kirche im Rokoko-Gewand entsprechend
begehen.
Auf dieses Jubiläum hin wurde die Gesamtrenovierung der Kirche, die vor allem von
1962 bis 1973 durchgeführt wurde, zu einem gewissen Abschluß gebracht.
Schon ab 1951 hatte man sich Gedanken über eine Renovierung gemacht. Als Philipp
* Herr Klemens Halder O.Praem., der eigentliche Initiator dieser Festschrift, war bis zum 31. August 1992
Pfarrer von Igls-Vill, wurde jedoch mit Wirkung vom 1. September wieder unmittelbar in das Stift Wilten
berufen, wo er schon früher (1988) als Prior wirkte und sich dort nun laut,,Kirche - Wochenzeitung für die
Diözese Innsbruck" 1992, Nr. 28 (12. VII. 1992),,speziellen Seelsorgsaufgaben" widmen wird.
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Die alljährliche Palmprozession am Palmsonntag zieht stets von Igls hinunter nach Vill.
Fotos: Murauer
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Schönweiler 1961 Pfarrer von Igls-Vill geworden war, begann man bald mit den Arbei-
ten. Als erstes wurde der Turm renoviert, 1967 war die Außenrestaurierung der Kirche
abgeschlossen. Im Jahre 1967 wurde auch das Glockengeläute elektrifiziert. Dann schritt
man an die aufwendige Innenrenovierung, die im wesentlichen im Jahr 1972 durchge-
führt wurde. 1973 wurde die denkmalgeschützte Orgel aus der Zeit um 1840 restauriert.
Pfarrer Philipp Joseph Schönweiler wurde bei allen diesen Arbeiten vom Viller Pfarrkir-
chenrat tatkräftig unterstützt. Ihm gehörten seit 1962 - teils nur für eine gewisse Periode
- Lener Josef sen., Greier Ludwig, Rofner Franz sen., Ganahl Franz, Lener Hans,
Schwemberger Max, Wopfner Rudolf sen. und Grauss Anton an. Lener Josef sen. als
stellvertretender Vorsitzender des Pfarrkirchenrates mußte einen besonderen Einsatz für
die Renovierung erbringen. Ihm und allen anderen Pfarrkirchenratsmitgliedern sei ein
herzliches,,Vergelts Gott" gesagt.
Die vielen Schreiben von Pfarrer Schönweiler spiegeln wider, wie mühsam die Geldauf-
bringung für die umfassende Renovierung war. Subventionen kamen von der Diözese
Innsbruck, von der Stadt Innsbruck, vom Land Tirol, vom Bundesdenkmalamt, von der
Sparkasse Innsbruck, von der Raiffeisenkasse Igls und Umgebung, vom Fremdenver-
kehrsverband Igls-Vill. Im Jahre 1973 wurde auch eine große Spendensammlung bei der
Bevölkerung von Vill durchgeführt, bei der die einzelnen oft ansehnliche Summen gaben.
Allen sei vielmals gedankt.
1991 mußte der Kirchturm wieder renoviert werden. Durch seine schöne, einen früheren
Bestand nachahmende Eckquaderfärbelung und die bemalene Turmuhr ist er zu einer
Bereicherung des Ortsbildes geworden. Im vergangenen Jahr erforderte auch eine um-
fassende Sanierung der Glocken- und Turmuhrenanlage große Geldmittel. Bei der
Deckung der Renovierungskosten halfen uns Stadt, Land, Diözese, Denkmalamt und
Raiffeisenkasse Igls. Ihnen vielen Dank, besonders aber auch den neu dazugekommenen
Pfarrkirchenräten Wopfner Franz und Feichtner Alois. Ing. Alois Feichtner, als stellver-
tretender Vorsitzender des Pfarrkirchenrates seit November 1990, ist in erster Linie mit
den neuerlichen Renovierungsarbeiten befaßt.
Der Kirchenvater Augustinus betont in seiner Predigt zur Weihe einer Kirche, daß wir
Christen selbst Haus Gottes sind. Gott will inmitten der glaubenden und in Liebe
verbundenen Christengemeinschaft wohnen. Deshalb ist es nötig, sich in einem solchen
Jubiläumsjahr vor allem auch Gedanken zu machen über die lebendige Kirche, über die
Erneuerung,,,Renovierung" der Christengemeinschaft in Vill.
Vor 200 Jahren hat die Viller Kirche einen gewaltigen Umbau erfahren. Es wurden
einfach die Außenmauern der Kirche im mittleren Teil abgebrochen und die Kirche in
diesem Teil verbreitert. Der Ort Vill hat gerade in den letzten fünf Jahrzehnten einen
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Fronleichnamsprozession am Weg vom Grillhofweg zur Viller Dorfstraße beim Überqueren der einstigen
Holzbrücke über den Viller Bach, - links vorne der uralte, noch bestehende Dorfbrunnen.
Alte Photographie im Besitz von Karl Schlögl
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gewaltigen Umbau seiner gesellschaftlichen Struktur erfahren. Vor genau 50 Jahren
wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Vill in die Stadt Innsbruck eingemeindet.
1961 zählte Vill 353 Einwohner, 1971 waren es schon 469, bei der Volkszählung 1991 553
Bewohner. Der Schwerpunkt des beruflichen und oft auch des gesellschaftlichen Lebens
liegt bei einem Großteil der Bevölkerung außerhalb von Vill. Es gibt in Vill zwar noch
die ansehnliche Zahl von 9 Vollerwerbs- und 2 Nebenerwerbsbauern. Sonst bestehen
aber in Vill bis auf 2 Gastbetriebe und den Grillhof praktisch keine Arbeitsmöglichkei-
ten. So müssen die meisten Viller zur Berufsarbeit, für den Schulbesuch ab 10 Jahren und
zur Freizeitgestaltung hauptsächlich Innsbruck aufsuchen.
Trotzdem gibt es in Vill noch ein Ortsbewußtsein und eine gewisse ländliche Prägung.
Das wird deutlich bei festlichen Anlässen, wie Fronleichnam und Erntedank, auch beim
jährlichen Feuerwehrball oder bei Aktivitäten der „,Landjugend". Es gibt in Vill auch
noch örtliche Einrichtungen wie eine eigene Feuerwehr, die Agrargemeinschaft, die
Ortsbauerngruppe, den Obstbauverein und ein monatliches Treffen der Frauen, das
durch die Ortsbäuerin organisiert wird. Wichtig für das Viller Ortsleben ist auch der
Grillhof, wo z. B. der Feuerwehrball oder das Adventsingen stattfinden können. Es ist
wertvoll, daß das Leben in Vill noch nicht von solcher Anonymität geprägt ist wie in der
eigentlichen Stadt. Die Bewohner nehmen vielfach noch Anteil am Leben der anderen
Ortsangehörigen. Leider haben die in den letzten 30 Jahren Neuzugezogenen zum Teil
wenig Kontakt mit der Ortsgemeinschaft. Für manche ist Vill eher nur ein Schlafort.
Auch das kirchliche Leben wird bisher vor allem von der ursprünglichen Bevölkerung
getragen.
Ein weiteres Charakteristikum von Vill sind die starken Beziehungen zu Igls. Kirchlich
sind sie mindestens seit 1808 gegeben, als für Igls und Vill zusammen eine selbständige
Kuratie eingerichtet wurde, wobei eben das Widum und somit der Sitz des Pfarrers in
Igls ist. Für viele weltliche Einrichtungen müssen die Viller Igls aufsuchen: für den
Kindergarten- und Volksschulbesuch, für den Arztbesuch und das Einkaufen; auch das
Postamt ist in Igls. Musikkapelle und Schützenkompanie werden von Iglern und Villern
gemeinsam gebildet.
Im kirchlichen Bereich erfolgen Erstkommunion- und Firmvorbereitung gemeinsam,
ebenso Jungschar-, Jugendarbeit und Seniorenbetreuung. Das gemeinsame Pfarrheim
steht in Igls.
Damit die örtlichen Belange nicht zu kurz kommen, gibt es in Vill eine eigene kirchliche
Vermögensverwaltung, den Pfarrkirchenrat und einen eigenen Pfarrgemeinderat zur
Mitarbeit in der Seelsorge.
Der Pfarrgemeinderat hat vor allem seit 1987 eine wertvolle Tätigkeit entfaltet. Er hat
sich wirklich Gedanken gemacht über pfarrliches Leben in unserer Zeit, er hat sich um
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Erntedank-Prozession der Jungbauernschaft in Vill.
LL
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eine lebendige Gottesdienstgestaltung bemüht, auch für Kinder. Er hat sich für das
Gelingen von verschiedenen Aktionen wie Sternsingen und Adventabend eingesetzt. Er
hat die Vertiefung des Glaubens und der christlichen Gemeinschaft durch eine Bibelrun-
de gefördert.
Hier möchte ich danken für den wichtigen Beitrag der 1991 allzu früh tödlich verun-
glückten Frau Dr. Ursula Profanter als Organistin und Pfarrgemeinderatsmitglied.
Bei solchen Jubiläumsüberlegungen darf der Blick in die Zukunft nicht unterbleiben.
Nicht nur im allgemeinen gesellschaftlichen Leben von Vill, sondern auch im kirchlichen
ist in den letzter Jahrzehnten ein gewaltiger Umbruch vor sich gegangen. Wie überall
nimmt nur mehr ein kleinerer Teil der Katholiken am Leben der Pfarre teil. Jeder Christ
ist heutzutage vielfältigen geistigen Einflüssen der Umwelt ausgesetzt. Immer mehr muß
sich der einzelne von einem Traditions- zu einem Überzeugungs-Christentum durchrin-
gen.
Jedes Kirchengebäude ist ein Zeichen dafür, daß sich die Glaubenden versammeln,
zusammenfinden müssen. In unserer pluralistischen Zeit ist das besonders notwendig. Es
muß sich immer mehr eine Kerngemeinde bilden, der Glaube und christliches Leben ein
wirkliches Anliegen sind. Es braucht in unserer Zeit Glaubensvertiefung, gegenseitige
Bestärkung im christlichen Leben, christliche Gemeinschaft. Bloße Teilnahme am Got-
tesdienst und den kirchlichen Feiern sind wohl zu wenig. Es braucht vermehrt den
Aufbau von Bibel- und Familienrunden, von Kinder- und Jugendgruppen, auch das
gemeinsame Beisammensein z.B. bei einer Wallfahrt oder einem Pfarrausflug. Wichtig
sind Bemühungen, um den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben. Die
Aktivitäten der Laien sind in Vill umso nötiger, als der Pfarrer für die beiden Orte Igls
und Vill zuständig ist und sich deshalb nicht in allen Belangen intensiv einsetzen kann.
Abschließend möchte ich an die Worte des hl. Augustinus erinnern, wir Christen würden
nicht zum Haus des Herrn, wenn wir nicht untereinander durch die Liebe verbunden
sind. Wie die Hölzer und Steine in einem Kirchengebäude sollten wir friedlich ineinan-
dergefügt sein, einander lieb haben. Für den Fall, daß es nicht so wäre, betont Augusti-
nus:,,Niemand würde hier eintreten."
Aufgabe für die Christen in unserer Zeit ist nicht nur, sich als Kerngemeinde zu
sammeln, im Glauben lebendige Gemeinde zu sein, sie müssen auch einladende, offene
Gemeinde sein. Vor 200 Jahren wurden die Mauern der Viller Kirche im wörtlichen
Sinne weitgemacht. Heutzutage müssen die Mauern im geistigen Sinne weitgemacht
werden. Es besteht in Vill die Aufgabe, daß die ursprüngliche Bevölkerung auf die
Neuzugezogenen zugeht natürlich auch umgekehrt, daß im kirchlichen Bereich
genügend mit der Pfarre Igls zusammengearbeitet wird, daß traditionell und fortschritt-
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Erntedank-Gottesdienst der Jungbauernschaft in der St. Martinskirche in Vill mit der Erntedankkrone (links)
und dem hochw. Herrn Pfarrer Klemens Halder O.Praem., rechts.
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lich eingestellte Christen Verständnis füreinander aufbringen. So sollen die Menschen
des Ortes Vill auch durch die Kirche einen Raum finden, in dem sie gut leben können,
einen Raum, in dem Beheimatung bei Gott und Geborgenheit in der christlichen Ge-
meinschaft vermittelt werden.
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Das Haus,,St. Christoph" in Vill
Von Provinzoberin Sr. Benedicta Freigaßner
Von der stark frequentierten Durchzugsstraße, die von Innsbruck in Richtung Igls führt,
zweigt der,,Grillhofweg" ab. Entlang dieses Weges, den schmucke bäuerliche Gehöfte
und saftige Wiesen säumen, liegt unmittelbar oberhalb des Rainerhofes das Haus,,St.
Christoph". Ein überlebensgroßer Sgraffito des hl. Christophorus, entworfen und gestal-
tet von Sr. M. Roswitha Oberlechner, einer Schwester vom Guten Hirten, gab diesem
Haus Name und Bestimmung.
Eine Neu-Gründung der Schwestern vom Guten Hirten
,,Der im Evangelium das Landgut (Villa) gekauft, versäumte die Einladung des Herrn.
Hier aber hat der Herr selbst eingeladen, eine Villa zu erwerben und zur Stätte seines
göttlichen Helferwillens zu gestalten“.
Propst Dr. Heinz Huber
Am 8. September 1955 erwarb die Kongregation unserer Frau von der Liebe des Guten
Hirten von Angers, vertreten durch Sr. M. Agnes Wagner, Provinzialoberin der österrei-
chischen Provinz, von Herrn Baumeister Josef Widmann das Haus in Vill Nr. 45. Dieses
Haus war gedacht als Heimstätte für schwangere Frauen und für Mütter mit ihren
Kindern, die in ausweglose Situationen geraten waren.
Die Schwestern vom Guten Hirten reagierten damit auf eine aktuelle Not der damaligen
Zeit. Der Aufruf des Hl. Vaters Pius XII. zum Schutze und zur Rettung des ungeborenen
Lebens, sowie die Anregung von Pater Leppich SJ, der 1955 in Innsbruck weilte, zur
Errichtung eines Heimes für Mutter und Kind, waren letztendlich ausschlaggebend für
diese Neugründung.
Viele namhafte Persönlichkeiten aus Kirche und Politik begrüßten und unterstützten
dieses Werk, allen voran der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Paulus Rusch, sowie
Altlandeshauptmann Ökonomierat Alois Grauß, Landeshauptmann Ökonomierat
Eduard Wallnöfer, Bauernbundobmann Dir. Brugger, Landeshauptmann-Stellvertreter
Dr. Salcher, Herr Dr. Manfred Nayer, und nicht zuletzt Herr Dr. Zierhut, Kinderarzt,
der viele Jahre die Kinder vorbildlich und unentgeltlich betreute. Viele Tiroler und
Tirolerinnen trugen durch ihre Spenden über den Verein,,Rettet das Leben“ finanziell
zur Weiterentwicklung dieser jungen Einrichtung bei.
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Sie war in der Tat für die damalige Zeit eine ganz neue sozialpolitische Errungenschaft.
Die renommierte „Tiroler Tageszeitung" schrieb am Tag der Einweihung der Kapelle
des Hauses am 26.10.1956:,,Tirol verfügt über eine der modernsten Sozialeinrichtun-
gen."
Was war das,,Moderne" an dieser Einrichtung?
Doch wohl der Gedanke, Mütter und ihre Kinder gemeinsam aufzunehmen, damit die
Beziehung Mutter-Kind sich normal entwickeln und wachsen kann. Die Begleitung und
Betreuung dieser Menschen und das Angebot einer Atmosphäre der Ruhe und Gebor-
genheit erwies sich in ihrer momentan ausweglosen Lebenssituation als therapeutische
Hilfe und,,Not-wendigkeit“. Nationalität, Stand und Religion waren für die Aufnah-
men nie von Relevanz.
Als im Feber und März 1956 die ersten drei Schwestern eintrafen, öffneten sich die Tore
des Hauses. Ansehnlich stand er da, der 3-stöckige Bau im Tiroler Stil. In den 15
Zimmern, auf den 3 gedeckten Balkonen und im Garten regte sich bald Leben.
Die ersten Aufnahmen
Die Chronik berichtet:
,,Am Abend des Karfreitags stand eine verhärmte Mutter, ihren 8-jährigen Buben an der
einen Hand, einen Polsterbezug mit der ganzen armseligen Habe in der anderen Hand,
vor unserer Türe und bat um Herberge. Der kleine Josef, so hieß der Bub, bettelte:
,,Wenn ich auch im Keller schlafen muß, nur hier bleiben bei der Mutter." Bald erhielt
Josef ein Schwesterchen namens Maria. So waren die ersten Kinder, die unser Haus
beherbergte,,Josef und Maria".
Innerhalb kürzester Zeit suchten und fanden hier viele Mütter mit ihren Kindern
Herberge im Haus des Guten Hirten. Frohes Kindergeschrei, Lachen und Weinen waren
bald allüberall zu hören. St. Christoph wurde im wahrsten Sinn des Wortes zum,,Haus
des Lebens".
St. Christoph, nicht nur der Patron der Autofahrer?
Weshalb der Name,,St. Christoph" für diese Einrichtung?, wollte ein Journalist der
Tiroler Tageszeitung wissen. Darauf antwortete Mutter M. Agnes Wagner:,,Glauben
Sie doch nicht, daß der hl. Christophorus nur für die Autofahrer da wäre. Eher haben
ihn die Autofahrer für ihre Anliegen vereinnahmt. ER trägt das Kind über das stürmi-
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Das Haus,,St. Christoph", Grillhofweg 16, um 1960. (Bildmitte unten, bereits mit dem Anbau.)
Foto: Alpine Luftbild
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sche Wasser und wir helfen ebenfalls mit, das Kind über die schweren Zeiten in ein
tüchtiges Leben hinüberzuretten."
Mit dem Ausbruch der Revolution in Ungarn im Jahre 1956 kam eine Flüchtlingswelle
auf Österreich zu. Auch schwangere 14 bis 15-jährige Jugendliche, sowie Mütter mit
ihren Kindern waren dabei. Das Haus quoll über. Mit Hilfe des UNO-Hochkommissa-
riates für das Flüchtlingswesen und unter Mitwirkung des Bauordens wurde für diese
aktuelle Notsituation ein Zubau errichtet. Wie gut! So konnte auch diese Not gelindert
werden.
Mit den Flüchtlingen kam auch Sr. M. Hedwig Toth in das gastliche Österreich. Seit
September 1957 wirkt sie in Liebe und mit Hingabe segensvoll, wo immer sie gebraucht
wird.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten betreuten die Schwestern vom Guten Hirten
unzählige Mütter, Kinder und Säuglinge in diesem ,,Haus des Lebens". Voll Freude
erfüllen sie bis heute den Sendungsauftrag ihrer Ordensgemeinschaft,,,Armen die frohe
Botschaft zu verkünden, zu heilen die bedrückten Herzens sind, zu suchen und zu retten,
was verloren war."
Etwa 6.000 Schwestern vom Guten Hirten wirken gegenwärtig in allen Ländern der
Erde. Ihre Gründerin, die hl. M. Eufrasia Pelletier (1796-1868) sagt: „Nur durch Her-
zensgüte könnt ihr Menschen für unseren Herrn gewinnen."
Im Heute Gottes zögern sie nicht, Strukturen zu verändern, sich in den für ihre Tätigkeit
notwendigen Wissensbereichen weiterzubilden, um den Bedürfnissen unserer Zeit besser
begegnen zu können.
1982 wurde nach einer kurzen Umbauphase die Provinzleitung der Österreichischen
Ordensprovinz und die Provinzverwaltung in einem Teil des Hauses untergebracht.
In den Jahren 1990, 1991 überlegten die Schwestern eine Neukonzeption im,,Haus des
Lebens. Die Zielsetzung, Frauen mit ihren Kindern mehr Eigenverantwortlichkeit zu
geben, um sie auf eine selbständige Lebensbewältigung vorzubereiten, war in Vill durch
die räumlichen und örtlichen Gegebenheiten nicht zu verwirklichen. Am 2. Jänner 1992
erfolgte die Übersiedlung der Frauen mit ihren Kindern nach Völs, Bahnhofstraße 4.
Das neue,,Haus des Lebens" konnten die Schwestern vom Erlös durch den Verkauf
eines Ferienhauses erwerben.
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Kinder, Mütter und Schwestern im Hof des St. Christoph-Hauses.
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Das Haus „St. Christoph" wird in Zukunft ein Zentrum der Spiritualität sein, der
Ausbildung der Schwestern, ihrer Weiterbildung und auf Grund der wunderschönen
Lage als Erholungsstätte für Leib und Seele dienen.
Im beständigen Schöpfen aus der Quelle dessen, der das Leben ist, versuchen wir
Schwestern vom Guten Hirten, Gottes barmherzige Liebe - auch weiterhin - in unserer
heutigen Welt sichtbar und erfahrbar zu machen.
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Tiroler Volksbildungsheim Grillhof
Von Direktor Sieghard Matuella
Die Tiroler Tageszeitung vom 19. und vom 20. Oktober 1961 bringt die übliche Mi-
schung verschiedenartigster Nachrichten. Wir lesen dort u.a.:
,,70 cm Neuschnee auf dem Hahnenkamm nach 7 Wochen Altweibersommer". Es gab
offensichtlich noch kein Waldsterben, dafür aber einen Bericht über die ,,Geheimnisse
des Ulmensterbens".
Aus der Weltpolitik erfahren wir, daß,,Nach dem Flugzeugabsturz von Dag Ham-
marskjöld U Thant Generalsekretär der Vereinten Nationen" wird.
Doch auch der übliche Tratsch ist zu finden, wenn es etwa heißt:,,Prinz Philipp, der
bisher in Indien Tiger jagte, vertauscht jetzt das Gewehr mit dem Fernglas und beobach-
tet Vögel" oder,,Stadt Paris gibt Kaiserball für den Schah von Persien; Farah Diba trug
ein goldsilbernes Kleid und Diamanten im Haar".
Aus der österreichischen Politik ist eine bedeutsame Stellungnahme des Staatssekretärs
Dr. Ludwig Steiner zur EWG Assoziierung und über Südtirol unter folgender Über-
schrift zu lesen:,,Teilnahme an einem großen Markt kann nie Neutralitätsverletzung
sein."
Auch andere Überschriften könnten heute nach 31 Jahren noch bestehen: ,,Die Österrei-
cher sparen wieder",,,Gewerkschaft bleibt bei gefährlicher Lohnpolitik",,,FPÖ für
Erneuerung der politischen Moral". Auch eine Nachricht aus Südtirol scheint zeitlos:
,,In den Reihen der SVP herrscht wieder Einigkeit“.
Aus unserem Bundesland wird ausführlich über die bevorstehenden Landtagswahlen
vom 22. Oktober berichtet, bei denen die ÖVP als sicherer Sieger erwartet wird.
..Die Stadt Kufstein beschloß einen Beitrag von S 100.000,- für die Felbertauernstraße"
und,,Chefredakteur Dr. Manfred Nayer wird zur Zahlung von S 1.000,- verurteilt", weil
er die Bundesminister Graf und Dr. Kreisky dem öffentlichen Spott ausgesetzt hat (es
ging damals um die Entsendung österreichischer Truppen in den Kongo).
Eine Überschrift findet natürlich unser ganz spezielles Interesse:
,,Festliche Weihe des Volksbildungsheimes Grillhof**
Das Heim soll Bildung im edelsten Sinn vermitteln
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Der Landeshauptmann über die Sendung dieser vorbildlichen Bildungsstätte
Die gesamte Prominenz des Landes war gestern in Vill versammelt, um der festlichen
Weihe des neuen Tiroler Volksbildungsheimes,,Grillhof beizuwohnen. Vor dem Neu-
bau begrüßte die Musikkapelle Igls-Vill die vielen Ehrengäste mit flotten Märschen.
Bischof DDr. Paulus Rusch nahm die kirchliche Weihe des schmucken Hauses vor und
zelebrierte einen Gemeinschaftsgottesdienst, zu dem ein Theologenchor sang. Beim
Festakt, dem ein Bläserquintett der Lehrerbildungsanstalt den musikalischen Rahmen
gab, hieß für den Bauherrn Hofrat Dipl.-Ing. Weingartner die Gäste willkommen, an
ihrer Spitze den Bischof, den Landeshauptmann Dr. Tschiggfrey mit seinem Stellvertre-
ter Dr. Kunst, den Landtagspräsidenten Komm.-Rat Obermoser, mehrere Mitglieder
der Landesregierung und Bürgermeister DDr. Lugger. Er verwies darauf, daß bei diesem
Bau das bescheidene Maßhalten bestimmend gewesen sei, eine Haltung, die auch künftig
allen Besuchern dieses Bildungsheimes eigen sein möge.
Landeshauptmann Dr. Tschiggfrey verwies darauf, daß er am Hohen-Frauen-Tag des
Jahres 1959 mit der Verkündung der Landesgedächtnisstiftung den festen Willen des
Landes kundgetan habe, der Ausbildung der Jugend besondere Aufmerksamkeit zu
schenken. Mit der Errichtung dieses Volksbildungsheimes habe das Land Tirol gerade
in dieser Hinsicht wieder einen Schritt nach vorwärts getan.
Das Volksbildungsheim,,Grillhof" greife mit seiner Zweckbestimmung über die engere
Schul- und Fachausbildung hinaus. Es soll Bildung im edelsten Sinne vermitteln, somit
über das reine Leistungs- und Fachwissen hinaus den Blick schärfen für die Zusammen-
hänge und den Sinn des irdischen Daseins, für die Aufgaben des Menschen auf dieser
Erde oder mit anderen Worten: es soll dem jungen Menschen helfen, das Weltbild zu
formen.
Eines stehe allerdings fest: Diese Bildung läßt sich nicht so leicht in klingende Münze
umwechseln wie das in einer Werkstätte, im Geschäft oder im Büro verwertbare Wissen.
Aber es sei deshalb nicht weniger notwendig, weil der Mensch sich ein eigenes Urteil über
falsch oder richtig, über gut oder böse in der Politik, in der Wirtschaft, in sozialen Fragen
usw. bilden müsse. Ein in der Mehrheit ungebildetes oder halb gebildetes Volk verfalle
erfahrungsgemäß früher oder später diktatorischen Staatssystemen, es sei nicht reif für
die Demokratie.
Es ergebe sich somit eine einfache Erkenntnis: Ohne allgemeine Volksbildung gibt es
keine echte Demokratie; denn die Mitwirkung des Volkes an politischen und wirtschaft-
lichen Entscheidungen setzt ein gewisses Bildungsniveau und eine gewisse Fähigkeit, die
Zusammenhänge des politischen und wirtschaftlichen Geschehens zu begreifen, zwin-
gend voraus.
Der Landeshauptmann, sprach dann allen, die sich um den,,Grillhof** verdient gemacht
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Das Tiroler Volksbildungsheim Grillhof - Luftaufnahme.
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haben, seinen besonderen Dank aus. Vor allem jenen, die durch die Gewährung von
finanziellen Beiträgen die Verwirklichung dieses Bauvorhabens ermöglichten, insbeson-
dere dem Bischof und dem Unterrichtsminister. Auch dem Jugendrotkreuz dankte der
Landeshauptmann für die Beistellung des ansehnlichen Grundstückes.
Heimleiter Weber dankte allen, die dieses schöne Heim der Jugend gegeben haben. Das
Haus soll fürderhin eine Stätte des offenen Gesprächs, der Begegnung und Verständi-
gung sein. Die Landeshymne beschloß den offiziellen Festakt, dem sich die eingehende
Besichtigung des einfachen, aber geschmackvoll eingerichteten Hauses anschloß. Das
Heim wird nach seiner völligen Fertigstellung 75 Jugendliche im Internatsbetrieb auf-
nehmen können. Es sollen Kurse von vier Wochen Dauer, Seminare, Wochenendtagun-
gen und größere Tagungen durchgeführt werden, die alle dem Ziele dienen sollen, das der
Landeshauptmann in seiner Rede umrissen hat.
Wie ist es zu dieser Idee, zu diesem Haus, dem Tiroler Volksbildungsheim Grillhof
gekommen?
Schon die Vorgeschichte des Grillhofes ist für jeden heimatkundlich Interessierten
überaus spannend.
Landesarchivar Dr. Fritz Steinegger beschreibt sie in einem Artikel der Grillhofschriften
mit dem Titel,,Von der landesfürstlichen Vogelhütte zum Volksbildungsheim Grillhof".
Erlauben Sie mir sozusagen im Eilzugstempo durch die Jahrhunderte zu fahren und diese
Geschichte nachzuerzählen:
Das Gebiet um den Paschberg war bevorzugtes landesfürstliches Jagdgebiet und diente
insbesondere auch der Vogeljagd. 1494 erbaut der landesfürstliche Vogler Sigmund Grill
den Grillhof. Der Name kommt von der Grille oder vom volkstümlichen Ausdruck für
den Schrei des Vogelwildes - Grellen oder Grillen, wie Prof. Finsterwalder meint. Der
Grillhof war also von Anbeginn bis 1738 ärarischer Besitz, dann Besitz des Stiftes
Wilten, mit verschiedenen Pächtern, von denen das Geschlecht der Kössler zu Vill von
1614 bis 1838 am längsten nachweisbar ist.
1840 erfolgt der Verkauf an die Familien Paulmichl und Tschurtschenthaler. Ab 1848 ist
Johann Tschurtschenthaler Alleinbesitzer. Sein Nachfahre Dr. Alfred von Tschur-
tschenthaler stirbt 1931 ohne direkte Nachkommen. Er vermacht den Grillhof in seinem
ersten Testament dem Roten Kreuz, ändert dies aber später und widmet den Grillhof
ohne genauere Angaben für ein Jugendheim,,zur charakterlichen und sittlichen Erzie-
hung der heranwachsenden Jugend".
Nach 1945 (vorher erhob die Hitlerjugend als einzige erlaubte Jugendorganisation An-
sprüche auf den Grillhof) interessierten sich die Apostolische Administratur und die sozia-
listische Partei für das Anwesen. 1947 wird Kammeramtsdirektor Dr. Lechner zum Kura-
tor bestellt. In weiterer Folge bemühen sich der Tiroler Kriegsopferverband um ein
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Während eines Rot-Kreuz-Kurses - Pause im Hof.
Foto: Martin Weber
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Erholungsheim für Kriegswaisen und ab 1952 das Rote Kreuz um die Errichtung eines
internationalen Jugendrotkreuz-Zentrums. Beide Pläne scheitern an der Finanzierung.
Schließlich legt 1958 Ing. Hermann Weber, damals Leiter des bäuerlichen Schulungshei-
mes Reichenau, den Plan eines Bildungshauses vor und im Gedenkjahr 1809 - 1959
erfolgt der einstimmige Beschluß des Tiroler Landtages zur Errichtung des Volksbil-
dungsheimes. Am 19. Oktober erfolgte die Einweihung.
Was ist nun in den 31 Jahren des Bestehens aus dieser Idee und aus diesem Haus
geworden?
Zahlen sind nicht unbedingt kennzeichnend für die Qualität der Bildungsangebote und
der Bildungsarbeit. Sie sollen aber doch den Umfang der geleisteten Arbeit aufzeigen.
Die Zahl der Veranstaltungen betrug im Jahr 1962 106 und stieg kontinuierlich. 1991
waren es 276 und auch für das Jahr 1992 ist mit einer ähnlichen Zahl zu rechnen.
Insgesamt wurden von 1962 bis 1991 4.772 Veranstaltungen durchgeführt.
Auch die Zahl der Teilnehmer ist im selben Umfang gestiegen. Waren es 1962 noch
3.494, so hat sich diese Zahl bis 1991 mehr als verdoppelt und liegt nunmehr bei 7.772
Teilnehmern im Jahr.
Für den Zeitraum von 1962 bis 1991 ergibt dies die stolze Zahl von 159.197 Teilnehmern.
Jährlich angebotene Veranstaltungen sind u.a.:
Volksbildungskurse für junge Erwachsene (Bildungskurse im Blocksystem), Gemeinde-
verwaltungsseminare (Grund- und Aufbaukurse für Gemeindebedienstete), Verwal-
tungsakademie (Seminarreihe für Beamte der Länder Salzburg und Tirol), Musische
Wochen (Chorleiter, Kapellmeister, Instruktoren, Laienspiele, Schulspiel), Begegnungen
zeitgenössischer Künstler (Bildhauer und Maler),,,Grüne Woche" (Seminar für Forst-
warte, Förster und Forstakademiker), Bildungswochen für Bäuerinnen und Landfrauen,
Seminare für Privatzimmervermieter und Fremdenverkehrsverbände, betriebswirt-
schaftliche und betriebskundliche Seminare, Grund- und Aufbaukurse für Angestellte
wirtschaftlicher Unternehmen (Banken und Genossenschaften), Sanitätshelferkurse und
Erste Hilfe Kurse des Österreichischen Roten Kreuzes.
Bevorzugte Zielgruppen für die Veranstaltungen des Volksbildungsheimes sind:
Junge Erwachsene aus allen Bevölkerungsschichten des Bundeslandes Tirol und von
Südtirol, Führungskräfte aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschschaft und
Kunst, Angestellte und Beamte des Landes Tirol und der Tiroler Gemeinden, Funktio-
näre und Bedienstete öffentlich-rechtlicher Körperschaften und Wirtschaftsunterneh-
men, haupt- und nebenberufliche Leiter und Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung und
in der Jugendarbeit, sowie Lehrer und Schulleiter.
Ziel aller Aktivitäten und Bestrebungen des Volksbildungsheimes ist die Erweckung und
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Feldmesse zum 30-Jahr-Jubiläum des Landesvolksbildungsheimes Grillhof 1961-1991, zelebriert von Hochw.
Herrn Magnus Roth O.Praem.
Foto: Martin Weber
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Befähigung der Teilnehmer zu personaler und sozialer Verantwortung in Familie, Beruf,
Gesellschaft und Gemeinde.
Bildung als bewußte geistige Auseinandersetzung mit Lebensproblemen im Hinblick auf
verantwortliches Handeln hat zur Folge, daß Inhalte aller Wissensgebiete und Lebensbe-
reiche abgehandelt bzw. eingeübt werden, soweit sie den persönlichen Bedürfnissen
der Teilnehmer und den sachlichen Forderungen der Veranstalter entsprechen. Diesen
Zielen zufolge liegen die Schwerpunkte der Bildungsangebote in persönlichen, berufli-
chen, gesellschaftlichen und politischen Bereichen.
Zur Durchführung der Veranstaltungen stehen folgende Räume zur Verfügung:
3 Lehrsäle und 1 Clubraum mit audio-visueller Ausstattung,
4 Gesprächsräume, 2 Werkräume, Theatersaal, Bibliothek, Hallenbad und Sportplatz.
Der Unterbringung und der Verpflegung der Kursteilnehmer dienen 26 Einzel- und 18
Doppelbettzimmer, alle mit kleiner Bibliothek, Radio, Telefon, Dusche und WC ausge-
stattet, 1 moderne Küche, Speisesaal und Speisezimmer, sowie ein Buffet.
Besonderes Augenmerk wurde auf die künstlerische Ausstattung des Hauses gerichtet.
Für die Hauskapelle schuf Josef Staud den Altar, eine Marienplastik und die Glasfen-
ster. Die Krippe stammt von Rudolf Millonig.
Das große Mosaik in der Eingangshalle aus dem Jahre 1961 ist ein Werk von Norbert
Strolz.
Das Wandbild im Speisesaal wurde 1988 von Elmar Kopp geschaffen.
In allen Zimmern und in den Gängen hängen Bilder zeitgenössischer Tiroler Künstler.
Eine Galerie am Grillhof" bietet Künstlern der Alpenregion Ausstellungsmöglichkeit
und den Kursteilnehmern die Begegnung mit originalen Kunstwerken.
Wie zeigt sich das Bild des Tiroler Volksbildungsheimes Grillhof nach 31 Jahren?
Hier sei ein profunder und kritischer Freund und Kenner des Grillhofes zitiert, der
Nestor der Deutschen Erwachsenenbildung, Univ.-Prof. DDr. Franz Pöggeler von der
Hochschule für Pädagogik in Trier und Aachen.
Er schreibt im Geleitwort zur Dissertation von Dr. Thomas Weber:
Das Tiroler Volksbildungsheim Grillhof arbeitet bereits im vierten Jahrzehnt und gilt
inzwischen als eine der erfolgreichsten und bekanntesten Heimvolkshochschulen in
Österreich wie auch in Europa, - Grund genug, drei Jahrzehnte kritisch zu bilanzieren
und den Eigengeist dieser Bildungsstätte zu charakterisieren.
Der Grillhof entstand nicht wie manche andere neue Heimvolkshochschule in den ersten
Nachkriegsjahren, sondern wurde erst ab 1960 geplant, also zu einer Zeit, als den
Experten die typischen Mängel und Irrtümer bekannt waren, die stets mit Gründerjah-
ren nach einem politischen Umbruch verbunden sind. Als Planer sorgte Hermann Weber
mit viel Umsicht dafür, daß die gute Tradition österreichischer Heimvolkshochschulen
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GRILLHOF
1961-1991-
muitdenken- mitreden-mitgestaltru-wi
30 Jahre Landesvolksbildungsheim Grillhof - Landeshauptmann Dr. Alois Partl bei der Festansprache.
Foto: Martin Weber
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berücksichtigt, wie auch Anregungen aus dem Ausland (vor allem aus Dänemark, der
Schweiz und Deutschland) in die Grillhof-Konzeption aufgenommen wurden. Aber
auch während der dreißig Jahre, in denen Hermann Weber den Grillhof leitete, orientier-
te er sich kontinuierlich über Entwicklungen und Veränderungen der Heimvolkshoch-
schulen in Europa. Die dabei geknüpften Kontakte stimulierten viele Experten der
Erwachsenenbildung von nah und fern, den Grillhof immer wieder zu besuchen, um dort
zu lernen, wie eine Heimvolkshochschule mit seismographischer Präzision auf den
Wandel in Gesellschaft und Politik, Wirtschaft und Kultur reagieren kann, und zwar
sowohl in Hinsicht auf die Themen als auch die Methoden ihrer Veranstaltungen.
Kurzum: Der Grillhof wird längst als ein Modell für zeitgerechte Volksbildung aner-
kannt und hat sich sein Profil nicht durch modische Trends entstellen lassen. Bei aller
nationalen und internationalen Bedeutung ist das Tiroler Volksbildungsheim dennoch
ein Tiroler Eigengewächs geblieben, zugleich ein Beweisstück dafür, daß es ein überre-
gionales Selbstverständnis von Aufgabe und Struktur einer Heimvolkshochschule gibt.
Da die Teilnahme an der Weiterbildung freiwillig ist, muß sich eine Bildungsstätte wie
der Grillhof immer wieder um Gewinnung einer neuen Klientel bemühen, und das
gelingt nur dann, wenn die Probleme und Erwartungen der Bevölkerungsgruppen, die
man gewinnen möchte, präzise bei der inhaltlichen Planung beachtet werden. Der
Grillhof hat sich seither so exakt an den Problemen der Tiroler Lebenswelt orientiert,
daß von hier aus Impulse zur Innovation ins Land zurückströmen konnten. Auf diese
Weise ist das Tiroler Volksbildungsheim ein wichtiger politischer Faktor im Lande Tirol
geworden, eine Art Denkfabrik für das ganze Land. Geben und Nehmen sind im
Verhältnis Tirols zu seinem staatlichen Volksbildungsheim also wechselseitig.
Die vorliegende Arbeit schafft Verständnis dafür, daß der Grillhof sich stets auf be-
stimmte konkrete Praxisbezüge und damit auch Veranstaltungsformen konzentriert hat
und nie den Ehrgeiz hatte, die Besucherzahlen durch Aufnahme von zu vielen Gastta-
gungen in die Höhe schnellen zu lassen. Die Grillhof-Kurse leisten praktische Lebenshil-
fe und ergänzen dadurch Einrichtungen der allgemeinen wie der beruflichen Bildung.
Die Dissertation von Thomas Weber bietet jedem Interessenten die Chance, sich von
dem, was auf dem Grillhof geschieht, ein klares Bild zu machen. Sodann animiert es zu
einem Vergleich mit ähnlichen Bildungsstätten und beschreibt wichtige Entwicklungs-
tendenzen der Heimvolkshochschulen. Für die politischen und gesellschaftlichen Institu-
tionen, die für die Trägerschaft des Tiroler Volksbildungsheimes verantwortlich sind, ist
die Untersuchung ein sachlicher Leistungsnachweis dafür, daß es sich lohnt, auch in
Zukunft für den Grillhof großzügig zu sorgen.
Dem Lande Tirol gereicht das Tiroler Volksbildungsheim zur Ehre.
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Die Schützenkompanie Igls-Vill
Von Anton Grauss
Obwohl bis zum Jahre 1942 eigene Gemeinden, haben sich zwischen Vill und Igls
wahrscheinlich auf Grund der geringen Einwohnerzahl verschiedene Gemeinschaften
gebildet. So bestand immer schon - vielleicht ganz kurze Perioden ausgenommen - als
Gemeinschaft die Musikkapelle Igls-Vill. Auch wurden die beiden Gemeinden von einem
Pfarrer betreut, obwohl es in Vill und Igls Pfarrkirchen mit eigenem Wirkungskreis gibt.
Auch besteht die Gemeinschaft im Bereich der Volksschule Igls-Vill. Ebenso sind die
Schützen unter der Bezeichnung,,Schützenkompanie Igls-Vill" vereint. Man kann des-
halb nur die Anzahl der Viller und der Igler Schützen getrennt anführen, wobei man zum
Ergebnis kommt, daß die Anzahl der Viller Schützen ungefähr ein Drittel, und die
Anzahl der Igler Schützen zwei Drittel beträgt. Dies deckt sich auch mit der Anzahl der
Bewohner dieser Gebiete. Interessanterweise gibt es aber eine Viller Fahne, welche bei
Ausrückungen in Vill vom Viller Fähnrich, und eine Igler Fahne, die vom Igler Fähnrich
für Igls getragen wird. Auch die Führung (Kommandantschaft) entspricht ungefähr
diesem Verhältnis, wobei man aber doch feststellen kann, daß auch Viller Kameraden
den Hauptmann gestellt haben. So war z. B. der,,Viller" Josef Wopfner über acht Jahre
lang Hauptmann der Schützenkompanie Igls-Vill und sogar drei Jahre lang Bataillons-
kommandant des Bataillons Innsbruck. Der berühmteste Hauptmann unserer Kompa-
nie war Paul Hilber aus Igls, der die Viller und Igler Schützen erfolgreich in die Kämpfe
von 1809 geführt hat. Ihm zu Ehren wurde die Hauptstraße in Igls als ,,Hilberstraße"
bezeichnet. Da Vill und Igls dem Landgericht Sonnenburg - die namengebende Gerichts-
burg erhob sich bei der heutigen Sillbrücke 2 der Brennerautobahn - angehört haben,
hatten die wehrfähigen Männer der beiden ehemaligen Dorfgemeinden ursprünglich mit
dem Aufgebot dieses Landgerichtes auszurücken; die verfassungsmäßige Grundlage
dafür bildete das sogenannte Tiroler Landlibell Kaiser Maximilians I. von 1511. Im
Rahmen des Sonnenburger Aufgebotes kämpften die Viller und Igler auch im Jahre 1797
bei Spinges.
Im ersten Weltkrieg haben Teile der Schützenkompanie Igls-Vill geschlossen an den
Abwehrkämpfen gegen Italien teilgenommen. Der 2. Weltkrieg brachte durch zahlreiche
Einrückungen und Verluste de facto die Auflösung der Kompanie, doch fanden sich
nach Kriegsende wieder Männer, welche ihren neuerlichen Aufbau betrieben: So Schüt-
zenhauptmann Josef Eller, der über 50 Jahre unserer Kompanie angehörte, und sein
,,Schreiber Hannes Hundegger. Diese beiden Männer brachten es zustande, daß bereits
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Musik und Schützen von Vill und Igls bei einer Fronleichnamsprozession um 1900. Die Musik trägt bereits
die rote Wipptaler Tracht.
Alte Photographie von Karl Schlögl
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Die Schützenkompanie Igls-Vill - heute.
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Alte Schießscheiben am Hausgiebel beim Schlaucher (Viller Dorfstraße 11).
Fotos: M. Hye-Weinhart
zur Fronleichnamsprozession 1945 in Vill die Schützenkompanie Igls-Vill als einzige im
Mittelgebirge wieder ausrücken konnte. 1958 verunglückte der,,Eller-Vater", wie er von
seinen Schützen liebevoll genannt wurde. Nach seinem Tode wurde Josef Wopfner zum
Schützenhaupmann gewählt, der diese Funktion bis zum Jahre 1966 inne hatte, und der
auf ein strammes Auftreten besonders Wert legte. Ander Groissmayr, Hauptmann von
1966-1972, war der bescheidene und gütige Hauptmann, der viel Zeit und Geld für seine
Schützen aufbrachte. Er wurde nach seinem Ausscheiden zum Ehrenhauptmann ge-
wählt. Seine Frau war Fahnenpatin der Jungschützen, welche in diesem Zeitraum von
Hannes Hundegger gegründet wurden. Unser,,Hannes" glänzte vor Stolz, als er mit 20
Jungschützen und einer neuen Jungschützenfahne ausrücken konnte. Dann führte Karl
Wieser über 12 Jahre lang die Kompanie an. Er mußte leider aus gesundheitlichen
Gründen zurücktreten. Auch er wurde auf Grund seiner großen Verdienste zum Ehren-
hauptmann gewählt. Er war es, der veranlaßte, daß die so wertvollen Schützenfahnen
(Viller Fahne von 1888 und Igler Fahne von 1894) neu restauriert wurden und daß die
Schützen bei den örtlichen Prozessionen auch beim Gottesdienst in der Kirche anwesend
sind.
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Von den Landsturm-Schützen
welche die Gemeinde Will stellte
fielen in den held enmütigen Kämpfen der Tiroler
für Gott Kaiser und Baterland:
Thomas Farmacher am 2. April 1797;
Johann Leiß am 27. april 1797;
Simion Hilber am 1.November 1809;
R. I. P
Errichtet im Jahre 1914.
Gedenktafel für die in den Tiroler Freiheitskriegen 1796/97 bis 1809 gefallenen Viller Schützen an der St.
Martinskirche in Vill, errichtet 1914.
Foto: M. Hye-Weinhart
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Zu erwähnen sei noch, daß sich im Besitz unserer Kompanie auch eine historische Fahne
(die einzig vorhandene im ganzen Mittelgebirge) befindet.
Anschließend wurde Raimund Schwarz Schützenhauptmann, welcher diese Funktion
noch heute ausübt. Dank seiner Idee und seiner finanziellen Unterstützung wurde die
,,Paul-Hilber-Gedächtnismedaille" geschaffen, welche für besondere Verdienste um die
Schützenkompanie Igls-Vill nur an Viller und Igler Schützen verliehen wird.
Abschließend kann festgestellt werden, daß sich im Schützenwesen so manches geändert
hat. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges haben die Schützen noch immer im Sinne des
Landlibells von 1511 die Verteidigung der Heimat innegehabt. Heute sind wir Hüter
religiöser und kultureller Werte. Die Treue zu Gott beweisen Schützen immer wieder
durch das Mitwirken bei den Prozessionen und durch Abhaltung einer hl. Messe bei
jedem Schützenfest. In Vill rückt eine Fahnenabordnung zum Kirchenpatrozinium (Hl.
Martin) aus. Ebenso vertreten sind wir bei anderen kirchlichen Anlässen, wie Firmung,
Kriegergedenken usw. Aber auch auf kulturellem Gebiet sind wir tätig. Viller und Igler
Schützen haben bei der Restaurierung der ,,Schweller" Kapelle und des Kriegerdenkma-
les von Vill mitgeholfen. Desgleichen haben wir finanzielle Unterstützung geleistet
anläßlich der Restaurierung der Heiligwasser-Kapellen. Mitgeholfen haben wir auch bei
der Errichtung des Gsetzbichlparkes. Wir glauben auch, daß der Pflege des Tiroler
Schützenwesens besondere Bedeutung zukommt. So rücken Viller und Igler Schützen
auch zu anderen Festen, wie Bataillonsfest und Alpenregionsfest aus. Wir glauben auch,
daß wir für die kulturelle Einheit Tirols das unsrige beitragen, indem wir ein besonderes
Nahe-Verhältnis zur Schützenkompanie,,Alte-Pfarre-Naz" in Südtirol haben und daß
wir des öfteren zu Schützenfesten in unser Heimatland jenseits des Brenners fahren. Wir
Schützen wissen genau, daß die Treue zu Gott in manchem von uns nachgelassen hat,
daß wir den Schutz von Heimat und Vaterland nicht mehr garantieren können, glauben
aber doch, durch die Pflege des Tiroler Schützenbrauches das Gewissen der Bevölkerung
wachrütteln zu können, damit das Gute im Menschen immer mehr zum Tragen kommt.
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Das seit 1988 im Tiroler Höfemuseum stehende Viller Schießstandsgebäude noch an seinem alten Standort.
Foto: F.-H. Hye
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St. Martins-Bildstock beim nordseitigen Friedhofseingang mit kupfernen Gedenktafeln für die Gefallenen
beider Weltkriege aus Vill.
Foto: G. Beinsteiner-Krall
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Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Vill
Der Urspung der Freiwilligen Feuerwehr Vill geht auf die sogenannte Windwache
zurück, die in Vill wie in vielen anderen Orten Tirols schon ab dem 14. Jahrhundert ihren
Dienst tat.
In der Zeit um 1880, so die Überlieferung, bestand bereits eine organisierte freiwillige
Truppe Männer unter Martin Schmid, die ohne Uniform und besondere Ausrüstung eine
Art Selbsthilfegemeinschaft bildeten und auch Feuerbekämpfung betrieben.
1904 wurde die Freiwillige Feuerwehr Vill dann offiziell gegründet. Die Gründer
waren: Johann Schmied, Josef Eisendle, Josef Span, Alois Hofer und Franz
Stöckl. Besondere Initiative entwickelte Dr. Hugo Tschurtschenthaler, Rechtsan-
walt, Besitzer des Grillhofes und des Schlaucherhofes, der die meisten finanziellen
Beiträge für die Ausrüstung erbrachte. In dieser Zeit war die Feuerwehr im
Gemeindehaus, mit Ausfahrt bei der Nordseite des Friedhofes, untergebracht.
1905 Eine 8-Mann-Spritze mit 50 m Schlauch und 2 Messingstrahlrohren von der
Firma Grassmayr wurden angeschafft, wieder großteils finanziert von Dr. Hugo
und Obermedizinalrat Dr. Alfred Tschurtschenthaler, die auch bald Ehrenmit-
glieder der Feuerwehr waren. Auch die große Feuerwehrleiter stammt aus jenen
Tagen. In dieser Zeit leistete die Freiw. Feuerwehr Vill (beim Gasthof Stern in
Igls) die erste Brandbekämpfung, wobei sie der damalige Hauptmann Johann
Schmied vulgo Kapferer nur mühsam aus den Kellern des wohllöblichen Gastho-
fes abziehen konnte.
1908 Einsatz beim Brand auf dem Hof des Bauern Garn (Schwemberger Stadel)
1930 Einsatz Brand Hotel Iglerhof (Großbrand)
1932
Die damals selbständige Gemeinde, Bürgermeister Johann Greier beauftragte
Johann Pittracher mit Planung und Bauführung für das heutige Gerätehaus. Die
Arbeitsleistungen wurden hauptsächlich durch die Feuerwehrmitglieder erbracht.
Das Grundstück kauften die Tschurtschenthaler von Franz Stöckel vulgo Mel-
cher und schenkten es der Gemeinde, ursprünglich auch zur Verlegung des
Kirchsteiges, der durch den Friedhof führte.
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Vill
Alte Handpumpen-Feuerlöschspritze der Gemeinde Vill aus dem 19. Jahrhundert.
Foto: Sepp Hofer
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Gerätehaus der Ste Seurw
Die Freiwillige Feuerwehr Vill im Jahre 1933 mit ihrer ersten (tragbaren) Rosenbauer-Motorspritze und der
ebenfalls im Jahre 1933 von der Fahnenpatin Irene v. Eckhel gestifteten Fahne vor dem alten bzw. ersten
Freiwilligen-Feuerwehr-Gerätehaus - noch ohne die neue Igler Straße.
Foto: Richard Müller
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1933
1939
Die erste Rosenbauer-Motorspritze wurde angeschafft bereits mit finanziellem
Beistand der Landes-Brandschadenversicherung. Die Feuerwehrfahne spendierte
die Patin Irene v. Eckhel, ein Fahnenband und Fahnenstange stammen vom
Bezirks-Kaminkehrermeister Karl Horneschek.
Das erste Auto, ein sogenannter 7-er Steyr, offen mit Spitzkühler, wird von der
Feuerwehr in den Dienst genommen.
1947 Brand durch Blitzschlag im Stallgebäude des Grillhofes.
Das zweite Auto, ein Fiat mit Vorbaupumpe, wurde eingestellt und leistete gute
Dienste.
1953 Unter straffer Führung des Josef Feller übernahm die Wehr das dritte Auto, einen
Opel.
1956 Einsatz beim Brand Poltenhütte.
1965 Der 1953 angeschaffte Opel wurde durch einen VW-Bus ersetzt.
Besondere Verdienste erwarben sich Josef Feller in 20-jähriger Führung der
Freiwilligen Feuerwehr Vill von 1952 bis 1973, und Karl Eichler als Ausbildner
und Verbindungsmann der Berufsfeuerwehr zur Einheit 1946 bis 1970.
Auch Erwin Witting verdient hier als guter Geist für viele Arbeiten und in seiner
Tätigkeit als Vize-Kommandant von 1952 bis 1973, genannt zu werden.
Feuerwehrkommandanten seit dem Gründungsjahr 1904
1904-1909 Schmied Johann
1909-1914 Stöckl Franz
1918-1920 Lusch Ferdinand
1920-1927 Rofner Franz
1927-1928 Greier Johann
1928-1934 Hörhager Anton
1934-1938 Rofner Josef
1938-1945 Haid Herbert
1945-1946 Lener Johann
1946-1952 Eisendle Josef
1952-1973 Feller Josef
seit 1973 Hofer Andreas jun.
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Scuerwache
4
KATASTROPHENSCHUTZ
T519
Inbetriebnahme des zweiten Gerätehauses im Westteil des ehemaligen Armenhauses der Gemeinde Vill durch
den Innsbrucker Bürgermeister Romuald Niescher, 1983.
Foto: Erich F. Birbaumer
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Freiwillige Feuerwehr Vill
Mitgliederliste
(Stand 5. Jänner 1992)
Name
Geb.Datum Beruf
Frsch.
Eintritt
Dgrad
Funktion
Eisendle Johann
11.5.1946
Landwirt
12. 3.1963 HFM
Eisendle Johann jun.
26. 3.1969
8.5.1983 OFM
Eisendle Josef
23.11.1907
Landwirt
4. 5.1926
a.D. EM
Feichtner Alois Ing.
7.9.1952
Feichtner Johann
5. 8.1923
Techniker ABF
Landwirt
14. 3.1987
FM
1. 5.1948
HFM
a.D.
Feichtner Martin
18. 6.1949
Landwirt
1. 1.1969 BI
FKDT-Stv
Feller Josef
13. 2.1913
Schneider
Greier Ludwig
Hofer Andrä
Hörhager Anton
3. 3.1909
Landwirt
1.1.1935
4.5.1928
HBI
a.D. EM
OFM
a.D.
26. 3.1938
Huber Günther
18. 3.1956
10. 3.1964
Landwirt
Koch
22. 3.1953 OBI
FKDT
22. 4.1975
15. 3.1980 OFM
HFM
Koch Robert
25.7.1949
Lener Josef
Lener Josef jun.
28. 1.1907
22. 3.1941
Angest. B
Landwirt
18.10.1988
PFM
Landwirt
Lintner Engelb.
Matuella Leonh.
Peintner Rudolf
Profanter Max Dr.
Rofner Franz
Rofner Franz jun.
9.7.1913
21.3.1975
12.9.1943
29. 1.1942
18.8.1928
Schüler
Hausmeister
4.5.1926 OFM
15.11.1971 OFM
4. 5.1952 OFM
25. 9.1991 PFM
a.D.
a.D.
24. 3.1979 OFM
Arzt
B
26. 4.1988
FARZT
FARZT
Landwirt
10. 9.1943 OV
KASSIER
9.12.1959
Landwirt
1. 9.1975
OLM
ZGKDT
Rofner Hermann
1. 9.1969
9. 3.1985 OFM
4. 5.1939
OBM
a.D.
4. 5.1939
LM
a.D. FÄ
Kfz.-Mech. ABF
20. 5.1988
FM
Pensionist
Arzt
Landwirt
1. 5.1948
OLM
a.D. EM
ABF
25.10.1988 FARZT
FARZT
1.6.1960 HLM
GRKDT
Rofner Martin
Schlögl Josef
Schlögl Karl
Schmid Andreas
Schwemberger Max
Sepp Norbert Dr.
Span Helmut
212
10. 5.1923
19.5.1921
22. 4.1969
4. 8.1918
25. 1.1962
14.6.1945
Angest.
Landwirt
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Name
Geb.Datum Beruf
Frsch.
Eintritt
Dgrad
Funktion
Treichl Christian
Weber Alois
19. 2.1968
3. 2.1942
AF
Techniker
Weber Martin
Wegscheider A.
7.11.1960
23. 5.1984 OFM
3.2.1958 OLM
24. 3.1979 OV
SCHF
Wegscheider M. Ing.
7.9.1928
23.9.1932
Landwirt
Agraring.
22. 3.1944
HFM
1. 8.1978
OFM
Wegscheider Th.
Witting Erwin
Wopfner Franz
Wopfner Martin
Wopfner Rudolf
27.11.1971
16. 3.1911
14. 3.1948
27. 3.1962
7.2.1914
8.5.1986
FM
Maurer
1. 4.1948
OBI
a.D. EM
Landwirt
12. 3.1963
HLM
GRKDT
20. 8.1978
OFM
Landwirt
4.5.1930
HFM
a.D.
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Gerätehaus der Freim Feuerw. Will
Die Freiwillige Feuerwehr Vill 1992.
Foto: Sepp Hofer
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62 Jahre Obst- und Gartenbauverein Igls - Vill
Von Obmann Johann Treichl
Am 5. Mai 1930 wurde der „,Obst- und Gemüsebauverein Igls-Vill" im Gasthof Stern in
Igls gegründet. Für das Entstehen des Vereines setzte sich ganz besonders der damalige
Oberlehrer der Volksschule Igls-Vill, Herr Heinrich Witting, ein. Er blieb 36 Jahre lang
Obmann und,,Motor" des Vereines. Bei der Gründung unterstützte ihn Herr Fachlehrer
Anton Falch, der viele Jahre hindurch lehrreiche Vorträge für die Igler und Viller
Bevölkerung gestaltete.
Herr Josef Lener sen., auch ein Mann der ersten Stunde, ist dem Verein heute noch sehr
gewogen.
Der Verein setzte sich folgende Aufgaben:
Die Neupflanzung von Obstbäumen
Eine zeitgemäße Schädlingsbekämpfung
Die Förderung der Bienenzucht
Das Organisieren von Fachvorträgen
Das Abhalten von Obstbaumschnittkursen
Den Ankauf und Betrieb einer eigenen Obstpresse
Im Jahre 1937 streckte Herr Rofner, Klammerbauer in Vill, dem Verein S 1.000,- zum
Kauf einer Obstpresse vor. Das erste Preẞlokal befand sich in der Villa Maxhof (heute
Heid) in Igls. Damals, wie auch heute, stellte diese Presse einen großen Gewinn für den
Verein, aber auch für das ganze Mittelgebirge dar ... Naturreiner Apfelsaft aus eigener
Erzeugung!
Der Verein erlebte Höhen aber auch Tiefen in den vielen Jahren seines Bestehens. Am
Beginn der 70er Jahre flaute das Vereinsleben stark ab. Neuer Schwung war also nötig!
Dieser kam auch mit dem neuen Obmann, Herrn Ing. Johann Lener. Gleichzeitig führten
gute Ernteerträge zu hohen Preßeinnahmen. Es ging wieder aufwärts!
Unter der Obmannschaft von Herrn Hans Treichl wurde in Vill ein neues Preẞlokal
eingerichtet und die Presse modernisiert. Herr Treichl preẞt alljährlich viele Tonnen von
Obst für Vereinsmitglieder und Nicht-Mitglieder aus dem Mittelgebirge. Im Rekord-
erntejahr 1990 preßte er z.B. 33 800 kg Äpfel!
Heute hält der Verein bei 75 Mitgliedern. Wir hoffen, daß wir noch viele Freunde für den
Obst- und Gartenbauverein gewinnen können. Dies müßte sich aber in einer Zeit des
immer größer werdenden Natur-Bewußtseins doch verwirklichen lassen!
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Die Ortsbauernschaft von Vill
Von Franz Wopfner
Vill ist seit 1942 keine eigene Gemeinde mehr, sondern ein Stadtteil von Innsbruck. Das
Dörfchen Vill mit seinen 553 Seelen hat noch eine vorwiegend bäuerliche Struktur.
Es gibt auch keine Industriebetriebe und nur sehr wenig Fremdenverkehr.
Vill hat auch keinen eigenen Vertreter im Innsbrucker Gemeinderat und deshalb kommt
der Ortsbauernschaft und insbesondere dem Ortsbauernrat mit dem Obmann eine
erhöhte Bedeutung zu.
Die Ortsbauernschaft ist sicher eine der tragenden Säulen des örtlich-kulturellen Lebens
von Vill. Der Ortsbauernobmann vertritt natürlich in erster Linie die Interessen der
Bauern gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften und Behörden (z. B. Stadtmagi-
strat, Landesregierung etc.). Darüberhinaus obliegt es aber auch dem Ortsbauernob-
mann, sich in offener, unparteiischer und umsichtiger Weise für alle Bürger von Vill
einzusetzen. Dies war in den vergangenen Jahren so und wird hoffenlich auch in Zukunft
so sein.
Die Äcker und Wiesen von Vill werden in fleißiger und gewissenhafter Weise von den
zehn Vollerwerbs- und fünf Nebenerwerbsbauern gepflegt. Die Wohnqualität in Vill ist
sehr hoch. Das Gebiet um das Viller Moor ist auch ein anerkanntes und beliebtes
Erholungsgebiet für die Innsbrucker Bevölkerung. Auf Viller Gemeindegebiet befinden
sich aber auch einige Dinge, die die Lebensqualität in negativer Weise beeinflussen. So
z. B. der größte Müllplatz Tirols, das Ahrntal, die Autobahn, die Südumfahrung von
Innsbruck der ÖBB, die Tiroler Ferngasleitung und zwei Überland-Stromleitungen der
TIWAG.
Die Ortsbauernschaft von Vill ist bemüht, die Probleme, die durch die vorhin genannten
Belastungen entstehen, in Zusammenarbeit mit den übrigen Vereinen und Körperschaf-
ten zum Wohle der Viller Bevölkerung zu lösen.
Die Zielsetzung der Ortsbauernschaft von Vill besteht wohl darin, daß das bäuerliche
Gedanken- und Kulturgut für unser Dorf und für zukünftige Generationen trotz Stadt-
nähe erhalten werden kann, und daß in gegenseitiger Achtung, auch jenen Menschen
gegenüber, die Vill als ihre zukünftige Heimat erwählt haben, ein Miteinander zum
Wohle aller Bürger von Vill möglich ist.
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Der Ortsbauernrat von Vill,
Franz Wopfner
Obmann
Obmann-Stellvertreter
Martin Feichtner
Beirat Franz Rofner
Beirat Josef Lener jun.
Zum erweiterten Ortsbauernrat gehören noch:
Ortsbäuerin Rosl Eisendle
Ortsleiterin Ulli Feichtner
Jungbauernobmann Alexander Weber
Vertreter der bäuerl. Rentner und Pensionisten Josef Lener sen.
Vertreter der nichtbäuerl. Berufe Ing. Max Wegscheider
Die Obmänner und Stellvertreter des Ortsbauernrates von Vill seit 1948:
Ludwig Greier
1948
OBO
1954
OBO
Josef Lener
1960
OBO
Josef Lener
OBOSt.
Ludwig Greier
1966
OBO
Josef Lener
OBOSt.
Ludwig Greier
1972
OBO
Josef Lener
OBSt.
Franz Rofner
1978
OBO
Franz Rofner
OBSt.
Alfred Wegscheider
1984
OBO
Franz Rofner
OBSt.
Alfred Wegscheider
1990
OBO
Franz Wopfner
OBSt.
Martin Feichtner
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Seite 233
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INDEX
zusammengestellt von Josefine Justic
Aachen 196
Abenthung Josef, vulgo Nocker 17, 114
Abruzzen 30
Acquafondata 30
Adria 38
Ahrntal 30, 43, 57, 216
Albert von Görz-Tirol, Graf 62
Aldrans 14
Alessandri Maria 104
Alpen 13.
Altenerding 41
Ambras, Herrschaft 73.
- Propsteigericht 66
Schloß 68, 75f, 96, 104, 108, 110, 112,
114, 116, 164
Amiens 140
Ampass 27
Amras 50, 52
Andechs, Grafen von
Angerer Ursula 87
Angers 183
Aniser Claudius
171
62
Baumann Johann
112
Bayern 13, 27, 70, 167
Beinsteiner-Krall Gertrud 125
Beseno 94
Birgitz 25, 28f, 34
Bitterich Alois 80
Bläsl Gilbert
171.
Bregenz (BRIGANTIUM) 13.
Brenner 13, 204
Brennerautobahn 199
Bretagne 36
Bretterkeller 59, 63
Breunen 13
Brixen 15, 54
Bruch Augustin 172
Brugger, Bauernbundobmann
Bundesbahnen 92f, 123
Bürgerhof 48, 120f
Busch Ferdinand 100
Chunrat der Helbling 64
Clarer Agnes
110, 116
Elisabeth 75
Jakob 110, 116
(Klarer) Martin 52, 90
Thoman 96, 110
Apostata Julianus 26
Arch Harwick W. 15, 17,44
Josef 17, 98.
Mia, geb. Redlich 17, 99, 163-165
- Villa 73
Armenhaus 48, 108f, 211
Arnold-Öttl Herta
150
14
80
Arzl bei Innsbruck
Asamer Hans
Auer Nikolaus 154
Augsburg (AUGUSTA
VINDELICUM) 13.
Axams 57
Bachgangweg 44, 73, 75
Bachmann Hanns
Balkan 38
13
Bancher Engelbert 100
- Marianne 100
Batzsteinhütte 70, 84
Bauernhöfemuseum 98
Commodus 26
Coreth Antonia von
65
Ernst von 65
Johann Franz von
65
150
Grafen von 74
Cortina d'Ampezzo
Csorna (Ungarn) 169
Dagostin Luise 78
Richard 78
Walter 78
Dänemark 198
Danler Ferdinand
Maria 104
Deutsches Reich
104
24
Deutschland 170, 198
Dietrich Dominikus 172
Drusus 13, 26
Dudlhof 73, 105
183
219
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Eberl Siard
172
Eckhel (Ekhel) Alice 115
Irene von 115, 209f
Rupert von
115
(Ekhel) Wilhelmina
Egg Erich 130
Egger Augustin 170
Hanns 96
Herr von 117
Lorenz 100
Egloff Franz Xaver
Ehrenbreitstein 14.
Eichler Karl
210.
Eisendle Johann 212
Johann jun. 212
171
Fieger zu Friedberg, Grafen 87, 117
Finsterwalder Karl 15, 192
Fischersteig 46, 58, 65, 70
Fleimstal 29
Florus
13
115
Flory Joseph 172
Josef 76, 207, 210, 212
Rosl 217
Ellbögen 56, 166
Eller Helene
98
Josef 199, 202
Engadin 34
Enneberg 14
Erl 13
Falch Anton 215
Georg 52
104
Farbmacher Christian
Feichtner Alois 176, 212
Johann 116, 212
Maria 116
Martin 212, 217
Ulli 217
Feilegger Amalia 114.
Andrä
114
Andreas 102
Johann 98
Josef 98
Feilner-VanPut Claire 80
Feller Frieda
105
Josef 105, 210, 212
Ferdinand I., Kaiser 56
Ferdinand II., Erzherzog 64, 164
Fessler Brigitte 78
Ulrich 78
Feuerwehr Vill 178, 207, 209f, 214
220
Flunger Andreas 172
Föger Stefan 154
Fortmann Pius 172
Fortunatus Venantius 13
Franz Leonhard 32
183
Freigaẞner Benedicta
Freising, Familie von 64
Fritzens 25, 32, 34, 38
Fritzner Schale 25, 32, 36f
Fronleichnamsprozession 160, 168, 177,
200, 202
Fuchshuber Claire 80
Hubert 80
Ganahl Franz
176
Gär (Gar) Simon 98
Gärberbach 57
Garnhof (Goarnhof, Goarmhof) 20, 48,
55, 98, 207
Gaspererhof 48, 110
Gassler Ignaz
Gasthaus Stern
- Turmbichl
Zur Traube
Gatt Margarete
Otto 100
172
207, 215
100f, 163.
110f, 163
100
Gebhard von Hirschberg, Graf 62
Germanen 14
Geßner August
162
158
Gilgengut 96, 110
Giner, Familie
Glasweg 73
Gleirscher Paul 25
Gluirschgut 50
Gluirschhöfe 52, 58f, 62, 65, 68
Goarmbichl 19-21, 33, 43f, 54, 73, 98f
Goarmbichl s.a. Kreitbichl
Gogl Maria 110
Gollosbach (Gollasbach) 52
Götzens 14, 136
Grassmayr Godefridus 171
Seite 235
235/244
Grasweg s. Poltenweg
Gratl Anton 45, 85
Grauss Anton 104, 176, 199
Grauß Alois
183
Graẞmayr, Glockengießerei 64, 207
Greier Johann 117, 207, 210
- Ludwig 87, 117, 176, 212, 217
- Maria 117
Gries am Brenner 164
Grill Sigmund 66, 192
Grillhof 43, 52, 65f, 68, 70, 73, 79, 84,
178, 189-192, 194–198, 207, 210
Grillhofstraße 59
Grillhofwaldung 81
Grillhofweg 75, 82f, 85f, 111, 162f, 177,
183, 185
Groissmayr Ander
Gschirr Josef
123
Gsetzbichlpark 204
Gugler 112f
Guglerhof 48
Haas Norbert
172
202
Häckhl (Hackl) Peter 104
Hafner Leo
172
Haid Anna 110
Herbert 110, 210
Haider Peter W. 20
Halder Klemens
172f, 181
Haller Philipp 154f
Handlhof 43, 48, 73, 90f, 160
Handlhofkapelle 160
Handlhofweg 45, 60f, 87-89, 162f
Hangender Schrofen 58f, 67, 159
Happ Bernhart 66
Hasslmair Katharina von 92
Hauptmann Martin 172.
Hauserle 80
Haus St. Christoph
162, 183, 185, 187f
Hauserlehof 73, 163
Häusler 104
Häuslerhof 48
von Görz-Tirol, Graf 64.
Helbling von Strazzfried Hans 94
Herzleier Joseph 96
Hilarius von Poitiers 136, 146
Hilber Aloisia
Franz 112
Paul 56, 199
100
HI. Antonius von Padua 151, 154
Hl. Augustinus 173, 176
Hl. Bernhard von Clairvaux 142
Hl. Christophorus 162, 164, 183f
Hl. Hubert von Lüttich 144
Hl. Isidor 152, 154f
Hl. Kornelius 144
Hl. Martin von Tours 136-138, 140f,
145f, 166f
Hl. Norbert 142, 151
Hl. Notburga 153f
Hl. Sebastian
149, 155
Hl. Servatius 144
Hl. Thomas von Aquin 151
Hochenrainer Christian
Hochenrainer-Lehen
66
112
Höck Adrian 172
Hofer Alois 114, 116, 207
Andreas 110, 116
- Andreas jun. 210, 212
Franz 24, 104
Jacob (Jakob) 52, 76, 115
Hofkirche 148, 151
Hojos Maria 80
Rudolf 80
Holler Franz 171
Holzer Christina, geb. Kapferer 108
- Gall 108
Georg 114
Jenewein
Sebastian
Hölzl Alois
- Anna 75
Anton 75
108
94
75
Heiligwasser 167f
Heiligwasser-Kapellen 204
Heinrich von Böhmen-Kärnten 44
Franz 75
Georg 75, 96
Johann 75
- Josef 75
221
Seite 236
236/244
Martin 75
Sebastian 75, 90f
Hopfner Peter
150f, 156
Horaz 13
Hörhager Anna
100, 112
Anton 100, 210, 212
Horneschek Karl 98, 210
Huber Günther
Heinz 183
212
Hundegger Hannes 199, 202
Hye Franz-Heinz 43
Igler Hof 207
Straße 20, 54, 64, 82, 94f, 97, 159, 163,
209
Igls 14, 17, 43f, 50, 52, 54, 56, 82, 128,
166-170, 174, 176, 178, 180, 183, 199,
207, 215
Ilg Karl 30
Illyrer 14, 36, 38, 41
Siedlung 20
Innsbruck 17, 43, 46f, 54, 58, 62, 162,
169f, 176, 178, 183
Inntal 13, 17, 32, 34, 50, 130
Italien 36, 199
Jäger Josef 80
- Josefa
80
Sophie 80
Jaufenthaler Georg 94
Jauffentaler Fridericus 171
Jesuitenkolleg 92
Jordan Alois 116
Kapferer (Khapferer) Elisabeth.
Christina 108
- Hanns 108
Kapfererhof 48, 116
Kaptalanavis (Ungarn)
169
Katastermappe 1856 47, 70
Kauders Amalie 84
Viktor 84
Kematen 130
Kempten (CAMBODUNUM)
Kern-Flora Barbara
222
104
13
166
Kiebachgasse 130
Kiechl Rosina
110, 117
Kinigadner Hermann 84
Kinzner Franz 94.
- Johann 94
- Josef 94
Karl 94
Maria, geb. Hörtnagl 94.
Kirchebner Franz Xaver 136-140, 150
Josef Anton
136, 138, 140, 150
Kirchmayr Toni 165
Klammer 82, 111
Klammerhof 48, 75
Kleiber Barbara
Kleinasien 38
Klieber 151
90
Knipfelberger Stephan 171
Koch Robert
212
Kofler Gertraud 96
Köln 144
Kongregation der Schwestern vom Guten
Hirten 78
Konrath Gottfried
Kopp Elmar 196
Kortsch 15
Kösler Georg 104
Kössler Andrä
68
108
172
Familie 68, 70, 192
Hanns 115
Lorenz 112
Maria, geb. Toldt 115
Urban 112
Kössner Aloisia
Herbert 108
Köstenbaumer Hermann 84
Maria 84
Kößler Georg
Kramsach 20, 56, 98
Kreitbichl 19, 21, 33, 43f, 98
Kreitbichl s.a. Goarmbichl
Kremer Joseph 171
Kriegshaber Alice, geb. Eckhel 115
Kropf Ludwig 172
Kunst Karl
190
94
Seite 237
237/244
Landauer Helene 98
Landesmuseum Ferdinandeum 32, 44
Lang Anna
- Ulrich 66
100
Lans 14, 50, 52, 65, 68, 70, 77, 81, 148,
166
Lanser Köpfe 68
- See 44, 46
Straße 56
- Weg 57, 65
Latsch/Südtirol
169.
Lauban (Schlesien) 170.
Lech 13
Lechner Franz 192.
Heinz 80
Leitner Walter 20
Leiẞ Alois 92
Anton 92
Lenauer Clemens 171.
Lener Christoff (Christoph) 52, 115
Hanna 120
Hans 176
Heinz 120
Johann 100, 102, 210, 215
Josef 87, 100, 212
Josef jun.
212, 217
Josef sen.
Karl 120
176, 215, 217
Marieluise 102
Petrus 171
Lentze Hans-Hermann 170
Leopoldinischer Steuerkataster
1627 52,64,73
Leopoldstraße 64
Leppich Pater
183
Lienhart 117, 161
Lienharthof 48, 121f
Lienz 162
Lilly-von-Sauter-Weg 73, 98f, 101, 163
Lindentaler Franz 172
Lindner (Lintner) Anton 104
Anna 105
Engelbert 100, 212
Johanna 100
Josef 104f
Mathilde 104
Lippert 25, 29
Lizzi Adalbert 171
Lodron Paris, Graf zu 65
Lokar (Loker) Anna 78
Lösch Johannes 126
Loter (Lotter) Adam 52, 76, 114
Alois 87
Bartlmee 87, 110, 112, 114-117, 120
Christan (Christian) 76
Fridericus 171
Georg 76, 120
Jacob 87
Johann 114
Joseph 76, 87
Laurenz 124
Martin 114
Matheus (Matthäus) 75f, 94, 114
Paul 87
- Veit 112, 114, 116
Loterhof (Lotherhof, Lotterhof) 48,
113f, 116
Ludwig von Wilten, Propst 59, 62
Lugger Alois 190
Lunkmoos Ferdinand 75.
Gisela 75
Lusch Ferdinand 210
Mahler Max 102
Mallknecht Jacob
172
Marburg an der Lahn 23.
Maria-Theresianischer Steuerkataster
52, 73
Mariahilf-Gnadenbild 89, 159, 162
Matrei 62
Matuella Leonhard 212
Sieghard 84, 189
Matzgeller Philipp 172
Maximilian I., Kaiser 199
Mayr Andree 104
Mayrpichl 58f
Medraz im Stubaital
130
Meinhard von Görz-Tirol, Graf 62, 64
Melaun bei Brixen
Melcher 111
38
223
Seite 238
238/244
Melcherhof 48, 76
Menghin Osmund 23, 25f, 32, 38
Oswald 23
Meran 144, 169
Meraner Straße
24.
Merhart Gero von 23
Merowinger 36
Mesner Maria 148
Mildorfer Michael Ignaz 158
Miltner Franz 24
- 20, 24-26, 28f, 31f, 36
Montesei di Serso 28
Mösl Johanna
München 165
102
Mussak Johann d.J. 150
Mutters 14
Natters 14.
Nayer Manfred
183.
Neues Landhaus
24
Neuner Anton 80
- Ottilie 80
Neustift bei Brixen 150
Nidergatscher Bartholomäus 171
Niescher Romuald 211
Nockerhof 48, 114
Pacassi Nikolaus 148
Pallua Walter
102
Palmprozession 174
Paris 165
Parson Herbert 24
Partl Alois 197
Paschberg 43, 46, 58, 66, 68, 125, 192
Patsch 14, 52, 54, 57, 166
Patscherkofel 43
Paul-Hilber-Gedächtnismedaille 204
Paulmichl Familie 192
Payr Aloysius 171
Peckh Franz 96
Peintner Rudolf 212
Pelletier M. Eufrasia 186
Pennt Georg von 92
Perchtinger Friedrich 59, 62
Perckhammer Peter von
172
Perckhofer (Perkhofer) Agnes,
geb. Clarer
110, 116.
- Joseph 110, 116
Lorenz 76, 96, 104, 110, 114, 116f, 120
Perger Martin 171
Perghofer Lorenz 52
Perktold Anton
172
Pernloher Gilbert
172
Nockher Oswald
- Urban 108
Oberdanner Irene
108
78
Obere Mühle 96f, 110
Oberlechner Roswitha (Hildegard)
162, 183
Obermoser Johann 190
Oberntalweg 73, 100
Oberösterreich
27
Obstbauverein Igls-Vill 178, 215
Ölberg Hermann
13
Olympia-Eisstadion 59
Ortsbauernrat Vill
216f
Ortsbauernschaft Vill 178, 216
Österreich 186, 196
Otto I. von Andechs-Meranien 50
Otto von Görz-Tirol, Graf 64
Pesendorffer Hanns 68
Pfaffenmoẞ 57
Pfaffenwarter Hof s. Poltenhütte
Pfeiffer Philipp 172
Pflueg Sixt 66
Veit 66, 70
Witwe nach Veit 68
Philadelphy Volkmar 80
Pichler Andree (Andrae) 98, 112, 114
Pinzger Bernhard
Pirchl Otto 80
Pitt Johann 105
172
Pittracher Johann 207
Pius XII. Papst 183
Plattner Anna, geb. Pittl 66
- Franz 155
- Johann 65
Plazer Georg
75, 114.
224
Pockh Franz 110
Seite 239
239/244
Pöggeler Franz 196
Pöll Luise
120
- Walter 120
Poltenhütte 57-59, 65, 71-74, 77,
104, 164, 210
Poltenweg 43, 57-59, 62, 73, 85, 102, 164
Pradl 65, 77
Prantl Josef 122, 162
Prantner Andree
- Stephan 172
96
Praxmarer Ignaz 172
Pregenzer Heinrich 172.
Pritzi Edeltrude
- Otto 84
84
Profanter Maria 102, 114
- Max 212
- Ursula 180
Pühringer Ewald Karl 172
Pußjäger Matthias 145f, 169
- Norbert 146, 169, 171
Raetien 38
Rainerhof 48, 76, 85, 183
Ramsbach 43f
Ranagger Jacob 57
Ranggen 25
Rattenberg 155
Rauch Alois 102
Ravenna 13
Recordin Bernard 171
Franz jun. 212
-
Franz sen.
176
- Hermann 212
- Josef 75, 98, 210, 215
- Martin 212
Römer 13, 18, 38
Rotes Kreuz 84, 192, 194
Roth Magnus 172, 195
Rottweil
14
Rūdl Gregorius 171
Rum 15
Rusch Paulus 183, 190
Rußland 32
Säben 42
Sailer Anna
116
Salcher Herbert 183
Salzburg 27, 194
Sanzeno 25, 28, 32, 34, 38
Sanzeno-Schale 34
Schaffter Henricus
171
Schanazar Joachim
171
Scharfetter Helmut
102
80
Schedel Eberhard
- Maria 80
Schermer Hans 90f
Scherzer Alois
98
Schießstand 54-56, 73, 98, 107, 205
Schindl Vinzenz
Schinzel Alfred
172
84
Redlich Oswald
23f
Reichenau 194
Reinecke 25
Reinerhof 163
Reinisch Franz 158
Reiterhof (Reitterhof) 45, 48, 52,
87-89, 162
Reitmayr Josef 110
Rembs 68
Remmossweg 104
Reschen 13
Rinn 14, 150
Rinn Josef 150
Robert-Stolz-Weg 73, 105-107
Rofner Franz 66, 210, 212, 217
- Gudrun 84
Schlaucher 115
Schlaucherhof 48, 113, 202, 207
Schlechl Gereon
Schlögl Alois 110
- Carl 117
170
Josef 100, 110, 117, 212
Karl 82, 117, 177, 200, 212
Schloß Ambras 68, 75f, 96, 104, 108, 110,
112, 114, 116, 164
Schmid Andreas 212
- Johann 116
- Martin 207
Schmied Johann 207, 210
Schmole Helene 75
225
Seite 240
240/244
Schneider Johannes 22, 24
Schnell Dominicus
171
115
123.
Scholl Anton
Scholz Rudolf
Schönweiler Philipp Joseph 172, 176
Schösser Annemarie 94
Georg 94
Theresia 94
Schottland
36
Schreiber Walter
Schuler Heinrich
Schranzhofer Paul
Schuls 34
170f
29
169, 172
Schützenkompanie Alte-Pfarre-Naz 204
Igls-Vill 199–202, 204
Schwaighofer (Schwaichhofer)
Thoman 104
Schwaikhofer Hanns 75
Martin 75
- Matheus 75
Schwarz Raimund
204
Schwaykofer Johann 76, 110.
Schweiz 18, 198
Schwellenkapelle 204
Schwemberger Jakob 20
Max 56, 98, 176, 212
Familie
24
Schwesser Helene 75
Schwestern vom Guten Hirten 183, 186
Seebichl 43, 54
Seidl Hildegard 84.
Seebrünnl 46
Seeweg 108
Senn Erich
84.
Sepp Norbert
212
Siber Alois
164
Sistrans Konrad von 44
Sonnenburg 52, 56, 73, 199
Sopron (Ungarn) 169
Sorg Aloisia 76
Span Anna 96
(Spann) Egidius 114
Hedwig 120
Helmut 212
(Spann) Josef 120, 207
Josef, vulgo Bürger 17
Maria 96
Spaur Marian 170
Spinges 199
Spörr Kreszentia 76
St. Bartlmäkirche 126, 169
St. Jakobskirche 170
St. Martin in Passeier
154
St. Martins-Bildstock 206
St. Martinskirche 17, 42f, 50, 64, 73, 98,
124f, 127, 129, 133, 135, 139, 141, 143, 147,
149, 173, 181, 203
Sta. Anna/Kalifornien
169
Staffler Johann Jakob 54.
Stams 110
Stans 25, 28
Staud Josef
196
Steger Ludolph 171
Nikolaus 112
Sofie 112
Steinebach beim Ammersee 34
Steinegger Fritz 66, 68, 192
Steixner Gereon
Xaver 171f
171
Stickler Marcellin 171
Stigler Willi 24, 165
Siebenbürgen 38
Siebeneich bei Bozen 34.
Sieglbauer Felix 22
Sill 15, 43, 52, 57, 62, 126
Sillhöfe 50, 58, 65
Singer Anna
Paul 98
114
Sinhof 48, 113, 117-119, 161
Sistrans 14, 150f, 163, 166
226
Stöckel Franz
207
Stocker Marquard
171
Stöckl Augustinus
171
Franz 207, 210
Josef 76
Rosa 76
Stolz Otto 24
Strähl Christian 172
Straßfried 62
Strobl Anna 123
Seite 241
241/244
Eva 123
- Josef 123
Strolz Norbert
196
Stufels bei Brixen 28
Südtirol 14, 32, 164, 194, 204
Suitner Andreas 171
- Sebastian 171
Swan Elisabeth 108
Szántó 169
Tamers Simon 104
Tanner Felix
170
Tannheimer Tal 30
Tanzer Ludwig 172
Tarrenz 25
Telfes 25, 34
Tesero 28
Thaler E. 162
Rafael 80, 86, 162-164
Thaur 13, 130f, 148, 158
Theresianische Normalschule
Tiberius 13, 26
Tirler Georg 94
Tirol 13f, 167, 176, 194, 198
Tirol, Grafen von 62
Tiroler Landlibell
Töchterle Maria
199, 204
117
Told Andree 116f, 120
- Benedict 112
Christan
112
- Georg 116
Gregor 116
- Johann 117
- Josef 117
- Lamprecht 112
- Mathias 52
130
Matthäus (Mattheus) 96, 110, 116f
- Rosina, geb. Kiechl 96, 110, 117
(Toldt) Maria 115
Tomasi Helene 75
Toth M. Hedwig 186
Tours
13
Trapp Grafen zu Pisein 76, 94, 115
Oswald, Graf 23
Tratz Erich
100
Ida 100
Treichl Christian 213
Johann 215
Trentino 32
Trient 170
Trier 196
Tschiggfrey Hans 190
Tschurtschenthaler Alfred
- Franz
56
- Hugo 115, 207
- Johann 192
- Johann Georg 84
Tulfes 14
192, 207
Turmbichl (Turnbichl") 20, 43, 49, 62,
64, 69, 73
Tusch Anton 116
Umhauser Johann Michael 130f, 148, 150f
- Matthias 130
Ungarn 186
Untere Mühle 76, 94f
Unterwurzacher Erich 112
Paul 112
Renate 112
Veldidena (Wilten) 18
Vellenberg 62
Venedig 164
Vigilius, Heiliger 18.
Vill-Unterberg 123
Villa Maxhof 215
Pirchl 163
Viller Bach 17, 43, 62, 73, 97, 177
- Dorfstraße 47, 49, 108f, 111, 113, 115, 118f,
121f, 161-163, 177, 202
Dorfstraße s. a. Viller Straße
- Moor 17, 23, 216
- Moos 48
- Schießstand 98, 107, 205
- See 17f, 23, 28, 42-44, 46, 48, 51, 53, 58, 70
Steig 159
Straße 57, 59, 62, 159
Vinschgau 15
Vögelsberg 14
Voglsperger Elisabeth 98
Maria 98
227
Seite 242
242/244
Volders 25, 28, 31f
Volksbildungsheim Grillhof 84, 189-192,
194-198
Völs 186
Wagner M. Agnes 183f
Waid Leopold 171
Waldauf-Stiftung 114
Josef 80
Wallfahrter Martin
172
Waldner Hildegard 80
Norbert 105
Wiesing 34
Wild Joseph 110
Willvonseder Kurt
23
Wilten 14, 23, 44, 46, 50, 58f, 62, 64, 108, 142,
146, 166-170, 192
- Stift 70
Wiltener Sillbrücke 59, 62
Winkler Rudolf
Wirthof 48
163
Wallnöfer Eduard 183.
Wattens 13f, 30f, 34
Weber Alexander
Alois 213
Amalie 84
217
Hermann 192, 194, 196, 198
Johann 116
Martin 213
Paula 116
Wisfleck Kreszentia 76
Witting Erwin 210, 213
Heinrich 215
Woller Laurentius
Wopfner Franz
Heinrich 116
171
114, 116, 176, 213, 216f
Josef 102, 114, 199, 202
Luise 114
Martin 213
Rudolf 73, 75, 114, 116, 213
Thomas 196, 198
Wegscheider (Weegschaider) Martin 92
- Alfred 90f, 213, 217
Alois 90
Andrä 90
Franz 90
Johann 90
M. 213
Maria, geb. Klarer 90
Martin 90
Max
87, 90, 217
- Th. 213
Weil in Arzheim 14
Weilheim 14
Weingartner Johann
190
Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg, Her-
ren von 116
Weiß (Weis) Matthias 75f
Welser Philippine 164
Werrner Balthauser
108
Widmann Josef 78, 183
Rudolf sen.
Würstl Norbert
176
171
Zenzenhof 43, 48, 57, 62, 65, 73, 92
Zenzensteg 57
Ziegelmayer Gerfried 41
Zierhut Heinrich
Zirl 27, 155
183
Wiedner Familie
66
Wien 23, 170
Wieser Anna
105
Karl 202
228
Seite 243
243/244
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