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Stadtarchiv
St/f! Innsbruck
A-2642
Stadtmagistrat Innsbruck
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•---------- ' f ---------------
Stadtarchiv Innsbruck .
A -U42-
Bibliothek
Seite 4
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INNSBRUCK
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und
Ein
t
Wegweiser
für
Einheimische und Fremde.
Zweite, verbesserte und bedeutend vermehrte Auflage.
3mt$brit<f 1848«
Druck und Verlay von Felician Ruuch-
%
Seite 6
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- 9?*'
»
Seite 7
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Inhalt.
Seite
1. Ueberblick der Geschichte von Innsbruck »
II» Geographische, physikalische und statisti
sche Verhältnisse Innsbrucks und seiner
Umgebung »»»»,., 26
1. Allgemeine Ansicht des Innthales und der
Stadt Innsbruck * » » . » 26
2♦ Geographische Lage und Klima ♦ . 33
3. Flächenraum, Eintheilung der Stadt, Häu
serzahl, Bevölkerung . • 38
4. Strassen, Handel und Industrie . 42
5. Behörden .......................................... 48
6. Wohlthätigkeits- und Besserungs-Anstalten 49
7» Bildungs-Anstalten . . * . 57
111* Merkwürdigkeiten der Kunst , 63
Gebäude ♦ 63
I» Oeffentliche(Staats-, ständische und städ
tische) Gebäude .»»..» 64
1) Die kaiserliche Burg . . . 64
2) bis 5) Das Damenstifts-Gebäude, die
Reitschule und die Mauthhalle 70
6) Das Gebäude der tberesianischen Ritter-
Akademie *.................................. 71
7) Das Universitäts-Gebäude 71
8) Das Gymnasial-Gebäude . * 72
9) Das goldene Dächelgebäude . * •. » 73
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IV Inhalt
Seite
10) Das Stadt- uud Landrechtsgebäude . 76
11) Das Ratlihaus mit dem Stadtthurm . 77
12) Die städtische Fleischbank . . . 78
13) Das Civil-Spitalgebäude ... 78
14) Der landschaftliche Palast ... 79
15) Die Infanterie-Kaserne .... 80
16) Das Straf-Arbeitshaus .... 81
II. Kirchen und Klöster .... 81
1. Die Kirche zum heil. Kreuz (Hofhirche,
Franziskanerkirche) .... 82
Merkwürdigkeiten der Kirche . . 83
A. Altäre ...... 83
B. Denkmäler ..... 87
1. Maximilians Grabmal ... 87
2. Die grossem Statuen von Bronze 92
3. Grabmal des Johannes Nasus . 96
4. Die Grabstätte der Katharina von
Loxan.......................................... 97
5. Andreas Hofer’s Grabstätte . . 98
6. Denkmal für die gefallenen Lan-
desvertheidiger .... 101
C. Die silberne Kapelle . . . 104
a) Der Altar ..... 105
b) Das Grabmal Ferdinands . . 105
c) Philippinens Grab . . . 107
d) Die kleinen Standbilder von Bronze 110
2. Die Pfarrkirche zum heil. Jakob . . 113
3. Die Kirche zur heil. Dreifaltigkeit (Je
suiten- oder Universitats - Kirche und
das Jesuiten-Collegium) ... 122
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Inhalt,
V
Seite
4» Die Spitalkirche zum heil* Geist . 134
5. Kirche und Kloster der Serviten . 135
6. Die Kirche und das Kloster der Ursulinen 1-39
7. Die Kirche zum heil. Joh. v. Nepomuk 141
S. Die Kirche zu Mariahilf . . . 144
9. Die Kirche zu St. Nikolaus . . . 146
10. Die Kirche zu Dreiheiligen . . . 147
11. Die Kirche und das Kloster der Kapu
ziner ....... 149
III. Privatgebäude ..... 151
IV. Monumente und Statuen . . . 153
1. Die Triumphpforte .... 153
2. Die St. Anna-Säule . ♦ . . 157
3. Die Statue Erzherzogs Leopold V. zu
Pferde ...... 158
4. Grabmüler ...... 160
ZF. Stifte für Adelige ..... 163
A. Das adelige Dameustift .... 163
B. Die theresianische Bitter-Akademie . 164
*
C. Das bürgerliche Convict . . » 165
F. Vereine zur Beförderung des Nützlichen
und Schönen................................................ 167
A. Der Musikverein . . • . . 167
B. Das Ferdinandeum ..... 168
C. Montanistisch-geognostischer Verein . 175
D. Der landwirtschaftliche Verein . . 176
FZ. Oeffentliehe Unterhaltungsplätze . . 177
A. Gärten und Alleen . . . ... . 177
B. Schlossplätze ...... 180
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VI Inhalt.
Seite
C. Das Casino ...... 181
D. Die Redoute...................................................... 182
E. Das National-Theater .... 183
VII. Umgebungen von Innsbruck . . . 186
A. Benachbarte Ortschaften ...» 187
1. Stadt Hall ...... 187
2. Umliegende Dörfer .... 190
B. Badeörter, Gasthöfe und Landhäuser, wo
Erfrischungen gereicht werden . . 200
C. Schlösser und Ruinen .... 205
1) Das Schloss Amras .... 206
2) Weiherburg ♦ . . ♦ . .214
3) Büchsenhausen ..... 217
4) Lichtenthurn.............................................219
5} Taxburg .......................................................220
6) Ruinen ...... 220
D. Bergparthien und Fernsichten . . . 223
a) Die Wolkenstein-Vogelhütte . » 223
bl Heilig-Wasser.............................................224
c) Der Nock ... ... 225
d) Die Martinswand ..... 225
e) Der Salzberg ..... 228
f) Windeck . . ♦ . . 229
gl Der Patscherkofel .... 230
b) Der grosse Solstein .... 231
i) Andeutung einiger minder anziehenden,
oder weiter entlegener Ausflüge . . 231
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I
Ueberblick der Geschichte
von Innsbruck.
Die erste sichere Spur von dem heuti
gen Innsbruck erscheint im 11. Jahrhunderte.
Damals stand am linken Innufer bereits ein
kleiner Flecken, der sich durch Transito-
Handel schon zu einem Grade von Wohlha
benheit erschwungen hatte. Am rechten Inn
ufer, wo sich gegenwärtig die Stadt mit
den meisten ihrer Vorstädte ausbreitet, stand
eine dem heiligen Jakob geweihte Kapelle,
welche statt angebauter fruchtbarer Gefdde,
nur eine mit Steingeröll besäte und mit Ge-
stripp überwachsene Au umgab, die der Ab
tei zu Wüten £der ehemaligen P/lanzstadt
der Römer, Veldidena} gehörte.
- Dem durch Handel blühend gewordenen
Flecken jenseits des Innflusses ward bald
1
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Grund und Boden zu enge, er bedurfte ei
nes weiteren Raumes, um sich nach Bedürf
nis auszudehnen, und suchte daher bei der
Abtei zu Wüten um die Bewilligung an,
auf dem rechten Innufer zu bauen.
Berthold von Andechs, Markgraf von
Istrien und Herr dieses Marktes, unterstützte
seine Bitte, und so breitete sich der Markt
flecken auch diesseits des Flusses aus (1180).
Eine Brücke verband natürlich die bei
den Ufer, und schöpfte dem ganzen Markte
seinen Namen. Otto I., Herzog von Meran,
umgab Innsbruck mit Gräben, Mauern und
Thürmen, verlieh ihm besondere Rechte und
Freiheiten, und erhob es dadurch zumRange
einer Stadt. Er erbaute sich sogar eine ei
gene Burg (^Ottoburg'), und machte die neue
Stadt zu seiner herzoglichen Residenz (1234).
Otto II. war gegen die junge Stadt eben
so freundlich gesinnt. Am 9. Juni 1239 er-
theilte er ihr einen merkwürdigen Freiheits
brief, der sich im I. Bde. S. 62 von Zoller s
Geschichte dieser Stadt abgedruckt findet.
Das edle Geschlecht der Grafen von
Andechs erlosch jedoch schon im Jahre 1248,
und von diesem ging Innsbruck mit dem
grössten Theile des heutigen Tirols auf die
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3
Grafen von Görz über. Diess kam so:
Otto II. war mit Elisabeth, der jüngern;
Mainhard III., Graf von Görz, mit Adelheid,
der altern Tochter des letzten Grafen von
Tirol, Albrecht III. vermählt. Weil Otto
selbst keine Kinder hatte, so erklärte er
seinen Schwiegervater, Albrecht 111. von
Tirol, zu seinem Erben. Nachdem dieser
am 22. Juli 1253 gestorben war, und seine
Tochter Elisabeth, Otto’s Witwe, in zweiter
Ehe mit Gebhard, Grafen von Hirschberg,
sich vermählt hatte: so theilten nunmehr Al-
brechts Schwiegersöhne am 10. November
1254 das tirolisch-andechsische Erbe. Dem
Grafen Mainhard von Görz fiel der südliche,
dem Grafen Gebhard von Hirschberg der
nördliche Theil sarnmt der Stadt Innsbruck
zu. Gebhard nahm seinen gewöhnlichen
Wohnsitz im Schlosse Thauer, und regierte
seinen Antheil von 1254 bis 1284; in diesem
Jahre aber verkaufte er denselben um 4000
Mark Silber an den Grafen Mainhard von
Görz, so dass nun das Görzische Haus bei
nahe das ganze Land besass.
Die Fürsten von Tirol aus dem Görzi
schen Hause wetteiferten, die aufblühende
1 *
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4
Stadt mit neuen Privilegien und andern Vor-
Zügen zu bereichern.
Innsbruck nahm an Gewerben und Wohl
stand zu, und seine Bevölkerung wuchs in
dem Grade, dass die von Otto gezogenen
Ringmauern die Zahl der Einwohner nicht
inehr zu fassen vermochten.
Es erhob sich ausserhalb derselben,
längs der Strasse nach Wüten, und auf dem
diesem Stifte gehörigen Grunde eine Dop
pelreihe stattlicher Gebäude, welche das An
sehen einer l orsiadt, hatte, und bis auf den
heutigenTag auch so genannt wurde. Main-
liard II. traf daher 1281 mit dem Stifte ei
nen Vergleich, und vereinigte diese neue
Sind/ mit Innsbruck. Diesen raschen Fort
schritten setzte aber plötzlich die im Jahre
1292 ausgebrochene Feuersbrunst ein Ziel,
welche den grössten Theil der Stadt in
Asche legte. Allein der Wohlstand der Be
wohner dieser Stadt war schon zu fest ge
gründet} aus dem Schutte stiegen in kurzer
Zeit neue Wohnungen empor, und um ähn
lichen Verheerungen für die Zukunft vorzu
beugen, liess Mainhard II. den Sillkanal an-
legen, und grösstentheils auf seine eigenen
Kosten ausführen. Aus diesem Kanäle führte
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D
er Wasserleitungen in kleinen offenen Ka
nälen (Ritschen) durch die ganze Stadt,
um heim abermaligen Ausbruche einerFeuers-
brunst das Löschungsmittel gleich bei der
Hand zu haben.
An dem Sill-Kanale entstanden Mühlen,
Schmieden und andere Wasserwerke, wel
che sich nach und nach beträchtlich ver
mehrten , und noch heut zu Tage im Gange
sind. Mainhard II. starb am 1. November
1295. Seine Gemahlin, die sanfte Dulderin
Elisabeth, die Mutter des letzten Hohenstau
fen, des unglücklichen Conradins, hatte ihm
vier hoffnungsvolle Söhne geboren. Man
hätte also erwarten dürfen, dass seinStamm
sich sehr lange erhalten würde; allein drei
seiner Söhne sanken in kurzer Zeit — in
der vollsten Jugendblüthe in das Grab, und
nur der abenteuerliche, gutmüthige Heinrich
blieb am Leben. Innsbruck verdankt die
sem die erste Stiftung des Hospitals, wel
chem er 1329 einen beträchtlichen Fonds
*) Diese offenen Wasserleitungen wären noch in
der neuesten Zeit zu sehen : erst in den Jah
ren 1832 bis 1834 wurdeu sie tiefer gelegt und
zugedeckt.
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6
zuwies; auch erliess er derselben, als sie
1333 abermals durch Feuer verwüstet wur
de, auf 10 Jahre einen Theil der Steuern.
Heinrich starb am 4. April 1335 zu Inns
bruck. Er liess nur eine einzige Tochter,
die berüchtigte Margarethe Munilasch zurück.
Diese wurde noch als Kind 1330 mit Johann
Heinrich von Luxemburg vermählt. Johann
übernahm 1339 die Regierung des Landes;
er ertheilte der Stadt Innsbruck 1340 ein
Privilegium, und erliess ihr durch einen
Gnadenbrief vom 11. Oktober 1340 wegen
des letzten Brandes auf weitere 10 Jahre
alle Steuer?/. Seine Ehe war unfruchtbar
und nicht glücklich; auch konnte er die Zu
neigung des Volkes nicht gewinnen; am
2. November 1341 wurde er aus dem Lande
vertrieben.
Nun wurde Margarethe mit dem edeln
Fürsten, Ludwig von Brandenburg, Herzog
von Baiern, vermählt. Dieser thätige und
brave Fürst führte durch mehr als 19 Jahre
mit Kraft und Würde die Regierung von
1342—1361. Schon im ersten Jahre seiner
Regierung 1341 bestätigte er der Stadt ihre
Privilegien, verschaffte ihr durch einen am
16. November 1358 mit dem Stifte Wüten
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r
geschlossenen Vergleich die völlige Unab
hängigkeit von diesem, und sorgte im Jahre
1355 dadurch für die Sicherheit derselben,
dass er die Stadtmauern und einige Thürme
erhöhen liess. Er starb am 18. September
1361 und hinterliess nur einen einzigen Sohn,
Maiuhard III. Auch dieser bestätigte am
6. Dezember 1361 der Stadt die bisher er
haltenen Privilegien; allein die glänzenden
Hoffnungen, die man sich von einer langen
und glücklichen Regierung Mainhard's mach
te, wurden durch seinen plötzlichen, am
13. Jänner 1363 zu Meran erfolgten Tod
vereitelt. Er zählte kaum 20 Jahre; mit
ihm erlosch der Stamm selbstständiger Be
herrscher von Tirol für immer.
Nach Mainhard’s Tode übernahm seine
Mutter dieRegierung: doch schon am 26. Jän
ner 1363 trat sie Tirol an die Herzoge von
Oesterreich, als ihre nächsten Verwandten,
ab. Auch die Herzoge von Baiern erhoben
Ansprüche auf dieses Land; sie gründeten
dieselben Iheils auf das Erbrecht, theils auf
Verträge. Die Herzoge von Oesterreich
wollten aber ihre Ansprüche um keinen Preis
mehr fahren lassen; desswegen kam es zum
Kriege; doch fanden keirae entscheidende!!
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8
Actionen statt. Zwar drangen die bayri
schen Truppen bis Landeck und Matrei vor
und verheerten das Land: doch hatten ihre
Unternehmungen keinen günstigen Erfolg.
Nach mehreren fruchtlosen Versuchen, den
Frieden wieder herzustellen, kam derselbe
endlich am 29. September 1369 zu Schär
ding zu Stande, in Folge dessen die Her
zoge von Baiern auf Tirol verzichteten, zur
Entschädigung aber eine bedeutende Summe
Geldes erhielten.
Die Städte Innsbruck und Hall erklär
ten sich sogleich für die Sache Oester
reichs; desswegen dankte ihnen auch Her
zog Rudolph in einem Schreiben vom 5. Sep
tember 1363 für den getreuen Beistand, den
sie ihm geleistet. Noch in diesem Jahre be
stätigte er der Stadt Innsbruck ihre alten
Freiheiten und fügte noch neue hinzu; durch
den Freiheitsbrief vom 16. Oktober 1363 be
freite er sie unter andern von der Abgabe
auf Wein u. s. w. Unter den spätem tiro-
lischen Landesfürsten aus dem habsburgi
schen Hause war Friedrich mit der leereti
Titsche der erste, welcher seinen beständi
gen Wohnsitz in Innsbruck aufschlug. Er
erbaute sich auf dem Stadtplatze eine neue
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0
Burg mit einem Erker, welchen ec mit ei
nem vergoldeten Dache zierte Q4‘-i5).
Sein Sohn Sigmund, wegen der unter
seiner Regierung entdeckten Silberberg
werke zu Schwatz der Münzreiche genannt,
verlieh der Stadt das Recht, Wochen- und
Jahrmärkte abzuhalten (A455, 1460}.
Hiedurch gewann der innere Handel;
der Durchfuhrhandel hatte bereits schon eine
blühende Stufe erreicht, und der Sitz der
Landesfürsten zu Innsbruck zog überdiess
noch viele Künstler und Gewerbsleute da
hin. Noch mehr gewann Innsbruck in den
folgenden Jahrzehenten, wo die grössten
Monarchen: Maximilian I., Karl V. und Fer
dinand 1. innerhalb seiner Mauern öfters ihr
Hoflager aufschlugen.
Maximilian, zu dessen Gunsten Sigmund
die Regierung Tirols abgetreten hatte, kam
1489 zum erstenmal nach Innsbruck, und
nahm hier im darauf folgenden Jahre die
Huldigung an. Er errichtete zwei Landes
stellen, das Regiment und die Kammer, wel
che in dieser Stadt ihren Sitz hatten.
Auf einem Landtage zu Innsbruck (_ 1511)
führte er die Zuzugsordnung, das einjähri
ge Landlibell ein, wodurch die von j'edem
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10
Landesviertel im Falle eines feindlichen Ein
falles zu stellende 31annschaft bestimmt
wurde.
lin Jahre 1552 wurde die Hauptstadt
Tirols unvermnthet von sächsischen Truppen
unter dem Churfürsten Moritz von Sachsen
überfallen. Um von Kaiser Karl die Frei
lassung des gefangenen Landgrafen Philipp
von Hessen zu erzwingen, hatten die Sach
sen Augsburg erobert, und waren mit Blitzes
schnelle durch die Ehrenberger-Klause in
Tirol eingefallen. Kaiser Karl und sein
Bruder Ferdinand, welche sich damals beide
zu Innsbruck aufhielten, fanden kaum Zeit,
in grösster Hast, und ungeachtet des stür
mischen Wetters nach Villach zu lliehen.
Kaum waren die Archive und Kostbarkeiten
auf das Schloss Rodeneck in Sicherheit ge
bracht, als die Feinde mit dem Churfürsten
an ihrer Spitze schon vor den Mauern Inns
brucks erschienen. Die feindlichen Truppen
wurden in den Vorstädten einqnartirt, und
in so strenger Mannszucht gehalten, dass
durch sie weder das Eigenthum, noch die
persönliche Sicherheit der Bürger gefährdet
wurde. Kaum hatte jedoch der Churfürst
die Stadt nach einem zweitägigen Aufent
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11
halte verlassen, als sich die schmalkaidi-
schen Truppen gegen die Bewohner der
JStadt sowohl;, als desLandes die empörend
sten Frevelthaten erlaubten, und ihren Rück
zug über das obere Innthal allenthalben mit
Blut, Raub und Mord bezeichneten.
Nach Kaiser Karl V. ging die Herr
schaft Tirols an seinen Bruder König Fer
dinand I. über, welcher im Jahre 1529 als
Landesfürst von Tirol die Erbhuldigung auf
nahm. Ihm verdankt Innsbruck einen gros
sen Theil seiner ansehnlichsten Gebäude und
Denkmähler, so wie die Gründung seiner
ersten Bildungsanstalten für die Jugend.
Nach dem Willen dieses 1564 verstor
benen Kaisers wurde dessen zweitgeborner
Sohn, Erzherzog Ferdinand II., Landesherr
von Tirol. Er hielt am 17. Jänner 1567 sei
nen feierlichen Einzug, und residirte von
nun an mit seiner eben so schönen, als ed
len Gemahlin, Philippine Welser, den gröss
ten Theil des Jahres in Innsbruck. Bei der
verheerenden Seuche, die am Ende des
Jahres 1564 in dieser Stadt herrschte: bei
den schrecklichen Erdbeben, welche im
Jahre 1572 den Boden schwanken machten,
Gebäude niederstürzten und Menschen unter
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n
ihren Trümmern begruben; bei der unge
wöhnlichen Theurung der Lebensmittel, wel
che uin diese Zeit im Innthale einriss, und
manche dürftige Familie dein schrecklichen
Mangel preis gab; bei allen diesen Unglücks
fällen bewiesen sich Ferdinand und seine
edle Gemahlin mit wahrer Fürstengrösse als
Avohlthätige Engel ihrer Unterthanen, und
nie wird die dankbare Erinnerung an dieses
vortreffliche Fürstenpaar in dem Gedächt
nisse der Tiroler, und besonders der Inns
brucker, erlöschen.
Ferdinand war aber nicht bloss der
grösste Wohlthäter, sondern auch der gross-
müthigste Beschützer der Künste und Wis
senschaften. Sein Hof war in der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts der glänzend
ste von ganz Deutschland, und an demsel
ben versammelte er einen Kreis von Gelehr
ten und Künstlern, deren Werke und Kunst
schöpfungen noch jetzt Bewunderung erre
gen. Von den Gelehrten nennen wir nur
die Geschichtschreiber Gerhard van lloo;
Jakob Sehrenk, den Verfasser des Amraser
Heldenbuches; Kaspar LJrsimis Velins; Chri
stoph Putsch und den berühmten Buchdrucker
Joh, Agricola (flauer), und von den Künst
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13
lern die berühmten Namen: den Miniatur-
Maler Hufnagel, die Bildhauer A. und B.
Abel aus Cölln, den unerreichten Plastiker
Alexander Colin aus Mecheln; die Statuare
Löffler, Lendemirauch und viele andere.
Von Erzherzog Ferdinand ist die erste
Volkszählung von Innsbruck auf uns ge
kommen. Die Stadt hatte damals ohne
Einrechnung der Ordenspersonen eine Be
völkerung von 5050 Seelen.
Seit Maximilian wurde das Land von
zwei höchsten Landesstellen verwaltet. Erz
herzog Matthias führte Gubernatoren ein.
Der erste Gubernator von Tirol war Maxi
milian der Deutschmeister, der in Innsbruck
residirte, und nach Kaiser Rudolph des II.
Tode (^1612) wirklicher Landesfürst von
Tirol wurde.
Erzherzog Leopold V. erhielt vom Kai
ser Ferdinand II. die gefürstete Grafschaft
Tirol mit der souverainen Landesherrlichkeit
für sich und seine Erben. Im Jahre 1625
nahm er von Tirol Besitz, und vermählte
sich 1626 zu Innsbruck mit Claudia von
Medicis. Ihnen verdankt Innsbruck die gross
artig angelegteDreifaltigkeitskirche, welche
leider beim raschen Vordringen der gefiirch-
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14
teten Schweden, die nach der Eroberung
von Füssen schon bis nach Reutte streiften,
nicht vollendet werden konnte. Der Friede
zu Osnabrück und Münster machte dem
30jährigen Kriege ein Ende. Auch Inns
bruck genoss die Früchte des Friedens.
Ferdinand Karl, der seinem Vater Leo
pold in der Regierung gefolgt war £1632),
baute das Hcftlieater und die Reitschule zu
Innsbruck 5 das erste gehörte damals in die
Reihe der schönsten Theater von Deutsch
land £1653). Mit seinem Bruder und Nach
folger £1662), Sigmund Franz, erlosch im
Jahre 1665 der Stamm, der seit Ferdinand II.
in unserer Stadt residirenden eigenen Re
genten des Landes, und es folgten wieder
Gubernatoren.
Seit dem Einfälle der Sachsen hatte
Innsbruck keine feindlichen Waffen mehr
gesehen $ der spanische Successionskrieg
machte es jedoch wieder zum Ziele einer
feindlichen Invasion.
Der Churfürst von Baiern, Max Emma
nuel, war 1703 in Tirol eingebrochen, hatte
Kufstein und Rattenberg erobert, und drang
mit Ungestüm bis in die Hauptstadt Tirols
vor. Sein Plan war, von diesem Punkte
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15
aus die übrigen Theile des nördlichen Tirols
zu erobern, dann über den Brenner zu zie
hen und sich in Südtirol mit General Yen
dome zu vereinigen. Doch unerwartete Hin
dernisse vereitelten diesen Eroberungsplan,
und der Chnrfürst war genöthiget, nach ei
nigen Wochen die Stadt und das Land wie
derum zu räumen.
Von nun an erfreute sich Tirol wieder
des tiefsten Friedens, der nur in den neue
ren Zeiten durch neue Stürme unterbrochen
wurde.
Die vortreffliche Ürganisirung, welche
die glorreiche Kaiserin Maria Theresia in
der Verwaltung der österreichischen Erb
länder vornahm, dehnte sich auch auf Tirol
aus. Der letzte Gubernator, Carl Philipp,
Herzog von Pfalz-Neuburg, wurde nach
dem Tode seines Bruders Johann Wilhelm
zur l ebernahrae der Regierung in sein Erb
land gerufen: desswegen verliess er am
19. Mai 1T1T zur allgemeinen Bestürzung
Innsbruck, dessen grösster Wohlthäter er
durch viele Jahre gewesen war. Seine kö
nigliche Freigebigkeit hatten insbesondere
die Pfarr- und die Jesuiten-Kirche, so wie
das Jesuiten-Collegium zu rühmen. Nach
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16
seiner Abreise wurde das Land von Käthen
adrainistrirt. An die Stelle derselben trat
nun ein Gubernium, welches in Innsbruck
s inen Sitz erhielt.
Die Stadt gewann uin diese Zeit an
Ausdehnung und Verschönerung. Der un
nütze Stadtgraben wurde ausgefüllt, die
schweren Umfangmauern wurden niederge
rissen, und der finstere Thurm über dem
Vorstadt-Thore abgetragen. Es entstand
am rechten Innufer, der Vorstadt Mariahilf
gegenüber, eine neue freundliche Gasse, der
Innrain, und die Neustadt erhielt um diese
Zeit ihre ansehnlichsten Gebäude. Zuui
Andenken an ihren Gemahl, Kaiser Franz I.,
welcher zu Innsbruck plötzlich am Schlag-
llusse gestorben war, stiftete Maria There
sia das adelige Damenstift; auch errichtete
sie ein Collegium nobilium (Theresianeum)
nach den Statuten des Theresianeums in
Wien.
Eben so begeistert für alles Gute und
Schöne, wie seine Mutter, aber nicht so
glücklich in seinen Unternehmungen, wie
diese, war Kaiser Joseph II. Er hob meh
rere Klöster auf, vereinfachte den Gottes
dienst, verwandelte die Universität in (in
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IT
Lyceum, und errichtete ein Generalseinina-
rium zur Bildung junger Seelsorger. Statt
der aufgeliobenen Klöster errichtete er drei
Lokalkaplaneien: zu St. Johann, zu Maria
hilf und zu Dreiheiligen.
Das Collegium nobilium wurde einge
zogen, dafür aber der Fonds zu Stipendien
verwendet. Das Appellationsgericht wurde
nach Ivlagenfurt übersetzt.
Der Regierungsantritt Kaisers Franz II.
fiel in die Schreckenszeit der französischen
Revolution. Die französischen Waffen dran
gen bald bis in unsere Alpenthiiler ein.
Schon im Jahre 1796 wurde Innsbruck von
dem Feinde, der von Norden und Süden in
das Land eingebrochen war, bedroht. Die
Schätze von Amras, die Archive und Kas
sen wurden nach Linz geflüchtet. Die Ge
fahr ging zwar in diesem Jahre unschädlich
vorüber, erneuerte sich aber im folgenden
Jahre, wo beim Yorriicken des Feindes bis
Botzen undSpinges zu Innsbruck die Land
sturmmassen versammelt und organisirt wur
den. Auch diessmal siegten die Tiroler an
den bezeichneten Orten, und drängten den
Feind nach Kärnthen zurück.
Im Jahre 1799 brachen die Franzosen
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18
durch Oberinnthal neuerdings in Tirol ein,
und obschon sie auch damals dem Land
stürme weichen mussten, so sah sich doch
Innsbruck genöthigt, wegen Uebergabe Ti
rols, als eines Pfandes an das siegreiche
Frankreich, am 12. Jänner 1801 eine fran
zösische Besatzung aufzunehmen. Der Friede
zu Luneville befreite zwar unsere Stadt von
diesen unwillkommenen Gästen, aber nur
auf kurze Zeit; denn am 5. November 1805
rückten die französischen Truppen unter
Marschall Ney neuerdings in Innsbruck ein.
Das Jahr 1806 brachte Tirol und dessen
Hauptstadt in Gemässheit des Pressburger-
Friedens unter die Herrschaft des Königs
Maximilian I. von Baiern.
Seit Jahrhunderten an österreichische
Herrschaft gewöhnt, und unter derselben
zufrieden und glücklich, weil man seine alt
hergebrachten Freiheiten und Gewohnheiten
ira Wesentlichen nicht antastete, hatte das
biedere Alpenvolk zwar im Jahre 1806 sich
ruhig und schweigend seinem neuen Herr
scher unterworfen; als aber die neue Regie
rung ihre Organisationen und Einrichtungen,
ihr Besteurungs- und Conscriptionssystera
auch auf Tirol ausdehnte, wurde eine all
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19
gemeine Unzufriedenheit laut, die hier um
so entschiedener hervortrat, als dieses an
den Genuss der Freiheit gewöhnte Gebirgs-
volk fester an seinen altertümlichen Sitten
Hnd Gewohnheiten hing 5 besonders, als eif
rige baierische Beamte, in deren Wahl der
König ganz unglücklich war, an vielen Or
ten im Geiste einer alles Bestehende zer
malmenden Aufklärung, schonungslos die
religiösen Gebräuche und den Glauben der
Tiroler angriffen, um die für einfache Kin
der der Natur nichts sagenden Phrasen von
Aufklärung und Vernunftherrschaft an deren
Stelle zu setzen. — Als daher das Con-
scriptionssystera, gegen Avelches das Volk
den entschiedensten Widerwillen an Tag ge
legt hatte, mit Gewalt durchgeführt werden
sollte, gritF das Landvolk zu den Waffen,
und warf nach mehreren hitzigen Gefech
ten in der Umgebung der Hauptstadt, am
11. April 1809 seine Sturmmassen in diese
herein, ln einem mörderischen Gefechte vor
der Hauptwache fand der tapfere königl.
baierische Oberst Diethfurth den Tod, und
*) M. J. Römer: Geschichte des baierischen
Volkes. München 1827, II, 592.
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was von baierischen Truppen noch übrig
geblieben war, gerielh in die Gefangenschaft
der siegenden Bauern.
Der Berg Isel wurde von nun an der
Schauplatz blutiger Gefechte. Die geübte
sten Heere und die Erfahrung mancher, in
der Schule jenes grossen Eroberers gebil
deter Generale mussten der kühnen und durch
das Terrain begünstigten Tapferkeit des Ge-
birgsvolkes weichen.
Andreas Hofer, der sich an die Spitze
desselben gestellt hatte, zog am 15. August
1809 als Sieger in Innsbruck ein, nahm den
Titel eines Oberkommandanten von Tirol an,
residirte in der Burg und leitete von hier
aus die Angelegenheiten des Landes. Inns
bruck rühmt die hohe Sitteneinfalt, die Fröm
migkeit, Massigkeit und den uneigennützi
gen Charakter dieses seltenen Mannes 5 denn
ihm, und nur ihm allein gelang es, die zahl
reichen Schaaren siegestrunkener Landleute
in Zucht und Ordnung zu erhalten.
*} In der französischen Ausgabe dieses YVerk-
cliens, welches in demselben Verlag 1842 her-
auskam, siud die Kriegsereignisse in der Stadt
Innsbruck und ihrer Umgebung im Jahre 1809
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Diese Herrschaft dauerte indessen nicht
lange; denn schon im Oktober desselben
Jahres (^1809) erschienen neue Streitkräfte
zur Bezwingung des Landes, das dem ge-
schlossenenFrieden keinen Glauben schenkte.
Die Tiroler hatten sich auf dein Berge Isel,
dem Schauplatze ihrer frühem Siege, zu
sammengezogen und erwarteten den Angriff
der Baiern. Der erste November Avar der
entscheidende Tag. Eine heftige Kanonade
eröffnete den Angriff durch Zerstörung der
von den Tirolern in der Eile aufgeworfenen
Schanzwerke. Zugleich drangen die Baiern
in zwei Angriffs-Kolonnen über Wilten und
dieGallwiese gegen den Berg Isel im Sturm
schritte vor, und machten jeden Widerstand
vergebens. Das ganze Land ward wieder
erobert, und König Maximilian nahm neuer
dings von Tirol Besitz, welches nun dem Kö
nigreiche Baiern einverleibt wurde. Die Ge-
urnständlicher dargestellt. Aus diesem Grunde,
und weil seither in Stuffler's Topographie I.,
473 ff. eine umfassende Erzählung derselben
erschienen ist, hielt man eine Wiederholung
hier nicht mehr vonnöthen. Auch Römer erzählt
in dem oben gedachten Werke von baierischer
Seile — ruhig und wahr.
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walt hatte gesiegt, nicht dieUeberzeugung!
— Die Ruhe war nun zwar wieder herge-
stellt, aber der Wohlstand der Stadt auf
viele Jahre erschüttert. Die Opfer, welche
sie während der sieben stürmischen Monate /
hatte bringen müssen, waren fast unermess
lich. Durch das verrufene Continentalsystem,
welches der König von Baiern am 27. Ok
tober 1810 auch in seinem Reiche einzufüh
ren genöthiget war, wurde aller Verkehr
vollends vernichtet. — Zwar brachte es ei
nigen Trost, dass der König den grossmü-
thigen Entschluss fasste, den Kronprinzen
zura Civil- und General-Gouverneur für den
Inn- und Salzach-Kreis zu ernennen, und
Innsbruck und Salzburg abwechselnd zu sei
ner Residenz zu bestimmen; doch waren die
Wunden zu tief und zu zahlreich, als dass
sie sogleich wieder hätten geheilt werden
können. Die Stadt bezeigte ihren Dank
durch goldene und silberne Medaillen, wel
che sie auf die Ankunft des Kronprinzen
prägen liess. Diese Freude wurde aber da
durch getrübt, dass in Folge der königl
Entschliessung vom 25. November 1810 die
bisherige Universität aufgehoben, und in ein
blosses Lyceum verwandelt wurde. Da je-
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doch in den folgenden Jahren die Ruhe
nicht weiter gestört ward, so erholte sich
die Stadt doch einigermassen wieder. Wäh
rend der kurzen Zeit ihres friedlichen Wal-
tens trug auch die baierische Regierung
das Ihrige zur Verschönerung Innsbrucks
bei. Bereits am 28. Mai 1808 hatte der
Kronprinz zu der schönen und geräumigen
Mauth - Halle den Grundstein gelegt Im
Jahre 1810 wurde dieses Gebäude durch die
Verwendung des thätigeo Oberbeamten Win
ter vollendet. — Unter der Leitung des
königl. Hofgarten-Intendanten v. SkehJ er
hielt der Hofgarten eine wesentliche Ver
schönerung und eine merkliche Erweiterung,
und durch das im Jahre 1811 vollendete,
zweckmässig angelegte und geräumige Ge
wächshaus eine bedeutende Verbesserung.
— Auch seinen angenehmsten Spaziergang
verdankt Innsbruck der baierischen Regie
rung, nämlich: die sogenannte englischeAn-
lage ain rechten Innufer. Sie wurde im
Jahre 1811 für den Kronprinzen angelegt,
und erst von der österreichischen Regierung
dem Publikum zur Benützung überlassen.
Auch liess sie die übrigen Spaziergänge
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um die Stadt verbessern und neue Alleen
pflanzen.
Indessen hatte der Zustand in Europa
einen günstigeren Umschwung genommen,
desswegen fand es der König von Baiern
an der Zeit, seine Sache von der des fran
zösischen Kaisers zu trennen, und auf die
Seite der Verbündeten zu treten. Als da
her in Folge der am 8. Oktober 1813 zu
Bied mit Oesterreich geschlossenen Conven
tion österreichische Truppen sich dem Lande
näherten, entstanden an mehreren Orten be
deutende Unruhen, welche jedoch an dem
hohen Muthe und der Klugheit des damali
gen königl. General -Commissärs, Philipp
Freiherrn von Lerchenfeld scheiterten. Die
meisten hatten nämlich ihren Blick unver
wandt nach Oesterreich gerichtet; weil aber
der Eintritt diesesZeitpunktes zögerte, woll
ten sie ihn mit Gewalt herbeiführen. Nach
einiger Zeit kam endlich die so heiss er
sehnte Stunde, welche Tirol seinem alten
Herrscherhause wieder geben sollte.
In Folge des am 3. Juni 1814 zu Pa
ris geschlossenen geheimen Vertrages trat
der König von Baiern die Grafschaft Tirol
an den Kaiser von Oesterreich wieder ab.
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25
Das Land und dessen Hauptstadt erhob sich
seit dieser Zeit zu einem Zustand der Blü-
the, den sie bisher nie gekannt. Das adelige
Damenstift, die Universität und die adelige
Ritterakademie wurden wieder hergestellt.
Es entstanden neue Wohlthätigkeits-Anstal
ten; es bildeten sich Vereine zur Beförde
rung des Wahren, Hüten und Schönen. Die
Stadt selbst gewann ein freundlicheres An
sehen ; bequeme Trottoirs führen den Fuss-
geher sicher und trocken durch die ganze
Stadt; die vorspringenden Dachrinnen wur
den beseitiget, und die Verordnung erlas
sen, dass in Zukunft, statt der bisher übli
chen Holzdächer, Bedachungen von Ziegeln
und anderem feuerfesten Materiale herge
stellt werden sollen. Man sieht nun allmäh-
lig die auf Holzdächern üblichen Gallerien
(_Feuergänge3 verschwinden, und an die
Stelle der Schindeln — Ziegel, Zink oder
Eisenblech, Kupfer oder verschiedene Gat
tungen von Steinplatten treten.
In der neuesten Zeit wurden in Inns
bruck nicht nur in mehreren Strassen an
sehnliche neue Gebäude aufgeführt, sondern
auf einem, an der Ostseite der Stadt gele
genen Felde ein ganz neues Stadtviertel
2
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26
angelegt, das durch seine stattlichen Ge
bäude ihr ein ungemein günstiges Ansehen
verleiht. Auch durch den Uferversicherungs
bau (Kaie) zu beiden Seiten des Innllusses
gewann sie an Bequemlichkeit und Freund
lichkeit, so dass Innsbruck nun den Ver
gleich mit mancher kleinen Residenzstadt
nicht scheuen darf. Möchten die gegen
wärtigen Verhältnisse noch lange fortdauern,
dass der zur Erweiterung und Verschöne
rung Innsbrucks entworfene Plan ganz und
recht bald in das Leben treten könne!
II.
Geographische, physikali
sche und statistische Ver
hältnisse Innsbrucks und
seiner Umgebung.
i
1. ^Ußcmciite fces JJnntJpiUe tttrtr frcr
JctaM J)nnsbrud\.
Tirol besteht aus drei Hauptgebirgs
ketten, welche zwei Hauptthäler, nämlich.
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das Etsch- und das Innthal bilden. Das
letztere, das weiteste und schönste von al
len Thälern, welche in der nördlichen Ab
dachung der Alpen liegen, dehnt sich von
Finstenuiinz bis Kufstein in einer Länge
von beinahe zwanzig deutschen Meilen aus.
Zwei ununterbrochene Gebirgsketten begrän-
zen das Thal gegen Norden und Süden, und
begründen durch ihre Lage, durch die Rich
tung der Felsschichten, und durch die auf
ihren Höhen vorkommenden Versteinerungen
von Seethieren die Vermuthung, dass das
Innthal einst ein tiefer See gewesen. Bei
nahe mitten im Thale steht Innsbruck, am
Innflusse, welcher dieses Längenthal in ver
schiedenen Wind ungen durchströmt, und ihm
durch seinen Lauf Frische und Fruchtbar
keit ertheilt.
Um Innsbruck beträgt die Breite des
Innthales s/4 Stunden. Der Thalfuss erhebt
sich auf beiden Seiten zu Hügeln, welche
mit üppigem Pflanzenwuchse bedeckt sind.
Ueber diesen Hügelgruppen fängt das Mit
telgebirge an , welches grösstentheils dun
kele Waldungen von verschiedenem Na
delgehölze beschatten. — Ueber den Wal
dungen beginnt die Alpenregion; statt der
2*
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Bäume gedeihen nur mein- strauchartige Al
pengewächse, und ein Teppich vom herr
lichsten Grün, mit prachtvollen grossen
Blumen reich besetzt, breitet sich über die
Bergmähder hin. Jetzt erst erstirbt das Le
ben in der Natur, die Vegetation hört auf,
und schroffe Felsenmassen starren in wun
derbar zerrissenen und zackigen Gestalten
in die Wolken empor. Aber diese Berge
mit ihren schneebedeckten starrenden Zacken
bilden den würdigen Rahmen eines so gross
artigen und schönen Landschaftsbildes, dass
man dergleichen in der viel gepriesenen
Schweiz kaum eines wieder findet.
Die nördliche Gebirgskette besteht aus
älterem Alpenkalk, auf welchem Nagelfluhe,
Dufstein, Sandstein, Seifengebirg und Thon
schiefer aufsitzen. In dieser Gebirgskette
zeichnen sich in der Richtung von Abend
gegen Morgen folgende Kuppen aus: Die
Martinswand, deren geschichtliche Merkwür
digkeit in der Folge erwähnt werden soll:
der grosse Solslein mit einer Höhe von 9106
Par. Fuss: der Hohenberg, eine bis an die
Strasse hervordringende Kuppe; zwischen
diesem Berge und der sogenannten Achsel
thut sich die Klamm, eine grauenvolle Fels-
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Schlucht, auf. Ueber diese Berge ragt das
Brandjuch, über dein Dorfe Dötting, 7423'
hoch hervor. An dieses schliesst sich die
Frauhntt, (5492' hoch, an; sie ist beim Volke
durch mancherlei Sagen und Mährchen be
rühmt. Ostwärts von dieser ragt der hohe
Sallel 6637' hoch; weiterhin das RnmerjocA
7082', dann der Znmlerkopf 6032' hoch, end
lich das Thanrerjoch 6551 ' und der Salzbery
4949' hoch empor. Auf der südlichen Seite,
die aus Urgebirg mit Glimmerschiefer-, Horn
blende- und Urkalklagern besteht, erheben
sich in der Richtung von Morgen gegen
Westen: das Kreuzjuch 8579,84', der 67«//-
geser 8216' hoch; der Palscherkofel 6907',
der Waidrasier - Berg mit der &o/mettspilze
8341', der Mutlererkopf 4920,70' und der
Saileberg, dessen Höhe 7383' beträgt. Die
schönste Gebirgsgruppe bilden derPatseher-
kofel und der Muttererkopf mit der Sonnen
spitze von Waldrast. Während alle Gebirgs-
gruppen des linken und rechten Innufers
das Gepräge der Formation der Alpenge
birge an sich tragen, und zackige Pyrami
den, schroffe Abhänge oder schneidige Kan
ten bilden, macht der Patscherkofel eine
auffallende Ausnahme, indem sich sein Schei-
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iel in sanft geschweifter, halbrunderKugel-
gestalt erhebt. Einen schroffen Gegensatz
bildet sein Nachbar, der Muttererkopf, des
sen Gipfel sich in drei Pyramiden verliert.
Die gegen einander laufenden Abhänge bei
der Berge bilden ein Querthal, aus welchem
die reissende Sill brausend hervorstürzt, um
sich auf der Ebene Innsbrucks mit dem Inn
zu vereinen. Mitten zwischen diesen beiden
Felskolossen steigt in blauer Ferne maje
stätisch und ernst der Waldraster-Berg em
por, und bildet mit den vorbeschriebenen
Bergkuppen eine Gruppe, die von der Phan
tasie eines Künstlers nicht malerischer dar
gestellt werden könnte.
Die Stadt selbst liegt an beiden Seiten
des Inns, unfern der Mündung der Sill in die
sen Hauptstrom. Obschon die Stadt selbst
klein ist, so geben ihr doch die fünf Vor
städte, welche sich an nahe gelegene Dör
fer anschliessen, ein stattliches Ansehen.
So scheint sich ein Flügel der Stadt ver
mittelst der Neustadt, des Dorfes Wilten
und der dortigen Stiftsgebäude an den Berg
Isel zu lehnen, während der entgegenge
setzte sich mit Mühlau verbindet, und den
Fuss der nördlichen Gebirgskette berührt.
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31
Ein anderer Flügel setzt sich mittelst der
Vorstadt Dreiheiligen mit dem Dorfe Pradl
in Verbindung: und in entgegengesetzter
Richtung dehnt sich die Vorstadt Mariahilf
durch einzelne Häuser und dazwischen lie
gende Gärten bis zum Wirthshause beim
Rössel in der Au aus, während sie auf der
andern Seite durch die Höttinger-Gasse an
das Dorf Hötting sich anschliesst, sich mit
der untern Innbriicken-Strasse in Verbin
dung setzt, und mittelst einzelner Häuser
und dazwischen liegender Gärten beinahe
bis Mühlan hinabreicht.
Die beiden Innufer sind durch zwei
Drücken verbunden, welche eine Strecke
von % Stunde trennt 5 zwischen beiden
Brücken besteht seit 1. Mai 1836 eine Inn-
Ueberfahrt. Die Hauptbrücke, wenngleich
nur von Holz erbaut, ist hübsch zu nennen.
Sie ist 306' lang und 32' breit, und hat
neben der Fahrbahn noch ein bequemes,
durch ein Geländer geschütztes Trottoir für
die Fussgeher. Diese Brücke, von Avelcher
die Stadt den Namen führt, wurde während
ihres langen Bestehens öfter, zum letzten--
mal in den Jahren 1832 und 1833 neu ge
baut.
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Der Thalgrund, auf welchem Innsbruck
steht, ist ein fruchtbarer Thonboden, der
durch den Fleiss des Landmannes auf das
sorgfältigste gepflegt wird. Abgesehen von
der Gartenkultur, wird der Boden grössten-
theils als Wiesgrund, oder zum Anbaue
von Mais, hier Türken genannt, verwendet*
Der Saggen, die Haller-Au, der Neurauth,
die Ulfiswiese stärken das Auge durch das
frische Grün ihrer Mähder, die im Friihlinge
mit dem buntesten Blumenschmelze prangen,
dagegen bietliet das Amraser- und Wil-
tauer - Feld meistentheils Pflanzungen des
oben erwähnten türkischen Korns dar, wel
che nur hin und wieder durch wallende
Kornfelder, oder durch röthlicheBuchweitzen-
Aecker unterbrochen erscheinen. Auch die
Hügel , und selbst das Mittelgebirge sind
angebaut, wo nur immer Fleiss und An
strengung der Natur ein Plätzchen abzu-
nöthigen vermochten. Die Obstkultur wird
sorgfältig betrieben. In den Vorstädten hat
beinahe jedes Haus seinen eigenen Obstgar
ten. Bei den vielen Landhäusern und Bauern
höfen, welche die Stadt freundlich umgeben,
fehlt nirgends ein geräumiger Obstanger.
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Selbst die umliegenden Dörfer ruhen im
Schatten von Obstbauin-Wäldern.
Die vielen Alleen, die Menge der Gär
ten, die zahlreichen Baurapflanzungen, aus
welchen die Thürine und Kuppeln der Stadt
wie aus einem Lustwalde hervorglänzen;
das blühende Thal, von zwei rauschenden
Flüssen in sanften Windungen durchströmt;
die lachenden, mit Bäumen und reinlichen
Landhäusern bekränzten Hügel, die dunkel
grünen Nadelwälder, Avelche sich hinauf in
eine blühende Alpenweide verlieren; dann
die nackten, zackigen Felsenkuppen , die
mit ihren wölken bedeckten Häuptern stolz
und ernst in das blühende, rege Leben des
Thaies herniederschauen, vollenden die all
gemeinen Züge zum Landschaftsbilde von
Innsbruck, dessen Ansicht — einen heitern
Himmel vorausgesetzt — jeden Naturfreund
mit innigem Entzücken erfüllt, und dem
Fremden die Hauptsadt Tirols zu einem an
genehmen Aufenthalte macht.
✓
2. (ßcoflrapljifd)c $aijc uni» JUiuiu.
Die Hauptstadt Tirols liegt 1766,86 Pa-
riser-Fuss über der Meerestläche, unter dem
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29° 2' 30" östlicher Länge von Ferro, und
47° 16' 2" nördlicher Breite.
Nach den 50jährigen Beobachtungen des
Professors von Zallinger ist die mittlere Ba-
roraeterhühe von Innsbruck, ohne Rücksicht
auf den Einfluss der Wärme 26," 3,39"'.
Der mittlere Thermometerstand beträgt
nach obigem Masstabe beinahe 7% Grad
Beaumur über dem Gefrierpunkte.
Das Yerhältniss der Temperatur in den
4 Jahreszeiten ist folgendes :
im Frühlinge (März, April, Mai) 8,058; im
Sommer (Juni, Juli, August) 14,638; im
Herbste (September, Oclober, November)
8,024; im Winter (Dezember, Jänner, Fe
bruar) — 0,887.
Nach obigem Durchschnitte fällt die
grösste Wärme auf den 21. Juli, die grösste
Kälte auf den 15. Jänner.
Die 50jährigen Witterungsbeobachtun
gen des erwähnten Professors gaben das
Resultat, dass auf den Frühling 61, auf
den Sommer 46, auf den Herbst 62, und
auf den Winter 64 trockene; dagegen für
den Frühling 31, für den Sommer 46, für
den Herbst 28 und für den Winter 26 nasse
Tage entfielen.
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35
Die Stellung der Gebirge, besonders
die Oeffnung des Wippthaies macht Inns
bruck zum Kampfplätze der Winde, unter
welchem der Scirocco (warmer Wind) mei
stens die Oberhand gewinnt. Eine 50jäh-
rige Erfahrung zeigte, dass auf das Jahr
60 windige Tage treffen, wovon 23 auf den
FriililiDg, 10 auf den Sommer, 12 auf den
Herbst und 15 auf den Winter fallen.
Die herrschenden Winde sind der Süd
west (Libanotus^ und der Nordost (Euro-
aquilo'). Sie wehen meistenteils beide zu
gleich, nur bald dieser, bald jener in einer
hohem oder tiefem Region. Jener führt
beinahe jedesmal eine Menge Dünste herbei,
die dieser abkiihlt, worauf sie als Regen
oder Schnee niederfallen. Diese zwei Winde
sind die Hauptursache der unbeständigen
Witterung, über welche so häufig geklagt
wird.
Der Scirocco trägt zur Milderung der
Temperatur sehr vieles bei; er bl äst aus
Süden, prallt an der nördlichen Gebirgs-
wand ab, und erwärmt dadurch die ganze
über Innsbruck ruhende Luftschichte.
Aus den angegebenen physikalischen
Thatsachen ergibt sich das Klima von Inns
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bruck und seiner Umgebung. Es ist im all
gemeinen gemässigt. Glühen auch die Tage
des Hochsommers oft in italienischer Schwü
le, so weht doch Morgens und Abends fri
sche und reine Alpenluft von den Gebirgen,
nnd die kühlen Nächte erfrischen und stär
ken nach einem durchschweisstenSommertag.
Der Frühling ist zwar etwas unbeständig,
nnd die nach warmen und freundlichen Ta
gen oft plötzlich wiederkehrenden Winter
stürme* machen eine sorgfältigereBekleidung
zur Wahrung der Gesundheit nothwendig;
um so andauernder sind aber manchmal die
schönen Tage des Herbstes, wo der Sep
tember und Oktober nicht selten die Blumen
des Frühlings, als Märzen-Veilchen, Pri
meln, Ranunkeln und andere auf Fluren und
in Gärten zurückruft.
Diese klimatische Beschaffenheit der Ge
gend ist der Vegetation der Pflanzenwelt
eben so günstig, als dem thierischen Leben.
In erster Hinsicht wurde bereits oben be
merkt, dass der Mais die hauptsächlichste
Frucht auf den Feldern ist, der auch vor
züglich gedeiht. Das Obst ist von treffli
chem Geschmacke; an Wänden aufgezogen,
reift in warmen Jahren auch die Apriko-
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se, der Pfirsich und die Traube sehr gut.
So gewann man z. B. in den Jahren 1811,
1834 und 1846 Trauben, die den in Wein
ländern gewachsenen an Grösse und Güte
wenig nachgaben.
Im Allgemeinen hat sich aber das Klima
seit einer langen Reihe von Jahren bedeu
tend verschlimmert, welches offenbar in dem
schonungslosen Ausrotten der Wälder seinen
Grund hat; denn cs ist erwiesene Thatsa-
che, dass bis in die Mitte des 17. Jahrhun
derts nicht nur in der Gegend von Inns
bruck, sondern durch ganz Unterinnthal die
Weinkultur in einem beträchtlichen Umfange
betrieben wurde. Jetzt würde aber der
harte Winterfrost die Reben im Freien je
des Jahr vernichten. Die in Gärten gezo
genen müssen durch Stroh und Dünger vor
seinen verderblichen Einflüssen geschützt
werden.
In zweiter Beziehung sind die Tiroler
überhaupt, und so auch die Innsbrucker, als
kräftige Naturen bekannt, denen die frische
Farbe der Gesundheit auf den Wangen blüht.
Sie erreichen im Durchschnitte ein ziemlich
hohes Alter, und es mangelt nicht an Bei
spielen von lOOjährigem Greisenalter und
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darüber. Aeusserst sehen greifen hier an
steckende Krankheiten um sich; denn die
häufigen Winde erhalten die Luft in steter
Bewegung, und reinigen sie von miasmati
scher Ansteckung.
Diese Thatsachen beweisen hinlänglich,
dass das Klima in und um Innsbruck für die
Gesundheit des Menschen äusserst erspriess-
lich sei.
3, /ladjenrauntj föntfytilung t»cr 3taM, giiu-
fcrjaljl, Jktmlkeruiifl.
Die Stadt selbst nimmt nur den Raum
von % Quadratmeile ein. Die Stadt sammt
den Vorstädten hat 33 Gassen und fünf öf
fentliche Plätze.
Viele dieser Gassen und Plätze sind
licht und reinlich; die meisten sind auch
geräumig, wie die Neustadt, der Innrain,
die Universitäts-Gasse, die beiden Sill-Gas
sen und die beiden Strassen in dem neuen
Stadt-Viertel.
Die Strassen sind schlecht gepflastert,
manche gar nicht. Es wird zwar für Pfla
sterung viel aufgewendet, es gebricht aber
an dauerhaften Steinen. Daher kömmt es,
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dass viele Strassen im Frühjahre und im
Herbste, wie in Paris und Berlin, mit un
ergründlichem Schmutz bedeckt sind. Wohl-
thätig sind dagegen die Trottoirs, welche
durch alle Strassen laufen $ die breitem ha
ben deren an beiden Häuserreihen. Sie sind
aus Thonschieferplatten, zum Theil aus As
phalt gefertigt: doch lassen die aus frühe
rer Zeit stammenden viel zu Avünschen üb
rig. Die Strassen sind bei Nacht, zwar nur
mit Uel, aber gut, und viel besser als in
München, Augsburg u. s. w. beleuchtet. —
Ia diesen Gassen befinden sich 623 theils
ötTentliche, theils Privat-Gebäude, und dar
unter 12 Kirchen. Die Wohngebäude haben
im Durchschnitte drei Stockwerke, und viele
derselben sind mit Erkern £ Chorfenstern 3
versehen, welche zwar die Wohnzimmer
sehr bequem und licht machen, von aussen
jedoch die Symmetrie stören, und besonders
auf den, solche Vorsprünge nicht gewohn
ten Fremden einen missfälligen Eindruck
machen.
Von den Plätzen und Kirchen wird in
der Folge gehandelt.
Ara Ende des Jahres 1846 betrug die
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Bevölkerung #") 13,227 Seelen; hiezu sind
jedoch weder das Militär, noch die Studie
renden gerechnet. Unter obiger Zahl be
finden sich 33 Weltpriester und 147 Mön
che, nämlich 75 Ordenspriester, 30 Kleriker
und 42 Laienbrüder; dann 68 Nonnen in
2 Klöstern.
Was die Bewegung der Bevölkerung
betrifft, so gab ein lOjähriger Durchschnitt
folgende Resultate: Getraut wurden 61,8
Paare; geboren 295,2. Todfälle ergaben sich
314; unter den Gestorbenen erreichten 100,7
ein höheres Alter als 60 Jahre. Die mitt
lere Lebensdauer beträgt 36,6 Jahre. Im
Jahre 1846 stieg die Zahl der getrauten
Paare auf 59, die der Gehörnen auf 357, und
die der Gestorbenen auf 329, Avorunter 1C9
Individuen begriffen waren, die ihr Lebens
alter höher, als auf 60 Jahre brachten.
Die Krankheiten, an denen die Meisten
starben, sind: Zehrfieber, Lungensucht, Aus
zehrung , Wassersucht und Schlagflüsse;
von diesen entfallen auf das Jahr 37 — 38.
Das Verhältniss der ehelich zu den unehe
lich Gehörnen ist 5, 1 : 1.
*) Nach dem Diöcesan-Scheinatismus für 1847.
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Nach dieser Berechnung nimmt die Be
völkerung von Jahr zu Jahr ab; dessen un
geachtet ist sie seit dem Jahre 1811, wo
sie nur die Zahl von 11,417 Seelen erlief,
um 1810 gestiegen; der Abgang wird näm
lich durch den Zufluss von andern Gegen
den her ersetzt. Die häufigen Klagen we
gen Uebervölkerung sind daher ganz grund
los.
Nach einem 10jährigen Durchschnitte
beläuft sich die Zahl der Studierenden auf
711; davon gehören 375 der Universität,
und 336 dem Gymnasium an.
Der Stand des Militärs ist verschieden;
in der Regel kann die stabile Garnison nicht
höher als zu 3000 Mann angenommen werden.
Sie besteht nur aus Infanterie mit sehr we
nig Artillerie.
Rücksichtlich des Charakters der Be
wohner von Innsbruck mögen noch folgende
Bemerkungen hier stehen. Sie sind wie die
Tiroler überhaupt, religiös, lieben den Glanz
inKirchen und Altären, und in dieserBeziehung
sind sie zu jedem Opfer bereit; der schön
ste Zug ist aber ihre grosse YVohllhätigkeit,
in welcher Hinsicht sie den Vergleich mit
jeder anderen Stadt aushalten können.
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Schmutziger Geitz ist eine sehr seltene Er
scheinung Sie lieben zwar eine gute Ta
fel, sind aber dessen ungeachtet nüchtern,
betriebsam und lleissig. Freunde von Rein
lichkeit in Kleidung, Wäsche und Wohnung
kleiden sie sich auch geschmackvoll.
Sämmtliche Einwohner von Innsbruck,
mit Ausnahme von 5 Judenfarailien, beken
nen sich zur römisch-katholischen Religion.
4. £>trae$en, gatiM nttfc Jlnlmstrie.
Drei Hauptstrassen sind es, welche in
Innsbruck ihren Centralpunkt finden, näm
lich die Strasse von Oberinnthal, die nach
Vorarlberg, in die Schweiz und nachBaiern
führt 5 die Strasse von Unterinnthal, welche
über Kufstein und St. Johann nach Baiern
und Salzburg läuft; endlich die Strasse von
Süden, welche über Pusterthal nach Illyrien
und über den Bozener- und Roveredaner-
Kreis in das lombardisch-venetianische Kö
nigreich die Bahn öffnet. Als Vereinigungs-
punct dieser drei Hauptstrassen und als
Scheidelinie zwischen Süden und Norden
ist Innsbruck die Niederlagsstätte eines leb
haften Durchfuhrhandels. Der Süden legt
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43. —
da seine üppigen Naturerzeugnisse nieder, um
sie dem von der Natur kärger bedachten
Norden zuzuführen; der Nord hinterlegt
hier die Producte seiner Industrie, um damit
den Süden zu versehen.
Die Industrie steht in Innsbruck eben
auf keiner hohen Stufe, auch ist ihr Um
fang von geringer Bedeutung. Es besteht
nur eine einzige grosse Fabrik, nämlich die
k. k. priv. Maschinen-, Band- und Baum
wollspinn-Fabrik der Dita Ganahl, llhom-
berg* et Compagnie. Sie befindet sich in
zwei sehr grossen und hohen Gebäuden nahe
an der Sill, aus welchem Flusse sie mittelst
eines Kanals die Triebkraft für ihre Maschi
nen erhält. Sie liefert Baumwollgarne von
allen Gattungen , auch englisches Wasser
garn (Water-Twisi}. Die Fabrikation von
Bändern und Seidenzeugen wurde aufge
lassen, weil diese Erzeugnisse den ge
wünschten Absatz nicht fanden. In gleich
schwunghaftem Betriebe, wie die Spinnerei,
steht die Maschinen - Constructur. In jener
sind bei 20,000 Spindeln in Bewegung, und
bei 300 Menschen beschäftiget; in dieser
wohl 100 Mechaniker in Thätigkeit, welche
sowohl für die eigene, als für andere Fa-
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— .44
briken siimmtliche Maschinen-Bestandteile
nach den neuesten Erfindungen solid und
zweckmässig verfertigen. Die Gebäude wur
den in den Jahren 1837 — 40 aufgeführt,
die Fabrik ist aber erst seit 1842 in voller
Thätigkeit. Ausser dieser bestehen noch
ein paar Wollenwaaren-Fabriken, die aber
nur ordinäre Fabrikate liefern. Die Wollen
decken, welche in der k. k. Strafhaus-Fa
brik verfertigt w erden, sind jedoch sehr ge
schätzt , und finden einen weitverbreiteten
Absatz. Alle übrigen Gewerbe werden bloss
handwerksmässig betrieben; sie sind zahl
reich und genügen mehr als hinreichend
dem Bedarfe der Stadt und ihrer Umgebung.
— Es sind auch zahlreiche Handelsbefug
nisse vorhanden, wovon sich jedoch die
meisten bloss mit dem Detail-Handel be
fassen. Bis jetzt war der Speditionshandel,
durch die geographische Lage der Stadt
begünstigt, das einträglichste Geschäft für
Innsbruck und den grössten Theil von Ti
rol. Allein da alle benachbarten Länder
sich mit Eisenbahnen bedecken, in Tirol
aber ein solches Commumkationsmittel viel
leicht noch lange unter die froEkmen Wün
sche gehören wird; so schauen viele Ge-
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Averbsleute mit bangen Blicken in die Zu
kunft. Es Avird allgemein dankbar aner
kannt, dass die Regierung, um dem Lande
diese Enverbsquelle zu erhalten, auf Ver
besserung der Strassen ungemein viel auf
gewendet ; ob aber die Konkurrenz anderer
Länder dadurch paralysirt werden kann,
wird die nächste Zukunft lehren.
Unter den Handlungen befinden sich
drei BuchhandInnge//, nämlich: die des Hrn.
Felizian Rauch, die des Hrn. Johann Schu
macher mit der Firma: „Wagner’sche Buch
handlung,“ und jene des Hrn. Carl Pfaund
ler; erstere zwei besitzen zugleich Bnch-
druchereien; letzterer eine öffentliche Leih
bibliothek. Hier bestehen auch drei lithogra
phische Anstalten, nämlich: 1. des C. A.
Czichna, 2. des J. Kravogel, und 3. des
Jos. Schöpf. Nur die erstgenannte dieser
drei Anstalten leistet Vorzüglicheres.
Unter den Kunst- und Musikalien-Hand
lungen zeichnet sich besonders die des Hrn.
Franz Unterberger am Franciscaner-Graben,
Avelche sich auch mit antiken K unstgegenstän
den empfiehlt, dann die des Hrn. Joh. Gross
auf dem Stadtplatze, aus. In diesen beiden
Kunsthandlungen sind auch Musikalien,
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Schreib- und Zeichnungsrequisiten zu fin
den. Neben diesen beiden verdient auch
die Kunsthandlung des Hrn. Jos. Möst Er
wähnung.
Unter den Polizeigewerben erwähnen
wir bloss der 7 Kaffeesieder und Billard-
hälder, der 23 Gastwirthe, der 13 Wein
schenken, der 3 Bierbräuer und der31Bier-
sphenken.
Unter den Kaffeehäusern zeichnen sich
jene des J. B. Andreis, der Hauptwache ge
genüber, und des J. B. Wisiol in der Mu-
seurasstrasse durch Eleganz besonders aus;
doch ist das erstgenannte wegen seiner
äusserst günstigen Lage das besuchteste
von allen.
Von den Gasthüfen sind die besuchte
sten der zur goldenen Sonne, zum österrei
chischen Hof und zum goldenen Stern. Der
Gasthof zur goldenen Sonne empfiehlt sich
vorzüglich durch seine schöne Lage in Mitte
der Neustadt, und durch die Aussicht, wel
che die Hinterfronte des Hauses auf das
Unterinnthal gewährt. Die Aussenseite die
ses Hauses ist eine der ansehnlichsten in
der Neustadt, und das Innere biethet dem
Fremden alle Bequemlichkeit dar, da erst
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in der neuesten Zeit mit diesem Gasthofe
ein anderes grosses Haus inVerbindung ge
setzt worden ist, so dass er jetzt 94 Frem-
den-Ziinmer, 2 Salons, Speisesäle und ge
räumige Remisen enthält. Mit dem Gast
hause ist auch ein Kaffeehaus und Billard
verbunden. Ein nahe liegender Garten gibt
den Gästen frische Luft, und verschafft ih
nen Gelegenheit zur Bewegung im Freien.
Der Gasthof zum österreichischen Hof,
am südöstlichen Ende der Neustadt, ist zwar
nicht so gross und geräumig, verdient aber
wegen der äusserst aufmerksamen Bedie
nung der Fremden alles Lob. Dabei befin
det sich ein eben so grosser und schöner
Garten, wie bei dem oben genannten, und
er biethet eine eben so schöne Aussicht, wie
dieser.
Von Bädern befindet sich in der Stadt
selbst nur ein einziges, nämlich das zur
Kaiserkrone, am neuen Kai am rechten Inn
ufer gelegen. In den Vorstädten liegen
zwei Badanstalten, das Bad im Kirschen-
thale, zwischen Mariahilf und dem Dorfe
Hötting, und das Bad am Venusberge im
sogenannten Ried zu St. Nikolaus.
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48
Von den übrigen Bädern in der Umge
bung wird erst in der Folge die Rede sein.
5. JUtfy&ften.
Kauin in einer Stadt von so beschränk
tem Umfange wird man so viele Civil- und
Militärbehörden finden. Die vorzüglichsten
derselben sind , und zwar :
1) Civilbeli örden:
a. politische und administrative:
das Landesgubernium für Tirol und
Vorarlberg, die Baudirektion, die Po
lizeidirektion, die vereinte Kameral-
Gefällenverwaltung, das Hauptmauth-
Oberamt, die Oberpostverwaltung, die
Provinzial-Staatsbuchhaltung und an
dere.
b. Justizbehörden:
das Appellations- und Criminal-Ober-
gericht für Tirol und Vorarlberg; das
Stadt- und Landrecht, welches zu
gleich Wechselgericht ist.
Zur Vertretung der Pariheien be
stehen G Dikasterial - Advokaten und
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ein öffentlicher Agent. Die Vertre
tung des Aerars und der milden Fonds
liegt der Kammerprokuratur ob.
Zu den Civilbehörden gehört ferner
der politisch - ökonomische Stadtmagistrat
und die ständische Aktivität, welche die
laufenden Geschäfte der Tiroler-Landschaft
besorgt. Die jährlichen Sländeversammlun-
gen werden ebenfalls in dieser Stadt ge
halten.
2) Zur Leitung der Militär-Angelegen
heiten besteht hier ein Militär-Oberkomman
do, ein Feldkriegs-Kommissariat, eine Mili-
tärverpflegs-, eine Genie- undFortifikations-
und eine Garnisons-Artillerie-Distrikts-Di-
rection u. s. w.
In geistlicher Beziehung gehört Inns
bruck zur Diöcese Brixen. Es besteht hier
ein Dekanat und drei Lokal - Kaplaneien,
welche die kirchlichen Angelegenheiten be
sorgen.
6. tUi>!)ltl)3tigkcite- uni» pesserunjjs-^nstaltcn.
1) Die Wohlthätigkeits- Anstalten be
ziehen sich auf Arme, Kranke, Alte und
3
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50
Kinder, und nehmen für die letzteren auch
den Charakter von Bildungsanstalten an.
Zur Leitung des Armenwesens und zur
Verwaltung der demselben gewidmeten Fonds
besteht eine aus dem Bürgerstande und der
Geistlichkeit zusammengesetzte Armendirek
tion, welche sich in Bezirks-Kommissionen
verzweigt, und durch die letztem mit den
Armen unmittelbar in Berührung tritt.
Die Unterstützungen aus dem Armen
fonds kommen nur solchen Armen zu, wel
chen der nothwendige Unterhalt des Lebens
mangelt, die sich diesen Unterhalt durch
eigene Fähigkeit nicht zu erwerben vermö
gen, und das Wohnungsrecht in dem Ma
gistratsbezirke der Stadt erlangt haben.
Die Gaben des Armenfondes entspre
chen dem Bedürfnisse, und bestehen in ba
ren Geldspenden, in Anweisung auf das
Arbeitshaus zur Arbeit, und auf dieSuppen-
Anstalt zur Suppe; in Betheilung mit Klei
dern, in Bestreitung der Wohnungskosten,
der Lehrkosten, der Arzneien, in Versor
gung der Kinder. Hieraus kann man ent
nehmen, dass jeder wahrhaft Arme in den
Stand gesetzt ist, seine Lebensbedürfnisse
genügend zu befriedigen, und dass daher
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nur Unverschämtheit und Zudringlichkeit,
keineswegs aber wahres Bedürfniss durch
Strassenbettel beschwerlich fällt, der durch
alle mögliche Polizeiaufsicht so lange nicht
abgestellt werden kann, als ihn-betrogenes
Mitleid nährt.
Um die ärmere, besonders dienende
Volksklasse in den Stand zu setzen, ihr ge
ringes Ersparniss fruchtbringend anzulegen,
und sich so eine Hilfsquelle für das Alter
zu gründen, besteht eine Sparkasse. Hier
kann jede, auch die kleinste Summe, auf
Zinsen angelegt, und das Kapital beliebig
wieder erhoben werden. Die Sparkasse-
Verwaltung legt die eingehenden Summen
mit gesetzlicher Sicherheit an, stellt dem
Einleger einen Schuldschein aus, und ver
zinset das Hundert zu Slf2 Percent. Am
Ende des Jahres 1845 belief sich das ver
sicherte Kapital der Anstalt auf 641,346 fl.
8 kr., und die Zahl der Einlagen auf 5587$
sie hatte sich im Laufe des Jahres um 509
erhöht. Die Summe sämmtlicher Einlagen
betrug zu dem bemerkten Zeitpunkt 647,71411.
31 kr., und hatte während des gedachten
Jahres einen Zuwachs von 72,615 fl. 48 kr.
erhalten, indem 240,821 fl. 36 kr. neu einge-
3#
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legt, und 168,205 fl. 48 kr. zurückgezogen
worden waren. Auf jede der am Schlüsse
des Rechnungsjahres bestandenen Einlags
posten entfiel daher im Durchschnitte ein
Betrag von 115 fl. R. W.
Aus dieser Darstellung wird klar, was
für eine bedeutende Summe auf diesem Wege
unbesonnener Verschwendung entzogen, und
einem vernünftigen Gebrauche zugeführt
wird.
Für Kranke ist durch das unter der
Oberaufsicht des Landesguberniums stehende
Stadtspital gesorgt, mit dem auch eine Ge
bäranstalt in Verbindung steht. Das Spital
gewährt samrnt dem neuangebauten Flügel
für 150 Kranke Raum.
Der Orden der barmherzigen Schwes
tern, dessen segenreiches Walten sich in
Frankreich und in Baiern so schön bewährt
hat, besorgt seit der neuesten Zeit auch
hier die Pflege der Kranken und Pfründner.
Schon seit langer Zeit war der Wunsch
nach einem solchen Institute rege geworden.
Zur Verwirklichung desselben trat ein Ver
ein von Privatwohlthätern zusammen, wel
che auf ihre Kosten ein schönes und geräu
miges Gebäude für die Schwestern vom
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53
Grunde aus neu aufführen Hessen. Im März
183T begann der Bau, und war im August
1838 bereits so weit gediehen, dass Ihre
Majestäten der Kaiser Ferdinand und seine
erhabene Gemahlin Maria Anna am lß. des
selben Monats den Schlusstein zu legen in
Stand gesetzt waren. Ganz vollendet und
eingerichtet wurde das Haus erst ira Früh
jahre 1839, so dass die barmherzigen
Schwestern ain 1. Mai 1839 auf das Feier
lichste in dasselbe eingeführt werden konn
ten. Die ersten Candidatinnen wurden in
dem Mutterhause zu München gebildet, von
woher auch die erste Colonie kam. Seit
dem sind sie in den meisten Hospitälern in
Tirol eingeführt worden. Beinahe alle sind
Filialen des hiesigen Institutes, wesshalb
dieses von Sr. Majestät mit allerhöchster
Entschliessung vom 23. April 1844 für das
Mullerhnn* erklärt, und alle übrigen Insti
tute in Tirol in eine einzige Ordensprovinz
vereinigt worden sind, ln diesem Hause
hat auch die General-Oberin ihren Sitz. —
Seit ihrer Einführung haben sie mit Hinge
bung und Selbstaufopferung ihrem schweren
Berufe gelebt, was die — zum Theil trau
rige Thatsache beweist, dass während der
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54
kurzen Zeit des Bestehens dieses Institutes
schon mehr als 30 Schwestern und Candida
tinnen gestorben sind.
Die Geisteskranken haben ihre Heil- und
Versorgungs-Anstalt im Irrenhause zu Hall,
in welcher Stadt auch für Taubstumme
ein Zufluchts- und Bildungsort eröffnet ist.
Zu den Instituten, welche die Armen
versorgung erleichtern, gehören mehrere
wohlthätige Stiftungen. Wir erwähnen hier
nur:
a. Die Stiftung des Erzherzogs Maxi
milian mit einem Stammvermögen von
26,00011., wovon unter andern 12 ar
me, hier ansässige Männer versorgt
werden.
b. Das Bruderhaus mit zwei Häusern,
wovon das eine in der Stadt, das an
dere in der Vorstadt St. Nikolaus
liegt, für arme Bürgerswitwen und
alte, treue Dienstbothen bestimmt,
dessen Ursprung über das 15. Jahr
hundert hinaufreicht.
c. Das Kaiserspital, von Kaiser Maxi
milian I. im Jahre 15C8 gestiftet und
1650 unter der Regierung des Erz
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herzogs Ferdinand Karl erneuert, zur
Unterstützung von 14 alten verdien
ten Männern aus Innsbruck, wovon
jeder jährlich 104 11. C. M. nebst un
entgeltlicher ärztlicher Hilfe und Me
dikamenten erhält. Sie bewohnten in
alten Zeiten ein eigenes Haus, wel
ches aber schon Kaiser Ferdinand I.
als er die Jesuiten im Jahre 1561 da
hier einführte, diesen zur Wohnung
anwies. Es stand da, wo jetzt der
Kreuzgang des frühem Jesuiten-Col-
legiums steht.
Kinder, welche zum Schulbesuche noch
zu jung sind, und zu Hause nicht die ge
hörige Aufsicht finden, versammeln sich in
den Kleinkinderbewahr-Anstalten, deren es in
Innsbruck drei gibt, nämlich: zu St. Niko
laus, zu Dreiheiligen und in der Museums-
Strasse.
Mit diesen Kinderbewahr-Anstalten steht
der Frauenverein in Verbindung, welcher
nicht bloss durch Herbeischaffung der Geld
mittel und der Arbeitsstoffe, sondern ganz
vorzüglich durch Unterricht den wohlthäti-
Hist. Prov. sup. Gerin dec 3. u. 43.
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gen Einfluss auf die Erziehung der Kinder
des ihnen zugewiesenen Bezirkes nimmt.
Diese Anstalten wurden erst im Jahre
1832 von dem frühem Gouverneur, Friedrich
Grafen von Wilczeck und seiner Gemahlin,
welche die erste Vorsteherin derselben war,
ins Leben gerufen und nehmen einen immer
gedeihlicheren Aufschwung.
23 Zu den Besserungsanstalten gehört
das städtische Zwangs-Arbeitshaus und das
Straf-Arbeitshaus.
Das erstere ist kein Strafort, sondern
eine Polizeianstalt, deren Zweck darin be
steht, Müssiggänger und arbeitsscheue Men
schen, wiederholt betretene Bettler, Leute,
die keinen ehrlichen Erwerb ausweisen kön
nen; endlich Individuen, deren unsittlicher
Lebenswandel notorisch ist, durch Religions
und sittlichen Unterricht, durch Angewöh
nung zur Ordnung und Arbeit zu bessern,
und sie in thätige und nützliche Menschen
umzuschaffen.
Das Straf-Arbeitshaus ist der für Cri-
minal-Sträflinge bestimmte Strafort, avo je
doch die Sträflinge nicht bloss die gesetz
lich angedrohten Folgen ihrer Verbrechen
büssen, sondern durch religiösen und sittli
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chen Unterricht, und durch strenge Anhal
tung zur Arbeit der Besserung zugeführt
werden sollen.
Die sorgfältige Reinlichkeit, die in die
sem Orte herrscht, die pünktlichste Ordnung,
welche gehandhabt wird, die Mannigfaltig
keit und Gelungenheit der Arbeiten, welche
die Sträflinge zu Tage fördern , erheben
diese Anstalt zu einem Muster ihrer Art,
und jeder Fremde , der sie in Augenschein
nahm, hat sie mit voller Befriedigung ver
lassen.
7. pittumgs - Jlnstalten.
1~) Für allgemeine Volksbildung beste
hen zu Innsbruck:
a. eine Muster-Hauptschule, womit auch
eine Zeichnungs- und Realschule zur
Vorbildung angehender Gewerbs- und
Handelsleute in Verbindung steht,
welch’ letztere demnächst in eine
förmliche polytechnische Schule ver
wandelt werden soll;
b. die Schule der Ursulinen für Mäd
chen.
Hier wird ausser den Eleinentar-
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58
Gegenständen auch in der Geogra
phie, in der italienischen Sprache, iin
Zeichnen und in weiblichen Handar
beiten an mehr als 500 Mädchen Un
terricht ertheilt. Neben den genann
ten Schulen unterhalten diese Kloster
frauen auch ein Convict zur Erzie
hung von Mädchen, welche nebst den
gedachten Gegenständen auch noch
in der französischen Sprache, im Ge
sang u. s. w. Unterricht erhalten.
Endlich unterrichten sie auch die
15 Zöglinge der im Jahre 1814 wie
der ins Leben getretenen Stiftung zur
Ausbildung und Ausstattung dürftiger
Mädchen der Stadt Innsbruck in den
vorgeschriebenen Gegenständen. Nach
einem vierjährigen Curs erhält das
Mädchen, welches sich am besten
auszeichnet, einen Ausstattungspreis
von 250 11., vier werden mit andern
Piämien zu 20 fl., fünf zu 15 fl. und
fünf zu 10 fl. C. M. betheilt;
c. zwei Vorstadt-Schulen, nämlich eine
jenseits der Innbrücke, die andere zu
Dreiheiligen;
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d. zwei Industrie-Schulen in den ange
gebenen Vorstädten.
23 Für gelehrte Bildung hat Innsbruck
a. ein Gymnasium,
b. eine Universität.
Früher schon, als Tirol nach dem Tode
des Erzherzogs Ferdinand ([15953 an Kai
ser Rudolph II. überging, hatte es, und
zwar über hundert Jahre, ein Gymnasial-
Studium mit einigen philosophischen und
theologischen Disciplinen.
Kaiser Leopold I. führte endlich den
schon vom Erzherzoge Ferdinand gefassten
Entschluss, dem Lande eine höhere Lehr
anstalt zu geben, wirklich aus, und stiftete
im Jahre 1673 eine Universität, insbeson
dere, um dem aus Deutschland drohenden
Geiste der Reformation Schranken zu setzen.
So blühte die Leopoldinische Hochschu
le, seihst vom Auslande geachtet und be
sucht, durch 109 Jahre, bis sie Kaiser Jo
seph II. im Jahre 1782 wegen Unzulänglich
keit des Fondes nach Aufhebung des Je-
suiten-Ordens in ein Lyceum umschuf. Kai
ser Franz I. rief im Jahre 1792 die Univer
sität zwar wiederum in das Lehen; doch
wurde sie iin Jahre 1810 unter der königl.
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baierischen Regierung zum zweiten Male
aufgehoben, und in eine philosophisch-theo
logische Schule verwandelt. Erst im Jahre
1826 wurde das Lyeeum neuerdings zur
Universität erhoben, mit der Befugniss, Dok
toren der Philosophie und Rechtsgelchrsam-
keit zu kreiren. Das theologische Studium
besteht nach den Grundsätzen der österrei
chischen Gesetzgebung zuBrixen, am Sitze
des Bischofes; das medicinisch-chirurgische
Studium ist auf Bildung von Wundärzten
beschränkt.
33 Als Hilfsmittel für Volks- und Ge-
lehrten-Bildung befindet sich zu Innsbruck
a. eine öffentliche Bibliothek. Sie zählt
40,000 Bände, und darunter viele alte
Drucke, wovon die grösste Merkwür
digkeit die erste Ausgabe der Biblia
panperum ist. Diese ist jedoch bei
weitem nicht vollständig, indem sie
nur 11 statt 21 Blätter enthält. So
dann die zweite Ausgabe der „Ars
meinorandi notabilis per figuras evan-
gelistarum,“ und ein der Biblia pau-
perum ähnliches, die Geschichte der
Könige von Israel in Figuren dar
stellendes Werk. Von den eigentli-
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61
eben Druckwerken ist das älteste vom
Jahr 1460. Sie enthält auch mehrere
Manuscripte, wovon jedoch keines
rücksichtlich seines Inhaltes von be
sonderer Bedeutung ist. In histori
scher Hinsicht haben die handge
schriebenen „Collectanea Tyroleris.‘‘
des Ch. W. Putsch den grössten
Werth. Einige andere Manuscripte
zeichnen sich nur durch die Kunst
fertigkeit, womit sie geschrieben sind,
und durch ihre Miniatur-Malereien
aus.
Die Bibliothek steht beinahe täg
lich durch 5 Stunden für Jedermann
offen. Sie ist im zweiten Stocke des
Gymnasialgebäudes in drei geräumi
gen und lichten Sälen aufgestellt,
wovon einer mit sehr schönen Decken
gemälden von J. G. Grasmayr ge
ziert ist. Sie stellen Scenen aus dem
Leben der seligsten Jungfrau Maria
vor, weil dieser Saal früher derBeth-
und Versammlungssaal der akademi
schen Congregation war, und erst
nach der Aufhebung der Jesuiten die
gegenwärtige Widmung erhielt. Bei
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62
der Gründung der Bibliothek im Jahre
1745 befand sie sich in dem alten
Cniversitäts - Gebäude am Rennplatz.
Sie verdankt ihr Dasein der Kaise
rin Maria Theresia. Zur Anschaffung
neuer Werke ist der Bibliothek eine
jährliche Dotation von 600 tl. C. 31.
aus dem Studienfonds angewiesen.
b. Die Leihbibliothek des Herrn Carl
Pfaundler mit vielen Werken belle
tristischen und scientifischen Faches;
c. ein Naturalienkabinett:
d. ein botanischer, 2516 Quadratklafter
haltender, sehr gut gelegener Garten;
e. ein physikalisches Kabinett mit den
zwei merkwürdigen Globen und meh
reren Handzeichnungen des Peter
Anich;
f. ein anatomisches Kabinett, und end
lich
g. das Ferdinandeum. 3'on letzterem
wird in der Folge gehandelt werden.
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63
III.
Merkwürdigkeiten der
Kunst.
CÖ£>ebätrt>*.
übschon Innsbruck mehrere grossartige
Gebäude zählt, so machen doch diese auf
das Auge des Fremden nicht jenen impo
santen Eindruck, den man sich von ihrer
Bauart versprechen könnte. Unstreitig liegt
der Grund dieser Erscheinung in der Gross
artigkeit der Natur, welche uns von allen
Seiten umgibt. Der BegrilF von Grösse ist
an und für sich relativ, und ein Gebäude,
welches auf dein (lachen Lande als ein küh
nes Werk des schaffenden Geistes und der
Kraft des Menschen angestaunt würde, ver
schwindet in einem Thale, um welches die
Natur die Bollwerke mächtiger Gebirge auf-
gethürmt hat. Ueber jeden Giebel, über jede
Thurmspitze ragt in riesiger Grösse eine
Bergkuppe hervor, und lässt uns die Klein
heit und Ohnmächtigkeit der Menschenwerke
recht lebhaft fühlen. Die alte Stadt hat
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wenig ansehnliche Gebäude; den Alten war
es mehr um Festigkeit und Sicherheit, als
um Bequemlichkeit und gefällige Formen zu
thun. Dagegen sind die in der Neustadt
und in dem neuen Stadtviertel glossartiger
und in einem bessern Geschmacke aufge-
l'iihrt, als es Mancher in einem solchen Thal
erwarten dürfte. #3
Eine bessere Bauart kam erst unter den
Erzherzogen von Oesterreich in Schwung,
wo die Residenz dieser Fürsten in Inns
bruck, ihr gebildeter Geschmack und ihre
Kunstliebe mehrere Künstler, besonders aus
Italien, hieher lockte.
Die sehenswerthesten Gebäude sind
theils öffentliche, theils Privatgebäude.
I. Oeffenl liehe (Staats-, ständische und städ
tische) Gebäude.
13 Die kaiserliche Burg. Sie wurde vom
Kaiser Maximilian im Jahre 1494 erbaut.
Ihre erste Gestalt war von der heutigen
weit verschieden. Vier Rondellen mit drei
Erkern und mehrern Zugebäuden umgaben*)
*) J. Barrow: Tour in Austrian Lombardy etc.
London 1341, p. 237.
Seite 77
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die in altgothischer Form erbaute Burg. Am
rechten Flügel derselben ^beira jetzigen
Einfuhrtsthore in die Hofgasse) erhob sich
der alte Wappenthurm. Er war viereckig,
bis an die hölzerne Gallerie 73'/a, und bis
zur Spitze des pyramidenförmigen Daches
102 Schuh hoch. Oben prangten vier ge
mauerte Erker mit einer auf 32 hölzernen
Säulen ruhenden Gloriette. Der mittlere
Theil desThurmes war mit bunten Wappen
schildern geziert.
Nach dem grossen Brande (^1534) liess
Kaiser Ferdinand I. die Burg, welche eben
falls ein Raub der Flammen geworden war,
in etwas veränderter Form wieder her-
stellen.
Erst Maria Theresia gab der kaiserli
chen Burg die gegenwärtige ansehnliche
Gestalt. Der Bau wurde nach dem Plane
und unter der Leitung des k. k. Ingenieur-
Majors v. Walter im Jahre 1T66 begonnen,
und im Jahre 1770 vollendet.
In der gegenwärtigen Gestalt ist sie
eines der grössten und schönsten Gebäude
der Stadt. Die Fa^ade auf dem Rennplätze,
dem Theater und Iledöutensaale gegenüber,
gewährt jetzt einen eben so freundlichen,
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66
als imposanten Anblick, nachdem ein lan
ger, von der Burg in das Theater führen
der Gang im Mär/ 1844 niedergebrochen,
und dadurch eine ungehinderte Ansicht die
ses schönen Gebäudes gewonnen worden ist.
Im Erdgeschosse ist das k. k. Kame-
ral-Zahlamt untergebracht. Die Zimmer des
ersten Stockes längs der Fa<^ade bewohnt
der Herr Landesgouverneur; die übrigen
Theile des ersten Stockes und das dritte
Stockwerk sind für die Bureaux des Gu-
berniuins bestimmt. Die Zimmer des zwei
ten Stockes stehen nur für die kaiserliche
Familie in Bereitschaft. Sie sind nach dem
neuesten Geschmacke prachtvoll möblirt, mit
herrlichen Parquetböden belegt 5 Thürcn und
Fensternischen derselben sind mit reichen
Vergoldungen geziert. Besonders sehens-
werth sind :
a. Der Riegensaal mit seinen drei schö
nen Plafond-Gemälden von Ant. Maul-
bertsch. In dem inittlern Hauptpla
fond ist die triuinphirende Verbindung
des erzherzoglichen Hauses von Oe
sterreich mit dem herzoglichen Hause
von Lothringen allegorisch dargestellt.
Die in demselben Geschmacke, wie
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der grosse Plafond ausgeführten Sei
tenplafonds lassen die Regalien des
Landes Tirol schauen. Die Seiten
wände dieses wegen der Thaten des
Herkules, die früher darin gemalt wa
ren, Riesensaal benannten Saales, sind
mit denPortraits der ganzen Familie der
Kaiserin M. Theresia in dem Costume
ihrerZeit geziert. DerVorsaal desselben
enthält grosse Schlachtstücke — Carl
von Lothringen gegen die Türken;
das daran stossende Cabinet die Por-
traits der Lothringischen Familie;
noch ein anderes schöne Familienstücke
mit Portraits aus der Umgebung und
dem Hofstaate Maria Theresiens.
Die Burg enthält ausserdem noch
einen Gegenstand, welcher Anspruch
auf allgemeine Beachtung hat, diesen
aber nicht von seiner architektoni
schen Schönheit, sondern von einem
sehr betrübten und anziehenden Er
eignisse herleitet, — dieser Gegen
stand ist
b. die Burgkapelle. Es ist bekannt, dass
der Kaiser Franz I., der Gemahl der
hochgefeierten Kaiserin Maria There-
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G8
sia, am 18. August 17G5 plötzlich da
hier gestorben ist. Die Kaiserin, wel
che ihn mit ausserordentlicher Zärt
lichkeit liebte, liess kurz nachher an
der Stelle, wo er verschieden ist, ei
nen Altar errichten, und darüber eine
Kapelle bauen. Kapelle und Altar
sind, obwohl einfach, sehr schön, und
ein wohlgefälliges Denkmal der Zärt
lichkeit und des guten Geschmackes
der erlauchten Witwe. Diese Prin
zessin, welche damals noch in der
Dliithe der Jugend und Schönheit
stand, — sie zählte erst 48 Jahre und
3 Monate — und nach Rang und Län
derbesitz die erste Fürstin von Europa
war, trug von da an fortwährend
Trauerkleider, und soll auf manchen
nachherigen Heirathsantrag mit den
seelenvollen Worten Virgils geant
wortet haben :
Ille meos, priinus qui ine sibi junxit, amores
Abstulit, ille liabeat secum servetque sc-
puicliro!
Kr, mein Jugendgemnhl, er nahm die Liebe
der Gattin
Mit sich hinweg; er hab’ und behalte sie
ewig im Grabe! Aen. IV, 28.
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Die Statuen aus Alabaster sind von Ant.
Jos. Sartori; die sehr künstlich gemalten
Basreliefs von Franz Anton Leitersdorfer,
ehemaligem Professor der Zeichnungs-Aka
demie zu Mannheim.
In der Burg wird noch eine andere in
teressante Merkwürdigkeit gezeigt. Diess
ist ein Kasten, der wegen ihrer geistigen
und körperlichen Schönheit berühmten Yhi-
lippi/te Welser. Er ist sehr kunstreich aus
den schönsten Holzgattungen zusammenge
setzt, reich mit Ametisten, Carniolen, Elfen
bein, Alabaster, Dendriten und Marmor ver
ziert, enthält sehr viele Schubladen und ein
Spielwerk auf Drahtsaiten, das mittels einer
Walze sechs Stücke spielt, woraus man den
im 10. Jahrhundert in der Musik herrschen
den Geschmack beurtheilen kann. Es sind
daran auch Tasten angebracht, so dass man
auf diesem Instrumente nach Belieben auch
mit den Händen spielen kann. Dieser Ka
sten wurde von S. Biedermann in Augsburg
verfertigt, und kam aus dem Schlosse Am
ras hieher. Der gegenwärtige Residenz-
schlossverwalter Hr. Ernst Suschizky liess
ihn ganz im Geschmacke derZeit, aus wel
cher er stammt, so schön restauriren, dass
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man zu glauben versucht wird, er wäre erst
vor wenigen Wochen neu verfertiget wor
den. Nebst diesem sind noch einige andere
ähnliche Schränke vorhanden, die sich gleich
falls aus Philippinens Besitz herschreiben.
Mit der Burg hängt
23 das Dnmemlifls Gelände zusammen.
-
Es wurde von Maria Theresia 1771 in ei
nem der Burg ähnlichen Style aufgeführt.
Gegen Norden schliesst sich das soge
nannte
3) Neugebäude, dann
4^ die Reitschule, und
5^ die Manlhhalle mittels eines Ganges
an die Burg an. Ersteres ist ein grosses
und solides, unter der Kaiserin Maria The
resia im Jahre 1775 aufgefiihrtes Gebäude,
in welchem sich der schöne Sitzungssaal
des k. k. Appellationsgerichtes, seine Bu-
reaux und die mehrerer anderer Aemter be
finden. Sein Aeusseres kann auf Schönheit
keinen Anspruch machen. Von der Erbauung
der Mauthhalle war bereits im geschichtli
chen Ueberblick die Rede. Das Gebäude
ist gross und sehr zweckmässig-, biethet
aber in ästhetischer Hinsicht gleichfalls nichts
Bemerkenswerthes dar. Im Sommer 1838
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wurde es architektonisch, aber nicht im
besten Geschinacke verziert.
6} Das Gebäude der theresiattischen Ril-
ter-Akademie, ehemals das Kloster der Fran
ziskaner, ein 2 Stockwerk hohes, geschmack
voll dekorirtes Gebäude mit einer schönen
Pforte von rothem Marmor.
73 Das UniversHälsgebände, einst das
Jesuiten-Collegium, ein sehr langes, regel
mässiges Gebäude, von Kaiser Ferdinand I.
im Jahre 1561 gegründet, und nach mehr-
fältiger Unterbrechung von Erzherzog Fer
dinand II. im Jahre 1571 vollendet. Durch
die Länge der Zeit und die häufigen Erd
beben war es ganz baufällig geworden;
desswegen wurde es im Jahre 1692 nieder
gebrochen , und in den folgenden Jahren
in der gegenwärtigen Gestalt wieder auf
gebaut. ln diesem Gebäude befinden sich
die Universität mit einem grossen akademi
schen Saale, in welchem die Portraits der
um die Universität verdienten Männer auf
gehängt sind, und mit der im Herbste 1846
hergestellten, geschmackvoll ausgezierten
Aula gymnasii; dann das physikalische, Na
turalien- und anatomische Kabinett, und die
Bureaux der k. k. Baudirektion.
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S') Das Gymnasialgebäude wird von den
vorherbenannten, durch die dazwischen ste
hende Universitätskirche getrennt. Maxi
milian der Deutschmeister liess es auf seine
Kosten 1603 erbauen und den Schulen ein-
räumen. Nachdem aber dieses Gebäude durch
die Erdbeben so baufällig geworden, dass
es den Einsturz drohte und an eine Repa
ratur nicht mehr zu denken war: so ent
schloss man sich im Jahre 1721, das alte
Gebäude ganz abzutragen, und dafür das
gegenwärtige neu zu erbauen. Der Bau
begann nach dein Entwürfe und unter der
Leitung des Hofbaumeisters Georg Anton
v. Gump. Die von der landesfürstlichen
Kammer bestrittenen Kosten beliefen sich
über 14,000 tl. Im Jahre 1723 war das Ge
bäude in so weit vollendet, dass bereits im
Oktober desselben Jahres die Schulen wie
der eröffnet werden konnten.
Ueber dem Thore sind die Wappen von
Oesterreich und Tirol, aus weissein Marmor
gehauen, angebracht. Im zweiten Stock-
Averke sind die Säle der Universitäts-Biblio-
*) v. Lemnien, tirol. Künstlerlexäcon S. 81.
**) Zoller II, 91.
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73
thek samint dem Lesezimmer, wie bereits
oben bemerkt worden.
9) Das goldene Dächelgebiiude. Es wurde
von Friedrich IV. um das Jahr 1425 erbaut,
und zu seiner Residenz, bestimmt. Das Ge
bäude hat gegen den Stadtplatz einen vor
springenden, nach gothischem Style gebau
ten Erker, den Friedrich mit einem aus
stark vergoldeten Bronze-Tafeln bestehen
den Dache zierte. Er soll diess aus dem
Grunde gethan haben, um seine Feinde, die
ihn spottweise „Friedrich mit der leeren
Tasche“ nannten, zu beschämen, und des
Gcgentheils zu überführen. Die Vergoldung
der Schindeln soll 200,000 Dukaten gekostet
haben. Dass diess arge Uebertreibung ist,
davon kann sich Jedermann durch den Au
genschein überzeugen.. Unter Sigmund dem
3Iiinzreichen und Kaiser Maximilian dem I.
w urde diese Fürstenburg ansehnlich erwei
tert und verschönert.
Indessen hat sie durch häufige Erder
schütterungen in der Folge so sehr gelitten,
dass ausser dem Erker von ihrer ursprüng
lichen Gestalt kaum eine Spur mehr übrig
sein dürfte. Unter den Fenstergesimsen
des Erkers im zweiten Stocke erscheinen
4
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74
drei in Stein gehauene, an einer gedeckten
Tafel sitzende Figuren, welche den Kaiser
Maximilian I. mit seinen zwei Gemahlinnen,
Maria von Burgund und Maria Blanka von
Mailand vorstellen. Auf der Wand des Vor
trittes in demselben zweiten Stocke erblickt
man mehrere Gemälde. Rechts von der
Thiire zeigt sich ein ehrwürdiger Greis mit
weissem, herabfliessendem Barte. Vor ihm
steht ein weisses Pferd, und nahe an dem
selben erscheint ein Mann in sonderbarem,
phantastischem Aufzuge mit einer Schellen
kappe auf dem Haupte, der mit einem Frauen
zimmer in höchst angelegentlichem Zwei
gespräche vertieft zu sein scheint.
Die Bedeutung dieses Bildes lässt sich
nicht mit Zuverlässigkeit enträthseln. Am
wahrscheinlichsten ist die Meinung, dass
Kaiser Maximilian durch dieses Gemälde
das Andenken seines am 16. März 1494 mit
Maria Blanka von Mailand in dieser Burg
gefeierten Beilagers verewigen wollte. Das
beschriebene Wandgemälde dürfte vielleicht
eine Scene der bei dieser Gelegenheit statt
gehabten Festspiele darstellen.
In der Mitte zwischen dem ersten und
zweiten Fenster des Erkers erheben sich
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z.wei riesenhafte Rittergestalten in voller
Rüstung, der eine die Fahne des Keichs,
der andere das fliegende Banner Tirols in
starker Faust. Die untere Seite des Erkers
enthält mehrere Wappenschilder mit den
betreffenden Inschriften.
Nach Erbauung der neuen kaiserlichen
Burg am Rennplat/.e wurde dieses Gebäude
der Sitz der Kammer (Finanzbehörde), da
her man es gewöhnlich das Kammergebäude
nannte. Diese Widmung behielt es bis zum
Jahre 1775, in welchem Jahre es Maria
Theresia zu verkaufen erlaubte. Später ging
man von diesem Beschlüsse wieder ab, und
verwandelte es im Jahre 1780 in eine Ka
serne, bei welcher Gelegenheit auch die
darin befindliche St. Georgskapelle kassirt
wurde. Es gerieth endlich in einen so bau
fälligen Zustand, dass cs lange unbewohnt
blieb. Im Jahre 1812 verkaufte es die baie-
rische Regierung an die Stadtgemeinde 5
endlich wurde es im Jahre 1822 durch eine
Gesellschaft Aktionäre in den gegenwärti
gen ansehnlichen Stand gesetzt. Der alter-
thümliche Erker an der Fa<*ade mit seinem
vergoldeten Dache wurde als ein ehrwürdi-
1 #
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ges Monument der Vorzeit ungeändert be
lassen.
10) Das Stndl- und Landrechts-Gebnude
(Regierungsgebäude) wurde schon im Jahre
1534 erbaut, und iin Jahre 1634 von der
Erzherzogin Claudia ansehnlich erweitert.
Der hintere Theil dieses grossen Gebäudes
dehnt sich dem rechten Innufer entlang aus,
und wurde von der Erzherzogin Claudia im
Jahre 1634 angefügt. Vor nicht langer Zeit
zeigte man im zweiten Stockwerke noch die
sogenannte Claudiana ( den claudianischen
Saal), der jetzt in den neuen Sitzungssaal
des k. k, Stadt- und Landrechtes umge
staltet wurde. Die vordere Fronte, dem
Gasthause zum goldenen Adler gegenüber,
mit prunkvoller Stukaturarbeit geziert, wur
de vom Kaiser Leopold I. im Jahre 1606
hergestellt. Dieses Gebäude war ursprüng
lich durch einige Zeit Residenz, dann der
Sitz der höchsten Landesbehörden. Die
Claudiana soll durch einen unterirdischen
Gang mit der auf dem Pfarrplatze befindli
chen Frohnfeste in Verbindung gewesen
sein. Durch eine Fallthüre stiegen die Ge
fangenen in den Richtsaal, um dort ihre
Verhöre zu bestehen, oder ihre Crtheilo zu
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vernehmen. Der unterirdische Gang ist zer
fallen; die Fallthüre mit der Wendeltreppe
Avar noch zu sehen, ehevor der neue Sitzungs
saal eingerichtet Avurde.
Gegenwärtig befinden sich nebst dem
k. k. Stadt- und Landrechte auch das Stem
pelamt und das Rentamt in diesem Ge
bäude.
11) Das Hut/Junis ist zAvar von aussen
unansehnlich, enthält aber einen hübschen
Sitzungssaal und schöne Arbeitszimmer. Da
mit in Verbindung steht der Stadlthurm, der
zu einer bedeutenden Höhe einporsteigt. Er
ist offenbar das älteste noch bestehende
Bamverk der Stadt; denn er AAmrde schon
im Jahre 1305 erbaut. In demselben hängt
die im Jahre 1468 gegossene Feuerglocke,
mittelst Avelcher eine in der Stadt entstan
dene Feuersbrunst angezeigt AAÜrd. Dieser
Thurm ist nicht besclnverlich zu besteigen;
von demselben aus kann man bequem die
ganze Stadt und ihre ganze Umgebung
überschauen. Zum Vergnügen der Besu
chenden stehen ein paar gute Fernröhre in
Bereitschaft. Der Zutritt ist Jedermann und
zu jeder Stunde gestattet.
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TS
12} Die städtische/'Vmc/iAffwÄ ^Schlacht
haus} , eines der grössten und ansehnlich
sten Gebäude der neuesten Zeit. Sie wurde
an der Stelle einer durch eine heftige
Feuersbrunst am 27. August 1841 zerstör
ten hölzernen Barake nach dem Plane des
k. k. Brückenbaumeisters Alcis Haas durch
den Baumeister Joseph Mayr erbaut. Der
Grundstein wurde am 25. Februar 1842 ge
legt, und der Bau im Frühjahre 1844 in al
len seinen Theilen vollendet. Das Gebäude
ist 192 Wiener-Fuss lang, 96' tief, und hat
nebst dem Erdgeschosse noch zwei Stock
werke. Das erstere enthält das Schlacht
haus, die letztem Mietwohnungen. In je
nem herrscht grosse Reinlichkeit, da aller
Unrath in einen, das Haus durchziehenden
Kanal abgeleitet werden kann; diese sind
geräumig und bequem. Von aussen ist es
im italienischen Style verziert. Die hintere
Fronte läuft in zwei Flügel aus, was ihm
ein sehr imposantes Ansehen verleiht. Am
wenigsten spricht seine Stellung an, indem
es mit allen ältern Gebäuden seiner Umge
bung spitze oder stumpfe Winkel bildet.
13} Das Civil- Sjnlalgeöäuäe, in unmit
telbarer Verbindung mit dem Hause der
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79
barmherzigen Schwestern, wurde gleichzei
tig mit diesem von Alois Haas erbaut. Es
steht unfern derHauptwache, ist drei Stock
werke hoch , und enthält viele geräumige
und lichte Zimmer. Im Jahre 1841 wurde
an der nordwestliche Ecke der Neustadt
ein dem Hause der barmherzigen Schwes
tern ähnliches Gebäude durch den Baumeister
Joseph Christoph aufgeführt, und mittelst ei
ner Reihe von Verkaufsgewölben jenem an
geschlossen. Auch diese Gebäude tragen
das Gepräge des italienischen Styles an
sich, und zählen mit zu den interessanten
Bauwerken aus der neuesten Zeit.
14} Der landschaftliche Palast (^insge
mein das Landhaus genannt") ist eines der
prachtvollsten Gebäude Innsbrucks. Es steht
in der Neustadt, wurde im Jahre 1725 nach
dem Plane des Hofbaumeisters Georg Anton
Gump zu bauen angefangen und 1728 vollen
det. Sehenswürdig ist der Sitzungs-Saal,
welcher mit dem den Ständen zum Ge
schenke gemachten Portrait Sr. Majestät des
Kaisers Franz I. in der Uniform des Land
regiments geziert ist. In einem anderen
Saale des zweiten Stockes sind Plafond-
Gemälde von C. D. Asam. Sie stellen alle-
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— 80
goriscli die Viertel des Landes vor. Die
vier eben dort befindlichen Nischen füllen
Statuen von Nikolaus Moll, einem guten,
von Innsbruck gebürtigen Bildhauer. Von
ihm sind auch die an der obern Treppe be
findlichen Figuren und Vasen aus Holz. Das
Altarblatt der Kapelle, der heilige Georg
von Grasmair, verdient die Aufmerksamkeit
des Kenners.
In diesem Gebäude sind die Bureaux
der ständischen Aktivität; auch Averden hier
jährlich die Sitzungen der Stände ge
halten.
153 Die Infanterie-Kaserne am nordöst
lichen Ende der Universitäts - Strasse, das
kollossalste Gebäude von Innsbruck. Sie
wurde an der Stelle ZAveier Frauenklöster,
Avelche von der Witwe des Erzherzogs Fer
dinand, Anna Katharina, in den Jahren 1607
— 12 mit einem KostenaufA\rande von mehr
als 90,000 fl. erbaut, \'on Kaiser Joseph II.
aber in den Jahren 1782 und 1783 aufgeho
ben worden waren, durch den Baumeister
Joseph Mayr für die Summe von 288,050 fl.
C. M. aufgeführt. Am 10. Mai 1844 begann
der Abbruch der beiden Klöster und der
schönen, im reinsten römischen Style er-
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bauten Kirche, und den 24. Juni desselben
Jahres erfolgte die Grundsteinlegung zu der
Kaserne. Die Fronte derselben hat eine
Länge von 300', und in der Mitte einen
ltesalit, der mit toskanischen Pfeilern ver
ziert ist. Den ltesalit schliesst eine Attika.
Diese Kaserne ist drei Stockwerke hoch,
enthält in ihren vielen Zimmern Raum für
1600 Mann, und entspricht ganz dem Zwecke
eines solchen Gebäudes. Sie ist aber noch
nicht ganz vollendet.
16) Das Straf- Arbeitshaus, ein zwei
Stockwerk hohes, im Viereck aufgeführtes
Gebäude am linken Innufer unterhalb der
Innbrücke. Es wurde im Jahre 1T25 auf
gemeinsame Kosten des Aerars und der
Landschaft gegründet.
II. Kirchen und Klöster,'
Von den erstem hat Innsbruck herrliche
Monumente der Baukunst aufzuweisen , die
im Innern werthvolle Kunstschätze und be
rühmte Denkmäler umschliessen. In dieser
Beziehung steht oben an :
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1. Hie liirclie zum liell* lireuz.
(Hofkirclie, Franziskanerkirche.)
Der Bau dieser Kirche begann in Folge
letztwilliger Anordnung des römisch-deut
schen Königs Ferdinand I. im Jahre 1553
durch den Baumeister Nikolaus Thuring aus
Augsburg. Nachdem aber dieser im Jahre
1558 verstorben war, wurde er durch Marx
della Bolla fortgesetzt. Nach 10 Jahren war
der Bau vollendet, und Kirche und Altäre
wurden am 14. Februar 1563 in Gegenwart
des Stifters und seiner Familie vom Bischöfe
zu Fünfkirchen, Georg von Draskoviz, ein
geweiht.
Die früher ganz kahle Fa^ade erhielt
im Sommer 1847 eine angemessene Verzie
rung im byzantinischen Style, um schon von
aussen auf die Kunstschätze aufmerksam zu
machen, die das Innere dieser Kirche um-
schliesst. Durch eine auf zwei jonischen
Säulen und zwei gegenüberstehenden Wand
pfeilern von rothera Marmor ruhende Vor
halle, und eine grosse, von verschiedenen
Baugliedern umrahmte Pforte gelangt man
in dieselbe. Diese Halle, welche erst nach
Vollendung der Kirche angebaut wurde, ist
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das Werk des Hieronimus Longhi; die dar
auf angebrachten Gemälde sind von Paul
Honegger, und wurden später von Joseph
Kirchebner erneuet.
Das Innere der Kirche ist überraschend;
durch die im Sommer 1847 mit Geschmack
vollbrachte Erneuung gewann es ungemein
an Heiterkeit und Freundlichkeit. — Ein
leichtes Gewölbe ruht auf 10 kolossalen rö
mischen Marmorsäulen, welche dem Schiff
der Kirche entlang in doppelter Reihe auf
gestellt sind. Der Sockel dieser Säulen ist
durch ein fortlaufendes Piedestal von glei
chem Marmor verbunden, auf welchem die
berühmten ehernen Statuen in zwei ernsten
Reihen das Grabmal des grossen Kaisers
Maximilian I. umstehen.
Die Kirche hat die grossartige, lang
gestreckte Basilikenform mit einem Haupt-
und zwei Nebenschiffen und einem Chor, den
ein auf zwei breiten Pilastern ruhender
Schwibbogen von dem Schiffe trennt.
Merkwürdigheilen der Kirche.
A. Altäre.
Die Kirche hat dermal nur noch drei
Altäre, nachdem unter Kaiser Joseph 11.
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drei andere daraus entfernt worden sind.
Der Hochaltar bestellt aus dem gefälligen
und zierlichen Tabernakel und dem von ei
nem mächtigen Rahmen umfangenen Altar
blatt. Dieses stellt Christus am Kreuze vor,
zu dessen Fusse seine heilige Mutter und
der Liebesjünger Johannes stehen. Maria
Magdalene umfängt im tiefsten Schmerz den
Kreuzesstamm. Dieses Gemälde ist von J.
C. Auerbach aus Wien. Diesen Altar liess
die Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1758
an der Stelle des frühem hölzernen errich
ten , wie die daran angebrachte Inschrift
besagt. Zu beiden Seiten des Altars stehen
auf hohen, in der Hauptform verkürzten Säu
lenstühlen zwei aus feinem Zinn gegossene
Standbilder, St. Franziskus und St. There
sia, die Namens-Heiligen der Kaiserin Ma
ria Theresia und ihres Gemahls vorstellend.
Sie sind von dem geschickten Hofbildhauer
Balthasar Moll aus Innsbruck, und werden
von Kennern gelobt.
Die beiden Seitenaltäre sind römische
Säulenstellungen mit Attiken, von ganz glei
cher Form und aus schönem Marmor gefer
tigt. Jener zur rechten ist dem heil. Anto
nius geweiht, welchen man in einem schö
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nen, gemüthlichen Gemälde zugleich mit der
seligsten Jungfrau als Fürbitter für die lei
denden Seelen erblickt. Auch dieses Ge
mälde ist von dem sehr geschätzten Maler
Paul Honegger.
In dem nahen Kloster bewahrt man
noch ein ovales, sehr freundliches Bild von
diesem Meister, den heil. Pasclialis Baylon,
von gekleideten Engeln umgeben, darstel
lend.
Der Seitenaltar zur Linken ist der Him
melfahrt der Mutter Gottes geweiht. Das
dieses Ereigniss vorstellende Altarblatt ist
von einem unbekannten Maler und von un
tergeordnetem Kunstwerth. Dagegen spricht
das auf einem kleinen Tabernakel ruhende
Mariahilfbild um so freundlicher an. Es ist
die allererste Copie des in der hiesigen
Pfarrkirche verehrten Originals, und wurde
schon im Jahre 1661 von einer frommen
Dame in diese Kirche vermacht.
Noch verdient die kleine Kapelle auf
dem Bethchor der Franziskaner, links vom
Hochaltar, wegen der darin enthaltenen sehr
schönen Gemälde, die Aufmerksamkeit der
Besucher ganz besonders in Anspruch zu
nehmen. Es sind deren vier grössere und
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fünf kleinere, wovon «lie erstem an den
Wänden, letztere aber zwischen den, eine
kleine Kuppel stützenden Gurtbogen sich
befinden. Die grossem stellen Mariae Ver
kündigung, ihren Besuch bei Elisabeth, die
Geburt Christi und die Anbethung der Wei
sen vor. An der Kuppel sieht man die Auf
erstehung und die Himmelfahrt Christi, dann
die Sendung des heil. Geistes, Mariae Him
melfahrt und ihre Krönung im Himmel. Im
Schlüsse des Gewölbes schwebt der himm
lische Vater auf Wolken, von Engeln ge
tragen. Alle diese Gemälde sind in Oel-
farben auf Leinwand ausgeführt, und auf
den Flächen aufgespannt. Unterhalb der
vier grossem Bilder sind vier entsprechende
Scenen aus dem alten Testament in Bronze
farbe angebracht. Diese kleineBildergalle-
rie ist das Werk eines einzigen Meisters,
des sehr geschätzten Malers Martin Theo
philus Polak. Er war ein Pole von Geburt,
folgte dem von einer Partei zum König von
Polen gewählten Erzherzog Maximilian als
Hofmaler nach Tirol, wo er 30 Jahre lang
lebte, und viele schöne Gemälde lieferte.
Er starb am 25. Januar 1639 zu Brixen.
Alle seine Gemälde, besonders aber diese
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zeichnen siel» durch Sicherheit in der Zeich
nung, durch das Geistreiche in der Kompo
sition, eine edle Darstellung, und ein sehr
liebliches, sanftes Colorit ganz vorzüglich
aus. Franz Fischer hat sie vor wenigen
Jahren glücklich erneuet.
B. Denkmäler.
1. Maximilians Grabmal.
Das Grabmal bildet ein länglichtes Vier
eck von 6 Schuh und 2 Zoll Höhe, 16 Schuh
Länge und 7 Schuh 3 Zoll Breite. Der Auf
satz besteht aus drei Abstufungen von viel
fältigem Marmor. Zu oberst in der Mitte
kniet Maximilian in kaiserlichem Schmucke
auf einem Kissen in bethender Stellung. An
den vier Ecken der mittlern Stufe des Auf
satzes sitzen die Genien der vier Haupttu
genden: die Gerechtigkeit, die Klugheit, die
Stärke und die Mässigkeit. Die Statue des
Kaisers wurde von Ludwig del Duca, einem
Sicilianer, die vier allegorischen Figuren
wurden von Johann Lendenstrauch gegos
sen.
Die vier Hauptflächen des Monumentes
sind durch sechzehn deutsche Pfeiler von
schwarzem Marmor abgetheilt, und werden
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durch einen um die Mitte laufenden Quer
balken von gleichem Marmor in 24 Felder
abgesondert, in welche die Relief-Tafeln
eingefügt sind. Jede derselben misst etwa
2 Schuh in der Breite und l‘/2 Schuh in der
Höhe. Diese Tafeln sind von dem feinsten
karrarischen Marmor und enthalten en haut-
relief gearbeitet, Darstellungen der merk
würdigsten Momente aus dem Leben des
Kaisers.
Der Inhalt dieser Darstellungen ist nach
der laufenden Zahl der Tafeln folgender:
1^ Vermählung Maximilians mit Maria,
Tochter des Herzogs Carl des Küh
nen von Burgund, zu Gent am 20. Au
gust 1477.
2) Schlacht bei Guinegate, 7. August
1479, wo Maximilian an der Spitze
der Burgunder durch Eroberung des
feindlichen Geschützes das Treffen
entscheidet.
3) Einnahme von Arras, 4. November
1492.
4) Maximilians Krönung als römischer
König zu Aachen, 4. April I486.
5) Schlacht am Callian wider die Vene
zianer, 10. August 1187.
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CO Maximilians Einzug in Wien, nach
dem es die Ungarn nach ihres Königs,
Mathias Corvins, Tode geräumt hat
ten, im August 1490.
73 Eroberung von Stuhlweissenburg, am
18. September 1490.
83 Zurückkunft der Prinzessin Marga-
reth vom französischen Hofe zu ih
rem Vater, dem König Maximilian,
1493. Dem Könige werden von Ei
nem aus dem Gefolge seiner Tochter
zwei Schlüssel überreicht, wodurch
die Zurückgabe der Grafschaften Bur
gund und Artois angedeutet wird.
93 Vertreibung der Türken aus Kroatien
1493.
103 Biindniss des römischen Königs Ma
ximilian mit dem Papste Alexander VI.,
der Republik Venedig und dem Her
zoge von Mailand wider Carl VIII.,
König von Frankreich, am 31. März
1495.
11) Belehnung des Ludwig Sforza mit dem
Herzogthume Mailand zu AVocrns, am
5. April 1495.
123 Vermählung Philipps des Schönen,
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90
Maximilians Sohn, mit Johanna von
Arragonien zu Brüssel, 1406.
133 Niederlage der Böhmen hei Regens
burg in dem pfalzbaierischen Erbfol
gekrieg, am 12. September 1504.
143 Belagerung von Kufstein in demsel
ben Erbfolgekriege im September 1504.
153 Unterwerfung des Herzogs Carl von
Geldern 1505.
163 Des Kaisers Bündniss mit dem Pap
ste und dem König von Spanien und
Frankreich wider die Venezianer zu
Cambray, am 10. Dezember 1508.
173 Besetzung des grössten Theiles des
venetianischen Staatsgebiethes durch
die kaiserliche Armee 1509.
183 Wiedereinsetzung des Herzogs Ma-
■ ximilian Sforza in das von den Fran
zosen geräumte Herzogthura Mailand
1512.
19) Zweite Schlacht bei Cuinegate, am
17. August 1513.
203 Vereinigung der kaiserlichen und eng
lischen Armee vor Terouenne nach
der Schlacht hei Guinegate, 1513.
213 Schlacht bei Vicenza wider die Ve
nezianer, am 7. Oktober 1513.
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22') Ausfall der kaiserlichen Besatzung
von IVlarano in das venezianische La
ger im April 1514.
23} Verabredung derWechselheirath zwi
schen des Kaisers Enkel, Ferdinand
und König Wladislavs Tochter Anna 5
dann zwischen des erstem Enkelin
Maria und des letztem Sohne Lud
wig, zu Wien am 22. Juli 1515.
24) Widerstand der kaiserlichen Besatzung
in Verona wider die französisch-ve
nezianische Belagerungs-Armee, im
September 1516.
Die 20 ersten Reliefs sind das unsterb
liche Werk des Alexander Colin von Me-
cheln aus Brabant, und nach dem Ausspru
che des kompetentesten Richters Allerl Thor-
waldsen, „unerreichte Meisterstücke ihrerArt;“
die vier letztem sind von den Brüdern Ber-
nard und Arnold Abel von Köln; indessen
gehen nach dem Urtheile aller Kenner die
Leistungen Colin’s denen der Gebrüder Abel
hinsichtlich des Kunstwerthes weit vor.
Man rühmt an den Colin’schen Arbeiten
insbesondere die geschichtliche und örtliche
Treue seiner Darstellungen; die Consequenz
in der Person seines Helden Maximilian, in
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dessen Portraite sogar die Abstufungen des
Alters nicht zu verkennen sind; die 3Ian-
nigfaltigkeit der Waffengattungen so vieler
Völker und Stände, die Architektur in den
.Kirchen und Palästen, und so vieles Ande
re, welches wir jedem Beschauer selbst zu
fühlen und zu bewundern überlassen müssen.
Als Gründer dieses herrlichen Denkma
les nennt die Geschichte Kaiser Ferdinand I.
der im Jahre 1561 zur Ausführung dieses
Werkes die Gebrüder Abel aus Augsburg
verschrieb; es wurde aber erst nach Ferdi
nande Tode durch Colin im Jahre 1566
vollendet. Die Gebeine des grossen Kaisers
Maximilian , für welche dieses prachtvolle
Grabmal bestimmt war , ruhen jedoch nicht
in der Hofkirche zu Innsbruck, sondern in
der Kapelle der erzherzoglichen Burg in
Wienerisch- Neustadt.
2. Die grossem Statuen von Bronze.
Diese Statuen stehen in zwei Reihen
dem Schiffe der Kirche entlang, zwischen
den kolossalen Marmorsäulen eingereiht.
Jeder Reihe von 12 Figuren entsprechen
noch zwei andere Statuen , die vorne am
Gitter so aufgestellt sind, dass sie mit ihrer
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Ileihc einen rechten Winkel bilden. Die
Zahl der Statuen beläuft sich also im Gan
zen auf 28.
Diese Statuen, welche in kolossalen
Formen berühmte Männer oder Frauen aus
dem Hause Oesterreich, oder Helden der
Vorzeit darstellen, wurden auf Anordnung
des Kaisers Maximilian im landesfürstlichen
Gusshause zu Miihlau bei Innsbruck gegos
sen. Die Figuren wurden zuerst in Holz
geschnitten und sodann bossirt. Die Arbeit
begann schon ira Jahre 1510, und dauerte
mit Unterbrechung bis zum Jahre 1561 fort.
Als die vorzüglichsten dabei beschäftigten
Giesskünstler nennen uns die diessfälligen
Verhandlungsakten den Gregor LötTler nebst
seinen 2 Söhnen, dann den Stephan, Mel
chior und Bernard Godl und Hans Lenden
strauch, wie Baron Sperges versichert.
Rechts vom Eingänge in die Kirche an
gefangen, erscheinen die Statuen in folgen
der Ordnung :
1) Chlodwig I., König von Frankreich,
geboren 466, gestorben 511.
2^ Philipp 1. (der Schöne), König von
Spanien; geboren 14T8, gestorben
1506.
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Dl
3) Rudolph J. von Habsburg; geboren
1218, gestorben 1291.
4) Albrecht II. £der Weiset Herzog von
Oesterreich; geboren 1298, gestorben
1358.
5} Theodorich, König der Ostgothen;
geboren 455, gestorben 526.
6) Ernest der Eiserne, Herzog von Oe
sterreich; geboren 1377, gestorben
1424.
7) Theobert, Herzog von Burgund: ge
storben um das Jahr 640.
8) Arthur, König der Siluren in Britan
nien, Stifter des Ritterordens von der
Tafelrunde: gestorben um das Jahr
542.
9) Sigmund der Münzreiche, Erzherzog
von Oesterreich, Graf von Tirol; ge
boren 1427, gestorben 1496.
10) Bianca Maria Sforza, Herzogin von
Mailand, Maximilian I. zweite Ge
mahlin; gestorben 1510.
11) Margaretha, Maximilians I. einzige
Tochter, Erzherzogin von Oesterreich;
gestorben 1530.
12) Cyraburgis von Massovieu, Herzogs
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Ernest des Eisernen Gemahlin, Cross-
inutterMaximilians; gestorben 1429.
13) Carl der Kühne, Herzog von Burgund;
geh. 1433, gest. 1477.
14) Philipp der Gute, Herzog von Bur
gund, Stifter des Ordens vom golde
nen Vliesse; geh. 1396, gest. 1467.
15) Johanna von Arragonien, Gemahlin
Philipp I. Königs von Spanien , die
reiche Erbin von Castilien, Arragon
und Indien, gest. 1555.
16) Ferdinand V. ([der Katholische), Kö
nig von Arragonien und Kastilien $
geh. 1453, gest. 1516.
17) Kunigunde, Gemahlin Albrecht IV.,
Herzogs von Baiern, Schwester Ma
ximilians; gestorben 1520.
18) Eleonora, Gemahlin Kaisers Friedrich
der IV., Tochter des Königs Eduard
von Portugal, Maximilians 31utter, ge
storben 146T.
19) Maria, Herzogin von Burgund und
erste Gemahlin Maximilian 1., gebo
ren 1457, gestorben 1482.
20) Elisabeth, Kaisers Albrecht II. Ge
mahlin, Mutter der jagcllonischen An-
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96 —
na, der Erbin von Ungarn und Böh
men; geboren 1396, gest. 1442.
21) Gottfried von Bouillon, König von
Jerusalem, gestorben 1100.
22) König Albrecht I., Herzog von Oe
sterreich; geb. 1248, gest. 1308.
23) Friedrich IV. finit der leeren Tasche)
Herzog von Oesterreich, Graf zu Ti
rol; gestorben 1439.
24) Leopold 111. (der Fromme), Herzog
zu Oesterreich; geboren 1351, er
schlagen in der Schlacht bei Sempach
1386.
25) Rudolph IV. (derSanftinüthige), Graf
von Habsburg; geboren 1196, gestor
ben 1232.
26) Leopold IV. (der Heilige), Markgraf
von Oesterreich; geboren 1073, ge
storben 1136.
27) Friedrich IV., römischer Kaiser, Va
ter Maximilians: geboren 1415, ge
storben 1493.
28) Albrecht II., römischer Kaiser; geb.
1397, gest. 1439.
3. Grabmal des Johannes Kasus.
Es befindet sich neben dem Seitenaltar
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zur Linken, und besteht aus einem Grab
stein, auf welchem Joh. Nas im bischöfli
chen Ornate, bereits verstorben, dargestellt
ist. Dieser Mann war einfacher Laienbru
der im Franziskaner-Orden, verwendete
aber die freien Stunden und die Nächte mit
einem solchen Eifer zum Studieren, dass er
in der Folge Priester, Weihbischof von Bri-
xen, llath und Hofprediger des Erzherzogs
Ferdinand wurde. Um sein Andenken zu
ehren, liess ihm Ferdinand diesen, durch
Alex. Colin verfertigten Denkstein setzen.
Joh. Nas starb zu Innsbruck am 16. Mai
1590, und wurde anfänglich in dem Kreuz
gange des nunmehrigen Theres. Akademie-
Gebäudes beigesetzt. Nach der Aufhebung
des Klosters im Jahre 1785 brachte man
seine Gebeine sammt dem Grabstein in die
Jesuitenkirche, von wo dieser wie jene am
14. Juni 1843 hielier zurückversetzt worden
sind.
4. Die Grabstulle der Katharina von Loxau.
Diese Grabstätte findet sich rechts vom
Eingänge in die Kirche in einem Gewölbe
unter der Marmortreppe, welche in die sil
berne Kapelle führt. Katharina von Loxan,
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geborne Adler, Freiin von Zinnenberg, war
eine Tante der PhiJippine Welser, ihre ver
trauteste Freundin, und später ihre Oberst-
hofmeisterin. Sie galt für eine der schön
sten Frauen ihrer Zeit. Nur 11 Tage vor
Philippine, und als diese bereits tödlich er
krankt war, starb Katharina von Loxan am
13. April 1580. Auch das Grabmal dieser
edlen Frau hat Colins Meisterhand verfer
tigt 5 es ist jenem der Philippine Welser
sehr ähnlich. Katharina liegt im Sterbekleide
in Lebensgrösse auf dem Deckel des Sar~
kophags. Die Grabschrift lautet: J.m 1580.
Jar den 13. Aprill ist. gestorben die Edl.
tugentsamb. Fraw. Katharina von Loxan.
Witteb. geborne Adlerin. deren Seel Got
genedig sein vnd ain fröhlich Auferstehung,
verlechten. well. Amen.
5. Andreas Hofer’s Grabstätte.
Im Jänner 1823 erhob das 4. Bataillon
Kaiserjäger bei seinem Durchmärsche durch
Mantua die Ueberreste des Commandanten
von Tirol, und brachte sie auf vaterländi
schen Boden.
Es war der Wille des Kaisers Franz,
dass die Gebeine des Sandwirthes, Andreas
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Hofer, in der Hofkirche zu Innsbruck an
der Seite der Ahnen des österreichischen
Hauses, für welches er sein treues Blut
vergossen hatte, ihre Ruhestätte finden
sollten.
Am 21. Februar desselben Jahres wur
den diese Gebeine nach einem feierlichen
Leichenzuge in der Hofkirche, und zwar in
einer Nische, links vom Eingänge, beige
setzt.
Das schöne, auf kaiserliche Kosten, aus
Glanzmarmor von Schlanders verfertigte
Denkmal ist ein Kunstwerk des Professors
Johann Schalter in Wien ( gestorben am
1. Februar 1842}. Der Held, 7 Schuh hoch,
steht an einer Felsenwand, an deren linken
Seite ein Adler, Tirols Wappen, eingegra
ben ist. Eichengestripp und Epheu umran
ken als Sinnbild der Kraft und der Treue
das Gestein. Das Haupt des Helden ist ent-
blösst, ein üppiger Bart fliesst ihm vom
Kinne auf die Brust; über die Schulter hat
er die Kugel buchse geworfen. Seine Klei
dung mit dem breiten Gürtel um die Mitte
verräth den schlichten Landmann, der die
Fahne muthig für Gott, Kaiser und Vater
land erhebt. Diese Worte sind in gothischer
5#
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100
und lateinischer Schrift auf dein Saume der
Fahne geschrieben. Sein Blick ist ver-
trauungsvoll gegen Himmel gerichtet; nicht
stolzer Uebermuth des Siegers, sondern
männliche Selbstaufopferung für ein hohes
Ideal spricht sich in den Zügen dieses christ
lichen Helden aus. Zur Hechten liegt auf
dem Felsen Hofers Hut mit der Feder des
Birkhahnes geschmückt. Zu dem, von dem
Steinmetze Math. Ott aus Füssen aus grau-
melirtem Marmor verfertigten Piedestal hat
Hr. Direktor Joseph Klieber ein Basrelief
aus karrarischem Marmor gemeiselt. Sechs
Tiroler, als Vertreter der 6 Kreise, schwö
ren auf die von Hofer vorgehaltene Fahne
mit ihm Treue und Ergebenheit dem ange
stammten österreichischen Regenten-Hause.
Rechts von den Schwörenden ist ein Greis
auf dem Felsen niedergesunken. Er hebt
die Hände bethend zum Himmel, weil diese
die Kugelbüchse nicht mehr zu tragen ver
mögen. An seiner Seite klettern jubelnde
Knaben den Felsen hinauf. Links steht
eine Familie, die Blicke freudig auf den
Ober-Commandanten Tirols gerichtet. Im
Hintergründe erscheinen die Standschützen,
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und hinter ihnen Volk mit Sensen und Spies-
sen bewaffnet.
Oberhalb des Basreliefs ist der Name
„Andreas Hofer“ mitUncial-Buchstaben und
die Jahreszahl MDCCCIX angebracht.
Das 31onument wurde am 5. Mai 1834
feierlich eingeweiht.
6. Denkmal für die gefallenen Landesvertheidiger.
In der gegenüberstehenden Nische Hes
sen die Stände Tirols im Jahre 1843 für
die übrigen, in den Befreiungskämpfen von
1796 bis 1809 gefallenen Landesvertheidiger
ein Denkmal errichten, wozu Se. Majestät
Kaiser Ferdinand I. in Gegenwart des gan
zen Hofes schon am 16. August 1838 feier
lich den Grundstein gelegt hat. Auf drei
Stufen von weissem Marmor ruht ein altar
förmiger, von Anten nach römischer Ord
nung begränzter Untersatz von gleichem
Marmor, in dessen Füllung in vergoldeten
Uncial-Buchstaben folgende Inschrift ange
bracht ist:
„Seinen in den Befreiungskämpfen
gefallenen Söhnen
das dankbare Vaterland.
MDCCCXXXVIH.“
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102.
Der Untersatz trägt einen mächtigen Sar
kophag; an seiner Vorderseite kreuzen sich
Kugelbüchse und Schwert in zwei ver
schlungenen Lorbeerkränzen. Auf dem Sar
kophag sitzt der Todesengel mit demMohn-
kranze um das Haupt, und mit beiden Hän
den eine Tafel haltend, in welcher die be
zeichnenden Worte: „ Absorpta Mors in
victoria“ (_1. Cor. 15, 54. Verschlungen ist
der Tod im Siege), eingegraben sind. Zu
beiden Seiten des Sarkophags stehen auf
Würfeln zwei Genien; rechts jener von
Oesterreich, links der von Tirol, jeder an
dem von ihm gehaltenen Wappenschilde er
kennbar — dieser im zufriedenen Selbstge
fühle den Blick in die Höhe hebend; jener
ihn theilnehmend auf den Sarg senkend.
Ueber den Anten streben zwei mit Vasen,
Früchtenkörben, Trauben und Aehren ge
schmückte deutsche Wandpfeiler empor, über
welchen sich ein mit beflügelten Engelköpfen
gezierter Bogen schwingt. Das Ganze krönt
ein Akroterion im griechischen Styl. Pfei
ler und Bogen umrahmen ein Basrelief-Ta
bleau, das eine rührende Scene aus derLei-
densgeschichte unsers Erlösers vorstellt. Die
Mutter Jesu sitzt am Fasse des Kreuzes.
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Im tiefsten Schmerz empfängt sie aus den
Händen Josephs von Arimathea und des
Jüngers Nikodemus den Leichnam ihres gött
lichen Sohnes auf ihren Schooss, um ihn
mit den letzten Thränen ihrer Mutterliebe
zu benetzen. Ihr zur Rechten steht — von
der betrübten Scene tief ergriffen, aber
männlich gefasst — der Liebesjiinger Jo
hannes. Zur Linken ist Maria Magdalene,
vom Schmerz überwältigt, auf die Knie nie
dergesunken, im stummen Mitleid die vom
Haupte des Entseelten abgenommene Dor
nenkrone krampfhaft im Schoosse haltend.
Das ganze Denkmal ist in der Conception
und Ausführung edel — der lebendige Aus
druck einer erhabenen, tief empfundenen
Idee, die einem reichen Gemüthsleben ent
sprungen ist. Die Ausführung lässt nichts,
oder nur wenig zu wünschen übrig; nur
Schade, dass der Künstler in der Wahl des
Marmors nicht ganz glücklich war; denn
leider bringen mehrere blaue und braune
Flecken eine störende Wirkung hervor. —
Mehrere tüchtige Künstler wirkten bei Ver
fertigung dieses Werkes zusammen. Die
im karrarischen Marmor ausgeführten pla
stischen Arbeiten sind von dem ständischen
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Stipendisten Anlo?t Kries wair aus Telfs in
Tirol, der leider vor der Vollendung des
Werkes in Rom gestorben ist. Die Haupt
sache ist von ihm, nur der Genius von
Oesterreich ist von Emtnunuel Max aus Böh
men. Sämmtliche Ornamente hat der hiesi
ge Bildhauer Joseph Streicher gefertigt ;
Stufen und Untersatz endlich sind von Math.
Ott aus Füssen. — Die Enthüllung und Ein
weihung dieses Denkmals fand in Gegen
wart des Erzherzogs Johann am 7. j%pril
1843 mit bedeutsamen Feierlichkeiten statt.
C. Die silberne Kapelle.
Rechts vom Eintritte in die Kirche führt
eine weisse Marmortreppe über 25 Stufen
in die sogenannte silberne Kapelle, welche
von Erzherzog Ferdinand nach 1570 erbaut,
und für sich und seine Gemahlin zur Be-
gräbnisshalle bestimmt wurde. Die Ein-
Aveihung erhielt sie aber erst am 13. De
zember 1578 durch den Bischof von Brixen,
Johann Thomas Freiherrn von Spaur.
*) Bar. v. Coschi: Beschreibung von Innsbruck.
V. Abschn,
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Die Merkwürdigkeiten dieser Kapelle müs
sen abgesondert behandelt werden.
a) Der Altar
ist aus Ebenholz verfertigt, und mit massi
ven Platten getriebenen Silbers besetzt,
welche Darstellungen aus der lauretanischen
Litanei enthalten. Vom reichen Silber-
schmucke dieses Altares erhielt die ganze
Kapelle ihren Namen.
Erwähnung verdient hier auch die Or
gel aus Cedernholz, welche Papst Julius II.
dem Erzherzoge Ferdinand zum Geschenke
machte.
b) Das Grabmal Ferdinande
Das Schiff der Kapelle ist durch ein
von unten bis an das Gewölbe reichendes
Eisengitter beinahe in zwei Hälften abge-
theilt. In der vordem, d. i. in der Nähe
des Altares liegenden Hälfte befindet sich
rechts vom Altäre das Grabmal des Erz
herzogs Ferdinand II. Eine Nische von mehr
als Vt Schuh Höhe, 9 Schuh Breite und
3 Schuh Tiefe ist in die Kirchenmauer ein
gewölbt und mit schwarzem Marmor iiber-
kleidet. Auf einem niedern Trauergerüste
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von gelbem Marmor ruht das Leirhenbild
des Erzherzogs im fürstlichen Ornate, die
Hände zum Himmel gefaltet. Rings um das
Rild erscheinen die Wappen der damaligen
deutschen, österreichischen und spanischen
Länder in Mosaik: mitten in der Nische
prangt das grosse Wappen des Erzherzogs,
ebenfalls in Mosaik gearbeitet. Die zu bei
den Seiten mit vergoldeten Buchstaben auf
die schwarze Marmorfläche gegrabene In
schrift berührt mit kurzen Worten dieWaf-
fenlhaten des Erzherzogs. Unmittelbar über
dem Trauergerüste, auf welchem dasBild des
Erzherzogs ruht, erscheinen vier grosse Ta
feln von weissem Marmor, welche in halb
erhabener Arbeit folgende Handlungen dar
stellen :
13 Gefangennehmung Johann Friedrichs
von Sachsen durch Carl Y. nach der
Schlacht bei Mühlberg, wo Erzherzog
Ferdinand mitfocht.
23 Ferdinand I. stellt seinen zweitge-
bornen Sohn, Erzherzog Ferdinand,
zum Verwalter des Königreichs Böh
men auf.
33 Belagerung von Szigeth.
43 Ferdinand führt seinem Bruder Kai-
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ser Maximilian II. gegen die Heere
Solimans vor Gran ein auserlesenes
Corps Cavallerie zu.
Ueber diesen Basreliefs stehen auf ei
nem Gesimse Christus am Kreuze, und meh
rere Schutzheilige aus weissem Marmor ge
fertigt.
An der linken Seite dieses Grabmales
kniet, gegen den Altar gewendet, der Erz
herzog auf einem eisernen Träger. Die Figur
ist mit der echten Rüstung des Erzherzogs
angethan, und ihre Hände sind fromm zum
Gebethe gefaltet.
c) Philippinen^ Gral).
Die lieblichste Erscheinung in der Ge
schichte Tirols ist VMlippine Welser. Sie
war die jüngere Tochter desPatriciers Franz
Welser von Augsburg, und der Anna Ad
ler, Freiin von Zinnenberg, und wurde
wahrscheinlich zu Ende des Jahres 1530 zu
Augsburg geboren. Still erzogen im Hause
ihres Vaters, hatte Philippine eben die volle
Bliithe jugendlicher Reitze erlangt, als der
feuerige NetTe Kaisers Carl V. sie auf dem
Reichstage zu Augsburg 1547 das erstemal
erblickte, und in demselben Augenblicke
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auch mit der ganzen Gluth eines 19jährigen
Jünglings liebte. Denn durch ihren Lieb-
reitz, ihren gebildeten Geist, ihre hohe An-
mutli und ihre Milde bezauberte sie alle
ihre Zeitgenossen. Sie hatte eine hohe ju
nonische Gestalt mit grossen, herrlichen
blauen Augen, üppigem blondem Haar, und
eine so blendende Weisse, dass man nach
einer unter dem Volke noch fortlebenden
Sage den rothen Tiroler-Wein durch ihren
weissen Hals rinnen sah.
Zu Ende des Jahres 1548 wurde Fer
dinand mit Philippine ohne Vorwissen des
Vaters und des Oheims verbunden. Die
Entrüstung des Vaters ob dieserMissheirath
schien unversöhnlich; die Bitten des Sohnes,
sein häusliches Glück, die Schönheit und
Herz ensgiite Philippinens entwaffneten end
lich nach mehr als 12 Jahren den erzürnten
Ferdinand, welcher sich im September 1561
versöhnen liess, und am 13. desselben Mo
nats über die Anerkennung der Ehe eine
Urkunde ausstellte; die Kinder dieser Ehe
wurden zwar legitim, bekamen aber nicht
die Würde von Erzherzogen von Oester
reich, sondern wurden nur Markgrafen von
Burgau. Nach einer glücklichen Ehe von
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30 Jahren starb Philippine zu Innsbruck
am 24. April 1580.
Der Erzherzog ehrte das Andenken sei-
ner so heiss geliebten Gattin durch eine
Münze mit ihrem Bildnisse und der Um
schrift: Divae Philippinae; noch mehr aber
durch Errichtung eines Grabmales in der
Hofkirehe mit folgender Inschrift: „Ferdi-
nandus Dei gratia Archidux Austriae, Dux
Burgundiae, Comes Tirolis, Philippinae Con-
jugi charissiraae fieri curavit. Obiit XXIV.
raensis Aprilis anno salutis 3IDLXXX.
Dieses Grabmal steht in der hintern
Hälfte der silbernen Kapelle hart am Auf
gange von der Treppe linker Hand. Es be
steht in einem Sarkophage aus weissein
Marmor, auf welchem Philippine in einem
einfachen Sterbekleide ausgestreckt liegt.
Der Sarkophag ist in drei Felder abge-
theilt; das mittlere enthält die Inschrift, die
beiden Seitenfelder stellen en bas-relief die
AVerke der Barmherzigkeit dar, eine An
spielung auf den milden Sinn der Markgrä
fin, welche der Stadt, bei den damals herr
schenden Seuchen und wiederholten furcht
baren Erderschütterungen, ein tröstender
und helfender Engel ward, und daher mit
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Recht den schönen Namen einer Mutter der
Armen, der Gefangenen und aller Betrübten
erhielt.
Das Grabmal Ferdinands und Philippi-
nens sind gleichfalls Werke Alex. Colins.
Philippinens ältere Schwester, liositia
Welser, war mit dein Freiherrn v. Kollowrat
verheirathet. Ihr Sohn Johann, Ferdinands
Kämmerer, vermählte sich am 14. Februar
1580 mit Katharina von Boimont und Payrs
berg, einer Hofdame Philippinens. #")
tl) Die kleinen Standbilder von Bronze.
Zwischen Philippinens und Ferdinands
Grabe stehen diese, von den Brüdern Elias
und Hans Christoph Löffler kunstreich aus
Erz gegossenen, beinahe 2 Schuh hohen
Statuen in einer Nische in doppelter Reihe
über einander gestellt.
Sie stellen Heilige von königlichem,
herzoglichem oder gräflichem Gebliite vor,
*3 Zoller I, 262.
**) Sie Maren früher auf dem untern Gesimse der
Parapetmauer des Musikchores angebracht, der
unterhalb dps Hochaltars die Kirche quer
durchschneidet.
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und stehen mit dem Hause Habsburg in
näherer oder fernerer Familien-Verbindung.
Ihre Namen sind folgende:
1) Die heilige Adelgund, Tochter Wal-
berts, Grafen von Hennegau 5
2]) der heil. Albert, Graf zu Brabant;
die heil. Doda , Gemahlin des heil.
Arnulf, Herzogs an der Mosel.
43 die heil. Ermelinde, Witgers, Grafen
zu Brabant, Tochter;
53 der heil. Guido, Herzog von Lotha
ringen;
63 der heil. Simpert, Bischof von Augs
burg, Carl des Grossen Neffe:
73 der heil. Jodok , Sohn des Königs
von Britannien;
83 der heil. Lunderich, Bischof zu Metz;
93 Chlodwig, König der Franken;
103 die heil. Oda, Gemahlin Burigis, Her
zogs an der Mosel;
10 die heil. Pharaild, Tochter des Gra
fen Witzer zu Brabant;
123 Richard, König von England;
133 der heil. Reinbert, Sohn Witzers von
Brabant;
143 Roland, Carl des Grossen Schwester-
Sohn;
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15) der heil. Stephan, König von Un
garn;
16) der heil. Märtyrer Venantius, Sohn
Herzogs Theodorich von Lotharingen;
17) die heil. Waltrud, Tochter Walberts
von Hennegau;
18) der heil. Arnulf, Gemahl der heiligen
Doda;
19) der heil. Clilodulf, Sohn des Vorigen,
Bischof zu Metz;
20) die heil. Jungfrau Gudula, Schwester
Alberts von Brabant;
21) der heil. Pipin Teuto, Herzog von
Brabant;
22) der heil. Trudo, Sohn der heil. Ade
le, Priester; endlich
23) der heil. Yincenz, Mönch.
Von allen Kirchen Innsbrucks wird die
Franziskaner - Kirche, die zugleich Garni
sonskirche ist, vom Publicum am stäiksten
besucht. Seit 14. September 1832 versehen
die von Kaiser Franz I. wieder eingeführ
ten Franziskaner mit Würde und Eifer, aber
geräuschlos, den Gottesdienst in derselben.
Sie bewohnen ein nahe an der Kirche ste
hendes kleines Haus. Die wenigen hier be
findlichen Ordensbrüder bilden keinen Con
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vent, sondern nur ein sogenanntes Hospi-
tium.
2. Hie Pfarrkirche zum heil. Jakob«
Der Bau dieser Kirche wurde 1717 be
gonnen und 1724 vollendet. Den Grundstein
legte der Churfürst Carl Philipp von der
Pfalz 5 die Eimveihung wurde vom Fürst
bischöfe zu Brixen, Kaspar Ignaz, Grafen
von Künigl vollzogen. Die Kirche ist im
italienischen Style gebaut; die Baukosten
wurden durch einen Aufschlag auf Rauch
tabak und auf den Transito-Zoll der Waa-
ren, dann durch Privatbeiträge bestritten.
Der Kirchenbau wurde von Claudius Dele-
vo, dem Jüngern, unter der Ober-Direktion
des Ludwig Grafen v. Sarnthein geführt.
Die Fa^ade der Kirche ist aus Quader
steinen im dorischen Style erbaut, und mit
vielen marmornen Nischen geziert, wozu
jedoch noch heutigen Tages die Standbilder
fehlen.
Zwei aus Quadersteinen aufgeführte
Thürme, an welchen erst im Jänner 1840
Uhren angebracht wurden, und eine maje
stätische Kuppel erhöhen das äussere An
sehen dieser Kirche.
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Heber einer Estrade von zwei Stufen
führen drei Pforten in das Innere dieser
prächtigen Kirche, die, wenn sie in ihrem
Festaufputze prangt, einen überraschenden
Eindruck hervorbringt. Von innen ruht sie
auf vielen Pilastern von rothem Marmor nach
römischer Ordnung, deren Aveit ausladendes
Gebälke mit schöner Verkröpfung ihr zur
besondern Zierde gereicht. Das Pilaster ist
mit Marmorplatten belegt. Die Freskoma
lerei , nämlich die drei Plafonds im Schiffe
der Kirche und in der Kuppel sind von
Cosmas Damian Asam, churfürstlich-baieri-
schem Hofmaler zu München. Das Gemälde
in der Kuppel stellt eine Niederlage der
Saracenen vor. An der Spitze des spani
schen Heeres erscheint der heilige Jakob zu
Pferde in kriegerischer Rüstung, die Fahne
des Kreuzes in hoch erhobener Hand. Ein
furchtbares Ungewitter tobt gegen die Fein
de, Avährend über dem christlichen Heere
am azurblauen Firmamente Genien des Frie
dens LorbeerzAveige selrwingen. Zu oberst
im Gewölbe der Laterne schAveben Engel,
welche auf die Ungläubigen Blitze schleu
dern.
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Die drei Plafonds im Schiffe der Kirche
stellen ebenfalls Handlungen aus der Le
gende des heiligen Jakob vor. Obgleich auf
llachem Grunde gemalt, wusste sie der Künst
ler dennoch so darzustellen, als ob die Kir
che gewölbt wäre.
Die Stukatur-Arbeit, womit die über
den Pilastern emporspringenden Archivolte,
die Umrahmungen der Plafonds und der Fen
ster reich verziert sind, ist von einem Bru
der des Malers, Aegid Asam.
Die Embleme in den Zwickeln zwischen
den Plafonds beziehen sich gleichfalls auf
den Patron der Kirche, und sind mit ihren
Motto’s von Ant. Roschmann angegeben.
Das neue Fresko-Gemälde in der Lü
nette über dem Hochaltäre, die Verklärung
Christi nach Raphael vorstehend, ist von
Jos. Arnold, welcher auch die 14 Passions
bilder (^Stationen^) gemalt hat.
Die Kirche zählt 9 Altäre, durchaus von
Marmor. Darunter zeichnet sich besonders
der Hochaltar aus, der von ausgesuchten
italienischen Marmorarten zusammengesetzt
ist, und dessen Aufsatz auf 4, aus ganzen
Stücken gehauenen Säulen von sehr schö
nem üphrite ruhet. Die eben nicht schöne
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Architektur und die Statuen dieses Altares,
so wie auch die Altäre Maria-Himmelfahrt
und St. Anna sind von Christoph Benedetti
aus Süd-Tirol. Das Hochaltarblatt stellt die
Patronen der Stadt: die heiligen Jakob und
Alexius, dar, welche ihre Bitten zum Ma
riahilf-Bilde empor senden, welches in ei
ner länglicht viereckigen Oeffnung des Al
tarblattes so eingefügt ist, dass es von
schwebenden Engeln getragen zu werden
scheint. Das Altarblatt ist von Joseph Schöpf,
das eingefügte sehr schöne und liebliche
Mariahilf-Bild dagegen von Lukas Cfanach
dem Jüngern. Das letztere ist ein Geschenk
des Erzherzogs Ferdinand Carl. Sein Va
ter Erzherzog Leopold V. wählte es aus
der Gemäldesammlung des Churftirsten Jo
hann Georg von Sachsen, und hielt es so
sehr in Ehren, dass er es auf allen seinen
Reisen mit sich führte.
Unter den vielen kostbaren Opfern, wel
che bei diesem Muttergottes-Bilde gespen
det wurden, zeichnet sich der sogenannte
silberne Altar, ein Geschenk des Churfürsten
Carl Philipp, der ihn aus seinem silbernen
Tafelservice durch einen seiner Kammerdie
ner verfertigen liess, besonders aus.
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lir
Dieser Altar besteht in einem, die ganze
Breite und Höhe des Altarblattes einneh
menden silbernen, zum Theile vergoldeten
Rahmen, welcher mit vielen silbernen Figu
ren und Zierathen von schöner getriebener
Arbeit besetzt ist; sodann in einer noch
grossem, eben so verzierten Tabernakel-
Einfassung und einem ähnlichen, mit herrli
chen Arabesken geschmückten Antependium,
wozu auf Weihnachten 1842 noch zwei ähn
liche Stücke kamen, so dass jetzt der un
tere Theil des Altars nach der ganzen Breite
des Chors mit diesem kostbaren Schmucke
geziert ist. Die Figuren des silbernen Al
tarblattes stellen die Geheimnisse der laure-
tanischen Litanei dar.
Die sehenswürdigen Blätter der übrigen
Altäre sind : die heilige Anna und Philip
pus Nerius von Aegid Schor, Maria-Him
melfahrt, der heil. Sebastian, Johann von
Nepomuk und das Blatt des Kreuzaltars von
Johann Grasmair. Das Blatt des heil. Se
bastian wird für eines seiner besten Werke
gehalten.
Obgleich die Pfarrkirche nie eine Grab
stätte der Landesfürsten war, so wollte doch
Erzherzog Maximilian, der Deutschmeister,
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in den Hallen dieser Kirche seine Ruhe
stätte finden. Das Grabmal, das sich der
Fürst schon 10 Jahre vor seinem Tode ma
chen liess, besteht aus schön gewundenen
Sänlen aus Bronze, von belaubten Reben
umschlungen, welche ein Gesims von schwar
zem und weissein Marmor tragen. Auf der
Decke steht der heilige Georg in Lebens
grösse. Zu seinen Füssen windet sich der
erlegte Drache. Der Patron der Ritterschaft
hält in der einen Hand den Ritterspeer, die
andere streckt er schützend über Maximilian
aus, der in bethender Stellung auf einem
Kissen kniet. An den Ecken der Gesimse
sitzen trauernde Genien, Feuerleuchter hal
tend. Ueber dem Grabmale hängen zwei
Wappenfahnen mit den Insignien des Hau
ses Oesterreich und des deutschen Ordens
geschmückt. An der Wand bezeichnet eine
Inschrift auf schwarzer Marmortafel die Ti
tel und den Todestag (2. November 16183
des Deutschmeisters. Er ruht in einem zin
nernen Sarge vor dem Hoclydtare; ein ein
facher Stein mit dem eingelegten Deutsch
ordenskreuze deckt den Sarg.
Bei dem neuen Kirchenbaue verfiel man
auf den unglücklichen Gedanken, dieses
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Grabmal zu theilen; die Säulen und Gesim
se sind au beiden Seiten zu den Eingangs
pforten aus der Sakristei in die Kirche ver
wendet worden.
Dieses Grabmal verdient, auch aus dem
Gesichtspunkte der Kunst betrachtet, alle
Beachtung; es ist das Werk des Kt,spar
Gras aus Franken. Er war viele Jahre lang
Hofbossirer eben dieses Erzherzogs. Noch
enthält diese Kirche drei Grabmäler, zwei
aus älterer und eines aus der neuesten Zeit.
Von jenen'verdient das der Grafen von Kü-
nigl aus dem Grunde Erwähnung, weil der
Fürstbischof von Brixen, Kaspar Ignaz Graf
v. lvünigl, welcher den Hochaltar dieser Kir
che mit einem Kostenaufwande von 10,000 fl.
hatte errichten lassen, verordnete, dass sein
Herz vor diesem Altäre begraben werden
solle, was auch geschehen ist. Es be
steht aus einem Sarkophag von weissem
Marmor mit zwei Wappen und einigen En
gelfiguren, und befindet sich über dem klei
nen Seitenaltar links am Eingänge in den
hohen Chor.
*) Sinnacher, Beiträge IX, 512.
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Aus der neuesten Zeit stammt das Denk
mal des am 25. Februar 1839 verstorbenen
k. k. Appellationsgerichts-Präsidenten, Andr.
Freiherrn Dipauli von Treuheim. Zwei Con-
solen, zwischen welchen man das Wappen
erblickt, tragen einen glatten Untersatz, an
welchem das Profil-Portrait des Verstorbe
nen und die Inschrift angebracht ist. üeber
diesem schliessen zwei einfache Pfeiler eine
Fläche ein, in deren Mitte sich eine, von
einem Stab und Riemchen umzogene Nische
befindet. Diese enthält ein Reliefbild, wel
ches die drei Frauen vorstellt, die zum
Grabe des Herrn kamen, um seinen Leich
nam zu salben. Der Engel, auf dem Grabe
sitzend, verkündet ihnen das grosse Ereig
niss der Auferstehung mit den in den Fries
eingegrabenen Worten : „Jesum quaeritis;
non est hic. Surrexit.“ Dieses zwar nicht
grosse Denkmal — es ist nur 7' 2" hoch,
3' breit, wurde von Ijurheig v. Schwanthaler
modellirt, und in der königl. Erzgiesserei
zu München gegossen. Wegen seines ein
fachen, edlen Styles ist es des durch ganz
Europa hoch gefeierten Meisters vollkommen
würdig. Es befindet sich gleich neben dem
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Haupteingange in die Kirche, links an der
Mauer.
Die erst im Sommer 1838 neu vergolde
te, im Geschmacke der Zeit ihrer Entste
hung mit zu vielen Figuren und Zierathen
überladene Kanzel ist das Werk des Anton
Moll aus Innsbruck, der auch die Marmor-
arbeiten beim Kirchenbau geleitet hat. —
Noch verdient die Orgel und das Geläute
dieser Kirche einer besondern Erwähnung.
Erstere hat 30 Register, und w urde auf
Kosten des damaligen Stadtpfarrers Matth,
v. Tausch im Jahre 1725 von Joh. Caspar
Humpel aus Meran verfertigt. Der Dom
kapellmeister bei St. Stephan in Wien, Joh.
Gänsbacher, zog sie allen Orgeln vor, die
er kennen gelernt 5 auch der berühmte Or
ganist Neukomm in Salzburg erklärte sie,
nachdem er darauf gespielt hatte, für ein
Meisterstück. — Was das Geläute betrifft,
so sind es hauptsächlich die zwei grossen
Glocken, welche die Aufmerksamkeit des
Fremden verdienen. Die grösste wiegt
126 Ctr. 80 Pfd., und wurde von Johann
Grasmair in Wilten am 1. August 1846 ge
gossen. Sie hat einem Gelübde der Stadt
gemeinde ihr Daseyn zu verdanken. Die
6
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122
zweite wiegt zwar nur 53 Ctr. 62 Pfd.,
sucht aber wegen der Reinheit des Tones
und des Gusses weit und breit ihres glei
chen. Sie wurde von Johann Paul Schelle-
ner 1723 gegossen; dieser goss auch die
zwei hübsch geformten Candelaber vor dein
Hochaltäre.
Uebrigens besitzt diese Kirche sehr
viele und prächtige Paramente, dergleichen
man kaum in einer andern Pfarrkirche Deutsch
lands wieder finden dürfte.
3. Uie 14irclie zur lieil. Dreifaltigkeit.
(Jesuiten- oder Universität» - Kirche und das
Jesuiten - Collegium ).
Am 1. Mai 1627 wurde von Erzherzog
Leopold V. der Grundstein zu dieser Kir
che gelegt, welche er für sich und seine
Nachkommen zur Grabstätte bestimmte. Nach
des Erzherzogs Tode wurde der Bau von
seiner Gemahlin, Erzherzogin Claudia, aus
dem Hause der Mediceer, fortgesetzt. Man-
nigfaltigeHindernissesetzten sich der Vollen-
düng dieses Werkes entgegen, so dass erst
im Jahre 1640 die Kirche in ihren Haupt-
theilen so weit vollendet dastand, dass sie
yomSuffragan und nachmaligen Fürstbischöfe
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123
zu Brixen, Anton v. Crosina, eingeweiht
werden konnte.
Nach dem einstimmigen Urtheile der
Kenner ist diese Kirche wegen ihres ein
fach erhabenen Stvles, wegen des schönen
Verhältnisses ihrer Theile, und besonders
wegen ihrer herrlichen Kuppel ein Muster
guter Architektur. Das Erdgeschoss der
breiten Fa^ade ist im dorischen, das obere
Geschoss aber im jonischen Style von Qua
dersteinen aufgeführt, und um sie recht im
posant zu machen, fehlen nur die zwei
Thürrae, welche an beiden Seiten begonnen,
aber wegen des damaligen Krieges gegen
die Schweden nicht ausgeführt wurden. In
der Mitte zwischen beiden Thürmen, auf
der obersten Zinne sollte dem ursprünglichen
Plane zu Folge die Statue Leopolds zu
Pferde, welche bisher auf dem Renn
plätze stand, aufgestellt werden. Die Höhe
der Kuppel beträgt 170 Schuh , und kömmt
gerade der Länge der Kirche gleich. Die
Laterne umgibt ein Rundgang mit festem,
eisernen Geländer, von welchem man eine
bezaubernde Aussicht über die Stadt und
Umgebung geniesstj jedoch ist das Empor
klimmen auf dieselbe sehr beschwerlich und
6*
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124
nicht ohne Gefahr, besonders iin Herabstei
gen; auch wird der Zutritt nicht gern ge
stattet. Das Tonnengewölbe und die Kup
pel der Kirche ruhen auf Wandpfeilern nach
römischer Ordnung, deren Gebälk aber nur
sehr wenig ausladet, und nicht, wie in der
Pfarrkirche, als Kämpferlinie durch die
ganze Kirche umherläuft. Die Schäfte der
Pfeiler sind mit violettem Marmor aus Ober
innthal überkleidet. Das leichte Gewölbe
ziert einfache Stukaturarbeit; das Pflaster
ist mit geschliffenen Marmorplatten belegt;
derFussboden unter der Kuppel ist aus ge
schnittenen, weissen, blauen und violetten
Steinen in Form eines Doppelsterns zusam
mengesetzt. Leider wird die Ansicht des
Ganzen durch eine Lage hölzerner Stühle
gehindert. Der kolossale Hochaltar — eine
römische Säulenstellung mit einer Attika —
besteht ZAvar nur aus Holz, ist aber streng
nach den Hegeln der Architektur erbaut, und
seit 1840 geschmackvoll und in Harmonie
mit den übrigen Altären gefasst. Die Säu
lenschäfte ahmen den natürlichen Marmor
sehr täuschend nach.
Die sechs Seitenaltäre, die in eben so
vielen, vom Schiffe der Kirche abgesonder
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ten Kapellen stehen, sind von sehr feinem
und schönem , rothem Marmor in einem
einfachen, aber geschmackvollen Style ge
arbeitet; Kapitale, Karniesse und Architra-
be, dann die Statuen und Verzierungen
sind von weissem, roth punktirtem Unters-
berger-Marmor. Alle sechs Altäre wurden
zu Laufen im Salzburgischen verfertigt.
Die Kirche hat einige schöne Gemälde.
Das Hochaltarblatt stellt die heilige Drei
faltigkeit in der Glorie dar. Unten erscheint
in, einander gegenüber stehenden, Gruppen
das alte und neue Testament durch die
Hauptpersonen desselben vertreten. Hoch
über den Wolken schweben die drei göttli
chen Personen; zwischen diesen und den
Koriphäen des alten und neuen Bundes zeigt
sich die heilige Jungfrau, welche gleichsam
als Vermittlerin ihre Fürbitten vorbringt. Das
Kirchen-Inventar schreibt dieses Blatt Ru
bens zu; wenigstens ist es durch Künstlers-
Hand aus seiner Schule hervorgebracht.
Seine kühnen, kräftigen Pinselzüge sind
unverkennbar daran wieder zu finden. Die
Blätter der Seitenaltäre sind: Der Apostel
Judas Thadäus: es soll von Andrä Wolf seyn;
wahrscheinlicher ist es aber von Feier Ccm-
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dido (X'andits); denn schon im Jahre 1585
bekamen die Jesuiten dieses Gemälde aus
München geschenkt, wo damals Candido
Hofmaler war; der heil. Pirmin, der heilige
Schutzengel, der Engels-Gruss von Chri
stoph Störer; der heil. Ignaz Loyola von
Caspar Sing; der heil. Franz Xaver von
Schönfeld. Den grössten Kunstwerth dürfte
der Apostel Judas Thadäus besitzen; dage
gen spricht der Schutzengel, der an sanfter
Hand die ihm anvertraute Unschuld zum
Himmel leitet, am freundlichsten an. In der
im Sommer 1841 restaurirten und ganz neu
meublirten Sakristei zeigt man einen Chri
stus-Kopf mit der Dornenkrone von Al brecht
Dürer. Das Monogramm des Künstlers mit
der Jahreszahl 1515 spricht für die Origi
nalität des Stückes. Auch wird es von Dr.
G. K. Nagler in seinem Werke: „Albrecht
Dürer und seine KunstMünchen 1837, so
wie in seinem Künstler-Lexicon (3. Bd. S.
5223 namentlich unter den Werken A. Dü-
rer’s aufgeführt.
Auch sieht man daselbst zwei schöne
grosse Gemälde, Scenen aus dem Leiden
Christi vorstellend , von Stephan Kessler,
demAeltcrn; ferner ein kleines Gemälde von
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dem genialen Maler J. G. Grasmayr, Chri
stus und Johannes als Kinder mit einem
Lamme spielend; endlich die Portraits des
Stifters und der Stifterin der Kirche , des
Erzherzogs Leopold V. und seiner Gemah
lin Claudia; diese haben nur historischen,
aber keinen Kunstwerth, gleich den übrigen
dort noch aufgehängten Bildern.
Die am Eingänge in die Kirche am Git
ter aufgehängten Stationen sind lleissig ge
arbeitete Copien nach den berühmten Origi
nalien des Prof. Jos. Führich in Wien. Sie
wurden von Caspar Jehle dahier im Jahre
1843 gemalt. Die zwei Bilder unter dem
Orgelchor, gleich neben dem Eingänge, so
wie die zwei Scenen unter den zwei Tri
bunen im Chor der Kirche sind von Franz
Stecher, und machen sich nur durch das
grelle, phantastische, gar zu sehr auf Effect
berechnete Colorit bemerkbar. Ihr Kunst
werth ist unbedeutend.
Unter der Kirche breiten sich die ge
räumigen Hallen der Fürsten- und Jesuiten-
Cruft aus. Diese Gruft ist vollkommen trocken,
luftig und ohne widrigen Geruch. Die zur
Beisetzung der Landesfürsten bestimmte Ab
theilung liegt gerade unter dem Priester
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chore. Hier ruhen die Gebeine folgender
Fürsten-Personen :
In der Nische Nro. 1.
13 Theresia Katharina, Gemahlin des
Herzogs Carl Philipp von Pfalz-Neu-
burg, geborne Fürstin Lubomirska,
gestorben zu Innsbruck an den Pocken
im 27. Jahre ihres Alters am 6. Jän
ner 1712.
23 Ihre Tochter Feliciuna, geboren am
9. Juni 1709, gestorben am 10. Febr.
1712.
In der Nische Nro. 2.
33 Anna Juliana, zweite Gemahlin des
Erzherzogs Ferdinand II., geborne
Herzogin von Mantua und Montfer-
rat, Stifterin des versperrten Klosters,
des Regelhauses, in welchem sie selbst
als Klosterfrau lebte und starb, und
des Servitenklosters dahier; im Rufe
der Heiligkeit gestorben am 3. August
1621.
4) Anna Katharina, Tochter der Vori
gen, gleichfalls Klosterfrau im Regel
hause, gestorben am 2. März 1649.
Diese zwei Särge wurden erst nach
Aufhebung des Regelhauses am 27.
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129
August 1783 hieher übertragen. Diese
Nische enthält ausser diesen noch die
Eingeweide vieler Fürstenpersonen,
welche man aus der Franziskaner
kirche hieher versetzte.
In der Nische Nro. 3.
5) Carl Ferdinand Joseph, drittgeborner
Sohn des Herzogs Carl von Lothrin
gen und der Königin von Polen, Eleo-
nora Maria, geboren am 9. August
16*83, gestorben am 10. Juni 1685.
6) Eleonora Maria, Tochter eben dieses
fürstlichen Ehepaares, geboren und
gestorben am 27. April 1682.
In der Nische Nro. 4.
73 Maria Magdalena, dritte Tochter des
Erzherzogs Ferdinand Carl und der
Anna von Medicis, geb. am 17. Au
gust 1656, gestorben am 21. Jänner
1669.
83 Auf dem Sarge dieser Prinzessin
steht ein anderer, welcher die Ge
beine einer andern Prinzessin 11m-
schliesst, welche am 19. August 1654
gleichfalls von der Erzherzogin Anna
geboren wurde, und an demselben
Tage gestorben ist.
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In der Nische Nro. 5.
<0 Claudia von Medicis, Gemahlin des
Erzherzogs Leopold V., geboren zu
Florenz am 4. Juni 1604, gestorben
zu Innsbruck am 25. Dezember 1648.
— Sie war die schöne und geistrei
che Tochter Ferdinands I., Grossher
zogs von Toskana und der Herzogin
Christina von Lothringen. Sie führte
von 1632 bis 1646 mit Weisheit und
Kraft unter den schwierigsten Um
ständen die Regierung von Tirol.
10^ Ihre Tochter Maria Kleanoru, gebo
ren am 12. Februar 1627, gestorben
am 6. August 1629.
In der Nische Nro. 6.
10 Leopold V., Erzherzog von Oester
reich , Graf von Tirol , geboren zu
Grätz am 9. Oktober 1586, ge
storben zu Schwatz am 14. Septem
ber 1632.
12^ Joseph Emmanuel, Sohn des Herzogs
Carl von Lothringen, geboren am
20. Oktober 1685, gestorben am 16.
August 1705.*)
*) Diese Notiz Ist Gerbert’s Topographie I, 507
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131
In der Nische Nro. 7.
13^ Sigmund Franz, Erzherzog von Oe
sterreich , Graf von Tirol, zweiter
Sohn des Erzherzogs Leopold und
der Erzherzogin Claudia, geboren zu
Innsbruck ain 28. November 1630,
gestorben an beigebrachtem Gift den
25. Juni 1665.
In der Nische Nro. 8.
14^ Ferdinand Carl, Erzherzog von Oe
sterreich, Graf von Tirol, erstgebor-
ner Sohn der Vorigen, geboren zu
Innsbruck am 17. Mai 1628, gestor
ben zuKaltern am 30.Dezember 1662;
hier beigesetzt am 4. Jänner 1663.
Die Gebeine dieser Fürstenpersonen ru
hen in zinnernen Särgen, welche mit den
betreffenden Wappen verziert, und in tiefe
Mauer-Nischen hineingeschoben sind, deren
jede ein Eisengitter verschliesst.
Die Jesuiten-Gruft steht mit der. lan
desfürstlichen in Verbindung, und dehnt sich
entnommen. Hieniit stimmt Zoller (IT, 64)
überein, er nennt aber den Prinzen Joseph
Innocenz. Derselbe fiel in der Schlacht bei
Cassano.
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vom Priesterchore bis in die Mitte des Kir-
chenschifFes aus. Die Särge mit ihren Leich
namen wurden in horizontalen Nischen ein
gemauert, und nur schAvarze Täfelchen mit
Aveissen Inschriften bezeichnen die Ruhe
stätten der hier Beigesetzten.
Der erste Jesuit, der in dieser Gruft
nach ihrer Erbauung beigesetzt wurde, war
«ler Reclor des Collegiums, Johann Moque-
tius, gestorben ain 29. Jänner 1642; der
letzte — zugleich der letzte Rector, Sig
mund Raith von Sternfeld, gestorben am
IT. Juni 1782. Von jener Zeit an darf in
Folge einer Verordnung Kaiser Joseph il.
kein Leichnam mehr in einer Kirche begra
ben Averden.
Das gegcnAvärtige Jesuiten Collegium
-
steht vermittelst des Gymnasiums mit der
Kirche in Verbindung. Es ist ein Aveitläu-
figes, einen rechten Winkel bildendes, zvvei
Stoc^Averk hohes Gebäude, lässt aber in
Hinsicht auf Schönheit und Bequemlichkeit,
zumal da ein entsprechender Garten fehlt,
•manches zu Avünschen übrig. Es war unter
den alten Jesuiten ein Convict für weniger
bemittelte Studenten, und verdankte sein
Dasein dein Könige Ferdinand I. Die ge-
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genwärt ige Gestalt erhielt es zu Anfang
des vorigen Jahrhunderts nach vielen und
langen Kämpfen mit dem ihm gegenüber
gelegenen versperrten Jungfrauen-Ivloster.
Kaiser Joseph II. hob es auf und verwan
delte die Renten seines Fonds in Stipen
dien , die noch verliehen werden. Die
baierische Regierung verkaufte das Gebäu
de. Nachdem Kaiser Ferdinand I. mit aller
höchster Entschliessung vom 17. Oktober
1838 auf den Wunsch der tirolisrhen Stände
die Jesuiten in Tirol wieder einzuführen
bewilliget hat, und am 24. Dezember des
selben Jahres die erste Colonie dahier an
gelangt war: brachten diese das gedachte
Haus, vornämlich durch das grosse Geschenk
des Wiener-Domherrn Franz S. Schmid von
10,000 11. C. M., und die anderer Wohlthä-
ter, käuflich an sich. Sie versehen seit
1. Mai 1841 sämmtliche Lehrerstellen am
Gymnasium, wobei sie sich beinahe ganz
an den österreichischen Lehrplan halten.
Seit 7. Jänner 1839 ist ihnen auch die Lei
tung der theresianischen Ritterakademie .an
vertraut. Am 1. Oktober 1846 übernahmen
sie ferner jene des bürgerlichen Convicts.
Da sie ausserdem hier ihr theologisches
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Haüsstudium haben, so machen es diese
Zwecke begreiflich, dass sich ihr Personal
seither bedeutend vermehrt hat.
4* Ule Spitalkirclie zum lieil. freist.
An der Stelle dieser Kirche stand schon
seit 1307 eine Kapelle zum heiligen Geist.
Die gegenwärtige Kirche wurde zu Anfang
des vorigen Jahrhunderts von Georg Anton
Gump von Fragenstein, kaiserl. Hofbaumei
ster zu Innsbruck im römischen Style er
baut, und ain 8. Juni 1705 vom Bischöfe zu
Brixen, Caspar Ignaz Grafen von Künigl
tingeweiht.
Am Gewölbe sieht man 17 kleinere und
grössere Plafond-Gemälde von Caspar Wald
mann, welche durch Stukatur-Verzierungen
von einander getrennt sind.
Der Mittelplafond stellt die Erschaffung
der Welt dar: eine reitzende Landschaft,
von vielen verschiedenartigen Thieren be
lebt. Alle Deckengemälde haben die Gaben
und Wirkungen des heiligen Geistes zum
Gegenstände. Gewölbe und Wände dieser
) Sinnacher, Beiträge IX, 51G.
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Kirche sind mit Verzierungen im Iloccoco-
styl überladen.
Der schöne marmorne Hochaltar ist von
Christoph öenedetti 5 das Altarblatt, die Sen
dung des heiligen Geistes vorstellend, von
Joseph Waldmann. #")
Das Blatt am Seiten-Altäre linker Hand,
ein schönes Bild, welches die heilige Fami
lie: Anna, Joachim und Maria, vorstellt, ist
von der Hand des Ulrich Glansschnig, der
nach seiner launenhaften Gewohnheit im
Kopfe der heil. Anna eine Innsbrucker-Dame
portraitirt haben soll.
Unter dem Musikchore sieht man an der
Decke ein gutes Gemälde, den barmherzi
gen Samaritan, welches Grasmayr zuge
schrieben wird.
5, liirelie und liloster «1er Serviten.
Die Kirche und das Kloster der Servi-
teu wurde von der Erzherzogin Anna Ka
tharina, zweiten Gemahlin des Erzherzogs
Ferdinand II. , im Witwenstande erbaut.
Der Bau begann im Jahre 1614, und ward
nach zwei Jahren vollendet. Doch eine
) Tirol. Kiiostl. Lex. 270.
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am Palmsonntage (12. April) 1620 ausge
brochene Feuersbrunst legte Kirche und
Kloster nebst 13 ansehnlichen Privathäusern
in Asche. Die Erzherzogin liess sich aber
durch diesen Schlag in ihrem Entschlüsse
nicht irre machen, sondern gab sogleich
Befehl, Kirche und Kloster wieder ganz
neu und noch schöner aufzubauen. Sie er
lebte zwar die Vollendung des Baues nicht
mehr, verpflichtete aber das von ihr gestif
tete und zum Erben eingesetzte Regelhaus,
den Bau zu Ende zu führen. Das ltegel-
haus und der Erzherzog Leopold setzten
ihren Willen genau in Vollzug. Ersteres
gab hiefür allein mehr als 20,000 11. aus. Im
Frühjahre 1626 standen beide Gebäude vollen
det da, und am 1. Juni 1626 wurde die
Kirche von dem Bischöfe zu Brixen, Anton
Crosina, in Gegenwart des Erzherzogs Leo
pold und seiner so eben angetrauten Ge
mahlin Claudia feierlich eingeweiht.
Die Kirche ist heiter und freundlich,
biethet jedoch in architektonischer Beziehung
nichts Beinerkenswerthes dar; um so inter
essanter sind aber die Freskogemälde an
den Gewölben, Avomit sie der vaterländische
Künstler Jos. Schöpf im Jahre 1820 geziert
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hat. Diess war die letzte grosse Arbeit
des 76 Jahre alten Greises. Das erste Pla
fond-Gemälde über dem Priesterchore stellt
das Hinscheiden des heil. Joseph, dem die
Kirche geweiht ist, in die bessere Welt
dar. Von Engeln emporgehoben, schwebt
der Nährvater des Erlösers über lichte Wol
ken dem Ziele ewiger Belohnung zu, wäh
rend auf der dunkeln Erde eine Gruppe
Sterblicher mit sehnenden Augen ihm nach-
sehen, und mit ausgestreckten Armen den
theuern Entschwundenen noch länger in ih
rer Mitte zurückhalten zu wollen scheinen.
Der zweite Plafond über dem Schiffe der
Kirche zeigt den frommen Nährvater in der
Glorie des Himmels; die heilige Jungfrau
schwebt ihm gegenüber auf lichten Wolken,
und aus der glanzvollen Höhe naht der gött
liche Pflegesohn, um seinen treuen, frommen
Nährvater als Bürger des Himmels zu be
willkommnen.
Das Hochaltarblatt von Martin Theo-
philus Polack stellt die Vermählung des
heil. Joseph mit der heil. Jungfrau dar.
Das Blatt des Seitenaltars zur rechten
Hand, mehrere Heiligen vorstellend, ist sei
ner gelungenen Composition und seines schö
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nen Colorites wegen ein geschätztes Werk
des berühmten tirolischen Künstlers Martin
Knoller.
Das Blatt des gegenüberstehenden Sei
tenaltars ist von Joseph Arnold, und stellt
die sieben Väter (Ahdensstifter} vor, wie
sie nach der Legende von der heil. Jung
frau das Scapulier, als Sinnbild des Ordens,
erhalten. Das schöne Gemälde, Mariae Ver
kündigung, in der nächst der Kanzel be
findlichen Kapelle, darf nicht übersehen wer
den*, es soll von einem Maler aus Florenz
sein, dessen Name aber nicht bekannt ist.
Das Altarblatt der Peregrinus-Kapelle
wurde von J. G. Grasmayr verfertiget, und
stellt den Ordensheiligen vor, von welchem
die Kapelle ihren Namen trägt. Von eben
diesen Grasmayr besitzt das Kloster noch
mehrere Gemälde, welche theils in den
Gängen, theils in dem Speisezimmer des
Convents aufgehängt sind.
Das dabei befindliche Kloster ist ein
langgestrecktes, zweistöckiges heiteres Ge
bäude , mit einer schätzbaren theologischen
Bibliothek, einem schönen, grossen Garten
u. s. w. Die Serviten versehen die Seelsor
ge in der Neustadt, und halten öffentlichen
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feierlichen Gottesdienst mit sehr schöner
Musik.
<*. Oie Hirnlie und das Kloster der
Ursulinen.
Dieser um die weibliche Jugend hoch
verdiente Orden verdankt seine Einführung
in Innsbruck dem Grafen Hieronimus Ber-
nard von Ferrari zu öcchieppo, Oberhof
meister der Erzherzogin Anna von Medicis,
welcher im Jahre 1G93 die ersten Frauen
von Freising hieher berief, und ihnen ein
Stiftungskapital von 30,000 fl. übergab. Sie
wohnten anfangs in einem Privathause, und
entschlossen sich erst im Jahre 1700 ein
eigenes Kloster samrat Kirche und Schul
haus für Mädchen zu erbauen. Die im Jahre
1705 vollendete Kirche erhielt am 9. Juni
desselben Jahres durch den Fürstbischof
von Brixen, Caspar Ignaz die Weihe zu
Ehren der Heimsuchung Mariens , weil an
diesem Tage im Jahre 1G93 die erste Colo-
nie dahier angelangt war. Die Kirche ist
zwar klein, aber niedlich, und wurde im
Jahre 1836 zu ihrem Tortheile restaurirt, in
dem man sie von dem Uebennasse der Roc-
coco-Verzierungen befreite. Auch gewan
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nen die Altäre durch die neue Fassung ein
viel freundlicheres Ansehen. Das Hochal
tarblatt, welches die Heimsuchung Elisabeths
durch ihre Base Maria zum Gegenstände
hat, so wie das Blatt des Seitenaltares zur
Linken, die heilige Ursula, sind von Carl
Carlone, einem Künstler, der um das Jahr
1T30 zu Mailand und Brescia malte. Das
Blatt des zur rechten Seite stehenden Alta
res stellt den heil. Joseph mit dem Chri
stuskinde vor, und ist von Franz Xav.
Kirchebner im Jahre 1845 neu gemalt wor
den. Das Fresko-Gemälde an dem Fronti-
spice der Kirche ist von Jos. Arnold. Aus
ser diesen Gemälden besitzt dieses Kloster
noch ein zweites Hochaltarblatt, die heilige
Angela vorstellend, von Joseph Liebherr,
welches wegen seiner schönen Composition
und lieblichen Ausführung einen sehr gün
stigen Eindruck macht. Kloster und Schul
haus sind gut gelegen, geräumig und sehr
reinlich, auch mit einem ziemlich grossen
Garten versehen, der auch den Mädchen
des Convictes zur Erholung offen steht.
Von der gemeinnützigen Thätigkeit die
ser Frauen war schon bei den Unterrichts-
Anstalten die Hede.
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3« Die Dirclie zum heiligen Johann
von Hepomuk«
Eine Doppelallee von schattigen Kasta-
nienbäumen führt durch die breite Strasse
des Innrains zur zierlich gebauten Kirche
des heil. Johann von Nepomuk. Die Kirche
verdankt ihr Entstehen der im Jahre 1729
erfolgten Heiligsprechung des bis dahin se
ligen Johann von Nepomuk. Zur Verherr
lichung des neuen Heiligen flössen noch in
demselben Jahre so viele Beiträge ein, dass
an der Stelle der seit dem Jahre 1721 da
hier gestandenen Kapelle der Grundstein zu
einer Kirche gelegt werden konnte. Der
Hofarchitekt Joseph Hiacinth Dörflinger lei
tete den Bau, der im Jahre 1735 so weit
vollendet war, dass der Bischof Caspar
Ignaz am 5. Juni desselben Jahres die Ein
weihung vollziehen konnte. Die gänzliche
Vollendung verzog sich aber bis ins Jahr
1763. An der ganzen Form der Kirche ist
nicht zu verkennen, dass dabei die St. Ja
kobs-Pfarrkirche zum Muster gedient habe.
Sie ist im Renaissance - Styl gebaut, hat
aber korinthische Säulen und Pfeiler, deren
Schäfte im Sommer 1846 mit Cypsmarmor
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überzogen und fein politirt worden sind;
die Kapitale wurden vergoldet, die Fiisse
blieben aber roh. Die Säulen sind im Ver
hältnisse zu den übrigen kleinen Dimensio
nen, insbesondere zu den schwachen Archi
volten zu stark und zu nahe aneinander ge
drängt. Das Merkwürdigste der Kirche ist
das schöne Fresko-Gemälde von Jos. Schöpf
sowohl am Gewölbe des auf mächtigenSäu-
len und Pfeilern nach römischer Ordnung
ruhenden Porticus, als im Innern der Kirche.
Vorzüglich gelungen ist der Plafond der
Vorhalle, welcher eine schöne Allegorie von
der Wunderkraft des Heiligen, der den gu
ten Namen vor Verläumdung schützt, mit
dem Zauber der Farben darstellt. Hoch
aufWoiken thronet die göttliche Vorsehung,
von den allegorischen Personen der Reli
gion, der Gerechtigkeit, der Hoffnung, der
Liebe u. s. av. umgeben. Zu ihr hinauf ge
leitet ein schützender Engel die iin Bilde
eines lieblichen Kindes vorgestellte Unschuld;
und A\rährend links ein zürnender Cherub
voll Feuereifers die Blitze der göttlichen
Rache auf die Laster der Verläumdung, des
Neides, des Hasses schleudert, dass sie von
Entsetzen ergriffen, in verwirrter Flucht bis
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über das Gesims herabstürzen, giesst rechts
ein freundlicher Genius das Füllhorn des
Segens über die bedrängte, und von jenen
Lastern verfolgte Menschheit aus.
Der Plafond im Schiffe der Kirche stellt
den Martyrertod des heil. Johann vor. In
der kleinen Kuppel, welche sich über dem
Hochaltäre wölbt, erscheinen Engelgestal
ten, welche in himmlischer Glorie die Ver
herrlichung dieses Heiligen feiern.
Das Blatt des Seitenaltars zur Linken,
den heiligen Alphons v. Liguori vorstellend,
hat Gebh. Hatz im Jahre 1839 bei Gelegenheit
der Canonisation dieses Heiligen gemalt. —
Der gegenüberstehende, dem heil. Florian
geweil te, 1733 errichtete Altar enthält eine
bunt bemalte Statue desselben von St. Jä
ger; jene des heiligen Johannes von Nepo
muk am Hochaltar ist von Ingenuin Lech-
leiiner.
Ueber den Fenstern in den vier Ecken
des Schiffes sieht man die vier Evange
listen, und über dem kleinen Seitenaltare
rechts einen schönen heil. Joseph, Geige-
mälde, von J. G. Grasmair.
Neben dieser Kirche bewohnt die im
Jahre 1826 von Wien hielier verpflanzte
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Redemptoristen - Congregation ein von dem
geschickten Architekten G. A. Gump erbau
tes Haus. Sie versieht den Gottesdienst
sowohl in dieser, als in der Kirche des Ho
spitals; auch spendet sie den Kranken in
dem letzteren geistlichen Trost, und ist
ausserdem noch in Missionen auf dein Lande
thätig.
8. Die Mir che zu IVIarialiilf«
Der bedeutungsvolle Name dieser Kir
che steht mit der Geschichte ihrer Entste
hung im Zusammenhänge. Als Tirol im
Jahre 1647 von den französischen, schwe
dischen und hessischen Truppen bedroht,
und der Feind nach der Einnahme und Plün
derung von Bregenz bereits schon bis zum
Arlberg vorgedrungen war, machten die
versammelten Stände von Tirol am 1. Fe
bruar 1G4T das Gelübde, eine Kirche zur
Ehre der seligsten Jungfrau zu bauen, da
mit sie durch ihre Fürbitte die drohende
Gefahr abwenden wolle. Die Kirche ent
stand auf Kosten der Landschaftskasse, und
erhielt den Namen „Mariahilf/*
Der Bau begann gleich nachher und
wurde so eifrig betrieben, dass schon im
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Frühjahre 1648 in der neuen Kirche Messe
gelesen werden konnte. Die feierliche Ein
weihung erfolgte aber erst am 26. Juli
1660.
Dieses Gotteshaus steht auf einer Te-
rasse, und bildet eine Rotunde mit einer
Vorhalle und halbrunden Seiten-Kapellen.
Eine schöne eliptische, von einer Laterne
überragte Kuppel schwebt über dem ganzen
Bau. Gurtbogen theilen sie in mehrere Fel
der ab, welche grössere und kleinere Me
daillons enthalten; in jenen sind dieFrauen-
feste, in diesen entsprechende Embleme mit
Kraft und Frische von Caspar Waldmann
al fresco dargestellt worden. Das Blatt des
Hochaltars malte Paul Schor. Es enthält
die Ansicht der Kirche, vor welcher die
vier Stände des Landes knien, um die Hilfe
der seligsten Jungfrau anzuflehen. Ihre
Blicke sind auf das Gnadenbild gerichtet,
welches schwebende Engel gegen Himmel
zu tragen scheinen. Dieses Bild ist eine
Copie des in der Pfarrkirche befindlichen
Originals, und wie dieses in die Mitte des
Altarblattes eingefügt.
r
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f>. 19ie Kirche zu 9i. Xikolans.
Schon im Jahre 1502 wurde da, wo
jetzt diese Kirche steht, für die Sondersie
chen, d. i. für solche Kranke, welche mit
einem ansteckenden Uebel behaftet Maren,
eine Kapelle erbaut, welche in Urkunden
vom Jahre 1568 unter dem Namen St. Niko
laus-Kapelle vorkommt. Diese erhielt im
Jahre 1662 eine namhafte Erweiterung und
die gegenwärtige Gestalt. Im Frühjahre
1841 wurde sie von aussen, und in den bei
den Sommern 1815 und 1846 von innen in
allen ihren Theilen sehr vortheilhaft erneuet.
Jos. Arnold verschönerte die Gewölbe mit
neuen Fresko-Gemälden. Im Chor ist der
heilige Nikolaus zu schauen, wie er an
Dürftige Almosen spendet; im Schiffe er
scheint er im bischöflichen Ornate, die Zer
störung eines Götzen-Tempels befehlend.
Strahlt auf der einen Seite freudiger Dank
aus den Augen der Christen, so malt sich
auf der andern Wuth und Hass auf den Ge
sichtern der Heiden.
Ueber dem Orgelchor sieht man den
heil. Krieger Martinas, wie ihm der Heiland
im Schlafe mit dem Mantel angethan er-
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scheint, den jener mit einem Armen getheilt
hatte. In den sogenannten Ohren über den
Fenstern im Schiffe hat der Künstler vier
lateinische Kirchenlehrer, auf dem Orgelchor
aber David und Ciicilia dargestellt. Endlich
verdienen auch die vier Evangelisten an
den Zwickeln des Gewölbes, dann der En-
gelgruss und die zwei Propheten Moses und
Isaias am Bogen über dem Eingänge in den
Chor — grau in Grau gemalt, eine rühm
liche Erwähnung. Coinposition, das Leben
dige der Figuren, und die meisterhafte Far
bengebung werden jeden Kenner befrie
digen.
Die Altäre hat der Vergolder Söckler
geschmackvoll neu gefasst. Die Altarblät
ter sind von Franz Siecher neu gemalt.
Kennern wird aber weder die Conception,
noch die Ausführung Zusagen.
IO. Die Uirclic zu Dreihciliffen.
Als im Jahre 1611 in Süddeutschland
eine pestartige Seuche wiithete, und diese
Krankheit auch in Innsbruck zahlreiche
Opfer dahin raffte, machten die Bürger Inns
brucks das Gelübde, zur Ehre der Heiligen:
7 *
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Sebastian, Pirminius und Rochus, der Pa
trone gegen die Pest, eine Kirche zu bauen.
Diese wurde auch im Jahre 1612 in der
Nähe des eigens für Pestkranke erbauten
Lazaretes, des heutigen Militärspitales am
linken Sillufer, gegründet und im folgenden
Jahre vollendet und eingeweiht.
Erst im Jahre 1840 wurde eine, den
Chor der Kirche von aussen umfangende,
geräumige und sehr bequeme Sakristei an
gebaut.
Auf architektonischen Kunstwerth kann
diese Kirche keinen Anspruch machen. Ein
Portal von Nagellluhe ziert den Eingang.
Die Plafond-Gemälde sind von Joh. Mich.
Strickner al Fresco gemalt, und stellen in
der einen Abtheilung die im Jahre 1611 zu
Innsbruck wüthende Pest, in der anderen
Abtheilung das von der Bürgerschaft dar
gebrachte Gelübde vor. Im ersten Decken
gemälde öffnet sich die Aussicht nach Wü
ten. Ein zürnender Engel, das flammende
Schwert in der einen, den Todtenschädel
in der andern Hand, fährt unter schwarzem
Gewölke daher. Auf der verödeten Flur
liegen die Kranken hilflos herum. Wir
kungslos bleibt die Arznei, welche ihnen
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ein Arzt aus seiner Büchse einflüsst. Ihre
halberstorbenen Blicke hängen nur mit Sehn
sucht an dem heiligen Sakramente, das ih
nen der Priester als Wegzehrung in die
Ewigkeit reicht. — Im andern Plafond-Ge
mälde erblicken wir den Erzherzog Maxi
milian und die Bürger von Innsbruck auf
den Knien liegend. Sie machen Gelübde
um Abwendung der schrecklichen Seuche.
Der Himmel hört ihr Flehen; aus den zer
rissenen Wolken lacht freundlich das blaue
Firmament, und der Engel des Todes birgt
das furchtbare Schwert in die Scheide. Ein
drittes Fresko-Gemälde enthält die Ansicht
der Stadt Innsbruck, über welcher das Bild
Mariahilf, von Engeln getragen, dahin
schwebt. Das Blatt des Hochaltars stellt
die drei oben erwähnten Schutzheiligen vor,
und ist von Melchior StölzJ, der Avahrschein-
lich bei Erzherzog Maximilian Hofmaler
war. Die Blätter der Seiten - Altäre sind
von keinem Kunstwerthe.
11. l)ic Kirche mul das Kloster der
Kapuziner.
Die Kirche und das Klostet der Kapu
ziner zu Innsbruck waren die ersten dieser
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Art auf deutschem Boden. Erzherzog Fer
dinand erbaute beide auf Zudringen seiner
zweiten Gemahlin Anna Katharina im Jahre
1593, und bevölkerte das Kloster mit Mön
chen aus der venetianischen Provinz. Die
Kirche ist nach der gewöhnlichen Form der
Kapuziner-Kirchen erbaut. Im Jahre 183*2
erhielt sie drei neue, von auserlesenem Nuss-
iind Kirschbaumholz verfertigte Altäre. Der
grösste Kunstschatz dieser Kirche ist das
Blatt des Hochaltars von dem Kapuziner
Kosmas Piazza, welches die drei Weisen
aus dem Morgenlande vor dem göttlichen
Kinde Jesus zu Bethlehem vorstellt.
Die Blätter der Seiten-Altäre sind neu
und Werke des Joseph Arnold. In der Sei
tenkapelle steht ein schönes, kleines Ma
donnen-Bild von Lukas C ran ach. An den
Wänden des Kirchenschiffes hängen 7 Ge
mälde aus der Passionsgeschichte von Jos.
Ant. Funk.
Im Kloster ist das Merkwürdigste die
Einsiedelei des Erzherzogs Maximilian des
Deutschmeisters. Nach einem getäfelten Vor
zimmer und einem andern kleinern mit der
Aussicht auf den Hochaltar * folgen einige
sehr kleine Kämmerchen, die kaum die Grösse
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einer Kapuziner-Zelle haben. Unter diesen
befindet sich eine eben so kleine Küche. Sie
sind grottenförmig theils mit Schiefer-, theils
mit Tropfsteinen bekleidet. Man zeigt hier
noch des Erzherzogs einfache hölzerne Bett-
stelle, seinen hölzernen Stuhl, ein hölzernes
Tintenfass, und andere Geräthe, die er zur
Zeit seines einsamen Aufenthaltes dahier
selbst verfertigt hat.
Der fromme Fürst brachte in dieser Ein
siedelei mehrere Wochen des Jahres zu,
und theilte seine Zeit in Andachtsübungen
und mechanische Arbeiten. Ein schönes
Bildniss von ihm bezeichnet den Eingang
in diese Eremitage.
III. Pi'ivutgebäude.
Ton diesen dürfte in geschichtlicher Be
ziehung die Ollob/irg an der Innbriicke das
merkwürdigste sein. Sie wurde von Otto 1M
Herzog von Meran, Grafen von Andechs,
1234 zu seiner Residenz erbaut. Unter Fer
dinand I. kam sie an einen seiner Kammer
diener, Ritter mit Namen , und blieb von
dort an in Händen von Privaten. Die dazu
gehörige, vom Brixner-Bischöfe Bruno im
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Jahre 1279 eirigeweihte St. Moriz- Kapelle
wurde 1794 zugleich mit dem daneben ste
henden Briickenthore abgebrochen. Uebri-
gens hat die Zeit an diesem Gebäude so
viel geändert, dass kaum mehr eine Spur
seines hohen Alterthums zurückgeblieben ist.
Hinsichtlich der ansehnlichen Bauart er
wähnen wir nur : das gräflich Trapp’sche,
das gräflich Taxis’sche, das v. Riccabona-
sche und das dem Handelsmann Ferstl ge
hörige Haus in der Neustadt; dann das
gräflich Sarnthein’sclie Palais am Ursulinen-
graben mit einer Kapelle, worin sich ein
von Christoph Unterberger gemalter Aloisius
Gonzaga als Altarblatt befindet: ferner die
Fischnaller sehe (ehemals von Pfeifferberg-
schej Behausung in der obern Sill- und die
Freiherr v. Beinhart'sche Behausung in der
Fuggergasse: endlich das gräflich Tannen-
berg’sche Palais in der untern Sillgasse, und
das gräflich Ferrarfe’sche zu Dreiheiligen.
Zu diesen ältern Privatgebäuden sind
in der neuesten Zeit noch viele neue, na
mentlich alle in der Museumsstrasse stehen
den hinzugekommen. Wenn gleich keines
für sich prächtig genannt werden kann, so
gewähren sie doch vereint einen imposan-
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ten Anblick, und zeichnen sich schon da
durch vor den altern vorteilhaft aus, dass
sie mit der breiten Seite gegen die Strasse
gekehrt sind, wodurch sie im Innern viel
lichter und wohnlicher geworden. Zu den
meisten hat der verstorbene Stadtbaumeister
Ant. Mutschlechner die Pläne entworfen;
da er aber allenthalben römische und goti
sche Elemente durcheinander mengte, so
vermisst man daran Einheit der Idee und
Harmonie. Auch die Farben sind eintönig,
überall begegnet man denselben.
IV. Monumente und Statuen.
Den Eingang in die Neustadt öffnet von
Süden:
1 Die Triumphpforte.
Sie ist das Erinnerungs-Denkmal der
Ankunft der Kaiserin Maria Theresia mit
ihrem Gemahle Franz I. und dem römischen
Könige Joseph zur Feier des Vermählungs
festes des Grossherzogs von Toskana (^nach
maligen Kaisers Leopold II.") mitLudovika,
Tochter des Königs Carl III. von Spa
nien.
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Der Plan zur Triumphpforte wurde vom
k. k. Ingenieur-Major v. Walter und vom
Freiherrn v. Sperges entworfen, und der
Grundstein hiezu am 22. März 1765 von dem
damaligen Gubernial-Präsidenten, Ign. Cas-
sian Grafen von Enzenberg, gelegt. Ob
gleich dieselbe ein Denkmal der Freude
werden sollte, so wurde ihre ursprüngliche
Bestimmung doch bald durch den traurigen
Todfall des Kaisers Franz wenigstens zum
Theile geändert, und die innere Fronte
(gegen die Stadt) in eine Trauerpforte um
gewandelt, während nur die äussere Seite
(gegen Wüten) Jubelpforte blieb. Die nach
Norden gekehrte Seite ist eine jonische, die
nach Süden eine römische Bogenstellung mit
Säulenstühlen und einer Attica, auf welcher
man als Akroterion das Brustbild des plötz
lich verstorbenen Kaisers erblickt. Zur Rech
ten dieses Bildes senkt eine weibliche Ge
stalt eine Sternenkrone auf das gesalbte
Haupt 5 zur Linken lässt Saturn die Sense
sinken, welche so eben das, so vielen Völ
kern theuere Leben abgeschnitten hat. In
dem Mittelfelde der Attica deutet ein schö
nes Basrelief allegorisch den grossen Ver
lust an, welchen durch den Tod des guten
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Kaisers seine llnterthanen, ja die gesammte
Menschheit erlitten. Der Genius der Mensch
heit ruht neben dem Erdglobus hingesun-
ken, auf welchen seine Thränen fallen, ihm
gegenüber senkt der Todesengel seine Fackel.
Weinende Genien trauern zu beiden Seiten
über den grossen Verlust.
In dem Friese liest man die Inschrift:
„Arcum. Pub. Lact. Fidei. Amoris. Testam.
S.P.Q. Oenipont.Dedicavit. Ann.MDCCLXV.
Quam. Subitum. Luctus. Monumentum.“
Ueber den zwei Seitenthoren steht rechts
das Portrait des Kaisers Joseph, links das
seiner Mutter.
Innerhalb des Ilauptthores erscheinen
ebenfalls zwei Portraite: das eine mit der
Umschrift: .,Carol. Loth. Dux. f das andere
mit der Inschrift: „Carolina Pr. Lotharing.“
Die andere Seite der Triumphpforte zeigt
auf der Attica als Akroterion das Doppel-
Portrait des Kaisers Franz I. und der Kai
serin Maria Theresia, auf deren Häupter
der Genius des Ruhmes eine Lorbeerkrone
legt. Zur liechten sitzt die Göttin der Vor
sicht, mit einem Scepter in der lland , auf
dessen Spitze das allsehende Auge Gottes
strahlt. Im Mittelfelde der Attica stellt ein
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schönes Basrelief die Vermählungsfeier Leo
polds mit der Infantin Ludovika dar. Auf
dem Altäre der Liebe, über welchem ein
Genius zwei goldene Kränze hält, zündet
Hymen seine Fackel an. Zu beiden Seiten
tanzen unschuldige Kinder, die sich wech
selweise umschlingen. Im Friese erscheint
die Inschrift: v
Francisco. Et. Mar. Theresiae. Augg.
P. P. F. F. Quod. ln. Nuptiis. Leop. M.
Het. I). Et. Lud. Bor. Praesent. Urbem. Suo.
Numine. Impler.
Auf dein Seitenthore zur Rechten stellt
das Portrait der fürstlichen Brautpersonen
-mit der Inschrift: Leopold. Arch. Dux. Lu-
dovica Bor. Hisp. Infans.
Auf dem gegenüber stehenden Thore
erblickt man ein anderes Doppel-Portrait mit
der Inschrift: M. Anna. Et. M. Christina.
Archid. Austr. Sorores.
Das Mittelthor zieren zwei hohe frei
stehende Säulen, auf deren Kapitälen zwei
goldene Kronen glänzen.
Die Pforte ist aus Quadern von Nagel
fluhe aufgeführt; die Tafeln der Inschriften,
die Basreliefs, Standbilder, Vasen und übri
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gen Ornamente sind aus weissein Marmor
von Balthasar Moll gearbeitet.
2. Die St. Anna-Säule
erhebt sich in Mitte der Neustadt. Nach
der Vertreibung der im spanischen Succes-
sions-Kriege 1703 in Tirol eingefallenen
Baiern und Franzosen machten die Stände
Tirols am 15. März 1701 das feierliche Ge
lübde, aus Dankbarkeit für die Befreiung
des Vaterlandes in der Hauptstadt des Lan
des zur Ehre der unbefleckten Empfängniss
Mariae ein bleibendes Denkmal zu errichten.
Es wurde sogleich zur Ausführung geschrit
ten, und am 26. Juli 1706 dasDenkmal feier
lich eingeweiht. Das Monument besteht
aus einer korinthischen Säule mit einem
vierfachen Säulenstuhle, dem drei Granit
stufen als Unterlage dienen. Die Säule
sammt Piedestal ist aus rotbem Tiroler Mar
mor verfertigt. Auf dem Kapitäl der Säule
steht die heilige Jungfrau , den Halbmond
zu ihren Füssen, die Sternenkrone um ihr
Haupt. Um die Mitte des Schaftes schwe
ben vier Engel, welche die Herrlichkeit der*)
*) Zoller II, 57. 68.
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unbefleckten Empfängniss verkünden. Auf
dem Deckel des Piedestals stehen die ko
lossalen Statuen der heil. Anna, des heil.
Georg, Vigilius und Cassian. Die Füllun
gen am Säulenstuhle zieren Engelgestalten
von halb erhobener Arbeit mit Inschriften
in den Händen, welche auf die Befreiung
des Landes Bezug nehmen, aber nichts we
niger als geistreich sind, sondern zumThei!
unwürdige Wortspielereien enthalten, wor
über schon Freiherr v. Sperges seinen Un
willen ausgesprochen hat.
Das ganze Denkmal ist das Werk des
Christoph Benedeiti aus Castione in Süd
tirol.
3. Die Stntue Erzherzogs Leopold V, zu Pferde. *)
Diese sdiüne Slatue befindet sich auf
dem Rennplätze, die Vorderseite der Burg,
die Kehrseite dem Theatergebäude zuge«*)
*) Dieses Standbild wurde im Herbst 1847 bis zur
Ausmiltelung eines geeigneten Aufsleilungs
platzes entfernt, weil die Harmonie ihres bis
herigen Standortes vor dem alten, durch die
Stellung des neuen Theaters gestört worden
ist.
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wendet. Sie ist aus Bronze gegossen, und
stellt den Erzherzog zu Pferde sitzend, in
Harnisch gekleidet, mit entblösstem Haupte,
den Marschallstab in der Rechten, vor. Von
vorzüglicher Schönheit ist das Pferd; es
steht auf den Hinterfüssen, die Vordeihufcn
zum Sprunge ausholend. Die Muskelkraft,
welche der Künstler im Hintertheile und in
den Hinterfüssen des Pferdes ganz nach der
Natur auszudrücken Avusste, wird von jedem
Kenner mit Recht bewundert. Die Statue
steht kühn und frei auf einem, über einer
Granitstufe erhöhtem Piedestale von grau-
melirtem Marmor, mit einem eisernen Lan
zengitter umschlossen. Diese Reitersta
tue Avurde von dem berühmten Caspar
Gras im Jahre 1628 gegossen, und Avar
bestimmt, das Frontispice der Jesuiten-Kir-
che zu schmücken. Das Postament mit ko-
rintischem Fuss und Kranz verfertigte der
Steinmetz M. Ott aus Füssen im Jahre 1826
auf Kosten des Kaisers Franz I. Die vor
dere Seite trägt das erzherzogl. österreichi
sche, die hintere das tirolische Wappen aus
Bronze, beide von einem Lorbeerkranze um
*} Neue Zeitschr. d. Ferd. II, 50.
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sehlungen; an den beiden Seitenflächen sind
Inschriften angebracht.
4. Grabmalen
Ausser den bei der Darstellung derKir-
chenmerkwürdigkeiten beschriebenen Crab-
mälern verdienen noch einige auf dem städ
tischen Gottesacker Erwähnung.
Dieser liegt hinter dem Ursulinen-Con-
vente, und bildet ein Viereck. Er wurde
im Jahre 1510 angelegt, und im Jahre 15T1
mit Säulengängen umgeben. Den zunächst
am Spitalgebäude belegenen Theil verwan
delte man im Jahre 1838 in einen Garten
für die Reconvalescenten, nachdem dort seit
vielen Jahren Niemand mehr begraben wor
den war.
Von den Grabmälern theils aus Marmor,
theils aus Erz und Holz, werden nur fol
gende erwähnt :<
1) Die Grabstätte des adeligen Damen
stifts. Sie besteht in einer von der Erzher
zogin Maria Elisabeth, erster Aebtissin des
Stiftes, im Jahre 1793 erbauten Halle, die
mit allegorischen Figuren von Franz Alt
mutter grau in Grau ausgemalt ist. An der
rückwärtigen Wand erscheint eine grosse
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Tafel von weissem Marmor in viele kleinere
Quadrate abgetheilt. Jedes Quadrat dient
zur Grabschrift einer hier beigesetzten Da
me. l eber der Marmortafel sieht man das
Wappen der Erzherzogin mit dem Aebtis-
siu-Stabc.
23 Das Grabmal Colins, die Erweckung
des Lazarus von den Todten, in halb erho
bener Arbeit aus Marmor, von seinem Sohne
Adam Colin verfertigt. Der Vater Alexan
der Colin liegt nicht hier, sondern auf dem
Friedhofe zu Dreiheiligen begraben.
33 Das Grabmal des Landeshauptman
nes Grafen Paris von Wolkenstein-Trost
bürg von Johann Huber und Urban Klieber
um das Jahr 1775 verfertigt. Auf der ei
nen Seite eines Sarkophages, 'welcher die
Inschrift enthält, erscheint in kolossaler
Grösse Saturn, der die abgelaufene Sand
uhr einer jenseits des Sarkophages stehen
den weiblichen Gestalt hinüberreicht, um sie
an die abgelaufene Frist ihres irdischen Da
seins zu erinnern. Mit Entsetzen wendet
sich die Frauengestalt, welche das Leben
*) Sperges, Compend. dcscript. Urb. Oenip. M. S.
f. 8. und Ceschi, Beschr. I. S. V. p. 150.
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zu versinnbildlichen scheint, von dein furcht
baren Mahner ab. An den Stufen des Mo
numentes sitzt ein trauernder Genius, der
die Fackel des Lebens auslöscht. Ein ei
sernes Gitter umschliesst das Ganze. Der
Sarkophag sannnt den Figuren sind sehr
brav aus weissem Marmor gearbeitet. Es
ist ohne Zweifel das schönste und kostbar
ste unter allen auf dem Friedhofe befindli
chen Denkmälern $ zu bedauern ist nur, dass
es nicht durch ein Dach gegen die schäd
lichen Einflüsse der Witterung geschützt
wird.
Nebst den aufgeführten sind noch sehr
viele andere schöne Werke der Bildhauer-,
Giess- und Malerkunst, darunter recht hüb
sche aus der neuern und neuesten Zeit, wie
die der Familien von Tannenberg, v. Ehr
hart , v. Riccabona, v. Trapp u. s. w. im
städtischen Gottesacker zu sehen.
Bemerkenswerth ist auch das der Lady
Alicia Bisset, des Ferdinand Trebisch und
jenes des königl. baierischen Obersten Carl
v. Dietfurt, welcher im Volksaufstande von
1809 gefallen ist. Noch muss bemerkt wer
den, dass hier kein Leichenhaus, wie in
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allen andern Städten von einiger Bedeutung
besteh!.
IV.
Stifte ftir Adelige.
A. fa$ ttMtge Jlamen-SStift.
Dasselbe wurde von der Kaiserin Ma
ria Theresia zum Andenken an den Tod fall
Kaisers Franz I. im Jahre 1765 errichtet.
Es ist eine Stiftung für 12 Damen des ho
hem Adels unter der Leitung einer Ober
dechantin , denen zur Pflicht gemacht ist,
für die Seelenruhe des verblichenen Kaisers
und für die erhabene Stifterin alltäglich ge
wisse Gebethe zu verrichten. Sie legen
keine Gelübde ab, und können nach Belie
ben austreten. Oberste Schutzfrau ist die
regierende Kaiserin. Die baierische Regie
rung hob es im Jahre 1807 auf, zog das
Gebäude anfänglich zur Burg ein, brachte
aber später die Postwagen-Expedition darin
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unter. Die österreichische Regierung rief
es bereits ira Jahre 1S16 wieder ins Leben
zurück.
B. pie tl)crcoianifd)c Tiitter-Akademie.
Von der unvergesslichen Kaiserin Ma
ria Theresia ir.i Jahre 1775 gegründet, wur
de dieses Institut, nachdem es im Laufe der
Zeit mehrere Aenderungen, die endlich im
Jahre 1813 mit seiner gänzlichen Auflösung
endigten, erlitten hatte, durch Kaiser Franz
den I. mit a. h. Entschliessung vom 22. No
vember 1828 der ursprünglichen Bestimmung
gemäss als Unterrichts - und Erziehungs-
Anstalt für achtzehn Stiftlinge, d. i. studie
rende Söhne tirolischer Edelleute, wieder
hergestellt, und am 1. Oktober 1830 eröff
net. Ausser den gestifteten Zöglingen wer
den auch adelige Convictoren aufgenommen,
welche für Verpflegung und Unterricht 300 fl.
C. M. zu bezahlen haben. Sie besuchen den
öffentlichen Unterricht am Gymnasium oder
an der Universität, und sie werden ausser
dem noch in der französischen und italieni
schen Sprache, im Zeichnen, Fechten und
Tanzen unterrichtet. Die Leitung ist, wie
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bereits erwähnt wurde, den Jesuiten nnver-
traut.
Die Statuten findet man in der Provin-
zial-Gesetzsammlung, XXIX. Bd. S. 701.
C. J)a0 biirflerlidje konntet
ist eine der theresianischen Bitter-Akademie
ähnliche Privat-Erziehungs-Anstalt für min
der bemittelte Söhne aus allen Ständen.
Ihre Hauptzwecke sind christliche Erziehung
und wissenschaftliche Bildung. Zur Errich
tung dieser Anstalt hat sich im Jahre 1840
ein Verein von Privatwohlthätern gebildet,
der die Fonds herbeischaffte, ein dem Zwecke
entsprechendes Gebäude aufführen, und die
ses mit den nothwenigen Einrichtungsstücken
versehen liess. Am 11. Februar 1842 erhielt
der Antrag die Genehmigung Sr. Maj. des
Kaisers; dem gemäss wurde am 25. April
1813 von dem damaligen päpstlichen Nuntius
in Wien und nunmehrigen Cardinal Ludwig
Fürsten v. Altieri der Grundstein zu dem
neuen Instituts-Gebäude feierlich gelegt, und
dieses im Jahre 1844 vollendet. Es steht
am Sillkanal, am südöstlichen Ende der Mu-
seums-Strasse. Es ist ein ansehnliches, ei
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106
nen rechten Winkel bildendes, drei Stock
werke hohes Gebäude, mit einer artigen
Hauskapelle, schönen, lichten und geräumi
gen Zimmern und Sälen, und einem ent
sprechenden Garten. Den Plan hiezu hat
der Baumeister Jos. Christoph entworfen und
ausgeführt. Die Anstalt leiten die Jesuiten;
sie wurde am 1. Oktober 1846 eröffnet. Je
der Zögling hat jährlich 200 11. C. M. zu
bezahlen. Sie erhalten dafür die ganze
Verpflegung, Repetition in den Gegenstän
den des öffentlichen Unterrichts, und es
werden ihnen ausserdem die italienische und
französische Sprache beigebracht. Für den
Fall der Auflösung der Anstalt haben sich
sämmtliche Wohlthäter das Verfügungsrecht
über ihre Beiträge Vorbehalten.
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V.
Vereine zur Beförderung’
des nützlichen und
Schönen.
A. per Jföusiköeretu.
Dieser Verein, welcher unter dein Schutze
Seiner Excellenz, des ehemaligen Landes
gouverneurs Carl Grafen von Choteck steht,
hat sich zu seinem IlauptzAvecke die Aus
bildung in der Tonkunst und in der Decla-
mation vorgesetzt. Er wurde schon im J.
1817 hauptsächlich durch die Verwendung
des vormaligen Pfarr-Chordirektors Johann
Herzog gegründet. Die Zöglinge finden im
Gesänge sowohl, als in der Instrumental-
Musik Unterricht. Armen und talentvollen
Jünglingen Avird der Unterricht unentgelt
lich ertheilt. Obschon sein Bestreben vor
züglich auf solide Bildung junger Leute in
der Tönkunst, nicht auf glänzende Produk
tionen gerichtet ist, so legt er doch von
Zeit zu Zeit auch öffentliche Proben seiner
Leistungen ab. Die Besorgung der Musik
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in der Universitätskirche während des aka
demischen Gottesdienstes ist eine besondere
Obliegenheit für den Verein.
Neben diesem Vereine besteht noch eine
besondere städtische Pfarr-Musikschule, un
ter der Leitung des Pfarr-Chordirektors,
an welcher Knaben und Mädchen vornehm
lich für den Kirchengesang gebildet wer
den; und eine Liedertafel zur Bildung im
Männergesang, unter der Leitung des Re
sidenz-Schlossverwalters Ernst Suschizky.
Fast alle mit Stimme begabten Akademiker
nehmen daran Theil, und sie wirken bei
Productioncn des Musikvereines bereitwillig
mit. Die Leistungen der Liedertafel fanden
noch jedesmal allgemeines Lob.
B. Pas jfcrbinanfccum.
m
Dieses Institut, welches die Natur ei
nes Privatvereines an sich trägt, wurde
gleichfalls durch die tlüitige Bemühung des
ehemaligen Gouverneurs Carl Grafen v. Cho-
tek gegründet. Kaiser Franz genehmigte
im Jahre 1823 die Bildung dieses Vereins
dessen Protektorat Seine Majestät Kaiser
Ferdinand L, damals noch Kronprinz, huld-
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rollst übernahm. Der Zweck des Vereines
ist: „Fortschreitende Bilden«* der Nation
im Allgemeinen und im Einzelnen, insbeson
dere aber Weckung und Belebung des ge
meinschaftlichen Interesse für das Land Ti
rol, und für alles, Avas dasselbe an Erzeug
nissen der Natur, der Kunst und des Alter
thums Gutes, Schönes und Nützliches in
sich fasset, durch dessen Aufsuchung, Auf
stellung und Aufbewahrung in einem dazu
bestimmten Lokale, und durch allinälige Be
kanntmachung in einer heftweise herauszu
gebenden Zeitschrift/*
Seit seiner ersten Begründung hatten
sich seine Sammlungen bereits so sehr ver
mehrt, dass sie in dem bisher innegehabten
Theile des Universitäts-Gebäudes nicht mehr
untergebracht werden konnten, und ein ei
genes ZAveckmässiges Gebäude zum unab
weisbaren Bedürfniss wurde. Se. Majestät
der Kaiser Ferdinand, unter Allerhöchstdes-
sen besonderem Schutze die Anstalt steht,
spendeten hiezu ein wahrhaft kaiserliches
Geschenk von 20,000 fl. C. M.; dieser Sum
me fügten die Stände noch 15,000 fl. C. M.
hinzu, so dass nun ein ganz neues Gebäude
aufgeführt werden konnte.
S
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Den Plan hiezu entwarf der verstorbene
StadtbaumeisterMutschleehner, und die Aus
führung desselben übernahm der Baumeister
Joseph Mayr um die Summe von 42,083 11.
20 kr. C. M. Ara 2. Oktober 1842 wurde
von Sr. kais. Hoheit dem Erzherzoge Johann
der Grundstein gelegt, und im Frühjahre
1843 der Bau begonnen. Dieser schritt so
rasch vor, dass das Gebäude im Frühjahre
1845 vollendet und eingerichtet da stand,
und am 15. Mai desselben Jahres durch den
gedachten Erzherzog feierlich eröffnet wer
den konnte. Es steht mitten in der Mu
seumsstrasse: seine Länge beträgt 184, seine
Tiefe 54 und die Höhe bis zum Dache
48 Wiener-Fuss. Es hat ausser dem Erd
geschoss nur noch ein Stockwerk, und ist
in einem aus antiken und gothischen Ele
menten gemischten Style erbaut. In der
Mitte ist ein Bisalit angebracht, und auf
diesen eine Attica in der Form eines Fron
tons aufgesetzt. In dem Giebelfelde sind
jene Künste und Wissenschaften, deren Pflege
sich dieses Institut hauptsächlich widmet,
symbolisch in einem Basrelief-Tableau aus
Gyps und Kalk dargestellt. Diess ist das
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Werk des jungen Plastikers Stolz aus Ma-
trev.
lieber einer Freitreppe von 10 Stufen
aus weissem Marmor führen drei Pforten in
das Innere, über diesen sind drei grosse,
gothisch verzierte Bogenfenster ausgebro
chen ; um die übrigen laufen antike Bau
glieder mit Kränzen. Das Krönungsgesims
tragen Konsolen. Im Friese des Risalits
zeigt das Wort „Ferdinandeum“ die hohe
Bestimmung des Gebäudes an. Die hintere
lange Seite läuft in zwei Flügel aus, und
hat in der Mitte eine Rotunde mit einem
Kuppeldach.
Im Innern laufen längs der Fronte im
Erdgeschoss und im obern Stockwerke
schöne Corridore hin, die mit einem mosaik
artigen, feingeschliffenen Boden belegt sind.
Die übrigen Räume sind in verschiedene,
grössere und kleinere Säle abgetheilt; ihre
Decken zieren chinesische Ornamente.
In diesen Sälen sind nun die verschie
denen Sammlungen aufgestellt, wovon wir
jedoch hier keine ins Einzelne eingehende
Beschreibung geben können; einmal, weil
der beschränkte Raum dieses Werkchens es
nicht gestattet; sodann, weil eine Beschrei-
8*
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bung nie die Stelle der Anschauung bei
solchen Gegenständen vertreten kann; end
lich, weil im Museum selbst von dem dazu
angestellten Individuum alles mit genügen
der Umständlichkeit gezeigt und erklärt
wird.
Die Sammlung zerfällt in sechs Haupt
klassen, deren jede wieder mehrere Unter
abtheilungen enthält; diese sind:
I. Topographisch - historische.
1) Landkarten über Tirol und Vorarl
berg.
23 Alterthümer und alte Münzen, welche
in Tirol, oder nahe an seinen Grän
zen gefunden wurden: darunter meh
rere rhätische, erst in der neuesten
Zeit entdeckte.
33 Urkunden, welche das Land Tirol
und Vorarlberg oder seine Bewohner
betreffen.
43 Heraldische Sammlung, Siegelstöcke
und Siegelabdrücke.
II. Naturhistorische.
5 ) Oryktognostische, geognostische und
Petrefakten-Saramlung von Tirol und
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Vorarlberg. Diese ist sehr reichhal
tig und systematisch nach den Ge-
birgsformationen des Landes in einem
eigenen Saale aufgestellt.
6} Flora von Tirol und Vorarlberg, be
stehend in einem reichen Herbarium
nach dem natürlichen System geord
net.
7) Zoologische Sammlung. Diese be
greift zuvörderst eine reiche, aus den
schönsten, ganz naturgetreu ausge
stopften Exemplaren bestehende or/ri-
Ihologische und eine ent ontologische
Sammlung. Die Fauna dagegen ist
noch wenig vertreten.
III. Technische Sammlungen.
8) Berg- und Hütten-Produkte.
93 Fabrikate der Industrie.
103 Modelle.
113 Waffen.
IV. Bildende Künste.
I*i3 Handzeichnungen.
133 Kupferstiche und lithographische Ab
drücke.
143 Gemälde, vorzüglich tirol. Künstler.
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15} Glasgemälde.
16) Plastische Kunstwerke.
17) Neue Münzen und Medaillen. Diese
Sammlung ist reichhaltig, und mit
umfassender Kenntniss geordnet.
V. Literatur.
18) Bibliothek. Die Bibliothek besteht
aus zwei Abtheilungen, wovon die
erste die dem Institute eigentümlich
angehörigen Werke; die zweite aber
die sogenannte Bibliotheca lirolensis
des verstorbenen Freiherrn v. Dipauli
enthält; diese ist Staatseigentum.
Die Benützung jener ist nur Mitglie
dern ; die der letztem auch diesen
nur unter Beschränkungen gestattet.
19) Manuskripte.
VI. Anhang.
20) Aegvptische Altertümer.
21) Amerikanische Seltenheiten.
22) Miscellen.
Für Fremde steht das Museum
jederzeit, für das hiesige Publikum
aber nur an Einem Tage in der Wo-
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ehe während der Sommer-Monate oG-
fen.
C. iltontametisdj-geiignostiödjcr Drrrin.
Hauptzweck dieses Vereines, der seine
Entstehung der Sorgfalt Sr. Excellenz des
gewesenen Hrn. Landesgouverneurs, Fried
rich Grafen von Wilczek, verdankt, ist
Durchforschung des Landes Tirol und Vor
arlberg in allen seinen Theilen zur Ent
deckung nutzbarer Fossilien, Erdarten, be
sonders von Steinkohlen, Torf, Auffindung
von Bau- nnd statuarischen oder lithogra
phischen Steinen, zur Untersuchung der Ge-
birgsarten, Beurtheilung und öffentliche Be-
kanntgebung dieser Entdeckungen zur Er
leichterung bergmännischer und anderer tech
nischer und Handlungs-Unternehmungen.
Bei dieser Tendenz lässt jedoch der
Verein die höhern wissenschaftlichen Inter
essen nicht aus dein Auge, um nach und
nach durch Anfertigung von Karten, Höhen
messungen, Untersuchung der Gebirgsarten,
Anlegung mineralogischer Sammlungen u.
dgl. eine zusammenhängende geognostische
Uebersicht und eine gründliche Beschreibung
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des Landes zu liefern. Der Verein erfreut
sich des obersten Protektorates Seiner kai
serlichen Hoheit des Erzherzogs Johann.
Mit der kaiserlichen Entschlicssung vom
10. November 1838 erhielt der Verein die
Bestätigung seiner Statuten, und noch an
dere Begünstigungen. Die Zahl seiner Mit
glieder ist sehr gross. Bis jetzt ist erst die
geognostische Karte und Beschreibung von
Vorarlberg erschienen. Sie fand allgemein
ungetheilten Beifall.
Von einer Gewinn versprechenden Ent
deckung ist noch nichts bekannt geworden.
Der Veiein steht unter dem unmittelbaren
Protektorate Sr. Excel lenz des Herrn Lan
desgouverneurs, Grafen v. Brandis.
D. per lantumrtljsdjrtftlidje tlcrein
zu zweckmässigen Verbesserungen in allen
Theilen der Landwirtschaft. Es ist ein auf
seine eigenen Kräfte beschränkter Privatver
ein, welcher unter dem Protektorate des je
desmaligen Landeschefs steht: er wählt sei
nen Präsidenten aus den Mitgliedern, des
sen Bestätigung der allerhöchsten Sanction
unterliegt.
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Oie Statuten desselben erhielten am 8.
Februar 1838 die allerhöchste Bestätigung.
Er gibt eine Wochenschrift heraus, und
vertheilt Prämien an die besten Viehzüchter,
ln jedem Kreise besteht ein Filialverein.
VI.
Oeffentliclie Unterhal
tung splätzc.
A. (harten linfc ^Uecn.
1) Der Rennplatz hat seinen Namen von
den Kampfspielen, Avelche zu den Zeiten
des Ritterthums hier gehalten wurden.
Schon im Jahre 1574 wurde er appla-
nirt und mit Bäumen besetzt; im Jahre 1765
waren die hohen Pappel- und im Jahre 1808
die Kastanienbäume gepflanzt worden. Er-
stere bilden die Hauptallee, welche seit dem
Herbste 1842 in einer Doppellinie bis an das
Innufer fortläuft. Der Neubau des Theaters
machte eine Veränderung dieser schönen An-
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läge nothwendig. Diese Umgestaltung er
folgte im November 1845 und im März 1846.
Dieser Platz ist noch immer der angenehm
ste und nächste, weil in der Stadt selbst
gelegene, Spaziergang.
23 Der Hofgar len, welchen der Erzher
zog Leopold im Jahre 1628 anlegen liess.
Aus dieser Zeit stammen noch die grossen
majestätischen Tannenbäume in der 31itte
des Gartens, von denen leider schon so
viele durch die häufigen Sturmwinde, so na
mentlich am 6. August 1842 zwei auf ein
mal, niedergerissen worden sind 5 andere sind
durch die Länge der Zeit verdorrt. Sie
durch neue zu ersetzen, ist kaum thunlicli.
In Mitte des Gartens erhebt sich ein
geschmackvolles Sommerhaus 5 vor und hin
ter demselben spritzen zwei Springbrunnen
ihren Wasserstrahl in die Höhe. Die Wege
sind in Wellenlinien gezogen und verschlin
gen und theilen sich nach verschiedenen
Richtungen.
Laubiges Buschwerk, Gruppen oder Al
leen von Bäumen, grünende Rasenflächen,
hie und da angebrachte Blumenparthien,
Bänke und Tische unter überhängendem Ge
sträuche. künstliche Hügel mit leichten Som-
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meihüttchen und der Aussicht auf die be
lebte Strasse machen den Hofgarten zu ei
nem sehr angenehmen Unterhaltungsplatze.
Im Gewächshause des Hofgartens, wel
ches nach Verschiedenheit der Jahreszeit
mit Blumen und blühenden Stöcken sehr
niedlich verziert ist, findet man beliebige
Erfrischungen, gute Gesellschaft und in ein
samen Augenblicken unterhaltende Lectiire.
DerTheil des Gartens längs der Landstrasse
ist mit einer zierlichen Mauer umfangen, und
hat in seiner Mitte ein niedliches, tempel
artiges Sommerhaus mit einem Portikus und
einer Attica. Dieser wird sorgfältig kulti-
virt, weil er für den allerhöchsten Hof Vor
behalten blieb. Die Benützung desselben in
Abwesenheit des Hofes ist dem Hn. Lan
desgouverneur überlassen.
3]) Die englische Anlage. So heisst der
mit schattigen Bäumen, Buschparthien, schlan-
genförmigen Gängen und Ruhebänken ver
sehene Rasenplatz, der sich am Ende des
Rennplatzes längs dein Inn hinzieht, und
mit dem neuen Quai am rechten lnnufer in
Verbindung steht. Diese Anlage wird durch
die nach Mühlau führende Strasse von der
einen, und durch den Inn von der andern
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Seite in einen spitzigen Winkel zugeschnit
ten, und verliert sich endlich in eine höchst
angenehme Allee von Linden und wilden
Kastanien, welche bis zum Löwenhause und
von dort bis zur Miihlauer-Brücke führt.
Dieser Park gefiel der Miss Trollope
ungemein, und sie schreibt, dass man sich
nach einer Ueberfahrt über den Inn nichts
angenehmeres denken könne, als einen Spa
ziergang in demselben.
4) Ausser den genannten laden noch
viele andere Alleen zu freundlichen Spazier
gängen ein, wie die Doppel-Allee mit da
zwischen liegender Rasenfläche am linken
Innufer vor dem Straf-Arbeitshause, die Al
leen am Innrain, die Pappelallee im Stadt
saggen , die Allee von Fruchtbäumen nach
Ferneck, nach Hall, Kranewitten u. a. m.
B. £>d)ie$£iplät3e.
1} Die Schiesstätte jenseits des Inns
für den Civilstand. Dieses Gebäude kann
auf Schönheit eben keinen Anspruch ma
chen; auch ist es nicht zweckmässig gele
gen. Desswegen, und weil in Folge der
kaiserlichen Entschliessung vom 5. April iSlVJ
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das SchützenAvesen in Tirol einen neuen
Aufsclrwung genommen hat, dachte man
schon lange an ein anderes Gebäude und an
einen gelegenem Platz; bis jetzt ist es aber
noch nicht gelungen, einen ausfindig zu ma
chen. Auf keinem Schiesstande in ganz
Tirol Avird so häufig geschossen, als auf
dem hiesigen. Wenn ein Hauptschiessen
statt findet, geht es dort sehr lebhaft zu,
und ein Besuch der Schiesstätte Avird kei
nen Fremden gereuen. Schon die vielen iin
Gebäude aufgehängten Scheiben sind inter
essant.
2~) Die Schiesstätte auf dem Berge Isel
für das 31ilitär. Von der letztem wird in
der Folge die Rede sein.
C. p«$ (Casino
zum geselligen Vergnügen. Es hat den
Zweck, das Band des gesellschaftlichen
Umganges unter der gebildeten Classe en
ger zu knüpfen, und durch vereinte Beiträge
Unterhaltungen zu schaffen, Avelche Einzelne
ohne grossemKostenaufAvand nicht geniessen
könnten. Nach der Eigenschaft der gcsel-
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1S-2
ligen Unterhaltungen zerfällt es in drei
Zweige:
aj das Tanz-,
b) » Musik- und
cj „ Lese-Casino.
Neben dem Casino besteht noch eine
andere ähnliche Gesellschaft für jüngere
Leute aus dem Bürger- und untern Beam
tenstand. Ihre Mitglieder nennen sich gar
zu bescheiden die „Namenlosen.“ Ihre Zu
sammenkünfte finden im Gasthofe zur gol
denen Sonne statt. Sie veranstalten Bälle,
Concerte, kleine dramatische Vorstellungen
und andere dergleichen Vergnügungen. Der
zu leistende Beitrag ist gering.
D. pic tictoute,
ein geschmackvolles, in zwei Säle abge-
theiltes Gebäude, von Maria Theresia im
Jahre 1773 erbaut, und 1805 durch mehrere
damit in Verbindung gesetzte Gesellschafts
zimmer erweitert. Jm Jahre 1838 wurde
der grosse Saal geschmackvoll ausgemalt,
mit einem herrlichen Parquetboden belegt,
und mit prächtigen Lustern geziert. In die-
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sein Saale finden auch Concerte und andere
Kunstproductionen statt.
E. pas tlational-Uljeaterj
vom Erzherzoge Ferdinand Carl iin Jahre
1653 erbaut, war unter seiner Regierung
eines der schönsten in Deutschland. Zur
Verfertigung der Maschinen und Decoratio-
nen wurdenLeute aus Italien berufen. Wäh
rend der langen Zeit seines Bestehens hat
es zwar viele Aenderungen erlitten, allein
es entsprach den Anforderungen eines ge
läuterten Ceschinackes nicht mehr; auch
standen seine Räumlichkeiten mit dem ge
steigerten Interesse des Publikums an dra
matischer Kunst nicht mehr in allen Fällen
im Verhältnisse desswegen wurde das Ver
langen nach einem neuen Theater immer
grösser und allgemeiner. Nach langen Be
rathungen und Verhandlungen entschied man
sich endlich für einen Neubau. Joseph Se-
gusini, Ehrenmitglied der Akademie in Ve
nedig, und jener des Pantheon in Rom, ent
warf den Plan, und Paul Vanotti nahm die
Ausführung desselben über sich. Am 30.
März 1844 fand im alten Theater die letzte
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Vorstellung statt, und am 1. April begann
der Abbruch desselben; sofort wurde am
18. Mai 1844 zu den neuen Theater der
Grundstein gelegt, und der Bau so rasch
gefördert, dass das Gebäude in weniger als
zwei Jahren vollendet da stand. Am 19.
April 1846, dem Geburtsfeste Sr. Majestät
des Kaisers Ferdinand , wurde es feierlich
eröffnet.
Das Theater ist von aussen 192 Fass
lang und 92 Fuss breit. An der Fronte ver
stärkt ein in das Gebäude hineingerückter,
auf vier mächtigen, sehr geschmackvollen
korinthischen Säulen ruhender Portikus das
bedeutungsreiche Ansehen desselben. Die
Eckschäfte des Portikus haben Nischen für
Statuen, und seine Decke zieren sehr schöne
Casetten mit Rosetten.
lieber dem von sehr zierlichen Conso-
len getragenenKrönungsgesiinse erhebt sich
eine Attica, an der man vorderhand nur
zwei Siegel erblickt.
Um das Ansehen der Fa<jade recht zu
erhöhen, hätten noch zwei Flügel angebaut
werden sollen. Die Ausführung derselben
scheint aber noch in weite Ferne gerückt.
Ein Mauerband mit einfachen Irrwegen theilt
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die Geschosse ab. Durch den Portikus füh
ren fünf Pforten zunächst in ein geräumi
ges, aber dunkles Vestibüle, und aus die
sem über eine Treppe von 10 Stufen, die
ziemlich schmal sind, durch eine einzige
Pforte ins Parterre. Links und rechts da
neben sind die Treppen zu den Logen an
gebracht. lieber eine eigene schmale und
ziemlich steile Treppe steigt man auf die
Gallerie empor. Der Schauplatz ist beinahe
rund. Das Theater hat drei Reihen Logen;
diese sind durch Pfeiler gestützt, und von
einander abgesondert. Im Innern herrscht
einige Pracht. Der Grundton der Farbe
ist citronengelb; an der Decke ist ein fächer
artiges Velarium gemalt, zwischen dessen
Flügeln man Opferleuchter und andere Sym
bole erblickt. Einigen Dekorationen kann
guter Geschmack nicht abgesprochen wer
den. Das Theater hat einen Heitzapparat
nach der Meissnerschen Methode. Es wer
den wöchentlich vier Vorstellungen gege
ben, und zwar abwechslungsweise Schau-,
Lust-, Trauerspiele und Opern.
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lSß
VII.
Umgebungen voialimsbruck
Die schöne Gegend um Innsbruck ist
in einem Umkreise von 2 — 3 Stunden von
zahlreichen Dörfern, Badeörtern, Gasthöfen,
Landhäusern, Schlössern und Ruinen be
setzt, welche der reitzenden Landschaft ein
reges Leben mittheilen, und dem Freunde
der Natur und der ländlichen Freuden ho
hen Genuss versprechen. Die Freuden der
Stadt und des Landes sind .hier eng mit
einander verbunden, und die Genüsse beider
Art lassen sich an einem und demselben
Tage sehr leicht vereinigen. Wer am hei
tern 31orgen reine Gebirgsluft athmet, oder
in der freien Natur, umgeben von den
Wundern der Schöpfung, ein ländliches
Mittagsmahl hält, der kann sich noch Abends
in gesellschaftlichen Kreisen oder im Thea
ter unterhalten; und wer die Vormittags
stunden in dumpfen Gewölben oder Bureaux
zubringen muss, der kann Nachmittags oder
Abends in den Armen der Natur Erholung
finden.
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18T
Die vorzüglichsten Standpunkte, welche
im Umkreise der Stadt Innsbruck die Auf
merksamkeit der Einheimischen und Frem
den auf sich ziehen, lassen sich unter fol
gende Hauptrubriken fassen:
A. Benachbarte Ortschaften.
1. Stadt Hall.
Von Innsbruck führt eine mit Alleen
von Obst-, Linden- und wilden Kastanien-
Bäumen besetzte Strasse längs dem linken
Innufer durch üppige Felder und Fluren in
die 2 Stunden entlegene alte Salinen-Stadt.
Mehrere Stellwagen, die zu verschiedenen
Stunden des Tages abfahren, erleichtern
den Verkehr zwischen Innsbruck und Hall.
Vor kurzem umengten noch breite Grä
ben und hohe Mauern mit Thürmen und
Thoren das alterthümliche Städtchen, wel
ches in 20 Gassen 399 Häuser, und nach
dein Diöcesan-Schematismus für 184T, 4983
Einwohner zählt; in der neuesten Zeit sind
jedoch diese schwerfälligen Ueberreste des
Mittelalters weggeschafft worden, wodurch
die Stadt ein freundlicheres Ansehen von
innen und aussen gewann.
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Die Stadt selbst theilt sich ihrer Lage
nach in die obere und untere; erstere ist
offenbar älter; denn schon im Jahre 1303
ist dieser Theil von Otto, Herzog von Kärn-
then und Grafen von Tirol, zur Stadt erho
ben worden, nachdem er ungefähr um das
Jahr 1300 das Salzsudwerk von Thauer hie-
her übersetzt hatte.
Ludwig von Brandenburg verlieh der
Stadt Hall im Jahre 1345 das Recht zu
zwei Jahrmärkten, welche in der Folge der
Zeit zu einer bedeutenden Berühmtheit ge
langten, und nicht wenig zum Flor und
zum Wohlstände der Stadt beitrugen. Jetzt
sind sie zu blossen Dorf-Jahrmärkten her
abgesunken; in der daigen Münze wurden die
ersten Thaler und Heller geschlagen; sie ist
aber schon längst aufgehoben,— eine trüb
selige Vergangenheit!
Zu den ansehnlichsten Gebäuden ge
hört :
a} Das Berg- und Salinen-Amt mit den
zur Salzsiederei angelegten Salzpfan
nen. Das mit Salzstoff gesättigte
*) Gf. v. Mohr, Beschreib, von Tirol I, 73.
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Wasser wird aus dem 3 Stunden ent
legenen Salzberge vermittelst einer
Röhrenleitung in die Salzpfannen ge
führt, und das Wasser durch den Sud
abgedampft, so dass die reinen kry-
stallisirten Salzkörner Zurückbleiben;
b} das ehemalige Jesuiten-Collegium und
jetzige Erziehungshaus des Kaiser
jäger-Regiments. Gegenüber
c} das Gymnasial-Gebäude, worin auch
die Normal - Hauptschule ihren Sitz
hat:
d) die Irrenanstalt:
e} das Gebäude für die Taubstummen
ausserhalb der Stadt;
f) Die Pfarrkirche, deren Entstehung in
das Jahr 1271 fällt, ist im gothischen
Style erbaut, und besitzt ein Gemälde
von Albrecht Dürer, welches den Hei
land mit der Weltkugel darstellt, und
an der 3Iauer unweit des Hochaltars
angebracht ist.
g) Das ehemalige sogenannte königli
che DamensUft von drei Prinzessinen-
Töchtern des römischen Königs Ferdi
nand I. im Jahre 1563 gestiftet, und
von Kaiser Joseph II. im Jahre 1781
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aufgehoben. DieRenten seines grossen,
noch dermal weit mehr als eine Mil
lion Gulden R. W. betragenden Ver-
mögens wurden in sogenannte Prä-
benden zu 480 fl. an Töchter des
Adels und verdienter Beamten ver
wendet; sie haben ausser einigen Ge
beten nichts dafür zu leisten. Die
Anzahl der Betheilten beträgt 73; sie
können ihren Aufenthalt an einem be
liebigen Orte in der österreichischen
Monarchie wählen, und haben unter
sich gar keine Gemeinschaft. Das
herrliche Stiftsgebäude hat die Stadt
gemeinde um sehr geringes Geld ge
kauft , im Jahre 1843 zu einem Spi
tal einrichten, und im Jahre 1844 die
Kranken und Pfründner dahin bringen
lassen. Die Kirche dient als allge
meine städtische Rumpelkammer.
Wer sich über diese Stadt genauer un
terrichten will, den verweisen wir auf Staff-
ler’s Topographie I. Bd. S. 560.
2. Umliegende Dörfer.
1) Von der Vorstadt Dreiheiligen führt
die Strasse über die im Winter 1846 — 47
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neugebaute Sillbrücke in das Dörfchen Pt a dl,
von welchem eine mit jungen Pappeln be
setzte Allee ^der Fürstenweg) in das £ Stun
den von Innsbruck entfernte Dorf Amras
leitet, an einem Weiher (Amraser-See) ge
legen, dessen Eisfläche im Winter von Schlitt
schuh-Läufern häufig besucht wird.
Von Amras steigt der Weg über das
Mittelgebirge, und führt zu den Ortschaften
Aldrans, Ampass, Sistrans, Rinn, Tulfes,
Lans, Vill, Igels und Patsch, welche von
Innsbruck aus in einem Umkreise von drei
Stunden liegen, und einen iiusserst maleri
schen Anblick gewähren.
2) Am Ende der Neustadt bei der
Triumphpforte beginnt das Dorf Willen; zwi
schen den einzelnen, grösstentheils neu ge
bauten Häusern, welche sich bald in eine
Gasse vereinigen werden, gelangt man am
Ende desselben zur heitern, freundlichen
Pfarrkirche. Sie wurde im Jahre 1755 von
dem als Baumeister berühmten Pfarrer Franz
Penz im italienischen, stark mit Roccoco
versetzten Style erbaut. Schöne Fresko-
Gemälde von Matthias Gündter aus Augs
burg, einem Schüler des genialen Tiroler-
Malers Johann Holzer, zieren die leichten
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Gewölbe. Vorzüglich bemerkenswert!» ist
der Hochaltar. Vier hohe römische Marmor-
Säulen tragen eine grosse Krone, unter wel
cher ein Marienbild, das göttliche Kind im
Arme, — vielleicht das älteste im Lande, —
auf einem über dem Tabernakel angebrach
ten Throne ruht. Zu den übrigen sehens-
werthen Gemälden gehört der heilige Joseph
und die heilige Theresia von Ignaz Unter
berger; der heilige Andreas und die heilige
Katharina von Grasmayr, welcher im Jahre
1T51 dahier gestorben ist, und dem der
Freiherr von Sperges ein von Franz Zau
ner verfertigtes Denkmal setzen liess. In
der südwestlichen Ecke des diese Kirche
umgebenden Friedhofes sieht man den Grab
stein des am 5. Juni 16T8 dahier verstorbe
nen, seiner Zeit sehr berühmten Orgelbauers
Daniel Herz. Unter andern befindet sich
eine von ihm erbaute Orgel in der Hcilig-
Grabkirche zu Jerusalem.
In geringer Entfernung ostwärts von
der Pfarrkirche erblickt man die schöne
Prämonstratenser-Abtei mit der ansehnlichen
Stiftskirche. Gleich am Eingänge in die
letztere ziehen zwei riesenhafte Statuen zu
beiden Seiten des Portals den Blick auf sich.
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Die Legende nennt sie Haymo und Tyrsus,
und legt ihnen die Natur und Kraft der Gi
ganten des Alterthums bei. Tyrsus fiel im
Kampfe mit Haymo. Zur Sühnung des Mor
des begann Haymo den Bau eines Klosters
am Ufer der Sill 5 aber ein furchtbarer Dra
che zerstörte über Nacht, was der ange
strengte Fleiss bei Tage schuf. Haymo
zieht gegen das Ungeheuer zu Felde; er
findet es in der Felsenschlucht, aus welcher
der Sillbach hervorbraust ^nocli jetzt die
Drachenhöhle genannt^, tödtet es, und reisst
ihm die an beiden Seiten mit scharfen Zäh
nen bewaffnete Zunge aus dem Rachen, die
er als Siegestrophäe mit sich nimmt. Nun
geht der Bau ungestört und rasch vorwärts.
Der Drachenwürger nimmt selbst das Or
denskleid, und schliesst in dem von ihm er
bauten Kloster seine Augen als biissender
Laienbruder (875}.
Geschichtlich gewiss ist, dass das Stift
im Jahre 1128 vom Bischöfe Beginbert zu
Brixen dem Prämonstratenser-Orden einge
räumt wurde.
Die königl. baierische Regierung zog
am 16. September 1807 das Vermögen des
Stiftes zum Studienfonds ein, und löste es
9
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194
iin Jahre 1808 ganz auf. Im Jahre 1809
diente das Stiftgebäude bald als Festung,
bald als- Spital. Am 1. April 1816 wurde
es wieder hergestellt. Die Stiftsherren ver
sehen die Seelsorge in den meisten der be
nachbarten Dorfgemeinden. Das Stift be
sitzt eine erlesene Bibliothek mit vielen al
ten Drucken in einem schönen Saale; eine
gewählte Gemälde-, Kupferstich- und 3Iünz-
sammlung; ein kleines, mit schätzbaren In
strumenten versehenes astronomisches Obser
vatorium: ein reiches Herbarium von Alpen
gewächsen u. s. w. Der sehr gebildete und
leutselige Herr Prälat macht sich ein Ver
gnügen daraus, diese Sammlungen gebildeten
Fremden zu zeigen.
Die grosse Stiftskirche mit ihrer massi
gen Beleuchtung und den neun Altären aus
schwarzgebeitztem Holze mit goldener Ver
zierung stimmt mehr zur ernsten Betrach
tung, als zur freudigen Erhebung. Die
Freskogemäide der Plafonds sind von Ca
spar Waldmann. Das Blatt des Hochaltars
wurde von Aegid Schor, der heilige Se
bastian über dem Kreuzaltare von Grasmayr
gemalt. Auf einem Seiteualtare ist eine
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gute Kopie von Raphaels berühmter Ma
donna di Foligno, von M. Andersag in Rom
gefertigt, zu sehen.
Die grösste Merkwürdigkeit dieser Kir
che ist aber die von Mart. Gump und Joh.
Ferd. Schor gemalte prächtige Grabvorstel
lung. Leider ist sie nur alle zwei Jahre an
den drei letzten Tagen der Charwoche za
sehen. Sie zeichnet sich ebenso durch die
Vortrefflichkeit der Perspective an der Ar
chitektur, als durch die Kraft und die Rich
tigkeit der Zeichnung an den Figuren, so
wie durch das liebliche Colorit aus.
In dem grossen Saale der Abtei hat
Aegid Schor eine Scene aus der Legende
des heiligen Norbert al fresco an die Decke
gemalt; auch sieht man dort noch fünf an
dere, in Oelfarben ausgeführte grosse Ge
mälde, welche den Märtyrertod der beiden
heiligen Leviten Stephanus und Laurentius,
dann der beiden Apostel Petrus und Paulus,
und der beiden Ordensheiligeu Hadrian und
Jakob vorstellen. Sie sind Werke des Bal
thasar Renn aus Innsbruck, der mit selte
ner Kraft den Pinsel zu führen verstand,
9*
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196
wie das zuletzt genannte Bild ganz vorzüg
lich beweist. #")
Hinter der Abtei steht, in der Form ei
nes Thurmes gebaut, das uralte Bartholo
mäus-Kirchlein. Die Sage versetzt die
Entstehung dieses Kirchleins in die Zeiten
des Heidenthuras, wo sich die verfolgten
Christen in die damals hier befindlicheWild-
niss verborgen, und daselbst ihren Gottes
dienst gehalten haben sollen.
Nebst der so eben beschriebenen Prä—
monstratenser-Abtei findet man im Dorfe
Wüten noch ein Karmelifi/men- Kloster, zu
dessen Errichtung Kaiser Ferdinand am
11. Oktober 1845 die allerhöchste Bewilli
gung ertheilte. Am 15. Mai 1846 kam eine
Colonie aus dem Mutterkloster zu Prag in
Wilten an. Bis jetzt bewohnten sie einen
für sie angekauften adeligen Ansitz, aber
im Frühjahre 1847 begann man für sie von
Grund aus ein ganz neues Kloster sammt
Kirche zu bauen, wozu am 18. März 1847
der Grundstein feierlich gelegt worden ist.
Dieses Kloster kam hauptsächlich durch die
r) Tirol, Künstl. Lex. 207.
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Bemühungen des Lithographen J. Kravogl
zu Stande.
Wenige Schritte ober Wüten gelangt
man zum Fusse des in der neuesten Ge
schichte Tirols berühmten Berges Isel, über
welchen die Heerstrasse nach Italien führt.
Diese nun viel bequemere, und auf die
Klafter nur 1, höchstens 2| Zoll steigende
Strasse wurde in den Jahren 1839 und 1840
durch Benedikt Perweg erbaut. Die Kosten
erliefen die Summe von 80,000 11. C. M. Sie
hat viele und bedeutende Ausbeugungen,
und musste, da sie am Abhange eines Ber
ges hinzieht, fast ihrer ganzen Länge nach
mit Geländern versehen werden. Manche
wollen die neue Strasse in stragetischer
Hinsicht viel wichtiger finden, als in kom-
merzialer. Der schönen Aussicht wegen,
die man von dieser Strasse aus geniesst, ist
es ein eigenthüinlicher Ileitz, sie in einer
Chaise zu befahren.
Lenkt man auf der Höhe der Strasse
rechts ah, und verfolgt man den über Hü
gel und Felsen sich schlingenden Seiten
weg, so gelangt man zu den Dörfern Nat-
ters und Mutters, Götzens, Axams und
Birgitz.
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Verfolgt man dagegen den Thal weg* am
rechten Innufer aufwärts, so erreicht man zu-
erstVöls mit dem Blasiusberge, einem Kirch
lein , welches auf der Höhe eines isolirten
Sandhügels ruht, von wo aus man eine herr
liche Aussicht über die Thalgegend geniesst.
Von hier leitet die Strasse nach Kematen,
dem Lieblingsziele der genuss- und lebens
frohen Innsbrucker, wo sie zu Wagen und
zuFusse, einzeln und in Gesellschaften hin-
strümen, um sich bei leckem Gerichten und
geistigem Tiroler-Weine des Lebens zu
freuen.
Kematen gegenüber erscheint am ent
gegengesetzten Innufer das Dorf Zirl mit
der Martinswand, von welcher in der Folge
die Rede sein wird.
3) Auf der Anhöhe nördlich von Inns
bruck liegt Hötting, ein Pfarrdorf mit ei
nem alterthiimlichen Thurme, in welchem
Einige den Ueberrest eines römischen Ca
stells erkennen wollen. Ein vor wenigen
Jahren hier entdecktes römisches Grab scheint
diese Meinung zu unterstützen. Von hier
aus hat man die schönste Uebersicht über
die Stadt.
Schlägt man die untere Innbrücken-
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Strasse ein, so kommt man zum Dorfe
Mühlau, dessen Kirche, auf einem vorsprin
genden Hügel gebaut, die ganze Gegend
weit überragt.
Auch die Hauptstrasse über den Renn
platz führt zu diesem Dorfe. Hier passirt
man die neue, schöne und sehr solide Kel
lenbrücke. Ihr Bau begann im Jänner 1839
unter der Leitung des Jos. Duile und y//.
Hans, und wurde 1843 vollendet. Am 15.
Juli 1843 fand die Eröffnung derselben statt.
Die Ketten sind in zwei Thürmen mit wei
ten Thoren befestiget; jene sind aus Nagel
stein erbaut, und mit Fugenschnitten und
einem toskanischen Karnies geziert.
An der westlichen Mauer der Kirche
in Mühlau steht das Denkmal, welches der
König von Baiern dem am 10. November
1840 daselbst gestorbenen Hofschauspieler
Jerdinaml Esslair setzen Hess. Es wurde
nach der Zeichnung des Friedrich v. Gärt
ner von dein Bildhauer Silkinger in Mün
chen aus Sandstein verfertiget.
Von Mühlau führt ein angenehmer Berg
pfad nach Arzl, Rum, Tauer und Absara,
einem besuchten Wallfahrtsorte; in diesem
Dorfe befindet sich zugleich eine im J. 1846
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mit einem Kostenaufwande von 216,000 fl.
C. M. erbaute und eingerichtete mechani
sche Baumwollspinnerei, deren sämmtliche
Maschinen durch eine vom Wasser getrie
bene schottische Turbine in Bewegung ge
setzt werden.
Diese Ortschaften liegen grösstentheils
in Wäldern von Obstbäumen versteckt, nur
die Giebel der hohem Gebäude und die
Kirchthurmspitzen schauen aus den grünen
Laubgewölben hervor.
Erwähnung verdient noch der Calva-
rienberg, ein kegelförmiger Hügel bei Arzl,
auf dessen Haupte ein niedliches Kirchlein
ruht,
B. Badeörter, Guiihöfe und Luudhanser, wo
Erfrischungen gereicht werden.
In der Nähe Innsbrucks trifft man ver
schiedene Bäder, die jedoch nicht so fast
wegen der Heilkraft ihrer AYasser, als viel
mehr als Sommerfrisch - Orte besucht wer
den. Der nächste Badeort ist Miihlau, wo
hin von der Stadt aus, wie bereits erwähnt,
eine schattenreiche Allee führt. Hier wurde
im Jahre 1841 ein geräumiges Gast- und
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Badehaus erbaut. Mit demselben ist eine
Kaltwasser-Heilanstalt verbunden.
Die Nähe der Stadt verschafft diesem
Badeorte den doppelten Vortheil, dass sieb
dort alltäglich Abends heitere Gesellschaf
ten aus der Stadt zusammen finden, und
dass der Geschäftsmann, nachdem er Mor
gens gebadet hat, den Tag über nicht ge
hindert ist, seine Geschäfte in der Stadt zu
verfolgen.
Zwischen Wüten und der Callwiese
steht berneck (’Husslhof) auf einem massig
erhöhten Hügel mit einer reitzenden Aus
sicht über Innsbruck und seine lachenden
Umgebungen. Die reine Luft, die man hier
athmet, und die vom Nock herabgeleitete
Quelle von vortrefflichem Wasser, ladet be
sonders kränkelnde Personen zur Sommer
frische ein, welche hier neue Lebenskraft
oder doch Linderung ihrer Leiden finden.
Das Bad zu Egerdach ("Tectum aegro-
torum ) ist eine Stunde von Innsbruck ent
fernt, und liegt gegen Hall hin in einer an-
muthigen, waldumkränzten Gegend mit der
Aussicht auf die Östliche Seite der Stadt.
Die Bäder Volderthal, Mieders, Selrain
und Oberperfuss sind zwar etwas weiter
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von der Hauptstadt entfernt, werden aber
doch häufig; von den Bewohnern Innsbrucks
und Halls besucht.
„ Von einzelnen Gasthöfen erwähnen wir
nur Kruuewillen auf dem Wege gegen Zirl,
und die Gulltciese auf dem Wege gegen
Völs. Besonders zeichnet sich letzterer
durch seinen stattlichen Bau, durch seine
guten Weine und durch grosse Frequenz
von Gästen aus. Auf einer kleinen Anhöhe
neben dem Hause steht eine niedliche, der
schmerzhaften Mutter Gottes geweihte Ka
pelle, welche der früher genannte31. Cünd-
ter im Jahre 1T70 al fresco ausgemalt. Die
ses schöne Landgut war früher eine Be
sitzung des Stiftes Willen, wurde aber von
der baierisehen Regierung 1807 verkauft.
Unfern der Gail wiese, tiefer im Walde
versteckt, steht das Waldhul her- ^Förster-)
Häuschen, wo der Spaziergänger mit Alilch,
Butter und Kaffee bedient wird. Unter den
vielen Höfen und Landhäusern, avo man
ähnliche Erfrischungen bekommt, zeichnen
sich besonders aus: Die Sill-Höfe, am lin
ken Ufer der Sill zwischen Wüten und Am
ras *, der Hof des Herrn v. hemmen auf dem
sogenannten Passberge in einer Avaldigen
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Gegend, mit einer bezaubernd schönen Aus
sicht über das Thal. Auf der entgegenge
setzten Seite : Der Plattenhof und der Hof
auf Plamtzing ober Hötting; der Kirsch
buchhof gegen die Klamm u. a. m.
Zu den angenehmsten, in der Nähe der
Hauptstadt gelegenen Unterhaltungsplätzen
gehört nun auch der Militär-Schiessplatz auf
dem Berge Isel, wo die Reitze der Natur
in der neuesten Zeit durch geschmackvolle
Anlagen der Kunst gehoben wurden. Ein
im Zickzack angelegter Fussweg führt auf
die Fläche einer waldbewachsenen Anhöhe
am linken Ufer der Sill, die hier aus der
sogenannten Drachenhöhle hervorströmt, und
in einer künstlich angelegten Kaskade her
abstürzt.
Die geräumige Fläche auf der luftigen
Anhöhe wird südlich durch dunkelgrünes
Nadelgehölze, westlich durch einen freund
lichen Hügel, auf dessen Haupte der Rieca-
bona-Hof ruht, und östlich durch den in
tiefer Thalschlucht brausenden Sillfluss be-
gränzt, zu welchem mancherlei Pfade über
einen romantischen VUaldabhang hinabfüh
ren.
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Der vordere Theil des Platteau ist mit
zierlichen Gartenanlagen, Alleen, Gruppen
von Bäumen und Gesträuchen geschmückt,
in deren Mitte sich über mehreren Granit
stufen ein geschmackvoller Pavillon erhebt,
von welchem aus man den ganzen Platz
übersehen kann.
In einiger Entfernung davon streben
zwei Pyramiden empor, an welchen patrio
tische Sprüche, und die Daten der merk
würdigsten Kämpfe aus der neuern Tiroler-
Geschichte zu lesen sind. Auf der Spitze
der einen sitzt der österreichische, auf je
ner der andern der tirolische Adler.
Der hintere Theil der Fläche ist mit
jungem Nadelgehölze bedeckt, durch wel
ches Alleen bis zu den im fernen Hinter
gründe erscheinenden Zielscheiben ausge-
haut sind. Ein Taubenschiessen, ein Pisto
lenschiessen, mehrere Schaukeln und andere
Unterhaltungsspiele für Kinder und Erwach
sene sind an schicklichen Stellen ange
bracht. Eine Restaurationsanstalt sorgt für
Erfrischungen aller Art, welche man in ei
nem artig meublirten Salone des erst im
Sommer 1846 von Steinen aufgeführten Ge
bäudes , in luftigen Lauben, oder unter
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freiem Himmel an zahlreichen Zechtischen
einnehmen kann. Von der Platefonne des
gedachten Gebäudes aus geniesst man eine
wunderschöne Aussicht über Innsbruck und
seine Umgebung, und über das untere Inn
thal.
Die militärischen Feste, Avelche bei ver
schiedenen Anlässen hier statt finden, die
häufige Harmonie- und Tanz-Musik, die da
selbst im Freien und in dem hübschen Tanz
saale des Itestaurationsgebäudes gehalten,
die Beleuchtungen und Feuerwerke, womit
die Anwesenheit hoher Personen gefeiert
wird, versammeln auf dieser Anhöhe nicht
selten eine Masse mehrerer tausend Men
schen, deren wogendes Gewühl von dem
westlichen Hügel aus betrachtet, einen wahr
haft imposanten Anblick gewährt.
C. Schlösser und Ruinen.
Von den Schlössern verdient wegen
seiner romantisch-schönen Lage, durch seine
historischen Erinnerungen, und wegen der
berühmten Kunstschätze, die einst seine
Mauern umschlossen, den ersten Rang:
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1} Das Schloss Amras.
Diese Ritterburg, deren erste Gründung
vielleicht in die Zeiten der Römer hinauf-
reicht, liegt oberhalb des Dorfes Amras,
auf einem sanften Hügelvorsprunge. Frü
her hat man seinen Namen vom Lateinischen
ad Umbrus, Schattenburg, herleiten wollen.
Hie Deutung dieses Namens liegt aber ganz*
nahe: er bedeutet nichts anderes, als was
er sagt — am Hasen — einen Rasenhügel,
auf welchem das Schloss steht.
Bis Innsbruck sein Haupt erhob, war
Amras die Hauptburg des Gaues der Gra
fen von Andechs. Schon in der ersten
Hälfte des 12. Jahrhunderts erscheint es als
eine starke Ritterburg, welche dem Her
zoge der Baiern, Heinrich dem Stolzen, in
seiner blutigen Fehde mit dem Grafen von
Wolfertshausen hartnäckigen Widerstand
leistete, dafür aber vom Grunde aus zer
stört wurde.
Bald war es jedoch wieder aus dem
Schutte hervorgerufen, und in den Grün
dungsurkunden von Innsbruck 1180 und 1187
kommen die Besitzer von Amras als die An
gesehensten des Landes vor.
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Die glänzende Periode dieses Schlos
ses beginnt mit Erzherzog Ferdinand, dein
Sohne Kaisers Ferdinand I., der es 1564
seiner schönen Gemahlin Philippine Welser
schenkte. Ferdinand gab dem Schlosse eine
ganz neue Gestalt, erhob es zu seiner Som
mer-Residenz, und gründete jene berühmte
Sammlung von Natur-, Kunst- und ge
schichtlichen Merkwürdigkeiten, die damals
keine ihres Gleichen hatte. Ton der ehe
maligen Pracht des Schlosses und seinen
mit Teppichen, Statuen und Bildern ausge-
sclunückten Sälen und Hallen, von den Gär
ten mit ihren Grotten, fischreichen Teichen,
spiegelglatten Seen , sprudelnden Quellen
und ergötzlichen Wasserkünsten, von den
Uebungsplätzen für die ritterliche Jugend,
von seinen Thiergärten, Haasengehägen,
Vogelherden, von den Rüstkammern voll
glänzender Rüstungen und Waffen, endlich
von den herrlichen Sammlungen seltener
Natur- und Kunstprodukte, die in diesem
Schlosse zu schauen waren, macht Steplum
Pighius in seiner Reise des Prinzen Carl
Friedrich von Cleve nach Italien 1574 so
reitzende Schilderungen, dass man sich in
ein Feenland versetzt zu sein glaubt.
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Von allen diesen Herrlichkeiten der
Kunst ist jedoch jetzt kaum eine Spur mehr
zu finden; die Gärten sind zu Wiesen ge
worden, die Wasserleitungen sind zerstört,
die Teiche ausgetrocknet, die Kunstsamm
lungen in die grosse Kaiserstadt gewan
dert.
Am 24. April 15S0 verlor Amras seine
eben so schöne, als edle Gebietherin , Phi
lippine , welche hier, umgeben von den
Reitzen der Natur und den Schätzen der
Kunst, manche Kränkungen vergessen ha
ben mochte, welche ihr Stolz und Neid nur
zu oft bereiteten.
lieber die Todesart Philippinern hat zu
erst Keyssler in seiner Reisebeschreibung
nach Italien (1751) das eben so abge
schmackte, als boshafte Mährchen verbrei
tet: ,,Philippine sei hier (im Schlosse Am
ras) in einem Badgemache, welches noch
zu sehen ist, um das Leben gebracht wor
den,“ ohne für seine Behauptung den min
desten Beweis beizubringen. Andere Pro
testanten haben ihm eben so leichtsinnig
nacherzählt, und Philippine wohl gar für
eine Märtyrin des Protestantismus erklärt.
— In der französischen Ausgabe dieses
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Werkchens haben wir die gänzliche Ge
haltlosigkeit dieses Mährchens aus Urkun
den nachgewiesen und gezeigt, dass Phi
lippine als gute Katholikin eines natürlichen
Todes gestorben ist. Wir thaten diess aus
dem Grunde, weil englische und französi
sche Touristen dergleichen Dinge mit Be
gierde aufgreifen, und sich in der Regel
um Gründe für oder wider nicht viel küm
mern. — Für deutsche Reisende bemerken
wir aber bloss Folgendes: Philippine starb
zu Innsbruck (jricht in Amras*) eines natür
lichen, sanften und auferbaulichen Todes,
wie Martin Crusius in seiner schwäbischen
Chronik ^Frankfurt bei Metzler 1733, II. Bd.
S. 344 b) nach dem Berichte eines Augen
zeugen umständlich meldet. Das durchaus
Ungegründete und Verläumderische des ge
dachten Mährchens hat schon vor vielen
Jahren der Protestant Dr. Posse in Göttin
gen 0in deutschen Museum, Leipzig bei
Wiegand 17S7, I. Bd. S. 179—184) mit un
widerlegbaren Beweisen dargethan. Dass
sie als Katholikin gelebt und gestorben,
geht nicht nur aus den von Dr. Posse aus
Thuanus ( de Thou) und dem Grafen von
Brandis angeführten Stellen, so wie aus
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dem Umstande hervor, dass sie in einer ka
tholischen Kirche ihre Begräbnisstätte fand,
sondern es erschien noch in dem Jahre ih
res Todes eine, jetzt freilich sehr selten
gewordene Druckschrift mit dem Titel :
Wahrhafftige . . . Beschreibung, mit was
Christlichen Hertzen ... die durchlauchtige
Fürstin . . . Philipina . . . mit Heilligem
Christlichen Cal Italischen Glauben, durch Got
tes gnade Tod verblichen, vnd von dieser
Welt selligclich Abgeschiden. Gedruckt
zu Innsprugg, durch Johannem Baur, Ao.
1580.
An dieses Schloss knüpft sich noch eine
andere von Horinayr im I. Bde. S. 90 sei
nes österreichischen Plutarchs erzählte, an
grosser Unwahrscheinlichkeit leidende Sage:
Albrecht v. Wallenslein, der Hehl des dreis-
sigjährigen Krieges, soll als Edelknabe an
dem Hofe Ferdinands gedient, und eines
Tages im Schlosse Amras von dem Gelän
der eines Bogenganges, wo er eingeschla
fen war , herabgestürzt, aber unversehrt
Avieder aufgestanden sein, und diese wun
derbare Rettung seinen Uebertritt zur katho
lischen Religion zur Folge gehabt haben.
Wallenstein war am 15. September 1583
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geboren. Ferdinand vermählte sich zum
zweiten Male am 14. Mai 1582 mit Anna
Katharina von Mantua. Nach der Vermäh
lung mit dieser Prinzessin hielt sich Ferdi
nand nie mehr in Amras auf: diese seine
zweite Gemahlin Avich nie von seiner Seite,
und die verschiedenen Schriftsteller, die ihr
Leben mit unermesslicher Breite, ja fast je
den ihrer Athemzüge beschrieben haben, er-
wähnen mit keiner Sylbe, dass sie je einen
Fuss in das Schloss Amras gesetzt habe.
Anderer Seits ist es bekannt, dass Wallen
stein die Rudimenta bei den Jesuiten zu
Olinütz studirt hat, und dass seine Bekeh
rung das Werk dieser Letztem war. Fer
dinand starb 1595} damals zählte Wallen
stein kaum 12 Jahre. Wann hat er also
studirt, und Avann als Edelknabe gedient?
Es ist daher viel Avalirscheinlicher, Avenig-
stens mit Rücksicht auf die Zeit, dass sich
der gedachte Vorfall auf dem Schlosse
Jinrgau, avo Wallenstein als Edelknabe des
Markgrafen Carl von Burgau, eines der
Söhne des Erzherzogs Ferdinand diente,
ereignet habe, Avie K. F. Hohn £ Atlas von
Baiern, Kreis Schwaben, S. 29^ erzählt.
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Unter den nachfolgenden Herzogen wur
de die Araraser-Sammlung noch ansehnlich
vermehrt; besonders war es die geistreiche
Mediceerin Claudia, welche Ainras eine
Menge von Kunstsachen, besonders Gemäl
den, verschaffte.
Nach der Vereinigung- Tirols mit den
österreichischen Erblanden unter Kaiser Leo
pold I. 1665 fing der Stern dieses Schlosses
zu sinken an. Beim Einfalle des Churfür
sten Max Emmanuel 1T03 flüchtete man die
Amraser-Sammlung nach Steiermark. Seit
den Kriegsunruhen 1T96 war die Sammlung
auf beständiger Wanderschaft, bis sie im
Friedensschlüsse von Pressburg, wo Tirol
an die Krone Baiern fiel, als Eigenthum des
österreichischen Hauses erklärt, und im J.
1806 nach Wien übertragen wurde, wo sie
im Belvedere unter dem Namen „Amraser-
Sammlung“ aufgestellt ist.
Wenn auch Amras den Schmuck der
Kunst verloren hat, so ist ihm doch der
Schmuck der Natur geblieben. Von den
Zinnen des Schlosses aus entfaltet sich dem
Auge eine bezaubernde Aussicht. Strom
aufwärts die Martinswand und die Gebirgs
kette von Zirl; stromabwärts Hall mit sei
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nen Umgebungen; gerade vor sich die Ebene
um Innsbruck, von zwei Flüssen in sanften
Windungen durchströmt. Hinter dem Schlos
se rauscht eine herrliche Kaskade nieder.
Unweit der Schlossgebäude liegt in einer
waldigen Gegend der sogenannte Tummel
platz, ehemals die Stelle , wo sich die rit
terliche Jugend im Kampfspiele übte, jetzt
ein Wallfahrtsort für fromme Bether. Denn
als in den Kriegsjahren am Ende des 18.
Jahrhunderts das Schloss Amras die Be
stimmung erhalten hatte, für kranke und
verwundete Krieger eine Heilanstalt zu wer
den, wurden die verstorbenen Kämpfer auf
diesem Platze in grosser Anzahl, so na
mentlich bloss in den Jahren 1797 bis 1805
bei 8000 Mann beerdigt.
Das Innere des Schlosses biethet doch
immerhin noch einige sehenswerthe Alter-
thümer, Gemälde und Rüstungen dar. In
der letzten Zeit hatte das Schloss als Ka-r
serne gedient; dadurch ging es unaufhalt
bar seinem gänzlichen Verfalle entgegen.
Bei der Anwesenheit in Innsbruck iin Jahre
1838 hatten sich Se. Majestät der Kaiser
Ferdinand von dem unverdienten Lose die
ses durch seine reitzende Lage und seine hi-
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storischenErinnerungen so berühmten Schlos
ses seihst überzeugt, und demgemäss den
allerhöchsten Befehl ertheilt, dasselbe sei
ner ursprünglichen Bestimmung wiederzuge
ben. Das Schloss wurde daher am 1. Juni
1842 vom 3Iilitär geräumt, und seitdem ist
das untere Schloss, in dem sich die Schatz
kammer-Lokalitäten befinden, mit einem
grossen Kostenaufwande wieder hergestellt
worden. — In den alterthiimlichen Sälen
und Gemächern umwehet uns die Erinne
rung an eine entschwundene schönere Ver
gangenheit, und weckt ein eligisches Ge
fühl in der beklemmten Brust, welches nur
der Anblick der ewig alten und doch ewig
jungen Natur wieder versöhnen kann.
2) Weiherburg.
Vorzüglich anziehend ist die Kette der
mit Bäumen bekränzten Hügel, welche sich
am nördlichen Innufer zwischen Hötting und
Mühlau hinziehen, und den Fuss des Mittel
gebirges bilden. Kleine Bergbäche rieseln
zwischen diesen Hügeln hernieder, und bil
den niedliche Wasserfälle, die man zum
Theile von der Kaiser - Strasse ans sehen
kann. Auf einem dieser Hügel ruht Wei
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herb arg. Dieses Schloss, früher Privateigen
thum der Ritter von Tanzl zu Tratzberg,
wurde 1490 von Kaiser Maximilian I. zu ei
nem adeligen Ansitze und zu einem Jagd
schlösse erhoben. Einige Ruinen bezeich
nen noch die Mauern, die den ehemaligen
Thiergarten umfingen. DasJnnere des Schlos
ses enthält manches Merkwürdige im Gebie-
the der Geschichte und der Kunst. Im Saale
des ersten Stockes zeigt man die merkwür
dige Stelle, wo Kaiser Maximilian I. die
Gesandten der Venezianer empfing. Auf
einer Tafel liest man die demüthige Anrede
der venezianischen Gesandtschaft, und die
Antwort des Kaisers, der ihnen den Frie
den, um den sie bathen, zürnend versagt.
Auch Bruchstücke des hölzernen, bemalten
und vergoldeten Thronhimmels des Kaisers,
Pokale mit schönen Glasmalereien u. dergl.
sind noch zu schauen. Die niedlichen Zim
mer des Schlosses sind mit werthvollen Ge
mälden und Basreliefs geziert, darunter be
finden sich 40 bildliche Darstellungen \on
den Thaten Kaisers Maximilian I., von Al-
Irecht Dürer in Holz gestochen; der Oelberg
von Holbein dem ältern; der heilige Petrus,
vom Engel aus den Ketten befreit: Judith,
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die Retterin von Bethulien; ein Porträt der
Philippine Welser; der Flug der Zeit von
Rubens; eine Madonna von Cranach u. s. w.;
dann mehrere Reliefs, als : Samsons Sieg
über die Philister, Abrahams Opfer, der
heilige Sebastian mit dem Tode ringend
u. a. m.
Hinter dem Schlosse liegt ein kleiner
Weiher, von Avelchem Maximilian demSchlos-
se dem Namen gab.
Vom Baikone des Schlosses aus hat man
eine der schönsten Aussichten über das Thal
und die südliche Gebirgskette mit den vie
len Ortschaften, welche sich über den Rücken
des reitzenden Mittelgebirges ausbreiten.
Oie nächsten Umgebungen des Schlos
ses sind höchst genussreich. Hinter den
Gebäuden führt eine neu angelegte Allee
auf ein mit Pyramiden-Pappeln umkränztes
Platteau. Die mit Moos und Gestripp be
wachsenen Trümmer der alten Mauer um
den Thiergarten geben dem Hügel ein ei
genes romantisches Ansehen, und die hie
und da angebrachten Grotten und Eremita
gen erhöhen die Reitze der Natur. In be
trächtlicher Höhe über diesem Hügel breitet
sich eine Hochebene aus, auf welcher der
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gegenwärtige Besitzer des Schlosses im
Sommer 1845 ein artiges Landhaus mit ei-
ner kleinen Hauskapelle erbauen liess, von
wo aus man eine noch viel bessere Aussicht
bis tief in das Wippthal hinein geniesst.
Diese Vorzüge haben schon manche ,
Engländer-Familie angelockt, einige Wohn
zimmer des Schlosses auf die Sommer-Mo
nate zu raiethen. Um daher mehr Raum zu
gewinnen, wurde das Schloss im Sommer
1841 durch einen Anbau ansehnlich erwei
tert. — Zwischen Hötting und Weiherburg
liegt
3) Büclisenliausen,
von Gregor Löffler, dem Meister der in der
Hofkirche befindlichen Statuen, um das Jahr
1539 erbaut. Das tragische Schicksal des
biedern Wilhelm Biener, Hof kanzlers der
Erzherzogin Claudia, welcher am IT. Juli
1651 als ein Opfer der Missgunst und niedrig
sten Cabale zu Kattenberg enthauptet wur
de, und das traurige Loos seiner Gemahlin
Elisabeth, welche bei der Nachricht von
dem unerwarteten Ende ihres Gatten in to
benden Wahnsinn verfiel, gibt diesem Schlos
se geschichtliche Merkwürdigkeit.
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Man zeigt im Schlosse noch die Por-
traits der beiden unglücklichen Gatten.
Gegenwärtig ist dieses Schloss Eigen
thum des Herrn Johann Mahl-Schedl, und
mit einer grossen Oekonomie und Bierbraue
rei in Verbindung. Der schöne Garten, wel
cher sich unterhalb der Strasse bis an das
Innufer ausbreitet; der Weiher, hinter den
Schlossgebäuden gelegen: der angenehme,
mit Lauben und einem niedlichen Pavillon
versehene Hügel oberhalb des Schlosses als
Schankgarten benützt; die überraschend
schöne Aussicht, welche sich von diesem
Punkte aus über die Stadt und ihre nächste
Umgebung, besonders nach dem Unterinn-
thale aufthut, machen diesen Edelsitz nicht
nur zu einem der besuchtesten Unterhaltungs
plätze in der Nähe der Stadt, sondern eig
nen ihn ganz vorzüglich zum vorüberge
henden Aufenthalte der Fremden. Der Ei-
genthümer dieses Schlosses liess daher ei
nen Flügel desselben nach modernem Style
umbauen, und elegant meublirte Zimmer
einrichten, die auf längere oder kürzere Zeit
gegen billige Bedingnisse zu vermiethen
stehen. Zum Vergnügen der Bewohner dient
der Blumengarten, ein Forte-Piano, eine
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Mineraliensammlung, eine kleine Bibliothek
11. dergl., und die nahe gelegenen Gebirge
laden zu Ausflügen in gesunder Berg
luft ein.
Die hier befindliche Meierei liefert täg
lich frische Victualien für jene, welche ei
gene Haushaltung führen wollen. An dem
kaum eine halbe Viertelstunde entfernten
Bärenhofe (^ebenfallsEigenthum desSchloss-
besitzers} werden im Sommer auf Verlan
gen Kühmolken und Geissmilch abgegeben.
In der Schloss-Kapelle sieht man ein
sehr gelungenes Werk des Martin Knoller,
den heiligen Johann von Nepomuk vorstel
lend, dem die Kapelle geweiht ist; dann
die 12 Apostel von Casp. Waldmann, und
die Abbildung des Beruardin Bieuer, eines
Sohnes des oben gedachten Kanzlers W.
Biener; er war Franziskaner, und starb
91 Jahre alt am 8. März 1T21 in dem Klo
ster zu Innsbruck.
4) Lichtenthurn.
Dieses Schloss, ein ziemlich grosses,
gut erhaltenes Gebäude, steht im Dorfe
Hötting. Es hat eine der heiligen Maria
Magdalena geweihte Hauskapelle. Früher
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Besitzung der Freiherrn v. Sehneeberg, kam
es durch letztwillige Anordnung an die Fa
milie der Freiherrn v. Schneeburg, welche
es noch dermal besitzt.
5) Taxburg,
ein Jagdschlösschen der gräflichen Familie
v. Taxis. Es steht in der Gemeinde Igels,
ain Fusse des Patscherkofels, im Schatten
mächtiger Tannen, und ist ein sehr ange
nehmer Somineraufenthalt.
6) Ruinen.
Eine Stunde von Innsbruck entlegen,
links von der Strasse, die auf den Schön
berg führt, stehen noch auf dem Scheitel
eines kegelförmigen Hügels einige Spuren
des Schlosses Sonnenburg, welches dem gan
zen Gerichtsbezirke den Namen gegeben hat.
Schon vor mehr als 200 Jahren ist es
zerfallen. In seiner Nähe wurden vor ein
paar Jahren viele interessante römische Al-
terthümer gefunden, die im Ferdinandeum
zu Innsbruck zu sehen sind.
Zunächst dem Dorfe Igels liegt das
Schloss Hohenburg, von welchem nur noch
vier mit Cestripp bedeckte Mauern empor
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ragen. Erzherzog Ferdinand hatte es im J.
1568 sammt einigen Gütern seiner geliebten
Philippine geschenkt. Nach dem Tode ihres
Sohnes Carl, Markgrafen von Burgau, kam
es in den Besitz von Privaten, die es zer
fallen Hessen.
Am Bergabhange oberhalb Yöls schauen
aus dem dunkeln Nadelgehölze die Ruinen
zweier Thünne hervor, von denen der eine
Liebenberg, der andere Vellenberg hiess.
Diese Thürme haben einst zu Gefängnissen
schwerer Verbrecher gedient. *)
Jenseits des Inns , oberhalb Zirl, er
blickt man auf steilem Felsengrunde die
Trümmer des Schlosses Fragenstein, von
welchem noch ein Thurm ziemlich wohl er
halten ist. Epheu und Alpenrosen wuchern
auf dem Schutte der zusammengestürzten
Mauern.
Im Jahre 1263 von Gebhard v. Hirsch
berg erneuet, blieb es durch viele Jahre
im Besitze der tirolischen Landesfürsten. Im
Jahre 1355 verlieh es Ludwig v. Branden
burg an Berchtold v. Eberhausen. König
*) Hier wurde der tirol. Minnesänger Osw. v. YVoI-
kenstein 1426 längere Zeit gefangen gehalten.
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Maximilian ruhte nach den Anstrengungen
der Jagd gern darin aus. Es scheint durch
Feuer zerstört worden zu sein.
Die Ruinen des Schlosses Thaner liegen
oberhalb des Dorfes Thauer. Diess war die
Wiege der alten Grafen v. Thauer, von wel
chen der lil. Romedius in der Legende durch
wunderbare Begebenheiten am meisten Be
rühmtheit erlangt hat. Diesem Heiligen ist
in der Nähe des Schlosses ein Kirchlein ge
widmet, welches noch heut zu Tage von
frommen Bethern besucht wird.
Vom Jahre 1254 an hatte dieses Schloss
dem Grafen Gebhard v. Hirschberg, Herrn
des Innthales, mehrere Jahre lang als Resi
denz gedient.
Nordöstlich von Hall steigt der soge
nannte Gnadenwald, ein sehr anmuthiges
Gehölz an, an dessen Fuss sich eine sanft
geneigte, von einem muntern Bächlein durch
schnittene Ebene ausbreitet. Hier sieht man
noch schwache Ueberreste des Jagdschlos
ses Grüneck, das Erzherzog Ferdinand um
1583 erbauen liess, und wo er sich mit sei
ner zweiten Gemahlin Anna Katharina oft
aufhielt, welcher zulieb er eine eigene hüb
sche Kapelle hinzufügen liess. Im Jahre 1588
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machte er ihr mit diesem Schlosse ein Ge
schenk. Die Prinzessin vermachte es dem
von ihr gestifteten Regelhaus in Innsbruck.
Am 3. Oktober 1086 wurde Schloss und
Kapelle ein Raub der Flammen. Im Jahre
1845 wurden noch die Mauerreste — der
Steine wegen — niedergebrochen.
D. Bergparlhien und Fernsteul etu
Zu kleinern Bergparthien wählen die Be
wohner von Innsbruck gewöhnlich die Wolken
stein-Vogelhülle, Heilig-Wasser, den Nock, die
Martinswand,\ den Salzberg, und seiner ein
zig schönen Aussicht wegen — Windeck.
— Zu grossem Bergparthien eignen sich
vorzüglich der Palscherkofel, der Glungezer,
die Vrauhült, die Waldrasier-Spitze und der
Solstein.
a) Die Wolkenstein-Vogelhütte
stellt auf einer Kuppe des Berges Isel, und
biethet eine der schönsten Aussichten über
die ganze Gegend, indem man von diesem
Punkte aus das obere und untere Innthal
auf eine Strecke von wenigstens 12 Stun
den übersieht. Es ist der nächste und am
Avenigsten beschwerliche Ausflug. Die Ent
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fernung aus der Stadt beträgt höchstens eine
Stunde. Ein grosser Theil des Weges den
Berg hinan geht durch den Schatten eines
Gehölzes. Für die kleine Anstrengung wird
man durch die entzückende Aussicht reich
lich entschädiget.
b) Heilig-Wasser
liegt oberhalb der Ortschaften Igels und
Till, zwei gute Stunden von Innsbruck,
3326 paris. Fuss über dem Meere. In einer
alpenähnlichen Gegend steht ein Kirchlein,
der heil. Jungfrau geweiht. Die mit Opfern
und Votivtafeln behängten Wände beurkun
den die Menge der hieher wandernden Pil
ger. Vor der Kirche rauscht eine reichhal
tige Quelle, deren Wasser seiner ausge
zeichneten Frische wegen gerühmt wird. Die
Legende legt diesem Wasser noch den be-
sondern Vorzug bei, dass die Himmels-Kö
nigin selbst die Quelle berührt und gesegnet
habe. Ein Gasthaus in der Nähe der Kirche
sorgt für die irdischen Bedürfnisse desWan-
derers. Von der Anhöhe, auf welcher das
Kirchlein liegt, erblickt man Innsbruck samint
dem ganzenThalgebiethe, welches dem Auge
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wegen der weiten Entfernung wie im Mi
niatur-Gemälde erscheint.
c) Der Nock.
Mit diesem Namen belegt man den Berg
rücken, der von Mutters bis unter das Mut
terer-Joch hinanführt. Mitten auf diesem
Bergrücken liegen zwei Höfe, wo der Wan
derer ländliche Erfrischungen, und der „Som
merfrischler“- Unterkunft findet. Eine halbe
Stunde waldeinwärts ist die rühmlich be
kannte Quelle, wo sich mancher Kränkelnde
neue Lebenskraft und Gesundheit holt. Ober
halb dieser Quelle steigt man zu den Berg
mähdern empor, wo zahllose Alpenblumen
duften, wesswegen der Nock von jeher der
beliebteste Wallfahrtsort der Botaniker war.
d) Die Martinswand.
Ehevor man zum Dorfe Zirl kommt, er
blickt inan an der rechten Seite der Post
strasse eine beinahe senkrecht aufgethürmte
Felsenwand, 296 Klafter über dem Niveau
des Innstromes, in welcher in einer Höhe
von 114 Klaftern eine Höhle, die Maximi
lians-Grotte, erscheint. Mitten in dieser Höhle,
deren Breite 14, und deren Tiefe 10 Klafter
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beträgt, erhebt sich ein hölzernes, 18 Fuss
hohes Crucifix mit den Statuen der heiligen
Jungfrau und des heil. Johannes. Ein im
Juli 1838 möglichst versicherter, aber darum
noch nicht gefahrloser, und ohne Führer nicht
zu betretender Pfad, welcher an gefährlichen
Stellen mit Geländern versehen ist, führt in
diese Grotte, wo der ritterliche König, nach-
heriger Kaiser, Maximilian I., sein gefährli
ches Abenteuer bestand. Den Hofdamen zur
Ehre veranstaltete dieser König eine Gem
senjagd nach der St. Martinswand, Im An
gesichte der Damen verfolgte der königliche
Jäger einen Gemsbock, der in einem kühnen
Satze auf die schroffe Felsenwand hinaus
springt, um sich vor dem verfolgenden Jä
ger und seinen Hunden zu sichern, ln der
Hitze der Jagd, und um den Damen ein Pro
bestück seiner Kühnheit zu geben, verfolgt
Maximilian die Gemse bis an den äussersten
Rand, und schiesst dieselbe über die Felsen
wand hinunter, während an seinen Fusseisen
fünf Zinken abspringen, und die ganze Last
des Körpers nur mehr an einer einzigen Zinke
hängt. Unbeweglich muss sich der König
in seiner Stellung halten; vor ihm der schwin
delnde Abgrund, hinter ihm die kahle Fel-
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senwand, zu beiden Seiten Klüfte, die er
nicht zu übersetzen wagt; denn jede Regung
des Körpers hätte den Bruch der letzten
Zinke des Fusseisens und den unvermeidli
chen Sturz des allzukühnen Jägers in die
grauenvolle Tiefe zur Folge gehabt. Mit
Entsetzen erblickt das Gefolge und die aus
Zirl herbeiströmende Menschenmenge die
schreckliche Gefahr, in welcher der theure
König schwebte. Jede Rettung scheint ver
gebens; der Priester naht mit dem hochwür
digen Gute, und ertheilt dem unglücklichen
Könige von der Strasse aus den Segen.
Schon bereitet sich Maximilian mit frommer
Ergebung zum Tode, als — so erzählt die
von Maximilian Grafen v. Mohr überlieferte
Sage — gleich einem Engel des Himmels,
ein treuer, kecker Jägerbursche erscheint,
dem Könige den Arm biethet, und ihn aus
der schrecklichen Todesgefahr wohl behalten
in die Arme der Seinen und des hocherfreu
ten Volkes zurückführt.
Auf der linken Seite der Strasse, gerade
der Martinswand gegenüber, steht auf einem
niedern Hügel ein Kirchlein zum heil. Mar
tin, sammt einem von Maximilian erbauten
Jagdhause. Aus den Fenstern dieses Jagd
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hauses soll Maximilian an der gegenüber-
stehenden Wand Gemsen geschossen haben.
Man fand hier viele römische Münzen.
e) Der Salzberg.
DreiStunden von der Salinen-StadtHall
erheben sich in der nördlichen Gebirgskette
kahle Felsenmassen, in deren Schoosse die
Natur einen unerschöpflichen Reichthum des
Salzes verborgen hat. Eine bequeme Strasse
windet sich zwischen zwei Gebirgen zum
Salzbergwerke hinan. Am Fusse des Salz
berges steht ein hübsches Gebäude, welches
den Bergbeamten zur Wohnung und den
Knappen zum Gasthause dient. Zur Einfahrt
in die Bergschachte und zur Besichtigung
der daselbst angelegten Werke bedarf man
der schriftlichen Erlaubniss der k. k. Berg-
und Salinen-Direktion in Hall.
Das Steinsalz muss, da es mit fremdar
tigen Theilen gemischt vorkommt, vorerst
gereiniget werden. Diese Reinigung geschieht
durch Wasser, welches die Salz- und Erd-
theile aus ihrer Verbindung scheidet, und
wegen näherer Verwandtschaft mit dem er
stem die letztem zu Boden sinken lässt.
Das Gestein wird zu diesem Ende in Berg
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kessel (Sinkwerke, Salzkammern} zusam
mengeführt, in welche süsses Wasser durch
Rühren geleitet, nach genügsamer Sättigung
mit Salz abgezapft, und zum Sude nach Hall
gefordert wird.
Eine halbe Stunde oberhalb der Einfahrt
in das Bergwerk gelangt man zur Kaiser-
Pyramide, die sich auf der Höhe des Thaurer-
joehes erhebt, und als ein bleibendes Denk
mal die Anwesenheit Kaiser Franz I. auf
dieser Stelle am 21. Oktober 1815 bezeichnet.
f) Wiudeck.
Dem Salzberge gegenüber, ungefähr in
gleicher Höhe steht auf einem Hügel-Vor
sprunge Windeck, ein einfacher Bauernhof:
ganz nahe dabei, etwas gegen Nordost, be
tritt man das Platteau eines kegelförmigen
Hügels, und von diesem Punkte aus entfal
tet sich die reitzendste Aussicht über das
ganze Thalgebieth. Das überraschte Auge
übersieht mit einem Male Innsbruck, Hall,
Schwaz, das buchstäblich wie ein Panorama
vor den Augen des Beschauers daliegt, und
alle umliegenden Dörfer, Weiler, Schlösser,
Ruinen, Landgüter und Bauernhöfe, sie mö
gen sich in der Thalebene ausbreiten, oder
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auf Hügeln und Bergrücken thronen. Die
fruchtbaren Thalgefilde vom Innstrome, dem
Sillflusse und unzähligen Bächen durchschliin-
gelt, die mit unsäglicher Mühe bebauten Hü
gel , das mit üppigen Wäldern beschattete
Mittelgebirge, die Alpengegend mit den grü
nenden Mähdern, auf welchen ein scharfes
Auge die weidenden Rinder entdecken kann,
endlich die zackigen Bergkuppen vom Sol-
steine bis zum Kaiserberge bei Kufstein:
alle diese Gegenstände vereinen sich zu dem
schönsten Landschaftsbilde, dessen Schönheit
vom Freunde der Natur nur empfunden, aber
nicht mit matten Worten beschrieben wer
den kann.
Die Entfernung von Innsbruck aus be
trägt fünf Stunden; der Weg ist nicht be
schwerlich, weil er sich allmählig erhebt;
hur von dem Dorfe Tulfes weg geht es stei
ler empor. Zu Fuss erfordert dieser Ausflug
einen ganzen Tag.
g) Der Patsclierkofel
erhebt sich nördlich über dem Dorfe Patsch,
und kann, von Heilig-Wasser aus, in drei
Stunden bestiegen werden. Auf seinem Schei
tel sind 3 Pyramiden aufgerichtet, welche
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die Punkte bezeichnen, von wo aus sich das
Unterinnthal, das Wippthal und das Stubei-
thal am besten übersehen lässt.
h) Der grosse Solstein.
Diese höchste Bergkuppe der ganzen
Umgebung liegt nordwestlich von Innsbruck,
und kann von Zirl aus in 4 Stunden erstie
gen werden. Bei heiterem Himmel geniesst
man von seiner Spitze eine unglaublich weite
Fernsicht bis nach Baierns Ebenen. Vier
Städte: Innsbruck, Hall,Rattenberg und Mün
chen, dann eine Menge kleinerer Ortschaften
treten in tinsern Gesichtskreis. Die nördli
che Abdachung des Berges ist viel sanfter,
als jene gegen Süden, welch’ letztere sich
plötzlich in den senkrechten Felsenabhang,
die Martinswand, endiget. Dieser Berg ist
in der Umgegend der einzige, auf dessen
Höhen sich noch Gemsen finden, welche in
frühem Zeiten fast alle Berge des Landes,
nicht bloss einzeln, sondern rudelweise be
lebten.
0 Andeutung einiger minder anziehenden, oder wei
ter entlegener Ausflüge.
Zu den erstem gehört die Ersteigung
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der Klamm, einer schauerlichen Bergschlucht
nordwestlich yon Kranewitten ; der Frauhält,
einer durch Mährchen bekannt gewordenen
Felsen-Pyramide ober Hötting; des Glunge-
zer, drei Felsenkuppen östlich vomPatscher-
kofel gelegen; endlich die iKaldraster-Spitze,
eines grottesken Gebirges zwischen dem
Patscherkofel und des Muttererkopfes, wo
ein theilweise wieder hergestelltes Kloster
der Serviten steht, zu dessen am 2. Juli 1846
Avieder eröffneten Kirche, die freilich bei
Aveitem nicht mehr den Glanz entfaltet, AArie
vor 100 Jahren, zahlreiche Pilger wallfahr-
ten. Kirche und Kloster AArar von Kaiser
Joseph II. im Jahre 1T85 aufgehoben und
die Demolirung der Gebäude befohlen Avor-
den. Diess geschah mit dem Kloster, mit
der Kirche aber nur zum Theil; diese hatte
das Volk so lieb geAvronnen, dass selbst die
Ruine noch zahlreiche Wallfahrter anzog.
Der Serviten-Convent in Innsbruck kaufte
die Ruinen, und liess sie nach Möglichkeit
Avieder aufbauen. — Von entlegenem Aus
flügen wird erAvähnt:
1) Das Unlerinn- und ZiUerthal, letzte
res soAArohl Ave«;en seiner herrlichen Natur-
Schönheiten, als auch des eigentlüimlichen
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Charakters der Thalbewohner, eines schönen,
kräftigen und äusserst lebenslustigen Men
schenschlages. Zell, der Hauptort imZiller-
thale, wo sich zugleich ein Goldbergwerk
befindet, ist von der Hauptstadt 12 Stunden
entlegen.
2) Das Stubeithal mit dem gewerbs-
fleissigen Fulpmes, und im Hintergründe des
Thaies die Stubeier-Fernery welche von Inns
bruck 10 Stunden entfernt sind.
3) Das Thal Sellrain mit einem besuch
ten Bade; die Alpengegend von Lisens und
die Lisner-Ferner. Diese sind die nächsten
Gletscher von Innsbruck; ihre Entfernung
beträgt 7j Stunden.
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Druckfehler.
Seite G9 Z. 8 v. o. ist nach dem Worte Kasten das
Koma zu tilgen*
„ 122 Z* 12 v. u. statt 1. Mai lies 30. Mai.
,, 130 letzte Zeile, statt Topographie lies Tapho-
graphie.
,, 13S Z. 10 v. u. statt diesen lies diesem.
,, 126 nach dem Absätze ist aus Versehen beim
Abschreiben folgende Stelle ausgeblieben:
Die musicirenden Engel an der Balustrade
iu der Kuppel sind von Aegid Schor, und wur
den l34l von Jos. Arnold erneuet.
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