Innsbruck und seine Umgebungen. Ein Wegweiser für Einheimische und Fremde ========================================================================= Stadtarchiv St/f! Innsbruck A-2642 Stadtmagistrat Innsbruck •---------- ' f --------------- Stadtarchiv Innsbruck . A -U42- Bibliothek INNSBRUCK und Ein t Wegweiser für Einheimische und Fremde. Zweite, verbesserte und bedeutend vermehrte Auflage. 3mt$brittrae$en, gatiM nttfc Jlnlmstrie. Drei Hauptstrassen sind es, welche in Innsbruck ihren Centralpunkt finden, näm­ lich die Strasse von Oberinnthal, die nach Vorarlberg, in die Schweiz und nachBaiern führt 5 die Strasse von Unterinnthal, welche über Kufstein und St. Johann nach Baiern und Salzburg läuft; endlich die Strasse von Süden, welche über Pusterthal nach Illyrien und über den Bozener- und Roveredaner- Kreis in das lombardisch-venetianische Kö­ nigreich die Bahn öffnet. Als Vereinigungs- punct dieser drei Hauptstrassen und als Scheidelinie zwischen Süden und Norden ist Innsbruck die Niederlagsstätte eines leb­ haften Durchfuhrhandels. Der Süden legt 43. — da seine üppigen Naturerzeugnisse nieder, um sie dem von der Natur kärger bedachten Norden zuzuführen; der Nord hinterlegt hier die Producte seiner Industrie, um damit den Süden zu versehen. Die Industrie steht in Innsbruck eben auf keiner hohen Stufe, auch ist ihr Um­ fang von geringer Bedeutung. Es besteht nur eine einzige grosse Fabrik, nämlich die k. k. priv. Maschinen-, Band- und Baum­ wollspinn-Fabrik der Dita Ganahl, llhom- berg* et Compagnie. Sie befindet sich in zwei sehr grossen und hohen Gebäuden nahe an der Sill, aus welchem Flusse sie mittelst eines Kanals die Triebkraft für ihre Maschi­ nen erhält. Sie liefert Baumwollgarne von allen Gattungen , auch englisches Wasser­ garn (Water-Twisi}. Die Fabrikation von Bändern und Seidenzeugen wurde aufge­ lassen, weil diese Erzeugnisse den ge­ wünschten Absatz nicht fanden. In gleich schwunghaftem Betriebe, wie die Spinnerei, steht die Maschinen - Constructur. In jener sind bei 20,000 Spindeln in Bewegung, und bei 300 Menschen beschäftiget; in dieser wohl 100 Mechaniker in Thätigkeit, welche sowohl für die eigene, als für andere Fa- — .44 briken siimmtliche Maschinen-Bestandteile nach den neuesten Erfindungen solid und zweckmässig verfertigen. Die Gebäude wur­ den in den Jahren 1837 — 40 aufgeführt, die Fabrik ist aber erst seit 1842 in voller Thätigkeit. Ausser dieser bestehen noch ein paar Wollenwaaren-Fabriken, die aber nur ordinäre Fabrikate liefern. Die Wollen­ decken, welche in der k. k. Strafhaus-Fa­ brik verfertigt w erden, sind jedoch sehr ge­ schätzt , und finden einen weitverbreiteten Absatz. Alle übrigen Gewerbe werden bloss handwerksmässig betrieben; sie sind zahl­ reich und genügen mehr als hinreichend dem Bedarfe der Stadt und ihrer Umgebung. — Es sind auch zahlreiche Handelsbefug­ nisse vorhanden, wovon sich jedoch die meisten bloss mit dem Detail-Handel be­ fassen. Bis jetzt war der Speditionshandel, durch die geographische Lage der Stadt begünstigt, das einträglichste Geschäft für Innsbruck und den grössten Theil von Ti­ rol. Allein da alle benachbarten Länder sich mit Eisenbahnen bedecken, in Tirol aber ein solches Commumkationsmittel viel­ leicht noch lange unter die froEkmen Wün­ sche gehören wird; so schauen viele Ge- 45 Averbsleute mit bangen Blicken in die Zu­ kunft. Es Avird allgemein dankbar aner­ kannt, dass die Regierung, um dem Lande diese Enverbsquelle zu erhalten, auf Ver­ besserung der Strassen ungemein viel auf­ gewendet ; ob aber die Konkurrenz anderer Länder dadurch paralysirt werden kann, wird die nächste Zukunft lehren. Unter den Handlungen befinden sich drei BuchhandInnge//, nämlich: die des Hrn. Felizian Rauch, die des Hrn. Johann Schu­ macher mit der Firma: „Wagner’sche Buch­ handlung,“ und jene des Hrn. Carl Pfaund­ ler; erstere zwei besitzen zugleich Bnch- druchereien; letzterer eine öffentliche Leih­ bibliothek. Hier bestehen auch drei lithogra­ phische Anstalten, nämlich: 1. des C. A. Czichna, 2. des J. Kravogel, und 3. des Jos. Schöpf. Nur die erstgenannte dieser drei Anstalten leistet Vorzüglicheres. Unter den Kunst- und Musikalien-Hand­ lungen zeichnet sich besonders die des Hrn. Franz Unterberger am Franciscaner-Graben, Avelche sich auch mit antiken K unstgegenstän­ den empfiehlt, dann die des Hrn. Joh. Gross auf dem Stadtplatze, aus. In diesen beiden Kunsthandlungen sind auch Musikalien, 46 Schreib- und Zeichnungsrequisiten zu fin­ den. Neben diesen beiden verdient auch die Kunsthandlung des Hrn. Jos. Möst Er­ wähnung. Unter den Polizeigewerben erwähnen wir bloss der 7 Kaffeesieder und Billard- hälder, der 23 Gastwirthe, der 13 Wein­ schenken, der 3 Bierbräuer und der31Bier- sphenken. Unter den Kaffeehäusern zeichnen sich jene des J. B. Andreis, der Hauptwache ge­ genüber, und des J. B. Wisiol in der Mu- seurasstrasse durch Eleganz besonders aus; doch ist das erstgenannte wegen seiner äusserst günstigen Lage das besuchteste von allen. Von den Gasthüfen sind die besuchte­ sten der zur goldenen Sonne, zum österrei­ chischen Hof und zum goldenen Stern. Der Gasthof zur goldenen Sonne empfiehlt sich vorzüglich durch seine schöne Lage in Mitte der Neustadt, und durch die Aussicht, wel­ che die Hinterfronte des Hauses auf das Unterinnthal gewährt. Die Aussenseite die­ ses Hauses ist eine der ansehnlichsten in der Neustadt, und das Innere biethet dem Fremden alle Bequemlichkeit dar, da erst 47 in der neuesten Zeit mit diesem Gasthofe ein anderes grosses Haus inVerbindung ge­ setzt worden ist, so dass er jetzt 94 Frem- den-Ziinmer, 2 Salons, Speisesäle und ge­ räumige Remisen enthält. Mit dem Gast­ hause ist auch ein Kaffeehaus und Billard verbunden. Ein nahe liegender Garten gibt den Gästen frische Luft, und verschafft ih­ nen Gelegenheit zur Bewegung im Freien. Der Gasthof zum österreichischen Hof, am südöstlichen Ende der Neustadt, ist zwar nicht so gross und geräumig, verdient aber wegen der äusserst aufmerksamen Bedie­ nung der Fremden alles Lob. Dabei befin­ det sich ein eben so grosser und schöner Garten, wie bei dem oben genannten, und er biethet eine eben so schöne Aussicht, wie dieser. Von Bädern befindet sich in der Stadt selbst nur ein einziges, nämlich das zur Kaiserkrone, am neuen Kai am rechten Inn­ ufer gelegen. In den Vorstädten liegen zwei Badanstalten, das Bad im Kirschen- thale, zwischen Mariahilf und dem Dorfe Hötting, und das Bad am Venusberge im sogenannten Ried zu St. Nikolaus. 48 Von den übrigen Bädern in der Umge­ bung wird erst in der Folge die Rede sein. 5. JUtfy&ften. Kauin in einer Stadt von so beschränk­ tem Umfange wird man so viele Civil- und Militärbehörden finden. Die vorzüglichsten derselben sind , und zwar : 1) Civilbeli örden: a. politische und administrative: das Landesgubernium für Tirol und Vorarlberg, die Baudirektion, die Po­ lizeidirektion, die vereinte Kameral- Gefällenverwaltung, das Hauptmauth- Oberamt, die Oberpostverwaltung, die Provinzial-Staatsbuchhaltung und an­ dere. b. Justizbehörden: das Appellations- und Criminal-Ober- gericht für Tirol und Vorarlberg; das Stadt- und Landrecht, welches zu­ gleich Wechselgericht ist. Zur Vertretung der Pariheien be­ stehen G Dikasterial - Advokaten und 49 ein öffentlicher Agent. Die Vertre­ tung des Aerars und der milden Fonds liegt der Kammerprokuratur ob. Zu den Civilbehörden gehört ferner der politisch - ökonomische Stadtmagistrat und die ständische Aktivität, welche die laufenden Geschäfte der Tiroler-Landschaft besorgt. Die jährlichen Sländeversammlun- gen werden ebenfalls in dieser Stadt ge­ halten. 2) Zur Leitung der Militär-Angelegen­ heiten besteht hier ein Militär-Oberkomman­ do, ein Feldkriegs-Kommissariat, eine Mili- tärverpflegs-, eine Genie- undFortifikations- und eine Garnisons-Artillerie-Distrikts-Di- rection u. s. w. In geistlicher Beziehung gehört Inns­ bruck zur Diöcese Brixen. Es besteht hier ein Dekanat und drei Lokal - Kaplaneien, welche die kirchlichen Angelegenheiten be­ sorgen. 6. tUi>!)ltl)3tigkcite- uni» pesserunjjs-^nstaltcn. 1) Die Wohlthätigkeits- Anstalten be­ ziehen sich auf Arme, Kranke, Alte und 3 50 Kinder, und nehmen für die letzteren auch den Charakter von Bildungsanstalten an. Zur Leitung des Armenwesens und zur Verwaltung der demselben gewidmeten Fonds besteht eine aus dem Bürgerstande und der Geistlichkeit zusammengesetzte Armendirek­ tion, welche sich in Bezirks-Kommissionen verzweigt, und durch die letztem mit den Armen unmittelbar in Berührung tritt. Die Unterstützungen aus dem Armen­ fonds kommen nur solchen Armen zu, wel­ chen der nothwendige Unterhalt des Lebens mangelt, die sich diesen Unterhalt durch eigene Fähigkeit nicht zu erwerben vermö­ gen, und das Wohnungsrecht in dem Ma­ gistratsbezirke der Stadt erlangt haben. Die Gaben des Armenfondes entspre­ chen dem Bedürfnisse, und bestehen in ba­ ren Geldspenden, in Anweisung auf das Arbeitshaus zur Arbeit, und auf dieSuppen- Anstalt zur Suppe; in Betheilung mit Klei­ dern, in Bestreitung der Wohnungskosten, der Lehrkosten, der Arzneien, in Versor­ gung der Kinder. Hieraus kann man ent­ nehmen, dass jeder wahrhaft Arme in den Stand gesetzt ist, seine Lebensbedürfnisse genügend zu befriedigen, und dass daher 51 nur Unverschämtheit und Zudringlichkeit, keineswegs aber wahres Bedürfniss durch Strassenbettel beschwerlich fällt, der durch alle mögliche Polizeiaufsicht so lange nicht abgestellt werden kann, als ihn-betrogenes Mitleid nährt. Um die ärmere, besonders dienende Volksklasse in den Stand zu setzen, ihr ge­ ringes Ersparniss fruchtbringend anzulegen, und sich so eine Hilfsquelle für das Alter zu gründen, besteht eine Sparkasse. Hier kann jede, auch die kleinste Summe, auf Zinsen angelegt, und das Kapital beliebig wieder erhoben werden. Die Sparkasse- Verwaltung legt die eingehenden Summen mit gesetzlicher Sicherheit an, stellt dem Einleger einen Schuldschein aus, und ver­ zinset das Hundert zu Slf2 Percent. Am Ende des Jahres 1845 belief sich das ver­ sicherte Kapital der Anstalt auf 641,346 fl. 8 kr., und die Zahl der Einlagen auf 5587$ sie hatte sich im Laufe des Jahres um 509 erhöht. Die Summe sämmtlicher Einlagen betrug zu dem bemerkten Zeitpunkt 647,71411. 31 kr., und hatte während des gedachten Jahres einen Zuwachs von 72,615 fl. 48 kr. erhalten, indem 240,821 fl. 36 kr. neu einge- 3# legt, und 168,205 fl. 48 kr. zurückgezogen worden waren. Auf jede der am Schlüsse des Rechnungsjahres bestandenen Einlags­ posten entfiel daher im Durchschnitte ein Betrag von 115 fl. R. W. Aus dieser Darstellung wird klar, was für eine bedeutende Summe auf diesem Wege unbesonnener Verschwendung entzogen, und einem vernünftigen Gebrauche zugeführt wird. Für Kranke ist durch das unter der Oberaufsicht des Landesguberniums stehende Stadtspital gesorgt, mit dem auch eine Ge­ bäranstalt in Verbindung steht. Das Spital gewährt samrnt dem neuangebauten Flügel für 150 Kranke Raum. Der Orden der barmherzigen Schwes­ tern, dessen segenreiches Walten sich in Frankreich und in Baiern so schön bewährt hat, besorgt seit der neuesten Zeit auch hier die Pflege der Kranken und Pfründner. Schon seit langer Zeit war der Wunsch nach einem solchen Institute rege geworden. Zur Verwirklichung desselben trat ein Ver­ ein von Privatwohlthätern zusammen, wel­ che auf ihre Kosten ein schönes und geräu­ miges Gebäude für die Schwestern vom 53 Grunde aus neu aufführen Hessen. Im März 183T begann der Bau, und war im August 1838 bereits so weit gediehen, dass Ihre Majestäten der Kaiser Ferdinand und seine erhabene Gemahlin Maria Anna am lß. des­ selben Monats den Schlusstein zu legen in Stand gesetzt waren. Ganz vollendet und eingerichtet wurde das Haus erst ira Früh­ jahre 1839, so dass die barmherzigen Schwestern ain 1. Mai 1839 auf das Feier­ lichste in dasselbe eingeführt werden konn­ ten. Die ersten Candidatinnen wurden in dem Mutterhause zu München gebildet, von woher auch die erste Colonie kam. Seit­ dem sind sie in den meisten Hospitälern in Tirol eingeführt worden. Beinahe alle sind Filialen des hiesigen Institutes, wesshalb dieses von Sr. Majestät mit allerhöchster Entschliessung vom 23. April 1844 für das Mullerhnn* erklärt, und alle übrigen Insti­ tute in Tirol in eine einzige Ordensprovinz vereinigt worden sind, ln diesem Hause hat auch die General-Oberin ihren Sitz. — Seit ihrer Einführung haben sie mit Hinge­ bung und Selbstaufopferung ihrem schweren Berufe gelebt, was die — zum Theil trau­ rige Thatsache beweist, dass während der 54 kurzen Zeit des Bestehens dieses Institutes schon mehr als 30 Schwestern und Candida­ tinnen gestorben sind. Die Geisteskranken haben ihre Heil- und Versorgungs-Anstalt im Irrenhause zu Hall, in welcher Stadt auch für Taubstumme ein Zufluchts- und Bildungsort eröffnet ist. Zu den Instituten, welche die Armen­ versorgung erleichtern, gehören mehrere wohlthätige Stiftungen. Wir erwähnen hier nur: a. Die Stiftung des Erzherzogs Maxi­ milian mit einem Stammvermögen von 26,00011., wovon unter andern 12 ar­ me, hier ansässige Männer versorgt werden. b. Das Bruderhaus mit zwei Häusern, wovon das eine in der Stadt, das an­ dere in der Vorstadt St. Nikolaus liegt, für arme Bürgerswitwen und alte, treue Dienstbothen bestimmt, dessen Ursprung über das 15. Jahr­ hundert hinaufreicht. c. Das Kaiserspital, von Kaiser Maxi­ milian I. im Jahre 15C8 gestiftet und 1650 unter der Regierung des Erz­ 55 herzogs Ferdinand Karl erneuert, zur Unterstützung von 14 alten verdien­ ten Männern aus Innsbruck, wovon jeder jährlich 104 11. C. M. nebst un­ entgeltlicher ärztlicher Hilfe und Me­ dikamenten erhält. Sie bewohnten in alten Zeiten ein eigenes Haus, wel­ ches aber schon Kaiser Ferdinand I. als er die Jesuiten im Jahre 1561 da­ hier einführte, diesen zur Wohnung anwies. Es stand da, wo jetzt der Kreuzgang des frühem Jesuiten-Col- legiums steht. Kinder, welche zum Schulbesuche noch zu jung sind, und zu Hause nicht die ge­ hörige Aufsicht finden, versammeln sich in den Kleinkinderbewahr-Anstalten, deren es in Innsbruck drei gibt, nämlich: zu St. Niko­ laus, zu Dreiheiligen und in der Museums- Strasse. Mit diesen Kinderbewahr-Anstalten steht der Frauenverein in Verbindung, welcher nicht bloss durch Herbeischaffung der Geld­ mittel und der Arbeitsstoffe, sondern ganz vorzüglich durch Unterricht den wohlthäti- Hist. Prov. sup. Gerin dec 3. u. 43. 56 gen Einfluss auf die Erziehung der Kinder des ihnen zugewiesenen Bezirkes nimmt. Diese Anstalten wurden erst im Jahre 1832 von dem frühem Gouverneur, Friedrich Grafen von Wilczeck und seiner Gemahlin, welche die erste Vorsteherin derselben war, ins Leben gerufen und nehmen einen immer gedeihlicheren Aufschwung. 23 Zu den Besserungsanstalten gehört das städtische Zwangs-Arbeitshaus und das Straf-Arbeitshaus. Das erstere ist kein Strafort, sondern eine Polizeianstalt, deren Zweck darin be­ steht, Müssiggänger und arbeitsscheue Men­ schen, wiederholt betretene Bettler, Leute, die keinen ehrlichen Erwerb ausweisen kön­ nen; endlich Individuen, deren unsittlicher Lebenswandel notorisch ist, durch Religions­ und sittlichen Unterricht, durch Angewöh­ nung zur Ordnung und Arbeit zu bessern, und sie in thätige und nützliche Menschen umzuschaffen. Das Straf-Arbeitshaus ist der für Cri- minal-Sträflinge bestimmte Strafort, avo je­ doch die Sträflinge nicht bloss die gesetz­ lich angedrohten Folgen ihrer Verbrechen büssen, sondern durch religiösen und sittli­ chen Unterricht, und durch strenge Anhal­ tung zur Arbeit der Besserung zugeführt werden sollen. Die sorgfältige Reinlichkeit, die in die­ sem Orte herrscht, die pünktlichste Ordnung, welche gehandhabt wird, die Mannigfaltig­ keit und Gelungenheit der Arbeiten, welche die Sträflinge zu Tage fördern , erheben diese Anstalt zu einem Muster ihrer Art, und jeder Fremde , der sie in Augenschein nahm, hat sie mit voller Befriedigung ver­ lassen. 7. pittumgs - Jlnstalten. 1~) Für allgemeine Volksbildung beste­ hen zu Innsbruck: a. eine Muster-Hauptschule, womit auch eine Zeichnungs- und Realschule zur Vorbildung angehender Gewerbs- und Handelsleute in Verbindung steht, welch’ letztere demnächst in eine förmliche polytechnische Schule ver­ wandelt werden soll; b. die Schule der Ursulinen für Mäd­ chen. Hier wird ausser den Eleinentar- 58 Gegenständen auch in der Geogra­ phie, in der italienischen Sprache, iin Zeichnen und in weiblichen Handar­ beiten an mehr als 500 Mädchen Un­ terricht ertheilt. Neben den genann­ ten Schulen unterhalten diese Kloster­ frauen auch ein Convict zur Erzie­ hung von Mädchen, welche nebst den gedachten Gegenständen auch noch in der französischen Sprache, im Ge­ sang u. s. w. Unterricht erhalten. Endlich unterrichten sie auch die 15 Zöglinge der im Jahre 1814 wie­ der ins Leben getretenen Stiftung zur Ausbildung und Ausstattung dürftiger Mädchen der Stadt Innsbruck in den vorgeschriebenen Gegenständen. Nach einem vierjährigen Curs erhält das Mädchen, welches sich am besten auszeichnet, einen Ausstattungspreis von 250 11., vier werden mit andern Piämien zu 20 fl., fünf zu 15 fl. und fünf zu 10 fl. C. M. betheilt; c. zwei Vorstadt-Schulen, nämlich eine jenseits der Innbrücke, die andere zu Dreiheiligen; 59 d. zwei Industrie-Schulen in den ange­ gebenen Vorstädten. 23 Für gelehrte Bildung hat Innsbruck a. ein Gymnasium, b. eine Universität. Früher schon, als Tirol nach dem Tode des Erzherzogs Ferdinand ([15953 an Kai­ ser Rudolph II. überging, hatte es, und zwar über hundert Jahre, ein Gymnasial- Studium mit einigen philosophischen und theologischen Disciplinen. Kaiser Leopold I. führte endlich den schon vom Erzherzoge Ferdinand gefassten Entschluss, dem Lande eine höhere Lehr­ anstalt zu geben, wirklich aus, und stiftete im Jahre 1673 eine Universität, insbeson­ dere, um dem aus Deutschland drohenden Geiste der Reformation Schranken zu setzen. So blühte die Leopoldinische Hochschu­ le, seihst vom Auslande geachtet und be­ sucht, durch 109 Jahre, bis sie Kaiser Jo­ seph II. im Jahre 1782 wegen Unzulänglich­ keit des Fondes nach Aufhebung des Je- suiten-Ordens in ein Lyceum umschuf. Kai­ ser Franz I. rief im Jahre 1792 die Univer­ sität zwar wiederum in das Lehen; doch wurde sie iin Jahre 1810 unter der königl. 60 baierischen Regierung zum zweiten Male aufgehoben, und in eine philosophisch-theo­ logische Schule verwandelt. Erst im Jahre 1826 wurde das Lyeeum neuerdings zur Universität erhoben, mit der Befugniss, Dok­ toren der Philosophie und Rechtsgelchrsam- keit zu kreiren. Das theologische Studium besteht nach den Grundsätzen der österrei­ chischen Gesetzgebung zuBrixen, am Sitze des Bischofes; das medicinisch-chirurgische Studium ist auf Bildung von Wundärzten beschränkt. 33 Als Hilfsmittel für Volks- und Ge- lehrten-Bildung befindet sich zu Innsbruck a. eine öffentliche Bibliothek. Sie zählt 40,000 Bände, und darunter viele alte Drucke, wovon die grösste Merkwür­ digkeit die erste Ausgabe der Biblia panperum ist. Diese ist jedoch bei weitem nicht vollständig, indem sie nur 11 statt 21 Blätter enthält. So­ dann die zweite Ausgabe der „Ars meinorandi notabilis per figuras evan- gelistarum,“ und ein der Biblia pau- perum ähnliches, die Geschichte der Könige von Israel in Figuren dar­ stellendes Werk. Von den eigentli- 61 eben Druckwerken ist das älteste vom Jahr 1460. Sie enthält auch mehrere Manuscripte, wovon jedoch keines rücksichtlich seines Inhaltes von be­ sonderer Bedeutung ist. In histori­ scher Hinsicht haben die handge­ schriebenen „Collectanea Tyroleris.‘‘ des Ch. W. Putsch den grössten Werth. Einige andere Manuscripte zeichnen sich nur durch die Kunst­ fertigkeit, womit sie geschrieben sind, und durch ihre Miniatur-Malereien aus. Die Bibliothek steht beinahe täg­ lich durch 5 Stunden für Jedermann offen. Sie ist im zweiten Stocke des Gymnasialgebäudes in drei geräumi­ gen und lichten Sälen aufgestellt, wovon einer mit sehr schönen Decken­ gemälden von J. G. Grasmayr ge­ ziert ist. Sie stellen Scenen aus dem Leben der seligsten Jungfrau Maria vor, weil dieser Saal früher derBeth- und Versammlungssaal der akademi­ schen Congregation war, und erst nach der Aufhebung der Jesuiten die gegenwärtige Widmung erhielt. Bei 62 der Gründung der Bibliothek im Jahre 1745 befand sie sich in dem alten Cniversitäts - Gebäude am Rennplatz. Sie verdankt ihr Dasein der Kaise­ rin Maria Theresia. Zur Anschaffung neuer Werke ist der Bibliothek eine jährliche Dotation von 600 tl. C. 31. aus dem Studienfonds angewiesen. b. Die Leihbibliothek des Herrn Carl Pfaundler mit vielen Werken belle­ tristischen und scientifischen Faches; c. ein Naturalienkabinett: d. ein botanischer, 2516 Quadratklafter haltender, sehr gut gelegener Garten; e. ein physikalisches Kabinett mit den zwei merkwürdigen Globen und meh­ reren Handzeichnungen des Peter Anich; f. ein anatomisches Kabinett, und end­ lich g. das Ferdinandeum. 3'on letzterem wird in der Folge gehandelt werden. 63 III. Merkwürdigkeiten der Kunst. CÖ£>ebätrt>*. übschon Innsbruck mehrere grossartige Gebäude zählt, so machen doch diese auf das Auge des Fremden nicht jenen impo­ santen Eindruck, den man sich von ihrer Bauart versprechen könnte. Unstreitig liegt der Grund dieser Erscheinung in der Gross­ artigkeit der Natur, welche uns von allen Seiten umgibt. Der BegrilF von Grösse ist an und für sich relativ, und ein Gebäude, welches auf dein (lachen Lande als ein küh­ nes Werk des schaffenden Geistes und der Kraft des Menschen angestaunt würde, ver­ schwindet in einem Thale, um welches die Natur die Bollwerke mächtiger Gebirge auf- gethürmt hat. Ueber jeden Giebel, über jede Thurmspitze ragt in riesiger Grösse eine Bergkuppe hervor, und lässt uns die Klein­ heit und Ohnmächtigkeit der Menschenwerke recht lebhaft fühlen. Die alte Stadt hat 64 wenig ansehnliche Gebäude; den Alten war es mehr um Festigkeit und Sicherheit, als um Bequemlichkeit und gefällige Formen zu thun. Dagegen sind die in der Neustadt und in dem neuen Stadtviertel glossartiger und in einem bessern Geschmacke aufge- l'iihrt, als es Mancher in einem solchen Thal erwarten dürfte. #3 Eine bessere Bauart kam erst unter den Erzherzogen von Oesterreich in Schwung, wo die Residenz dieser Fürsten in Inns­ bruck, ihr gebildeter Geschmack und ihre Kunstliebe mehrere Künstler, besonders aus Italien, hieher lockte. Die sehenswerthesten Gebäude sind theils öffentliche, theils Privatgebäude. I. Oeffenl liehe (Staats-, ständische und städ­ tische) Gebäude. 13 Die kaiserliche Burg. Sie wurde vom Kaiser Maximilian im Jahre 1494 erbaut. Ihre erste Gestalt war von der heutigen weit verschieden. Vier Rondellen mit drei Erkern und mehrern Zugebäuden umgaben*) *) J. Barrow: Tour in Austrian Lombardy etc. London 1341, p. 237. 65 die in altgothischer Form erbaute Burg. Am rechten Flügel derselben ^beira jetzigen Einfuhrtsthore in die Hofgasse) erhob sich der alte Wappenthurm. Er war viereckig, bis an die hölzerne Gallerie 73'/a, und bis zur Spitze des pyramidenförmigen Daches 102 Schuh hoch. Oben prangten vier ge­ mauerte Erker mit einer auf 32 hölzernen Säulen ruhenden Gloriette. Der mittlere Theil desThurmes war mit bunten Wappen­ schildern geziert. Nach dem grossen Brande (^1534) liess Kaiser Ferdinand I. die Burg, welche eben­ falls ein Raub der Flammen geworden war, in etwas veränderter Form wieder her- stellen. Erst Maria Theresia gab der kaiserli­ chen Burg die gegenwärtige ansehnliche Gestalt. Der Bau wurde nach dem Plane und unter der Leitung des k. k. Ingenieur- Majors v. Walter im Jahre 1T66 begonnen, und im Jahre 1770 vollendet. In der gegenwärtigen Gestalt ist sie eines der grössten und schönsten Gebäude der Stadt. Die Fa^ade auf dem Rennplätze, dem Theater und Iledöutensaale gegenüber, gewährt jetzt einen eben so freundlichen, 66 als imposanten Anblick, nachdem ein lan­ ger, von der Burg in das Theater führen­ der Gang im Mär/ 1844 niedergebrochen, und dadurch eine ungehinderte Ansicht die­ ses schönen Gebäudes gewonnen worden ist. Im Erdgeschosse ist das k. k. Kame- ral-Zahlamt untergebracht. Die Zimmer des ersten Stockes längs der Fa<^ade bewohnt der Herr Landesgouverneur; die übrigen Theile des ersten Stockes und das dritte Stockwerk sind für die Bureaux des Gu- berniuins bestimmt. Die Zimmer des zwei­ ten Stockes stehen nur für die kaiserliche Familie in Bereitschaft. Sie sind nach dem neuesten Geschmacke prachtvoll möblirt, mit herrlichen Parquetböden belegt 5 Thürcn und Fensternischen derselben sind mit reichen Vergoldungen geziert. Besonders sehens- werth sind : a. Der Riegensaal mit seinen drei schö­ nen Plafond-Gemälden von Ant. Maul- bertsch. In dem inittlern Hauptpla­ fond ist die triuinphirende Verbindung des erzherzoglichen Hauses von Oe­ sterreich mit dem herzoglichen Hause von Lothringen allegorisch dargestellt. Die in demselben Geschmacke, wie 67 der grosse Plafond ausgeführten Sei­ tenplafonds lassen die Regalien des Landes Tirol schauen. Die Seiten­ wände dieses wegen der Thaten des Herkules, die früher darin gemalt wa­ ren, Riesensaal benannten Saales, sind mit denPortraits der ganzen Familie der Kaiserin M. Theresia in dem Costume ihrerZeit geziert. DerVorsaal desselben enthält grosse Schlachtstücke — Carl von Lothringen gegen die Türken; das daran stossende Cabinet die Por- traits der Lothringischen Familie; noch ein anderes schöne Familienstücke mit Portraits aus der Umgebung und dem Hofstaate Maria Theresiens. Die Burg enthält ausserdem noch einen Gegenstand, welcher Anspruch auf allgemeine Beachtung hat, diesen aber nicht von seiner architektoni­ schen Schönheit, sondern von einem sehr betrübten und anziehenden Er­ eignisse herleitet, — dieser Gegen­ stand ist b. die Burgkapelle. Es ist bekannt, dass der Kaiser Franz I., der Gemahl der hochgefeierten Kaiserin Maria There- G8 sia, am 18. August 17G5 plötzlich da­ hier gestorben ist. Die Kaiserin, wel­ che ihn mit ausserordentlicher Zärt­ lichkeit liebte, liess kurz nachher an der Stelle, wo er verschieden ist, ei­ nen Altar errichten, und darüber eine Kapelle bauen. Kapelle und Altar sind, obwohl einfach, sehr schön, und ein wohlgefälliges Denkmal der Zärt­ lichkeit und des guten Geschmackes der erlauchten Witwe. Diese Prin­ zessin, welche damals noch in der Dliithe der Jugend und Schönheit stand, — sie zählte erst 48 Jahre und 3 Monate — und nach Rang und Län­ derbesitz die erste Fürstin von Europa war, trug von da an fortwährend Trauerkleider, und soll auf manchen nachherigen Heirathsantrag mit den seelenvollen Worten Virgils geant­ wortet haben : Ille meos, priinus qui ine sibi junxit, amores Abstulit, ille liabeat secum servetque sc- puicliro! Kr, mein Jugendgemnhl, er nahm die Liebe der Gattin Mit sich hinweg; er hab’ und behalte sie ewig im Grabe! Aen. IV, 28. 69 Die Statuen aus Alabaster sind von Ant. Jos. Sartori; die sehr künstlich gemalten Basreliefs von Franz Anton Leitersdorfer, ehemaligem Professor der Zeichnungs-Aka­ demie zu Mannheim. In der Burg wird noch eine andere in­ teressante Merkwürdigkeit gezeigt. Diess ist ein Kasten, der wegen ihrer geistigen und körperlichen Schönheit berühmten Yhi- lippi/te Welser. Er ist sehr kunstreich aus den schönsten Holzgattungen zusammenge­ setzt, reich mit Ametisten, Carniolen, Elfen­ bein, Alabaster, Dendriten und Marmor ver­ ziert, enthält sehr viele Schubladen und ein Spielwerk auf Drahtsaiten, das mittels einer Walze sechs Stücke spielt, woraus man den im 10. Jahrhundert in der Musik herrschen­ den Geschmack beurtheilen kann. Es sind daran auch Tasten angebracht, so dass man auf diesem Instrumente nach Belieben auch mit den Händen spielen kann. Dieser Ka­ sten wurde von S. Biedermann in Augsburg verfertigt, und kam aus dem Schlosse Am­ ras hieher. Der gegenwärtige Residenz- schlossverwalter Hr. Ernst Suschizky liess ihn ganz im Geschmacke derZeit, aus wel­ cher er stammt, so schön restauriren, dass 70 man zu glauben versucht wird, er wäre erst vor wenigen Wochen neu verfertiget wor­ den. Nebst diesem sind noch einige andere ähnliche Schränke vorhanden, die sich gleich­ falls aus Philippinens Besitz herschreiben. Mit der Burg hängt 23 das Dnmemlifls Gelände zusammen. - Es wurde von Maria Theresia 1771 in ei­ nem der Burg ähnlichen Style aufgeführt. Gegen Norden schliesst sich das soge­ nannte 3) Neugebäude, dann 4^ die Reitschule, und 5^ die Manlhhalle mittels eines Ganges an die Burg an. Ersteres ist ein grosses und solides, unter der Kaiserin Maria The­ resia im Jahre 1775 aufgefiihrtes Gebäude, in welchem sich der schöne Sitzungssaal des k. k. Appellationsgerichtes, seine Bu- reaux und die mehrerer anderer Aemter be­ finden. Sein Aeusseres kann auf Schönheit keinen Anspruch machen. Von der Erbauung der Mauthhalle war bereits im geschichtli­ chen Ueberblick die Rede. Das Gebäude ist gross und sehr zweckmässig-, biethet aber in ästhetischer Hinsicht gleichfalls nichts Bemerkenswerthes dar. Im Sommer 1838 71 wurde es architektonisch, aber nicht im besten Geschinacke verziert. 6} Das Gebäude der theresiattischen Ril- ter-Akademie, ehemals das Kloster der Fran­ ziskaner, ein 2 Stockwerk hohes, geschmack­ voll dekorirtes Gebäude mit einer schönen Pforte von rothem Marmor. 73 Das UniversHälsgebände, einst das Jesuiten-Collegium, ein sehr langes, regel­ mässiges Gebäude, von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1561 gegründet, und nach mehr- fältiger Unterbrechung von Erzherzog Fer­ dinand II. im Jahre 1571 vollendet. Durch die Länge der Zeit und die häufigen Erd­ beben war es ganz baufällig geworden; desswegen wurde es im Jahre 1692 nieder­ gebrochen , und in den folgenden Jahren in der gegenwärtigen Gestalt wieder auf­ gebaut. ln diesem Gebäude befinden sich die Universität mit einem grossen akademi­ schen Saale, in welchem die Portraits der um die Universität verdienten Männer auf­ gehängt sind, und mit der im Herbste 1846 hergestellten, geschmackvoll ausgezierten Aula gymnasii; dann das physikalische, Na­ turalien- und anatomische Kabinett, und die Bureaux der k. k. Baudirektion. 72 S') Das Gymnasialgebäude wird von den vorherbenannten, durch die dazwischen ste­ hende Universitätskirche getrennt. Maxi­ milian der Deutschmeister liess es auf seine Kosten 1603 erbauen und den Schulen ein- räumen. Nachdem aber dieses Gebäude durch die Erdbeben so baufällig geworden, dass es den Einsturz drohte und an eine Repa­ ratur nicht mehr zu denken war: so ent­ schloss man sich im Jahre 1721, das alte Gebäude ganz abzutragen, und dafür das gegenwärtige neu zu erbauen. Der Bau begann nach dein Entwürfe und unter der Leitung des Hofbaumeisters Georg Anton v. Gump. Die von der landesfürstlichen Kammer bestrittenen Kosten beliefen sich über 14,000 tl. Im Jahre 1723 war das Ge­ bäude in so weit vollendet, dass bereits im Oktober desselben Jahres die Schulen wie­ der eröffnet werden konnten. Ueber dem Thore sind die Wappen von Oesterreich und Tirol, aus weissein Marmor gehauen, angebracht. Im zweiten Stock- Averke sind die Säle der Universitäts-Biblio- *) v. Lemnien, tirol. Künstlerlexäcon S. 81. **) Zoller II, 91. 73 thek samint dem Lesezimmer, wie bereits oben bemerkt worden. 9) Das goldene Dächelgebiiude. Es wurde von Friedrich IV. um das Jahr 1425 erbaut, und zu seiner Residenz, bestimmt. Das Ge­ bäude hat gegen den Stadtplatz einen vor­ springenden, nach gothischem Style gebau­ ten Erker, den Friedrich mit einem aus stark vergoldeten Bronze-Tafeln bestehen­ den Dache zierte. Er soll diess aus dem Grunde gethan haben, um seine Feinde, die ihn spottweise „Friedrich mit der leeren Tasche“ nannten, zu beschämen, und des Gcgentheils zu überführen. Die Vergoldung der Schindeln soll 200,000 Dukaten gekostet haben. Dass diess arge Uebertreibung ist, davon kann sich Jedermann durch den Au­ genschein überzeugen.. Unter Sigmund dem 3Iiinzreichen und Kaiser Maximilian dem I. w urde diese Fürstenburg ansehnlich erwei­ tert und verschönert. Indessen hat sie durch häufige Erder­ schütterungen in der Folge so sehr gelitten, dass ausser dem Erker von ihrer ursprüng­ lichen Gestalt kaum eine Spur mehr übrig sein dürfte. Unter den Fenstergesimsen des Erkers im zweiten Stocke erscheinen 4 74 drei in Stein gehauene, an einer gedeckten Tafel sitzende Figuren, welche den Kaiser Maximilian I. mit seinen zwei Gemahlinnen, Maria von Burgund und Maria Blanka von Mailand vorstellen. Auf der Wand des Vor­ trittes in demselben zweiten Stocke erblickt man mehrere Gemälde. Rechts von der Thiire zeigt sich ein ehrwürdiger Greis mit weissem, herabfliessendem Barte. Vor ihm steht ein weisses Pferd, und nahe an dem­ selben erscheint ein Mann in sonderbarem, phantastischem Aufzuge mit einer Schellen­ kappe auf dem Haupte, der mit einem Frauen­ zimmer in höchst angelegentlichem Zwei­ gespräche vertieft zu sein scheint. Die Bedeutung dieses Bildes lässt sich nicht mit Zuverlässigkeit enträthseln. Am wahrscheinlichsten ist die Meinung, dass Kaiser Maximilian durch dieses Gemälde das Andenken seines am 16. März 1494 mit Maria Blanka von Mailand in dieser Burg gefeierten Beilagers verewigen wollte. Das beschriebene Wandgemälde dürfte vielleicht eine Scene der bei dieser Gelegenheit statt gehabten Festspiele darstellen. In der Mitte zwischen dem ersten und zweiten Fenster des Erkers erheben sich 75 z.wei riesenhafte Rittergestalten in voller Rüstung, der eine die Fahne des Keichs, der andere das fliegende Banner Tirols in starker Faust. Die untere Seite des Erkers enthält mehrere Wappenschilder mit den betreffenden Inschriften. Nach Erbauung der neuen kaiserlichen Burg am Rennplat/.e wurde dieses Gebäude der Sitz der Kammer (Finanzbehörde), da­ her man es gewöhnlich das Kammergebäude nannte. Diese Widmung behielt es bis zum Jahre 1775, in welchem Jahre es Maria Theresia zu verkaufen erlaubte. Später ging man von diesem Beschlüsse wieder ab, und verwandelte es im Jahre 1780 in eine Ka­ serne, bei welcher Gelegenheit auch die darin befindliche St. Georgskapelle kassirt wurde. Es gerieth endlich in einen so bau­ fälligen Zustand, dass cs lange unbewohnt blieb. Im Jahre 1812 verkaufte es die baie- rische Regierung an die Stadtgemeinde 5 endlich wurde es im Jahre 1822 durch eine Gesellschaft Aktionäre in den gegenwärti­ gen ansehnlichen Stand gesetzt. Der alter- thümliche Erker an der Fa<*ade mit seinem vergoldeten Dache wurde als ein ehrwürdi- 1 # ges Monument der Vorzeit ungeändert be­ lassen. 10) Das Stndl- und Landrechts-Gebnude (Regierungsgebäude) wurde schon im Jahre 1534 erbaut, und iin Jahre 1634 von der Erzherzogin Claudia ansehnlich erweitert. Der hintere Theil dieses grossen Gebäudes dehnt sich dem rechten Innufer entlang aus, und wurde von der Erzherzogin Claudia im Jahre 1634 angefügt. Vor nicht langer Zeit zeigte man im zweiten Stockwerke noch die sogenannte Claudiana ( den claudianischen Saal), der jetzt in den neuen Sitzungssaal des k. k, Stadt- und Landrechtes umge­ staltet wurde. Die vordere Fronte, dem Gasthause zum goldenen Adler gegenüber, mit prunkvoller Stukaturarbeit geziert, wur­ de vom Kaiser Leopold I. im Jahre 1606 hergestellt. Dieses Gebäude war ursprüng­ lich durch einige Zeit Residenz, dann der Sitz der höchsten Landesbehörden. Die Claudiana soll durch einen unterirdischen Gang mit der auf dem Pfarrplatze befindli­ chen Frohnfeste in Verbindung gewesen sein. Durch eine Fallthüre stiegen die Ge­ fangenen in den Richtsaal, um dort ihre Verhöre zu bestehen, oder ihre Crtheilo zu 77 vernehmen. Der unterirdische Gang ist zer­ fallen; die Fallthüre mit der Wendeltreppe Avar noch zu sehen, ehevor der neue Sitzungs­ saal eingerichtet Avurde. Gegenwärtig befinden sich nebst dem k. k. Stadt- und Landrechte auch das Stem­ pelamt und das Rentamt in diesem Ge­ bäude. 11) Das Hut/Junis ist zAvar von aussen unansehnlich, enthält aber einen hübschen Sitzungssaal und schöne Arbeitszimmer. Da­ mit in Verbindung steht der Stadlthurm, der zu einer bedeutenden Höhe einporsteigt. Er ist offenbar das älteste noch bestehende Bamverk der Stadt; denn er AAmrde schon im Jahre 1305 erbaut. In demselben hängt die im Jahre 1468 gegossene Feuerglocke, mittelst Avelcher eine in der Stadt entstan­ dene Feuersbrunst angezeigt AAÜrd. Dieser Thurm ist nicht besclnverlich zu besteigen; von demselben aus kann man bequem die ganze Stadt und ihre ganze Umgebung überschauen. Zum Vergnügen der Besu­ chenden stehen ein paar gute Fernröhre in Bereitschaft. Der Zutritt ist Jedermann und zu jeder Stunde gestattet. TS 12} Die städtische/'Vmc/iAffwÄ ^Schlacht­ haus} , eines der grössten und ansehnlich­ sten Gebäude der neuesten Zeit. Sie wurde an der Stelle einer durch eine heftige Feuersbrunst am 27. August 1841 zerstör­ ten hölzernen Barake nach dem Plane des k. k. Brückenbaumeisters Alcis Haas durch den Baumeister Joseph Mayr erbaut. Der Grundstein wurde am 25. Februar 1842 ge­ legt, und der Bau im Frühjahre 1844 in al­ len seinen Theilen vollendet. Das Gebäude ist 192 Wiener-Fuss lang, 96' tief, und hat nebst dem Erdgeschosse noch zwei Stock­ werke. Das erstere enthält das Schlacht­ haus, die letztem Mietwohnungen. In je­ nem herrscht grosse Reinlichkeit, da aller Unrath in einen, das Haus durchziehenden Kanal abgeleitet werden kann; diese sind geräumig und bequem. Von aussen ist es im italienischen Style verziert. Die hintere Fronte läuft in zwei Flügel aus, was ihm ein sehr imposantes Ansehen verleiht. Am wenigsten spricht seine Stellung an, indem es mit allen ältern Gebäuden seiner Umge­ bung spitze oder stumpfe Winkel bildet. 13} Das Civil- Sjnlalgeöäuäe, in unmit­ telbarer Verbindung mit dem Hause der 79 barmherzigen Schwestern, wurde gleichzei­ tig mit diesem von Alois Haas erbaut. Es steht unfern derHauptwache, ist drei Stock­ werke hoch , und enthält viele geräumige und lichte Zimmer. Im Jahre 1841 wurde an der nordwestliche Ecke der Neustadt ein dem Hause der barmherzigen Schwes­ tern ähnliches Gebäude durch den Baumeister Joseph Christoph aufgeführt, und mittelst ei­ ner Reihe von Verkaufsgewölben jenem an­ geschlossen. Auch diese Gebäude tragen das Gepräge des italienischen Styles an sich, und zählen mit zu den interessanten Bauwerken aus der neuesten Zeit. 14} Der landschaftliche Palast (^insge­ mein das Landhaus genannt") ist eines der prachtvollsten Gebäude Innsbrucks. Es steht in der Neustadt, wurde im Jahre 1725 nach dem Plane des Hofbaumeisters Georg Anton Gump zu bauen angefangen und 1728 vollen­ det. Sehenswürdig ist der Sitzungs-Saal, welcher mit dem den Ständen zum Ge­ schenke gemachten Portrait Sr. Majestät des Kaisers Franz I. in der Uniform des Land­ regiments geziert ist. In einem anderen Saale des zweiten Stockes sind Plafond- Gemälde von C. D. Asam. Sie stellen alle- — 80 goriscli die Viertel des Landes vor. Die vier eben dort befindlichen Nischen füllen Statuen von Nikolaus Moll, einem guten, von Innsbruck gebürtigen Bildhauer. Von ihm sind auch die an der obern Treppe be­ findlichen Figuren und Vasen aus Holz. Das Altarblatt der Kapelle, der heilige Georg von Grasmair, verdient die Aufmerksamkeit des Kenners. In diesem Gebäude sind die Bureaux der ständischen Aktivität; auch Averden hier jährlich die Sitzungen der Stände ge­ halten. 153 Die Infanterie-Kaserne am nordöst­ lichen Ende der Universitäts - Strasse, das kollossalste Gebäude von Innsbruck. Sie wurde an der Stelle ZAveier Frauenklöster, Avelche von der Witwe des Erzherzogs Fer­ dinand, Anna Katharina, in den Jahren 1607 — 12 mit einem KostenaufA\rande von mehr als 90,000 fl. erbaut, \'on Kaiser Joseph II. aber in den Jahren 1782 und 1783 aufgeho­ ben worden waren, durch den Baumeister Joseph Mayr für die Summe von 288,050 fl. C. M. aufgeführt. Am 10. Mai 1844 begann der Abbruch der beiden Klöster und der schönen, im reinsten römischen Style er- 81 bauten Kirche, und den 24. Juni desselben Jahres erfolgte die Grundsteinlegung zu der Kaserne. Die Fronte derselben hat eine Länge von 300', und in der Mitte einen ltesalit, der mit toskanischen Pfeilern ver­ ziert ist. Den ltesalit schliesst eine Attika. Diese Kaserne ist drei Stockwerke hoch, enthält in ihren vielen Zimmern Raum für 1600 Mann, und entspricht ganz dem Zwecke eines solchen Gebäudes. Sie ist aber noch nicht ganz vollendet. 16) Das Straf- Arbeitshaus, ein zwei Stockwerk hohes, im Viereck aufgeführtes Gebäude am linken Innufer unterhalb der Innbrücke. Es wurde im Jahre 1T25 auf gemeinsame Kosten des Aerars und der Landschaft gegründet. II. Kirchen und Klöster,' Von den erstem hat Innsbruck herrliche Monumente der Baukunst aufzuweisen , die im Innern werthvolle Kunstschätze und be­ rühmte Denkmäler umschliessen. In dieser Beziehung steht oben an : 82 1. Hie liirclie zum liell* lireuz. (Hofkirclie, Franziskanerkirche.) Der Bau dieser Kirche begann in Folge letztwilliger Anordnung des römisch-deut­ schen Königs Ferdinand I. im Jahre 1553 durch den Baumeister Nikolaus Thuring aus Augsburg. Nachdem aber dieser im Jahre 1558 verstorben war, wurde er durch Marx della Bolla fortgesetzt. Nach 10 Jahren war der Bau vollendet, und Kirche und Altäre wurden am 14. Februar 1563 in Gegenwart des Stifters und seiner Familie vom Bischöfe zu Fünfkirchen, Georg von Draskoviz, ein­ geweiht. Die früher ganz kahle Fa^ade erhielt im Sommer 1847 eine angemessene Verzie­ rung im byzantinischen Style, um schon von aussen auf die Kunstschätze aufmerksam zu machen, die das Innere dieser Kirche um- schliesst. Durch eine auf zwei jonischen Säulen und zwei gegenüberstehenden Wand­ pfeilern von rothera Marmor ruhende Vor­ halle, und eine grosse, von verschiedenen Baugliedern umrahmte Pforte gelangt man in dieselbe. Diese Halle, welche erst nach Vollendung der Kirche angebaut wurde, ist das Werk des Hieronimus Longhi; die dar­ auf angebrachten Gemälde sind von Paul Honegger, und wurden später von Joseph Kirchebner erneuet. Das Innere der Kirche ist überraschend; durch die im Sommer 1847 mit Geschmack vollbrachte Erneuung gewann es ungemein an Heiterkeit und Freundlichkeit. — Ein leichtes Gewölbe ruht auf 10 kolossalen rö­ mischen Marmorsäulen, welche dem Schiff der Kirche entlang in doppelter Reihe auf­ gestellt sind. Der Sockel dieser Säulen ist durch ein fortlaufendes Piedestal von glei­ chem Marmor verbunden, auf welchem die berühmten ehernen Statuen in zwei ernsten Reihen das Grabmal des grossen Kaisers Maximilian I. umstehen. Die Kirche hat die grossartige, lang­ gestreckte Basilikenform mit einem Haupt- und zwei Nebenschiffen und einem Chor, den ein auf zwei breiten Pilastern ruhender Schwibbogen von dem Schiffe trennt. Merkwürdigheilen der Kirche. A. Altäre. Die Kirche hat dermal nur noch drei Altäre, nachdem unter Kaiser Joseph 11. 84 drei andere daraus entfernt worden sind. Der Hochaltar bestellt aus dem gefälligen und zierlichen Tabernakel und dem von ei­ nem mächtigen Rahmen umfangenen Altar­ blatt. Dieses stellt Christus am Kreuze vor, zu dessen Fusse seine heilige Mutter und der Liebesjünger Johannes stehen. Maria Magdalene umfängt im tiefsten Schmerz den Kreuzesstamm. Dieses Gemälde ist von J. C. Auerbach aus Wien. Diesen Altar liess die Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1758 an der Stelle des frühem hölzernen errich­ ten , wie die daran angebrachte Inschrift besagt. Zu beiden Seiten des Altars stehen auf hohen, in der Hauptform verkürzten Säu­ lenstühlen zwei aus feinem Zinn gegossene Standbilder, St. Franziskus und St. There­ sia, die Namens-Heiligen der Kaiserin Ma­ ria Theresia und ihres Gemahls vorstellend. Sie sind von dem geschickten Hofbildhauer Balthasar Moll aus Innsbruck, und werden von Kennern gelobt. Die beiden Seitenaltäre sind römische Säulenstellungen mit Attiken, von ganz glei­ cher Form und aus schönem Marmor gefer­ tigt. Jener zur rechten ist dem heil. Anto­ nius geweiht, welchen man in einem schö­ 85 nen, gemüthlichen Gemälde zugleich mit der seligsten Jungfrau als Fürbitter für die lei­ denden Seelen erblickt. Auch dieses Ge­ mälde ist von dem sehr geschätzten Maler Paul Honegger. In dem nahen Kloster bewahrt man noch ein ovales, sehr freundliches Bild von diesem Meister, den heil. Pasclialis Baylon, von gekleideten Engeln umgeben, darstel­ lend. Der Seitenaltar zur Linken ist der Him­ melfahrt der Mutter Gottes geweiht. Das dieses Ereigniss vorstellende Altarblatt ist von einem unbekannten Maler und von un­ tergeordnetem Kunstwerth. Dagegen spricht das auf einem kleinen Tabernakel ruhende Mariahilfbild um so freundlicher an. Es ist die allererste Copie des in der hiesigen Pfarrkirche verehrten Originals, und wurde schon im Jahre 1661 von einer frommen Dame in diese Kirche vermacht. Noch verdient die kleine Kapelle auf dem Bethchor der Franziskaner, links vom Hochaltar, wegen der darin enthaltenen sehr schönen Gemälde, die Aufmerksamkeit der Besucher ganz besonders in Anspruch zu nehmen. Es sind deren vier grössere und 66 fünf kleinere, wovon «lie erstem an den Wänden, letztere aber zwischen den, eine kleine Kuppel stützenden Gurtbogen sich befinden. Die grossem stellen Mariae Ver­ kündigung, ihren Besuch bei Elisabeth, die Geburt Christi und die Anbethung der Wei­ sen vor. An der Kuppel sieht man die Auf­ erstehung und die Himmelfahrt Christi, dann die Sendung des heil. Geistes, Mariae Him­ melfahrt und ihre Krönung im Himmel. Im Schlüsse des Gewölbes schwebt der himm­ lische Vater auf Wolken, von Engeln ge­ tragen. Alle diese Gemälde sind in Oel- farben auf Leinwand ausgeführt, und auf den Flächen aufgespannt. Unterhalb der vier grossem Bilder sind vier entsprechende Scenen aus dem alten Testament in Bronze­ farbe angebracht. Diese kleineBildergalle- rie ist das Werk eines einzigen Meisters, des sehr geschätzten Malers Martin Theo­ philus Polak. Er war ein Pole von Geburt, folgte dem von einer Partei zum König von Polen gewählten Erzherzog Maximilian als Hofmaler nach Tirol, wo er 30 Jahre lang lebte, und viele schöne Gemälde lieferte. Er starb am 25. Januar 1639 zu Brixen. Alle seine Gemälde, besonders aber diese 8T zeichnen siel» durch Sicherheit in der Zeich­ nung, durch das Geistreiche in der Kompo­ sition, eine edle Darstellung, und ein sehr liebliches, sanftes Colorit ganz vorzüglich aus. Franz Fischer hat sie vor wenigen Jahren glücklich erneuet. B. Denkmäler. 1. Maximilians Grabmal. Das Grabmal bildet ein länglichtes Vier­ eck von 6 Schuh und 2 Zoll Höhe, 16 Schuh Länge und 7 Schuh 3 Zoll Breite. Der Auf­ satz besteht aus drei Abstufungen von viel­ fältigem Marmor. Zu oberst in der Mitte kniet Maximilian in kaiserlichem Schmucke auf einem Kissen in bethender Stellung. An den vier Ecken der mittlern Stufe des Auf­ satzes sitzen die Genien der vier Haupttu­ genden: die Gerechtigkeit, die Klugheit, die Stärke und die Mässigkeit. Die Statue des Kaisers wurde von Ludwig del Duca, einem Sicilianer, die vier allegorischen Figuren wurden von Johann Lendenstrauch gegos­ sen. Die vier Hauptflächen des Monumentes sind durch sechzehn deutsche Pfeiler von schwarzem Marmor abgetheilt, und werden 88 durch einen um die Mitte laufenden Quer­ balken von gleichem Marmor in 24 Felder abgesondert, in welche die Relief-Tafeln eingefügt sind. Jede derselben misst etwa 2 Schuh in der Breite und l‘/2 Schuh in der Höhe. Diese Tafeln sind von dem feinsten karrarischen Marmor und enthalten en haut- relief gearbeitet, Darstellungen der merk­ würdigsten Momente aus dem Leben des Kaisers. Der Inhalt dieser Darstellungen ist nach der laufenden Zahl der Tafeln folgender: 1^ Vermählung Maximilians mit Maria, Tochter des Herzogs Carl des Küh­ nen von Burgund, zu Gent am 20. Au­ gust 1477. 2) Schlacht bei Guinegate, 7. August 1479, wo Maximilian an der Spitze der Burgunder durch Eroberung des feindlichen Geschützes das Treffen entscheidet. 3) Einnahme von Arras, 4. November 1492. 4) Maximilians Krönung als römischer König zu Aachen, 4. April I486. 5) Schlacht am Callian wider die Vene­ zianer, 10. August 1187. 69 CO Maximilians Einzug in Wien, nach­ dem es die Ungarn nach ihres Königs, Mathias Corvins, Tode geräumt hat­ ten, im August 1490. 73 Eroberung von Stuhlweissenburg, am 18. September 1490. 83 Zurückkunft der Prinzessin Marga- reth vom französischen Hofe zu ih­ rem Vater, dem König Maximilian, 1493. Dem Könige werden von Ei­ nem aus dem Gefolge seiner Tochter zwei Schlüssel überreicht, wodurch die Zurückgabe der Grafschaften Bur­ gund und Artois angedeutet wird. 93 Vertreibung der Türken aus Kroatien 1493. 103 Biindniss des römischen Königs Ma­ ximilian mit dem Papste Alexander VI., der Republik Venedig und dem Her­ zoge von Mailand wider Carl VIII., König von Frankreich, am 31. März 1495. 11) Belehnung des Ludwig Sforza mit dem Herzogthume Mailand zu AVocrns, am 5. April 1495. 123 Vermählung Philipps des Schönen, 90 Maximilians Sohn, mit Johanna von Arragonien zu Brüssel, 1406. 133 Niederlage der Böhmen hei Regens­ burg in dem pfalzbaierischen Erbfol­ gekrieg, am 12. September 1504. 143 Belagerung von Kufstein in demsel­ ben Erbfolgekriege im September 1504. 153 Unterwerfung des Herzogs Carl von Geldern 1505. 163 Des Kaisers Bündniss mit dem Pap­ ste und dem König von Spanien und Frankreich wider die Venezianer zu Cambray, am 10. Dezember 1508. 173 Besetzung des grössten Theiles des venetianischen Staatsgebiethes durch die kaiserliche Armee 1509. 183 Wiedereinsetzung des Herzogs Ma- ■ ximilian Sforza in das von den Fran­ zosen geräumte Herzogthura Mailand 1512. 19) Zweite Schlacht bei Cuinegate, am 17. August 1513. 203 Vereinigung der kaiserlichen und eng­ lischen Armee vor Terouenne nach der Schlacht hei Guinegate, 1513. 213 Schlacht bei Vicenza wider die Ve­ nezianer, am 7. Oktober 1513. 91 22') Ausfall der kaiserlichen Besatzung von IVlarano in das venezianische La­ ger im April 1514. 23} Verabredung derWechselheirath zwi­ schen des Kaisers Enkel, Ferdinand und König Wladislavs Tochter Anna 5 dann zwischen des erstem Enkelin Maria und des letztem Sohne Lud­ wig, zu Wien am 22. Juli 1515. 24) Widerstand der kaiserlichen Besatzung in Verona wider die französisch-ve­ nezianische Belagerungs-Armee, im September 1516. Die 20 ersten Reliefs sind das unsterb­ liche Werk des Alexander Colin von Me- cheln aus Brabant, und nach dem Ausspru­ che des kompetentesten Richters Allerl Thor- waldsen, „unerreichte Meisterstücke ihrerArt;“ die vier letztem sind von den Brüdern Ber- nard und Arnold Abel von Köln; indessen gehen nach dem Urtheile aller Kenner die Leistungen Colin’s denen der Gebrüder Abel hinsichtlich des Kunstwerthes weit vor. Man rühmt an den Colin’schen Arbeiten insbesondere die geschichtliche und örtliche Treue seiner Darstellungen; die Consequenz in der Person seines Helden Maximilian, in 92 dessen Portraite sogar die Abstufungen des Alters nicht zu verkennen sind; die 3Ian- nigfaltigkeit der Waffengattungen so vieler Völker und Stände, die Architektur in den .Kirchen und Palästen, und so vieles Ande­ re, welches wir jedem Beschauer selbst zu fühlen und zu bewundern überlassen müssen. Als Gründer dieses herrlichen Denkma­ les nennt die Geschichte Kaiser Ferdinand I. der im Jahre 1561 zur Ausführung dieses Werkes die Gebrüder Abel aus Augsburg verschrieb; es wurde aber erst nach Ferdi­ nande Tode durch Colin im Jahre 1566 vollendet. Die Gebeine des grossen Kaisers Maximilian , für welche dieses prachtvolle Grabmal bestimmt war , ruhen jedoch nicht in der Hofkirche zu Innsbruck, sondern in der Kapelle der erzherzoglichen Burg in Wienerisch- Neustadt. 2. Die grossem Statuen von Bronze. Diese Statuen stehen in zwei Reihen dem Schiffe der Kirche entlang, zwischen den kolossalen Marmorsäulen eingereiht. Jeder Reihe von 12 Figuren entsprechen noch zwei andere Statuen , die vorne am Gitter so aufgestellt sind, dass sie mit ihrer 93 Ileihc einen rechten Winkel bilden. Die Zahl der Statuen beläuft sich also im Gan­ zen auf 28. Diese Statuen, welche in kolossalen Formen berühmte Männer oder Frauen aus dem Hause Oesterreich, oder Helden der Vorzeit darstellen, wurden auf Anordnung des Kaisers Maximilian im landesfürstlichen Gusshause zu Miihlau bei Innsbruck gegos­ sen. Die Figuren wurden zuerst in Holz geschnitten und sodann bossirt. Die Arbeit begann schon ira Jahre 1510, und dauerte mit Unterbrechung bis zum Jahre 1561 fort. Als die vorzüglichsten dabei beschäftigten Giesskünstler nennen uns die diessfälligen Verhandlungsakten den Gregor LötTler nebst seinen 2 Söhnen, dann den Stephan, Mel­ chior und Bernard Godl und Hans Lenden­ strauch, wie Baron Sperges versichert. Rechts vom Eingänge in die Kirche an­ gefangen, erscheinen die Statuen in folgen­ der Ordnung : 1) Chlodwig I., König von Frankreich, geboren 466, gestorben 511. 2^ Philipp 1. (der Schöne), König von Spanien; geboren 14T8, gestorben 1506. Dl 3) Rudolph J. von Habsburg; geboren 1218, gestorben 1291. 4) Albrecht II. £der Weiset Herzog von Oesterreich; geboren 1298, gestorben 1358. 5} Theodorich, König der Ostgothen; geboren 455, gestorben 526. 6) Ernest der Eiserne, Herzog von Oe­ sterreich; geboren 1377, gestorben 1424. 7) Theobert, Herzog von Burgund: ge­ storben um das Jahr 640. 8) Arthur, König der Siluren in Britan­ nien, Stifter des Ritterordens von der Tafelrunde: gestorben um das Jahr 542. 9) Sigmund der Münzreiche, Erzherzog von Oesterreich, Graf von Tirol; ge­ boren 1427, gestorben 1496. 10) Bianca Maria Sforza, Herzogin von Mailand, Maximilian I. zweite Ge­ mahlin; gestorben 1510. 11) Margaretha, Maximilians I. einzige Tochter, Erzherzogin von Oesterreich; gestorben 1530. 12) Cyraburgis von Massovieu, Herzogs 95 Ernest des Eisernen Gemahlin, Cross- inutterMaximilians; gestorben 1429. 13) Carl der Kühne, Herzog von Burgund; geh. 1433, gest. 1477. 14) Philipp der Gute, Herzog von Bur­ gund, Stifter des Ordens vom golde­ nen Vliesse; geh. 1396, gest. 1467. 15) Johanna von Arragonien, Gemahlin Philipp I. Königs von Spanien , die reiche Erbin von Castilien, Arragon und Indien, gest. 1555. 16) Ferdinand V. ([der Katholische), Kö­ nig von Arragonien und Kastilien $ geh. 1453, gest. 1516. 17) Kunigunde, Gemahlin Albrecht IV., Herzogs von Baiern, Schwester Ma­ ximilians; gestorben 1520. 18) Eleonora, Gemahlin Kaisers Friedrich der IV., Tochter des Königs Eduard von Portugal, Maximilians 31utter, ge­ storben 146T. 19) Maria, Herzogin von Burgund und erste Gemahlin Maximilian 1., gebo­ ren 1457, gestorben 1482. 20) Elisabeth, Kaisers Albrecht II. Ge­ mahlin, Mutter der jagcllonischen An- 96 — na, der Erbin von Ungarn und Böh­ men; geboren 1396, gest. 1442. 21) Gottfried von Bouillon, König von Jerusalem, gestorben 1100. 22) König Albrecht I., Herzog von Oe­ sterreich; geb. 1248, gest. 1308. 23) Friedrich IV. finit der leeren Tasche) Herzog von Oesterreich, Graf zu Ti­ rol; gestorben 1439. 24) Leopold 111. (der Fromme), Herzog zu Oesterreich; geboren 1351, er­ schlagen in der Schlacht bei Sempach 1386. 25) Rudolph IV. (derSanftinüthige), Graf von Habsburg; geboren 1196, gestor­ ben 1232. 26) Leopold IV. (der Heilige), Markgraf von Oesterreich; geboren 1073, ge­ storben 1136. 27) Friedrich IV., römischer Kaiser, Va­ ter Maximilians: geboren 1415, ge­ storben 1493. 28) Albrecht II., römischer Kaiser; geb. 1397, gest. 1439. 3. Grabmal des Johannes Kasus. Es befindet sich neben dem Seitenaltar zur Linken, und besteht aus einem Grab­ stein, auf welchem Joh. Nas im bischöfli­ chen Ornate, bereits verstorben, dargestellt ist. Dieser Mann war einfacher Laienbru­ der im Franziskaner-Orden, verwendete aber die freien Stunden und die Nächte mit einem solchen Eifer zum Studieren, dass er in der Folge Priester, Weihbischof von Bri- xen, llath und Hofprediger des Erzherzogs Ferdinand wurde. Um sein Andenken zu ehren, liess ihm Ferdinand diesen, durch Alex. Colin verfertigten Denkstein setzen. Joh. Nas starb zu Innsbruck am 16. Mai 1590, und wurde anfänglich in dem Kreuz­ gange des nunmehrigen Theres. Akademie- Gebäudes beigesetzt. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1785 brachte man seine Gebeine sammt dem Grabstein in die Jesuitenkirche, von wo dieser wie jene am 14. Juni 1843 hielier zurückversetzt worden sind. 4. Die Grabstulle der Katharina von Loxau. Diese Grabstätte findet sich rechts vom Eingänge in die Kirche in einem Gewölbe unter der Marmortreppe, welche in die sil­ berne Kapelle führt. Katharina von Loxan, 98 geborne Adler, Freiin von Zinnenberg, war eine Tante der PhiJippine Welser, ihre ver­ trauteste Freundin, und später ihre Oberst- hofmeisterin. Sie galt für eine der schön­ sten Frauen ihrer Zeit. Nur 11 Tage vor Philippine, und als diese bereits tödlich er­ krankt war, starb Katharina von Loxan am 13. April 1580. Auch das Grabmal dieser edlen Frau hat Colins Meisterhand verfer­ tigt 5 es ist jenem der Philippine Welser sehr ähnlich. Katharina liegt im Sterbekleide in Lebensgrösse auf dem Deckel des Sar~ kophags. Die Grabschrift lautet: J.m 1580. Jar den 13. Aprill ist. gestorben die Edl. tugentsamb. Fraw. Katharina von Loxan. Witteb. geborne Adlerin. deren Seel Got genedig sein vnd ain fröhlich Auferstehung, verlechten. well. Amen. 5. Andreas Hofer’s Grabstätte. Im Jänner 1823 erhob das 4. Bataillon Kaiserjäger bei seinem Durchmärsche durch Mantua die Ueberreste des Commandanten von Tirol, und brachte sie auf vaterländi­ schen Boden. Es war der Wille des Kaisers Franz, dass die Gebeine des Sandwirthes, Andreas 99 Hofer, in der Hofkirche zu Innsbruck an der Seite der Ahnen des österreichischen Hauses, für welches er sein treues Blut vergossen hatte, ihre Ruhestätte finden sollten. Am 21. Februar desselben Jahres wur­ den diese Gebeine nach einem feierlichen Leichenzuge in der Hofkirche, und zwar in einer Nische, links vom Eingänge, beige­ setzt. Das schöne, auf kaiserliche Kosten, aus Glanzmarmor von Schlanders verfertigte Denkmal ist ein Kunstwerk des Professors Johann Schalter in Wien ( gestorben am 1. Februar 1842}. Der Held, 7 Schuh hoch, steht an einer Felsenwand, an deren linken Seite ein Adler, Tirols Wappen, eingegra­ ben ist. Eichengestripp und Epheu umran­ ken als Sinnbild der Kraft und der Treue das Gestein. Das Haupt des Helden ist ent- blösst, ein üppiger Bart fliesst ihm vom Kinne auf die Brust; über die Schulter hat er die Kugel buchse geworfen. Seine Klei­ dung mit dem breiten Gürtel um die Mitte verräth den schlichten Landmann, der die Fahne muthig für Gott, Kaiser und Vater­ land erhebt. Diese Worte sind in gothischer 5# 100 und lateinischer Schrift auf dein Saume der Fahne geschrieben. Sein Blick ist ver- trauungsvoll gegen Himmel gerichtet; nicht stolzer Uebermuth des Siegers, sondern männliche Selbstaufopferung für ein hohes Ideal spricht sich in den Zügen dieses christ­ lichen Helden aus. Zur Hechten liegt auf dem Felsen Hofers Hut mit der Feder des Birkhahnes geschmückt. Zu dem, von dem Steinmetze Math. Ott aus Füssen aus grau- melirtem Marmor verfertigten Piedestal hat Hr. Direktor Joseph Klieber ein Basrelief aus karrarischem Marmor gemeiselt. Sechs Tiroler, als Vertreter der 6 Kreise, schwö­ ren auf die von Hofer vorgehaltene Fahne mit ihm Treue und Ergebenheit dem ange­ stammten österreichischen Regenten-Hause. Rechts von den Schwörenden ist ein Greis auf dem Felsen niedergesunken. Er hebt die Hände bethend zum Himmel, weil diese die Kugelbüchse nicht mehr zu tragen ver­ mögen. An seiner Seite klettern jubelnde Knaben den Felsen hinauf. Links steht eine Familie, die Blicke freudig auf den Ober-Commandanten Tirols gerichtet. Im Hintergründe erscheinen die Standschützen, 101 und hinter ihnen Volk mit Sensen und Spies- sen bewaffnet. Oberhalb des Basreliefs ist der Name „Andreas Hofer“ mitUncial-Buchstaben und die Jahreszahl MDCCCIX angebracht. Das 31onument wurde am 5. Mai 1834 feierlich eingeweiht. 6. Denkmal für die gefallenen Landesvertheidiger. In der gegenüberstehenden Nische Hes­ sen die Stände Tirols im Jahre 1843 für die übrigen, in den Befreiungskämpfen von 1796 bis 1809 gefallenen Landesvertheidiger ein Denkmal errichten, wozu Se. Majestät Kaiser Ferdinand I. in Gegenwart des gan­ zen Hofes schon am 16. August 1838 feier­ lich den Grundstein gelegt hat. Auf drei Stufen von weissem Marmor ruht ein altar­ förmiger, von Anten nach römischer Ord­ nung begränzter Untersatz von gleichem Marmor, in dessen Füllung in vergoldeten Uncial-Buchstaben folgende Inschrift ange­ bracht ist: „Seinen in den Befreiungskämpfen gefallenen Söhnen das dankbare Vaterland. MDCCCXXXVIH.“ 102. Der Untersatz trägt einen mächtigen Sar­ kophag; an seiner Vorderseite kreuzen sich Kugelbüchse und Schwert in zwei ver­ schlungenen Lorbeerkränzen. Auf dem Sar­ kophag sitzt der Todesengel mit demMohn- kranze um das Haupt, und mit beiden Hän­ den eine Tafel haltend, in welcher die be­ zeichnenden Worte: „ Absorpta Mors in victoria“ (_1. Cor. 15, 54. Verschlungen ist der Tod im Siege), eingegraben sind. Zu beiden Seiten des Sarkophags stehen auf Würfeln zwei Genien; rechts jener von Oesterreich, links der von Tirol, jeder an dem von ihm gehaltenen Wappenschilde er­ kennbar — dieser im zufriedenen Selbstge­ fühle den Blick in die Höhe hebend; jener ihn theilnehmend auf den Sarg senkend. Ueber den Anten streben zwei mit Vasen, Früchtenkörben, Trauben und Aehren ge­ schmückte deutsche Wandpfeiler empor, über welchen sich ein mit beflügelten Engelköpfen gezierter Bogen schwingt. Das Ganze krönt ein Akroterion im griechischen Styl. Pfei­ ler und Bogen umrahmen ein Basrelief-Ta­ bleau, das eine rührende Scene aus derLei- densgeschichte unsers Erlösers vorstellt. Die Mutter Jesu sitzt am Fasse des Kreuzes. 103 Im tiefsten Schmerz empfängt sie aus den Händen Josephs von Arimathea und des Jüngers Nikodemus den Leichnam ihres gött­ lichen Sohnes auf ihren Schooss, um ihn mit den letzten Thränen ihrer Mutterliebe zu benetzen. Ihr zur Rechten steht — von der betrübten Scene tief ergriffen, aber männlich gefasst — der Liebesjiinger Jo­ hannes. Zur Linken ist Maria Magdalene, vom Schmerz überwältigt, auf die Knie nie­ dergesunken, im stummen Mitleid die vom Haupte des Entseelten abgenommene Dor­ nenkrone krampfhaft im Schoosse haltend. Das ganze Denkmal ist in der Conception und Ausführung edel — der lebendige Aus­ druck einer erhabenen, tief empfundenen Idee, die einem reichen Gemüthsleben ent­ sprungen ist. Die Ausführung lässt nichts, oder nur wenig zu wünschen übrig; nur Schade, dass der Künstler in der Wahl des Marmors nicht ganz glücklich war; denn leider bringen mehrere blaue und braune Flecken eine störende Wirkung hervor. — Mehrere tüchtige Künstler wirkten bei Ver­ fertigung dieses Werkes zusammen. Die im karrarischen Marmor ausgeführten pla­ stischen Arbeiten sind von dem ständischen 101 Stipendisten Anlo?t Kries wair aus Telfs in Tirol, der leider vor der Vollendung des Werkes in Rom gestorben ist. Die Haupt­ sache ist von ihm, nur der Genius von Oesterreich ist von Emtnunuel Max aus Böh­ men. Sämmtliche Ornamente hat der hiesi­ ge Bildhauer Joseph Streicher gefertigt ; Stufen und Untersatz endlich sind von Math. Ott aus Füssen. — Die Enthüllung und Ein­ weihung dieses Denkmals fand in Gegen­ wart des Erzherzogs Johann am 7. j%pril 1843 mit bedeutsamen Feierlichkeiten statt. C. Die silberne Kapelle. Rechts vom Eintritte in die Kirche führt eine weisse Marmortreppe über 25 Stufen in die sogenannte silberne Kapelle, welche von Erzherzog Ferdinand nach 1570 erbaut, und für sich und seine Gemahlin zur Be- gräbnisshalle bestimmt wurde. Die Ein- Aveihung erhielt sie aber erst am 13. De­ zember 1578 durch den Bischof von Brixen, Johann Thomas Freiherrn von Spaur. *) Bar. v. Coschi: Beschreibung von Innsbruck. V. Abschn, 105 Die Merkwürdigkeiten dieser Kapelle müs­ sen abgesondert behandelt werden. a) Der Altar ist aus Ebenholz verfertigt, und mit massi­ ven Platten getriebenen Silbers besetzt, welche Darstellungen aus der lauretanischen Litanei enthalten. Vom reichen Silber- schmucke dieses Altares erhielt die ganze Kapelle ihren Namen. Erwähnung verdient hier auch die Or­ gel aus Cedernholz, welche Papst Julius II. dem Erzherzoge Ferdinand zum Geschenke machte. b) Das Grabmal Ferdinande Das Schiff der Kapelle ist durch ein von unten bis an das Gewölbe reichendes Eisengitter beinahe in zwei Hälften abge- theilt. In der vordem, d. i. in der Nähe des Altares liegenden Hälfte befindet sich rechts vom Altäre das Grabmal des Erz­ herzogs Ferdinand II. Eine Nische von mehr als Vt Schuh Höhe, 9 Schuh Breite und 3 Schuh Tiefe ist in die Kirchenmauer ein­ gewölbt und mit schwarzem Marmor iiber- kleidet. Auf einem niedern Trauergerüste 106 von gelbem Marmor ruht das Leirhenbild des Erzherzogs im fürstlichen Ornate, die Hände zum Himmel gefaltet. Rings um das Rild erscheinen die Wappen der damaligen deutschen, österreichischen und spanischen Länder in Mosaik: mitten in der Nische prangt das grosse Wappen des Erzherzogs, ebenfalls in Mosaik gearbeitet. Die zu bei­ den Seiten mit vergoldeten Buchstaben auf die schwarze Marmorfläche gegrabene In­ schrift berührt mit kurzen Worten dieWaf- fenlhaten des Erzherzogs. Unmittelbar über dem Trauergerüste, auf welchem dasBild des Erzherzogs ruht, erscheinen vier grosse Ta­ feln von weissem Marmor, welche in halb erhabener Arbeit folgende Handlungen dar­ stellen : 13 Gefangennehmung Johann Friedrichs von Sachsen durch Carl Y. nach der Schlacht bei Mühlberg, wo Erzherzog Ferdinand mitfocht. 23 Ferdinand I. stellt seinen zweitge- bornen Sohn, Erzherzog Ferdinand, zum Verwalter des Königreichs Böh­ men auf. 33 Belagerung von Szigeth. 43 Ferdinand führt seinem Bruder Kai- 107 ser Maximilian II. gegen die Heere Solimans vor Gran ein auserlesenes Corps Cavallerie zu. Ueber diesen Basreliefs stehen auf ei­ nem Gesimse Christus am Kreuze, und meh­ rere Schutzheilige aus weissem Marmor ge­ fertigt. An der linken Seite dieses Grabmales kniet, gegen den Altar gewendet, der Erz­ herzog auf einem eisernen Träger. Die Figur ist mit der echten Rüstung des Erzherzogs angethan, und ihre Hände sind fromm zum Gebethe gefaltet. c) Philippinen^ Gral). Die lieblichste Erscheinung in der Ge­ schichte Tirols ist VMlippine Welser. Sie war die jüngere Tochter desPatriciers Franz Welser von Augsburg, und der Anna Ad­ ler, Freiin von Zinnenberg, und wurde wahrscheinlich zu Ende des Jahres 1530 zu Augsburg geboren. Still erzogen im Hause ihres Vaters, hatte Philippine eben die volle Bliithe jugendlicher Reitze erlangt, als der feuerige NetTe Kaisers Carl V. sie auf dem Reichstage zu Augsburg 1547 das erstemal erblickte, und in demselben Augenblicke 108 auch mit der ganzen Gluth eines 19jährigen Jünglings liebte. Denn durch ihren Lieb- reitz, ihren gebildeten Geist, ihre hohe An- mutli und ihre Milde bezauberte sie alle ihre Zeitgenossen. Sie hatte eine hohe ju­ nonische Gestalt mit grossen, herrlichen blauen Augen, üppigem blondem Haar, und eine so blendende Weisse, dass man nach einer unter dem Volke noch fortlebenden Sage den rothen Tiroler-Wein durch ihren weissen Hals rinnen sah. Zu Ende des Jahres 1548 wurde Fer­ dinand mit Philippine ohne Vorwissen des Vaters und des Oheims verbunden. Die Entrüstung des Vaters ob dieserMissheirath schien unversöhnlich; die Bitten des Sohnes, sein häusliches Glück, die Schönheit und Herz ensgiite Philippinens entwaffneten end­ lich nach mehr als 12 Jahren den erzürnten Ferdinand, welcher sich im September 1561 versöhnen liess, und am 13. desselben Mo­ nats über die Anerkennung der Ehe eine Urkunde ausstellte; die Kinder dieser Ehe wurden zwar legitim, bekamen aber nicht die Würde von Erzherzogen von Oester­ reich, sondern wurden nur Markgrafen von Burgau. Nach einer glücklichen Ehe von 100 30 Jahren starb Philippine zu Innsbruck am 24. April 1580. Der Erzherzog ehrte das Andenken sei- ner so heiss geliebten Gattin durch eine Münze mit ihrem Bildnisse und der Um­ schrift: Divae Philippinae; noch mehr aber durch Errichtung eines Grabmales in der Hofkirehe mit folgender Inschrift: „Ferdi- nandus Dei gratia Archidux Austriae, Dux Burgundiae, Comes Tirolis, Philippinae Con- jugi charissiraae fieri curavit. Obiit XXIV. raensis Aprilis anno salutis 3IDLXXX. Dieses Grabmal steht in der hintern Hälfte der silbernen Kapelle hart am Auf­ gange von der Treppe linker Hand. Es be­ steht in einem Sarkophage aus weissein Marmor, auf welchem Philippine in einem einfachen Sterbekleide ausgestreckt liegt. Der Sarkophag ist in drei Felder abge- theilt; das mittlere enthält die Inschrift, die beiden Seitenfelder stellen en bas-relief die AVerke der Barmherzigkeit dar, eine An­ spielung auf den milden Sinn der Markgrä­ fin, welche der Stadt, bei den damals herr­ schenden Seuchen und wiederholten furcht­ baren Erderschütterungen, ein tröstender und helfender Engel ward, und daher mit 110 Recht den schönen Namen einer Mutter der Armen, der Gefangenen und aller Betrübten erhielt. Das Grabmal Ferdinands und Philippi- nens sind gleichfalls Werke Alex. Colins. Philippinens ältere Schwester, liositia Welser, war mit dein Freiherrn v. Kollowrat verheirathet. Ihr Sohn Johann, Ferdinands Kämmerer, vermählte sich am 14. Februar 1580 mit Katharina von Boimont und Payrs­ berg, einer Hofdame Philippinens. #") tl) Die kleinen Standbilder von Bronze. Zwischen Philippinens und Ferdinands Grabe stehen diese, von den Brüdern Elias und Hans Christoph Löffler kunstreich aus Erz gegossenen, beinahe 2 Schuh hohen Statuen in einer Nische in doppelter Reihe über einander gestellt. Sie stellen Heilige von königlichem, herzoglichem oder gräflichem Gebliite vor, *3 Zoller I, 262. **) Sie Maren früher auf dem untern Gesimse der Parapetmauer des Musikchores angebracht, der unterhalb dps Hochaltars die Kirche quer durchschneidet. 111 und stehen mit dem Hause Habsburg in näherer oder fernerer Familien-Verbindung. Ihre Namen sind folgende: 1) Die heilige Adelgund, Tochter Wal- berts, Grafen von Hennegau 5 2]) der heil. Albert, Graf zu Brabant; die heil. Doda , Gemahlin des heil. Arnulf, Herzogs an der Mosel. 43 die heil. Ermelinde, Witgers, Grafen zu Brabant, Tochter; 53 der heil. Guido, Herzog von Lotha­ ringen; 63 der heil. Simpert, Bischof von Augs­ burg, Carl des Grossen Neffe: 73 der heil. Jodok , Sohn des Königs von Britannien; 83 der heil. Lunderich, Bischof zu Metz; 93 Chlodwig, König der Franken; 103 die heil. Oda, Gemahlin Burigis, Her­ zogs an der Mosel; 10 die heil. Pharaild, Tochter des Gra­ fen Witzer zu Brabant; 123 Richard, König von England; 133 der heil. Reinbert, Sohn Witzers von Brabant; 143 Roland, Carl des Grossen Schwester- Sohn; 112 15) der heil. Stephan, König von Un­ garn; 16) der heil. Märtyrer Venantius, Sohn Herzogs Theodorich von Lotharingen; 17) die heil. Waltrud, Tochter Walberts von Hennegau; 18) der heil. Arnulf, Gemahl der heiligen Doda; 19) der heil. Clilodulf, Sohn des Vorigen, Bischof zu Metz; 20) die heil. Jungfrau Gudula, Schwester Alberts von Brabant; 21) der heil. Pipin Teuto, Herzog von Brabant; 22) der heil. Trudo, Sohn der heil. Ade­ le, Priester; endlich 23) der heil. Yincenz, Mönch. Von allen Kirchen Innsbrucks wird die Franziskaner - Kirche, die zugleich Garni­ sonskirche ist, vom Publicum am stäiksten besucht. Seit 14. September 1832 versehen die von Kaiser Franz I. wieder eingeführ­ ten Franziskaner mit Würde und Eifer, aber geräuschlos, den Gottesdienst in derselben. Sie bewohnen ein nahe an der Kirche ste­ hendes kleines Haus. Die wenigen hier be­ findlichen Ordensbrüder bilden keinen Con­ 113 vent, sondern nur ein sogenanntes Hospi- tium. 2. Hie Pfarrkirche zum heil. Jakob« Der Bau dieser Kirche wurde 1717 be­ gonnen und 1724 vollendet. Den Grundstein legte der Churfürst Carl Philipp von der Pfalz 5 die Eimveihung wurde vom Fürst­ bischöfe zu Brixen, Kaspar Ignaz, Grafen von Künigl vollzogen. Die Kirche ist im italienischen Style gebaut; die Baukosten wurden durch einen Aufschlag auf Rauch­ tabak und auf den Transito-Zoll der Waa- ren, dann durch Privatbeiträge bestritten. Der Kirchenbau wurde von Claudius Dele- vo, dem Jüngern, unter der Ober-Direktion des Ludwig Grafen v. Sarnthein geführt. Die Fa^ade der Kirche ist aus Quader­ steinen im dorischen Style erbaut, und mit vielen marmornen Nischen geziert, wozu jedoch noch heutigen Tages die Standbilder fehlen. Zwei aus Quadersteinen aufgeführte Thürme, an welchen erst im Jänner 1840 Uhren angebracht wurden, und eine maje­ stätische Kuppel erhöhen das äussere An­ sehen dieser Kirche. 114 Heber einer Estrade von zwei Stufen führen drei Pforten in das Innere dieser prächtigen Kirche, die, wenn sie in ihrem Festaufputze prangt, einen überraschenden Eindruck hervorbringt. Von innen ruht sie auf vielen Pilastern von rothem Marmor nach römischer Ordnung, deren Aveit ausladendes Gebälke mit schöner Verkröpfung ihr zur besondern Zierde gereicht. Das Pilaster ist mit Marmorplatten belegt. Die Freskoma­ lerei , nämlich die drei Plafonds im Schiffe der Kirche und in der Kuppel sind von Cosmas Damian Asam, churfürstlich-baieri- schem Hofmaler zu München. Das Gemälde in der Kuppel stellt eine Niederlage der Saracenen vor. An der Spitze des spani­ schen Heeres erscheint der heilige Jakob zu Pferde in kriegerischer Rüstung, die Fahne des Kreuzes in hoch erhobener Hand. Ein furchtbares Ungewitter tobt gegen die Fein­ de, Avährend über dem christlichen Heere am azurblauen Firmamente Genien des Frie­ dens LorbeerzAveige selrwingen. Zu oberst im Gewölbe der Laterne schAveben Engel, welche auf die Ungläubigen Blitze schleu­ dern. 115 Die drei Plafonds im Schiffe der Kirche stellen ebenfalls Handlungen aus der Le­ gende des heiligen Jakob vor. Obgleich auf llachem Grunde gemalt, wusste sie der Künst­ ler dennoch so darzustellen, als ob die Kir­ che gewölbt wäre. Die Stukatur-Arbeit, womit die über den Pilastern emporspringenden Archivolte, die Umrahmungen der Plafonds und der Fen­ ster reich verziert sind, ist von einem Bru­ der des Malers, Aegid Asam. Die Embleme in den Zwickeln zwischen den Plafonds beziehen sich gleichfalls auf den Patron der Kirche, und sind mit ihren Motto’s von Ant. Roschmann angegeben. Das neue Fresko-Gemälde in der Lü­ nette über dem Hochaltäre, die Verklärung Christi nach Raphael vorstehend, ist von Jos. Arnold, welcher auch die 14 Passions­ bilder (^Stationen^) gemalt hat. Die Kirche zählt 9 Altäre, durchaus von Marmor. Darunter zeichnet sich besonders der Hochaltar aus, der von ausgesuchten italienischen Marmorarten zusammengesetzt ist, und dessen Aufsatz auf 4, aus ganzen Stücken gehauenen Säulen von sehr schö­ nem üphrite ruhet. Die eben nicht schöne 110 Architektur und die Statuen dieses Altares, so wie auch die Altäre Maria-Himmelfahrt und St. Anna sind von Christoph Benedetti aus Süd-Tirol. Das Hochaltarblatt stellt die Patronen der Stadt: die heiligen Jakob und Alexius, dar, welche ihre Bitten zum Ma­ riahilf-Bilde empor senden, welches in ei­ ner länglicht viereckigen Oeffnung des Al­ tarblattes so eingefügt ist, dass es von schwebenden Engeln getragen zu werden scheint. Das Altarblatt ist von Joseph Schöpf, das eingefügte sehr schöne und liebliche Mariahilf-Bild dagegen von Lukas Cfanach dem Jüngern. Das letztere ist ein Geschenk des Erzherzogs Ferdinand Carl. Sein Va­ ter Erzherzog Leopold V. wählte es aus der Gemäldesammlung des Churftirsten Jo­ hann Georg von Sachsen, und hielt es so sehr in Ehren, dass er es auf allen seinen Reisen mit sich führte. Unter den vielen kostbaren Opfern, wel­ che bei diesem Muttergottes-Bilde gespen­ det wurden, zeichnet sich der sogenannte silberne Altar, ein Geschenk des Churfürsten Carl Philipp, der ihn aus seinem silbernen Tafelservice durch einen seiner Kammerdie­ ner verfertigen liess, besonders aus. lir Dieser Altar besteht in einem, die ganze Breite und Höhe des Altarblattes einneh­ menden silbernen, zum Theile vergoldeten Rahmen, welcher mit vielen silbernen Figu­ ren und Zierathen von schöner getriebener Arbeit besetzt ist; sodann in einer noch grossem, eben so verzierten Tabernakel- Einfassung und einem ähnlichen, mit herrli­ chen Arabesken geschmückten Antependium, wozu auf Weihnachten 1842 noch zwei ähn­ liche Stücke kamen, so dass jetzt der un­ tere Theil des Altars nach der ganzen Breite des Chors mit diesem kostbaren Schmucke geziert ist. Die Figuren des silbernen Al­ tarblattes stellen die Geheimnisse der laure- tanischen Litanei dar. Die sehenswürdigen Blätter der übrigen Altäre sind : die heilige Anna und Philip­ pus Nerius von Aegid Schor, Maria-Him­ melfahrt, der heil. Sebastian, Johann von Nepomuk und das Blatt des Kreuzaltars von Johann Grasmair. Das Blatt des heil. Se­ bastian wird für eines seiner besten Werke gehalten. Obgleich die Pfarrkirche nie eine Grab­ stätte der Landesfürsten war, so wollte doch Erzherzog Maximilian, der Deutschmeister, 118 in den Hallen dieser Kirche seine Ruhe­ stätte finden. Das Grabmal, das sich der Fürst schon 10 Jahre vor seinem Tode ma­ chen liess, besteht aus schön gewundenen Sänlen aus Bronze, von belaubten Reben umschlungen, welche ein Gesims von schwar­ zem und weissein Marmor tragen. Auf der Decke steht der heilige Georg in Lebens­ grösse. Zu seinen Füssen windet sich der erlegte Drache. Der Patron der Ritterschaft hält in der einen Hand den Ritterspeer, die andere streckt er schützend über Maximilian aus, der in bethender Stellung auf einem Kissen kniet. An den Ecken der Gesimse sitzen trauernde Genien, Feuerleuchter hal­ tend. Ueber dem Grabmale hängen zwei Wappenfahnen mit den Insignien des Hau­ ses Oesterreich und des deutschen Ordens geschmückt. An der Wand bezeichnet eine Inschrift auf schwarzer Marmortafel die Ti­ tel und den Todestag (2. November 16183 des Deutschmeisters. Er ruht in einem zin­ nernen Sarge vor dem Hoclydtare; ein ein­ facher Stein mit dem eingelegten Deutsch­ ordenskreuze deckt den Sarg. Bei dem neuen Kirchenbaue verfiel man auf den unglücklichen Gedanken, dieses 119 Grabmal zu theilen; die Säulen und Gesim­ se sind au beiden Seiten zu den Eingangs­ pforten aus der Sakristei in die Kirche ver­ wendet worden. Dieses Grabmal verdient, auch aus dem Gesichtspunkte der Kunst betrachtet, alle Beachtung; es ist das Werk des Kt,spar Gras aus Franken. Er war viele Jahre lang Hofbossirer eben dieses Erzherzogs. Noch enthält diese Kirche drei Grabmäler, zwei aus älterer und eines aus der neuesten Zeit. Von jenen'verdient das der Grafen von Kü- nigl aus dem Grunde Erwähnung, weil der Fürstbischof von Brixen, Kaspar Ignaz Graf v. lvünigl, welcher den Hochaltar dieser Kir­ che mit einem Kostenaufwande von 10,000 fl. hatte errichten lassen, verordnete, dass sein Herz vor diesem Altäre begraben werden solle, was auch geschehen ist. Es be­ steht aus einem Sarkophag von weissem Marmor mit zwei Wappen und einigen En­ gelfiguren, und befindet sich über dem klei­ nen Seitenaltar links am Eingänge in den hohen Chor. *) Sinnacher, Beiträge IX, 512. Aus der neuesten Zeit stammt das Denk­ mal des am 25. Februar 1839 verstorbenen k. k. Appellationsgerichts-Präsidenten, Andr. Freiherrn Dipauli von Treuheim. Zwei Con- solen, zwischen welchen man das Wappen erblickt, tragen einen glatten Untersatz, an welchem das Profil-Portrait des Verstorbe­ nen und die Inschrift angebracht ist. üeber diesem schliessen zwei einfache Pfeiler eine Fläche ein, in deren Mitte sich eine, von einem Stab und Riemchen umzogene Nische befindet. Diese enthält ein Reliefbild, wel­ ches die drei Frauen vorstellt, die zum Grabe des Herrn kamen, um seinen Leich­ nam zu salben. Der Engel, auf dem Grabe sitzend, verkündet ihnen das grosse Ereig­ niss der Auferstehung mit den in den Fries eingegrabenen Worten : „Jesum quaeritis; non est hic. Surrexit.“ Dieses zwar nicht grosse Denkmal — es ist nur 7' 2" hoch, 3' breit, wurde von Ijurheig v. Schwanthaler modellirt, und in der königl. Erzgiesserei zu München gegossen. Wegen seines ein­ fachen, edlen Styles ist es des durch ganz Europa hoch gefeierten Meisters vollkommen würdig. Es befindet sich gleich neben dem 121 Haupteingange in die Kirche, links an der Mauer. Die erst im Sommer 1838 neu vergolde­ te, im Geschmacke der Zeit ihrer Entste­ hung mit zu vielen Figuren und Zierathen überladene Kanzel ist das Werk des Anton Moll aus Innsbruck, der auch die Marmor- arbeiten beim Kirchenbau geleitet hat. — Noch verdient die Orgel und das Geläute dieser Kirche einer besondern Erwähnung. Erstere hat 30 Register, und w urde auf Kosten des damaligen Stadtpfarrers Matth, v. Tausch im Jahre 1725 von Joh. Caspar Humpel aus Meran verfertigt. Der Dom­ kapellmeister bei St. Stephan in Wien, Joh. Gänsbacher, zog sie allen Orgeln vor, die er kennen gelernt 5 auch der berühmte Or­ ganist Neukomm in Salzburg erklärte sie, nachdem er darauf gespielt hatte, für ein Meisterstück. — Was das Geläute betrifft, so sind es hauptsächlich die zwei grossen Glocken, welche die Aufmerksamkeit des Fremden verdienen. Die grösste wiegt 126 Ctr. 80 Pfd., und wurde von Johann Grasmair in Wilten am 1. August 1846 ge­ gossen. Sie hat einem Gelübde der Stadt­ gemeinde ihr Daseyn zu verdanken. Die 6 122 zweite wiegt zwar nur 53 Ctr. 62 Pfd., sucht aber wegen der Reinheit des Tones und des Gusses weit und breit ihres glei­ chen. Sie wurde von Johann Paul Schelle- ner 1723 gegossen; dieser goss auch die zwei hübsch geformten Candelaber vor dein Hochaltäre. Uebrigens besitzt diese Kirche sehr viele und prächtige Paramente, dergleichen man kaum in einer andern Pfarrkirche Deutsch­ lands wieder finden dürfte. 3. Uie 14irclie zur lieil. Dreifaltigkeit. (Jesuiten- oder Universität» - Kirche und das Jesuiten - Collegium ). Am 1. Mai 1627 wurde von Erzherzog Leopold V. der Grundstein zu dieser Kir­ che gelegt, welche er für sich und seine Nachkommen zur Grabstätte bestimmte. Nach des Erzherzogs Tode wurde der Bau von seiner Gemahlin, Erzherzogin Claudia, aus dem Hause der Mediceer, fortgesetzt. Man- nigfaltigeHindernissesetzten sich der Vollen- düng dieses Werkes entgegen, so dass erst im Jahre 1640 die Kirche in ihren Haupt- theilen so weit vollendet dastand, dass sie yomSuffragan und nachmaligen Fürstbischöfe 123 zu Brixen, Anton v. Crosina, eingeweiht werden konnte. Nach dem einstimmigen Urtheile der Kenner ist diese Kirche wegen ihres ein­ fach erhabenen Stvles, wegen des schönen Verhältnisses ihrer Theile, und besonders wegen ihrer herrlichen Kuppel ein Muster guter Architektur. Das Erdgeschoss der breiten Fa^ade ist im dorischen, das obere Geschoss aber im jonischen Style von Qua­ dersteinen aufgeführt, und um sie recht im­ posant zu machen, fehlen nur die zwei Thürrae, welche an beiden Seiten begonnen, aber wegen des damaligen Krieges gegen die Schweden nicht ausgeführt wurden. In der Mitte zwischen beiden Thürmen, auf der obersten Zinne sollte dem ursprünglichen Plane zu Folge die Statue Leopolds zu Pferde, welche bisher auf dem Renn­ plätze stand, aufgestellt werden. Die Höhe der Kuppel beträgt 170 Schuh , und kömmt gerade der Länge der Kirche gleich. Die Laterne umgibt ein Rundgang mit festem, eisernen Geländer, von welchem man eine bezaubernde Aussicht über die Stadt und Umgebung geniesstj jedoch ist das Empor­ klimmen auf dieselbe sehr beschwerlich und 6* 124 nicht ohne Gefahr, besonders iin Herabstei­ gen; auch wird der Zutritt nicht gern ge­ stattet. Das Tonnengewölbe und die Kup­ pel der Kirche ruhen auf Wandpfeilern nach römischer Ordnung, deren Gebälk aber nur sehr wenig ausladet, und nicht, wie in der Pfarrkirche, als Kämpferlinie durch die ganze Kirche umherläuft. Die Schäfte der Pfeiler sind mit violettem Marmor aus Ober­ innthal überkleidet. Das leichte Gewölbe ziert einfache Stukaturarbeit; das Pflaster ist mit geschliffenen Marmorplatten belegt; derFussboden unter der Kuppel ist aus ge­ schnittenen, weissen, blauen und violetten Steinen in Form eines Doppelsterns zusam­ mengesetzt. Leider wird die Ansicht des Ganzen durch eine Lage hölzerner Stühle gehindert. Der kolossale Hochaltar — eine römische Säulenstellung mit einer Attika — besteht ZAvar nur aus Holz, ist aber streng nach den Hegeln der Architektur erbaut, und seit 1840 geschmackvoll und in Harmonie mit den übrigen Altären gefasst. Die Säu­ lenschäfte ahmen den natürlichen Marmor sehr täuschend nach. Die sechs Seitenaltäre, die in eben so vielen, vom Schiffe der Kirche abgesonder­ 125 ten Kapellen stehen, sind von sehr feinem und schönem , rothem Marmor in einem einfachen, aber geschmackvollen Style ge­ arbeitet; Kapitale, Karniesse und Architra- be, dann die Statuen und Verzierungen sind von weissem, roth punktirtem Unters- berger-Marmor. Alle sechs Altäre wurden zu Laufen im Salzburgischen verfertigt. Die Kirche hat einige schöne Gemälde. Das Hochaltarblatt stellt die heilige Drei­ faltigkeit in der Glorie dar. Unten erscheint in, einander gegenüber stehenden, Gruppen das alte und neue Testament durch die Hauptpersonen desselben vertreten. Hoch über den Wolken schweben die drei göttli­ chen Personen; zwischen diesen und den Koriphäen des alten und neuen Bundes zeigt sich die heilige Jungfrau, welche gleichsam als Vermittlerin ihre Fürbitten vorbringt. Das Kirchen-Inventar schreibt dieses Blatt Ru­ bens zu; wenigstens ist es durch Künstlers- Hand aus seiner Schule hervorgebracht. Seine kühnen, kräftigen Pinselzüge sind unverkennbar daran wieder zu finden. Die Blätter der Seitenaltäre sind: Der Apostel Judas Thadäus: es soll von Andrä Wolf seyn; wahrscheinlicher ist es aber von Feier Ccm- 126 dido (X'andits); denn schon im Jahre 1585 bekamen die Jesuiten dieses Gemälde aus München geschenkt, wo damals Candido Hofmaler war; der heil. Pirmin, der heilige Schutzengel, der Engels-Gruss von Chri­ stoph Störer; der heil. Ignaz Loyola von Caspar Sing; der heil. Franz Xaver von Schönfeld. Den grössten Kunstwerth dürfte der Apostel Judas Thadäus besitzen; dage­ gen spricht der Schutzengel, der an sanfter Hand die ihm anvertraute Unschuld zum Himmel leitet, am freundlichsten an. In der im Sommer 1841 restaurirten und ganz neu meublirten Sakristei zeigt man einen Chri­ stus-Kopf mit der Dornenkrone von Al brecht Dürer. Das Monogramm des Künstlers mit der Jahreszahl 1515 spricht für die Origi­ nalität des Stückes. Auch wird es von Dr. G. K. Nagler in seinem Werke: „Albrecht Dürer und seine KunstMünchen 1837, so wie in seinem Künstler-Lexicon (3. Bd. S. 5223 namentlich unter den Werken A. Dü- rer’s aufgeführt. Auch sieht man daselbst zwei schöne grosse Gemälde, Scenen aus dem Leiden Christi vorstellend , von Stephan Kessler, demAeltcrn; ferner ein kleines Gemälde von 127 dem genialen Maler J. G. Grasmayr, Chri­ stus und Johannes als Kinder mit einem Lamme spielend; endlich die Portraits des Stifters und der Stifterin der Kirche , des Erzherzogs Leopold V. und seiner Gemah­ lin Claudia; diese haben nur historischen, aber keinen Kunstwerth, gleich den übrigen dort noch aufgehängten Bildern. Die am Eingänge in die Kirche am Git­ ter aufgehängten Stationen sind lleissig ge­ arbeitete Copien nach den berühmten Origi­ nalien des Prof. Jos. Führich in Wien. Sie wurden von Caspar Jehle dahier im Jahre 1843 gemalt. Die zwei Bilder unter dem Orgelchor, gleich neben dem Eingänge, so wie die zwei Scenen unter den zwei Tri­ bunen im Chor der Kirche sind von Franz Stecher, und machen sich nur durch das grelle, phantastische, gar zu sehr auf Effect berechnete Colorit bemerkbar. Ihr Kunst­ werth ist unbedeutend. Unter der Kirche breiten sich die ge­ räumigen Hallen der Fürsten- und Jesuiten- Cruft aus. Diese Gruft ist vollkommen trocken, luftig und ohne widrigen Geruch. Die zur Beisetzung der Landesfürsten bestimmte Ab­ theilung liegt gerade unter dem Priester­ 128 chore. Hier ruhen die Gebeine folgender Fürsten-Personen : In der Nische Nro. 1. 13 Theresia Katharina, Gemahlin des Herzogs Carl Philipp von Pfalz-Neu- burg, geborne Fürstin Lubomirska, gestorben zu Innsbruck an den Pocken im 27. Jahre ihres Alters am 6. Jän­ ner 1712. 23 Ihre Tochter Feliciuna, geboren am 9. Juni 1709, gestorben am 10. Febr. 1712. In der Nische Nro. 2. 33 Anna Juliana, zweite Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand II., geborne Herzogin von Mantua und Montfer- rat, Stifterin des versperrten Klosters, des Regelhauses, in welchem sie selbst als Klosterfrau lebte und starb, und des Servitenklosters dahier; im Rufe der Heiligkeit gestorben am 3. August 1621. 4) Anna Katharina, Tochter der Vori­ gen, gleichfalls Klosterfrau im Regel­ hause, gestorben am 2. März 1649. Diese zwei Särge wurden erst nach Aufhebung des Regelhauses am 27. 129 August 1783 hieher übertragen. Diese Nische enthält ausser diesen noch die Eingeweide vieler Fürstenpersonen, welche man aus der Franziskaner­ kirche hieher versetzte. In der Nische Nro. 3. 5) Carl Ferdinand Joseph, drittgeborner Sohn des Herzogs Carl von Lothrin­ gen und der Königin von Polen, Eleo- nora Maria, geboren am 9. August 16*83, gestorben am 10. Juni 1685. 6) Eleonora Maria, Tochter eben dieses fürstlichen Ehepaares, geboren und gestorben am 27. April 1682. In der Nische Nro. 4. 73 Maria Magdalena, dritte Tochter des Erzherzogs Ferdinand Carl und der Anna von Medicis, geb. am 17. Au­ gust 1656, gestorben am 21. Jänner 1669. 83 Auf dem Sarge dieser Prinzessin steht ein anderer, welcher die Ge­ beine einer andern Prinzessin 11m- schliesst, welche am 19. August 1654 gleichfalls von der Erzherzogin Anna geboren wurde, und an demselben Tage gestorben ist. 130 In der Nische Nro. 5. <0 Claudia von Medicis, Gemahlin des Erzherzogs Leopold V., geboren zu Florenz am 4. Juni 1604, gestorben zu Innsbruck am 25. Dezember 1648. — Sie war die schöne und geistrei­ che Tochter Ferdinands I., Grossher­ zogs von Toskana und der Herzogin Christina von Lothringen. Sie führte von 1632 bis 1646 mit Weisheit und Kraft unter den schwierigsten Um­ ständen die Regierung von Tirol. 10^ Ihre Tochter Maria Kleanoru, gebo­ ren am 12. Februar 1627, gestorben am 6. August 1629. In der Nische Nro. 6. 10 Leopold V., Erzherzog von Oester­ reich , Graf von Tirol , geboren zu Grätz am 9. Oktober 1586, ge­ storben zu Schwatz am 14. Septem­ ber 1632. 12^ Joseph Emmanuel, Sohn des Herzogs Carl von Lothringen, geboren am 20. Oktober 1685, gestorben am 16. August 1705.*) *) Diese Notiz Ist Gerbert’s Topographie I, 507 131 In der Nische Nro. 7. 13^ Sigmund Franz, Erzherzog von Oe­ sterreich , Graf von Tirol, zweiter Sohn des Erzherzogs Leopold und der Erzherzogin Claudia, geboren zu Innsbruck ain 28. November 1630, gestorben an beigebrachtem Gift den 25. Juni 1665. In der Nische Nro. 8. 14^ Ferdinand Carl, Erzherzog von Oe­ sterreich, Graf von Tirol, erstgebor- ner Sohn der Vorigen, geboren zu Innsbruck am 17. Mai 1628, gestor­ ben zuKaltern am 30.Dezember 1662; hier beigesetzt am 4. Jänner 1663. Die Gebeine dieser Fürstenpersonen ru­ hen in zinnernen Särgen, welche mit den betreffenden Wappen verziert, und in tiefe Mauer-Nischen hineingeschoben sind, deren jede ein Eisengitter verschliesst. Die Jesuiten-Gruft steht mit der. lan­ desfürstlichen in Verbindung, und dehnt sich entnommen. Hieniit stimmt Zoller (IT, 64) überein, er nennt aber den Prinzen Joseph Innocenz. Derselbe fiel in der Schlacht bei Cassano. 1S2 vom Priesterchore bis in die Mitte des Kir- chenschifFes aus. Die Särge mit ihren Leich­ namen wurden in horizontalen Nischen ein­ gemauert, und nur schAvarze Täfelchen mit Aveissen Inschriften bezeichnen die Ruhe­ stätten der hier Beigesetzten. Der erste Jesuit, der in dieser Gruft nach ihrer Erbauung beigesetzt wurde, war «ler Reclor des Collegiums, Johann Moque- tius, gestorben ain 29. Jänner 1642; der letzte — zugleich der letzte Rector, Sig­ mund Raith von Sternfeld, gestorben am IT. Juni 1782. Von jener Zeit an darf in Folge einer Verordnung Kaiser Joseph il. kein Leichnam mehr in einer Kirche begra­ ben Averden. Das gegcnAvärtige Jesuiten Collegium - steht vermittelst des Gymnasiums mit der Kirche in Verbindung. Es ist ein Aveitläu- figes, einen rechten Winkel bildendes, zvvei Stoc^Averk hohes Gebäude, lässt aber in Hinsicht auf Schönheit und Bequemlichkeit, zumal da ein entsprechender Garten fehlt, •manches zu Avünschen übrig. Es war unter den alten Jesuiten ein Convict für weniger bemittelte Studenten, und verdankte sein Dasein dein Könige Ferdinand I. Die ge- 133 genwärt ige Gestalt erhielt es zu Anfang des vorigen Jahrhunderts nach vielen und langen Kämpfen mit dem ihm gegenüber gelegenen versperrten Jungfrauen-Ivloster. Kaiser Joseph II. hob es auf und verwan­ delte die Renten seines Fonds in Stipen­ dien , die noch verliehen werden. Die baierische Regierung verkaufte das Gebäu­ de. Nachdem Kaiser Ferdinand I. mit aller­ höchster Entschliessung vom 17. Oktober 1838 auf den Wunsch der tirolisrhen Stände die Jesuiten in Tirol wieder einzuführen bewilliget hat, und am 24. Dezember des­ selben Jahres die erste Colonie dahier an­ gelangt war: brachten diese das gedachte Haus, vornämlich durch das grosse Geschenk des Wiener-Domherrn Franz S. Schmid von 10,000 11. C. M., und die anderer Wohlthä- ter, käuflich an sich. Sie versehen seit 1. Mai 1841 sämmtliche Lehrerstellen am Gymnasium, wobei sie sich beinahe ganz an den österreichischen Lehrplan halten. Seit 7. Jänner 1839 ist ihnen auch die Lei­ tung der theresianischen Ritterakademie .an­ vertraut. Am 1. Oktober 1846 übernahmen sie ferner jene des bürgerlichen Convicts. Da sie ausserdem hier ihr theologisches 134 Haüsstudium haben, so machen es diese Zwecke begreiflich, dass sich ihr Personal seither bedeutend vermehrt hat. 4* Ule Spitalkirclie zum lieil. freist. An der Stelle dieser Kirche stand schon seit 1307 eine Kapelle zum heiligen Geist. Die gegenwärtige Kirche wurde zu Anfang des vorigen Jahrhunderts von Georg Anton Gump von Fragenstein, kaiserl. Hofbaumei­ ster zu Innsbruck im römischen Style er­ baut, und ain 8. Juni 1705 vom Bischöfe zu Brixen, Caspar Ignaz Grafen von Künigl tingeweiht. Am Gewölbe sieht man 17 kleinere und grössere Plafond-Gemälde von Caspar Wald­ mann, welche durch Stukatur-Verzierungen von einander getrennt sind. Der Mittelplafond stellt die Erschaffung der Welt dar: eine reitzende Landschaft, von vielen verschiedenartigen Thieren be­ lebt. Alle Deckengemälde haben die Gaben und Wirkungen des heiligen Geistes zum Gegenstände. Gewölbe und Wände dieser ) Sinnacher, Beiträge IX, 51G. 135 Kirche sind mit Verzierungen im Iloccoco- styl überladen. Der schöne marmorne Hochaltar ist von Christoph öenedetti 5 das Altarblatt, die Sen­ dung des heiligen Geistes vorstellend, von Joseph Waldmann. #") Das Blatt am Seiten-Altäre linker Hand, ein schönes Bild, welches die heilige Fami­ lie: Anna, Joachim und Maria, vorstellt, ist von der Hand des Ulrich Glansschnig, der nach seiner launenhaften Gewohnheit im Kopfe der heil. Anna eine Innsbrucker-Dame portraitirt haben soll. Unter dem Musikchore sieht man an der Decke ein gutes Gemälde, den barmherzi­ gen Samaritan, welches Grasmayr zuge­ schrieben wird. 5, liirelie und liloster «1er Serviten. Die Kirche und das Kloster der Servi- teu wurde von der Erzherzogin Anna Ka­ tharina, zweiten Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand II. , im Witwenstande erbaut. Der Bau begann im Jahre 1614, und ward nach zwei Jahren vollendet. Doch eine ) Tirol. Kiiostl. Lex. 270. 136 am Palmsonntage (12. April) 1620 ausge­ brochene Feuersbrunst legte Kirche und Kloster nebst 13 ansehnlichen Privathäusern in Asche. Die Erzherzogin liess sich aber durch diesen Schlag in ihrem Entschlüsse nicht irre machen, sondern gab sogleich Befehl, Kirche und Kloster wieder ganz neu und noch schöner aufzubauen. Sie er­ lebte zwar die Vollendung des Baues nicht mehr, verpflichtete aber das von ihr gestif­ tete und zum Erben eingesetzte Regelhaus, den Bau zu Ende zu führen. Das ltegel- haus und der Erzherzog Leopold setzten ihren Willen genau in Vollzug. Ersteres gab hiefür allein mehr als 20,000 11. aus. Im Frühjahre 1626 standen beide Gebäude vollen­ det da, und am 1. Juni 1626 wurde die Kirche von dem Bischöfe zu Brixen, Anton Crosina, in Gegenwart des Erzherzogs Leo­ pold und seiner so eben angetrauten Ge­ mahlin Claudia feierlich eingeweiht. Die Kirche ist heiter und freundlich, biethet jedoch in architektonischer Beziehung nichts Beinerkenswerthes dar; um so inter­ essanter sind aber die Freskogemälde an den Gewölben, Avomit sie der vaterländische Künstler Jos. Schöpf im Jahre 1820 geziert 137 hat. Diess war die letzte grosse Arbeit des 76 Jahre alten Greises. Das erste Pla­ fond-Gemälde über dem Priesterchore stellt das Hinscheiden des heil. Joseph, dem die Kirche geweiht ist, in die bessere Welt dar. Von Engeln emporgehoben, schwebt der Nährvater des Erlösers über lichte Wol­ ken dem Ziele ewiger Belohnung zu, wäh­ rend auf der dunkeln Erde eine Gruppe Sterblicher mit sehnenden Augen ihm nach- sehen, und mit ausgestreckten Armen den theuern Entschwundenen noch länger in ih­ rer Mitte zurückhalten zu wollen scheinen. Der zweite Plafond über dem Schiffe der Kirche zeigt den frommen Nährvater in der Glorie des Himmels; die heilige Jungfrau schwebt ihm gegenüber auf lichten Wolken, und aus der glanzvollen Höhe naht der gött­ liche Pflegesohn, um seinen treuen, frommen Nährvater als Bürger des Himmels zu be­ willkommnen. Das Hochaltarblatt von Martin Theo- philus Polack stellt die Vermählung des heil. Joseph mit der heil. Jungfrau dar. Das Blatt des Seitenaltars zur rechten Hand, mehrere Heiligen vorstellend, ist sei­ ner gelungenen Composition und seines schö­ 138 nen Colorites wegen ein geschätztes Werk des berühmten tirolischen Künstlers Martin Knoller. Das Blatt des gegenüberstehenden Sei­ tenaltars ist von Joseph Arnold, und stellt die sieben Väter (Ahdensstifter} vor, wie sie nach der Legende von der heil. Jung­ frau das Scapulier, als Sinnbild des Ordens, erhalten. Das schöne Gemälde, Mariae Ver­ kündigung, in der nächst der Kanzel be­ findlichen Kapelle, darf nicht übersehen wer­ den*, es soll von einem Maler aus Florenz sein, dessen Name aber nicht bekannt ist. Das Altarblatt der Peregrinus-Kapelle wurde von J. G. Grasmayr verfertiget, und stellt den Ordensheiligen vor, von welchem die Kapelle ihren Namen trägt. Von eben diesen Grasmayr besitzt das Kloster noch mehrere Gemälde, welche theils in den Gängen, theils in dem Speisezimmer des Convents aufgehängt sind. Das dabei befindliche Kloster ist ein langgestrecktes, zweistöckiges heiteres Ge­ bäude , mit einer schätzbaren theologischen Bibliothek, einem schönen, grossen Garten u. s. w. Die Serviten versehen die Seelsor­ ge in der Neustadt, und halten öffentlichen 139 feierlichen Gottesdienst mit sehr schöner Musik. <*. Oie Hirnlie und das Kloster der Ursulinen. Dieser um die weibliche Jugend hoch­ verdiente Orden verdankt seine Einführung in Innsbruck dem Grafen Hieronimus Ber- nard von Ferrari zu öcchieppo, Oberhof­ meister der Erzherzogin Anna von Medicis, welcher im Jahre 1G93 die ersten Frauen von Freising hieher berief, und ihnen ein Stiftungskapital von 30,000 fl. übergab. Sie wohnten anfangs in einem Privathause, und entschlossen sich erst im Jahre 1700 ein eigenes Kloster samrat Kirche und Schul­ haus für Mädchen zu erbauen. Die im Jahre 1705 vollendete Kirche erhielt am 9. Juni desselben Jahres durch den Fürstbischof von Brixen, Caspar Ignaz die Weihe zu Ehren der Heimsuchung Mariens , weil an diesem Tage im Jahre 1G93 die erste Colo- nie dahier angelangt war. Die Kirche ist zwar klein, aber niedlich, und wurde im Jahre 1836 zu ihrem Tortheile restaurirt, in­ dem man sie von dem Uebennasse der Roc- coco-Verzierungen befreite. Auch gewan­ 140 nen die Altäre durch die neue Fassung ein viel freundlicheres Ansehen. Das Hochal­ tarblatt, welches die Heimsuchung Elisabeths durch ihre Base Maria zum Gegenstände hat, so wie das Blatt des Seitenaltares zur Linken, die heilige Ursula, sind von Carl Carlone, einem Künstler, der um das Jahr 1T30 zu Mailand und Brescia malte. Das Blatt des zur rechten Seite stehenden Alta­ res stellt den heil. Joseph mit dem Chri­ stuskinde vor, und ist von Franz Xav. Kirchebner im Jahre 1845 neu gemalt wor­ den. Das Fresko-Gemälde an dem Fronti- spice der Kirche ist von Jos. Arnold. Aus­ ser diesen Gemälden besitzt dieses Kloster noch ein zweites Hochaltarblatt, die heilige Angela vorstellend, von Joseph Liebherr, welches wegen seiner schönen Composition und lieblichen Ausführung einen sehr gün­ stigen Eindruck macht. Kloster und Schul­ haus sind gut gelegen, geräumig und sehr reinlich, auch mit einem ziemlich grossen Garten versehen, der auch den Mädchen des Convictes zur Erholung offen steht. Von der gemeinnützigen Thätigkeit die­ ser Frauen war schon bei den Unterrichts- Anstalten die Hede. 141 3« Die Dirclie zum heiligen Johann von Hepomuk« Eine Doppelallee von schattigen Kasta- nienbäumen führt durch die breite Strasse des Innrains zur zierlich gebauten Kirche des heil. Johann von Nepomuk. Die Kirche verdankt ihr Entstehen der im Jahre 1729 erfolgten Heiligsprechung des bis dahin se­ ligen Johann von Nepomuk. Zur Verherr­ lichung des neuen Heiligen flössen noch in demselben Jahre so viele Beiträge ein, dass an der Stelle der seit dem Jahre 1721 da­ hier gestandenen Kapelle der Grundstein zu einer Kirche gelegt werden konnte. Der Hofarchitekt Joseph Hiacinth Dörflinger lei­ tete den Bau, der im Jahre 1735 so weit vollendet war, dass der Bischof Caspar Ignaz am 5. Juni desselben Jahres die Ein­ weihung vollziehen konnte. Die gänzliche Vollendung verzog sich aber bis ins Jahr 1763. An der ganzen Form der Kirche ist nicht zu verkennen, dass dabei die St. Ja­ kobs-Pfarrkirche zum Muster gedient habe. Sie ist im Renaissance - Styl gebaut, hat aber korinthische Säulen und Pfeiler, deren Schäfte im Sommer 1846 mit Cypsmarmor überzogen und fein politirt worden sind; die Kapitale wurden vergoldet, die Fiisse blieben aber roh. Die Säulen sind im Ver­ hältnisse zu den übrigen kleinen Dimensio­ nen, insbesondere zu den schwachen Archi­ volten zu stark und zu nahe aneinander ge­ drängt. Das Merkwürdigste der Kirche ist das schöne Fresko-Gemälde von Jos. Schöpf sowohl am Gewölbe des auf mächtigenSäu- len und Pfeilern nach römischer Ordnung ruhenden Porticus, als im Innern der Kirche. Vorzüglich gelungen ist der Plafond der Vorhalle, welcher eine schöne Allegorie von der Wunderkraft des Heiligen, der den gu­ ten Namen vor Verläumdung schützt, mit dem Zauber der Farben darstellt. Hoch aufWoiken thronet die göttliche Vorsehung, von den allegorischen Personen der Reli­ gion, der Gerechtigkeit, der Hoffnung, der Liebe u. s. av. umgeben. Zu ihr hinauf ge­ leitet ein schützender Engel die iin Bilde eines lieblichen Kindes vorgestellte Unschuld; und A\rährend links ein zürnender Cherub voll Feuereifers die Blitze der göttlichen Rache auf die Laster der Verläumdung, des Neides, des Hasses schleudert, dass sie von Entsetzen ergriffen, in verwirrter Flucht bis 143 über das Gesims herabstürzen, giesst rechts ein freundlicher Genius das Füllhorn des Segens über die bedrängte, und von jenen Lastern verfolgte Menschheit aus. Der Plafond im Schiffe der Kirche stellt den Martyrertod des heil. Johann vor. In der kleinen Kuppel, welche sich über dem Hochaltäre wölbt, erscheinen Engelgestal­ ten, welche in himmlischer Glorie die Ver­ herrlichung dieses Heiligen feiern. Das Blatt des Seitenaltars zur Linken, den heiligen Alphons v. Liguori vorstellend, hat Gebh. Hatz im Jahre 1839 bei Gelegenheit der Canonisation dieses Heiligen gemalt. — Der gegenüberstehende, dem heil. Florian geweil te, 1733 errichtete Altar enthält eine bunt bemalte Statue desselben von St. Jä­ ger; jene des heiligen Johannes von Nepo­ muk am Hochaltar ist von Ingenuin Lech- leiiner. Ueber den Fenstern in den vier Ecken des Schiffes sieht man die vier Evange­ listen, und über dem kleinen Seitenaltare rechts einen schönen heil. Joseph, Geige- mälde, von J. G. Grasmair. Neben dieser Kirche bewohnt die im Jahre 1826 von Wien hielier verpflanzte 144 Redemptoristen - Congregation ein von dem geschickten Architekten G. A. Gump erbau­ tes Haus. Sie versieht den Gottesdienst sowohl in dieser, als in der Kirche des Ho­ spitals; auch spendet sie den Kranken in dem letzteren geistlichen Trost, und ist ausserdem noch in Missionen auf dein Lande thätig. 8. Die Mir che zu IVIarialiilf« Der bedeutungsvolle Name dieser Kir­ che steht mit der Geschichte ihrer Entste­ hung im Zusammenhänge. Als Tirol im Jahre 1647 von den französischen, schwe­ dischen und hessischen Truppen bedroht, und der Feind nach der Einnahme und Plün­ derung von Bregenz bereits schon bis zum Arlberg vorgedrungen war, machten die versammelten Stände von Tirol am 1. Fe­ bruar 1G4T das Gelübde, eine Kirche zur Ehre der seligsten Jungfrau zu bauen, da­ mit sie durch ihre Fürbitte die drohende Gefahr abwenden wolle. Die Kirche ent­ stand auf Kosten der Landschaftskasse, und erhielt den Namen „Mariahilf/* Der Bau begann gleich nachher und wurde so eifrig betrieben, dass schon im 145 Frühjahre 1648 in der neuen Kirche Messe gelesen werden konnte. Die feierliche Ein­ weihung erfolgte aber erst am 26. Juli 1660. Dieses Gotteshaus steht auf einer Te- rasse, und bildet eine Rotunde mit einer Vorhalle und halbrunden Seiten-Kapellen. Eine schöne eliptische, von einer Laterne überragte Kuppel schwebt über dem ganzen Bau. Gurtbogen theilen sie in mehrere Fel­ der ab, welche grössere und kleinere Me­ daillons enthalten; in jenen sind dieFrauen- feste, in diesen entsprechende Embleme mit Kraft und Frische von Caspar Waldmann al fresco dargestellt worden. Das Blatt des Hochaltars malte Paul Schor. Es enthält die Ansicht der Kirche, vor welcher die vier Stände des Landes knien, um die Hilfe der seligsten Jungfrau anzuflehen. Ihre Blicke sind auf das Gnadenbild gerichtet, welches schwebende Engel gegen Himmel zu tragen scheinen. Dieses Bild ist eine Copie des in der Pfarrkirche befindlichen Originals, und wie dieses in die Mitte des Altarblattes eingefügt. r 146 f>. 19ie Kirche zu 9i. Xikolans. Schon im Jahre 1502 wurde da, wo jetzt diese Kirche steht, für die Sondersie­ chen, d. i. für solche Kranke, welche mit einem ansteckenden Uebel behaftet Maren, eine Kapelle erbaut, welche in Urkunden vom Jahre 1568 unter dem Namen St. Niko­ laus-Kapelle vorkommt. Diese erhielt im Jahre 1662 eine namhafte Erweiterung und die gegenwärtige Gestalt. Im Frühjahre 1841 wurde sie von aussen, und in den bei­ den Sommern 1815 und 1846 von innen in allen ihren Theilen sehr vortheilhaft erneuet. Jos. Arnold verschönerte die Gewölbe mit neuen Fresko-Gemälden. Im Chor ist der heilige Nikolaus zu schauen, wie er an Dürftige Almosen spendet; im Schiffe er­ scheint er im bischöflichen Ornate, die Zer­ störung eines Götzen-Tempels befehlend. Strahlt auf der einen Seite freudiger Dank aus den Augen der Christen, so malt sich auf der andern Wuth und Hass auf den Ge­ sichtern der Heiden. Ueber dem Orgelchor sieht man den heil. Krieger Martinas, wie ihm der Heiland im Schlafe mit dem Mantel angethan er- 147 scheint, den jener mit einem Armen getheilt hatte. In den sogenannten Ohren über den Fenstern im Schiffe hat der Künstler vier lateinische Kirchenlehrer, auf dem Orgelchor aber David und Ciicilia dargestellt. Endlich verdienen auch die vier Evangelisten an den Zwickeln des Gewölbes, dann der En- gelgruss und die zwei Propheten Moses und Isaias am Bogen über dem Eingänge in den Chor — grau in Grau gemalt, eine rühm­ liche Erwähnung. Coinposition, das Leben­ dige der Figuren, und die meisterhafte Far­ bengebung werden jeden Kenner befrie­ digen. Die Altäre hat der Vergolder Söckler geschmackvoll neu gefasst. Die Altarblät­ ter sind von Franz Siecher neu gemalt. Kennern wird aber weder die Conception, noch die Ausführung Zusagen. IO. Die Uirclic zu Dreihciliffen. Als im Jahre 1611 in Süddeutschland eine pestartige Seuche wiithete, und diese Krankheit auch in Innsbruck zahlreiche Opfer dahin raffte, machten die Bürger Inns­ brucks das Gelübde, zur Ehre der Heiligen: 7 * 148 Sebastian, Pirminius und Rochus, der Pa­ trone gegen die Pest, eine Kirche zu bauen. Diese wurde auch im Jahre 1612 in der Nähe des eigens für Pestkranke erbauten Lazaretes, des heutigen Militärspitales am linken Sillufer, gegründet und im folgenden Jahre vollendet und eingeweiht. Erst im Jahre 1840 wurde eine, den Chor der Kirche von aussen umfangende, geräumige und sehr bequeme Sakristei an­ gebaut. Auf architektonischen Kunstwerth kann diese Kirche keinen Anspruch machen. Ein Portal von Nagellluhe ziert den Eingang. Die Plafond-Gemälde sind von Joh. Mich. Strickner al Fresco gemalt, und stellen in der einen Abtheilung die im Jahre 1611 zu Innsbruck wüthende Pest, in der anderen Abtheilung das von der Bürgerschaft dar­ gebrachte Gelübde vor. Im ersten Decken­ gemälde öffnet sich die Aussicht nach Wü­ ten. Ein zürnender Engel, das flammende Schwert in der einen, den Todtenschädel in der andern Hand, fährt unter schwarzem Gewölke daher. Auf der verödeten Flur liegen die Kranken hilflos herum. Wir­ kungslos bleibt die Arznei, welche ihnen 149 ein Arzt aus seiner Büchse einflüsst. Ihre halberstorbenen Blicke hängen nur mit Sehn­ sucht an dem heiligen Sakramente, das ih­ nen der Priester als Wegzehrung in die Ewigkeit reicht. — Im andern Plafond-Ge­ mälde erblicken wir den Erzherzog Maxi­ milian und die Bürger von Innsbruck auf den Knien liegend. Sie machen Gelübde um Abwendung der schrecklichen Seuche. Der Himmel hört ihr Flehen; aus den zer­ rissenen Wolken lacht freundlich das blaue Firmament, und der Engel des Todes birgt das furchtbare Schwert in die Scheide. Ein drittes Fresko-Gemälde enthält die Ansicht der Stadt Innsbruck, über welcher das Bild Mariahilf, von Engeln getragen, dahin schwebt. Das Blatt des Hochaltars stellt die drei oben erwähnten Schutzheiligen vor, und ist von Melchior StölzJ, der Avahrschein- lich bei Erzherzog Maximilian Hofmaler war. Die Blätter der Seiten - Altäre sind von keinem Kunstwerthe. 11. l)ic Kirche mul das Kloster der Kapuziner. Die Kirche und das Klostet der Kapu­ ziner zu Innsbruck waren die ersten dieser 150 Art auf deutschem Boden. Erzherzog Fer­ dinand erbaute beide auf Zudringen seiner zweiten Gemahlin Anna Katharina im Jahre 1593, und bevölkerte das Kloster mit Mön­ chen aus der venetianischen Provinz. Die Kirche ist nach der gewöhnlichen Form der Kapuziner-Kirchen erbaut. Im Jahre 183*2 erhielt sie drei neue, von auserlesenem Nuss- iind Kirschbaumholz verfertigte Altäre. Der grösste Kunstschatz dieser Kirche ist das Blatt des Hochaltars von dem Kapuziner Kosmas Piazza, welches die drei Weisen aus dem Morgenlande vor dem göttlichen Kinde Jesus zu Bethlehem vorstellt. Die Blätter der Seiten-Altäre sind neu und Werke des Joseph Arnold. In der Sei­ tenkapelle steht ein schönes, kleines Ma­ donnen-Bild von Lukas C ran ach. An den Wänden des Kirchenschiffes hängen 7 Ge­ mälde aus der Passionsgeschichte von Jos. Ant. Funk. Im Kloster ist das Merkwürdigste die Einsiedelei des Erzherzogs Maximilian des Deutschmeisters. Nach einem getäfelten Vor­ zimmer und einem andern kleinern mit der Aussicht auf den Hochaltar * folgen einige sehr kleine Kämmerchen, die kaum die Grösse 151 einer Kapuziner-Zelle haben. Unter diesen befindet sich eine eben so kleine Küche. Sie sind grottenförmig theils mit Schiefer-, theils mit Tropfsteinen bekleidet. Man zeigt hier noch des Erzherzogs einfache hölzerne Bett- stelle, seinen hölzernen Stuhl, ein hölzernes Tintenfass, und andere Geräthe, die er zur Zeit seines einsamen Aufenthaltes dahier selbst verfertigt hat. Der fromme Fürst brachte in dieser Ein­ siedelei mehrere Wochen des Jahres zu, und theilte seine Zeit in Andachtsübungen und mechanische Arbeiten. Ein schönes Bildniss von ihm bezeichnet den Eingang in diese Eremitage. III. Pi'ivutgebäude. Ton diesen dürfte in geschichtlicher Be­ ziehung die Ollob/irg an der Innbriicke das merkwürdigste sein. Sie wurde von Otto 1M Herzog von Meran, Grafen von Andechs, 1234 zu seiner Residenz erbaut. Unter Fer­ dinand I. kam sie an einen seiner Kammer­ diener, Ritter mit Namen , und blieb von dort an in Händen von Privaten. Die dazu gehörige, vom Brixner-Bischöfe Bruno im 152 Jahre 1279 eirigeweihte St. Moriz- Kapelle wurde 1794 zugleich mit dem daneben ste­ henden Briickenthore abgebrochen. Uebri- gens hat die Zeit an diesem Gebäude so viel geändert, dass kaum mehr eine Spur seines hohen Alterthums zurückgeblieben ist. Hinsichtlich der ansehnlichen Bauart er­ wähnen wir nur : das gräflich Trapp’sche, das gräflich Taxis’sche, das v. Riccabona- sche und das dem Handelsmann Ferstl ge­ hörige Haus in der Neustadt; dann das gräflich Sarnthein’sclie Palais am Ursulinen- graben mit einer Kapelle, worin sich ein von Christoph Unterberger gemalter Aloisius Gonzaga als Altarblatt befindet: ferner die Fischnaller sehe (ehemals von Pfeifferberg- schej Behausung in der obern Sill- und die Freiherr v. Beinhart'sche Behausung in der Fuggergasse: endlich das gräflich Tannen- berg’sche Palais in der untern Sillgasse, und das gräflich Ferrarfe’sche zu Dreiheiligen. Zu diesen ältern Privatgebäuden sind in der neuesten Zeit noch viele neue, na­ mentlich alle in der Museumsstrasse stehen­ den hinzugekommen. Wenn gleich keines für sich prächtig genannt werden kann, so gewähren sie doch vereint einen imposan- . 153 ten Anblick, und zeichnen sich schon da­ durch vor den altern vorteilhaft aus, dass sie mit der breiten Seite gegen die Strasse gekehrt sind, wodurch sie im Innern viel lichter und wohnlicher geworden. Zu den meisten hat der verstorbene Stadtbaumeister Ant. Mutschlechner die Pläne entworfen; da er aber allenthalben römische und goti­ sche Elemente durcheinander mengte, so vermisst man daran Einheit der Idee und Harmonie. Auch die Farben sind eintönig, überall begegnet man denselben. IV. Monumente und Statuen. Den Eingang in die Neustadt öffnet von Süden: 1 Die Triumphpforte. Sie ist das Erinnerungs-Denkmal der Ankunft der Kaiserin Maria Theresia mit ihrem Gemahle Franz I. und dem römischen Könige Joseph zur Feier des Vermählungs­ festes des Grossherzogs von Toskana (^nach­ maligen Kaisers Leopold II.") mitLudovika, Tochter des Königs Carl III. von Spa­ nien. 154 Der Plan zur Triumphpforte wurde vom k. k. Ingenieur-Major v. Walter und vom Freiherrn v. Sperges entworfen, und der Grundstein hiezu am 22. März 1765 von dem damaligen Gubernial-Präsidenten, Ign. Cas- sian Grafen von Enzenberg, gelegt. Ob­ gleich dieselbe ein Denkmal der Freude werden sollte, so wurde ihre ursprüngliche Bestimmung doch bald durch den traurigen Todfall des Kaisers Franz wenigstens zum Theile geändert, und die innere Fronte (gegen die Stadt) in eine Trauerpforte um­ gewandelt, während nur die äussere Seite (gegen Wüten) Jubelpforte blieb. Die nach Norden gekehrte Seite ist eine jonische, die nach Süden eine römische Bogenstellung mit Säulenstühlen und einer Attica, auf welcher man als Akroterion das Brustbild des plötz­ lich verstorbenen Kaisers erblickt. Zur Rech­ ten dieses Bildes senkt eine weibliche Ge­ stalt eine Sternenkrone auf das gesalbte Haupt 5 zur Linken lässt Saturn die Sense sinken, welche so eben das, so vielen Völ­ kern theuere Leben abgeschnitten hat. In dem Mittelfelde der Attica deutet ein schö­ nes Basrelief allegorisch den grossen Ver­ lust an, welchen durch den Tod des guten 155 Kaisers seine llnterthanen, ja die gesammte Menschheit erlitten. Der Genius der Mensch­ heit ruht neben dem Erdglobus hingesun- ken, auf welchen seine Thränen fallen, ihm gegenüber senkt der Todesengel seine Fackel. Weinende Genien trauern zu beiden Seiten über den grossen Verlust. In dem Friese liest man die Inschrift: „Arcum. Pub. Lact. Fidei. Amoris. Testam. S.P.Q. Oenipont.Dedicavit. Ann.MDCCLXV. Quam. Subitum. Luctus. Monumentum.“ Ueber den zwei Seitenthoren steht rechts das Portrait des Kaisers Joseph, links das seiner Mutter. Innerhalb des Ilauptthores erscheinen ebenfalls zwei Portraite: das eine mit der Umschrift: .,Carol. Loth. Dux. f das andere mit der Inschrift: „Carolina Pr. Lotharing.“ Die andere Seite der Triumphpforte zeigt auf der Attica als Akroterion das Doppel- Portrait des Kaisers Franz I. und der Kai­ serin Maria Theresia, auf deren Häupter der Genius des Ruhmes eine Lorbeerkrone legt. Zur liechten sitzt die Göttin der Vor­ sicht, mit einem Scepter in der lland , auf dessen Spitze das allsehende Auge Gottes strahlt. Im Mittelfelde der Attica stellt ein 156 schönes Basrelief die Vermählungsfeier Leo­ polds mit der Infantin Ludovika dar. Auf dem Altäre der Liebe, über welchem ein Genius zwei goldene Kränze hält, zündet Hymen seine Fackel an. Zu beiden Seiten tanzen unschuldige Kinder, die sich wech­ selweise umschlingen. Im Friese erscheint die Inschrift: v Francisco. Et. Mar. Theresiae. Augg. P. P. F. F. Quod. ln. Nuptiis. Leop. M. Het. I). Et. Lud. Bor. Praesent. Urbem. Suo. Numine. Impler. Auf dein Seitenthore zur Rechten stellt das Portrait der fürstlichen Brautpersonen -mit der Inschrift: Leopold. Arch. Dux. Lu- dovica Bor. Hisp. Infans. Auf dem gegenüber stehenden Thore erblickt man ein anderes Doppel-Portrait mit der Inschrift: M. Anna. Et. M. Christina. Archid. Austr. Sorores. Das Mittelthor zieren zwei hohe frei­ stehende Säulen, auf deren Kapitälen zwei goldene Kronen glänzen. Die Pforte ist aus Quadern von Nagel­ fluhe aufgeführt; die Tafeln der Inschriften, die Basreliefs, Standbilder, Vasen und übri­ 157 gen Ornamente sind aus weissein Marmor von Balthasar Moll gearbeitet. 2. Die St. Anna-Säule erhebt sich in Mitte der Neustadt. Nach der Vertreibung der im spanischen Succes- sions-Kriege 1703 in Tirol eingefallenen Baiern und Franzosen machten die Stände Tirols am 15. März 1701 das feierliche Ge­ lübde, aus Dankbarkeit für die Befreiung des Vaterlandes in der Hauptstadt des Lan­ des zur Ehre der unbefleckten Empfängniss Mariae ein bleibendes Denkmal zu errichten. Es wurde sogleich zur Ausführung geschrit­ ten, und am 26. Juli 1706 dasDenkmal feier­ lich eingeweiht. Das Monument besteht aus einer korinthischen Säule mit einem vierfachen Säulenstuhle, dem drei Granit­ stufen als Unterlage dienen. Die Säule sammt Piedestal ist aus rotbem Tiroler Mar­ mor verfertigt. Auf dem Kapitäl der Säule steht die heilige Jungfrau , den Halbmond zu ihren Füssen, die Sternenkrone um ihr Haupt. Um die Mitte des Schaftes schwe­ ben vier Engel, welche die Herrlichkeit der*) *) Zoller II, 57. 68. 158 unbefleckten Empfängniss verkünden. Auf dem Deckel des Piedestals stehen die ko­ lossalen Statuen der heil. Anna, des heil. Georg, Vigilius und Cassian. Die Füllun­ gen am Säulenstuhle zieren Engelgestalten von halb erhobener Arbeit mit Inschriften in den Händen, welche auf die Befreiung des Landes Bezug nehmen, aber nichts we­ niger als geistreich sind, sondern zumThei! unwürdige Wortspielereien enthalten, wor­ über schon Freiherr v. Sperges seinen Un­ willen ausgesprochen hat. Das ganze Denkmal ist das Werk des Christoph Benedeiti aus Castione in Süd­ tirol. 3. Die Stntue Erzherzogs Leopold V, zu Pferde. *) Diese sdiüne Slatue befindet sich auf dem Rennplätze, die Vorderseite der Burg, die Kehrseite dem Theatergebäude zuge«*) *) Dieses Standbild wurde im Herbst 1847 bis zur Ausmiltelung eines geeigneten Aufsleilungs­ platzes entfernt, weil die Harmonie ihres bis­ herigen Standortes vor dem alten, durch die Stellung des neuen Theaters gestört worden ist. 159 wendet. Sie ist aus Bronze gegossen, und stellt den Erzherzog zu Pferde sitzend, in Harnisch gekleidet, mit entblösstem Haupte, den Marschallstab in der Rechten, vor. Von vorzüglicher Schönheit ist das Pferd; es steht auf den Hinterfüssen, die Vordeihufcn zum Sprunge ausholend. Die Muskelkraft, welche der Künstler im Hintertheile und in den Hinterfüssen des Pferdes ganz nach der Natur auszudrücken Avusste, wird von jedem Kenner mit Recht bewundert. Die Statue steht kühn und frei auf einem, über einer Granitstufe erhöhtem Piedestale von grau- melirtem Marmor, mit einem eisernen Lan­ zengitter umschlossen. Diese Reitersta­ tue Avurde von dem berühmten Caspar Gras im Jahre 1628 gegossen, und Avar bestimmt, das Frontispice der Jesuiten-Kir- che zu schmücken. Das Postament mit ko- rintischem Fuss und Kranz verfertigte der Steinmetz M. Ott aus Füssen im Jahre 1826 auf Kosten des Kaisers Franz I. Die vor­ dere Seite trägt das erzherzogl. österreichi­ sche, die hintere das tirolische Wappen aus Bronze, beide von einem Lorbeerkranze um­ *} Neue Zeitschr. d. Ferd. II, 50. 160 sehlungen; an den beiden Seitenflächen sind Inschriften angebracht. 4. Grabmalen Ausser den bei der Darstellung derKir- chenmerkwürdigkeiten beschriebenen Crab- mälern verdienen noch einige auf dem städ­ tischen Gottesacker Erwähnung. Dieser liegt hinter dem Ursulinen-Con- vente, und bildet ein Viereck. Er wurde im Jahre 1510 angelegt, und im Jahre 15T1 mit Säulengängen umgeben. Den zunächst am Spitalgebäude belegenen Theil verwan­ delte man im Jahre 1838 in einen Garten für die Reconvalescenten, nachdem dort seit vielen Jahren Niemand mehr begraben wor­ den war. Von den Grabmälern theils aus Marmor, theils aus Erz und Holz, werden nur fol­ gende erwähnt :< 1) Die Grabstätte des adeligen Damen­ stifts. Sie besteht in einer von der Erzher­ zogin Maria Elisabeth, erster Aebtissin des Stiftes, im Jahre 1793 erbauten Halle, die mit allegorischen Figuren von Franz Alt­ mutter grau in Grau ausgemalt ist. An der rückwärtigen Wand erscheint eine grosse 161 Tafel von weissem Marmor in viele kleinere Quadrate abgetheilt. Jedes Quadrat dient zur Grabschrift einer hier beigesetzten Da­ me. l eber der Marmortafel sieht man das Wappen der Erzherzogin mit dem Aebtis- siu-Stabc. 23 Das Grabmal Colins, die Erweckung des Lazarus von den Todten, in halb erho­ bener Arbeit aus Marmor, von seinem Sohne Adam Colin verfertigt. Der Vater Alexan­ der Colin liegt nicht hier, sondern auf dem Friedhofe zu Dreiheiligen begraben. 33 Das Grabmal des Landeshauptman­ nes Grafen Paris von Wolkenstein-Trost­ bürg von Johann Huber und Urban Klieber um das Jahr 1775 verfertigt. Auf der ei­ nen Seite eines Sarkophages, 'welcher die Inschrift enthält, erscheint in kolossaler Grösse Saturn, der die abgelaufene Sand­ uhr einer jenseits des Sarkophages stehen­ den weiblichen Gestalt hinüberreicht, um sie an die abgelaufene Frist ihres irdischen Da­ seins zu erinnern. Mit Entsetzen wendet sich die Frauengestalt, welche das Leben *) Sperges, Compend. dcscript. Urb. Oenip. M. S. f. 8. und Ceschi, Beschr. I. S. V. p. 150. 162 zu versinnbildlichen scheint, von dein furcht baren Mahner ab. An den Stufen des Mo­ numentes sitzt ein trauernder Genius, der die Fackel des Lebens auslöscht. Ein ei­ sernes Gitter umschliesst das Ganze. Der Sarkophag sannnt den Figuren sind sehr brav aus weissem Marmor gearbeitet. Es ist ohne Zweifel das schönste und kostbar­ ste unter allen auf dem Friedhofe befindli­ chen Denkmälern $ zu bedauern ist nur, dass es nicht durch ein Dach gegen die schäd­ lichen Einflüsse der Witterung geschützt wird. Nebst den aufgeführten sind noch sehr viele andere schöne Werke der Bildhauer-, Giess- und Malerkunst, darunter recht hüb­ sche aus der neuern und neuesten Zeit, wie die der Familien von Tannenberg, v. Ehr­ hart , v. Riccabona, v. Trapp u. s. w. im städtischen Gottesacker zu sehen. Bemerkenswerth ist auch das der Lady Alicia Bisset, des Ferdinand Trebisch und jenes des königl. baierischen Obersten Carl v. Dietfurt, welcher im Volksaufstande von 1809 gefallen ist. Noch muss bemerkt wer­ den, dass hier kein Leichenhaus, wie in 163 allen andern Städten von einiger Bedeutung besteh!. IV. Stifte ftir Adelige. A. fa$ ttMtge Jlamen-SStift. Dasselbe wurde von der Kaiserin Ma­ ria Theresia zum Andenken an den Tod fall Kaisers Franz I. im Jahre 1765 errichtet. Es ist eine Stiftung für 12 Damen des ho­ hem Adels unter der Leitung einer Ober­ dechantin , denen zur Pflicht gemacht ist, für die Seelenruhe des verblichenen Kaisers und für die erhabene Stifterin alltäglich ge­ wisse Gebethe zu verrichten. Sie legen keine Gelübde ab, und können nach Belie­ ben austreten. Oberste Schutzfrau ist die regierende Kaiserin. Die baierische Regie­ rung hob es im Jahre 1807 auf, zog das Gebäude anfänglich zur Burg ein, brachte aber später die Postwagen-Expedition darin 164 unter. Die österreichische Regierung rief es bereits ira Jahre 1S16 wieder ins Leben zurück. B. pie tl)crcoianifd)c Tiitter-Akademie. Von der unvergesslichen Kaiserin Ma­ ria Theresia ir.i Jahre 1775 gegründet, wur­ de dieses Institut, nachdem es im Laufe der Zeit mehrere Aenderungen, die endlich im Jahre 1813 mit seiner gänzlichen Auflösung endigten, erlitten hatte, durch Kaiser Franz den I. mit a. h. Entschliessung vom 22. No­ vember 1828 der ursprünglichen Bestimmung gemäss als Unterrichts - und Erziehungs- Anstalt für achtzehn Stiftlinge, d. i. studie­ rende Söhne tirolischer Edelleute, wieder hergestellt, und am 1. Oktober 1830 eröff­ net. Ausser den gestifteten Zöglingen wer­ den auch adelige Convictoren aufgenommen, welche für Verpflegung und Unterricht 300 fl. C. M. zu bezahlen haben. Sie besuchen den öffentlichen Unterricht am Gymnasium oder an der Universität, und sie werden ausser­ dem noch in der französischen und italieni­ schen Sprache, im Zeichnen, Fechten und Tanzen unterrichtet. Die Leitung ist, wie 165 bereits erwähnt wurde, den Jesuiten nnver- traut. Die Statuten findet man in der Provin- zial-Gesetzsammlung, XXIX. Bd. S. 701. C. J)a0 biirflerlidje konntet ist eine der theresianischen Bitter-Akademie ähnliche Privat-Erziehungs-Anstalt für min­ der bemittelte Söhne aus allen Ständen. Ihre Hauptzwecke sind christliche Erziehung und wissenschaftliche Bildung. Zur Errich­ tung dieser Anstalt hat sich im Jahre 1840 ein Verein von Privatwohlthätern gebildet, der die Fonds herbeischaffte, ein dem Zwecke entsprechendes Gebäude aufführen, und die­ ses mit den nothwenigen Einrichtungsstücken versehen liess. Am 11. Februar 1842 erhielt der Antrag die Genehmigung Sr. Maj. des Kaisers; dem gemäss wurde am 25. April 1813 von dem damaligen päpstlichen Nuntius in Wien und nunmehrigen Cardinal Ludwig Fürsten v. Altieri der Grundstein zu dem neuen Instituts-Gebäude feierlich gelegt, und dieses im Jahre 1844 vollendet. Es steht am Sillkanal, am südöstlichen Ende der Mu- seums-Strasse. Es ist ein ansehnliches, ei­ 106 nen rechten Winkel bildendes, drei Stock­ werke hohes Gebäude, mit einer artigen Hauskapelle, schönen, lichten und geräumi­ gen Zimmern und Sälen, und einem ent­ sprechenden Garten. Den Plan hiezu hat der Baumeister Jos. Christoph entworfen und ausgeführt. Die Anstalt leiten die Jesuiten; sie wurde am 1. Oktober 1846 eröffnet. Je­ der Zögling hat jährlich 200 11. C. M. zu bezahlen. Sie erhalten dafür die ganze Verpflegung, Repetition in den Gegenstän­ den des öffentlichen Unterrichts, und es werden ihnen ausserdem die italienische und französische Sprache beigebracht. Für den Fall der Auflösung der Anstalt haben sich sämmtliche Wohlthäter das Verfügungsrecht über ihre Beiträge Vorbehalten. 167 V. Vereine zur Beförderung’ des nützlichen und Schönen. A. per Jföusiköeretu. Dieser Verein, welcher unter dein Schutze Seiner Excellenz, des ehemaligen Landes­ gouverneurs Carl Grafen von Choteck steht, hat sich zu seinem IlauptzAvecke die Aus­ bildung in der Tonkunst und in der Decla- mation vorgesetzt. Er wurde schon im J. 1817 hauptsächlich durch die Verwendung des vormaligen Pfarr-Chordirektors Johann Herzog gegründet. Die Zöglinge finden im Gesänge sowohl, als in der Instrumental- Musik Unterricht. Armen und talentvollen Jünglingen Avird der Unterricht unentgelt­ lich ertheilt. Obschon sein Bestreben vor­ züglich auf solide Bildung junger Leute in der Tönkunst, nicht auf glänzende Produk­ tionen gerichtet ist, so legt er doch von Zeit zu Zeit auch öffentliche Proben seiner Leistungen ab. Die Besorgung der Musik 168 in der Universitätskirche während des aka­ demischen Gottesdienstes ist eine besondere Obliegenheit für den Verein. Neben diesem Vereine besteht noch eine besondere städtische Pfarr-Musikschule, un­ ter der Leitung des Pfarr-Chordirektors, an welcher Knaben und Mädchen vornehm­ lich für den Kirchengesang gebildet wer­ den; und eine Liedertafel zur Bildung im Männergesang, unter der Leitung des Re­ sidenz-Schlossverwalters Ernst Suschizky. Fast alle mit Stimme begabten Akademiker nehmen daran Theil, und sie wirken bei Productioncn des Musikvereines bereitwillig mit. Die Leistungen der Liedertafel fanden noch jedesmal allgemeines Lob. B. Pas jfcrbinanfccum. m Dieses Institut, welches die Natur ei­ nes Privatvereines an sich trägt, wurde gleichfalls durch die tlüitige Bemühung des ehemaligen Gouverneurs Carl Grafen v. Cho- tek gegründet. Kaiser Franz genehmigte im Jahre 1823 die Bildung dieses Vereins dessen Protektorat Seine Majestät Kaiser Ferdinand L, damals noch Kronprinz, huld- 169 rollst übernahm. Der Zweck des Vereines ist: „Fortschreitende Bilden«* der Nation im Allgemeinen und im Einzelnen, insbeson­ dere aber Weckung und Belebung des ge­ meinschaftlichen Interesse für das Land Ti­ rol, und für alles, Avas dasselbe an Erzeug­ nissen der Natur, der Kunst und des Alter­ thums Gutes, Schönes und Nützliches in sich fasset, durch dessen Aufsuchung, Auf­ stellung und Aufbewahrung in einem dazu bestimmten Lokale, und durch allinälige Be­ kanntmachung in einer heftweise herauszu­ gebenden Zeitschrift/* Seit seiner ersten Begründung hatten sich seine Sammlungen bereits so sehr ver­ mehrt, dass sie in dem bisher innegehabten Theile des Universitäts-Gebäudes nicht mehr untergebracht werden konnten, und ein ei­ genes ZAveckmässiges Gebäude zum unab­ weisbaren Bedürfniss wurde. Se. Majestät der Kaiser Ferdinand, unter Allerhöchstdes- sen besonderem Schutze die Anstalt steht, spendeten hiezu ein wahrhaft kaiserliches Geschenk von 20,000 fl. C. M.; dieser Sum­ me fügten die Stände noch 15,000 fl. C. M. hinzu, so dass nun ein ganz neues Gebäude aufgeführt werden konnte. S 170 Den Plan hiezu entwarf der verstorbene StadtbaumeisterMutschleehner, und die Aus­ führung desselben übernahm der Baumeister Joseph Mayr um die Summe von 42,083 11. 20 kr. C. M. Ara 2. Oktober 1842 wurde von Sr. kais. Hoheit dem Erzherzoge Johann der Grundstein gelegt, und im Frühjahre 1843 der Bau begonnen. Dieser schritt so rasch vor, dass das Gebäude im Frühjahre 1845 vollendet und eingerichtet da stand, und am 15. Mai desselben Jahres durch den gedachten Erzherzog feierlich eröffnet wer­ den konnte. Es steht mitten in der Mu­ seumsstrasse: seine Länge beträgt 184, seine Tiefe 54 und die Höhe bis zum Dache 48 Wiener-Fuss. Es hat ausser dem Erd­ geschoss nur noch ein Stockwerk, und ist in einem aus antiken und gothischen Ele­ menten gemischten Style erbaut. In der Mitte ist ein Bisalit angebracht, und auf diesen eine Attica in der Form eines Fron­ tons aufgesetzt. In dem Giebelfelde sind jene Künste und Wissenschaften, deren Pflege sich dieses Institut hauptsächlich widmet, symbolisch in einem Basrelief-Tableau aus Gyps und Kalk dargestellt. Diess ist das 171 Werk des jungen Plastikers Stolz aus Ma- trev. lieber einer Freitreppe von 10 Stufen aus weissem Marmor führen drei Pforten in das Innere, über diesen sind drei grosse, gothisch verzierte Bogenfenster ausgebro­ chen ; um die übrigen laufen antike Bau­ glieder mit Kränzen. Das Krönungsgesims tragen Konsolen. Im Friese des Risalits zeigt das Wort „Ferdinandeum“ die hohe Bestimmung des Gebäudes an. Die hintere lange Seite läuft in zwei Flügel aus, und hat in der Mitte eine Rotunde mit einem Kuppeldach. Im Innern laufen längs der Fronte im Erdgeschoss und im obern Stockwerke schöne Corridore hin, die mit einem mosaik­ artigen, feingeschliffenen Boden belegt sind. Die übrigen Räume sind in verschiedene, grössere und kleinere Säle abgetheilt; ihre Decken zieren chinesische Ornamente. In diesen Sälen sind nun die verschie­ denen Sammlungen aufgestellt, wovon wir jedoch hier keine ins Einzelne eingehende Beschreibung geben können; einmal, weil der beschränkte Raum dieses Werkchens es nicht gestattet; sodann, weil eine Beschrei- 8* bung nie die Stelle der Anschauung bei solchen Gegenständen vertreten kann; end­ lich, weil im Museum selbst von dem dazu angestellten Individuum alles mit genügen­ der Umständlichkeit gezeigt und erklärt wird. Die Sammlung zerfällt in sechs Haupt­ klassen, deren jede wieder mehrere Unter­ abtheilungen enthält; diese sind: I. Topographisch - historische. 1) Landkarten über Tirol und Vorarl­ berg. 23 Alterthümer und alte Münzen, welche in Tirol, oder nahe an seinen Grän­ zen gefunden wurden: darunter meh­ rere rhätische, erst in der neuesten Zeit entdeckte. 33 Urkunden, welche das Land Tirol und Vorarlberg oder seine Bewohner betreffen. 43 Heraldische Sammlung, Siegelstöcke und Siegelabdrücke. II. Naturhistorische. 5 ) Oryktognostische, geognostische und Petrefakten-Saramlung von Tirol und 173 Vorarlberg. Diese ist sehr reichhal­ tig und systematisch nach den Ge- birgsformationen des Landes in einem eigenen Saale aufgestellt. 6} Flora von Tirol und Vorarlberg, be­ stehend in einem reichen Herbarium nach dem natürlichen System geord­ net. 7) Zoologische Sammlung. Diese be­ greift zuvörderst eine reiche, aus den schönsten, ganz naturgetreu ausge­ stopften Exemplaren bestehende or/ri- Ihologische und eine ent ontologische Sammlung. Die Fauna dagegen ist noch wenig vertreten. III. Technische Sammlungen. 8) Berg- und Hütten-Produkte. 93 Fabrikate der Industrie. 103 Modelle. 113 Waffen. IV. Bildende Künste. I*i3 Handzeichnungen. 133 Kupferstiche und lithographische Ab­ drücke. 143 Gemälde, vorzüglich tirol. Künstler. 1T4 15} Glasgemälde. 16) Plastische Kunstwerke. 17) Neue Münzen und Medaillen. Diese Sammlung ist reichhaltig, und mit umfassender Kenntniss geordnet. V. Literatur. 18) Bibliothek. Die Bibliothek besteht aus zwei Abtheilungen, wovon die erste die dem Institute eigentümlich angehörigen Werke; die zweite aber die sogenannte Bibliotheca lirolensis des verstorbenen Freiherrn v. Dipauli enthält; diese ist Staatseigentum. Die Benützung jener ist nur Mitglie­ dern ; die der letztem auch diesen nur unter Beschränkungen gestattet. 19) Manuskripte. VI. Anhang. 20) Aegvptische Altertümer. 21) Amerikanische Seltenheiten. 22) Miscellen. Für Fremde steht das Museum jederzeit, für das hiesige Publikum aber nur an Einem Tage in der Wo- ehe während der Sommer-Monate oG- fen. C. iltontametisdj-geiignostiödjcr Drrrin. Hauptzweck dieses Vereines, der seine Entstehung der Sorgfalt Sr. Excellenz des gewesenen Hrn. Landesgouverneurs, Fried­ rich Grafen von Wilczek, verdankt, ist Durchforschung des Landes Tirol und Vor­ arlberg in allen seinen Theilen zur Ent­ deckung nutzbarer Fossilien, Erdarten, be­ sonders von Steinkohlen, Torf, Auffindung von Bau- nnd statuarischen oder lithogra­ phischen Steinen, zur Untersuchung der Ge- birgsarten, Beurtheilung und öffentliche Be- kanntgebung dieser Entdeckungen zur Er­ leichterung bergmännischer und anderer tech­ nischer und Handlungs-Unternehmungen. Bei dieser Tendenz lässt jedoch der Verein die höhern wissenschaftlichen Inter­ essen nicht aus dein Auge, um nach und nach durch Anfertigung von Karten, Höhen­ messungen, Untersuchung der Gebirgsarten, Anlegung mineralogischer Sammlungen u. dgl. eine zusammenhängende geognostische Uebersicht und eine gründliche Beschreibung des Landes zu liefern. Der Verein erfreut sich des obersten Protektorates Seiner kai­ serlichen Hoheit des Erzherzogs Johann. Mit der kaiserlichen Entschlicssung vom 10. November 1838 erhielt der Verein die Bestätigung seiner Statuten, und noch an­ dere Begünstigungen. Die Zahl seiner Mit­ glieder ist sehr gross. Bis jetzt ist erst die geognostische Karte und Beschreibung von Vorarlberg erschienen. Sie fand allgemein ungetheilten Beifall. Von einer Gewinn versprechenden Ent­ deckung ist noch nichts bekannt geworden. Der Veiein steht unter dem unmittelbaren Protektorate Sr. Excel lenz des Herrn Lan­ desgouverneurs, Grafen v. Brandis. D. per lantumrtljsdjrtftlidje tlcrein zu zweckmässigen Verbesserungen in allen Theilen der Landwirtschaft. Es ist ein auf seine eigenen Kräfte beschränkter Privatver­ ein, welcher unter dem Protektorate des je­ desmaligen Landeschefs steht: er wählt sei­ nen Präsidenten aus den Mitgliedern, des­ sen Bestätigung der allerhöchsten Sanction unterliegt. Oie Statuten desselben erhielten am 8. Februar 1838 die allerhöchste Bestätigung. Er gibt eine Wochenschrift heraus, und vertheilt Prämien an die besten Viehzüchter, ln jedem Kreise besteht ein Filialverein. VI. Oeffentliclie Unterhal­ tung splätzc. A. (harten linfc ^Uecn. 1) Der Rennplatz hat seinen Namen von den Kampfspielen, Avelche zu den Zeiten des Ritterthums hier gehalten wurden. Schon im Jahre 1574 wurde er appla- nirt und mit Bäumen besetzt; im Jahre 1765 waren die hohen Pappel- und im Jahre 1808 die Kastanienbäume gepflanzt worden. Er- stere bilden die Hauptallee, welche seit dem Herbste 1842 in einer Doppellinie bis an das Innufer fortläuft. Der Neubau des Theaters machte eine Veränderung dieser schönen An- 178 läge nothwendig. Diese Umgestaltung er­ folgte im November 1845 und im März 1846. Dieser Platz ist noch immer der angenehm­ ste und nächste, weil in der Stadt selbst gelegene, Spaziergang. 23 Der Hofgar len, welchen der Erzher­ zog Leopold im Jahre 1628 anlegen liess. Aus dieser Zeit stammen noch die grossen majestätischen Tannenbäume in der 31itte des Gartens, von denen leider schon so viele durch die häufigen Sturmwinde, so na­ mentlich am 6. August 1842 zwei auf ein­ mal, niedergerissen worden sind 5 andere sind durch die Länge der Zeit verdorrt. Sie durch neue zu ersetzen, ist kaum thunlicli. In Mitte des Gartens erhebt sich ein geschmackvolles Sommerhaus 5 vor und hin­ ter demselben spritzen zwei Springbrunnen ihren Wasserstrahl in die Höhe. Die Wege sind in Wellenlinien gezogen und verschlin­ gen und theilen sich nach verschiedenen Richtungen. Laubiges Buschwerk, Gruppen oder Al­ leen von Bäumen, grünende Rasenflächen, hie und da angebrachte Blumenparthien, Bänke und Tische unter überhängendem Ge­ sträuche. künstliche Hügel mit leichten Som- 179 meihüttchen und der Aussicht auf die be­ lebte Strasse machen den Hofgarten zu ei­ nem sehr angenehmen Unterhaltungsplatze. Im Gewächshause des Hofgartens, wel­ ches nach Verschiedenheit der Jahreszeit mit Blumen und blühenden Stöcken sehr niedlich verziert ist, findet man beliebige Erfrischungen, gute Gesellschaft und in ein­ samen Augenblicken unterhaltende Lectiire. DerTheil des Gartens längs der Landstrasse ist mit einer zierlichen Mauer umfangen, und hat in seiner Mitte ein niedliches, tempel­ artiges Sommerhaus mit einem Portikus und einer Attica. Dieser wird sorgfältig kulti- virt, weil er für den allerhöchsten Hof Vor­ behalten blieb. Die Benützung desselben in Abwesenheit des Hofes ist dem Hn. Lan­ desgouverneur überlassen. 3]) Die englische Anlage. So heisst der mit schattigen Bäumen, Buschparthien, schlan- genförmigen Gängen und Ruhebänken ver­ sehene Rasenplatz, der sich am Ende des Rennplatzes längs dein Inn hinzieht, und mit dem neuen Quai am rechten lnnufer in Verbindung steht. Diese Anlage wird durch die nach Mühlau führende Strasse von der einen, und durch den Inn von der andern 180 Seite in einen spitzigen Winkel zugeschnit­ ten, und verliert sich endlich in eine höchst angenehme Allee von Linden und wilden Kastanien, welche bis zum Löwenhause und von dort bis zur Miihlauer-Brücke führt. Dieser Park gefiel der Miss Trollope ungemein, und sie schreibt, dass man sich nach einer Ueberfahrt über den Inn nichts angenehmeres denken könne, als einen Spa­ ziergang in demselben. 4) Ausser den genannten laden noch viele andere Alleen zu freundlichen Spazier­ gängen ein, wie die Doppel-Allee mit da­ zwischen liegender Rasenfläche am linken Innufer vor dem Straf-Arbeitshause, die Al­ leen am Innrain, die Pappelallee im Stadt­ saggen , die Allee von Fruchtbäumen nach Ferneck, nach Hall, Kranewitten u. a. m. B. £>d)ie$£iplät3e. 1} Die Schiesstätte jenseits des Inns für den Civilstand. Dieses Gebäude kann auf Schönheit eben keinen Anspruch ma­ chen; auch ist es nicht zweckmässig gele­ gen. Desswegen, und weil in Folge der kaiserlichen Entschliessung vom 5. April iSlVJ 181 das SchützenAvesen in Tirol einen neuen Aufsclrwung genommen hat, dachte man schon lange an ein anderes Gebäude und an einen gelegenem Platz; bis jetzt ist es aber noch nicht gelungen, einen ausfindig zu ma­ chen. Auf keinem Schiesstande in ganz Tirol Avird so häufig geschossen, als auf dem hiesigen. Wenn ein Hauptschiessen statt findet, geht es dort sehr lebhaft zu, und ein Besuch der Schiesstätte Avird kei­ nen Fremden gereuen. Schon die vielen iin Gebäude aufgehängten Scheiben sind inter­ essant. 2~) Die Schiesstätte auf dem Berge Isel für das 31ilitär. Von der letztem wird in der Folge die Rede sein. C. p«$ (Casino zum geselligen Vergnügen. Es hat den Zweck, das Band des gesellschaftlichen Umganges unter der gebildeten Classe en­ ger zu knüpfen, und durch vereinte Beiträge Unterhaltungen zu schaffen, Avelche Einzelne ohne grossemKostenaufAvand nicht geniessen könnten. Nach der Eigenschaft der gcsel- 1S-2 ligen Unterhaltungen zerfällt es in drei Zweige: aj das Tanz-, b) » Musik- und cj „ Lese-Casino. Neben dem Casino besteht noch eine andere ähnliche Gesellschaft für jüngere Leute aus dem Bürger- und untern Beam­ tenstand. Ihre Mitglieder nennen sich gar zu bescheiden die „Namenlosen.“ Ihre Zu­ sammenkünfte finden im Gasthofe zur gol­ denen Sonne statt. Sie veranstalten Bälle, Concerte, kleine dramatische Vorstellungen und andere dergleichen Vergnügungen. Der zu leistende Beitrag ist gering. D. pic tictoute, ein geschmackvolles, in zwei Säle abge- theiltes Gebäude, von Maria Theresia im Jahre 1773 erbaut, und 1805 durch mehrere damit in Verbindung gesetzte Gesellschafts­ zimmer erweitert. Jm Jahre 1838 wurde der grosse Saal geschmackvoll ausgemalt, mit einem herrlichen Parquetboden belegt, und mit prächtigen Lustern geziert. In die- 183 sein Saale finden auch Concerte und andere Kunstproductionen statt. E. pas tlational-Uljeaterj vom Erzherzoge Ferdinand Carl iin Jahre 1653 erbaut, war unter seiner Regierung eines der schönsten in Deutschland. Zur Verfertigung der Maschinen und Decoratio- nen wurdenLeute aus Italien berufen. Wäh­ rend der langen Zeit seines Bestehens hat es zwar viele Aenderungen erlitten, allein es entsprach den Anforderungen eines ge­ läuterten Ceschinackes nicht mehr; auch standen seine Räumlichkeiten mit dem ge­ steigerten Interesse des Publikums an dra­ matischer Kunst nicht mehr in allen Fällen im Verhältnisse desswegen wurde das Ver­ langen nach einem neuen Theater immer grösser und allgemeiner. Nach langen Be­ rathungen und Verhandlungen entschied man sich endlich für einen Neubau. Joseph Se- gusini, Ehrenmitglied der Akademie in Ve­ nedig, und jener des Pantheon in Rom, ent­ warf den Plan, und Paul Vanotti nahm die Ausführung desselben über sich. Am 30. März 1844 fand im alten Theater die letzte 184 Vorstellung statt, und am 1. April begann der Abbruch desselben; sofort wurde am 18. Mai 1844 zu den neuen Theater der Grundstein gelegt, und der Bau so rasch gefördert, dass das Gebäude in weniger als zwei Jahren vollendet da stand. Am 19. April 1846, dem Geburtsfeste Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand , wurde es feierlich eröffnet. Das Theater ist von aussen 192 Fass lang und 92 Fuss breit. An der Fronte ver­ stärkt ein in das Gebäude hineingerückter, auf vier mächtigen, sehr geschmackvollen korinthischen Säulen ruhender Portikus das bedeutungsreiche Ansehen desselben. Die Eckschäfte des Portikus haben Nischen für Statuen, und seine Decke zieren sehr schöne Casetten mit Rosetten. lieber dem von sehr zierlichen Conso- len getragenenKrönungsgesiinse erhebt sich eine Attica, an der man vorderhand nur zwei Siegel erblickt. Um das Ansehen der Fa