Stadtteile 5 Vill ================= VILL vom Dorf zum Stadtteil Festschrift zum 200. Weihejubiläum der Rokoko-St.-Martins-Kirche Festschrift Vill DIE STADTTEILE INNSBRUCKS herausgegeben vom Innsbrucker Stadtarchiv Schriftleitung: Franz Heinz Hye Band 5: VILL Vom Dorf zum Stadtteil in Geschichte, Kunst und Leben Festschrift zum 200. Weihejubiläum des Rokoko-Umbaues der St.-Martins-Kirche 1792-1992 Titelbild: Ansicht von Vill vom Poltenweg gegen Südwesten, um 1820. Lavierte Tuschzeichnung, Original im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Innsbruck 1992 Herausgeber und Verleger: Stadtmagistrat Innsbruck Für den Inhalt sind die Verfasser verantwortlich Gesamtherstellung: Tyrolia Druck, Innsbruck Inhalt Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck, Romuald Niescher Grußwort des Abtes des Stiftes Wilten, Mag. Raimund Schreier 7 9 Vorwort des Schriftleiters, Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye. 11 Hermann M. Ölberg Zur Etymologie der Orts- und Flurnamen von Vill.. 13 Harwick W. Arch Die vorgeschichtliche Hügelsiedlung in Vill 17 - Die Viller Straße und andere Fahrwege mittelalterlichen Türme von Vill Franz-Heinz Hye Vill Geschichte einer alten Dorfgemeinde und eines jungen Stadtteiles von Innsbruck: . - Der Viller See - Das Werden der Dorfgemeinde Vill - Gemeinsame Schützenkompanie und Schießstand - Die ehemalige Burg Straßfried und die übrigen einstigen - Die ehemaligen Viller Vogelhütten 43 43 50 54 57 - Die jüngere Siedlungsentwicklung von Vill und Daten zur Häusergeschichte.. 262 62 65 73 Gertrud Beinsteiner-Krall Die St. Martinskirche und andere Kunstdenkmäler in Vill 125 Barbara Kern-Flora Geschichte der Seelsorge in Vill. 166 5 6 Klemens Halder O.Praem. Die Pfarre Vill in unserer Zeit. Sr. Benedicta Freigaẞner Das Haus,,St. Christoph" in Vill. Sieghard Matuella Tiroler Volksbildungsheim Grillhof Anton Grauss 173 183 189 Die Schützenkompanie Igls-Vill Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Vill. 199 207 Johann Treichl 62 Jahre Obst- und Gartenbauverein Igls-Vill 215 Franz Wopfner Die Ortsbauernschaft von Vill. 216 Personen-, Orts- und Sachregister zusammengestellt von Josefine Justic 217 Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck, Romuald Niescher Wenn die Stadtgemeinde Innsbruck heute mit dem dicht besiedelten Stadtkern am Talboden, den Grünland-Siedlungen auf den beiderseitigen Mittelgebirgs-Terrassen sowie mit der Wald- und Hochgebirgsregion ein so vielfältiges Bild darbietet, so ver- dankt sie dies den Eingemeindungen der Jahre 1904 bzw. 1938/42. Die Stadtgemeinde ist bestrebt, einerseits gerade die Lebensqualität in diesen ehemals selbständigen Orten durch eine zeitgemäße Infrastruktur an den allgemeinen Standard heranzuführen und zu verbessern, andererseits aber auch die Individualität dieser jünge- ren Stadtteile und ihr Eigenleben zu erhalten und zu fördern. Letzteres geschieht sowohl durch die Förderung des lokalen Vereinslebens (Feuerwehr, Musik, Schützen etc.) als auch durch die 1976 ausgewiesenen Ortsbild-Schutzzonen der einzelnen historischen Ortskerne. Diesbezüglich nun stellt gerade die im heurigen Jahre jubilierende St. Martinskirche in Vill ein besonderes Juwel nicht nur für Vill, sondern für ganz Innsbruck dar. Seit ihrem vor 200 Jahren durchgeführten Rokoko-Umbau steht sie mit ihren zarten Weiß-Gold- Stukkaturen, Altarplastiken und Deckenfresken etc. wie eine quasi Miniatur-Version der berühmten Wiltener Basilika fast ebenbürtig zur Seite, weshalb es auch aus der Sicht der Stadtführung aufrichtig zu begrüßen ist, daß zum 200. Jubeltag der 1792 neu geweihten Kirche durch das gedeihliche Zusammenwirken des Pfarrgemeinderates von Igls-Vill und des Innsbrucker Stadtarchives die nunmehr vorliegende Festschrift initiiert und als zusammenfassende Monographie über den Stadtteil Vill, seine Vorgeschichte, seine Siedlungs- und Gemeindegeschichte, Kirchen- und Kunstgeschichte, aber auch unter Berücksichtigung der lokalen Vereine realisiert worden ist. Allen, die zum Gelingen dieses Bandes beigetragen haben, sei daher ein herzliches Vergelt's Gott gesagt. Innsbruck, im Juli 1992 Remmired Nimes 7 Grußwort des Abtes des Stiftes Wilten, Mag. Raimund Schreier Als vor 200 Jahren die gotische Viller Kirche umgebaut wurde, um dann im verspielten Rokoko wieder zu erstehen, gab es in Europa eine radikale Veränderung des geistigen Klimas: Die Französische Revolution und die Napoleonische Ära haben alles unternom- men, um die christliche Geschichte auszulöschen. So wurden im Jahre 1792 also im Jahr der Viller Kirchenrenovierung - in Paris kirchentreue Priester und Laien ermordet. Im selben Jahr versuchte man den christlichen Kalender abzuschaffen, und im Jahr 1793 wurde die Verehrung der „,Göttin Vernunft" eingeführt. Bedeutende Zentren der Seel- sorge, der theologischen Wissenschaft und die Volksbildung waren zerstört oder aufge- hoben. Trotz dieser Niederlage hat die Säkularisation aber etwas gebracht: die Kirche wurde von vielem jahrhundertealtem Ballast politischer Verpflichtungen und Rücksich- ten befreit. Sie erlebte vor allem eine spürbare Verinnerlichung. Heute erleben wir eine Kirche in Freiheit, ohne gesellschaftliche Zwänge, teilweise schon mit demokratischen Ansätzen. Die Säkularisation jedoch reicht bis in unsere Tage herein und erschwert immer mehr den Weg zum Wesentlichen. Manchmal scheint das Licht des Glaubens beinahe zu erlöschen, auch wenn es da und dort spirituelle Aufbrüche gibt. Deshalb wäre dieses Jubiläum der beste Anlaß, die Kirche wieder zu renovieren. Ich meine natürlich nicht das Gotteshaus aus Stein. Dieses erstrahlt ja wieder in seinem Glanz und seiner Schönheit, wofür ich allen, die dazu beigetragen haben, herzlich danke. Nein, ich meine die Renovierung der Kirchengemeinde von Vill.,,Erbaut nun die lebendige Kirche!" sagte einmal Papst Paul VI. einer Pfarre in Rom.,,Die Kirche seid ihr, dieses Gotteshaus ist nur der Raum, der sie aufnimmt."“ Vielleicht gilt es noch, den richtigen „Zement“ zu finden, der anzieht, der eine organische Einheit formt; den Zement, der Altes und Neues, Altangesessene und Neuzugezogene verbindet. Wenn alle versuchen, nach dem Vorbild der apostolischen Urgemeinde eine lebendige christliche Gemeinschaft in Vill aufzubauen, dann gibt es Grund genug, ein Jubiläum zu feiern. Dann ist hier wahre Kirche. Dann werden auch wir Seelsorger des Stiftes Wilten, die diese Pfarrei schon seit Jahrhunderten betreuen, zuversichtlich sein, daß diese Kirche durch alle Stürme hindurch weitere Jahrhunderte überdauern wird. Innsbruck, im Juli 1992 Raimmed Schreies 9 Vorwort des Schriftleiters, Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye Als der Unterfertigte im Jahre 1982 über Ersuchen der Interessengemeinschaft Hoch- Innsbruck, Hungerburg-Gramart eine Monographie über den Stadtteil Hungerburg - Hoch-Innsbruck verfaßt hat, schwebte ihm bereits der Gedanke vor, nach und nach anläßlich lokaler Jubiläen - damaliger Anstoß war die 75-Jahr-Feier der Hungerburg- bahn (1906-1981) - für jeden der Innsbrucker Stadtteile eine eigene Stadtteil-Monogra- phie herauszubringen. Das 100-Jahr-Jubiläum der neuen Pfarrkirche und des städtischen Kindergartens in St. Nikolaus brachte dann die Möglichkeit, dieses von der Stadtführung akzeptierte Kon- zept unter dem Reihen-Titel,,Die Stadtteile Innsbrucks" Wirklichkeit werden zu lassen, wobei St. Nikolaus als ,,Band 2" dieser Reihe erschienen ist. Band 3 galt dann dem 50-Jahr-Jubiläum der Kirche und Schule bzw. dem Stadtteil Hötting-West/Allerheiligen und Band 4 der 500-Jahr-Feier der gotischen Pfarrkirche von Amras bzw. dieser ehemali- gen Dorfgemeinde. In welchem Maße diese Reihe Anklang bei der betroffenen Bevölke- rung gefunden hat, erweist die Tatsache, daß Band 3 bereits gänzlich vergriffen ist und von Band 4 nur noch wenige Restexemplare vorhanden sind. Dies manifestiert auch das Streben und Suchen unserer Mitbürger nach Identifikation mit ihrer engeren Umwelt und dies sowohl in den alten als auch in den neuen Stadtteilen. In diesem Sinne darf ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß der vorliegende Band 5 über Vill, herausgegeben zum 200. Weihejubiläum der 1791/92 im Stil des Rokoko zu einem Juwel unserer Kunstlandschaft umgebauten St. Martins-Kirche, in gleicher Weise Anklang finden möge und zwar ebenso bei den alten, wie auch bei den neuzugezogenen Villern. Schließlich darf ich dem Hw. Herrn Pfarrer Klemens Halder O.Praem. und dem Pfarrgemeinderat von Igls-Vill für ihr Vertrauen sowie allen Mit-Autoren für ihre engagierte Mitwirkung meinen aufrichtigen Dank aussprechen. In gleicher Weise danke ich meinen Mitarbeitern, insbesondere Frau Amtsrat Josefine Justić, für die Übertra- gung aller Manuskripte auf Disketten und die Erstellung des Index. Innsbruck, im Juli 1992 F.N. M 11 Farbtafeln I-V H Farbtafel I: Stadtteilwappen von Vill, angenommen von einer Versammlung der Vereinsobleute und interessierten Mitbür- ger am 19. Februar 1992. Es zeigt in schrägrechts geteiltem Schild oben auf rotem Grund die stehende Figur des hl. Bischofs Martin mit Hirtenstab in seiner linken Hand sowie mit der weißen Gans zu seinen Füßen. Das weiße untere Feld zeigt ein Bronzerädchen von den vorgeschichtlichen Ausgrabungen am Kreit- oder Goarm- bichl in Vill. Heraldisch-graphische Gestaltung von Ernst Mairhofer, Sautens. Farbtafel II: Ansicht von Vill vom Poltenweg gegen Südwesten, um 1820. Lavierte Tuschzeichnung, Original im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum ... to the 1.4. 19 Farbtafel III: Die St. Martinskirche in Vill von Nordwesten (1991). Foto: Murauer Farbtafel IV: Darstellung der armen Seelen im Fegfeuer in der Viller Totenkapelle, wo auffallenderweise nicht Christus, sondern die durch zahlreiche Rosenkranz-Gebete angeflehte Gottesmutter als Erlöser dargestellt erscheint. Öl auf Holz, Foto: M. Hye-Weinhart Farbtafel V: Ansicht der alten Poltenhütte (vor 1905). Original Öl auf Leinwand, Privatbesitz. Zum Namen Vill Von Hermann Ölberg* Im Jahre 15 v. Chr. haben die römischen Heere unter Drusus und Tiberius den letzten Teil der Alpen erobert und damit die kürzeste Verbindung vom Süden her über Brenner und Reschen nach AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg) geschaffen, dem wichtigen Verwaltungszentrum und Sitz des kaiserlichen Prokurators. Trotz mutigen Widerstan- des der,,Urtiroler" war es für das römische Heer nur ein kurzer Sommerfeldzug. Antike Berichte zeigen uns, daß sich in der Brutalität der Kriegsführung bis heute nichts geändert hat. So ist Horaz IV, 14.7 ff. zu entnehmen,,neulich erst mußten die Vindeliker, die von römischer Satzung unberührt sind, lernen, was du im Kampfe vermagst. Denn mit deinen Soldaten vernichtete Drusus in heftigem Ansturm die Genaunen, ein unfried- liches Volk, und die schnellen Breuner und die auf grausigen Alpenhöhen errichteten Burgen zu mehreren Malen; bald darauf schlug der ältere der Neronen eine entscheiden- de Schlacht und warf die gewaltigen Räter mit glücklichem Erfolge" (Tiberius, geb. 42 v.Chr., Drusus, geb. 38 v.Chr.). Und Strabo IV, 6, 9 berichtet von der Kriegsführung der Eingeborenen, die um BRIGANTIUM (Bregenz), CAMBODUNUM (Kempten) und am Lech (Likatier) wohnen: wenn sie eine Ortschaft erobern, töten sie alles Männliche von klein auf, auch alle schwangeren Frauen, die nach Auskunft ihrer Seher männliche Nachkommen tragen. Florus, Epitome XXII (2. Jh. n.Chr.) erzählt, daß die Wildheit der Alpenvölker daraus ersichtlich sei, daß die Frauen, wenn sie keine Wurfgeschosse hatten, ihre Kinder am Boden zerschmetterten und sie den feindlichen Soldaten entgegenschleu- derten. Die römischen Soldaten werden kaum zimperlicher vorgegangen sein. Wir sind auch aus antiken Quellen über einige Stämme unterrichtet, die in Tirol hausten, wie die Breunen, die Genaunen, die Fokunaten, deren Lokalisierung nur relativ bekannt ist (Haider, Tirol 128 mit Karte). Im allgemeinen wird angenommen, daß die Breuni der Hauptstamm im Inntal gewesen seien. Mit der Eroberung des Landes setzte die Romanisierung der Bevölkerung ein. Land wurde Veteranen zugeteilt (Wattens * Vattānum,,Gut des Vatto", Erl * Aurelianum), Spuren der Landvermessung (quadra-Fluren) hat Hanns Bachmann rekonstruieren können. Daß auch Almwirtschaft betrieben wurde, zeigen viele romanische Namen, z. B. in Thaur (Ölberg, Besiedlungsschichten 107ff. mit Karte, Finsterwalder, Rofan). Das Land blieb romanisch bis zum Einbruch der Baiern im letzten Viertel des 6. Jh. Als Venantius Fortunatus um 565 seine Pilgerfahrt von Ravenna nach Tours unternahm und dabei auch durch Tirol zog, berichtet er, daß im Inntal Breuner waren, während die 13 Baiern noch außerhalb des Gebirges, in Oberbayern, saßen. Bald danach müssen aber die Baiern in Tirol eingefallen sein. Die Germanisierung erfolgte jedoch nicht schlagar- tig, sondern beide Bevölkerungsteile, Romanen wie Baiern, saßen noch für Jahrhunderte nebeneinander. Die allmähliche Aufsaugung des romanischen Elementes kann man mit sprachlichen Kriterien wie Lautsubstitution, Akzentverlegung u. dgl. gut rekonstruieren. Die Sprache der vorrömischen Bevölkerung ist uns nicht überliefert, immerhin haben wir etwa 160 Ortsnamen, die uns einen schwachen Hinweis auf den indogermanischen Charakter des „,Breonischen" geben. Ich ziehe diese kleinräumige Bezeichnung der früheren als ,,illyrisch" vor. Die Illyrertheorie ist widerlegt und heute nicht mehr aktuell (Kronasser). Ich erwähne nur die zahlreichen Ortsnamen an den südlichen Plateaus um Innsbruck: Igls, Lans, Sistrans, Aldrans, Rinn, Tulfes, Patsch, Mutters, Natters, Göt- zens usw. Daß die jahrhundertelange Romanisierung noch viel mehr romanische Namen hinterlassen hat, ist verständlich. Zu dieser Schicht gehört nun auch unser Ortsname Vill, gesprochen /fill/, urk. ca. 1220 Ville. Der Name kommt von lat. villa,,Landgut“. Dieses lateinische Wort kam schon früh zu den Germanen und ergab durch Lautsubstitution des lat. v-, im Germanischen als w- und späterer Diphtongierung des german. wil, weil, etwa in Rottweil, Weilheim. Beim Flurnamen Weil in Arzheim bei Ehrenbreitstein wurden Reste eines römischen Gehöftes aufgedeckt (Bach, Deutsche Namenkunde II, § 448). Namen auf Weiler gehen hingegen auf eine Ableitung von villa, nämlich villare zurück. Nun lautet aber unser Vill nicht Weil, sondern /fill/. Dies läßt sich dadurch erklären, daß das romanische v- später im Bairischen durch v- substituiert wurde, das lautgesetzlich f- ergab. In der ersten Landnahmezeit der Baiern war roman. v- noch bilabiales u- und ergab so bair. w- etwa in Wattens, Wilten. Es muß dann das rom. v- labiodental geworden sein, das die Baiern entsprechend als v-, später f- substituierten. Praktisch alle romanischen Namen in Tirol haben diese Vertretung als f, vgl. Vögelsberg * rom. veclu * vetulus,,alt". Was das i in Vill betrifft, so muß villa im Romanischen die Länge des i gekürzt haben, so daß regelrecht /fill/ entstand. Es ist also Vill eine bodenständige Entwicklung aus dem Romanischen. Übrigens tritt villa öfters, besonders in Südtirol, auf, auch in Arzl bei Innsbruck gibt es einen Flurnamen in der Vill, gesprochen /fill/ (Finsterwalder II, 628). Im Umkreis von Vill sind auch noch weitere romanische Namen erhalten geblieben. Auf der Katasteraufnahme von 1856 sind angeführt (und heute noch bekannt): Ronkes, gesprochen /rungges/ zu roman. *runcu, *runca,,Rodung". Ebenso in Arzl Runggen und Razell *runcéllu (Finsterwalder II, 629). Gula, gesprochen /die gul/ zu gula,,Schlund" (REW 3910, Schorta, 168). Fistel, gesprochen /fischtl/ zu ladinisch festil,,Brunnentrog aus einem Baumstamm" (Elwert, S. 76). Finsterwalder FN 278 weist Fistill in Enneberg, urk.,,hof ze Vestil“ nach. 14 Bei unserem Namen wurde der Akzent im Bairischen auf die 1. Silbe verlegt, eine Erscheinung, die alle vorrömischen und romanischen Namen betraf, die vor ca. 1000 n.Chr. in bairischen Mund kamen. Fikes, gesprochen /figges/ kann ähnlich wie der Flurname Figge in Rum und Föderfigkh in Kortsch, Vinschgau, zu petra ficta,,Grenzstein" gehören (Finsterwalder II, 684). Pains, gesprochen /pais/ (mit nasalem Diphtong), vielleicht zu pīnus,,Fichte“, „,Föhre"? Ältere Belege sind mir nicht bekannt. Allerdings müßte das roman. I in offener Silbe erhalten geblieben sein. Im Beitrag von Harwick W. Arch in diesem Band sind weiters zwei romanische Namen angeführt, die nicht im Kataster von 1856 aufscheinen, und zwar: die Balbitte zu lat. palude, ladinisch palua, paluva,,moosiges Feld" gestellt. Finsterwalder FN 186 erwähnt ein Palbitt bei Brixen, S.T., das er zu * palwa, einem Alpenwort mit der Bedeutung ,,überhängender steiler Fels" und roman. Ableitung -ittu- stellt; das Kartele, das zu quarta,,Viertel gehört. Vgl. quartinale als eine Ackerfläche, die eine entsprechende Menge Getreides liefert. Vgl. Finsterwalder FN 350. Die schriftliche Wiedergabe der Namen in Urkunden, Katastern u.dgl. ist vielfach nicht korrekt und bedarf unbedingt einer Überprüfung durch die Befragung von einheimi- schen Gewährsleuten. So lautet das auf der Katastermappe angeführte und schwer verständliche Gstans in Wirklichkeit /gstóass/. Die romanischen Flurnamen liegen westlich des Ortskernes von Vill, zur Sill hin, während östlich von Vill nur deutsche Namen aufscheinen wie Kreit (= Gereut), Schober, Vierwies, Bachgang, Seebüchl, Kreuzbüchl, Grill (zum Übernamen Grille; Finsterwalder FN 305). In dem erwähnten Beitrag von Harwick W. Arch erwähnt der Autor, daß die Tätigkeit eines römischen Landmessers noch heute im Katasterplan und in der Natur erkennbar sei. Aus der Namensform /fill/ ist die Frage, wann der Name ins Bairische übernommen wurde, schwer zu beantworten, da das Wort einsilbig und daher keine für die Chronologie wichtige Akzentverschiebung festzustellen ist. Es bleibt nur die Substitution des Anlau- tes durch bair. f-; dies würde auf eine Übernahme ab dem 7.- 8. Jh. hinweisen. *Ich danke dem Leiter des Stadtarchivs, Herrn Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye, sowie seinen Mitarbeitern für die Hilfe und Beratung bei der Ausarbeitung dieses Beitrages. Literaturhinweise: Wer sich über die Besiedlungsgeschichte und Interpretation der tirolischen Ortsnamen genauer informieren will, sei auf die gesammelten Beiträge von Karl Finsterwalder 15 verwiesen: Tiroler Ortsnamenkunde, Band I und II, Innsbruck, Universitätsverlag Wag- ner 1990. Band III ist in Vorbereitung und wird ein Gesamtregister der behandelten Namen enthalten. Adolf Bach, Deutsche Namenkunde II, Heidelberg 1954. Hanns Bachmann, Zur älteren Siedlungs- und Flurgeschichte von Wattens. In: Wattner Buch (Schlern-Schriften 165), Innsbruck 1958, S. 133-164. Hanns Bachmann, Über das Flurbild von Erl. In: Tiroler Heimatblätter 23 (1948), S. 119-122. W. Theodor Elwert, Die Mundart des Fassa-Tales. Heidelberg 1943. Karl Finsterwalder I, II: Tiroler Ortsnamenkunde, Band I, II. Innsbruck 1990. Karl Finsterwalder FN: Tiroler Familiennamenkunde (= Schlern-Schriften 284). Sei- tenzitate nach der Auflage von 1990. Karl Finsterwalder, Rofan: Rofan - seit Urgeschichtszeit ein Almenland - im Spiegel seiner Namen. Abgedruckt in Finsterwalder II, S. 758-762. Peter W. Haider, Tirol unter römischer Herrschaft. Geschichte des Landes Tirol, Band 1. Bozen-Innsbruck-Wien 1985, S. 127-264. Heinz Kronasser, Zum Stand der Illyristik. Linguistique balkanique 4, Sofia 1962, S. 6-23. Hermann M. Ölberg, Das vorrömische Ortsnamengut Nordtirols. Ungedruckte Disser- tation. Innsbruck 1962. Hermann M. Ölberg, Besiedlungsschichten: Die Besiedlungsschichten in einer Tiroler Gemeinde anhand der Örtlichkeitsnamen. Amtlicher Gebrauch des geographischen Namengutes, hg. von Egon Kühebacher. Bozen 1986, S. 107-110. REW: Romanisches etymologisches Wörterbuch von W. Meyer-Lübke. 3. Aufl., Heidel- berg 1935. Andrea Schorta, Rätisches Namenbuch. Band 2. Bern 1964. 16 Die vorgeschichtliche Hügelsiedlung in Vill Von Harwick W. Arch Die Lage Beim Dorf Vill, seit 1942 Stadtteil von Innsbruck, ziehen sich unweit der St. Martinskir- che nördlich des von Igls kommenden Viller Baches drei kleine Hügel von Westen nach Nordosten. Sie sind an ihrem Südhang von einem kleinen und in Tirol sonst seltenen Mischwald mit mehrhundertjährigen Eichen bedeckt. Die Kuppe des mittleren, niedrig- sten Hügels wurde in den letzten Jahrzehnten aufgeforstet. Die Hügel erreichen im Westen beginnend Seehöhen von 844, 843 und 853 Meter, dann fallen sie gegen das Viller Moor hin auf etwa 840 m ab. Die Viller Kirche und der Dorfkern liegen auf 821 m Seehöhe. Das Moor ist also etwas höher und wird in den Viller Bach entwässert.¹ Die Hügel selbst sind Teil einer Eiszerfalls-Landschaft, die auf dem Phyllit-Grundgebir- ge der das Inntal begleitenden südlichen Mittelgebirgs-Terrasse liegen. Das anschließen- de Moor hat eine Mächtigkeit von - heute noch etwa 5 m. Die Torfschicht hat sich in dem 1813 abgelassenen Viller See erhalten. Heute sind dort saure Wiesen. Als Terrassen- sedimente kommen wie auf den Hügeln Schotter, fluvioglaziale Sande und Tone vor; über den Tonen liegt im Moor noch eine Schicht Seekreide. Mit Kaufverträgen vom 7. Juni 1936 erwarben die Eltern des Verfassers, Josef und Mia Arch, geb. Redlich von den Landwirten Josef Span (vulgo Bürger) und Josef Abenthung (vulgo Nocker) einen Teil der Hügel. Es waren die Grundparzellen 307, 306/1, 267/2 und 277/2 der Katastralgemeinde Vill. Die Parzelle 307 deckt sich fast genau mit dem seinerzeit als,,Heiligtum“ bezeichneten Gebäuderest einer vorgeschichtlichen Siedlung. Er war im Norden und im Westen durch die starke Winderosion über der Grasnarbe zur Zeit des Grundkaufes noch sichtbar. Der auch als Legalisator fungierende ehemalige Gemeindevorsteher von Vill, Josef Span (1904 bis 1908) bezeichnete die Mauerreste als ,,Turm". Nach den ersten archäologischen Funden wurden gegen Osten hin auch die Parzellen 308, 309 und 276/1 in die Grabungen einbezogen. Die Parzelle 307 ist im Gegensatz zu allen anderen flach und bildet ein etwa 20 m langes Plateau knapp westlich 1 Sr. Pankratia Feurstein, Geschichte des Viller Moores und des Seerosenweihers an den Lanser Köpfen bei Innsbruck, in: Beihefte zum Botanischen Centralblatt Bd. LI, Abt. II, 1933, S.477-529; die angegebenen Seehöhen sind durch neuere Messungen teilweise überholt. 17 des baumbestandenen Hügelkammes. Hier wollten meine Eltern - meine Mutter war Malerin ein Atelierhaus bauen. Dieses hätte sich den Umrissen jenes alten Hauses anpassen sollen, das in der Natur und auf dem amtlichen Katasterplan 1:2880 erkennbar war. Der Name Unbekannt ist der Name der vorgeschichtlichen Siedlung in Vill. Vill selbst wird meist auf die römische Villa zurückgeführt, was allerdings etwas kritischer betrachtet werden muß. Eine römische Villa, also ein großes Landhaus, ein Gutshof, wie es dem lateini- schen Sprachgebrauch, den Siedlungsgewohnheiten der Römer im engeren Sinne und der Nähe von Veldidena entsprochen hätte, ist in Vill bis jetzt nicht entdeckt worden. Wenn auch die Hügelsiedlung in der römischen Kaiserzeit ein wenig bewohnt gewesen war, so konnte sie doch dem späteren Dorf einen solchen Namen nicht geliehen haben, weil es ihn in dieser Bedeutung noch nicht gab. Erst die spätere romanische Mischbevölkerung kannte das Wort,,villa" im Sinne eines Weilers oder eines kleinen Dorfes, wie Beispiele aus der rätoromanischen Schweiz zeigen. Die,,via ad villam Ville" in einer Urkunde von 12512 war also nicht der,,Weg zum Hof Ville", sondern der Weg zum ehemals romanischen,,Weiler Ville", dessen Entstehung und Namengebung daher erheblich nach dem noch römischen" 4. Jahrhundert n.Chr. anzusetzen ist. Auf eine Besiedlung des Dorfkernes wesentlich vor der urkundlichen Nennung im 13. Jahrhundert deuten jedoch die Maße aus der römischen Feldmeẞtech- nik, von denen noch zu berichten sein wird. Auch gibt es noch zum Teil bis heute benützte Flurnamen in Vill mit romanischer Wurzel. Dazu gehören die Balbitte (lad. paluva, moosiges Feld), in der Gulle (roman. golla, Lacke), Runkes (roman. runca, Rodung) oder das Kartele (Quartele, Viertel). Andere Deutungen wie die der,,Fülle", die bei alten Wasserbauten (Viller See) soviel wie Andämmung oder Anschwemmung³ bezeichneten oder der Heilige Vigilius, der in vielen Tiroler Familiennamen als Fill, Vill, Fili oder File wiederkehrt, verblassen gegenüber der Erklärung aus der romanischen Wurzel. Bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert liest man den Ortsnamen zumeist ,, Ville". 2 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung von Tirol (= Archiv für österr. Geschichte Bd. 107) 1923, S. 326; sowie Franz-Heinz Hye, Igls und Vill. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Innsbrucks. Innsbruck 1976, S. 10. 3 Bartholomäus Eberl, Die Bayerischen Ortsnamen als Grundlage der Siedlungsgeschichte, 2. Bd., München 1926, S. 141 und 189. 4 Karl Finsterwalder, Die Familiennamen in Tirol. In: Schlern-Schriften 81, Innsbruck 1951, S. 210. 18 Vorgeschichtliche Ausgrabungen am Kreit- oder Goarmbichl: Die Grundmauern mit dem Eingang (vorne) des südseitigen Gebäudes. Foto: Denkmalamt (1941) 19 Der Hügel selbst, um den es hier geht, wurde bei den Kaufverhandlungen (1936) stets ,,Turmbichl" genannt, obwohl dieser Name sich auf den südlich benachbarten Hügel bezieht, wo er sich auch bereits in der Katastermappe von 1856, dem ältesten detaillierten Plan von Vill, eingezeichnet findet. Neuere Historiker, vor allem Walter Leitner und Peter W. Haider, denen wir die sehr aufschlußreiche Darstellung des vorgeschichtlichen Vill verdanken, benützen den Namen,,Goarmbichl". Für die Ausgräberin Helene Miltner gab es von Anfang an nur den Turmbichl7. Sie verfaßte den bis heute einzigen ausführlichen Grabungsbericht unter dem Titel,,Die Illyrer-Siedlung in Vill", von dem hier noch zu sprechen sein wird. Darin gab es nur den Namen Turmbichl. Lediglich in einer Fußnote auf Seite 7 meint sie, daß sich der Name Turmbichl erst während der Ausgrabungen eingebürgert hätte und daß der Hügel mit den baulichen Resten,,Goarmbichl" hieße. Dieser Name ist jedoch nicht historisch und auf keiner einzigen alten Landkarte oder Urkunde zu finden. Der Verfasserin wurde damals bekannt, daß der meiner Familie am 8. Dezember 1939 als Entschädigung für das enteignete Grabungsareal zugewiesene Teil des Hügels zu einem Hof gehörte, dessen Eigentümer die Erbengemeinschaft Jakob Schwemberger - ebenfalls einfach enteignet worden waren. Dieser Hof trug früher den Namen,,Garnhof". Er stand an der Stelle des heutigen Schwemberger-Wirtschaftsgebäudes (Igler Straße Nr. 19) und ist 1910 abge- brannt. Der jetzt im Höfemuseum bei Kramsach stehende Schießstand von Vill zeigt noch Spuren des Brandes in seiner Nähe. In den Akten der Höfekommissions und in den Grundbuchsauszügen hieß der Hof Gamhof - sicher ein Hörfehler des Gerichtsschrei- bers. So also wurde aus dem Hügel des Garhofs (vgl. unten im Beitrag von Franz-Heinz Hye die Daten zur Häusergeschichte) - mit dumpfem a bzw. oa - der Garnhof und der ,,Goarmbichl", dessen Nordhang noch heute im Eigentum der Familie Schwemberger steht. 5 Walter Leitner, Die Urzeit. In: Geschichte des Landes Tirol, Bd. 1, Bozen 1985, S. 14 und 107ff.. 6 Peter W. Haider, Von der Antike ins frühe Mittelalter. In: Geschichte des Landes Tirol, Bd. 1, Bozen 1985, S. 131 und 179. 7 Helene Miltner, Vorgeschichtliche Siedlung auf dem Turmbichl in Vill. In: Tiroler Heimatblätter 18 (1940), Heft 5/6, S. 73-76. 8 Bezirksgericht Innsbruck, GZL. 2214 vom 18.8.1936 und Tiroler Höfekommission, Zl. III/574/4 vom 15.2.1936. 20 Vorgeschichtliche Ausgrabungen am Kreit- oder Goarmbichl: die Fundamente des nordseitigen Gebäudes. Im Hintergrund der Seebichl. Foto: Denkmalamt (1941) 21 21 Die Entdeckung Vill hatte zu wenig und nicht sehr gutes Trinkwasser. Ein Bauwerber mußte daher 1936 selbst für eine Wasserleitung sorgen, um bauen zu dürfen. Das taten wir daher und wollten auch gleich das Nutzwasser für die Bauarbeiten aus einer am Fuß des Hügels gefaßten Quelle in eine 2,7 x 1,3 m große und 2 m tiefe Betonwanne pumpen. Diese hätte später als Teil einer Kläranlage, in einem sogenannten Emscher Brunnen das Abwasser aufnehmen sollen. Meine Eltern begannen selbst mit dem Aushub und ich als Vierzehn- jähriger mußte helfen, was ich sehr ungern tat. Am 20. August 1937 mittags, einem Freitag, stieß ich in 80 cm Tiefe auf einen - wie ich meinte Hundsknochen. Wir hatten damals einen munteren Foxterrier mit in Vill, den aber das Steiẞbein eines menschlichen Skelettes aus dem 7. Jahrhundert überhaupt nicht interessierte. Damit hatte auch ich jedes Interesse an alten Knochen verloren, von der für mich langweiligen Arbeit ganz zu schweigen. Nicht so meine Mutter, die als akademische Malerin auch Anatomie studiert hatte und mit größtem Interesse noch am gleichen Tag eine Beckenschaufel und einen halben Oberschenkelknochen sorgfältig barg. Sie rief noch am Abend den Chef des Anatomi- schen Institutes, Dr. Felix Sieglbauer, an, der aber gerade seinen Urlaub begann. Er schickte seinen Assistenten Dr. Johannes Schneider am Samstag früh mit der Igler Bahn zu uns nach Vill. Das weibliche Skelett - später als 1 bezeichnet - lag mit dem Kopf in Richtung zum Bach hin, das Gesicht nach rechts, also nach Osten gewendet, in Rückenlage, den rechten Arm angewinkelt, den linken ausgestreckt über dem Leib und die Beine geschlossen. Körpergröße in situ 169 cm. Der vollkommen erhaltene Schädel war mit 136 mm Breite und 186 mm Länge ein echter Langschädel und hatte ein fast vollständiges Gebiß. Man war damals mit Schneider¹0,,geneigt, das Viller Skelett als Baiwarenskelett (sic) anzu- sprechen. Das Lebensalter muß bei 20 Jahren liegen. Mit meinem Fotoapparat, einer Box um zehn Schilling der Firma Miller, mußte ich Fotos machen, wobei es mir nicht darauf ankam, den Kopf mit dem Gesicht auch einmal nach der anderen Seite blicken zu lassen. Das Skelett wurde später vom Anatomischen Institut um S 250,-- erworben und 1938 (!) 9 Nicht nach links, wie es auf einem zweiten Foto (= Abb. 3, in: Tiroler Heimatblätter 18 (1940), Heft 5/6, S. 75) zu sehen ist. 10 Johannes Schneider, Fund eines früh- oder vorgeschichtlichen, weiblichen Skelettes in Vill bei Innsbruck und seine Bedeutung. In: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, Math.-Naturwissenschaftli- che Klasse, Abt.I, Bd. 146, 5. und 6. Heft, Wien 1937, S. 195. 22 ,,als älteste Deutsche auf Tiroler Boden" auf einem Ehrenplatz inmitten des Museums- saales zu Studienzwecken aufbewahrt. Da es an Stelle seiner bescheidenen Bestattung mit einer Umrandung von wenigen Steinen nun eine schöne Vitrine, eben einen ,,Glassarg" erhielt, wurde es von den Medizinstudenten seither als Viller Schneewittchen bezeichnet. Heute, ein halbes Jahrhundert später, muß allerdings die bajuwarische Herkunft ernst- lich bezweifelt werden, da sie von Schneider nur auf Grund rassischer Merkmale festge- stellt wurde. Den Bajuwaren steht eine ethnische Mischbevölkerung, vor allem Roma- nen, mit größerer Wahrscheinlichkeit gegenüber. Die Information Der Bruder meines Großvaters, der Historiker Oswald Redlich, gab meinem Vater die Anschrift von Gero von Merhart in Marburg an der Lahn. Dem berichtete er am 3. September 1937 in einem ausführlichen Brief mit Fotos und Skizzen von dem Fund. Da aber die Antwort ausblieb und wir im Frühjahr 1938 mit dem Neubau beginnen wollten, wandte sich mein Vater telefonisch an Oswald Menghin in Wien. Für den aber war Vill zu jener Zeit gleichbedeutend mit dem Viller Moor, wo er Pfahlbauten vermutet hatte¹¹. Schon im Oktober 1920 war nämlich im Moor bei Torfsticharbeiten eine 130 mm lange Armbrustfibel gefunden worden¹². Es folgten im Mai 1921 eine Schädelkalotte und aus 2 m Tiefe eine 127 mm lange, frühhallstattzeitliche Lanzenspitze sowie ein schwärzlich- braunes, nur 2 mm starkes Tontöpfchen, 101 mm hoch und am Boden 60 mm breit. Vor allem erregten dort waagrecht liegende, behauene Pfähle Menghins besonderes Interesse, das aber trotz mehrerer Versuche weder von ihm und später auch nicht von seinem Sohn Osmund durch systematische Bergungen befriedigt werden konnte. Was Wunder, wenn sich Menghin nicht von einem solchen archäologischen Hoffnungsgebiet ablenken lassen wollte und meinem Vater bei seinem Anruf wörtlich sagte: „,Das werden halt Tote aus den Befreiungskriegen sein“ und er möge sich an die Historiker wenden. Da auch die damaligen Denkmalpfleger Dr. Oswald Graf Trapp in Innsbruck und Hofrat Dr. Kurt Willvonseder in Wien ähnlich reagierten, war mein Vater zutiefst beleidigt und sprach von da an nur mehr abfällig über Archäologen. 11 Oswald Menghin, Nordtiroler Funde, 2. Pfahlbauspuren im Viller Moos. In: Wiener Prähistorische Zeitschrift XI (1924), S. 118-121. 12 Heinrich Schuler, Zur Abtorfung des Viller Sees. In: Tiroler Anzeiger vom 5. 6. 1920: Schuler war der spätere Abt des Prämonstratenserstiftes Wilten, dem der See bis zur Säkularisierung am 17. September 1807 gehörte. 23 Diese Abneigung erhielt dann im März 1938 mit dem Anschluß von Österreich an das Deutsche Reich neue Nahrung. Durch seinen Kriegskameraden, den Historiker Otto Stolz, wurde er mit Franz Miltner bekannt. Inzwischen war Schneiders Aufsatz als Sitzungsbericht durch die Vermittlung Oswald Redlichs im Druck erschienen und auch in Innsbruck bekannt geworden: Kurz, unser Skelett wurde zum Beweis für die erste deutsche Besiedlung Tirols und damit auch zu einer pseudo-historischen Rechtfertigung des Anschlusses erhoben. In der guten Absicht, die neuen Machthaber auch für kulturel- le Dinge und für wissenschaftliche Arbeit zu interessieren, wurde Gauleiter Franz Hofer von Miltner zu uns nach Vill geführt. Wenige Wochen darauf mein Vater war bereits bei der Deutschen Wehrmacht wurde das Enteignungsverfahren über unser Grund- stück,,zugunsten des Reichsschatzes" eröffnet. Da unser Haus in der Meraner Straße 6 fast zur gleichen Zeit zur Erweiterung des Landhauses in das Eigentum des Landes überging und wir nicht einmal mehr eine Wohnung hatten, wurde der Enteignungsbescheid in einen Tauschvertrag umgewandelt; unseren Baugrund waren wir aber los. Es wurde uns der Grund mit dem scharfen Kamm im Westteil des Hügels zugewiesen, der dann einfach der Familie Schwemberger wegge- nommen wurde. Er war als Baugrund vollkommen ungeeignet und viel zu schmal, so daß die Aufschließungskosten ungeheuer stiegen und auch der Architekt, Willi Stigler, heftig protestierte. Dreimal mußte dann der Bau auf Weisung des Gauleiters-Stellvertreters Parson innerhalb von Stunden eingestellt werden, weil er nicht in die Landschaft paẞte. Einmal wurde das Weiterbauen verboten, weil auf unserem neuen Grund riesige Weiß- tannenbalken aus dem Tannheimer Tal abgeladen wurden, die für die Rekonstruktion des sogenannten,,Heiligtums" gebraucht wurden. Vom 8. bis 21. Mai 1939 wurde von der Lehrkanzel für Alte Geschichte an der Innsbruk- ker Universität, damals Deutsche Alpenuniversität, noch auf unserem Areal eine Probe- grabung begonnen. Dabei hielt man es nicht einmal für notwendig, uns zu verständigen oder etwa gar meine Mutter zu fragen. Diese Probegrabung brachte aber endlich die Bestätigung unserer Vermutung, daß es sich um eine Siedlung handelte, deren systemati- sche Ausgrabung wertvoll zu werden versprach. Mit den dabei ergrabenen Informatio- nen konnte dann Frau Dr. Helene Miltner, die Gattin des Universitätsprofessors Milt- ner, am 9. Juli 1939 mit den Grabungen beginnen. 24 Die Zeit Osmund Menghin meint in einem Beitrag zur Historisierung der Urgeschichte Tirols¹³ im Zusammenhang mit den auf Volderer und Staner Keramik auftretenden ,,Wolfszahn- kanneluren", daß noch,,älteres offenbar aus Vill vorliegt; so wird man mit der Tierkopf- fibel mit nach hinten gewandtem, doch naturalistischen Pferdeköpfchen nur ungern wesentlich unter das 5. Jahrhundert v. Chr. heruntergehen wollen, auch wenn es vorläu- fig nicht möglich ist, ihr einen eindeutig zugehörigen Formen- und Dekorkreis aus der Keramik an die Seite zu stellen. Hingegen wird man gern die bronzene Armspirale mit Tierkopfenden für den Untergang der Siedlung in Anspruch nehmen, auch wenn sie isoliert gefunden wurde (. . . ), da ein solches Stück auch in Stans ans Licht gekommen ist und weitere solche Armreife aus Sanzeno sich im Ferdinandeum befinden, die nach Patina aus der Brandschicht stammen müssen. Diese Hinweise dürften genügen, um darzutun, daß dieser Platz zu recht für unseren Störungshorizont in Anspruch genom- men werden darf, auch wenn (...) eine spätere Wiederbesiedlung, gleich in welcher Form, stattgefunden hat." Damit ist der Zeitansatz bei Miltner14 mit der ,,zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Zr." für den Beginn der Besiedlung erheblich früher zu sehen. Im Zusammenhang mit der eher jüngeren Siedlung am Himmelreich in Volders¹s ist gegenüber Menghin minde- stens die vorsichtigere Datierung der ersten Viller Siedlungsphase mit dem 4. bis 1. Jh. v. Chr. bei Lippert¹6 vorzuziehen. Die,,Fritzner Schalen" (siehe unten, Kleinfunde!) mit dem waagrecht umlaufenden Tannenreismuster (Miltner nennt es Fischgräten) lassen sogar eine Datierung in die Latènezeit A zu. Reinecke läßt dafür allerdings in weniger gebirgigen Gegenden absolut chronologisch etwa die Jahre 500 bis 400 v. Chr. gelten. Ein ,,schematischer Versuch der Besiedlungsdauer" bei Paul Gleirscher17 läßt für Fritzens- Sanzeno-Fundorte in Nordtirol die erste Besiedlung von Vill während der ganzen Latènezeit (A bis D) durch Keramiken gesichert erscheinen. Sie wird nur von Fritzens und dem Burgberg in Stans übertroffen, die wie Tarrenz sogar in die späte Hallstattzeit D hineinragen. Erst mit Abstand folgen dann (ab Latène B, also etwa dem späten 4. Jahrhundert) Telfes, das Himmelreich in Volders, Ranggen und Birgitz, die alle vor der 13 Osmund Menghin, Zur Historisierung der Urgeschichte Tirols. In: Tiroler Heimat 1961 (XXV), S. 5f. 14 Helene Miltner. Die Illyrer-Siedlung in Vill. Innsbruck 1944, S. 37f. 15 Alfons Kasseroler, Die vorgeschichtliche Niederlassung auf dem „,Himmelreich" bei Wattens. In: Schlern- Schriften 166, Innsbruck 1957, S. 127. 16 Andreas Lippert, Vill. In: Reclams Archäologieführer Österreich und Südtirol, Stuttgart 1985. 17 Paul Gleirscher. Die Kleinfunde von der Hohen Birga bei Birgitz. Diss. Innsbruck 1984, S. 111 und 113. 25 Latènezeit D und vor Vill zerstört oder jedenfalls als Siedlung aufgelassen worden sein dürften. Mit der ersten Zerstörung ist auch nicht die Eroberung durch Drusus und Tiberius 15 v. Chr. anzusetzen, wie Miltner noch meinte. Wenn nicht ein großer Brand diese dem Föhn so stark ausgesetzten Hügel heimsuchte, sind frühere Kriegsereignisse dafür anzunehmen. Zwar streifte der Kimbernsturm 102 v. Chr. unseren Raum nicht, Unruhen könnte er aber bei den Kelten ausgelöst haben, in deren Gefolge die Zerstörung der Viller Hügelsiedlung denkbar wäre. Leichter fällt uns die zwar dünnere aber durch Münzen eindeutigere Datierung während einer zweiten Besiedlung des Viller Hügels in der römischen Zeit. Hier liegen Münzfunde von Commodus (180-192) bis Julianus Apostata (360-363) vor, die noch durch einwand- frei römische Terrasigillata-Scherben bestätigt werden. Nach einer fundleeren Epoche, die als Besiedlungslücke gedeutet werden muß, beginnt vielleicht eine kurze frühmittelalterliche Verwendung des Hügels. Menghin setzt sie aufgrund der 13 Gräber in das 8. bis 9. Jahrhundert n. Chr. an, neuere Autoren nennen eher das 7. und das frühe 8. Jh.18. Über den Zeitpunkt, wann und vor allem ob eine bajuwarische Siedlung auf dem Hügel bestand, gibt es nirgends Angaben. Daß zwei Bestattungen im südöstlichen Wohnbau innen erfolgten, scheint zu zeigen, daß zumin- dest dieser Teil der Siedlung nicht mehr bewohnt und wahrscheinlich zerstört war. Nur die Grundmauern die heute durch einen ebenfalls bereits zerbröckelnden Betonkranz markiert sind könnten den beiden Bestattungen (Nr. 7 und 8) als Einfriedung gedient haben. Anschließend an den Satz über die (anzuzweifelnde) bajuwarische Siedlung führt aber Osmund Menghin - nur durch einen Strichpunkt getrennt - einen Satz an, gegen den ich mich mit aller Entschiedenheit verwahren muß; er ist nämlich unwahr. Er schreibt:,,Von privater Seite habe ich gehört, daß ein weiterer Gebäuderest beim Bau der heute in der Südwesthälfte des Hügels stehenden Villa zerstört wurde." Zwar wurde uns tatsächlich von Freunden und Nachbarn oft geraten, neuerliche Funde nun zu verheimlichen, doch war die Neugier vor allem meiner Mutter aber auch meiner Mitschüler, die zugleich mit unserem Grundaushub nebenan auf Miltners Grabung arbeiteten, zu groß, um nicht ständig danach zu suchen. Der Ersatzgrund war so spitz, daß darauf kein vernünftiger Mensch jemals ein Gebäude gesetzt hätte, es sei denn, er hätte ihn wie wir sechs Meter abgegraben, angeböscht und mit einer Stahlbetonplatte als Fundament gegen das Abrut- schen über die steilen Hänge abgesichert. Außer zwei mittelalterlichen Streufunden, einem Besteckgriff und einer Hakenschnalle 18 Peter W. Haider, a.a.O., S. 227ff. 26 mit einer Herzverzierung war die ganze Parzelle 305/3 vollkommen fundleer. Kein einziges Keramikfragment, von einem Gebäuderest ganz zu schweigen. Irgendein Hin- weis auf zerstörte Funde konnte von niemand ernstlich gegeben werden. Die Schließung der chronologischen Lücke zwischen der Viller Vorgeschichte im 7. oder frühen 8. Jahrhundert n. Chr. und den ersten schriftlichen Aufzeichnungen ist schwierig. Sie beträgt nach dem heutigen Wissensstand rund ein halbes Jahrtausend 19. Nur die Tätigkeit eines Landmessers, der mit römischem Fuß, mit,,actus" und,,heredi- um" zu messen verstand und manchen Viller Wiesen und Feldern ihre auch heute noch in Katastralplan und Natur20 sichtbare Form gab, vermag diese Lücke ein wenig zu unterbrechen. Zwar gibt es keinen Beweis für die Datierung dieser Vermessung, doch darf nach den Erfahrungen aus Salzburg, Oberösterreich und Bayern etwa auf die Karolingerzeit, vielleicht grob auf das 10. Jahrhundert geschlossen werden. Die vage Vermutung, Vill könnte uns zwischen den frühchristlichen Gotteshäusern in Ampass und Zirl eine weitere christliche Stätte aus dem frühen Mittelalter preisgeben, gewinnt damit an Boden. Dörfer mit römischer Landvermessung sind nämlich,, Aus- gangspunkte sowohl für die Romanisierung wie für die erste Christianisierung des Landes 21 Romanische Flurnamen und der Ortsname selbst, die ja wegen der Besied- lungslücke nach der römischen Kaiserzeit nicht auf diese zurückgehen können, unter- mauern die spätere Romanisierung. Bis zur ersten urkundlichen Erwähnung eines Viller Mesners22 im Jahre 1312 klafft freilich noch immer eine Lücke, die höchstens mit archäologischen Methoden und außerhalb der Hügelsiedlung geschlossen werden könn- te. Doch damit sprengen wir schon den Rahmen einer vorgeschichtlichen Betrachtung. 19 Bis 1220; Edmund v. Oefele, Geschichte der Grafen von Andechs. Innsbruck 1877, S. 181. 20 5 actus und 1 heredium südlich des Bachganges, 8 actus südlich des Archbichls, 5 actus bei der Parzelle mit ,,Haus 3", 1 Quadratactus um St. Martin, 1 actus bei der Mühlpuiten u.a. 21 Hanns Bachmann, Zur Datierung der römischen Feldvermessungen in Nordtirol. In: Tiroler Heimatblätter 24 (1949), S. 44. 22 Karl Schadelbauer (Bearbeiter), Das Inntaler Steuerbuch von 1312. In: Quellen zur Steuer-, Bevölkerungs- und Sippengeschichte des Landes Tirol (Oswald-Redlich-Festschrift), Schlern-Schriften 44, Innsbruck 1939, S. 56:,,der Mesner" ist bereits Beiname eines Bauern namens Albreht und daher älter. 27 Die Bauten Im ganzen wurden auf der Hügelsiedlung nur zwei große Häuser und ein kleineres drittes Haus festgestellt. Ob dieses aber aus mehreren Räumen bestand oder ob es sich um zwei oder drei verschiedene Häuser handelte, muß offen bleiben. Außerdem war die Archäo- logie des Holzes in den Vierzigerjahren unseres Jahrhunderts eine noch wenig entwickel- te Wissenschaft. Es war daher möglich, daß Holzreste zwar in Steinbauten oder Funda- menten als Schwellen, Fußböden, Säulen und einmal (bei Skelett 4) auch als Bestattungs- rest festgestellt wurden, daß aber Holzhütten ohne Steinfundament nicht vermutet und daher auch bei der Grabung nicht erkannt wurden. Das Haus 1 steht südlich des westlichen Hügelkammes auf einer bereits erwähnten, künstlich eingetieften Hangterrasse. Es mißt Ost-West 22 m und Nord-Süd 10 m. Neben einem großen Raum sind noch zwei kleine und ein Gang vorhanden. Miltner wunderte sich noch über den ,,eigenartigen Grundriß23 des Gangraumes. Ein Jahrzehnt später wurden jedoch im Himmelreich in Volders genau die gleichen winkelförmigen, an den Schmalseiten dreier Häuser nach innen führenden Gänge freigelegt. Auch in den räti- schen Häusern von Stans/Unterinntal, Birgitz, Stufels/Brixen a.E., Tesero im Fleimstal, Montesei di Serso, Sanzeno am Nonsberg und anderen Tiroler Fundorten des Fritzens- Sanzeno-Kreises sind sie zu erkennen. Sie sind als Windfang zu deuten, obwohl im Laufe der Zeit auch eine gewisse Schutzfunktion dazugekommen sein dürfte 24. Ein so aufwen- diger Windfangbau war aber nur notwendig, wenn das Haus ein Warmdach hatte, das gegen Winddruck und Sog von außen und gegen Hub von innen geschützt werden mußte. Das mit Holzschindeln gedeckte,,bairische" Kaltdach, das fast bis in die Gegen- wart in Vill üblich war, hätte derlei nicht gebraucht, da die Blockbauweise einen Überboden trug. Stroh ist als Deckmaterial bei den damaligen, niedrigwüchsigen Getreidesorten unwahr- scheinlich. Es kommen daher eigentlich nur Sauergräser in Frage, die an den Ufern des nahen Sees reichlich verfügbar waren. Daraus ergibt sich aber eine Dachneigung von mindestens 50° und die Form eines Satteldaches. Pultdächer könnten nur bei kleinen Anbauten verwendet worden sein. Der große Raum hatte in der Mittelachse drei Bodenplatten, die als Auflager für Holzsäulen aufgefaßt werden müssen und die die Satteldachform parallel zur längeren Hausfront bestätigen. Sie sind bei der großen Spannweite der Pfetten und einem Licht- maß von 8,14 x 8,25 m durchaus erforderlich. An den Wänden befinden sich Mauer- 23 Miltner, a.a.O., S. 9. 24 Renato Perini, Tesero (...) casa retica protoistorica. In: Per P. Frumenzio Ghetta OFM., Vich/Vigo di Fassa 1991, S. 511. 28 schlitze, die außergewöhnlich tragfähige Säulen mit einer Schmalseite von mindestens 30 cm aufnahmen. Im Osten gab es davon wahrscheinlich drei (zwei sind noch sichtbar), im Norden fünf und im Westen drei oder vier. Ähnliche Schlitze gibt es auch im Haus 2, von dem noch zu berichten ist. An der Südmauer waren keine Ausnehmungen für Säulen mehr feststellbar, doch waren sie durch Umbauten, Hangrutschung und vielleicht auch durch rezente Materialentnah- men gestört. Möglicherweise hatte die Mauer ähnlich dem Himmelreichhaus die Kon- struktion für den Risalit oder einen Söller zu tragen, wenn das Haus zweigeschossig gewesen sein sollte. Von der Ausgräberin wurde diese Frage nicht berührt. Mein Vater behauptete später, in der Mitte der Südmauer, aufgedeckt auf die Säulen an der Nord- mauer rechteckige Sockellöcher gesehen zu haben, die der Maurer 1942 oder 1943 bei der Ausbesserung geschlossen habe. Vielleicht müßte man auch der früheren Skizze von Walter Schreiber (= Abb. 6 bei Miltner) trauen, die diese Stellen leer ließ. Jedenfalls ist wie beim rätischen Haus im Fleimstal ein halb eingetieftes Haus in Mischbauweise, unten Stein und oben Säulenkonstruktion anzunehmen, das ein steiles Pfettendach mit stehen- dem Stuhl hatte, der auf Deckenbalken mit einer Mittelschwelle und zwei Fußpfetten ruhte. Ein hoher Stauraum, vielleicht auch ein Obergeschoß mit niedrigem Kniestock ist möglich. In unserem Haus 2 und im vergleichbaren Haus XIII auf der Hohen Birga bei Birgitz ist ein Obergeschoß 25 sogar gewiß. Auffallend am Haus 1 ist aber der heute zerbrochene, etwa quadratische Schieferblock, der etwas aus der Mitte des großen Raumes liegt. Er erhielt nach der vollständigen Freilegung zu sehen war er schon vorher einen Stahlrahmen mit einer Glasabdek- kung, doch wurde diese bald wieder zerstört und er ist seither sehr rasch verwittert. Seine noch 1939 erkennbare Gestalt von etwa 1 m Seitenlänge und 0,25 m Höhe ist vollkom- men dahin. Er wurde von einer Platteneinfassung umrahmt, die rundherum eine 50 cm breite und 22 cm tiefe Rinne bildete. Da in der Nähe ein kleines bronzenes Speichenrad gefunden wurde und besonders schön verzierte Keramikfragmente verstreut lagen, nannte Miltner den Block Opferstein oder Altar und das Gebäude ein Heiligtum. Nun glaubte ich aber immer schon übrigens übereinstimmend mit Lippert26 und anderen an eine ganz prosaische Erklärung. Wenn ein zukünftiger Archäologe in einem Tiroler Haus zwei Heiligenbilder und ein Kreuz findet, so wird er daraus auch keine Kirche, sondern eben den Herrgottswinkel der Stube erschließen. Ähnlich ist der,,Opfer- stein" der Herd des Hauses, auch wenn darauf vielleicht Opfer dargebracht wurden und ein Kulträdchen die religiöse Überzeugung der Bewohner in der ersten Besiedlungsphase sichtbar machte. Es gibt dagegen bei Miltner zwei Einwände: Einmal, daß der Altar 25 Paul Gleirscher, a.a.O., S. 21. 26 Lippert, a.a.O., S. 251. 29 30 30 deswegen aus der Gebäudeachse verschoben sei, weil durch das Eintreten hinzukommen- der Teilnehmer die kultische Handlung behindert würde; diese Rücksichtnahme kann aber auch für das Kochen des Mittagessens gelten. Daß zweitens Brandreste oder Asche auf dem Steinblock 1939 fehlten ist nicht auf die seltenere Verwendung als Altar zurückzuführen, sondern auf eine Verwitterung, da er ja teilweise freilag. Zählt man die Breite eines Türstockes zum südlichen (längeren) Teil der ostseitigen Innenmauer des Hauses hinzu, so steht der Herd sogar genau in der Mitte dieser Mauer - wenn auch nicht des Raumes! Der Verfasser konnte in den Abruzzen bei Acquafondata primitive, einräumige Häuser mit der gleichen offenen Feuerstelle sehen, um die die ganze Familie beim Essen herum- saẞ und in deren Rinne die Füße Platz fanden. Zudem hat der spätere Ordinarius für Volkskunde, Karl Ilg, als Student selbst vom 9. Juli bis 13. September 1939 an der Grabung in Vill teilgenommen und von ihm stammt die Beobachtung einer alten Niederlegerhütte südlich von Wattens: Dort gibt es eine ähnliche Herdanlage, etwa einen halben Meter hoch, auf Felsgestein und oben mit Lehm glatt verstrichen. Deren Vertie- fung wird allerdings nicht wie in Vill von stehenden Schieferplatten sondern von Brettern eingefaßt.,,Diese Herdgrube wird auch heute noch (1957, Anm. des Verfassers) vom Almpersonal als vorteilhaft empfunden, wenn es durchnäßt und durchkältet in die Hütte flüchtet **27 Das Holz der Türschwellen, der Polsterhölzer des Fußbodens und der erwähnten Säulen war bei der Freilegung noch in Spuren erkennbar. Es wurde 1942 als Tanne angespro- chen, weil die der Eisenzeit entsprechende Periode in der Botanik als „,Tannen-Buchen- Zeit 28 bezeichnet wurde. Es könnte jedoch auch eine Rottanne (= Fichte) gewesen sein, die in der Viller Gegend häufiger war. Der Transport der schweren Weißtannenbal- ken aus dem Tannheimer Tal für die Rekonstruktion 1940 wäre überflüssig gewesen - zumal auf unserer Parzelle seinerzeit sogar ein Holzbezugsrecht im nahen Ahrntal lag. Am Nordhang des jetzt von Birken und Föhren bestandenen Hügels befindet sich das Haus 2. Es ist 13,9 x 8,3 m groß und hat einen 1,3 m breiten, sich allmählich verbreitern- den Rampengang im Nordosteck, aus dem man wieder in einen gleichen verwinkelten Gang gelangt wie bei Haus 1. Die Zugangsrampe wurde in einer späteren Benützungs- phase, vermutlich in römischer Zeit, zugemauert, die Zwischenmauer von Gang und Hauptraum abgetragen und ein neuer Eingang an der ehemaligen Verbindung von Zwischenmauer und Nordmauer im Hang geschaffen. Die Steinfundamente lassen eine 27 Karl Ilg, Die volkstümliche Bauweise in Wattens und Umgebung. In: Wattener Buch, 2. Bd. (= Schlern- Schriften 165), Innsbruck 1958, S. 270 (mit Zeichnung). 28 Feurstein, a.a.O., S. 513. Unterteilung des Hauptraumes vermuten. Die Säulen waren aus Lärchenholz. Wenn mein Vater Besucher durch die Ausgrabungen führte, legte er immer besonderen Wert auf die Bemerkung, daß die große Steinplatte im Südosteck29 vor Beginn der Grabungen noch gleichsam als Deckplatte wie ein Stiegenabsatz über den Mauern des jetzt noch vorhandenen Geschosses waagrecht gelegen sei. Zusammen mit der im Vergleich zu Haus größeren Eintiefung des Gebäudes und mit der höheren Nordmauer können auch damit Indizien für ein Obergeschoß vermutet werden. Gegen die Bezeichnung des Hauses 2 als Saalbau ist wenig einzuwenden, wenn man annimmt, daß die erwähnte Unterteilung in einer späteren Baustufe erfolgte; aus stati- schen Gründen könnte das auch angezweifelt werden. Bei allem Respekt vor den Erkenntnissen der mit großer Sachkenntnis und mit unermüdlichem persönlichen Ein- satz arbeitenden Grabungsleiterin, Frau Dr. Helene Miltner, glaube ich aber doch, einen Zweifel erwähnen zu müssen. Ihre Behauptung, es hätte sich beim Haus 2 um keinen Wohnzweck gehandelt, ist wohl sehr fraglich. Noch unrichtiger erscheint dann der Schluß, es habe sich um einen Versammlungsraum der Gemeinde oder der Gemeindeäl- testen gehandelt. Dabei soll nicht bestritten werden, daß die Nachbarn hier das eine oder andere Mal zusammengekommen sein mögen, doch dafür ein eigenes Haus zu bauen, erschien auch für die spätere Gemeinde Vill nie als notwendig. Man kam in der Stube des Bürgermeisters zusammen; aber eben in der Wohnstube. Nicht einmal die reichere und vielleicht wirklich als politischer Mittelpunkt zu wertende Höhensiedlung auf dem Himmelreich in Wattens (Katastralgemeinde Volders) hatte innerhalb ihrer Palisade einen Versammlungssaal. Das Haus 3 besteht aus zwei komplett freigelegten Räumen im Ausmaß von 5,5 x 5 m und 6,3 x 6 m. Der dritte Raum- vielleicht auch ein eigenes Häuschen - war nur teilweise zu erkennen. Daß nur das Haus 3 als Wohnbau angesprochen wurde, ist nach dem oben angeführten Gedankengang Miltners verständlich. Es ist am kleinsten, am schlechtesten erhalten und heute kaum mehr zu erkennen. Im 7. oder 8. Jahrhundert n. Chr. war es, wie schon erwähnt, nicht mehr bewohnt, Konstruktionsdetails sind kaum zu erkennen. Erwähnt werden soll hingegen eine Mauerbank im Südwesteck des östlichen Raumes, die wenn auch hier aus Bruchstein - jener im Haus II auf dem Himmelreich in Volders ähnelt. Daß sie nicht Erwachsenen als Liegerstatt dienen konnte, ergibt sich aus den Maßen: 1,2 x 0,75 m. Hinsichtlich der datierbaren Funde ist aber gerade das Haus 3 am wichtigsten. Hier wurden neben den genannten Münzen auch eine Reibschale römischer Herkunft gefun- den und jene beiden, für den Tiroler Raum seltenen Bruchstücke eines Topfes aus 29 Nicht Südwesteck, wie bei Miltner als Text zu Abbildung 16. 31 graphithaltigem Ton, mit 5 mm Wandstärke und tiefen, senkrecht und eng verlaufenden Rillen. Sie wurden von Leonhard Franz,,einwandfrei als keltische Ware 30 erkannt. Ein weiteres Bauwerk ist im Osthang eine in Fundamentlage erhaltene Steinmauer von rund 30 m Länge und einer durchschnittlichen Breite von 1,5 m. In Anlehnung an die Kriegsereignisse in Rußland im Jahre 1943 wurde sie mit dem damals täglich gehörten Namen,,Ostwall" bezeichnet. Wohl mag sein, daß man bei ihrer Errichtung an eine spätere Verlängerung rund um mehrere Wohnstätten gedacht hatte - Verteidigungsanla- ge war es aber keine. Sie hätte nicht den geringsten taktischen Zweck erfüllt. Die Mauer war zweifellos aus den Steinen gebildet worden, die aus den im Osten an die Siedlung anschließenden Feldern entfernt werden mußten, um sie ertragreicher zu machen. Die Kleinfunde Osmund Menghin³1 bemängelte einiges bei der Grabung in Vill unter anderem mit ziemlich harten Worten:,,Die Fundbeobachtung war unbefriedigend, in der Publikation wird das geborgene Material nur in Auswahl vorgeführt, die Identifikation von Einzel- stücken des ins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum gelangten Komplexes ist nur auf Grund dieser Publikation möglich, kurzum, es bleiben hier viele Fragen, auf die man gern eine Antwort hätte, offen "Nun hat sich jemand bereit erklärt, die im Ferdinandeum tadellos geordneten und gelagerten Kleinfunde gründlich zu bearbeiten, was auch vom Entdecker sehr begrüßt würde; gewonnene Erkenntnisse werden aber neuen Fragen weichen. Bei einer nur oberflächlichen Betrachtung der Keramikfragmente springt sofort die große Übereinstimmung mit anderen Fundorten des Fritzens-Sanzeno-Kreises, vor allem mit denen aus dem Himmelreich in Volders 32 ins Auge. Dazu geben uns der Bildteil von Miltners Veröffentlichung mit 188 Abbildungen von Kleinfunden, davon allein 156 Keramiken, sowie ihre Ausführungen Seite 22 bis 32 Aufschluß. In Vill konnten ungewöhnlich viele, zum Teil sogar vollständig erhaltene Gefäße aus handge- formter Hafnerware geborgen werden, die zur groben Datierung der ersten Besiedlungs- phase in der Latènezeit dienen. Ihre gerieften und vor allem gestempelten Verzierungen treten neben Ausstrahlungen in die Nachbarschaft im Nordtiroler Inntal, in Südtirol und als Kernzonen im Trentino auf. Einige Beispiele: Die,,Fritzner Schale" (zwei schöne Exemplare aus Haus 1) aus hellgrauem Ton hat eine 30 Miltner, a.a.O., S. 30f. 31 Osmund Menghin, a.a.O., S. 12f. 32 Kasseroler, a.a.O., S. 24ff. 32 Bronzerädchen von den vorgeschichtlichen Ausgrabungen am Kreit- oder Goarmbichl (in doppelter Größe). Foto: R. Frischauf, Original im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 33 flache Bodendelle (einen Omphalos), eine steile, leicht S-förmige Wandung und einen verdickten Mundsaum mit ca. 15 cm Durchmesser. Die flächendeckenden Rollstempel- muster und Kanneluren vergrößern die Oberfläche und lassen auf die Verwendung in der Herdglut schließen. Andere Schalen zeigen ein waagrecht umlaufendes Tannenreismu- ster oder runde Würfelaugen in Gruppen von zwei und zwei. Die typische sogenannte ,,Sanzeno-Schale" mit meist höherem, trichterförmigem Hals konnte - wie die Überein- stimmung anderer Gefäße und der Bauten hätten vermuten lassen - in Vill bisher nicht nachgewiesen werden. Ton-Situlen vom ,,Typ Wattens", etwas größere eimerartige Gefäße ohne Verzierung hatten zwei aus dem Rand herausgezogene Ösen (Attaschen), die als Fragmente beson- ders häufig gefunden wurden. Zum Schutz gegen Schädlinge wurden diese Situlen an zwei Schnüren aufgehängt und dienten zur Vorratshaltung. Der bei den Bauten erschlos- sene hohe Stauraum findet durch sie vielleicht mit Rispen versehen eine weitere Bestätigung. Vom ,,Typ Birgitz" mit einem ähnlichen, meist konisch zulaufenden Hals und mit auf der Gefäßschulter aufgesetzten Attaschen, der in Vill nicht gefunden wurde, unterscheiden sich diese Ton-Situlen. Dem,,Typ Telfes" ist ein schöner Henkelkrug aus dem Haus 2 mit geradem Boden, fast kugelförmiger Wandung und einem Bandhenkel, der den Rand des zylindrischen Halses übersteigt, zuzuordnen. Töpfe mit aufgelegten plastischen Leisten (Siehe Abbildung!) haben einen flachen Boden, runde Schultern, einen leicht konischen Hals mit verdicktem Mundsaum und einen Durchmesser von 20 cm und mehr. Sie dienten dem Wärmen von flüssigen und breiigen Speisen; die Leisten waren weniger Verzierung als vielmehr ein Mittel, um die Gefäßwärme zum Anfassen abzuleiten ohne jedoch den Inhalt, der dem engen Mund des Topfes entsprechend, warm bleiben sollte, zu sehr abzukühlen. Derartige Töpfe wurden bisher in einem Raum zwischen Wiesing im Unterinntal und Schuls im Unterengadin sowie zwischen Siebeneich westlich von Bozen und Steinebach westlich des Ammersees in so vielen Fundorten geborgen, nämlich 28, daß ihr Auftreten von keinem anderen Gefäßtyp des Fritzens-Sanzeno-Kreises übertroffen wurde³³; am häufigsten traten sie in den südlichen und südwestlichen Innsbrucker Mittelgebirgen - also eben um Vill herum auf. Von den wenigen metallischen Resten wurden die interessante Tierkopffibel aus Haus 2 und der gediegene Bronzearmreif aus dem Nordhang des Hügels bereits im Zusammen- hang mit der Datierung erwähnt. Besonders der Armreif für einen auffallend schlanken Arm (Durchmesser 4,7 cm) zeigt mit waagrechten Rillen, quer geführten Rillenbändern 33 Gleirscher, a.a.O., S. 256 und Tafel 67. 34 Bronze-Spiralarmreif aus dem Nordhang (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum). Foto: A. Demanega 35 und Gruppen von je drei Kreisaugen ähnliche Verzierungen wie einige der ,,Fritzner Schalen aus Ton und ist wohl das Glanzstück der Funde. Zusammen mit dem sechs- speichigen Bronzerädchen (Durchmesser 34 mm, Dicke 3 mm) wurden sie in der ersten Besiedlungsphase verwendet. Das Rädchen selbst kam aber zweifellos aus Italien, wo es mit den gleichen Maßen, manchmal mit Öse als Anhänger oder als Kopf einer Ziernadel, in großen Mengen vor allem im 8. Jahrhundert v. Chr.nachweisbar ist. Es dürfte daher das älteste Fundstück aus Vill sein, was aber eine kultische Verwendung sicher nicht ausschließt.34 Gürtelbeschläge, Bronzeblättchen, Ziernägel, Münzen und eiserne Messerklingen aus Haus 3 stammen zusammen mit Terrasigillata-Scherben aus der römerzeitlichen Schicht. Eine kleine eiserne Speerspitze aus der Umgebung des Hauses 1 könnte mit dem gewalt- samen Ende der Besiedlung in Zusammenhang gebracht werden. Faunale oder florale Reste wurden nicht festgestellt. Die menschlichen Skelette waren bis auf zwei Dinge, die vielleicht bei ihrer Bestattung übersehen wurden, sicher aber nicht mit einem Begräbnisritus zusammenhängen, ohne jede Beigabe. Daraus läßt sich ein vorsichtiger Schluß ziehen, über den noch zu berichten sein wird. Nur bei Skelett 8, einer alten Frau, wurde ein 16 cm langer beinerner Kamm gefunden, der 3 cm hohe Zähne hat und dessen drei Schichten mit sieben eisernen Stiften zusammengehalten werden. Miltner ordnete ihn aufgrund seiner Verzierungsart der Merowingerzeit, frühestens dem 6. Jahrhundert n. Chr. zu. Beim Skelett 1 wurde ein bescheidenes, glattes, stark abgenütztes Bronzeringlein mit kreissegmentförmigem Querschnitt geborgen. Es war 3,7 mm breit und 19 mm weit. Auch dazu scheint noch eine Deutung möglich zu sein. Die Menschen Aus der ersten Besiedlungsperiode - den vorchristlichen Jahrhunderten - sind bisher Bestattungen nicht bekannt geworden. Aussagen über ihre Menschen sind daher nur aufgrund der Funde und aufgrund von anderen Siedlungsplätzen einigermaßen möglich. Die Bezeichnung,,Illyrer" für die Bewohner der Hügelsiedlung in Vill wird heute nirgends mehr gebraucht. Sie entsprach dem Wissensstand der Vierzigerjahre unseres Jahrhunderts und ging auf die Beobachung von Ortsnamen, Flurnamen und vor allem Gewässernamen zurück. Die vergleichende Sprachwissenschaft hat jedoch seither,,un- zweifelhaft illyrische Namen" von der äußersten Bretagne und von Schottland bis nach 34 Gian Luigi Carancini, Gli spilloni nell'Italia continentale. In: Prähistorische Bronzefunde, Abt. XIII, Bd. 2. Tafel 82/2658, München 1975, u.a. 36 ,,Fritzner Schale" aus Haus 1 der Viller Hügelsiedlung. Rekonstruktion F. Platzer. Foto: H. Arch 37 Kleinasien festgestellt und damit die Illyrer als Teil einer großen indoeuropäischen Population wieder in den Nordwestbalkan und an die Adria zurückverwiesen. Von den Bewohnern des Fritzens-Sanzeno-Kreises ist nicht einmal sicher, ob es sich im Sinne der Denkweise der Gegenwart um ein Volk oder eine Nation mit sprachlicher Einheit gehandelt hat. Da in Vill Bestattungsriten, beispielsweise Brandgräber wie in Melaun bei Brixen ebenfalls fehlen, kann auch eine religiöse Einheit nicht erschlossen werden. Das wichtigste zutage geförderte gemeinsame Kennzeichen, die Keramik, deckt sich nicht in allen Erscheinungsformen. Keltische Einflüsse sind zu dürftig, um eine Verwandtschaft herzustellen. Auch die deutliche Gemeinsamkeit der Bauweise muß nicht einem Volk in unserem Sinne zugehören. Und schließlich: Waffen, die geeignet wären, eine politische Zusammengehörigkeit zu bezeugen, gibt es in Vill nicht. Es bleibt also nichts übrig, als sich bei den Menschen der ersten Phase mit einem ,,Arbeitstitel" zu begnügen. Da später die Römer diesen Raum als Provinz,,Raetia" bzw.,,Raetia secunda" nannten, könnte es ja sein, daß sie diesen Namen auf eine Bezeichnung der ansässigen Bevölkerung zurückführten. Mangels einer zutreffenderen Bezeichnung blieb man bei jüngeren Veröffentlichungen über diese Menschen bei,,Rä- tern". Schließlich nennen wir ja die Bewohner des Karpatenbogens beispielsweise Sie- benbürger, obwohl sie Rumänen, Ungarn, Deutsche oder Serben sind. ,,Fragt man nach einem Stamm oder einem Stammesverband der Räter, so könnten sich die Fritzens-Sanzeno- und die Magrè-Gruppe dafür in besonderer Weise anbieten, ein derartiges Selbstverständnis der alpinen Stämme vorausgesetzt."35 Auch die Menschen der zweiten, der römerzeitlichen Besiedlungsperiode kennen wir nicht. Auch von ihnen gibt es hier keine Bestattungen. Nach den einwandfrei zuweisba- ren Funden im Haus 3 ist aber starker römischer Einfluß sicher. Es könnte sich daher mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit um mit der früheren Bevölkerung vermischte Provinzialrömer, um Romanen im weiteren Sinne gehandelt haben. Eine Besiedlungs- kontinuität zwischen ihnen und den Menschen der ersten Periode ist aber auszuschlie- Ben. Ob es eine dritte Besiedlungsphase - eine bajuwarische wie Osmund Menghin meinte - überhaupt gegeben hat, ist mehr als ungewiß. Aus den geborgenen Skeletten darf nämlich nicht geschlossen werden, daß diese Menschen auch auf den Hügeln für eine längere Zeit gewohnt haben, weil dann keramische oder metallische Reste aus ihrer Zeit gefunden worden wären. Ein vorübergehender Aufenthalt z.B. während einer Wande- rung im Winter ist zwar möglich, jedoch nicht durch geringste Funde bisher bestätigt 35 Paul Gleirscher, Die Räter. Chur 1991, S. 59. 38 Viller Topf mit aufgelegten Leisten aus der Latènezeit. Restaurierung E. Dolak. Foto: H. Arch 39 worden. Welcher ethnischen Gemeinschaft sie zuzurechnen sind, ist heute nicht mehr so sicher, wie es die Beurteilungen vor einem halben Jahrhundert zu wissen vorgaben. Das Skelett Nr. 1 wurde oben im Zusammenhang mit der Entdeckung bereits beschrie- ben. Es war am besten erhalten und eine zwanzigjährige, höchstwahrscheinlich verheira- tete Frau, die aber wegen ihres stark zurückspringenden Unterkiefers einen eigenartigen Gesichtsausdruck gehabt haben dürfte. Entgegen der Bezeichnung als,,Schneewittchen" durch unsere Medizinstudenten, dürfte sie keine besondere Schönheit gewesen sein. Anders als alle anderen Skelette wurden an ihrem Knochenbau keine Deformationen oder sonst erkennbare Krankheiten festgestellt.36 Das weibliche Skelett 2 ist mit 164,5 cm das größte unter den Frauen, es weist aber starke Verwachsungen im oberen Brustteil (Buckel) und Anomalien der Lendenwirbel sowie hochgradige Wirbelentzündungen mit starken Knochenauswüchsen auf. Auf dem Schä- deldach ist eine verheilte 3 cm lange Eindellung als Folge eines Schlagbruches zu sehen und an Gelenken starke Veränderungen durch deformierende Gelenkentzündung. Das Skelett 3, dessen Gesichtsschädel zertrümmert wurde, gehört einer sehr schwächli- chen Frau von nur 153,7 cm Größe. Das Skelett 4 stammt von einem erwachsenen Mann, der mit 166,8 cm der größte der Viller Bestattungen ist. Auch er hat an Brust- und Lendenwirbelsäule starke Verände- rungen (Buckel) durch hochgradige deformierende Wirbelentzündung, sowie Karies und eine 11 mm lange Grube am Unterkiefer. Das Skelett 5 stammt von einem Kind, das neben der Frau Skelett 3 innerhalb der gleichen halbkreisförmigen Steinsetzung bestattet wurde, was ähnlich wie bei den Skelet- ten 6 und 12 auf einen etwa gleichzeitigen und vielleicht auch gewaltsamen Tod hinzu- deuten scheint. Auch das Skelett 6 gehört einem sieben- bis neunjährigen Kind. Vom Skelett 12 ist nur der Schädel ziemlich gut erhalten. Es hat ein ähnliches Alter wie Skelett 1, ist weiblich und erhielt von Schneider die,,Rassendiagnose: Vorwiegend nordisch." Sonst war es schlecht erhalten. Auch das letzte der um das Haus 1 bestatteten Skelette mit 5a bezeichnet - ist schlecht erhalten und daher nicht anthropometrisch verwertbar. Die beiden Skelette 7 und 8 wurden bereits bei der Erörterung des Zeitansatzes erwähnt. Es handelt sich um einen Mann und eine ältere Frau, auch sie mit außergewöhnlich starken Knochenentzündungen, Auswüchsen und Verwachsungen an der Lendenwirbel- säule sowie Gelenkentzündungen an den Armen. Drei weitere Skelette (von insgesamt 13) wurden im Steinwall im Osten der Siedlung gehoben, eines davon, Nr. 10, im kammerartigen südlichen Ende davon. Es war eine 36 Schneider, a.a.O., S. 195ff. 40 Frau, deren Schädel gut, die Gliedmaßen aber sehr schlecht erhalten waren. Das Skelett 11 ist eines von einer ähnlich schwächlichen Frau wie jene von Nr. 3, jedoch so zerstört, daß die Berechnung einer Körpergröße unmöglich ist. Dasselbe gilt für das Kinderskelett Nr. 9. Die feststellbaren Mißbildungen und Krankheiten, von denen ja nur die am Knochenge- rüst erkennbaren von Schneider genannt werden konnten³7, lassen erahnen, unter welch harten Bedingungen diese Menschen gelebt haben müssen. Sicher waren es nicht die strahlenden germanischen Helden oder deren Angehörige, wie sie von früheren Histori- kern im Zuge der Eroberung unseres Alpenraumes durch die Bajuwaren dargestellt wurden. Wie endete die Vorgeschichte? Waren schon die Illyrer der ersten Besiedlungsperiode in Zweifel zu ziehen und durch ,,Räter", wenn auch unter Anführungszeichen zu ersetzen, so gilt das noch mehr für die Bestattungen der frühmittelalterlichen Periode. Sie war eher keine Besiedlungsphase. Daß aber der heutige Dorfkern von Vill etwa seit dem 7. Jahrhundert ununterbrochen besiedelt war, scheint aus dem Ortsnamen selbst und aus einigen Flurnamen hervorzuge- hen. Aber wer waren diese Siedler? Schneider selbst, der nach dem damaligen Wissensstand die Langschädel den einwan- dernden Bajuwaren zuschrieb, nennt beim einzigen Skelett, an dessen Bergung er nicht persönlich mitgearbeitet hat (Nr. 12), das Rassenmerkmal,,nordisch", drei Schädel mittellang und zwei rundschädelig. Bei mindestens zweien erwähnt er eine dinarische Beimischung es war also schon rassisch eine Mischbevölkerung. Dazu kommt mit Ziegelmayer38, daß heute die anthropologischen Aussagen zu völkerkundlichen Hypo- thesen nur mehr,,in sehr bescheidenem Umfang möglich sind" und daher viel zurück- haltender verwendet werden. Ziegelmayer rechnet die Langschädel mehr zu den Aleman- nen und räumt gleichzeitig ein, daß bei den Trägern der bajuwarischen Kultur nördlich der Donau die Sitte der Brandbestattung üblich war; im römischen Machtbereich folgte man hingegen der Sitte, Tote unverbrannt zu begraben. Für das frühe 7. Jahrhundert stellte er und andere Verfasser³9, z. B. in Altenerding bei 1400 Bestattungen, eine durch- schnittliche Körpergröße des bajuwarischen Mannes von 173,5 cm fest. Damit vergli- chen ist das größte männliche Skelett in Vill mit 166,5 cm noch erheblich kleiner - vom 37 Schneider, zitiert nach Miltner, a.a.O., S. 33-36. 38 Gerfried Ziegelmayer, Die Bajuwaren aus anthropologischer Sicht. In: Die Bajuwaren von Severin bis Tassilo. München 1988, S. 249f. 39 Ziegelmayer, a.a.O., S. 251f. 41 niedrigen Durchschnitt und den mißgestalteten Personen mit 153,7 cm ganz zu schwei- gen. Die Beobachtung, daß Romanen (,,Walchen" u.a.) sehr häufig an Seen siedeiten, wo sie mit Schleppnetzen oder Reusen fischen konnten, soll hier am Viller See nicht unerwähnt bleiben. Romanische Bestattungssitten, eben das Fehlen von Beigaben, können auch den Einfluß des frühen Christentums in der Diözese Säben andeuten. Nur Heiden gaben ihren Toten zur Reise in die Unterwelt Speisen, Getränke, Waffen u.ä. mit. Auch bevorzugten die Bajuwaren Bestattungen in Reihengräbern. Da solche in Vill schon wegen der Ungunst des Geländes auf den Hügeln nicht angelegt wurden, muß man eher romanische Bestat- tungssitten annehmen. Ein Ring hingegen, vielleicht sogar in der Bedeutung eines Eheringes, war bei den einwandernden Bajuwaren so wenig üblich, daß er seine Trägerin schon mit großer Wahrscheinlichkeit als Romanin ausweist. Daß schließlich die Bajuwaren die eingesessene romanische Bevölkerung nicht ausrotte- ten, sondern sich allmählich deren Lebens- und Wirtschaftsformen anpaẞten und sogar ihren Glauben annahmen, dafür gibt es unbestechliche Zeugen: Der lebendig gebliebene Ortsname Vill(e) selbst und einige Flurnamen stehen dafür. Ein paar Romanen, die den neuen Herren ihre besseren Felder und die Baugründe im Viller Dorfkern überlassen mußten, tragen mit ihren ärmlichen Bestattungen heute noch dazu bei, diesen Befund zu bestätigen. Ihre Spuren sind für uns an der Parzelle der St. Martinskirche von einem römischen actus Breite und anderen romanischen Feldvermessungen heute noch sicht- bar40. 40 Harwick W. Arch, Römische Feldvermessungen in Vill. In: Tiroler Heimatblätter 66 (1991), Heft 4, S. 125f. 42 Vill-Geschichte einer alten Dorfgemeinde und eines jungen Stadtteiles von Innsbruck Von Franz-Heinz Hye Vill seit dem 1. April 1942 ein Stadtteil von Innsbruck¹ - liegt in einer windgeschützten Mulde, die von Südost nach Nordwest vom Viller Bach durchflossen wird, der am Patscherkofel östlich der Seilbahntrasse entspringt, als Ramsbach durch Igls fließt und schließlich steil hinabstürzt zur Sill. Die östliche Abschirmung dieser Mulde besorgen der Paschberg, der See-, Kreit- oder Goarm- und der Turmbichl, welch' letztere ursprünglich einen geschlossenen Wall gebildet haben, der dann vom Taleinschnitt des Viller Baches zweigeteilt worden ist. Als südliche Begrenzung der Dorfmulde von Vill fungiert die Terrassenkante des Ortskerns von Igls. Besonders deutlich wird die Muldenlage von Vill, wenn man sich dem Ort von Osten her nähert, wobei man lange Zeit nur die Viller Kirchturmspitze sehen kann. Eindrucksvoll ist diesbezüglich auch ein Blick vom Polten- weg hinunter auf die Dachlandschaft von Vill. Geradezu wie ein malerisches Stimmungs- bild präsentiert sich diese Ansicht an Wintertagen bei Einbruch der Dämmerung, wenn aus den Fenstern der Häuser schon die ersten Lichter leuchten und über die Hausdächer Rauchschwaden ziehen. Neben dem Ortskern bei der St. Martins-Kirche (811 m Seehöhe) umfaßt das Gebiet der ehemaligen Dorfgemeinde bzw. noch bestehenden Katastralgemeinde Vill einerseits den zum großen Teil bewaldeten Abhang hinunter zum Flußbett der Sill (einschließlich des seit 1975 als Müll-Deponie genützten Ahrntales, sowie mit dem Handel- und dem Zenzenhof), andererseits den westlichsten Teil des Paschbergs² mit dem Grillhof, die Fluren nördlich und südlich des Ortskerns sowie schließlich das breite Becken des ehemaligen Viller Sees. Der Viller See Genau genommen hat man in der zeitlichen Abfolge zwei Viller Seen zu unterscheiden. Der erste Viller See war ein Gebilde des Schmelzprozesses am Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren, d.h. im Becken hinter dem noch geschlossenen Wall vom See- zum Turmbichl blieb ein kleiner Teil des Wipptalgletschers liegen und ist dort geschmolzen. 1 Verordnungs- und Amtsblatt für den Reichsgau Tirol und Vorarlberg Jg. 1942, Nr. 5: Verordnung über die Vereinigung der Gemeinden Igls und Vill mit der Gauhauptstadt Innsbruck vom 15. März 1942. 2 Über den Paschberg vgl. Franz-Heinz Hye, Amras Die Stadtteile Innsbrucks Bd. 4, Innsbruck 1989, S. 20ff. 43 Da dieser See auch vom Ramsbach gespeist worden ist, kann man hier nur in einge- schränktem Maße von einem sogenannten,,Toteissee" sprechen. Der Ramsbach war es dann auch, der den ersten See zum Übergehen brachte bzw. die Dammkrone an ihrer schwächsten Stelle, dort wo der Damm nur aus Moränenmaterial bestanden hat, von oben her angesägt bzw. eingeschnitten hat. Von dem so abgeflossenen ersten See blieb nur ein seichter Rest im östlichen Seebecken, der an seinen Ufern mehr und mehr zum Moor wurde. Dort wurden auch einzelne vorgeschichtliche Funde gemacht. So z. B. fand man Reste von Eichen- und Föhrenpfählen, z.T. mit Eisenkappen, weiters eine Tonurne, umgeben von Knochenresten, ein Tontöpfchen, eine Bronze-Lanzenspitze und eine Fibel etc., welche sich 1933 im Kloster Wilten bzw. im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum verwahrt befanden. Dieser z. T. vermoorte Rest des ersten Viller Sees hat noch bestan- den, als sich am Kreit- oder Goarmbichl die ersten Siedler niedergelassen haben (vgl. dazu in diesem Bande den Beitrag von Harwick W. Arch). Vom zweiten Viller See erfahren wir in eindeutiger Weise erst in einer Urkunde von 1328, als der Tiroler Landesfürst, König Heinrich von Böhmen-Kärnten aus dem Hause Görz, dem Kloster Wilten diesen und den Lanser See geschenkt hat. Wörtlich lautet die betreffende Urkundenstelle:,, . . . donavimus et dedimus lacum, lacum situm inter loca dicta Ville et Igls ac lacum dictum Altsee tenendum, habendum, visitandum et perpetuo pacifice possidendum pro omni suo commodo et utilitate." (Zu Deutsch: Wir haben hiemit dem [Abt und Konvent des Klosters Wilten] den See, gelegen zwischen den Orten Vill und Igls sowie den Altsee zu ihrem ewigen Eigen etc. und zu ihrem Wohlbefinden und Nutzen geschenkt). Bei dem hier genannten Altsee dürfte es sich höchstwahrschein- lich um den Lanser See handeln. Wenn übrigens bereits in einer Urkunde von 1270 Konrad von Sistrans demselben Kloster das Recht eingeräumt hat, allwöchentlich an einem Tage in seinen Fischteichen (,,in piscinis meis") zu fischen, so gibt es kein zwingendes Argument dafür, daß diese Fischteiche mit dem Viller und dem Lanser See zu identifizieren seien. Die Frage, ob der Viller See zum Zeitpunkt der Schenkung von 1328 bereits künstlich aufgestaut war, oder ob der Damm, über den heute ein Fahrweg mit dem für diesen Damm unsinnigen Namen,,Bachgangweg" führt (Bachgang heißt die Flur beim Ramsbach!), erst über Betreiben der Wiltener Chorherren errichtet worden ist, läßt sich vermutlich mit dem im Gegensatz dazu als ,,Altsee" bezeichneten Lanser See 3 S. Pankratia Feurstein, Geschichte des Viller Moores und des Seerosenweihers an den Lanser Köpfen bei Innsbruck. In: Beihefte zum Botanischen Centralblatt Bd. 51, Dresden 1931, S. 482f. 4 Ebenda, S. 481. 5 Otto Stolz, Geschichtskunde der Gewässer Tirols. Schlern-Schriften Bd. 32, Innsbruck 1936, S. 205. 6 S.P. Feurstein, a.a.O., S. 481. 44 Ansicht von Vill gegen Nordosten, um 1870/80: Im Vordergrund (Mitte) der Reiterhof, Handlhofweg 2, im Hintergrund (links vom Kirchturm) der Rainerhof, Grillhofweg 6. Schindeldächer beherrschen das Ortsbild. Foto: Anton Gratl, Original im Stadtarchiv Innsbruck. 45 beantworten: Zum Unterschied vom alten Lanser See scheint der Viller See damals eben noch relativ jung gewesen bzw. erst kurz zuvor aufgestaut worden zu sein. Sicher jedenfalls ist, daß der Viller See erst mittels dieses künstlichen Dammes wieder zu einiger Größe aufgestaut werden konnte, wobei die Wasserzufuhr vom Lanser See und durch die Quelle des Seebrünnl erfolgte. Andererseits wurde der See durch diesen Damm bis 1808 in einen größeren See östlich davon und in einen kleineren See oder Teich im Nordwesten abgeteilt. So fungierte der Viller See nun bis zur vorübergehenden Aufhe- bung des Klosters Wilten durch die damalige königlich-bayerische Regierung im Jahre 1807 als Fischwasser des Klosters, an dessen Fischer noch heute der Name,,Fischer- steig" erinnert, der vom Nordwestufer des Sees über den Paschberg hinunter zum Kloster führte. An der bezeichneten Uferstelle befindet sich ein heute z. T. verschütteter Stein mit viereckig eingemeißelter Vertiefung, worin sich - laut lokaler Überlieferung - ein Haken befand, an dem der Fischer seinen Kahn befestigen konnte. Dieser Stein liegt übrigens eine Geländestufe höher, als der heutige nordseitige Uferweg - wenn man überhaupt noch von einem solchen sprechen darf -, nämlich dort, wo der alte, tatsächli- che, heute aber stark zugewachsene Uferweg verlaufen ist. Der heutige Weg hingegen war das alte Ufer. Ein Jahr nach der Aufhebung des Klosters gelangte der See (,,ein mit Hechten und Karpfen versehener Teich, 18 Jauch, Schätzungswert 200 fl." [= Gulden]. ... sowie,,ein kleiner mit Karpfen besetzter See, welcher ebenfalls abzulassen, Schätzungswert 10 fl.") zur öffentlichen Versteigerung und wurde dabei von den Viller Bauern um 246 Gulden erworben. Der darüber aufgerichtete Kaufvertrag datiert vom 25. Juli 1808.7 Die neuen Besitzer waren nicht am See und seinen Fischen, sondern daran interessiert, den See abzulassen, trocken zu legen und an seiner Stelle zusätzliche landwirtschaftliche Kultur- flächen zu gewinnen, zumal - wie oben dargelegt - das Dorf Vill von der Natur nur mit wenigen ebenen Kulturflächen ausgestattet war und ist. Der Durchstich des Dammes soll dann aber erst im Jahre 1813 erfolgt sein.8 Repräsentierten die Viller Bauern damals die Gemeinde Vill, so hat die spätere Rechts- und Siedlungsentwicklung diesbezüglich eine Differenzierung notwendig gemacht, wo- nach der Seegrund, genannt,,beim See", zwar weiterhin Eigentum der Gemeinde-seit der Eingemeindung 1942 der Stadtgemeinde Innsbruck - ist, seine gesamte Fläche jedoch in unterschiedlichen Anteilen nur den Viller Bauern zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung steht. Wörtlich wurde dies im Grundbuch, wie folgt, formuliert:,,Auf Grund der Ersitzung (Anm.: seit 1808) und des Verhandlungsprotokolles vom 24. 7 Ebenda, S. 482. 8 Ebenda 46 "Heisler Glas Miht puter Tangenkreu Vill Set Martm Freit Turnbühl I Plan des Ortskerns von Vill (1856). Hier fungiert die Viller Dorfstraße zugleich noch als Teil der Straße von Innsbruck nach Igls. Ausschnitt aus der Katastermappe von 1856. 47 September 1901, G.Z. 2200 wird die Dienstbarkeit zur Gras-, Binsen-, Torf-, Streu- Gewinnung, zum Holzbezuge, zur Ausnützung der sogenannten Viller-Seen in jeglicher Hinsicht zur ungehinderten Benützung der im Viller-Moose vorhandenen und zu Tage tretenden Quellen des stehenden und rinnenden Wassers im vollen Umfange zu Gunsten der jeweiligen Eigentümer der nachstehenden Höfe zu den angeführten Anteilen" hiemit grundbücherlich verankert bzw.,,einverleibt".9 Hofname Haus-Nr. Vill Anzahl der 1/9-Anteile Zenzenhof 25 6/7 Häuslerhof 22 1/7 Handlhof 24 4/7 Rainerhof 3 3/7 Reitterhof 21 4/7 Melcherhof 4 3/7 Nockerhof 15 6/7 Bürgerhof 20 1/7 Lienharthof 19 4/6 Sinhof 18 2/6 Kapfererhof 17 4/7 Schlaucherhof 16 3/7 Armenhaus 10 4/9 Guglerhof 12 1/9 Garnhof 9 1/9 Wirthof 8 3/9 Lotterhof Gaspererhof Klammerhof 14 4/7 11 3/7 5 6/7 sowie 1/7 für den jeweiligen Zuchtstierhalter dieser Höfe. 9 Stadtarchiv Innsbruck (= StAI.), Grundbuch (über die Besitzungen) der Stadtgemeinde Innsbruck in der Katastralgemeinde Vill, angelegt im Jahre 1901. 48 Blick vom Turnbichl hinunter auf den Ortskern von Vill -im Vordergrund rechts das Dach des Gasthofs ,,Turnbichl" (erbaut 1891). Der Anger zwischen dem Gasthof und den Häusern an der Viller Dorfstraße erscheint hier noch unzerteilt bzw. ohne die neue Straße. Foto: F.E. de Wilde, Igls, Original im Stadtarchiv Innsbruck 49 Das Werden der Dorfgemeinde Vill Mit dem Höfe-Verzeichnis des Jahres 1901 sind wir bereits weit in die Siedlungsgeschich- te von Vill vorgedrungen. Im Folgenden haben wir uns daher mit den Anfängen und der weiteren Entwicklung dieses alten Dorfes zu befassen. Urkundlich wird der Ort Vill (,,in Ville") bzw. das Dorf Vill (,,villa Ville") erstmals in einer Urkunde Herzog Otto's I. von Andechs-Meranien (gest. 1234) von ca. 122010, sowie in einer das in der Hofmark Wilten gelegene Gluirschgut betreffenden Urkunde von 1251 genannt." Nach Angabe des Inntaler Steuerbuches von 1312 zählte Vill damals insgesamt neun Gutsbesitzer bzw. Höfe,12 wozu die erstmals zum Jahre 1397 nachweisbare St. Martinskirche in der Dorfmitte kam.13 Bis zum Jahre 1627 war das Dorf dann auf 17 Behausungen und zwei Mühlen angewachsen.14 Der einzige nicht hauptberuflich in der Landwirtschaft tätige Hausbesitzer war damals ein Zimmer- mann.15 Was die verfassungsmäßige Stellung von Vill anbelangt, ob es immer schon eine selbstän- dige Gemeinde oder bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts in gewisser Weise mit Igls verbunden war, ist nicht mit voller Sicherheit erkennbar. Einerseits wird Vill bereits im obzitierten Steuerbuch von 1312 als eigene Steuergemeinde neben Igls genannt, weiters in einer Urkunde von 1547 ebenso wie Lans als ,,Nachtperschafft" bezeichnet, 16 doch wird dieser Titel 1468 ebenso auch in einem Vertrag zwischen der,,Nachtperschafft .. zu Süll" bzw. den Inhabern der Sillhöfe, und der „Nachtperschafft ..zu Vill" gebraucht,17 wobei bekannt ist, daß die Sillhöfe damals zur Gemeinde Amras gehörten, also einen unselbständigen Weiler dieser einstigen Dorfgemeinde bildeten. Im Jahre 1550 kam es dann sogar zu einem Waldabteilungsvertrag zwischen der „,Gmain Nachperschafft zu 10 Edmund v. Oefele, Geschichte der Grafen von Andechs. Innsbruck 1877, S. 181, Anm. 1. 11 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung von Tirol. 1. Teil: Nordtirol = Archiv für österreichi- sche Geschichte Bd. 107/1, Wien 1923, S. 326. 12 Das Steuerbuch des Inntales von 1312, z. T. ediert von Karl Schadelbauer, in: Quellen zur Steuer-, Bevölkerungs- und Sippengeschichte des Landes Tirol im 13.-15. Jahrhundert = Schlern-Schriften Bd.44, Innsbruck 1939, S. 56. 13 Georg Tinkhauser (und Ludwig Rapp), Beschreibung der Diöcese Brixen Bd. 2, Brixen 1879, S. 322. 14 Vgl. den Leopoldinischen Steuerkataster des Landgerichtes Sonnenburg von 1627 (Original im Tiroler Landesarchiv = TLA; Kopie im StAI.), fol 256-262v. 15 Ebenda, fol. 262v. 16 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 2 (Cop. vid. von 1707); vgl. auch eine weitere Kopie im Haus-Archiv des Reiterhofes in Vill (Lener). 17 Ebenda, Viller Gemeindeurkunde n. 1 (Neuausfertigung durch den Landgerichtsschreiber von Sonnenburg von 1633, Original-Pergament). 50 Der ehemalige Seedamm des einstigen Viller Sees mit dem darüber verlaufenden Fahrweg (gegen Norden). Foto: M. Hye-Weinhart 51 19 Ygls" und der,,Gmain Nachperschafft zu Füll", wobei jede der beiden Nachbarschaften durch je drei namentlich genannte Beauftragte vertreten war.18 In dieser Urkunde werden auch,,dero von Ygls Veldtzäun von dem Feurschrofn durchein gegen Patsch werz biẞ in Gellaẞpach" (Anm.: Gollos-, Gollasbach) genannt, denen in diesem Bereich noch heute die Grenze zwischen den beiden Katastral-Gemeinden Igls und Vill folgt. In einem Gerichtsentscheid des Jahres 1628 standen,,Adam Loter, Christoph Lener und Marthin Clarer, all drey zu Vill und in derselben Oblay als von ainer ersamen Nachpar- schafft alda abgeordneter Ausschuß" gleichrangig den Vertretern der,,Nachperschafft.. zu Patsch gegenüber, ohne daß dabei auch ein Vertreter der Gemeinde Igls anwesend gewesen ist.19 Wäre Vill jedoch ein Teil der Gemeinde Igls gewesen, so wäre bei den angeführten Vertragsabschlüssen vermutlich auch die Quasi-Gesamtgemeinde Igls zu- mindest erwähnt oder ihre Repräsentanz durch die Viller Vertreter erwähnt worden, was jedoch in den zitierten Urkunden nirgends der Fall war. Andererseits aber fällt auf, daß die regelmäßigen Ehaft-Taidinge des Landrichters von Sonnenburg, dem Igls und Vill unterstanden, stets ,,altem Geprauch nach zu Ygls unnd Füll gemeinsam abgehalten wurden, wobei alljährlich beim Maien-Ehaft-Taiding stets nur ein gemeinsamer Dorfmeister gewählt worden ist, wie stichprobenweise in den Gerichts-Protokollen des genannten Landgerichtes von 1570, 1675, 1688, 1700 und 1716 zu entnehmen ist.20 Erst anläßlich der Vermarkung der gemeinsamen Waldgrenze der Gemeinden Vill und Lans östlich vom Grillhof im Jahre 1785 begegnet dann erstmals ein eigener Dorfmeister von Vill, welche,,Obley" dabei durch ,,Jakob Hofer, Gerichtsver- pflichter zu Vill, Georg Farbmacher, Dorfmeister daselbst, Lorenz Perghofer und Ma- thias Told als Gemeinds-Deputirte von Vill" vertreten war.21 Daraus kann abgeleitet werden, daß sich Vill, welches bereits in einer Gerichtsurkunde von 1511 (Original beim Reiterhof in Vill), ebenso wie im Leopoldinischen Steuerkataster von 1627 sowohl als ,,Dorff als auch als „,Oblay" tituliert erscheint, spätestens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als vollkommen eigenständige Dorfgemeinde durchsetzen konnte. Dem- entsprechend wurde Vill auch bei der Anlage des Maria-Theresianischen Steuerkatasters im Jahre 1779 als,,die neunte Gemeinde des Landtgerichts Sonnenburg" bezeichnet und gezählt, welche gegen Morgen (an) die Gemeinde Läns, Mittag an die Gemeinde Ygls, Abend an den Syllfluß und Mitternacht an die Glursch (!)-Höfe und Gemeinde Amraẞ" 18 StAI., ehem. Gemeinde Igls: Original-Pergamenturkunde; ein weiteres Original dieses,,Vertragsbrief(s)" im Haus-Archiv des Reiterhofes in Vill (Lener). 19 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 4 (Cop. vid. von 1716). 20 TLA., Verfachbuch Sonnenburg 1570, fol. 101v; Gerichtsbuch 1675, fol. 44; Gerichtsprotokoll 1700, fol. 45v; Gerichtsprotokoll 1716, fol. 281. 21 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 8b (Original Papier). 52 Blick vom Seedamm gegen Osten auf den Hauptentwässerungskanal bzw. in das Becken des ehemaligen Viller Sees. Foto: M. Hye-Weinhart 53 ... angrenzt. Bei der wirtschaftlichen Charakteristik von Vill wird dortselbst übrigens festgestellt:,,Die Gütter sind sper und den schädlichen Winden unterworfen."22 Der angesehene Topograph des Landes Tirol, Johann Jakob Staffler, gibt im Jahre 1847 für die,,Gemeinde Vill" 169 Einwohner und 27 Häuser an. 23 - Die im ,,Landes-Regie- rungsblatt für die gefürstete Grafschaft Tirol mit Vorarlberg" am 29. Dezember 1854 veröffentlichte,,Uebersicht der nach der politischen und gerichtlichen Organisirung (!) jedem Bezirke zugewiesenen Ortsgemeinden“ sieht im Kreis und im Landesgericht Innsbruck als Nummer 10 die Ortsgemeinde und Catastral-Gemeinde Vill in der gemein- samen kirchlichen Curatie Igls und Vill vor. Die hier angesprochene, im Jahre 1808 vom bischöflichen Ordinariat in Brixen verfügte kirchliche Zusammenfassung von Igls und Vill in einer Kuratie der Pfarre Patsch 24 lieẞ beide Gemeinden jedoch auch gemeinsame Projekte etc. durchführen. So wurde im Jahre 1812,,mit gemeinschäftlichen Kräften" in Igls das Kuratie-Widum bzw. das heutige Pfarrhaus mit Schulzimmer, Holzschupfen, Krautgarten und Brunnen erbaut,,,wozu Igls in paarem Gelde 900 Gulden, Vill aber 600 Gulden beytrug. In Betreff der hiezu benöthigten Materialien und Frohndienste hielten beyde Gemeinden einander das Gleichgewicht. "25 Der am 8. September 1891 in öffentlicher Vollversammlung der Grundbesitzer, des Gemeindeausschusses und des Waldinteressentschaftsausschusses von Igls beschlossene Bau eines eigenen, dem starken Siedlungswachstum entsprechen- den Schulhauses (Igler Straße 58, heute Postamt) scheint jedoch von der Gemeinde Igls allein durchgeführt worden zu sein (vollendet 1893), doch wurde auch dieses Schulhaus ebenso wie das heutige von den Schulkindern von Igls und Vill gemeinsam besucht.26 Gemeinsame Schützenkompanie und Schießstand Der von den Schützen beider Orte benützte Schießstand wiederum befand sich in Vill und wurde dort,,auf der von einem lieblichen Hügelkranze umgebenen Wiesenfläche östlich vom Dorfe", d.i. also die heute teilweise verbaute bzw. besiedelte Mulde östlich vom Ortskern, nördlich vom Goarm- und westlich vom Seebichl, in feierlicher Weise am Pfingstmontag des Jahres 1863 eröffnet. Der „,Bote für Tirol" 1863 (S. 506) berichtet 22 Original im TLA., Kopie im StAI. 23 Johann Jakob Staffler, Tirol und Vorarlberg Bd. 1, Innsbruck 1847, S. 524. 24 Vgl. oben Anm. 13 25 Pfarr-Archiv Igls, Urkunde C, No. 3:,,Contract zwischen den zwey Gemeinden Igls und Vill in betreff des von ihnen (im Jahre 1812) erbauten Widums und Schulstube" vom 30. Mai 1832 - Igls (Orig.-Papier) 26 Franz-Heinz Hye, Igls und Vill. In: Das Fenster Nr. 13, Innsbruck 1973, S. 1322. 554 GASTTRAUBE Die Dächer des Garnhofes und das Nord-Süd gerichtete ebenerdige Holzhaus des ehemaligen Schießstandes rechts dahinter - noch vor dem Bau der bestehenden Ortsdurchfahrt hinter dem Friedhof. Repro: M. Hye-Weinhart 55 55 darüber u.a.:,,Die treffliche Ellbögener Musikbande, welche freundnachbarlichst eigens zum Feste gekommen war, eröffnete von Igls aus den Schützenzug. Die Sonnenburger Schützenfahne wurde dabei von 1809-Veteranen getragen. Nach den lustigen Zielern mit ihren Scheiben und nach der .... Besttafel folgte unter Vorantritt der Gemeinde- und Schießstands-Vorstehung von Igls die Schützenschar, von den Villern unter Pöllerknall freundlichst empfangen.“ Der damalige Besitzer des Grundstückes, auf dem sich der Schießstand befand, war offenbar der,,Schützenfreund und Güterbesitzer" von Vill, Franz Tschurtschenthaler, der auch die Eröffnungsschüsse abgab. Das ebenerdige, in Holz erbaute Schießstandsgebäude hinter dem Wirtschaftsgebäude des Hauses Vill Nr. 9 wurde 1987 abgetragen und als Geschenk von Max Schwemberger und der Schützengilde Vill 1988 im Tiroler Höfemuseum bei Kramsach funktionsfähig wiederaufgebaut. 27 Auch die schon 1848 als Innsbrucker Hofburgwache für Kaiser Ferdinand I. in Erscheinung getretene Schützenkompanie (seit 1909 mit der roten Wipptaler Tracht bekleidet) 28 wie auch die 1865 gegründete Musikkapelle29 sind ge- meinsame Einrichtungen beider Orte, deren wehrhafte Männer in den Tiroler Befrei- ungskriegen der Jahre 1796/97 bis 1809 Schulter an Schulter in der Aufgebotsmann- schaft des Landgerichtes Sonnenburg gekämpft haben, wobei sich im Jahre 1809 beson- ders der aus Igls gebürtige Bauernsohn Paul Hilber (1786-1857) als Hauptmann der Igler Kompanie durch seine Tapferkeit hervorgetan hat.30 Hilbers Geburtshaus ist das stattli- che Bauernanwesen Igls, Lanser Straße Nr. 2. Das Innsbrucker Stadtarchiv hat dort erst vor einigen Jahren eine entsprechende Gedenktafel anbringen lassen. 27 Vgl. Führer durch das Museum Tiroler Bauernhöfe. 4. Aufl. 1989, S. 65. 28 Gottfried Pusch, Aufschreibung gesammelter historischer Notizen nach Art eines Tagebuchs (ab 1806). Ms. z.T. im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (= TLMF), z.T. im StAI. Hier zitiert: Bd. 1848 im TLMF, S. 254: Am 5. Juli 1848,,um 12 Uhr bezog die Compagnie von Igls und Vill die Burgwache." Dabei handelte es sich um eine Ehrenwache vor der Innsbrucker Hofburg, wohin sich Kaiser Ferdinand der Gütige infolge der revolutionären Unruhen in Wien zurückgezogen hatte. - Siehe auch J.E. Bauer, Denkschrift der Tiroler Landes-Jahrhundertfeier in Innsbruck (1809-1909), Innsbruck 1910, S. 59. 29 Im September 1905 feierte man in Igls das 40-jährige Bestandsjubiläum der Musikkapelle sowie deren Gründer, den Schulleiter Josef Eichler, der gleichzeitig in den Ruhestand getreten ist (Neue Tiroler Stimmen, Jg. 45, 1905, Nr. 185 vom 14. August 1905). 30 Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809. Innsbruck 1909, S. 330f, 459-461, 470, 611 und 803. 56 Die Viller Straße und andere Fahrwege Von Vill führen heute insgesamt drei Straßen bzw. Fahrwege talabwärts, die Straße zum Zenzenhof bzw. ihre Verlängerung zur Sillbrücke hinüber nach Gärberbach, der Polten- weg von Vill zur Poltenhütte bzw. zum Lanser Weg und schließlich die Viller Straße. In die Straße bzw. den alten Fahrweg zum Zenzenhofer Steg über die Sill mündete früher, d.h. vor der Anlage der Müll-Deponie im Ahrntal (1976), ein einst namentlich auch von den Patscher Nachbarn gerne benutzter Weg ein, der in seinem oberen Teile dem Ahrntal folgte. Allerdings haben die Patscher diese Möglichkeit der Wegverbindung über den Zenzenhofsteg zeitweise auch überstrapaziert und wurden daher - wie einer Gerichtsurkunde von 1628 zu entnehmen ist damals von der Nachbarschaft Vill und dem damaligen Zenzenhofer,,wegen beschwehrlichen Farens und Treibens yber ir, der Viller Wiẞmäder", was sie sich,,bey etlichen Jahren hero ganz neuerlich anmassen", geklagt. Dabei wurde auch festgestellt, daß die Viller,,ihnen Patscheren (nur) auß nachtperlichen Willen und khainer Gerechtigkheit Weeg und Steeg yber die Sill beim Zenzenhof zu gebrauchen zuegesechen und vergont" haben. Gegen diese Vorwürfe verantworteten sich die Patscher Vertreter, wie folgt:,, Sy und ihre Fordern wären disen Weeg übern Zenzensteeg und über der Viller Mäder Längs-, Herbst- und Winterszeiten, da kein Graẞ auf den Veldt gewest, jederzeit rüebig gefahren, hoffen khainen grossen Schaden niemahls gethan zu haben, ob zwar heür unlängst von iren Nachtperen Jacoben Ranagger, so von Axambs hiniber nacher Patsch geheurat und seinen Plunder disen Weeg hiniber geführt, an ainem clainen Örtl etwas wenigs zu weith hinaus gefahren, so sein sy doch nit gedacht, inen (= den Villern) hinfirter gefehrlicher Weis ichtwas beschwehrlichs zuezufiegen, bevorab, wan das Graß auf den Wisenn steet." Außerdem ,,miessen sy (= die Patscher) auch in den Uncosten des Zenzensteegs jederzeiten ain zimblichs darein contribuieren und erstatten und heten ingleichen alda Recht und Gerechtigkheit nach iren Belieben zu fahren (und) zu treiben."31 - Im heutigen Zeitalter der Autobahn etc. gewährt diese Urkunde Einblick in alte lokale Kommunikationsver- hältnisse, die eine heute nur noch wenig benützte Brücke über die Sill einst für Tier und Mensch, namentlich auch beim Transport des,,Plunders" bei der ehelichen Hausstands- gründung geboten hat. Der zweite derartige Fahrweg führt von Vill über das,,Pfaffenmoẞ" (1468) zur Polten- 31 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 4. Vgl. oben Anm. 19. 51 57 hütte. Dieser Weg hieß einst,,Gras- oder Poltenweg" und mündet östlich der Polten- hütte in den,,Lännser Stadtweg" ein. Der diese beiden Wege in steiler Abkürzung westlich der Poltenhütte verbindende Fußsteig wird noch heute,,Fischersteig" genannt, ihn benützte der Wiltener Klosterfischer, um seine Fische möglichst rasch vom Viller See in das Kloster hinunter bringen zu können. Außerordentlich guten Einblick in die Topographie des betreffenden Geländes am Nordwest-Abfall des Paschberges liefert ein gütlicher Waldteilungsvertrag (,,Ab- märckungsbrief) zwischen der Nachbarschaft von Vill und den Inhabern der Gluirsch- höfe aus dem Jahre 1690, wobei anzumerken ist, daß die damals festgelegte und durch Grenzsteine markierte Grenzlinie vom 1. bis zum 9. Grenzstein in diesem Bereich noch heute die Grenze zwischen den Katastralgemeinden Vill und Wilten (!) bildet, wodurch die in der genannten Urkunde angeführten Ortsnamen noch heute exakt lokalisiert werden können. Es erscheint daher angebracht, an dieser Stelle den Wortlaut der betreffenden Grenzvereinbarung bzw. Markierung bekannt zu machen: ,,Der erste Marchstain (ist) gesezt worden bey den hangenden Schrofen ober den gemai- nen Weeg, der von Jnnsprugg geen Vill gehet, mit eingehauten Creiz unnd ain Pickh; von disem (geht die Grenze) hinauf gleich unnter den Gruebachweeg, alda der annder March- stain auch mit ainen Creiz unnd zween Pickh bezeichnetner (!) verhannden; der Drite gerad hinauf am Sämb (ist) ebenfahls mit ainen Creiz unnd drey Pickh; verer der Vierte den Sämb nach hiniber mit ain Creiz unnd vier Pickh; nichtweniger der Finfft auch hiniber mit ain Creiz unnd finff Pickh; sowohlen der Sechste von obigen hiniber mit ainen Creiz und sechs Pickh; volgents der Sibende noch weiters hinumb mit ainen Creiz unnd siben Pickh; widerumben der Achte auch mit ain Creiz und acht Pickh; sodann der neint unnd leste Marchstain von deme hiniber auf ... Mayrpichl unnd alten Fahrweeg mit ebenmässig eingeheuten Creiz unnd nein Pickh bemärckhter gesezt ist. Von dannen erstbemelten alten Fahrweeg nach hinab bis auf vorbeschribnen hangenden Schrofen unnd ersten Marchstain. ... Was nun dise Abmärchung in sich begreifft (darin soll) den Jnnhabern des ober- und unntern Gleurscher Gueths auf ewige Weltzeit die Holzgerechtigkheit allain fir Aigen zuesteen unnd gebirn. Uberiges unnd ausser obigen March gegen Pfaffenwarter Hof unnd oberhalben des Sämbs befindlicher Holzbesuech . (soll der) Gemain unnd Nachtperschafft Vill auch bestenndig unnd aigenthumblichen verbleiben unnd zuegehö- ren. Die Wun unnd Waid aber auf so gehörten Grundt unnd Poden sye Viller und Gleurscher miteinander, wie von alters, riebigelichen zu besuechen unnd zu geniessen 32 Die betreffende Urkunde, ein Holznutzungsvertrag zwischen der Gemeinde Vill und den Inhabern der Sillhöfe, aus dem Jahre 1468 ist in Gestalt einer landgerichtlichen Neuausfertigung von 1633 überliefert (Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 1, Original-Pergament). 58 haben sollen. Belangende das in Gruebach ausser den drey Täflen gegen obernenten Pfaffenwarter Hof in der Viller Gemain dermahlen stehende grosse Holz, haben die zween Gleurscher hiervon den gleichen vierten Thail, aber inskönnfftig weiter nit zu fällen unnd aufzuhöben. "33- Soweit der hier auszugsweise wiedergegebene Text dieser Urkunde von 1690, dem u.a. zu entnehmen ist, daß die Poltenhütte damals noch Pfaffenwarter Hof geheißen hat, 34 und wo wir auch erfahren, daß die Viller Straße ursprünglich am sogenannten „Mayrpichl" vom heutigen Poltenweg abgezweigt und ziemlich steil hinunter zum „,Hangenden Schrofen“ geführt hat. Dieser Felsen oder ,,Schrofen“, ein alter Grenzpunkt zwischen den Gemeinden Vill und Wilten, befindet sich ca. 100 Meter unterhalb der Abzweigung zu den Gluirschhöfen an der Südseite der Viller Straße und war mit einer Kreuzigungsgruppe geziert, wovon heute nur noch das in jüngster Zeit restaurierte Kruzifix übrig geblieben ist. Damit sind wir schon in die Erörterung des dritten und wichtigsten Fahrweges eingetre- ten, der von Vill talwärts führt, nämlich der Viller Straße. Sie begegnet erstmals im Jahre 1251 und zwar in jener Urkunde, kraft welcher Propst Ludwig von Wilten an Friedrich Perchtinger die Neurodung der Gluirsch verliehen hat, und worin diese Straße als,,via tendens ad villam Ville" bezeichnet wird.35 Ihr ursprünglicher Verlauf begann - bis zum Bau der neuen Igler Auffahrt beim Olympia-Eisstadion (1977) - direkt bei der alten Wiltener Sillbrücke bzw. beim Gasthaus,,Bretterkeller" und verlief - wie oben dargelegt - im Bereich zwischen dem Hangenden Schrofen und dem Poltenweg wesentlich steiler als heute. Die erste Neutrassierung in diesem Streckenabschnitt muß jedenfalls einige Zeit vor 1690 vogenommen worden sein, da die ältere, steilere Trasse, die im Gelände noch heute erkennbar ist, in der obzitierten Urkunde von 1690 bereits als ,,alter Fahr- weg" bezeichnet wird. Das Dorf Vill selbst wurde von der Viller Straße bzw. Viller Dorfstraße, die bereits 1312 zur Bezeichnung des Hofes an der „,Gazze" (Viller Dorfstraße 19) führte, in einer langgezogenen Schleife durchzogen, welche ursprünglich bei der Einmündung des Pol- tenweges in die Grillhofstraße ihren Anfang nahm bzw. seit der vorerwähnten Neutras- sierung beim heutigen Gasthof zur Traube nach Westen in die Viller Dorfstraße eingebo- gen ist. Der abkürzende Straßenverlauf hinter der Viller Kirche wurde erst in den Dreißigerjahren unseres Jahrhunderts angelegt. Eine vom Innsbrucker Verschönerungs- verein im Jahre 1909 herausgegebene Wanderkarte von Innsbruck und Umgebung zeigt daher noch die alte Straßensituation. 33 Pfarr-Archiv Igls, Viller Gemeindeurkunde n. 6. 34 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung, a.a.O., S. 326 hat mangels Kenntnis der hier zitierten Urkunde den Pfaffenwarter- noch mit dem Lemmenhof identifiziert. 35 Ebenda 59 Die ehemalige Wegkapelle am Handlhofweg. Foto: M. Hye-Weinhart 60 Der heutige HI.Kreuz-Bildstock an der Stelle der ehemaligen Kapelle am Handlhofweg. Foto: G. Beinsteiner-Krall 61 Die ehemalige Burg Straßfried und die übrigen einstigen mittelalterlichen Türme von Vill Ursprünglich haben in Vill drei mittelalterliche Wohn- und Wehrtürme bestanden. Die Burg Straßfried, der Turm am Turmbichl sowie ein kleiner Turm beim Zenzenhof. Heute gehören alle drei der Vergangenheit an, nur die Erinnerung an sie ist geblieben. Die Burg Straßfried erhob sich nördlich von Vill auf jener Waldkuppe, die die alte Grenze zwischen der Hofmark Wilten mit den Gluirschhöfen und der Gemeinde Vill gebildet hat und noch jetzt den bezeichnenden Flurnamen „Burg" trägt. Die erste Nachricht über dieses ,,Castellum" ist in jener schon mehrfach zitierten Urkunde von 1251 enthalten, kraft welcher Propst Ludwig von Wilten an Friedrich Perchtinger das neugerodete Gluirschgut verliehen hat, dessen Umgrenzung dort folgendermaßen be- schrieben wird: A ponte videlicet Süllae, ubi primo montis ascensum aggreditur, inferiorem partem viae usque ad summitatem collis, super quo via dividitur una quidem via tendens ad villam Ville, altera vero descendens in ripam a dicta villa suis decursibus derivatam et ascensum eiusdem ripe usque ad vallem Strassfride, quae deorsum a castello ut in Süllam cernitur declinare. "36 (In deutscher Übersetzung heißt dies, daß die Um- grenzung des Gluirschgutes wie folgt verlaufen ist: Von der (Wiltener) Sillbrücke der Viller Straße nach bis zur Abzweigung des Weges zum Viller Bach (bzw. zu den Gluirsch- höfen) und von hier dem Bach entlang hinauf bis zu dem ,,Strassfride" genannten Tale (Talsenke des Viller Baches nördlich von Vill), über dem sich das Kastell erhebt, und von wo die Grenze steil zur Sill hin abfällt). - Der Name,,Strassfride" bezieht sich hier sowohl auf das Kastell als auch auf das kleine Tälchen des Viller Baches, an dessen Osthang schon damals die für die Burg und das Tälchen namengebende Straße nach Vill, allerdings nicht anstelle der heutigen Straße, sondern anstelle des obersten Abschnittes des Poltenweges, verlaufen ist. Wie wir aus dem im Jahre 1263 abgeschlossenen Teilungs- vertrag zwischen den Grafen Meinhard und Albert von Görz-Tirol und dem Grafen Gebhard von Hirschberg über das ihnen zugefallene Erbe der Grafen von Andechs und der Grafen von Tirol entnehmen können, saß damals auf Straßfried ebenso wie auf Vellenberg, Matrei und in Innsbruck sogar ein eigener görz-tirolischer Hauptmann, woraus die damalige Wichtigkeit dieses Kastells der Grafen von Andechs an der Viller Straße ersichtlich wird.37 Wie allgemein üblich konnten sich die jeweiligen Inhaber, die 36 Ebenda 37 Hermann Wiesflecker, Die Regesten der Grafen von Görz und Tirol, Pfalzgrafen in Kärnten. Bd. 1, Innsbruck 1949, n. 707. Vgl. dazu auch Martin Bitschnau, Burg und Adel in Tirol zwischen 1050 und 1300. Wien 1983, S. 476. 62 62 Die alte Auffahrt der Viller Straße beim,,Bretterkeller" (1963). Foto: R. Frischauf feastschalen IGLS LANS WEGEN BAURRBEITEN ALDRANS GESPERRT 63 dasselbe vom Landesfürsten zu Lehen erhielten, ,,von Straßfried" nennen. In dieser Weise begegnet 1292 und 1308 ein Dankwart von Strazzfried,38 während sich unter Graf Meinhards II. Sohn Otto sogar eine am 19. Juni 1312 durch seinen Bruder Heinrich erneuerte landesfürstliche Verleihung des ,,Turn ze Strazfried", beidemal an Chunrat den Helbling, Richter zu Innsbruck, nachweisen läßt.39 Seit dieser Verleihung führte Chunrad Helbling, wenn auch nicht immer, das Prädikat,,zu" oder,,von Strazzfried".40 Dasselbe gilt auch von seinen Erben und Nachkommen, die noch durch drei Generatio- nen Straẞfried besessen haben und im 15. Jahrhundert ausgestorben sind.41 Die seit 1387 nachweisbare Untere Mühle nördlich unterhalb des Dorfes (Igler Straße 12) gehörte übrigens ursprünglich zu den Gütern von Straßfried.42 Mit dem Aussterben der weitverzweigten Familie der Helblinge begann auch der Verfall der Burganlage von Straßfried, deren Name daher ohne Bedenken von Erzherzog Ferdinand II. im Jahre 1579 auf das Wohnhaus der adeligen Familie von Freising in Wilten übertragen bzw. dieses Haus (Leopoldstraße Nr. 53: Glockengießerei Graẞmayr) unter dem Namen „Straßfried" zum adeligen Ansitz erhoben werden konnte.43 Ab- schließend sei noch bemerkt, daß im August 1922 am einstigen Burghügel Grabungen durchgeführt worden sind, bei denen eine etwa zwei Meter hohe Mauer und ein einge- stürztes Gewölbe festgestellt werden konnten.44 Neben Straßfried ist noch an den ehemaligen Turm am Turmbichl in Vill zu erinnern, von dem noch im Urbar der St. Martins-Kirche von 1584 berichtet wird, daß,,darauf der alt Turn steet", woraus zu entnehmen ist, daß der Turmbichler Turm zu diesem Zeitpunkt noch gestanden ist.45 Heute erinnert an diesen Turm nur noch der bereits im Leopoldinischen Steuerkataster von 162746 belegte Flurname,,Durnpüchl" bzw.,,Turn- bühl", welcher auch in der Katastermappe von Vill von 1856 angetroffen wird und damit 38 TLA., Urk. I, 1855. 39 Otto Stolz, Geschichte der Stadt Innsbruck. Innsbruck 1959, S. 474. 40 StAI., Urkunden n. 27, 38, 41, 59, 60, 66, 67, 96. 41 Vgl. TLA. und StAI., Namensindices zu den Urkunden. 42 TLA., P. 738: Hans der Helbling von Strazzfried, ein Enkel Chunrads, verkauft kraft dieser Urkunde vom 12. Mai 1387 Chunrad dem Narrn von Patz (Patsch) einen jährlichen Zins von 10 Pfund Berner,,auz dem Purchgarten und auz meiner Mül dapey glegen under Vill" (Original-Pergament). 43 Erwin Stockhammer, Die Ansitze in Innsbruck und seiner nächsten Umgebung. = Schlern-Schriften Bd. 202, Innsbruck 1961, S. 93. 44 Rudolf Granichstaedten-Czerva, Führer durch Igls und Umgebung. 1925, S. 76. 45 Pfarr-Archiv Igls 46 Original im TLA., Kopie im StAI., fol. 257. +9 64 hinsichtlich seiner Lokalisierung seit Jahrhunderten fixiert ist. In gleicher Weise sei hier auch auf den Turm des Zenzenhofes bzw. des „,Hofes zu dem Türnlein" (1411)47 hingewiesen, dessen Rest dort östlich des Hauptgebäudes noch heute erkennbar ist. Die ehemaligen Viller Vogelhütten Sozialgeschichtlich den Burgen und Ansitzen verwandt, da sie sich ebenfalls meist im Besitz von Adeligen befunden haben, dienten die Vogelhütten - wie ihr Name anklingen läßt dem Vogelfang, welcher in Tirol erst durch das Vogelschutzgesetz von 1899 weitgehend verboten worden ist. Im Gemeindegebiet von Vill nun haben zwei derartige Vogelhütten bestanden, die heutige Poltenhütte und der Grillhof. Dabei läßt sich schwer sagen, welche von ihnen die ältere ist. Jedenfalls berichtet ein Waldabteilungsvertrag zwischen der Gemeinde Vill und den Inhabern der Sillhöfe aus dem Jahre 1468 bei der Beschreibung der gegenseitigen Grenzlinie, d.i. die noch heute gültige Katastralgemeindegrenze zwischen Vill und Pradl, daß diese vom „Vischersteig" - in östlicher Richtung - gerade hinüber zum „,Schaufl- nockh“ und von dort,,nach der Grueben, da die Voglhit gewesen ist", und weiter bis zum,,Lännerweg" führen soll, wobei die hier als aufgelassen angeführte Vogelhütte zweifellos eine Vorgängerin der Poltenhütte war.48 An dem ebenfalls am östlichen Rande der Poltenwiese bzw. knapp oberhalb des Lanser Weges liegenden östlichsten Grenzpunkt zwischen Vill und Lans befindet sich übrigens noch heute ein,,alter Haubt- marckstain" (Grenzstein) mit der eingemeißelten Jahreszahl 1545. Die nächste Nach- richt über diese Vogelhütte bietet uns eine Belehnungsurkunde vom 24. Dezember 1683, kraft welcher Paris Graf zu Lodron etc. als tirolischer Obrist-Jägermeister die,,Voglhit- ten auf dem Paiẞberg, negst ob Pfaffenwart ligent, . . . samt ainen Rocolo (= Fangnetz) und Leimbstatt" an Johann Franz von Coreth verliehen hat mit dem Recht,,,gross und claine Vögl, jedoch (nur) zu waidmanischer Zeit“, zu fangen. Im obzitierten Waldabtei- lungsvertrag zwischen der Gemeinde Vill und den Inhabern der Gluirsch-Höfe wird das Gut als,,Pfaffenwarter Hof" bezeichnet. Der Name,,Poltenhütte" schließlich begegnet erst im 18. Jahrhundert, und zwar im Protokoll einer neuerlichen Grenzvermarkung zwischen Vill und Lans aus dem Jahre 1768. Im Jahre 1832 haben sich dann die gräflichen Geschwister Ernst und Antonia von Coreth dazu entschlossen,,,die Voglhütte ober Wilten in der Gemeinde Vill" an ihren bisherigen Pächter Johann Plattner und an 47 Otto Stolz, Geschichte der Stadt Innsbruck. a.a.O., S. 474. - Vgl. dazu unten die Hausgeschichte,,Handl- hofweg 80". 48 Vgl. oben Anm. 32. 65 dessen Gattin Anna geb. Pittl zu verkaufen. Im Jahre 1907 gelangte das Gut kaufweise von Franz Rofner in den Besitz der Innsbrucker Familie Wiedner.49 Die letzte hier zu behandelnde Vogelhütte ist der Grillhof. Über seine älteste Geschichte schreibt Fritz Steinegger in der Broschüre,,Von der landesfürstlichen Vogelhütte zum Volksbildungsheim Grillhof" (= Grillhof-Schriften Nr. 3, 2. Aufl., 1974), S. 8-14:,,Vom Grillhof wissen wir aus archivalischen Quellen, daß er erst im Jahre 1494 durch den landesfürstlichen Vogler, Sigmund Grill, erbaut wurde. Am 20. Oktober 1494 erhielt der Vogler vom Landesfürsten 20 Gulden rheinisch zum Bau seines Hauses und seiner Hofstatt. Für den Baugrund, der bei der bereits bestehenden Vogelhütte auf der Flur Gstans (,,Gespans") nördlich von Vill lag, mußte Sigmund Grill vom gleichen Jahr an jährlich 8 Pfund Geld und 20 Eier Grundzins an das landesfürstliche Propsteiamt Ambras reichen. Diese Zinslast wurde 1620 auf 8 Pfund Perner reduziert. Der Grillhof war also von Anbeginn an ärarischer Besitz und diente dem jeweiligen Vogler bzw. Vogelaufseher der Vogelhütte am Paschberg als ständige Dienstwohnung. Dafür hatte Sigmund Grill gegen einen in vier Raten ausbezahlten Jahressold von 8 Gulden das Vogelrevier am Paschberg zu betreuen. In seinen Aufgabenbereich fiel natürlich auch das Füttern der jagbaren Sing- und Raubvögel, die Instandhaltung der damals gebräuchli- chen Fangvorrichtungen, wie Netze, Leimruten usw., und der landesfürstlichen Gebäu- de. Über die persönlichen Verhältnisse des Sigmund Grill sind wir leider nicht näher unterrichtet. Wir wissen lediglich, daß er ein eigenes Siegel führte, mit dem er unterm 14. Juni 1495 die ihm ausgefolgte Jahreslöhnung dem Kammermeister Bernhart Happ quittierte. Im darauffolgenden Jahr 1496 wurde Sigmund Grill ohne Angabe der Gründe seines Dienstes enthoben und der Grillhof zugleich zu Gunsten des Oberstjägermeister- amtes eingezogen, das auftragsgemäß künftig die ständige Weiterverpachtung dieses Hofes vornahm. Aus den Amtsaufzeichnungen der oberösterreichischen Regierung geht nicht hervor, wer zwischen 1497 und 1525 das Gut bewirtschaftete. Ab 1526 bis 1529 hatte der landesfürstliche Rebhühnerheger Christian Hochenrainer mit seiner Familie den sogenannten Grillhof inne, den 1529 nach dem plötzlichen Ableben Hochenrainers anstelle der Witwe Ulrich Lang vorübergehend ohne Entgelt bebaute. Mit Jahresbeginn 1530 übertrug der Oberstjägermeister dem verdienten Jagdangestellten Sixt Pflueg die vakant gewordene Stelle eines Rebhühnerhegers auf dem Grillhof um das Jahresgehalt von 6 Gulden. Im Jahre 1539 löste ihn sein Sohn Veit Pflueg im Jagddienst ab. Veit Pflueg übte den äußerst anstrengenden Jagdaufsichtsdienst volle 49 Jahre aus. Er be- 49 Die hier zitierten Urkunden von 1683, 1832 und 1907 befinden sich im Besitz der Familie Wiedner, die freundlicherweise Einsicht in dieselben gewährt hat. 66 Kreuzigungsgruppe am Hangenden Schrofen an der Viller Straße. Foto: M. Hye-Weinhart 67 67 wohnte den Grillhof und führte dessen bescheidene Landwirtschaft bis zu seinem Tode am 22. Juli 1589. Als Inhaber des Grillhofes verglich er sich am 14. Februar 1547 mit den Gemeinden Vill und Lans wegen Holznutzungsrechten. Die Witwe Pflueg durfte mit ihren unversorgten Kindern in Ansehung der treuen Dienste ihres Gatten eine geraume Zeit auf dem Grillhofe weiter hausen, während die Vogelhut am Paschberg dem Tiergärt- ner im Schloß Ambras, Hanns Pesendorffer, anvertraut wurde. Wegen der ,,Heyung des Wildperts" am Paschberg wurden ihm 1591 gesonderte Zahlungen verabfolgt. Ab dem Jahre 1614 aber sehen wir den Grillhof 223 Jahre hindurch pachtweise im Besitz des alteingesessenen Tiroler Geschlechtes der Kössler zu Vill, dessen männliche Angehörige, alle von der Jagdleidenschaft erfüllt, der allgemein beliebten Vogelstellerei nachgingen. Am 24. Oktober 1614 pachtete Andrä Kössler die Liegenschaft. Aus besonderen Gnaden erließ ihm die oberste Jagdbehörde den jährlichen Pachtschilling von 5 Gulden auf Lebenszeit. Die Amtsinstruktion für Andrä Kössler enthält ausführliche Anweisungen über die Pflichten des erzherzoglichen Vogelhegers und detaillierte Beschreibung vom Umfang des Vogelreviers. Darnach war er verpflichtet, ohne Gehalt das nistende Vogel- wild vor unbefugten Vogelfängern zu schützen. Vogelhütten standen beim Grillhof, im Grillhofer Wäldele und im Grillhofer Felde. Das Revier reichte vom Grillhofe bis zu den Lanser Köpfen, von dort den Weg hinab zu den Gluirschhöfen und von da an hinüber auf den Rembs. Täglich hatte er das Revier zu begehen, beobachtete Jagd- und Forstver- gehen zur Bestrafung anzuzeigen und vom aufgefundenen Fallwild dem Landesfürsten den halben Teil abzuliefern. Zum Pachtobjekt, das Kössler zur Nutzung bekam, gehörte eine Behausung samt Stadel, Stallung, Vogelhütte, dritthalb Joch Acker, 2 Joch (= 1,15 ha) Gruemmetmahd, 2 Joch Altmahd, das Weiderecht für sein eigenes Vieh und das Recht, Brenn- und Bauholz nach Maßgabe des jeweiligen Bedarfes aus den umliegenden Waldungen kostenlos zu beziehen. Reparaturen an Gebäuden und Fanggeräten sollte der Pächter auf seine Kosten selbst durchführen. Ebenso oblag ihm die Beschaffung der Lockvögel. Die auf den zwei Vogelhütten mit Leim gefangenen Vögel waren der Hofkü- che abzuliefern, die für 2 Wacholderdrosseln 3 Kreuzer, für je eine Schwarzdrossel, Amsel oder Sangdrossel, 2 Krummschnäbel, 2 Kernbeißer und 5 Finken 1 Kreuzer bezahlte. Das Inventar der Grillhof-Vogeltennen verzeichnet an vorhandenen Gegenständen 5 Vogelwände, 45 Vogelhäuser, 1 große Truhe für das Lockfutter, 1 Leimkübel und etliche Spindeln, die bei Beendigung des Pachtvertrages wieder zurückgestellt werden mußten." -Soweit also die wörtlichen Ausführungen Fritz Steineggers. Sehr aufschlußreich für die Geschichte des Grillhofes ist auch jener oben schon kurz erwähnte Vertrag aus dem Jahre 1547, worin zwischen den Gemeinden Vill und Lans 68 Blick von Süden auf den zum Teil abgetragenen Turnbichl" (Turmbichl). Foto: Margarete Hye-Weinhart 69 69 einerseits und dem damals hier sitzenden „Vogler" Veit Pflueg vereinbart worden ist, welches Waldstück dem,,Grillhof ob Vill" für seinen Holz- und Taxenbedarf zustehe. Demnach sollen die jeweiligen Inhaber,,des Grillhofs und der Voglhitten daselbst ihre Behülzung haben zwischen dem Talel (nördlich der Batzsteinhütte) und dem Zaun, der bey dem See (d.i. der ehemalige Viller See) steet von der obern Wasserlaufft biẞ hinab an den Vischer Weeg". Für den Betrieb der Vogelhütte bzw. für den Vogelfang war es jedoch wichtig, daß die Vogelhütte oder Tenne mit Taxen getarnt wurde. Im betreffenden Vertrag wird daher zusätzlich bestimmt:,,Unnd nachdem die Vergryenung (= Vergrü- nung) der Voglhitten nit umbganngen werden khan, ist fir billich angesechen", daß falls sich im obangeführten Waldbezirk zuwenig,,nuzlicher Poschen unnd Däxen oder Össt" finden würden, daß dann der jeweilige Vogler auch im umgebenden Wald Taxen holen dürfe.50 In der Folgezeit kam der Grillhof von 1738 bis 1838 in den Besitz des Stiftes Wilten (abgesehen freilich die Jahre 1807/14, als das Stift vom Königreich Bayern aufgehoben war): Pachtinhaber blieb dessenungeachtet weiterhin die Familie Kössler. In der Bewirtschaftung des Gehöftes scheint sich damals allerdings schon einiges geändert zu haben, denn die der eigentlichen Vogelstellerei dienende,,Vogeltenne" wird 1768 als ,,schon lang cassiert", d.h. beseitigt, bezeichnet. 51 An ihrer Stelle wurde wenige Jahre später das sogenannte Batzsteinhüttl erbaut, welches erstmals im Jahre 1785 urkundlich genannt wird.52 Die betreffende Urkunde ist ein Grenzmarkierungsprotokoll bezüglich der dortigen Grenze zwischen den Gemeinden Vill (heute Innsbruck) und Lans. Die damals gesetzten und noch bestehenden sechs Grenzsteine zeigen auf der Viller Seite die Aufschrift,,Vi" und auf der Lanser Seite die Buchstaben „Lö“ eingemeißelt. Allerdings erwiesen sie sich später nicht als Markierung der Gemeindegrenze, sondern als Markie- rung der Grillhofer Waldung, weshalb im Bereich zwischen dem ehemaligen Viller See und dem Batzsteinhüttl vor einiger Zeit die Gemeindegrenze mit neuen Steinen gekenn- zeichnet worden ist. Diese Grenzlinie verläuft ein Stück weiter westlich als die Grillhofer Waldgrenze, die noch in der Katastermappe von 1856 irrig als die Gemeindegrenze zwischen Vill und Lans aufscheint. 50 Vgl. oben Anm. 16. 51 Pfarr-Archiv Igls, Urkunde n. 8a: Grenzvertrag zwischen Vill und Lans. 52 Ebenda, Urkunde n. 8b: Grenzvermarkungsurkunde zwischen Vill und Lans. 70 70 Die Poltenhütte von Osten. Foto: M. Hye-Weinhart 71 OX 1905 Malerischer Hausschmuck von 1905 (Ausschnitt) an der Südseite der Poltenhütte. Foto: G. Beinsteiner-Krall 72 Die jüngere Siedlungsentwicklung von Vill und Daten zur Häusergeschichte Bis zum Jahre 1779, als der Maria-Theresianische- Steuerkataster angelegt worden ist, zählte die Dorfgemeinde Vill insgesamt 24 Wohnhäuser, wozu in der Folge bis 1856 noch der Hauserle- und der Dudlhof kamen. Das Bauparzellen-Protokoll von 1856 verzeich- net dann inklusive diverser Wirtschaftsgebäude und auch einschließlich der St. Martins- Kirche 36 Bauten. Sie alle waren noch mit wenigen Ausnahmen (Zenzen-, Handl- und Grillhof, Poltenhütte, Hauserle und Dudl) in der eingangs geschilderten Dorfmulde situiert. Der Bau des Gasthofes zum Turmbichl im Jahre 1891 (laut Fresko-Inschrift an der Nordfassade) war dann richtungsweisend für die östlich folgenden Wohnhäuser in der Senke des Viller Baches bzw. am heutigen Lilly-von-Sauter-Weg. Auch die Villa Arch auf Kreit (Goarmbichl) ist in diese Besiedlungsphase einzuordnen. Neue Siedlungs- Schwerpunkte bildeten dann in den letzten zwei Jahrzehnten die Hanglagen am Grillhof- und vor allem am Poltenweg, sowie das einstige Schießstands-Gelände (Robert-Stolz- Weg). Den jüngsten neu erbauten Bauernhof stellt das Anwesen Rudolf Wopfners, Bachgangweg 21, dar. Er signalisiert in eindrucksvoller Weise das hoffnungsvolle Bestre- ben der Viller Bauern als Landwirte überleben zu wollen, was angesichts der ohnedies nur in beschränktem Ausmaß verfügbaren intensiv nutzbaren Grundstücke in relativ ebenem Gelände schwer genug ist. Wie die Verbauungsentwicklung am westlichen Ortsrand (Oberntalweg, Glasweg) zeigt, kommt es aber auch hier zusehends zum Interes- senskonflikt zwischen Landwirtschaft und Wohnbautendenzen. Daten zur Häusergeschichte (In alphabetischer Reihenfolge der heutigen Straßennamen) Anmerkung: Die folgenden Angaben beruhen auf den nachstehend verzeichneten, im Text dann nur kurz zitierten Quellen. 1312 Inntaler Steuerbuch, ediert in Schlern-Schriften Bd. 44 (vgl. oben Anm. 12!) 1627 Leopoldinischer Steuerkataster des Landgerichtes Sonnenburg von 1627 (Original im Tiroler Landes- archiv TLA.; Kopie im Stadtarchiv Innsbruck = StAI.) 1665 und 1722 = Urbare der Herrschaft Ambras, angelegt in den Jahren 1665 und 1722 (Originale im TLA., Urbar n. 82/11 und Urbar 82/12) 1779 Maria-Theresianischer-Steuerkataster der Gemeinde Vill von 1779 (Original im TLA.; Kopie im StAI.). 1856 = Bau-Parzellen-Protokoll der Katastralgemeinde Vill von 1856 (Original im Vermessungsamt; Kopie im StAI.) 1901 Grundbuch (über die Besitzungen der) Stadtgemeinde Innsbruck in der Katastralgemeinde Vill, angelegt im Jahre 1901 (Original im StAI.) 1944 bis 1976 = Adreẞbücher der Landeshauptstadt Innsbruck. Da nach 1976 kein Adreẞbuch mehr veröffentlicht worden ist, unterliegen die späteren, nur aktenkundigen Besitzangaben dem Datenschutz und konnten hier daher nicht veröffentlicht werden. 73 17 90 Markstein der Grafen Coreth von 1779 mit dem stark vereinfachten gräflichen Wappen und den Initialen .,G(raf),C(oreth)" bei der Poltenhütte. Foto: Dr. Wiedner 74 Bachgangweg Nr. 21 alte Hausnummer Vill 58: Besitzer: Rudolf Wopfner, laut Adreẞbuch 1976 Nr. 51 alte Hausnummer Vill 42: Besitzer: Ferdinand und Gisela Lunkmoos, laut Adreßbuch 1946/47 und 1953; Helene Schmole laut Adreßbuch 1957; Helene Tomasi laut Adreẞbuch 1964 und 1970; Helene Schwesser laut Adreẞbuch 1976. Grillhofweg Nr. 1 Bp.23 alte Hausnummer Vill 5: Hofnamen: Die Maire von Ville (1312);,,der halbe Mayrhof" (1627, 1779); Klammer (1856) GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 76): O: Erben nach Matthias Weiß S: gemeine Gasse W: detto N: eigenen Baumgarten Besitzer: 1627, fol. 260: Matheus Loter, „,,beim undtern Gatter zu Vill" 1665, Urbar, fol. 93: Georg Plazer und Matheus Lotter 1722, Urbar, fol. 357-366: Matheus Schwaikhofer, vor seine Mutter Elisabeth Clarer, vor der Vater Martin Schwaikhofer, vor Hanns, vor Matheus Lotter 1779, Cat.Nr. 76: Johann Schwaykofer 1856, Bp.-Prot.: Georg Hölzl 1901, Viller-See-Int.: Johann, Franz, Josef, Anna, Anton, Alois, Martin, Sebastian, Georg und Johann Hölzl 1944, Adreẞbuch: Josef Rofner, detto bis Adreẞbuch 1976 75 Nr. 3 Bp. 24 - alte Hausnummer Vill 4: Hofnamen: Mühl-Lehen (1627, 1779); Beim Melchiorn (1856); Melcher GH: Grafen Trapp zu Pisein (Beseno) Anrainer im Jahre 1779 (Cat. Nr. 79): O: Jakob Hofer S: Lorenz Perkhofer W: Johann Schwaykofer N: gemeine Gasse Besitzer: 1627, fol. 260': Mattheus Loter 1779, Cat.Nr. 79: Erben nach Matthias Weis 1856, Bp.-Prot.: Kreszentia Spörr 1901, Viller See-Int.: Josef und Rosa Stöckl 1944, Adreẞbuch: Aloisia Sorg, detto bis Adreẞbuch 1976 Besonderes: Die namengebende Mühle - es ist die Untere Mühle (Bp.22) - wird 1627 noch bei diesem Hofe erwähnt, ist jedoch lange vor 1779 davon getrennt worden. Dementsprechend enthält der Kataster von 1779 folgende Eintragung:, Lechen genant, woraus vor alters die Mühl und ein Stuk Grund verkauffet worden." Nr. 5 alte Hausnummer Vill 4a: Besitzer: Aloisia Sorg, laut Adreẞbuch 1976 Nr. 6 Bp. 29 - alte Hausnummer Vill 3: Hofnamen:,,Hochenrainer Lechen" (1722); Reiner (1856); Rainer GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 83): O: eigenes Grundstück S: detto W: Jakob Hofer (,,Mitterrain") N: gemeine Gasse (,,Hochenrainer Gassen“) Besitzer: 1665, Urbar, fol. 93: Christan, vor Adam Lotter 1722, Urbar, fol. 374-379: Joseph, anvor Christian, vor Adam Lotter 1779, Cat.-Nr. 83: Georg Lotter 1856, Bp.-Prot.: Kreszentia Wisfleck 1901, Viller See-Int.: Josef Eisendle 1944, Adreẞbuch: Josef Eisendle, detto bis Adreßbuch 1976 "... das Mühl 76 Grenzstein zwischen den Innsbrucker Katastralgemeinden Vill und Pradl und der Gemeinde Lans mit der Jahreszahl 1545 bei der Poltenhütte. Foto: M. Hye-Weinhart 77 Nr. 8 alte Hausnummer Vill 45a: Besitzer: Wohnungseigentumsgemeinschaft laut Adreẞbuch 1976 Nr. 10 alte Hausnummer Vill 45b: Besitzer: Wohnungseigentumsgemeinschaft laut Adreẞbuch 1976 Nr. 12 alte Hausnummer Vill 45c: Besitzer: Wohnungseigentumsgemeinschaft laut Adreẞbuch 1976 Nr. 15 alte Hausnummer Vill 4d: Besitzer:,,Team" Baugesellschaft m.b.H. laut Adreẞbuch 1976 Nr. 16 alte Hausnummer Vill 45: Besitzer: Josef Widmann laut Adreßbuch 1953 Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1976 Nr. 17 alte Hausnummer Vill 4e: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf Nr. 19 alte Hausnummer Vill 4f: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf Nr. 20 alte Hausnummer Vill 34e: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf Nr. 22 alte Hausnummer Vill 34: Besitzer: Anna Lokar (Loker) laut Adreßbuch 1944, detto bis 1953; Irene Oberdanner laut Adreẞbuch 1957 und 1964; Ulrich und Brigitte Fessler laut Adreßbuch 1970 und 1976 Nr. 24 alte Hausnummer Vill 34a: Besitzer: Dr. Ing. Richard und Luise Dagostin laut Adreßbuch 1946/47; Luise Dagostin laut Adreßbuch 1953 und 1957; Dr. Richard und Luise Dagostin laut Adreẞbuch 1964; Walter und Luise Dagostin laut Adreẞbuch 1970; Walter Dagostin laut Adreẞbuch 1976 78 Der alte Grillhof im Jahre 1959 von Nordwesten. Foto: Hermann Weber, Original im Grillhof 79 Nr. 26 alte Hausnummer Vill 34d: Besitzer: Dr. Volkmar Philadelphy laut Adreẞbuch 1970 und 1976 Nr. 28 alte Hausnummer Vill 44: Besitzer: Dr. Rudolf und Maria Hojos laut Adreẞbuch 1953; Feilner-Van Put Claire laut Adreẞbuch 1957; Claire Fuchshuber laut Adreßbuch 1964; Dr. Hubert Fuchshuber laut Adreßbuch 1970 und 1976 Nr. 31 alte Hausnummer Vill 40e: Besitzer: Maria und Eberhard Schedel laut Adreẞbuch 1970 und 1976 Nr. 35 alte Hausnummer Vill 40c: Besitzer: Dr. Heinz Lechner laut Adreẞbuch 1970; Dr. Hans Asamer laut Adreßbuch 1976 Nr. 38 alte Hausnummer Vill 30: Besitzer: Otto Pirchl laut Adreßbuch 1944; Ottilie Neuner und Sophie Jäger laut Adreẞbuch 1946/47; detto bis 1957; Sophie Jäger laut Adreßbuch 1964; Josef Jäger laut Adreẞbuch 1970; Josefa Jäger und Ottilie Neuner laut Adreẞbuch 1976 Besonderes: Wie dem Baustil und den Fassadenfresken von Rafael Thaler aus dem Jahre 1901 zu entnehmen ist, dürfte dieses Haus erst kurz zuvor erbaut worden sein. Nr. 39 alte Hausnummer Vill 40h: Besitzer: Josef und Hildegard Waldner laut Adreẞbuch 1976 Nr. 40 Bp. 30 alte Hausnummer Vill 2: Hofname: Hauserle. Besitzer: 1856, Bp.-Prot.: Alois Bitterich 1944, Adreẞbuch: Otto Pirchl; Ottilie Neuner und Sophie Jäger laut Adreẞbuch 1946/47; Dr. Anton und Ottilie Neuner laut Adreẞbuch 1953; detto bis 1970; Ottilie Neuner und Sophie Jäger laut Adreẞbuch 1976 80 14+ VI Einer der sechs im Jahre 1785 gesetzten Grenzsteine der Gemeinden Vill und Lans, welche als Gemeinde- Grenzsteine gedacht waren, tatsächlich aber nur die Ostgrenze der Grillhofwaldung markieren. Foto: M. Hye-Weinhart 81 Schützen und Musik von Igls und Vill vor dem Eck-Hause Grillhofweg 1/Igler Straße, genannt beim Klammer. Alte Photographie im Besitz von Karl Schlögl 82 Bis vor wenigen Jahren hat die hölzerne Dachtraufe zwischen den Häusern Grillhofweg 1 und 3 die Straße in ihrer vollen Breite überbrückt. Foto: M. Hye-Weinhart 83 Nr. 45 alte Hausnummer Vill 40i: Besitzer: Erich Senn laut Adreßbuch 1976 Nr. 47 alte Hausnummer Vill 40d: Besitzer: Dr. Alfred und Gudrun Schinzel laut Adreẞbuch 1970 und 1976 Nr. 53 alte Hausnummer Vill 40b: Besitzer: Hermann und Maria Köstenbaumer laut Adreßbuch 1964; detto bis 1976 Nr. 55 alte Hausnummer Vill 40a: Besitzer: Hermann Kinigadner laut Adreßbuch 1964; Hildegard Seidl laut Adreßbuch 1970; Dr. Otto und Edeltrude Pritzi laut Adreßbuch 1976 Nr. 57 alte Hausnummer Vill 40: Besitzer: Viktor Kauders laut Adreẞbuch 1946/47; Amalie Kauders laut Adreßẞbuch 1953: detto bis 1964; Amalie Weber laut Adreẞbuch 1970 und 1976 Nr. 64 alte Hausnummer Vill 41: Besitzer: Ursprünglich Nebengebäude des Grillhofes (vgl. dort!), genannt,,Batzstein- hüttl"; Landes-Invalidenamt für Tirol laut Adreẞbuch 1953; detto 1957; Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz laut Adreßbuch 1964; detto bis 1976 Nr. 100 alte Hausnummer Vill la: Hofname: Grillhof Besitzer: Ältere Geschichte siehe oben! 1856, Bp.-Prot.: Johann Georg Tschurtschenthaler; 1948 Tiroler Kriegsopferverband; 1952 Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz; 1959 Land Tirol Zur Geschichte des hier nun errichteten Volksbildungsheimes vgl. den Beitrag von Direktor Sieghard Matuella. 84 Blick auf Vill im Vordergrund der Poltenweg, links der Rainerhof, Grillhofweg 6. Foto: Anton Gratl, um 1870/80, Original im Stadtarchiv Innsbruck 85 55 Blick auf die Ostfassade des Hauses Grillhofweg 38 mit Fresken von Rafael Thaler aus dem Jahre 1901. Foto: G. Beinsteiner-Krall 86 Nr. 101 alte Hausnummer Vill 1: Siehe dazu Nr. 100! Handlhofweg Nr. 2 Bp. 19 - alte Hausnummer Vill 21: Hofname: Am Orth (1627, um 1779); Reiter (1856) GH: Grafen Fieger zu Friedberg Anrainer im Jahre 1779 (Cat. Nr. 13): O: Bartlmee Lotter S: gemeine Gasse W: eigene,,Peinten" N: detto Besitzer: 1627, fol. 256': Paul Loter 1779, Cat.Nr.13: Jacob Lotter, später Joseph Lotter 1856, Bp.-Prot.: Ursula Angerer 1901, Viller-See-Int.: Alois Lotter 1944, Adreẞbuch: Josef Lener detto bis 1976 Nr. 8 alte Hausnummer Vill 21b: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf. Nr. 51 alte Hausnummer Vill 71: Besitzer: Ludwig Greier laut Adreẞbuch 1976 Nr. 61 alte Hausnummer Vill 24a: Besitzer: Max Wegscheider laut Adreßbuch 1953; detto bis 1976 18 87 Der Reiterhof (Handlhofweg 2) von Süden. Foto: F.-H. Hye 88 Freskodarstellung des Innsbrucker Mariahilf-Gnadenbildes an der Südfassade des Reiterhofes, Handlhofweg 2. Foto: G. Beinsteiner-Krall 89 Nr. 63 Bp. 35, 36 - alte Hausnummer Vill 24: Hofnamen: von Riede (1312); zu Ried in Viller Oblay (1627); Hof zu Ried im Zenzental (1767); Handlhof (seit 1784), zum Erbhof erhoben 1935. GH: frei Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 4): O: die Gemeinde S: detto W: eigene Waldung N: die Gemeinde Besitzer: 1627, fol. 259': Martin Clarer's Witwe, Barbara Kleiber 1637-1671: Thomas Klarer 1671: dessen Tochter Maria, Gattin des Martin Wegscheider 1721-1767 Andrä Wegscheider, Sohn 1767-1784 Martin Wegscheider (= 1779, Cat.Nr. 4), Sohn 1784-1843 Franz Wegscheider, Sohn; 1843-1859 Witwe und Kinder (= 1856, Bp.-Prot.) 1859-1907 Alois Wegscheider, Sohn (= Viller-See-Int. 1901) 1907-1919 Alois Wegscheider iun., Sohn 1919-1938 Johann Wegscheider, Bruder 1938-1966 Max Wegscheider, Sohn seit 1966 Alfred Wegscheider, Sohn Literatur: Sebastian Hölzl - Hans Schermer, Tiroler Erbhofbuch, Bd. 1, Innsbruck 1986, S. 127ff. Nr. 71 alte Hausnummer Vill 90 Besitzer: Städtische Mülldeponie Nr. 77 alte Hausnummer keine Besitzer: Österreichische Staatsforste Nr. 79 alte Hausnummer keine 90 Der Erbhofbauer Alfred Wegscheider vom Handlhof mit seiner Familie (1977) Repro aus S. Hölzl - H. Schermer, Tiroler Erbhofbuch, S. 128 91 Nr. 80 Bp. 32, 33, 34 - alte Haunummer Vill 25: Hofnamen: Hof,,im Ried zum Türnlein" (1411, 1443 und 1463) vgl. oben Anm. 47; Schern- oder Zenzenhof (1627); Zenzenhof (1779) GH: frei Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 1): O: Martin Weegschaider S: die Amts-Waldung W: Sillbach N: eigenes Neurauth Besitzer: 1627, fol. 261: Georg von Pennt, Hauptmann, und seine zwei Töchter; hier wird der Hof,,Schern- oder Zenzenhof" genannt 1779, Cat.Nr. 1: Anton Leiẞ, später Alois Leiẞ 1856, Bp.-Prot.: Katharina v. Hasslmair ab 1876: Innsbrucker Jesuitenkolleg (vgl. auch 1901, Viller-See-Int.) Besonderes: Die Baulichkeiten des Zenzenhofes bestanden 1779 aus einer Behausung mit Stadel und Stall, aus einer weiteren Behausung,,,so dermahlen an denen Inngebäuden völlig abgangen und nur zu einen Stadl und Wagen-Schupfen dienet", sowie aus „,einer andern Wohnung, der Thurn genant." Nr. 91 alte Hausnummer keine Nr. 91 a,b,c alte Hausnummern keine Nr. 92 alte Hausnummer keine Nr. 92 a,b alte Hausnummern keine Nr. 93 alte Hausnummer Vill 100: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 93 a alte Hausnummer Vill 27: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen, Bahnwächterhaus laut Adreẞbuch 1944 detto bis 1976 92 Nr. 94 alte Hausnummer Vill 100g: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 94 a alte Hausnummer keine Nr. 95 alte Hausnummer Vill 100c: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 95 a alte Hausnummer keine. Nr. 95 b alte Hausnummer Vill 100b: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 95 c alte Hausnummer Vill 100a: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 95 d alte Hausnummer Vill 100f: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 96 alte Hausnummer keine Nr. 98 alte Hausnummer Vill 100d: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 98 a alte Hausnummer Vill 100e: Besitzer: Österreichische Bundesbahnen laut Adreẞbuch 1976 Nr. 98 b alte Hausnummer keine 93 96 Igler Straße Nr. 12 Bp. 22 - alte Hausnummer Vill 6: Hofname: Untere Mühle GH: Grafen Trapp zu Pisein (Beseno) Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 88): O: Georg Kößler S: ein,,Maadflökl" (kleine Wiese) W: die,,Pachrunst" (= Viller Bach) N: Georg Köẞler Besitzer: 1387 Hans Helbling v. Strazzfried (vgl. oben Anm. 42) 1627, fol. 260': Matthäus Loter, Besitzer des Mühl-Lehens (Bp. 24), zu dem die Mühle damals noch gehört hat; 1779, Cat.Nr. 88: Sebastian Holzer, später Georg Tirler 1856, Bp.-Prot.: Georg Jaufenthaler 1944, Adreẞbuch: Maria Kinzner geb. Hörtnagl sowie deren Söhne Franz, Josef, Johann und Karl Maria Kinzner laut Adreẞbuch 1946/47 detto 1953 Georg Schösser laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1970 Theresia und Annemarie Schösser laut Adreẞbuch 1976 Besonderes: Im Kataster von 1779 wird das Gut, wie folgt, beschrieben: „Ein kleine Behausung, Stadl, Stallung ... darbey aine Mühl mit einen Gang, Stampf und Wasser- fall." 94 14 Die Untere Mühle (Igler Straße 12) Foto: M. Hye-Weinhart 95 Nr. 14 Bp. 21 - alte Hausnummer Vill 7: Hofname: Obere Mühle GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 87): O: Lorenz Perkhofers Güter S: detto W: detto N: detto Besitzer: 1627, fol. 257': Rosina Kiechl, Witwe nach Matthäus Told, als Besitzerin des Gilgengutes (= Bp. 14) 1722, Urbar, fol. 384-386: Andree Prantner (durch Kauf 1711), zuvor Hanns Egger und seine Gattin Gertraud Kofler; zuvor Franz Peckh; zuvor Thoman Clarer 1779, Cat.Nr. 87: Joseph Herzleier 1856, Bp.-Prot.: Georg Hölzl, Klammer 1944, Adreẞbuch: Maria Span detto 1946/47 Anna Span laut Adreßbuch 1953, detto bis 1976 Besonderes: Im Kataster von 1779 wird das Gut, wie folgt, beschrieben: „Ein kleine Behausung darbey eine Mahlmühl mit einen Gang, Stampf, Wasserfall und Früh- gartl von 6 Klafftern." Laut des Katasters von 1627 sowie auch noch It. Urbar von 1665, fol. 93v, noch zum Gilgengut gehörig, wurde die Mühle lange vor 1779 von diesem verkaufsweise abgetrennt. Der Kataster von 1779 (Cat.Nr. 57) bemerkt daher dort: ,,davon eine Mühl und Stampf vor alters verkauft worden." 96 I II Die Obere Mühle am Viller Bach (Igler Straße 14) vor ihrem Umbau. Foto: M. Hye-Weinhart 97 67 Nr. 15 alte Hausnummer Vill 36: Besitzer: Josef Rofner laut Adreßbuch 1944, detto bis 1976 Nr. 19 Bp. 17 - alte Hausnummer Vill 9: Hofnamen: beim Garrer (1856); Garn (1901, 1944) GH: St. Martins-Kirche in Vill Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 64 und 68): O: Andree Pichler und das Vogelspergerische Mahd S: an dasselbe Mahd W: der Bachrunst (Dorfbach) N: die Gemeinde Besitzer: 1627, fol. 262: Simon Gär (Gar),,,ain Sölbehausung" 1779, Cat.Nr. 64 und 68: Paul Singer sowie Maria und Elisabeth Voglsperger 1856, Bp.-Prot.: Joseph Feilegger 1901, Viller-See-Int.: Johann Feilegger 1944, Adreẞbuch: Max Schwemberger, detto bis 1976 Besonderes: Hinter diesem Gehöft befand sich der Viller Schießstand, welcher 1987 abgetragen und 1988 im Tiroler Bauernhöfemuseum in Kramsach wieder aufgestellt worden ist. Der Kreit-Hügel südwestlich hinter dem Garnhof (Goarn-, Goarm-Hof) wird nach diesem seit einigen Jahrzehnten,,Goarmbichel" genannt. Nr. 27 alte Hausnummer Vill 29a: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch von 1976 noch nicht auf Nr. 28 alte Hausnummer Vill 33f: Besitzer: Alois Scherzer laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Lilly-von-Sauter-Weg Nr. 1 alte Hausnummer Vill 43: Besitzer: Josef Arch laut Adreßbuch 1953, detto bis 1976 Nr. 2 alte Hausnummer Vill 35: Besitzer: Karl Horneschek laut Adreẞbuch 1944, detto bis 1957 Helene Landauer laut Adreẞbuch 1964 Helene Eller laut Adreẞbuch 1970 und 1976 98 Freskenschmuck von Frau Mia Arch an ihrem Hause am Goarmbichl, Lilly-von-Sauter-Weg 1. Foto: G. Beinsteiner-Krall 99 Nr. 4 alte Hausnummer Vill 29: Hofname: Gasthaus"Thurnbichl" Besitzer: Erbaut 1891 durch Ferdinand Busch (laut Fresko-Inschrift am Hause), reno- viert 1927 durch Aloisia Hilber (ebenda) Anna Hörhager laut Adreẞbuch 1944, detto bis 1957 Anton Hörhager laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 7 alte Hausnummer Vill 51 Besitzer: Lorenz Egger laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 8 alte Hausnummer Vill 38a: Besitzer: Engelbert und Johanna Lintner laut Adreßbuch 1953, detto bis 1976 Nr. 10 alte Hausnummer Vill 38b: Besitzer: Johann Lener laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1976 Nr. 11 alte Hausnummer Vill 51b: Besitzer: Erich und Ida Tratz laut Adreẞbuch 1976 Nr. 12 alte Hausnummer Vill 38: Besitzer: Josef Lener laut Adreßbuch 1946/47 Johann Lener laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976 Nr. 13 alte Hausnummer Vill 52: Besitzer: Josef Schlögl laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Oberntalweg Nr. 4 alte Hausnummer Vill 53: Besitzer: Otto und Margarete Gatt laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 6 alte Hausnummer Vill 57: Besitzer: Marianne und Engelbert Bancher laut Adreßbuch 1976 Nr. 7 alte Hausnummer Vill 31: Besitzer: Anna Lang laut Adreßbuch 1944, detto bis 1976 100 Dension Der Gasthof Turmbichl (Lilly-von-Sauter-Weg 4) gegen Süden. Foto: F.-H. Hye GASTHOF Turmbichl PENSION 101 Nr. 9 alte Hausnummer Vill 33: Besitzer: Andreas Feilegger laut Adreẞbuch 1944, detto bis 1970 Johanna Mösl laut Adreẞbuch 1976 Nr. 17 alte Hausnummer Vill 33c: Besitzer: Josef Wopfner laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 19 alte Hausnummer Vill 33d: Besitzer: Alois Rauch laut Adreẞbuch 1964 Alois Rauch und Maria Profanter laut Adreßbuch 1970 detto 1976 Nr. 22 alte Hausnummer Vill 46: Besitzer: Max Mahler laut Adreẞbuch 1953, detto 1957 Ing. Max Mahler laut Adreẞbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 32 alte Hausnummer Vill 46a: Besitzer: Walter Pallua laut Adreßbuch 1976 Poltenweg Nr. 4 alte Hausnummer Vill 40f: Besitzer: Prof. Dr. Helmut Scharfetter laut Adreßbuch 1970 detto mit Mitbesitzern 1976 Nr. 6 alte Hausnummer Vill 40g: Besitzer: Johann und Marialuise Lener laut Adreẞbuch 1970. detto 1976 Nr. 8 alte Hausnummer Vill 40k: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf Nr. 41 alte Hausnummer Vill 40s: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf Nr. 43 alte Hausnummer Vill 40t: Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf 102 Nr. 71 Bp. 27 - alte Hausnummer Vill 26: Hofname: Poltenhütte Ehemalige Vogelhütte, vgl. oben die Geschichte derselben Remmossweg Nr. 2 Bp. 20 - alte Hausnummer Vill 22: Hofnamen: Heisler, Häusler (1856) GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 8): O: Jacob Hofer S: die Gemeinde W: detto N: Lorenz Perkhofer Besitzer: 1627, fol. 262': Peter Häckhl (Hackl), Zimmermann,,,besizt ain hilzes Sölhe- üßl" (Söllbehausung) 1665, Urbar, fol. 92: Thomas Schwaighofer, vor Andree Mayr,,,altens Elisabeth Khap- ferer und Peter Häckhl" 1722, Urbar, fol. 357: Christian Farbmacher, anvor Thoman Schwaichhofers Kinder, vor Thoman Schwaichhofer, vor Andree Mayr, vor Elisabeth Kapferer 1779, Cat.Nr. 8: Georg Kösler 1856, Bp.-Prot.: Simon Tamers 1901, Viller-See-Int.: Ferdinand und Maria Danler 1944, Adreẞbuch: Anton Lindner (Lintner), detto bis 1953 Mathilde Lintner laut Adreẞbuch 1957 dieselbe und Maria Alessandri laut Adreẞbuch 1964, detto 1970 Maria Alessandri laut Adreẞbuch 1976 Nr. 5 alte Hausnummer Vill 22a: Besitzer: Anton Grauß laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 7 alte Hausnummer Vill 22b: Besitzer: Josef Lintner laut Adreßbuch 1970, detto 1976 104 Nr. 11 alte Hausnummer Vill 23: Hofname: Dudl Besitzer: 1856, Bp.-Prot.: Johann Pittl 1944, Adreẞbuch: Josef und Anna Lindner detto 1946/47 Josef Lintner laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976 Robert-Stolz-Weg Nr. 2 alte Hausnummer Vill 49: Besitzer: Josef Feller laut Adreßbuch 1957 Josef und Frieda Feller laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 4 alte Hausnummer Vill 9a: Besitzer: Norbert Wieser laut Adreẞbuch 1957 Norbert und Anna Wieser laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 6 alte Hausnummer Vill 9b Nr. 8 alte Hausnummer Vill 9c Nr. 10 alte Hausnummer Vill 9d Nr. 12 alte Hausnummer Vill 9e Nr. 14 alte Hausnummer Vill 9f Nr. 16 alte Hausnummer Vill 9g Nr. 18 alte Hausnummer Vill 9h Nr. 20 alte Hausnummer Vill 9i Nr. 22 alte Hausnummer Vill 72 Nr. 24 alte Hausnummer Vill 72a 105 Nr. 26 alte Hausnummer Vill 72b Nr. 28 alte Hausnummer Vill 72c Nr. 30 alte Hausnummer Vill 73 Nr. 32 alte Hausnummer Vill 73a Nr. 34 alte Hausnummer Vill 73b Nr. 36 alte Hausnummer Vill 73c Nr. 38 alte Hausnummer Vill 73d Nr. 40 alte Hausnummer Vill 73e Nr. 42 alte Hausnummer Vill 73f Nr. 44 alte Hausnummer Vill 73g Nr. 46 alte Hausnummer Vill 73h Nr. 48 alte Hausnummer Vill 73i Nr. 50 alte Hausnummer Vill 73k Nr. 52 alte Hausnummer Vill 731 Besitzer: Die Häuser Robert-Stolz-Weg 6 bis 52 scheinen im Adreẞbuch von 1976 noch nicht auf 106 Blick auf den ehemaligen Schießstand bzw. auf das Schießstandsgelände mit den Häusern am Robert-Stolz- Weg (rechts). Foto: F.-H. Hye 107 Seeweg Nr. 2 alte Hausnummer Vill 34b: Besitzer: Elisabeth Swan laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 4 alte Hausnummer Vill 34c: Besitzer: Herbert und Aloisia Kössner laut Adreẞbuch 1964 Aloisia Kössner laut Adreẞbuch 1970, detto 1976 Viller Dorfstraße Nr. 1 Bp. 16 - alte Hausnummer Vill 10: Hofname: Söllbehausung, Armenhaus GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.-Nr. 59): O: Dorfbach S:,,Gottsaker" W: eigener Obstgarten N: Gemeinde (Dorfgasse) Besitzer: Laut des Urbars von 1722 im Jahre 1519 aus den Viller Mayrhof-Gütern von Oswald Nockher vermutlich an Urban Nockher verkauft. 1627, fol. 262: Hanns Kapferer, Mesner, später Christina Kapferer und ihr Gatte Jenewein Holzer 1722, Urbar, fol. 372-374: Gall Holzer 1779, Cat.-Nr. 59: Balthauser Werrner 1856, Bp.-Prot.: Gemeinde Vill (vgl. auch 1901, Viller-See-Int.) seit 1942: Stadtgemeinde Innsbruck Besonderes: Laut des Urbars von 1722 und des Katasters von 1779 befand sich anstelle des genannten Obstgartens der „Zöchend-Stadl" = Zehentstadl des Klosters Wilten in Vill. 108 Ehemaliges,,Armenhaus" der Gemeinde Vill (Viller Dorfstraße 1). Foto: F.-H. Hye 109 Nr. 2 Bp. 15 alte Hausnummer Vill 8 Hofname:,,Wirthshaus" (1856), Zur Traube GH: Kloster Stams Anrainer im Jahre 1779 (Cat. Nr. 72): O: Gemeine Gasse S: detto W: der,,Mühlbach" N: Johann Schwaykofer Besitzer: 1779, Cat. Nr. 72: Joseph Wild,,,Söllbehausung" (wird 1627 noch nicht erwähnt) 1856, Bp.-Prot.: Josef Schlögl, Wirt 1901, Viller-See-Int.: Alois Schlögl 1944, Adreẞbuch: Anna Haid, Gasthof zur Traube detto bis 1957 Herbert Haid laut Adreẞbuch 1964 Anna Haid laut Adreẞbuch 1970, detto 1976 Nr. 4 Bp. 14 - alte Hausnummer Vill 11 Hofnamen: Gilgengut (1779), Gasperer (1944) GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 57): O: gemeine Gasse S: detto W: Bartlmee Lotter N: detto Besitzer: 1627, fol. 257': Rosina Kiechl, Witwe nach Matthäus Told 1665, Urbar, fol. 93': Jakob Clarer, zuvor Thoman Clarer und Franz Pockh 1722, Urbar, fol. 379-384: Agnes Clarer, Tochter des Jakob Clarer und Gattin des Joseph Perckhofer 1779, Cat. Nr. 57: Lorenz Perkhofer 1856, Bp.-Prot.: Maria Gogl 1901, Viller-See-Int.: Josef Reitmayr 1944, Adreẞbuch: Andreas Hofer, detto bis 1976 Besonderes: Die noch im Kataster von 1627 zu diesem Gute gehörige Obere Mühle wurde lange Zeit vor 1779 daraus verkauft (vgl. dort!) 110 00000 Der Gasthof zur Traube (Viller Dorfstraße 2) und die Häuser Grillhofweg 1-3: Klammer und Melcher. Foto: M. Hye-Weinhart 111 Nr. 7 Bp. 2 alte Hausnummer Vill 12 Hofnamen: Thurn- oder Hochenrainer-Lehen (1779), Gugler (1856) GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 47): O: Bartlmee Lotter (und gemeine Gasse) S: Veit Lotter W: detto N: gemeine Gasse Besitzer: 1627, fol. 259: Christan Told 1665, Urbar fol. 94: Lamprecht Told,,,anvor Christan Told und Benedict Toldens Erben" 1772, Urbar fol. 393-397: Franz Hilber,,,anvor Urban Kössler, vor Lorenz Kössler, vor Lambrecht, vor Christian Toldt 1779, Cat.Nr. 47: Andrae Pichler 1856, Bp.-Prot.: Johann Baumann 1901, Viller-See-Int.: Nikolaus und Sofie Steger 1944, Adreẞbuch: Anna Hörhager, detto bis 1957 Paul Unterwurzacher laut Adreßbuch 1964, detto 1970 Erich und Renate Unterwurzacher laut Adreßbuch 1976 Besonderes: Laut des Katasters von 1627 umfaßte dieser Gutshof damals,,zway, als ain gemaurte und ain hilzene Behausung, Städl, Stallungen, zwen Pachofen, ain Padstuben und Gärten" etc. 112 Die geschlossen verbaute Gebäudegruppe Viller Dorfstraße 7-11 (= Gugler, Loter, Schlaucher) sowie der Sinhof (21 rechts). Die Häuser Nr. 7-9 wurden unterdessen zum Teil umgebaut. Foto: M. Hye-Weinhart 113 Nr. 8 Bp. 13 - alte Hausnummer Vill 15 Hofnamen: die Maire von Ville (1312); halber Mayrhof (1779); Nocker (1856) GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 36): O: Lorenz Perkhofer (und Purggassen") S: gemeine Gasse W: eigene,,Peinten" N: detto Besitzer: 1627, fol. 260: Matheus Loter 1665, Urbar fol. 93: Georg Plazer und Matheus Lotter 1722, Urbar fol. 366-372: Martin Lotter, abvor Mathias Lotter 1779, Cat.Nr. 36: Bartlmee Lotter 1856, Bp.-Prot.: Johann Lotter 1901, Viller-See-Int.: Egidius Spann 1944, Adreẞbuch: Josef Abenthung, detto bis 1957 Amalia Feilegger laut Adreẞbuch 1964 Andrä Feilegger laut Adreßbuch 1970 derselbe und Mitbesitzer laut Adreẞbuch 1976 Nr. 9 Bp.: 4 und 5 alte Hausnummer Vill 13 Hofnamen: Schleiffer-Gut (1627, 1779); Pusterer (1856); Loter (1901) GH: Waldauf-Stiftung in Hall i.T. Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 44): O: Andree Pichler S: eigene Peinten" W: Veit Lotter N: detto (und gemeine) Dorfgasse Besitzer: 1627, fol. 256: Adam Loter 1779, Cat.Nr. 44: Anna Singer 1856, Bp.-Prot.: Georg Holzer 1901, Viller-See-Int.: Alois Hofer Franz Wopfner laut Adreẞbuch 1946/47 Rudolf, Josef, Luise Wopfner und Maria Profanter laut Adreẞbuch 1953, detto 1957 Rudolf Wopfner laut Adreẞbuch 1964, detto bis 1976 114 Nr. 9a alte Hausnummer Vill 13a Nr. 9b alte Hausnummer Vill 13b Nr. 9c alte Hausnummer Vill 13c Besitzer: Die Hausnummern Viller Dorfstraße 9a bis 9c scheinen im Adreßbuch 1976 noch nicht auf. Nr. 11 Bp. 6 - alte Hausnummer Vill 16 Hofnamen:,,die Erbgüter" (1627); Schlaucher (1856) GH: Grafen Trapp zu Pisein (Beseno) Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.33) O:,,Freüthofmauer" (Friedhofmauer!) S: detto W: Bartlmee Lotter N: gemeiner Weg Besitzer: 1627, fol. 256: Christoff Lener, später Hanns Kössler und Maria Toldt, seine Gattin 1779, Cat.Nr.33: Jakob Hofer 1856, Bp.-Prot.: Anton Scholl 1901, Viller-See-Int.: Dr. Hugo Tschurtschenthaler 1944, Adreẞbuch: Irene v. Eckhel Rupert v. Eckhel und Mitbesitzer laut Adreẞbuch 1946/47 Alice und Wilhelmine Ekhel laut Adreẞbuch 1953, detto 1957 Wilhelmina Eckhel und Alice Kriegshaber laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 115 Nr. 13 Bp.9 alte Hausnummer Vill 14 Hofnamen: Rauchengut (1779); Lother (1856) GH: Herren von Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.40): O: Anton Tusch S: detto W: Schleifer-Güter N: detto Besitzer: 1779, Cat.Nr.40: Veit Lotter 1856, Bp.-Prot.: Alois Jordan 1901, Viller-See-Int.: Alois Hofer 1944, Adreẞbuch: Franz Wopfner, detto 1946/47 Rudolf Wopfner laut Adreẞbuch 1953 Heinrich Wopfner laut Adreẞbuch 1957, detto bis 1976 Nr. 15 alte Hausnummer Vill 32 Besitzer: Anna Sailer laut Adreßbuch 1946/47 Andreas Hofer laut Adreßbuch 1953. Johann und Paula Weber laut Adreßbuch 1957, Johann Weber sen. und Mitbesitzer laut Adreẞbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 19 Bp.10 - alte Hausnummer Vill 17 Hofnamen: ab der Gazze (1312); Gut in der Gasse (1665 und 1779); Kapferer (1856) GH: Schloß Ambras Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.27): O: Anton Tusch S: gemeiner Weg W: Bartlmee Lotter und Andree Told. N: Matthias Told Besitzer: 1627, fol. 258v: Georg Told, später Gregor Told 1665, Urbar fol. 93v: Jakob Clarer,,,anvor Gregori und Georg Told" 1722, Urbar fol. 387-393: Joseph Perckhofer und seine Gattin Agnes Clarer,,,anvor ihr Vater Jacob Clarer" 1779, Cat.Nr. 27: Lorenz Perkhofer 1856, Bp.-Prot.: Johann Schmid 1901, Viller-See-Int.: Johann Schmid 1944, Adreẞbuch: Maria Feichtner, detto 1946/47 Johann Feichtner laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976 116 Besonderes: Der Kataster von 1627 erwähnt bei dieser „gemaurten Behausung" noch einen „,Casten" (= Getreidespeicher), einen „Pachofen“ und eine „,Padstuben“. Nr. 21 Bp.7 alte Hausnummer Vill 18 Hofnamen: der Schutze (1312); Schüzengut (1627, 1779); beim Sihn (1856, 1901 etc.) GH: Herr von Egger Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.24): O: gemeine Gasse S: Lorenz Perkhofer W: Andree Told N: gemeine Gasse Besitzer: 1627, fol 258: Rosina Kiechl, Witwe nach Mattheus Told 1779, Cat.Nr. 24: Matthias Told 1856, Bp.-Prot.: Johann Told 1901, Viller-See-Int.: Josef Told 1944, Adreẞbuch: Johann Greier Ludwig Greier laut Adreßbuch 1946/47 Johann Greier laut Adreẞbuch 1953, detto 1957 Ludwig und Maria Greier laut Adreẞbuch 1964, detto 1970 Ludwig Greier laut Adreẞbuch 1976 Nr. 23 Bp.12 - alte Hausnummer Vill 19 Hofnamen: Sindleinsgut (1779); Lienhart (1856) GH: Grafen Fieger zu Friedberg Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr.20): O: Matthias Told S: Bartlmee Lotter W: gemeine Gasse N: detto Besitzer: 1779, Cat. Nr.20: Andrä Told 1856, Bp.-Prot.: Maria Töchterle 1901, Viller-See-Int.: Carl sen. und Carl und Josef Schlögl 1944, Adreẞbuch: Karl Schlögl, detto bis 1976 117 Der Sinhof (Viller Dorfstraße 21). Foto: M. Hye-Weinhart 118 Nordseitiger Fassadenerker am Sinhof. Foto: M. Hye-Weinhart 119 Nr. 25 Bp. 11 - alte Hausnummer Vill 20 Hofnamen: Gatterer-Lehen (1779); Heislerjörgl (1856); Bürger (1901) GH: Mariae-Himmelfahrts-Bruderschaft in Innsbruck Anrainer im Jahre 1779 (Cat.Nr. 18): O: Lorenz Perkhofer S: gemeine Gasse W: detto N: Andree Told Besitzer: 1779, Cat.Nr.18: Bartlmee Lotter 1856, Bp.-Prot.: Georg Lotter 1901, Viller-See-Int.: Josef Spann 1944, Adreẞbuch: Josef Span, detto bis 1957 Hedwig Span laut Adreßbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 26 alte Hausnummer Vill 47b Besitzer: Heinz und Hanna Lener laut Adreßbuch 1976 Nr. 34 alte Hausnummer Vill 31a Besitzer: Karl Lener laut Adreßbuch 1976 Nr. 42 alte Hausnummer Vill 47 Besitzer: Josef Span laut Adreẞbuch 1953, detto 1957 Hedwig Span laut Adreẞbuch 1964, detto bis 1976 Nr. 44 alte Hausnummer Vill 47a Besitzer: Luise und Walter Pöll laut Adreẞbuch 1964, detto 1970 Luise Pöll laut Adreẞbuch 1976 120 Der Lienhart- und der Bürgerhof (Viller Dorfstraße 23-25). Foto: M. Hye-Weinhart 121 Schutzengel mit Weizenähre. Fresko von Josef Prantl an der Westfassade des Lienharthofes, Viller Dorfstraße 23. Foto: G. Beinsteiner-Krall 122 Vill Unterberg Nr. 1 alte Hausnummer Vill 54 Besitzer: Josef Gschirr laut Adreßbuch 1970, detto 1976 Nr. 2 alte Hausnummer keine Besitzer: Scheint im Adreßbuch 1976 noch nicht auf Nr. 3 alte Hausnummer Vill 48 Besitzer: Ing. Rudolf Scholz laut Adreẞbuch 1953, detto bis 1976 Nr. 4 alte Hausnummer Vill 50 Besitzer: Josef und Anna Strobl laut Adreßbuch 1957, detto bis 1970 Josef und Eva Strobl laut Adreẞbuch 1976 Nr. 5 alte Hausnummer Vill 28 Besitzer: Österreichische Bundesbahnen, Bahnwächterhäuschen Nr. 10 alte Hausnummer keine Besitzer: Scheint im Adreßẞbuch 1976 noch nicht auf Nr. 21 alte Hausnummer keine Besitzer: Scheint im Adreẞbuch 1976 noch nicht auf 123 LAURENTIUSO ELIG, LABEEN A REFER SEINESALT/ERG 8, Wappengrabstein des aus Vill gebürtigen Priesters Laurenz Lotter von 1770 in der St. Martinskirche in Vill. Foto: M. Hye-Weinhart 124 Die St. Martinskirche und andere Kunstdenkmäler in Vill Von Gertrud Beinsteiner-Krall Wer die Paschbergstraße benützt, um in das südliche Mittelgebirge zu gelangen, wird nach der letzten Kurve des steilen Waldstückes vom schlanken spitzen Turm der Pfarr- kirche begrüßt, noch ehe er das in sanfte Hügel eingebettete kleine Dorf wahrnimmt. Besonders eindrucksvoll erweist sich dieses Bild an trüben Wintertagen, wenn sich ebenhier die Nebel lichten und an der Turmspitze über der Kugel Kreuz und Wetterhahn in goldenem Licht blinken. Der gotische Turm ist nordseitig an das Gotteshaus angebaut. In Höhe der zwischen die beiden Glockengeschosse mit ihren rundbogig gekoppelten Schallöffnungen eingefüg- ten Uhr entwickelt sich aus Spitzgiebeln der oktogonale Helm. Während die Giebelan- läufe an den Turmkanten in wolfskopfähnliche Wasserspeier auslaufen, werden die vier Giebelspitzen von vergoldeten Kugeln überhöht; beides Merkmale, die neben ihrem praktischen Nutzen den ästhetischen Wert des Turmbaues steigern. Die aus Schindeln gefertigte Turmdachhaut erhält zusätzlichen Reiz durch drei Abstufungen in Form diagonal verlegter Schindelstreifen, wodurch das Spiel des Lichtes auf dem edlen Mate- rial verstärkt wird. Glücklicherweise wurde diesem auch bei der Neueindeckung des gesamten Kirchendaches im Jahre 1954 trotz höherem Kostenaufwand gegenüber mo- dernen Eindeckungsarten der Vorzug eingeräumt.² Anläßlich seiner 1991 erfolgten Restaurierung erhielt dieser charakteristische Zeuge des alten gotischen Kirchenbaues wieder die erstmals sicherlich im 17. Jahrhundert ange- brachte Eckquaderung, 3 die nach vorgefundenem Muster in hellem Ockergelb mit graugrüner Umrandung angelegt worden ist, wobei man auf die Anbringung der im gelben Feld noch vorhandenen Marmorierung in Caput mortuum (einem lila-rötlich- grauen Farbton) verzichtete, um den Kontrast zur derzeit bestehenden, in Gelb-Ockertö- nen ausgeführten Fassadengliederung des Gotteshauses zu verringern. Wer sich noch an den Turm vor seiner Restaurierung erinnert, wird feststellen, daß er 1 Sie erhielten ihre heutige Form im 18. Jahrhundert. Die ehemals gotischen Schallfenster wurden um etwa 1730 erneuert. Laut Urkundenlage erstrecken sich die Arbeiten am Turm auf die Zeit von 1726-1731 und beinhalten Reparaturen am Bauwerk und an der Uhr (Gesamtkosten 719 fl). Die Archivalien wurden dankenswerterweise von Frau Dr. B. Kern zur Verfügung gestellt. 2 Siehe Denkmalamt-Akten vom 17. November 1954.. 3 Freundliche Mitteilung von Dipl. Ing. Walter Hauser, Bundesdenkmalamt. 125 heute zwar nicht mehr so schlank sondern im Gegensatz zu früher etwas gedrungen erscheint, dafür kommt nun die Dominanz des Helmes stärker zum Tragen. Die Mittelalter-Archäologie könnte klären, ob vor dem urkundlich gesicherten Datum von 13974 in Vill bereits eine Kirche vorhanden war. Bedenkt man die lange Siedlungs- kontinuität und die erste urkundliche Erwähnung des Ortes um das Jahr 12205, so läge dies nahe. Fest steht, daß heute zum gotischen Baubestand außer dem Turm noch der dreiseitig geschlossene Chor und der untere Teil der westlichen Front zu rechnen ist. Daraus läßt sich ableiten, daß bereits die gotische Kirche über das gleiche Längenausmaß wie die heutige verfügte. Am äußeren Mauerwerk des Chores lassen sich dort, wo er nicht durch den Anbau der in ihrer jetzigen Form einer späteren Periode entstammenden, doppelge- schossigen Sakristei verdeckt wird, noch die zugemauerten, in einem gedrückten Spitzbo- gen geschlossenen, gotischen Fenster erkennen. Durch die Verwendung des gedrückten Spitzbogens erscheint die Fensterform optisch verbreitert, was für eine Entstehungszeit in der Spätgotik spricht. Auch die Ausdrucksform des westseitigen Portals weist in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die spitzbogige Türöffnung besteht wie die über kantigem Ansatz abgefa- ste Rahmung der beiden seitlichen, vergitterten gotischen Rechteckfenster daneben, aus demselben rosa-grauen Hausteinmaterial, nämlich der in unserem Gebiet allenthalben verwendeten Höttinger Breccie. Über vorspringendem, mehrfach gebrochenem Sockel legt sich die Steinfassung zunächst flach der Mauer an, der schräg geführte Mauerein- schnitt ist durch eine Profilierung mittels starkem Wulst und tiefer Kehlung, die sich in leichterer Ausführung noch einmal wiederholt, abgestuft, um im gerade geführten Türeinschnitt zu enden. Eine fast wörtliche Entsprechung der Portalgestaltung findet sich an der ursprünglich romanischen, im 2. Weltkrieg zerstörten und 1982 wiederaufge- bauten Bartholomäuskapelle an der Sill, die der Wiltener Abt Johannes Lösch 1479 der Zeit entsprechend adaptieren ließ.7 Dem Portal wurde im 17. Jahrhundert ein hölzerner, mit Schindeln eingedeckter Porti- kus vorgestellt, der eigentlich auf den über Postamenten errichteten Säulen aus weiß- schwarz-gemasertem Stein aufruhen sollte. Paradoxerweise scheinen diese Säulen mit den über den Schaftringen seltsam altertümlich wirkenden Kapitellen für den Giebelauf- 4 Abtei-Archiv Wilten (AAW), Lade 26, Lit. A, Nr. 1e. 5 Franz-Heinz Hye, Die Städte Tirols. 1. Teil Bundesland Tirol (= Österreichisches Städtebuch 5/1 hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), Wien 1980, S. 71. 6 Im Gegensatz zum Konglomerat, Sedimentgestein aus splittrigen Teilen, die miteinander durch Bindemittel verkittet sind. 7 Vgl. H. Hammer, Kunstgeschichte Innsbrucks, Innsbruck-Wien-München 1952, S. 23; Dehio-Tirol. Wien 1980, S. 130 datiert das Viller Portal um 1460. 126 Der gotische Polygonal-Chor der Viller St. Martinskirche von Südosten, 1989. Foto: Denkmalamt 127 bau zu kurz geraten, weshalb diese Distanz auf derbe Weise durch einen untergeschobe- nen Mauerwürfel ersetzt wurde. Obwohl die Ursache hiefür nicht eindeutig zu klären ist, weist diese dilettantische Lösung auf ein Anheben des Giebels zu einem späteren Zeit- punkt, um den Blick auf die Bogenform des Portals nicht zu schmälern. Im Giebelfeld weist eine gemalte Kartusche mit der Inschrift,,Dem Hl. St.(!) Martin geweiht" auf den Kirchenpatron. Obwohl sich die gotischen Baubestandteile klar zu erkennen geben, fügt der Kirchenum- bau des späten 18. Jahrhunderts das äußere Erscheinungsbild zu harmonischer Ge- schlossenheit, die nur wenig durch erst in neuerer Zeit durchgeführte bauliche Verände- rungen beeinträchtigt wird. Dazu zählt das steife Pultdach der bereits im 17. Jahrhundert südlich dem Turm angelehnten Totenkapelle, die erst um 1970 ihre rundbogige Fenster- öffnung erhielt, aber auch die nordseitig des Turmes hochgeführte, doppelgeschossige Sakristei. Ihr ostseitiges Mauerwerk verlief ursprünglich nicht wie heute fast bis zur Chormitte, sondern ließ das nördliche Drittel des Chorschlusses frei, wie dies auch auf einer Ansicht des frühen 19. Jahrhunderts wiedergegeben wird, weshalb die ostseitigen übereinanderliegenden Fenster ehemals sinnvollerweise in der Mittelachse lagen. Die heutige an das runde Chorfenster grenzende Mauerführung mit geänderter Dachzone, die wohl einer besseren Ableitung des Regenwassers dient, war offensichtlich eine notwendige Maßnahme zur Verhinderung von Feuchtigkeitseinwirkungen. Der Grundriß des gotischen Kirchenlangbaues wird durch den spätbarocken Bauwillen einem Zentralbau angenähert. Der Planer setzte eine entscheidende und gekonnt einfa- che Maßnahme, indem er einen großen Mittelraum aus der seitlichen Mauerflucht herausschob und die Ecken desselben abrundete. Dieser nun über die Flucht von Vorjoch und Chor hinausragende Baukörper wird durch eine dreiteilige Fenstergruppe betont, die aus zwei hohen Rundbogenfenstern und einem in die Mitte darübergesetzten Ochsenauge besteht. Den stärksten und auf Fernwirkung bedachten Akzent erzielte der Mittelbau aber durch das Emporheben des Daches über das Niveau von Vorjoch und Chor. Das Satteldach dieses Mittelteiles verläuft zu den niedriger geführten Dachpartien von Chor und Vorjoch mittels einer wohldurchdachten Abwalmung. Der Winkel des steil geführten Kirchendaches läuft zum Dachrand hin etwas flacher aus, wodurch sich sein zeltartiger Charakter verstärkt - im gesamten eine Dachlandschaft von außeror- dentlichem Reiz. Am eindringlichsten spricht der Baukörper seine Wirkung nach Süd- westen demjenigen entgegen, der aus der Höhe von Igls kommt und sich dem Dorf nähert, wobei dessen Blick die südliche Flanke samt Chor und die Westseite umspannt. 8 Original abgebildet bei Franz-Heinz Hye, Igls und Vill. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Inns- brucks. In: das Fenster, 1973, Heft 13, S. 1325. 128 Spätgotische Fresko-Darstellung des hl. Martin an der Nordseite des Presbyteriums der St. Martinskirche in Vill. Bei der Innenrestaurierung 1972 aufgedeckt, jedoch dann wieder übermalt. Foto: Denkmalamt 129 Die einfache Westfassade weist, abgesehen von der bereits besprochenen älteren Por- talzone ein Rundbogenfenster in Emporenhöhe auf. Stärker formuliert sich die Gie- belzone mit drei geschweiften Fensterchen, in deren Mitte al fresco in ähnlich geführtem Rahmen der als Bischof auf Wolken kniende hl. Martin betet. 9 Aus den ockergelb bemalten Hohlkehlen unter dem Dachansatz entwickeln sich in Höhe des obersten Fensterchens parallel geführte stuckierte Schnecken, die zur ondulierenden Giebellinie des Daches überleiten. Optische Zusammenfassung erhält der Außenbau durch ockergel- be Fensterumrahmungen und ebensolche, die Vertikale betonende Kolossalpilaster an den Schnittpunkten der Mauerflächen. Eigentümlicherweise gelang es bis heute nicht, durch historische Quellen die Frage nach dem planenden bzw. ausführenden Meister dieses ausgewogenen Bauwerkes zu beant- worten, weshalb eine Werkszuweisung nur mit Hilfe stilistischer Kriterien versucht werden kann. Erich Egg¹0 schreibt die Viller Kirche aufgrund der Verwandtschaft mit annähernd zeitgleich und ebenfalls in Zentralbauweise errichteten Bauten dem Baumei- ster Johann Michael Umhauser zu. Im Inntal war ja die Zentralbauweise gegen Ende des 18. Jahrhunderts nicht üblich. Sie ist als Annäherung an die österreichische Zentralbau- weise aufzufassen. Umhausers späte Bauten in Medraz im Stubai (1775), in St. Peter in Thaur (1778) und die noch immer nicht wiederhergestellte Johanneskirche der ehemali- gen Theresianischen Normalschule in der Kiebachgasse (1778) verfügen alle wie auch die Viller Kirche über einen quadratischen, mit einer Flachkuppel überdeckten Hauptraum, der die Gesamtlänge beherrscht und dessen hervorstechendstes Merkmal die in den Ecken des Innenraumes konkav eingeschwungenen Wandpfeiler darstellen. Zu dieser richtigen Beobachtung können noch weitere Kriterien angeführt werden, die Umhausers Urheberschaft für Vill zusätzlich unterstützen: die Gruppierung der beiden Rundfenster mit dem in der Mitte darübergelegten Ochsenauge etwa findet sich auf der Südseite der Pfarrkirche von Kematen, die von Johann Michael Umhauser ab 1736 gemeinsam mit seinem Bruder Matthias barockisiert wurde.¹¹ An der nördlichen Außen- wand der Viller Kirche erhebt sich zwischen dieser Fenstergruppe ein schmaler, erkerar- tiger, mit oblonger Fensteröffnung versehener und mit abgewalmtem Schindeldach geschlossener Vorbau, der den nur von innen zugänglichen Aufgang zur Kanzel birgt. 9 Restaurierungsbericht des Bundesdenkmalamtes vom 26. November 1966: Restaurierung durch den Maler und Graphiker Josef Prantl. 10 Erich Egg, Kunst in Tirol. Band 1, Innsbruck-Wien-München 1973, S. 202. Bereits früher stellte Egg die Überlegung an, die Viller Kirche könnte von einem Mitarbeiter Franz Singers stammen. Vgl. E. Egg, Die Pfarrkirche Gries am Brenner in: Tiroler Heimatblätter 40 (1965), S. 68. 11 Dehio Tirol, a.a.O., S. 405. 130 Blick auf das nach dem Rokoko-Neubau wiederverwendete spätgotische Portal, welches von zwei barocken Säulen flankiert wird. Foto: M. Hye-Weinhart 131 Auch dieses Detail zeigt sich an einem gesicherten Umhauser-Bau, nämlich an der Nordseite der Thaurer Romedi-Kirche. Wer das freundliche helle Kircheninnere betritt, empfindet den Wohlklang eines aus Architektur, Stuck, Plastik und Malerei verschmolzenen Gesamtkunstwerkes. Nach dem kurzen Vorjoch, dessen flache Decke von der Empore gebildet wird, gelangt man durch das einfache, schmiedeeiserne Gitter in den geweiteten Hauptraum, dessen konkav gerundete Eckpfeiler mit verkröpften Doppelpilastern und kräftig vorstoßendem Gebälk besetzt sind. Die beiden vorderen, dem Altarraum zugewendeten Pfeiler, nehmen die schräggestellten Seitenaltäre auf. In die beiden rückwärtigen, gleichermaßen ausgestatte- ten Pfeiler, sind, zugänglich durch flachbogige Öffnungen, geschickt die Emporenauf- gänge integriert. Charakteristischerweise beschränken sich in diesem Raum die Gebälke auf Pfeiler und Pilaster und umziehen nicht den gesamten Raum. Wohl aber werden die gestelzten Gurtbögen zum Vorjoch und zum Chor sowie die Schildbögen an den Seiten von kräftig profilierten, aus Voluten aufsteigenden Bändern begleitet. Diese Bogenstel- lungen steigern den zentralen Gedanken, der seinen logischen Abschluß durch die bekrönende Kuppel erhält. Auch in der Gestaltung der aus den Voluten aufsteigenden Gurtbänder lassen sich entschieden Parallelen zur Romediuskirche verfolgen, die wieder- um auf den gleichen Planer weisen. Gegenüber der raumbestimmenden Flachkuppel des Schiffes werden Vorjoch und Presbyterium mit einem gestelzten Tonnengewölbe ge- schlossen, welches im Vorjoch von einer Stichkappe seinen Ausgang nimmt, während es im Chorraum von paarweise gestellten Stichkappen emporsteigt; zu ihrem Ansatz ver- mitteln Pilaster, deren kräftig in den Raum vorstoßende Gebälkstücke den Rhytmus der Eckpfeiler im Hauptraum aufnehmen und zum Altar weiterleiten. Der abgerundete Chorschluß läßt seinen gotischen Ursprung im Innenraum nicht mehr erkennen. An der nördlichen Chorwand wurde während der Innenrestaurierung 1972 ein spätgotisches Fresko mit der Darstellung des heiligen Martin aufgedeckt.12 Die denkmalpflegerische Entscheidung, dieses Gemälde zugunsten des einheitlichen Gesamtbildes wieder zu übertünchen, erweist sich zweifellos als richtig.13 Während die großen raumbestimmenden Gesten von den plastisch stark sprechenden Gliedern wie Pilastern, Gebälkstücken und Bogenprofilen bestimmt werden, stellen die feineren Stuckgebilde die dekorative Belebung des Raumgefüges dar. Sie zeichnen sich schon vom 12 Franz-Heinz Hye, a.a.O., S. 1326 13 Sie wurde von der damaligen Leiterin des Bundesdenkmalamtes Frau Hofrat Dr. Johanna Gritsch getroffen. 132 Das wie ein zentraler Baldachin erhöhte Dach des leicht gegen Norden und Süden vortretenden Langhauses der Viller St. Martinskirche von Süden. Foto: G. Beinsteiner-Krall 133 matriellen Aufwand her durch die Verwendung des kostbaren Werkstoffes Blattgold aus. 14 Dieses ist jedoch so zurückhaltend eingesetzt worden, daß die Helligkeit des Raumein- druckes auf einem tonangebenden Weiß beruht. So beschränkt sich der Goldauftrag auf die Betonung besonderer Stellen: der mit fast nur mehr symmetrischem Zierat begleite- ten, vierpaẞförmigen Apostelkreuze im unteren Wandbereich; dann unter der Gebälkzo- ne mit starker Akzentuierung der Kompositkapitelle; schließlich zur Hervorhebung der Kanzel und auf der Südwand gegenüber der Nische, welche die plastische Darstellung des Schmerzensmannes enthält - stellt eine kräftig plastische, annähernd regelmäßig gearbeitete Kartusche die nahtlose Verbindung zum darüberliegenden querovalen Fen- ster her; dazu kommen noch die Rocailleakzentuierungen der Rahmungen der Fenster in ihrer Mitte und ihrem Scheitel. In der Wölbezone konzentriert sich die Verwendung des Goldes besonders auf die Rocaillekartuschen, die die vier Zwickelbilder des Hauptraumes rahmen. Sie sind aus vier C-Schnörkeln symmetrisch aufgebaut und leiten in ein Muschelband über, das in züngelnden Wellen ausklingt. Auch die Gurt- und Schildbögen werden von wenig plastischen, dem Grund flach angelegten Rocaillestukkaturen begleitet. Das Gleichmaẞ, mit denen sie der Wölbung entlang geführt werden, erinnert an Wellen, deren Kämme durch aufgesetztes Gold angedeutet werden. Gerade die Art und Weise, wie die Stuckierung eingesetzt wurde, erweist mit aller Deutlichkeit, daß es sich hier um ein sehr spätes Rokoko handelt; es ist zwar aus den typischen Motiven wie Muscheln, C-Schnörkeln, S-Schwüngen, Blütengirlanden und vereinzelten Palmwedeln zusammengesetzt, aber die Motive treten kaum plastisch her- vor, sondern legen sich beinahe linear der Wand als Träger an und besonders im Presbyterium mischen sich immer mehr das Empire ankündigende Charakteristika ein, wie etwa die bebänderten Girlanden und zopfartige Gehänge, welche die, den beiden südlichen Chorfenstern entsprechenden, blinden Mauerflächen der Turmseite beleben. Die Mischung der Motivik zeigt sich noch deutlicher in der Ornamentierung des ge- schweiften Rahmens des Deckenbildes über dem Orgelchor. Am entschiedensten tritt sie jedoch in den teigigen Zopfgehängen der Emporenbrüstung entgegen, die schon gänzlich dem Klassizismus angehören. Auch der profilierte Rahmen der Kuppel weist mit seinem diademartigen Goldzierat trotz der leichten Überschneidungen durch die stukkierten Aufsätze der Pendentivs und der aufwendigeren Kartuschenrahmung des Chronogramms über dem Chorbogen schon 14 Wie während der Restaurierungsarbeiten festgestellt wurde, war eine noch stärkere Vergoldung geplant gewesen, was aus zahlreichen freigelegten, für die Vergoldung vorgesehenen Grundierungen festgestellt werden konnte (Aktenvermerk des Bundesdenkmalamtes vom 17. August 1972). 134 6 Das Langhaus der St. Martinskirche in Vill gegen Süden. Foto: G. Beinsteiner-Krall 135 auf eine Stilberuhigung hin. Dieses Chronogramm ist wie die vier Pendentivs in caput mortuum ausgeführt und enthält den Text, woraus sich die Fertigstellung des neu adaptierten Gotteshauses mit 1791 ablesen läßt:,,heILIger MartIn/VOLL VertraVen/ VVIr aVf DICh hler baVen". Diese zwiespältige Handhabung des Ornamentformenschatzes entspricht der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die gerade in Tirol mit der damals im Volk tief verwurzel- ten Frömmigkeit oft noch bis über die Wende zum 19. Jahrhundert an barockem Formengut festzuhalten versucht, während von den Kunstzentren die frühklassizistische Strömung doch langsam einfließt. Ein ähnliches Pendeln zwischen den Stilen läßt sich auch in der Deckenmalerei verfolgen, die von den aus Götzens stammenden Malern Franz Xaver und Josef Anton Kircheb- ner15 gemeinsam ausgeführt wurde und die dem Leben und Wirken des hl. Martin von Tours gewidmet ist. In der großen Flachkuppel erlebt der Beschauer Martins feierliche Ernennung zum Bischof von Tours, die sein religiöser Lehrmeister, Bischof Hilarius von Poitiers vor- nimmt. Das Ereignis findet in der geschlossenen Kuppelhalle einer Rundkirche statt. Das beharrliche Festhalten an diesem während des 18. Jahrhunderts immer wieder in Wölbe- zonen verwendeten, letztlich auf Pozzos Perspektivwerk¹6 zurückzuführendem Kuppel- schema beweist nicht nur die Traditionsverbundenheit der ausführenden Meister, son- dern auch die Beliebtheit derartiger Scheinarchitekturen seitens der Auftraggeber. Die Komposition läßt sich am besten vom Beginn des Hauptraumes überblicken, da die Perspektive auf Schrägsicht konzipiert ist. Zur figuralen Szene vermittelt eine Treppenanlage, die zum rechten Rahmenrand hin mit einer Dockenbrüstung abschließt; dort haben sich Vertreter verschiedener Stände ver- sammelt. Fanfarenbläser bilden hier den Abschluß. Angeführt wird die Gruppe von je zwei Partisanenträgern, weihrauchfaßschwingenden Ministranten und kerzenhaltenden Pagen; letztere vermitteln zur nach links geschobenen Hauptgruppe mit dem knienden Martin, der, umgeben von Bischöfen und Diakonen, von Bischof Hilarius die Weihe empfängt. Ein Baldachin mit seitlich gerafften Vorhängen unterstreicht die Bedeutung der Gruppe. In der Mittelachse des Deckenbildes erhebt sich ein barocker Altar, dessen Bild mit der Heimsuchung Mariens von Säulenpaaren über hohem Podest umschlossen wird. In diesen irdischen, geschlossenen Kuppelraum hat sich noch einmal der Himmel herabge- 15 Vgl. Josef Ringler, Die Götzener Malerfamilie Kirchebner. In: Tiroler Heimatblätter 40 (1965), S. 28-39. 16 A. Pozzo, Perspectivae Pictorum adque Architectorum. P. II., Augsburg 1709, fig. 53. 136 Blick auf das zentrale Langhaus-Kuppelfresko mit Darstellung der Bischofsweihe des hl. Martin von Tours von Franz Xaver Kirchebner. Foto: Denkmalamt 137 senkt. In Gebälkhöhe thront auf sanftem Gewölk die von Engeln und Putten begleitete Dreifaltigkeit und die Taube des hl. Geistes sendet ihren Gnadenstrahl auf den knienden hl. Martin. Die annähernd symmetrische Verteilung der drei Gruppen, vor allem aber die ruhige Verhaltenheit der Personen selbst, deren Gewänder sich kaum mehr bauschen, sondern die Gestalten sanft umfließen, haben nichts mehr mit der lebensvollen Üppigkeit des Spätbarockes, geschweige denn mit der sprühenden Leichtigkeit des Rokoko gemein, sondern versuchen, den neuen Tendenzen zu entsprechen. Eigentümlicherweise sind die Figuren hier im Hauptfresko sehr groß dimensioniert ganz im Gegensatz zu den übrigen Deckenbildern der Kirche. Die ausgewogen verteilte Farbigkeit beschränkt sich auf wenige Haupttöne: das Grau und Caput mortuum der gemalten Architektur wird vom Graublau der Fensteröffnun- gen begleitet; dazu kommen die eher bräunlichen Rottöne, zu denen ein ins Grau spielendes Blau kontrastiert. Nur selten mischen sich feinere Nuancierungen ein, wie etwa das Kupfergrün der weiblichen Rückenfigur rechts. Im gesamten wirkt der Farb- auftrag gedämpft, ja beinahe etwas stumpf. Die vier Pendentivs der Hauptkuppel beinhalten in monochromen Caput-mortuum-Tönen vier wunderbare Begebenheiten aus der Vita Martini: links vorne die Heilung eines Gelähmten und rechts eines Besesse- nen; rückwärts die Austreibung eines Teufels aus einer wilden Kuh, sowie die Fällung des Götzenbaumes. Fast scheint es, als wären die Kirchebner mit dem Format der großen Flachkuppel ein wenig überfordert gewesen. Denn die kleineren Fresken des tonnengewölbten Presbyteriums und Orgelchores sind wesentlich harmonischer in die geschweiften Rahmungen eingefügt. Auch im Deckenfresko des Altarraumes führt eine brüstungsbestandene Treppe zur Raumbühne, die von einer etwas schwerfälligen, asymmetrischen Palastarchitektur mit zum rechten Rahmenrand gerafftem Vorhang gebildet wird. Sie bildet die Folie für den ,,Tod des hl. Martin“. Dieser ruht auf einem Lager aus Polstern, etliche Gefährten bemühen sich um ihn, teils stehend, teils gebeugt dem Sterbenden zugeneigt, mit Gesten des Gebetes, der Trauer und Anteilnahme. Ein Priester liest die Sterbegebete. Zum linken Bildrand hin ordnet sich eine Gruppe von Menschen verschiedenen Standes. Im lichten, rosagrauen Gewölk erscheinen Christus, Maria und der hl. Josef in Beglei- tung von Putten und weiteren, im Hintergrund angedeuteten Heiligen, um den Sterben- den zu empfangen. Auf den Stufen des Vordergrundes liegen die Insignien der Bischofswürde, Mitra, Infel und Stab. Von hier stürzt die nackte Figur des,,bösen Geistes" über ein durch Quade- rung angedeutetes Mauerwerk in die Tiefe. 138 Dieses Deckengemälde wirkt verglichen mit dem Hauptbild kompositionell und von der Farbgebung her leichter und heiterer im Sinne des Rokokos. Die Zwickel zwischen den Stichkappen des Wölbeansatzes füllt je eine weibliche Gestalt, die personifizierte göttliche Tugend der Liebe (nordseitig) und des Glaubens (südseitig) in zart-graugrünem Chiaro-scuro. Das Fresko über der Orgelempore beinhaltet die bekannteste Szene aus dem Leben des hl. Martin, die,,Mantelspende". Das Geschehen spielt sich hier nicht, wie die Legende berichtet, unmittelbar am Stadttor von Amiens ab, sondern ist in die Mitte einer baumbestandenen Landschaft gestellt. Im Hintergrund links lassen sich unterhalb der im dunstigen Licht angedeuteten Hügelkette Türme einer bewehrten Stadt erkennen, rechts kann ein von rückwärts anstürmendes Heer beobachtet werden. Im Vordergrund lagert der Bettler an einem Baumstumpf. In der Mittelachse steht Martin neben seinem Schimmel und teilt seinen roten Umhang mit dem Schwert. Über ihm schweben in lachsrosigem Gewölk von Putten begleitete Engel, die hier außer den Insignien der Bischofswürde auch einen Heiligenschein bereithalten. Sowohl bei der Engelgruppe, als auch bei der Gestalt des hl. Martin fällt ein geänderter Duktus der Handschrift auf. Gesichter und Figuren wirken derber, Farbigkeit und Faltengebung der die Engelsgestalten umspielenden Hüllen verfügen über eine andere Charakteristik. Möglicherweise war an diesem Deckenbild der mehr als 15 Jahre jüngere Bruder Franz Xaver Kirchebners, Josef Anton maßgeblich beteiligt. Von entscheidender Bedeutung für die einheitliche und heitere Gesamtwirkung des Kirchenraumes sind die drei Altäre, die seit der Innenrestaurierung von 197217 auch farblich wieder übereinstimmen. Es handelt sich um rosa-blau-grau marmorierte Holz- aufbauten, wobei die Ornamente teilweise vergoldet sind. Auch die Altarfiguren sind aus Holz; ihre Weißpolimentfassung mit teilweiser Vergoldung verleiht ihnen einen vor- nehm-festlichen Anstrich. Der Säulenaufbau des Hochaltares wird von zweigeschossigen, über Eck gestellten Postamenten getragen, welche gleichzeitig eine Rahmung für Mensa und Tabernakel bilden und die vier Plastiken aufnehmen. Über dem Hochaltarblatt wiederholt ein verkröpftes Gebälk dessen rundbogigen Abschluß. Der Aufsatz erhebt sich mit gedop- peltem Volutenanlauf, adorierenden Engeln, Putten, Vasen und einem aus einer Kartu- sche aufragenden Kreuz. Seine durchbrochene Mitte läßt - gleichsam in überirdischem 17 Bundesdenkmalamt - Aktenvermerk vom 17. August 1972: Damals wurde der Hochaltar nach Resten der originalen Fassung neu gefaßt. Die Fassung der Seitenaltäre war 1972 nicht original, sondern sehr derb in Mittelbraun und dunklem Grau. Bild und Rahmung des Sebastiani-Altares wurden wieder in dieselbe Form gebracht, die das originale Altarbild des linken Seitenaltares zeigt. 140 Grisaille-Darstellung von Wundertaten des hl. Martin in den Gewölbezwickeln des Langhauses der St. Martinskirche in Vill. Foto: Denkmalamt 141 Licht die Taube des hl. Geistes im Strahlenkranz, umgeben von Puttenköpfen und Gewölk, erscheinen. Diese seit Berninis Cathedra Petri der römischen Papstkirche unzähligemal abgewandel- te Einbeziehung des natürlichen Lichtes in die Architektur und Plastik des Hochaltares ist besonders eindrucksvoll, letztlich aber auch der Beweis dafür, daß die Planung des Kirchenumbaues und des Altares praktisch in einem Guß entstanden sein müssen und die Altäre nicht, wie ein Dokument des 19. Jahrhunderts behauptet, 18 aus der alten Kirche übernommen sein können. Sicherlich kann diese Aussage dahingehend interpre- tiert werden, daß wohl die Altarbilder von der alten Ausstattung stammen, aber in neue, zum Stil der Kirche passende Rahmenformen gefügt wurden. Diese entsprechen durch- aus wieder jenem Formenschatz, der zwar noch dem Rokoko verpflichtet ist, aber doch bereits frühklassizistische Elemente aufnimmt. Dies gilt nicht nur für einzelne Schmuck- motive wie etwa den zopfartigen Blütengehängen in den gelängten seitlichen Voluten des Aufsatzes oder den Blattfries im Gebälk, sondern vor allem auch für die großen Altarfi- guren der Heiligen, die gegensätzlich zu den noch stärker gebauschten Gewändern der Engel im Aufsatz durch eine elegante Schwingung der Figur mit sanft fließenden Gewän- dern gekennzeichnet sind. Die ikonographische Zuordnung der vier Heiligen am Hochaltar bereitet einige Schwie- rigkeiten, weshalb sie in der vorhandenen Literatur teilweise verschiedene Interpretatio- nen erfuhren. Wohl eindeutig erkennbar sind die südlich des Hochaltares postierten Statuen: Die Innenfigur zeigt einen noch jugendlich bartlosen Heiligen mit Strahlen- kranz-Nymbus in einer für den Ordensmann möglichen Kleidung, die über der Tunika aus dem Rochett, einem engärmeligen, bis zu den Knien reichenden Leinengewand und einer Mozzetta, dem mit Knöpfen vorn geschlossenen Schultermäntelchen und dem Pallium, einem ringförmig die Schultern umziehenden Band mit je einem Endstück an Brust und Rücken, sowie dem Pectorale, dem Brustkreuz besteht. Es ist dies die außerli- turgische Amtstracht eines Chorherrn; die ergänzenden Attribute des Kreuzstabes, vor allem aber die Monstranz, die der Heilige in seiner Rechten hält, kennzeichnen ihn eindeutig als hl. Norbert, den Begründer des Prämonstratenserordens, dessen Fest am 6. Juni gefeiert wird; beinahe ein,,Pflichtheiliger" in einer Gemeinde, die dem Stift Wilten inkorporiert ist. Als ebenso eindeutig erweist sich die bärtige Figur daneben, diesmal in pontifikaler Kleidung mit Mitra, Krummstab und Pluviale. Wieder sind es die Attribute, in den Händen Federkiel und Buch, zu Füßen ein Bienenkorb, welche die Gestalt als den eigentlichen Begründer des Zisterzienserordens, den hl. Bernhard von Clairvaux, auswei- sen.19 Sein Fest wird am 20. August gefeiert. 18 AAW, Lade 26, Lit. A, Nr. 1e. 19 Im Dehio Tirol, a.a.O., ist fälschlicherweise der Kirchenlehrer Ambrosius angegeben. 142 Blick in das Presbyterium der Viller St. Martinskirche. Foto: Denkmalamt 143 Mehr Kopfzerbrechen als die nebeneinander vereinten Klostergründer bereiten die zwei nördlich des Altarblattes aufgestellten Figuren. Auch hier trägt die äußere pontifikale Kleidung, die innere dagegen die außerliturgische Amtstracht. Und ebenso wie zwischen den bereits besprochenen Heiligengestalten ein inhaltlicher Zusammenhang vorhanden ist, ist dies auch bei den nun in Frage stehenden zu vermuten. Die Außenfigur, durch Pedum (Krummstab), Buch und Schlüssel genauer beschrieben, wird meist als Hubert von Lüttich gedeutet, dessen Fest auf den 3. November fällt und der als Patron der Jäger und Forstleute allgemein bekannt ist. Die Heiligengestalt daneben verfügt wie der hl. Norbert über einen Strahlennymbus, ihr einziges individuelles Attribut beschränkt sich auf einen Stab, der durch sein dreifaches Kreuz auf einen Papst hindeuten müßte. Tatsächlich läßt sich ein Papst mit Hubert in Beziehung setzen, nämlich Kornelius, der den hl. Stuhl um die Mitte des 3. Jahrhunderts innehatte. Wohl weil sein Name von ,,cornu" abgeleitet werden kann, gilt er als Beschützer des Hornviehs, wurde aber auch bei Nervenleiden angerufen (Gedenktag: 14. September). Der hl. Kornelius zählt mit dem hl. Hubert und zwei weiteren, hier nicht vertretenen Heiligen (Quirinus, Antonius Abbas) zu den sogenannten „,4 hl. Marschällen", welche die bekannten und früher so beliebten 14 Nothelfer ergänzten und die vor allem im niederrheinischen Gebiet um Köln starke Verehrung erfuhren.20 Die zwei Heiligenpaare erzeugen durch ihre jeweils im Gegensinn wiedergegebene Körperschwingung eine Rhythmik, die vom Tabernakel in der Mitte über der Mensa aufgefangen wird. Der Mittelteil dieses Tabernakels wölbt sich konvex vor, während die Seiten in konkavem Schwung zurückversetzt sind. In ihren zum verkröpften Gebälk überleitenden Voluten knien symmetrisch gestellte Putten, die mit der Gestik ihrer Hände auf das „,Allerheiligste" im Tabernakel hinweisen. Die Taberna- kelöffnung erhält zusätzlichen Schmuck durch zwei aus krautigem Volutenornament sich entwickelnden Hermenputten in Gebetshaltung. Die Drehtür mit dem Kruzifix in der Mitte verfügt über Reliquiare, die mit reicher Posamentierarbeit in die beiden oblong-vierpaẞförmigen und mit reicher Rokokoornamentik verzierten Rahmungen eingefügt sind. Den oberen Abschluß des Tabernakels bildet ein baldachinartiger, aus vier krautigen Voluten zusammengefügter Aufsatz, über welchem auf dem ,,Buch mit 7 Siegeln das apokalyptische Lamm im Strahlenkranz erscheint. Diese Tabernakelbekrö- nung überschneidet den untersten Teil des Hochaltarblattes, das von dem aus Meran 20 Kaum überzeugen könnte eine Deutung als hl. Servatius, auf den die Pontifikalkleidung wie die Attribute Schlüssel und Buch ebenfalls zuträfen. Als Eisheiliger wäre er mit Bonifatius in Verbindung zu bringen, dem als päpstlichen Legaten der 3-fach-Kreuzstab allenfalls noch zustünde, wobei der Eisheilige-Bonifatius als angeblich römischer Märtyrer (14. Mai) nicht faßbar ist und daher mit dem Glaubensapostel Bonifatius- Winfried (5. Juni) auf einer Verwechslung beruhen müßte. 144 Das Hochaltarbild - Christus erscheint dem hl. Martin von Matthias Puẞjäger - die erwähnte Dorfansicht (unten) ist hier durch das Agnus Dei verdeckt. Foto: Denkmalamt 145 stammenden Tafel-Maler und Bürgermeister Matthias Pußjäger21 um 1715 für die Viller Kirche angefertigt wurde. Matthias Pußjägers Sohn Norbert ging übrigens als Abt von Wilten (1747-1765) und Erbauer der Wiltener Rokoko-Basilika in die Geschichte ein. Das Gemälde zeigt in warmen bräunlich-rötlich bis dunklen Tönen, aus denen nur vereinzelt hellere in Blau, Rot und Weiß herausragen, den hl. Martin als Fürbitter und Beschützer des im untersten Teil des Bildes wiedergegebenen Dorfes. Er kniet in bräun- lich-goldfarbenem Brokatmantel mit weißlichem Untergewand auf einer dunklen Wol- kenbank, wo auch seine Attribute, Krummstab und Gans nicht fehlen. Schräg hinter ihm und vom Rahmen teilweise überschnitten erscheint sein Lehrmeister Bischof Hilarius von Poitiers. Martin weist mit dem Zeigefinger seiner linken Hand auf das unterhalb des Gewölks in einen Hügel gebettete Dorf, seine Rechte deutet mit einer Geste des Empfeh- lens auf seine Brust, während sich sein Blick nach links oben wendet, wo der Erlöser, auf die Mantelspende hinweisend, gleichsam mit,,offenen Armen" diese Empfehlung entge- gennimmt. Zu den drei statuarisch aufgefaßten Gestalten bilden im Gewölk schwebende Putten und Puttenköpfe einen Ausgleich. Zur strittigen Frage, ob das abgebildete Dorf mit Vill zu identifizieren sei, ist zu erwähnen, daß es zu Beginn des 18. Jahrhunderts durchaus noch nicht zu den gängigen Praktiken gehörte, ein,,Landschaftsporträt" wiederzugeben. Die sogenannte „Vedute", die topographisch genaue Wiedergabe eines Ortes wird erst im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts üblich. Dennoch sehen wir hier einen von einem Bächlein umflossenen Ort, eine noch gotische Kirche und eine Anzahl von Häusern, die jener von Vill zu Beginn des 18. Jahrhunderts entsprochen haben könnte. Insgesamt vermittelt diese Ortsansicht den Eindruck, daß Puẞjäger Vill besucht und bei dieser Gelegenheit eine Skizze angefertigt haben dürfte, daẞ dann aber bei der Ausführung des Bildes in Öl zwischen Realität und Wiedergabe eine erhebliche Differenz enstanden ist. Zieht man in Betracht, daß der hl. Martin mindestens seit 1407 zu den Kirchenpatronen von Vill zählt22, bedenkt man weiters, daß das Hochaltarblatt eindeutig als Patronats- bild aufzufassen ist, so kann die Ansicht vertreten werden, daß mit dieser Ortsdarstellung sicherlich das Dorf Vill gemeint ist, daß die Wiedergabe desselben aber gänzlich den 21 AAW, Lade 26, lose: Notiz vom 5.11.1917,,das gut gemalte Bild trägt die Jahreszahl 1715"; J. Ringler, Die barocke Tafelmalerei in Tirol. Darstellung, Innsbruck 1973, S. 59; J. Kustatscher-Pernter, Der Meraner Maler Matthias Pussjäger. Innsbruck 1978, Kat.-Nr. 18, Abb. 10. 22 F.H. Hye, a.a.O., S. 1324, berichtet, daß die Gemeinde Vill 1407 in ihre Kirche zu den hll. Ingenuin, Albuin und Martin eine ewige Wochenmesse stiftete. 146 Der linke Seitenaltar Mariä Himmelfahrt in der Viller St. Martinskirche. Foto: Denkmalamt 147 Intentionen eines Künstlers und der Zeit des 2. Jahrzehntes des 18. Jahrhunderts ent- spricht, die nicht an der tatsächlichen Realität zu bemessen ist.23 Noch einmal muß auf die deutliche Wechselbeziehung zwischen Architektur und Hoch- altar, bzw. aller drei Altäre hingewiesen werden: da das Ochsenauge im Chorschluß eigens auf diesen Altar hin konzipiert wurde, liegt die Vermutung nahe, der Planer des Kirchenumbaues wäre gleichzeitig auch der Planer der Altarausstattung des Gotteshau- ses gewesen. Johann Michael Umhauser trat mehrfach als Planer bzw. ausführender Meister von Einrichtungen in Erscheinung: unter anderem barockisierte er um 1766 die Pfarrkirche seines Wohnortes in Thaur; bereits 1758 hatte er nach dem Entwurf des Wiener Hofarchitekten Nikolaus Pacassi für die Innsbrucker Hofkirche den Hochaltar erbaut.24 Beim Vergleich des Tabernakels der Hofkirche mit jenem von Vill ergeben sich trotz der völlig anderen künstlerischen Wirkung - dort ein Werk aus Marmor, freiste- hend, klassizistisch; hier in Vill aus gefaßtem Holz, in den Altarbau integriert, noch dem Rokoko verpflichtet - doch auch gemeinsame Aspekte: hier wie dort finden sich auf den vier vom Sockel zum Tabernakelgehäuse aufschwingenden Voluten Putten und hier wie dort wird die Tabernakelbekrönung vom Lamm Gottes auf dem Buch mit 7 Siegeln gebildet. Sicherlich ein Umstand, der die These erhärten kann, Johann Michael Umhauser sei in Vill mit dem Plan des Umbaues sowie mit der Kirchenausstattung betraut gewesen. Als Quelle für den zeitlichen Ansatz der Umbauplanungsarbeiten in Vill kann wiederum der Tabernakel Aufschlüsse liefern; es versteht sich von selbst, daß ein Bau- und Ausstattungsvolumen dieses Ausmaßes nicht in dem immer wieder kolportierten Jahr 1791 bewältigt werden konnte. Die Kirchprobstrechnungen25 vom 6. März 1777 bis 20. März 1778 verzeichnen, daß,,der Maria Mesnerin zu Lans für die zum Tabernakel verfertigten 6,fühlungen mit Samtspitzen, Gold und Perlen 24 fl" ausbezahlt wurden. Zweifellos handelt es sich dabei um die Posamentierarbeiten für die Tabernakelreliquien in den zwei oblongen Vierpässen, wobei die Zahl der sechs Felder durchaus stimmt, denn die Vierpaẞform ergibt sich aus einem größeren mittleren Kreis, der oben und unten jeweils von einem kleineren Kreis überschnitten wird. Demnach kann davon ausgegangen werden, daß spätestens 1777 ein genau ausgearbeite- tes Konzept für den Hochaltar vorgelegen sein mußte. Daß sich die Fertigstellung der Kirche bis 1791 hinzog, ist wahrscheinlich dem Umstand zuzuschreiben, daß Johann 23 AAW, Lade 26, lose, Notiz vom 5. November 1917: Hier wird die Meinung vertreten, daß auf dem Hochaltarblatt das Dorf Vill dargestellt ist. 24 E. Egg, Die Hofkirche in Innsbruck. Innsbruck 1974, S. 84. 25 Pfarrarchiv Igls, Kirchprobstrechnungen vom 6.3.1777 bis 20.3.1778. 148 Der rechte Seitenaltar St. Sebastian in der Viller St. Martinskirche. Foto: Denkmalamt 149 Michael Umhauser 1784 starb, zu einer Zeit, in welcher längst zumindest teilweise an den Ausstattungsstücken gearbeitet worden war, während der Kirchenumbau selbst durch alle mit dem Tod des Planers auftretenden Probleme wohl auf längere Zeit verschoben werden mußte, wobei auch die Frage der Finanzierung des für den kleinen Ort doch ehrgeizigen Unternehmens mitgespielt haben mag. Es ist unbekannt, in welcher Werkstatt der Hochaltar bzw. die Seitenaltäre gebaut wurden. Die Kirchprobstrechnungen geben aber zumindest einen Künstlernamen preis, 26 wenn im Zusammenhang mit den Stickereien für den Tabernakel, der Bezahlung des Glasers Josef Rinn für die ,,Arbeit an den Reliquien-Kästlen" auch der Bildhauer Peter Hopfner aus Rinn 31 fl. erhielt. Bis heute ist Peter Hopfner unbekannt, denn er scheint weder in den Lexika des 19. Jahrhunderts auf, noch sind sonstige Quellen über ihn bekannt. Allerdings konnte H. Arnold-Öttl feststellen, 27 daß Peter Hopfner für den Hochaltar der Sistranser Pfarrkirche sowohl die zwei adorierenden Engelgestalten am Tabernakel, wie auch den auf Wolken thronenden Gottvater im Aufsatz gearbeitet hat. Aus dieser Untersuchung geht hervor, daß Peter Hopfner zumindest zeitweise für die ebenfalls bis dahin von der Kunstgeschichtsforschung nur stiefmütterlich behandelte Stukkateur-Familie Mussak aus Sistrans gearbeitet hat. Das bedeutendste Mitglied dieser Familie war Johann Mussak d.J. (1745-1793), der nicht nur den Stuck der Stiftsbibliothek im Kloster Neustift bei Brixen (1771) und der Pfarrkirche von Cortina (1773), sondern auch zahlreiche Altäre ausführte.28 Eigenartig mutet an, daß beim sonst reichen Schaffen dieser Werkstätte für die Zeit von 1778-1788 bisher keine Arbeiten bekannt sind. Das nährt die Vermutung, in diesem Dezennium könnten für die Sistranser Umgebung Altäre, aber auch Stuckarbeiten entstanden sein, denn in den Pfarrkirchen des südlichen Mittelgebirges finden sich allenthalben Schöpfungen dieser Jahre, die noch mit keinem Künstlernamen in Verbindung gebracht wurden. Bis jetzt gibt es aber kein historisches Beweisstück, daß die Sistranser Mussak-Werkstatt die Altäre bzw. den Stuck der Viller Kirche lieferte. Schließlich kann weder die Mitarbeit der Malerbrüder Kirchebner, die 1786 auch die Sistranser Kirche freskierten, noch jene des Bildschnitzers Peter Hopfner dies letztlich untermauern. 26 Ebenda 27 Herta Öttl, Die Pfarrkirche St. Gertraud in Sistrans. Mit einem Exkurs über die Sistranser Stukkateur- Familien Mussak und Kienast. In: Festschrift Dr. Johanna Gritsch (= Schlern-Schriften 264), Innsbruck- München 1973, S. 209. 28 1771/72 zwei Seitenaltäre in Neustift; 1774/76 rechter Seitenaltar der Pfarrkirche Lienz; 1774/76 Hochaltar Sistrans; 1776 Hochaltar und zwei Seitenaltäre in Cortina; um 1778 Hochaltar und Kanzel der Spitalskirche Lienz; 1778/88 - keine bekannten Werke; 1787 Rahmung der Kreuzwegstationen in Sistrans; 1792 Kanzel in Pfalzen; 1793 Hochaltar in Ampass. 150 Wohl aber kann aufgrund stilistischer Vergleiche der Viller Tabernakel-Engel mit den übrigen, ebenso weiß gefaßten Viller Plastiken und jenen des Peter Hopfner in Sistrans festgestellt werden, daß hier die gleiche Hand am Werk war. Besonders gute Vergleichs- möglichkeiten ergeben sich zwischen den anbetenden Engeln des Sistranser Tabernakels mit den beiden knienden Engelsgestalten im Aufsatz des Viller Hochaltares; aber auch die Charakterisierung des Hauptes der Gott-Vater-Figur im Sistranser Aufsatz läßt Parallelen zu den Gestaltungen der Viller Hochaltar-Heiligen zu. Diese wiederum lassen sich eindeutig mit den Figuren der Viller Seitenaltäre in Beziehung setzen. Über den künstlerischen Werdegang des Peter Hopfner ist beim derzeitigen Wissensstand zunächst eine Lehre bei einem Rokoko-Plastiker zu vermuten, schließlich kann aber eine Prägung im Sinne des beginnenden Klassizismus festgestellt werden. Sie erfolgte sicherlich durch den Innsbrucker Hofbildhauer Urban Klieber, der durch seine akademische Ausbildung als Vertreter des Wiener Klassizismus gilt. Zweifellos liegen Berührungspunkte vor, da Klieber gleichzeitig wie Hopfner für Sistrans Altarfiguren lieferte. Diese Beeinflussung wird zunächst bei der Gestalt des hl. Norbert sichtbar, dessen annähernd,,griechisches Profil mit gerader Stirn und ebensolcher Nase an die etwas herbe Gesichtsform von Kliebers hl. Helena in Sistrans gemahnt. Auch bei den Heiligengestalten der Seitenaltäre beobachtet man die Hinwendung zum Klassizismus. Die über Eck gestellten Seitenaltäre sind sicher nach dem Hochaltar entstanden und verfügen bereits über stark von klassizistischem Dekor bestimmte Men- sen. Über ihnen erhebt sich ein Sockel, dessen schräggestellte seitliche Abschlüsse die plastischen Figuren tragen. Die mit geknickten Karniesbögen geschlossenen Altarblätter werden nicht von Säulen, sondern von pilstergleichen, aus Voluten aufsteigenden und in ebensolche, aber kleinere Voluten ausklingende Glieder begleitet, die über einem Kämp- fer ein kapitellähnliches Gebälkstück tragen, das mit bereits dem Empire angehörenden Agavenvasen geschmückt ist. Zwischen diesen erhebt sich ebenfalls aus Voluten mit sitzenden Putten und Palmwedelzier ein stark einwärts geschwungener Aufsatz, über dessen volutengerahmtem, leicht gebogenem Abschluß mit Engelsköpfchen zwischen einer Wolke das Kreuz erscheint. Entsprechend der Heiliggeisttaube des Hochaltares beinhalten die Aufsätze der Seitenaltäre in einem Strahlenkranz auf Stuckwolken nord- seitig das Monogramm Mariens, südseitig das Monogramm Christi. Die bevorzugte Verwendung der Volute als rahmengebendes Element im Altaraufbau erinnert wieder an den Formenschatz des Johann Michael Umhauser; beim groß dimensionierten Hochal- tar der Hofkirche wurde sie ebenfalls in die Rahmung einbezogen. Für den nördlichen Seitenaltar wählte man als Plastiken die hll. Thomas von Aquin und Antonius von Padua. Thomas von Aquin, der berühmte Scholastiker des 13. Jahrhun- derts, dessen Gedenktag auf den 7. März fällt, verfügt hier außer dem Strahlenkranz- 151 Der hl. Isidor und die hl. Notburga von Eben am rechten Seitenaltar. Fotos: M. Hye-Weinhart 152 153 Nymbus auf seinem Haupt auch über eine Strahlensonne auf seiner Brust, die ihm außer dem Kruzifix in der Hand als Attribut beigegeben ist. Sein Pendant, der hl. Antonius von Padua, dessen Fest am 13. Juni gefeiert wird, hält das Jesuskind in seiner Rechten. Beide Heiligen tragen über dem Talar mit hohem Kragen das Superpelliceum, ein leinenes Chorgewand, das sich vom Rochett durch seine weiten Ärmel unterscheidet. Dieser Altar enthält das alte, aus dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts stammende Altarbild mit der ,,Himmelfahrt Mariens" von Philipp Haller.29 Die Komposition des Blattes erinnert noch sehr an ein Altarbild des venezianischen Meisters Piazzetta, dessen Schüler Haller nach seiner Ausbildung bei Nikolaus Auer in St. Martin in Passeier gewesen war, bevor er sich in Innsbruck als Tafelbildmaler niederließ.30 Die Apostel umstehen teils als Rückenfigur, teils mit weit ausholenden Gesten den leeren, schrägge- stellten Sarkophag, während über der links hochgeschraubten Wolke in der Bildachse die von Engeln hochgehobene Madonna in weißem Gewand und blauem Umhang im himmlisch hellen Licht erstrahlt. Die Farbverteilung ist äußerst delikat und beruht auf dem Gegensatz von hellen Creme- bis Ocker- und wenigen Rot-Nuancierungen und den kühlen Blau-Abstufungen des Atmosphärischen, wie des Mantels der Maria und des Kleides jenes Apostels mit den emporgeworfenen Armen. Je nach den wechselnden Festen des Kirchenjahres werden an der Mensa dieses nordsei- tigen Altares auf einem Vorsatz in einem geschweiften rokokoartigen Rahmen des 19. Jahrhunderts hinter Glas beschriftete Reliquien in Posamentierarbeit auf rotem Samt aufgestellt; zu den Hochfesten werden sie von den Plastiken des hl. Michael und eines Schutzengels flankiert. Die beiden qualitätvollen gold- und silbergefaßten Holzfiguren gehören der Mitte des 18. Jahrhunderts an und stehen den Werken des Plastikers Stefan Föger nahe. Zwischen den Hochfesten werden die beiden Statuetten mit knienden anbetenden Engeln vertauscht, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Im Advent wie im Marienmonat Mai wird anstelle des Reliquienaufsatzes eine neuzeitli- che, etwa in der Art der Gotik gegen 1400 gearbeitete, gefaßte Holzskulptur der stehen- den Muttergottes mit dem Jesukind aufgestellt, die seit ungefähr 1972 zum Bestand der Viller Kirche zählt.31 Das Altarbild des südlichen Seitenaltares wird von den plastischen Figuren der traditionellen Tiroler „,Bauernheiligen" Isidor und Notburga begleitet. Isidor, der Bauer aus Madrid, dessen Namenstag auf den 15. Mai fällt, ist sonntäglich mit Kniehose und Knierock wiedergegeben und hält in seiner Rechten die Schaufel, während seine Linke in demutsvoller Geste auf seine Brust deutet. 29 Nicht wie mehrfach fälschlicherweise überliefert von Franz Haller, zuletzt noch im Dehio-Tirol, a.a.O., S. 130. 30 Vgl. J. Ringler, Die barocke Tafelmalerei, a.a.O., S. 110f. 31 Freundliche Auskunft der Viller Mesnerin Gertraud Hofer. 154 Notburga von Rattenberg, die Schutzheilige der Mägde und Dienstboten, deren Ehren- tag am 14. September in Eben, wo der Glasschrein mit den Gebeinen der Heiligen am Hochaltar aufgestellt ist, besonders festlich begangen wird, erscheint wie Isidor in bäuerlicher Sonntagstracht mit geschnürtem Mieder und hochgekrempelten Ärmeln, in der erhobenen Rechten die Sichel, die Milchkanne in der Linken, an einem über der Schürze locker herabhängenden Gürtel baumelt der Schlüsselring. Auch diese beiden volkstümlich wiedergegebenen Gestalten stehen in ihrer beschaulich-versunkenen Hal- tung bereits an der Schwelle zum Klassizismus. Das Altarblatt mit der Darstellung des hl. Sebastian wurde 1868 von Franz Plattner aus Zirl gemalt und gegen das ursprüngliche, anscheinend ebenfalls von Haller stammende themengleiche Bild ausgetauscht, welches sich jedoch nicht erhalten hat.33 Die Bedeutung Franz Plattners liegt vor allem in seinen umfangreichen Freskowerken, die er ab 1860 in Tirol schuf. Umso bemerkenswerter erscheint es, ihn in Vill als Tafelbildmaler kennenzulernen. Trotz der beinahe ein Jahrhundert ausmachenden, spä- teren Entstehungszeit fügt es sich vom Farblichen her recht gut in das Gefüge des Altares ein; der Märtyrer, in dessen etwas massigem nackten Oberkörper etliche Pfeilspitzen stecken, lehnt sich halb kniend an den Baum, an welchen seine Handgelenke mittels Stricken gefesselt sind. Sein caput-mortuum-farbener Überwurf und die in grüngrau- bläulichen Tönen gehaltene Landschaft, die zwei Drittel des Bildes einnimmt, bevor sie unter einem rötlichen Lichtstreifen in einen ziemlich dunkel gehaltenen Himmel überlei- tet, harmonisiert gut zu den Caput-mortuum- und Blaugrau-Tönen der Altarfassung.34 Auch die Mensa dieses Altares verfügt über einen Aufsatz mit entsprechend gerahmtem Reliquiar, das zu den Hochfesten von den Statuetten des hl. Georg mit der Kreuzfahne und des hl. Florian mit dem Wasserschaff begleitet wird. Wie bei den Figuren des hl. Michael und des Schutzengels auf der gegenüberliegenden Seite handelt es sich um gold- bzw. silbergefaßte Holzplastiken, trotz aller Ähnlichkeit in der Ausführung des Kostüms und auch der zeitlichen Nähe ihrer Entstehung aber deutlich derber und wohl nicht von derselben Hand. Sie werden zwischen den Hochfesten durch zwei sitzende Putten aus dem 19. Jahrhundert ersetzt. Die einheitliche Altarausstattung wird durch die einfach, schlank und leicht wirkende Kanzel an der nordseitigen Schiffsmitte ergänzt. Wie die Altarfiguren besteht sie aus 32 AAW, Lade 26, lose: in einem Verzeichnis des ,,Sinbauers" Josef Told wird erwähnt, daß Plattner hiefür 110 fl erhielt. 33 AAW, Lade 26, Lit. A, Nr. 1e: liefert eine Beschreibung der Gemeinde um 1842. 34 Dennoch war es richtig, das ebenfalls von Plattner 1871 gemalte Hochaltarblatt, das seit seiner Entfernung vom Hochaltar an der Nordseite des Presbyteriums angebracht war, anläßlich der Kirchenrestaurierung von 1972 zu entfernen und im Turm zu verwahren. Zu diesem Bild existiert eine Skizze von Franz Plattner im Klosterarchiv Wilten, Lade 47, Lit. W. 155 weiẞpolimentgefaßtem Holz, während die sparsam verwendeten Schmuckmotive vergol- det sind. Der Kanzelkorb entwickelt sich aus einem konkav geführten Anlauf. Er wird durch hochgezogene Volutenbänder mit klassizierender Ornamentik in drei Felder geteilt, deren mittleres die Initialen Christi in Verbindung mit dem Kreuz und dem Herzen Jesu enthält. Am Schalldeckel schwingt das verkröpfte Gesims zu freiplastischen, sich in der Mitte treffenden Voluten auf, die eine vergoldete Rokokokartusche tragen. In der dadurch entstandenen Öffnung darunter findet sich noch einmal eine Kartuschenzier. Sinnbezogen erscheint unter der Fläche der Unterseite die Heiliggeisttaube inmitten eines Strahlenkranzes. Den luftig durchbrochenen Aufsatz des Schalldeckels bilden erst konvex, darüber im Gegensinn konkav aufgerollte Voluten. Darüber kniet ober einem geschwungenen Mittelteil mit den Gesetzestafeln, dem Buch mit 7 Siegeln und der Erdkugel ein Putto, in der Rechten den Kelch, in der Linken das Kreuz; wie die beiden, an den aufgebogenen Gesimsen darunter knienden Putten mit dem brennenden Herzen in Händen, bzw. dem Hoffnungsanker in der linken Hand, symbolisieren diese drei Kinderengel die drei göttlichen Tugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe. Kanzelkorb und -deckel werden an der Wand durch stuckierte und vergoldete, flach geschwungene Volutenglieder und palmettenartigen Rankenstuck mit Goldaufsätzen zusammengebunden. Sicherlich kann auch hier die plastische Gestaltung der Putten dem Bildhauer Peter Hopfner zugeschrieben werden. An der der Kanzel gegenüberliegenden Stelle auf der Südwand wurde eine mit reicher Stuckzier geschmückte Nische aus der Wand ausgespart, in welche man das ältere, von einem unbekannten Meister aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts stammende Schnitz- werk,,Unseres Herrn im Elend" einfügte. Es ist dies eine sehr eindrucksvolle, farbig gefaßte Holzskulptur des „,Verspotteten Christus", angetan mit dem roten Mantel, der über der Brust verschlungen ist und mit den durch Stricke zusammengebundenen Händen, zwischen denen ein Rohrstock steckt. Die Dornenkrone drückt das bärtige Antlitz mit den zum,,Himmlischen Vater" emporgerichteten Augen und dem leidvoll geöffneten Mund. Den geschundenen Körper überziehen zahllose kleine Wunden, aus denen Blutstropfen rinnen.35 Den geschlossenen Eindruck der Kirche vervollständigen außer dem, anläßlich der Restaurierung 1972 wiederhergestellten schönen Boden aus Südtiroler Marmor auch das damals abgebeizte Gestühl mit seinen in krautigen Akanthusranken ausgebildeten Wan- 35 Schon F.H. Hye, a.a.O., S. 1325 machte auf die besondere Verehrung des Leidens Christi in den Mittelge- birgsorten Igls-Vill aufmerksam. 156 Betstuhlwangen der Kirchenbänke. Foto: G. Beinsteiner-Krall 157 gen aus dem 1. Viertel des 18. Jahrhunderts36 und das fein geschmiedete Kommuniongit- ter aus der Zeit des Umbaues. Zum wesentlichen Bestandteil eines Gotteshauses gehört auch seine Orgel, denn sie ist unverzichtbar für die Gestaltung eines feierlichen Gottesdienstes. Die Viller Orgel stellt ein gut erhaltenes Werk aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts dar. Sie verfügt über einen vierfeldrigen Prospekt, der in der Mitte halbrund eingesenkt ist. Gebaut wurde sie von Franz (I.) Reinisch 1845. Die Orgelbauwerkstatt Reinisch-Pirchner führte 1973 eine gelungene Restaurierung durch. Heute verfügt die Orgel über ihren schönen,,alten" Klang.37 Zu den beweglichen Kunstgütern der Viller Kirche zählen außer dem qualitätsvollen, möglicherweise aus der Thaurer Giner-Werkstatt stammenden und gegen 1800 entstan- denen Vortragskreuz mit seinem anatomisch ausgewogenen Körper, das vor den rechts- seitigen Bankreihen fixiert ist, auch die 14 Kreuzwegstationen. Sie stammen aus der Werkstatt des Malers Michael Ignaz Mildorfer, in welcher während der Dreißigerjahre des 18. Jahrhunderts etliche Stationsfolgen für Kirchen der Innsbrucker Umgebung ausgeführt wurden.38 Diese große Produktion führte je nach Mitarbeit verschiedener Gehilfen auch innerhalb einer Folge zu unterschiedlicher Qualität, was auch für den Viller Zyklus gilt. Wo der Meister selbst am Werk war, offenbart sich handwerkliches Geschick und ein ausgeprägter Sinn für die farblichen Werte, wie das an dem durch die Signatur des Künstlers gekennzeichneten letzten Bild der Folge mit der Grablegung festgestellt werden kann. An der Ostwand der räumlich beschränkten Totenkapelle befindet sich ein querformati- ges, die ganze Raumbreite ausfüllendes Gemälde in Öl auf Holz, dessen Thematik sich dem Ort entsprechend, mit den ,,Armen Seelen" auseinandersetzt. In der untersten Zone des Bildes tauchen aus dem glühenden Flammenmeer des Fegefeuers die hellen Leiber der Armen Seelen mit flehentlichen Gebärden und drastischen Gesichtszügen. In der Mitte thront Maria mit dem Jesukind in hellrotem Gewand und blauem Mantel auf einem von zahlreichen Putten belebten Gewölk, das sich unterhalb der Gottesmutter dunkel zusammenballt und nach oben hin in himmlischer Helle erstrahlt. Von beiden Seiten schwebt ein großer Engel herbei, um eine Arme Seele aus der Feuersglut zu erlösen. 36 Pfarrarchiv Igls, Kirchprobstrechnungen, 25. 1.1724 bis 25.1.1725: darin erhielt ein ungenannter Bildhauer für .,Stecke, Aushauen der Dockhen" (= Planung und Ausführung) 12 fl. 37 Erneuert wurde nur der Pfeifenprospekt und zwar nach dem Vorbild einer ähnlichen Orgel derselben Werkstatt in Mauern. Die Neufassung dieses Prospektes nahm Rest. Traudl Zulehner aus Igls 1973 vor. 38 So etwa für Lans 1733, Mils bei Hall i.T. 1734, Rietz Pfarrkirche 1735, Amras 1736, Vill 1736, Patsch 1736 (heute in Maria Taferl). Vgl. J. Ringler, Die barocke Tafelmalerei, a.a.O., S. 153. 158 Einige der kleinen Engel halten wie Maria einen Rosenkranz in Händen, um den Sinn und die Wirkung des Rosenkranzgebetes der Menschen für die Erlösung der Seelen im Fegefeuer zu verdeutlichen. In der Barockzeit hat ja das Rosenkranzgebet einen besonderen Aufschwung genommen und vielerorts entstanden Rosenkranz-Bruderschaften, die sich der Pflege des Rosen- kranzgebetes in besonderer Weise widmeten. Weitere Kunstdenkmäler in Vill Friedhofskreuz Qualitätsvoller Korpus im 3-Nagel-Typus; das feine Antlitz des toten Christus wirkt nach der Überwindung des Leidens friedlich und gelöst. Als Entstehungszeit kann das 3. Viertel des 18. Jahrhunderts angenommen werden. Bildstock vor dem Friedhof Neben dem Eingang steht ein einfacher Bildstock, dessen Nische mit einem Flachbogen abgeschlossen wird. Am Giebel des mit einem Satteldach eingedeckten Bauwerkes wiederholt sich die Wölbekontur der Nische. Diese enthält eine Tafel (Öl auf Holz) mit der volkstümlich wiedergegebenen Darstellung der ,,Mantelspende des hl. Martin". Die seitlich der Nische angebrachten Bronzetafeln verzeichnen links die Gefallenen der Befreiungskriege 1797-1809 und des ersten Weltkrieges 1914-1918, rechts jene des 2. Weltkrieges 1939-1945. Der Bildstock dürfte um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts errichtet worden sein. Bildstock am Viller Steig Kleiner hölzerner Bildstock mit der Darstellung des Cranach'schen,,Mariahilf*- Gnadenbildes; ungewöhnlich ist die Ausführung des Werkes als flachgeschnitztes Holz- relief mit farbiger Fassung. Entstehungszeit Ende 19. Jahrhundert. Bildstock an der Igler Straße An der Grenze zwischen beiden Dörfern steht eine Rundsäule aus Höttinger Breccie. Sie trägt ein modernes Christophorus-Mosaik. Kruzifix am,,Hangenden Schrofen" an der Viller Straße Der plastische, anatomisch genau wiedergegebene Korpus erscheint stehend als 4-Nagel- Typus. Die dazugehörigen, aus Holz ausgeschnittenen und bemalten Assistenzfiguren 159 von Maria und Johannes wurden etwa Mitte der Achzigerjahre entwendet und sind seither nicht mehr aufgetaucht. Das Werk dürfte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun- derts entstanden sein. Handlhofkapelle Die alte Kapelle mußte der Straßenverbreiterung weichen; sie wurde 1973/74 etwas zurückversetzt neu errichtet, wobei die Seitenwände aus geschichteten Bruchsteinen hochgeführt und mit einem einfachen Pultdach geschlossen wurden. Die Front ist durch ein schmiedeeisernes Gitter bis zu einem Drittel der Gesamthöhe geschlossen, wodurch der Blick ungehindert auf den großen, ungefaßten Korpus mit herbem Ausdruck des nach rechts zur Seite geneigten Hauptes fällt. Die Entstehungszeit des als 3-Nagel-Typus wiedergegebenen Kreuzes ist in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu setzen. Feldkreuz beim Handlhof Geschnitzter und gefaßter 3-Nagel-Typus mit nach vorne gesenktem Haupt, dessen Züge einen romanisierenden Einschlag aufweisen, wohl im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts entstanden. Prozessionsaltäre Es ist der Verbundenheit der Viller zu ihren traditionellen Werten zu danken, wenn sich im Ort Prozessionsaltäre erhalten konnten, die heute noch Einblick in jene Erzeugnisse echter Volksfrömmigkeit gestatten, wie sie das religiöse Leben unserer Vorfahren be- stimmte. Nicht nur von ihrem ikonographischen Gehalt, der sich auf das Fronleichnamsfest konzentriert, verdienen sie Beachtung, sondern auch durch die Verwendung von Wachs als bildnerisches Material und dessen technischer Verarbeitung. Die Zeroplastik (Wachs- bildnerei) spielte aufgrund der relativ einfachen Bearbeitungsmöglichkeiten zu allen Zeiten seit der Antike eine wichtige Rolle, aber wegen der eingeschränkten Haltbarkeit des Materials konnten nur wenige Denkmale in unsere Zeit überdauern. Die beiden Altäre bestehen aus mehreren kunstvoll gerahmten und verglasten Schreinen, die vorwiegend Wachsfiguren, aber auch Reliquien und Posamentierarbeiten beinhalten. Die einzelnen Schreine werden stufenförmig über den Mensen angeordnet und von einem Baldachin zur Einheit eines Altares zusammengefaßt. Der ältere der beiden Altäre gehört noch zum überwiegenden Teil dem späten 18. Jahrhundert an. Sein Hauptschrein in der Mitte verfügt über einen geschwungenen Spiegelrahmen, der in der Art venezianischer Arbeiten eingeschliffene Blüten und Ran- kenmuster aufweist. Darin steht auf einer Spiegelkonsole mit reichem Dekor das aus 160 Wachs gebildete, gekrönte Jesukind in einem Gewand aus kunstvoller Seidenstickerei mit dem Kreuz auf der Weltkugel in seiner Linken vor einem vergoldeten Rokoko- Baldachin, auf dessen rotem Grund in einem Strahlenkranz sechs Putten schweben. Der Mittelschrein darüber besteht aus einem vergoldeten Holzrahmen in reicher Roko- ko-Ornamentik und beinhaltet zuunterst den liegenden Leichnam Christi, darüber er- strahlt eine reich geschmückte Sonnenmonstranz, die noch eine Abbildung des ,,Schweiẞtuches der Veronika“ ziert. Diese beiden mittleren Schreine werden von je drei Reliquienbehältnissen in reich verzierten und vergoldeten Rahmen flankiert, die zum Teil erst im 19. Jahrhundert hinzugekommen sein dürften. Die Schreine des anderen Altares sind um die Mitte des 19. Jahrhunderts einzuordnen, wobei die vergoldeten Rahmen aus verschiedenen Stilelementen bestehen. Der unterste Rahmen ist einfach gehalten und wird von einer aus Blattwerk aufsteigenden hostienför- migen Kartusche mit den Initialen Christi bekrönt. Der Schrein veranschaulicht in kulissenartiger Räumlichkeit die Einsetzung des „,Allerheiligsten Altarsakramentes" (Wasserfarbenmalerei auf Karton). Darüber erscheint in einem renaissanceartig gerahmten Schrein die Halbfigur der Ma- donna mit dem vor ihr liegenden nackten Jesukind. Diese Arbeit wurde als Wachsrelief gestaltet und bemalt. Der oberste Schrein mit seiner barockisierenden Rahmung beinhal- tet die kostbar bekleidete Gestalt eines wächsernen Jesukindes mit dem Kreuz in der Linken. Diese drei Schreine werden auf jeder Seite von einer Heiligendarstellung begleitet. Sie sind in aufwendige Posamentierarbeiten eingefügt und besitzen rokokoartige Rahmun- gen. Zudem ziert reicher alter Papierblumenschmuck in vergoldeten Behältnissen den Altaraufbau. Fassadenschmuck Viller Dorfstraße 21,,,Sineler❝ An diesem weiterentwickelten Mittertennhof befindet sich neben dem dreiseitigen Erker im Obergeschoß eine kleine rundbogige Nische. Diese enthält eine Holztafel mit der Darstellung der „,Heiligen Familie" in sehr verblaßter Ölmalerei. Maria und Josef mit dem Christkind in ihrer Mitte wandeln in einer durch Palmen angedeuteten Landschaft. Die Tafel dürfte noch dem späten 18. Jahrhundert angehören. Viller Dorfstraße 23,,,Lienhard" Über der Haustür dieses Mittertennhofes befindet sich die Freskodarstellung eines etwa lebensgroßen Engels in cremefarbenem Gewand und blauem Umhang. In der Hand hält er eine Weizenähre. Eigenartig muten die portraithaften Züge der Gestalt an. Nach 161 Hornbach39 soll die Darstellung das Portrait der Hofschauspielerin Geßner wiederge- ben, das von ihrem Bruder, dem Maler August Geßner verfertigt wurde (Entstehungszeit Ende 19. Jahrhundert). Das angeblich schon 1907 stark verblaẞte Fresko wurde zweimal überarbeitet, zuletzt 1974 vom Maler Josef Prantl. Handlhofweg 2,,,Reiterhof" Das Gebäude erhielt um 1908 auf der Giebelseite einen Verandavorbau. Die zur Straße gerichtete Traufseite besitzt eine rundbogige Türfassung aus Höttinger Breccie mit einem schönen alten Tor. Im Obergeschoß schräg darüber findet sich ein Fresko mit der Darstellung des ,,Mariahilf-Gnadenbildes in ockergoldenem Rahmen, das vom öster- reichischen Erzherzogshut bekrönt wird. Dieses Gnadenbild wird von zwei Engeln auf einer Wolkenbank getragen, über demselben bildet ein kleineres Wolkenband mit drei Puttenköpfen den Abschluß. Das Beiwerk der Engel, Putten und Wolken in neubarok- ken Formen könnte auf Rafael Thaler als Urheber dieser Komposition schließen lassen. Dieser Künstler begegnet im 1. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mehrfach auf Viller Gebiet, dennoch kann angenommen werden, daß schon früher eine Madonnendarstel- lung vorhanden war. 1949 wurde das Gemälde vom Sohn des Künstlers, E. Thaler, renoviert. Grillhofweg 16,,,Haus St. Christoph" (Provinzialat der Schwestern vom „,Guten Hirten") Die nach Süden gerichtete Fassade verfügt über ein monumentales, etwa 4 m hohes Christophorus-Sgraffitto. Es wurde 1956 von Sr. Roswitha (Hildegard) Oberlechner geschaffen. Die Künstlerin stammt aus einer Lienzer Bildhauerfamilie und erhielt ihre Ausbildung vorwiegend in Innsbruck. Die aus tief-braunroten Konturen und grauen Binnenfeldern aufgebaute Gestalt des hl. Christophorus kennzeichnet eine Dynamik, die von den bewegten Fluten auf den schwungvoll ausschreitenden Riesen übergreift und auch nicht im Antlitz desselben zur Ruhe kommt, in welchem sich staunende Verwunde- rung über die drückende Last dieses Kindes auf seiner Schulter spiegelt. Viller Dorfstraße 44 Das Einfamilienhaus trägt die flächig aufgefaßte Darstellung eines ,,Kornschitters", die Halbfigur eines Bauern, der eine Korngarbe im Arm hält. Das kleine Fresko wirkt durch seine kräftigen, vorwiegend blau und gelb gehaltenen Farben, die zu den gedämpfteren 39 L. Hornbach, Malerischer Hausschmuck in Tiroler Dörfern II. In: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs, 1907, S. 177. 162 Rotbraun- und Grün-Tönen kontrastieren. Das Fresko wurde 1961 von Mia Arch geschaffen. Neuzeitliche Fensterumrahmungen in Schablonenmalerei befinden sich außer am Haus Handlhofweg 2 noch am Haus Viller Dorfstraße 4 und am Haus Igler Straße 19. Während die Fassade des Gasthofes Turmbichl, Lilly-von-Sauter-Weg 4, mit Jagdmoti- ven geschmückt ist, verfügt der Gasthof Traube, Viller Dorfstraße 2, wie der Reinerhof, Grillhofweg 6, über neobarocke Fensterumrahmungen; letzterer besitz darüber hinaus noch die Lüftlmalerei eines „pflügenden Bauern" von Rudolf Winkler aus Sistrans. Zum Gemeindegebiet von Vill zählen noch zwei Sommerfrisch-Häuser, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Innsbrucker Bürgern errichtet wurden und die beide durch den bereits erwähnten Künstler Rafael Thaler ihren Freskenschmuck erhielten: Grillhofweg 38,,,Villa Pirchl" Neben dem alten Fischerhäusl, dem heutigen,,Hauserlhof wurde um 1900 ein Sommer- frischhaus errichtet. Dabei handelt es sich um ein zweigeschossiges, annähernd quadrati- sches Gebäude mit Krüppelwalmdach. An der Südseite erhebt sich über einer im Erdge- schoß gelegenen, flachbogig geöffneten Laube ein Verandavorbau bis zum vorgezogenen Dach. Das Hauptgeschoß besitzt an der Südostseite einen über Eck gestellten Erker, der aus zwei Konsolen aufsteigt und in zwei schindelgedeckten Steildächern ausklingt. Das oberste Geschoß verfügt zudem über Balkone an der Ost- und Westseite. Die Villa zeigt reichen Freskenschmuck von Rafael Thaler. Allerdings wurde bei der Renovierung 1992 auf die das Gebäude harmonisch zusammenbindende Eckquaderbe- malung verzichtet, und einheitlich mit,,Schönbrunnergelb“ übertüncht. Die malerische Ausschmückung beschränkt sich auf der Westseite auf die Darstellung des,,Tiroler Adlers". Die südseitig gelegene Laube enthält ein besonders Kinder ansprechendes Fresko: An einem von einem Zaun abgegrenzten, mit einem rotblühenden Strauch bestandenen Wiesenstück trifft sich der Osterhase mit einem Fröschlein. Die frei sichtbare Ostseite weist die romantisierende Hauptdarstellung auf: Es handelt sich dabei um eine großformatige Jagdszene in freier Landschaft, welche rechts unten ein Täfelchen mit der Künstlersignatur,,Thaler Rafael 1901" trägt. Sie wird noch von kleineren Gemälden begleitet; links erscheinen Jagdtrophäen, rechts ein ins Horn stoßender Jäger, darüber finden sich der österreichische Binden- und der Tiroler Adler-Schild; den Erker schmücken Blumenstücke. Inmitten einer baumbestandenen Landschaft erscheint groß ein Jäger in renaissanceartiger Tracht mit Lanze und einem 163 Jagdhund an der Leine. Links dieser Hauptfigur liegt der erlegte Hirsch, während aus dem Dickicht rechts eine blaugewandete Reiterin auf einem Schimmel auftaucht. Die Familientradition weiß zu berichten, daß das im Hintergrund sichtbare Schloß auf Ambras hindeuten soll. Mit dem Paar, das sich der Jagd hingibt, sollen Erzherzog Ferdinand II. und seine Gemahlin Philippine Welser gemeint sein. Poltenweg 71,,,Poltenhütte" Das bäuerliche Anwesen, von dem bekannt ist, daß es bereits im 16. Jahrhundert als ,,Vogelhütte" in Verwendung war, wurde 1905 umgebaut, um seinen Eigentümern als ,,Sommerfrische" zu dienen. Damals erhielt es einen zusätzlichen zweiten Stock mit Fachwerkdekor und auf der Westseite einen durchgehenden Verandavorbau im ersten Obergeschoß, welcher den darüberliegenden Balkon abstützt. Der malerische Schmuck umfaßt ein Christophorusfresko auf der Nordseite, das die Künstlersignatur,,Thaler Rafael 1911" enthält, sowie dekoratives Zierat: Eckquaderungen in Caput-mortuum- Tönen, Fensterumrahmungen in barockisierend geschwungener Form, über dem von einem doppelten Wellenband begleiteten, mit ornamentalen Blüten, Kränzen, einem springenden Hirsch und der Angabe der Erbauungszeit 1905 (auf der Südseite) versehe- nen Fachwerk des zweiten Obergeschosses noch blumengeschmückte Vasen. Die Polten- hütte wurde 1990 vorbildlich restauriert. Der in Vill mehrfach als Maler in Erscheinung tretende Rafael Thaler (1870-1947)40 entstammte einem Bauerngeschlecht aus Gries am Brenner, war zunächst Schüler von Alois Siber in Hall und erhielt seine weitere Ausbildung zum Freskanten an der Akade- mie von Venedig. Seine Arbeiten kennzeichnen vor allem eine ausgezeichnete Beherr- schung der Freskotechnik, was den witterungsgefährdeten Fassadenmalereien zugute- kommt. Sein Stil entspricht einem Neubarock mit nazarenischen Anklängen. Rafael Thaler hinterließ ein reiches Freskowerk, vor allem in Nord- und Südtirol, er arbeitete aber auch als Restaurator, besonders in Schlössern. Bei der Darstellung der Kunst und Geschichte von Vill sollte nicht die Verbundenheit der Malerin Mia Arch (1895-1986) mit diesem Ort vergessen werden. Sie war es, die durch die Wahl ihres Wohnsitzes auf dem Bühel Kreit die frühgeschichtlichen Grabun- gen ins Rollen brachte. Zugleich erhielt der Ort durch das mit dem hügeligen Gelände 40 Nachruf auf Rafael Thaler. in: Tiroler Heimatblätter 22 (1947), S. 86f. 164 im Einklang stehende, 1940 vom Architekten Willi Stigler für die Malerin errichtete Atelierhaus ein wichtiges Beispiel der „,Neuen Sachlichkeit" in Tirol. Mia Arch stammte aus einer Künstlerfamilie. Nach dem Besuch der Innsbrucker Mal- schule Toni Kirchmayrs studierte sie in München und Paris. Anregungen erhielt sie durch ausgedehnte Reisen, aber auch durch die Mitgliedschaft bei der Tiroler Künstler- vereinigung,,Waage". Ihr Schaffensbereich umfaßt Fresken, graphische Gestaltungen von Bucheinbänden, Teppichentwürfe, vor allem aber Ölbilder. Eine umfassende Aufarbeitung ihres Werkes bleibt der Zukunft vorbehalten. 165 Geschichte der Seelsorge in Vill Von Barbara Kern-Flora Am 10. September 1992 jährt sich zum 200. Mal der Tag, an dem die Kirche in Vill neu geweiht wurde. Anlaß dafür war eine grundlegende Renovierung, durch die die Kirche im Großen und Ganzen ihr heutiges Aussehen erhielt. Doch bereits damals konnte man in Vill auf eine lange Geschichte der Seelsorge zurückblicken, die seit je her mit dem Kloster Wilten verbunden war. Die früheste Erwähnung einer Kirche in Vill erhalten wir aus einer Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1397. Auf das damals gotische Bauwerk weisen heute noch einige Bauteile der Kirche hin. Ungefähr seit dem Jahre 1259, als die Chorherren des Prämonstratenserstiftes Wilten die Führung und Verwaltung der Großpfarre Patsch, zu der damals neben dem Dorf Patsch Ellbögen-St. Peter, Sistrans, Lans, Igls und Vill gehörten, übernommen hatten, wurde die Seelsorgsarbeit vom Stift Wilten aus besorgt. Obzwar die Kuratie Vill dem jeweiligen Pfarrer von Patsch unterstand, wohnte der Kurat von Vill nicht im Patscher Widum, sondern im Kloster und kam von dort ins Mittelgebirge hinauf, um die Messen zu lesen und sonstige Seelsorgsarbeit zu erledigen.² Die Sonntagsmessen wurden anscheinend abwechselnd in Vill oder Igls gelesen.³ Im Jahre 1407 wurde für Vill eine ewige Wochenmesse gestiftet. Zu dieser Zeit war die Kirche den beiden damaligen Diözesanheiligen Ingenuin und Albuin und dem hl. Martin, Bischof von Tours, geweiht.+ 1695 vereinbarten die Gemeinde Vill und das Stift Wilten, daß wöchentlich an einem anfallenden Feiertag oder jeweils am Donnerstag eine Messe gelesen werde. Dafür sollten dem Stift Wilten jährlich 110 fl aus dem Kirchenvermögen bezahlt werden. Um diese Summe zu sichern, steuerten die Viller 500 fl zum Kirchenvermögen bei, und die Gemeinde verpflichtete sich, im Notfall das Defizit der Kirchenausgaben zu decken.5 Im 1 Abteiarchiv Wilten (= AAW), Lade 26, lit. A, Nr. 1e; Franz-Heinz Hye, Igls und Vill - Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Innsbrucks. In: Das Fenster 1973, Heft 13, S. 1317-1329. 2 Stiftsarchiv Wilten (StAW), Pfarrarchiv Patsch, Hausbuch 1. Teil, S. 481ff; Pfarrarchiv Igls-Vill, Hans- Hermann Lentze, Geschichte der Seelsorge Vill, o.O., o.J. (Maschinschrift). 3 AAW, Lade 26, lit. A, Nr. 1e; Hannelore Steixner, Die Wiltener Pfarreien in Vergangenheit und Gegen- wart. In: 850 Jahre Prämonstratenser-Chorherrenstift Wilten, Innsbruck 1988, S. 304f. 4 StAW, Lade 47, lit. B; Hye, a.a.O. 5 AAW, Lade 26, lit. A, Nr. le.. 166 selben Jahr war auch von der Regierung ein Grundstück in Vill für den Unterhalt des Mesners zur Verfügung gestellt worden.6 Im Jahr 1735 erhielt die Gemeinde Vill die Erlaubnis, in ihrer Kirche einen Kreuzweg zu errichten. In der Zeit der immer häufiger werdenden Kreuzwegandachten und auch auf Grund der Tatsache, daß die Igler Kirche schon seit zwei Jahren mit einem Kreuzweg ausgestattet war, suchten die Gläubigen in Vill extra darum an. Wie schon erwähnt, erhielt die Kirche nach einem umfassenden Umbau ihr heutiges Aussehen ein Vorgang, der mit einer feierlichen Neu-Einweihung abgeschlossen wurde. So wurde die Kirche am 10. September 1792 dem hl. Martin geweiht. Der Kirchtag wurde auf den 10. Oktober festgesetzt. Während der Jahre der bayerischen Herrschaft über Tirol, in denen auch das Stift Wilten unter bayerische Administration gestellt war, wurden Vill und Igls im Jahre 1807 zu einer Seelsorgsgemeinde unter einem Kuraten, dem ein Kooperator beigestellt wurde, verei- nigt. Um die beiden Seelsorger am Ort beherbergen zu können, erbauten die beiden Dörfer in den Jahren 1812/13 auf eigene Kosten das Widum in Igls. Die Mittel dafür wurden zum Teil aus Spendengeldern und zum Teil aus zweckgebundenen Zahlungen der Hausbesitzer aufgetrieben. Das Gebäude des Pfarrhauses bot auch Platz für den Unterricht einer Schulklasse - den Erinnerungen alter Igler Einwohner zufolge bis in das 20. Jahrhundert herein. Wenige Jahre - bis 1816 - wohnten zwei Wiltener Seelsorger in Igls. Mit der Aufhebung der bayerischen Administration wurden verschiedene Verände- rungen, die während dieser Zeit entstanden waren, wieder rückgängig gemacht. Der jeweilige Kooperator oder Primissarius kam nun wieder,,excurrendo" aus dem Stift. Im Jahr 1891 wurde die Kuratie zur Pfarre Igls-Vill erhoben. In dieser Epoche entstan- den in den beiden Dörfern christlich-katholische Vereinigungen. 1854 wurden die Chri- stenlehrbruderschaft und die Bruderschaft vom Heiligen Herzen Mariä gegründet.10 Aber auch Wallfahrten und Prozessionen stellten einen wichtigen Teil des religiösen Lebens dar. Hier ist besonders die Kirche in Heiligwasser zu nennen, die seit dem 17. Jahrhundert Ziel zahlreicher Bittgänge der Viller und anderer umliegender Gemeinden war, um gutes Wetter, gute Ernten etc. zu erflehen oder zu Maria Schnee das Patrozini- 6 StAW, Lade 47, lit F. 7 Ebenda, lit. K. 8 Ebenda, lit. R. 9 AAW, Lade 26, lit. A, Nr. 1e; Pfarrarchiv Igls-Vill, Pfarrgeschichte 1947-1968; Steixner, a.a.O. 10 Ebenda, lit. B, Nr. 8a. 167 um zu feiern." Heute findet die jährliche Prozession der Igler und Viller zu dem Wallfahrtskirchlein am 1. Mai statt. Auch am Palmsonntag und zu Fronleichnam fanden in Igls und Vill Prozessionen statt, eine Tradition, die auch heute noch gepflegt wird.12 Während sich Igls seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Kurort entwickelte und den Fremdenverkehr anzog, blieb in Vill der bäuerliche Charakter des Dorfes erhalten. Dies wurde auch durch den starken Zuzug der Städter, die sich hier Zweit- und Hauptwohn- sitze bauten, kaum verändert. Innerhalb der katholischen Gemeinschaft fanden sich Interessensgruppen zusammen - so werden z.B. für das Jahr 1956 in der Pfarre Igls-Vill eine Buben- und eine Mädchengruppe, eine Männer- und eine Frauenrunde verzeich- net. 13 In den Fünfzigerjahren enstand auch der Brauch der Bergweihnacht - der Christ- kindlumzug der Viller und Igler, der zur festen Tradition werden sollte. Das Ereignis zieht jährlich auch viele Bewohner der umliegenden Gemeinden an.14 Mit dem Bau des Pfarrheimes in Igls, das 1990 eingeweiht wurde, wurde ein zentraler Ort zur Kommunikation innerhalb der Pfarrgemeinde Igls und Vill geschaffen. Dort trifft sich heute die Pfarrjugend zu verschiedenen Feiern, Jungschargruppen-Heimstunden oder zur Kindermeẞvorbereitung. Für die Erwachsenen bieten die Räume Gelegenheit zum Besuch von Vorträgen, Gebetskreisen und Seniorennachmittagen, sowie zur Vorbe- reitung von Messen oder zur Abhaltung von Chorproben. Die nachfolgende Liste gibt die lange Reihe von Geistlichen wieder, die sich jeweils kurze oder längere Zeit hindurch um die Seelsorge kümmerten.15 Sie entstammten - wie die meisten Chorherren des Stiftes Wilten - hauptsächlich dem Großraum Alttirols. Unter ihnen finden sich drei Männer, die sich durch ihre außerordentliche Persönlichkeit und durch besondere intellektuelle Qualitäten aus der Reihe ihrer Mitbrüder herausstellen. Sie haben der Seelsorge durch die Betreuung der Menschen, durch die Gestaltung der Meẞfeiern und durch ihren geistigen Einfluß sicherlich eine eigene Prägung verliehen. 11 StAW, Verkündbuch der Pfarre Igls-Vill 1912-1934; Ebenda, Adalbert Tschaveller, Continuatio annotia- tionum chronicarum Wilthinensium sub glorioso regimine reverendissimi perillustris ac amplissimi domini, domini praesulis Martini, 1718-1749, S. 1216, 1218 und 1270. 12 Verkündbuch der Pfarre Igls-Vill 1912-1934. 13 Schematismus des Welt- und Ordensklerus der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch 1956, S. 63. 14 Pfarrarchiv Igls-Vill, Chronik. 15 Diese Liste erhebt bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da die Quellen teilweise unvollständig sind oder sich als widersprüchlich erweisen. 168 Norbert Puẞjäger wurde 1689 als Sohn des Malers Mathias Puẞjäger in Meran geboren. Er studierte Philosophie und Theologie an der Universität Innsbruck und trat dann in das Kloster Wilten ein. Er übte dort zahlreiche Tätigkeiten aus, vor allem in der Seelsorge der umliegenden Gemeinden - so von 1731-1733 in Vill. 1747 wurde er zum Abt seines Klosters gewählt. Als solcher ließ er die Wiltener Pfarrkirche neu im Rokoko- stil aufbauen. Er wurde Rektor der Universität Innsbruck. Im Jahre 1765 starb er.16 Heinrich Schuler wurde 1868 in Latsch in Südtirol geboren und trat mit 18 Jahren in das Kloster Wilten ein. Er war viele Jahre als Seelsorger tätig - ab 1914 in der Pfarre Igls-Vill, von wo er 1922 in das Stift zurückkehrte, um die Abtwürde zu übernehmen. In dieser Funktion leitete er das Schicksal seiner Chorherren auch in der schweren Zeit der Beschlagnahmung des Klosters durch die Nationalsozialisten. Die Konventualen muß- ten in die verschiedenen Pfarrhöfe umziehen. Seit 1946 leitete Schuler dann den Wieder- aufbau des schwer beschädigten Klosters. Daneben verwendete er seine Freizeit für wissenschaftliche Studien - geschichtliche und kunstgeschichtliche Aspekte seines Klosters betreffend. Er verfaßte Schriften über die Stiftskirche, die Kunstsammlung, Wallfahrtsorte, Gebetsverbrüderungen, das St. Bar- tholomäuskirchlein und die Geschichte Wiltens zur Zeit der Römer. Auch den prähisto- rischen Funden widmete er großes Interesse. Er war Ehrenmitglied der Universität und trug den Ehrenring der Stadt Innsbruck. Innerhalb des Verbandes der Prämonstratenser wirkte er als Generalvikar der österreichischen Zirkarie. Er starb 194917. Hubert Szántó wurde 1925 in Kaptalanavis com. Sopron in Ungarn geboren und trat mit 18 Jahren in das Prämonstratenserkloster Csorna (Diözese Györ) in Ungarn ein. Seit 1959 wirkte er in den USA als Professor der Mater-Dei-Highschool der Norberteni Fathers in Sta. Anna/Kalifornien.18 Vor dieser Zeit verbrachte er einen Lebensabschnitt im Kloster Wilten. 1949 und eventuell auch noch 1950 versah er das Amt eines Koopera- tors in der Pfarre Igls-Vill. Während seiner Jahre in Wilten studierte er Geschichte an der Universität Innsbruck. Mit seiner Dissertation über das Leben im Stift Wilten vom Spätmittelalter bis zur Barockzeit, die 1954 erschien, schuf er einen grundlegenden 16 StAW, Lade 11, lit. M; Anton Haidacher, Studium und Wissenschaften im Stifte Wilten in Mittelalter und Neuzeit. In: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum 38 (1958), S. 91; Hubert Szántó, Das Leben im Stift Wilten vom Spätmittelalter bis zur Barockzeit. Phil. Diss., Innsbruck 1954, Teil 1, S. 309-353. 17 Hans-Hermann Lentze, In memoriam Abt Heinrich Schuler von Wilten. In: Analecta Prämonstratensia, Bd. 26, 1950, S. 71-74; Fritz Steinegger, Nachruf für Abt Heinrich Schuler. In Tiroler Tageszeitung 1949, Nr. 241. 18 Catalogus sacri candidi et canonici Ordinis Prämonstratensis pro anno 1959, S. 225. 169 Beitrag zur Erforschung der Klostergeschichte. In einem Aufsatz beschäftigt er sich mit den Reformversuchen des Klosters nach dem Konzil von Trient. Hans-Hermann Lentze wurde 1909 in Lauban in Schlesien als Sohn eines Protestanten geboren. Er studierte in Deutschland Rechtswissenschaften. 1933 kam er nach Wien und trat 1934 zum katholischen Glauben über. Bald darauf zog es ihn nach Innsbruck, wo er Theologie studierte und 1939 bei den Prämonstratensern in Wilten eintrat. Er versah seit 1945 in verschiedenen Pfarreien seinen Dienst als Landkooperator, 1950 und 1951 in Igls-Vill. Er habilitierte sich an der juridischen Fakultät und wurde außerordentlicher Professor. 1954 nahm er die deutschrechtliche Lehrkanzel an der Universität Wien an. Hans-Hermann Lentze förderte in jeder Hinsicht die Erforschung der Geschichte des Stiftes Wilten und beschäftigte sich besonders mit der Rechtshistorie des Klosters. Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen seien hier nur jene genannt, die unseren Heimat- ort betreffen, wie,,Die St. Jakobs-Kirche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichte“ und die ,,Studia Wiltinensia". Er starb 1970 in Wien. 19 Die Seelsorger von Vill20 1720 1722 Felix Tanner 1722 1723 Paul Schranzhofer 1725 1727 1726 1729 Gereon Schlechl Augustin Egger Marian Spaur (zugleich in Igls) 19 Nikolaus Grass, Hans-Hermann Lentze Ord. Praem. In: Archiv für katholisches Kirchenrecht Bd. 39, Jg. 1970, S. 131-135; Fritz Steinegger, Hans-Hermann Lentze. In: Analecta Prämonstratensia. 20 Pfarrarchiv Igls-Vill, Tauf-, Trau- und Sterbebücher 1690-1810; StAW, Leopold Kalchschmidt, Continua- tio chronicae Wilthinensis, 1719-1747; ebenda, Petrus Schluderpacher, Verzaichnis unterschidlicher Bege- benheiten, welche hin- und wider vorgefallen, 1725-1735; ebenda, Adalbert Tschaveller, siehe Anm. 11; ebenda, Renovatio Votorum, 1784-1919; ebenda, Catalogus Canonicorum Regularium Sacri ac Canonici Ordinis Prämonstratensis in Canonia Wiltinensi; Catalogus Personarum Ecclesiasticarum Diocesis Brixi- nensis; Schematismus des Welt- und Ordensklerus der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch; Schematismus des Welt- und Ordensklerus der Diözese Innsbruck. 170 1735 1736 1736-1740 1729 1730 1730 1731 1733 1731 1733 1735 Marcellin Stickler Joachim Schanazar Norbert Puẞjäger Joseph Kremer Paul Schranzhofer Franz Holler 1740 Laurentius Woller 1740 1743 Bernard Recordin 1743 1753 Marquard Stocker 1753 Claudius Aniser 1754 Gereon Steixner 1755-1757 Gilbert Bläsl 1758 1759 Aloysius Payr 1759 1763 Gregorius Rüdl 1763 1764/66 Franz Xaver Egloff 1766 Sebastian Suitner 1766 1767/68 Fridericus Lotter 1768 Petrus Lener 1769 Dominicus Schnell 1771 1772 Adalbert Lizzi 1773 1774 1774 1775 1776 1777 1777 1778 1779-1780 1780-1781 1782 1784 1784 1787 Ludolph Steger Godefridus Grassmayr Bartholomäus Nidergatscher Leopold Waid Stephan Knipfelberger Martin Perger Ludolph Steger (wahrscheinlich) Ludolph Steger Stephan Knipfelberger Clemens Lenauer Fridericus Jauffentaler Augustinus Stöckl 1787 1789 1789-1790 1791 1792 1792 1793 1793 1795 1798 um 1798 um 1806 Henricus Schaffter um 1808 Xaver Steixner Andreas Suitner Stephan Knipfelberger Norbert Würstl 171 172 um 1809 1810 1813 1816 1817 um 1818 1820 1829 1830 1831 1834 1834-1839 1839-1842 1842 1851 1851-1854 1854-1873 1873-1877 1878 1881 1881 1882 1882 1887 1887-1894 1894 1896 1896-1900 1900 1907 1907 1914 1914-1922 1922 1926 1926-1927 1927-1940 1940 1947/48 1948-1951 1957 1951 1957-1958 1958 1960 1960 - 1961 1961 1983 1983-1988 1988 - 1992 seit 1992 Gilbert Pernloher Xaver Steixner Martin Wallfahrter Joseph Flory Jacob Mallknecht Stephan Prantner Ignaz Gassler Christian Strähl Ignaz Gassler Anton Perktold Philipp Pfeiffer Bernhard Pinzger Martin Hauptmann Vinzenz Schindl Philipp Matzgeller Dominikus Dietrich Ignaz Praxmarer Andreas Flunger Franz Lindentaler Gottfried Konrath Ludwig Kropf Heinrich Schuler Peter v. Perckhammer Norbert Haas Pius Fortmann Heinrich Pregenzer (zusammen mit Pius Fortmann als Pfarrer im Ruhestand) Adrian Höck Ludwig Tanzer Leo Hafner Siard Eberl Ewald Karl Pühringer Philipp Joseph Schönweiler Augustin Bruch Klemens Halder Magnus Roth Die Pfarre Vill in unserer Zeit Von Klemens Halder O.Praem. * Ich möchte nicht gleich mit meinen eigenen Darlegungen beginnen. Mich beeindruckt immer wieder die Predigt, die der hl. Bischof Augustinus zur Weihe einer Kirche gehalten hat. Einen Abschnitt daraus möchte ich hier voranstellen. Er kann gleichsam einen tiefen Hintergrund abgeben für das, was für die Pfarre Vill in unserer Zeit wichtig ist. ,,Wir sind hier versammelt, um ein Haus des Gebets feierlich zu weihen. Dies hier ist also ein Haus für unser Beten; Haus Gottes dagegen sind wir selbst. Wenn wir selbst Haus Gottes sind, werden wir in dieser Welt aufgebaut, um am Ende der Zeiten geweiht zu werden. Das Bauwerk, vor allem das Bauen, bringt Mühsal, die Weihe Jubel. Was hier geschah, als diese Mauern erstanden, ereignet sich nun, da die Christusgläubi- gen sich versammeln. Im Glauben werden sozusagen in den Wäldern die Hölzer gefällt und in den Bergen die Steine gebrochen. Werden aber die Glaubenden unterrichtet, getauft und herangebildet, ist es, als würden sie von den Händen der Zimmerleute und Steinmetzen behauen, gerichtet und geglättet. Aber sie werden nicht zum Haus des Herrn, wenn sie nicht durch die Liebe verbunden werden. Wenn diese Hölzer und Steine nicht nach einem bestimmten Bauplan miteinan- der zusammenhingen, wenn sie nicht friedlich ineinandergefügt wären, wenn sie einander nicht gewissermaßen lieb hätten, niemand würde hier eintreten. Wenn du jedoch siehst, daẞ in einem Gebäude Hölzer und Steine gut miteinander zusammenhängen, trittst du unbesorgt ein und fürchtest keinen Einsturz." (Augustinus, Sermo 336) Christen haben sich zu allen Zeiten um ein würdiges Haus des Gebetes, um eine schöne Kirche bemüht. So auch die Christen in Vill. Sie haben vor 200 Jahren einen aufwendigen Umbau der ursprünglich gotischen Kirche vollendet und damit ein reizvolles Rokoko- kirchlein geschaffen. Wir freuen uns auch in unserer Zeit über dieses schöne Gotteshaus und wollen das 200-Jahr-Jubiläum der Viller Kirche im Rokoko-Gewand entsprechend begehen. Auf dieses Jubiläum hin wurde die Gesamtrenovierung der Kirche, die vor allem von 1962 bis 1973 durchgeführt wurde, zu einem gewissen Abschluß gebracht. Schon ab 1951 hatte man sich Gedanken über eine Renovierung gemacht. Als Philipp * Herr Klemens Halder O.Praem., der eigentliche Initiator dieser Festschrift, war bis zum 31. August 1992 Pfarrer von Igls-Vill, wurde jedoch mit Wirkung vom 1. September wieder unmittelbar in das Stift Wilten berufen, wo er schon früher (1988) als Prior wirkte und sich dort nun laut,,Kirche - Wochenzeitung für die Diözese Innsbruck" 1992, Nr. 28 (12. VII. 1992),,speziellen Seelsorgsaufgaben" widmen wird. 173 Die alljährliche Palmprozession am Palmsonntag zieht stets von Igls hinunter nach Vill. Fotos: Murauer 174 175 Schönweiler 1961 Pfarrer von Igls-Vill geworden war, begann man bald mit den Arbei- ten. Als erstes wurde der Turm renoviert, 1967 war die Außenrestaurierung der Kirche abgeschlossen. Im Jahre 1967 wurde auch das Glockengeläute elektrifiziert. Dann schritt man an die aufwendige Innenrenovierung, die im wesentlichen im Jahr 1972 durchge- führt wurde. 1973 wurde die denkmalgeschützte Orgel aus der Zeit um 1840 restauriert. Pfarrer Philipp Joseph Schönweiler wurde bei allen diesen Arbeiten vom Viller Pfarrkir- chenrat tatkräftig unterstützt. Ihm gehörten seit 1962 - teils nur für eine gewisse Periode - Lener Josef sen., Greier Ludwig, Rofner Franz sen., Ganahl Franz, Lener Hans, Schwemberger Max, Wopfner Rudolf sen. und Grauss Anton an. Lener Josef sen. als stellvertretender Vorsitzender des Pfarrkirchenrates mußte einen besonderen Einsatz für die Renovierung erbringen. Ihm und allen anderen Pfarrkirchenratsmitgliedern sei ein herzliches,,Vergelts Gott" gesagt. Die vielen Schreiben von Pfarrer Schönweiler spiegeln wider, wie mühsam die Geldauf- bringung für die umfassende Renovierung war. Subventionen kamen von der Diözese Innsbruck, von der Stadt Innsbruck, vom Land Tirol, vom Bundesdenkmalamt, von der Sparkasse Innsbruck, von der Raiffeisenkasse Igls und Umgebung, vom Fremdenver- kehrsverband Igls-Vill. Im Jahre 1973 wurde auch eine große Spendensammlung bei der Bevölkerung von Vill durchgeführt, bei der die einzelnen oft ansehnliche Summen gaben. Allen sei vielmals gedankt. 1991 mußte der Kirchturm wieder renoviert werden. Durch seine schöne, einen früheren Bestand nachahmende Eckquaderfärbelung und die bemalene Turmuhr ist er zu einer Bereicherung des Ortsbildes geworden. Im vergangenen Jahr erforderte auch eine um- fassende Sanierung der Glocken- und Turmuhrenanlage große Geldmittel. Bei der Deckung der Renovierungskosten halfen uns Stadt, Land, Diözese, Denkmalamt und Raiffeisenkasse Igls. Ihnen vielen Dank, besonders aber auch den neu dazugekommenen Pfarrkirchenräten Wopfner Franz und Feichtner Alois. Ing. Alois Feichtner, als stellver- tretender Vorsitzender des Pfarrkirchenrates seit November 1990, ist in erster Linie mit den neuerlichen Renovierungsarbeiten befaßt. Der Kirchenvater Augustinus betont in seiner Predigt zur Weihe einer Kirche, daß wir Christen selbst Haus Gottes sind. Gott will inmitten der glaubenden und in Liebe verbundenen Christengemeinschaft wohnen. Deshalb ist es nötig, sich in einem solchen Jubiläumsjahr vor allem auch Gedanken zu machen über die lebendige Kirche, über die Erneuerung,,,Renovierung" der Christengemeinschaft in Vill. Vor 200 Jahren hat die Viller Kirche einen gewaltigen Umbau erfahren. Es wurden einfach die Außenmauern der Kirche im mittleren Teil abgebrochen und die Kirche in diesem Teil verbreitert. Der Ort Vill hat gerade in den letzten fünf Jahrzehnten einen 176 Fronleichnamsprozession am Weg vom Grillhofweg zur Viller Dorfstraße beim Überqueren der einstigen Holzbrücke über den Viller Bach, - links vorne der uralte, noch bestehende Dorfbrunnen. Alte Photographie im Besitz von Karl Schlögl 177 gewaltigen Umbau seiner gesellschaftlichen Struktur erfahren. Vor genau 50 Jahren wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Vill in die Stadt Innsbruck eingemeindet. 1961 zählte Vill 353 Einwohner, 1971 waren es schon 469, bei der Volkszählung 1991 553 Bewohner. Der Schwerpunkt des beruflichen und oft auch des gesellschaftlichen Lebens liegt bei einem Großteil der Bevölkerung außerhalb von Vill. Es gibt in Vill zwar noch die ansehnliche Zahl von 9 Vollerwerbs- und 2 Nebenerwerbsbauern. Sonst bestehen aber in Vill bis auf 2 Gastbetriebe und den Grillhof praktisch keine Arbeitsmöglichkei- ten. So müssen die meisten Viller zur Berufsarbeit, für den Schulbesuch ab 10 Jahren und zur Freizeitgestaltung hauptsächlich Innsbruck aufsuchen. Trotzdem gibt es in Vill noch ein Ortsbewußtsein und eine gewisse ländliche Prägung. Das wird deutlich bei festlichen Anlässen, wie Fronleichnam und Erntedank, auch beim jährlichen Feuerwehrball oder bei Aktivitäten der „,Landjugend". Es gibt in Vill auch noch örtliche Einrichtungen wie eine eigene Feuerwehr, die Agrargemeinschaft, die Ortsbauerngruppe, den Obstbauverein und ein monatliches Treffen der Frauen, das durch die Ortsbäuerin organisiert wird. Wichtig für das Viller Ortsleben ist auch der Grillhof, wo z. B. der Feuerwehrball oder das Adventsingen stattfinden können. Es ist wertvoll, daß das Leben in Vill noch nicht von solcher Anonymität geprägt ist wie in der eigentlichen Stadt. Die Bewohner nehmen vielfach noch Anteil am Leben der anderen Ortsangehörigen. Leider haben die in den letzten 30 Jahren Neuzugezogenen zum Teil wenig Kontakt mit der Ortsgemeinschaft. Für manche ist Vill eher nur ein Schlafort. Auch das kirchliche Leben wird bisher vor allem von der ursprünglichen Bevölkerung getragen. Ein weiteres Charakteristikum von Vill sind die starken Beziehungen zu Igls. Kirchlich sind sie mindestens seit 1808 gegeben, als für Igls und Vill zusammen eine selbständige Kuratie eingerichtet wurde, wobei eben das Widum und somit der Sitz des Pfarrers in Igls ist. Für viele weltliche Einrichtungen müssen die Viller Igls aufsuchen: für den Kindergarten- und Volksschulbesuch, für den Arztbesuch und das Einkaufen; auch das Postamt ist in Igls. Musikkapelle und Schützenkompanie werden von Iglern und Villern gemeinsam gebildet. Im kirchlichen Bereich erfolgen Erstkommunion- und Firmvorbereitung gemeinsam, ebenso Jungschar-, Jugendarbeit und Seniorenbetreuung. Das gemeinsame Pfarrheim steht in Igls. Damit die örtlichen Belange nicht zu kurz kommen, gibt es in Vill eine eigene kirchliche Vermögensverwaltung, den Pfarrkirchenrat und einen eigenen Pfarrgemeinderat zur Mitarbeit in der Seelsorge. Der Pfarrgemeinderat hat vor allem seit 1987 eine wertvolle Tätigkeit entfaltet. Er hat sich wirklich Gedanken gemacht über pfarrliches Leben in unserer Zeit, er hat sich um 178 Erntedank-Prozession der Jungbauernschaft in Vill. LL 179 eine lebendige Gottesdienstgestaltung bemüht, auch für Kinder. Er hat sich für das Gelingen von verschiedenen Aktionen wie Sternsingen und Adventabend eingesetzt. Er hat die Vertiefung des Glaubens und der christlichen Gemeinschaft durch eine Bibelrun- de gefördert. Hier möchte ich danken für den wichtigen Beitrag der 1991 allzu früh tödlich verun- glückten Frau Dr. Ursula Profanter als Organistin und Pfarrgemeinderatsmitglied. Bei solchen Jubiläumsüberlegungen darf der Blick in die Zukunft nicht unterbleiben. Nicht nur im allgemeinen gesellschaftlichen Leben von Vill, sondern auch im kirchlichen ist in den letzter Jahrzehnten ein gewaltiger Umbruch vor sich gegangen. Wie überall nimmt nur mehr ein kleinerer Teil der Katholiken am Leben der Pfarre teil. Jeder Christ ist heutzutage vielfältigen geistigen Einflüssen der Umwelt ausgesetzt. Immer mehr muß sich der einzelne von einem Traditions- zu einem Überzeugungs-Christentum durchrin- gen. Jedes Kirchengebäude ist ein Zeichen dafür, daß sich die Glaubenden versammeln, zusammenfinden müssen. In unserer pluralistischen Zeit ist das besonders notwendig. Es muß sich immer mehr eine Kerngemeinde bilden, der Glaube und christliches Leben ein wirkliches Anliegen sind. Es braucht in unserer Zeit Glaubensvertiefung, gegenseitige Bestärkung im christlichen Leben, christliche Gemeinschaft. Bloße Teilnahme am Got- tesdienst und den kirchlichen Feiern sind wohl zu wenig. Es braucht vermehrt den Aufbau von Bibel- und Familienrunden, von Kinder- und Jugendgruppen, auch das gemeinsame Beisammensein z.B. bei einer Wallfahrt oder einem Pfarrausflug. Wichtig sind Bemühungen, um den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben. Die Aktivitäten der Laien sind in Vill umso nötiger, als der Pfarrer für die beiden Orte Igls und Vill zuständig ist und sich deshalb nicht in allen Belangen intensiv einsetzen kann. Abschließend möchte ich an die Worte des hl. Augustinus erinnern, wir Christen würden nicht zum Haus des Herrn, wenn wir nicht untereinander durch die Liebe verbunden sind. Wie die Hölzer und Steine in einem Kirchengebäude sollten wir friedlich ineinan- dergefügt sein, einander lieb haben. Für den Fall, daß es nicht so wäre, betont Augusti- nus:,,Niemand würde hier eintreten." Aufgabe für die Christen in unserer Zeit ist nicht nur, sich als Kerngemeinde zu sammeln, im Glauben lebendige Gemeinde zu sein, sie müssen auch einladende, offene Gemeinde sein. Vor 200 Jahren wurden die Mauern der Viller Kirche im wörtlichen Sinne weitgemacht. Heutzutage müssen die Mauern im geistigen Sinne weitgemacht werden. Es besteht in Vill die Aufgabe, daß die ursprüngliche Bevölkerung auf die Neuzugezogenen zugeht natürlich auch umgekehrt, daß im kirchlichen Bereich genügend mit der Pfarre Igls zusammengearbeitet wird, daß traditionell und fortschritt- 180 Erntedank-Gottesdienst der Jungbauernschaft in der St. Martinskirche in Vill mit der Erntedankkrone (links) und dem hochw. Herrn Pfarrer Klemens Halder O.Praem., rechts. 181 lich eingestellte Christen Verständnis füreinander aufbringen. So sollen die Menschen des Ortes Vill auch durch die Kirche einen Raum finden, in dem sie gut leben können, einen Raum, in dem Beheimatung bei Gott und Geborgenheit in der christlichen Ge- meinschaft vermittelt werden. 182 Das Haus,,St. Christoph" in Vill Von Provinzoberin Sr. Benedicta Freigaßner Von der stark frequentierten Durchzugsstraße, die von Innsbruck in Richtung Igls führt, zweigt der,,Grillhofweg" ab. Entlang dieses Weges, den schmucke bäuerliche Gehöfte und saftige Wiesen säumen, liegt unmittelbar oberhalb des Rainerhofes das Haus,,St. Christoph". Ein überlebensgroßer Sgraffito des hl. Christophorus, entworfen und gestal- tet von Sr. M. Roswitha Oberlechner, einer Schwester vom Guten Hirten, gab diesem Haus Name und Bestimmung. Eine Neu-Gründung der Schwestern vom Guten Hirten ,,Der im Evangelium das Landgut (Villa) gekauft, versäumte die Einladung des Herrn. Hier aber hat der Herr selbst eingeladen, eine Villa zu erwerben und zur Stätte seines göttlichen Helferwillens zu gestalten“. Propst Dr. Heinz Huber Am 8. September 1955 erwarb die Kongregation unserer Frau von der Liebe des Guten Hirten von Angers, vertreten durch Sr. M. Agnes Wagner, Provinzialoberin der österrei- chischen Provinz, von Herrn Baumeister Josef Widmann das Haus in Vill Nr. 45. Dieses Haus war gedacht als Heimstätte für schwangere Frauen und für Mütter mit ihren Kindern, die in ausweglose Situationen geraten waren. Die Schwestern vom Guten Hirten reagierten damit auf eine aktuelle Not der damaligen Zeit. Der Aufruf des Hl. Vaters Pius XII. zum Schutze und zur Rettung des ungeborenen Lebens, sowie die Anregung von Pater Leppich SJ, der 1955 in Innsbruck weilte, zur Errichtung eines Heimes für Mutter und Kind, waren letztendlich ausschlaggebend für diese Neugründung. Viele namhafte Persönlichkeiten aus Kirche und Politik begrüßten und unterstützten dieses Werk, allen voran der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Paulus Rusch, sowie Altlandeshauptmann Ökonomierat Alois Grauß, Landeshauptmann Ökonomierat Eduard Wallnöfer, Bauernbundobmann Dir. Brugger, Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Salcher, Herr Dr. Manfred Nayer, und nicht zuletzt Herr Dr. Zierhut, Kinderarzt, der viele Jahre die Kinder vorbildlich und unentgeltlich betreute. Viele Tiroler und Tirolerinnen trugen durch ihre Spenden über den Verein,,Rettet das Leben“ finanziell zur Weiterentwicklung dieser jungen Einrichtung bei. 183 Sie war in der Tat für die damalige Zeit eine ganz neue sozialpolitische Errungenschaft. Die renommierte „Tiroler Tageszeitung" schrieb am Tag der Einweihung der Kapelle des Hauses am 26.10.1956:,,Tirol verfügt über eine der modernsten Sozialeinrichtun- gen." Was war das,,Moderne" an dieser Einrichtung? Doch wohl der Gedanke, Mütter und ihre Kinder gemeinsam aufzunehmen, damit die Beziehung Mutter-Kind sich normal entwickeln und wachsen kann. Die Begleitung und Betreuung dieser Menschen und das Angebot einer Atmosphäre der Ruhe und Gebor- genheit erwies sich in ihrer momentan ausweglosen Lebenssituation als therapeutische Hilfe und,,Not-wendigkeit“. Nationalität, Stand und Religion waren für die Aufnah- men nie von Relevanz. Als im Feber und März 1956 die ersten drei Schwestern eintrafen, öffneten sich die Tore des Hauses. Ansehnlich stand er da, der 3-stöckige Bau im Tiroler Stil. In den 15 Zimmern, auf den 3 gedeckten Balkonen und im Garten regte sich bald Leben. Die ersten Aufnahmen Die Chronik berichtet: ,,Am Abend des Karfreitags stand eine verhärmte Mutter, ihren 8-jährigen Buben an der einen Hand, einen Polsterbezug mit der ganzen armseligen Habe in der anderen Hand, vor unserer Türe und bat um Herberge. Der kleine Josef, so hieß der Bub, bettelte: ,,Wenn ich auch im Keller schlafen muß, nur hier bleiben bei der Mutter." Bald erhielt Josef ein Schwesterchen namens Maria. So waren die ersten Kinder, die unser Haus beherbergte,,Josef und Maria". Innerhalb kürzester Zeit suchten und fanden hier viele Mütter mit ihren Kindern Herberge im Haus des Guten Hirten. Frohes Kindergeschrei, Lachen und Weinen waren bald allüberall zu hören. St. Christoph wurde im wahrsten Sinn des Wortes zum,,Haus des Lebens". St. Christoph, nicht nur der Patron der Autofahrer? Weshalb der Name,,St. Christoph" für diese Einrichtung?, wollte ein Journalist der Tiroler Tageszeitung wissen. Darauf antwortete Mutter M. Agnes Wagner:,,Glauben Sie doch nicht, daß der hl. Christophorus nur für die Autofahrer da wäre. Eher haben ihn die Autofahrer für ihre Anliegen vereinnahmt. ER trägt das Kind über das stürmi- 184 Das Haus,,St. Christoph", Grillhofweg 16, um 1960. (Bildmitte unten, bereits mit dem Anbau.) Foto: Alpine Luftbild 185 sche Wasser und wir helfen ebenfalls mit, das Kind über die schweren Zeiten in ein tüchtiges Leben hinüberzuretten." Mit dem Ausbruch der Revolution in Ungarn im Jahre 1956 kam eine Flüchtlingswelle auf Österreich zu. Auch schwangere 14 bis 15-jährige Jugendliche, sowie Mütter mit ihren Kindern waren dabei. Das Haus quoll über. Mit Hilfe des UNO-Hochkommissa- riates für das Flüchtlingswesen und unter Mitwirkung des Bauordens wurde für diese aktuelle Notsituation ein Zubau errichtet. Wie gut! So konnte auch diese Not gelindert werden. Mit den Flüchtlingen kam auch Sr. M. Hedwig Toth in das gastliche Österreich. Seit September 1957 wirkt sie in Liebe und mit Hingabe segensvoll, wo immer sie gebraucht wird. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten betreuten die Schwestern vom Guten Hirten unzählige Mütter, Kinder und Säuglinge in diesem ,,Haus des Lebens". Voll Freude erfüllen sie bis heute den Sendungsauftrag ihrer Ordensgemeinschaft,,,Armen die frohe Botschaft zu verkünden, zu heilen die bedrückten Herzens sind, zu suchen und zu retten, was verloren war." Etwa 6.000 Schwestern vom Guten Hirten wirken gegenwärtig in allen Ländern der Erde. Ihre Gründerin, die hl. M. Eufrasia Pelletier (1796-1868) sagt: „Nur durch Her- zensgüte könnt ihr Menschen für unseren Herrn gewinnen." Im Heute Gottes zögern sie nicht, Strukturen zu verändern, sich in den für ihre Tätigkeit notwendigen Wissensbereichen weiterzubilden, um den Bedürfnissen unserer Zeit besser begegnen zu können. 1982 wurde nach einer kurzen Umbauphase die Provinzleitung der Österreichischen Ordensprovinz und die Provinzverwaltung in einem Teil des Hauses untergebracht. In den Jahren 1990, 1991 überlegten die Schwestern eine Neukonzeption im,,Haus des Lebens. Die Zielsetzung, Frauen mit ihren Kindern mehr Eigenverantwortlichkeit zu geben, um sie auf eine selbständige Lebensbewältigung vorzubereiten, war in Vill durch die räumlichen und örtlichen Gegebenheiten nicht zu verwirklichen. Am 2. Jänner 1992 erfolgte die Übersiedlung der Frauen mit ihren Kindern nach Völs, Bahnhofstraße 4. Das neue,,Haus des Lebens" konnten die Schwestern vom Erlös durch den Verkauf eines Ferienhauses erwerben. 186 Kinder, Mütter und Schwestern im Hof des St. Christoph-Hauses. 187 Das Haus „St. Christoph" wird in Zukunft ein Zentrum der Spiritualität sein, der Ausbildung der Schwestern, ihrer Weiterbildung und auf Grund der wunderschönen Lage als Erholungsstätte für Leib und Seele dienen. Im beständigen Schöpfen aus der Quelle dessen, der das Leben ist, versuchen wir Schwestern vom Guten Hirten, Gottes barmherzige Liebe - auch weiterhin - in unserer heutigen Welt sichtbar und erfahrbar zu machen. 188 Tiroler Volksbildungsheim Grillhof Von Direktor Sieghard Matuella Die Tiroler Tageszeitung vom 19. und vom 20. Oktober 1961 bringt die übliche Mi- schung verschiedenartigster Nachrichten. Wir lesen dort u.a.: ,,70 cm Neuschnee auf dem Hahnenkamm nach 7 Wochen Altweibersommer". Es gab offensichtlich noch kein Waldsterben, dafür aber einen Bericht über die ,,Geheimnisse des Ulmensterbens". Aus der Weltpolitik erfahren wir, daß,,Nach dem Flugzeugabsturz von Dag Ham- marskjöld U Thant Generalsekretär der Vereinten Nationen" wird. Doch auch der übliche Tratsch ist zu finden, wenn es etwa heißt:,,Prinz Philipp, der bisher in Indien Tiger jagte, vertauscht jetzt das Gewehr mit dem Fernglas und beobach- tet Vögel" oder,,Stadt Paris gibt Kaiserball für den Schah von Persien; Farah Diba trug ein goldsilbernes Kleid und Diamanten im Haar". Aus der österreichischen Politik ist eine bedeutsame Stellungnahme des Staatssekretärs Dr. Ludwig Steiner zur EWG Assoziierung und über Südtirol unter folgender Über- schrift zu lesen:,,Teilnahme an einem großen Markt kann nie Neutralitätsverletzung sein." Auch andere Überschriften könnten heute nach 31 Jahren noch bestehen: ,,Die Österrei- cher sparen wieder",,,Gewerkschaft bleibt bei gefährlicher Lohnpolitik",,,FPÖ für Erneuerung der politischen Moral". Auch eine Nachricht aus Südtirol scheint zeitlos: ,,In den Reihen der SVP herrscht wieder Einigkeit“. Aus unserem Bundesland wird ausführlich über die bevorstehenden Landtagswahlen vom 22. Oktober berichtet, bei denen die ÖVP als sicherer Sieger erwartet wird. ..Die Stadt Kufstein beschloß einen Beitrag von S 100.000,- für die Felbertauernstraße" und,,Chefredakteur Dr. Manfred Nayer wird zur Zahlung von S 1.000,- verurteilt", weil er die Bundesminister Graf und Dr. Kreisky dem öffentlichen Spott ausgesetzt hat (es ging damals um die Entsendung österreichischer Truppen in den Kongo). Eine Überschrift findet natürlich unser ganz spezielles Interesse: ,,Festliche Weihe des Volksbildungsheimes Grillhof** Das Heim soll Bildung im edelsten Sinn vermitteln 189 Der Landeshauptmann über die Sendung dieser vorbildlichen Bildungsstätte Die gesamte Prominenz des Landes war gestern in Vill versammelt, um der festlichen Weihe des neuen Tiroler Volksbildungsheimes,,Grillhof beizuwohnen. Vor dem Neu- bau begrüßte die Musikkapelle Igls-Vill die vielen Ehrengäste mit flotten Märschen. Bischof DDr. Paulus Rusch nahm die kirchliche Weihe des schmucken Hauses vor und zelebrierte einen Gemeinschaftsgottesdienst, zu dem ein Theologenchor sang. Beim Festakt, dem ein Bläserquintett der Lehrerbildungsanstalt den musikalischen Rahmen gab, hieß für den Bauherrn Hofrat Dipl.-Ing. Weingartner die Gäste willkommen, an ihrer Spitze den Bischof, den Landeshauptmann Dr. Tschiggfrey mit seinem Stellvertre- ter Dr. Kunst, den Landtagspräsidenten Komm.-Rat Obermoser, mehrere Mitglieder der Landesregierung und Bürgermeister DDr. Lugger. Er verwies darauf, daß bei diesem Bau das bescheidene Maßhalten bestimmend gewesen sei, eine Haltung, die auch künftig allen Besuchern dieses Bildungsheimes eigen sein möge. Landeshauptmann Dr. Tschiggfrey verwies darauf, daß er am Hohen-Frauen-Tag des Jahres 1959 mit der Verkündung der Landesgedächtnisstiftung den festen Willen des Landes kundgetan habe, der Ausbildung der Jugend besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Mit der Errichtung dieses Volksbildungsheimes habe das Land Tirol gerade in dieser Hinsicht wieder einen Schritt nach vorwärts getan. Das Volksbildungsheim,,Grillhof" greife mit seiner Zweckbestimmung über die engere Schul- und Fachausbildung hinaus. Es soll Bildung im edelsten Sinne vermitteln, somit über das reine Leistungs- und Fachwissen hinaus den Blick schärfen für die Zusammen- hänge und den Sinn des irdischen Daseins, für die Aufgaben des Menschen auf dieser Erde oder mit anderen Worten: es soll dem jungen Menschen helfen, das Weltbild zu formen. Eines stehe allerdings fest: Diese Bildung läßt sich nicht so leicht in klingende Münze umwechseln wie das in einer Werkstätte, im Geschäft oder im Büro verwertbare Wissen. Aber es sei deshalb nicht weniger notwendig, weil der Mensch sich ein eigenes Urteil über falsch oder richtig, über gut oder böse in der Politik, in der Wirtschaft, in sozialen Fragen usw. bilden müsse. Ein in der Mehrheit ungebildetes oder halb gebildetes Volk verfalle erfahrungsgemäß früher oder später diktatorischen Staatssystemen, es sei nicht reif für die Demokratie. Es ergebe sich somit eine einfache Erkenntnis: Ohne allgemeine Volksbildung gibt es keine echte Demokratie; denn die Mitwirkung des Volkes an politischen und wirtschaft- lichen Entscheidungen setzt ein gewisses Bildungsniveau und eine gewisse Fähigkeit, die Zusammenhänge des politischen und wirtschaftlichen Geschehens zu begreifen, zwin- gend voraus. Der Landeshauptmann, sprach dann allen, die sich um den,,Grillhof** verdient gemacht 190 LEE Das Tiroler Volksbildungsheim Grillhof - Luftaufnahme. 191 161 haben, seinen besonderen Dank aus. Vor allem jenen, die durch die Gewährung von finanziellen Beiträgen die Verwirklichung dieses Bauvorhabens ermöglichten, insbeson- dere dem Bischof und dem Unterrichtsminister. Auch dem Jugendrotkreuz dankte der Landeshauptmann für die Beistellung des ansehnlichen Grundstückes. Heimleiter Weber dankte allen, die dieses schöne Heim der Jugend gegeben haben. Das Haus soll fürderhin eine Stätte des offenen Gesprächs, der Begegnung und Verständi- gung sein. Die Landeshymne beschloß den offiziellen Festakt, dem sich die eingehende Besichtigung des einfachen, aber geschmackvoll eingerichteten Hauses anschloß. Das Heim wird nach seiner völligen Fertigstellung 75 Jugendliche im Internatsbetrieb auf- nehmen können. Es sollen Kurse von vier Wochen Dauer, Seminare, Wochenendtagun- gen und größere Tagungen durchgeführt werden, die alle dem Ziele dienen sollen, das der Landeshauptmann in seiner Rede umrissen hat. Wie ist es zu dieser Idee, zu diesem Haus, dem Tiroler Volksbildungsheim Grillhof gekommen? Schon die Vorgeschichte des Grillhofes ist für jeden heimatkundlich Interessierten überaus spannend. Landesarchivar Dr. Fritz Steinegger beschreibt sie in einem Artikel der Grillhofschriften mit dem Titel,,Von der landesfürstlichen Vogelhütte zum Volksbildungsheim Grillhof". Erlauben Sie mir sozusagen im Eilzugstempo durch die Jahrhunderte zu fahren und diese Geschichte nachzuerzählen: Das Gebiet um den Paschberg war bevorzugtes landesfürstliches Jagdgebiet und diente insbesondere auch der Vogeljagd. 1494 erbaut der landesfürstliche Vogler Sigmund Grill den Grillhof. Der Name kommt von der Grille oder vom volkstümlichen Ausdruck für den Schrei des Vogelwildes - Grellen oder Grillen, wie Prof. Finsterwalder meint. Der Grillhof war also von Anbeginn bis 1738 ärarischer Besitz, dann Besitz des Stiftes Wilten, mit verschiedenen Pächtern, von denen das Geschlecht der Kössler zu Vill von 1614 bis 1838 am längsten nachweisbar ist. 1840 erfolgt der Verkauf an die Familien Paulmichl und Tschurtschenthaler. Ab 1848 ist Johann Tschurtschenthaler Alleinbesitzer. Sein Nachfahre Dr. Alfred von Tschur- tschenthaler stirbt 1931 ohne direkte Nachkommen. Er vermacht den Grillhof in seinem ersten Testament dem Roten Kreuz, ändert dies aber später und widmet den Grillhof ohne genauere Angaben für ein Jugendheim,,zur charakterlichen und sittlichen Erzie- hung der heranwachsenden Jugend". Nach 1945 (vorher erhob die Hitlerjugend als einzige erlaubte Jugendorganisation An- sprüche auf den Grillhof) interessierten sich die Apostolische Administratur und die sozia- listische Partei für das Anwesen. 1947 wird Kammeramtsdirektor Dr. Lechner zum Kura- tor bestellt. In weiterer Folge bemühen sich der Tiroler Kriegsopferverband um ein 192 Während eines Rot-Kreuz-Kurses - Pause im Hof. Foto: Martin Weber 193 Erholungsheim für Kriegswaisen und ab 1952 das Rote Kreuz um die Errichtung eines internationalen Jugendrotkreuz-Zentrums. Beide Pläne scheitern an der Finanzierung. Schließlich legt 1958 Ing. Hermann Weber, damals Leiter des bäuerlichen Schulungshei- mes Reichenau, den Plan eines Bildungshauses vor und im Gedenkjahr 1809 - 1959 erfolgt der einstimmige Beschluß des Tiroler Landtages zur Errichtung des Volksbil- dungsheimes. Am 19. Oktober erfolgte die Einweihung. Was ist nun in den 31 Jahren des Bestehens aus dieser Idee und aus diesem Haus geworden? Zahlen sind nicht unbedingt kennzeichnend für die Qualität der Bildungsangebote und der Bildungsarbeit. Sie sollen aber doch den Umfang der geleisteten Arbeit aufzeigen. Die Zahl der Veranstaltungen betrug im Jahr 1962 106 und stieg kontinuierlich. 1991 waren es 276 und auch für das Jahr 1992 ist mit einer ähnlichen Zahl zu rechnen. Insgesamt wurden von 1962 bis 1991 4.772 Veranstaltungen durchgeführt. Auch die Zahl der Teilnehmer ist im selben Umfang gestiegen. Waren es 1962 noch 3.494, so hat sich diese Zahl bis 1991 mehr als verdoppelt und liegt nunmehr bei 7.772 Teilnehmern im Jahr. Für den Zeitraum von 1962 bis 1991 ergibt dies die stolze Zahl von 159.197 Teilnehmern. Jährlich angebotene Veranstaltungen sind u.a.: Volksbildungskurse für junge Erwachsene (Bildungskurse im Blocksystem), Gemeinde- verwaltungsseminare (Grund- und Aufbaukurse für Gemeindebedienstete), Verwal- tungsakademie (Seminarreihe für Beamte der Länder Salzburg und Tirol), Musische Wochen (Chorleiter, Kapellmeister, Instruktoren, Laienspiele, Schulspiel), Begegnungen zeitgenössischer Künstler (Bildhauer und Maler),,,Grüne Woche" (Seminar für Forst- warte, Förster und Forstakademiker), Bildungswochen für Bäuerinnen und Landfrauen, Seminare für Privatzimmervermieter und Fremdenverkehrsverbände, betriebswirt- schaftliche und betriebskundliche Seminare, Grund- und Aufbaukurse für Angestellte wirtschaftlicher Unternehmen (Banken und Genossenschaften), Sanitätshelferkurse und Erste Hilfe Kurse des Österreichischen Roten Kreuzes. Bevorzugte Zielgruppen für die Veranstaltungen des Volksbildungsheimes sind: Junge Erwachsene aus allen Bevölkerungsschichten des Bundeslandes Tirol und von Südtirol, Führungskräfte aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschschaft und Kunst, Angestellte und Beamte des Landes Tirol und der Tiroler Gemeinden, Funktio- näre und Bedienstete öffentlich-rechtlicher Körperschaften und Wirtschaftsunterneh- men, haupt- und nebenberufliche Leiter und Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung und in der Jugendarbeit, sowie Lehrer und Schulleiter. Ziel aller Aktivitäten und Bestrebungen des Volksbildungsheimes ist die Erweckung und 194 4 Feldmesse zum 30-Jahr-Jubiläum des Landesvolksbildungsheimes Grillhof 1961-1991, zelebriert von Hochw. Herrn Magnus Roth O.Praem. Foto: Martin Weber 195 Befähigung der Teilnehmer zu personaler und sozialer Verantwortung in Familie, Beruf, Gesellschaft und Gemeinde. Bildung als bewußte geistige Auseinandersetzung mit Lebensproblemen im Hinblick auf verantwortliches Handeln hat zur Folge, daß Inhalte aller Wissensgebiete und Lebensbe- reiche abgehandelt bzw. eingeübt werden, soweit sie den persönlichen Bedürfnissen der Teilnehmer und den sachlichen Forderungen der Veranstalter entsprechen. Diesen Zielen zufolge liegen die Schwerpunkte der Bildungsangebote in persönlichen, berufli- chen, gesellschaftlichen und politischen Bereichen. Zur Durchführung der Veranstaltungen stehen folgende Räume zur Verfügung: 3 Lehrsäle und 1 Clubraum mit audio-visueller Ausstattung, 4 Gesprächsräume, 2 Werkräume, Theatersaal, Bibliothek, Hallenbad und Sportplatz. Der Unterbringung und der Verpflegung der Kursteilnehmer dienen 26 Einzel- und 18 Doppelbettzimmer, alle mit kleiner Bibliothek, Radio, Telefon, Dusche und WC ausge- stattet, 1 moderne Küche, Speisesaal und Speisezimmer, sowie ein Buffet. Besonderes Augenmerk wurde auf die künstlerische Ausstattung des Hauses gerichtet. Für die Hauskapelle schuf Josef Staud den Altar, eine Marienplastik und die Glasfen- ster. Die Krippe stammt von Rudolf Millonig. Das große Mosaik in der Eingangshalle aus dem Jahre 1961 ist ein Werk von Norbert Strolz. Das Wandbild im Speisesaal wurde 1988 von Elmar Kopp geschaffen. In allen Zimmern und in den Gängen hängen Bilder zeitgenössischer Tiroler Künstler. Eine Galerie am Grillhof" bietet Künstlern der Alpenregion Ausstellungsmöglichkeit und den Kursteilnehmern die Begegnung mit originalen Kunstwerken. Wie zeigt sich das Bild des Tiroler Volksbildungsheimes Grillhof nach 31 Jahren? Hier sei ein profunder und kritischer Freund und Kenner des Grillhofes zitiert, der Nestor der Deutschen Erwachsenenbildung, Univ.-Prof. DDr. Franz Pöggeler von der Hochschule für Pädagogik in Trier und Aachen. Er schreibt im Geleitwort zur Dissertation von Dr. Thomas Weber: Das Tiroler Volksbildungsheim Grillhof arbeitet bereits im vierten Jahrzehnt und gilt inzwischen als eine der erfolgreichsten und bekanntesten Heimvolkshochschulen in Österreich wie auch in Europa, - Grund genug, drei Jahrzehnte kritisch zu bilanzieren und den Eigengeist dieser Bildungsstätte zu charakterisieren. Der Grillhof entstand nicht wie manche andere neue Heimvolkshochschule in den ersten Nachkriegsjahren, sondern wurde erst ab 1960 geplant, also zu einer Zeit, als den Experten die typischen Mängel und Irrtümer bekannt waren, die stets mit Gründerjah- ren nach einem politischen Umbruch verbunden sind. Als Planer sorgte Hermann Weber mit viel Umsicht dafür, daß die gute Tradition österreichischer Heimvolkshochschulen 196 C C GRILLHOF 1961-1991- muitdenken- mitreden-mitgestaltru-wi 30 Jahre Landesvolksbildungsheim Grillhof - Landeshauptmann Dr. Alois Partl bei der Festansprache. Foto: Martin Weber 197 berücksichtigt, wie auch Anregungen aus dem Ausland (vor allem aus Dänemark, der Schweiz und Deutschland) in die Grillhof-Konzeption aufgenommen wurden. Aber auch während der dreißig Jahre, in denen Hermann Weber den Grillhof leitete, orientier- te er sich kontinuierlich über Entwicklungen und Veränderungen der Heimvolkshoch- schulen in Europa. Die dabei geknüpften Kontakte stimulierten viele Experten der Erwachsenenbildung von nah und fern, den Grillhof immer wieder zu besuchen, um dort zu lernen, wie eine Heimvolkshochschule mit seismographischer Präzision auf den Wandel in Gesellschaft und Politik, Wirtschaft und Kultur reagieren kann, und zwar sowohl in Hinsicht auf die Themen als auch die Methoden ihrer Veranstaltungen. Kurzum: Der Grillhof wird längst als ein Modell für zeitgerechte Volksbildung aner- kannt und hat sich sein Profil nicht durch modische Trends entstellen lassen. Bei aller nationalen und internationalen Bedeutung ist das Tiroler Volksbildungsheim dennoch ein Tiroler Eigengewächs geblieben, zugleich ein Beweisstück dafür, daß es ein überre- gionales Selbstverständnis von Aufgabe und Struktur einer Heimvolkshochschule gibt. Da die Teilnahme an der Weiterbildung freiwillig ist, muß sich eine Bildungsstätte wie der Grillhof immer wieder um Gewinnung einer neuen Klientel bemühen, und das gelingt nur dann, wenn die Probleme und Erwartungen der Bevölkerungsgruppen, die man gewinnen möchte, präzise bei der inhaltlichen Planung beachtet werden. Der Grillhof hat sich seither so exakt an den Problemen der Tiroler Lebenswelt orientiert, daß von hier aus Impulse zur Innovation ins Land zurückströmen konnten. Auf diese Weise ist das Tiroler Volksbildungsheim ein wichtiger politischer Faktor im Lande Tirol geworden, eine Art Denkfabrik für das ganze Land. Geben und Nehmen sind im Verhältnis Tirols zu seinem staatlichen Volksbildungsheim also wechselseitig. Die vorliegende Arbeit schafft Verständnis dafür, daß der Grillhof sich stets auf be- stimmte konkrete Praxisbezüge und damit auch Veranstaltungsformen konzentriert hat und nie den Ehrgeiz hatte, die Besucherzahlen durch Aufnahme von zu vielen Gastta- gungen in die Höhe schnellen zu lassen. Die Grillhof-Kurse leisten praktische Lebenshil- fe und ergänzen dadurch Einrichtungen der allgemeinen wie der beruflichen Bildung. Die Dissertation von Thomas Weber bietet jedem Interessenten die Chance, sich von dem, was auf dem Grillhof geschieht, ein klares Bild zu machen. Sodann animiert es zu einem Vergleich mit ähnlichen Bildungsstätten und beschreibt wichtige Entwicklungs- tendenzen der Heimvolkshochschulen. Für die politischen und gesellschaftlichen Institu- tionen, die für die Trägerschaft des Tiroler Volksbildungsheimes verantwortlich sind, ist die Untersuchung ein sachlicher Leistungsnachweis dafür, daß es sich lohnt, auch in Zukunft für den Grillhof großzügig zu sorgen. Dem Lande Tirol gereicht das Tiroler Volksbildungsheim zur Ehre. 198 Die Schützenkompanie Igls-Vill Von Anton Grauss Obwohl bis zum Jahre 1942 eigene Gemeinden, haben sich zwischen Vill und Igls wahrscheinlich auf Grund der geringen Einwohnerzahl verschiedene Gemeinschaften gebildet. So bestand immer schon - vielleicht ganz kurze Perioden ausgenommen - als Gemeinschaft die Musikkapelle Igls-Vill. Auch wurden die beiden Gemeinden von einem Pfarrer betreut, obwohl es in Vill und Igls Pfarrkirchen mit eigenem Wirkungskreis gibt. Auch besteht die Gemeinschaft im Bereich der Volksschule Igls-Vill. Ebenso sind die Schützen unter der Bezeichnung,,Schützenkompanie Igls-Vill" vereint. Man kann des- halb nur die Anzahl der Viller und der Igler Schützen getrennt anführen, wobei man zum Ergebnis kommt, daß die Anzahl der Viller Schützen ungefähr ein Drittel, und die Anzahl der Igler Schützen zwei Drittel beträgt. Dies deckt sich auch mit der Anzahl der Bewohner dieser Gebiete. Interessanterweise gibt es aber eine Viller Fahne, welche bei Ausrückungen in Vill vom Viller Fähnrich, und eine Igler Fahne, die vom Igler Fähnrich für Igls getragen wird. Auch die Führung (Kommandantschaft) entspricht ungefähr diesem Verhältnis, wobei man aber doch feststellen kann, daß auch Viller Kameraden den Hauptmann gestellt haben. So war z. B. der,,Viller" Josef Wopfner über acht Jahre lang Hauptmann der Schützenkompanie Igls-Vill und sogar drei Jahre lang Bataillons- kommandant des Bataillons Innsbruck. Der berühmteste Hauptmann unserer Kompa- nie war Paul Hilber aus Igls, der die Viller und Igler Schützen erfolgreich in die Kämpfe von 1809 geführt hat. Ihm zu Ehren wurde die Hauptstraße in Igls als ,,Hilberstraße" bezeichnet. Da Vill und Igls dem Landgericht Sonnenburg - die namengebende Gerichts- burg erhob sich bei der heutigen Sillbrücke 2 der Brennerautobahn - angehört haben, hatten die wehrfähigen Männer der beiden ehemaligen Dorfgemeinden ursprünglich mit dem Aufgebot dieses Landgerichtes auszurücken; die verfassungsmäßige Grundlage dafür bildete das sogenannte Tiroler Landlibell Kaiser Maximilians I. von 1511. Im Rahmen des Sonnenburger Aufgebotes kämpften die Viller und Igler auch im Jahre 1797 bei Spinges. Im ersten Weltkrieg haben Teile der Schützenkompanie Igls-Vill geschlossen an den Abwehrkämpfen gegen Italien teilgenommen. Der 2. Weltkrieg brachte durch zahlreiche Einrückungen und Verluste de facto die Auflösung der Kompanie, doch fanden sich nach Kriegsende wieder Männer, welche ihren neuerlichen Aufbau betrieben: So Schüt- zenhauptmann Josef Eller, der über 50 Jahre unserer Kompanie angehörte, und sein ,,Schreiber Hannes Hundegger. Diese beiden Männer brachten es zustande, daß bereits 199 Musik und Schützen von Vill und Igls bei einer Fronleichnamsprozession um 1900. Die Musik trägt bereits die rote Wipptaler Tracht. Alte Photographie von Karl Schlögl 200 Die Schützenkompanie Igls-Vill - heute. 201 Alte Schießscheiben am Hausgiebel beim Schlaucher (Viller Dorfstraße 11). Fotos: M. Hye-Weinhart zur Fronleichnamsprozession 1945 in Vill die Schützenkompanie Igls-Vill als einzige im Mittelgebirge wieder ausrücken konnte. 1958 verunglückte der,,Eller-Vater", wie er von seinen Schützen liebevoll genannt wurde. Nach seinem Tode wurde Josef Wopfner zum Schützenhaupmann gewählt, der diese Funktion bis zum Jahre 1966 inne hatte, und der auf ein strammes Auftreten besonders Wert legte. Ander Groissmayr, Hauptmann von 1966-1972, war der bescheidene und gütige Hauptmann, der viel Zeit und Geld für seine Schützen aufbrachte. Er wurde nach seinem Ausscheiden zum Ehrenhauptmann ge- wählt. Seine Frau war Fahnenpatin der Jungschützen, welche in diesem Zeitraum von Hannes Hundegger gegründet wurden. Unser,,Hannes" glänzte vor Stolz, als er mit 20 Jungschützen und einer neuen Jungschützenfahne ausrücken konnte. Dann führte Karl Wieser über 12 Jahre lang die Kompanie an. Er mußte leider aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten. Auch er wurde auf Grund seiner großen Verdienste zum Ehren- hauptmann gewählt. Er war es, der veranlaßte, daß die so wertvollen Schützenfahnen (Viller Fahne von 1888 und Igler Fahne von 1894) neu restauriert wurden und daß die Schützen bei den örtlichen Prozessionen auch beim Gottesdienst in der Kirche anwesend sind. 202 Von den Landsturm-Schützen welche die Gemeinde Will stellte fielen in den held enmütigen Kämpfen der Tiroler für Gott Kaiser und Baterland: Thomas Farmacher am 2. April 1797; Johann Leiß am 27. april 1797; Simion Hilber am 1.November 1809; R. I. P Errichtet im Jahre 1914. Gedenktafel für die in den Tiroler Freiheitskriegen 1796/97 bis 1809 gefallenen Viller Schützen an der St. Martinskirche in Vill, errichtet 1914. Foto: M. Hye-Weinhart 203 Zu erwähnen sei noch, daß sich im Besitz unserer Kompanie auch eine historische Fahne (die einzig vorhandene im ganzen Mittelgebirge) befindet. Anschließend wurde Raimund Schwarz Schützenhauptmann, welcher diese Funktion noch heute ausübt. Dank seiner Idee und seiner finanziellen Unterstützung wurde die ,,Paul-Hilber-Gedächtnismedaille" geschaffen, welche für besondere Verdienste um die Schützenkompanie Igls-Vill nur an Viller und Igler Schützen verliehen wird. Abschließend kann festgestellt werden, daß sich im Schützenwesen so manches geändert hat. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges haben die Schützen noch immer im Sinne des Landlibells von 1511 die Verteidigung der Heimat innegehabt. Heute sind wir Hüter religiöser und kultureller Werte. Die Treue zu Gott beweisen Schützen immer wieder durch das Mitwirken bei den Prozessionen und durch Abhaltung einer hl. Messe bei jedem Schützenfest. In Vill rückt eine Fahnenabordnung zum Kirchenpatrozinium (Hl. Martin) aus. Ebenso vertreten sind wir bei anderen kirchlichen Anlässen, wie Firmung, Kriegergedenken usw. Aber auch auf kulturellem Gebiet sind wir tätig. Viller und Igler Schützen haben bei der Restaurierung der ,,Schweller" Kapelle und des Kriegerdenkma- les von Vill mitgeholfen. Desgleichen haben wir finanzielle Unterstützung geleistet anläßlich der Restaurierung der Heiligwasser-Kapellen. Mitgeholfen haben wir auch bei der Errichtung des Gsetzbichlparkes. Wir glauben auch, daß der Pflege des Tiroler Schützenwesens besondere Bedeutung zukommt. So rücken Viller und Igler Schützen auch zu anderen Festen, wie Bataillonsfest und Alpenregionsfest aus. Wir glauben auch, daß wir für die kulturelle Einheit Tirols das unsrige beitragen, indem wir ein besonderes Nahe-Verhältnis zur Schützenkompanie,,Alte-Pfarre-Naz" in Südtirol haben und daß wir des öfteren zu Schützenfesten in unser Heimatland jenseits des Brenners fahren. Wir Schützen wissen genau, daß die Treue zu Gott in manchem von uns nachgelassen hat, daß wir den Schutz von Heimat und Vaterland nicht mehr garantieren können, glauben aber doch, durch die Pflege des Tiroler Schützenbrauches das Gewissen der Bevölkerung wachrütteln zu können, damit das Gute im Menschen immer mehr zum Tragen kommt. 204 Das seit 1988 im Tiroler Höfemuseum stehende Viller Schießstandsgebäude noch an seinem alten Standort. Foto: F.-H. Hye 205 L St. Martins-Bildstock beim nordseitigen Friedhofseingang mit kupfernen Gedenktafeln für die Gefallenen beider Weltkriege aus Vill. Foto: G. Beinsteiner-Krall 206 Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Vill Der Urspung der Freiwilligen Feuerwehr Vill geht auf die sogenannte Windwache zurück, die in Vill wie in vielen anderen Orten Tirols schon ab dem 14. Jahrhundert ihren Dienst tat. In der Zeit um 1880, so die Überlieferung, bestand bereits eine organisierte freiwillige Truppe Männer unter Martin Schmid, die ohne Uniform und besondere Ausrüstung eine Art Selbsthilfegemeinschaft bildeten und auch Feuerbekämpfung betrieben. 1904 wurde die Freiwillige Feuerwehr Vill dann offiziell gegründet. Die Gründer waren: Johann Schmied, Josef Eisendle, Josef Span, Alois Hofer und Franz Stöckl. Besondere Initiative entwickelte Dr. Hugo Tschurtschenthaler, Rechtsan- walt, Besitzer des Grillhofes und des Schlaucherhofes, der die meisten finanziellen Beiträge für die Ausrüstung erbrachte. In dieser Zeit war die Feuerwehr im Gemeindehaus, mit Ausfahrt bei der Nordseite des Friedhofes, untergebracht. 1905 Eine 8-Mann-Spritze mit 50 m Schlauch und 2 Messingstrahlrohren von der Firma Grassmayr wurden angeschafft, wieder großteils finanziert von Dr. Hugo und Obermedizinalrat Dr. Alfred Tschurtschenthaler, die auch bald Ehrenmit- glieder der Feuerwehr waren. Auch die große Feuerwehrleiter stammt aus jenen Tagen. In dieser Zeit leistete die Freiw. Feuerwehr Vill (beim Gasthof Stern in Igls) die erste Brandbekämpfung, wobei sie der damalige Hauptmann Johann Schmied vulgo Kapferer nur mühsam aus den Kellern des wohllöblichen Gastho- fes abziehen konnte. 1908 Einsatz beim Brand auf dem Hof des Bauern Garn (Schwemberger Stadel) 1930 Einsatz Brand Hotel Iglerhof (Großbrand) 1932 Die damals selbständige Gemeinde, Bürgermeister Johann Greier beauftragte Johann Pittracher mit Planung und Bauführung für das heutige Gerätehaus. Die Arbeitsleistungen wurden hauptsächlich durch die Feuerwehrmitglieder erbracht. Das Grundstück kauften die Tschurtschenthaler von Franz Stöckel vulgo Mel- cher und schenkten es der Gemeinde, ursprünglich auch zur Verlegung des Kirchsteiges, der durch den Friedhof führte. 207 Vill Alte Handpumpen-Feuerlöschspritze der Gemeinde Vill aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Sepp Hofer 208 Gerätehaus der Ste Seurw Die Freiwillige Feuerwehr Vill im Jahre 1933 mit ihrer ersten (tragbaren) Rosenbauer-Motorspritze und der ebenfalls im Jahre 1933 von der Fahnenpatin Irene v. Eckhel gestifteten Fahne vor dem alten bzw. ersten Freiwilligen-Feuerwehr-Gerätehaus - noch ohne die neue Igler Straße. Foto: Richard Müller 209 1933 1939 Die erste Rosenbauer-Motorspritze wurde angeschafft bereits mit finanziellem Beistand der Landes-Brandschadenversicherung. Die Feuerwehrfahne spendierte die Patin Irene v. Eckhel, ein Fahnenband und Fahnenstange stammen vom Bezirks-Kaminkehrermeister Karl Horneschek. Das erste Auto, ein sogenannter 7-er Steyr, offen mit Spitzkühler, wird von der Feuerwehr in den Dienst genommen. 1947 Brand durch Blitzschlag im Stallgebäude des Grillhofes. Das zweite Auto, ein Fiat mit Vorbaupumpe, wurde eingestellt und leistete gute Dienste. 1953 Unter straffer Führung des Josef Feller übernahm die Wehr das dritte Auto, einen Opel. 1956 Einsatz beim Brand Poltenhütte. 1965 Der 1953 angeschaffte Opel wurde durch einen VW-Bus ersetzt. Besondere Verdienste erwarben sich Josef Feller in 20-jähriger Führung der Freiwilligen Feuerwehr Vill von 1952 bis 1973, und Karl Eichler als Ausbildner und Verbindungsmann der Berufsfeuerwehr zur Einheit 1946 bis 1970. Auch Erwin Witting verdient hier als guter Geist für viele Arbeiten und in seiner Tätigkeit als Vize-Kommandant von 1952 bis 1973, genannt zu werden. Feuerwehrkommandanten seit dem Gründungsjahr 1904 1904-1909 Schmied Johann 1909-1914 Stöckl Franz 1918-1920 Lusch Ferdinand 1920-1927 Rofner Franz 1927-1928 Greier Johann 1928-1934 Hörhager Anton 1934-1938 Rofner Josef 1938-1945 Haid Herbert 1945-1946 Lener Johann 1946-1952 Eisendle Josef 1952-1973 Feller Josef seit 1973 Hofer Andreas jun. 210 Scuerwache 4 KATASTROPHENSCHUTZ T519 Inbetriebnahme des zweiten Gerätehauses im Westteil des ehemaligen Armenhauses der Gemeinde Vill durch den Innsbrucker Bürgermeister Romuald Niescher, 1983. Foto: Erich F. Birbaumer 211 Freiwillige Feuerwehr Vill Mitgliederliste (Stand 5. Jänner 1992) Name Geb.Datum Beruf Frsch. Eintritt Dgrad Funktion Eisendle Johann 11.5.1946 Landwirt 12. 3.1963 HFM Eisendle Johann jun. 26. 3.1969 8.5.1983 OFM Eisendle Josef 23.11.1907 Landwirt 4. 5.1926 a.D. EM Feichtner Alois Ing. 7.9.1952 Feichtner Johann 5. 8.1923 Techniker ABF Landwirt 14. 3.1987 FM 1. 5.1948 HFM a.D. Feichtner Martin 18. 6.1949 Landwirt 1. 1.1969 BI FKDT-Stv Feller Josef 13. 2.1913 Schneider Greier Ludwig Hofer Andrä Hörhager Anton 3. 3.1909 Landwirt 1.1.1935 4.5.1928 HBI a.D. EM OFM a.D. 26. 3.1938 Huber Günther 18. 3.1956 10. 3.1964 Landwirt Koch 22. 3.1953 OBI FKDT 22. 4.1975 15. 3.1980 OFM HFM Koch Robert 25.7.1949 Lener Josef Lener Josef jun. 28. 1.1907 22. 3.1941 Angest. B Landwirt 18.10.1988 PFM Landwirt Lintner Engelb. Matuella Leonh. Peintner Rudolf Profanter Max Dr. Rofner Franz Rofner Franz jun. 9.7.1913 21.3.1975 12.9.1943 29. 1.1942 18.8.1928 Schüler Hausmeister 4.5.1926 OFM 15.11.1971 OFM 4. 5.1952 OFM 25. 9.1991 PFM a.D. a.D. 24. 3.1979 OFM Arzt B 26. 4.1988 FARZT FARZT Landwirt 10. 9.1943 OV KASSIER 9.12.1959 Landwirt 1. 9.1975 OLM ZGKDT Rofner Hermann 1. 9.1969 9. 3.1985 OFM 4. 5.1939 OBM a.D. 4. 5.1939 LM a.D. FÄ Kfz.-Mech. ABF 20. 5.1988 FM Pensionist Arzt Landwirt 1. 5.1948 OLM a.D. EM ABF 25.10.1988 FARZT FARZT 1.6.1960 HLM GRKDT Rofner Martin Schlögl Josef Schlögl Karl Schmid Andreas Schwemberger Max Sepp Norbert Dr. Span Helmut 212 10. 5.1923 19.5.1921 22. 4.1969 4. 8.1918 25. 1.1962 14.6.1945 Angest. Landwirt Name Geb.Datum Beruf Frsch. Eintritt Dgrad Funktion Treichl Christian Weber Alois 19. 2.1968 3. 2.1942 AF Techniker Weber Martin Wegscheider A. 7.11.1960 23. 5.1984 OFM 3.2.1958 OLM 24. 3.1979 OV SCHF Wegscheider M. Ing. 7.9.1928 23.9.1932 Landwirt Agraring. 22. 3.1944 HFM 1. 8.1978 OFM Wegscheider Th. Witting Erwin Wopfner Franz Wopfner Martin Wopfner Rudolf 27.11.1971 16. 3.1911 14. 3.1948 27. 3.1962 7.2.1914 8.5.1986 FM Maurer 1. 4.1948 OBI a.D. EM Landwirt 12. 3.1963 HLM GRKDT 20. 8.1978 OFM Landwirt 4.5.1930 HFM a.D. 213 Gerätehaus der Freim Feuerw. Will Die Freiwillige Feuerwehr Vill 1992. Foto: Sepp Hofer 214 62 Jahre Obst- und Gartenbauverein Igls - Vill Von Obmann Johann Treichl Am 5. Mai 1930 wurde der „,Obst- und Gemüsebauverein Igls-Vill" im Gasthof Stern in Igls gegründet. Für das Entstehen des Vereines setzte sich ganz besonders der damalige Oberlehrer der Volksschule Igls-Vill, Herr Heinrich Witting, ein. Er blieb 36 Jahre lang Obmann und,,Motor" des Vereines. Bei der Gründung unterstützte ihn Herr Fachlehrer Anton Falch, der viele Jahre hindurch lehrreiche Vorträge für die Igler und Viller Bevölkerung gestaltete. Herr Josef Lener sen., auch ein Mann der ersten Stunde, ist dem Verein heute noch sehr gewogen. Der Verein setzte sich folgende Aufgaben: Die Neupflanzung von Obstbäumen Eine zeitgemäße Schädlingsbekämpfung Die Förderung der Bienenzucht Das Organisieren von Fachvorträgen Das Abhalten von Obstbaumschnittkursen Den Ankauf und Betrieb einer eigenen Obstpresse Im Jahre 1937 streckte Herr Rofner, Klammerbauer in Vill, dem Verein S 1.000,- zum Kauf einer Obstpresse vor. Das erste Preẞlokal befand sich in der Villa Maxhof (heute Heid) in Igls. Damals, wie auch heute, stellte diese Presse einen großen Gewinn für den Verein, aber auch für das ganze Mittelgebirge dar ... Naturreiner Apfelsaft aus eigener Erzeugung! Der Verein erlebte Höhen aber auch Tiefen in den vielen Jahren seines Bestehens. Am Beginn der 70er Jahre flaute das Vereinsleben stark ab. Neuer Schwung war also nötig! Dieser kam auch mit dem neuen Obmann, Herrn Ing. Johann Lener. Gleichzeitig führten gute Ernteerträge zu hohen Preßeinnahmen. Es ging wieder aufwärts! Unter der Obmannschaft von Herrn Hans Treichl wurde in Vill ein neues Preẞlokal eingerichtet und die Presse modernisiert. Herr Treichl preẞt alljährlich viele Tonnen von Obst für Vereinsmitglieder und Nicht-Mitglieder aus dem Mittelgebirge. Im Rekord- erntejahr 1990 preßte er z.B. 33 800 kg Äpfel! Heute hält der Verein bei 75 Mitgliedern. Wir hoffen, daß wir noch viele Freunde für den Obst- und Gartenbauverein gewinnen können. Dies müßte sich aber in einer Zeit des immer größer werdenden Natur-Bewußtseins doch verwirklichen lassen! 215 Die Ortsbauernschaft von Vill Von Franz Wopfner Vill ist seit 1942 keine eigene Gemeinde mehr, sondern ein Stadtteil von Innsbruck. Das Dörfchen Vill mit seinen 553 Seelen hat noch eine vorwiegend bäuerliche Struktur. Es gibt auch keine Industriebetriebe und nur sehr wenig Fremdenverkehr. Vill hat auch keinen eigenen Vertreter im Innsbrucker Gemeinderat und deshalb kommt der Ortsbauernschaft und insbesondere dem Ortsbauernrat mit dem Obmann eine erhöhte Bedeutung zu. Die Ortsbauernschaft ist sicher eine der tragenden Säulen des örtlich-kulturellen Lebens von Vill. Der Ortsbauernobmann vertritt natürlich in erster Linie die Interessen der Bauern gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften und Behörden (z. B. Stadtmagi- strat, Landesregierung etc.). Darüberhinaus obliegt es aber auch dem Ortsbauernob- mann, sich in offener, unparteiischer und umsichtiger Weise für alle Bürger von Vill einzusetzen. Dies war in den vergangenen Jahren so und wird hoffenlich auch in Zukunft so sein. Die Äcker und Wiesen von Vill werden in fleißiger und gewissenhafter Weise von den zehn Vollerwerbs- und fünf Nebenerwerbsbauern gepflegt. Die Wohnqualität in Vill ist sehr hoch. Das Gebiet um das Viller Moor ist auch ein anerkanntes und beliebtes Erholungsgebiet für die Innsbrucker Bevölkerung. Auf Viller Gemeindegebiet befinden sich aber auch einige Dinge, die die Lebensqualität in negativer Weise beeinflussen. So z. B. der größte Müllplatz Tirols, das Ahrntal, die Autobahn, die Südumfahrung von Innsbruck der ÖBB, die Tiroler Ferngasleitung und zwei Überland-Stromleitungen der TIWAG. Die Ortsbauernschaft von Vill ist bemüht, die Probleme, die durch die vorhin genannten Belastungen entstehen, in Zusammenarbeit mit den übrigen Vereinen und Körperschaf- ten zum Wohle der Viller Bevölkerung zu lösen. Die Zielsetzung der Ortsbauernschaft von Vill besteht wohl darin, daß das bäuerliche Gedanken- und Kulturgut für unser Dorf und für zukünftige Generationen trotz Stadt- nähe erhalten werden kann, und daß in gegenseitiger Achtung, auch jenen Menschen gegenüber, die Vill als ihre zukünftige Heimat erwählt haben, ein Miteinander zum Wohle aller Bürger von Vill möglich ist. 216 Der Ortsbauernrat von Vill, Franz Wopfner Obmann Obmann-Stellvertreter Martin Feichtner Beirat Franz Rofner Beirat Josef Lener jun. Zum erweiterten Ortsbauernrat gehören noch: Ortsbäuerin Rosl Eisendle Ortsleiterin Ulli Feichtner Jungbauernobmann Alexander Weber Vertreter der bäuerl. Rentner und Pensionisten Josef Lener sen. Vertreter der nichtbäuerl. Berufe Ing. Max Wegscheider Die Obmänner und Stellvertreter des Ortsbauernrates von Vill seit 1948: Ludwig Greier 1948 OBO 1954 OBO Josef Lener 1960 OBO Josef Lener OBOSt. Ludwig Greier 1966 OBO Josef Lener OBOSt. Ludwig Greier 1972 OBO Josef Lener OBSt. Franz Rofner 1978 OBO Franz Rofner OBSt. Alfred Wegscheider 1984 OBO Franz Rofner OBSt. Alfred Wegscheider 1990 OBO Franz Wopfner OBSt. Martin Feichtner 217 INDEX zusammengestellt von Josefine Justic Aachen 196 Abenthung Josef, vulgo Nocker 17, 114 Abruzzen 30 Acquafondata 30 Adria 38 Ahrntal 30, 43, 57, 216 Albert von Görz-Tirol, Graf 62 Aldrans 14 Alessandri Maria 104 Alpen 13. Altenerding 41 Ambras, Herrschaft 73. - Propsteigericht 66 Schloß 68, 75f, 96, 104, 108, 110, 112, 114, 116, 164 Amiens 140 Ampass 27 Amras 50, 52 Andechs, Grafen von Angerer Ursula 87 Angers 183 Aniser Claudius 171 62 Baumann Johann 112 Bayern 13, 27, 70, 167 Beinsteiner-Krall Gertrud 125 Beseno 94 Birgitz 25, 28f, 34 Bitterich Alois 80 Bläsl Gilbert 171. Bregenz (BRIGANTIUM) 13. Brenner 13, 204 Brennerautobahn 199 Bretagne 36 Bretterkeller 59, 63 Breunen 13 Brixen 15, 54 Bruch Augustin 172 Brugger, Bauernbundobmann Bundesbahnen 92f, 123 Bürgerhof 48, 120f Busch Ferdinand 100 Chunrat der Helbling 64 Clarer Agnes 110, 116 Elisabeth 75 Jakob 110, 116 (Klarer) Martin 52, 90 Thoman 96, 110 Apostata Julianus 26 Arch Harwick W. 15, 17,44 Josef 17, 98. Mia, geb. Redlich 17, 99, 163-165 - Villa 73 Armenhaus 48, 108f, 211 Arnold-Öttl Herta 150 14 80 Arzl bei Innsbruck Asamer Hans Auer Nikolaus 154 Augsburg (AUGUSTA VINDELICUM) 13. Axams 57 Bachgangweg 44, 73, 75 Bachmann Hanns Balkan 38 13 Bancher Engelbert 100 - Marianne 100 Batzsteinhütte 70, 84 Bauernhöfemuseum 98 Commodus 26 Coreth Antonia von 65 Ernst von 65 Johann Franz von 65 150 Grafen von 74 Cortina d'Ampezzo Csorna (Ungarn) 169 Dagostin Luise 78 Richard 78 Walter 78 Dänemark 198 Danler Ferdinand Maria 104 Deutsches Reich 104 24 Deutschland 170, 198 Dietrich Dominikus 172 Drusus 13, 26 Dudlhof 73, 105 183 219 Eberl Siard 172 Eckhel (Ekhel) Alice 115 Irene von 115, 209f Rupert von 115 (Ekhel) Wilhelmina Egg Erich 130 Egger Augustin 170 Hanns 96 Herr von 117 Lorenz 100 Egloff Franz Xaver Ehrenbreitstein 14. Eichler Karl 210. Eisendle Johann 212 Johann jun. 212 171 Fieger zu Friedberg, Grafen 87, 117 Finsterwalder Karl 15, 192 Fischersteig 46, 58, 65, 70 Fleimstal 29 Florus 13 115 Flory Joseph 172 Josef 76, 207, 210, 212 Rosl 217 Ellbögen 56, 166 Eller Helene 98 Josef 199, 202 Engadin 34 Enneberg 14 Erl 13 Falch Anton 215 Georg 52 104 Farbmacher Christian Feichtner Alois 176, 212 Johann 116, 212 Maria 116 Martin 212, 217 Ulli 217 Feilegger Amalia 114. Andrä 114 Andreas 102 Johann 98 Josef 98 Feilner-VanPut Claire 80 Feller Frieda 105 Josef 105, 210, 212 Ferdinand I., Kaiser 56 Ferdinand II., Erzherzog 64, 164 Fessler Brigitte 78 Ulrich 78 Feuerwehr Vill 178, 207, 209f, 214 220 Flunger Andreas 172 Föger Stefan 154 Fortmann Pius 172 Fortunatus Venantius 13 Franz Leonhard 32 183 Freigaẞner Benedicta Freising, Familie von 64 Fritzens 25, 32, 34, 38 Fritzner Schale 25, 32, 36f Fronleichnamsprozession 160, 168, 177, 200, 202 Fuchshuber Claire 80 Hubert 80 Ganahl Franz 176 Gär (Gar) Simon 98 Gärberbach 57 Garnhof (Goarnhof, Goarmhof) 20, 48, 55, 98, 207 Gaspererhof 48, 110 Gassler Ignaz Gasthaus Stern - Turmbichl Zur Traube Gatt Margarete Otto 100 172 207, 215 100f, 163. 110f, 163 100 Gebhard von Hirschberg, Graf 62 Germanen 14 Geßner August 162 158 Gilgengut 96, 110 Giner, Familie Glasweg 73 Gleirscher Paul 25 Gluirschgut 50 Gluirschhöfe 52, 58f, 62, 65, 68 Goarmbichl 19-21, 33, 43f, 54, 73, 98f Goarmbichl s.a. Kreitbichl Gogl Maria 110 Gollosbach (Gollasbach) 52 Götzens 14, 136 Grassmayr Godefridus 171 Grasweg s. Poltenweg Gratl Anton 45, 85 Grauss Anton 104, 176, 199 Grauß Alois 183 Graẞmayr, Glockengießerei 64, 207 Greier Johann 117, 207, 210 - Ludwig 87, 117, 176, 212, 217 - Maria 117 Gries am Brenner 164 Grill Sigmund 66, 192 Grillhof 43, 52, 65f, 68, 70, 73, 79, 84, 178, 189-192, 194–198, 207, 210 Grillhofstraße 59 Grillhofwaldung 81 Grillhofweg 75, 82f, 85f, 111, 162f, 177, 183, 185 Groissmayr Ander Gschirr Josef 123 Gsetzbichlpark 204 Gugler 112f Guglerhof 48 Haas Norbert 172 202 Häckhl (Hackl) Peter 104 Hafner Leo 172 Haid Anna 110 Herbert 110, 210 Haider Peter W. 20 Halder Klemens 172f, 181 Haller Philipp 154f Handlhof 43, 48, 73, 90f, 160 Handlhofkapelle 160 Handlhofweg 45, 60f, 87-89, 162f Hangender Schrofen 58f, 67, 159 Happ Bernhart 66 Hasslmair Katharina von 92 Hauptmann Martin 172. Hauserle 80 Haus St. Christoph 162, 183, 185, 187f Hauserlehof 73, 163 Häusler 104 Häuslerhof 48 von Görz-Tirol, Graf 64. Helbling von Strazzfried Hans 94 Herzleier Joseph 96 Hilarius von Poitiers 136, 146 Hilber Aloisia Franz 112 Paul 56, 199 100 HI. Antonius von Padua 151, 154 Hl. Augustinus 173, 176 Hl. Bernhard von Clairvaux 142 Hl. Christophorus 162, 164, 183f Hl. Hubert von Lüttich 144 Hl. Isidor 152, 154f Hl. Kornelius 144 Hl. Martin von Tours 136-138, 140f, 145f, 166f Hl. Norbert 142, 151 Hl. Notburga 153f Hl. Sebastian 149, 155 Hl. Servatius 144 Hl. Thomas von Aquin 151 Hochenrainer Christian Hochenrainer-Lehen 66 112 Höck Adrian 172 Hofer Alois 114, 116, 207 Andreas 110, 116 - Andreas jun. 210, 212 Franz 24, 104 Jacob (Jakob) 52, 76, 115 Hofkirche 148, 151 Hojos Maria 80 Rudolf 80 Holler Franz 171 Holzer Christina, geb. Kapferer 108 - Gall 108 Georg 114 Jenewein Sebastian Hölzl Alois - Anna 75 Anton 75 108 94 75 Heiligwasser 167f Heiligwasser-Kapellen 204 Heinrich von Böhmen-Kärnten 44 Franz 75 Georg 75, 96 Johann 75 - Josef 75 221 Martin 75 Sebastian 75, 90f Hopfner Peter 150f, 156 Horaz 13 Hörhager Anna 100, 112 Anton 100, 210, 212 Horneschek Karl 98, 210 Huber Günther Heinz 183 212 Hundegger Hannes 199, 202 Hye Franz-Heinz 43 Igler Hof 207 Straße 20, 54, 64, 82, 94f, 97, 159, 163, 209 Igls 14, 17, 43f, 50, 52, 54, 56, 82, 128, 166-170, 174, 176, 178, 180, 183, 199, 207, 215 Ilg Karl 30 Illyrer 14, 36, 38, 41 Siedlung 20 Innsbruck 17, 43, 46f, 54, 58, 62, 162, 169f, 176, 178, 183 Inntal 13, 17, 32, 34, 50, 130 Italien 36, 199 Jäger Josef 80 - Josefa 80 Sophie 80 Jaufenthaler Georg 94 Jauffentaler Fridericus 171 Jesuitenkolleg 92 Jordan Alois 116 Kapferer (Khapferer) Elisabeth. Christina 108 - Hanns 108 Kapfererhof 48, 116 Kaptalanavis (Ungarn) 169 Katastermappe 1856 47, 70 Kauders Amalie 84 Viktor 84 Kematen 130 Kempten (CAMBODUNUM) Kern-Flora Barbara 222 104 13 166 Kiebachgasse 130 Kiechl Rosina 110, 117 Kinigadner Hermann 84 Kinzner Franz 94. - Johann 94 - Josef 94 Karl 94 Maria, geb. Hörtnagl 94. Kirchebner Franz Xaver 136-140, 150 Josef Anton 136, 138, 140, 150 Kirchmayr Toni 165 Klammer 82, 111 Klammerhof 48, 75 Kleiber Barbara Kleinasien 38 Klieber 151 90 Knipfelberger Stephan 171 Koch Robert 212 Kofler Gertraud 96 Köln 144 Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten 78 Konrath Gottfried Kopp Elmar 196 Kortsch 15 Kösler Georg 104 Kössler Andrä 68 108 172 Familie 68, 70, 192 Hanns 115 Lorenz 112 Maria, geb. Toldt 115 Urban 112 Kössner Aloisia Herbert 108 Köstenbaumer Hermann 84 Maria 84 Kößler Georg Kramsach 20, 56, 98 Kreitbichl 19, 21, 33, 43f, 98 Kreitbichl s.a. Goarmbichl Kremer Joseph 171 Kriegshaber Alice, geb. Eckhel 115 Kropf Ludwig 172 Kunst Karl 190 94 Landauer Helene 98 Landesmuseum Ferdinandeum 32, 44 Lang Anna - Ulrich 66 100 Lans 14, 50, 52, 65, 68, 70, 77, 81, 148, 166 Lanser Köpfe 68 - See 44, 46 Straße 56 - Weg 57, 65 Latsch/Südtirol 169. Lauban (Schlesien) 170. Lech 13 Lechner Franz 192. Heinz 80 Leitner Walter 20 Leiẞ Alois 92 Anton 92 Lenauer Clemens 171. Lener Christoff (Christoph) 52, 115 Hanna 120 Hans 176 Heinz 120 Johann 100, 102, 210, 215 Josef 87, 100, 212 Josef jun. 212, 217 Josef sen. Karl 120 176, 215, 217 Marieluise 102 Petrus 171 Lentze Hans-Hermann 170 Leopoldinischer Steuerkataster 1627 52,64,73 Leopoldstraße 64 Leppich Pater 183 Lienhart 117, 161 Lienharthof 48, 121f Lienz 162 Lilly-von-Sauter-Weg 73, 98f, 101, 163 Lindentaler Franz 172 Lindner (Lintner) Anton 104 Anna 105 Engelbert 100, 212 Johanna 100 Josef 104f Mathilde 104 Lippert 25, 29 Lizzi Adalbert 171 Lodron Paris, Graf zu 65 Lokar (Loker) Anna 78 Lösch Johannes 126 Loter (Lotter) Adam 52, 76, 114 Alois 87 Bartlmee 87, 110, 112, 114-117, 120 Christan (Christian) 76 Fridericus 171 Georg 76, 120 Jacob 87 Johann 114 Joseph 76, 87 Laurenz 124 Martin 114 Matheus (Matthäus) 75f, 94, 114 Paul 87 - Veit 112, 114, 116 Loterhof (Lotherhof, Lotterhof) 48, 113f, 116 Ludwig von Wilten, Propst 59, 62 Lugger Alois 190 Lunkmoos Ferdinand 75. Gisela 75 Lusch Ferdinand 210 Mahler Max 102 Mallknecht Jacob 172 Marburg an der Lahn 23. Maria-Theresianischer Steuerkataster 52, 73 Mariahilf-Gnadenbild 89, 159, 162 Matrei 62 Matuella Leonhard 212 Sieghard 84, 189 Matzgeller Philipp 172 Maximilian I., Kaiser 199 Mayr Andree 104 Mayrpichl 58f Medraz im Stubaital 130 Meinhard von Görz-Tirol, Graf 62, 64 Melaun bei Brixen Melcher 111 38 223 Melcherhof 48, 76 Menghin Osmund 23, 25f, 32, 38 Oswald 23 Meran 144, 169 Meraner Straße 24. Merhart Gero von 23 Merowinger 36 Mesner Maria 148 Mildorfer Michael Ignaz 158 Miltner Franz 24 - 20, 24-26, 28f, 31f, 36 Montesei di Serso 28 Mösl Johanna München 165 102 Mussak Johann d.J. 150 Mutters 14 Natters 14. Nayer Manfred 183. Neues Landhaus 24 Neuner Anton 80 - Ottilie 80 Neustift bei Brixen 150 Nidergatscher Bartholomäus 171 Niescher Romuald 211 Nockerhof 48, 114 Pacassi Nikolaus 148 Pallua Walter 102 Palmprozession 174 Paris 165 Parson Herbert 24 Partl Alois 197 Paschberg 43, 46, 58, 66, 68, 125, 192 Patsch 14, 52, 54, 57, 166 Patscherkofel 43 Paul-Hilber-Gedächtnismedaille 204 Paulmichl Familie 192 Payr Aloysius 171 Peckh Franz 96 Peintner Rudolf 212 Pelletier M. Eufrasia 186 Pennt Georg von 92 Perchtinger Friedrich 59, 62 Perckhammer Peter von 172 Perckhofer (Perkhofer) Agnes, geb. Clarer 110, 116. - Joseph 110, 116 Lorenz 76, 96, 104, 110, 114, 116f, 120 Perger Martin 171 Perghofer Lorenz 52 Perktold Anton 172 Pernloher Gilbert 172 Nockher Oswald - Urban 108 Oberdanner Irene 108 78 Obere Mühle 96f, 110 Oberlechner Roswitha (Hildegard) 162, 183 Obermoser Johann 190 Oberntalweg 73, 100 Oberösterreich 27 Obstbauverein Igls-Vill 178, 215 Ölberg Hermann 13 Olympia-Eisstadion 59 Ortsbauernrat Vill 216f Ortsbauernschaft Vill 178, 216 Österreich 186, 196 Otto I. von Andechs-Meranien 50 Otto von Görz-Tirol, Graf 64 Pesendorffer Hanns 68 Pfaffenmoẞ 57 Pfaffenwarter Hof s. Poltenhütte Pfeiffer Philipp 172 Pflueg Sixt 66 Veit 66, 70 Witwe nach Veit 68 Philadelphy Volkmar 80 Pichler Andree (Andrae) 98, 112, 114 Pinzger Bernhard Pirchl Otto 80 Pitt Johann 105 172 Pittracher Johann 207 Pius XII. Papst 183 Plattner Anna, geb. Pittl 66 - Franz 155 - Johann 65 Plazer Georg 75, 114. 224 Pockh Franz 110 Pöggeler Franz 196 Pöll Luise 120 - Walter 120 Poltenhütte 57-59, 65, 71-74, 77, 104, 164, 210 Poltenweg 43, 57-59, 62, 73, 85, 102, 164 Pradl 65, 77 Prantl Josef 122, 162 Prantner Andree - Stephan 172 96 Praxmarer Ignaz 172 Pregenzer Heinrich 172. Pritzi Edeltrude - Otto 84 84 Profanter Maria 102, 114 - Max 212 - Ursula 180 Pühringer Ewald Karl 172 Pußjäger Matthias 145f, 169 - Norbert 146, 169, 171 Raetien 38 Rainerhof 48, 76, 85, 183 Ramsbach 43f Ranagger Jacob 57 Ranggen 25 Rattenberg 155 Rauch Alois 102 Ravenna 13 Recordin Bernard 171 Franz jun. 212 - Franz sen. 176 - Hermann 212 - Josef 75, 98, 210, 215 - Martin 212 Römer 13, 18, 38 Rotes Kreuz 84, 192, 194 Roth Magnus 172, 195 Rottweil 14 Rūdl Gregorius 171 Rum 15 Rusch Paulus 183, 190 Rußland 32 Säben 42 Sailer Anna 116 Salcher Herbert 183 Salzburg 27, 194 Sanzeno 25, 28, 32, 34, 38 Sanzeno-Schale 34 Schaffter Henricus 171 Schanazar Joachim 171 Scharfetter Helmut 102 80 Schedel Eberhard - Maria 80 Schermer Hans 90f Scherzer Alois 98 Schießstand 54-56, 73, 98, 107, 205 Schindl Vinzenz Schinzel Alfred 172 84 Redlich Oswald 23f Reichenau 194 Reinecke 25 Reinerhof 163 Reinisch Franz 158 Reiterhof (Reitterhof) 45, 48, 52, 87-89, 162 Reitmayr Josef 110 Rembs 68 Remmossweg 104 Reschen 13 Rinn 14, 150 Rinn Josef 150 Robert-Stolz-Weg 73, 105-107 Rofner Franz 66, 210, 212, 217 - Gudrun 84 Schlaucher 115 Schlaucherhof 48, 113, 202, 207 Schlechl Gereon Schlögl Alois 110 - Carl 117 170 Josef 100, 110, 117, 212 Karl 82, 117, 177, 200, 212 Schloß Ambras 68, 75f, 96, 104, 108, 110, 112, 114, 116, 164 Schmid Andreas 212 - Johann 116 - Martin 207 Schmied Johann 207, 210 Schmole Helene 75 225 Schneider Johannes 22, 24 Schnell Dominicus 171 115 123. Scholl Anton Scholz Rudolf Schönweiler Philipp Joseph 172, 176 Schösser Annemarie 94 Georg 94 Theresia 94 Schottland 36 Schreiber Walter Schuler Heinrich Schranzhofer Paul Schuls 34 170f 29 169, 172 Schützenkompanie Alte-Pfarre-Naz 204 Igls-Vill 199–202, 204 Schwaighofer (Schwaichhofer) Thoman 104 Schwaikhofer Hanns 75 Martin 75 - Matheus 75 Schwarz Raimund 204 Schwaykofer Johann 76, 110. Schweiz 18, 198 Schwellenkapelle 204 Schwemberger Jakob 20 Max 56, 98, 176, 212 Familie 24 Schwesser Helene 75 Schwestern vom Guten Hirten 183, 186 Seebichl 43, 54 Seidl Hildegard 84. Seebrünnl 46 Seeweg 108 Senn Erich 84. Sepp Norbert 212 Siber Alois 164 Sistrans Konrad von 44 Sonnenburg 52, 56, 73, 199 Sopron (Ungarn) 169 Sorg Aloisia 76 Span Anna 96 (Spann) Egidius 114 Hedwig 120 Helmut 212 (Spann) Josef 120, 207 Josef, vulgo Bürger 17 Maria 96 Spaur Marian 170 Spinges 199 Spörr Kreszentia 76 St. Bartlmäkirche 126, 169 St. Jakobskirche 170 St. Martin in Passeier 154 St. Martins-Bildstock 206 St. Martinskirche 17, 42f, 50, 64, 73, 98, 124f, 127, 129, 133, 135, 139, 141, 143, 147, 149, 173, 181, 203 Sta. Anna/Kalifornien 169 Staffler Johann Jakob 54. Stams 110 Stans 25, 28 Staud Josef 196 Steger Ludolph 171 Nikolaus 112 Sofie 112 Steinebach beim Ammersee 34 Steinegger Fritz 66, 68, 192 Steixner Gereon Xaver 171f 171 Stickler Marcellin 171 Stigler Willi 24, 165 Siebenbürgen 38 Siebeneich bei Bozen 34. Sieglbauer Felix 22 Sill 15, 43, 52, 57, 62, 126 Sillhöfe 50, 58, 65 Singer Anna Paul 98 114 Sinhof 48, 113, 117-119, 161 Sistrans 14, 150f, 163, 166 226 Stöckel Franz 207 Stocker Marquard 171 Stöckl Augustinus 171 Franz 207, 210 Josef 76 Rosa 76 Stolz Otto 24 Strähl Christian 172 Straßfried 62 Strobl Anna 123 Eva 123 - Josef 123 Strolz Norbert 196 Stufels bei Brixen 28 Südtirol 14, 32, 164, 194, 204 Suitner Andreas 171 - Sebastian 171 Swan Elisabeth 108 Szántó 169 Tamers Simon 104 Tanner Felix 170 Tannheimer Tal 30 Tanzer Ludwig 172 Tarrenz 25 Telfes 25, 34 Tesero 28 Thaler E. 162 Rafael 80, 86, 162-164 Thaur 13, 130f, 148, 158 Theresianische Normalschule Tiberius 13, 26 Tirler Georg 94 Tirol 13f, 167, 176, 194, 198 Tirol, Grafen von 62 Tiroler Landlibell Töchterle Maria 199, 204 117 Told Andree 116f, 120 - Benedict 112 Christan 112 - Georg 116 Gregor 116 - Johann 117 - Josef 117 - Lamprecht 112 - Mathias 52 130 Matthäus (Mattheus) 96, 110, 116f - Rosina, geb. Kiechl 96, 110, 117 (Toldt) Maria 115 Tomasi Helene 75 Toth M. Hedwig 186 Tours 13 Trapp Grafen zu Pisein 76, 94, 115 Oswald, Graf 23 Tratz Erich 100 Ida 100 Treichl Christian 213 Johann 215 Trentino 32 Trient 170 Trier 196 Tschiggfrey Hans 190 Tschurtschenthaler Alfred - Franz 56 - Hugo 115, 207 - Johann 192 - Johann Georg 84 Tulfes 14 192, 207 Turmbichl (Turnbichl") 20, 43, 49, 62, 64, 69, 73 Tusch Anton 116 Umhauser Johann Michael 130f, 148, 150f - Matthias 130 Ungarn 186 Untere Mühle 76, 94f Unterwurzacher Erich 112 Paul 112 Renate 112 Veldidena (Wilten) 18 Vellenberg 62 Venedig 164 Vigilius, Heiliger 18. Vill-Unterberg 123 Villa Maxhof 215 Pirchl 163 Viller Bach 17, 43, 62, 73, 97, 177 - Dorfstraße 47, 49, 108f, 111, 113, 115, 118f, 121f, 161-163, 177, 202 Dorfstraße s. a. Viller Straße - Moor 17, 23, 216 - Moos 48 - Schießstand 98, 107, 205 - See 17f, 23, 28, 42-44, 46, 48, 51, 53, 58, 70 Steig 159 Straße 57, 59, 62, 159 Vinschgau 15 Vögelsberg 14 Voglsperger Elisabeth 98 Maria 98 227 Volders 25, 28, 31f Volksbildungsheim Grillhof 84, 189-192, 194-198 Völs 186 Wagner M. Agnes 183f Waid Leopold 171 Waldauf-Stiftung 114 Josef 80 Wallfahrter Martin 172 Waldner Hildegard 80 Norbert 105 Wiesing 34 Wild Joseph 110 Willvonseder Kurt 23 Wilten 14, 23, 44, 46, 50, 58f, 62, 64, 108, 142, 146, 166-170, 192 - Stift 70 Wiltener Sillbrücke 59, 62 Winkler Rudolf Wirthof 48 163 Wallnöfer Eduard 183. Wattens 13f, 30f, 34 Weber Alexander Alois 213 Amalie 84 217 Hermann 192, 194, 196, 198 Johann 116 Martin 213 Paula 116 Wisfleck Kreszentia 76 Witting Erwin 210, 213 Heinrich 215 Woller Laurentius Wopfner Franz Heinrich 116 171 114, 116, 176, 213, 216f Josef 102, 114, 199, 202 Luise 114 Martin 213 Rudolf 73, 75, 114, 116, 213 Thomas 196, 198 Wegscheider (Weegschaider) Martin 92 - Alfred 90f, 213, 217 Alois 90 Andrä 90 Franz 90 Johann 90 M. 213 Maria, geb. Klarer 90 Martin 90 Max 87, 90, 217 - Th. 213 Weil in Arzheim 14 Weilheim 14 Weingartner Johann 190 Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg, Her- ren von 116 Weiß (Weis) Matthias 75f Welser Philippine 164 Werrner Balthauser 108 Widmann Josef 78, 183 Rudolf sen. Würstl Norbert 176 171 Zenzenhof 43, 48, 57, 62, 65, 73, 92 Zenzensteg 57 Ziegelmayer Gerfried 41 Zierhut Heinrich Zirl 27, 155 183 Wiedner Familie 66 Wien 23, 170 Wieser Anna 105 Karl 202 228