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Sign. Nr. J-108/4 L
STADTARCHIV INNSBRUCK
Inv. Nr.
10440
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Franz-Heinz Hye
AMRAS
Geschichte und Gegenwart
Deen
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F.H. HYE F
AMRAS
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Die Herausgabe dieses Buches wurde von der
Raiffeisenkasse Amras
durch die Finanzierung aller Farbdrucke gefördert.
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DIE STADTTEILE INNSBRUCKS
herausgegeben vom Innsbrucker Stadtarchiv
Band 4:
Franz-Heinz Hye
AMRAS
Geschichte und Gegenwart
Dorf - Stadtteil - Schloß - Kirche
Vereine
Festgabe zum 500. Weihejubiläum der
gotischen Amraser Pfarrkirche 1489 - 1989
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Titelbild: Ansicht von Schloß Ambras mit dem östlichen Teil des »oberen Tiergartens (mit Rotwild),
dem Amraser See und den Türmen der zwei Amraser Kirchen, im Vordergrund die Luigenstraße.
Col. Kupferstich von Georg Hoefnagl, nach einer Zeichnung von Alexander Colin, um 1570.
Innsbruck 1989
Herausgeber und Verleger: Stadtmagistrat Innsbruck
Für den Inhalt sind die Verfasser verantwortlich
Gesamtherstellung: Hernegger Offsetdruck Ges. m. b. H., Innsbruck
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Inhalt
Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck, Romuald Niescher
Grußwort des Bischofs von Innsbruck, Dr. Reinhold Stecher
Vorwort des Pfarrers von Amras, Stephan Lang, OPraem.
Vorwort des Schriftleiters und Verfassers, Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye
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Franz-Heinz Hye
Amras Dorf, Schloß und Kirche
Lage und Ausdehnung
Name Vorgeschichte - Römerstraße
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Die mittelalterliche Burg Amras - die Grafen von Andechs und ihre Allodialherrschaft Amras
Das Propsteigericht Amras
Die Getzner-Säule am alten Amraser Kirchweg
Die Stellung des Propsteigerichtes Amras in der Tiroler Landesverteidigung
Der Anteil von Amras an den Ereignissen des Jahres 1809
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Die Dorfgemeinde Amras - Anfänge und älteres Verfassungsleben
Die Gemeinde im 19. Jahrhundert
Die Errichtung der ersten Hochdruck-Trinkwasserleitung für Amras
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Die Abtrennung der Fraktion Pradl und deren Eingemeindung zur Stadt Innsbruck
Die Gemeinde Amras von 1904 bis 1918.
Die Gemeinde Amras von 1918 bis 1938
Die dritte Amraser Trinkwasser-Versorgungsanlage...
Amras erhält ein eigenes »Gemeindehaus - und wird nach Innsbruck eingemeindet
Verzeichnis der Gemeindevorsteher und Bürgermeister von Amras
Der Stadtteil Amras von 1938 bis 1945
a) Die Wohnbauten der Neuen Heimat für die Südtiroler Optanten
b) Das ehemalige GESTAPO-Lager in der Reichenau
c) Amras im Bombenkrieg 1943-1945
Der Stadtteil Amras von 1945 bis heute
Das Amraser Stadtteilwappen
Anhang: Andreas Bramböck, Aus der Schulchronik von Amras
Wirtschaft, Gewerbe und Handwerk
a) Egerdach-ein Ampasser Hof, ein Amraser Bad und ein Ziegelofen,
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aus dem sich die Hermann-Gmeiner-Akademie entwickelte
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b) Strandbad Schönruh
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Straßen und Verkehr
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Die Höfe und Häuser von Amras - ohne das Gewerbegebiet der Reichenau
östlich vom Langen Weg (bis 1976)
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Burg und Schloß Ambras sowie seine Nebengebäude
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a) Burg und Schloß
228
b) Die Nebengebäude des Schlosses und die beiden >Tiergärten< bzw. der Schloßpark
c) Der Amraser See und der landesfürstliche Seehüterhof
237
245
Die Pfarre Amras und ihre Kirchen, Kapellen und Friedhöfe
Verzeichnis der Kuraten und Pfarrer von Amras (1765)
248
1989)
259
Pfarrkindergarten und Pfarrzentrum
261
Die Amraser Pfarrkirche
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Die Weiheurkunde von 1489
Die Amraser Kirchen-Glocken
Die Amraser Friedhöfe
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a) Der Pfarrfriedhof
b) Der Tummelplatz
c) Der Amraser Kriegerfriedhof an der Wiesengasse
d) Die Friedhofserweiterung des städtischen Ost- bzw. Pradler Friedhofes
e) Der ehemalige Amras-Pradler Pestfriedhof
Amraser Wegkapellen - einst und jetzt
Die ehemalige St. Georgskirche am Bichlweg im Oberdorf und der
St. Georgsaltar Kaiser Maximilians I. aus dieser Kirche
Die Korporationen und Vereine von Amras
Werner Erhart
Die Schützenkompanie Amras.
Josef Fesele t
Chronik der Musikkapelle Amras (bis 1955)
Hans Zimmermann
Aus der Chronik der Musikkapelle (1955 bis 1989)
Franz-Heinz Hye
Die Freiwillige Feuerwehr von Amras (1883 - 1989)
Die Ortsbauernschaft von Amras..
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Karl Klotz
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Von den Anfängen zur Gegenwart der Raiffeisenkasse Amras
401
Hans und Herbert Ullmann
Der Trachtenverein »Die Amraser<
406
Andreas Bramböck
Der Amraser Kirchenchor
417
Robert Engelbrecht
Jugendchor Amras
421
Katholische Jungschar Amras
423
Karl Horak
Der Ski-Club Amras 1955 - 1989
425
Hermann Schweizer
Unsere Seniorenstube - ein liebgewonnener Ort der Begegnung
429
Andreas Bramböck
Die Arbeitsgemeinschaft Amras
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In Amras beheimatete Institutionen
Hubert Bartl
Das Lehrerheim< in Amras
Rudolf Maurhard
Die Hermann-Gmeiner-Akademie in Egerdach
Roland Schick
Geschichte der Lebenshilfe Tirol (Stammhaus Domanigweg 3)
Programm durchs Amraser Jubiläumsjahr 1989
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Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck,
Romuald Niescher
Für all jene, die sich für Innsbruck interessieren und besonders für die Bewohner
der jeweiligen Stadtteile ist die von unserem Stadtarchiv herausgegebene Serie >>Die
Stadtteile Innsbrucks<< eine besondere Kostbarkeit und eine wertvolle Bereicherung
ihrer Innsbruck-Literatur.
Nach der Hungerburg, St. Nikolaus und Hötting-West/Allerheiligen ist nun Amras an
der Reihe. Würdiger Anlaß ist das 500-Jahr-Jubiläum der Weihe der gotischen Amraser
Pfarrkirche, das heuer festlich begangen wird.
Das sogenannte Stadtteilbewußtsein, das in jungen Stadtteilen, gesät durch Idea-
listen, erst Schritt für Schritt erarbeitet werden muß, mit dem Ziel, daß die Menschen
ihr Wohngebiet auch als unmittelbare Heimat empfinden und anerkennen, dieses
Stadtteilbewußtsein ist in der Bevölkerung von Amras zutiefst verwurzelt. Hier, im
ehemaligen Dorf Amras, das, wie Funde belegen, auf eine 3000jährige, kontinuierlich
nachweisbare Geschichte zurückblicken kann, sind heute kulturelle Eigenständigkeit
und Eigenart, ein florierendes Vereinsleben und ein gesunder Stolz, Amraser zu sein,
Selbstverständlichkeit. Als Bürgermeister begrüße ich diese wertvollen und überaus
positiven Eigenschaften unserer historisch gewachsenen Stadtteile und die Stadtge-
meinde ist bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeit diese Eigenheiten zu fördern. Gerade
jetzt wieder hat die Stadt mit der neuen Schule, in der auch die Vereine eine Heimstatt
haben, und mit dem Neubau des Feuerwehrhauses kräftige Akzente für die Eigenstän-
digkeit des >Dorfes<< gesetzt.
Jeder Stadtteil hat seine Besonderheiten, die in der Gesamtheit die Schönheit unserer
Stadt Innsbruck ausmachen. Amras hat mit seinem prachtvollen Schloß ein besonde-
res Juwel. Es ist einer der herrlichsten historischen Bereiche, die wir in unserer Stadt
haben und erst kürzlich fand dort eine denkwürdige Feier statt: Der berühmte Wiltener
Kelch, authentischer Zeuge der Geburtsstunde unserer Stadt, ist »zurückgekehrt<< und
ist künftig während der Sommermonate auf Schloß Ambras zu besichtigen. Doch nicht
nur das Schloß ist historischer Boden. Da ist die herrliche 500 Jahre alte gotische Pfarr-
kirche, da erinnern Straßen- und Meilensteine an die Römerzeit und auch Innsbrucks
ältestes öffentliches Denkmal, die Getznersäule von 1418, steht in Amras.
Doch bei all seiner historischen Bedeutung ist Amras auch ein moderner Stadtteil von
Innsbruck, in dem gottlob auch heute noch landwirtschaftliche Betriebe ihren Platz
haben. Daneben liegt aber auch Innsbrucks gesamte Gewerbezone auf Amraser Ge-
meindegebiet, ebenso wie das Klärwerk, das nunmehr um mehr als 500 Millionen Schil-
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ling generalsaniert, d. h. so gut wie neu errichtet wird. Das nächste große Projekt dient
der Beruhigung des Stadtteils: die Luigenstraße erhält eine neue Trasse am Ort vorbei,
der Verkehr nach Ampass wird nicht mehr durch Amras fließen, der Ortskern wird vom
Durchzugsverkehr befreit.
Ehemaliges Dorf, Schloß, Kirche, Vergangenheit und kulturelle Gegenwart, moderner
Stadtteil Innsbrucks: Dies alles ist Amras und über allem steht die Individualität dieses
Stadtteils und seiner Bewohner, die gepflegt und erhalten werden muß.
Abschließend gilt mein Dank allen, die an der Gestaltung dieses Stadtteilbandes mit-
gewirkt haben. Es ist ein gediegenes und schönes Werk. Möge es Interesse finden bei
allen, die in Amras leben und die Amras lieben!
Perminer Niever
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Grußwort des Bischofs von Innsbruck, Dr. Reinhold Stecher
Wenn eine Pfarrkirche ein halbes Jahrtausend lang steht, ist es Zeit zur Besinnung.
Und es tut gut, sich sozusagen einmal an die alte Kirchenmauer zu lehnen und sich in
Erinnerung zu rufen, was an ihr alles vorbeigezogen ist.
Sie ist nicht in einer guten, alten Zeit« erbaut worden, die Kirchenmauer von Amras.
Es gab 1489 neben inniger Gläubigkeit auch Hexenwahn und Aberglauben, Verfall des
geistlichen Berufes und Verweltlichung der Kirche, soziale Spannungen unter den vie-
len tausend Gastarbeitern, die als Bergknappen im Lande waren. Die Mauern haben
die Stürme der Reformationszeit gespürt und die Auseinandersetzung mit Suchern
und Sekten, viel Gewalt und Härte, Bauernunruhen und Teuerung, Pest und Erdbeben.
Die alte Mauer hat droben auf dem Schloß Fürstenherrlichkeit kommen und gehen ge-
sehen. Sie hat die napoleonische Artillerie, die Totenklage auf dem Tummelplatz, die
Parolen Hitlers und die Bomben des Zweiten Weltkrieges gehört. Sie hat die Wohnblök-
ke und die Pfeiler der Autobahn wachsen sehen. Und alles ist vorbeigegangen, und
rauscht vorbei, und die alte Kirche steht immer noch, und sie ist schmucker geworden
denn je. Auch einen Brand hat sie noch überstehen müssen, - wie wenn all das andere
nicht gereicht hätte.
Es tut gut sich an eine Kirchenmauer zu lehnen, die außen der Jahrhunderte spottet
und die innen noch immer dieselbe Botschaft der Schrift, dieselben Zehn Gebote,
dieselbe heilige Wandlung, dasselbe Vater Unser, die gleiche Taufformel gehört hat,
vielleicht einmal lateinisch, dann deutsch - aber was ist das schon?
Es tut gut zu wissen, daß das Wesen des Christlichen die Jahrtausende überdauert, und
bei aller Aufgeschlossenheit für neue Wege, Initiativen und Entfaltungen des Gottesrei-
ches darf bei einem derartigen Jubiläum doch auch so etwas wie eine Gelassenheit
über uns kommen. Wer an der alten Kirchenmauer lehnt, nimmt das nächstbeste Welt-
untergangskrisengeschrei nicht so abgründig ernst, wohl aber den rettenden Gott, der
durch die Zeiten schreitet.
Und die FREUDE an Ihm wünsche ich allen Amrasern und der ganzen Pfarrgemeinde!
Builon.
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Vorwort von Pfarrer Stephan Lang, OPraem., Amras
Es ist sehr zu begrüßen, das neugeborene Mädchen, die Festschrift Amras. Der
Anlaß ist bekannt: 500 Jahre gotische Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Amras (-Innsbruck).
Zu begrüßen, weil damit weitergeführt, neuaufgelegt und wesentlich erweitert wird,
was 1977 in dem handlichen Büchlein »Amras« erschienen ist. Damals wie diesmal ist
der geistige Vater Univ.-Doz. SR Dr. Franz-Heinz Hye, selbst ein »Sohn< dieses Ortstei-
les, als Stadtarchivdirektor wie kein anderer berufen und befugt, die Feder zu führen.
Herausgeber war damals die Arbeitsgemeinschaft Amras, diesmal der Stadtmagistrat
Innsbruck durch sein Archiv.
Die restlichen Handbüchlein werden Jahr für Jahr den Ausschulenden der Volksschule
Amras ins Leben mitgegeben. Auch der Pfarrer darf an Gäste weiterreichen. Ein sehr
sinniges Geschenk, es könnte bei rechter Wertschätzung seelische Verwurzelung be-
günstigen. Dem gleichen Zweck und Sinn dient die fantastische Festschrift »Amras<<.
Was könnte heute nötiger sein als seelisches Einwurzeln. Der Mensch in seiner Fluktua-
tion- durch äußere Umstände oft erzwungen - ist in äußerster Gefahr, in jeder Bezie-
hung labil zu werden. Die verheerende Folge steht täglich in den Negativspalten der
Presse zu lesen. Freiheit ist schön und gut, Heimatlosigkeit jedoch entzieht den guten
Nährboden und schwemmt das Üble obenauf. Die Verwilderung in's Primitive dehnt
sich aus wie die Wüste Sahara. Der sandtreibende Wind ist die seichte Kost der soge-
nannten Unterhaltungsindustrie und wird reichlich in den Medien feilgeboten. Dem ist
durch gutes Schrifttum entgegenzusteuern.
Nichts vermag der Person des Menschen mehr seelische Heimat und damit Halt zu
geben als der Glaube innerhalb lebendiger Gemeinde. Lebendig dann, wenn sie sich
regelmäßig zu Gottesdienst und in kleinen Gruppen zu gegenseitigem Mitteilen und
Helfen trifft. Das eine geschieht in der jeweiligen Pfarrkirche oder Patronatskirche (per-
sonale Gruppen), das andere mag in einer Stadt sich weit verzweigen. Bei allem ge-
schätzten Pluralismus erweist es sich als Bärendienst, wenn Freiheit auf Kosten der Be-
heimatung ins maẞlos Egoistisch-Individuelle absackt.
Darum freut es alle Einsichtigen, Gutgesinnten und kulturell Aufgeschlossenen, daß
unser Hwst. H. Bischof aus Anlaß der 500-Jahr-Feier mit der Glaubensgemeinde die
festliche Messe hält. Vorbereitet von der Kerngemeinde durch hochherzige finanzielle
und persönliche Mittat bei der Innenrestaurierung. Haben doch allein 16% der Amraser
Bevölkerung in privater Weise oder innerhalb ihrer Vereine 1,7 Mill. Schilling zusam-
mengebracht und dabei die caritativen Aktivitäten wie »Kampf dem Hunger<, >Bruder
in Not«<, Caritas der Diözese und Gemeinde aufrecht erhalten. Wirklich, nicht Worte
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oder böse Ausreden, nur Taten haben ihren Wert. Die Außenrestaurierung soll das
500-Jahr-Werk abrunden. Dazu sind jene 84% aufgerufen, die noch nicht auf der Spen-
derliste aufscheinen. Was wäre mit einer »Schindelspende« von 50 Schilling?
Zu begrüßen ist also die Festschrift in großer Dankbarkeit jenen gegenüber, die schrift-
liche, bildhafte u. a. Beiträge geleistet haben, die die Herausgabe finanziell ermöglicht
haben (Stadt Innsbruck). Durch Wissen um die Ortsgeschichte, Kenntnis von Gottes-
haus und Schloßberg kann jeder sagen: Da gehör' ich her. Andererseits kann durch die
ausführliche Information über Gemeinde und Pfarre jeder sagen: Da gehöre ich
dazu... oder, sollte ich da nicht mittun?
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Bibel)... man könnte es auslegen... von Sport,
Fitneẞ, Kosmetik, Biokost, Auto, Freizeitkonsum... das mag alles seinen Platz haben.
Der Mensch lebt aber ebenso und wesentlich d. h. beseelt von jedem Wort, das aus
dem Munde Gottes kommt (und die Kirche der Gemeinde vermittelt). Das, was den
Menschen erst zum Menschen werden läßt, ist konkret gelebte Religion in der Gemein-
de. Darum: Kirche und Gemeinde sind eins.
So wünsche ich der Festschrift, daß sie als fruchtbares Samenkorn in viele Hände,
durch viele Augen, in viele Herzen gelangt und von dort keimt zur heimatlichen Verwur-
zelung.
In zwei Jahren (1991) wird Amras eine 100 Jahre junge selbständige Pfarrei. Bis dahin
sollte jeder mehr oder weniger Verantwortung nicht nur abzahlen, sondern unersetz-
lich mittragen, das wäre der volle Erfolg, den wir Schreibern, Herausgebern und Lesern
wünschen. Denn glauben kann man nicht allein.
Stuhon borny • proum ferrer
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Vorwort des Schriftleiters und Verfassers
Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye
Wer hätte jemals gedacht, daß der Amraser Kirchturm zu einem der hervor-
stechendsten Baudenkmäler und Kennzeichen von Innsbruck werden würde? Wohl
niemand. Seit dem Bau der Autobahn aber ist dies eine neue Realität. Jeden, der vom
Unterinntal her über die Autobahn nach Innsbruck kommt, grüßt als erstes markantes
Monument unserer Stadt der schlanke, wohlproportionierte, gotische Spitzturm der
Amraser Pfarrkirche. Und eben diese Kirche mit diesem Turm wird heuer 500 Jahre alt.
- Anstelle einer älteren romanischen Kirche um 1480/89 erbaut, erhielt sie am
25. Oktober 1489 ihre Weihe.
Der Stadtteil Amras und das Innsbrucker Stadtarchiv nehmen dieses Jubiläum zum An-
laẞ, um dieses seit 1938 eingemeindete, ehemalige Dorf wieder ein wenig in das allge-
meine Interesse zu rücken, - auf Amras aufmerksam zu machen. In diesem Sinne hat
das Stadtarchiv zwei Schwerpunkte gesetzt. Es veranstaltet einerseits vom 17. August
bis 29. Dezember eine Jubiläums-Ausstellung mit dem Titel »Amras in alten Ansichten<<
und gibt andererseits in Entsprechung zur Zielsetzung der vom Stadtarchiv initiierten
Reihe >>Die Stadtteile Innsbrucks<- Beiträge zu lokalen Jubiläen - als Band 4 eine vom
Unterfertigten selbst verfaßte historische Monographie über »Amras - Dorf, Schloß
und Kirche« heraus.
Als Verfasser ist es mir dabei ein besonderes Anliegen mit diesem Buch einmal all
jenen meinen aufrichtigen Dank abzustatten, die für die Wahl meines Berufsweges
entscheidenden Einfluß auf mich genommen haben. An erster Stelle waren dies meine
lieben Eltern, Dr. Franz-Egon und Elisabeth Hye, die typisch für »Zuagroaste<< -, für
sich selbst und damit auch für mich das besondere Interesse an der Geschichte von
Amras, Innsbruck und Tirol geweckt haben. Übrigens war dieses Interesse auch schon
bei meinem Großvater, Ministerialrat Dr. Franz-Seraph Hye in ausgeprägtester Weise
vorhanden, als er 1919 mit seiner Familie von Wien nach Amras übersiedelte. Zahlreiche
persönliche Notizen von seiner Hand-er ist schon 1933 verstorben - ließen mich dies
nachempfinden. Dermaßen also vom Elternhaus für die Heimatkunde aufgeschlossen,
fand ich in der Amraser Volksschule in meiner bis zu ihrem Tod (1986) stets hochverehr-
ten Lehrerin Frieda Lackner den nächsten und wohl intensivsten Förderer meiner Nei-
gung zu Heimatkunde und Geschichte. Was sie uns, der Zeit entsprechend nur in der
Schulstube, deshalb aber nicht weniger lebendig, in ihrem Unterricht vermittelte, fand
einige Jahre später unter der Obhut unseres unvergessenen Pfarrers Anton Plattner
(gest. 1958) eine noch vitalere Ergänzung, als er es verstand, uns Kinder nicht nur im
kirchlichen Leben der Pfarre mitwirken zu lassen (z. B. bei den Prozessionen als Fergge-
le- oder Fahnenträger), sondern er war es auch, der - jedenfalls für mich - im Rahmen
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unserer bzw. seiner Studentenverbindung »Amelungia« erstmals das Tor nach Südtirol,
in unseren ebenso schönen wie geschichtsvollen südlichen Landesteil, geöffnet hat.
Damals war ich noch nicht ganz 15 Jahre alt, doch die Weichen für mein weiteres Wer-
den, für meine späteren Studien waren schon damals gestellt.
Das vorliegende Buch sei daher auch ein ganz persönliches Zeichen des Dankes an die
genannten Wegbereiter meiner Kindheit und Jugend, die jedoch alle schon in die ewige
Heimat heimgegangen sind.
Abschließend sei noch die Hoffnung ausgesprochen, daß dieses Buch nicht nur - wie
jedes Sachbuch - besserer Information diene, sondern daß es auch für manchen jun-
gen Amraser und Innsbrucker neuerdings zur Anregung werde, sich ganz und gar der
Geschichte unserer Heimat zu verschreiben.
F. M. Mys
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Abb. 1: Ansicht des Dorfes Amras um 1820/30. Lithographie
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Amras
-
Lage und Ausdehnung
Amras bildet heute den südöstlichsten Stadtteil von Innsbruck. Abgesehen von
seiner heutigen West- und Nord-Grenze bildet der jahrhundertealte Grenzverlauf die-
ser bis 1938 selbständigen Gemeinde heute südlich des Inn gegen Osten und Süden
die Stadtgrenze von Innsbruck. Diese beginnt in der Mittellinie oder im >Faden<< des
Inn, wobei als nördlicher Nachbar die Gemeinde Rum figuriert. Vom Inn steigt die Gren-
ze - ihr Verlauf ist hier vom Relief der einstigen Aulandschaft geprägt - entlang des
Ostrandes des ehemaligen, heute von der Autobahn zerschnittenen >Per«- oder »Par-
leitenbichl<< hinauf nach Egerdach, wobei das alte Egerdachgut, der heutige Peerhof, zu
Ampass, das heutige Egerdach hingegen mit dem ehemaligen Badgasthof (Luigen-
straße 120) und der SOS-Kinderdorf-Akademie zu Amras gehört. Eine klärende Bemer-
kung verdient hier auch der erwähnte »Parleitenbichl«<, (so z. B. noch im Amraser Steu-
erkataster von 1775, Cat. Nr. 751), welcher infolge typisch »aufgeklärter<< Besserwisserei
des 19. Jahrhunderts, die mit der >Per<<- oder »Par-Leiten« nichts anzufangen wußte, in
der Katastermappe von 1856 den sinnlosen, ja irreführenden Namen »Armenleuten
Bichl« erhalten hat. Vom Amraser Egerdach steigt die Grenze dann zum Höhenzug des
Luigenwaldes empor, der anfangs parallel zur Landesstraße von Ampass nach Aldrans
verläuft.
Aldrans ist daher auch der nächste Grenznachbar, wobei die Straßenbrücke über den
Mühltalbach knapp oberhalb des derzeit ruinösen Strandbades »Schönruh<< bereits
knapp oberhalb der Grenze liegt. Dort übersetzt die Grenze die Aldranser Straße, um
dann zuerst leicht absteigend in einem weiten Winkel die vorwiegend zu Aldrans gehö-
renden und daher so benannten »Aldranser Wiesen« zu umfassen, und zwar bis zu je-
nem Punkt, wo von Süden aus dem Wald ein kleines Bächlein in die Wiesen einmündet.
Diesem Wasserlauf, im Aldranser Weistum des 16. Jahrhunderts wird er als >>Tunkltal<<
bezeichneter führt unter dem Bahndamm der Igler-Bahn in einem ausgewölbten, in
gebückter Haltung begehbaren Tunnel hindurch -, folgt die Grenze nun ein erhebli-
ches Stück bergauf, um dann knapp unterhalb des Waldrandes bzw. des Lanser Golf-
platzes von Sparberegg durch das Gehölz westwärts zu verlaufen. Schließlich übersetzt
die Grenze in diesem Stück noch den Lanser Weg und steigt zu einem der untersten
Felsschrofen am Nordabfall des Lanser Kopfes empor.
Diese Grenzpartie - gegen Lans - ist noch heute durch eine Reihe alt nummerierter –
ihre Zahlen sind eingemeißelt - natursteinerner Grenzsteine markiert. Die erwähnte
Grenzmarke im Felsschrofen trägt die Nummer 8. Von dort fällt die Grenze ziemlich
steil auf jene Geländestufe unter dem Lanser Weg hinab, welche Stufe sich westwärts
zur Viller Poltenhütte erstreckt. Dort, in der Nordostecke der Poltenwiese befindet sich
Ignaz V. Zingerle und K. Theodor v. Inama-Sternegg, Die Tirolischen Weisthümer. Bd. 1, Wien 1875, S. 246.
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auch ein an sich unscheinbarer, kleiner Grenzstein, mit der eingemeißelten Jahreszahl
1545, welcher einst einen wichtigen Grenzpunkt der Gemeinden Amras und Vill gebil-
det hat bzw. heute einen gemeinsamen Grenzpunkt zwischen den Katastralgemein-
den Pradl und Vill darstellt.² Von dort stieg die Amraser Grenze jedoch nicht gleich zur
Sill hin ab, sondern sparte noch den zu Wilten gehörenden Bereich der Gluirschhöfe
und des Lemmenhofes aus, um dann dem >Faden« oder der »Wag« der Sill bis zu
ihrer Einmündung in den Inn bzw. diesem abwärts zu unserem Ausgangspunkt zu
folgen.
Der Flußlauf der Sill bzw. dessen Regulierung in den Jahren 1823/24 bewirkte übrigens
ohne daß dies damals bewußt gemacht und beachtet worden wäre - eine erste Än-
derung des Grenzverlaufes. Die Sill durchfloẞ nämlich auf der Strecke zwischen den
Sillhöfen und der Pradler Sillbrücke bis zu ihrer genannten ersten Regulierung zweiein-
halb S-Schlingen, d. h. sie bildete in ihrem verflachenden Mündungsschuttkegel einen
bescheidenen Mäander. Die erste S-Schlinge führte vom heutigen Flußlauf bei den Sill-
höfen hinein in das Gelände des jetzigen Güterbahnhofes (diese Strecke wurde erst
1909/1910 begradigt) und von dort im Bereich der Gaswerkbrücke wieder zur heutigen
Flußlinie. Hier aber - also anstelle der Gaswerkbrücke - begann die zweite S-Schlinge,
d. h. die Sill floẞ hier ursprünglich in der Richtung der Amraser Straße gegen Norden
und wandte sich erst bei der Kreuzung mit der König-Laurin-Allee mit dieser wieder ge-
gen Osten bzw. zur Pradler Sillbrücke. Letzteren Ast des alten Sillbettes nennen wir
heute den Rhomberg-Kanal, dessen endgültige Trockenlegung jetzt zu drohen scheint.
Bei Hochwasser nun schwappte die Sill vor allem beim »Gaswerk«-Knie über ihr Bett
und überschwemmte die dortigen Pradler Grundstücke.
Durch die Begradigung der Strecke zwischen Gaswerk- und Pradler Brücke in den Jah-
ren 1823/24 wurde dieses Problem zwar behoben, dabei jedoch übersehen, daß das
von früher her noch vermurte, steinige Ödland, nun links des Flusses liegend, weiterhin
zu Amras gehöre. Als dann wenige Jahre später die Vorarlberger Firma Herburger und
Ganahl dieses Areal angekauft hat, um hier eine neue Textilfabrik zu erbauen (zuletzt
wurde dieses im Vorjahr abgerissene Gebäude als Einkaufszentrum >>Interspar<< ge-
nutzt), hat niemand mehr daran gedacht, daß es sich dabei - streng genommen - um
Amraser Gemeindegebiet gehandelt hat.
Ungleich bedeutungsvoller war die Ziehung der neuen Grenzlinie zwischen Amras und
Franz-Heinz Hye, Igls und Vill. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Innsbrucks. In: Das Fenster
Nr. 13, Innsbruck 1973, S. 1317-1329, besonders S. 1328.
3 Franz-Heinz Hye, Innsbrucks Stadterweiterung auf Pradler und Wiltener Grund im Jahre 1844. In: Amts-
blatt der Landeshauptstadt Innsbruck Jg. 36, 1973, Nr. 6, S. 14; sowie von demselben: Pradl und die Rei-
chenau. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Innsbrucks. In: Das Fenster Nr. 12, Innsbruck 1973,
S. 1177-1192, besonders S. 1184.
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AMBAS
Sec.
Abb. 2: Der Amraser See und die kleineren Lacken in der Reichenau auf einer Inntalkarte von 1822.
Pradl, als diese Fraktion 1904 einvernehmlich mit der Stadtgemeinde Innsbruck ver-
bunden worden ist (vgl. unten). Diese Grenze - als Grenze der Katastralgemeinden
Pradl und Amras heute noch gültig - nimmt am Paschberg auf der oben erwähnten Ge-
ländestufe östlich der Poltenhütte an einem gemeinsamen Grenzstein der Katastral-
gemeinden Lans, Amras und Pradl ihren Ausgang und verläuft von dort in gerader Linie
herab bis zur Kreuzung des Wetterherrenweges mit der Wiesengasse: Die betreffen-
den 1904 aufgestellten Grenzsteine tragen auf der Amraser Seite ein >>A<<, auf der Seite
von Innsbruck/Pradl hingegen ein »J«. Das Gebiet westlich dieser Linie und nördlich
der Wiesengasse gehört seither zur Katastralgemeinde Pradl. Am östlichen Ende der
Wiesengasse schwenkt die Grenze gegen Norden und verläuft mit der Amraser- und
der bewußt so benannten »Grenzstraße« (nördlich vom Südring) nordwärts bis zur
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Kranewitterstraße. Mit dieser verläuft die Grenze ostwärts bis zu deren Einmündung
in den Langen Weg (= Südring), um mit diesem westlich vom »Sandwirt<< den Innfluẞ
zu erreichen.
Entsprechend dieser Umgrenzung umfaßte die Gemeinde Amras bis 1904 einerseits
den hochwassersicheren Talboden am Fuße des Luigenwaldes, des Schloß- und des
Paschberges in seiner vollen Breite bis hinunter zu Sill und Inn mit den drei Siedlungs-
kernen Dorf Amras, Fraktion Pradl und Fraktion Sillhöfe, mit den weitläufigen Gestößen
der Amraser- und Pradler Felder sowie mit der Innau, die sich von Ost nach West in die
Roẞau, die Vorau mit dem ehemaligen Amraser See und in die Reichenau gliedert, wo-
ran sich schließlich rechts der Sill der Pradler Saggen anfügt.
Im Zusammenhang mit der Reichenau müssen wir auf jene Geländestufe hinweisen,
die sich leicht ansteigend von Pradl über Amras gegen Egerdach hin erstreckt und die
Reichenau im Halbkreis umgibt. Es ist dies nichts anderes als die Uferterrasse des ehe-
maligen Innbettes. Je mehr nämlich im Laufe der Jahrhunderte die hier schubkräftigere
Sill ihren Mündungsschuttkegel gegen Norden vorgeschoben hat, umso mehr wurde
der Inn an die nördliche Talseite gedrängt. Andererseits versperrte der Inn aber seiner
jüngeren Schwester den geradlinigen Ausfluß und verschob die Sillmündung gegen
Osten, wodurch wiederum der Bogen des Inn selbst ebenfalls immer weiter talabwärts
gerückt worden ist. Jenes Gebiet nun, um welches der Inn auf diese Weise allmählich
abgedrängt worden war - das ist die Reichenau- und ein Rest dieser alten Au-Land-
schaft waren die drei Amraser Seen. Es gab nämlich einen großen und einen mittleren
Amraser See und schon weiter draußen in der Au noch die sogenannte »Laa< bzw. Lak-
ke. Als den Amraser See bezeichnet man aber vor allem den großen. Sein nördliches
Ende befand sich in dem Winkel zwischen der heutigen Geyrstraße und dem Graben-
weg bzw. nahe dem neuen Einkaufszentrum »Zone«, an dessen Stelle sich vor 20 Jahren
noch der >>Seebauernhof« erhoben hat. Von hier bis zur ehemaligen >>Bleiche<< am Blei-
chenweg - heute sind dort Schrebergärten - trennte ihn ein noch erhaltener Damm
gegen die Reichenau. Bei der >Bleiche« erreichte der See zugleich auch seinen südöst-
lichsten Punkt. Unweit dieser Stelle erhielt er durch den Mühlbach seinen natürlichen
Zufluß. Schließlich muß noch erwähnt werden, daß sich in diesem respektablen See
auch eine gar nicht so kleine Insel befunden hat. Auf dieser Insel bzw. jetzt auch schon
neben dieser >>im See« dehnt sich nun der weiträumige Gebäudekomplex des DEZ-
Einkaufszentrums aus.
Ein unterschiedlich breiter Geländestreifen der Au nahe am Innufer war noch in den er-
sten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts mit ziemlich dichtem Erlenwald bestanden.
4 Vgl. dazu eine Inntalkarte von 1822, verfaßt vermutlich von Philipp Miller im TLA.(= Tiroler Landesarchiv),
Karte Nr. 5206.
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Abb. 3: Der noch lange Zeit jeweils im Spätherbst und Winter zur Eisgewinnung reaktivierte Amraser See. In
der Mitte das Gehöft auf der Insel (heute DEZ), links daneben im Hintergrund der Seebauer (heute ZONE).
Allerdings erregte das dortige, freie Badeleben vor allem am >Fuchsgießen<< - soweit
dies den Gemeinderatsprotokollen zu entnehmen ist - bereits seit ca. 1911 das Ärger-
nis der um ein gesittetes Ortsleben bemühten Gemeindeväter, die es deshalb sogar er-
wogen, den Gießen zuzuschütten. Eine endgültige Lösung des Problems hatte erst die
Verlegung der TIWAG-Hochspannungsleitung des Achensee (1925) und der ÖBB-Lei-
tung des Ruetzkraftwerks (1926) zur Folge, derentwegen Teile der Erlenau geschlägert
werden mußten. Im Anschluß daran reifte nämlich bei der Gemeinde der Entschluß,
die gesamte Erlenau zu roden, in landwirtschaftliche Kulturfläche umzuwandeln und
5 StAl. (Stadtarchiv Innsbruck), Cod. Amras 4a, S. 51; Cod. 5, S. 102 (1921); Cod. Amras 6, S. 21 (1923), S. 77
(1925), S. 126 (1926) u. S. 219 (1929).
6 StAI., Cod. Amras 6, S. 82, 110, 124, 130.
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diese zu verpachten. Ein letzter damals noch übrig gebliebener Rest Erlau in der Roẞ-
au mußte schließlich um 1960 der Anlage des ehemaligen städtischen Müllablage-
rungsplatzes dortselbst weichen. - Soviel zur Innau.
Amras aber liegt nicht nur am Inn-Fluß, es hat auch in seinem Dorfgebiet einige Bäche
aufzuweisen. An erster Stelle sei hier der oben erwähnte Mühl- oder Mühltalbach an-
geführt. Er entspringt in der Gegend des Mühlsees, tritt knapp oberhalb des ehemali-
gen Strandbades Schönruh in das Gemeindegebiet von Innsbruck-Amras ein und
durchfließt die tief eingeschnittene Talfurche zwischen dem Ambraser Schloßhügel
und dem Wildpark, um sich gleich unterhalb der Luigenstraße in die Au zu ergießen.
Rund 100 Meter weiter östlich strömt der Zöbl- oder Aldranser Bach in die Au. Er ent-
springt oberhalb von Aldrans und durchfließt dieses Dorf knapp östlich parallel zur
Landesstraße von Lans nach Innsbruck. Beim nördlichen Ortsausgang trennt sich der
Bach vom Straßenverlauf, um fast geradlinig einer romantischen Schlucht zuzustreben,
die - kaum bekannt - eine natürliche Grenzlinie zwischen dem Ambraser Wildpark
und dem Luigenwald bildet. Mittels einer künstlichen Abzweigung mit Regulierungs-
schieber oberhalb der Schlucht wird von diesem Bach, der früher auch >>Rohrerbach<<
genannt wurde, ein Wasserlauf in den genannten Wildpark eingeleitet, welcher im Park
den bekannten Wasserfall bildet und etwas unterhalb davon in den vorgenannten
Mühltalbach einmündet. Endlich ist hier noch ein drittes Bächlein zu erwähnen. Es ent-
springt am Nordrand der Aldranser Wiesen und rinnt durch die Talfurche des Schinter-
tales, um an der ehemaligen Schloßschmiede (Schloßstraße Nr. 14) vorbei durch die
Schloßparkmauer in den Schloßparkteich einzumünden. Im weiteren Verlauf durch-
fließt der Schinterbach das Feuerlöschbassin und verläßt den Schloßpark unweit öst-
lich von der ehemaligen St. Georgskirche (=heute Aussichtspavillon), der er 1777 zum
Verhängnis wurde. Der weitere Verlauf dieses heute weitgehend »kanalisierten<< Bäch-
leins führte am >>Bierwirt<< ostwärts vorbei entlang der Kirchmayrgasse in den ehemali-
gen Amraser See.
Während die genannten drei Bäche im allgemeinen völlig ruhig und ungefährlich sind,
können sie bei Unwettern sehr schnell anschwellen und Häuser und Menschen gefähr-
den. Die Amraser Feuerwehr (vgl. dort!) kann darüber leider einiges berichten, so z. B.
von dem in ganz Tirol unheilvollen 6. August 1985. Von den verschiedenen kleinen Was-
serläufen am Paschberg sei hier nur jener erwähnt, der oberhalb des Weges zum Tum-
melplatz versickert und als »Welserquelle« neuerdings zutage tritt.
Weitere Kernbereiche von Amras bilden Egerdach und der Schloßhügel von Amras.
Endlich ist hier noch der waldreiche, weitläufige Paschberg zu nennen, der sowohl für
7 Ebenda, S. 141 u. 176 (1928).
8 Michael Mayr, Das Fischereibuch Kaiser Maximilians I., Innsbruck 1901, S. XX f. nennt ihn »Rohrachbach<<.
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Abb. 4: Blick vom Lanser Kopf auf Schloß Ambras, den Luigen- und den ehemaligen Auwald, um 1890 (nach
dem Bau der ersten Aldranser Straße 1884).
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die Forstwirtschaft und die Jagd als auch als Erholungslandschaft in unmittelbarer
Nachbarschaft zu den Häusern der Stadt unschätzbare Bedeutung hat. In einer offiziel-
len Information zur betreffenden Jagdpacht wurden jedenfalls noch im Jahre 1917 fol-
gende zur Jagd freigegebene Wildarten am Paschberg verzeichnet: Rehe, Hasen, En-
ten, Fasane und Rebhühner. An die uralte waldwirtschaftliche Nutzung erinnern alte in
den Stein gemeißelte Grenzsteine z. B. der Grafen von Lodron, des ehemaligen Regel-
hauses (anstelle der späteren Kloster- oder Fennerkaserne) bzw. mit den Initialen von
Amraser Bauernnamen.
Der Name »Paschberg« bezieht sich auf jene Erhebung südwestlich von Amras, welche
sich von der Sillschlucht im Westen bis zur Furche des Mühlsee-Baches im Osten er-
streckt und den Talboden von Innsbruck von der breiten Feldflur der Dörfer Vill, Igls
und Lans trennt. Dementsprechend treffen sich am Paschberg auch die Grenzen die-
ser Dorfgemeinden, wozu noch jene von Amras-Pradl und Aldrans hinzukommen. Der
Regelung der Waldnutzungsrechte, aus denen schließlich die dortigen Gemeindegren-
zen hervorgingen, verdanken wir auch zahlreiche urkundliche Nennungen und Anga-
ben über den Paschberg.
In den ältesten Dokumenten erscheint allerdings noch kein Name für die ganze Er-
hebung, sondern nur für Teile derselben. So z. B. werden in einer Urkunde von 1141 ein
>>locus Fuedervelle« am Lanser Weg genannt und für die Gegend der Lanser Köpfe der
Name »Phlanters« gebraucht. Letztgenannter Name begegnet uns übrigens noch im
18. Jahrhundert. So berichtet Anton Roschmann, der im Sommer 1752 in Lans einen Er-
holungsaufenthalt verbrachte, von einem Hügel, »genannt Pflanters: Auf disen Higel
siehet mann das ganze Jnthal von Flaurling an biß gegen... Schwaz, dahero dan auch
bey entstehender Landtsnoth (= Feindesgefahr) auf disen Higl die sogenannte Krey-
den-Feuer angezunden werden«, Signalfeuer, mit denen der Landsturm aufgeboten
wurde."!
Im Gegensatz zu diesen beiden schon im 12. Jahrhundert belegten Namen »Fuedervel-
le« und »Pflanters« erscheint der Name »Paschberg« erst Jahrhunderte später. Eine der
ersten schriftlichen Nennungen findet sich im Fischereibuch Kaiser Maximilians I. von
1504, wo der >>See im Patschperg« auf der Tanntegart (= Tantegert) noch als Fischwas-
ser angeführt wird.12 Dieser See ist unterdessen längst verschwunden, nur noch sumpfi-
ger Boden und Schilfwuchs erinnern an ihn.
9 StAI., Cod. Amras 4a, S. 218: Protokoll der Gemeinde-Ausschußsitzung vom 25. Februar 1917.
10 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung von Tirol, I. Teil: Nordtirol = Archiv f. Österreichi-
sche Geschichte Bd. 107, Wien 1926, S. 282.
11 TLMF. (= Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum), Dip. 942, fol. 134 ff.
12 Das Tiroler Fischereibuch Maximilians I. - Codex Vindobonensis 7962, fol. 10v (= Österreichische Natio-
nalbibliothek in Wien, Illuminierte Handschriften in Faksimile, Graz, Styria-Verlag, o. J.).
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Abb. 5: Der versandete See von Tantegert am Paschberg.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Neben der Form »Paschberg<< treffen wir auch die Namensform »Paißberg« gelegent-
lich in Urkunden an. So z. B. in einem Verleihbrief von 1683 um die einstige »Voglhitten
auf dem Paiẞperg negst ob Pfaffenwart«<, bei welcher Vogeltenne es sich um die heutige
Poltenhütte (Vill Nr. 26) handelt, während »Pfaffenwart<< der alte Name für das Gebiet
des Lemmenhofes war.13
Allerdings hat auch der Paschberg im Laufe der Zeit Veränderungen hinnehmen müs-
sen: Sein bereits erwähnter See zu Tantegert - wohl ein zuflußloses Relikt der Eiszeit,
ein sogenannter Toteissee-, ist versandet. Die Schiefer-Steinbrüche unter- und ober-
halb des von Wilten zum Tummelplatz führenden Weges werden nicht mehr abge-
13 Orig, im Besitz von Herrn Oberfinanzrat Dr. Eckart Wiedner, Innsbruck. Vgl. dazu F. H. Hye, Igls und Vill,
a. a. O., S 1328.
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baut. Sie haben jahrhundertelang Baumaterial für Häuser, Gartenmauern aber auch -
als Platten- für Überbrückungen von kleinen Entwässerungsgräben in der Au gedient.
Da und dort birgt der Paschberg auch abgesehen vom Tummelplatz (vgl. unten) -
mehr oder weniger bescheidene, aus unserem religiösen Fühlen hervorgegangene Zei-
chen oder >>Marterlen«<, die an Unfälle bei der Waldarbeit (Fällen, Holztransport, etc.)
erinnern, wie z. B. unweit ober Tantegert oberhalb des obersten Schienenstranges der
Iglerbahn ein Bildstock, der an den Unfall vom 6. Februar 1908 erinnert, bei dem der
Amraser Egger-Bauer, Josef Sulzenbacher, beim Abtransport von geschlägerten Bäu-
men den Tod fand. Den Schleier um den Anlaß seiner Errichtung wohl nie mehr lüften
wird hingegen ein fein säuberlich bearbeiteter, rotfarbener Marmorstein, dessen glatte
Vorderseite ein eingemeißeltes Kreuz trägt, während seine Rückseite halbrund und
rauh behauen ist. Er steht auf einer Felskuppe oberhalb des »Tummelplatzes< und
zwar schon oberhalb der Iglerbahn. Von besonderem Interesse ist auch ein eindrucks-
voll behauener Granitstein auf der obbeschriebenen Geländestufe östlich der Polten-
hütte, dessen Bedeutung - vermutlich ist es ein Grenzstein (vgl. oben) -, noch nicht
gänzlich geklärt werden konnte. Freunde von Schalensteinen kommen endlich bei
Tantegert, knapp östlich neben der Kreuzung des Weges mit der Bahn, gleich östlich
der Station auf ihre Rechnung und können hier in gesunder Luft ihre Phantasie spielen
lassen. Wenngleich nicht auf Amraser Boden liegend, mag hier auch ein weiterer Scha-
lenstein erwähnt werden, der sich im Gehölz unter dem Weg von Vill zur Poltenhütte,
unweit einer anfänglichen Lichtung, befindet.
Name - Vorgeschichte - Römerstraße
Der Name Amras wurde im 18. Jahrhundert der Römerzeit zugewiesen, indem man
die vormittags und im Winter zutreffende Schattenlage des Dorfes bzw. deren fiktive la-
teinische Bezeichnung »ad umbras<< (bei den Schatten) zur Erklärung konstruierte.15
Die in den schriftlichen Quellen des 15. bis 19. Jahrhunderts häufig gebrauchte Na-
mensform >Ombras«, in gleicher Weise für Schloß, Gerichtsherrschaft und Dorf ange-
wandt 16-die heutige Differenzierung zwischen Dorf Amras und Schloß Ambras ist erst
gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eingeführt worden, kam dieser etymologi-
schen Erklärung scheinbar sehr entgegen. Tatsächlich aber ist der Name Amras vorrö-
mischen Ursprungs, tritt uns in den schriftlichen Quellen jedoch erst um 937/957 als
>Omaras« entgegen. Diese Schreibweise, leicht variierend »Homeras«<, >Omeras<<,
1315 »Omras dominierte, wie gesagt, bis gegen 1400.
14 Edwin Pölt, Ein Schalenstein am Paschberg. In: Innsbrucker Stadtnachrichten 1986, Nr. 4, S. 24.
15 Auch Alois Primisser, Die k.k. Ambraser Sammlung. Wien 1819, S. 2 erwähnt diese etymologische Erklä-
rung, jedoch bereits mit Vorbehalt.
16 Vgl. z. B. K. Baedeker, Südbayern, Tirol und Salzburg etc. Coblenz 1868, S. 101.
17 Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstiftes Freising. Bd. 2, München 1909, S.33, n. 1091.
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Abb. 6: Marmorner Kreuzstein am Paschberg.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Ein Ortsname vorrömischen Alters setzt am Ort eine gewisse Siedlungs- und vor allem
Traditionskontinuität, d.h. das Weitersagen des Ortsnamens von einer Generation zur
nächsten voraus. Konkret auf das Beispiel Amras umgesetzt, heißt dies, daß wir hier auf
eine zumindest rund 2000jährige Geschichte zurückblicken können. Dieser etymologi-
sche Befund fand vor rund 20 Jahren nicht nur seine archäologische Bestätigung, son-
dern auch eine erhebliche zeitliche Ergänzung. Bei Wegverlegungsarbeiten im unteren
Bereich des Schloßparks stieß man nämlich auf ein kleines Urnengräberfeld mit sieben
Graburnen, welches in die Zeit um 1200-800 v. Chr. zu datieren ist. Die Archäologin des
Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Frau Univ.-Doz. Dr. Liselotte Zemmer-Plank
publizierte darüber folgenden Bericht:
>>Prähistorische Gräber im Schloßpark von Ambras<<
Dem kunstsinnigen Innsbrucker ist das im Osten der Landeshauptstadt auf einem vor-
geschobenen Rücken der Mittelgebirgsterrasse liegende Schloß Ambras, die Residenz
Erzherzog Ferdinands II. und seiner bürgerlichen Gemahlin Philippine Welser, ein lieb-
gewordenes Bild. Auch wenn ein Besuch der Kunstsammlungen, die das Schloß beher-
bergt, nicht allzu häufig auf dem Programm der Innsbrucker steht, wissen sie doch dem
auswärtigen Besucher die Reize dieses Museums schmackhaft zu machen. Der natur-
begeisterte Innsbrucker erfreut sich am Schloßpark, der, von jahrhundertealten Bäu-
men bestanden, naturbelassen und doch wohlgepflegt in allernächster Nähe der Stadt
eine Insel des Friedens und der Ruhe darstellt. Ein Team gut geschulter Gärtner sorgt
für unaufdringliche Ordnung, Bäume und Sträucher werden umhegt, die Natur wird tat-
kräftig unterstützt.
Bei der Verlegung eines Weges im heurigen Winter geschah es nun, daß die Gärtner im
anstehenden Schotter Steinansammlungen und zerbrochene Tongefäße fanden.
Durch die Vermittlung von Kustos Dr. Lilly von Sauter gelangte diese Nachricht in das
Landesmuseum Ferdinandeum und es konnte festgestellt werden, daß sich am Nord-
hang des Schloßparkes ein Bestattungsplatz der Urnenfelderzeit befand. Diese prähi-
storische Periode, die in die Zeit zwischen 1200 und 800 v. Chr. zu datieren ist, erhielt ih-
ren Namen durch die ihr eigene Bestattungsart, denn es herrschte ausschließlich Lei-
chenverbrennung. Die Verbrennungsreste, vollständig kalzinierte Knochen, barg man
in großen Tongefäßen und vergrub diese in der Erde. Die in den Boden eingetiefte
Grabgrube kleidete man fast durchwegs mit großen Steinen aus, dieses Mäuerchen bot
der zerbrechlichen Urne Schutz; die Grubensohle belegte man mit einem Unterlag-
stein oder kleidete sie mit Kieseln aus, häufig bedeckte die Öffnung des Ossuars eine
flache Steinplatte oder eine tönerne Schale. Inmitten des Brandschuttes finden sich
auch angeschmolzene Bronzen und Bronzeschmelzstückchen, dies beweist, daß der
Tote mit seiner Tracht und Ausrüstung auf den Scheiterhaufen gekommen ist. Zusätz-
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Abb. 7 und 8: Urnen vom urnenzeitlichen Gräberfeld im Ambraser Schloßpark von ca. 1200 bis 800 v. Chr.
Foto: Richard Frischauf
lich gab man ihm Gebrauchsgegenstände mit in seine letzte Ruhestätte. Schwerter,
Dolche, Messer, Rasiermesser, Pfeilspitzen und Pinzetten zeigen, mit welcher Kunstfer-
tigkeit auch täglich benutzte Gegenstände ausgeführt wurden, Finger- und Armringe,
Nadeln, Anhänger, Knöpfe und Beschläge erzählen vom Schmuckbedürfnis des
urgeschichtlichen Menschen. Man sorgte jedoch auch für das leibliche Wohl des Ver-
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storbenen. Fleischbeigaben, die durch das Vorhandensein der unverbrannten Tierkno-
chen bewiesen werden können, sind nicht selten und in kleinen Tongefäßen gab man
den Toten breiartige Speisen oder Getreidekörner mit. Die Urnenfriedhöfe erreichen
unterschiedliche Größen, jedoch auch bei Plätzen, die weit mehr als hundert Gräber
aufweisen, sind Störungen älterer Grablegen durch jüngere sehr selten. Daraus ersieht
man, daß die Gräber oberflächlich gekennzeichnet waren.
Die Periode der Urnenfelderkultur ist durch Aufbruch und Unruhe gekennzeichnet.
Von Nordosten und Norden dringen die Illyrer, die Träger der neuen geistigen Strö-
mung, in unseren Raum ein. Den Anfang dieser Epoche markieren turbulente Ereignis-
se: das Hethiterreich in Anatolien wird zerstört, die kretisch-mykenische Vormacht-
stellung im Handel und in der Seefahrt wird gebrochen, nördliche Seevölker, eben die
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Abb. 9: Graburne mit Schälchen-Beigaben im urnenzeitlichen Gräberfeld im Ambraser Schloßpark (um
1200 bis 800 v. Chr.)
Foto: Richard Frischauf
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Träger unserer Urnenfelderkultur von Ägypten aus gesehen, bedrohen das Reich der
Pharaonen. Die Illyrer erleben im 13. Jahrhundert v. Chr. eine gewaltige Expansion. Die
bodenständigen Kulturen werden von den Einwanderern nicht zerstört, sondern durch
die mitgebrachte Kultur überdeckt und letztlich vollständig aufgesogen. Neue Ideen
überschichten das Althergebrachte. Sehr deutlich sichtbar wird dieser Prozeß in den
Grabsitten, die schon früher in den Ostalpen, in den Karpaten und in der Pannonischen
Ebene geübte Leichenverbrennung taucht plötzlich auch in unserem Raum, in dem
bisher die Skelettbestattung vorherrschte, auf. Wie überall im mitteleuropäischen
Raum verdichtet sich auch in Tirol die Bevölkerung, ihre Friedhöfe treten uns in großer
Anzahl im Inntal und seinen Seitentälern entgegen.
Während der Urnenfelderzeit erreicht der Kupferbergbau Tirols eine lebhafte Blüte.
Auf der Kelchalpe bei Kitzbühel und in dem schon seit der frühen Bronzezeit bekann-
ten Bergbaugebiet von Schwaz, Pirchanger-Alte Zeche wird das begehrte Metall abge-
baut. Die Bergknappen lebten das ganze Jahr über im Abbaugebiet zum Teil in Höhen
bis zu 1600 m, die Siedlungen im Tal sorgten für die Verpflegung der Knappen, für die
Beschaffung der für die Legierung des für Geräte zu weichen Kupfers nötigen Metalle
und für die Verhandlung der Bodenschätze. Der Handel nimmt einen ungeahnten Auf-
schwung, kunstfertige Bronzegießer erzeugen eine Flut neuer Geräte und Schmuckge-
genstände aller Arten. Schwerter und Dolche, Lanzen- und Pfeilspitzen, Schmuck und
Gebrauchsgegenstände wie Messer und Äxte aus Bronze, vielfältigen Modeströmun-
gen in raschem Wechsel unterzogen, treten in Siedlungen und Gräbern auf. In den
Schmuckgegenständen wird ein unerschöpflicher Formenreichtum sichtbar, Finger-
ringe, Armreifen, Anhänger, Nadeln, Knöpfe, Gürtelschließen und Zierscheiben tragen
reichen Dekor. Auch die Toreutik erfährt jetzt eine besondere Blüte, ebenso wie die
Töpferei, hier äußert sich die Ornamentfreudigkeit der Urnenfelderleute in vielfälti-
gen eingestrichenen, eingeritzten, eingerollten und eingestochenen Verzierungen,
die auf Schüsseln und Schalen, Tassen und Kannen, Krügen, Töpfen und Eimern
aufscheinen.
Die Untersuchungen der Siedelstellen dieser Periode zeigen, daß Ackerbau und Vieh-
zucht die Hauptnahrungsquellen boten, Jagd und Fischerei betrieb man nur in gerin-
gem Ausmaß. Die Handelsbeziehungen waren lebhaft, auch das Handwerk blühte.
In dieser turbulenten, bunten Zeit, in dieser Zeit eines geistigen Umbruches und der
Veränderungen, bewohnten Angehörige der Urnenfelderkultur die Umgebung des
heutigen Ortes Amras. Wie alle ihre Zeitgenossen verbrannten sie, der neuen Strö-
mung folgend, ihre Toten auf dem Scheiterhaufen und bestatteten sie in großen, bau-
chigen Gefäßen, tönernen Urnen von plumper Form. Durch einen glücklichen Zufall
fand man sieben dieser Gräber mit den Grabgefäßen, Bronzegeräten und kleinen, tö-
nernen Schalen und Krügen. Wo mögen die dazugehörigen Wohnplätze gewesen sein
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Abb. 10: Plan eines Stückes der Römerstraße von VELDIDENA/Wilten über Amras und Ampass ins Unter-
inntal, welches in Häusern unmittelbar unter der Straßenfläche der heutigen Landesstraße entdeckt
worden ist.
Freundlich überlassen von Dr. Jürgen Sydow, Denkmalamt
und wieviele Grablegen verbergen sich noch in der Erde? Vielleicht können Bodenun-
tersuchungen und Begehungen, die für die nächsten Jahre geplant sind, diese Fragen
beantworten und noch ungelöste Probleme erhellen.<18
Leider wurden seit diesem Bericht keine neuen Details über das Amraser Urnengrä-
berfeld bekannt: Auch die Frage nach dem Standort der zugehörigen Wohnplätze kön-
nen wir auch weiterhin nicht erschöpfend beantworten. Sollte allerdings zwischen den
Wohnplätzen von damals und dem Verlauf der Römerstraße eine Beziehung bestan-
den haben-was eher angenommen als verneint werden darf -, dann steht uns hiefür
ein wesentliches Indiz zur Verfügung: Der Verlauf der Römerstraße von VELDIDENA/
Wilten in das Unterinntal hat sich nämlich gerade im Bereich von Amras optimal erhal-
ten. Wie der noch heute an seinem ursprünglichen Standort, also »in situ«, befindliche
römische Straßenstein an der Wiesengasse beweist - er fungiert seit dem 12./13. Jahr-
hundert als Grenzstein zwischen den Alt-Pfarren Wilten und Ampass und wird daher
18 Wiederabdruck aus: Amraser Bote Jg. 5, 1969, Nr. 2.
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in einer Urkunde von 1141 bzw. 1254 als »lapis milstein« (= Meilenstein) angeführt¹9
verlief diese Römerstraße bereits anstelle des heutigen Straßenzuges Wiesengasse/
Philippine-Welser-Straße, und wir dürfen mit guten Gründen annehmen, daß sie des
weiteren jenem Straßenzug folgte, der ebenso wie die heutige obere Geyr- und die Lui-
genstraße, die einzige vom Gelände gebotene Möglichkeit wahrnahm, um zwischen
der unwegsamen Inn-Au und dem Abhang des Ambraser Schloßhügels weiter Inntal-
abwärts nach Ampass zu gelangen.20
Ob übrigens die ober- und unterhalb der Römerstraße bzw. Wiesengasse etc. liegen-
den Fluren, die durchwegs durch parallel zu dieser Linie verlaufende alte Feldwege
(heute Kaufmannstraße, Südring, etc.) sowie durch Wege, die dazu annähernd recht-
winkelig verlaufen, ziemlich regelmäßig gegliedert sind, hinsichtlich dieser Einteilung
ebenfalls bereits auf römerzeitlichen Grundlagen, d. h. auf der römischen Quadraflur
beruhen, mag hier zumindest als Frage zur Diskussion gestellt werden. Über den weite-
ren Verlauf der Römerstraße durch das Gemeindegebiet von Ampass liegen zwei Theo-
rien vor. Während nämlich M. Mayer (1927) die Vermutung äußerte, die Römerstraße sei
ident mit einem östlich von Egerdach abzweigenden und zum Sonnenhügel führenden
Feldweg demnach hätte die Straße den Kernbereich der ebenfalls durch vorge-
schichtliche Funde belegten vorgeschichtlichen Dorfsiedlung Ampass (auch dieser Na-
me ist vorrömischen Ursprungs) rechts liegen gelassen -, vertrat ich selbst bereits 1977
ebenso wie noch heute die Auffassung, daß sich uns die Römerstraße in diesem Ab-
schnitt in jenem Straßenzug präsentiert, der knapp östlich von Egerdach als steile,
schmale Waldstraße hinaufführt zum sogenannten >Halsl< am Sattel an der Nordost-
seite des Ampasser Kirchenhügels und von dort entlang der dort zu Recht so bezeich-
neten >>Römerstraße« hinabführt nach Ampass-Oberdorf und von dort weiter talab-
wärts zum vorgenannten Sonnenhügel bzw. weiter zur Fraktion >Häusern«.22 Im Bereich
dieser Gemeindefraktion von Ampass traf man übrigens bei Arbeiten an der dortigen
Landesstraße unmittelbar unter der heutigen Straßenfläche auf ein einige Meter lan-
ges Stück der hier in unregelmäßigem Steinpflasterwerk verlegten Römerstraße mit
ihren charakteristischen Radrillen (Gleisrillen), welche allerdings wohl durch spätere
Einwirkung gestört erscheinen. 23 Ein bei den Arbeiten unversehens neben der Straße
19 O. Stolz, a. a. O., S. 282. Vgl. dazu Fritz Steinegger, Die gefälschten Urkunden des Bischofs Reginbert von
Brixen für das Kloster Wilten. Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck Nr. 10, 1956.
20 F. H. Hye, Zur Geschichte des Hauptstraßennetzes im Innsbrucker Becken. Das Verkehrsdreieck Matrei-
Innsbruck Ampass/Hall. In: Tiroler Wirtschaftsstudien 33 (= Festschrift f. Herbert Hassinger), Inns-
bruck 1977, S. 175-197.
21 Matthias Mayer, Die Römerstraße durch das Unterinntal. Kufstein 1927, S. 117f.
22 F. H. Hye, Das Dorf Ampass Grundzüge seiner Geschichte. In: Tiroler Heimatblätter Jg. 53, Innsbruck
1978, S. 80-86.
23 Für die freundliche Überlassung von Planskizzen dieser wichtigen Fundstelle darf ich auch an dieser
Stelle höflichst Herrn Dr. Jürgen Sydow danken.
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Abb. 11: Lageplan hinsichtlich des in Häusern unter der Straßenfläche entdeckten Restes der Römerstraße
(schraffierte Fläche).
Plan von Dr. Jürgen Sydow, Denkmalamt
liegengebliebenes Pflasterstück mit eingetiefter Gleisrille hat der vom Stecherhof in
Amras gebürtige Ernst Mayr, ein Anrainer dieses Straßenstückes, sicher- und nunmehr
am Straßenrand zur Erinnerung aufgestellt. Die Trasse der Römerstraße hat also, wie
aus obigen Ausführungen zu entnehmen, nicht nur die Römerzeit, d. h. die Epoche des
antiken Imperium Romanum, überdauert - in gewandelter Form wird sie noch heute
benützt.
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Die mittelalterliche Burg Amras - die Grafen von Andechs
und ihre Allodialherrschaft Amras
Die Weiterverwendung der Römerstraße als mittelalterliche Landstraße macht es
auch verständlich, daß am Burghügel von Amras zur Sicherung und Kontrolle dieser
Straße bereits im frühen Hochmittelalter eine Burg erbaut worden ist. Über die Be-
schaffenheit dieser hochmittelalterlichen Burg Amras wissen wir nur wenig. Sicherlich
jedenfalls bezog es sich auf diese Burg, wenn Otto II. von Andechs in einer Freisinger
Traditionsnotiz von 1078/98 »Otto de Umeraz« und in einer Brixener Traditionsnotiz
von 1084/90 als >comes de Omeras<< bezeichnet wird. 24 Die einzige Nachricht hinge-
gen, die namentlich auf die Burg selbst, das >castrum Homeras«<, Bezug nimmt ist der
Bericht über die Zerstörung der Burg durch Herzog Heinrich den Stolzen von Bayern in
einer Fehde mit Graf Otto IV. von Andechs-Wolfratshausen im Jahre 1133.25 Von dieser
ersten Burg ist angeblich, wie E. Scheicher schreibt, »nach dem gegenwärtigen Stand
der Untersuchungen nichts mehr erhalten<<.26
Den ersten Bezug der Andechser zu Amras liefert uns der bereits genannte Graf Otto II.
(ca. 1060-1120), der älteste Sohn Graf Bertholds II. von Diessen. Dies festzustellen er-
scheint deshalb wichtig, da dadurch eindeutig ersichtlich wird, daß dieses Geschlecht
- wie allgemein bekannt - nicht aus dem Raum des heutigen Tirol stammte, sondern
in diesen Raum hinein expandiert hat. Erster und -wie es sich zeigen sollte - auch auf
die Dauer wichtigster Standort der Familie in Tirol war Amras, nach welcher Herrschaft
sich Graf Otto II. sogar >comes de Omeras« nannte. 27 Was nun haben wir uns unter die-
sem mittelalterlichen Omeras oder Amras vorzustellen? Sicher nicht nur den heutigen
Stadtteil von Innsbruck bzw. das ehemalige Dorf mit dem gleichnamigen Schloß, son-
dern eine Herrschaft von relativ großer Dimension. Den Kern dieser Herrschaft aller-
dings bildeten zweifellos Burg und Dorf Amras bzw. die Vorgänger des heutigen Schlos-
ses und Stadtteiles von Innsbruck. Aber auch der bisher noch nie eingehend erörterte
Umfang des einstigen Territoriums dieser Herrschaft läßt sich noch weitgehend rekon-
struieren. Zwei Dinge erinnerten nämlich noch lange Zeit an ihre ursprüngliche Aus-
dehnung: Einerseits war dies das Gebiet der Altpfarre Ampass und andererseits das
Gebiet des Propsteigerichtes Amras, welches bis 1806 bestanden hat. Hinsichtlich der
24 Franz Tyroller, Genealogie des altbayerischen Adels im Hochmittelalter. = Genealogische Tafeln zur
mittelalterlichen Geschichte hg. v. W. Wegener. Göttingen 1962, S. 150, n. 10. Martin Bitschnau, Burg und
Adel in Tirol zwischen 1050 und 1300.- Österr. Akademie d. Wiss. Phil.-historische Klasse, Sitzungsbe-
richte Bd. 403, Wien 1983, S. 87.
25 Historia Welforum, ed. v. Erich König, Schwäbische Chroniken der Stauferzeit Bd. 1, Sigmaringen 1978,
S. 34.
26 Elisabeth Scheicher, Schloß Ambras. In: Tiroler Burgenbuch hg. v. Oswald Graf Trapp, Bd. VI, Bozen 1982,
S. 151.
27 Zu den folgenden Ausführungen vgl. F. H. Hye, Die Grafen von Andechs und Tirol. In: Schwaben - Tirol.
Historische Beziehungen. Beiträge (zur gleichnamigen Ausstellung). Augsburg-Rosenheim 1989, S. 47-53.
34
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Pfarre Ampass wird in einer formal als Fälschung anzusprechenden, inhaltlich aber als
weitgehend zutreffend zu bezeichnenden Urkunde Bischof Hartmanns von Brixen von
1145 mitgeteilt, daß sich der Sitz dieser Pfarre ursprünglich in der St. Nikolaus-Kirche
der Burg von Amras befunden habe, wobei das dortige Patrozinium auch einen Bezug
zu den Grafen von Andechs beinhalten könnte. Da diese Burgkapelle oder Kirche je-
doch bei der Zerstörung der Burg durch Heinrich den Stolzen von Bayern im Jahre 1133
ebenfalls vernichtet worden war, benötigte die Pfarre einen neuen Sitz und erhielt die-
sen angeblich durch eine von Bischof Hartmann im Jahre 1145 bestätigte Verfügung
Bischof Reginberts von Brixen - am Kirchenhügel von Ampass. Der betreffende Passus
dieser Urkunde von 1145 lautet: Bischof Hartmann bestätigt >transferationem et plan-
tationem baptismalis ecclesie legitimo cum dote a monte Umbrans sanctorum aposto-
lorum et Nicolai pontificis, quam antecessor noster episcopus venerabilis Reginbertus
beate memorie privilegiorum auctoritate super hec predicti sanctissimi patris nostri In-
nocentii munitus gaudente divina clementia in ecclesia sancti Joannis Waptiste, alias
omnium Sanctorum, pronunc baptismali in monte Ampans sita.<<
Die uns bekannte ursprüngliche Ausdehnung der Pfarre Ampass kann daher als iden-
tisch mit der Ausdehnung der ursprünglichen Pfarre Amras bezeichnet werden: Sie
reichte im Norden bis zum Innfluß, im Osten ungefähr bis zum Voldertal, im Süden wur-
de sie vom Berggrat begrenzt, der vom Neunerspitz ostwärts führt und im Westen stieß
die Altpfarre Ampass-Amras am Talboden, beim oben erwähnten römischen Straßen-
stein an der Wiesengasse, an die Altpfarre Wilten und auf der Mittelgebirgsterrasse an
die Altpfarre Patsch mit den Dörfern Vill, Igls, Lans, Patsch und Ellbögen.
Während nun die ursprünglich der Pfarre Ampass angehörenden Dorfgemeinden
Ampass, Tulfes, Rinn und Sistrans im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts zum damals
ausgebildeten Landgericht Sonnenburg-Vellenberg gelangten, bildeten die übrigen
Dörfer der Altpfarre Ampass, nämlich Amras und Aldrans den Kern des Urbar- oder
Propsteigerichtes Amras, wozu jedoch das Gros des Pfarrgebietes von Patsch über-
springend auch noch die langgezogene Dorfgemeinde Ellbögen südlich von Patsch
gehörte. Da die Pfarre Patsch somit an drei Seiten, nämlich im Osten, Süden und Nor-
den von dem Propsteigericht Amras umfaßt worden ist, dürfen wir annehmen, daß ur-
sprünglich auch das ganze Pfarrgebiet von Patsch der andechsischen Herrschaft Amras
angehört hat. Diese Vermutung wird auch dadurch bekräftigt, daß in einigen Dörfern
der zwei Alt-Pfarren Ampass und Patsch Ministerialen der Andechser ansässig waren.
Namentlich zu nennen sind diesbezüglich aus der Pfarre Ampass die Dörfer Amras und
Sistrans sowie aus der Pfarre Patsch das Dorf Lans.
Fragen wir nun nach der politischen Bedeutung des so umschriebenen Territoriums der
andechsischen Herrschaft Amras, so kann dazu festgestellt werden, daß diese Herr-
schaft bis gegen 1170 bzw. bis zur Gründung von Innsbruck alle Verkehrswege kontrol-
35
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lierte, die vom Süden bzw. vom Brenner in Richtung Unterinntal verliefen. An erster
Stelle zu nennen ist hier die alte Römerstraße, von VELDIDENA/Wilten in Richtung Ro-
senheim (vgl. oben). Dieser - wie gesagt auch im Mittelalter als Landstraße weiter
verwendete Straßenzug prägte den Siedlungsgrundriß von Amras und läßt dieses Dorf
noch heute als alte Straßensiedlung erkennen. Da das unwegsame Augelände des Inn-
flusses im Mittelalter noch nahe an die Dorfsiedlung von Amras heranreichte, ergab
sich für die durch das Dorf führende Landstraße ein Engpaß zwischen der Innau und
dem Burghügel von Amras. Der dortigen Burg kam daher erhebliche Bedeutung in der
Kontrolle des Verkehrs auf dieser wichtigen Straße vom Unterinntal zum Brenner und
umgekehrt zu. Abgesehen von dieser bequemen Landstraße gab es noch einen zwei-
ten Verkehrsweg vom Unterinntal zum Brenner. Es war dies ein Saum- oder Karrenweg,
der bei Volders den Talboden verließ und als sogenannte »Hochstraße über das Mit-
telgebirge durch Judenstein, Sistrans, Lans und Igls nach Patsch und durch Ellbögen
nach Matrei am Brenner führte. Auf den hier erstmals wieder rekonstruierten Straßen-
verlauf durch Lans und Igls nach Patsch weist sowohl die deutliche Ost-West-Orientie-
rung der Siedlungsgrundrisse dieser beiden Dörfer - dasselbe gilt auch für Sistrans -,
desgleichen der Standort der Hohenburg bei Igls, sowie der Siedlungsgrundriß von
Patsch hin. Dieser und dabei insbesondere die Lage der St. Donatus-Pfarrkirche läßt
nämlich deutlich erkennen, daß es ursprünglich der heutige sogenannte »Gletscher-
blickweg« war, der als Hauptverkehrsverbindung zwischen Igls und Patsch fungierte.
Diese Verkehrsader führt in südwärtiger Verlängerung des »Gletscherblickweges< als
Dorf- und Kirchgasse durch den Ortskern, unmittelbar an der Pfarrkirche vorbei, um
gleich hier wieder südwärts in den Zollerweg einzumünden. Dieser endlich setzt den
Verlauf der alten Ellbögnerstraße leicht ansteigend durch die erst in jüngster Zeit zum
Teil verbauten Fluren hinauf zum Zollerhof fort, wo von Norden her die jüngere Trasse
der Ellbögner Salz-Landstraße in die alte Straße einmündet. Folgen wir der Straße
noch weiter in Richtung Süden, so gelangen wir nach Überwindung einer markanten
Geländerippe hinein in die Talrinne des Ruckschreinbaches bzw. zum Weiler Ruck-
schrein. Und in diesem Bereich können wir seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts
an dieser Straße eine Zollstelle >ze Rukschrien« nachweisen, die jedoch möglicherwei-
se schon zuvor bestanden hat. Auch diese Zollstätte nun dürfte sich - unseren obigen
Ausführungen zufolge -, bereits in der Hand der Grafen von Andechs als Inhaber der
Herrschaft Amras befunden haben.
Schließlich gilt es noch auf ein weiteres, speziell für die Andechser wichtiges Faktum in
Bezug auf die Herrschaft Amras hinzuweisen, nämlich darauf, daß die Andechser diese
Herrschaft nicht zu Lehen hatten, sondern sie als ihr Allod oder Eigengut betrachten
konnten, welches ihnen vermutlich durch eine Heirat in die Hände gefallen war. Den
Hinweis darauf geben uns Transaktionen mit Liegenschaften, wie sie nur mit Eigentü-
mern möglich waren. So z. B. vertauscht Berchtold V. im Jahre 1180 eine Hube im Dorf
Amras gegen ein Grundstück des Stiftes Wilten. Eine weitere Hube desselben Dorfes
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Tafel I: Das am 30. Dezember 1988 von einer erweiterten Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Amras und der
Obleute und Vertreter der Amraser Korporationen und Vereine nach einem Entwurf von Franz-Heinz Hye
angenommene Wappen für den Stadtteil Amras.
Original-Zeichnung von Ernst Mairhofer, Sautens im Stadtarchiv Innsbruck.
übereignet Markgraf Heinrich im Jahre 1209 an das Kloster Wilten und zwar als Dotie-
rung einer Jahrtagsstiftung für sein und seiner Vorfahren Seelenheil. Desgleichen ver-
machte Herzog Otto I. als Ersatz für eine testamentarische Wein-Schenkung seines
eben verstorbenen Bruders Heinrich im Jahre 1228 dem Kloster Benediktbeuren aus
seinem Eigengut eine halbe Hube im Dorf Sistrans und eine Mühle in Mühltal. Ebenso
ist anzunehmen, daß es sich um altandechsisches Gut gehandelt hat, welches von den
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Grafen an ihr Kloster Diessen gestiftet worden war, wenn das genannte Stift um 1173/
88 je eine Hube in Ellbögen und Pradl tauschweise zu Lehen vergeben hat; beide Orte
liegen in der Herrschaft Amras. - Auf die oberwähnte Transaktion von 1180 werden wir
später nochmals zu sprechen kommen.
Neben rein macht- und wirtschaftspolitischen Aspekten brachte die Langzeitverbin-
dung zwischen den Andechsern und ihrer Herrschaft Amras auch persönliche Kontakte
hervor. So z. B. ist hier auf den Pfarrer Heinrich von Ampass hinzuweisen, den wir ab
1209 durch viele Jahre bis zu Markgraf Heinrichs von Istrien Tod 1228 als seinen Kaplan
nachweisen können.
Welchen Stellenwert Amras für die Grafen von Andechs einnahm, war auch ihren Geg-
nern bekannt. Es war daher kein Zufall, daß Herzog Heinrich der Stolze von Bayern, um
sich an Otto IV. von Andechs-Wolfratshausen zu rächen, im Februar 1133 ausgerechnet
die Burg Amras zerstört hat.
Es wird vermutet, daß der eingangs genannte Otto II. von Andechs neben dem Besitz
von Amras auch bereits die Grafschaft im Pustertal von den Fürstbischöfen von Brixen
zu Lehen gehabt habe. Selbst wenn dies tatsächlich der Fall gewesen wäre, so blieb
dies jedenfalls für die weitere Entwicklung des Verhältnisses der Andechser zu Tirol oh-
ne spürbare Folgen.
Von entscheidender Bedeutung für die Stellung der Andechser im Raum Tirol sollte es
hingegen sein, daß Otto V. von Andechs 1165 den Brixener Bischofsstuhl besteigen
konnte. Wenn er auch nur fünf Jahre als Fürstbischof von Brixen regierte, so genügte
dies, um seinem Bruder Graf Berchtold V. einerseits die Grafschaften im Pustertal so-
wie im Inn- und Wipptal und andererseits die Vogtei über das Hochstift Brixen zu verlei-
hen. Die Grafschaft im Inntal erstreckte sich damals von der Einmündung der Melach in
den Inn im Westen bis zur Einmündung des Zillers im Osten. Südwärts dehnte sich die-
se Grafschaft über den Brenner hinweg zumindest bis zur Ladritscher Brücke bzw. bis
zur Talenge nördlich von Brixen aus, wobei daran zu erinnern ist, daß der Talname
>Wipptal<< noch heute von der Mündungsschlucht der Sill bei Innsbruck über den Bren-
ner hinweg bis zur genannten Talenge bei Brixen gilt. Es hat jedoch den Anschein, daẞ
diese Grafschaft sogar noch weiter gegen Süden bzw. bis zum Thinnebach bei Klausen
rechts des Eisack und bis zum Tierser Bach links des Eisack gereicht habe. Entspre-
chend der dargelegten Ausdehnung beider Grafschaften trat nämlich nach 1165/70
auch eine bedeutende Zahl edelfreier Familien als Ministerialen aus diesem Bereich in
den Dienst der Andechser. Als ihre prominentesten Vertreter seien hier aus der Graf-
schaft im Inntal die Herren von Freundsberg, von Rotenburg, von Schlitters, von Thaur,
von Mils und von Vellenberg, aus dem Wipptal die Herren von Matrei, von Stubai, von
Reifenstein und von Trautson sowie südlich von Brixen bzw. nördlich vom Thinne- und
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Tafel II: Der römische Meilenstein an der Wiesengasse.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
vom Tierser Bach die Herren von Säben, von Villanders, von Kastelruth, von Hauen-
stein, von Gufidaun und von Summersberg sowie endlich aus dem Pustertal die Herren
von Rischon, von Aufhofen, von Rasen und von Welsberg angeführt.
Die nach ihrer Folgewirkung bedeutendste Tat, die Berchtold V. nach dem Lehensemp-
fang der beiden Grafschaften setzte, war die Gründung des Marktortes Innsbruck zu-
nächst am Nordufer des Inn, wobei mit dieser Marktgründung auch der erste Brücken-
schlag über den Inn in diesem Bereich verbunden war: Der neue Markt wurde denn
auch sicher nicht ohne Zutun Berchtolds - nach dieser neuen Brücke benannt! Das
Areal, auf dem sich der neue Markt erhob, gehörte bis dahin zur alten Dorfgemeinde
Hötting, insbesondere aber zur Grafschaft im Inntal. Das rasche Wachstum der Neu-
gründung am Nordufer des Inn einerseits und der Wunsch, auch den südlichen Brük-
39
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kenkopf in seine Gewalt zu bekommen andererseits bewogen Berchtold mit dem Klo-
ster Wilten in Verhandlungen einzutreten, um von diesem das bis dahin dem Kloster
gehörende Gebiet der heutigen Innsbrucker Altstadt zu erwerben. Hinsichtlich des
politischen Hintergrundes ist dabei nicht zu übersehen, daß Berchtold bereits durch
die Verleihung der Markgrafschaft Istrien durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa seit 1173
und nicht erst durch die Verleihung der Herzogwürde 1180 dem Reichsfürstenstande
angehört hat, was für ihn unter anderem die Möglichkeit eröffnete, nun auch stadtpoli-
tische Ziele anzupeilen. Wie bekannt, steht am Ende dieser positiv verlaufenden Ver-
handlungen mit Wilten ein im Jahre 1180 abgeschlossener Tauschvertrag, demzufolge
das Stift Wilten zugunsten des Markgrafen auf das genannte Grundstück südlich des
Inn verzichtet und dafür die Güter eines gleichwertigen Maierhofes im Dorfe Amras
erhalten hat. Berchtold verwendete hier also alt-andechsischen Allodialbesitz um
seinen Markt Innsbruck vergrößern bzw. allmählich zur Stadt weiterentwickeln zu
können.
Umgekehrt aber wurde dieser Teil Innsbrucks, der in der Folge die Altstadt beherber-
gen sollte, auf diese Weise ebenfalls andechsisches Eigengut. Dies zeigte sich in aller
Klarheit, als Herzog Otto I. von Andechs-Meranien nach Überwindung der Diffamierung
seines Geschlechtes infolge der Ermordung König Philipps von Schwaben vom Bischof
von Brixen im Jahre 1232 wieder die Belehnung mit den beiden Grafschaften im Puster-
tal sowie im Inn- und Wipptal erlangte. Bei dieser Gelegenheit versetzte nämlich Otto
dem Bischof seine Stadt Innsbruck als Pfand für eine in Aussicht gestellte Zahlung von
250 Mark Silber und übereignete dieses sein »Eigen gemeinsam mit seinem Gute
Amras ein Jahr später an den Bischof. Diese Urkunde von 1232, von der wir allerdings
nicht wissen, ja sogar sehr bezweifeln, ob die darin ausgesprochene Übereignung
von Innsbruck und Amras an den Brixner Bischof tatsächlich durchgeführt worden ist,
bildet zugleich das letzte Dokument zur Geschichte der andechsischen Allodial-
herrschaft Amras, wobei an dieser Stelle auch gleich anzumerken ist, daß die Dyna-
stie der Andechser 16 Jahre später mit dem Tod Herzog Ottos II. (1248) ausgestorben
ist.
In jüngster Zeit hat übrigens der Stadtteil Amras - über Empfehlung des Verfassers-
ein Stadtteilwappen angenommen, welches als Zeichen der Traditionspflege und der
Verbundenheit sowohl mit der Gemeinde Erling-Andechs als auch mit dem Kloster am
Heiligen Berg in gespaltenem Schild vorne im blauen Feld den goldenen (halben) An-
dechser Adler am Spalt und hinten das Amraser Gnadenbild zeigt. 28
28 F.H. Hye, Ein Stadtteil-Wappen für Amras. In: Amraser Bote Jg. 25, 1989, Nr. 1.
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Das Propsteigericht Amras
Auf eine Erklärung der Entstehungsweise der Urbar-Propstei bzw. des Propsteige-
richtes Amras sei hier ausdrücklich verzichtet und diesbezüglich auf die Ausführungen
von O. Stolz verwiesen.29 Für unsere Darstellung mag es genügen festzustellen, daß
Jahrzehnte nach dem Aussterben der Grafen von Andechs deren Erbeserben, die Gra-
fen von Görz-Tirol und unter diesen besonders Graf Meinhard II. (seit 1271 von Tirol-
Görz) dem ganzen Land eine weitgehend bis heute gültige Einteilung in »Landgerich-
te< (Bezirke) gegeben hat, wobei für das mittlere Inntal mit Innsbruck das Landgericht
Sonnenburg geschaffen worden ist (so benannt nach der Burg am Sonnenburghügel,
südlich vom Bergisel, welcher Hügel beim Bau der dortigen Autobahnbrücke über die
Sill abgetragen werden mußte). Wohl aus besonderen Gründen der landesfürstlichen
Finanzverwaltung wurde bei der Schaffung dieses Landgerichtes das >Propsteigericht
Innsbruck« als dem Landgericht unterworfenes Niedergericht errichtet und hat in der
zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts seinen Namen von Innsbruck auf Amras gewech-
selt. Erstmals tritt uns in einer Urkunde vom 28. Oktober 1385 in der Person des Junkers
Niclaus Ull von Füssen ein »Richter und Schreiber auf Ombras« entgegen, wobei die
Formulierung auf Ombras« deutlich erkennen läßt, daß derselbe seinen Amtssitz in
der am Ende des 13. Jahrhunderts wieder aufgebauten Burg Amras hatte.30 Dorthin
hatten die Bauern etc. der Propstei-Gemeinden auch ihre Zinsleistungen zu bringen.
Deshalb wurde auch bei der Umgestaltung der mittelalterlichen Burg zum Renaissan-
ceschloß der Dachboden des Bibliothektraktes (südlich neben dem heutigen Haupt-
eingang in das Untere Schloß) als dreigeschossige Kornschütt ausgebaut, welche einer-
seits durch die drei Reihen von Dachkapfern und andererseits durch die drei ebenfalls
übereinander angeordneten Türöffnungen an der östlichen Giebelfront auch von
außen erkennbar ist. Überdies hat sich über diesen Türen noch der Kranbalken erhal-
ten, der nötig war, die Getreidesäcke hochzuziehen. Diesem Vorgang diente übrigens
eine noch erhaltene Vertikalwinde (Drahndl), die von zwei im Kreis gehenden Männern
betrieben worden ist.
Das Territorium dieses Propsteigerichtes umfaßte die Gemeinden Amras (samt Pradl und
den Sillhöfen), Aldrans und Ellbögen; - es bildete somit ein eigenartiges Gebilde, eine
stark geschrumpfte Erinnerung an die alte andechsische Herrschaft gleichen Namens.
Daẞ Amras als Propsteigericht nur die niedere Gerichtsbarkeit hatte, wurde schon
erwähnt. Für hochgerichtliche Fälle war der Landrichter von Sonnenburg zuständig, an
den die betreffenden Malefizpersonen und Verbrecher nach genauer Vorschrift auf der
Mitte der Wiltener Sillbrücke zu übergeben waren.
29 O.Stolz, a. a. O., S. 335-347.
30 P. Justinian Ladurner, Regesten aus tirolischen Urkunden. In: Archiv für Geschichte und Alterthumskunde
Tirols, Jg. V, Innsbruck 1869, S. 235, n. 1175.
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Abgesehen von der Rechtssprechung, war es vor allem auch für das politische Leben
von großer Bedeutung, daß Amras Sitz eines eigenen Gerichtsbezirkes gewesen ist,
denn nach altem tirolischen Landrecht bildete jeder Gerichtsbezirk zugleich auch
einen Abgeordnetenbezirk für den Tiroler Landtag. Demnach hatten die drei Gerichts-
gemeinden Amras, Aldrans und Ellbögen einen eigenen Abgeordneten im Tiroler
Landtag. Gewählt wurde der betreffende Abgeordnete von allen steuerzahlenden Ein-
wohnern des Gerichtsbezirkes, doch nicht auf die Dauer mehrerer Jahre, sondern im-
mer nur für die Dauer eines Landtags.
Jeder so von seinem Heimatbezirk gewählte Abgeordnete erhielt von seinem zustän-
digen Richter ein Beglaubigungsschreiben mit. Ein solches Dokument, welches der
Amraser Propst Sigmundt Zwickawer dem von den Gerichtsleuten des gesamten Prop-
steibezirkes gewählten Bevollmächtigten Bernhard Pöcht im Jahre 1496 zum Meraner
Landtag mitgegeben hat, hat sich glücklicherweise im Tiroler Landesarchiv erhalten -
es stellt ein bedeutendes Dokument alter demokratischer Landesverfassung dar.31
Im heutigen Ortsbild erinnern nur noch wenige Objekte an das ehemalige Propsteige-
richt Amras, welches bis 1806 bestanden hat. Einmal ist es das Haus Kirchsteig Nr. 15,
der sogenannte >>Schuler-Hof< (vgl. dort, unten), welcher 1692 vom damaligen Amraser
Richter Christoph Jakob Walther von Herbstenburg erbaut worden ist und deshalb ge-
legentlich als >Gerichtsbehausung« bezeichnet erscheint. Tatsächlich aber handelt es
sich dabei um ein Privathaus, welches sich nie in öffentlichem Besitz befunden hat.
Wenn allerdings der genannte Erbauer des Hauses in einer Eingabe vom 24. März 1692
als Motivation zum Hausbau schreibt, daß er »bei allhiesig herrschafftlichen Gerichts-
hauß ainichen Stadl oder Holzschupfen noch genuegsambe Stallung nit habe«32, so hat
Walther damit mit Sicherheit das landesfürstliche Gerichtsdienerhäusl, Luigenstraße
Nr. 44, gemeint. In der Stube des Walther'schen Richterhauses, kurz beim Schuler, hat
sich übrigens an der Decke noch ein Balken mit der eingeschnitzten Inschrift und Jah-
reszahl des Hausbaues von 1692 erhalten.
Damals war allerdings auch der Gerichtsdiener noch nicht allzulange in seiner neuen
Dienstbehausung, denn in einem Schreiben von 1620 erfahren wir, daß der damalige
Gerichtsdiener noch »im Henenhaus des unteren Tiergartens« gehaust hat, weshalb
man damals erwog, für ihn ein anderes Haus zu erwerben.33
31 TLA., Landtagsakten, Fasz. 1.
32 TLA. Die Innsbrucker Hofkammer hat dem Amraser Richter allerdings sehr ernsthaft vorgeworfen, daß
der seinen Wohnhaus-Neubau »ohne gehabte herrschafftliche Bewilligung aufgeführt hat (TLA., Kopial-
buch Entbieten und Bevelch 1692, fol. 181). Sie ordnete jedoch dessen ungeachtet am 28. Juli 1692 die
nachträgliche Ausfertigung eines Verleihbriefes für den betreffenden Baugrund durch das Tirolische
Obrist-Jägermeisteramt an (TLA., Obrist-Jägermeister Amt, Mischbuch 161/1690/92, fol. 507-509; vgl.
auch Mischbuch 99, fol. 125, 252 u. 349).
33 TLA., Kopialb. Embieten und Bevelch 1620, fol. 499f.
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Gast
Rachenau
Seebauer
Beste
Gastila
Oberer Feld
Bastels
Samahder
inder Bleiche
Veran
3 Gasto
Thurgar
Ambras
Maria
Himmelfiel
Bestöl
Ortorial
Ambraser Schlofs
Osterfeld
Beßai
Luigen Wald
ALDRANS
Tafel III: Der Dorfkern mit dem nördlich davon liegenden Ortsteil Panzing sowie mit dem Amraser See,
der Au und dem Schloß Ambras auf der Katastermappe von 1856.
Neben diesen zwei Häusern im Dorf und dem Schloß selbst bildet schließlich noch
die sogenannte »Getznersäule«<, Innsbrucks ältestes, erhaltenes öffentliches Mo-
nument, ein bemerkenswertes Kunstdenkmal, welches an das Propsteigericht Amras
erinnert.
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Die Getzner-Säule am alten Amraser Kirchweg
An der Kreuzung Amraser Straße/Philippine-Welser-Straße steht anmutig von Birken
und Flieder umrahmt eine ungefähr drei Meter hohe, rote Marmorsäule, deren oberes
Ende von einem kapellenähnlichen Aufbau gebildet wird. Die Vorder- oder Südseite
dieser gotischen Bildsäule zeigt, als Relief gearbeitet, eine Kreuzigungsdarstellung,
darunter ein schräggestelltes Wappen und zu beiden Seiten desselben auf einem
Schriftband die Worte »Marx« und »Gecner«. An der Rückseite findet sich die Inschrift:
»Anno Domini MCCCCXVIII kompletum (!) est hoc opus in die sancte Drinitatis<< (!). Das
heißt zu deutsch: Dieses Werk wurde im Jahre des Herrn 1418 am Tage der Hl. Dreifaltig-
keit vollendet.
Bei dieser Säule handelt es sich also um eine im Jahre 1418 von Marx Gecner gestiftete
Votivsäule, oder, wie dergleichen im Volksmund genannt wird, um eine steinerne Mar-
tersäule. Wegen der roten Farbe des Kramsacher Marmors wird unsere Säule auch die
>>rote Marter< oder nach ihrem Stifter »Getznersäule« genannt. Bevor wir uns nun mit
der Geschichte dieser Votivsäule befassen, sei noch ausdrücklich darauf hingewiesen,
daß die heute dort stehende Säule nicht mehr das Original, sondern eine im Auftrag
des Erzherzog-Thronfolgers Franz-Ferdinand im Jahre 1913 vom Bildhauer Andreas Hin-
terholzer in Pradl angefertigte und im Jahre 1933 anstelle des Originals aufgestellte Ko-
pie ist. Die Originalsäule wurde, um sie vor weiteren Witterungsschäden zu schützen, in
die Arkaden der Kornschütt von Schloß Ambras übertragen, wo sie jederzeit, doch lei-
der nur an ihrer Vorderseite, betrachtet werden kann. Wer nun war Marx Gecner?34
Einleitend mag kurz daran erinnert werden, daß am 1. Juni 1969 die feierliche Überrei-
chung eines Wappenbriefes seitens der Tiroler Landesregierung an die Gemeinde
Götzens stattgefunden hat. Dieses neuverliehene Gemeindewappen zeigt »im blauen
Feld ein aufgerichtetes, silbernes (heraldisch gesehen) nach rechts gewandtes Eich-
hörnchen, das mit beiden Vorderpfoten einen Zirbenzapfen hält<<.
Es ist dies dasselbe Wappen wie auf unserer Martersäule bzw. das Wappen der im
16. Jahrhundert ausgestorbenen aus Götzens stammenden Familie Getzner, der auch
unser Marx (= Markus) angehört hat.
Ein von Franz Getzner, Richter von Hall, um 1520 angelegtes >Geschlechtbüechl<< führt
die Geschichte dieser angesehenen Familie (nach 1400 Haller Patrizierfamilie) bis zum
Jahre 1279 zurück. 35 Nach dieser Familienchronik war Marx Getzner der Ur-Urenkel des
als Stammvater angeführten »Friderich genant Praust (= Propst), sesshafft zu Gözens in
34 StAI., Cod. Amras 6, (Gemeinderatsprotokoll), S. 375; Innsbrucker Pfarrblatt 1921, Heft 22.
35 TLMF., Dip. 632, fol. 2-37.
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Abb. 12: Die Getznersäule von 1418. Kopie an der Philippine-Welser-Straße.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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15:
E
Tafel IV: Ansicht von Stift Wilten von ca. 1480-im Hintergrund die (erste) Dorfkirche von Amras sowie der
alte »Kirchweg (Wiesengasse - Philippine-Welser-Straße) mit der Getzner-Säule von 1418.
Ausschnitt vom Ursula-Altar in Stift Wilten. Foto: Richard Frischauf
dem Dorff«<. Marx' Vater nannte sich ebenfalls Friedrich, seine Mutter hieß Dorothea
und war die Tochter Conrad Schrempfs, Salzmaiers zu Hall. Marx war das älteste von
fünf Kindern dieses Paares. Von ihm berichtet das Geschlechtbüechl: »Er ist gewesen
der Herrschafft von Oesterreich Propst zu Ynsprugg, Pfleger auf Ambras und Taur.
Scheidenstain ist sein gewesen. Er hat gehabt ein edle Frau Barbara, Vlrich genant
Khüemauls Tochter, und ist todt ohne Leibserben da man zählt von Christi Geburth
1428 und ligt hier (= Hall) in der Gözner Begräbnus... Er ist auch gewesen mitsambt N.
Hanzinger Haubtman in dem Ynnthal in Abwesen Herzogs Fridrichs von Oesterreich,
Landsfürsten<.
Wenn wir nun versuchen, die Angaben des »Geschlechtbüechl« anhand anderer Quel-
len auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, so können wir davon leider nur eine Angabe er-
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Abb. 13: Bildstock-Aufsatz mit Kreuzigungsrelief und Wappen des Amraser Propsteirichters Marx Gezner
an der Original Gezner-Säule von 1418 im Schloß Ambras.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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archetyp
Mesin Com
off Georges
Krafrapline
Caffium AMERAS
reniffing
face
Archiduce Ferdinande
extractum, in qui
legantiffimus a parte Orientali
OENIPONTIS
prospec fua
Tafel V: Ansicht von Schloß Ambras mit dem östlichen Teil des »oberen Tiergartens (mit Rotwild), dem
Amraser See und den Türmen der zwei Amraser Kirchen, im Vordergrund die Luigenstraße.
Col. Kupferstich von Georg Hoefnagl, nach einer Zeichnung von Alexander Colin, um 1570
härten. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß die übrigen Angaben unrichtig sind, nur
können für diese keine weiteren Nachweise erbracht werden. Für unsere Zwecke gilt es
vor allem festzustellen, in welchem Verhältnis Marx Getzner zu Amras gestanden ist.
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Diesbezüglich heißt es im »Geschlechtbüechl«<, er war landesfürstlicher Propst zu Inns-
bruck und Pfleger zu Amras. Seit wann er dieses Amt innehatte, wissen wir nicht genau. Im
Jahre 1402 jedenfalls begegnet noch der seit 1395 als solcher nachweisbare Konrad Tübin-
ger von Aldrans als Richter zu Amras. 36 Vermutlich hatte Tübinger dieses Amt auch noch
im Jahre 1405 inne, sodaß Marx Getzners Tätigkeit als Urbar-Propst bzw. als Richter von
Amras frühestens in den Jahren 1405 oder 1406 begonnen haben kann. Seine erste ur-
kundliche Nennung findet sich in einer im Original erhaltenen Pergamenturkunde des
Stadtarchivs Innsbruck vom Jahre 1412, an welcher auch sein leider beschädigtes Siegel
hängt. In dieser Urkunde wird er »Marchs Gezner, Phleger auf Omeras« genannt. Er-
scheint er hier somit als Pfleger auf Amras, so erwähnt ihn eine Abrechnung vom Jahre
1425 eindeutig als Propst von Amras. Darüber hinaus erfahren wir aus dem Urbar (= Ein-
künfteverzeichnis) der Ampasser Pfarrkirche von 1402/32, daß »Marx Gezner, Phleger auf
Ombrans<< der Amraser Kirche zwei Pfund Berner Pfennige ewigen Zins von einem Gut in
Saggen gestiftet hat (Stiftsarchiv Wilten, Lade 39 B, 1 A, pag. 1 und 9).
Bringt man diese drei Nennungen in Beziehung zu der Tatsache, daß die »Pfleg Ombras<,
also die Schloßhauptmannschaft auf Schloß Ambras im Jahre 1424 von Herzog Friedl mit
der leeren Tasche an Hanns von Stuben verpfändet worden ist, so erkennt man, daß Marx
Getzner bis zu diesem Zeitpunkt sowohl Pfleger auf Schloß Ambras wie auch Urbarrichter
der Propstei Amras gewesen ist, während er nach 1424 bis zu seinem Tode im Jahre 1428
nur noch letztere Funktion ausgeübt hat. Die leider undatierte Zinsstiftung an die Amra-
ser Kirche, wie auch die Stiftung seiner Votivsäule von 1418 am alten Amraser Kirchweg,
wie der Straßenzug von Wilten durch die Wiesengasse und Philippine-Welser-Straße nach
Amras früher genannt worden ist, fallen also beide in die Zeit seiner Doppelfunktion eines
Pflegers und Richters zu Amras. Das Motiv zur Stiftung dieser Martersäule bleibt leider un-
bekannt. Wenn hingegen diesbezüglich in der Literatur manchmal die Ansicht vertreten
wird, daß Marx Getzner als treuer Anhänger Herzog Friedrichs IV. »mit der leeren Tasche<<
diese Votivsäule aus dem Grunde errichtet habe, weil sein zuvor von Kaiser und Konzil in
Konstanz geächteter und gebannter Herzog wieder von Bann und Acht gelöst und glück-
lich nach Tirol heimgekehrt sei, so muß dieser Erklärung leider widersprochen werden.
Die Inschrift auf der Säule berichtet nämlich, daß dieselbe am 22. Mai 1418, dem Festtag
der Hl. Dreifaltigkeit, vollendet worden ist, während andererseits die Aussöhnung Herzog
Friedrichs mit Kaiser Sigismund und dem Papst am 10. Mai, also nur zwölf Tage vorher
stattgefunden hat, und in so kurzer Zeit wäre es keinem Steinmetzen möglich gewesen,
unsere schöne Getznersäule zu schaffen.38
36 O. Stolz, a. a. O., S. 342.
37 StAl., Urk. n. 272. Marx Gezner und sein Bruder Mathaeus G., Bürger zu Hall, werden auch noch in einer
weiteren Urkunde des Stadtarchivs von 1417 (Nr. 275) erwähnt.
38 Clemens Wenzeslaus Graf zu Brandis, Tirol unter Friedrich von Österreich. Wien 1823, S. 132 ff. Vgl. dazu
Hans Hochenegg, Auf den Amraser Feldern. In: Wilten - Nordtirols älteste Kulturstätte. Bd. 2, Innsbruck
1926, S. 73.
49
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Die Stellung des Propsteigerichtes Amras in der Tiroler Landesverteidigung
Die Aufgebote der Tiroler Landesverteidigung waren nach Gerichten gegliedert. Dies
hatte zur Folge, daß auch das Propsteigericht Amras ein eigenes Aufgebotskontingent
zu stellen hatte.
Wie bekannt, hat Kaiser Maximilian I. im Jahre 1511 gemeinsam und im Einvernehmen
mit dem Tiroler Landtag dem Lande Tirol eine eigene Wehrverfassung, das sogenannte
>>Tiroler Landlibell«, zugestanden. Demnach übernahm das Land Tirol die Verpflich-
tung, in Zukunft für die nötige Landesverteidigung selbst aufzukommen, wohingegen
der Kaiser dem Volk von Tirol das Recht zuerkannt hat, nur in Tirol und niemals außer-
halb der Landesgrenzen Heeres- und Kriegsdienste leisten zu müssen. Diese Tiroler
Landesverteidigungsordnung basiert auf der schon damals alten Organisation der Auf-
gebote.39
Seit 1511 gab es demnach je nach Größe der drohenden Gefahr das 1., 2., 3. oder 4. Auf-
gebot mit 5.000, 10.000, 15.000 oder 20.000 Mann oder, bei überraschender Feindbedro-
hung, den durch Kreidfeuer und allgemeines Glockengeläute zusammengerufenen
Landsturm oder das »letzte Aufgebot«. Während nämlich bei den 4 Aufgeboten die
Teilnehmer einzeln ausgelost worden sind, mußte beim Landsturm jeder Waffenfähige
zum Sammelplatz eilen. Der Aufmarsch erfolgte streng nach Gerichtsbezirken geord-
net unter einem eigenen Hauptmann, mitunter sogar mit einer eigenen Gerichts-
fahne.
In der Folgezeit hat man aus begreiflichen Gründen auf das Aufgebot der 5.000 verzich-
tet - es war einfach zu gering -, und die reformierte Wehrverfassung von 1605 zählt
daher nur mehr 3 Aufgebote von 10.000 bis 20.000 Mann.
Diese reformierte und erneuerte Landesverteidigungsordnung von 1605 hat für Amras
insofern große Bedeutung, als hier für jedes Gericht genau angeführt wird, wieviel
Mann es zu stellen hatte: Demnach traf es für das Propsteigericht Amras zum ersten
Aufgebot 34, zum zweiten 51 und zum dritten Aufgebot 68 Mann. Und in dieser Amraser
Aufgebotsmannschaft haben wir den Ursprung der noch heute bestehenden Amraser
Schützenkompanie zu erblicken (vgl. unten).
39 Vgl. dazu generell O. Stolz u. Franz Huter, Wehrverfassung und Schützenwesen in Tirol, Innsbruck 1960, für
Amras besonders S. 227.
50
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Der Anteil von Amras an den Ereignissen des Jahres 1809
In besonderer Weise trat die Amraser Schützenkompanie auch bei den Tiroler Frei-
heitskämpfen des Jahres 1809 in Erscheinung und hatte dabei auch drei Gefallene zu
beklagen. Ihre Namen sind: Alois Posch, Bauernknecht, beim Rückzug der Bayern 1809
bei St. Margarethen im Unterland durch die Kavallerie zusammengehaut; Michael
Baldauf, 22 Jahre, (ebenfalls) umgekommen bey dem Landsturm; Anmerkung: Diese
beiden Gefallenen wurden im Amraser Totenbuch II, pag. 39 ohne Datum zwischen Ein-
tragungen vom 23. VI. und 30. VII. 1809 nachgetragen; Johann Vögele, Bauernknecht,
am 28. Oktober 1809 bei Judenstein.
R.I.P.
Das Dorf Amras und seine von Ignaz Fuchs (1767-1853) angeführte Schützenkompanie,
deren Standesliste bisher leider unauffindbar ist, wurde immer dann vehement in die
kriegerischen Ereignisse des Jahres 1809 verwickelt, wenn es zu Entscheidungskämp-
fen darüber kam, ob der Zugang zum Wipptal bzw. zum Brenner von den Bayern er-
obert oder von den Tirolern gehalten werden könne. Und diese Kämpfe tobten auf der
ganzen Breite der Wipptalmündung, d. h., ihre östliche Begrenzung bildeten die strate-
gisch wichtigen Innbrücken bei Volders und Hall, jene Punkte also, wo die nach Matrei
a. Brenner führende Ellbögener Straße ihren Aufstieg begann. Im Westen zogen sich
diese Kämpfe über das südwestliche Mittelgebirge und den Talboden bei Mentlberg
und Völs, also über jenen Bereich hin, der zur Zirler Innbrücke führt. Das Zentrum aller
dieser Kampfhandlungen lag selbstverständlich bei der von Innsbruck-Wilten über den
Bergisel-Sattel (beim heutigen Sonnenburgerhof) nach Schönberg führenden Brenner-
straße. Nach diesem Zentralraum wurden alle diese Kämpfe zwischen Volders und Zirl
als >Bergiselschlachten« bezeichnet.
Zwar gab es auch schon zu Beginn der Erhebung am 12. und 13. April erbitterte Vor-
postengefechte in der Gegend des Bergisel und der Gallwiese (= Mentlberg), in der
vollen, oben dargelegten Breite entwickelten sich die Kämpfe aber erst am 25. und 29.
Mai, am 13. August und - bereits wesentlich vermindert -, rund um den 1. November
(= letzte Bergiselschlacht).
Amras war dabei sowohl am 25. und 29. Mai als auch am 13. August von Kampfhandlun-
gen betroffen. Am 1. November hingegen sollen die Bayern im Dorf herunten >>wüst ge-
haust<< haben 40. Die Einbeziehung von Amras in die Kämpfe ergab sich deshalb, weil die
Bayern immer wieder versuchten, den neben dem Schloß Ambras hinauf nach Aldrans
40 Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809. Innsbruck 1909, S. 752, Anm. 2, wo ein Brief der Gräfin Trapp
zitiert wird, in dem sie mitteilt, die Bayern hätten in ihrer Villa zu Ambras (= Trappschlößl) am 1. Novem-
ber wüst gehaust, »ohne dass dort eine Affäre (Anm.: ein Kampf oder Gefecht) gewesen wäre<.
51
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Zur Erinnerung:
an die hier auf diefen Höhen
Trattgehabten liegreichen,
Freiheitskämpfe der
Tiroler
am 25.29.Mai u.15.Aug.
1809
Abb. 14: Gedenktafel an der Aldranser Straße bei den Schönruher Wiesen.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
und damit zur Ellbögener Straße führenden Karrenweg in ihre Gewalt zu bekommen.
Von einer Straße konnte damals nicht die Rede sein, zumal es sich bei diesem Weg
nicht um die heutige Straße, sondern lediglich um jenen heutigen Fußsteig handelte,
der vom Tummelplatzweg bzw. vom »Archele« ausgehend, zum Schloßtor und wenige
Meter vor diesem steil ansteigend nach »Schönruh<< führt.
Da sich das landesfürstliche Schloß Ambras infolge des Herrschaftswechsels seit 1806 in
königlich-bayrischem Besitz befand und die Tiroler Schützen und Stürmer ihren Stand-
ort am Mittelgebirge hatten - dort oben hatte sich auch die wehrfähige Mannschaft
des ehemaligen Propsteigerichtes Ambras (von der bayrischen Regierung aufgehoben)
versammelt-entwickelten sich die Kämpfe immer wieder im Bereich der weitläufigen
Schönruher Wiesen, wo der Waldrand den Tirolern sicheren Schutz bot. In diesem
Bereich wurde auch vermutlich im Rahmen der Jahrhundertfeier 1809-1909 noch an der
alten bzw. ersten Aldranser Straße von 1884 (wenige Meter unter der bestehenden) an
einem kleinen Felsen westlich vom ehemaligen Hotel Schönruh eine Gedenktafel zur
Erinnerung an diese Kämpfe angebracht, der man nach der Eröffnung der heutigen
Aldranser Straße am Felsen westlich unter dem Bauernhof Schönruh eine zweite folgen
52
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Abb. 15: Der Gratz-Hof in Panzing (Geyrstraße Nr. 18) - Sterbehaus des Amraser Schützenhauptmanns
von 1809, Ignaz Fuchs.
Foto: E. Pöschl
ließ. Die erstere Tafel wurde von unbefugter Hand entfernt und befindet sich heute
sinnwidrig und irreführend am Haus Weißgattererstraße Nr. 19 (Mentlberg).41
Ein zweiter Schwerpunkt der Kämpfe oberhalb von Amras war, namentlich am 13. Au-
gust, der Waltherhof, diese ehemalige Vogelhütte von Schloß Ambras, auf der Gelände-
kuppe zwischen dem Schloßpark und dem Tummelplatz.42 Es ist auch anzunehmen,
daß dabei selbst dieser erst kurz zuvor (1797) angelegte Kriegerfriedhof im Walde in
Mitleidenschaft gezogen worden ist.
Bei den Kämpfen Ende Mai erhielten beide Seiten auch Artillerieunterstützung, der je-
doch vermutlich eher moralisch-psychologische Bedeutung zukam, da die Kanonen
4 Vgl. den Bericht in der Tiroler Tageszeitung 1984, Nr. 215, S. 3.
42
J. Hirn, a. a. O., S. 614.
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der Bayern am Talboden unten in den Amraser Feldern standen, während die im Mai
noch vorhandene bescheidene Unterstützung der Tiroler durch österreichisches Militär
in diesem Kampfgebiet nur über eine Kanone verfügte.43 Kampfgeschrei und Kanonen-
donner aber sind noch heute unverzichtbare Mittel konventioneller Gefechtsführung...
Der Einsatz der Amraser Schützen unter Hauptmann Ignaz Fuchs bei diesen Kämpfen
wird sowohl für den 29. Mai als auch für den 13. August zweifelsfrei berichtet.44 Haupt-
mann Fuchs hat das Kriegsjahr 1809 gesund überstanden und starb fast genau 86jährig
am 9. Jänner 1853 an einem »Schlagfluß«, wobei der Eintragung über seinen Tod im Am-
raser Sterbe- bzw. Totenbuch Bd. II, pag. 124, eigens beigefügt wurde, daß Ignaz Fuchs
>Landesschützenhauptmann« war. Er hatte am 17. Jänner 1767 in Amras als Sohn des
Johann und der Elisabeth >Fux« das Licht der Welt erblickt. Verstorben ist er, wie es im
Totenbuch vermerkt steht, in dem schönen, alten Bauernhaus beim »Gratz«<, heute Geyr-
straße 18, welches ihm 1822 von seiner Gattin Rosina geb. Junker vermacht worden war.45
Bleibt noch zu erwähnen, daß auch die Bewohner von Amras, wie jene in vielen anderen
Orten, am 4. Juni 1809 aus Freude und Dank über den Sieg Erzherzog Karls über Napo-
leon bei Aspern (am 21./22. Mai) und über den eigenen Sieg am Bergisel (am 29. Mai) eine
Dank- und Bittprozession abgehalten haben, bei welcher das Amraser Gnadenbild,
die Muttergottesstatue vom Hochaltar unserer Pfarrkirche, mitgetragen worden ist.46
Übrigens entdeckten die Amraser ihre österreichische Gesinnung nicht erst im Kriegs-
jahr 1809, wofür eine abschließend noch in Erinnerung gebrachte humoristische Episo-
de aus dem Jahre 1807, also nach erst einem Jahr bayrischer Herrschaft, den besten Be-
weis liefert: An einem der Faschingstage verkleideten sich im Dorf Amras acht Bur-
schen zu österreichischen Soldaten, liefen in die Häuser und sagten die Einquartierung
von 900 Mann (österreichischen Militärs) an. Ein leichtgläubiges Weib begab sich in die
Stadt, um für solch' erfreulichen Besuch Mundvorrat zu kaufen und verbreitete die Kun-
de. Sogleich zogen zwei (bayrische) Kompanien, vom Gouverneur begleitet, wohl verse-
hen mit scharfen Patronen, nach Amras und durchsuchten jedes Haus nach den Kaiser-
lichen, um endlich zu erfahren, daß sie einem Fasnachtsscherz aufgesessen sind. Um
aber recht sicher zu gehen, mußte die eine Kompanie noch die Straße bis Hall, die an-
dere bis Matrei untersuchen.47
43 Eine sehr lebendige Schilderung der damaligen Kämpfe liefert Anton Knoflach's Tagebuch (= Anno Neun,
Bd. XIII), Innsbruck 1909, S. 13-15. Am 29. Mai wurde auch das Dorf Amras selbst vorübergehend von
Kampfhandlungen betroffen (J. Hirn, a. a. O., S. 473).
44 J. Hirn, a. a. O., S. 470 und 611.
45 Marie Grass-Cornet, Aus der Geschichte der Nordtiroler Bürgerkultur- die Familie Fuchs. Forschungen
zur Rechts- und Kulturgeschichte Bd. 6, Innsbruck 1970, S. 67. Vgl. auch StAI., Nachlaß von Adolf Schuler,
Mappe »Alt-Amras No. 64 - Geyr-Straße No. 18.
46
J. Hirn, a. a. O., S. 487.
47 Ebenda, S. 270.
54
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Die Dorfgemeinde Amras - Anfänge und älteres Verfassungsleben
Während der Name des Ortes Amras (»locus Omaras<) mit Häusern und landwirt-
schaftlich genutzten Gütern schon 937/57 belegt ist 48, können wir die Existenz einer ei-
genen Dorfgemeinde (lateinisch »vicus« oder »villa<<) erst im 12. Jahrhundert nachwei-
sen. Den ersten Beleg hierfür enthält die bereits oben erwähnte Tauschurkunde von
1180, kraft welcher Markgraf Berchtold von Andechs-Istrien vom Kloster Innsbruck-Wil-
ten den Grund der Innsbrucker Altstadt erworben und dafür tauschweise einen Hof im
Dorfe Amras (>>in vico Omeras mansum<<) dem Kloster übereignet hat.49 Rund 100 Jahre
später tritt uns dann in einer Stamser Urkunde von 1279 erstmals ein Dorfmeister von
Amras (>magister ville<<) als Oberhaupt der Gemeinde entgegen.50 Wenn man beachtet,
daß die älteste Nennung eines Dorfmeisters in ganz Tirol aus dem Jahre 1239 bzw. aus
Lana bei Meran datiert, dann kann man davon ableiten, daß Amras zu jenen Gemein-
den zählt, in denen sich schon relativ früh ein gewisses eigenständiges Verfassungs-
leben entwickelt hat.
Wie wir aus späteren Quellen wissen, wurde der Amraser Dorfmeister alljährlich durch
die Gemeindeversammlung, das »Ehafttaiding< unter Vorsitz des Amraser Richters
gewählt. Derartige Taidinge fanden jährlich zweimal, im Frühjahr (Mai) und im Herbst je
nach Maßgabe der Witterung auf dem »Spieltennen« oder im Wirtshaus statt.
Zur Teilnahme an diesen Versammlungen waren alle Amraser Gutsbesitzer verpflich-
tet. Volles Stimmrecht hatten jedoch nur die »Nachbarn«, d.h. die Inhaber von
>>Nachbarsbehausungen«, während die Sölleute und Inwohner d. h. die Besitzer der
Söllhäuser und Inwohnerbehausungen nur zum Mitvollzug der dort gefaßten Beschlüs-
se verpflichtet waren und alle Lasten mitzutragen hatten. Das Synonym für den Begriff
Dorf oder Gemeinde der vollberechtigten »Nachbarn<< war daher die Bezeichnung
>Nachbarschaft<<.52
48 Vgl. oben Anm. 16!
49 Siehe die Edition dieser Urkunde bei Ernst Frhr. v. Schwind und Alphons Dopsch, Ausgewählte Urkunden
zur Verfassungsgeschichte der deutsch-österreichischen Erblande im Mittelalter. Innsbruck 1895, S. 35 ff,
n. 21. Vgl. dazu auch F.H. Hye, Innsbruck - Geschichte und Stadtbild. Sonderband der Tiroler Heimat-
blätter »800 Jahre Stadt Innsbruck«. Innsbruck 1980, S. 12f.
50 Orig. im KIA. Stams. Vgl. O. Stolz, Geschichte der Stadt Innsbruck. Innsbruck 1959, S. 454.
51 Franz Huter, Tiroler Urkundenbuch Bd. 1/3, Innsbruck 1957, S. 136, n. 1092. Zum Amt des Dorfmeisters
siehe auch F. H. Hye, Geschichte von Algund bei Meran. Historisches Antlitz einer Tiroler Dorfgemeinde.
Algund 1986, S. 35-53.
52 TLA., Cod. 41/III, fol. 1044: Kraft der betreffenden Urkunde vom 22. Mai 1408 verlieh Herzog Friedrich IV.
der Nachbarschaft Amras (»Vmbras<) auf ihre Bitte »die Voraw, die da stosset ainhalb an die Aw annder-
halben an das Osterfeld; item den Sackh und ze Furt, stosset ainhalben an die Sull, annderhalben an
das Yn und an dem dritten Ennde an das veld ze Predel«, nachdem die lewt gemainlich ze Vmbras<
diese Gebiete »anfuahen und in paw pringen wolten<.
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Der Spieltennen war ein bedachter Holzbau, eben eine Tenne, jedoch seitlich offen mit
Bretterboden und Sitzbänken. Die Bezeichnung »Spiel«-Tenne kommt daher, daß hier
nicht nur die Gemeinde- oder Gerichtsversammlungen, sondern auch Theaterauffüh-
rungen (z. B. Passionsspiele) stattgefunden haben. 53 Der Amraser Spieltennen, welcher
bereits im Urbar der Pfarre Ampass von 1402/32 (pag. 27) im Stiftsarchiv Wilten genannt
wird, befand sich an der nordwestlichen Ecke Philippine-Welser-/Geyrstraße an der
Stelle der heutigen Metzgerei Hölzl (Geyrstraße Nr. 76). Als man nach 1780 auf diese öf-
fentliche Einrichtung glaubte verzichten zu können - das Verbot dieser Art von Laien-
bühnen unter Kaiser Joseph II. mag dazu sicher beigetragen haben, wurde an seiner
Stelle (1793) das als Gebäude noch bestehende erste Schulhaus der Gemeinde, also
wieder ein öffentliches Gebäude auf Gemeindegrund erbaut. Allerdings darf man sich
den Platz des Spieltennen und seiner Umgebung nicht in der Beengtheit seiner heuti-
gen Situation mit den unmittelbaren Nachbarhäusern Geyrstraße Nr. 68/74 und Philip-
pine-Welser-Straße Nr. 107 vorstellen, sondern als freien Platz zwischen dem alten
Klotz-Hof (Philippine-Welser-Straße Nr. 105) im Westen und dem Unteren Gratl (Geyr-
straße Nr. 62) im Norden.
Mit anderen Worten, hier am Zusammentreffen der beiden wichtigsten Straßen des Or-
tes befand sich überdies nahe der Kirche der alte Amraser Gemeindeplatz und
sein Spieltennen, worauf hinzuweisen auch im Sinne der immer noch zu wenig betrie-
benen Verfassungs-Topographie wesentlich erscheint. - Doch nach diesem Exkurs zu-
rück zur alten Gemeindeversammlung.
Die einzigen Berichte über die Amraser »Ehafttaidinge« verdanken wir dem Fleiß der
Amraser Gerichtsschreiber, die in den Verfachbüchern des Propsteigerichtes Amras
jeweils die wichtigsten Tagesordnungspunkte der einzelnen Taidinge aufgeschrieben
haben. Diese meist ganz kurzen Protokolle beginnen mit dem Jahre 1592, mit jenem
Jahre, ab dem uns die Amraser Verfachbücher erhalten geblieben sind.
So berichtet Christoph Schlecht, der Gerichtsschreiber dieser Jahre ab 1592, z. B.:
>Actum den 27. Tag May im 1592 Jar zu Ombras in Leonhardten Fuxens, Gasstgebens
daselbst Wiertsbehaußung (Anm.: Dabei handelte es sich um den alten Stecherhof,
Philippine-Welser-Straße Nr. 91) ist das Mayen-Eehafft-Täding altem Heerkhomen und
Gebrauch nach gehalten und ersessen worden.<54 Und nach dieser einleitenden Mit-
teilung läßt Schlecht dann die einzelnen, bei dieser >ersessenen« Sitzung besproche-
nen Angelegenheiten in zwangloser Reihe folgen. Den meisten Raum dabei nehmen
>>Rügen« (= Anzeigen) einzelner Gemeindemitglieder ein, denen der eine oder andere
Gegenstand »entfremdt worden« ist. So »riegt« Andree am Thung »es sei ime ain
53 Karl Klaar, Die Spielgemeinde Amras bittet das Innsbrucker Regelhaus um eine Weinspende 1679. In:
Alt-Innsbruck und seine Umgebung Bd. 2, Innsbruck o. J., S. 185 ff.
54 TLA., Vfb. Amras 1592, fol. 165; Damaliger Dorfmeister war Anthon Painpal, dem 1595 Christoph Anngerer folgte.
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an Boll
Abb. 16: Das erste Volksschulgebäude von Amras, erbaut 1793 an der Stelle des einstigen >>Spieltennen<<
bschlagens Rad unter der Schupfen« weggekommen. Bartlmee Tollinger riegt den Ver-
lust von >20 Pfund werchens, gewaschens Garn, so aufm Tennen an der Trückhenstat
gehangen«. Sigmund Pampal klagt, »er hab ain unters Föderpeth aus der Pethstat ver-
loren«. Dem Hanns Fux fehlten »5 Hennen außm Hennenstal«<, Hanns Prögl »riegt, man
hab seinem Sohn Andree auẞm Haus ain plaben (blauen) Rockh one Erml endtfremdt<<,
und ein Pradler Bauer zeigt an, »es sei ime im Roggenbau ain Marchstain auẞpaut wor-
den«. Dieses Verzeichnis von Rügen und Anzeigen - zusammengestellt aus verschie-
denen Taidingberichten - könnte noch beliebig fortgesetzt werden, doch gibt auch
dieser Querschnitt ein recht lebendiges Bild von den Gebrauchsgegenständen jener
Zeit und von dem Wert, den sie darstellten, sodaß deren Verlust anzeigenswert war.
Doch nicht nur mit diesen unerfreulichen Begleiterscheinungen des menschlichen Zu-
sammenlebens befaßte man sich beim Ehafttaiding, sondern hier wurde auch das
Dorfoberhaupt, das war der Dorfmeister, wie auch die zwei bis drei Waldhüter, genannt
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Waldrieger, und die »Gerichtsgeschworenen verordnet und erwelt«<. Die Amtsperiode
dieser Gemeindefunktionäre dauerte jeweils ein Jahr, wobei der Dorfmeister noch
eigens >mit dem Glübd« vereidigt worden ist. Eine der Aufgaben des Dorfmeisters war
u. a. den Gemeindemitgliedern den Termin des nächstfolgenden Ehafttaidings zu ver-
künden und sie zur Teilnahme aufzufordern. Wer dann trotz dieser Aufforderung dem
Taiding unentschuldigt fernblieb, wurde »von der Obrigkeit« bestraft, woraus zu erse-
hen ist, daß man wohl anhand einer Anwesenheitsliste die Vollzähligkeit aller verpflich-
teten Gemeindemitglieder überprüft hat.
Über einen solchen Fall leichtfertigen Fernbleibens vom Ehafttaiding berichtet der Ge-
richtsschreiber wie folgt: »Georg Fuerman ist, ungeacht der Dorfmaister ime den Tä-
ding verkhündt hat, one Vorwissen und Vergonstigung der Obrigkait ungehorsamblich
auẞbliben, deßwegen er zu straffen ist.<<
Schließlich müssen hier noch drei weitere wichtige Amtsträger der Gemeinde erwähnt
werden. An erster Stelle gilt dies von dem alljährlich von der Gemeinde gewählten
Kirchmaier oder Kirchpropst, welchen Amtsträger wir in Amras urkundlich seit 1468 -
und zwar in der Person des Georg Eggelstain - nachweisen können.55 Seine Aufgabe
war keine primär religiöse, sondern die Verwaltung des weltlichen Kirchengutes der
Amraser Dorfkirche, wozu sowohl die Erhaltung des Kirchengebäudes und seine würdi-
ge Ausstattung als auch die Verwaltung der kirchlichen Finanzen (Zinserträge, Entleh-
nungen, Ein- und Verkäufe von Liegenschaften etc.) gehörten.
Einst mit der Kirchenverwaltung auf's engste verknüpft war auch das Schulwesen.
Dementsprechend finden sich die Hinweise auf die Entlohnung des Amraser »Kinder-
lehrer(s)«< in den Abrechnungen des obgenannten Kirchpropstes (so z. B. in den Kirch-
propstraitungen von 1724, 1755 und 1758).56 Die bisher feststellbare älteste Nennung
eines Amraser »Schuelmayster(s) << namens Hanns Viener findet sich in dem um 1571
angelegten, ältest-erhaltenen Urbar der Amraser Dorfkirche. 57 Nur sehr selten hin-
gegen treffen wir in Amras auf einen sogenannten >Gerichtsanwalt«. Derselbe wurde
vom zuständigen Gericht - hier dem Propsteigericht Amras - aus dem Kreis der Dorf-
nachbarn ausgewählt und sollte im Dienste der Gerichtsverwaltung für ein gutes
Zusammenwirken zwischen dieser und der Gemeinde sorgen. Als derartige Anwälte
begegnen in Tirol meist vermögende Wirte. Eben dies trifft auch für den Amraser Ge-
richtsanwalt und Wirt Jakob Stapf zu, welcher uns in einer Stiftungsurkunde für die Am-
raser Kirche von 1677 entgegentritt. Er war einer der Vorbesitzer des heutigen Gast-
hofes Kapeller.58
55 Vgl. unten Anm. 197.
56 Pfarr-Archiv Amras im Stiftsarchiv Wilten.
57 Ebenda, Urbar und Kirchpropstraitungen ab 1571, fol. 16.
58 Die Zweit-Ausfertigung dieses Stiftsbriefes befindet sich noch heute im Besitz des genannten Gasthofes
bzw. Wirts.
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Abb. 17: Das im Jahre 1841 von der Gemeinde Amras erbaute und 1984/85 von der Stadtgemeinde Inns-
bruck restaurierte Kuratie- bzw. Pfarrwidum am Kirchsteig.
Foto: F. Murauer
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Die Gemeinde im 19. Jahrhundert
Im Zuge der >>Regulierung der Gemeinden und ihrer Vorstände in Tyrol und Vorarl-
berg« im Jahre 1819 trat an die Stelle des Dorfmeisters als Gemeindeoberhaupt der
>Gemeindevorsteher«, dem zwei »Gemeindeausschüsse« (= Mitglieder des Gemein-
deausschusses), ein »Gemeindecassier<< und ein >Steuer(ein)treiber zur Seite stan-
den. Ihre Amtsdauer betrug mindestens ein Jahr. Ihre Wahl mußte vom zuständigen
Landrichter für Amras war dies jener von Sonnenburg-Wilten - bestätigt werden.59 In
dieser Phase der Gemeindegeschichte entstand das nunmehr durch die Stadtgemein-
de prächtig restaurierte Kuratiewidum bzw. heutige Pfarrhaus in Amras (Kirchsteig
Nr. 9), dessen Baujahr 1841 noch heute über dem Hausportal zu lesen ist.
Eine neuerliche Reform brachte das österreichische Reichsgemeindegesetz von 1862
bzw. die auf diesem beruhende Tiroler Gemeindeordnung von 1866, die den aus dem
Gemeindevorsteher und zwei Räten bestehenden Gemeindevorstand und einen je
nach der Zahl der Wahlberechtigten mindestens aber aus 8 Mitgliedern bestehenden
Gemeindeausschuß vorsah (um 1900 waren in Amras-Pradl stets 11 »Ausschüsse<<). Die
Wahl galt jeweils auf die Dauer von drei Jahren. Die erhaltenen Gemeindeaus-
schuß-Protokolle von Amras-Pradl beginnen mit der am 13. Juli 1887 in Pradl abge-
haltenen Sitzung, bei der man sich unter anderem bereits mit dem Projekt des neuen
Kirchenbaues in Pradl befaßte und ein Komitee hiefür bestellte.60 Die Sitzungen des
Gemeindeausschusses fanden - bis 1904 - abwechselnd in den verschiedenen Gast-
höfen, jedoch fast nur in Pradl statt, so z. B. jene am 8. September 1896 im ehemaligen
>Gasthaus zur Linde« (Ecke Amraser/Pradler Straße). Bei dieser Sitzung beschloß der
Gemeindeausschuß erstmals die Anstellung eines Gemeindesekretärs. Erhalten hat
diesen Posten der bisherige Gemeindediener Johann Haller. Konsequenterweise be-
schloß man bei der gleichen Sitzung auch die Anmietung einer Gemeindekanzlei in
Pradl. Bleibt noch hervorzuheben, daß der Gemeindesekretär >>sowohl die Schreibge-
schäfte der Gemeinde Amras-Pradl, als auch die der Fraktionsgemeinde Amras zu be-
sorgen hatte<; - er hatte also auch dieser Gemeindefraktion dienstbar zu sein!61 Ein
Jahr später befaßte sich der Ausschuß mit der Anstellung eines »Brunnenmachers«. Als
weitere Gemeindebedienstete begegnen neben dem Flur- und dem Waldhüter zwei
Nachtwächter (1887) und ein Maulwurffänger. Letztere Stelle wurde z. B. noch im Jahre
1938 besetzt und weist - wie vieles andere - noch deutlich auf die rein landwirtschaft-
liche Struktur von Amras-Pradl hin.62 Das Wahlrecht war damals allerdings noch kein all-
59 Provinzial-Gesetzsammlung von Tyrol und Vorarlberg für 1819. Innsbruck 1823, S. 755-777.
60 Alle erhaltenen Amraser Gemeindeausschuß- und Gemeinderatsprotokolle bis 1938 befinden sich im
StAl. bei den Codices »Amras<.
61 Wie sowohl aus dieser Formulierung als auch aus der Tatsache ersichtlich wird, daß die Gemeindeaus-
schuß-Sitzungen damals fast ausschließlich in Pradl abgehalten worden sind, lag das politische Schwer-
gewicht der Gemeinde Amras in dieser Zeit in Pradl (StAI., Cod. Amras 1, S. 76).
62 StAl., Cod. Amras 7, S. 101
60
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Abb. 18: Ansicht des Dorfes Amras von B. Armani, um 1856/57.
gemeines, sondern auf jene Gemeindemitglieder beschränkt, die als Liegenschaftsbe-
sitzer etc. an die Gemeinde direkte Steuern zu entrichten hatten. Eine Ausnahme bil-
deten nur die Geistlichkeit, die Beamten und pensionierte Offiziere, Akademiker und
die jeweiligen Oberlehrer oder Schulleiter. Alle anderen besitzlosen Gemeindemitglie-
der waren vom Wahlrecht ausgeschlossen. Die ersten Wahlen fanden noch im Jahre
1866 statt.
Als besondere Leistung dieses dritten Abschnittes der Geschichte der Amraser Ge-
meindeverwaltung - sie endete mit der Abtrennung von Pradl (1.1. 1904) - darf einer-
seits der Bau der - 1979 abgerissenen - zweiten Amraser Volksschule am Kirchsteig
bezeichnet werden. In der Amraser Schulchronik werden dafür als Zeitraum der Erbau-
ung die Jahre 1892/93 bzw. deren Eröffnung im August 1893 angegeben. Derselben
Quelle zufolge wurde damals fast gleichzeitig das alte bzw. erste Schulhaus um 1350
Gulden an den Amraser Kaufmann oder »Krämer« - wie sich die Chronik ausdrückt -
Sebastian Geyr verkauft.63
63 Das Original der Schulchronik befindet sich in der Direktion der Volksschule Amras. Vgl. auch unten den
Beitrag von Andreas Bramböck.
61
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Die Errichtung der ersten Hochdruck-Trinkwasserleitung für Amras
Andererseits ist hier auf die - allerdings sehr umständliche - Errichtung der ersten
leider nur sehr beschränkt leistungsfähigen Hochdruckwasserleitung für die Trink-
wasserversorgung von Amras (1899-1902) hinzuweisen. Am Beginn der betreffenden
Maßnahmen steht am 20. August 1899 der Ausschuß-Beschluß zum Ankauf der >>in der
sogenannten Burgwiesen (Anm.: oberhalb von Schönruh) befindlichen Wasserquelle....
nachdem im Dorf Amras (solcher) Wassermangel besteht, sodaß man dort infolge län-
gerer Trockenheit, bei welcher die bestehenden Brünnen bereits versiegten (!), ge-
zwungen war, vom Schloßpark-See einen Theil Wasser zu entnehmen, welches Wasser
aber für die Gesundheit sehr bedenklich werden könnte.64 Nach vollzogenem Ankauf
besagter Quelle wurde am 17. Dezember »zwecks Durchführung der (hiefür nötigen)
Wasserleitungs-Anlage ein eigenes Komitee erwählt.65 Dieses projektierte im Frühjahr
1901 eine Leitung »mit Eisenröhren« (Anm.: nicht mehr mit gebohrten Baumstämmen)
>>vom steinernen Steg (Anm.: wohl der Straßenbrücke über den Mühltalbach) bis zur
Amraser Schloßstraße beim Schloßwirth.« Zur Finanzierung wurde bei der Sparkasse
Innsbruck ein Darlehen in der Höhe von 60.000 Kronen aufgenommen. Diese Summe
mußte aber auch für weitere Maßnahmen reichen, zumal es eben im Frühjahr 1901 ge-
lungen ist, in der Walther-Wiese in Aldrans (Gp. 484), welche zum Besitz des Waltherho-
fes gehörte, »eine bedeutende Quelle« zu ergraben, welche - trotz erheblicher rechtli-
cher Schwierigkeiten - ebenfalls gefaßt und mit obgenanntem Leitungsprojekt verei-
nigt werden sollte. Dazu kam damals noch eine weitere Quelle in Aldrans ebenfalls auf
Privatgrund.67 Am 12. Mai 1901 erfolgte die erste Teil-Bauvergabe an den Installateur Sil-
vio Basserini-Travaglia.68 Bei dieser Gelegenheit war auch noch von einer weiteren
Quelle in Aldrans die Rede. Einen Monat später wurde dann erwogen, ob man zwei ge-
trennte Wasser-Reservoirs errichten soll, oder ein großes bei der alten Schloßschmiede
(Schloßstraße Nr. 14), auf deren Grund eine weitere Quelle »nachzufassen« wäre. Auch
beim benachbarten >>Stempflhaus<< (Nr. 12) bot sich die Fassung einer Quelle an, aller-
dings mußte bei deren Einspeisung das >Bassin<< bzw. der Trinkwasser-Hochbehälter
dann etwas weiter unten im Gelände im Schloßpark situiert werden.69
Am 4. Juli tauchen im Protokoll zwei weitere Quellen in Aldrans auf, die angekauft
werden.70 Noch in demselben Monat erfahren wir dann von der Verlängerung und vom
64 StAI., Cod. Amras 1, S. 167f.
65 Ebenda, S. 187.
66 Ebenda, S. 221 u. 229.
67 Ebenda, S. 223 ff.
68 Ebenda, S. 230.
69 Ebenda, S. 235 f.
70 Ebenda, S. 244, 246f, 253.
62
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Neubau eines Wasserkastens bei einer Quelle im Waldteil des Heinrich Schuler." Da-
mit war die Phase des >Quellensammeln« offenbar abgeschlossen. Nun wurde am 23.
März 1902 der zuständige »Landes-Techniker<< Hohenleitner eingeladen, um »dem Ge-
meindeausschusse bei einer Versammlung einen Vortrag über die Anschauung der
projectirten(!) bzw. noch zu projectirenden Trinkwasserleitung zu halten, wobei
Gelegenheit geboten ist, durch Gedankenaustausch und gegenseitiger Besprechung
über allfällige Abänderungen sich zur endgiltigen Beschlußfassung vorzubereiten.<72
Letztere erfolgte dann endlich am 9. April 1902. Dabei stellte der Gemeindevorsteher
Andreas Tollinger im >Lindenhof« nochmals das ganze Projekt vor bzw. »legt das vom
Landesculturamte ausgearbeitete Project einer Hochdruckwasserleitung in Amras vor
und berichtet, daß die Qualität des Wassers der in Aussicht genommenen Quellen laut
der vom hygienischen Institute der k. k. Universität Innsbruck eingeholten chemischen
Analyse den hygienischen Anforderungen entsprechen. Berichtet wird weiters über
den veranschlagten Kostenaufwand, welchen die Errichtung der projectirten(!) Hoch-
druckwasserleitung erfordert, derselbe beträgt nach dem fachmännischen Überschlag
des Herrn Landeskultur-Inspectors Hohenleitner 32.000 K. Diese Summe soll aus Ge-
meindemitteln bestritten werden, wozu die Aufnahme eines Darlehens von der Inns-
brucker Sparkasse oder einem anderen Geldinstitute nothwendig ist und die Bewilli-
gung des Landesausschusses erwirkt werden soll. In Anbetracht der mangelhaften
Wasserversorgung, welche bisher in Amras besteht, nebst der sehr mangelhaften
alten hölzernen Leitung, welche häufig bloß gelegt ist, daher allen Einflüssen der
Witterungsverhältnisse und Verunreinigungen ausgesetzt, zu Beschwerden der Sani-
tätsbehörden Anlaß gab, weshalb zu wiederholtem Male an die Gemeinde die Auffor-
derung ergieng, eine entsprechende Trinkwasserleitung herzustellen, stellt der Ge-
meindevorsteher den Antrag, der Gemeindeausschuß wolle in Berücksichtigung dieser
Übelstände, welche vom versammelten Ausschusse als der Wahrheit entsprechend an-
erkannt werden, beschließen, die Erbauung der Hochdruckwasserleitung nach dem
vorliegenden Projecte im künftigen Sommer noch in Angriff zu nehmen und fertig zu
stellen.<73
71 Ebenda, S. 256.
72 Ebenda, S. 287.
73 Ebenda, S. 294 ff.
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Die Abtrennung der Fraktion Pradl
und deren Eingemeindung zur Stadt Innsbruck
Zur gleichen Zeit, da man bemüht war, mit der Trinkwasser-Misere in Amras fertig zu
werden, lieferte auch in Pradl die Trinkwassernot den ersten Ansatzpunkt für die Stadt,
diese Fraktion »abzuwerben«.74 Auf die Bitte der Pradler um Trinkwasserversorgung
durch die Stadt kam von dort nämlich die ablehnende Antwort - mitgeteilt in der Aus-
schuß-Sitzung am 12. Mai 1900 -, »daß die Abgabe von Wasser (nur) an jene Vororts-
Gemeinden zu geschehen habe, welche sich freiwillig in das Stadtgebiet Innsbruck ein-
beziehen lassen. <75 Dieser Lockruf blieb bei den Pradler Ausschuß-Mitgliedern nicht
ungehört, und am 19. August desselben Jahres legte der Gemeindevorsteher Andrä Tol-
linger dem Ausschuß bereits mit der größten Selbstverständlichkeit >den vom städti-
schen Bauamte... neu entworfenen Straßenregulierungsplan, angepaẞt dem Projecte
für die allfällig durchzuführende Einbeziehung der Ortschaft Pradl in das Gebiet der
Stadtgemeinde« vor.76 Dieser wurde im Prinzip nicht abgelehnt, sondern von Zimmer-
meister Anton Tollinger überarbeitet, dessen Plan jedoch bei der Sitzung am 27. Jänner
1901 vom Ausschuß keine Zustimmung fand." Hierauf kam es zur Ausarbeitung eines
gemeinsamen Planes des Stadtbauamtes und Anton Tollingers, den der Gemeindevor-
steher am 30. November 1901 neuerlich zur Diskussion gestellt hat. Dabei führte er u. a.
aus: >Die gegenwärtigen und zukünftigen baulichen Verhältnisse in Innsbruck und Um-
gebung bedingen nothwendig die Abänderung des alten Straßenregulierungsplanes,
welcher der Wechselbeziehung der Ortschaft Pradl zur Landeshauptstadt Innsbruck
als deren Vorort nicht hinreichend Rechnung trägt, insbesondere in dem Falle, als es
früher oder später zu einer Einbeziehung Pradls in das Gebiet der Stadtgemeinde
Innsbruck kommen sollte, welches nach bereits bestehenden und noch später ein-
tretenden Verhältnissen fast unausbleiblich ist.<< Nach diesen Erläuterungen findet der
Plan einhellige Zustimmung - auch seitens der Amraser Ausschüsse.78 Zu diesem Zeit-
punkt war allerdings die grundsätzliche Meinungsbildung bereits längst abgeschlos-
sen. Dies zeigte sich einerseits im Zusammenhang mit der endgültigen Beschlußfas-
sung über die oben erörterte Amraser Wasserleitung, als Andreas Tollinger am 9. April
1902 u. a. ausführte, »daß die oberst gelegenen, nachträglich erworbenen Quellen in
diese Leitung nicht einzubeziehen, sondern für die Fraktion Pradl zu reservieren sind.
Es steht zwar für die Ortschaft Pradl die Angliederung an die Landeshauptstadt Inns-
bruck in nächster Zeit in Aussicht, weshalb in Betreff der Ausdehnung der Wasserlei-
74 Vgl. F. H. Hye, Pradl und die Reichenau, a. a. O., S. 1184f.
75 StAI., Cod. Amras 1, S. 201.
76 Ebenda, S. 208f.
77 Ebenda, S. 215.
78 Ebenda, S. 276: Infolge eines Schreibfehlers des Schriftführers wird hier irrig als Sitzungstag der 30. No-
vember >1902 statt richtig » 1901 angegeben. Die letzte Sitzung davor datiert vom 3. November 1901
64
(S. 268) und die dem 30. November nächstfolgende Sitzung datiert vom 2. Jänner 1902 (S. 281).
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Abb. 19: Amras um 1880 - vor dem Bau des (zweiten) Schulhauses. In halber Höhe im Hintergrund der
>Seedamm<, rechts neben dem Kirchturm der Menardi-Hof auf der >Insel« des ehemaligen Amraser Sees.
tung nach Pradl vorläufig bis auf Weiteres Abstand genommen werden kann.<<79 Wohl
um diese Zeit oder wenig später hat sich in Pradl bereits ganz offiziell ein von den Prad-
ler Mitgliedern des Gemeinde-Ausschusses, ergänzt durch Hans Hörtnagl, zusammen-
gesetztes Pradler Verhandlungs-Komitee gebildet, welches am 9. Juni 1902 im Inns-
79 Ebenda, S. 296.
65
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brucker Rathaus mit den seitens des Gemeinderates der Stadt hiezu Delegierten >in
Angelegenheit der Vereinigung der Fraktion Pradl der politischen Gemeinde Amras-
Pradl mit der Landeshauptstadt Innsbruck« in Verhandlungen eintrat und sich für den
Fall der Eingemeindung auf eine 20 Punkte umfassende Vereinbarung geeinigt hat (vgl.
unten). Diesem Pradler Verhandlungskomitee gehörte übrigens auch der Gemeinde-
Vorsteher selbst an.
Letzter Anstoß zur Bildung dieses Komitees war vermutlich ein an den Gemeinde-Vor-
steher A. Tollinger gerichtetes Schreiben des Stadtmagistrats vom 24. April, worin der
Gemeinde-Ausschuß aufgefordert wird, eine »Äußerung über die beabsichtigte Anglie-
derung der Ortschaft Pradl an die Landeshauptstadt Innsbruck unter gleichzeitiger
Vorlage eines Gesetzentwurfes, welcher die Ausscheidung der Fraktion Pradl aus dem
Verbande der Ortsgemeinde Amras und Vereinigung dieser Ortschaft mit der Stadtge-
meinde Innsbruck betrifft und dem gegenwärtig tagenden Landtage zur verfassungs-
mäßigen Behandlung vorgelegt werden soll« abzugeben. Die Vorlage dieses Schrei-
bens an den Gemeinde-Ausschuß erfolgte jedoch nicht bereits bei der Sitzung am 5. Ju-
ni, sondern erst bei der Sitzung am 26. Juni,80 - nach der Vereinbarung vom 9. Juni (vgl.
oben).
Bei der Diskussion über dieses Schreiben und die Aufforderung »Anträge wegen Be-
messung der an die verkleinerte Gemeinde Amras seitens der Stadt zu leistenden
Entschädigung kam es dann zu einer »lebhaften, ja sogar stürmischen Debatte, aus
welcher sich zeigte« - wie das Protokoll lautet ->daß sich über diesen wichtigen
Gegenstand im Sinne des Gesetzentwurfes nicht eine günstige Abstimmung erwarten
lasse.<< Das Abstimmungsergebnis über die Frage der »Trennung der Ortschaft Pradl
von Amras...< lautete denn auch bei dieser Sitzung mit 6 Gegenstimmen und 5 Pro-
Stimmen, bei Stimmenthaltung durch den Vorsitzenden, negativ. Wer nun glaubte, die
ablehnenden Stimmen seien durchwegs aus Amras gekommen, irrt gewaltig. Bei den
Gegenstimmen finden sich sogar Mitglieder des Pradler Vereinigungskomitees, wie Jo-
sef Müller und Josef Kirchebner, während unter den Befürwortern der Abtrennung
gleich mehrere Amraser wie Hans Geyr, Anton Steixner und Andrä Kirchebner waren.
Verärgert über diese Abstimmung erklärte sich schließlich das Pradler Komitee, wel-
ches offenbar unter sich uneins war, »als aufgelöst<<.
Das vorliegende Abstimmungsergebnis vom 26. Juni hinderte den Gemeindevorsteher
Tollinger jedoch nicht denselben Gegenstand, nämlich die Zuschrift des Stadmagi-
strats vom 24. April d. J., bei der Gemeinde-Ausschußsitzung am 10. Juli neuerlich als
Punkt I. auf die Tagesordnung zu setzen. Auch diesmal wurde lange diskutiert - auch
über die Vereinbarung vom 9. Juni - jedoch schließlich die Abtrennung von Pradl und
80 Ebenda, S. 301-303.
66
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dessen Verbindung mit Innsbruck »einstimmig beschlossen«.81 Das Protokoll dieser
denkwürdigen Sitzung (A), sei hier daher, ebenso wie das Protokoll vom 9. Juni (B), die-
sen Abschnitt abschließend, in vollem Wortlaut wiedergegeben:
A) >>Protokoll aufgenommen in der Sitzung des Gemeindeausschusses Amras-Pradl
am 10. Juli 1902 unter dem Vorsitze des Gemeindevorstehers Andrä Tollinger
I. Gemeinderath
Anwesende: Johann Geyr
Andrä Kirchmair
Johann Schieferer
Josef Kirchebner
Josef Müller
Josef Schnaller
Johann Kailer
Anton Steixner
Anton Tollinger
Abwesende: Anton Plattner
Alois Sailer
Beratungsgegenstände:
Ausschuß
Ausschuß
Ausschuß
Ausschuß
Ausschuß
Ausschuß
Ausschuß
Ausschuß
II. Gemeinderath
Ausschuß
Punkt I. bildet die vom Stadtmagistrat Innsbruck mit Zuschrift vom 24. April dieses Jah-
res Zl. 12.226 abverlangte Äußerung über die beabsichtigte Angliederung der Ortschaft
Pradl an die Landeshauptstadt Innsbruck unter gleichzeitiger Vorlage eines Gesetz-
entwurfes, welcher die Ausscheidung der Fraction Pradl aus dem Verbande der Ortsge-
meinde Amras und Vereinigung dieser Ortschaft mit der Stadtgemeinde Innsbruck be-
trifft und dem gegenwärtig tagenden Landtage zur verfassungsmäßigen Behandlung
vorgelegt werden soll.
Über diesen Gesetzentwurf soll sich die Gemeindevertretung äußern und insbeson-
dere Anträge wegen Bemessung der an die verkleinerte Gemeinde Amras seitens der
Stadt zu leistende Entschädigung unter Bekanntgabe der bezüglichen Detail(s zu)
stellen.
Hierüber wurde lange verhandelt und insbesondere der im Protokolle vom 9. Juni 1902
enthaltene Entwurf jener Bedingungen, unter denen die Vereinigung Pradls mit der
Stadt Innsbruck durchgeführt werden sollte und worüber bereits die vom Gemeinde-
rate der Stadt Innsbruck und vom Gemeindeausschusse in Pradl delegierten Comite-
Mitglieder gegenseitig verhandelt haben, nochmals durchgesehen und beraten.
81 Ebenda, S. 304-310.
67
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Der Vorsitzende legt dem Gemeinde-Ausschusse jene Gründe nahe, welche nach den
bereits bestehenden und in der Zukunft sich ergebenden Verhältnissen die projectier-
te Einbeziehung der Fraction Pradl nach vorheriger Trennung von der Gemeinde Am-
ras, in das Gebiet der Landeshauptstadt Innsbruck vorteilhaft und wünschenswert er-
scheinen lassen, insbesondere ist hiebei ins Auge zu fassen, daß in der Zukunft das Ar-
menproletariat wie im Vororte einer Landeshauptstadt die folgerichtigen Wirkungen
durch das neue Heimatsgesetz gegeben sind, zur unerschwinglichen Last sich gestal-
ten müßte.
Beschluß
a.) Es wird einstimmig beschlossen, es sei die Ortschaft Pradl mit den Parzellen-
nummern, welche im Gesetzentwurfe bezeichnet sind, aus dem Verbande der Ortsge-
meinde auszuscheiden und die Ortschaft Pradl in den Verband der Landeshauptstadt
Innsbruck einzuverleiben, zu welchem Behufe an den derzeit tagenden Landtag zur Er-
wirkung des hiezu erforderlichen Landesgesetzes gemäß §3 der Tiroler Gemeindeord-
nung bzw. des §2 des Gemeindestatuts für die Landeshauptstadt Innsbruck (Ges.v.
14./IV. 1874 L. G. Bl. No. 28) heranzutreten ist.
b.) Bezüglich der Aufteilung der zwischen Amras-Pradl gemeinschaftlichen Aktiven und
Passiven sowie über die Entschädigung, welche die Stadtgemeinde Innsbruck an die
hinsichtlich ihres Gebietsumfanges verkleinerte Gemeinde Amras für den durch die
Abtrennung Pradls herbeigeführten Ausfall in der Bedeckung der Gemeindebedürfnis-
se von Amras zu leisten hat, soll die Stadtgemeinde Innsbruck mit der Gemeinde Am-
ras ein billiges Übereinkommen treffen. Wenn zwischen beiden Gemeinden über die
Vermögensaufteilung sowie über die Höhe der obigen Ersatzleistung eine Einigung
nicht zustande kommen sollte, so hat hierüber der Landesausschuß oder der Landtag
zu entscheiden.
c.) Der Gemeindeausschuß erklärt sich weiters mit den im Protokoll vom 9. Juni 1.Js.
(Anm.: vgl. dazu B) vereinbarten Bedingungen bzw. Zugeständnissen an die Ortschaft
Pradl seitens der Gemeindevertretung von Innsbruck einverstanden mit dem Wun-
sche, daß dieselben noch in nachstehender Weise ergänzt werden.
ad Pkt. 2. Die Einführung der städt. Hochdruckleitung möge noch im Laufe des heuri-
gen Jahres nach Tunlichkeit in Angriff genommen werden.
ad Pkt. 7. In dem zu erwirkenden Reichsgesetze, betreffend eine Übergangsperiode für
Einführung der 262/3 % Hauszinssteuer im Gemeindegebiete von Pradl, wäre die Ge-
währung einer zehnjährigen Übergangsperiode anzustreben.
68
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ad Pkt. 8. Solange landwirtschaftliche Betriebe in Pradl bestehen, darf die Stadtge-
meinde den besonderen Verhältnissen dieses neuen Stadtteiles Rechnung tragend,
den landwirtschaftlichen Betrieben der Bevölkerung keine Erschwernisse durch orts-
polizeiliche für die Stadtgemeinde bestimmte Vorschriften bereiten.
ad Pkt. 14. Der freiwilligen Feuerwehr von Pradl bleibt ihr localer Feuerwehrfond zur
eigenen Verwaltung und Verfügung vorbehalten.
Pradl, am 10. Juli 1902. Folgen die Unterschriften.<<
B) >>Protokoll aufgenommen beim Stadtmagistrate Innsbruck am 9. Juni 190282
Gegenstand: Beratung der vom Gemeinderate der Stadt Innsbruck und vom Gemein-
de-Ausschuß in Pradl delegierten Komité-Mitglieder in Angelegenheit der Vereinigung
der Fraktion Pradl der politischen Gemeinde Amras-Pradl mit der Landeshauptstadt
Innsbruck.
Die anwesenden Comité-Mitglieder, Herr Bürgermeister W. Greil, Gemde. Rat Kapferer,
Zösmayr, Dr. Wenin und Innerhofer, für die Stadt Innsbruck, und Gemeindevorsteher
Andre Tollinger, sowie die Gemeindeausschüsse Müller, Tollinger Anton, Kirchebner,
Alois Plattner und Hans Hörtnagl einigen sich über folgende Bedingungen, unter de-
nen sie beim Gemeinderate bzw. Gemeindeausschusse und in einer Pradler Bürgerver-
sammlung, welche etwa in dieser Angelegenheit einberufen werden sollte, für die Ver-
einigung einzutreten sich verpflichten.
I. Die Stadtgemeinde Innsbruck wird bei Handhabung der Innsbrucker Bauordnung
im Gebiet von Pradl die tunlichste Rücksichtnahme auf die dortigen besonderen
Verhältnisse und zwar insbesondere auf den landwirtschaftlichen Betrieb walten
lassen.
Ferner verpflichtet sich die Stadt von dem dermalen zur oberbehördlichen Genehmi-
gung erliegenden Straßenregulierungsplane ohne zwingende Gründe nicht abzu-
gehen.
II. Die Stadtgemeinde Innsbruck verpflichtet sich, behufs Versorgung der bewohnten,
in das Stadtgebiet einbezogenen Häuser mit Trinkwasser, die Wasserleitung im ganzen
Gemeindegebiete baldigst einzuführen mit Ausnahme der abgelegenen Gehöfte, wie
Sillhöfe, Reichenau und einzelner Häuser, welche mehr als ca. 200 m südöstlich vom
Lindenhofe gelegen sind.
82 Ebenda, S. 321-327.
69
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III. Die Stadtgemeinde wird nach Möglichkeit für Canalisierung des Gebietes von Pradl
vorsorgen.
IV. Die öffentliche Beleuchtung wird seitens der Stadtgemeinde Innsbruck auch im Ge-
biete von Pradl vermehrt werden und zwar wenigstens nach Maßgabe des jetzigen Ver-
trages zwischen Pradl und dem Gaswerke, wonach die Straßenbeleuchtung jährlich in
einer Länge von 150 m herzustellen ist.
V. Dem Kirchenbau-Comité bleibt die Wahl des Kirchenbauplatzes nach seinem Er-
messen, unbeschadet der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, überlassen.
VI. Solange die in Pradl ansäßigen Fleischhauer dem für das bisherige Stadtgebiet gel-
tenden Schlachthauszwange nicht unterworfen werden, d. i. bis zur Erbauung eines
neuen Schlachthofes, wird diesen Fleischhauern in Pradl die Entrichtung der nach den
städtischen Aufschlags-Vorschriften entfallenden Schlachtgebühr erlassen. Vieh-
Schlachtungen der Oekonomen in Pradl für den eigenen Hausbedarf bleiben die er-
sten fünf Jahre hindurch von jedem städt. Aufschlage befreit.
VII. Bezüglich der Hauszinssteuer wird der Stadt Innsbruck die Erwirkung einer minde-
stens fünfjährigen Übergangsperiode für das Gebiet von Pradl im Wege der Reichsge-
setzgebung anstreben, so daß die Erhöhung von 15% auf 26 2/3% nur successive inner-
halb 5 (fünf) Jahren Platz greifen würde. Seitens der Stadtgemeinde würde im Falle des
Zustandekommens dieses Gesetzes während der ersten zwei Jahre sowohl auf die Ein-
hebung der Hauszinskreuzer als auch der 10%igen Umlage zu der Hauszinssteuer und
zur Abgabe von steuerfreien Häusern verzichtet werden; während der folgenden 3 Jah-
re würde diese städt. Umlage nur successive d. i. im 1. bzw. 3. Jahre mit 1/4, im 2. bzw.
4. Jahre mit 1/2, im 3. bzw. 5. Jahre mit 3/4 und erst im 6. Jahre die volle Umlage ein-
gehoben werden.
Dies findet auch sinngemäß Anwendung auf jene Häuser, welche während dieser Über-
gangsperiode in die aerarische Hauszinssteuerpflicht fallen. Kommt ein solches
Reichsgesetz nicht zu Stande, so daß die bestehenden Häuser in Pradl sofort nach er-
folgter Einverleibung statt 15% 262/3% aerarischer Hauszinssteuer entrichten müssen,
so verzichtet die Stadtgemeinde Innsbruck während der ersten fünf Jahre auf die Ein-
hebung sowohl der Hauszinskreuzer als auch eines jeglichen städtischen Zuschlages
zur Hauszinssteuer.
Diese Befreiung findet auch Anwendung auf jene Häuser, welche während der fünfjäh-
rigen Übergangsperiode in die Steuerpflicht von 262/3% fallen, für den noch restlichen
Teil der Übergangsperiode.
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Abb. 20: Das zweite Amraser Volksschulgebäude erbaut 1892/93 an der Stelle des heutigen Festplatzes
zwischen Widum (links) und neuer Volksschule, abgerissen 1979.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
VII a. Die steuerfreien Neubauten in Pradl bezahlen nur einen 10% igen Gemeindezu-
schlag von der 5% igen aerarischen Abgabe für steuerfreie Häuser während der fünfjäh-
rigen Übergangsperiode.
VIII. So lange landwirtschaftliche Betriebe in Pradl bestehen, werden denselben für
diesen Betrieb jene Erleichterungen gewährt, welche den landwirtschaftlichen Betrieb
ermöglichen.
IX. Die Stadtgemeinde Innsbruck hat die dermalen im Dienste der Fraktion Pradl ste-
henden Personen mit den ihnen zustehenden Bezügen und Rechten in städtischen
Dienst zu übernehmen.
X. Die dermaligen Hausbesitzer von Pradl erhalten das Recht, aus ihrer Mitte ein Co-
mite von 4 Mitgliedern zu wählen, welches dem Innsbrucker Gemeinderate die Wün-
sche der im Gebiete von Pradl zur Zeit der Vereinigung ansäßigen Besitzer zu unter-
breiten haben wird.
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XI. Die Stadtgemeinde Innsbruck wird die Ausgestaltung der Kinderbewahranstalt in
Pradl durchführen.
XII. Die Stadtgemeinde Innsbruck wird einen Zuschuß zur Entlohnung des Meẞners in
entsprechender Weise leisten.
XIII. Die zwei in Pradl ortsüblichen Prozessionen: St. Cassians und Frohnleichnams-
Prozession, werden auch nach der Vereinigung abgehalten und hat die Stadtgemeinde
die Kosten mit Rücksicht auf die bisherige Gepflogenheit zu tragen.
XIV. Die freiwillige Feuerwehr Pradl bleibt bestehen und bildet einen Teil der städti-
schen Feuerwehr unter dem Commando des Innsbrucker Brand-Direktors. - Nach je-
der Hauptübung, sowie nach Beteiligung bei Bränden werden die dermalen ortsübli-
chen Kosten von 60h per Mann seitens der Stadt gewährleistet.
XV. Der Stadtmagistrat wird dahin wirken, daß den zur Zeit der Vereinigung in Pradl be-
stehenden Gewerben ihre Rechte bei Ausübung ihres Gewerbes nicht verkürzt werden.
XVI. Wie bereits im Punkt VI erwähnt, werden die in Pradl ansäßigen Fleischhauer dem
für die Stadt geltenden Schlachthauszwange so lange nicht unterworfen werden, als
nicht ein neuer städt. Schlachthof erbaut wird.
XVII. Die Stadtgemeinde verpflichtet sich zur Eröffnung der projectierten Straße von
der Gasfabrik zum Lindenhof, sobald der hiezu nötige Grund von den Besitzern unent-
geltlich zur Verfügung gestellt wird.
W. Greil m/p.
Dr. Wenin m/p.
Bernhard Zösmayr m/p.
Hans Innerhofer m/p.
Karl Kapferer m/p.
Nachtrag
Andrä Tollinger m/p. Gemde. Vorst.
Anton Plattner m/p.
Rat
Josef Kirchebner m/p.
Ausschuß
Josef Müller
m/p.
Ausschuß
Anton Tollinger m/p.
Ausschuß
Hans Hörtnagl
m/p.
Ausschuß
Außerdem ist im Falle der Vereinigung Pradls mit der Landeshauptstadt seitens der
Stadtvertretung noch in bestimmte Aussicht genommen:
XVIII. Die Erweiterung der bestehenden Volksschule nach Bedarf und nach Maßgabe
der gesetzlichen Bestimmungen.
XIX. Die Errichtung einer Polizei-Expositur im heutigen Gemeindegebiete von Pradl.
XX. Die Herstellung von Hydranten zu Feuerlöschzwecken.<<
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Die Gemeinde Amras von 1904 bis 1918
Die Abtrennung der Fraktion Pradl trat mit Wirkung vom 1. Jänner 1904 in Kraft und
bedeutete einen wesentlichen Einschnitt für die Entwicklung der Gemeinde.83 Zunächst
hatte dies auch die Auflösung des bisherigen gemeinsamen Gemeinde-Ausschusses zur
Folge, der am 23. Jänner 1904 zu seiner letzten Sitzung - in Pradl - zusammengetreten
ist, um sowohl die vollzogene Abtrennung von Pradl als auch seine Auflösung zur Kennt-
nis zu nehmen.84 Der hierauf neugewählte Gemeinde-Ausschuß von Amras trat am 19.
Mai 1904 unter dem Vorsitz von Andre Kirchmayr - erstmals »beim Kappeller« in Amras
- zu seiner ersten Sitzung zusammen.85 Dabei wurde einerseits ein Gemeindekassier
gewählt, ein Gemeindediener bestellt und andererseits beschlossen, in der Schule eine
Gemeindekanzlei einzurichten. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bildete die Be-
setzung der unbesoldeten Stelle eines Gemeindearztes, wofür man Dr. Alfons Kofler in
Innsbruck in Vorschlag brachte. Endlich wurde bei dieser Sitzung auch noch das Amraser
Armenhaus (Luigenstraße 20) erwähnt. Konstante Probleme der Gemeindeverwaltung
waren neben Sanität, Sicherheit und Armenversorgung, die Schule, die Feuerbeschau,
die Wald- und Fluraufsicht, die Trinkwasserversorgung sowie u. a. auch die Instandhal-
tung der öffentlichen Wege, zu welch' letzterem Zweck am 26. März 1905 die Anstellung
von Josef Blaas als Wegmacher beschlossen worden ist. Auch um Zuchtstier-, Zuchteber-
und Maulwurffänger hatte sich der Ausschuß weiterhin zu kümmern.
Von den projektierten Vorhaben des Zeitraumes von 1904 bis 1914 bzw. 1918 wurden vor
allem zwei Dinge realisiert, eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung, die stets
Sorgen bereitete, und die Erweiterung des Friedhofs. Schwerpunkt der ersten Aktivität
war die zusätzliche teilweise Einspeisung der Mühltalquelle in Aldrans.86 Die Auftrags-
vergabe erfolgte bei der Ausschußsitzung am 16. Juli 1907.87 Und bei der Sitzung am
27. November desselben Jahres konnte der Vorsteher bereits mitteilen, daß >im Laufe
der kommenden Woche die Collaudierung der Wasserleitung stattfinden dürfte.<88
Auch die Erweiterung des Friedhofs fiel in das Jahr 1907. Bis dahin verlief die südliche
Begrenzung des Gottesackers ungefähr von der Nordost-Ecke der alten Totenkapelle
83 Kraft Gesetz vom 23. Dezember 1903 wirksam für die gefürstete Grafschaft Tirol, betreffend die Aus-
scheidung der Ortschaft Pradl aus dem Verbande der im politischen Bezirke Innsbruck-Umgebung gele-
genen Ortsgemeinde Amras-Pradl und Vereinigung dieser Ortschaft mit der Landeshauptstadt Inns-
bruck zu einer Ortsgemeinde. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für die gefürstete Grafschaft Tirol und
das Land Vorarlberg Jg. 1903, Nr. 65.
84 StAl., Cod. Amras 2, S. 78.
85 StAl., Cod. Amras 3, S. 1-9.
86 Ebenda, S. 64: Sitzung vom 30. Juli 1905. Dabei ging es u. a. um die bevorstehende Enteignungsverhand-
lung bezüglich der Mühltalquellen. Vgl. auch S. 72.
87 StAI., Cod. Amras 4, S. 75 ff.
88 Ebenda, S. 99.
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(heute Gefallenen-Denkstätte) zur Südwest-Ecke des sogenannten »Khalters<< (Depot-
gebäude der Kirche) am Ostrand des Friedhofs. Im Zuge der Erweiterung nun kam der
südlich dieser Linie liegende Grundstreifen bis zur heutigen südlichen Friedhofsmauer
hinzu, welches Areal von Johann Schiener erkauft werden konnte. 89 Glücklicherweise
nicht realisiert wurde - weder damals noch später - der geplante »Vergrößerungsbau
der Kirche. Eine von der Lokalbahngesellschaft im Jahre 1910 geplante Verlängerung
bzw. Linienführung der Straßenbahn entlang der Amraser Straße nach Amras scheiter-
te daran, daß die Gesellschaft den hiefür nötigen Grund vom Dorf bis zur Gemeinde-
grenze bei der ehemaligen Panzing-Kapelle bzw. beim ehemaligen Accishäusl (an der
Kreuzung Südring/Amraser Straße) zur Gänze kostenlos von der Gemeinde verlangt
hat, während diese nur bereit war, den Grund >vom Dorfe bis zur ersten Kapelle<<, das
war die Stapfkapelle an der Kreuzung Amraser-/Philippine-Welser-Straße zur Verfü-
gung zu stellen.91
Ohne größere Probleme hingegen verlief die Einleitung des elektrischen Stromes
durch das Elektrizitätswerk Innsbruck im Jahre 1909, was im folgenden Jahr die Schaf-
fung einer ersten bescheidenen elektrischen Straßenbeleuchtung ermöglichte; - sie
bestand aus insgesamt 10 Straßenlampen » 1. (in der) Nähe des Spritzenhauses, 2. beim
Appeler, 3. bei Geyr, 4. bei Schapfl, 5. bei Alois Schiener, 6. bei Seehüter, 7. bei Schwar-
zer, 8. bei Schlögl, 9. bei Marta, 10. bei Rienzner.<92 Das Umspannhäuschen an der Kreu-
zung Geyr-/Philippine-Welser-Straße stammt noch von damals.
Daß in den Jahren des 1. Weltkrieges keine besonderen Aktivitäten mehr entwickelt
werden konnten, versteht sich von selbst. Zur Charakterisierung der damaligen Situa-
tion in Amras seien hier nur einige Fakten angeführt. So befaßte sich der Amraser Ge-
meindeausschuß bereits am 6. Dezember 1914 (!) mit der Frage, »ob man nicht sollte
für Gefallene im Kriege, für Amraser separat auf den (!) Tummelplatz ein Denkmal er-
richten.<3 Desgleichen sah sich das Gremium in seiner Sitzung am 24. Mai 1915 mit der
Tatsache konfrontiert, beschließen zu müssen, daß die Fronleichnamsprozession für
heuer ohne Schützen und Musik abzuhalten« ist.94 Andererseits standen der Gemein-
de in dem selben Frühjahr »zur Wiesenentwässerung in der Au< 30 Kriegsgefangene
zur Verfügung.95 Schließlich war auch in einer von der Landwirtschaft geprägten
89 Ebenda, S. 47 u. 52.
90 Ebenda, S. 47: Sitzung vom 17. Februar 1907. Im Zusammenhang mit dem empfohlenen Grunderwerb für
den Friedhof führte der Gemeindevorsteher u. a. aus, daß damit »gleichzeitig der Platz gesichert wäre,
einen allfälligen Vergrößerungsbau der Kirche vornehmen zu können.<<
91 StAI., Cod. Amras 4a, S. 8, 16, 28, 48. Vgl. dazu auch Walter Kreutz, Straßenbahnen, Busse und Seilbahnen
von Innsbruck. Innsbruck 1982, S. 33.
92 StAI., Cod. Amras 4, S. 168 u. 171.
93 StAl., Cod. Amras 4a, S. 176f.
94 Ebenda, S. 193.
95 Ebenda, S. 187.
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Abb. 21: Blick vom »Archele< zwischen Bichlweg und altem Fürstenweg (=Tummelplatzweg) auf das (zweite)
Schulhaus und die Pfarrkirche, um 1900.
Gemeinde wie Amras bis zum Kriegswinter 1917/18 die Versorgungslage so schlecht,
daß es der Gemeinde-Ausschuß rundweg ablehnen mußte, als der Gemeindearzt
Dr. Kofler >um Besorgung von 30 Staar (!) Mais für sein Pferd« angesucht hat (Dr. Kofler
wohnte in der Stadt und benötigte das Pferd für seine Krankenvisiten).⁹
96 Ebenda, S. 235.
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Die Gemeinde Amras von 1918 bis 1938
Am Beginn dieses letzten Abschnittes der Geschichte der selbständigen Gemein-
de Amras steht das neue Wahlrecht von 1919, welches für das Land und die Gemeinden
Tirols das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht ohne Unterscheidung des Ge-
schlechts vorsah.97 An der Spitze der Gemeinde standen nun ein 12köpfiger Gemein-
derat inclusive Bürgermeister und Vorstand. So erfreulich dieser verfassungsmäßige
Rahmen war, so schwierig war die wirtschaftliche Nachkriegssituation. So mußte sich
die Gemeinde noch 1920 um den Einkauf von Speisekartoffeln kümmern.98 Der Höhe-
punkt der Not war damals allerdings schon überschritten. Dies zeigte sich u. a. in dem
Umstand, daß nur noch 12-16 Kinder die dargebotene Schulausspeisung in Anspruch
nahmen.99 Die Auswirkungen der Inflation sollten die Amraser jedoch noch genauso zu
spüren bekommen, wie den damals von beiden Seiten unselig aufgeheizten
Gegensatz zwischen dem politisch linken und rechten Lager, obwohl sich diese Span-
nungen am Ort in Grenzen hielten. Besonders klar traten sie hervor, als die Amraser
Schützen bereits 1919 neue Gewehre bekamen, was einen sozialdemokratischen Ge-
meinderat zur Frage veranlaßt hat, weshalb nur die >Bauernpartei«<, nicht aber auch die
Leute seiner Partei diese Bewaffnung erhalten.100
Ein lokales Zeichen des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs war dann die Errichtung der
(ehemaligen) >>Milchzentrale« (Philippine-Welser-Straße 92) im Jahre 1923.101
Die dritte Amraser Trinkwasser-Versorgungsanlage
Das Hauptproblem nach Überwindung der schweren Nachkriegsjahre bildete jedoch
neuerlich die Trinkwasserversorgung. So ist bereits 1923 wieder von »andauernder
Wassernot<< die Rede. 102 Eine Lösung dieses Problems bahnte sich jedoch erst 1928 an,
als die Gemeinde den ersten Hinweis auf die zu empfehlende Nutzung der Schreyer-
bach-Quellen im Bereich des Amraser Hochwaldes erhielt, welche im Gemeindegebiet
von Aldrans ca. 400 Meter nordöstlich der Aldranser Alm liegen. 103 Wörtlich enthält das
Gemeinderats-Protokoll vom 14. August 1928 darüber folgenden Bericht: »Vizebürger-
97 Neue Gemeindewahlordnung für das Land Tirol vom 23. August 1919. In: Landes-Gesetz- und Verord-
nungsblatt für Tirol Jg. 1919, Nr. 65.
98 StAI., Cod. Amras 5, S. 76. Auch noch 1921 mußte sich der Gemeinderat der Kartoffelversorgung anneh-
men (Ebenda, S. 107).
99 Ebenda, S. 77.
100 Ebenda, S. 59f. Dem Fragesteller wurde damals vom Vorsitzenden empfohlen, sich diesbezüglich an
seine Parteileitung zu wenden.
101 StAI., Cod. Amras 6, S. 31.
102 Ebenda, S. 23.
103 Sehr informativ sind dazu die Ausführungen von Hans Zimmermann, Der Amraser Hochwald. In: Amraser
Bote Jg. 23, 1987, Nr. 2.
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meister Geyr als Obmann des Wasserausschusses berichtet über den kläglichen Zustand
der gegenwärtigen Wasserversorgung, wonach die Quellen nicht mehr das nötige Wasser
liefern, welches für den normalen Bedarf notwendig ist; durch diesen Umstand sind
die Reserve-Reservoirs leer und im Falle eines Brandunglückes steht die Gemeinde in
höchster Gefahr. Die Quellen wurden von Herrn Ingenieur Lenhart des (Landes-)
Kultur (bau) amtes untersucht und dieser Sachverständige erklärte, es müsse unbedingt
für eine neue Quellenzuleitung gesorgt werden. Nach Aussage des Herrn Installateur Hal-
ler in Innsbruck wäre in der Gemeinde Sistrans eine Quellenfassung möglich.<104 Zu einer
entsprechenden wasserrechtlichen Verhandlung kam es jedoch erst zwei Jahre später am
28./29. August 1930.105 Nun aber ging es ziemlich rasch. Der Bau der Quellfassung mit ent-
sprechendem Stollen sowie die Verlegung der neuen Wasserleitung wurden für den Som-
mer 1931 projektiert und dafür im Frühjahr die nötigen Kredite in der Höhe von 70.000,-
Schilling aufgenommen. 106 Bis Anfang Mai waren sieben Offerte eingelangt, welche am 16.
Mai geöffnet wurden. Hierauf erteilte der Amraser Gemeinderat am 19. Mai der Innsbruk-
ker Installationsfirma Anton Haller den Auftrag, wobei auch fixiert wurde, daß die neue
Leitung in die bestehende, jedoch zu vergrößernde Wassereinlaufkammer bei der Mühl-
talquelle einzuleiten ist. 107 Am 8. Juni begannen dann die Arbeiten und bis zum 29. Juni wa-
ren die Leitungsrohre bereits zur Hälfte verlegt, wobei jedoch das felsige Terrain größere
Schwierigkeiten machte als zu erwarten war.108 Bei der Gemeinderats-Sitzung am 6. Sep-
tember hingegen konnte Bürgermeister Geyr bereits mitteilen, daß zwei Tage zuvor be-
reits >>Wasser von der neuen Quellenfassung in die Hochdruckleitung zugeleitet wurde,
weiters..., daß die neue Leitung... mit einem Druck von 23 Atmosphären am 3. Septem-
ber mit Erfolg überprüft<< worden war. 109 Der offiziellen Einweihung des neuen Werkes am
11. Oktober 1931 mit einem Festprogramm am Platz vor dem »Stecher« (Philippine-Welser-
Straße 91) stand daher nichts mehr im Wege. Auch die vorgeschriebene Kollaudierung
am 23. Mai 1932 verlief zu vollster Zufriedenheit. Obgleich aus Rücksicht auf damals
noch in Betrieb stehende Mühlen etc. in Aldrans von den 40 Sekundenlitern der gefaßten
Hauptquelle nur 201/sec. in die Amraser Leitung abgeführt werden durften, hat diese
neue Trinkwasserversorgungsanlage auch für die in den Dreißiger-Jahren siedlungsmäßig
stark angewachsene Gemeinde-vor allem im Bereich der Grenz-, Pasubio- bzw. heutigen
Josef Pöll-, Nordketten-, Mößl- und Algunder Straße 12 - durchaus gereicht und wird noch
heute vom städtischen Wasserwerk genützt und erhalten.
104 StAI., Cod. Amras 6, S. 188.
105 Ebenda, S. 273, 276 u. 278.
106 Ebenda, S. 296 ff.
107 Ebenda, S. 302 f.
108 Ebenda, S. 305.
109 Ebenda, S. 313.
110 Ebenda, S. 314.
Ebenda, S. 342.
110
112 StAI., Cod. Amras 7, S. 38 (1935: Algunder Straße), S. 65 (1936: Nordkettenstraße), S. 68 (1936: Möẞlweg),
S. 82, 85 (1937: Pasubio Straße. Dieser Name wurde jedoch bereits einen Monat später für eine größere
Straße zurückgestellt und »reserviert<<.).
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Amras erhält ein eigenes »Gemeindehaus<< -
und wird nach Innsbruck eingemeindet
Die starke Zunahme der Wohnbevölkerung (1900: 801, 1934: 1351) ließ auch den Umfang
der Verwaltungsarbeit schlagartig anwachsen. Demzufolge entschloß sich der Gemein-
derat im Jahre 1936 zusätzlich zum Gemeindesekretär nun auch einen eigenen Inkas-
santen anzustellen.13 Doch damit war der wachsenden Raumnot nicht abgeholfen. Zur
Erledigung aller Amtsgeschäfte stand bis 1937 nämlich nur ein Zimmer im ehemaligen
zweiten Amraser Schulhaus zur Verfügung, während die Sitzungen des Amraser Ge-
meinderates bzw. Gemeindetages (seit 1934) entweder beim »Kapeller< oder beim
>>Bierwirt< abgehalten worden sind. Die Beschaffung eines eigenen Gemeindehauses
entwickelte sich daher immer mehr zu einer dringenden Notwendigkeit, und als sich im
Jahre 1936 die Möglichkeit bot, das Haus Amras Nr. 72 (= Geyrstraße Nr. 76) käuflich zu
erwerben, beschloß der Gemeindetag daher einstimmig, den Kauf dieses Hauses zu
tätigen. Die hiefür vorgesehene Kaufsumme (S 25.000,-) war jedoch nicht ausrei-
chend, und so beschloß man am 17. Februar 1937, einem Antrag von Bürgermeister
Hans Geyr einhellig zustimmend, anstatt des Ankaufes den Bau eines völlig neuen
Gemeindehauses.
Der projektierte einstöckige Neubau sollte im Parterre zwei Kanzleiräume und einen
Sitzungssaal für die Gemeinde, im ersten Stock vier Kanzleien für die damals für Amras
noch zuständige Gendarmerie und einen Archivraum, sowie im Dachboden eine Woh-
nung, bestehend aus zwei Mansardenzimmern und einer Küche, umfassen. Die ver-
hältnismäßig vielen Räumlichkeiten für den Gendarmerieposten erklären sich aus dem
Umstand, daß für Amras zu befürchten war, daß die Gendarmerie aus der Ortschaft ver-
legt werden würde, »wenn nicht die Gemeinde entsprechende Räumlichkeiten zur Ver-
fügung stellt<<. Eine Verlegung der Gendarmerie aus Amras wollte der Gemeindetag
jedoch aus Gründen der Sicherheit unbedingt vermeiden.
Den ersten Schritt zur Realisierung dieses Planes bildete die Beschaffung eines geeig-
neten Baugrundes, als welchen die Gemeinde vom Landwirt Karl Schlögl ca. 600 Qua-
dratmeter Wiesenfläche bei dessen Haus Amras Nr. 70 (= Geyrstraße Nr. 62) um sieben
Schilling pro Quadratmeter zu kaufen erhielt. Der von Baumeister Hans Flür ausgear-
beitete Kostenvoranschlag für die Ausführung des Neubaues belief sich auf S 30.000,-
bis S 35.000,-116
Am 23. März 1937 beauftragte der Gemeindetag dann Baumeister Flür, der auch die
113 Ebenda, S. 61.
114 Ebenda, S. 73.
115 Ebenda, S. 74.
116 Ebenda, S. 80.
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Abb. 22: Das ehemalige Amraser Gemeindehaus an der Geyrstraße, erbaut 1937.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Neubaupläne verfaßt hatte, mit der Bauaufsicht und bildete zusätzlich einen gemein-
derätlichen Unterausschuß für den Neubau, dem Bürgermeister Hans Geyr, Vizebür-
germeister Karl Zimmermann, Gemeinderat Johann Angerer und Schuldirektor i. R.
Ernst Hosp angehörten. In der Folge liefen die Offerte der Baufirmen ein, und am 21.
Juni entschied sich der Gemeindetag nach Empfehlung seitens des Unterausschusses
für eine Auftragserteilung an den Maurermeister Rudolf Wallner in »Arzl bei Innsbruck<<.
Dabei wurde ausdrücklich verlangt, daß der Bau »sofort in Angriff zu nehmen ist und bis
spätestens Mitte Oktober 1937 fertiggestellt sein soll<<.118
Während die Vergabe der Mansardenwohnung schon im Juli beschlossen worden war,
konnte Bürgermeister Geyr am 13. September dem Gemeindetag berichten, »daß der
117 Ebenda, S. 84.
118 Ebenda, S. 89.
79
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Neubau soweit fortgeschritten ist, daß mit einer termingemäßen Fertigstellung gerech-
net werden kann«. Erst in dieser Sitzung wurde schließlich auch vereinbart, daß der
Eingang von der Straße her an der nordöstlichen Hausecke zu errichten ist.⁹ Zwei Mo-
nate später, am 14. November 1937, erfolgte dann nach viereinhalb-monatiger Bauzeit
die feierliche Einweihung und Eröffnung des Hauses.120
Seine Verwendung als Gemeindehaus dauerte allerdings nur zehneinhalb Monate. Die
allgemeine politische Entwicklung, die Besetzung und Annexion Österreichs durch
Hitler am 12. März 1938 brachte auch für Amras völlig veränderte Verhältnisse. Ohne
langes Verhandeln - wie z. B. bei Pradl - wurde durch Verordnung des Gauleiters vom
29. September 1938 mit Wirkung vom 1.Oktober 1938 die Dorfgemeinde Amras aufge-
löst und mit der Stadtgemeinde Innsbruck vereinigt: Doch, wo keine Gemeinde mehr
bestand, benötigte man auch kein Gemeindehaus mehr.121
In den folgenden Jahren waren hier allerdings noch verschiedene amtliche Dienststel-
len tätig, zuletzt das Polizeiwachzimmer Amras (bis 1964). Eine Gemeinderatssitzung
aber hat das Amraser Gemeindehaus jedoch weder vor noch nach dem 1. Oktober 1938
erlebt, zumal der Gemeindetag seine Sitzungen bis zum 10. März 1938 weiterhin stets
beim »Bierwirt« oder beim »Kapeller« abgehalten hat.
Verzeichnis der Gemeindevorsteher und Bürgermeister von Amras
Josef Fitzthum
Heinrich Dodl
vor 1887
1887-1889
1904-1938
Andrä Kirchmayr
1904-1910 (gest. 1925)
Anton Steixner
1890
Karl Zimmermann
1910-1919
Anton Plattner
Josef Müller
1890-1892
Hans Geyr
1919-1922
1893
Ludwig Steixner
1922-1928
Andreas Kirchmayr
1894-1896
Hans Geyr
1928-1938
Andreas Tollinger
1896-1902
Anton Tollinger
1903
(1934/35 Bürgermei-
ster Amtsverwalter)
119 Ebenda, S. 93.
120 Ebenda, S. 97.
121 Die Verordnung des Landeshauptmannes vom 29. September 1938 über die Vereinigung der Ortsge-
meinden Hötting, Mühlau und Amras mit der Stadtgemeinde Innsbruck. In: Verordnungsblatt für den
Amtsbereich des Landeshauptmannes für Tirol Jg. 1938, Nr. 14.- Vgl. dazu F. H. Hye, Die politischen Kräf-
te in Innsbruck von 1918 bis 1938. In: Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte Bd. 3 (Tirol und der
Anschluß), Innsbruck 1988, S. 143-168; sowie von demselben, Die »Gauhauptstadt Innsbruck in der
Zeit von 1938 bis 1945. In: Katalog der Ausstellung des Landes Tirol »Tirol 1938. Innsbruck 1988,
S. 56-72.
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Der Stadtteil Amras von 1938 bis 1945
Die Jahre des NS-Regimes brachten für Amras keinen Fortschritt. Für einen gerin-
gen Teil der Bevölkerung brachten die neuen Machthaber schon von Anfang an Unfrei-
heit und Unterdrückung; - zu ihnen gehörte der erst wenige Monate vor der Machter-
greifung durch die NSDAP neu eingesetzte Pfarrer Anton Plattner O. Präm. (1937-1958).
Für das Gros wich die nationale Begeisterung des Jahres 1938 Schritt für Schritt einem
schicksalsergebenen, realistischen Sich-Einfügen in den von Hitler ausgelösten 2. Welt-
krieg, mit dessen Beginn am 1. September 1939 auch schon gleichzeitig die Ratio-
nierung der Konsumgüter (»Kartenzwang<<) begann, und in dessen Folge seit dem
15. Dezember 1943 über allen - ob PG (= Parteigenossen), Mitläufer oder Gegner des
Regimes die permanente Gefahr des durch die eigene Politik heraufbeschworenen
Bombenkrieges drohte. Die bis in den Kreis der Familie hineinreichende Angst vor ei-
ner >falschen<< (ehrlichen) Bemerkung bzw. vor Denunziation an die scheinbar allgegen-
wärtige Geheime Staatspolizei (GESTAPO), deren Mißtrauen gegen jedermann seit
den beginnenden Rückschlägen an den Fronten (El Alamein im November 1942, Sta-
lingrad im Jänner 1943, Landung der westlichen Alliierten in der Normandie im Juni
1944) und insbesondere seit dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf
Hitler sich bis zum Unerträglichen steigerte, waren auch nicht geeignet, ein gehobenes
Lebensgefühl auszustrahlen.
Aus dieser unseligen Zeit mögen hier drei Amras besonders betreffende Kapitel näher
dargestellt werden, die Wohnsiedlung der Neuen Heimat für die Südtiroler Optan-
ten, das GESTAPO-Lager in der Reichenau und der Bombenkrieg.
a) Die Wohnbauten der Neuen Heimat für die Südtiroler Optanten
In einem »Dorf<«, dessen Gemeinderat als Sympathie-Bezeugung für Südtirol 1935 als
ersten Straßennamen - bis dahin galt nur die fortlaufende Zählung Amras Nr. 1-136 -
den Namen >>Algunder Straße« beschlossen hat, 122 mußte es eine erste allgemeine Fru-
stration gegen das NS-Regime auslösen, als die am 23. Juni 1939 zwischen dem Deut-
schen Reich und Italien abgeschlossene Berliner Vereinbarung über die Option der
Südtiroler bekannt geworden ist. 123 Zu dieser allgemeinen Frustration auf Distanz kam
um 1941/43 eine direkte und unmittelbare Konfrontation, als die im Zusammenhang
mit der Option noch im Jahre 1939 geschaffene Wohnbaugesellschaft der >>Neuen Hei-
mat« an der Lönsstraße und an der Mößlgasse für einen Teil dieser Südtiroler Optanten
122 Vgl. oben Anm. 112.
123 Franz Huter, Option und Umsiedlung. In: Südtirol - eine Frage des europäischen Gewissens, hg. v. F. Huter,
Wien 1965, S. 338-361.
81
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einstöckige Wohnhäuser erbaut hat. Besonders bemerkenswert an diesen Bauten ist,
daß sie im Gegensatz zu fast allen übrigen Südtiroler Wohnbauten der Neuen Heimat
nicht als Wohnblocks, sondern beinahe mit dem Charakter von ländlichen Gartenvillen
errichtet worden sind, sodaß hier geradezu von einer Südtiroler Siedlung gesprochen
werden kann.
b) Das ehemalige GESTAPO-Lager in der Reichenau
Nur die älteren unter unseren Amraser Mitbürgern können sich noch an das >Lager<< in
der Reichenau erinnern, doch fast so wie damals, als es bestand und man darüber am
besten nicht geredet hat-wollte man nicht riskieren, selbst darin zu landen - ebenso
spricht man auch heute noch nicht gern davon. Dementsprechend ist auch unser Wis-
sen darüber eher verschwommen. Dies zeigt sich auch am Text jenes Gedenksteines,
welcher gelegentlich der Errichtung des städtischen Zentralhofes in der Reichenau
(1968/70) an dessen Eingang errichtet worden ist, um an das dort befindlich gewesene
>>Lager< zu erinnern. Dort steht zu lesen: >>Hier stand in den Jahren 1939-1945 das GE-
STAPO-Auffanglager Reichenau, in dem Patrioten aus allen vom Nationalsozialismus be-
setzten Ländern inhaftiert und gefoltert wurden. Viele von ihnen fanden hier den Tod.<<
Heute wissen wir, daß dieses Lager nicht bereits im Jahre 1939, sondern im Herbst 1941
errichtet und Anfang 1942 in Verwendung genommen worden ist. Genaue Angaben
über die Errichtung des Lagers, über den Lagerleiter und über die Führung des Lagers
bietet der Band I des Dokumentationswerkes »Widerstand und Verfolgung in Tirol
1934-1945 (Wien, Österreichischer Bundesverlag, 1984), Seite 572-580, wo sich das Ur-
teil des Schwurgerichtes des LG Hechingen (BRD) gegen den Leiter des Lagers Reiche-
nau, Georg Mott, wegen Mordes u. a. vom 10. 2. 1958 mit Darstellung seiner >Tätigkeit<<
veröffentlicht findet. Wörtlich steht dort zu lesen: Mott »bekleidete den Rang eines SA-
Hauptsturmführers. Im Frühjahr 1935 bewarb er sich in Freiburg um Aufnahme in den
technischen Dienst der Polizei. Er wurde angenommen. Im März 1939 erfolgte seine Ab-
ordnung zum Sicherheitsdienst (SD) in Prag, bei welchem er bis Sommer 1941 wirkte. Im
Sommer 1941 erhielt er vom Reichssicherheitshauptamt (in Berlin) den Auftrag, in
Reichenau bei Innsbruck ein Auffanglager für die wegen der zunehmenden Bombenan-
griffe aus den Industriezentren des Reiches nach Italien zurückströmenden italieni-
schen Arbeiter aufzubauen. Er erstellte das Lager und leitete es bis zu seiner im Juli
1944 erfolgten Versetzung nach Padua, wo er seinen Nachfolger, SS-Untersturmführer
Schott, ablöste. Schon zuvor war er ab Herbst 1943 zeitweise nach Bozen abkomman-
diert, wo er ein ähnliches Lager aufzubauen hatte.
Während dieser Zeit leitete er gleichzeitig auch das Lager Reichenau und kam laufend
- anfangs häufiger und für einige Tage, später seltener und nur noch an einzelnen Ta-
82
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gen-dorthin zurück. Im Oktober 1944 kam er zum Partisaneneinsatz im Pogebiet. Das
Lager Reichenau, welches der Angeklagte im Sommer 1941 im Auftrag des Reichssi-
cherheitshauptamtes aufbaute und nach der Erstellung vom Frühjahr 1942 bis Juli 1944
leitete, hatte ein Fassungsvermögen für normal 600, maximal 1.000 Menschen. Es be-
stand aus Holzbaracken (in der Art und Ausführung der Reichsarbeitsdienstbaracken)
und war mit einem etwa 2 m hohen, nicht dicht schließenden Zaun aus Holzschwarten
umgeben. Der Zaun schloß nach oben mit einem Stacheldraht ab. Es lag auf freiem
Feld zwischen Innsbruck und Hall in Tirol.
Das Lager war in zwei Teile gegliedert, die voneinander ebenfalls durch einen Holzzaun
abgetrennt waren. Im vorderen Teil befanden sich unter anderem die Verwaltungsba-
racke, die Unterkunftsbaracke für den Lagerleiter und für das Lagerpersonal und die
Küchen- und Speisebaracke für das Lagerpersonal. Der hintere Teil war für die
Lagerhäftlinge bestimmt und bestand aus zwei Barackenreihen. In der vorderen Barak-
kenreihe standen die Verpflegungs- und Küchenbaracke für die Häftlinge, die Wasch-
baracke mit einer, später mit mindestens 3-4 eingebauten Arrestzellen (vom Lagerper-
sonal und den Häftlingen nur »Bunker« genannt), eine Häftlingsbaracke, in der zugleich
die Krankenrevierstube untergebracht war, und eine weitere, zur Unterbringung von
Häftlingen bestimmte Baracke, die jedoch später ausschließlich als Unterstellraum be-
nützt wurde. Die Baracken standen mit der Traufenseite längs nebeneinander. Die Gie-
belseiten grenzten an die in einem großen Rechteck um die Baracken geführte Lager-
straße. Zwischen den Baracken lagen Gemüsebeete. In der hinteren Barackenreihe
standen sechs Häftlingsbaracken (A-F), die ebenfalls mit der Traufenseite längs ne-
beneinander lagen und mit ihrer vorderen Giebelseite an die Lagerstraße angrenzten.
Die hintere Giebelseite grenzte an einen etwa 3 m breiten, einen flachen Hohlweg bil-
denden Grasstreifen an, der seinerseits am hinteren Teil des Lagerzaunes endete. Jen-
seits des Lagerzaunes war freies Feld. Ein Stück des 3 m breiten Grasstreifens wurde
später zu einem Schießstand ausgebaut. Zu diesem Zweck wurde der Rasenstreifen
auf eine Länge von etwa 50 m eingeschottert und hinter einer der beiden mittleren der
sechs Baracken ein Erdwall als Kugelfang aufgeworfen.
Das Lager Reichenau diente bis Sommer 1942, seinem ursprünglichen Zwecke entspre-
chend, als Auffanglager für italienische Zivilarbeiter, die über die italienische Arbeits-
front (Federazione Italiana) zum Arbeitseinsatz nach Westdeutschland verpflichtet
worden waren, wegen der zunehmenden Bombenangriffe auf die westdeutschen Indu-
striezentren aber ihre Arbeitsplätze eigenmächtig verließen und nach Italien zurückflu-
teten. Diese Arbeiter sollten im Lager Reichenau gesammelt, mit ordentlichen Papie-
ren versehen und über das Arbeitsamt wieder in Arbeit vermittelt werden.
Bereits im Sommer 1942 hatte das Lager Reichenau seinen ursprünglichen Sinn verlo-
ren, weil kaum mehr ein italienischer Zivilarbeiter aufgegriffen wurde. Der seinerzeitige
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Leiter der GESTAPO-Dienststelle in Innsbruck, SS-Sturmbannführer und Regierungsrat
Hoffmann, dem das Lager Reichenau unmittelbar unterstand, änderte daher im Einver-
nehmen mit dem Reichssicherheitshauptamte die Zweckbestimmung dieses Lagers:
es wurde zum Arbeitserziehungslager für arbeitsunwillige Ausländer. Diese Leute soll-
ten durch zwölfstündige, harte Arbeit am Tage zur Arbeitswilligkeit erzogen und über
die Freizeit im Lager Reichenau verwahrt werden. Der Arbeitseinsatz erfolgte fast aus-
schließlich außerhalb des Lagers auf Baustellen und dergleichen. Nach den Richtlinien
des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) durften diese Leute höchstens 8 Wochen der
geschilderten Arbeitserziehung unterworfen werden. Diese Frist wurde von der GE-
STAPO-Dienststelle in Innsbruck in der ersten Zeit eingehalten, alsbald jedoch nach
Bedarf beliebig überschritten.
Neben seiner Hauptbestimmung als Arbeitserziehungslager diente das Lager Reiche-
nau ab 1942 auch der Entlausung und Entseuchung von durchzuschleusenden Ostar-
beitern, die aber jeweils nur 2 Tage im Lager waren. Ab 1943 wurden auch Juden aus
dem nordafrikanischen Raum und aus Italien von der GESTAPO im Lager Reichenau
verwahrt. Sie sollten von dort zum Arbeitseinsatz in Fabriken kommen... Desgleichen
wies die GESTAPO kriminelle Elemente in das Lager Reichenau ein, die im Gefange-
nenhaus der GESTAPO in Innsbruck (Adamgasse) nicht mehr untergebracht werden
konnten. Als weitere Häftlingskategorie kamen in das Lager Reichenau slowenische
Kommunisten, die bis zu einem Jahr und länger dort verwahrt wurden. Sämtliche Häft-
linge hatten eine Erkennungsnummer und wurden nur unter dieser aufgerufen.
Der Ablauf eines Arbeitstages sah für die zur Arbeitserziehung eingewiesenen Häftlin-
ge im Sommer so aus: Um 5 Uhr war Wecken, um 6 Uhr Abmarsch zur Arbeitsstelle au-
Berhalb des Lagers: die Häftlinge wurden überwiegend bei Baufirmen, besonders im
Straßenbau eingesetzt. Nach 12stündiger Arbeitsdauer einschließlich kurzer Mittags-
pause kehrten sie zwischen 18 und 19 Uhr wieder in das Lager zurück. Sie erhielten dort
Gelegenheit zum Waschen, faßten das Essen aus und wurden zwischen 19 und 20 Uhr
in ihren Baracken eingeschlossen. Dabei wurden aus Sicherheitsgründen außer den
Türen auch die hölzernen, massiv gearbeiteten Fensterläden geschlossen und von au-
Ben mit einem Querriegel gesichert. Es fiel dann kein Tageslicht mehr in die Baracken.
Die Häftlinge konnten dann auch nicht mehr sehen, was außerhalb der Baracke ge-
schah.
Zum Lagerpersonal zählten folgende Personen: Der Angeklagte war Lagerleiter... Von
ihm hing letztlich die Behandlung der Häftlinge und damit ihr körperliches, geistiges
und seelisches Wohl und Wehe ab.... >>Spieß« des Lagers war der Gendarmerieober-
wachtmeister G. Zu seiner Verfügung standen als Lagerdiensthabende (Aufsichtsorga-
ne) Falch, Payr und Janser. Diesen wiederum unterstanden eine Reihe Wachleute. Von
diesen sind insbesondere Ha. und S. (Gendarmeriebeamte) und Stein, Bunge, Troner
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und Jakobi (SS-Soldaten) zu nennen. Die Krankenbetreuung im Revier oblag dem Sani-
täter Kö., Lagerarzt war Dr. Pizzini, sein Stellvertreter der Polizeiarzt Dr. Heel. Dr. Piz-
zini führte eine ärztliche Praxis in dem benachbarten Wattens bei Innsbruck und kam
zweimal in der Woche zur Visite ins Lager... Das Lager Reichenau unterstand unmittel-
bar der GESTAPO-Dienststelle in Innsbruck, mittelbar dem Reichssicherheitshaupt-
amt in Berlin. Leiter der GESTAPO-Dienststelle Innsbruck waren nacheinander die
Kriminalräte und SS-Sturmbannführer Hoffmann, Hilliges, Busch, Thyrolf und Dr.
Nedwed...
Im Sommer 1942, mit der Änderung der Zweckbestimmung des Lagers Reichenau als
Auffanglager und seiner Umgestaltung als Arbeitserziehungslager, wurde eine Abtei-
lung der GESTAPO-Dienststelle Innsbruck in eine Baracke im vorderen Teil des Lagers
Reichenau verlegt. Diese Abteilung (II E genannt) verfügte die Einweisung und die Dau-
er der Einweisung der Häftlinge. Sie wurde von dem Kriminalsekretär Plattner geleitet.
Die Oberaufsicht über diese Dienststelle führte meist der Kriminalinspektor und SS-
Obersturmführer Prautsch.
Für das Lager Reichenau bestand eine Lagerordnung, die vom Angeklagten (Mott) ent-
worfen und in Vollzug gesetzt wurde. Die darin vorgesehenen, offiziellen Lagerstrafen
waren: Essensentzug, wobei die Häftlinge in strammer Haltung dem Essensempfang
der Mithäftlinge zusehen mußten; Bunkerstrafen von 1-14 Tagen, wobei die Häftlinge
ab Spätherbst 1943 in kleinen, ungeheizten Arrestzellen mit Betonboden und 2 Luftlö-
chern oben und unten eingesperrt wurden, die nur soviel Platz boten, daß ein Häftling
sich darin niederkauern, nicht aber bequem sitzen, geschweige denn liegen konnte;
die Folge davon waren im Winter Erfrierungen, besonders an den Füßen; Strafrunden-
laufen, wobei die Häftlinge auf der eingeschotterten, etwa 400 m langen Lagerstraße
bis zu 15 Runden laufen mußten und, wenn sie vor Erschöpfung zusammenbrachen,
durch Stock- und Fausthiebe des Lagerpersonals und von eigens zu diesem Zweck an
der Lagerstraße entlang aufgestellten jungen Polen- und Russenburschen (sog. Picco-
los) wieder weitergetrieben wurden; die Prügelstrafe, wobei den Häftlingen bis zu
25 Stockschläge teilweise auf den entblößten, teilweise auf den bedeckten Hintern
gegeben wurden. Diese Strafen ordnete der Angeklagte schriftlich oder mündlich an.
Als inoffizielle Lagerstrafe führte der Angeklagte das sogenannte Kaltbaden ein, wobei
die Häftlinge besonders im Herbst und im Winter in völlig nacktem Zustand mit einem
scharfen, kalten Wasserstrahl solange angespritzt wurden, bis sie blaugefroren waren
und zum Teil ohnmächtig wurden. Anschließend ließ sie der Angeklagte zum Teil (in
bekleidetem Zustand) noch in eine Arrestzelle (Bunker) sperren.
Der Angeklagte war als Lagerleiter oft unbeherrscht und jähzornig. Er konnte wegen
einer Kleinigkeit maẞlos aufbrausen und schlug dann dem seinen Unmut erregenden
Häftling blindlings die Hand ins Gesicht. In einer solch jähen Aufwallung packte er zu
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Abb. 23: Amras aus der Luft im Jahre 1964 - östlicher Bereich.
Foto: Richard Frischauf
Beginn des Jahres 1944 einen jüdischen Häftling, von dem ihm gemeldet worden war, daß
er eine politische defaitistische Bemerkung gemacht habe, am Kragen, legte ihn in der
Kanzlei von D. über eine Kohlenkiste, zog ihm die Hose herunter und schlug ihn mit ei-
nem Stock erbarmungslos auf den Hintern. Der bei dieser Züchtigung mitanwesende
>>Spieß« Gamper konnte die rohe und gefühllose Miẞhandlung des Juden nur kurze Zeit
mitansehen, er verließ dann das Zimmer. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme hat
der Angeklagte weiter im Januar 1944, als zwei aus dem Lager Reichenau geflohene italie-
nische Häftlinge wieder eingebracht worden waren, dem Lagerdienst den Befehl gege-
ben: >>Die beiden bekommen anständig auf den Hintern und werden dann kalt gebadet.<<
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Abb. 24: Amras aus der Luft im Jahre 1964 - westlicher Bereich.
Foto: Richard Frischauf
Mott's rohe Gesinnung zeigte sich auch im folgenden: Als ihm der Lagerarzt Dr. Pizzini
bei einer Lagervisite wegen der häufigen, offensichtlich auf die kalten Abspritzungen
zurückzuführenden Lungenentzündungen Vorhalte machte und ihm unmiẞverständ-
lich klar machte, daß er nicht mehr in das Lager kommen werde, wenn diese Miẞhand-
lungen nicht aufhören würden, antwortete Mott: >>Sie sind viel zu weichherzig.<< In die
gleiche Richtung deutet, daß Mott eigenhändig Häftlinge im Winter mit einem eiskal-
ten, scharfen Wasserstrahl aus einem Feuerwehrschlauch nackt abgespritzt und daß er
Häftlinge im Winter in die ungeheizten, viel zu kleinen Arrestzellen mit Betonboden
eingesperrt hat, so daß ihnen mangels einer Bewegungsmöglichkeit die Füße erfroren.
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Der Zeuge Sch., der als Nachfolger des Angeklagten im Herbst 1944 das Lager Reiche-
nau übernahm und es 1945 den Alliierten übergab (er wurde wegen seiner Tätigkeit im
Lager strafrechtlich nicht belangt, weil er sich nichts hatte zuschulden kommen lassen),
hat unter Eid sehr glaubhaft versichert, daß er es abgelehnt habe, im Winter Häftlinge
in diese Zellen einzusperren, weil es darin nachts sehr kalt gewesen sei. Er habe auch
veranlaßt, daß in die Zellen Holzroste gelegt wurden, damit die Häftlinge nicht auf dem
Betonboden stehen und sitzen mußten. Der Zeuge G. hat letzteres bestätigt...
Der Likörfabrikant Du. aus Innsbruck befand sich bis 21. 5. 1943 in der Heil- und Pflege-
anstalt Hall in Tirol als Patient. Er war krank und pflegebedürtig. Am 21. 5. 1943 verhaf-
tete ihn dort die GESTAPO und lieferte ihn in das Lager Reichenau ein. Am 2. 6. 1943
gegen abends kam der Leiter der GESTAPO-Dienststelle Innsbruck, Hilliges, in das La-
ger Reichenau. Die Häftlinge waren bereits in die Baracken eingeschlossen, die dicht
schließenden Fensterläden von außen zugesperrt. Der Angeklagte und sein Stellver-
treter R. standen gerade an der Hofeinfahrt im vorderen Lagerteil. Hilliges hatte wie öf-
ters eine >Fahne« (strömte einen intensiven Alkoholdunst aus), war aber nicht betrun-
ken. Er wandte sich sinngemäß mit den Worten an den Angeklagten: »Hier im Lager ist
ein Jude namens Du., ich habe mit ihm zu reden; lassen sie ihn holen und zum Schieß-
stand führen.<< Gleichzeitig forderte er den Angeklagten und R. auf, mit ihm zum Schieß-
stand zu kommen. Hilliges war entschlossen, den Juden, der nichts verbrochen hatte,
aus Rassenhaẞ zu »liquidieren«. Der Angeklagte beauftragte den Lagerdienst, Du. aus
seiner bereits verschlossenen Baracke zu holen. Hilliges übernahm den Häftling und
schickte den Wachmann fort. Er ließ nun Du. Richtung Schießstand wenige Schritte vor
sich hergehen. Hinter ihm folgten der Angeklagte und R. Sie gingen an der westlichen
Längsseite der Baracke F entlang, um zu dem hinter dieser und den anschließenden
Baracken liegenden Schießstand zu kommen. Kurz vor der hinteren, südwestlichen
Ecke der Baracke F schickte Hilliges auch R. weg. Der Angeklagte war sich spätestens in
diesem Augenblick darüber im klaren, daß Hilliges den Juden, der nach seiner Kennt-
nis nichts Unrechtes getan hatte, aus Rassenhaẞ erschießen wolle, und sich bewußt,
daß dieses Vorhaben ungesetzlich und daher Unrecht sei. Er war damit einverstanden
und billigte dieses rechtswidrige Vorhaben. Dementsprechend ließ er den Dingen
ihren Lauf. Dabei war ihm bewußt, daß er als Lagerleiter verpflichtet und in der Lage
sei, Hilliges wenigstens kameradschaftlich mit Worten zu beeinflußen, von dem beab-
sichtigten Mord abzusehen. Dies schon deshalb, weil nach seinem Wissen ein Erlaẞ
des RSHA in Berlin bestand, wonach selbst die von dieser höchsten GESTAPO-Dienst-
stelle >>legitim<< verhängten Todesstrafen nicht in einem Arbeitserziehungslager voll-
streckt werden sollten.
Kurz vor dem Schießstand verwickelte Hilliges den Juden in ein Gespräch, so daß die
beiden sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden, und zwar der Jude mit dem
Rücken zum Schießstand. Der Angeklagte blieb im Abstand von etwa 6 Metern hinter
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Hilliges stehen. Während dieses kurzen Gespräches zog Hilliges die im Futteral an
seinem Koppel verwahrte durchgeladene Pistole und schoß Du. aus nächster Nähe
durch die Stirn. Du. brach sofort zusammen und verstarb unmittelbar danach.
Der Zeuge G., der Gendarmeriebeamter war und im Lager Reichenau anfangs als
Wachmann, später als >>Lagerspieẞ<< verwendet wurde, hat bekundet, er sei Zeuge fol-
genden Vorfalls gewesen: An einem ihm nicht mehr näher bekannten Tag habe ein jüdi-
scher Häftling im Lager politisiert. Dies sei allgemein verboten gewesen. Ein Wach-
mann (Stein oder Troner) habe dem Angeklagten davon Meldung gemacht. Letzterer
habe daraufhin befohlen, ihm den Häftling in sein (G.'s) Büro vorzuführen, wo Mott sich
gerade aufgehalten habe. Dort habe Mott dem Juden befohlen, seine Hose herunter-
zulassen und sich bäuchlings über eine Kohlenkiste zu legen. Dann habe er einen
fingerdicken Stock ergriffen und damit dem Juden so stark auf das Gesäß geschlagen,
daß man die Striemen gesehen habe. Er (G.) habe diesem erbarmungslosen Schlagen
nicht länger zusehen können und habe deshalb vorübergehend die Baracke verlassen.
Als er sein Büro wieder betreten habe, habe Mott befohlen, den Juden in einen Bunker
zu sperren. Am anderen Morgen sei der Häftling tot auf dem Betonboden des Strafbun-
kers gelegen...<
Soweit ein Auszug aus den Schilderungen der Zustände im Lager Reichenau aus dem
Gerichtsurteil gegen Lagerleiter Mott, dem noch ein Verzeichnis zahlreicher weiterer
Verbrechen angefügt werden könnte, welche von bewaffneten SS-Männern und GE-
STAPO-Leuten gegenüber wehrlosen Menschen auch in diesem Lager in unserer un-
mittelbaren Nachbarschaft begangen worden sind. Für viele dort inhaftierte Opfer war
die Reichenau nur die erste Station auf ihrem Leidensweg in eines der großen Vernich-
tungs- oder Konzentrationslager (KZ). Nur wenigen war es beschieden, dieser tödli-
chen Maschinerie - allerdings meist mit schweren gesundheitlichen Schäden - wieder
zu entkommen. Eine von ihnen war meine eigene Mutter, die vom 19. April bis 15. Mai
1943 im Lager Reichenau inhaftiert war...
c) Amras im Bombenkrieg 1943-1945
Die Vorbereitungen zum Schutze der Zivilbevölkerung bei Luftangriffen wurden bereits
im Herbst 1938 begonnen. Auch wurde der Luftschutz organisiert und entsprechende
Schulungen und Übungen durchgeführt. Bauliche Vorbereitungen aber wurden fast
durchwegs unterlassen und verabsäumt. Dies gilt leider ganz besonders für die Errich-
tung von Luftschutzbunkern bzw. -stollen. Zu diesen groben Unterlassungssünden kam
noch, daß die Innsbrucker Bevölkerung nach den zahllosen Luftschutzübungen den
Luftwarnungs-Sirenensignalen nicht mehr die nötige Beachtung schenkte. So darf es
nicht verwundern, daß auch die Vorwarnung zur Mittagszeit des 15. Dezember 1943
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von der Bevölkerung kaum beachtet wurde und sich kaum jemand in die zu Luftschutz-
kellern erklärten Hauskeller begab. Dieser erste Luftangriff auf Innsbruck forderte
dann auch mit Abstand die meisten Todesopfer: 258 Tote. 124
Von den nachfolgenden 20 Bombenangriffen auf die Stadt haben der am 19. Dezember
1943 noch 65 und jener am 16. Dezember 1944 40 Tote gefordert; bei allen übrigen An-
griffen stieg die Zahl der Toten nicht mehr über 28.
Unter den Opfern des ersten Angriffes am 15. Dezember 1943 befand sich auch das
erste Bombenopfer aus Amras, die 18jährige Maridl Steixner.
Da die große Zahl der Toten vom 15. 12. 1943 das momentane Fassungsvermögen der
Innsbrucker Friedhöfe zu übersteigen schien, beschloß die Gauleitung, jene Toten, für
die keine Familiengrabstätten bereit standen, im Gelände der ursprünglich für spätere
Zeit geplanten neuen Zentralbestattungsanlage der Gauhauptstadt, im Waldfriedhof
am >>Osterfeld<<, nördlich der Luigenstraße, knapp vor Egerdach zu beerdigen. (Diese
Bestattungsanlage - es war dies kein geweihter Friedhof - wurde bald nach Kriegsen-
de wieder aufgelassen).
Die Beerdigung war für Sonntag, den 19. Dezember 1943 vorgesehen. Nach einer gro-
Ben Partei-Trauerfeier vor dem Gauhaus (heute Neues Landhaus) führte man die Toten
in einer endlos langen Lastwagen-Kolonne zum Osterfeld. Hier war es aber, wie erzählt
wird, nicht möglich, gleich alle Opfer beizusetzen, da eben zu dieser Zeit - von 12.09 bis
12.17 Uhr der zweite Bombenangriff auf Innsbruck niederging.
Bei diesem zweiten Angriff wurde auch das Ortsgebiet von Amras getroffen. Ein Voll-
treffer vernichtete das Wohnhaus und die Familie Max Bergmann (Lönsstraße 12), ein
weiterer Treffer machte das alte Feuerwehrhaus von Amras neben dem Stecher-Bauern
bzw. gegenüber der Pfarrkirche dem Erdboden gleich.
Besonders denkwürdig sind dabei die Vorgänge rund um die Zerstörung des Feuer-
wehrhauses, wo - wie durch ein Wunder - kein einziges Todesopfer zu beklagen war.
Bereits seit der Organisation des Luftschutzes und seit den ersten Fliegeralarmen (oh-
ne Angriffe) stand die Amraser freiwillige Feuerwehr, wie alle Wehren, in ständiger Be-
124 Sehr detaillierte statistische Angaben liefert Leo Unterrichter, Die Luftangriffe auf Nordtirol im Kriege
1939-1945. In: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum Bd. 26/29, Innsbruck 1949, S. 555-581;
vgl. dazu auch die Zusammenstellung der »Opfer der Fliegerangriffe und Fliegerschäden< (mit Tabelle).
In: Statistisches Handbuch der Stadt Innsbruck (bis 31. Dezember 1946). Innsbruck 1950, S. 444-453. Für
Amras werden dort 95 Gebäudeschäden, davon 85 leichte, 3 mittlere und 3 schwere, jedoch kein totaler
Schaden angeführt.
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reitschaft, d. h. im Feuerwehrhaus stand seither ununterbrochen eine einsatzbereite
Mannschaft bereit, so auch am 19. Dezember 1943. Hier nun setzt das Wunderbare
ein: Der zweite Luftangriff auf Innsbruck beginnt (12.09 Uhr). Im Amraser Feuerwehr-
haus befinden sich 16 Mann Bereitschaft. Nach Beginn des Angriffes beschließen diese
16 Feuerwehrmänner im Gegensatz zu ihrem Verhalten beim ersten Luftangriff, in zwei
Gruppen in die Luftschutzkeller der benachbarten Häuser zu gehen. Wenige Minuten
später (12.17 Uhr) wurde das Feuerwehrhaus von einer Sprengbombe total zerstört...
Daß dabei niemand den Tod gefunden hat, wurde in weiten Kreisen der Amraser Bevöl-
kerung und auch von unserem unvergeßlichen Pfarrer Anton Plattner als ein Gnadener-
weis der Muttergottes, die ja im Amraser Gnadenbild besonders verehrt wird, betrach-
tet. Zur Erinnerung daran wird seither an jedem 19. Dezember ein heiliges Amt und um
12 Uhr mittags in der Amraser Pfarrkirche ein Rosenkranz gehalten. Man kann darüber
denken, wie man will, eine Tatsache bleibt bestehen: Wäre das Feuerwehrhaus bereits
beim ersten Angriff am 15. Dezember 1943 getroffen worden, hätte die gesamte Besat-
zung den Tod gefunden!
Die Luftdruck- und Splitterwirkung des Bombentreffers in das Feuerwehrhaus bewirkte
u.a. aber auch, daß bei sämtlichen umliegenden Gebäuden die Glasfenster barsten
und die Dächer beschädigt worden sind.
So wurden am 19. Dezember 1943 auch die Fenster unserer schönen Pfarrkirche zer-
stört, weshalb es wegen der kalten Jahreszeit nötig war, die hl. Messen vorübergehend
in Privathäusern abzuhalten. Um hiezu die bischöfliche Erlaubnis einzuholen, begab
sich die unvergessene Stecherbäuerin, Frau Maria Mayr, noch am Abend desselben
Tages bei völliger Dunkelheit (Verdunkelung) zwischen Bombentrichtern und Schutt-
häufen hinein in die Stadt zu Bischof Dr. Paul Rusch, der dem geäußerten Wunsch
selbstverständlich willfahrte. In den folgenden Wochen zelebrierte Pfarrer Plattner die
hl. Messe dann beim »Brunnenmacher«, während die täglichen Frühmessen beim >Ste-
cher abgehalten worden sind. Als »Frühmesser« in Amras fungierte schon seit 1941 -
seit der Aufhebung und Sperrung des Prämonstratenser-Chorherrenstiftes Wilten
durch das nationalsozialistische Regime im Jahre 1939 war der Abt von Wilten obdach-
los Abt Heinrich Schuler (gest. 1949), ein Priester und Mensch, den jeder, der ihn ken-
nenlernen durfte, nur in allerbester Erinnerung behalten hat.
Die Mitternachtsmette zu Weihnachten 1943 wurde in der Stube beim Stecher gefeiert;
- unvergeßlich für jeden Teilnehmer.
Nach den beiden ersten und verlustreichsten Bombenangriffen auf Innsbruck begann
man nun endlich entsprechende, bombensichere Unterkünfte für die Zivilbevölkerung
zu bauen. Zwei solcher Bunker- oder Stollenanlagen entstanden unmittelbar auf Amra-
ser Ortsgrund: der Stollen am Bichlweg unterhalb des Ambraser Schloßparks, auch der
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>>Stollen beim Bierwirt<< genannt, und der Stollen westlich vom Schülerheim des Katho-
lischen Tiroler Lehrervereines (Lehrerheim).
Abgesehen von den Stollenbauten erfuhr Amras damals (1944) noch eine weitere bauli-
che Veränderung. Nachdem der Innsbrucker Hauptbahnhof bei den zwei Bomben-
angriffen im Dezember 1943 jedesmal ein Hauptziel gewesen und auch getroffen wor-
den ist, was auch für die Zukunft zu befürchten war, wodurch die militärisch wichtige
Nachschublinie über den Brenner immer wieder Unterbrechungen erfuhr, beschloß
man eine Umfahrungslinie zur Brennerbahn zu errichten. Diese eingleisige, nicht elek-
trifizierte Bahnlinie verlief folgendermaßen:
Ausgehend unmittelbar von der Brennerbahn führte diese Anlage in einer Kurve nörd-
lich an St. Bartlmä vorbei auf einer eigens erbauten Stahlbrücke über die Sill - die be-
treffenden Beton-Brückenlager sind noch erhalten -, durchquerte den südlichen Teil
des Obstgartens der Sillhöfe und kreuzte im Bereich der alten Fieberkapelle die Wie-
sengasse. Weiters verlief sie quer über die Amraser Felder südlich am Kriegerfriedhof
vorbei und übersetzte die Auffahrt zum Tummelplatzweg. Im Bereich der Mormonen
errichtete man ein Schrankenwärterhäuschen. Hier bog die Bahnlinie dann leicht nach
Nordosten ab und führte ziemlich gerade und mit leichtem Gefälle - nördlich am Ho-
fer-, Stecher- und Unteren Gratl bzw. Schlöglbauern vorbei-durch die Au hinunter zum
Inn, wo ebenfalls eigens eine Bahnbrücke in Eisenkonstruktion erbaut worden war, de-
ren letzte Reste erst im heurigen Frühjahr beseitigt worden sind. Der weitere Verlauf
zog sich dann zwischen Inn und Haller Straße bis hin zur heutigen Zollfreizone, wo das
Gleis schließlich in den Haller Bahnhof einmündete.
Abgesehen von der Beeinträchtigung der Äcker und Wiesen brachte diese Bahnlinie
auch den großen Nachteil mit sich, daß sie naturgemäß ein nicht zu übersehendes
Bombenziel darstellte, was auch Amras zu spüren bekam. Wunderbarerweise aber wur-
de trotz alledem nach den beiden ersten Angriffen kein Amraser Wohnhaus mehr zer-
stört, während in den Gärten und Feldern hinter den Häusern ca. 130 Bombentrichter
gezählt worden sind. Besonderes Glück hatte mein Vaterhaus (Tummelplatzweg 1). Bei
dem einzigen Nachtangriff, der am 10. April 1945 etwa um 21.45 auf Innsbruck nieder-
ging, wobei die Nacht durch sogenannte »Christbäume« hell erleuchtet war, wurde das
Haus von einer Stabbrandbombe getroffen. Wirklich wie durch ein Wunder fiel die
Bombe aber nicht auf ihren Zünder, sondern offenbar der Breitseite nach auf das Dach,
von wo sie in den Garten abrollte, ebenfalls ohne zu zünden. Ganz ohne Unglück sollte
es aber leider doch nicht abgehen. Als nämlich am folgenden Tag während eines neuer-
lichen Fliegeralarms ein junger Bursch des Hauses, der heute angesehene Optiker Al-
fred Soukup, die noch im Garten liegende, erst halb entschärfte Bombe aus dem Gar-
ten hinunter in die Wiese tragen wollte, stieß er mit dem Zünder an der Gartentür an,
sodaß sich die restliche Ladung entzündete. Er selbst und einige in der Nähe stehende
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Luftschutzleute zogen sich dabei schwerste Verbrennungen zu. Dies ist sicher nur einer
von vielen ähnlichen Vorfällen, die es leicht verständlich machen, daß die Verehrung
des Amraser Gnadenbildes nach dem Krieg wieder so stark aufgeblüht ist. Sie fand so-
wohl in den vielen schönen Freskodarstellungen des Gnadenbildes an Amraser Häu-
sern, wie auch in zahlreichen neuen Votivtafeln in unserer Pfarrirche ihren sichtbaren
Ausdruck. Diese Votivtafeln suchen allerdings seit der Kirchenrestaurierung einen
neuen Platz!
Durch die etwa bis März 1944 fertiggestellte Bahnanlage Wilten-Hall wurde aber nicht
nur das Dorf, sonden auch das Schloß Ambras in seiner Sicherheit stark bedroht, wes-
halb es außen zur Gänze mit einem Tarnanstrich versehen und in seinem Inneren völlig
ausgeräumt worden ist. - Die südliche Außenwand des Spanischen Saales trug noch
1968 diesen Tarnanstrich. Am 3. Dezember 1944 wurden bei Schloß Ambras auch wirk-
lich 4 Sprengbomben und ein Langzeitzünder abgeworfen.
Bekanntermaßen kann keine Zeit so schrecklich sein, daß man aus ihr nicht auch etwas
Heiteres berichten könnte. Dies gilt auch von Amras während der Bombenzeit: Pfarrer
Anton Plattner hielt etwas auf seinen Namen und daher auch auf seinen Namenspa-
tron, den hl. Antonius von Padua, weshalb er das Antoniusbild in unserer Pfarrkirche
stets mit frischen Blumen geschmückt hat, - so bis zu seinem Namenstag am 13. Juni
1944. An diesem Tage fand nach monatelanger Pause der dritte Bombenangriff auf
Innsbruck statt, wobei leider auch das Stift Wilten und besonders die Stiftskirche ge-
troffen wurden. Voller Enttäuschung darüber, daß sein Namenspatron die Bombardie-
rung des Klosters nicht verhindert habe, beschloß nun Pfarrer Plattner, den hl. Antonius
bzw. dessen Bild solange von der Wand weg in den Beichtstuhl - gleichsam in den
Strafwinkel - zu hängen, bis das Kloster Wilten und die Stiftskirche wieder aufgebaut
sein würden. Erfreulicherweise konnten Plattner und das >bestrafte« Bild des hl. Anto-
nius diesen Wiederaufbau bald erleben. Er begann bereits im Jahre 1946 und wurde
1952 abgeschlossen.
Doch auch die Amraser Pfarrkirche erholte sich dank der großmütigen Spenden von
Seiten der Amraser Bevölkerung zusehends von den im Krieg erlittenen Schäden. Be-
reits im Jahre 1947 konnten anstelle der am 19. Dezember 1943 zerstörten alten Kir-
chenfenster, wo sich seither behelfsmäßige Verschläge befanden, neue Fenster nach
Entwürfen von Max Spielmann eingesetzt werden. Überdies erhielt Amras bereits im
Jahre 1954 wieder ein volles Geläute, nachdem mit Ausnahme der alten Löfflerglocke
(von 1491) alle übrigen Glocken ebenso wie im 1. Weltkrieg für Rüstungszwecke einge-
schmolzen worden waren (zum Vergleich sei erwähnt, daß z. B. der Dom zu St. Jakob
erst 1961 wieder ein volles Geläute erhalten hat). Von den damals neu gegossenen vier
Glocken trägt die zweitgrößte die Aufschrift »BITT DASS BLEIBEND FRIEDE WERDE<<
(vgl. unten den Abschnitt über die Amraser Kirchenglocken).
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Abb. 25: Amras aus der Luft im Jahre 1966- östlicher Bereich.
Foto: Richard Frischauf
Der Stadtteil Amras von 1945 bis heute
Wenn auch anfangs gewisse Vorbehalte gegen die Eingemeindung sowie immer
wieder Kritik zu hören war, so hat nach 1945 doch niemand ernsthaft daran gedacht,
Amras wieder von der Stadt loszulösen (in Arzl hingegen wurde über diese Frage 1946
sogar eine Volksbefragung verlangt und durchgeführt). 125 Aus der Sicht der Stadtverwal-
125 F.H. Hye, Arzl - Ein Beitrag zur Geschichte der Stadtteile Innsbrucks. In: Das Fenster Nr. 15, Innsbruck
1974/75, S. 1567-1575, besonders S. 1572.
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Abb. 26: Amras aus der Luft im Jahre 1966- westlicher Bereich.
Foto: Richard Frischauf
tung war Amras besonders deshalb von großer Wichtigkeit, weil hier noch viel unver-
bautes Grünland bzw. Baugebiet vorhanden war. Daraus ergab sich zwangsweise ein
noch heute aktuelles Spannungsverhältnis zwischen Siedlungsentwicklung und Land-
wirtschaft: Erstere dehnt sich auf Kosten der Letzteren aus, - bald wird Amras ein Dorf
ohne Bauern sein! Gegenwärtig allerdings gibt es noch einige Landwirte, die durch ihre
Standhaftigkeit zu ihrem Beruf und durch entsprechende Neubauten einen bewun-
dernswerten Optimismus ausstrahlen. Wie ein Blick auf einen Innsbrucker Stadtplan
von ca. 1960 zeigt, hielt sich die städtische Siedlungsentwicklung bis zu diesem Zeit-
punkt durchaus in Grenzen und ließ den Ortskern noch völlig unberührt. In den folgen-
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den rund 30 Jahren rückten die neuen Wohnblöcke nördlich der Philippine-Welser-
Straße bis in die unmittelbare Nachbarschaft des Dorfkernes vor. Auch die Reichenau
wurde in dieser Zeit mit einem immer dichter werdenden Netz von Straßen und von Fir-
menbauten zu einer regelrechten Gewerbezone umgewandelt, an deren äußerstem
Nordostrand 1967/69 das städtische Klärwerk, 126 - aber auch der beliebte Baggersee
angesiedelt wurden. Die moderne südliche Begrenzung der Au bildet die Autobahn.
Südlich davon, am Osterfeld, dehnen sich seit einigen Jahren Schrebergärten, welche
östlich durch die Anlagen der 1982 errichteten SOS-Kinderdorf-Akademie >>Hermann
Gmeiner begrenzt werden (vgl. unten!).
Auch die Grünzone südlich der Wiesengasse - Philippine-Welser-Straße wächst immer
mehr zu, wobei im Westen »grüne« Friedhöfe und Sportanlagen dominieren, im östli-
chen Bereich hingegen wachsen nach und nach Siedlungsbauten wie z. B. die zur Zeit
im Rohbau befindliche Wohnsiedlung hinter dem sogenannten Trapp-Schlöẞl (Philip-
pine-Welser-Straße 82). Auch die Sakralanlage der Mormonen von 1963/65 ist hier zu
erwähnen.127
Ob es auf die Dauer gelingen wird, zumindet den Ortskern in seiner historisch gewach-
senen Gestalt zu erhalten, ist ebenfalls fraglich, da trotz der Erklärung des Dorfkerns
zur >>Schutzzone« (1981) 128 unterdessen mehrere unverständliche Eingriffe erfolgt
sind.
Neben dieser nun auch siedlungsmäßigen Integration des Dorfes in die Stadt verdie-
nen jedoch auch einige vorwiegend infrastrukturelle Aktivitäten der Stadtgemeinde in
Amras hervorgehoben zu werden. An erster Stelle sind hier zwei bedeutende Schul-
bauten zu erwähnen. Einmal gilt dies für die 1957/60 erbaute weitläufige Doppel-
Volksschule »Peter Siegmair<129 an der gleichnamigen Straße und andererseits für die
Volksschule Amras (erbaut 1975/79/84), deren mächtiger Baukörper neben dem
Schultrakt mit Turnhalle - es ist dies der erste Turnsaal im Dorfe - im Nordteil auch
einen Mehrzwecksaal, Vereinsräume und Räume für die Außenstelle der städtischen
Musikschule enthält. 130 Desgleichen schuf die Stadtgemeinde im Jahre 1965 den reich-
126 Vgl. die Broschüre »Klärwerk Innsbruck - Rossau«, hg. v. Stadtmagistrat Innsbruck, Redaktion Dipl.-Ing.
Fritz Angerer. Innsbruck (1969). Die Anlage wurde im März 1969 probeweise in Betrieb genommen und
seither mehrfach ausgebaut und verbessert. Ein weiterer Ausbau steht bevor.
127 Tiroler Tageszeitung 1963 Mai 22 (Nr. 118, S. 4): Mormonen bauen erste Kirche in Innsbruck. Feierlicher
Spatenstich am 25. Mai. Über die Fertigstellung schrieb die >Tiroler AZ« vom 7. September 1965 (Nr. 207,
S. 6): Mormonentempel in Innsbruck..... wurde am 4. September eingeweiht.
128 Landesgesetzblatt für Tirol Jg. 1981, Nr. 10.
129 Vgl. die Broschüre »Doppelvolksschule Pradl-Ost, Innsbruck, hg. v. Stadtmagistrat Innsbruck 1963 (Die
Einweihung erfolgte bereits am 19. November 1960).
130 A(ndreas) B(ramböck), Der Neubau der Amraser Schule ist abgeschlossen. In: Amraser Bote Jg. 20, 1984,
Nr. 3. Siehe dazu auch unten den Anhang!
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Abb. 27: Das Winkelfeld im Sommer 1989.
Foto: Franz-Heinz Hye
lich ausgestatteten Kindergarten an der Lönsstraße, 131 der im kleineren Pfarrkindergar-
ten an der Geyrstraße (Nr. 35) eine willkommene Ergänzung fand.132
Das nunmehr fast 150 Jahre alte Widum oder Pfarrhaus - alter Gemeindebesitz (vgl.
oben) - wurde 1983/84 mustergültig restauriert und bietet seither nicht nur dem Pfar-
rer eine zeitgemäße Wohnung, sondern im Erdgeschoß den älteren Mitbürgern auch ei-
ne gemütliche Altenstube. 133 Besondere Aufmerksamkeit schenkten das städtische
Tiefbau- und das Gartenamt der Gestaltung des Platzes zwischen dem Pfarrhaus und
der neuen Schule. Den gestalterischen Schwerpunkt bildet hier ein 1988 aufgestellter
131 Der neue Kindergarten für Neupradl-Amras. In: Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck Jg. 28, 1965,
Nr. 11, S. 22.
132 Vgl. unten die Ausführungen über Pfarrkindergarten und Pfarrzentrum.
133 Stephan Lang, Der (!) Amraser Widum im neuen Glanz. In: Amraser Bote Jg. 21, 1985, Nr. 1.
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und von Franz-Josef Niederleimbacher geschaffener Bronzebrunnen, mit drei trinkenden
Fohlen. 134 Keinen Kunstgenuẞ, wohl aber eine langersehnte Verbesserung der Lebens-
qualität brachte die 1986 in Angriff genommene Kanalisierung des Ortskernes mit sich.135
Wenn Amras - wie hier gezeigt werden konnte - in den letzten Jahrzehnten in so rei-
chem Maße städtische Zuwendungen erfahren hat, so kam dies nicht von ungefähr,
sondern ist vor allem zwei Umständen zu verdanken. Einmal hat Amras das Glück, in
der Person von Ökonomierat Karl Klotz einen überaus engagierten und fähigen Vertre-
ter im Innsbrucker Gemeinderat zu haben, welcher auch - als die Stadt vorübergehend
die im Stadtrecht vorgesehene Funktion von Ortsvorstehern realisiert hat-, von 1973-
1975 auch dieses Amt erfolgreich bekleidet hat.136
Andererseits entstand im Jahre 1965 über Initiative von Volksschuldirektor Andreas
Bramböck quasi als Dachverband aller Amraser Vereine die »Arbeitsgemeinschaft Am-
ras<, welche es einerseits verstanden hat, auf anstehende Probleme des Stadtteiles
hinzuweisen und andererseits durch das Vierteljahresorgan des »Amraser Boten<< (seit
1965) ein harmonisches Zusammenwirken aller Vereine, der Schule und des Pfarrkin-
dergartens, und somit eine noch vor dreißig Jahren unvorstellbare menschliche und
nachbarliche Integration der neuzugezogenen Bewohner der neuen Siedlungsbauten
mit der alteingesessenen Bevölkerung zu erreichen. Das so gewachsene gesunde
Selbstbewußtsein der Amraser im Rahmen ihrer Stadt fand im heurigen Jahr auch
durch ein
Stadtteilwappen
Ausdruck. Die Entstehungsweise dieses >Wappens«< ist sehr leicht erklärt: In der Reihe
der zwischen 1904 und 1942 nach Innsbruck eingemeindeten ehemaligen Dorfgemein-
den gibt es einige, die bereits vor ihrer Eingemeindung ein eigenes Gemeindewappen
geführt haben (wie Wilten, Hötting und - inoffiziell - Mühlau), während anderen ein
solches Gemeinschaftssymbol bis heute fehlt. Zu diesen gehörte bisher auch Amras.
Da Amras aber seit seiner Eingemeindung 1938 keine selbständige Gemeinde mehr,
sondern Teil der Landeshauptstadt ist, kam die Verleihung eines Gemeindewappens
durch die Tiroler Landesregierung nicht mehr in Frage.137 Um dennoch zu einem sol-
134 Amraser Bote Jg. 24, 1988, Nr. 4, S. 2 (Kurz notiert mit Bild).
135 Ebenda Jg. 22, 1986, Nr. 2, S. 3: Kurzbericht von GR. Karl Klotz.
136 Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck Jg. 36, 1973, Nr. 1, S. 9; Im Zuge der Novellierung des Inns-
brucker Stadtrechtes (Landtagsbeschluß vom 24. 2. 1975) wurde die Einrichtung der Ortsausschüsse
(Ortsvorsteher) wieder aufgelöst.
137 Bei seiner Sitzung am 16. September 1928 hat der Amraser Gemeinderat übrigens »den Bürgermeister
Ludwig Steixner beauftragt, im Landesarchiv nachzuforschen, ob die Gemeinde Amras zu (r) Führung
eines Wappens berechtigt ist oder nicht.« Das Ergebnis dieser Rückfrage sollte »bei der nächsten Ge-
meinderatssitzung bekannt gegeben werden, doch findet sich über diese Angelegenheit weder bei der
nächsten noch bei irgendeiner späteren Sitzung eine neuerliche Behandlung dieser Angelegenheit.
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chen öffentlichen Zeichen nachbarlicher Verbundenheit zu gelangen, blieb daher nur
der Weg zur Selbsthilfe, den die Arbeitsgemeinschaft Amras mit Zustimmung der Am-
raser Vereine gegangen ist, deren Obleuten und Vertretern der Entwurf des Amraser
Stadtteil-Emblems bereits bei einer erweiterten Sitzung am 30. Dezember 1988 gezeigt
worden ist und dabei einvernehmliche Zustimmung fand. Was zeigt nun unser neues
Stadtteilwappen?
Es zeigt in einem senkrecht geteilten bzw. - wie der Fachausdruck lautet ->gespalte-
nen« Schild in der vorderen Schildhälfte in blauem Feld einen halben goldfarbenen,
golden bekrönten, nach heraldisch rechts blickenden Adler mit schwarzen Waffen
(=Schnabel und Krallen) und in der hinteren oder heraldisch linken Schildhälfte in sil-
bernem Feld eine Darstellung des Amraser Gnadenbildes.
Der halbe goldene Adler erinnert dabei an das Wappen der Grafen von Andechs, die in
der mittelalterlichen Geschichte Tirols eine bedeutende Rolle gespielt haben, und
deren erster Ausgangspunkt für ihr Engagement im »Land im Gebirge<< die Burg und
Herrschaft sowie das Dorf Amras waren. Hier begegnen die Grafen von Andechs ur-
kundlich seit ca. 1091, also rund 80 Jahre bevor sie um 1165/70 am Höttinger Innufer in
Gestalt des heutigen Stadtteils St. Nikolaus den ersten Marktort Innsbruck gegründet
haben. Es gibt somit in ganz Tirol keinen Ort, der mit der Geschichte der Grafen von An-
dechs so eng verknüpft ist wie Amras. »Soweit, so gut«<, könnte man nun sagen und
dann die Frage erheben: »Woher kennt man das Wappen dieser Grafen und vor allem
dessen Farben?<< Die Antwort auf den ersten Teil dieser Frage geben uns die Siegel der
im Jahre 1248 ausgestorbenen Grafen von Andechs, die - allerdings farblos - in Natur-
wachs einen Adler erkennen lassen (Erst in den letzten Lebensjahren Herzog Ottos II.,
des letzten Andechsers, wurde dieser Adler gelegentlich mit einem Löwen kombiniert,
wie er im heutigen Gemeindewappen von Andechs-Erling oberhalb des Adlers er-
scheint, während er im Wappen von Diessen bei Andechs unterhalb des Adlers dem
Schild eingefügt worden ist).
Die bisher für die Geschichte der Grafen von Andechs unbeachtet gebliebene, älteste,
farbige Darstellung dieses Adlerwappens konnte der Verfasser am sogenannten >>Me-
ranier-Turm der St. Jakob-Stiftskirche in Bamberg nachweisen, welche Kirche unter
dem Stifts-Propst und späteren Bischof von Bamberg, Poppo von Andechs (gest. 1245),
erbaut worden ist. Der Name Meranier-Turm für diesen Turm bezieht sich übrigens auf
den Rang und Titel eines »Herzogs von Meranien«, den die Hauptlinie der Andechser
seit 1180 zu führen berechtigt war.
Soviel also zum goldfarbenen Adler in blauem Feld, dem Wappen der Grafen von
Andechs, welches nun in »gespaltener« Form in das Amraser Wappen übernommen
worden ist. Die Hereinnahme des Amraser Gnadenbildes in das silberne, hintere Feld
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unseres Wappens bedarf wohl keiner Erläuterung. Ein paar Worte seien aber auch dazu
gesagt: Für's erste dürfen wir aus stilistischen Gründen annehmen, daß auch unsere
Amraser Muttergottes-Statue ungefähr in der zweiten Hälfte des 15. Jh. entstanden,
also ähnlich unserer Kirche - rund ein halbes Jahrtausend alt ist. Als Gnadenbild frü-
her und besonders im Zweiten Weltkrieg sehr verehrt, kann die Amraser Muttergottes
daher als allgemein-verständliches religiöses Symbol unseres Dorfes bezeichnet wer-
den. Die Darstellung in unserem Wappen lehnt sich übrigens an eine Graphik des mit
der Amraser Pfarrkirche eng verbundenen Innsbrucker Künstlers Hans Andre aus dem
Jahre 1937 an, welche unser unvergessener Pfarrer Anton Plattner am Titelblatt des
Amraser Missions-Briefes im Jänner 1949 abbilden ließ. Somit stellt das neue Wappen
von Amras eine, wie wir hoffen, geglückte Verbindung von Symbolen der weltlichen und
kirchlichen Geschichte unseres Dorfes dar.
Das neue Wappen ist überdies auch geeignet, eine weitere Verbindung zum Ausdruck
zu bringen: Ich meine damit die seit dem Innsbrucker Stadtjubiläum 1980 neu belebte
Freundschaft zwischen Amras und der Gemeinde Andechs-Erling!
Der mit diesem Wappen beschrittene Weg der Identitätsbekundung fand übrigens
schon sehr rasch in den Stadtteilen Neuarzl-Olympisches Dorf, Hötting West-Allerhei-
ligen und Reichenau eine entsprechende Nachfolge.
Anhang:
Andreas Bramböck - Aus der Schulchronik von Amras
Die ersten Angaben zur Chronik der Volksschule Amras verdanken wir Ferdinand Mayr,
selber Amraser, der von 1883 bis 1903 Schulleiter war. Er unterrichtete zehn Jahre lang
noch im ersten Amraser Schulhaus und wußte zu berichten: »Das alte Schulhaus ward
im Jahre 1793 erbaut (übrigens auf dem Platz, wo vorher der Spieltennen war). Es ward
mit Nr. 72 bezeichnet und bestand aus einem ebenerdigen Zimmer, welches 6 m breit,
14 m lang und 2,4 m hoch war. Dasselbe war, wie ich aus eigenen Erfahrungen anzuge-
ben weiß, in allen Beziehungen schlecht, denn es war lang, schmal und niedrig und bot
nur schlechtes Licht.<< Man kann annehmen, daß Ferdinand Mayr sich sehr darum be-
mühte, ein neues Schulhaus zu erhalten, was ihm auch tatsächlich gelang. Voller
Begeisterung schreibt er:
>Im Jahre 1892 und 1893 wurde im sogenannten Winkelfelde von der Seite der Gemein-
de das heutige, prachtvolle, einstöckige Schulhaus, mit Nr. 96 bezeichnet, welches
auch, da die Schule jetzt zweiklassig errichtet wurde, die Wohnung für den Lehrer, die
Lehrerin und für den Mesner enthält, erbaut. Der Bau verdankt seine Entstehung dem
einträchtigen Zusammenwirken des Schulleiters, Ferdinand Mayr, und des Ortsschul-
aufsehers, Anton Steixner, und der thatkräftigen Unterstützung der oben erwähnten
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durch den k.k. Bezirksschulinspektor Vincenz Murr. Mit Eröffnung des neuen Schul-
gebäudes im August 1893 wurde das alte Schulhaus, nachdem es genau hundert Jahre
bestanden hatte, an den hiesigen Krämer, Sebastian Geyr, um den Preis von 1.350 fl.
verkauft. Das neue Gebäude hat der Baumeister Jakob Norer aus Innsbruck hergestellt
und kostet 16.000 fl.<<
Während das zweite Amraser Schulhaus im Sommer 1979 abgerissen wurde, steht das
erste immer noch und beherbergt die Fleischhauerei Hölzl.
Im Jahre 1934 errichtete die Musikkapelle Amras im Keller des Schulhauses einen Pro-
benraum. Um die nötige Tiefe zu erreichen, mußten ca. 42 m³ Erdreich ausgehoben
werden. Die Musik probte 30 Jahre lang in diesem Raum, der allerdings viel zu klein,
feucht und akustisch schlecht war.
Von 1893 bis 1935 war die Schule zweiklassig, 1935 errichtete man eine 3. Klasse, nach
der Eingemeindung von Amras nach Innsbruck im Jahre 1938 wurde sie vierklassig, und
das ist sie im Grunde bis zum heutigen Tag geblieben, allerdings jetzt nur mehr als
Grundstufe (für 6-10jährige). Bedingt durch die Zerstörung der Pradler Volksschule
mußten gegen Kriegsende viele Pradler Kinder in Amras untergebracht werden, sodaẞ
die Amraser Schule vorübergehend mit acht Klassen geführt werden mußte. Fünfklas-
sig war die Schule wegen der regen Bautätigkeit von 1951-1957 (mit Wechselunterricht).
Durch die Herabsetzung der Klassenschülerzahl auf 30 Kinder gibt es seit dem Schul-
jahr 1988/89 eine Parallelklasse.
Bereits seit dem Jahre 1950 gab es Bestrebungen, einen Schulneubau zu erwirken, da
das von Ferdinand Mayr vielgepriesene Gebäude den Ansprüchen nach 60jährigem
Betrieb nicht mehr gerecht werden konnte.
Ein erster Schritt war der Ankauf des Grundstückes westlich des Schulhauses zur Er-
richtung eines Turnplatzes, der von Direktor Oswald Leitner mit Zähigkeit betrieben
wurde. Mit Kaufvertrag vom 11. September 1950 erwarb also die Stadtgemeinde Inns-
bruck von Ludwig Steixner 943 m² Grund. Das anliegende Grundstück wurde mit Bau-
verbot belegt. Diese Maßnahmen waren die Grundlage dafür, daß der Schulhausneu-
bau überhaupt eine reale Grundlage fand.
Es dauerte aber 20 Jahre, bis die Stadtführung zu dem Entschluß kam, daß ein Neubau
wichtig ist, nicht nur für die Kinder, sondern um den Ortscharakter und eine sinnvolle
Eigenständigkeit von Amras zu erhalten. Als im Jahre 1971 S 100.000,- im a. o. Budget
der Stadtgemeinde für das Projekt »Neubau Volksschule Amras mit Turnhalle<< einge-
setzt wurden, konnte man endlich damit rechnen, daß Amras ein neues Schulhaus be-
kommen wird.
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In diesem Jahr wurden die bestehenden Verhältnisse im alten Schulhaus im >Amraser
Boten« so dargelegt:
>>Zwei Klassen haben ein Ausmaß von je 56 m². Sie sind mit 37 bzw. 39 Kindern belegt.
Zwei Klassen haben das Ausmaß von je 40 m². Darin sind 36 bzw. 28 Schüler. Die Klas-
senräume werden mit Kohlenöfen geheizt. Garderobenräume gibt es nicht. Die Mäntel
werden in den Klassenzimmern aufgehängt, die Schuhkästen befinden sich in den
Gängen. Zum Aus- und Anziehen der Schuhe stehen für jeweils ca. 70 Kinder 4 m² (!)
Hausgangfläche zur Verfügung. Die Kinder benützen notgedrungen die Stiegen und
Aborte zum Schuhwechsel. Es gibt keinen Turnsaal. In der warmen Jahreszeit, Schön-
wetter vorausgesetzt, wird für die Leibesübungen der Spielplatz benützt. Im Winter
gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man geht in den Kellerraum, der dem Trachten-
verein als Probenraum dient, oder man schiebt in der Klasse die Bänke zusammen und
benützt die dadurch gewonnene Fläche. Für je ca. 35 Mädchen stehen 2 (!) Aborte zur
Verfügung. Die Buben sind naturgemäß etwas besser dran. Der Handarbeitsunterricht
muẞ zeitweise im Konferenzzimmer gegeben werden.
Das Schulhaus hat einen Eingang. Die Fenster im Erdgeschoß sind vergittert. Wie wür-
de man im Falle einer Panik 140 Kinder ins Freie bringen?
Unter dem Druck dieser Umstände und durch den herzhaften Einsatz von Stadtrat
Direktor Arthur Haidl und Gemeinderat Karl Klotz wurde es nun ernst: Planerstellung
durch das Stadtbauamt (8 Klassenräume, Konferenzzimmer, Lehrmittelräume, Direk-
tion, Turnsaal, Gemeindesaal, Räumlichkeiten für die Schützen/Feuerwehr, für den
Trachtenverein/Schiklub, Räume für die Musikschule Innsbruck); Bauverhandlungen
1973 und 1974, Baubeginn für die erste Baustufe am 3. November 1975, Einweihung des
ersten Abschnittes am 21. Oktober 1978 (Übersiedlung des Schulbetriebes mit Beginn
des Schuljahres 1978/79).
1981 erfolgte der Ausbau des Kirchsteiges, um die Fortführung des Schulbaues wurde
es aber sehr still. Erst nach einer reduzierten Raumplanung (2 Klassenräume wurden
gestrichen wegen des allgemeinen Rückgangs der Schülerzahlen) begann am 27. Mai
1983 die zweite Bauphase.
Die Einweihungsfeier am 21. Dezember 1984 war nicht nur für den Schulbereich, son-
dern wohl für die ganze Gemeinde ein denkwürdiger Tag. Abt Alois Stöger vom Stift Wil-
ten nahm die Weihe vor, Bürgermeister Romuald Niescher war mit der gesamten Stadt-
prominenz gekommen, und alles, was in Amras kulturell tätig ist, wirkte an der Feier mit.
Die Freude war allseits groß.
Amras bekam mit dem neuen Schulhaus nicht nur eine bestens ausgestattete Bil-
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Abb. 28: Blick auf das Portal der neuen Amraser Volksschule, erbaut 1975/84
dungsstätte für Kinder, sondern auch eine Heimstätte für die Ortsgemeinschaft. Mit
der Gestaltung des Platzes vor dem Schulhaus, die im Jahre 1989 abgeschlossen wurde,
gewann dieser Ort aber auch einen Mittelpunkt, mit dem ein 40jähriges Bemühen sei-
ne Krönung fand und wofür die Stadtgemeinde die stolze Summe von ca. 30 Millionen
Schilling aufbringen mußte.
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Schulleiter an der VS Amras seit 1810
Johann Fuchs, Nr. 38 beim Zöbl im sog. Schörgenhaus
Karl Kratzer, Nr. 3
Anton Speckbacher, Nr. 57
Anton Kirchebner aus Pradl
Anton Speckbacher, Nr. 57, zum 2. Mal angestellt
Karl Kratzer, Nr. 54, zum 2. Mal angestellt
Romed Sauerwein aus Rum, Organist
Anton Kratzer, Nr. 54, Organist
1810-1830:
1830-1852:
1852-1854:
1854-1856:
1856-1870:
1870-1874:
1874-1876:
1876-1879:
1879-1880:
1880-1883:
N. Silbernagl aus dem Pustertal, Organist
1883-1903:
1903-1929:
1929-1930:
1930-1938:
1938-1939:
1940-1950:
1950-1976:
1976-
Karl Lergetporer aus Innsbruck, Organist
Ferdinand Mayr, Nr. 52, 65, 71, im Schulhaus ab 1893, Organist
Ernst Hosp aus Tarrenz, Organist
Karl Andre aus Innsbruck
Roman Seeber aus Patsch, Organist
Josef Fleidl aus Mayrhofen
Roman Seeber
Oswald Leitner aus Innsbruck, Lehrer ab 1946
Andreas Bramböck aus Angerberg, Lehrer ab 1950
Wirtschaft, Gewerbe und Handwerk
Zum Leben im Dorfe gehörte früher ebenso wie die Kirche und das Gasthaus auch
eine Reihe von weiteren Gewerbebetrieben und Handwerkern, gerade genug, um den
örtlichen Bedürfnissen zu genügen. Bei Ansuchen um Zulassung zusätzlicher Gewerbe-
betriebe wurde daher noch in den Dreißiger Jahren vom Amraser Gemeinderat vor
allem geprüft, ob am Ort beim jeweiligen Handwerk oder Gewerbe ein vermehrter
Bedarf gegeben ist oder nicht. Fehlte der lokale Bedarf, wurde dem Antrag, über den
letztlich die Bezirksbehörde zu entscheiden hatte, ein abschlägiger Bescheid zuteil.
Erst die erhöhte Mobilität des Menschen unserer Tage hat diese Dimensionen
gesprengt. Will man heute eine Stube anfertigen lassen, geht man nicht mehr zum
Tischler am Ort, sondern fährt zu einer angepriesenen Werkstatt, und wäre sie 50 und
mehr Kilometer entfernt. Umgekehrt haben sich die heutigen Betriebe am Ort speziali-
siert und haben einen weit über den lokalen Rahmen hinausgehenden Kundenstock.
Im Folgenden soll nun der wirtschaftliche Bereich des dörflichen Lebens im alten Am-
ras kurz charakterisiert werden. Hiebei muß man sich zunächst vergegenwärtigen, daß
Amras noch bis ca. 1950/1960 primär ein Dorf von Bauern oder Landwirten war. Danach
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hatte sich auch in erster Linie das handwerkliche und gewerbliche Angebot zu richten.
Entscheidend war also neben den allgemein-menschlichen Bedürfnissen die Frage:
Was braucht die Landwirtschaft? Für das Getreide die Mühle, für das Beschlagen der
Zugtiere den Hufschmied, für die Instandsetzung der Fuhrwerke den Wagner und den
Schmied, für das Hauswesen den Tischler, den Zimmerer, den Maurer, den Glaser, etc.
und für die Lebensmittelversorgung den Metzger und den Bäcker, wenngleich viele
Höfe über eigene Backstuben verfügten. Dazu kamen noch der Schneider und der
Schuster etc. Was von alledem gab es nun früher in Amras? Beginnen wir mit den
Mühlen. Von den ursprünglich, d. h. bereits 1303 genannten zwei Mühlen,138 einer obe-
ren und einer unteren, wird schon 1655 und später nur noch die »Untere Mühle< am
Mühlbach genannt, der beim Schloßcafé vom Schloßpark herunterfließt.139 Auch in ei-
ner Urkunde von 1501 genannt, war dies eine Mühle mit zwei Gängen, also mit zwei
Schaufelrädern und daher auch mit zwei Triebwerken. Die Einstellung dieser Mühle
dürfte vor 1898, sicher jedenfalls nach 1856 erfolgt sein, nachdem sie im Bauparzellen-
protokoll von 1856 noch angeführt, im Innsbrucker Adreẞbuch von 1899 aber nicht mehr
genannt wird. Vor wenigen Jahren übrigens erhielt das betreffende Mühlengebäude
(Luigenstraße 26) von seinem jetzigen Besitzer die historisch nicht belegte Bezeichnung
»Schloßmühle«. Als obere Mühlen könnten bestenfalls zwei Hausmühlen des Kiefinger-
Bauern (Philippine-Welser-Straße 98) und des Tischlerhäusl-Besitzers (Aldranser Straße
11) am Mühlbach bei Schönruh verstanden werden, welche aber erst 1856 begegnen.
Schräg gegenüber der Unteren Mühle befand sich eine ebenfalls auf die Antriebskraft
des Baches angewiesene >Huf- und Hammerschmiede«. Urkundlich ebenfalls seit 1501
nachweisbar, war sie noch im Jahre 1937 in Betrieb und gehörte damals dem Johann
Kitzler. Im Jahre 1929 erhielten die damals bestehenden zwei Amraser Schmieden
noch Konkurrenz durch die Schmiede des Anton Sulzenbacher (Bichlweg 8),140 welche
ebenfalls noch im Innsbrucker Adreẞbuch von 1937 aufscheint und dort ebenso wie die
Kitzler-Schmiede als Huf- und Wagenschmiede bezeichnet wird. Es war übrigens wohl
die ehemalige Schloßschmiede (Schloßstraße 14), die 1929 als die zweite der damals
bereits bestanden habenden Schmieden angesehen worden ist. Dort wurde nämlich
auch 1856 der Schmied Josef Griesser genannt. Im genannten Jahre wirkte auch noch
der Messerschmied Pankraz Leichner im Hause Bichlweg 31.
138 Die >duo molendina in Omeras werden in der Rechnungslegung des Innsbrucker Propstes (vgl. oben
die Ausführungen über die Geschichte des Propsteigerichtes Amras und seine Vorgeschichte) namens
Hainricus am 12. August 1303 - Innsbruck genannt (Vgl. die Edition von Joseph Chmel, Der österreichi-
sche Geschichtsforscher. Bd. 2, Wien 1841, S. 149).
139 Siehe zu den folgenden Detail-Angaben die Ausführungen zu den einzelnen genannten Amraser Häu-
sern im nächsten Kapitel.
140 StAl., Cod. Amras 6, S. 206: Gemeinderatssitzung vom 13. Jänner 1929: Dabei erklärte der Gemeinderat
auf das Ansuchen des Anton Sulzenbacher zum Bau einer Schmiedewerkstätte, »daß aus gewerblichen
Rücksichten die Erbauung der projektierten Schmiedewerkstätte in Amras nicht mehr notwendig er-
scheine, da ein Lokalbedarf für drei Schmiedewerkstätten nicht gegeben ist<.
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In Ergänzung zur Wagenschmiede nennt das Adreẞbuch von 1937 aber auch noch einen
eigenen >>Wagenbauer« oder Wagner: Rudolf Ullman, Geyrstraße 82 (vgl. Abb. 72). Auf
einen älteren Wagner-Betrieb weist der Hofname »Rädermacher<< (Bichlweg 1) hin, wo
1856 der Wagner Josef Kolb am Werk war.
Tischlerbetriebe gab es im Jahre 1937 in Amras noch vier, den Andrä Staudacher
(Bichlweg 4), Johann Kroll (Bichlweg 13), Peter Böck (Luigenstraße 19) und Wilhelm
Happ (Winkelfeldsteig 62). Die zuletzt genannte Tischlerei hat noch Jahrzehnte später
bestanden. Im Jahre 1856 hingegen gab es in Amras nur zwei Tischler, den Bartlmä
Mössl (Geyrstraße 33) und den Johann Auer (Bichlweg 42).
Das Handwerk der Maler, Anstreicher und Lackierer war 1937 durch Bernhard Bernard
(Luigenstraße 20) und Oskar Holrieder (im Schloß Ambras) vertreten. »Angemeldeten<<
Maurer gab es 1937 nur einen: Martin Höß (Luigenstraße 20). In diesem Zusammen-
hang mag auch daran erinnert werden, daß uns 1857 eine Kalk- und Ziegelbrennerei im
Neubruch, genannt »das Kößele<<, in Egerdach begegnet.141
Wer einen Spengler oder Glaser benötigte, mußte 1937 bis hinein zur Grenzstraße Nr. 7
zu Robert Plattner gehen.
Das Schusterhandwerk übten sowohl 1856 als auch 1937 je zwei Meister aus. 1856 wa-
ren es Johann Unterwöger (Geyrstraße 80) und Matthias Jochberger (Bichlweg 29), 1937
Franz Kirchmayr (Geyrstraße 90) und außerhalb des Dorfkerns Franz Eller in der Grenz-
straße 5. Ihnen folgte später Franz Braito, an dessen kleine Werkstätte an der Westseite
des ehemaligen Gastgartens beim >>Kapeller<< sich sicher noch viele Amraser erinnern
werden. Einen Hinweis auf einen älteren Schuster liefert der 1856 begegnende Hof-
name >>Schuster Simele« (Bichlweg 12).
Die Zunft der Schneider wurde 1856 nur durch den »Schneider Jörgl«<, Georg Schiner
vertreten, an welchen bzw. an dessen Haus nur noch der Name »Schneidertörl« des süd-
westlichen Eingangs in den Schloßgarten erinnert. Dieses Haus bestand, wie wir heute
wissen, aus dem umgebauten Langhaus der ehemaligen St. Georgskirche (vgl. dort).
Während 1856 in Amras noch kein Metzger genannt wird, nahm sich 1927 bereits die
Metzgerei des Sebastian Hölzl (Geyrstraße 76) der Fleischversorgung der Dorfbe-
wohner an. Die zahlenmäßig erheblich angewachsene Bevölkerung fand hier jedoch
bald nicht mehr das Auslangen. In dieser Situation war es der Aldranser Metzgermei-
141 Bote für Tirol 1857, Nr. 59, S. 146. In der Landkarte des Hauptmann Urban über »Das Innthal von Zirl
bis... Volders von ca. 1840 erscheint dieser »Zieglofen« im Gelände der heutigen SOS-Kinderdorf-
Akademie eingezeichnet.
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ster Josef Brunner, der nun mit Zustimmung der Gemeinde - abseits vom Ortskern,
jedoch in der Nähe der Neubauten an der Grenzstraße und an den benachbarten Stra-
Ben in Pradl im Jahre 1936 einen neuen Metzgereibetrieb und im gleichen Neubau eine
Bäckerei errichtet hat (Südring, Amraser-See-Straße 4) 142 Letzteren Betrieb hat als
Nachfolger von Franz Benvenutti (1938) durch einige Jahrzehnte ab 1942/43 Richard
Piccolruaz geführt. Übrigens hat auch 100 Jahre zuvor, im Jahre 1856, nur eine Bäckerei
in Amras bestanden. Es war die des Johann Kees (Luigenstraße 3), des Vaters des spä-
teren angesehenen Kapellmeisters der Amraser Musikkapelle, Pankraz Kees (vgl.
dort!).
Relativ groß war 1937 das Angebot von >>Kolonialwarenhandlungen<<, wie die Lebens-
mittel- und Gemischtwarenhandlungen damals bezeichnet wurden, weil sie auch
Waren aus den Kolonien der europäischen Länder in Asien, Afrika, Südamerika etc. feil-
boten. Solche »Handlungen< gab es damals vier: Geyr's Erben beim »Bierwirt<<, Maria
Janda (später Resch) im Hause Luigenstraße 3, Heinrich Hocke (später Josef Mayr) im
Hause Philippine-Welser-Straße 107 und im Parterre des >Lehrerheimes<< des Katholi-
schen Tiroler Lehrervereins (Tummelplatzweg 2) das Geschäft der Katharina Jenewein,
welches aber schon wenige Jahre später geschlossen worden ist. Kurze Zeit später er-
öffnet wurden hingegen die beiden Geschäfte von Wilhelm John (heute Spar bzw. An-
ranter) im sogenannten Trapp-Schlößl (Philippine-Welser-Straße 82) und Emil Melichar
(Grenzstraße 21 = heute Amraser-See-Straße 1), unterdessen wieder aufgelassen.
Für gepflegte Damen, Herren und Kinder - mit eigenem Kinderstuhl und Spielzeug -
sorgte 1937 der Friseur Franz Kaplita (später Egon Obex) in einem Lokal beim »Bier-
wirt<< westlich neben dem Haupteingang. Zigaretten etc. verkaufte damals Alois Schar-
mer im Hause Geyrstraße 84.
Bezeichnend für den Stellenwert, den die Landwirtschaft noch vor 50 Jahren in Amras
hatte, ist es schließlich, daß sich hier damals nicht weniger als vier Unternehmer mit
dem Viehhandel beschäftigten: Fortunat Pötsch (Kirchsteig 15), Johann Kofler (Luigen-
straße 124), Albert Hosp (Geyrstraße 74) und Johann Schmid (Philippine-Welser-Stra-
Be 101).
Zwei Berufe suchen wir im Amras des Jahres 1937 im Vergleich zu 1856 vergeblich, den
des Webers und den des Brunnenmachers. Letzterer lebte im Hausnamen »Brunnen-
macher<< (Bichlweg 13, heute Geyrstraße 59), ersterer in den Hausnamen >Webermartl<<
(Luigenstraße 6) und »Webermichl« (Bichlweg 15) fort. Dazu gab es 1856 noch den
>Pichlweber«, Franz Pichler im Hause Bichlweg 35. Aus diesen Ausführungen ergibt
sich, daß es in Amras zwei Schwerpunkte des handwerklichen Lebens gab. Der eine -
142 StAI., Cod. Amras 6, S. 52 u. 55.
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der jüngere - war der Bichlweg, wo fast jedes Haus Sitz eines Handwerkers war. Den
anderen Schwerpunkt bildete seit Jahrhunderten die Luigenstraße, bzw. die Gegend
am energiespendenden Mühlbach.
Viel von dem geschilderten Angebot von Handwerkern und von Läden »um die Ecke<<
ist seither in Amras weggefallen. Manches davon vermissen wir, anderes geht uns gar
nicht mehr ab. Der einzige Gewerbebereich, der seit 1937 in Amras erheblich zugenom-
men hat, ist der des Gastgewerbes. Damals gab es den Kapeller, den Bierwirt, den See-
wirt, den Sandwirt am Inn (seit 1928) 143 und den Gasthof Egerdach sowie den Schloßkel-
ler, das Hotel und das Strandbad Schönruh. Von diesen mußten unterdessen die vier
letztgenannten wieder zusperren. Allerdings wurden diese Rückgänge durch die Zahl
der Neueröffnungen mehr als ausgeglichen.
So präsentiert sich uns heute das gastronomische Porträt von Amras wie folgt:
Hotels, Gasthöfe und Cafés:
Bierwirt, Kapeller, Seewirt, Hotel Charlotte, Amraser Hof, Pension Friedl, Café Regina,
Schloßcafé, Trappschlößl und Schloßrestaurant.
Neben diesem Bild vom Gastgewerbe wirkt ein Blick auf die Entwicklung der Landwirt-
schaft wie ein scharfer Kontrast. Hier stehen 68 landwirtschaftlichen Betrieben, die so-
wohl 1856 als auch noch um 1930 bestanden haben, heute insgesamt nur noch 13 ge-
genüber. Ihre Namen hat Gemeinderat Ökonomierat Karl Klotz für diesen Band
freundlicherweise, wie folgt, zusammengestellt:
Mayr Franz, Philippine-Welser-Straße 91 (Stecher), Neubau
Nagiller Anton, Philippine-Welser-Straße 85 (Hofer)
Klement (Schiener) Anneliese, Philippine-Welser-Straße 98
Klotz Karl, Philippine-Welser-Straße 9
Marthe Erich, Algunder Straße 3, Neubau
Angerer Andrä, Amraser-See-Straße 42
Volderauer Josef, Geyrstraße 1
Gollner Josef, Geyrstraße 6
Wieser Magdalena, Geyrstraße 7 (Pircher), Neubau
Schapfl Gottfried, Geyrstraße 39, Neubau
Schlögl Karl, Geyrstraße 62, Neubau
Schlögl Frieda, Bichlweg 5
Schiener Johann, Bichlweg 10
143 Ebenda, S. 191.
108
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B
STADTISCHER
VIEHMARKTPLATZ
Abb. 29: Innsbrucks letzter Viehmarktplatz - am Bleichenweg in Amras (1967).
Foto: Richard Müller
Bleibt noch anzufügen, daß in Amras, obgleich es keine Marktgemeinde war, doch auch
einige Jahrmärkte abgehalten worden sind. So verzeichnet der >>Schreib-Kalender für
Tirol und Vorarlberg auf das gemeine Jahr 1887 in Amras folgende Märkte: Vieh- und
Krämermärkte am 8. Jänner, am Montag vor dem Faschingssonntag, am Osterdienstag
und am 25. November. Dazu wollte der Amraser Gemeindeausschuß noch einen zu-
sätzlichen Amraser Jahrmarkt, zog jedoch sein diesbezügliches Ansuchen am 12. März
1888 wieder zurück, weil mehrere Ortschaften dagegen protestierten und daher kaum
zu erwarten war, diesen Jahrmarkt zu einem bedeutenden aufzubringen. Zudem (wur-
den) noch Vorsichtsmaßregeln verlangt, die Geld kosten und hart durchzuführen
sind.<<144 Der Markt am 25. November wurde vermutlich während des 1. Weltkrieges und
144 StAI., Cod. Amras 1, S. 13.
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der Nachkriegsjahre nicht abgehalten, doch beschloß der Gemeinderat am 15. Februar
1925 diesen Markt wieder einzuführen bzw. bereits im Jahre 1925 wieder erstmals abzu-
halten. 145 Allerdings scheint dieser Markt nicht besonders gut besucht gewesen zu sein,
denn schon 1926 suchte der Gemeinderat eine Terminverlegung des Marktes auf
den Montag vor dem 1. Adventsonntag zu erreichen. Nachdem dies abgelehnt worden
ist, beschloß der Gemeinderat am 16. September 1928 die Auflassung dieses
Marktes.146
Der Marktplatz - besonders für den Viehmarkt - befand sich noch nach 1945 hinter
dem Kapellerwirt.147 Bleibt noch zu erwähnen, daß im Jahre 1965 auch der städtische
Viehmarktplatz von den Sillhöfen an den Bleichenweg in Amras verlegt worden ist. 148
Die folgenden Jahre zeigten jedoch, daß Innsbruck keinen derartigen Marktplatz mehr
benötigt, sodaẞ er schon 1973 aufgelassen und zunächst in einen Jugend-Sport- und
Spielplatz umgewandelt werden konnte.149
Die heutige Situation der Wirtschaft im Bereich des Stadtteiles Amras skizzierte Her-
mann Winkler (Bezirkssekretär des Wirtschaftsbundes) im Jahre 1988150 - abgesehen
von der Landwirtschaft - wie folgt:
>>Das >historische Amras hat im Laufe der vergangenen 15 bis 20 Jahre an wirtschaftli-
cher Bedeutung relativ verloren. So wurden beispielsweise im Gebiet des >alten< Am-
ras im Jahre 1973 noch 78 Arbeitsstätten gezählt, die 551 Personen beschäftigt haben,
während die Vergleichszahlen im Jahre 1981 auf 62 Arbeitsstätten mit 368 Beschäftigten
gesunken sind. Im Vergleich dazu sind die Arbeitsstätten im Gebiet des DEZ (Amras-
Süd) im gleichen Zeitraum von 29 auf 75 gestiegen und schon 1981 waren hier 529 Perso-
nen beschäftigt. Das Industrie- und Gewerbegebiet in Amras-Nord, also zwischen
Autobahnzubringer und Inn, zählte 1981 115 Arbeitsstätten mit 3.104 Beschäftigten. In
diesem großen zusammenhängenden Gewerbegebiet der Stadt findet naturgemäß
die größte wirtschaftspolitische Expansion statt.
Zuerst waren es jene Betriebe, die sich auf Grund ihres großen Flächenbedarfes -
durch Lagerung und industrielle Fertigung - hier angesiedelt haben. Baufirmen bzw.
Großhandel mit Papier, Möbeln und Lebensmitteln, auch Reisebürounternehmer mit
145 StAl., Cod. Amras 6, S. 62.
146 Ebenda, S. 92, 100, 160, 193.
147 Im Dezember 1918 hat der damalige Kapeller-Wirt Ferdinand Happ allerdings »den Marktplatz gekün-
det, diese Kündigung jedoch bereits 1919 wieder zurück genommen (StAI., Cod. Amras 5, S. 17 u. 26).
148 Eröffnung des neuen Innsbrucker Viehmarktes am Bleichenweg in Amras am 18. Juni 1965. In: Amtsblatt
der Landeshauptstadt Innsbruck Jg. 28, 1965, Nr. 7, S. 2.
149 A. B(ramböck), Der neue Spielplatz am Bleichenweg. In: Amraser Bote Jg. 10, 1974, Nr. 3.
150 Gekürzt übernommen aus: Amraser Bote, Jg. 24, 1988, Nr. 1.
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ihren Großgaragen, der Autohandel usw. In jüngerer Vergangenheit kamen Speditions-
unternehmen dazu, Druckereien, Metallbauunternehmen und Einrichtungshäuser.
Nebst Gewerbe, Industrie und Handel finden auch ein modernes Hotel und eine Groß-
diskothek hier in Amras-Nord ihren Standort. Auf Grund der beengten Verhältnisse in
innerstädtischen Räumen siedeln sich vermehrt auch Klein- und Mittelbetriebe hier
an. Ein konkretes Beispiel dafür ist die im Bereich Griessauweg/Valiergasse geplante
Errichtung des 1. Innsbrucker Gewerbehofes, in dem sich Betriebe verschiedenster
Branchen unter einem Dach einmieten und gemeinsam die Infrastruktur nützen kön-
nen. 9.000 m² Nutzfläche werden in diesem 110 Millionen Schilling-Projekt zur Verfü-
gung stehen. Erfreulicherweise finden wir in diesem Wirtschaftsraum Unternehmen,
die mit moderner Technologie produzieren, beispielsweise in der Metallverarbeitung
und im Apparatebau. Mit diesen modernen und exportorientierten Betrieben des Ge-
werbes und der Industrie leistet die Wirtschaft einen großen Beitrag zur Wertschöpfung
des Regionalproduktes. Vielfach wird bedauert, daß Innsbruck nicht deutlich mehr mo-
derne und umweltfreundliche Industriebetriebe hat. Amras bietet für die Zukunft noch
jenen Raum und jene Grundreserven an, die Innsbrucks Wirtschaft in seinem qualitati-
ven Wachstum braucht. Der neue Flächenwidmungsplan für Amras weist Aufschlie-
Bungsflächen für Gewerbe und Industrie im Gebiet Valiergasse, Griessauweg, Auto-
bahn und Kläranlage aus. Heute zählt der Stadteil Amras über 4.400 Einwohner und
4.150 Beschäftigte. Es ist zu erwarten, daß in nächster Zukunft mehr Beschäftigte als
Einwohner ausgewiesen werden. Dies ist allerdings nur für die Statistik interessant,
denn die räumliche Funktionstrennung zwischen Wohnen und Arbeiten ist in Amras
längst vollzogen.
Eine besondere Stellung nicht nur in der Wirtschaftsgeschichte sondern überhaupt im
Leben der Amraser und der Innsbrucker Bevölkerung nahmen die beiden in ihrer Art
sehr unterschiedlichen Badeanstalten Egerdach und Schönruh ein. Sie sollen daher im
folgenden gesondert gewürdigt werden.
a) Egerdach - ein Ampasser Hof, ein Amraser Bad und ein Ziegelofen,
aus dem sich die Hermann-Gmeiner-Akademie entwickelte
Der Name Egerdach - wohl abzuleiten von Egartacker - erscheint erstmals im Jahre
1288, und zwar im Urbar des Grafen Meinhard II. von Tirol-Görz. Diese erste Nen-
nung bezieht sich auf einen >Hof zue Egerdach«, welcher dem Tiroler Landesfürsten
jährlich 20 Pfund Berner Pfennige zinsen mußte, und auf eine »Vogelwaide datz Eger-
dach<<, also auf eine dem Vogelfang dienende Vogelhütte, wovon 8 Pfund gezinst
wurden.151
151 O.v. Zingerle, Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol. FRA. II/45, Wien 1890, S. 47 n. 156 und S. 48 n. 176.
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Der stets an Geldknappheit leidende jüngste Sohn Meinhards, Herzog Heinrich von
Kärnten-Tirol (von 1307-1310 auch König von Böhmen) verpfändete diesen Hof im Jahre
1333 nebst anderen Gütern an Cunrad Helbling. 152 In der Folgezeit wurde der Hof, der
ein landesfürstliches Lehen war, von einem gewissen Sumerlin oder Sümerlin bewirt-
schaftet, dessen Namen der Hof dann von 1450-1792 geführt hat. 153 Während dieser
Zeit und auch schon zuvor diente der Hof aber nicht dem Landesfürsten selbst, son-
dern verschiedenen Adeligen und Beamten, die ihn vom jeweiligen Tiroler Landesfür-
sten zu Lehen erhalten hatten. Während also die einzelnen Hofinhaber ursprünglich ih-
ren Zins in die Kasse des Tiroler Landesfürsten selbst eingezahlt haben, entrichteten
sie die genannten 20 Pfund Zins später an den jeweiligen Lehensinhaber. Als solche
begegnen uns unter anderem Dorothea von Freiberg (1450), Conrad Fridung, Lutz von
Freyberg (1458), Heinrich Blafueẞ zu Hall (1486) und der berühmte Hofsekretär Erzher-
zog Sigmunds und Kaiser Maximilians I., Dr. Johannes Fuxmagen von Hall (1496).154 Um
1775 war der Hof in den Händen der Herren von Schneeburg, die als Zins 4 Gulden (=
20 Pfund Pfennige) und noch zusätzlich jährlich ein Kalb als Grundzins erhielten.155
Wenn wir uns nun aber näher dafür interessieren, wo dieser alte Egerdach-Hof gestan-
den ist bzw. ob er etwa mit dem heute leider nicht mehr geführten Gasthof dieses Na-
mens identisch sei, so werden wir eine große Überraschung erleben: Dieser alte Hof in
Egerdach hat nämlich mit unserem heutigen Egerdach nur den Namen, sonst aber gar
nichts gemeinsam. Vielmehr handelt es sich dabei um die heutigen Peerhöfe, die seit
eh und je zur Gemeinde Ampass gehörten, aber noch in der ersten Katastermappe von
1856 unter dem Namen Egerdach eingezeichnet sind.
Haben wir diese Frage somit geklärt, so bleibt uns nun noch die Aufgabe, der Geschich-
te des >>Amraser« Egerdach nachzugehen. Die Geschichte dieses ehemaligen Heilba-
des Egerdach beginnt jedoch zum Unterschied von obigem Hofe erst um das Jahr 1620.
Ein im Jahre 1732 in Innsbruck bei Michael Anton Wagner in Druck erschienener >kurz,
doch gründlicher Bericht vom Gesundheitswasser und Bad in Egerdach, nahe bey der
erzfürstlichen Residenzstadt Innsbruck in Tyrol gelegen«, erzählt darüber: >>Ungefähr
zu Ende des 16. oder gleich zu Anfang des 17. Jahrhunderts (circa Annum 1600) habe
152 TLA., Putsch-Repertorium Bd. 2, pag. 11: »Pfandbrief von Kunig Hainrich von Behem auf Cunradten Helb-
ling umb 6 marckh gelts in der brabstey Ombras auf... (Güter zu Vill und Igls)...und auf ainem gut
zu Egerdach. 1333.<
153 TLA., Tyrolischer Lechen-Außzug (= Rep. 66), Bd. 1, fol. 564-566.
154 TLA., ebenda, fol. 564: Lehenbrief für Dorothea v. Freiberg geb. Kirchmayr von 1450; Liber fragmentorum 3,
fol. 174 und 6, fol. 350 u. 477: L. für Luz von Freyberg nach Conrad Fridung von 1458; Putsch-Repertorium
Bd. I, pag. 106 u. 309 (Revers): L. für Hainrich Blafuß von 1486; sowie ebenda, pag. 615 u. 688: L. für Dr.
Johann Fuchsmagen von 1496 (1498).
155 TLA., Kataster 24/13 (Landgericht Sonnenburg/Ampass), fol. 86.
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Abb. 30: Bad Egerdach vor dem Neubau des Badhaustraktes, um 1870.
Foto: Gratl
ein armer Hirt in der Gegend des Ursprungs des genannten Badwassers sein Vieh zum
öfteren geweidet und dabei seine mit einem unheilbaren Schaden behafteten Füß in
den nächst beyeinander aufwallenden drey kleinen Quellelein mehrmalen gebadet
und mit deren Wasser seinen Durst gelöscht. Nach einiger Zeit habe er dann wahrge-
nommen, daß dieses Wasser nicht nur allein zum Trinken lieblich, sondern auch, daß
seine bis anhero für unheilsam geschätzte Füß sich von Tag zu Tag gebessert und end-
lich vollkommen geheilt worden sind.<<
Diese Begebenheit wurde nun, so wird in diesem >Bericht << weiterhin mitgeteilt, alsbald
in der gesamten näheren und weiteren Umgebung herumerzählt, und allmählich
kamen zuerst einzelne, dann immer mehr Leidende zu diesen drei Egerdacher Quel-
len, um dort ihre Heilung zu suchen. Schließlich kam dann der damalige Salzgadner in
Hall, Peter Pompanin, auf den Gedanken, die Quellen zu fassen und für die Kranken ein
geeignetes Badhaus zu errichten.
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Soweit dieser Bericht, der zweifellos ernst zu nehmen ist und dessen Angaben auch ur-
kundlich bestätigt werden. Allerdings spricht die am 22. Mai 1620 für Peter Pompanin
ausgefertigte Verleihungsurkunde ȟber das neuerfundene Prunnenwasser zu Eger-
dach in der Probstey Ombras« davon, daß Peter Pompanin selbst »verwichner Zeit«<,
also vor kurzem, diese Heilquelle entdeckt habe. Im übrigen aber berichtet die zitierte
Urkunde, daß dieses »Wasser dem Mentschen in mererlai Weg zu Abwendung schwerer
Leibsmengl und Gebrechen dienst- und behülfflich erfunden (worden ist). Und damit
man dessen fruchtbarlich geniessen müge (wird Herrn Pompanin und seinen Erben er-
laubt), merangeregtes Wasser zu menigelichs nutzbarlichen Gebrauch nit allain (zu fas-
sen), sondern auch daselbs ain Padhauß oder andere Gelegenhaiten auf seine Cossten
aufpauen und zuerichten (zu) lassen, ... one menigelichs Eintrag, Irrung oder Verhinde-
rung.
«156 Zu den von Pompanin oder seinen ersten Nachfolgern errichteten Bauten
dürfte auch die noch bestehende Heilig-Kreuz-Kapelle beim Badgasthof gehören. Ei-
ner am Kirchengewölbe aufgemalten Jahrzahl zufolge habe das Kirchlein schon 1656
bestanden oder sei damals erbaut worden, was nach dem Baustil des Kirchleins durch-
aus möglich wäre.
Für das Ansehen, welches Bad Egerdach bereits nach diesen wenigen Jahrzehnten
erlangt hat, liefert ein italienischer Bericht über die >>besonderen Sehenswürdigkeiten
der Grafschaft Tirol«< von P. Lequile ein bemerkenswertes Zeugnis, zumal der Verfasser
dieser im Jahre 1655 bei Michael Wagner in Druck erschienenen Broschüre schon auf
dem Titelblatt eigens auf das >Bagno di Egherdoch« hinweist.156a
Von Pompanins Zeit an wurde nun in Egerdach durch fast 300 Jahre allem Anschein
nach mit großem Erfolg der Heilbadebetrieb geführt, und noch der bekannte Tiroler
Topograph Johann Jakob Staffler berichtet darüber im Jahre 1847: »Oestlich vom Dorfe
Ambras leitet ein meistens schlecht gehaltener Fahrweg in 1/2 Stunde nach Egerdach,
einer alten und ziemlich besuchten Badeanstalt. Die Quelle führt Kalkerde, Eisenerde
und kalkichtes Kochsalz und wird gegen Störungen in den Unterleibsorganen, Glieder-,
Nerven- und Hautkrankheiten empfohlen. 157
Um 1881/87 wurde die Badeanstalt erheblich ausgebaut und vergrößert. Beste Aus-
kunft darüber liefern uns zwei alte Fotos von Anton Gratl aus den Jahren vor und nach
156 TLA., Kopialbuch >Bekhennen« 1620, fol. 57vf.
156a Relazione delle principali curiosita di questo contado del Tirolo. Del P. Lequile. Come anche di alcune co-
se ricreative accaudute all Autore nel Bagno di Egherdoch. E una replica, e un miscuglio di raguagli ad
una risposta. Dell'Illustrissimo, ed Eccellentissimo Signor Gion Francesco Loredano Senator Veneto.
Con licenza de Superiori. In Insprogo. Appresso Michaele Wagner. Anno 1655; vgl. besonders S. 118ff.
Den Hinweis auf diese Druckschrift verdankt der Verfasser einer freundlichen Mitteilung von Dr. Helmut
Rizzolli, Bozen.
157 Johann Jakob Staffler, Tirol und Vorarlberg. Bd. 1, Innsbruck 1842, S. 515f.
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LUFT.
u.
TERRAIN CURORTE
Sool Pichlennadel u Kräuterbäder
Egerdach, Schloss Ambras u. Gerlos Spitze.
EGERDACH
GRUSS
BAD
Votschitzken
Glück auf.
18. Mai 1878.
Karl Schwidernoch Wien-Floridsdorf.
GERDACH
6/Innsbruck
Tiedemanne
ficou cher
Schwertling.
Abb. 31: Das ehemalige »Curbad Egerdach«, um 1900.
Foto: Gratl
Judmil
1881 und eine Werbe-Korrespondenzkarte von 1898. Während die ältere dieser >>Photo-
graphien« Egerdach noch vor dem erwähnten Erweiterungsbau zeigt, läßt die 1887 und
1888 prämierte jüngere Aufnahme bereits sowohl den damals errichteten neuen Bade-
trakt südlich hinter dem Kirchlein als auch einen kleinen Umbau links davon erkennen.
In diesem Zustand - allerdings durch phantastische Parkanlagen hinter dem Badhaus
ergänzt - zeigt sich uns Egerdach auch auf der erwähnten Werbe-Korrespondenzkarte,
welche bei Karl Schwidernoch in Wien-Floridsdorf, also in großer Entfernung vom tat-
sächlichen Ort des Geschehens, bestellt und hergestellt worden war. Besonders an-
gepriesen werden dort die in Egerdach möglichen »Sool-, Fichtennadel- und Kräuter-
bäder.<<
In dem 1901 in neu bearbeiteter 2. Auflage erschienenen »Almanach der Bäder, Som-
merfrisch- und Luftcurorte Tirols<< wird beim »Curbad« Egerdach ähnlich wie von Staffler
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Bad Egerdach bei Innsbru
Abb. 32: Bad Egerdach um 1925 (Vollpension pro Tag öS 8,- laut Text auf der Rückseite dieser Postkarte).
Foto: Gratl
die >alkalisch-meriatische Quelle« angeführt, die in hohem Ansehen stehe und viel be-
sucht sei. »Vor einiger Zeit«<, steht dort zu lesen, >>wurde auch eine Kaltwasser-Anstalt
nach dem Systeme Pfarrer Kneipp dortselbst eingerichtet.<<
Ähnliche Angaben enthält noch das »>Tiroler Verkehrs- und Hotelbuch (für das Jahr)
1914< (S.45), wo besonders hervorgehoben wird, daß dieses »angesehene Kurbad<<
auch bereits über »elektrisches Licht« verfügt. Die wirtschaftliche Krisenzeit während
und nach dem Ersten Weltkrieg ließ die Kurgäste dann freilich ausbleiben, sodaß es all-
mählich zur Auflassung des Badebetriebes kam. Noch um das Jahr 1925 aber kursierte
eine Ansichtskarte von >Bad Egerdach bei Innsbruck«, auf deren Rückseite das Bad wie
folgt angepriesen wird: »Schöne Fremdenzimmer, auch mit Kochgelegenheit. Pension
S 8,-. Heilbad, wirksam für Gicht, Nervenleiden, Blutarmut, etc.<<.
Im >>Führer durch die Bäder, Kurorte und Erholungsstätten der Österreichischen Bun-
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desländer 1926<< wird Bad Egerdach dann allerdings mit keinem Worte mehr erwähnt.
Was anstelle des Bades noch durch Jahrzehnte blieb, war das beliebte Ausflugsgast-
haus, welches allerdings inzwischen auch seinen Betrieb eingestellt hat.
Seitdem es mit dem Bad bergab ging, verlagerte sich der Schwerpunkt in Egerdach von
der Süd- zur Nordseite der Luigenstraße. Die Zukunft lag im sogenannten >Köẞele<<
oder »Grübel«<, am Fuße des Parleitenbichls, wo sich bereits in einer Landkarte von
1840 ein »Ziegelofen« eingezeichnet findet. Diese >>Kalk- und Ziegelbrennerei<< wurde
auch noch 1857 erwähnt.
Über diesen ehemaligen Gewerbebetrieb bzw. von diesem Grundstück wissen wir nur,
daß er 1849 kaufweise an Jakob Kratzer in Amras gelangt war und von diesem 1857 an
Frau Anna Kolb, Mairsgattin in Amras, verkauft worden war. (Neue Kat.-Nr. 256/581).
Die nächste Nachricht darüber datiert erst 60 Jahre später, als sich die Tiroler Gebiets-
krankenkasse im Jahre 1917 dazu entschloß, diese Liegenschaft anzukaufen, um hier
ein Erholungsheim für rekonvaleszente Mitglieder zu errichten. Nachdem der Betrieb
dieses Heimes nicht mehr erforderlich war, gingen Haus und Grund 1955 an das SOS-
Kinderdorf Imst über, womit jene Entwicklung begann, die 1982 mit der Eröffnung der
Hermann-Gmeiner-Akademie den bisherigen Höhepunkt in der Geschichte von Eger-
dach erreicht hat (vgl. unten den Beitrag von Rudolf Maurhard).
b) Strandbad Schönruh
Wenn man heute von Amras durch den Schloßpark hinauf und oberhalb des Schlosses
am ehemaligen Hotel »Schönruh« vorbei in Richtung Aldrans wandert, so führt einen
der Weg oder die Straße u. a. auch an dem weiträumigen Gelände des nunmehr in Ver-
fall begriffenen »Strandbades Schönruh« vorbei. Bis zum Sommer 1970 bildete es eines
der beliebtesten Freibäder von Innsbruck und mußte damals geschlossen werden, weil
die spätestens zu diesem Zeitpunkt erforderlich gewordene Installation einer zeitge-
mäßen bzw. den Anforderungen der modernen Hygiene entsprechenden Filter- und
Pumpanlage etc. die finanziellen Mittel der privaten Eigentümer dieses Bades über-
fordert haben. Umgekehrt allerdings waren seither auch alle seitens der Eigentümer
erhobenen Bedingungen für den Verkauf des Bades an die Stadtgemeinde Innsbruck,
jedenfalls aus dem Blickwinkel der städtischen Finanzen, zu hoch angesetzt, weshalb
nicht nur wir Amraser, sondern auch viele unserer Innsbrucker Mitbürger noch weiter-
hin geduldig darauf warten müssen, bis wir wieder in diesem prächtig gelegenen Frei-
bad in frischer Luft, hoch über den Abgasen des städtischen Straßenverkehrs, Erfri-
schung und körperliche Ertüchtigung suchen können. Dabei darf man nicht vergessen,
daß das Schwimmbecken von »Schönruh« mit seinen 25 Metern in der Breite (nach
117
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Hirschberger, vgl. unten, betrug die Beckenbreite 27 m) und 50 Metern in der Länge
(mit dem Becken für Nichtschwimmer) noch heute eine der größten Schwimmanlagen
der Stadt und ihrer Umgebung bilden würde.
Heuer jährt sich zum 60. Mal der Tag der ersten Eröffnung von Strandbad >>Schönruh<<.
Es war im Juni 1929. Wenige Tage zuvor versandten Olga Haid und ihr Sohn, die ersten
Inhaber des Bades, folgende Aussendung an die Tiroler Presse:
>>In den nächsten Tagen gelangt bei Schönruh eine Badeanstalt zur Eröffnung, die dank
ihrer Lage und Einrichtungen zu den modernsten Schwimmbädern Tirols zählt. Es
wurden alle Erfahrungen auf dem Gebiete des Schwimmbadbaues berücksichtigt. In
Kürze soll auf jene Vorteile hingewiesen werden, die in technischer und hygienischer
Hinsicht eine Neuerung bedeuten: der praktische Vorgang beim Umkleiden, der je-
dem Badegast die Möglichkeit bietet, bei noch so großem Andrang seine Einzelkabine
zu benützen, die luftige und saubere Aufbewahrung der Kleider, die bedeutenden Aus-
maße des Wasserbeckens für Schwimmer und Nichtschwimmer, sowie ein eigenes,
gefahrloses Planschbecken für Kinder, endlich die Filteranlage, die die Klärung und hy-
gienisch einwandfreie Reinigung des Badewassers gewährleistet. Zur Ausübung der
Sprungkünste sind ein Sprungturm von drei Meter Höhe mit einem Stahlsprungbrett,
sowie zwei niedrigere Sprungbretter errichtet. Für Sonnen- und Sandbäder ist in be-
sonderer Weise vorgesorgt. Eine kleine, aber mustergültig eingerichtete Restauration
sorgt für leibliche Stärkung. Da die Eintrittspreise niedrig gehalten sind, verspricht die-
se Anstalt ein richtiges Volks-Schwimmbad zu werden.<<
Die »Innsbrucker Nachrichten« veröffentlichten diese Zuschrift am 29. Mai 1929, und je-
der der ehemaligen Gäste von Schönruh wird die Richtigkeit der hier gemachten
Angaben bezüglich Schwimmbecken, Sprungbretter, Liegewiese und Restauration
gerne bestätigen. Uns allen bleibt daher nur die Hoffnung, daß es in absehbarer Zeit
doch noch zu einer Einigung zwischen den gegenwärtigen Besitzern und der Stadtge-
meinde Innsbruck kommen möge, damit wir bald wieder Fans unseres Lieblingsbades
von früher werden können. Dabei wird freilich niemand verlangen, daß 1990 auch
wieder die selben Eintrittspreise wie 1929 zu gelten hätten. Damals betrug der >Eintritt
für Nichtbadende 40 Groschen, für Badende mit Kleiderabgabe im Garderoberaum 80
Groschen (10 Karten 6 Schilling) und für Badende mit Einzelkabine 1,20 Schilling (10
Karten 10 Schilling). Die Karten berechtig (t) en nicht nur zum zweistündigen, sondern
zum ganztägigen Aufenthalt im Bad.<<
Letzteres erläutert eine am 8. Juni 1929 veröffentlichte Annonce, »um vorgekommenen
Mißverständnissen entgegenzutreten<.
Am Ende dieser Erinnerung an >Schönruh<< sei noch jene ausführliche Schilderung der
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STRANDBAD SCHONRUH bei Innsbruck. Blick gegen Bettelwurf
Abb. 33: Das ehemalige Strandbad Schönruh gegen Nordosten.
ehemaligen Badeanlagen wiedergegeben, welche Hermann Hirschberger am 28. Juni
1929 im damaligen >>Tiroler Anzeiger« veröffentlicht hat. Er schrieb dort:
»Seit kurzem haben die Innsbrucker auf dem Aldranser Gelände (Anm.: Gemeinde-
gebiet Amras) eines der größten Strandbäder Nordtirols, das die unternehmungslusti-
ge und tatkräftige Besitzerin der bekannten Hotel-Pension Schönruh, Frau Olga Haid,
oberhalb des Schlosses Ambras in landschaftlich einzig schöner Lage errichten ließ.
Auf eigenem Grund und Boden wurde ein über 10.000 Quadratmeter großes, vom Wein-
bachl durchflossenes Wiesengelände neben der Aldranser Straße eingezäunt und zu
einer einzigartigen Strandbadanlage umgestaltet. Nicht weniger als 6.000-7.000 Kubik-
meter Erdbewegung waren notwendig, um all die Terrassen, Wasserbecken, Bauten
usw. in idealer Anordnung erstehen zu lassen. Vom Kassengebäude, dem Eingang, in
dem auch die Wäscheausgabe erfolgt, führt ein ebener Promenadeweg, an dem Liege-
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stühle unter Sonnenschirmen zum Ausruhen einladen, hinüber zum geschmackvollen
Restaurations- und Buffetgebäude, von dem die nichtbadenden Gäste einen Über-
blick auf das Badebassin und die sonstigen Anlagen sowie eine prachtvolle Aussicht
auf die Stadt Innsbruck und die Berge der Nordkette haben. Etwas oberhalb dieser
Baulichkeiten ist ein 40 Meter langes, dreieinhalb Meter breites und zwei Meter tiefes
Bassin angelegt, in welchem das Wasser des Weinbaches durch die Sonne vorgewärmt
wird; aus diesem Vorwärmebassin wird das Bachwasser, das übrigens chemisch unter-
sucht und einwandfrei befunden wurde, durch eine vierfache Koksfilteranlage geführt
und erst dann ins Badebassin geleitet, so daß also für gesundes Wasser garantiert ist.
Neben diesem Bassin, das an der höchsten Stelle des ganzen Bades erbaut ist, findet
sich auch eine moderne Wäschetrockenanlage. Der Entwurf der Gesamtanlage und
sämtlicher Bauten sowie deren Ausführung stammen vom Baumeister Jakob Tomasi,
Amraser Straße 63, die Trassierungsarbeiten wurden von ihm im Verein mit Herrn Ing.
Leopold Ortlieb durchgeführt.
Etwas absteigend kommen wir zur eigentlichen Badeanlage, zur größten und schön-
sten ihrer Art in ganz Tirol. Sie ist als Familienbad eingerichtet. Das zementierte und
mit Bitumen abgedichtete Wasserbecken hat die respektable Größe von 50 x 27 Metern
im Geviert, ist für Schwimmer und Nichtschwimmer eingerichtet und hat, allmählich ab-
fallend, eine größte Tiefe von dreieinhalb Metern; außerdem ist ihm noch ein 5x 10 Me-
ter großes Kinderplanschbecken angegliedert.
Zum Umkleiden sind 50 Herren-, 80 Damenkabinen, eine mit sinnreichem und prakti-
schem Kleiderabgabesystem ausgestattete Massengarderobe für 600 Herren und eine
ebensolche für 400 Damen sowie geräumige Auskleideräume für Kinder, Buben und
Mädel getrennt, vorhanden. Es können also im Strandbad Schönruh gleichzeitig nicht
weniger als über 1.100 Erwachsene, abgesehen von den Kindern, baden.
Brauseanlagen mit obligatorischen Reinigungsduschen, die aus einem Brunnen, der
aus eigenen, im Gelände liegenden Quellen gespeist wird, ihr Wasser bekommen,
moderne Sprunganlagen sind neben 50 Meter langen, gedeckten Wandelgängen
ebenfalls da.
Den Glanzpunkt der ganzen Anlage bilden aber die Sonnenbadterrassen, die über-
einander angelegt sind, durch Rasenflächen voneinander getrennt, als 200 Quadrat-
meter großes Strand- und Sandbad mit Sand vom Inn beim Peterbrünnl, als Turnplatz
mit Geräten aller Art, als Wiesenfreispielplatz eingerichtet und mit hölzernen Liege-
pritschen, Liegestühlen usw. ausgestattet sind. An der Ausführung dieser großzügigen
Anlage, die sich sicher beim Innsbrucker sonnensport- und badeliebenden Publikum
großer Beliebtheit erfreuen wird, waren durchwegs einheimische Firmen und Gewer-
betreibende beteiligt.<<
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Straßen und Verkehr
Am Beginn der Amraser Verkehrsgeschichte steht die oben dargelegte Römerstra-
ße und ihre spätere Weiterverwendung, die Amras den Charakter eines Straßendorfes
verlieh (vgl. auch die Einleitung zum nächsten Kapitel). Die zweite Phase der Entwick-
lung bestand nach der Gründung des Marktes Innsbruck und des gleichzeitigen Baues
der dortigen Innbrücke um 1170 in der Errichtung einer Verbindungsstraße von Amras
zur Pradler Sillbrücke bzw. über diese zum Markt bzw. zur Stadt Innsbruck. Als dieser
zweite Hauptverkehrsast tritt uns der Straßenzug der unteren Geyrstraße und der
Egerdachstraße entgegen. Die Regierungszeit Erzherzog Ferdinand II. (1564-1595)
brachte dann als Folge des Umbaues von Schloß Ambras die Errichtung des > Fürsten-
weges<< von der Innsbrucker Hofburg über die Pradler Sillbrücke mit sich, worunter wir
die heutige Pradler Straße und ab derem südlichen Ende die Amraser Straße sowie
den vom Lehrerheim steil ansteigenden Tummelplatzweg und den obersten Teil der
heutigen Schloßstraße zu verstehen haben.
Mit Schloß Ambras auf's engste verbunden ist auch der Bau des zweiten Fürstenweges,
welcher von der Wiltener Sillbrücke seinen Ausgang nahm. Initiator dieses Straßen-
baues war Erzherzog Karl Ludwig, ein Bruder des Kaisers Franz Joseph I., welcher sich
als Statthalter Tirols um 1856/58 Schloß Ambras als Residenz adaptieren ließ; - und
dazu gehörte auch eine bequeme Zufahrt innerhalb und außerhalb des Schlosses.158
An diese >neue Schloßstraße«- der heutige Tummelplatzweg beim Lehrerheim wurde
nun zur »alten Schloßstraße«-schloß sich endlich 1883/84 ein erster Straßenbau nach
Aldrans an. Die betreffende Eröffnungsfeier fand am 25. Mai 1884 statt. 159 Bis dahin
stand als Verbindung von Amras dorthin nur jener steile Fußweg zur Verfügung, der
vom äußeren Ambraser Schloßtor bzw. einige Meter westlich davon direkt hinauf zuerst
zum ehemaligen Hotel Schönruh, dem ehemaligen Tischlerhaus des Schlosses, und
dann weiter am ehemaligen Strandbad Schönruh vorbei und über den Mühltalbach
und weiter zum Dorfe Aldrans führt.
Die Straße von 1884 brachte insofern eine Verbesserung, als nun die Steilstufe vom
Schloß zur Brücke über den Mühltalbachweg in einer weitgezogenen, aber immer noch
ziemlich steilen S-Kurve bewältigt wurde, welche unweit oberhalb des Schlosses gegen
Südwesten ansetzte, jedoch - zum Unterschied von heute - am Hotel Schönruh nicht
vorbeiführte. Letzteres wurde erst durch den späteren Ausbau dieser Straße um 1921
erreicht. Seither trennt sich die Aldranser Straße bereits beim großen Schloßparktor
von der alten Straßentrasse, die seither nur noch als Zufahrt zum Schlosse (= Schloß-
158 Alfred v. Lindheim, Erzherzog Carl Ludwig 1833-1896. Wien 1897, S. 61.
159 F.H. Hye, Zur Geschichte des Hauptstraßennetzes im Innsbrucker Becken, a. a. O., S. 194f.
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Ons Spt. Amrás
(576)
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700
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Abb. 34: Die erste Aldranser Straße von 1884 auf einer Innsbrucker Wanderkarte von 1909.
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Schloss Amras.
Abb. 35: Ein erheblicher Teil der im Jahre 1900 eröffneten Mittelgebirgsbahn von Wilten nach Igls führt
über Amraser Gebiet (um 1900/10).
Foto: Gratl
straße) fungiert. Bis hinauf zur Kehre beim Hotel Schönruh hatte die neue Aldranser
Straße im Gegensatz zu heute mehrere Kurven zu absolvieren, von denen hier
besonders auf die tiefe Kehre in das Schintertal unterhalb der Iglerbahn-Station
hingewiesen sei. Mancher Leser wird sich vielleicht auch noch an das malerische Stra-
Benwärterhäuschen (Aldranser Straße Nr. 20) an dieser Straße unterhalb vom Hotel
Schönruh erinnern. Dieses Straßenstück wurde um 1972/73 erheblich begradigt und
verbreitert. Damals wurden überdies - zuvor - infolge des Autobahnbaues die alten
Auffahrten nach Aldrans beim Lehrerheim und von Wilten her aufgelassen und durch
die neue Auffahrt mit Überbrückung der Wiesengasse ersetzt.
Das Jahr 1940 rückte dann auch einen bis dahin als rein landwirtschaftlichen Güterweg
genützen Feldweg in das Interesse der breiten Verkehrsentwicklung. Gemeint ist damit
die erstmals im Jahre 1940 über den Fluß geschlagene Reichenauer Innbrücke, welche
für den Langen Weg plötzlich neue Dimensionen eröffnete,160 was allerdings erst im
160 F.H. Hye, Die »Gauhauptstadt< Innsbruck, a. a. O., S. 70.
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Zuge der Olympischen Spiele von 1964 und 1976 bzw. beim Ausbau des Südringes voll
zum Tragen kam.
Für die Entwicklung des Autoverkehrs auf den Amraser Straßen mögen hier zur Illustra-
tion nur einige Daten angeführt werden. Am 19. April 1925 verfügte der Gemeinderat,
>>daß die Geschwindigkeit der Autos und Motorräder beim Passieren der Gemeinde
Amras nur 6 km betragen dürfe<<; - am 5. Juni desselben Jahres wurde der Grenzwert
dann großzügig auf das Doppelte, auf 12 Stundenkilometer erhöht! 161 Diese niedere
Geschwindigkeit war allerdings auch wegen des Straßen-Unterbaues nötig, zumal es
bis dahin in Amras nur Schotterstraßen mit der dazu gehörenden Staubentwicklung ge-
geben hat. Der erste Einsatz einer Straßenwalze - jedoch nur für die Hauptstraße vom
Militärfriedhof bis Egerdach - fiel erst in das Jahr 1925, wobei die Dampfwalze aus
Innsbruck kam. 162 Nicht weniger epochal war der Gemeinderatsbeschluß vom 4. August
1929, dieses Straßenstück vom Bierwirt bis zur Innsbrucker Stadtgrenze (beim Südring)
erstmals asphaltieren zu lassen.163 Dasselbe Jahr brachte für Amras auch die zwei
ersten regelmäßigen Autobusverbindungen einerseits von der Kraftwagenverkehrs-
gesellschaft des Hermann Egger in das Dorf und andererseits vom Besitzer des
Schwimmbades Schönruh, Herbert Haid, von Innsbruck über Amras hinauf zum
Strandbad und zurück. 164
Abgesehen vom Straßenverkehr ist hier jedoch auch auf den Schienenverkehr zu ver-
weisen, der im Jahre 1900 mit der Eröffnung der bis 1936 mit Dampf betriebenen Igler-
bahn (Mittelgebirgsbahn AG.) einige Unruhe und Veränderung in den bis dahin ruhigen
Paschberg brachte. 165 Unterdessen hat sich auch das Wild an die uns allen lieb gewor-
dene >Igler<< gewöhnt...
Während das 1944 verlegte Notgeleise der Reichsbahn vom Bergisel-Tunnel über
Amras nach Hall (vgl. unten) glücklicherweise nur ein vorübergehendes Provisorium
war, schlug das Jahr 1965 für die Amraser Schienenverkehrsgeschichte ein dauerhaftes,
neues Kapitel auf, - die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 vom Kreuzungsplatz Am-
raser-/Greinz-/Kölderer Straße bis heraus zum Westende der Philippine-Welser-
Straße. Der regelmäßige Verkehr auf der verlängerten Strecke wurde am 8. September
1965 aufgenommen. 166 Während dieser Bahnbau von der Amraser Bevölkerung täglich
mit Dankbarkeit angenommen wird, kann dies leider von einem anderen Bahnbau,
161 StAl., Cod. Amras 6, S. 72 u. 76.
162 Ebenda, S. 97, 107f.
163 Ebenda, S. 229.
164 Ebenda, S. 207 u. 212. Vgl. auch W. Kreutz, a. a. O., S. 213, 215 und 217.
165 W. Kreutz, a. a. O., S. 166-172.
166 Amraser Bote Jg. 1, Nr. 3.
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Abb. 36: Beim Bierwirt war die Omnibus-Haltestelle der 1929 eröffneten Linie 6 des »Kraftverkehr
Innsbruck<.
nämlich dem der Autobahn, nicht gesagt werden. Waren es anfangs von 1965 bis 1967
die umfangreichen Lärm und Staub entwickelnden Bauarbeiten im Dorf - ausgelöst
durch Damm- und Brückenbauten sowie durch eine Reihe von Haus-Abtragungen und
den Durchstich des Parleitenbichls 167 - so sind es seit der Inbetriebnahme der Auto-
bahn wieder der Lärm, aber auch die Abgase etc., die nicht dazu angetan sind, die Le-
bensqualität zu heben. Die über Betreiben der Anrainer 1979 errichtete Lärmschutz-
wand hat hier zwar eine gewisse Besserung gebracht.168
167 Wulf Stratowa und Johann Vilanek, Die Brenner-Autobahn. Innsbruck 1972, S. 153f.
168 Neue Tiroler Zeitung vom 18. April 1979, S. 8; Amraser Bote Jg. 15, 1979, Nr. 2. S. 15 (Länge der Lärmschutz-
wand an der Nordseite der Autobahn: 590 m).
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Die Höfe und Häuser von Amras ohne das Gewerbegebiet in der
Reichenau östlich vom Langen Weg (bis 1976)
Das bauliche Wachstum unserer Dörfer und Städte hat nach dem 2. Weltkrieg der-
maßen zugenommen, daß es geboten erscheint, in Erinnerung zu bringen, welche Stra-
Benzüge und Bauten einst den Kern unserer Siedlungen gebildet haben. Es soll aber
auch aufgezeigt werden, wie die weitere Siedlungsentwicklung verlief. Bevor wir uns
den im folgenden gebotenen Einzeldaten zur Geschichte der Höfe und Häuser in
Amras zuwenden, sei nochmals hervorgehoben, daß Amras ein typisches Straßendorf
darstellt, dessen ältere Bauplätze durchwegs an den Hauptstraßen (Philippine-Welser-
Straße und Geyrstraße), sowie einerseits im unteren Teil des Verbindungsweges
(Bichlweg) vom Dorf zum Schloß und andererseits im Kreuzungsbereich zwischen der
Luigenstraße und der Gewerbezone am Mühlbach liegen, wo bereits seit 1303 zumin-
dest eine der damals genannten zwei Amraser Mühlen ihren Standort hatte. Als die
ältesten Häuser und Höfe in Amras sind jene anzusehen, welche noch im Maria-There-
sianischen Steuerkataster von 1775 als »Nachbarsbehausungen« bezeichnet werden.
Ihr Bestand darf weitgehend bereits für die Zeit um 1300 angenommen werden. Wenn
in scheinbarem Widerspruch dazu manche dieser Nachbarsbehausungen noch nicht
mit einer im Steuerkataster von 1655 verzeichneten Nachbarsbehausung identifiziert
werden konnten, so steht dies mit obiger Angabe nicht in Widerspruch, sondern findet
seine Erklärung allein in dem Umstand, daß in diesen Fällen detaillierte hausgeschicht-
liche Untersuchungen noch fehlen. Eines der ersten Häuser, das abseits der oben
skizzierten Hauptstraßen erbaut worden ist, stellt der 1692 am Kirchsteig erbaute
>>Schuler« (Kirchsteig Nr. 15) dar. Auch die Häuser an der Kirchmayrgasse müssen noch
aus diesem Gesichtspunkte baugeschichtlich untersucht werden, wobei das markante
Portal des Hauses Nr. I schon rein stilistisch zumindest in das 16. Jahrhundert verweist.
Die Hauptquelle für die folgenden Daten bildet der Maria-Theresianische Steuerkata-
ster von 1775 (= MThK), dessen Nummern bei den einzelnen Häusern mit der Abkür-
zung >>CN.<< zitiert werden. In Ergänzung dazu wurde das Transportobuch von ca. 1840
(mit Eintragung der zu den CN. gehörigen heutigen Parzellennummern), das Bauparzel-
lenprotokoll von 1856, sowie ein älterer Amraser Steuerkataster von 1655 herangezo-
gen, wobei sich die zitierten Kataster im Original im Tiroler Landesarchiv bzw. als Xero-
kopie im Innsbrucker Stadtarchiv befinden und eingesehen werden können. Auch das
erwähnte Bauparzellenprotokoll liegt im Stadtarchiv auf.
Ein weiteres wichtiges Informationsmittel bilden die Innsbrucker Adreẞbücher, in
denen seit dem Jahr 1913 auch Amras behandelt wird. Dabei ist jedoch daran zu erin-
nern, daß die Angaben z. B. für das Adreẞbuch des Jahres 1913 im Herbst 1912 geliefert
wurden. Die Adreẞbücher können daher stets nur ein grober Behelf sein. Exakte Daten
über den Zeitraum der Erbauung eines Hauses oder über dessen Besitzveränderung
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TABAK
Abb. 37: Betonsäule und Oberleitung der 1943/44 begonnenen Errichtung einer geplanten aber nie reali-
sierten Obus-Linie nach Amras (beim Bierwirt).
durch Kauf, Erbschaft, etc. sind daher allein den Bauakten bzw. den Grundbucheintra-
gungen zu entnehmen. Um sich allerdings ein grobes Bild vom Wachstum bzw. von der
Verbauung einer Straße zu machen, sind die Aussagen der Adreẞbücher völlig
ausreichend.
Die Darstellung erfolgt nach der alphabetischen Reihung der betreffenden Straßen
und Wege.
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Sagge
Silhafe
8
INNSBRUCK
Sandwirt
INN
NADTBEZIRK
Peerhofe
Radio Sender
S
Abb. 38: Innsbrucker Stadtplan der Alliierten, in welchen das 1944 verlegte Umfahrungsgeleise der Eisen-
bahn vom Bergisel-Tunnel über Amras nach Hall eingezeichnet ist.
Aldranser Straße
Nr. 4, Bp. 182, alte HNr. Amras 88
Im Schloß-Urbar von 1665, fol. 268, als Vogelhütte des Schlosses bzw. als > Finckhen-
Thennen, Nöz unnd Leimbstat« bezeichnet. Erbaut vom Schloßhauptmann (seit 1613)
Karl Füeger zu Friedberg, wurde dieser Hof seit dem 21. Jänner 1746 einem jeweiligen
Schloßhauptmann zinsfrei zur Verfügung gestellt. Von den die zugehörige Waldung
rundum markierenden ursprünglich acht Grenzsteinen mit dem österreichischen Bin-
denschild und der Jahreszahl 1747 sind nur noch drei erhalten: Zwei am ehemaligen
Reitweg zum Tummelplatz (einer unter-, einer oberhalb der Bahn) und einer an der Ein-
fahrt zur großen Wiese auf der Hügelkuppe. Ein vierter noch 1966 vorhandener Grenz-
stein fiel - trotz zeitgerechtem Hinweis - der Verbreiterung der Aldranser Straße zum
Opfer. M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 1111 A: If. Herrschaft. Das Bp.-Prot. von 1856
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Amras
D
Unterer Tarion
Amras
SCHUTZZONE AMRAS
Ambraser Schiq
Vogelhütten
Abb. 39: Mit Verordnung der Tiroler Landesregierung vom 27. Jänner 1981 wurde zur Erhaltung des Amraser
Dorfkerns und Schloßbereiches eine Schutzzone deklariert.
nennt hier Finanzrat Franz v. Walter, das Adreẞb. von 1947 Maria Gräfin Walter, jene von
1953 und 1964 Dr. Ugo Morabito, jenes von 1976 die Ärztekammer für Tirol.
Nr. 6, Bp. 287, alte HNr. Amras 99
Haltestelle Tantegert, erbaut 1900, seither im Besitz der Innsbrucker Mittelgebirgs-
bahn AG. bzw. der Verkehrsbetriebe.
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Abb. 40: Das ehemalige Straßenwärter-Häuschen, Aldranser Straße Nr. 20, mußte der Straßenverbreiterung
um 1966 weichen.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 11, Bp. 96, alte HNr. Amras 83
Bp.-Prot. von 1856: Johann Rolf vulgo Engländer, Geschäftsmann; Adreẞb. 1913: Olga
Haid, Gasthofbesitzerin (Schönruh), 1935: detto (Pension Schönruh); 1936: Jakob und
Franziska Tomasi, Baumeister; 1976: Franziska Tomasi - Zu diesem Haus gehörte 1856
eine eigene Hausmühle am Mühlbach.
Nr. 13, Bp. 96, alte HNr. Amras 95
ab Adreẞb. 1913 wie Nr. II!
Nr. 15, Bp. 95, alte HNr. Amras 100. Ehemaliges Tischlerhaus des Schlosses.
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 762: Graf Künigl; Bp.-Prot. 1856: Johann Rolf vulgo
Engländer, Geschäftsmann; ab Adreßb. 1913 wie Nr. 11 und 13.
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Schloss Amras 148.
Abb. 41: Blick von den Aldranser Wiesen auf Schloß und Dorf Amras mit dem Ortsteil Panzing (rechts)
und dem Fürstenweg« (=Pradler und Amraser Straße), um 1870.
Foto: Czichna
Nr. 17, Bp. 95, alte HNr. Amras 83a
Adreẞb. 1939: Jakob und Franziska Tomasi, Baumeister (Pension Schönruh), in der Fol-
ge wie Nr. 11, 13 und 15.
Nr. 20, Bp., alte HNr. Amras 140 Straßenwärterhäuschen.
Adreẞb. 1947: Baubezirksamt Innsbruck, 1957: detto; 1964: Johann Kobald. Wenig spä-
ter im Zuge der Neutrassierung der Aldranser Straße abgerissen.
Nr. 21, Bp. 229/3, alte HNr. Amras 83b
Adreẞb. 1964: Dr. Wilhelm und Franziska Moll, 1976: detto.
Nr. 39, Bp. 295, alte HNr. Amras 110
Adreẞb. 1913: Olga Haid, in der Folge wie Nr. 11, 13, 15, 17.
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Algunder Straße
Algund ist ein Dorf in der westlichen Nachbarschaft von Meran, mit dem sich Amras be-
sonders verbunden fühlte. Der Gemeinderat von Amras hat mit dieser Namensgebung
gerade im Jahre 1935 ein politisches Bekenntnis zu Südtirol und gegen die damals noch
intensiver einsetzende Italianisierungspolitik des Faschismus abgelegt.
Nr. 2, Bp. 335
Adreẞb. 1936: Hans Gasser, 1964: detto; 1970: Maria Mairhofer, 1976: detto.
Nr. 3, Bp., Gp. 26
Adreẞb. 1970: Maria Kirschner, 1976: detto. Dabei handelt es sich um einen Bauernhof-
Neubau, der 1967 als Ersatz für den alten Bezan- oder Pizanhof (Amraser-See-Straße
45) erbaut worden ist.
Nr. 4, Bp. 342, alte HNr. 3
Adreẞb. 1937: Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Kogler, 1944: detto; 1947: Helene Karnthaler,
1964: detto; 1976: Franz und Johannes Karnthaler.
Nr. 6, Bp. 336, alte HNr. 4
Adreẞb. 1936: Hans Kieninger, 1947: detto; 1953: Werner Kieninger und Liselotte Paro-
lini, 1964: detto; 1976: Liselotte, Dr. Klaus und Christa Parolini.
Amraser-See-Straße
Benannt nach dem ehemaligen Amraser See, der sich am östlichen Ende dieser Straße
befunden hat.
Nr. 1, Bp. 323, alte HNr. Grenzstraße 13 bzw. 21
Adreẞb. 1935: Karl Rasner; 1944: Karl, Waltraud und Erika Rasner, 1976: detto.
Nr. 4, Bp. 359, alte HNr. Amras 132
Adreẞb. 1937: Josef Brunner, Metzgermeister, 1964: detto; 1970: Hermann Hölzl, 1976:
detto.
Nr. 4a, Bp., alte HNr. Amras 133
Adreẞb. 1937: Georg Knofler, Malermeister, 1964: detto; 1976: Adolf Knofler.
Nr. 5, Bp. 476
Adreẞb. 1953: Paplitzky Luise, 1964: Isabella Stuchlik; 1976: Isabella Wunderl.
Nr. 6, Bp., Gp. 1621/2
Adreẞb. 1964: Franz Lun, 1976: detto.
Nr. 6a, Bp. 377
Adreẞb. 1953: Franz Zaunbauer; 1964: Margarethe Zaunbauer und Anna Kluckner;
1976: detto.
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Abb. 42: Fronleichnams-Prozession (um 1936/37) in der Amraser-See-Straße kurz vor dem dritten Altar
beim alten Bezan-Hof. Vor dem Allerheiligsten geht Alt-Pfarrer Hermann Blaas. Im Hintergrund links der
ehemalige Armen-Hof.
Foto: Gustav Hagner
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Nr. 6b, Bp., Gp. 1620/4
Adreẞb. 1964: Ing. Albert Zanier; 1976: Gabriela Zanier.
Nr. 6c, Bp., Gp. 1618/3
Adreẞb. 1970: Josef Nagiller, 1976: Rudolf Nagiller.
Nr. 6d, Bp., Gp. 1621/2
Adreẞb. 1970: Franz Lun, 1976: detto.
Nr. 7, Bp. 477
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck (EWI), 1976: detto.
Nr. 8, Bp. 469
Adreẞb. 1953: Max Stotz, 1964: detto; 1976: Max Stoltz(!)
Nr. 9, Bp. 478
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 10, Bp. 300
Adreẞb. 1976: Aral-Tankstelle und Wohnhaus (Bauplatz).
Nr. 11, Bp. 479
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 12, Bp. -
Adreẞb. 1953: Anna Nicolussi-Rossi; 1964: Anna Striednig. Dieses Haus, genannt >>An-
nenhof«<, wurde 1976 abgerissen.
Nr. 12a, Bp. 510
Adreẞb. 1964: Anna Bernhard und Gertrud Riedl, 1976: detto.
Nr. 12b, Bp.
-
Adreẞb. 1964: Albert und Agnes Paller, 1970: detto, Werkstätte.
Nr. 13, Bp. 358
Adreẞb. 1953: Maria Wind, 1976: detto.
Nr. 15, Bp. 470
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 17, Bp. 471
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 18, Bp. 497
Adreẞb. 1953: Lorenz Sigl, 1976: Lorenz und Maria Sigl.
Nr. 19, Bp. 472
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
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Abb. 43: Der »Annen-Hof«, Amraser-See-Straße 12 (rechts), mußte 1976 dem Verkehr auf dem verbreiterten
>Südring< weichen (heute: Tankstelle).
Foto: Richard Frischauf, um 1970
Nr. 20, Bp. 498
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgen. m. b. H.;
1964: Josef und Emilie Aberer, 1976: detto.
Nr. 21, Bp. 473
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 22, Bp. 495
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgen.m. b. H.;
1964: Max Kuen; 1976: Dr. Heinz Mader.
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Abb. 44: Der »Tschugg-Hof«, Amraser-See-Straße 42,- er ist der einzige Altbau, der an diesem Straßenzug
noch besteht.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 23, Bp. 474
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 24, Bp. 496
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgen.m.b. H.;
1964: Franziska und Friedrich Weiß, 1976: detto.
Nr. 25, Bp. 475
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 26, Bp. 290
Adreẞb. 1953: Maria Aggstein; 1964: Herbert Frötscher, 1976: detto.
Nr. 27, Bp. 251
Adreẞb. 1953: Josefa Sponring, 1976: Adelheid Sponring, Karl Plankensteiner, Herbert
Wulz und Walter Gogl.
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Abb. 45: Der alte Pizan- oder Bezanhof (Amraser-See-Straße 45) - 1967 abgerissen für den Autobahn-
Zubringer.
Nr. 27a, Bp., Gp. 1603/27
Adreẞb. 1964: Karl Plankensteiner; 1976: Sponrings Erben.
Nr. 28, Bp. 309
Adreẞb. 1953: Gustav Candolini, 1976: detto.
Nr. 29, Bp., Gp. 1603/26
Adreẞb. 1970: Tankstelle Esso Standard AG, 1976: detto.
Nr. 33, Bp. 301
Adreẞb. 1953: Hermann und Wilhelm Kircher, 1976: detto.
Nr. 36, Bp. 326, alte HNr. Algunder Straße 1
Adreẞb. 1936: Robert Guth, 1976: detto. - Der Erstbau wurde unterdessen durch einen
modernen städtischen Wohnbau ersetzt.
Nr. 37, Bp., Gp. 20/6
Adreẞb. 1970: Felix und Wilhelm Hafele, 1976: detto.
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Abb. 46: Der 1967 abgerissene Amraser Pizanhof (Amraser-See-Straße 45) - kurz vor seinem Abbruch. Im
Hintergrund noch der Altbau des Hofes Geyrstraße 7.
Foto: Richard Frischauf
Nr. 40, Bp. 14, alte HNr. Amras 66. Hofname: Reichenauer
Steuerkataster 1655, fol. 21 v: Anndree Jabingers Erben; M. Th.-Steuerkataster von 1775,
CN. 483: Jakob Jabinger (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Andreas Riess vulgo Rei-
chenauer, Bauer; Adreẞb. 1913: Anna Kluckner, 1937: detto, 1939: Josef Rieß; 1947: Josef
Rieß und Irma Nagler; 1953: dieselben und Siegfried Rieß, 1976: detto. - Der alte Hof
wurde unterdessen durch ein modernes städtisches Wohnhaus ersetzt.
Nr. 42, Bp. 13, alte HNr. Amras 67, Hofname: Tschugg. GH: Stift Wilten
Steuerkataster von 1655 fol. 27v: Silvester Pockh »besizt ain Camerlanndt, die Gater-
hueben haisent« u. a. mit einer Behausung etc., M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN.617:
Kristoph Mader (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Andree Tschugg vulgo Tschugg,
Bauer; Adreẞb. 1913: Geschwister Angerer, 1976: Andreas Angerer.
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Abb. 47: Der Bierwirt (Bichlweg 2) um 1870/80. Im Hintergrund das ehemalige Haus Geyrstraße 61, genannt
zum >Müllernatz« (heute: Feuerwehrgebäude).
ehemaliges Koflergut, Bp. 9, alte HNr. Amras 68. GH: Stift Wilten
M.Th.-Steuerkatster von 1775, CN. 395: Theresia Scheuring (Nachbarsbehausung), Bp.-
Prot. 1856: Josef Werner vulgo Kofler, Bauer; Adreẞb. 1913: Franz Mauracher, 1921: detto;
1924: Johann Kofler, 1939: detto; 1940: Martin Brunner, 1947: detto; vor 1953 abgerissen.
Nr. 43, Bp. 585
Adreẞb. 1964: Maria Kirschner, 1976: detto.
Nr. 45, Bp. 8, alte HNr. 65. Hofname: Bezan - oder Pizanhof. GH: Kloster Stams
Steuerkataster von 1655, fol. 73: weil. Ulrich Gays Witwe Anna geb. Lipp »besizt die
Paurecht...zwayer Lechen, der Schmidhof genannt.<< M. Th.-Steuerkataster von 1775,
CN. 843: Erben nach Joseph Anton Bovet (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856:
v. Kraus'sche Armenhausstiftung; Adreẞb. 1913: Franz Marthe, 1953: detto; 1964: Maria
Kirschner. Wegen des Autobahn-Zubringers 1967 abgerissen, jedoch durch ein neues
Bauernhaus, Algunder Straße 3, ersetzt. Die Besitzer dieses Hofes nahmen sich stets
der Betreuung der ehemaligen Panzing-Kapelle (vgl. unten Kirchen, Kapellen) an.
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Nr. 56, Bp., Gp. 676/2
Adreẞb. 1970: Heinrich Menardi, 1976: Heinrich Menardi und Maria Jäger.
Nr. 56a, Bp. 201
Adreẞb. 1970: Walter Hess, DEZ-Einkaufszentrum, 1976: detto.
Nr. 56b, Bp. -
Adreẞb. 1976: Sedec Holding AG., Euromotel
Nr. 64, Bp., Gp. 681/7
Adreẞb. 1970: AGIP AG., Tankstelle, 1976: detto.
Amraser Straße
Entstanden um 1564/95 als Teil des damals von Erzherzog Ferdinand II. von Innsbruck
über Pradl nach Schloß Ambras errichteten »Fürstenweges.<<
Nr. 91, Bp., Gp. 1623/3
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 91a, Bp. 578
Adreẞb. 1964: Wohnungseigentumsgemeinschaft, 1976: detto.
Nr. 93, Bp., Gp. 1623/3
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 95, Bp., Gp. 1623/3
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 97, Bp., Gp. 1623/3
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 99, Bp., Gp. 1623/3
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 101, Bp. 567
Adreẞb. 1957: Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes, 1976: detto.
Nr. 103, Bp. 568
Adreẞb. 1957: Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes, 1976: detto.
Nr. 105, Bp. 569
Adreẞb. 1957: Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes, 1976: detto.
Nr. 107, Bp. 570
Adreẞb. 1957: Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes, 1976: detto.
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Abb. 48: Gegenüber vom Bierwirt stand noch um 1960 ein Floriani-Brunnen.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Nr. 109, Bp. 571
Adreẞb. 1957: Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes, 1976: detto.
Nr. 111, Bp. 572
Adreẞb. 1957: Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes, 1976: detto.
Nr. 113, Bp. 573
Adreẞb. 1957: Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes, 1976: detto.
Bichlweg
Mit dem Bichl, auf den dieser Weg führt, ist hier die Hangterrasse des Amraser Ober-
dorfes gemeint.
Nr. 1, Bp. 45, alte HNr. Amras 31. Hofname: Rädermacher
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 615: Jakob Dapp'sche Kinder (Inwohnersbehau-
sung); Bp.-Prot. 1856: Josef Kolb vulgo Rädermacher, Beruf: Wagner; Adreẞb. 1913: Aloi-
sia Klotz, 1921: detto; 1924: Alois Klotz, 1932: detto; 1933: Hans Geyr, Bierwirt, 1957: detto
und Luise; 1964: Johann Happ, Bierwirt, 1976: detto. - Anstelle des Altbaues errichtete
der Bierwirt einen Hotel-Neubau.
Nr. 2, Bp. 46, alte HNr. Amras 12. Hofname: Bierwirt. GH: Pfarre Ampass
Steuerkataster von 1655, fol. 15: Jacob Anngerer >besizt von Anna Fuxin zway gannze Le-
chen, die Widen-Gueter genannt.<< M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 648: Georg und
Michael Härtler, Gebrüder (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Urban Gair vulgo
Bierwirth; Adreẞb. 1913: Geyers Erben, 1921: detto; 1924: Johann Geyer, Gastwirt und
Gutsbesitzer, 1957: detto. 1964: Johann Happ, 1976: detto.
Nr. 4, Bp. 72, alte HNr. Amras 13. Hofname: Paggler. GH: Kloster Stams
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 532: Andree Juncker'sche Eheleute. Bp.-Prot. 1856:
Georg Oberriederer vulgo Natzeler, Bauer; Adreẞb. 1913: Josef Mayr, 1921: detto; 1924:
Georg und Maria Staudacher, 1937: detto; 1938: Maria Staudacher, 1947: detto; 1953:
Johann Staudacher, 1976: detto.
Nr. 4a, Bp. 318, alte HNr. Amras 13a
Adreẞb. 1953: Maria Astner, 1964: detto; 1976: Johann Staudacher.
Nr. 5, Bp. 73, alte HNr. Amras 30. Hausname: Gspöt. GH: Stift Wilten
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 565: Anna Holzmann, verwitwete Stapf; Bp.-Prot.
1856: Josef Schneider vulgo Spöt, Bauer; Adreẞb. 1913: Johann Schapfl, 1930: detto;
1931: Heinrich Schapfl, 1964: detto; 1976: Frieda Schlögl.
Nr. 8, Bp. 74, alte HNr. Amras 15. Hofname: Egger. GH: Waldauf-Stiftung Hall
Steuerkataster von 1655, fol. 96: Hanns Milegger besitzt eine Behausung aus dem
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Abb. 49: Die Amraser Schützenkompanie bei einer Prozession am unteren Bichlweg mit den Häusern Nr. 4
»Staudacher-Paggler<< (rechts) und Nr. 8 »Sulzenbacher-Egger« (im Hintergrund) - dieser Hof noch vor
seinem Umbau.
»Vischlechen<<, gelegen »oben im Winckhl.<< M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 467: die
Kinder des Peter Stiklriser (>Inwohnerbehausung«); Bp.-Prot. 1856: Andreas Mair vulgo
Egger, Bauer; Adreẞb. 1913: Sulzenbachers Erben, 1929: detto; 1930: Franz Sulzenba-
cher, Gutsbesitzer, 1976: detto.
Nr. 9, Bp. 76, alte HNr. Amras 29. GH: Schloß Ambras
Steuerkataster von 1655, fol. 102: Anna geb. Stächl, Witwe nach Matthäus Schifer; M. Th.-
Steuerkataster von 1775, CN. 548: Philipp Mitermayr'sch Eheleute (Inwohnersbehau-
sung); Bp.-Prot. 1856: Kaspar Obacher vulgo Stierer, Bauer; Adreẞb. 1913: Franz Rofner,
1927: detto; 1929: Rofner Alois, 1964: detto; das Haus wurde im Zuge des Autobahn-
baues 1965 abgerissen.
Nr. 10, Bp. 75, alte HNr. Amras 16. Hofname: Schiener. GH: Waldauf-Stiftung Hall -
einziger Amraser Erbhof.
Steuerkataster von 1655, fol. 4: Oẞwald Lechner besitzt eine Behausung aus dem Här-
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Abb. 50: Der Egger-Hof (Bichlweg Nr. 8) nach dem Umbau mit seinem schönen Fassaden-Erker.
benhof-Gut >>zu obrist im Dorf.<< M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 511: Thomas Schi-
ner (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Peter Schiner vulgo Schiner, Bauer; Adreẞb.
1913: Johann Schiener, 1947: detto; 1953: Johann Schiener und Mitbesitzer, 1957: detto;
1964: Johann Schiener, 1976: detto.
alte HNr. 28 von 1856, Bp. 77
Vgl. dazu unten die Ausführungen über die ehemalige St. Georgskirche bzw. den späte-
ren Gutshof zum »Schneiderjörgl<<.
Nr. 11, Bp. 80 u. 81, alte HNr. Amras 27. Hausname: Steger. GH: Schloß Ambras
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 400: Frantz Geiger (Inwohnersbehausung); Bp.-
Prot. 1856: Johann Weichinger, Bauer; Adreẞb. 1913: Josef Rofner, Zimmerpolier; 1914:
Andrä Tschugg, Zimmermann, 1921: detto; 1924: Franz Dauzer, 1925: detto; 1926: Berta
Berreitter, 1930: detto; 1931: Christina Kolb, 1939: detto; 1940: Franz Moser und Mitbe-
sitzer, 1957: detto; 1964: Helene Frank, 1976: detto. Während das Wohngebäude dieses
Gutes noch besteht, mußte das Wirtschaftsgebäude einer Verbreiterung des Bichlwegs
weichen.
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Abb. 52: Der Gspöt-Hof - Bichlweg Nr. 5.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 53: Das Rofner-Haus (Bichlweg Nr. 9) wurde im Zuge des Autobahnbaues 1965 abgerissen.
Nr. 12, Bp. 78 u. 79, alte HNr. Amras 17
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 424: Georg Grätl (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot.
1856: Simon Eller vulgo Schuster-Simele, Bauer; Adreẞb. 1913: Alois Schiener, 1921:
detto; 1924: Anna Schiener, 1925: detto; 1926: Anna Thöni, 1937: detto; 1938: Josef Thöni,
1953: Josef Thöni und Anna; 1964: Anna Thöny. Das Haus wurde 1966 wegen des Auto-
bahnbaues abgerissen.
Nr. 13, Bp. 82, alte HNr. Amras 26. Hofname: Brunnenmacher. GH: Schloß Ambras
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 463 u. 630: Thomas Hundegger'sche Eheleute und
Norbert Resch'sche Eheleute (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot. 1856: Johann Rösch vul-
go Brunnenmacher und Andreas Mittermaier, Bauern; Adreẞb. 1913: Rosa Leutgeb,
1921: detto; 1924: Rosa Baumgartner, 1941: detto; 1944: Margarete, Elsa und Ida Pallhu-
ber, 1976: Elsa Pallhuber und Margarethe Ambrosi.
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Auras, (and
Hamm 2257 (Schürter Limele)
Abb. 54: Das Haus Bichlweg Nr. 12, welches 1966 dem Autobahnbau weichen mußte, nach einer Original-
Zeichnung von Adolf Schuler im Stadtarchiv.
Nr. 15, Bp. 83, alte HNr. Amras 25. GH: Schloß Ambras
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 628: Joachim Told's Kinder (Inwohnersbehausung);
Bp.-Prot. 1856: Theres Steiner vulgo Webermichl, Bäuerin; Adreẞb. 1913: Maria Lechner,
1917: detto; 1918: Johann Lechner, Gutsbesitzer, 1957: detto; 1964: Erwin und Ottilie
Lechner, 1976: detto.
Nr. 19, Bp. 84, alte HNr. Amras 24
Bp.-Prot. 1856: Johann Mair vulgo Giefinger, Bauer; Adreẞb. 1913: Josef Gschirrer, Zim-
mermann; 1914: Josef Rofner, Zimmerpolier, 1936: detto; 1937: Josef Rofners Erben;
1938: Barbara Rofner; 1939: Paul Schuh, Baupolier, 1941: Paul Schuh und Anna geb.
Rofner, 1976: detto.
Nr. 21, Bp., Gp. 179/2
Adreẞb. 1970: Paul und Anna Schuh, 1976: detto.
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Abb. 55: Die Hausgruppe Bichlweg Nr. 13 und Nr. 15.
Original-Aquarell, 1878, Stadtarchiv Innsbruck
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Abb. 56: Das Haus Bichlweg Nr. 15.
Foto: E. Pöschl
Nr. 27, Bp. 558, alte HNr. Amras 23a
Adreẞb. 1947: Karl Zeiringer (Bauplatz), 1976: detto.
Nr. 29, Bp. 85, alte HNr. Amras 23. GH: Kirche zu U. L. Frau in Amras
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 691: Johann Pock d. J.; Bp.-Prot. 1856: Mathias Joch-
berger, Schuster; Adreẞb. 1913: Geschwister Kobald, 1947: detto; 1953: Anna Bock, 1964:
detto; 1976: Nikolaus und Paul Bock.
Nr. 31, Bp. 86, alte HNr. Amras 22
Bp.-Prot. 1856: Pankraz Leichner, Messerschmied; Adreßb. 1913: Martin Sax, Taglöhner;
1914: Josef v. Payr, Südbahn-Lokomotivführer i. R., 1928: detto; 1929: J.v. Payr's Erben,
1933: detto; 1934: Josef Payr; 1935: Agnes Rappold; 1936: Josef v. Payr, 1964: detto; 1976:
Eleonore Schapfl.
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Nr. 35, Bp. 87, alte HNr. Amras 21
Bp.-Prot. 1856: Franz Pichler vulgo Pichlweber, Weber; Adreẞb. 1913: Andrä Fux, k.k.
Postamtsdiener, 1928: detto; 1929: A. Fuchs' Erben, 1935: detto; 1936: Agnes Rappold,
Witwe, 1957: detto; 1964: Elisabeth Kofler und Maria Rettenwander, 1976: detto.
Nr. 37, Bp. 88 u. 89, alte HNr. Amras 20
Bp.-Prot. 1856: Franz Sokopf vulgo Etzthaler, Bauer; Adreẞb. 1913: Maria Althuber, 1921:
detto; 1924: Anna Tilly; 1926: Anna und Alois Tilly; 1930: Anna und Johann Sereinig; 1937:
Anna Sereinig's Erben; 1938: Alois Hechenblaickner, 1944: detto; 1947: Frieda Hechen-
blaickner, 1964: Frieda Hechenblaickner und Mitbesitzer, 1976: detto.
Nr. 38, Bp., alte HNr. Amras 19b
Adreẞb. 1957: Anna Tilly; 1964: Irmgard Pukowietz; 1970 und 1976 nicht mehr genannt.
Nr. 42, Bp. 91, alte HNr. Amras 18
Bp.-Prot 1856: Johann Auer, Tischler; Adreẞb. 1913: Karolina Griedl, Devotionalienhl.,
1925: detto; 1926: Franz Pfurtscheller, 1927: detto; 1928: Marie Pfurtscheller, Witwe;
1929: Marianna Pfurtscheller, 1944: detto; 1947: M. Giacomuzzi, 1953: Rudolf und
Marianne Giacomuzzi, 1964: detto. 1966 wurde dieses Haus wegen des Autobahnbaues
abgerissen.
Nr. 43, Bp. 90, alte HNr. Amras 19
Bp.-Prot. 1856: Josef Kuen vulgo Etzthaler, Bauer; Adreẞb. 1913: Rosa Dinkhauser, 1921:
detto; 1924: Johanna Dinkhauser, 1928: detto; 1929: Anna Tilly, 1957: detto; 1964: Alois
und Anna Tilly; 1976: Anna Tilly.
Bleichenweg
(Zur Namenserklärung vgl. hier Nr. 31).
Nr. 30, Bp., Gp. 670
Adreßb. 1964: Hans Paoli, Gärtnerei; 1976: Johann Staudacher.
Nr. 31, Bp. 103, alte HNr. Amras 79. Hausname: Bleiche
Erbaut im Jahre 1694 als Bleicherhütte für die damals von den Städten Innsbruck und
Sterzing gemeinsam gebildete Leinwandmanufaktur-Kompanie, wurde hier jene aus
Flachs gewonnene Leinwand gebleicht, die zur Appretierung vorgesehen war. Mit der
Bleiche war auch eine Walke und Stampfe - betrieben vom Mühltalbach - sowie eine
Wiese (wohl zum Trocknen) in der Größe von 2 Mannmahd in der Mahdau am Amraser
See verbunden. Die Stadt Sterzing verkaufte ihren Anteil 1727 an die Stadt Innsbruck,
die den Betrieb ihrerseits 1738 an die private Firma Josef Ruprecht von Pfeifersberg und
Co. verkauft hat, nachdem die Rentabilität der Flachsverarbeitung angesichts der immer
stärker werdenden Konkurrenz der Baumwolle für die Stadt nicht mehr gegeben war.
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Abb. 57: Die einstige »Bleiche (Bleichenweg Nr. 31), abgerissen 1978.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 894: Joseph Rupert von Pfeifersperg, »das soge-
nante Blaichhauß.« Bp.-Prot. 1856: Andreas Schaffenrath, »in der Bleiche«<, Bauer;
Adreẞb. 1913: Gemeinde Amras, Armenhaus, 1938: detto; (1938) 1940: Stadt Innsbruck,
Fürsorgeheim, 1947: ebenfalls noch als Fürsorgeheim bezeichnet; von 1953 bis 1976 nur
noch Besitzerangabe: Stadtgemeinde Innsbruck; 1978 abgebrochen.
Lit.: Franz Huter, Der »tirolische Leinwandhandel«. Ein Beitrag zur Geschichte des
österreichischen Merkantilismus. In: Schlern-Schriften Bd. 77, Innsbruck 1951, S. 177-192.
Nr. 39, Bp., Gp. 666, alte HNr. Amras 79a
Adreẞb. 1964: Eni Heigeroff, Gärtnerei, 1976: detto.
Nr. 50, Bp. 302
Adreẞb. 1976: Johann Happ, Städtischer Viehmarktplatz (errichtet 1965, bereits seit
1973 nicht mehr in Verwendung).
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Abb. 58: Die ehemalige »Bleiche von Osten mit überwachsenen Resten der unteren Tiergartenmauer.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 61, Bp. 438, alte HNr. Amras 42c
Adreẞb. 1953: Rudolf Müller, 1957: detto; 1964: Elisabeth Müller; 1976: Ute Mauer.
Nr. 63, Bp. 509, alte HNr. Amras 42d
Adreẞb. 1953: Michael Hundsbichler, 1957: Michael und Franz Hundsbichler, 1976: detto.
Nr. 65, Bp. 388, alte HNr. Amras 42b
Adreẞb. 1941: Johann Wachtler, 1957: detto; 1964: Maria Wachtler und Mitbesitzer, 1970:
Maria Wachtler.
Nr. 67, Bp. 437, alte HNr. Amras 42e
Adreẞb. 1953: Peter, Maria und Olga Böck; 1957: Maria Böck und Olga Isser; 1964: Maria
Böck; 1976: Olga Isser.
Nr. 69, Bp., alte HNr. Amras 42a
Adreẞb. 1941: Anna Ott, 1964: detto; 1976: Herma Haselsteiner.
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Domanigweg
Karl Domanig (1851-1913), gebürtig aus Sterzing, war einerseits als Numismatiker lang-
jähriger Direktor des berühmten Wiener Münzkabinettes am Kunsthistorischen
Museum und andererseits ein beliebter und anerkannter Volksschriftsteller und Dra-
matiker.
Nr. 2, Bp. 519, alte HNr. Möẞlgasse 34
Adreẞb. 1953: Neue Heimat, Bauplatz, 1957: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 3, Bp., Gp. 11, 13
Adreẞb. 1976: Stadtgemeinde Innsbruck, Heim der Lebenshilfe für Behinderte.
Nr. 4, Bp. 520, alte HNr. Möẞlgasse 32
Adreẞb. 1953: Neue Heimat, Bauplatz, 1957: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 6, Bp. 521, alte HNr. Möẞlgasse 30
Adreẞb. 1953: Neue Heimat, Bauplatz, 1957: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 8, Bp. 522, alte HNr. Möẞlgasse 28
Adreẞb. 1953: Neue Heimat, Bauplatz, 1957: Neue Heimat, 1976: detto.
Dr. Ferdinand-Kogler-Straße
Benannt nach dem Innsbrucker Universitätsprofessor Dr. Ferdinand Kogler (1872-1944),
welcher sich als Jurist und Historiker besonders mit der Tiroler Rechts- und Verfas-
sungsgeschichte befaßt hat. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschungen galt der
Rechtsgeschichte der Tiroler Städte.
An diesem Straßenzug befindet sich keine Hausnummer.
Gerhart-Hauptmann-Straße
Benannt nach dem deutschen Dichter und Dramatiker Gerhart Hauptmann (1862-1946).
Nr. 2, Bp. 574, alte HNr. Amras 153
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 3, Bp. 579, alte HNr. Amras 163e
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 4, Bp. 575, alte HNr. Amras 153a
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
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Nr. 7, Bp. 584, alte HNr. Amras 163
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 9, Bp. 583, alte HNr. Amras 163a
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 11, Bp. 582, alte HNr. Amras 163b
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 12, Bp. 353, alte HNr. Amras 131
Adreẞb. 1937: Josef und Elfrieda Melzer, 1947: Josef Melzer; 1953: Elfriede Melzer und
Mitbesitzer, 1976: detto.
Nr. 13, Bp. 581, alte HNr. Amras 163c
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 14, Bp. 334, alte HNr. Amras 120
Adreẞb. 1936: Seeliger Therese, 1944: detto; 1947: Walter Seeliger, 1957: detto; 1964:
Adam Aigner und Mitbesitzer, 1976: Adam und Josefine Aigner.
Nr. 15, Bp. 580, alte HNr. Amras 163d
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 16, Bp. 333, alte HNr. Amras 121
Adreẞb. 1936: Franz Speibenwein, Schuhmachermeister, 1976: detto.
Nr. 17, Bp., Gp. 1616/2
Adreẞb. 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 17a, Bp., Gp. 1616/2
Adreẞb. 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 17b, Bp., Gp. 1616/1
Adreẞb. 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 17c, Bp., Gp. 1616/1
Adreẞb. 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 20, Bp. 608, alte HNr. Amras 158
Adreẞb. 1964: Dr. Rüdiger Lutz, 1976: detto.
Nr. 22, Bp. 609, alte HNr. Amras 157
Adreẞb. 1964: Dr. Walter Zebisch, 1976: Dr. Walter und Edith Zebisch.
Nr. 24, Bp. 541, alte HNr. Amras 147
Adreẞb. 1957: Anton Schwab, 1976: Anton und Antonia Schwab.
Nr. 25, Bp. 494, alte HNr. Amraser-See-Straße 18d
Adreẞb. 1957: Mathilde Dietrich, 1976: detto.
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Nr. 27, Bp. 493, alte HNr. Amraser-See-Straße 18c
Adreẞb. 1957: Anton Brandmayr, 1964: Anton und Beatrice Brandmayr, 1976: detto.
Nr. 28, Bp., Gp. 137/3
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 29, Bp. 490, alte HNr. Amraser-See-Straße 24k
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Vinzenz und Maria Vogelsberger, 1976: Vinzenz und Hildegard Vogelsberger.
Nr. 30, Bp., Gp. 137/3
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 31, Bp. 489, alte HNr. Amraser-See-Straße 24 1
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Wolfgang und Maria Peinlich, 1964: Wolfgang und Hilde Peinlich, 1976: Wolfgang
und Maria Peinlich.
Nr. 32, Bp., Gp. 137/3
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 33, Bp., Gp. 1609/2
Adreẞb. 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 34, Bp., Gp. 137/3
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 36, Bp., Gp. 137/6
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 38, Bp., Gp. 137/6
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 40, Bp., Gp. 137/6
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 42, Bp., Gp. 137/6
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 44, Bp., Gp. 137/4
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 46, Bp., Gp. 137/7
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 48, Bp., Gp. 137/5
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 50, Bp., Gp. 137/5
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
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Abb. 59: Der 1966 im Abbruch begriffene Altbau und der fertiggestellte Rohbau des Hofes Geyrstraße 7:
>Pircher<.
Foto: F. V. Habermüller
Nr. 52, Bp., Gp. 137/5
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 70, Bp., Gp. 36
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Geyrstraße
Benannt nach Hans Geyr, Bierwirt (1894-1957), dem letzten Bürgermeister von Amras.
Nr. 1, Bp. 1, alte HNr. Amras 60. Hofname: Volderauer
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 555: Jakob Markt'sche Eheleute (Inwohnersbehau-
sung); Bp.-Prot. 1856: Johann Silgina vulgo Feigele (Bauer); Adreẞb. 1913: Johann und
Andrä Silgener, Geschwister, 1921: detto; 1924: Andrä Silgener, 1926: detto; 1927: Mag-
dalena Silgener, Witwe, 1937: detto; 1938: Josef Volderauer, 1976: detto.
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Abb. 60: Die Höfe Geyrstraße Nr. 6: »Adler«, Nr. 16: »Schmuck und Nr. 18: »Gratz«.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 4, Bp. 2, alte HNr. Amras 61. GH: Hochstift Freising
Steuerkataster von 1655, fol. 80: Graf Karl Caräffa besitzt den >Schmidhof...zu Pan-
zing« (Vorbesitzer waren die Herren von Stachelburg); M. Th.-Steuerkataster von 1775,
CN. 855: Herr von Kappeller (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Anton Rienzner vulgo
Huber, Bauer; Adreẞb. 1913: Anton Rienzner, 1921: detto; 1924: Johann Rienzner, 1930:
detto; 1931: Johann Rienzner's Erben; 1932: Anton Rienzner, 1964: detto; 1976: Juliane
Hundsbichler. Anstelle des Altbaues, genannt »Hueterhaus«<, erhebt sich seit 1966 die
Hotel-Pension »Amraser Hof<<.
Nr. 6, Bp. 3, alte HNr. Amras 62. Hofname: Adler
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 731: die Grafen von Montrechieur (Nachbarsbehau-
sung); Bp.-Prot. 1856: Franz Pranger, Bauer; Adreẞb. 1913: Nikolaus und Maria Gollner,
1918: detto; 1921: Nikolaus Gollner und minderjährige Kinder, 1932: detto; 1933: Josef
Gollner, 1976: detto.
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Antas N: 69
(gimated)
15.4·22
Abb. 61: Das 1967 abgerissene Haus Geyrstraße 40: »Gitterle«. Nach einer Original-Zeichnung von Adolf
Schuler (1955) im Stadtarchiv Innsbruck.
Nr. 7, Bp. 4, alte HNr. Amras 59, Hofname: Pircher. GH: Waldauf-Stiftung Hall
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 709: Johann Hillgartner'sche Eheleute (Nachbars-
behausung); Bp.-Prot 1856: Josef Wieser vulgo Bircher, Bauer; Adreẞb. 1913: Johann und
Maria Wieser, 1921: detto; 1924: Johann Wieser, 1976: detto. - Der Altbau wurde 1966
zwecks Straßenverbreiterung abgerissen, jedoch bereits im gleichen Jahr durch einen
Bauernhof-Neubau ersetzt.
Nr. 16, Bp. 5, alte HNr. Amras 63. Hausname: Schmuck
Steuerkataster von 1655, fol. 65: Paul Khleiber; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 481:
Johann Räffl und Gebrüder (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Josef Schneider vul-
go Schmuck, Bauer; Adreßb. 1913: Anna und Josef Gürtler, 1938: detto; 1939: Josef Gürt-
ler, 1947: detto; 1953: Geschwister Gürtler, 1957: detto; 1964: Reinhold Kofler und Mitbe-
sitzer, 1976: detto.
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000
Abb. 62: Die West- oder Rückseite des >Gitterle<, rechts neben der Pfarrkirche der Kapeller und schräg dar-
über der Aussichtspavillon der ehemaligen St. Georgskirche.
Foto: F. Gratl, um 1870
Nr. 16a, Bp., Gp. 14
Adreẞb. 1970: Reinhold Kofler, 1976: Reinhold Kofler und Mitbesitzer.
Nr. 18, Bp. 6, alte HNr. Amras 64. Hofname: Gratz
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 524: Johann Winderle, (Nachbarsbehausung); Bp.-
Prot. 1856: Pankraz Fuchs vulgo Gratz, Bauer; Adreẞb. 1913: Martin Angerer, 1921: detto;
1924: Johann Angerer, 1944: detto; 1947: Antonie Angerer, 1976: detto.
Nr. 25, Bp. 16, alte HNr. Amras 58. Hofname: Seewirt
Die Geschichte dieses Gehöftes läßt sich bis zum Jahre 1648 zurückverfolgen, als Erz-
herzog Ferdinand Karl am 10. November 1648 seinem »Credenzier« (= Mundschenk)
Fabian Rossi eine Behausung, Hofstatt, Stadl und Backofen mit Obst- und Frühgarten,
Wiesmahd und Acker am Amraser See geschenkt und übereignet hat, welche Güter im
Osten an den See, im Süden an den Garten beim Haus des Georg Lemer (richtig: Lener,
Geyrstraße 33), im Westen an die »Dorfgassen« und im Norden an Andre Gabingers (=
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Seewirt
Abb. 63: Der »Seewirt«, Geyrstraße Nr. 25, Gasthaus seit 1650.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Jabinger) Peunte angrenzten, wobei auf dieser Liegenschaft nicht nur die angeführten
Baulichkeiten, sondern auch »ain alte Hofkhuchl mit ihrem Gemeur«, sowie ein weite-
res »alt Gemeyr von ainem Heuẞl« standen. Die Erwähnung dieser alten Hofküche und
die Tatsache, daß sich diese Liegenschaft vor 1648 im Besitz des Tiroler Landesfürsten
befand, lassen vermuten, daß sich hier einige Zeit vorher ein landesfürstliches Lust-
haus am Amraser See befunden habe, welches, in den Notjahren des 30jährigen Krie-
ges nicht mehr benutzt, dem Verfalle preisgegeben und nun an den Höfling Rossi ver-
schenkt worden ist. Fabian Rossi mußte dafür jedoch einen jährlichen Grundzins von
sechs Kreuzern an das landesfürstliche Urbar nach Schloß Ambras entrichten. Das-
selbe galt selbstverständlich auch für seine Besitznachfolger (TLA. Bekennen 1648,
fol. 131). Im Kataster von 1655 (fol. 66') wird Fabian Rossi's Haus als eine »erst new erpau-
te Behaußung...., im Dorf Ombras zu Pannzing ligennt bezeichnet, war damals erst
kurz zuvor neu erbaut worden.
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Während in der Schenkungsurkunde vom 10. November 1648 noch in keiner Weise von
einem Gasthaus die Rede ist, wird das Haus im Amraser Schloß-Urbar von 1722 (fol. 52)
bereits als »Würthstaffern« bezeichnet und als sein Besitzer der Innsbrucker Regie-
rungsadvokat Lit. iur. Paul Moßer genannt. Dort erfahren wir auch, daß der Ursprung
des dortigen Gastgewerbes bereits im Jahre 1650 liegt, als derselbe Erzherzog Ferdi-
nand Karl, der Rossi die Liegenschaft schenkte, ihm am 27. April 1650 auch die >>Conces-
sion des Weinschanckhs darzue erthaillt« hat. Im Kataster von 1775 werden die Kinder
des Johann Pfund als Inhaber dieser »Nachbarsbehausung samt Würthsgerechtsame<<
angeführt (CN. 591). Von diesen gelangte das Gut 1782 an Thomas Fuchs (Vfb. Amras
1782, fol. 18; sowie 1783, fol. 51), der es bereits 1790 an Johann Georg Wille weiter ver-
kauft hat (Vfb. Amras 1790, fol. 42).
Im Jahre 1792 kamen Gastwirtschaft und Grund an den Grafen Josef von Wolkenstein,
wurden jedoch 1826 von Franz Fuchs, dem Sohn des oben genannten Thomas Fuchs,
wieder zurückgekauft (Vfb. Amras 1826, fol. 100) und wechselten in der Folge noch öfters
den Besitzer.
Bp.-Prot. 1856: Josef Vonstadl, Wirt; Adreẞb. 1913: Ferdinand und Anna Mayr, Lehrer
und Wirt, 1926: detto; 1927: Heinrich Menardi, 1944: detto; 1947: Erbengemeinschaft
nach Heinrich Menardi; 1953: Heinrich und Marianne Menardi sowie Maria Jäger, 1964:
detto; 1976: Heinrich Menardi und Maria Jäger.
Nr. 28, Bp. 288, alte HNr. Amras 105
Adreẞb. 1913: Alois Jabinger, 1918: detto; 1921: Alois Jabingers Erben, 1937: detto; 1938:
Fritz Jabinger, 1944: detto; 1947: Fritz und Hildegard Jabinger, 1957: detto; 1964: Fried-
rich und Hildegard Jabinger, 1976: Friedrich Jabinger.
Nr. 30, Bp., Gp. 34/1
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 31 a, Bp. -
Adreẞb. 1976: Juventus Hotel-Tourist-Center.
Nr. 32, Bp., Gp. 34/1
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 33, Bp. 17, alte HNr. Amras 57
In der obzitierten Schenkungsurkunde um den »Seewirt« für F. Rossi von 1648 wird als
dessen südlicher Nachbar der Garten beim Haus des Georg Lemer (richtig sicher
>Lener<<) angeführt. Der Steuerkataster von 1655, fol. 106, nennt hier dementsprechend
die Gebrüder Niclaus und Hanns Lener.-M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 508: Sil-
vester Mösl (Inwohnersbehausung); - Bp.-Prot. 1856: Bartholomäus Mössl, Tischler;
1863 durch Kauf an Anton Speckbacher, Lehrer, und 1872 kaufweise an Josef Klotz.
Adreẞb. 1913: Lener's Erben, 1916: detto; 1917: Johann Lener, 1930: detto; 1931: Josef Le-
ner, 1964: detto; 1976: Helmut und Helga Gaudenzi.
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Abb. 64: Die Geyrstraße südlich vom »Seewirt< im Jahre 1966, unmittelbar vor ihrer Verbreiterung.
Foto: Richard Frischauf
Nr. 34, Bp., Gp. 34/1
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Nr. 35, Bp. 18, alte HNr. Amras 56
Steuerkataster von 1655, fol. 107: Elisabeth Seutner (Inwohnersbehausung); Urbar von
Schloß Ambras von 1665, fol. 10v: Sebastian Boschner; Urbar von Schloß Ambras von
1722, fol. 41: Hanns und Martin Lehner; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 487: Peter
Mayr (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot. 1856: Maria Schiner vulgo Franzen, Bäuerin;
Adreẞb. 1913: Andrä Steixner, 1957: detto. Über die weitere Geschichte dieses Hauses,
welches nach dem Tode Andrä Steixners (5. Jänner 1960) von seiner Witwe Maria Steix-
ner geb. Grießer der Pfarre Amras zwecks Errichtung eines Pfarrkindergartens
geschenkt worden war, siehe unten im Kapitel »Pfarrkindergarten und Pfarrzentrum<<.
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Abb. 65: Eine noch fast ungetrübte ländliche Idylle an der Geyrstraße: Der alte »Untere Gratl< (links, Nr. 62)
sowie die Häuser Nr. 33 und Nr. 35.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 39, Bp. 20, alte HNr. Amras 55. Hofname: Naz. GH: Waldauf-Stiftung in Hall
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 454: Martin Told (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot.
1856: Nikolaus Gapp vulgo Roselklaus, Bauer, bzw. seine Gattin Maria geb. Stapf;
Adreẞb. 1913: Ignaz Nagiller, 1944: detto; 1947: Anna Nagiller; 1953: Anna Nagiller, Frie-
da Schapfl und Antonia Plattner, 1957: detto; 1964: Frieda Schapfl, 1976: detto. Der Alt-
bau wurde unterdessen durch einen stattlichen Bauernhof-Neubau ersetzt.
ehem. Nr. 40, Bp. 15, alte HNr. Amras 69. Hofname: Gitterle
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 428: Bartlme Röck (Inwohnersbehausung); Bp.-
Prot. 1856: Johann Gitterl vulgo Gitterle, Bauer; Adreẞb. 1913: Alois Tripp, 1944: detto;
1947: Wilhelmine Krainz und Mitbesitzer, 1964: detto. Im Jahre 1967 mußte dieser weit-
ausladende Bau mit seinem markanten Dach und Krüppelwalm abgerissen werden,
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Abb. 66: Haus Geyrstraße Nr. 35, nachdem 1963/64 zunächst nur sein nördlicher Teil zum Kindergarten um-
gebaut worden war.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
um für die Gerhart-Hauptmann-Straße eine ostwärtige Öffnung zur Geyrstraße zu er-
möglichen. Heute ist es gerade der Verkehrsfluß vom DEZ durch die Gerhart-Haupt-
mann-Straße zur Amraser Straße, der den Anrainern arge Sorgen bereitet!
Nr. 43, Bp. 21, alte HNr. Amras 54
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 742: Herr von Vintschger (Nachbarsbehausung);
Bp.-Prot. 1856: Jakob Neuner vulgo Apeller (seit 1849), Bauer; Adreẞb. 1913: Josef Kirch-
mayr, 1936: detto; 1937: Ernst und Emma Treichl, Fleischhauer, 1964: detto; 1976: Emma
Treichl. Der Altbau wurde zum Zwecke der Straßenverbreiterung abgerissen bzw. durch
einen Neubau (Nr. 45) abgelöst.
Nr. 45, Bp. 21
Adreẞb. 1976: Ernst und Emma Treichl.
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Nr. 49, Bp. 22, alte HNr. Amras 53. Hausname: Weigl
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 536: Jakob Praunegger (Inwohnersbehausung); Bp.-
Prot. 1856: Johann Schweigl vulgo Weigl (1816-1861), Bauer; Adreẞb. 1913: Johann Nagil-
ler, 1921: detto; 1924: Alois Dum, 1944: detto; 1947: Alois und Maria Dumm, 1957: detto;
1964: Maria Dum und Luise Zimmermann; 1976: Mathilde Dum und Mitbesitzer.
Nr. 51, Bp. 23, alte HNr. Amras 52. GH: Kloster Frauenchiemsee
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 449: Josef Juncker (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot.
1856: Jakob Vitzthum vulgo Winkeljakele, Bauer; Adreẞb. 1913: Josef und Lucia Sokopf,
1933: detto; 1934: Josef Sokopf, 1944: detto; 1947: Josef Sokopf und Mitbesitzer; 1953:
Johanna Sokopf, 1964: detto; 1976: Ottilie Heinricher.
Nr. 55, Bp., Gp. 52, alte HNr. Amras 52a
Adreẞb. 1964: Ottilie Heinricher; 1976: Alois und Margarethe Schönherr.
Nr. 59, Bp. 24, alte HNr. Amras 51. Hofname: Brunnenmacher
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 460: Georg Käswalder (Nachbarsbehausung); Bp.-
Prot. 1856: Erben nach Katherina Holzer, Bäuerin (von diesen 1862 an Peter Kratzer);
Adreẞb. 1913: Anton Resch, 1937: detto; 1938: Maria Wenter, 1944: detto; 1947: Maria
und Heinrich Wenter, 1953: Maria Wenter, 1976: detto.
Nr. 61, Bp. 25, alte HNr. Amras 50
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 529: Georg Eller (Inwohnersbehausung); 1848: Josef
Leichner; 1853: zuerst an Josef Narr, dann an Alois Gapp; Bp.-Prot. 1856: Ignatz(!)
Scharmer vulgo Müllernatz, Bauer; Adreẞb. 1913: Josef Holzknecht, 1914: Josef Holz-
knechts Erben; 1915: Amalie Holzknecht, 1921: Amalie Thum geb. Holzknecht; 1924: Jo-
hann Thum, 1934: detto; 1935: Johann Thum (irrig: Thun) jun., 1944: detto; 1947: Stadtge-
meinde Innsbruck. Der nordseitige Teil des Hauses wurde 1948 zum neuen Gerätehaus
der Freiwilligen Feuerwehr Amras umgebaut. 1987/88 folgte dann auch der Neubau der
1964 abgerissenen südseitigen Haushälfte für die Feuerwehr mit einer Vergrößerung
der Fahrzeughalle und einem Schulungsraum im 1. Stock etc.
Nr. 62, Bp. 19, alte HNr. Amras 70. Hausname: Unterer Gratl
und Bp. 444, alte HNr. Amras 70a. Hausname: Unterer Gratl
Der alte, im Jahre 1968 abgerissene Bauernhof stand mit seiner breiten Ostfassade -
geschmückt mit einem Mittel- und einem südseitigen Eckerker - unmittelbar vorne an
der Straße und trug am Dachgiebel die eingekerbte Jahreszahl >1669<< (vgl. die Auf-
zeichnungen von Adolf Schuler im Stadtarchiv), welche auf das Baujahr des Hauses hin-
gewiesen haben dürfte, da dieses Gehöft im Steuerkataster von 1655 bisher noch nicht
nachgewiesen werden konnte. M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 656: Andreas
Hibler's Erben (Nachbarsbehausung); 1831: Ankauf durch Josef Gratl und seine Gattin
Genoveva geb. Fuchs, Bp.-Prot. 1856: Josef Gratl vulgo Untergratl, Bauer; Adreẞb.
1913: Franz Schlögl (seit 1906), 1916: detto; 1917: Franz Schlögl's Erben, 1929: detto; 1930:
Karl Schlögl (Schlögel), 1976: detto. Der stattliche Bauernhof-Neubau wurde 1951/53
westlich hinter dem Altbau, abgesetzt von der Straße, erbaut.
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EF
Abb. 67: Der 1968 abgerissene alte »Untere Gratl« einst einer der schönsten Höfe von Amras (Geyr-
straße 62).
Foto: Dr. Franz-Egon Hye, 1919
Nr. 68, Bp. 361, alte HNr. Amras 136. Hausname: Altes Gemeindehaus
Erbaut 1937 von der Gemeinde Amras als Gemeindehaus, seit 1938 im Besitz der Stadt-
gemeinde Innsbruck (vgl. oben: Die Gemeinde Amras 1904-1938).
Nr. 74, Bp. 55, alte HNr. Amras 71
Steuerkataster von 1655, fol. 109: Urban Weger, Schuster (Inwohnersbehausung >negst
beim Spiltennen<<); M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 417: Marx Stockner und Gattin.
Seit 1789 ohne Unterbrechung im Besitz der Familie Nagiller: Bp.-Prot. 1856: Johann Na-
giller vulgo Gotner, Bauer; Adreẞb. 1913: Ignaz Nagiller, 1934: detto; 1935: Alois Nagiller,
1953: detto; 1957: Maria Nagiller; 1964: Maria Nagiller und Mitbesitzer; 1976: Maria Na-
giller und Marianne Kofler.
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Abb. 68: Geyrstraße Nr. 39: Bauernhof beim »Naz<.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 76, Bp. 54, alte HNr. Amras 86 bzw. 72. Hausname: Alte Schule
An der Stelle dieses Hauses erhob sich bis ca. 1790 der Amraser Spieltennen. Im Jahre
1793 wurde hier dann das erste Schulhaus von Amras errichtet (Bp.-Prot. 1856: Ambras
Schule), welches als solches bis 1893 benützt und noch im selben Jahr an Sebastian
Geyr, Krämer, verkauft worden ist. Adreßb. 1913: Josef Waidic, Fleischhauermeister,
1921: detto; 1924: Anton Hölzl, Fleischhauermeister, 1925: detto; 1926: Maria Hölzl,
Fleischhauermeisters-Witwe, 1927: Maria Stöckl, Fleischhauerei, 1937: detto; 1938: Se-
bastian Hölzl, Fleischhauermeister, 1944: detto; 1947: Herma und Maria Hölzl; 1953: Se-
bastian Hölzl, 1964: Sebastian und Maria Hölzl, 1976: Maria Hölzl.
Nr. 80, Bp. 51, alte HNr. Amras 8. Hofname: Angerer. GH: Hochstift Freising
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 434: Anton Egger, dann Johann Georg Sokopf
(Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Johann Unterwöger vulgo Angerer, Schuster;
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Abb. 69: Die Fronleichnams-Prozession zieht beim »Naz< vorbei.
Foto: Engelbert Pöschl, um 1958
Adreẞb. 1913: Rudolf Wenter, 1930: detto; 1931: Franz Wenter, 1944: Franz Wenter und
Anna geb. Sulzenbacher, 1976: detto. An der Stelle des alten Bauernhofes steht hier seit
1977/78 ein Neubau.
Nr. 82, Bp. 50, alte HNr. Amras 7. Hausname: Wagner
Bp.-Prot. 1856: Rosalia Gapp geb. Nagiller vulgo Roseler, Bäuerin; Adreẞb. 1913: Johann
Schiener, 1953: detto; 1957: Adolf Schiener; 1964: Hans Ullman, 1976: detto.
Nr. 84, Bp. 49, alte HNr. Amras 9. GH: Kloster Stams
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 446 und 560: Joseph Schiner und Gattin (vordere)
sowie Johann Sokopf und Gattin (rückwärtige Haushälfte, Inwohnersbehausung). So
wie um 1775 blieb das Haus auch im 19. Jahrhundert realgeteilt. Die vordere Haushälfte
ging 1844 an Ignaz Scharmer und 1855 an Johann Baldauf vulgo Jager, Bauer, (Bp.-Prot.
1856), der sie 1872 seiner Witwe Anna geb. Peer hinterließ. Die hintere Haushälfte wur-
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Abb. 70: Blick in die mittlere Geyrstraße mit dem St. Florians-Brunnen, links die aneinander gebauten
Häuser Geyrstraße Nr. 49 »Weigl« und Nr. 51 - um 1880/90.
de 1837 von Lorenz Mair vulgo Jager erworben (Bp.-Prot. 1856) und befand sich noch um
1870 im Besitz seiner Kinder. Adreẞb. 1913: Maria Mair und Alois Schiener, 1914: Alois
Schiener, 1924: detto; 1925: Anna Schiener, 1926: Anna Thöni; 1929: Anton Sulzenba-
cher, 1976: detto.
Nr. 86, Bp. 48, alte HNr. Amras 10. Hofname: Oberer Gratl. GH: Kloster Stams
Steuerkataster von 1655, fol. 30: Georg Fux' Erben, »Meiergut, gemaurte Behauẞung<<;
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 441: Gertrud Fux (Nachbarsbehausung). 1836
wurde das Haus von Martin Gratl gekauft und befindet sich noch heute im Besitz dieser
Familie: Bp.-Prot. 1856: Martin Gratl vulgo Sorren, Bauer; Adreẞb. 1913: Gratls Erben,
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Abb. 71: Später wurde die St. Florians-Brunnensäule nach hinten versetzt. Heute steht der Brunnentrog
parallel zur verbreiterten Geyrstraße.
Foto: Margarete Hye-Weinhart, um 1960
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Ball Men
Wand
Abb. 72: Das Bauernanwesen Geyrstraße Nr. 80 um 1925-vor dem modernen Neubau. Damals befand sich
rückwärts im Hof noch die Wagnerwerkstatt von Meister Rudolf Ullmann.
1937: detto; 1938: Mathilde Gratl, 1953: detto; 1957: Johann Gratl, 1964: Johann und Alois
Gratl; 1976: Alois Gratl.
Nr. 90, Bp. 47, alte HNr. Amras 11. Hofname: Greateler
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 593: Georg Gratl's Erben (Inwohnersbehausung);
Bp.-Prot. 1856: Lorenz Mair vulgo Greteler, Bauer, (seit 1831, 1872 seine Kinder), der
Hofname erinnert wohl an die Familie Gratl, welche den Hof bis 1826 besessen hat
(TLA., Vfb. Landgericht Wilten 1827, fol. 1165); Adreẞb. 1913: Franz Mayr (vgl. 1856), 1917:
detto; 1918: Andrä Mayr, 1957: detto; 1964: Paula Sumper, 1976: detto.
Grenzstraße
Ehemaliger Feldweg, der bei der Grenzziehung zwischen Innsbruck-Pradl und Amras
im Jahre 1904 Grenzfunktion erhielt und im Zuge der Errichtung von Wohnbauten an
diesem Wege zur Straße ausgebaut und verbreitert worden ist.
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Abb. 73: Blick in die obere Geyrstraße u. a. mit dem »Brunnenmacher< (links Nr. 59), Nr. 61 (heute: Feuer-
wehr), dem Schloß und einem Teil des Oberen Tiergartens (= heute Schloßpark), um 1850.
Lithographie von A. Podestà im Stadtarchiv Innsbruck
Nr. 1, Bp. 297
Adreẞb. 1913: Johann Kogler, 1918: detto; 1921: Heinrich Leitner, 1931: detto; 1932: Franz
und Rosa Schatz, 1940: detto; 1941: Rosa und Hildegard Schatz, 1944: detto; 1947: Rosa
Schatz, 1957: detto; 1964: Rosa Schatz und Hilde Eisner; 1976: Alfred Eisner und Helga
Müller.
Nr. 3, Bp. 298, alte HNr. Grenzstraße 2
Adreẞb. 1913: Johann Palla, 1917: detto; 1918: Hugo und Emma Hechenblaikner, 1964:
detto; 1976: Emma Hechenblaikner und Mitbesitzer.
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H
Abb. 74: Das südlichste Haus an der Ostseite der Geyrstraße (Nr. 61) - einst beim >Müllernatz«<, heute Neu-
bau der Feuerwehr (um 1943/48).
Nr. 5, Bp. 299, alte HNr. Grenzstraße 3
Adreẞb. 1913: Georg Strekelj, Schuhmachermeister in Innsbruck, vulgo Strekel, 1926:
detto; 1927: Ludwig Schirmer, Kaufmann in Innsbruck; 1928: Hermann Naevy, Tonkünst-
ler, 1933: detto; 1934: Frieda Naevy, Witwe, 1953: detto; 1957: Gustav Kilgus; 1964: Franz
und Maria Falger, 1976: detto.
Nr. 7, Bp. 316, alte HNr. Grenzstraße 4
Adreẞb. 1930: Alice Nedbal, 1957: detto; 1964: Mario Eisenegger, 1976: detto.
Nr. 9, Bp. 310, alte HNr. Grenzstraße 6
Adreẞb. 1930: Hermann Schrettl, Polizeibeamter in Innsbruck, 1964: detto; 1976: Alois
und Herbert Schrettl.
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Abb. 75: Die Häuser Geyrstraße Nr. 90 »Greateler«, Nr. 86 »Oberer Gratl« und Nr. 84. Das letztgenannte
wurde unterdessen total umgebaut.
Foto: Richard Frischauf, um 1970
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Nr. 11, Bp. 311, alte HNr. Grenzstraße 7
Adreẞb. 1929: Robert und Paula Plattner, Installateur, 1936: detto; 1937: Paula Plattner,
1941: detto; 1944: Antonia Wiedenhofer, 1953: detto; 1957: Heinrich und Luise Oberstei-
ner, 1976: detto.
Nr. 13, Bp. 312, alte HNr. Grenzstraße 8
Adreẞb. 1929: Karl Mündler, städtischer Beamter, 1957: detto; 1964: Maria Mündler so-
wie Rosa und Rudolf Gamper; 1976: Maria Mündler und Rosa Gamper.
Nr. 15, Bp. 442, alte HNr. Grenzstraße 10
Adreẞb. 1940: Josef und Katharina Rainer, 1976: detto.
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Nr. 17, Bp. 321, alte HNr. Grenzstraße 11
Adreẞb. 1934: Nothburga Gapp, 1944: detto; 1947: Josef Grünauer, 1957: detto; 1964:
Notburga Grünauer, 1976: detto.
Nr. 19, Bp. 322, alte HNr. Grenzstraße 12
Adreẞb. 1935: Ferdinand Cucco, 1937: detto; 1938: Fortunat Cucco, 1944: detto; 1947:
Fortunat Mittenberg; 1953: Fortunat Mitternberg (!) und Erna Haidl; 1957: Erna Haidl,
1964: detto; 1976: Franz Haidl und Erna Bidner.
Josef-Pöll-Straße
Benannt nach Dr. Josef Pöll, Tiroler Heimatschriftsteller und Komponist, Träger des
Ehrenringes der Stadt Innsbruck und Inhaber des Mozartpreises.
Nr. 1, Bp. 338
Adreẞb. 1941: Michael Schneider und Gattin Genoveva geb. Metz, 1976: detto.
Nr. 2, Bp. 324
Adreẞb. 1941: Karolina Kugler, 1944: detto; 1947: Richard Kugler, 1976: detto.
Nr. 3, Bp. 370
Adreẞb. 1941: Johann Größl, 1964: detto; 1976: Emma Größl.
Nr. 4, Bp. 325
Adreẞb. 1941: Hilda-Creszenz Köhler geb. Amplatz, Witwe, 1947: detto; 1953: Johann
und Elisabeth Helm, 1976: detto.
Nr. 5, Bp. 425
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Deutsche Reichspost; 1947: Republik Österreich, Post-
und Telegraphendirektion Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 6, Bp. 344
Adreẞb. 1941: Johann Mendl und Gattin Ludmilla geb. D'ostal; 1944: Ludmilla Mendl
geb. Dostal und minderjährige Kinder, 1957: detto; 1964: Ludmilla, Dr. Adolf und Wolf-
gang Mendl, 1976: detto.
Nr. 6a, Bp. 344
Adreẞb. 1953: Max Riedle, 1964: detto; 1976: Dr. Adolf Mendl.
Nr. 7-17, Bp. 426-434
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Deutsche Reichspost; 1947: Republik Österreich - Post-
und Telegraphendirektion Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 18, Bp. 378, alte HNr. Nordkettenstraße 5 (bis 1938)
Adreẞb. 1937: Michael Stippler, 1947: detto; 1953: Franz Stippler, 1957: detto; 1964: Mi-
chael Stippler, 1976: detto.
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Nr. 18a, Bp. 379
Adreẞb. 1941: Maria Kapfenberger geb. Gini, Witwe, und Karolina Huber, geb. Gini,
1944: detto; 1947: Karolina Huber und Maria Holzer, 1957: detto; 1964: Maria Holzer und
Herbert Huber, 1976: detto.
Nr. 19, Bp. 383
Adreẞb. 1941: Dr. Willibald Stricker, Waltraud Mayerhofer-Grünbühel geb. Zimmeter,
1944: Dr. Willibald Stricher(!) und Waltraut (!) Groyer, Witwe Mayerhofer-Grünbühel
geb. Zimmeter, 1947: Dr. Willibald Stricher und Waltraud Trojer(!); 1953: Dr. Willibald
Stricker und Waltraud Trojer, 1976: detto.
Nr. 19a, Bp. 382
Adreẞb. 1941: Adolf Gini, 1964: detto; 1976: Charlotte Mühltaler und Christa Baumann.
Nr. 20, Bp. 347, alte HNr. Nordkettenstraße 4 (bis 1940)
Adreẞb. 1937: Josef und Anna Pöschl, 1964: detto; 1976: Anna Pöschl und Mitbesitzer.
Nr. 21-24, Bp. 451-454
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Kirchmayrgasse
Benannt nach Andrä Kirchmayr (1861-1925), Gemeindevorsteher und Ehrenbürger von
Amras.
Nr. 1, Bp. 26, alte HNr. Amras 49 (Doppelhaus Nr. 3 bzw. 49a)
Gotisches Steinportal vermutlich aus dem 16. Jahrhundert.-M. Th.-Steuerkataster von
1775, CN. 419: Johann Singer (Nachbarsbehausung); 1848: Johann Werner; Bp.-Prot.
1856: Georg Schipflinger, Bauer (seit 1853); 1869: Josef Kobald und seine Gattin Katha-
rina geb. Schaffenrath; Adreẞb. 1913: Peter Rieß, 1939: detto; 1940: Johann Rieẞ, 1947:
Johann und Claudia Rieẞ, 1953: Johann Rieß, 1976: detto.
Nr. 3, Bp. 26, alte HNr. Amras 49a (vgl. oben Nr. 1)
Adreẞb. 1957: Albert Rieß, 1964: detto; 1976: Walter, Rita und Christine Rieẞ.
Nr. 5, Bp. 27, alte HNr. Amras 48. GH: Kloster Stams
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 404: Anton Stapf (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot.
1856: Franz Vönier, Venier, vulgo Seefranz, Bauer (seit 1846); 1860: dessen Schwestern
Katharina und Anna; Adreẞb. 1913: Josef Blaas, Kirchendiener bzw. Mesner und Guts-
besitzer, 1917: detto; 1918: Andrä Blaas, 1957: detto; 1964: Alois Blaas, 1976: detto.
Nr. 7, Bp. 28, alte HNr. Amras 47
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 516: Andree Laichner (Inwohnersbehausung); Bp.-
Prot. 1856: Chreszenzia Kern vulgo Kernzenz, Bäuerin (seit 1847); 1870: Theresia Häsele;
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Abb. 76: Die »Nachbarsbehausung« Kirchmayrgasse Nr. 1 - Im Hintergrund links der Hotel-Neubau (Bier-
wirt), Bichlweg Nr. I.
Foto: Margarete Hye-Weinhart, 1978
Adreẞb. 1913: Geschwister Neururer, 1914: detto; 1915: Alois Neururer, 1929: detto; 1930:
Ludmilla Neururer, 1937: Ludmilla Bartek-Neururer, 1976: detto.
Nr. 13, Bp. 29, alte HNr. Amras 46. GH: Schloß Ambras
Steuerkataster von 1655, fol. 98v: Martin Raich, Maurer, und seine Gattin Maria geb.
Prugger (zuvor Urban Prockh); Schloß-Urbar von 1665, fol. 22: Thoman Raich; ihm
folgten Magdalena Raich, verehelicht mit Hans Muessackh, Balthasar Lehner und seine
Gattin Margret geb. Raich sowie Anna Angerer; Schloß-Urbar von 1722, fol. 49: Veit
Haller und seine Gattin Ursula geb. Weeger; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 676:
Katharina Kiechl, verwitwete Prechtl (Söllbehausung); 1824: Viktoria Finatzer; Bp.-Prot.
1856: Josef Mair vulgo Winklsepl, Bauer (seit 1851); 1856: Anna und Maria Mayer; 1857:
Anna Mair und Sebastian Bögler; 1864: Kaspar Fuchs; Adreßb. 1913: Anna Mair, 1918:
detto; 1921: Heinrich Eller, 1964: detto; 1976: Lorenz Sumper.
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Kirchmayrgasse
Abb. 77: Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Portal des Hauses Kirchmayrgasse Nr. 1.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Nr. 15, Bp. 30, alte HNr. Amras 45. GH: Schloß Ambras
Steuerkataster von 1655, fol. 102: Anna Stächl, Stäckhl, die Gattin des Mathäus Schifer
oder Schiferer (zuvor Gertraud Fux und Elisabeth, die Tochter des Hanns Fux); Schloß-
Urbar von 1665, fol. 10: Anna Stäckhl; ihr folgten Michael Röckh und Eva Hinterkhürcher
sowie Mathäus Junckher; Schloß-Urbar von 1722, fol. 36: Michael Sittichhauẞer; M. Th.-
Steuerkataster von 1775, CN. 674: Katharina Kiechl, verwitwete Prechtl (Inwohnersbe-
hausung); Bp.-Prot. 1856: Johann Schieferer, Bauer (seit 1839); Adreẞb. 1913: Johann
Schieferer, 1921: detto; 1924: Adolf Schieferer, 1957: detto; 1964: Raimund Schieferer,
1976: detto.
Nr. 17, Bp., Gp. 68/1
Adreẞb. 1970: Raimund Schieferer, 1976: detto.
Nr. 19, Bp., Gp. 67/1
Adreẞb. 1970: »Modernbau«-Ges. m. b. H., 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
Kirchsteig
Nr. 8, Bp. 232, alte HNr. Amras 96: Volksschule
Altbau, errichtet 1892/93, abgerissen 1979; Neubau, errichtet 1975/84.
Nr. 9, Bp. 70, alte HNr. Amras 28: Pfarrwidum
Erbaut von der Gemeinde Amras im Jahre 1841.
Nr. 10, Bp. 597, alte HNr. Amras 15a
Adreẞb. 1964: Robert Steixner, 1976: detto.
Nr. 15, Bp. 71, alte HNr. Amras 14. Hofname: Schuler. GH: Kloster Wilten
Erbaut 1692 vom damaligen Richter des Propsteigerichtes Amras, Christoph Jakob
Walther von Herbstenburg, als sein Privathaus (vgl. oben: Das Propsteigericht Amras).
An den Erbauer erinnert noch heute folgende Inschrift an einem Deckenbalken in der
Stube im Erdgeschoß: >+ Her: Christoph: Jacow. Walther: von: Hörwstenwvurg: derzeit:
kheiserlicher: Prowstei: Richter: vnd: Gericht: Schreiwer: v: Amras+ Anno 1692«. -
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 679: Andreas Prenner (Inwohnersbehausung). 1795
vom damaligen Amraser Schullehrer Johann Resch gekauft, blieb der Hof bis 1859 im
Besitz der Familie (Bp.-Prot. 1856: Johann Rösch vulgo Schuler, Bauer). Auf den >>Schul-
meister<< Resch geht wohl auch der Hofname >>Schuler« zurück. Seit 1859 befindet sich
der >>Schuler« im Eigentum der Familie Zimmermann; Adreẞb. 1913: Karl Zimmermann,
Gemeindevorsteher; auch die weiteren Besitzer hießen mit Vornamen Karl. 1976:
Johann Zimmermann.
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Abb. 78: Der 1692 erbaute Schuler-Hof (Kirchsteig 15) um 1890.
Kranewitterstraße
Benannt nach dem Tiroler Dramatiker Franz Kranewitter (1860-1938). Die Straße bildet
die nördliche Grenze der Katastralgemeinde Amras.
Nr. 32, Bp. 337, 542
Adreẞb. 1941: Erich Murr, 1976: detto.
Nr. 34, Bp. 343
Adreẞb. 1941: Johann und Anna Lenhart, richtig: Lienhart, 1976: detto.
Nr. 36, Bp. 369
Adreẞb. 1940: Alois Pohl, 1944: detto; 1947: Baron Sternbach und Geschwister, 1953: Dr.
Hans, Gobert und Eduard Sternbach, 1964: detto; 1976: Dr. Hans, Gobert und Emanuel
Sternbach.
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Nr. 38 und 40, Bp. 422 und 423
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Deutsche Reichspost; 1947: Republik Österreich - Post-
und Telegraphendirektion für Tirol, 1976: detto.
Nr. 42, Bp. 424, alte HNr. Nordkettenstraße 2 (bis 1938)
Adreẞb. 1937: Anton und Paula Brandmayr, Kaufmann; 1940: Paula Brandmayr, 1976:
detto.
Nr. 42a, Bp. 368, alte HNr. Nordkettenstraße 2a (bis 1940)
Adreẞb. 1938: Aloisia Paulsteiner geb. Huber, 1944: detto; 1947: Julie Kössler und Berta
Walser, 1976: detto.
Nr. 44, Bp. 350, alte HNr. Nordkettenstraße 1 (bis 1940)
Adreẞb. 1937: Paul Drnowetz; 1941: Paul und Pauline Drnowetz sowie Angela Drnowetz
geb. Ferrari; 1947: Angela Drnowetz und Mitbesitzer, 1953: Angela Drnowetz, Pauline
Kofler und Stefanie Gundolf, 1976: detto.
Lönsstraße
Im Jahre 1940 neu angelegte Straße, welche nach dem deutschen Dichter Hermann
Löns (1866-1914) benannt worden ist, ohne daß hiefür eine besondere Beziehung zwi-
schen Löns und Tirol bestanden hat.
Nr. 1, Bp. 371
Adreẞb. 1941: Friedrich Bischof und Gattin Maria geb. Hörmann, 1964: detto; 1976:
Dipl.-Ing. Erwin Bischof.
Nr. 2, Bp. 403
Adreẞb. 1941: Josef Oberleiter, 1964: detto; 1976: Aloisia und Elfriede Oberleiter sowie
Josefine Retter.
Nr. 3, Bp. 462
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Dr. Maria Riccabona, 1976: detto.
Nr. 4, Bp. 396
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 5, Bp. 463
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Rudolf Hüttenberger, 1976: detto.
Nr. 6, Bp. 397
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 7, Bp. 464
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
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Nr. 8, Bp. 398
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 9, Bp. 465
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 10, Bp. 399
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 11, Bp. 466
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz, 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 12, Bp. 357, alte HNr. Mößlgasse 4 (bis 1940)
Adreẞb. 1937: Dr. med. Max Bergmann und Gattin Therese geb. Preisinger; total zer-
bombt am 19. Dezember 1943 und noch 1947 als Totalschaden ausgewiesen; 1953: The-
rese, Karl und Anton Bergmann, 1957: detto; 1964: Heinrich und Paula Spornberger,
1976: detto.
Nr. 13, Bp. 467
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 14, Bp. 400
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 15, Bp. 468
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 16, Bp. 401
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 18, Bp. 402
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 19, Bp. 381
Adreẞb. 1941: Erwin Wolfgang und Gattin Adele geb. Carloni sowie Emma Carloni; 1944:
Adele Wolfgang geb. Carloni und Emma Carloni, 1964: detto; 1976: Eva Maar.
Nr. 19a, Bp. 380
Adreẞb. 1941: Michael Stippler; 1944: Alois Stippler, 1976: detto.
Nr. 20, Bp. 523
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 21, Bp. 440
Adreẞb. 1953: Anton und Grete Kluckner, 1957: detto; 1964: Wilhelm, Othmar und Hans-
jörg Lapper; 1976: Dipl.-Ing. Herbert Gruber und Christine Gruber.
Nr. 22 und 24, Bp. 524 und 525
Adreẞb. 1941-1947: Bauplatz; 1953: Neue Heimat, 1976: detto.
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Nr. 26 und 28, Bp. 517 und 516
Adreẞb. 1941-1953: Bauplatz; 1957: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 30, Bp., Gp. 11
Adreẞb. 1976: Stadtgemeinde Innsbruck, Kindergarten.
Luigenstraße
Dieser Straßenname bezieht sich auf den Luigenwald, welcher sich südlich oberhalb
der Luigenstraße ab der Mündungsschlucht des Aldranser Baches gegen Ampass hin
erstreckt.
Nr. 2, Bp. 44, alte HNr. Amras 32. GH: Kirche Amras
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 599: Joseph Erlacher'sche Eheleute (Inwohnersbe-
hausung); Bp.-Prot. 1856: Josef Scharmer, Bauer (ab 1842); Adreßb. 1913: Josef Unter-
lechner, 1933: detto; 1934: Josef und Maria Kofler, 1944: detto; 1947: Maria Kofler, 1970:
detto; 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft. Einige Jahre zuvor wurde der Altbau
abgerissen und der bestehende moderne Wohnbau aufgeführt.
Nr. 3, Bp. 42, alte HNr. Amras 44
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 626: Jakob Schiner, Steinmetz (Inwohnersbehau-
sung); Bp.-Prot. 1856: Johann Kass, richtig: Kees, Bäcker (bereits 1848); 1858: Nikolaus
Stecher; 1874: Andreas Schaffenrath; 1877: Josef Vonstadl, Seewirt; Adreẞb. 1913:
Johann Resch, 1928: detto; 1929: Anton Resch, Kaufmann, 1944: detto; 1947: Max und
Maria Resch, 1957: detto; 1964: Max Resch und Maria Waldhauser, 1976: detto.
Nr. 5, Bp. 296, alte HNr. Amras 111
Adreẞb. 1913: Heinrich Lindenthaler, Tischlermeister, 1921: detto; 1924: Engelbert und
Mina Kaslatter, 1926: detto; 1927: Robert Plattner, 1928: detto; 1929: Bartlmä Tanzer,
1947: detto; 1953: Magdalena Maier; 1957: Paula Rapp; 1964: Albert und Antonia Weiß-
bacher; 1976: Hans und Konrad Erlacher sowie Marianne Weisshäupl.
Nr. 6, Bp. 43, alte HNr. Amras 33. GH: Kirche Amras
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 571: Georg Obacher (Inwohnersbehausung); Bp.-
Prot. 1856: Andreas Obacher vulgo Webermartl, Bauer (1847-1874, dann dessen gleich-
namiger Sohn); Adreẞb. 1913: Barbara Leimgruber, 1921: detto; 1924: Franz Lener, 1935:
detto; 1936: Franz und Sofie Lener, 1947: detto; 1953: Sophie Lener, 1964: detto; 1976:
Johann und Otto Lener.
Nr. 9, Bp. 374, alte HNr. Amras 137
Adreẞb. 1939: Anton Resch, Kaufmann; 1947: Max und Maria Resch, 1957: detto; 1964:
Max Resch und Mitbesitzer; 1976: Max Resch und Maria Waldbauer.
Nr. 9a, Bp., Gp. 66/3
Adreẞb. 1970: Max Resch, 1976: detto.
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TOWOGER
Cafe P
REGINA
Abb. 79: Der um 1974 abgerissene Altbau Luigenstraße Nr. 2.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 11, Bp. 248, alte HNr. Amras 97
Adreẞb. 1913: Ignaz Nagiller, 1934: detto; 1935: Marie Peer, 1953: detto; 1957: Hugo Nie-
derlintner; 1964: Katharina Enz, 1976: detto.
ehem. Nr. 12, Bp. -, alte HNr. Amras 44a
Adreẞb. 1938: Anton Resch, Kaufmann, 1944: detto; 1947: Max und Maria Resch, 1964:
Max Resch und Maria Waldhauser. Kurz danach im Zuge des Autobahnbaues abge-
rissen.
ehem. Nr. 17, Bp. 31, alte HNr. Amras 43
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 686: Johann Pock'sche Kinder; Johann Pock war lan-
desfürstlicher Seehüter (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot. 1856: Andreas Mayer, Mair,
vulgo Se (e) hüter, Bauer, (nach Georg Mayer, 1848); 1862: Maria Mair geb. Geier; Adreẞb.
1913: Johann Geyers Erben, Gastwirt, 1921: detto; 1924: Johann Geyer, Geyr, Gastwirt,
1957: detto; 1964: Johann Happ. Wenig später wurde dieser Hof im Zuge des Autobahn-
baues abgerissen.
ehem. Nr. 19, Bp. 32, alte HNr. Amras 42. GH: Waldauf-Stiftung, Hall
Waldauf-Stiftungsurkunde von 1501: Balthesar Smid besitzt den »Smidslag... zu Om-
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Schlof
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Abb. 81: Das Schloß- »Jäger- oder Tiergartenhaus«, Luigenstraße 22, auf einer Bleistiftzeichnung von 1886.
Original im Stadtarchiv Innsbruck
ehem. Nr. 20, Bp. 41, alte HNr. Amras 34
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 685: Johann Pok'sche Kinder (Nachbarsbehausung);
Bp.-Prot. 1856: Andreas Mair vulgo Seehüter, Bauer (1848-1872, dann dessen Kinder);
Adreẞb. 1913: Gemeinde Amras (Armenhaus), 1938: detto; 1939: Stadtgemeinde Inns-
bruck, 1964: detto. Kurz danach im Zuge des Autobahnbaues abgerissen.
Nr. 22, Bp. 40, alte HNr. Amras 35.
Hausbezeichnung: Schloßgärtner, Schloß-Maierhof
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 1108H: Jäger- oder Thiergartenhauẞ. Bis 1918 ärari-
scher Hofbesitz, seither: Republik Österreich.
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Abb. 82: Ansicht des alten Amraser Gewerbeviertels am Mühlbach mit der ehemaligen Schmiede (links)
und dem noch bestehenden Wohnhaus der Unteren Mühle (Luigenstraße Nr. 26) auf einer Ansicht des
Schlosses Ambras von Johann Fischbach (um 1820).
Original im Stadtarchiv Innsbruck
Nr. 23, Bp. 553, alte HNr. Amras 135a
Adreẞb.1964: Paula Bramböck und Henriette Heiß; 1976: Paula Bramböck und Rudolf
Heiß.
Nr. 24, Bp. 364, alte HNr. Amras 36a
Adreẞb. 1964: Max Moser, 1976: detto.
Nr. 25, Bp. 362, alte HNr. Amras 135
Adreẞb. 1938: Heinrich Raschbichler; 1947: Heinrich und Anna Raschbichler, 1957:
detto; 1964: Anna Raschbichler, 1976: detto.
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Abb. 83: Dieselbe Partie am Mühl- oder Schmiedbach an der Kreuzung Luigenstraße/Bleichenweg bei der
ehemaligen Hammerschmiede, der Unteren Mühle sowie mit dem Schloßgärtnerhaus (rechts).
Lithographie um 1820, Original im Stadtarchiv Innsbruck
Nr. 26, Bp. 39/1, alte HNr. Amras 36. Hausbezeichnung: Untere Mühle.
GH: Waldauf-Stiftung Hall
Waldauf-Stiftungsurkunde von 1501: Wilhalm Stindl, Müller, bezeichnet als >>das Undter
Mullehen zu Ombras«. (StAI., Urk. 587); Steuerkataster von 1655, fol. 109v: Caspar Ste-
cher, Müller; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 605: Joseph Schärmer (>>Mahl- und
Muẞmihl von 2 Gäng«); Bp.-Prot. 1856: Alois Zimmermann, Müller (1830-1857, dann
dessen Kinder); Adreẞb. 1913: Theres Tunkel, 1918: detto; 1921: Hugo Engl; 1924: Karl
Kapferer, 1927: detto; 1928: Elisabeth Moriel, Witwe, 1930: detto; 1931: Karl und Maria
Kapferer; 1932: Anton Brugger, Oberlehrer, 1936: detto; 1937: Johann Rienzner, 1947:
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detto; 1953: Karoline Pfurtscheller; 1957: Josefa, Alois, Jakob, Anna, Josef, Maria und
Nothburga Thaler, weiters Maria Ploner, Rosa Filz, Therese Kaufmann und Anna Purin;
1964: Maria Ploner und Mitbesitzer; 1976: Maria Ploner.
Nr. 28, Bp. 39/2, alte HNr. Amras 36b
Adreẞb. 1964: Matthias Koch, 1976: detto.
Nr. 30, Bp. 208, alte HNr. Amras 92
Adreẞb. 1913: Maria Peyrer; 1914: Simon Pallweber, Metzger, 1917: detto; 1918: Simon
Gamper, Metzger, 1964: detto; 1976: Luise Gasser.
Nr. 31, Bp. 537, alte HNr. Amras 42f
Adreẞb. 1957: Josef Hundsbichler, 1964: Josef und Elisabeth Hundsbichler, 1976: detto.
Nr. 32, Bp. 38, alte HNr. Amras 37. GH: Schloß Ambras
1589 an Michael Pockh zu Erbrecht verliehen; Steuerkataster von 1655, fol. 102: Ludwig
Hueber, ihm folgen Urban Rafner und 1663 Franz Hildeprant, laut Schloß-Urbar von
1665, fol. 20v; danach Kilian Weger und dessen Gattin Agnes Lehner, sowie noch vor
1722 Ignaz Widmann, laut Schloß-Urbar von 1722, fol. 45f; M. Th.-Steuerkataster von
1775, CN. 494: Joseph Neuner (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot. 1856: Anna geb. Neu-
ner, Bäuerin, nach ihrem Gatten Johann Jordan (1827-1861), 1862 an Anton Rienzner,
1865 an Josef Schöpf und 1871 an Johann Schwärzer; Adreẞb. 1918: detto; 1921: Johann
Schwärzers Erben; 1924: Josef Neuner, 1929: detto; 1930: Josef und Anna Neuner, 1937:
detto; 1938: Anna Neuner, 1944: detto; 1947: Josef Neuner; 1953: Anton Wild, 1964: detto;
1976: Anton Wild und Mitbesitzer. Im Schloß-Urbar von 1665 wird die Lage dieses
Hauses als >>bey der Tendlbruggen« angegeben. »Tendl« war ein Ausdruck für das Wild,
welches hier über eine Brücke vom Oberen in den Unteren Tiergarten und umgekehrt
wechseln konnte.
ehem. Nr. 33, Bp. 33, alte HNr. Amras 41. GH: Schloß Ambras
Steuerkataster von 1655, fol. 101 v: nach Joseph Walcher um 1655 Elisabeth Praxmarer,
Witwe nach Michael Weger; Schloß-Urbar von 1665, fol. 11: Paul Weger und nach ihm
'Maria Seeler, Mathäus Halbritter, Martin Geyr und das Ehepaar Georg Weinold und
Elisabeth geb. Sigwein; Schloß-Urbar von 1722, fol. 42: Maria Weinold; M. Th.-Steuer-
kataster von 1775, CN. 623: Maria Krapf, Witwe Krueg (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot.
1856: Barbara Sokopf vulgo Warba, Bäuerin (seit 1840); 1857: Andrä, Anna und Maria
Mayr, Geschwister; 1859: Anna geb. Mayr und ihr Gatte Franz Heidegger; Adreẞb. 1913:
Geschwister Fuchs, 1917: detto; 1918: Josef Fuchs, 1964: detto. Von diesem um 1970 ab-
gerissenen Haus waren 1978 nur noch Mauerreste vorhanden.
Nr. 34, Bp., Gp. 94/1
Adreẞb. 1970: Ernst Kirschner, 1976: detto.
Nr. 35, Bp. 538, alte HNr. Amras 41a
Adreẞb. 1953: Ernst Auhuber, 1957: detto; 1964: Herta Lochbichler und Emil Atz; 1976:
Herta Lochbichler und Anna Atz.
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Nr. 36, Bp. 554, alte HNr. Amras 37a
Adreẞb. 1957: Anton Prentler und Mitbesitzer; 1964: Anton Catarincich; 1976: Ing. Josef
Mair.
Nr. 37, Bp. 34, alte HNr. Amras 40. GH: Schloß Ambras
Vor 1650: Moritz Pockh; Steuerkataster von 1655, fol. 101 v: Adam Seutner, Pader, dem
1650 das Recht verliehen worden war, auf eigene Kosten eine Wasserleitung und ein
>>Prindl beim Hauß« zu errichten; Schloß-Urbar 1665, fol. 28: des vorigen Sohn Melchior
Seutner, Bader; ihm folgten Gall Sittichhaußer, Mathäus Junckher und noch vor 1722
Matthias Jabinger, vgl. Schloß-Urbar von 1722, fol. 62; M. Th.-Steuerkataster von 1775,
CN. 575: Franz Junker (Inwohnersbehausung); Bp.-Prot. 1856: Alois Althuber vulgo
Unterdumeler, Bauer; Adreẞb. 1913: Franz Althuber, 1929: detto; 1930: Josef Althuber,
1947: detto; 1953: Anna Althuber und Maria Nagiller, 1964: detto; 1976: Maria Nagiller.
Das Haus ist gegenwärtig in einem desolaten Zustand und scheint in nächster Zeit
einer Verbreiterung der Luigenstraße weichen zu müssen.
Nr. 38, Bp., alte HNr. Amras 37b
Adreẞb. 1964: Peter Markstaller, 1976: detto.
Nr. 39, Bp., Gp. 668/3
Adreẞb. 1970: Agnes Lechthaler, 1976: detto.
Nr. 40, Bp., Gp. 91/6, alte HNr. Amras 38e
Adreẞb. 1964: Katharina Schweiger, 1976: detto.
Nr. 41, Bp., Gp. 668/4
Adreẞb. 1970: Wilma Schmid, 1976: detto.
Nr. 42, Bp. 306, alte HNr. Amras 38b
Adreẞb. 1953: Josefine Hechenblaickner, 1957: detto; 1964: Anton Prentler und Mitbe-
sitzer, 1976: Anton und Hiltraut Prentler.
Nr. 43, Bp., Gp. 78
Adreẞb. 1976: Heidi Peer.
Nr. 44, Bp. 37, alte HNr. Amras 38. Hausname: Zöbl. GH: Schloß Ambras
Ehemaliges Gerichtsdienerhaus
Vor 1665 Blasius Posch und seine Gattin Ursula geb. Aigentler, hierauf Hanns Kessler;
Schloß-Urbar von 1665, fol. 20: Gall Kessler, Gerichtsdiener; Schloß-Urbar von 1722,
fol. 72: Melchior Tschuggmal, Gerichtsdiener; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 1111
A: Landesfürstliche Herrschaft; 1849 an Josef Fuchs durch väterliche Übergabe; Bp.-
Prot. 1856: Josef Daum vulgo Zöbl, Bauer (seit 1852); Adreẞb. 1913: Josef Breito, Braito,
1957: detto; 1964: Franz Braito, 1976: detto.
Nr. 46, Bp. 328, alte HNr. Amras 38a
Adreẞb. 1940: Josef Breito, Braito, 1976: detto.
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Nr. 48, Bp. 436, alte HNr. Amras 38d
Adreẞb. 1953: Norbert Stampfer, General, 1976: detto.
Nr. 50, Bp., Gp. 245/2
Adreẞb. 1976: Hans Plattner.
Nr. 54, Bp., Gp. 240, alte HNr. Amras 149
Adreẞb. 1957: Hermann Six (Bauplatz), 1964: detto; 1976: Hermann und Else Six.
Nr. 56, Bp. 373, alte HNr. Amras 38c
Adreẞb. 1953: Anna Köstermann-Helmer, 1964 und 1970: detto; 1976: Hubert und Mar-
gareta Mittermayer.
Nr. 56a, Bp., Gp. 237/1
Adreẞb. 1970: Anni Köstermann-Helmer, 1976: detto.
Nr. 58, Bp. 304, alte HNr. Amras 162
Adreẞb. 1964: Ida Habicher; 1976: Adalbert und Regina Smykla.
Nr. 60, Bp. 36, alte HNr. Amras 39. Hausname: Winkl. GH: Schloß Ambras
Steuerkataster von 1655, fol. 91: Conradt Wolfarth besitzt »ain hilzene Behauẞung<<;
Schloß-Urbar von 1665, fol. 29v: Hans Halbriter, ihm folgt seine Tochter Margarete;
Schloß-Urbar 1722, fol. 37: Agnes Haslwander und ihre »Sebastian Gappische siben
Künder<<; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 620: Elisabeth Käswalder geb. Pfeifhofer
(Inwohnersbehausung); Bp.-Prot. 1856: Andreas Junker vulgo Oberdummeler, Bauer
(1836-1858), dann seine Kinder; Adreẞb. 1913: Marie Peer, 1921: detto; 1924: Andrä
Schweiger, 1930: detto; 1931: Andrä Schweigers Erben, 1947: detto; 1953: Andrä und
Katharina Schweiger, 1957: detto; 1964: Zita Plattner und Mitbesitzer, 1976: Zita Platt-
ner. - Im obzitierten Schloß-Urbar von 1722 wird die Lage dieses Hauses, wie folgt, be-
schrieben: »Aussern Dorff Ombras unnder der Tendlpruggen (vgl. dazu oben Luigen-
straße Nr. 32) in der Leugen (Anm.: Luigen) gelegen, stosst mittag an die Leugen (=
Luigenwald), abent an gemainen Widumb-Steig«. Letztere Angabe ist irrig, da das Haus
nicht mit seiner West- oder Abend-Seite, sondern mit der Ostseite an den Pfaffen- oder
Widumsteig (Anm.: zum Pfarrwidum in Ampass) angrenzt.
Nr. 62, Bp. 563, alte HNr. Amras 39c
Adreẞb. 1953: Georg Lechner, 1957: detto; 1964: Georg und Elisabeth Lechner, 1976: Eli-
sabeth Lechner.
Nr. 64, Bp. 507, alte HNr. Amras 39b
Adreẞb. 1953: Christian Steiner, 1976: detto.
Nr. 66, Bp. 562, alte HNr. Amras 82a
Adreẞb. 1964: Fritz Kostner, 1976: detto.
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Abb. 84: Die Tendlbruggen über die Luigenstraße. Ausschnitt aus einer Ansicht von Schloß und Dorf Amras
von 1806.
Radierung von J. G. Schedler, Original im Stadtarchiv Innsbruck
Nr. 68, Bp. 539, alte HNr. Amras 82b
Adreẞb. 1957: Gottfried Trenkwalder, 1964: Gottfried Trenkwalder und Mitbesitzer;
1976: Luise und Kurt Trenkwalder.
Nr. 70, Bp. 561, alte HNr. Amras 82c
Adreẞb. 1957: Rudolf Witsch; 1964: Dr. Alois und Anna Heinermann, 1976: detto.
Nr. 72, Bp. 560, alte HNr. Amras 82d
Adreẞb. 1957: Leopoldine Grill; 1964: Resi Lamprecht; 1976: Theresia Wolke.
Nr. 90, Bp. 35, alte HNr. Amras 82
Bp.-Prot. 1856: Junkerische Geschwister, Taglöhner; Adreẞb. 1913: Emma Epp, Seifenfa-
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brikantin in Innsbruck, 1917: detto; 1918: Ernst und Karl Hörmann, 1932: detto; 1933:
Karl Hörmann's Erben; 1934: Anton Koch, 1937: detto; 1938: Anton Villa und Adam Koch,
1944: detto; 1947: Josef Koch, 1957: detto; 1964: Oswald und Erich Koch, 1976: detto.
Nr. 104, Bp. 285, alte HNr. Amras 104
Adreẞb. 1913: Josef Plenk; 1914: Josef Plenk's Erben; 1915: Dr. Josef Plenk, Sanitätsrat,
1921: detto; 1924: Ing. Hermann Plenk, 1933: detto; 1934: Ing. Hermann Plenk's Erben;
1947: Dr. Plenk; 1953: Dr. Wilfried Plenk; 1957: Anton Zozin, 1964: detto; 1976: Gisela Zozin.
Nr. 104a, Bp.
Adreẞb. 1964: Karl Jabinger, 1976: Karl und Anna Jabinger.
Nr. 120 und 122, Bp. 100 - Badhaus Egerdach. Bp. 102 - HI. Kreuz-Kapelle Eger-
dach. Alte HNr. Amras 81 und 93.
Vgl. die älteren Daten dazu oben im Kapitel über die Geschichte des Bades Egerdach.
Nr. 120, Bp. 100, alte HNr. Amras 81. Bezeichnung: Gasthaus Egerdach
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 579: Anna Told, Witwe Gratl; Adreßb. 1913: Franz
Mauracher, Weinhändler in Girlan, 1921: detto; 1924: Wilhelm Zandari, richtig: Zanolari,
1930: detto; 1931: Josef Spiegl, 1953: detto; 1957: Johann und Maria Habicher; 1964: Rudolf
und Auguste Bliem; 1976: Jugendsozialwerk E. V., Hannover. Wirkt derzeit unbewohnt.
Nr. 122:
Bp.-Prot. 1856: Sebastian Meister vulgo Wastl, die Kapelle wird als Gemeindebesitz
bezeichnet; Adreẞb. 1913: Franz Mauracher, Weinhändler in Girlan, 1921: detto; 1924:
Wilhelm Zanolari, 1930: detto; 1931: Josef Spiegl, 1953: detto; 1957: Johann und Maria
Habicher; 1964: Rudolf und Auguste Bliem, 1976: detto. Dieser Trakt von Egerdach, das
eigentliche Badhaus, wurde unterdessen abgerissen.
Nr. 121, Bp. 628/629, alte HNr. Amras 80
Adreẞb. 1913: Sebastian Müller, 1917: detto; 1918: Bezirkskrankenkasse Innsbruck, spä-
ter Tiroler Gebietskrankenkasse - Erholungsheim Egerdach, 1953: detto; 1957: SOS
Kinderdorf Imst, 1976: detto.
Nr. 124, Bp. 100/2, alte HNr. Amras 68
Adreẞb. 1913: Franz Mauracher, Weinhändler in Girlan, 1921: detto; 1924: Johann Kofler,
Badhaus Egerdach, 1939: detto; 1940: Martin Brunner, 1964: detto; 1976: Johann Brunner.
Nr. 125, Bp., Gp. 553/3
Adreẞb. 1976: Rudolf und Ernestine Maurhard.
Nr. 126, Bp., Gp. 547/2, alte HNr. Amras 68a
Adreẞb. 1964: Franz Stern, 1976: Franz und Anna Stern.
Nr. 127, Bp.
-
Adreẞb. 1976: Franz Klingler, Bauplatz.
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Abb. 85: Die ehemalige Amraser Gerichtsdiener-Behausung Luigenstraße Nr. 44.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Mosengasse
Benannt nach dem Dichter des Andreas-Hofer-Liedes, der Tiroler Landeshymne, Julius
Mosen (1803-1867).
Nr. 3, Bp., Gp. 1609/1, 1610/4
Adreẞb. 1976: Dr. Günther Candolini.
Nr. 4, Bp. 482, alte HNr. Amraser-See-Straße 24c
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Dr. Wanda und Dipl.-Ing. Edeltraut Aschenbrenner, 1964 und 1970: Dr. Wanda
Aschenbrenner und Mitbesitzer; 1976: Dipl.-Ing. Edeltraut Pircher.
Nr. 5, Bp., Gp. 1609/2
Adreẞb. 1976: Wohnungseigentumsgemeinschaft.
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Nr. 6, Bp. 483, alte HNr. Amraser-See-Straße 24d
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Franz Widmoser-Triglavčanin, 1976: detto.
Nr. 8, Bp. 484, alte HNr. Amraser-See-Straße 24e
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Dr. Alfred und Leopoldine Porpaczy, 1976: detto.
Nr. 10, Bp. 485, alte HNr. Amraser-See-Straße 24f
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Hans und Antonie Tschurtschenthaler, 1976: detto.
Nr. 12, Bp. 486, alte HNr. Amraser-See-Straße 24g
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Thomas und Erna Seeber sowie Michael und Aloisia Greiderer; 1964: Franz und
Johanna Rohm sowie Martha Caesar; 1976: Franz Rohm und Wilhelmine Porpaczy.
Nr. 14, Bp. 487, alte HNr. Amraser-See-Straße 24h
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Ludwig und Leopoldine Lichtl, 1976: detto.
Nr. 16, Bp. 488, alte HNr. Amraser-See-Straße 24i
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Dr. Georg und Stefanie Förg, 1976: detto.
Möẞlgasse
Benannt nach Johannes Chrisostomus Möẞl (1842-1920)
Nr. 1-3, Bp. 419-421
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 4, Bp. 390
Adreẞb. 1941: Bauplatz - Arnold, 1944: Friedrich Arnold, 1947: Friedrich und Sophie
Arnold, 1957: detto; 1964: Marianne, Karl und Ernst Arnold sowie Friederike Stöckl,
1976: Friederike Stöckl, Marianne Schädler, Karl und Ernst Arnold.
Nr. 5-11, Bp. 404, 391, 405, 393, 406, 394, 407
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 12, Bp. 367, alte HNr. Möẞlgasse 2
Adreẞb. 1939: Otto Schnall, 1941: Otto Schnall und Gattin Frieda geb. Fetz, 1964: detto;
1976: Otto Schnall.
196
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Nr. 13 18, Bp. 408, 410, 409, 411, 528, 412
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 19, Bp. 527
Adreẞb. 1953: Bauplatz; 1957: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 20, Bp. 413
Adreẞb. 1941: Bauplatz; 1944: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 22, 24, 26; Bp. 414, 415, 416
Adreẞb. 1947: Bauplatz; 1953: Neue Heimat, 1976: detto.
Nr. 36, Bp. 518
Adreẞb. 1953: Bauplatz; 1957: Neue Heimat, 1976: detto.
Nordkettenstraße
Im Jahre 1936 von der Dorfgemeinde Amras angelegt und wegen ihrer Nord-Richtung
bzw. Richtung zur Nordkette danach benannt.
Nr. 1, Bp. 501
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 2, Bp. 349
Adreẞb. 1939: Dr. Josef Gschwendtner, Rechtsanwalt, 1940: detto; 1941: Marianne
Gschwendtner, 1964 und 1970: detto; 1976: Elisabeth Plank.
Nr. 3, Bp. 445
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 4, Bp. 348, alte HNr. Nordkettenstraße 3 (bis 1940)
Adreẞb. 1937: Josef und Elfrieda Gruber, 1941: detto; 1944: Elfrieda Gruber, 1947: Elfrie-
de Zelger, 1964 und 1970: detto; 1976: Otto Gruber.
Nr. 5, Bp. 446
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 6, Bp. 346, alte HNr. Nordkettenstraße 5 (bis 1940)
Adreẞb. 1939: Ludwig Gasparin, 1964 und 1970: detto; 1976: Rosa Bischof.
Nr. 7, Bp. 447
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Nr. 8, Bp. 345, alte HNr. Nordkettenstraße 6 (bis 1940)
Adreẞb. 1937: Franz und Maria Jelinek, 1941: detto; 1944: Franz, Karl und Maria Jelinek;
1947: Maria Jelinek, 1957: detto; 1964: Dipl.-Ing. Emil und Dipl.-Ing. Otto Straube, 1976: detto.
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Nr. 9, 11, 13, 15; Bp. 448, 449, 450, 515
Adreẞb. 1953: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto.
Paschbergweg
Unmittelbar am Fuße des Paschbergs von Amras in Richtung Wiltener Sillbrücke verlau-
fend und deshalb so benannt, mündet diese Straße seit dem Autobahn- und Neubau
der Iglerbahn-Trasse nicht mehr zur Sillbrücke, sondern in die Helblingstraße aus. Seit
der erwähnten Veränderung bzw. Nord-Verschiebung der Straße erhebt sich daran kein
Haus mehr.
ehem. Nr. 4, Bp. -, alte HNr. Amras 107b
Adreẞb. 1957: Josef Parth; 1964: Franz Rohner (richtig: Rohrer). Rund zwei Jahre später
abgerissen.
ehem. Nr. 14, Bp. -, alte HNr. Amras 107a
Adreẞb. 1947: Franz Rohrer, 1957: detto; 1964: Franz Rachten. Rund zwei Jahre später
abgerissen.
ehem. Nr. 16, Bp. -
Adreẞb. 1964: Heinrich und Luise Dornach. Rund zwei Jahre später abgerissen.
Pfaffensteig
Abkürzungsweg von Amras durch den Luigenwald nach Ampass bzw. zum dortigen
Pfarrwidum. Der Name erinnert an die einstige Zugehörigkeit von Amras zur Pfarre
Ampass, derentwegen der Ampasser Pfarrer jeweils einen Priester bzw. >>Pfaffen<< nach
Amras entsenden mußte, um dort die gestifteten Messen zu lesen.
Nr. 2, Bp. 36/2, alte HNr. Amras 39a
Adreẞb. 1953: Katharina Schweiger, 1957: detto; 1964: Otto Gschwendner, 1976: detto.
Nr. 3, Bp., Gp. 81/2, alte HNr. Amras 82e
Adreẞb. 1964: Josef Juen, 1976: Josef und Josefa Juen.
Nr. 4, Bp. 508, alte HNr. Amras 39d
Adreẞb. 1957: Maria Egger; 1964 und 1970: Hermann Ulmann; 1976: Willibald und Anna
Peklo.
Nr. 8, Bp. 540, alte HNr. Amras 39f
Adreẞb. 1957: Peter Slamar, 1964 und 1970: detto; 1976: Theresia Kreuzbichler.
Nr. 10, Bp., Gp. 87/4, alte HNr. Amras 39g
Adreẞb. 1964: Alois und Julie Drassl; 1976: Alois und Christine Drassl.
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Abb. 86: Der 1901 erbaute, neue Klotz-Hof, Philippine-Welser-Straße Nr. 9 im Jahre 1916 - noch allein auf
weiter Flur.
Foto: Richard Müller
Philippine-Welser-Straße
Benannt nach der ersten (heimlichen) Gemahlin des Tiroler Landesfürsten Erzherzog
Ferdinand II., der ihr 1564 Schloß Ambras geschenkt hat. Philippine Welser, gebürtig
aus Augsburg, ist im Jahre 1580 gestorben. Die alte Bezeichnung dieses Straßenzuges
lautete >>Kirchweg«. Hier verlief auch bereits die antike Römerstraße.
Nr. 1, 3, 5, 7; Bp. -, Gp. 1627/9, 1627/8 (Nr. 7), alte HNr. Amras 155c, b, a, 155
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 8, Bp. 365, alte HNr. Amras 134
Adreẞb. 1938: Josef Thöni, 1944: detto; 1947: Josef und Anna Thöni, 1957: detto; 1964:
Franz Sulzenbacher, 1976: detto.
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Nr. 9, Bp. 284, alte HNr. Amras 103
Adreẞb. 1913: Josef Klotz, 1933: detto; 1934: Karl Klotz, 1976: detto.
Nr. 10, Bp. 376, alte HNr. Amras 138
Adreẞb. 1939: Josefine Spieß, 1947: detto; 1953: Dr. Walter Spieß, 1964: detto; 1976:
Franz Sulzenbacher.
Nr. 12, Bp. 505, alte HNr. Amras 138a
Adreẞb. 1957: Elise Hirn, 1976: detto.
Nr. 12a, Bp., Gp. 1643/2
Adreẞb. 1970: Ottilie Wenter, 1976: detto.
Nr. 15, Bp. 351, alte HNr. Amras 127
Adreẞb. 1937: Alois Heiß, 1941: detto; 1944: Alois und Ludwig Heiß, Barbara Berger und
Elisabeth Hauer, 1947: Geschwister Heiß; 1953: Maria Sporn, 1976: detto.
Nr. 16, Bp., Gp. 1642/2, alte HNr. Amras 138c
Adreẞb. 1964: Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen), 1976:
detto.
Nr. 17, Bp. 610, alte HNr. Amras 128
Adreẞb. 1957: Walter Rupprechter, 1964: Franz und Walter Rupprechter; 1976: Walter
und Juliane Rupprechter.
Nr. 18, Bp., alte HNr. Amras 138b
Adreẞb. 1964: Georg Pointecker (ehem. Gärtnerei und ehem. Bahnwärterhäuschen),
1976: detto.
Nr. 19, Bp. 352, alte HNr. Amras 129
Adreẞb. 1937: Dr. med. Klaus Weinberger, 1941: detto; 1944: Irmgard Weinberger, 1953:
detto; 1957: Irmgard Böhnisch, 1976: detto.
Nr. 21, Bp. 602, alte HNr. Amras 130
Adreẞb. 1953: Alfred Pegger; 1957: Johann Ried, 1964 und 1970: Johann und Ilsemarie
Ried; 1976: Johann Müller und Ilsemarie Wittmann.
Nr. 23, Bp. 354, alte HNr. Amras 126
Adreẞb. 1937: Andreas und Pierina Gabeder, 1944: detto; 1947: Andreas Gabeder, 1964:
detto; 1976: Pierina Gabeder.
Nr. 25, Bp. 320, alte HNr. Amras 116
Adreẞb. 1935: Leopold und Resie Hofbauer, 1953: detto; 1957: Theresia Hofbauer und
Emilie Aberer, 1964: detto; 1970: Margit Winkler, 1976: detto.
Nr. 27, Bp. 329, alte HNr. Amras 117
Adreẞb. 1935: Robert Guth; 1936: Karl Zorzi; 1937: Friedrich Ada, 1947: detto; 1953:
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Abb. 87: Einholen der Ehrengäste zum feierlichen Turmkreuz-Setzen der Pfarrirche mit eigenem Zweispän-
ner in der noch ländlich dimensionierten Philippine-Welser-Straße im Jahre 1958.
Foto: Engelbert Pöschl
Johann und Franziska Pernthaler, 1957: detto; 1964: Dr. Peter und Franziska Pernthaler,
1976: detto.
Nr. 29, Bp. 330, alte HNr. Amras 118
Adreẞb. 1936: Ing. Rudolf Schumann, 1947: Ing. Rudolf und Elise Schumann, 1953: detto;
1957: Elise Schumann, 1964: detto; 1970: Mathilde Bramböck, 1976: detto.
Nr. 31, Bp. 331, alte HNr. Amras 119
Adreẞb. 1936: Johann Bonath, 1947: Johann und Barbara Bonat, 1957: detto; 1964: Karl
Zimmermann, 1976: detto.
Nr. 33, Bp. 355, alte HNr. Amras 125
Adreẞb. 1937: Josefine Spieß, 1944: detto; 1947: Dr. Ernst Angermayer; 1953: Karoline
Angermayr, 1964 und 1970: detto; 1976: Dr. Hermann Schweizer.
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Durch Chrifti fuf und Gnade Priefter auf ewig
Abb. 88: Der Ortseingang mit Primiz-Pforte für P. Richard (Pepi) Klotz OFM (1962).
Foto: Engelbert Pöschl
Nr. 35, Bp. 356, alte HNr. Amras 124
Adreẞb. 1937: Emil und Nothburga Zehrer, 1953: detto; 1957: Sofie Pöllinger; 1964:
Elfriede Eller und Christine Pittracher, 1976: Elfriede Göbbel und Christine Pittracher.
Nr. 37, Bp. 366, alte HNr. Amras 123
Adreẞb. 1944: Franz und Margarete Andrä, 1964: detto; 1976: Margarethe Glasner-
Andrä.
Nr. 41, Bp. 332, alte HNr. Amras 122
Adreẞb. 1936: Frieda Fezzi, 1937: detto; 1938: Prof. Josef Fezzi, 1939: detto; 1940: Prof.
Josef Fezzi's Erben, 1944: detto; 1947: Ekkehard Fezzi; 1953: Johanna Holzmüller, 1964:
detto; 1970: Ekkehard Fezzi, 1976: detto.
Nr. 47, 49, 51, 53, 55; Bp. -, Gp. 137/10 (Nr. 47, 49, 51), 137/9 (Nr. 53, 55)
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
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Abb. 89: Der Ortseingang von Amras um 1910 mit dem noch nicht aufgestockten Trapp-Schlöẞl (Philippine-
Welser-Straße 82) links und dem >Hofer« (Nr. 85) rechts.
Nr. 82, Bp. 64, alte HNr. Amras 1. Hausbezeichnung: Trapp-Schlößl
Im landesfürstlichen Urbar von 1288 wird dieses Gut als ein Hof angeführt, >den der
Tenke bawet«. In der Stiftungsurkunde Florian Waldaufs für die Pfarrkirche Hall von
1501 (StAI., Urk. 587) wird Ulrich Singelsperger, Bürger zu Hall, als Besitzer des »Teng-
kenhof<< genannt. Steuerkataster von 1655, fol. 8v: Georg Iẞinger's Erben, nämlich seine
Witwe Barbara geb. Meitinger und die Kinder Georg und Elisabeth Isinger; M. Th.-Steu-
erkataster von 1775, CN. 761: Graf Künigl; Bp.-Prot. 1856: Ludwig Graf Trapp (seit 1849);
1874: Oswald Graf Trapp; Adreẞb. 1913: Kreszenz Reindl, 1915: detto; 1916: Leopold
Reindl; 1917: Anna Leithenberger, Leitempergher, 1932: detto; 1933: Irma Alteneder,
1964: detto; 1976: Ärztekammer für Tirol. - Der bildmäßig bereits seit 1806 dokumen-
tierte südliche Anbau mit einem markanten Süd-Türmchen hat um 1960 einem Apparte-
menthaus (vgl. Nr. 1a) weichen müssen. In der Zwischenzeit wurde zuerst auch das
spätgotische Hauptgebäude aufgestockt und dann dessen Dach mit aufdringlich brei-
ten west- und ostseitigen Dachkapfern versehen. Die geänderte Fenster-Anordnung
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Abb. 90: Das Trapp-Schlößl um 1960, vor der Aufstockung und noch mit dem Südtrakt (mit Türmchen), an
dessen Stelle wenig später ein Appartmenthaus errichtet worden ist.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
und die graublaue Außenfärbelung tun ein übriges, um diesen einst so malerischen
Bau am beherrschenden Ortseingang von Amras zu entstellen.
Nr. 84, Bp. 566, alte HNr. Amras la
Adreẞb. 1964: Alpenländische Baugesellschaft Dr. Voigt; 1970: Wohnungseigentumsge-
meinschaft, 1976: detto.
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SPARO
Abb. 91: Das Trapp-Schlößl nach der Aufstockung.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 85, Bp. 61-63, alte HNr. Amras 76. Hofname: Wachhof, heute Hofer
Im Steuerkataster von 1655, fol. 52, erscheint Hanns Fux als Besitzer dieser Nachbars-
behausung etc., die 21/2 Kammerland aus dem alten Wachhof (vgl. auch Nr. 91) umfaß-
te. Durch Vererbung gelangte der Hof, bei dem sich auch ein Getreidekasten u. a. be-
fanden, von Hanns Fuchs (gest. 1697) an seinen Sohn Johann (gest. 1706), weiters an
dessen Sohn Norbert Fuchs und schließlich an dessen Tochter Anna, die Gattin des Pe-
ter Vogelar. Nachdem diese Ehe kinderlos blieb, gelangte der Hof nach Anna's Tod an
ihre Schwestern Maria und Elisabeth, welch' letztere im M. Th.-Steuerkataster von 1775,
CN. 584, als Alleinbesitzerin aufscheint. 1816 verkaufte Elisabeth den Hof an ihren Vet-
ter Franz Fuchs (TLA., Vfb. 1816, fol. 94), der ihn 1820 an die Grafen Johann und Friedrich
Trapp weiterverkauft hat (TLA., Vfb. 1820, fol. 42). In gräflich Trapp'schem Besitz ver-
blieb die Liegenschaft nun bis sie 1955 an Anton Nagiller überging (Hinsichtlich der An-
gaben zur Familiengeschichte Fuchs vgl. Marie Grass-Cornet, Aus der Geschichte der
Nordtiroler Bürgerkultur. Innsbruck 1970, S. 59ff). Adreßb. 1970: Anton Nagiller, 1976:
detto.
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Nr. 86, 88, 88a und 90 vgl. nach Nr. 91!
Nr. 91, Bp. 59, 60, alte HNr. Amras 76. Hofname: Wachhof, heute Stecher
Zwischen 1425 und 1497 mehrfach als landesfürstliches Lehen bzw. als >Guet zu Om-
bras, das der Wach paut« erwähnt (TLA., Putsch-Rep. I., fol. 232, 278, 281, 548). Damals
gehörte das gesamte Wachgut zum Dienstlehen des jeweiligen Inhabers des tiroli-
schen Hofmeisteramtes, dessen Inhaber das Gut meist selbst wieder als Baurechtsle-
hen weitervergaben. Seit 1470 waren die späteren Grafen Trapp erbliche Inhaber des
Hofmeisteramtes in Tirol und damit Grundherren über den Wachhof (vgl. auch Nr. 85).
Der Steuerkataster von 1655, fol. 38v, nennt Adam Fux als Inhaber »dreier Lechen, der
Wachenhof genant«<, wobei die Namensform »Wachenhof<< von der alten Besitzer-Anga-
be >des Wachen Hof« herrührt. An erster Stelle der zu diesem Gut gehörenden Liegen-
schaften wird dort >die Wiertstafern-Behauẞung« mit eigenem Getreidekasten und
>>Summerhaus« etc. genannt; welche bereits 1592 genannt wird, als die Amraser Ge-
meindeversammlung (Ehaft-Taiding) »in Leonhardten Fuxens... Wiertsbehauẞung<<
abgehalten worden ist (TLA., Vfb. Amras 1592/95, fol. 165). Der hier genannte Leonhard
war der Großvater des Adam Fuchs von 1655, dessen direkte Nachkommen den Hof
nun durch vier Generationen besaßen. Der im M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 610
genannte Joseph Fux war der letzte dieses Namens im alten Wachhof (Nachbarsbehau-
sung). Er ist 1815 gestorben (vgl. M. Grass-Cornet, a. a. O., S.64). Von dem früher mit die-
sem Hofe verbundenen Gastgewerbe ist 1775 nicht mehr die Rede. Bp.-Prot. 1856: Maria
Stecher geb. Neuner, Bäuerin, Witwe (seit 1842); ihr folgten Josef Stecher und 1873 dessen
Witwe Agnes; Adreẞb. 1913: Karl Tollinger, 1926: detto; 1927: Andrä Mayr, 1957: detto;
1964: Franz Mayr, 1976: detto. - Der alte Stecher-Hof wurde im Winter 1970/71 abge-
tragen, wobei das darin befindlich gewesene Getäfel der hinteren Stube aus dem Jahre
1668 sichergestellt worden ist. An der Stelle des alten erhebt sich seither ein neuer,
modern zu bewirtschaftender Bauernhof. - Das Überleben wird für die Landwirtschaft
in Amras von Jahr zu Jahr schwerer und erfordert daher optimale Einrichtungen!
Nr. 86, Bp. 64/2
Adreẞb. 1970: Wohnungseigentumsgemeinschaft, 1976: detto.
Nr. 88, Bp. 65, alte HNr. Amras 2. Hofname: Schöberler
Steuerkataster von 1655, fol. 50: Jakob Stapf, später Franz Stapf, Nachbarsbehausung,
genannt die Winkelhube; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 497: Veit Stapf, wohl auf
ihn bezog sich der alte Hofname beim »Veiten< (1856). 1842 gelangte der Hof an Lorenz
Steixner, Bauer (Bp.-Prot. 1856), dessen Familie ihn seither ohne Unterbrechung be-
sitzt. Adreẞb. 1913: Ludwig Steixner, 1957: detto; 1964: Anton Steixner, 1976: detto. - An
den alten Hofnamen erinnert heute nur noch der Flurname »Winkelfeld«< für die Grund-
stücke hinter dem Hof.
Nr. 88a, Bp. 565, alte HNr. Amras 15h
Adreẞb. 1964: Anton Steixner, 1976: detto.
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Charlette
Abb. 92: Der Schöberler- oder Steixner-Hof, Philippine-Welser-Straße 88, 1979.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 90, Bp. 66, alte HNr. Amras 3. Hausname: Winderler
Bp.-Prot. 1856: Karl Kratzer, Schmied; Adreẞb. 1913: Josef Köchl, 1932: detto; 1933: Franz
Köchl; 1934: Franz Köchl's Erben, 1937: detto; 1938: Agnes Köchl, 1944: detto; 1947: Ge-
schwister Köchl; 1953: Agnes Paller und Mitbesitzer, 1957: detto; 1964: Anton Köchl und
Mitbesitzer, 1976: detto.
Nr. 91 vgl. oben nach Nr. 85!
Nr. 92, Bp. 67, alte HNr. Amras 4. Hofname: Warbeler. GH: Kirche Amras
1519 verkaufte Magdalena, die Witwe nach Georg Wildtberger, der Kirche zu U. L. Frau
in Amras vier Pfund Berner Grundzins aus dem Cränergut (PfA. Amras/dzt. im Stift Wil-
ten, Kircheninventar 1589, S. 13); Steuerkataster von 1655, fol. 37v: Christoff Sinckhmoser
und seine Gattin Katherina geb. Khleiber; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 473:
Joseph Winderle (Nachbarsbehausung); 1833: Barbara Thurner, auf sie geht wohl der
Hofname »Warbeler< zurück; Bp.-Prot. 1856: Josef Sokopf vulgo Warbeler, Bauer (seit
1853); Adreẞb. 1913: Andrä Mayr, 1976: detto.
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H
Abb. 93: Ein Foto desselben Hofes von ca. 1960 läßt deutlich erkennen, daß hier damals noch Landwirt-
schaft betrieben worden ist.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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EB
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Abb. 94: Von Franz Stapf, einem der früheren Besitzer des Schöberler-Hofes (2. Hälfte d. 17. Jh.), hat sich bei
der heutigen Besitzerfamilie Steixner noch der Original-Wappen-Siegelstock erhalten.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 95: Der Warbeler-Hof, Philippine-Welser-Straße Nr. 92.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 96, Bp. 68, alte HNr. Amras 5. Hausname: Gasthof Kapeller. GH: Kloster Stams
1599 erbweise von Georg Fuerman d.Ä. an Christan Fuerman, seinen ältesten Sohn,
damals wird bei diesem Hause bzw. >>Stamsergut« noch kein Gastgewerbe genannt
(TLA., Vfb. Amras 1598/1602, fol. 219 ff). Im Steuerkataster von 1655, fol. 48v, wird dann
Jakob Stapf, Wirt, als Besitzer dieses Hauses angeführt, von dem damals eigens an-
gemerkt wird, daß es »aniezo ain Wiertstafern« ist. M. Th.-Steuerkataster von 1775,
CN. 540: Franz Stapf, Wirt (Nachbarsbehausung samt Wirtstafern). Nach den zwei fol-
genden Besitzern, Johann Kapeller (TLA., Vfb. Amras 1799, fol.134) und Franz Kapeller
(Vfb. Amras 1841, fol. 261) erhielt der Gasthof den Namen Kapeller. Bp.-Prot. 1856:
Ignatz Happ vulgo Kapeller, Wirt (seit 1847). Seine Familie besitzt seither ohne Unter-
brechung diesen renommierten Gasthof. Das Happ'sche Familienwappen fungiert
demnach als Wirtshausschild über dem Portal. Im ehemaligen Gastgarten hinter
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Gasthof
Garten,
GRUSS aus dem GASTHOF KAPELLER WIRTH, AMRAS
Beit gleichlich
bei Innsbruck.
Kirche.
924-
1000
Ana Prüfs.
15-
Abb. 96: Alte Werbe-Postkarte des Kapeller-Wirtes (von 1904). Anstelle des Gastgartens erhebt sich heute
der geschmackvoll angebaute Hotel-Neubautrakt.
dem Gasthof-Altbau wurde 1967 ein stilistisch diesem angeglichener Erweiterungsbau
(ebenfalls mit Krüppelwalmdach) erbaut.
Nr. 97, Bp. 221, alte HNr. Amras 75a
Adreẞb. 1964: Johann Kluckner. Ungefähr an der Stelle dieses Neubaues, jedoch unmit-
telbar vorne an der Straßenlinie erhob sich bis zu seiner Zerstörung beim Bombenan-
griff am 19. Dezember 1943 das erste Amraser Feuerwehr-Gerätehaus.
Nr. 98, Bp. 53, alte HNr. Amras 6. Hofname: Kiefinger
Steuerkataster von 1655, fol. 47v: Andreas Painpal; M. Th.-Steuerkataster von 1775,
CN. 695: Maria Penz, verehelichte Lechner (Nachbarsbehausung); Bp.-Prot. 1856: Josef
Mair vulgo Kiefinger, Bauer (seit 1814, durch väterliche Übergabe); 1874: Theresia Mair,
verehelichte Schiner; Adreẞb. 1913: Johann Schiener, 1921: detto; 1924: Anna Schiener,
Witwe, 1925: detto; 1926: Johann Schiener, 1953: detto; 1957: Adolf Schiener, 1976: detto.
- Zu diesem Hofe gehörte 1856 eine eigene Hausmühle am Mühlbach oben bei Schönruh.
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Abb. 97: Der Kiefinger-Hof, Philippine-Welser-Straße Nr. 98, mit seinem stattlichen Fassaden- und ostseiti-
gen Erker.
Nr. 98a, Bp.-
Adreẞb. 1964: Adolf Schiener, 1976: detto.
Nr. 101, Bp. 58, alte HNr. Amras 75. Hofname: Burgler
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 667: Katharina Kircher, die Gattin des Matthias
Mayr (Nachbarsbehausung); 1835: die Kinder des Andrä Schaffenrath; Bp.-Prot. 1856:
Nothburga Schaffenrath vulgo Schmuchenburgl, Bäuerin, woraus sich in der Folge der
Hofname Burgler entwickelt hat. Adreẞb. 1913: Andrä Kirchmayr, 1925: detto; 1926: An-
tonia Kirchmayr, 1927: detto; 1928: Antonia Kluckner, 1947: detto; 1953: Martin Kluckner;
1957: Antonia Kluckner, 1964: detto; 1976: Johann Kluckner.
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Abb. 98: Der ehemals gräflich Trapp'sche Gutshof beim »Hofer«, Philippine-Welser-Straße Nr. 85.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 105, Bp. 57 bzw. 600, alte HNr. Amras 74
M.Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 1101: Johann Haraser (Söllbehausung); Bp.-Prot.
1856: Magdalena Lotter vulgo Weichinger, Bäuerin (seit 1836, ihre Familie bis 1871); ei-
ner der nächsten Besitzer war Josef Klotz, welcher 1901 den neuen Hof Philippine-Wel-
ser-Straße 9 (vgl. dort) erbaut und Haus Nr. 105 mit dem zugehörigen Garten, jedoch
nicht mit den übrigen Grundstücken und Rechten dieses alten Hofes verkauft hat
(StAI., Cod. Amras 1= Gemeindeausschuß-Prot., S. 227 f); Adreßb. 1913: Anna Schiener,
1930: detto; 1931: Anna Schiener's Erben, 1947: detto; 1953: Johann Schiener; 1957:
Sebastian Hölzl, 1964: Sebastian und Maria Hölzl; 1976: Josef und Hilde Neu. Der Alt-
bau wurde abgerissen und auf der von der Straße weiter entfernten, neu ausgesteckten
Bp. 600 der bestehende Neubau erstellt.
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Amrafer Gnadenmutter
fei unser Schutz!
THALER RAFAELAS
Abb. 99: Freskodarstellung des Amraser Gnadenbildes an der Fassade beim »Hofer«, gemalt von Rafael
Thaler, 1945
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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11 D
Anver N°76 (Becher).
26.1.77
Abb. 100: Der im Winter 1970/71 abgerissene alte Stecherhof (Philippine-Welser-Straße Nr. 91). Dieser
stattliche Hof fungierte nicht nur als Landwirtschaft, sondern zumindest im 16. und 17. Jh. auch als >>Wirts-
behausung.
Original-Bleistiftzeichnung von Adolf Schuler im Stadtarchiv Innsbruck
Nr. 107, Bp. 56, alte HNr. Amras 73. Hausname: Hocke. GH: Waldauf-Stiftung Hall
Dieses Haus wurde vor 1655 auf einem ursprünglich zum Harbenhof (Bichlweg 10) gehö-
renden Grundstück erbaut und hatte daher noch laut des Steuerkatasters von 1655,
fol. 5 bzw. 99v, 12 Kreuzer Grundhilfszins zu entrichten. 1655 wurde es als Söllbehau-
sung >bei dem Spiltennen« (Geyrstraße 76) bezeichnet, damaliger Besitzer: Urban Wö-
ger; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 412: Johann Angerer (Inwohnersbehausung);
Bp.-Prot. 1856: Johann Mair, Mayer vulgo Lairer, Leierer, Bauer (seit 1810); Adreẞb. 1913:
Josef Mayr, Schuhmachermeister, 1936: detto; 1937: Josef Mayr, Schuhmachermeister
und Krämer, 1947: detto; 1953: Luise Mayr und Mitbesitzer, 1957: detto; 1964: Josef und
Luise Mayr, 1976: Josef Mayr.
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Abb. 101: Der Platz vor dem Stecher - rechts das breite Dach des Altbaues - fungiert auch heute noch als
der wichtigste Festplatz im Dorf. Im Bild der Einzug zur Primiz von P. Richard (Pepi) Klotz in die Pfarrkirche,
1962.
Foto: Engelbert Pöschl
Schloßstraße
Zufahrt zum Schloß Ambras und daher so benannt.
Nr. 10, Bp. 183, alte HNr. Amras 89
Adreẞb. 1913: Agnes Singer, 1918: detto; 1924: Ludwig Mader, 1947: detto; 1953: Johann
Ludwig Mader; 1957: Anna Mader, 1964: Anna Mader und Albert Rieẞ; 1976: Gertrud
Mader.
ehem. Nr. 4, Bp. 92, alte HNr. Amras 107b
Adreẞb. 1957: Josef Parth; 1964: Geschwister Pallhuber.
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E
Abb. 102: Der Wohntrakt des alten Stecherhofes. Der anschließende Wirtschaftstrakt fehlt hier bereits;
an seiner Stelle wurde der Wohnteil des neuen Hofes erbaut.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Nr. 12, Bp. 92, alte HNr. Amras 87
Bp.-Prot. 1856: Josef Griesser, Schmied. 1901 von der Gemeinde Amras samt der dazu-
gehörenden Quelle angekauft (StAI., Cod. Amras 1, S. 246f); Adreßb. 1913: Gemeinde
Amras, seit 1938: Stadtgemeinde Innsbruck.
Nr. 14, Bp. 93, alte HNr. Amras 86. Hausbezeichnung: alte Schloßschmiede
Schloß-Urbar von 1665: Schmiedbehausung des Ambraser Schlosses; 1746: vom Ärar an
Jakob Schüner (Schiener), Steinmetz, verkauft; M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 637:
Johann Mittermayr, Schmied und Schloßwachter (seit 1766); Bp.-Prot. 1856: Alois Bre-
cher vulgo Hupfauf, Bauer; Adreẞb. 1913: Josef Nagiller, 1917: detto; 1918: Josef Nagillers
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A
Abb. 103: Der Bürgler-Hof, Philippine-Welser-Straße 101. Rechts daneben der Neubau (Nr. 105) anstelle des
alten Klotz-Hofes.
Foto: Margarete Hye-Weinhart, 1979
Erben, 1944: Anton, Katherina, Juliana und Maria Nagiller sowie Josef, Hilde und Anto-
nie Mayr, 1947: Geschwister Nagiller; 1953: Anton Nagiller und Julie Ruprechter, 1957:
detto; 1964: Rudolf Nagiller und Mitbesitzer, 1976: detto.
Nr. 16, Bp. 94, alte HNr. Amras 85. Ehem. Gaststätte »Schloßkeller<<
Bp.-Prot. 1856: Johann Schaffenrath, Schloßwächter; Adreẞb. 1913: Marie Maldoner,
1914: detto; 1915: K. u.k. Hofärar, seit 1918: Republik Österreich.
Nr. 20, Bp. 99, alte HNr. Amras 84: Schloß Ambras
Geschichtliche Daten vgl. unten.
Seedammweg
Bezeichnet nicht den eigentlichen Seedamm, der den ehemaligen Amraser See an sei-
ner Nordseite begrenzte, sondern einen Weg, der parallel zum Seedamm quer durch
das ehemalige Seebecken bzw. über die ehemalige Insel im See verläuft.
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Abb. 105: Die früher abgehaltene Prozession am Hohen Frauentag (15. August) zieht am alten Klotz-Hof
(Philippine-Welser-Straße 105) vorbei.
Foto: Engelbert Pöschl
Nr. 3, Bp. 104, alte HNr. Amras 78
Ehemaliger »Seebauer« bzw. landesfürstlicher Seehüterhof
M. Th.-Steuerkataster von 1775, CN. 1109: »das herrschäftliche Seehüterhauẞ<< war die
Dienstwohnung des jeweiligen landesfürstlichen Seehüters (vgl. unten) und wurde in
der Folge verprivatisiert. Bp.-Prot. 1856: Josef Erler vulgo Seebauer, Wirt; Adreẞb. 1913:
Johann Angerer, 1944: detto; 1947: Antonia Angerer, 1976: detto. Der Hof wurde einige
Jahre später abgerissen, heute erhebt sich ungefähr an seiner Stelle das 1989 eröffnete
Einkaufszentrum »Zone<<.
ehem. Nr. 4, Bp. -, alte HNr. Amras 78b
Adreẞb. 1964 und 1970: Max Schweitzer; 1976: nicht mehr genannt.
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MAGGI
MAGG
KUNEROL
Abb. 106: Haus Philippine-Welser-Straße 107 mit der »Gemischt-Wahrenhandlung des Heinrich Hocke,
um 1913.
ehem. Nr. 8, Bp. -
Adreẞbuch 1964 und 1970: Walter Kohla; 1976: nicht mehr genannt.
ehem. Nr. 30, Bp. -, alte HNr. Amras 101. Gebäudegruppe auf der »Insel <<
Adreẞb. 1913: Heinrich Menardi, Lohnkutscher in Innsbruck, 1944: detto; 1947: Heinrich
Menardi, Erbengemeinschaft; 1953: Heinrich und Marianne Menardi sowie Maria Jäger,
1957: detto; 1964 und 1970: Heinrich Menardi und Mitbesitzer. Das Adreẞb. 1976 ver-
zeichnet diese Liegenschaft als Amraser-See-Straße 56 a: Walter Hess, DEZ-Einkaufs-
zentrum.
Siegmairstraße
Benannt nach dem Tiroler Freiheitskämpfer Peter Siegmair, Tharerwirt von Olang im
Pustertal (1775-1810).
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Fift
Abb. 107: Blick vom Militärfriedhof an der Wiesengasse zum Oberdorf (Bichlweg) und zu den Häusern
Tummelplatzweg Nr. 1 (Hye) und Nr. 2 (Lehrerheim) - vor 1925.
Nr. 1, Bp. 587; Nr. 2, Bp. 502; Nr. 4, Bp. 455; Nr. 6, Bp. 456; Nr. 8, Bp. 457; Nr. 10,
Bp. 458; Nr. 12, Bp. 459; Nr. 14, Bp. 460; Nr. 16, Bp. 461; Nr. 18, Bp. 511; Nr. 20, Bp. 512
Adreẞb. 1964: Stadtgemeinde Innsbruck, 1976: detto. Nr. 1 ist die Doppelvolksschule
Pradi-Ost.
Tummelplatzweg
Angelegt in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts als Fürstenweg nach Schloß Ambras und
nach 1856 bzw. nach der Anlage der neuen Schloßstraße dorthin als Alter Fürstenweg
oder Alte Schloßstraße oder schlicht als Hohlweg bezeichnet, bezieht sich die heutige
Bezeichnung darauf, daß dieser Weg die kürzeste Verbindung von Pradl zum Tummel-
platz bildet.
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Nr. 4, Bp., alte HNr. Amras 109c
Adreẞb. 1957: Matthias Koch und Katharina Kolarz; 1964: Katharina Kolarz. Rund zwei
Jahre später im Zuge des Autobahnbaues abgerissen.
Nr. 7, Bp. 592, alte HNr. Amras 19a
Adreẞb. 1953: Roman Klimek, 1976: detto.
Nr. 11, Bp. 591, alte HNr. Amras 19c
Adreẞb. 1964: Johann Falschlunger, 1976: detto.
Nr. 13, Bp. 590
Adreẞb. 1964: Hermann Ploner; 1976: Nothburga Ploner.
Nr. 19, Bp. 372, alte HNr. Amras 24a
Adreẞb. 1938: Sebastian Haidacher, 1944: detto; 1947: Sebastian und Emilie Haidacher,
1957: detto; 1964: Sebastian Haidacher und Mitbesitzer; 1976: Hermann und Sebastian
Haidacher.
Vintlergasse
Benannt nach dem Südtiroler Adelsgeschlecht der Vintler, dem u. a. auch der in Inns-
bruck verstorbene Dichter Hans von Vintler (1837-1890) entstammte.
Nr. 7, Bp., Gp. 1612/3, alte HNr. Amraser-See-Straße 18a
Adreẞb. 1953: Ing. Franz und Elisabeth Stöger, 1976: detto.
Nr. 8, Bp. 492, alte HNr. Amraser-See-Straße 18b
Adreẞb. 1953: Luis Jaworsky, 1957: detto; 1964: Hedwig Wieser, 1976: detto.
Nr. 9, Bp. 481, alte HNr. Amraser-See-Straße 24a
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Anton Polaschek, 1976: detto.
Nr. 11, Bp. 480, alte HNr. Amraser-See-Straße 24b
Adreẞb. 1953: Erste Innsbrucker Gemeinnützige Wohnbauförderungsgenossenschaft;
1957: Prof. Norbert und Stefanie Gerhold, 1976: detto.
Wallpachgasse
Benannt nach dem Südtiroler Dichter und Lyriker Arthur von Wallpach (1866-1946)
Nr. 3, Bp. 607, alte HNr. Amras 159
Adreẞb. 1964: Leopold Rauch, 1976: detto.
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Abb. 109: Der Winkelfeldsteig im Jahre 1909. Die ersten Häuser im Hintergrund sind der »Schuler< (Kirch-
steig Nr. 15) und der »Egger< (Bichlweg Nr. 8, rechts).
Nr. 4, Bp. 606, alte HNr. Amras 160a
Adreẞb. 1964: Gerhard Steinlechner, 1976: detto.
Nr. 5, Bp., Gp. 1632/6
Adreẞb. 1976: Karl und Herta Linser.
Nr. 6, Bp. 612, alte HNr. Amras 160b
Adreẞb. 1964: Dipl.-Ing. Leo und Agnes Zaunmüller, 1976: Dipl.-Ing. Leo Zaunmüller und
Mitbesitzer.
Nr. 8, Bp. 614, alte HNr. Amras 160c
Adreẞb. 1964: Hans und Adelheid Wieser, 1976: detto.
Nr. 9, Bp., Gp. 137/8
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Nr. 10, Bp. 615, alte HNr. Amras 160d
Adreẞb. 1964: Luis und Dr. Liane Netzer, 1976: Dr. Liane Netzer.
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Nr. 11, 13, 15, 17, 19, Bp., Nr. 11, Gp.137/8; Nr. 13, 15, 17, 19 Gp. 137/11
Adreẞb. 1970: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
Wiesengasse
Heutige Bezeichnung der alten Römerstraße bzw. des einstigen Kirchweges von Wilten
nach Amras.
Seit 1915 Militärfriedhof; Adreẞb. 1957: Sportplatz Wacker, 1976: detto.
Winkelfeldsteig
Dabei handelt es sich um einen Fußweg oder Steig, der in östlicher Fortsetzung des
Paschbergweges hinüber zum Kirchsteig führt, wobei die Flur im Winkel zwischen die-
sen beiden Wegen bzw. hinter dem Hof der Winkelhube (das ist der heutige Steixner-
bzw. Schöberlerhof, Philippine-Welser-Straße 86) als das >>Winkelfeld<< bezeichnet wird.
Nr. 4, Bp. 499, alte HNr. Amras 109a
Adreẞb. 1953: Stanislaus und Maria Niederbacher, 1976: detto.
Nr. 50, Bp., Gp. 173/1
Adreẞb. 1970: Magdalena Kreutner; 1976: Anton Steixner.
Nr. 62, Bp. 313, alte HNr. Amras 115
Adreẞb. 1931: Josef Happ, Tischlermeister, 1936: detto; 1937: Wilhelm Happ, 1957: det-
to; 1964: Ferdinand Happ, 1976: detto.
Nr. 64, Bp. 506, alte HNr. Amras 115a
Adreẞb. 1947: Beton- und Monierbau Ges. m. b. H.; 1953: Hans und Hanna Manhartsber-
ger, 1976: detto.
Nr. 81, Bp. 594, alte HNr. Amras 15d
Adreẞb. 1964: Heinrich Schapfl, 1976: detto.
Nr. 83, Bp., Gp. 148/11, alte HNr. Amras 15e
Adreẞb. 1964: Josef Steixner; 1976: Anton Steixner.
Nr. 85, Bp. 564, alte HNr. Amras 15f
Adreẞb. 1964: Johann Steixner, 1976: detto.
Nr. 87, Bp. 595, alte HNr. Amras 15b
Adreẞb. 1957: Walter Wenter; 1964: Hilde Wenter; 1976: Hilde und Walter Wenter.
Nr. 91, Bp. 596, alte HNr. Amras 15c
Adreẞb. 1964: Engelbert Mairhofer, 1976: Engelbert und Eleonore Mairhofer.
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Abb. 110: Die beliebten Rodelhügel am Winkelfeldsteig mit den Häusern im Oberdorf vor dem Bau der Auto-
bahn. Am rechten Bildrand der Gartenzaun vom »Niederbacher< (Winkelfeldsteig Nr. 4).
Wolkensteingasse
Benannt nach dem spätmittelalterlichen Südtiroler Dichter und Sänger Oswald von
Wolkenstein (1377-1445)
Nr. 2 und 4, Bp. 577 und 576, alte HNr. Amras 154a und 154
Adreẞb. 1964: Tiroler Gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft,
1976: detto.
Nr. 6, 8, 10, 12, Bp. 1627/1, alte HNr. Amras 156, 156a-c
Adreẞb. 1964: Alpenländische Heimstätte, 1976: detto.
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Burg und Schloß Ambras sowie seine Nebengebäude
a) Burg und Schloß
Über Schloß Ambras können wir uns hier kurz fassen, da in den letzten Jahren die
Kustodin desselben, Frau Dr. Elisabeth Scheicher, sowohl im Tiroler Burgenbuch, Band
VI., Bozen 1982, S. 139-190 als auch in der österreichischen Kunsttopographie, Band 47,
Wien 1986, S. 509-623 ausführlich und reich illustriert dieses Thema behandelt hat.
Wenn sie allerdings im Burgenbuch (S. 140) schreibt, daß man sich bis dahin nur mit
dem Schlosse Erzherzog Ferdinand II. (in Tirol 1564-95) und seiner Philippine befaßt,
>>eine eingehende Beschäftigung mit der älteren Geschichte (der Burg) von Ambras« je-
doch unterlassen habe, so muß dazu doch festgestellt werden, daß der Verfasser selbst
dieser Thematik in seiner kleinen, 1977 erschienenen Broschüre über »Amras< nachge-
gangen ist, welche die genannte Autorin jedoch ebenso übersehen hat, wie alle ein-
schlägigen Aufsätze im »Amraser Boten«. Dessenungeachtet freue ich mich, daß
E. Scheicher für die alte Burg im wesentlichen zu denselben Ergebnissen gekommen
ist, wie sie bereits in meiner Broschüre von 1977 veröffentlicht worden sind.
Wann die Amraser Burg nach der oben erwähnten Zerstörung im Jahre 1133 wiederauf-
gebaut worden ist und von wem (ob noch von den im Jahre 1248 ausgestorbenen Grafen
von Andechs), wissen wir nicht. Die ersten Nachrichten, die wir nach diesem Ereignis
über das >castrum Omeraz« antreffen, stammen erst aus den Jahren 1288/89 und besa-
gen, daß damals an dieser landesfürstlichen Burg bedeutende und sehr kostspielige
Bauarbeiten durchgeführt worden sind. 169 Im Jahre 1303 begegnet dann ein >castellan-
us in Omeras«<,170 und vom Jahre 1330 stammt der älteste Ablaßbrief, der für die Besu-
cher der dem hl. Bischof Nikolaus geweihten Burgkapelle ausgestellt worden ist.17!
Auf die verschiedenen Inhaber und Inhaberinnen, denen die Burg im Laufe der Zeit
verliehen, verpfändet oder als Morgengabe übergeben worden ist, wollen wir hier nicht
näher eingehen, sondern uns vielmehr nur mit der Gestalt der Burg, wie sie uns seit
dem Ende des 13. Jahrhunderts wieder gegenübertritt, befassen. Diesbezüglich ist zu-
nächst zu erwähnen, daß die soeben genannte Burgkapelle an der Nordostecke der
Burg unter Erzherzog Sigmund dem Münzreichen umgebaut worden ist und damals
grundsätzlich ihre heutige architektonische Gestalt erhalten hat (selbstverständlich
169 M(ichael) Mayr-Adlwang, Regesten zur tirolischen Kunstgeschichte. In: Zeitschrift des Ferdinandeums
3. Folge, Bd. 42, Innsbruck 1898, S. 130 n. 69. An dieser Stelle muß auch festgestellt werden, daß Amras
nicht erst 1282 in den Besitz des Grafen Meinhard II. von Tirol-Görz übergegangen ist, wie E. Scheicher
(Burgenbuch Bd. VI, S. 142) dies schreibt, sondern bereits kraft des Schiedsspruches vom 14. Jänner 1263
(Vgl. Hermann Wiesflecker, Die Regesten der Grafen von Görz und Tirol, Bd. I, Innsbruck 1949, S. 185f, n. 707).
170 Am 6. Februar 1303 in Zell a. Z. stellte »Bartholomeus de Liechtenwerd, castellanus in Omeras, für Erz-
bischof Konrad von Salzburg eine Urkunde aus. Orig. Perg. in Wien, HHSA., W 257.
171 Orig. Perg. in Schloß Ambras.
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Das furstliche
Schloß Vmbras.
Dee geofle Saal
D. Bam hurt.
E. Komhalte
T. Blather.
Semmerhus. darition der ablaufende Tech
D. e Kellere
Klepte all
18. Kun kamme. M. Gange daunies die großenfluck.
In N. Thi und Luftgailen.
K. Romih Antiquitten. 0. Hoff kichen.
I. Des del knaben legement,
Abb. 111: Ansicht von Schloß Ambras, 1649. Kupferstich von Matthäus Merian. Man beachte die topogra-
phischen Detailangaben unten Littera A - O.
Original Stadtarchiv Innsbruck
abgesehen von den neugotischen Zutaten der Jahre 1863/67). Nach Vollendung des
Umbaues wurde die Kapelle am 14. Dezember 1465 durch den Salzburger Weihbischof
>>Casparus episcopus Baruttensis<< neuerlich geweiht und erhielt von demselben Bi-
schof am 5. Jänner 1466 im Anschluß an die Weihe auch einen Ablaßbrief. 172 Weitere Ab-
laẞbriefe erhielt die Kapelle noch am 24. Jänner 1466, also ebenfalls unmittelbar nach
dem Umbau, und zwar vom Fürsterzbischof Burckhard von Salzburg, und zwanzig Jahre
später, am 10. September 1486, durch den Fürstbischof Georg von Brixen und durch sei-
nen Weihbischof Konrad, was sicherlich einen verstärkten Besuch dieses kleinen Got-
teshauses bewirkt hat.173
172 F. H. Hye, Eine unbekannte St. Georgskirche in Amras. In: Tiroler Heimat, Bd. 27/28, Innsbruck 1965, S. 63.
Derselbe, Amras - Geschichte und Sehenswürdigkeiten eines Innsbrucker Stadtteiles. Hg. v. d. Arbeits-
gemeinschaft Amras, Innsbruck (1977), S. 36.
173 Die zitierten Ablaß-Urkunden befinden sich in Schloß Ambras.
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Auf das gleiche Alter wie die Kapelle kann auch das wuchtige Gewölbe der alten Küche
im Erdgeschoß des Nordflügels des Hochschlosses zurückblicken, während der uralte
Bergfried an der Südwestecke in seinen über zwei Meter starken Grundmauern m. E.
doch noch ein Relikt der ersten andechsischen Burg darstellt.
Eine Besichtigung des Hochschlosses sowie seines Bauplanes läßt überdies erkennen,
daß die alte Burganlage vor dem Umbau unter Erzherzog Ferdinand II. bzw. vor 1564
kein in sich geschlossenes Gebäude gebildet hat, sondern in drei verschiedene, mit-
einander nur durch die Ringmauer verbundene Einzelgebäude gegliedert war. Den
ersten Teil bildete der bereist erwähnte Bergfried mit dem anschließenden, um die
Nordwestecke herum verlaufenden dreigeschossigen Palas, wobei sich an der Westsei-
te neben dem Bergfried so wie heute der Eingang und der Stiegenaufgang befunden
haben. Den östlichen Abschluß des Palas bildete im Erdgeschoß die ebenfalls bereits
erwähnte alte Küche. Auch die zwei Räume des ersten Obergeschosses über dieser Kü-
che weisen noch ihre alte gotische Balkendecke auf. Im größeren dieser zwei Räume
wird diese Decke überdies von einem marmornen, spätgotisch bearbeiteten Pfeiler
getragen. Die über einen Meter starke Ostwand der Küche und des östlichen dieser
beiden Zimmer darüber war ursprünglich die östliche Außenmauer des Palas.
Wie ein schmalrechteckiger spätgotischer Erker im ersten Obergeschoß an der nördli-
chen Außenwand erkennen läßt, wurde im 15. Jahrhundert, wohl unter Herzog Sigmund
dem Münzreichen der Palas um die betreffenden zwei heutigen Räume ostwärts zur
Kapelle hin verlängert bzw. die Verbindung vom mittelalterlichen Palas bis zur Kapelle
hin hergestellt und damit die Baulücke zwischen Palas und Kapelle geschlossen.
Dieser Ergänzungsbau stand sicherlich im Zusammenhang mit der oben erwähnten
Neugestaltung der Kapelle um 1465. Bis dahin wurde das zweite Gebäude der mittel-
alterlichen Burg von der ostwärts über die Baulinie des heutigen Schlosses hinausrei-
chenden St. Nikolaus-Kapelle gebildet.
Am wenigsten hat sich vom dritten Gebäude erhalten, welches sich an der Südostecke
der Burg gegenüber der Kapelle befunden hat. Dieses Gebäude wird jedoch einerseits
im letzten, noch am 2. Juni 1564, also bereits nach Beginn der Umbauarbeiten, aufge-
zeichneten Inventar von Schloß Ambras als das »Haus vor der Cappellen« bezeich-
net. 174 Andererseits findet es sich auch im ersten Bericht über den Beginn der Umbau-
arbeiten im April 1564 erwähnt, wo u. a. festgestellt wurde, daß die lange alte Maur
(südliche Ringmauer) von dem großen Thurn (Bergfried) bis zu dem andern Thurn, da
die Gefangnuß gewest«<, abgerissen worden ist, wobei unter dem anderen Turm mit
dem Gefängnis-wohl des Propsteigerichtes Amras - eben dieses >>Haus vor der Cap-
174 Wendelin Boeheim, Schloß Ambras in Tyrol zur Zeit der Lehensablösung desselben durch Kaiser Ferdi-
nand I. 1564. In: Mittheilungen der k.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst-
und Historischen Denkmale, NF., Jg. 7, Wien 1881, S. XXX-XXXIV.
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Abb. 112: Schloß Ambras mit dem um 1857/59 aufgestockten Bergfried samt Uhrtürmchen und der gleich-
zeitig neu gestalteten Fassade des Spanischen Saales. Zwischen diesem und der Kornschütt (rechts) sieht
man noch das Dach des 1880 abgerissenen Ballhauses.
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pellen<< an der Südostecke des Schlosses gemeint war. 175 Das obzitierte Inventar nennt
übrigens, abgesehen von mehreren Stuben, Kammern, einem »khlainen Salel<< und
einem Saal, auch ein Zimmer Maximilians sowie die noch erhaltene »Stuben mit dem
stainen Pheiller« über der Küche, welche Aufzählung es wahrscheinlich macht, daß der
Palas zweistöckig gewesen ist.
Soviel zum Bild der alten Amraser Burg, wie es von mir im wesentlichen bereits 1977 re-
konstruiert worden war.
In den Jahren 1564 bis 1566 wurde diese Burganlage, nachdem sie von Erzherzog Ferdi-
nand II. am 3. März 1564 seiner ersten Gattin Philippine Welser geschenkt worden ist,
durch die italienischen Architekten und Baumeister Albrecht und seinen Sohn Gio-
vanni Lucchese zum heutigen Hochschloß umgebaut. Erst seither bildet dieses einen
einheitlich dreistöckigen, um einen ungefähr rechteckigen Innenhof angeordneten,
geschlossenen Baukörper, in den die oben erwähnten alten Bauteile integriert worden
sind. Diesem ersten Bauvorhaben folgten 1570/71 der erst seit dem 19. Jahrhundert
sogenannte >>Spanische Saal<< südlich unterhalb des Hochschlosses und bis Ende 1572
das Ballhaus (abgerissen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts), weiters das
markante Gebäude mit den Pferdestallungen, dem Antiquarium, der Bibliothek und
zuoberst mit der dreistöckigen Kornschütt für die Getreidezinse und schließlich an die-
ses anschließend die Säle der Rüstkammer bzw. Waffensammlung, unter denen sich
seither die Einfahrt in den malerischen unteren Burghof befindet.
Das erwähnte Ball- oder Ballspielhaus war ein unterkellerter, eingeschossiger-ver-
mutlich - Hallenbau mit Krüppelwalmdach, welcher sich im rechten Winkel vom Vor-
platz des Spanischen Saales südwärts erstreckte, jedoch an seinem Südende einen
breiten Durchgang in Richtung Keuchengarten und Wildpark offen ließ. Sein Abbruch
erfolgte im Jahre 1880. Ungefähr an seiner Stelle bzw. im betreffenden Grundstück
plätschert seit 1914 ein venezianischer Renaissancebrunnen.
Ebenfalls damals abgebrochen wurde der erst 1589 erbaute vierte Waffensaal. Er befand
sich als Vorbau außerhalb jenes Traktes, durch den man heute von der Schloßstraße
her das Unterschloß betritt. Bis zu seinem Abbruch befand sich diese Schloßeinfahrt
unterhalb der südlichsten Fensterachse dieses Museumstraktes bzw. Waffensaales.
Das prächtige Wappenrelief mit dem Wappen Erzherzog Ferdinand II. über der heuti-
gen Schloßeinfahrt wurde dementsprechend erst 1881 geschaffen.
Diverse Spuren am Eingang der Bacchusgrotte im Keuchengarten lassen erkennen,
daß auch hier ein Vorbau bestanden hat, der 1880 beseitigt worden ist.
175 David R. v. Schönherr, Ein fürstlicher Architekt und Bauherr. In: Mittheilungen des Instituts f. Österreichi-
sche Geschichtsforschung, Erg.-Bd. IV, Innsbruck 1893, S. 474.
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Schloß Ambras bei Innsbruck.
Abb. 113: Schloß Ambras nach Abnahme des Uhrtürmchens (1899) von dem noch immer aufgestockten Berg-
fried. Man beachte auch die 1880 geschaffene Fassade des Spanischen Saales sowie den seit ca. 1857/59
nicht überdachten, gezinnten »Küchenturm< links vom Hochschloß.
Foto: Leo Stainer
Eine wesentliche Maßnahme in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild des Unter-
schlosses war auch die Änderung des Daches und der Fassade des Spanischen Saales,
welcher 1880 anstelle eines 1858 geschaffenen, unschönen Treppengiebels seine heu-
tige bauliche Gestalt erhielt; - der ursprüngliche Eingang in den Saal befand sich je-
doch an seiner Ostseite, d. h. man hat ihn vom Hochschloß aus betreten.
Bleibt noch zu erwähnen, daß 1858 auch der alte Speisesaal im Vorschloß - seine von
Johann Baptist Fontana bemalte Decke von 1586 befindet sich seit 1882 in einem der
Waffensäle aufgelassen und in eine Terrasse umgewandelt worden ist. Sie befindet
sich unmittelbar nördlich vor dem Portal des Hochschlosses, ist jedoch seit 1913/14 ge-
schmackvoll überdacht. Unter dieser Terrasse befand sich übrigens zur Zeit Erzherzog
Ferdinands II. die Küche.
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Abb. 114: Das Hochschloß und der Spanische Saal heute bzw. nach der baulichen Wiederherstellung des
Ferdinandeischen Zustandes durch den Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand in den Jahren 1911-13.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Das 19. Jahrhundert hat jedoch nicht nur abgerissen, es hat auch um- und dazugebaut.
Den Anfang mit allen diesen 1913/14 soweit wie möglich wieder rückgängig gemachten
Veränderungen machte Erzherzog Karl Ludwig, der von 1855 bis 1859 kaiserlicher Statt-
halter in Tirol war und sich das Schloß von den bekannten Wiener »Ringstraßen<<-Archi-
tekten Ludwig und Heinrich Förster zu seinem Sommersitz adaptieren ließ. Unter
anderem wurde damals der alte Bergfried in der Weise reaktiviert, daß man ihn anstelle
des sechseckigen Schloßtürmchens um ein Stockwerk über die übrige Traufenlinie er-
höhte und ihm zudem ganz vorn ein hochaufragendes neugotisches Uhrtürmchen auf-
setzte. Doch als dieses durch Witterungseinflüsse im Jahr 1899 endlich baufällig war,
wurde es wieder abgenommen.
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Abb. 115: Der Südtrakt des Unterschlosses mit Stallung, Bibliothek und Antiquarium sowie mit der dreige-
schossigen Kornschütt unter dem Satteldach.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Unterdessen hatte für Schloß Ambras ein wichtiges neues Kapitel in seiner Geschichte
begonnen: Über persönliche Anordnung Kaiser Franz Josephs I. wurde das Schloß ab
1880 als öffentlich zugängliches »Museum« adaptiert und zu diesem Zwecke wieder mit
Ausstellungsstücken ausgestattet. 176 Damals (1882) erschien auch ein eigener von
Albert Ilg und Wendelin Boeheim verfasster Füher durch das »k. k. Schloss Ambras in Ti-
rol. Beschreibung des Gebäudes und der Sammlungen.<< Wien 1882. Diese erstmalige
Öffnung des Schlosses für das Publikum endete allerdings vorübergehend, als Erzher-
176 Albert Ilg und Wendelin Boeheim, Das k.k. Schloss Ambras in Tirol. Wien 1882, S. I = Vorbemerkung.
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zog-Thronfolger Franz Ferdinand d'Este 1913 den Wunsch bekundete, das Hochschloß
für sich als Sommerresidenz adaptieren zu lassen (das Unterschloß sollte nach Fertig-
stellung der Arbeiten weiterhin als Museum öffentlich zugänglich bleiben).177 Franz Fer-
dinand ließ damals (1913/14) zwar das äußerliche Bild des Schlosses, soweit dies
ohne großen Aufwand möglich war, wieder in der Ferdinandeischen Form herstellen, im
Inneren aber, wo zuvor Erzherzog Karl Ludwig im Innenhofe gewütet hatte, ließ Franz
Ferdinand namentlich im Ostteil zwischen der Kapelle und dem berühmten Bad der
Philippine Welser Raum für einen modernen Aufzug schaffen.
Sein tragischer Tod in Sarajewo (1914) und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhin-
derten weitere bauliche Maßnahmen, weshalb Schloß Ambras schon in den ersten Jah-
ren nach 1918 wieder, ohne weitere große Schäden genommen zu haben, im Jahre 1922
(das Unterschloß) und 1926 das Hochschloß wieder für den Besuch durch das interes-
sierte Publikum zugänglich gemacht werden konnte. 178 Abgesehen von der durch den
Zweiten Weltkrieg bedingten Unterbrechung wird seither unentwegt an der Restaurie-
rung und Erhaltung dieses prächtigen Tiroler Renaissanceschlosses gearbeitet, wel-
ches Jahr für Jahr von Hunderten von Besuchern aus nah und fern mit großem Interesse
und viel Freude besichtigt wird.
Auf die Geschichte der einst hier verwahrten berühmten Sammlungen Erzherzog Ferdi-
nand II. (gest. 1595) kann hier nicht eingegangen werden. Es sei aber darauf hingewie-
sen, daß sich hier auch heute wieder ein großer Teil der alten Waffen- und Rüstungs-
sammlung sowie die kultur- und geistesgeschichtlich bedeutsame »Wunderkammer<<
befinden. Die wertvollsten Gemälde der ehemaligen Kunstkammer wie auch die
Ambraser Bibliothek hingegen bilden heute (seit 1806) einen erheblichen Teil des
Kunsthistorischen Museums und der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.
Seit dem Sommer 1976 kann im Schloß Ambras neben der Kunst- und Wunderkammer
und der Waffensammlung auch wieder eine bedeutende historische Portraitgalerie be-
sichtigt werden, welche vom Kunsthistorischen Museum in Wien nach Schloß Ambras
übertragen worden ist.
177 Vgl. den Bericht »Der Umbau des Schlosses Ambras bei Innsbruck< in der Neuen Freien Presse/Abend-
blatt Nr. 17 572 vom 3. Mai 1913.
178 Josef Garber, Schloss und Sammlung Ambras. = (Festschrift) Anläßlich der Wiedereröffnung des Hoch-
schlosses Ambras, hg. v. Tiroler Landesverkehrsamte. Frühjahr 1926, S. 14.
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b) Die Nebengebäude des Schlosses und die beiden >>Tiergärten<<
bzw. der Schloßpark
Während das Schloß nur die Hügelkuppe über dem Dorf und die nächste Umgebung
um diese Erhebung einnimmt, liegen die funktionalen Nebengebäude des Schlosses
in ziemlich weitem Umkreis verstreut. Dem Schlosse zunächst liegen die alte Schloß-
schmiede (Schloßstraße Nr. 14), »so ihr Durchleichtigkheit Erzherzog Ferdinandt er-
bauen lassen«<, jedoch 1746 in Privatbesitz verkauft worden ist, und das einstige
Tischlerhaus, welches am Ende des 19. Jahrhunderts in der Hotelpension Schönruh
(Aldranser Straße 15) aufgegangen ist. 179
Von besonderer Bedeutung für die einstigen Tafelfreuden des Schlosses war die
Schloß-Vogelhütte (Aldranser Straße 4) auf dem Hügel zwischen dem Schintertälchen
und dem Tummelplatz bzw. in der Höhe über der vorgenannten Schloßschmiede.
Im Schloß-Urbar von 1665 erfahren wir darüber, daß diese »Finckhen-Thennen« ober-
halb der »Hofschmidten« auf dem Schloßbichl eine »Nöz- unnd Leimbstat<< war und
auch das >>Pogen-Gericht«< besessen hatte. 180 Mit anderen Worten ausgedrückt, wurden
hier also Vögel gefangen und zwar mit Leimruten und mit Netzen, doch wurden hier
auch Vögel geschossen und zwar mit dem Bogen bzw. mit der Armbrust. Diese Vogel-
hütte bzw. das dortige Wohnhaus wurde aber nicht von Erzherzog Ferdinand II., son-
dern erst vom späteren Schloßhauptmann (seit 1613) Karl Füeger zu Friedberg erbaut.
Laut Verordnung vom 21. Jänner 1746 wurde die Vogelhütte dann einem jeweiligen
Schloßhauptmann zinsenfrei überlassen und zwar mit »Beybehaltung des Rechts in
der Gemain-Waldung«.181 Bezüglich dieses Waldrechtes muß darauf hingewiesen wer-
den, daß die Vogelhütte seit jeher auf Gemeindegrund stand und ihr Besitzer zu
seinem Hausbedarf einen gewissen Holzteil ausgesteckt erhalten hatte. Mit dem Ver-
stummen des Hoflebens drohte nun aber auch dieses Waldrecht zu erlöschen. Um dem
entgegenzuwirken, gab man die Vogelhütte mit allen ihren Rechten und Einkünften ei-
nem jeweiligen Schloßhauptmann als Zulage zu seinem Gehalt, in der berechtigten
Meinung, daß sich derselbe sicherlich seines Rechtes erwehren werde. Diese Kalkula-
tion sollte sich auch als richtig erweisen und bereits ein Jahr später, am 3. Mai 1747, er-
wirkte der Schloßhauptmann eine neuerliche Ausmarkung seines Holzteiles. Drei - im
Jahre 1966 bzw. vor dem Ausbau der Aldranser Straße waren es noch vier - der damals
gesetzten insgesamt 8 Grenzsteine mit der Jahreszahl 1747 und dem österreichischen
Bindenschild haben sich bis in unsere Tage erhalten. Der erste Markstein stand beim
ehemaligen Schmied-Bruggele über dem Schinterbach, der zweite (jetzt nicht mehr er-
179 Vgl. oben die Angaben bei den betreffenden Straßen-Nummern.
180 TLA., Urbar 82/10, fol. 268.
181 TLA., Cameral-Archiv Lade 57, Nr. 227. Vgl. auch TLA., Urbar 82/32, von 1722, I. Thaill, fol. 583.
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Abb. 116: Ansicht von Schloß Ambras um 1800. Im Vordergrund ist hier eine vom Oberen Tiergarten über die
Luigenstraße auf den »Eisbichl« (= Luigenstraße 23 und 25) herabführende überdachte Brücke zu sehen.
Sie bildete eine bequeme Verbindung vom Oberen zum Unteren Tiergarten und trug den Namen »Tendl-
pruggen«. >Tendl« war ein in Niederösterreich gebräuchlicher Ausdruck für Wild.
Original-Federzeichnung von Caspar Pfaundler, um 1800 (Archiv Pfaundler, Piburg im Ötztal). Reproduktion
aus: Wolfgang Pfaundler, Die schönsten Bilder von Innsbruck 1500-1822. Innsbruck 1972, S. 211.
halten) am Beginn des sogenannten »Fürsten-Reuthweegs«<, und entlang dieses fürstli-
chen Reitweges zum Tummelplatz standen und stehen noch heute der dritte und vierte
Markstein. Auch der ursprünglich fünfte Stein hat sich erhalten, er steht an der Einfahrt
zur großen Wiese oben am Hügel. Der sechste, siebente und achte Stein hingegen wur-
den durch den Bau der Igler Bahn (1900) und den Bau der Aldranser Straße (1921) ent-
fernt oder verschüttet. Jedenfalls hat diese Grenze rund um den Hügel herum wieder
zum Schintertal und zum Schmiedbruggele geführt.
Im obzitierten Schloß-Urbar von 1665, fol. 268, findet sich die Vogelhütte als ein >mit
Maur wolerbautes Heisl (mit) Stuben, Camerl unnd Vorzimerl« beschrieben, im Maria-
Theresianischen Steuerkataster von 1775, CN. 1111A dagegen lediglich kurz als >>ain
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Abb. 117: Das Gelände des Unteren Tiergartens. Links die Nordostecke der überwachsenen Tiergarten-
mauer.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Häusl<< bezeichnet, welches noch immer der »landsfürstlichen Herrschaft<< zugehörig
war. Seine Verprivatisierung muß jedoch vor 1856 erfolgt sein, in welchem Jahre hier
Franz v. Walter als Eigentümer begegnet.
Im Zusammenhang mit dieser ehemaligen Schloß-Vogelhütte und dem vorgenannten
Reitweg, der sowohl dorthin als auch bzw. vor allem zum Tummelplatz führt, mag auch
die Antwort auf folgende Feststellung von E. Scheicher gegeben werden, wenn sie
schreibt: >Ungeklärt ist auch die Frage nach der Existenz eines Turnierplatzes im
Schloßbereich oder in dessen unmittelbarer Nähe. «182 Wie mir scheint, wird man diese
182 E. Scheicher, Schloß Ambras. In: Österr. Kunsttopographie Bd. 47, Wien 1986, S. 609.
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HOTEL PENSION SCHONRUH BEI INNSBRUCK SCHLOSS AMRAS
Abb. 118: Schloß Ambras und Hotel Schönruh mit dem einstigen Schloß-Tischlerhaus (Mitte), um 1950.
Frage mit dem Hinweis auf den Tummelplatz beantworten dürfen. Hier konnten sich
Roß und Reiter tummeln und, um vom Schloß dorthin gelangen zu können, benötigte
man den vorgenannten Reitweg. Für die Bewirtschaftung des Waldes hätte man näm-
lich keines Reitweges bedurft. Da der Name Tummelplatz heute jedoch gleichbedeu-
tend ist mit der dortigen Gefallenen-Gedenkstätte, sollte hier vielleicht daran erinnert
werden, daß dieser Name älter ist als die Verwendung des ehemaligen Reitplatzes als
Militärfriedhof (ab 1797).
Ein weiteres Nebengebäude des Schlosses war das » Jäger- oder Thiergartenhauẞ<<
(heute Tischlerhaus, Luigenstraße 22). Es ist das einzige aus dieser Gruppe, welches
noch heute zum Schlosse gehört. Seine Bezeichnung als Jäger- oder Tiergartenhaus im
Steuerkataster von 1775 ist bezeichnend für den damaligen Tiergarten-Begriff, der
nämlich keinen Tiergarten oder »Zoo« im heutigen Sinne, sondern ein eingefriedetes,
bequemes Jagdrevier meinte, in welchem Rotwild eingesetzt worden ist. Dies macht es
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Abb. 119: Die alte Schloß-Schmiede, Schloßstraße Nr. 14, am hier unter der Straße durchfließenden -
Schinterbach.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
verständlich, wenn der Jäger zugleich die Aufsicht über den >Tiergarten« auszuüben
hatte. Hinsichtlich dieses Tiergartens wurde zwischen dem oberen und dem unteren
unterschieden. Der »obere Thiergarten« (CN. 1108D) mit >>Schrofen<< östlich vom Schloß
(=Ferdinands-Höhe) und »grossem Weyr und Dam<< westlich vom Schloß erstreckte
sich also von der östlichen Begrenzungsmauer des heutigen Wildparks über die ehe-
maligen Wiesenflächen nördlich unterhalb des Schlosses bis hinüber zum heutigen
Schloßteich bzw. zur westlichen Tiergartenmauer, nahm also das gesamte unverbaute
Areal beiderseits und unterhalb des Schlosses bzw. oberhalb des Dorfes ein.
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Abb. 120: Die alte Schloß-Vogelhütte, der heutige Waltherhof.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
An dieser Stelle ist es angebracht, auch ein Wort über den Schloßteich zu verlieren. Im
Maria-Theresianischen Steuerkataster von 1775 als »großer Weyr« angeführt, fehlt er
sowohl in einem Plan des Schlosses von 1820183 als auch in einer Karte des mittleren
Inntales von Hauptmann Urban um 1840 gänzlich. Er scheint demnach zeitweise
wahrscheinlich um 1806 bis 1858 - ausgelassen und erst unter Erzherzog Karl Ludwig
wieder aufgefüllt worden zu sein. Mit Nachdruck ist jedoch festzustellen, daß der Teich
im Schloßpark nicht identisch ist mit dem ehemaligen Amraser See. Diese Feststellung
ist nötig, da im oben zitierten Band der Österreichischen Kunsttopographie (S. 608 ff)
der >>Amraser See« als Bestandteil des westlich des Schlosses liegenden Schloßparks
miẞverstanden bzw. mit dem dortigen Teich verwechselt worden ist.
Der untere Tiergarten (Maria-Theresianischer Steuerkataster von 1775, CN. 1108 E) -
E. Scheicher lokalisiert ihn irrtümlich beim Jägerhaus (heute »Tischlerei<< bzw. anstelle
183 TLA., Karten und Pläne Nr. 626/1, verfaßt vom später berühmten k.k. Ingenieur-Praktikanten Alois
Negrelli.
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Abb. 121: Einer der im Jahre 1747 gesetzten Grenzsteine des zur Schloß-Vogelhütte gehörenden Waldteiles
am alten >Reitweg« zum Tummelplatz.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 122: Der ehemalige Seebauer (Seedammweg Nr. 3) - einst Sitz des landesfürstlichen Seehüters.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
der Baumschule, die der Autobahn weichen mußte) 184 - dehnte sich hingegen unter-
halb der Luigenstraße bzw. südöstlich vom Amraser See aus und wurde gegen Norden
durch eine von der Bleiche nicht allzuweit ostwärts verlaufende Mauer begrenzt. Die
Ostgrenze lag noch innerhalb des Bogens des Autobahnzubringers. Das betreffende
Mauerfundament, allerdings dicht überwachsen, ist noch heute im Gelände wahr-
nehmbar. 185
Als letztes Schloß-Nebenhaus ist hier das ehemalige »Seehüter-Hauẞ<< (CN. 1109) bzw.
der Seehüterhof zu nennen. Dieses Haus befand sich am Nordende des Amraser Sees
(Seedammweg Nr. 3) und stand mit diesem in engster Beziehung. See und Seehüter-
haus sind daher gemeinsam zu betrachten.
184 Wie Anm. 182, S. 609 u. 611.
185 Exakte Angaben über die Lage des Unteren Tiergartens bietet die Katastermappe von Amras aus dem
Jahre 1856.
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c) Der Amraser See und der landesfürstliche Seehüterhof
Die erste ausführliche Nachricht über den >See zu Ombras« gibt uns das Fischereibuch
Kaiser Maximilians I. von 1504. Darin wird mitgeteilt, daß es im Amraser See »Hechten,
Karpfen, Prachsen, Schleien und klein Speisvisch gebe, weshalb er als ein dem Lan-
desfürsten >>sonder lustiger und nutzlicher See« bezeichnet wird.
Dies vor allem auch deshalb, weil er >dem Hof und der Kuchl zu Ynsprugg ganz nahe ge-
legen<< und man die »Visch von diesem See all Stund« noch als besonders rühmlich
nachgesagt, daß er »aller Seen in der Grafschaft Tirol Vischbehälter« sei.186 Die Haupt-
bedeutung dieses Sees lag nämlich in der Fischzucht, und die obige Bezeichnung als
>Vischbehälter<< versteht sich von selbst, wenn man erfährt, daß noch in den Jahren
1709-1723 jährlich 4000 bis 6000 Karpfensetzlinge aus dem Amraser See herausgenom-
men und in anderen Seen eingesetzt worden sind. Vornehmlich der Fischzucht und
ihrer Förderung diente es auch, daß Erzherzog Ferdinand II. (1564-1595), um den
Frischwasser-Zufluß zu vergrößern, einen eigenen Kanal oder »Wahler< von der Sill her
anlegen hat lassen. Die Abzweigung dieses Kanals befand sich etwas unterhalb der
Sillhöfe. Von hier führte er ungefähr längs der heutigen Hunoldstraße, durch das Gelän-
de des städtischen Gaswerkes hindurch, folgte dann der heutigen Reichenauer Straße,
um von hier längs der eingangs erwähnten Terrasse sich fortsetzend, in den See einzu-
münden. 187
Abgesehen von dieser wirtschaftlichen Funktion eines Fischbehälters war der Amraser
See auch schon frühzeitig ein beliebtes Ausflugsziel. Bereits im Jahre 1454 wird dort ein
Sommerhaus genannt. 188 Das oben zitierte Fischereibuch erzählt auch, daß es hier fein
zu jagen gewesen sei, da »die Hirschen gern an denselben See laufen.<<
Die Pflege des Sees, der Fischzucht und der Zuflüsse nun oblag wie an allen landes-
fürstlichen Seen einem Seehüter, dem als Amts- und Wohnhaus auch ein sogenanntes
Seehüterhaus gehörte. Letzteres erhielt sich am Amraser See im Hofnamen >>See-
bauer«. Ein >piscator de Omeras«, also ein Fischer zu Amras, begegnet schon im Jahre
1299.189 Der Seehüter hingegen läßt sich in den landesfürstlichen Rechnungsbüchern
seit 1460 regelmäßig nachweisen. 190 Über die einzelnen Aufgaben des Amraser See-
hüters informieren uns ausführlich die Seehüterinstruktionen, wie sie jeweils beim
186 Wie Anm. 11, fol. 8v. Die Nutzung des Amraser Sees als Fischwasser, allerdings nicht in so intensiver und
gezielter Form wie dies seit dem 15.Jahrhundert vom Innsbrucker Hof betrieben worden ist, darf zweifel-
los schon viel früher angenommen werden.
187 O. Stolz, Geschichtskunde der Gewässer Tirols. Schlern-Schriften Bd. 32, Innsbruck 1936, S. 208 f.
188 Ebenda, S. 208, Anm. 3.
189 Ebenda, sowie J. Chmel, a. a. O., S. 148.
190 Ein landesfürstlicher »Weygermaister zu Ombras< wird auch schon im Raitbuch von 1427/28 (= TLA.,
Hs. 135), fol. 56, genannt.
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Amtsantritt eines solchen Beamten ausgefertigt worden sind. So war es die Pflicht des
Seehüters >auf die See und Laa sein fleißige Obacht zu halten«, wenn nötig auch bei
Nacht, damit die Zuflüsse, »sonderlich der Graben von der Sill«, stets offen blieben.
Auch hatte er darauf zu achten, daß kein Unbefugter am See fische, wie dies nicht sel-
ten unter dem Vorwand des Vogelschießens vorgekommen sein soll. Jedoch war er ver-
pflichtet, gegen >>hoche meritierte Herren, Cavalier und Räthe gebührenden Respect zu
tragen, sonsten aber niemandt zu gedulden«. Doch auch die wohlmeritierten Herren
sollte er nicht allein an den See lassen, sondern »alzeith beywesig sein, damit von de-
nen Karpfen keine gefangen, noch sonsten Schaden zuegefiegt werde<<. Aus diesem
Grunde unterließ es z. B. der Seehüter Georg Pockh (im Gegensatz zur Insel) auch am
Seedamm Bäume anzupflanzen, >>weillen dardurch die Studenten und Pauren, auch
andere schlimme Leuth nur zum Verbergen und Visch abtragen<< Gelegenheit gehabt
hätten.
Eine Hauptsorge des Seehüters bildeten aber die Aldranser, Lanser und Sistranser
Bauern, da sie zur Bewässerung ihrer Gründe häufig aus den Seezuflüssen Wasser
>abkehrten«<, d. h. ableiteten. Der südlich in den See einmündende, vom Mühlsee
herabfließende Mühlbach bezieht nämlich innerhalb des Ambraser Schloßparks
auch Wasser aus dem Aldranser Bach. Je mehr Wasser nun die Bauern auf ihre Wiesen
und Felder ableiteten, umso weniger gutes Quellwasser erhielt der Amraser See.
Andererseits aber war gerade für die Fischzucht das frische Quellwasser viel begehr-
ter als jenes der Sill. Dem Seehüter blieb daher nichts anderes übrig, als stets auch
das gesamte Zuflußgebiet abzugehen und sich mit den verschiedenen Grundbesit-
zern womöglich gütlich zu verständigen. Es erscheint daher durchaus entsprechend,
wenn die Regierung von der Persönlichkeit eines guten Seehüters verlangte, daß er
>>von gueter, starckher und beherzter Leibs-Constitution sein müsse, dann ein sollicher
(Seehüter) fast teglich mit denen Aldraß-, Lans- und Sistrasser Pauern wegen besten-
diger Wasserabkehrung zu handlen, auch an dem See mit denen Studenten und
anderen Leuthen wegen dem Vischen continuierlich zu streitten und zu zanckhen
hat«.
Diesen Anforderungen entsprach offenbar in hervorragender Weise die Familie Pock,
in deren Händen das Amraser Seehüteramt vom Vater auf den Sohn über fast 150 Jahre
ununterbrochen verblieben war. So begegnen nacheinander: 1644 Hans Pockh, dem
damals bei seinem Dienstantritt auch das Seehüterhaus übergeben wurde.191 Auf ihn
folgten noch vor 1694 ein Caspar, dann von 1694-1727 dessen Sohn Georg, weiters von
1727-1748 dessen ältester Sohn Ferdinand und endlich von 1749-1783 dessen Sohn
Johannes Pock. Als >hochherrschaftlicher Seehüter« bzw. landesfürstlicher Beamter
war ein jeder derselben eine angesehene Person, und es überraschte in keiner Weise,
191 TLA., Kopialbuch >Ausgangene Schriften< 1644, fol. 360.
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daß der Amraser Seehüter selbst schreiben konnte und auch ein persönliches Siegel
geführt hat.192
Nach der Auflassung des Innsbrucker Hofes (1665) verloren die hiesigen Regierungs-
stellen nach und nach das Interesse, für den Amraser See weitere Ausgaben zu tätigen
und entschlossen sich endlich 1783 dazu, den See zu verkaufen. Den neuen Besitzern
wurde dabei freigestellt, ob sie den See wie bisher als Fischwasser benützen oder ob
sie ihn austrocknen und zu fruchtbarem Kulturland machen wollen. Mit dem Verkauf
des Sees endete auch das landesfürstliche Seehüteramt zu Amras. Im Jahre 1856 wird
der See nur noch als »Sumpf mit Rohrwuchs« bezeichnet. 19
193
Wenige Jahre später faßte der damalige Besitzer, Franz Dodl (Ansitz in der Egerdach-
straße) den Plan, den See völlig trocken zu legen. Im Parzellenprotokoll von 1872 wird
dieses Gebiet dann erstmals als »Wiese« bezeichnet. Zur Winterszeit aber kam der
Amraser See noch lange Zeit »alle Jahre wieder«, d. h. er wurde - zur Freude der Eislauf-
sportler jeweils während der kalten Jahreszeit wieder eingelassen, mußte aber bei
der ersten Frühjahrssonne wieder zerrinnen. In erster Linie galt dieser Wintersee
jedoch nicht dem Sport, vielmehr waren es die Innsbrucker Bierbrauereien, die Interes-
se hatten, zumal sie hier ihren Bedarf an Gefriereis - in langen aus dem Eis geschnitte-
nen Blöcken - decken konnten, welches mit Fuhrwerken in die betreffenden Kühlhäu-
ser transportiert worden ist. Die moderne Kühltechnik hat den Amraser Winter- oder
Eissee dann überflüssig gemacht, sodaß er heute nur noch im Namen der »Amraser-
See-Straße« fortlebt. In regenreichen Sommern allerdings, wie z. B. im unseligen Hoch-
wasser-Sommer 1965, hat sich der See durch das Steigen des Grundwassers wieder
sehr konkret in Erinnerung gebracht.
192 Siehe dazu insgesamt TLA., Fischerei-Akten, Separat-Faszikel Nr. 3, Position 11; sowie Cod. 774: Rechnung
über die Ausräumung des Sees 1622; Cameral-Cattanea No. 151: Wasserauskehrung zum Nachteil des
Ambraser Sees, und Kopialbücher der Kammer 1727 (Indizes). Ein Beispiel für verbotenes Fischen durch
Knaben im Amraser See bietet z. B. das Obrist-Jägermeister-Amtsbuch 1 (1554-1651), fol. 54v.
193 Wie oben Anm. 187.
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Die Pfarre Amras und ihre Kirchen, Kapellen und Friedhöfe
Der Anfang der Amraser Kirchengeschichte liegt nicht unten im Dorfe, sondern
oben auf dem Burghügel. Zur mittelalterlichen Amraser Burg, die in der Fehde zwi-
schen Herzog Heinrich dem Stolzen von Bayern und den Grafen von Andechs im Jahre
1133 vom Bayernherzog erobert und zerstört worden war, gehörte nämlich laut einer
späteren Überlieferung auch eine »baptismalis ecclesia in monte Vmbrans sanctorum
appostolorum et Nicolai pontificis«<, also eine den hl. zwölf Aposteln und dem hl. Papst
Nikolaus I. (858-867) geweihte Taufkirche, deren kirchliche Rechte als Tauf- bzw. Pfarr-
kirche nach der Zerstörung der Burg angeblich bereits von Bischof Reginbert von Brixen
(gest. 1140) an die dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Kirche am Burghügel in Am-
pass übertragen worden sind. 194 Seither gehörte Amras bis 1891 zu der im Jahre 1256
dem Prämonstratenserkloster Wilten inkorporierten Pfarre Ampass.
Wie bei fast allen Filialkirchen, wenn sie den religiösen Kern eines Ortes bildeten, so
beinhaltete auch das Filiationsverhältnis zwischen Amras und Ampass den nach und
nach stärker werdenden Wunsch nach mehr und mehr Selbständigkeit bzw. am Ende
den Wunsch nach Unabhängigkeit. Am Anfang dieses Entwicklungsprozesses standen
auch in Amras einzelne in die Amraser Kirche gestiftete Jahrtagmessen für das Seelen-
heil von verstorbenen Familienmitgliedern. Da diese vom Ampasser Pfarrer oder sei-
nen >>Gehilfen<< zu lesenden Messen nur unregelmäßig stattfanden, entschloß sich die
ganze Gemeinde »der Nachpauren deß Dorfs zu Ombraẞ« im Jahre 1464 eine »ewige
dägliche Mess in der Capellen zu Ombraẞ« zu stiften bzw. hiefür der Pfarre Ampass ei-
nen jährlichen Zins in der beachtlichen Höhe von 14 Mark Berner zu verschreiben.195
Schon wenige Jahre später kam es dann eben wegen dieser Stiftung zu einem Streit
zwischen der Nachbarschaft von Amras und dem Pfarrer von Ampass bzw. dem Stift
Wilten. Diese »Zwitracht<< war so heftig, daß der Heilige Stuhl den Bischof Johann Hin-
derbach von Trient eigens als »bäbstlichen Richter und Commissari« zur Schlichtung
derselben eingesetzt und delegiert hat. Das Ergebnis dieser im Herbst 1467 in Inns-
bruck durchgeführten Schlichtungsverhandlungen war, daß einerseits die Amraser das
Stiftungskapital um jährlich eine Mark zu erhöhen hatten, wohingegen der Ampasser
Pfarrherr verpflichtet war, den Amrasern >die ewige dägliche Wochenmess (!) in Unnser
Frauen Capellen zu Ombraẞ durch sich selbst oder seinen Caplan (zu) halten.....in al-
ler Mass, alẞ dan die vorgemelten Stifftbrief (Anm.: diese sind uns im einzelnen leider
194 G. Tinkhauser (und Ludwig Rapp), Beschreibung der Diöcese Brixen. Bd. 2, Brixen 1879, S. 434-438: In der
überlieferten, hier edierten Fassung ist diese angeblich vom seligen Bischof Hartmann von Brixen im
Jahre 1145 ausgestellte Urkunde eindeutig eine spätere Fälschung mit sachlich jedoch weitgehend richti-
gem Inhalt. Um dieselbe auch formell als echt erscheinen zu lassen, ließ man davon im Jahre 1496 durch
einen öffentlichen Notar eine vidimierte Übersetzung anfertigen, welche sich heute ebenso wie das
Pseudo-Original im Stiftsarchiv Wilten, Lade 32, Litt. A befindet.
195 Ebenda, Lade 39, Litt. C 1.
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nicht bekannt) das ausweisen. Doch daß die alten gestifften Jardäg dardurch nit abge-
hen.<< Dabei wurde ausdrücklich zugesagt, daß der Pfarrer oder sein Kaplan bei Seelen-
messen >auf das Grab zu gehen« habe, »alẞ dan Sitt und Gewohnheit ist.« Allerdings
sollte der Pfarrer nicht verpflichtet sein am gleichen Tag neben einer alt-gestifteten
Seelenmesse noch eine zweite, d. h. die neu gestiftete tägliche hl. Messe zu lesen. 196
Die Details der damals getroffenen Übereinkunft sind schließlich in einer Revers-Ur-
kunde aufgezählt, die der damalige Amraser Kirchpropst Georg Eggelstain am Dienstag
vor St. Ottmanstag 1468 für die Pfarre Ampass bzw. für das Kloster Wilten ausgestellt
hat.197 Die wichtigsten Passagen daraus seien hier mitgeteilt, weil die damalige Rege-
lung im wesentlichen das kirchliche Leben von Amras auf die Dauer von rund 150 Jah-
ren bestimmt hat. Es wird darin u.a. vereinbart, daß als Gegenleistung für den jährli-
chen Stiftungszins von 15 Mark Berner »ein jeder Pfarrer zu Ampaẞ unnẞ nun hinfüran
soll alle Dag einen Briester schickhen, der unß die Mess in Unnser Frauen Khürchen zu
Ombraẞ däglichen halten solle zu rechter, zimblicher Zeit, alle Sontag und jedlichen
Feirtag, wie die mit den Messen gesezt sein, und an anderen gemainen Dägen, alẞ
darzue gehert.
...Item man solle unnẞ auch alle Sontag zu sambt der Mess mit den Weichbrunen
umbgehen, auch die offen Beicht (Anm.: Soll wohl Ohrenbeicht heißen) sprechen und
die Zeit verkhinden, auch biten umb Lebendig und umb Dotte und umb alle die, so zu
der bemelten Mess ier Steur und Hilff gethon haben, sy sein Lebendig oder Dotte.
Eẞ ist auch beret worden, daß der Pfarrer oder seine Briester, dem die Mess bevolchen
wiert, alle Wochen ein Feirtag haben mügen und denselben Feirtag soll man erstatten
mit der ainen Wochenmess, die man alle Montag schuldig ist zu volbringen.
Item und alle Sambstag soll man unnẞ halten unnser gestiffte Mess zusambt der ge-
wohnlichen Wochenmess, damit daß alle Dag däglich ein Mesß und alle Sambstag zwo
Mesßen in Unnser Frauen Khürchen zu Ombraẞ gehalten und volbracht werden.
Dan von der Jardäg wegen, da lasẞen wür es darbey, beleiben in aller der Masẞ, alẞ der
obgenant unnser genediger Herr, Bischoff Johannes zu Triendt das gesezt hatt...
Ittem und ob der Pfarrer ainen Briester darzue aufnemen (würde), der sich nit briester-
lich und erbarlich hielte und solche Ursachen an ime erscheinen liesse, so sollen wür
das den Pfarrer zu wissen thuen und soll dan durch im gewendt werden....
Auch mer ist beret worden, alẞ offt die jezt gestiffte Mesß an den Sontag nit gehalten
wurde, alẞ offt soll der Khürchprobst den Pfarrer an den Gelt, so man im darvon gibt,
abziechen ein Pfundt Perner und von einen jedlichen gemainen Dag 6 Khreizer....
Doch ob aber die Mesßen gehindert wurden von wegen deẞ Pannẞ oder durch Landtẞ-
zwingung oder von anders Gwalts wegen, daß soll der Pfarrer ungeverlich mit anderen
Mesẞen widerumen erstatten, damit die Stifft albeg bey Chrafft bleibe.
Item alle Ornat, Kherzen und Opferwein, daß ein Priester zu der Mesß haben mueß, das
soll alles der Khürchbrobst und mier (= wir) Nachpauren dargeben.
196 Stiftsarchiv Wilten, Cod. 13, pag. 85-87.
197 Ebenda, pag. 88-95.
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Abb. 123: Bei einer Bischofsvisitation um 1919/29-feierlicher Empfang vor der (zweiten) Schule. Die Geist-
lichkeit von links nach rechts: Pfarrer H. Blaas, Bischof S. Waitz, Kaplan Tanner, Mons. Lechner.
Foto: Hans Ullmann
Item es ist auch zu wissen, welchen Briester die Mesßen durch den Pfarrer bevolchen
wiert, der soll den Dorf-Volckh zu Ombraẞ und Prädl gewertig sein mit den Gotsrechten
und allen anderen Sacramenten, als ob undter unnß jemants khranckh wurde und
schwangere Frauen, auch zu Hochzeit-Zeiten der Ehe und mit der Weich deß Salz, Wein,
Kherzen und Fladen etc., deß hat derselb Briester von den benanten unnseren gnedigen
Herrn, den Abbt zu Wilthein, auch von den Pfarrer Erlaubnuß und vollen Gewaltsamb.
Item und an den Weinachtdag, am Osterdag, am Pfingstag, an Unnsers Herrn Fronleich-
nambsdag, an Allerheiligendag, die vier Quatember-Sontag und an der Khürchweich zu
Ampasẞ auf der Pfarr, auch an den Palmsontag und die 3 Dag in der Marter-Wochen
Unnser(s) Herrn Jesu Christi, Pfinstag, Freitag und am Sambstag, die jezt vorgestimbten
Däg alle so soll das Dorffvolckh zu Ombraẞ und Prädl nach ierer gestifften Mesß gehen
Ampasẞ auf die Pfarr gehen zu den Ambt und die pfarrliche Recht da suchen und das H.
Sacrament da empfachen, als... alter Herkhomen ist, dan ausgenomner Khranckher
Leitt, schwangeren Frauen und Hirten oder wehr mit ehehafften Nothgeschefften bela-
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FO
Abb. 124: Pfarreinstand von Anton Plattner 1937. 1. Reihe von links nach rechts: VL L. Mündle, VD E. Hosp,
unbekannt, Pfarrer A. Kröss von Pradl, Bgm. H. Geyr, Pfarrer Anton Plattner, Provikar Dr. Carl Lampert, H. Ca-
nisius O. Praem., Gendarmerie-Postenkommandant Wallnöfer, K. Zimmermann.
Zweite Reihe von links nach rechts: Vl. Fleidl, VD R. Seeber, M. Wenter-Zimmermann, T. Nagiller-Plattner,
L. Schiener-Fichtl, M. Plattner, Mutter und Vater Plattner, Anna und Ignaz Nagiller, R. Nairz, H. Wieser, R. Ull-
mann, A. Mayr.
3. Reihe von links nach rechts: H. Gratl, F. Happ, Studenten der TMV Amelungia, H. Angerer, L. Steixner,
H. Schiener.
Foto: H. Ullmann
den ist. Die sollen ier pfarrliche Recht zu Ombraẞ in der Khürchen lassen und das H. Sa-
crament auch zu Ombraẞ empfangen.
Item und all andere gemaine Sontag so mögen mier nach unnser gestifften Mesẞ die
Pfarr haimbsuechen, wer das ohne Ursache gethuen mag, und steet unnser jeder zu
seinen Gewissen....
Ittem auch ist mer berett und durch unnẞ benandte Nachpauren und Khürchbrobst
nachgeben worden, alẞ an den 4 Unnser Frauen Dägen, der Geburt, der Liechtmesẞ,
der Verkhindigung und zu der Schidung (Anm.: = Himmelfahrt), so soll man unnẞ zu
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Tafel VI: Die Amraser Gnadenmutter.
Foto: Engelbert Pöschl
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Ombraẞ halten unnser gestiffte Mesẞ und ain Ambt. Und damit sollen wür unnẞ auf die-
selben vier Unnser Frauen Däg benüegen lassen.
Item und an den Weinachtdag, Össterdag, an den Pfingstag und an Aller Seelen dag, so
soll man unẞ unnser gestiffte Mesß zusambt der gewohnlichen Mesßen zu Ombraẞ
halten....
Ittem und welchen Briester die gestiffte Mesß an den Weinachtdag bevolchen wiert,
der soll seine drey Mesßen auf denselben Dag alle zu Ombraß und in Unnser Frauen
Khürchen volbringen, und also sollen und wellen mier vorgenante Dorffleit, Khürch-
pröpst und Nachpauren gemaintlich zu Ombraẞ und Pradl, auch all unnsere Erben und
Nachkhomen alles das, so an dem Briefe beschriben steet, allezeit vest und stet
halten..., damit daß die vorgenant ewig dägliche Mesẞ.... und die bemelte Stifft der
15 Marckh Gelts halber, alẞ oben begriffen ist, nimmermer abgehen.« - Soweit die Re-
gelung von 1467/68.
Auf die Dauer war der Ampasser Pfarrer, wie nicht anders zu erwarten war, nicht in der
Lage, dieser intensiven Messen-Verpflichtung in Amras nachzukommen, setzte sie
doch die kontinuierliche Präsenz mehrerer Pfarr-Kooperatoren voraus. Schon der Aus-
fall eines Priesters mußte hier zu Problemen führen. Dementsprechend kam es nach
einiger Zeit neuerlich zu Spannungen zwischen Amras und der Pfarre Ampass, welche in
einem neuerlichen Vertrag vom 9. März 1621 - unter dem Vorsitz des Innsbrucker Ru-
ral-Dekans (dieses Amt bestand erst seit 1603) - dahingehend beigelegt worden ist,
daẞ fortan gegen eine Bezahlung von jährlich 47 Gulden neben den gestifteten Jahrtag-
messen nur noch an jedem zweiten Sonntag sowie jeweils am Dienstag und Samstag
regelmäßig hl. Messen in der Amraser Marien-Kirche gehalten werden sollten. Auf die
damalige Regelung der einzelnen Feiertags-, Kirchweih- u. a. Messen und Ämter, Kreuz-
gänge etc. brauchen wir hier nicht näher einzugehen, sondern nur festzustellen, daß
dabei alle in der Weiheurkunde der Amraser Kirche von 1489 fixierten Messen (vgl. un-
ten) Berücksichtigung fanden.198
Selbstverständlich aber schmerzte es die Amraser, daß in ihrer Kirche nur an jedem
zweiten Sonntag eine hl. Messe zelebriert werden konnte. In diesem Kummer nun war
es das Kloster Wilten, welches der Gemeinde Amras Beistand leistete und sich in
einem Vertrag vom 5. Jänner 1626 gegen jährliche Bezahlung von 40 Gulden dazu bereit
erklärte, die noch fehlenden Sonntagsmessen »durch einen vom Convent und Closster
auß verordneten Priesster fleissig und treulichen halten zu lassen.<<199
198 Ebenda, Akten No. 10 (= Amras), B: Gleichzeitige Abschrift.
199 Ebenda, No. 10, C (Gleichzeitige Abschrift); Stiftsarchiv Wilten, Lade 39, Litt. G, 2 (Original). Nach Hannelore
Steixner, Die Wiltener Pfarreien in Vergangenheit und Gegenwart. In: (Festschrift) 850 Jahre Praemonstra-
tenser-Chorherrenstift Wilten. Innsbruck 1988, S. 298, sei im Vertrag von 1626 - jene von 1467/68 und 1621
werden von ihr nicht erwähnt-festgelegt worden, daß die bisher vereinbarten Gottesdienste in Zukunft
durch einen im Stift wohnhaften Konventualen gehalten werden. Diese Darstellung ist jedoch unrichtig.
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Tafel VII: Die Vermählung von Maria und Josef. Deckenfresko in der Amraser Pfarrkirche.
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Rund einhundert Jahre später, in einem Zusatzvertrag vom 21. Februar 1731, ergänzte
das Kloster seinen Hilfsdienst in Amras gegen zusätzliche 3 Gulden jährlich dahinge-
hend, daß fortan in Amras auch an jenen Sonntagen durch einen Stiftspriester hl. Mes-
sen gelesen werden sollen, an welchen der Pfarrer von Ampass infolge anderer Kirch-
weihfeste, Patrozinien etc. in anderen Filialkirchen seiner Pfarre zu Aldrans, Rinn und
Tulfes sowie in Ampass selbst verhindert war, in Amras eine Sonntagsmesse zu lesen
oder lesen zu lassen.200
So gelangte die kirchliche Betreuung von Amras immer mehr in die unmittelbare
Zuständigkeit des Klosters Wilten, was- sicher ungewollt - zu einer weiteren Entfrem-
dung gegenüber Ampass führte. Die »Nachbaren deß Dorff Ombras« wandten sich
daher im Frühjahr 1765 mit einer schriftlichen Eingabe direkt an das fürstbischöfliche
Ordinariat in Brixen mit der Bitte, ihre Filialkirche direkt dem Kloster Wilten zu unter-
stellen, nachdem sie sich einerseits von der Pfarre Ampass, zu der sie gehören, >immer
mehrers gravieret befinden« und andererseits das »Predig-Ambt« und die »Kinder-
lehr«<, wie auch die meisten Gottesdienste ohnedies bereits vom Kloster >>besorget<<
werden. 201 Der Brixener Fürstbischof Leopold Graf von Spaur verfügte hierauf im No-
vember 1765, nachdem sein Consistorium sowohl vom Ampasser Pfarrer als auch vom
Abt des Stiftes Wilten Stellungnahmen eingeholt hatte, 202 »auf beschechenes Anlan-
gen einer ehrẞamben Gemeinde im Dorf Ombraß der Pfarr Ampass... ermeltes Dorf
Ombraẞß, das Provisionale belangent in ẞo weit von der Pfarr Ampass zu separieren,
das (s) die ganze Seelẞorg und Provision mehr gemelten Dorfes Ombraẞ mit Abhaltung
deren gestüfften und nit gestüfften Gottesdiensten von dem Closter Wiltau aus künfftig
und hinfiran Bolle gemacht und gehalten werden, jedoch also, das (s) die Kirchen zu
Ombraẞ ieder und zu weltewigen Zeiten als ein Filial gegen ihrer alten Muter- und Pfarr-
Kirchen zu Ampass angeẞehen, geacht und gehalten werde.<203 Abt, Prior und Konvent
von Wilten erklärten hierauf in einer Revers-Urkunde vom 5. Dezember 1765 dem Fürst-
bischof gegenüber, seine Regelung einhalten zu wollen und übernahmen die Amraser
Filialkirche als weitgehend selbständige Seelsorgestation oder Kuratie in ihre Ob-
hut. 204 Bleibt noch besonders hervorzuheben, daß zur vollen Seelsorge bzw. zum obge-
nannten >>Provisionale« auch das Recht zur Spendung aller Sakramente gehört.
Mit dem Jahre 1766 beginnt daher auch die Reihe der eigenen Amraser Tauf-, Trauungs-
und Totenbücher bzw. Matriken. Gemäß der damaligen Übereinkunft sollte der vom
Kloster für Amras nominierte Kurat jedoch im Stift und nicht in Amras selbst wohnen.
Auf die Dauer aber war gerade dieser Umstand für beide Teile unbefriedigend. Der Ku-
200 Pfarrarchiv Ampass, Akten No. 10, E (Gleichzeitige Abschrift).
201 Ebenda, No. 10, G1 (Gleichzeitige Abschrift)
202 Ebenda, No. 10, G2-5.
203 Ebenda, No. 10, G9 (Gleichzeitige Abschrift, Insert).
204 Ebenda.
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Abb. 126: Die Fronleichnams-Prozession zog durch die Au - im Bild unter dem Seewirt -, da das NS-Regime
Prozessionen auf öffentlichen Straßen untersagt hat.
Foto: Hans Ullmann
rat Ignaz Gassler trachtete daher eine Besserung zu erreichen. Zunächst quartierte er
sich 1829/30 im sogenannten Trapp-Schlößl (Philippine-Welser-Straße 82) ein, wohnte
also am Ort und war - dem ihm vom Stift erteilten Auftrag gemäß - bemüht, den Bau
eines eigenen Kuratie-Widums durch die Gemeinde zu betreiben; zunächst aller-
dings ohne den erhofften Erfolg. Es sollte jedoch nur noch rund zehn Jahre brauchen,
bis dieser Wunsch in Erfüllung ging, sodaẞ Kurat Rupert Jocher am I. November 1841 in
das damals neu erbaute Widum einziehen konnte. 205 Genau 50 Jahre später fand dieser
langwierige Emanzipationsprozeß sein Ende, als Amras im Jahre 1891 zur selbständi-
gen und von Ampass gänzlich unabhängigen Pfarre des Stiftes Wilten erhoben worden
ist, 206
205 Ausführlicher Bericht von Kurat Rupert Jocher im Pfarrarchiv Amras im Stiftsarchiv Wilten, »Haus-Buch für
den löblichen Kuratie-Widum in Ambras MDCCCXLI« S. 1-19 (Kopie im StAI., Cod. Amras 25).
206 H. Steixner, a. a. O., S. 298.
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Es scheint, daß die im Jahre 1765 begonnene kirchliche Verselbständigung schon gleich
auch zu einer Intensivierung des religiösen Lebens in Amras selbst geführt habe. So
fällt es jedenfalls auf, daß noch im selben Jahre 1765 in Amras eine Hl.-Kreuz-Bruder-
schaft gegründet worden ist, deren kanonische Bestätigung zehn Jahre später durch
Papst Pius VI. erfolgte.
An diese Bruderschaft, auch Hl. Kreuz-Bund benannt, erinnern heute nur noch das
prächtig gebundene Bruderschaftsbuch von 1778 (im Pfarrarchiv) und das schöne Bun-
deskreuz am Friedhof gegenüber dem Kirchenportal. Das Kreuz wurde vielleicht schon
im Jahre 1765, also im Gründungsjahr, von dem vermutlich aus Amras gebürtigen >chur-
fürstlich-bairischen Salzstadelmeister« in München, Johann Petrus Mader gestiftet und
trägt daher auch das Mader'sche Familienwappen. Es befand sich ursprünglich in der
Kirche, und zwar auf der »Weiberseite«. Vor dem Kreuz brannte an Sonn- und Feierta-
gen eine im Jahre 1802 von Franz Stapf gestiftete Ampel. Auf den Friedhof in den klei-
nen Kapellenbau, worin sich das Kreuz heute befindet, scheint es erst um 1900 übersie-
delt worden zu sein.- Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle der Ortsbauernschaft
von Amras, die sowohl das Kreuz, wie auch die Kapelle im Jahre 1971 renovieren ließ.
Diese Renovierung und die hierfür aufgewendeten erheblichen Kosten und Arbeitslei-
stungen sind dabei zugleich gedacht als eine echte Ablöse für die einstmals - jeden-
falls vor 1822-verlobte, seit vielen Jahren aber nicht mehr abgehaltene sogenannte
>Matthuis-Prozession<<.
Allerdings war dieser Bittgang nicht dem hl. Apostel und Evangelisten Matthäus ge-
weiht, sondern wurde lediglich an seinem Festtage, dem 21. September, abgehalten,
jedoch >in honorem Beate Virginis Mariae< 207
Der >>Bruderschaft<< vom hl. Kreuz folgte 1837 die »Marianische Verbündniß der Jung-
frauen in der loeblichen Curatie Ambras«<, deren »Satzungen und Vortheile« in einer in
grünes Leder mit Goldpressung gebundenen Handschrift im Innsbrucker Stadtarchiv
verwahrt werden. 208
207 Pfarrarchiv Amras im Stiftsarchiv Wilten, Directorium Amrasense sive Ordo Divinorum a R. D. Curato in
Amras toto anni decursu celebrandorum. Recens conscriptum ab Amb (rosio) Denk, 1822.
208 StAI., Cod. Amras 50.
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GEDENKET
DER HELDEN
Tafel VIII: Das Jüngste Gericht. Fresko von ca. 1600/1630 an der ehemaligen Totenkapelle, dem heutigen
Kriegerdenkmal.
Foto: Franz-Heinz Hye
Verzeichnis der Kuraten und Pfarrer von Amras (1765-1989)
(zusammengestellt auf der Grundlage der Amraser Taufbücher)
a) Kuraten:
Claudius Aniser
Sebastianus Suitner
Aloysius Payr
Georgius Lenz
(1765)/66-1767
1768-1770
1770-1771
1771
Rudolphus Steeger
1771-1772
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Pfarrkindergarten und Pfarrzentrum
Während der Religionsunterricht bzw. die »Kinderlehr« (vgl. oben 1765) immer
schon zu den Aufgaben des jeweiligen Seelsorgers und Pfarrers gehörte, hat die Kirche
- abgesehen von einzelnen Orden, die sich schon früher der jüngeren Kinder annah-
men schon bald nach der Intensivierung des Kindergartenwesens nach 1945 damit
begonnen, sich auch selbst diesem Bereich der Kinder- und Jugendbetreuung zuzu-
wenden. In Amras fiel dieser Schritt in die Zeit der Pfarrer Ludwig Tanzer und Bernhard
Obwexer.
Andreas Bramböck veröffentlichte darüber im »Amraser Boten« (Jg. 10, 1974, Nr. 1)
folgenden Bericht:
>Am 1. März 1964 hatte sich eine festlich gestimmte Gemeinde versammelt, um die Er-
öffnung des eben fertiggestellten Kindergartens mitzufeiern. Seit dem 26.November
1973 ist der zweite Bauabschnitt eingeleitet. Diese zwei Ereignisse, das kleine Jubiläum
und der gegenwärtige Um- und Erweiterungsbau sind wohl Grund genug, ein wenig
Rückschau zu halten auf das Werden dieses für unsere Gemeinde so notwendigen
Werkes und einen Blick auf die Pläne des Umbaues zu werfen.
Bevor in Amras die Straßen und Wege Namen erhalten hatten, trug dieses Haus die Be-
zeichnung Amras Nr. 56. Im Dorf hieß dieses Haus »beim Schöberle Ander«<, denn der
letzte Bauer auf diesem Hofe war Andrä Steixner, geboren am 29. 11. 1882, gestorben
am 5. 1. 1960, dessen Wiege beim Schöberlbauer (Philippine-Welser-Straße 88) stand.
Andrä Steixner war viele Jahre Mitglied der Musikkapelle Amras, des Kirchenrates und
anderer Gremien der ehemaligen Gemeinde Amras. Unmittelbar nach dem 2. Welt-
krieg gehörte er sogar dem Innsbrucker Gemeinderat an. Sehr geschätzt waren sein
Rat und seine Hilfe bei allen möglichen Tierkrankheiten. Man vertraute seinen Haus-
mitteln nicht weniger als der Kunst des Tierarztes.
Seine Frau, Maria Steixner, geb. Grießer, stammte aus Farst, einem Weiler der Gemein-
de Umhausen im Ötztal, ober der »Engelswand« auf der Sonnenseite gelegen, im Win-
ter allerdings oft wochenlang vom Tal abgeschnitten. Dort erblickte sie am 11. 10. 1884
das Licht der Welt. Frau Steixner hat durch schwere Krankheiten und Operationen
viel Leid ertragen müssen. In ihren letzten Lebensjahren ist sie fast ganz erblindet.
Daß ihr das Joch der Kinderlosigkeit eine große Belastung war, versteht sich fast von
selbst. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahre 1960 wurde sie Alleinbesitzerin des
Anwesens.
Damals wurde in der Pfarre oft über die Tatsache gesprochen, daß eine gezielte Jugend-
arbeit einfach deshalb nicht möglich sei, weil keine Räume zur Verfügung stünden.
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Tafel IX: Der vollplastische St. Georgs-Umgang- und Flügelaltar in Schloß Ambras - eine Stiftung Kaiser
Maximilians I. in die ehemalige St. Georgskirche am Bichlweg im Oberdorf.
Foto: A. Demanega (Kunsthistorisches Museum)
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Frau Steixner sah sich nun in der Lage, hier endlich Abhilfe zu schaffen. Sie fühlte sich
bestimmt mit ihrem verstorbenen Mann im Geiste vereint, als sie sich entschloß, das
Haus, das Wirtschaftsgebäude, den Hofraum und den Garten der »röm. kath. dem Stif-
te Wilten incorporierten Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt zu Amras<< zu schenken. Sie
behielt sich lediglich das unentgeltliche Wohnrecht und das Nutzungsrecht des Gar-
tens vor. Der Geschenknehmerin wurde »die Auflage erteilt, die Grabstätte des Andrä
Steixner sowie die seinerzeitige Grabstätte der Geschenkgeberin zu erhalten und zu
pflegen«. Am 12. Jänner 1961 übernahmen Pfarrer Ludwig Tanzer und Andrä Mayr die
Schenkung in Vertretung der Pfarrkirche.
Architekt Ingo Feẞßler fertigte im Auftrag des Kirchenrates einen Gesamtplan an, des-
sen Ausführung vorderhand nur zum Teil möglich war. Aber auch dieser erste Bauab-
schnitt, der Abbruch des Wirtschaftsgebäudes und Bau des Kindergartens an seiner
Stelle, brachte große finanzielle Sorgen, da der Pfarre keine finanziellen Mittel zur Ver-
fügung standen. Mit einer Zusage des Bischofs wurde begonnen. Die finanzielle Sicher-
stellung war aber erst gegeben, als man sich entschlossen hatte, das Erdgeschoß des
Neubaues als Kindergarten einzurichten (was ja ursprünglich nicht vorgesehen war), da
sich nun die Stadtgemeinde Innsbruck mit einer halben Million Schilling beteiligte. Die
Errichtung des ersten Bauabschnittes, eben jenes Teiles, der uns nun 10 Jahre als Kin-
dergarten bzw. als Jugendheim diente, erforderte eine Bausumme von ca. S 800.000,-.
Mit den Baumeisterarbeiten war die Firma Lorenz Sigl aus Amras beauftragt gewesen.
Die Vorverhandlungen und der Baubeginn fielen in die Amtszeit des Pfarrers Ludwig
Tanzer, die Fertigstellung und Inbetriebnahme erfolgte unter Pfarrer Bernhad Obwe-
xer. Die letzten Abrechnungen hatte noch Pfarrer Augustin Bruch zu tätigen. Alle drei
stellten sich mit ganzer Kraft hinter die übernommene Verpflichtung, die großherzige
Schenkung zum Wohle unserer Jugend einzurichten und zu erhalten.
Am 16. 1. 1969 starb Maria Steixner. In diesem Jahr war die Kirchenrestaurierung in vol-
lem Gange. Die Spendenfreudigkeit unserer Gemeinde war durch mehrmalige Samm-
lungen für diesen Zweck stark in Anspruch genommen worden. Der Kirchenbrand und
die zweite Renovierung innerhalb weniger Jahre verschärfte die finanzielle Lage in
einem Maße, daß an ein Weiterbauen beim Kindergarten nicht zu denken war, obwohl
an der Notwendigkeit der Erweiterung kein Zweifel bestand.
Da nun die südliche Haushälfte, das Wohnhaus, leerstand und ohne Aufsicht und War-
tung war, litt es derartigen Schaden, daß es wegen der Gefährdung der Sicherheit als
abbruchreif erklärt wurde. Es gab zudem ständig Ärger mit illegalen nächtlichen Gä-
sten, und auch der Anblick war allmählich unerträglich geworden. Kurzum, der Kirchen-
rat war gezwungen, Möglichkeiten zur Lösung des wirklich nicht leicht zu bewältigen-
den Problems zu suchen.
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MAY
Tafel X: Der Dorfkern von Amras im Jahre 1978.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Den Anstoß, die neue Aufgabe doch in Angriff zu nehmen, gab eine Zusage der Stadt-
gemeinde, sich bei einer Erweiterung des Kindergartens entsprechend zu beteiligen.
Das war Ende 1972. Da der alte Plan nicht mehr den geänderten Verhältnissen ent-
sprach, erstellte Architekt Hans Rauth im Auftrag des Kirchenrates einen neuen Plan.
Der sah nun die Erweiterung des Kindergartens auf 2 Gruppenräume mit einer Aufnah-
mefähigkeit bis zu 80 Kindern vor. Diese und die notwendigen Nebenräume wie Garde-
erobe, Teeküche, Leiterinzimmer, sanitäre Anlagen usw. werden im Erdgeschoß liegen
und durch einen eigenen Eingang vom übrigen Teil des Hauses vollständig getrennt
sein. Die schon bestehenden Zimmer im 1. Stockwerk sollen als Heimzimmer für die Ju-
gendgruppen, für die Ministrantenschulung, für die Proben des Kirchen- und Jugend-
chors, für Elternabende, Familienrunden, für die Sitzungen des Kirchen- und Pfarrge-
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Abb. 127 und 128: Der Pfarrkindergarten außen...
meinderates usw. weiterhin Verwendung finden. Auch die Ausgestaltung eines Keller-
raumes für verschiedene Zwecke wurde bedacht. Im 1. Stock des Erweiterungsbaues
wurden überdies 3 Kleinwohnungen untergebracht.
Wieder war die Finanzierung das Hauptproblem. Sie wurde mit Hilfe vor allem der
Stadtgemeinde Innsbruck, des Stiftes Wilten und des Landes Tirol sowie mittels eines
Landeswohnbaudarlehens bewältigt. Die Bauverhandlung fand am 29. August 1973
statt. Die Genehmigung der Pläne durch das zuständige Amt der Tiroler Landesregie-
rung erfolgte Ende September. Am 10. Oktober lag der Baubescheid der Stadtgemein-
de vor. Die Bauausschreibung wurde sogleich durchgeführt. Am 8. November wurden
der Firma Ing. Hubert Krasnik, die das günstigste Angebot erstellt hatte, die Baumei-
sterarbeiten übertragen. Bereits am 26. November konnten die Bauarbeiten mit dem
265
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... und innen.
Abriß des Altbestandes begonnen werden.<< - Rund zehn Monate später, Anfang
Oktober 1974, konnte der Neubau bzw. der erweiterte Kindergarten mit dem neuen
Pfarrzentrum in Betrieb genommen werden. Die Einweihung fand am 19. Oktober
statt.
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Die Amraser Pfarrkirche
Spätestens seit 1221 hatte Amras eine eigene Dorfkirche, die im genannten Jahre
vom Brixener Fürstbischof Bertold von Neiffen (1216-1224) zu Ehren des hl. römischen
Märtyrers Pankratius und des hl. Bischofs Zeno geweiht worden ist. 209 Diese Kirche be-
fand sich an derselben Stelle wie die heutige Amraser Pfarrkirche, war aber wesentlich
kleiner als diese. Ein Teil der Fundamente des Presbyteriums dieser romanischen Dorf-
kirche wurde im Zuge der letzten Kirchenrestaurierung im September 1968 vorüberge-
hend freigelegt.
Die Darstellung des Klosters Wilten auf einem Flügel des Ursula-Altares dortselbst von
ca. 1480 zeigt übrigens im Hintergrund auch die romanische Amraser Kirche. Dieser Ab-
bildung zufolge bestand dieselbe aus einem einschiffigen Langhaus mit Satteldach
und einem der Nordwestecke angefügten Turm mit kleinem Nord-Süd orientiertem
Satteldach. Während diese Amraser Kirche noch in einer Urkunde von 1386 kurz als
>>sand Cenn kirchen«, d. h. St. Zeno-Kirche, bezeichnet erscheint 210, wird sie seit 1408
nur noch als >>Unser lieben Frauen« bzw. als Marienkirche bezeichnet. 211
Für diese kleine romanische Kirche bzw. für ihre Besucher hat noch der weit über Tirol
hinaus bekannte Brixner Fürstbischof Nikolaus von Kues von Rom aus am 26. Dezem-
ber 1458 einen Ablaßbrief ausgestellt. 212 Die Kirche wird darin als >capella in villa Am-
bras situata et in honore gloriose virginis Marie necnon sanctorum Pangraty et Zenonis
dedicata plebis Ampatz nostre Brixinensis diocesis«<, angesprochen. Acht Jahre später,
am 20. Dezember 1466, verliehen dann - ebenfalls von Rom aus - sieben Kurienkardi-
näle jenen Besuchern der Amraser Kirche einen Sündenablaß, welche die Kirche jähr-
lich an bestimmten Festtagen besuchen und durch ihre Spenden zur Reparatur und
Erhaltung des Kirchengebäudes, wie auch zur Pflege der Kelche, Meßbücher, Kirchen-
beleuchtung und überhaupt der Kirchenzierden beitragen. 213 Diesem ausdrücklichen
Hinweis auf die Instandhaltung des Kirchengebäudes ist zu entnehmen, daß damals
die romanische Kirche von 1221 schon etwas altersschwach und schadhaft geworden
war. Tatsächlich wurde sie kurze Zeit später abgerissen und an derselben Stelle, doch
wesentlich größer, der gegenwärtige, spätgotische Kirchenbau aufgeführt.
209 G. Tinkhauser u. L. Rapp, a. a. O., S. 325.
210 Stiftsarchiv Wilten, Altes Kopialbuch fol. 227-230, 232f.
211 TLA., Hs.111, S. 73; Stiftsarchiv Wilten, Altes Kopialbuch fol. 120 (1409); TLA., P.849 (1446).
212 Stiftsarchiv Wilten, Lade 39 A Nr.1: Orig. Perg. Die Original-Datierung auf dieser Urkunde lautet zwar auf
den 26. Dezember 1459, doch hat man dabei zu berücksichtigen, daß damals der Jahresbeginn nicht am
1. Jänner, sondern beim 25. Dezember lag. Demzufolge ist diese Urkunde nach unserer Zeitrechnung
noch in das Jahr 1458 zu datieren. Franz Grass, Der Ablaßbrief des Kardinals Cusanus für die Pfarrkirche
zu Patsch in Tirol (1459). In: Forschungen zur Rechts- und Kulturgeschichte Bd. 3-Cusanus - Gedächt-
nisschrift, Innsbruck 1970, S. 495 hat dies leider übersehen.
213 Orig. Perg., Stiftsarchiv Wilten, Lade 39, A Nr. 2.
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Abb. 129: Halbrundes Apsisfundament der ersten (romanischen) Amraser Kirche, geweiht 1221.
Foto: Franz-Heinz Hye, bei der Kirchenrestaurierung 1968
Die wichtigste Quelle zur Geschichte des gotischen Kirchenneubaues bildet
die Weiheurkunde von 1489214
Genau genommen ist es eigentlich unrichtig, diese Urkunde nur als Weiheurkunde von
1489 zu bezeichnen. Sie beinhaltet nämlich einerseits die Mitteilung über zwei Weihen
und andererseits die Verkündung eines Ablasses. Aussteller der Urkunde war der Bri-
xener Weihbischof Conrad Reichard 215, dessen Wirken in Innsbruck und Umgebung wir
in mehreren Kirchen und Kapellen (z. B. in der St. Anna-Kapelle in der Weiherburg)
nachweisen können. Conrad unterstützte die in seiner Zeit regierenden Fürstbischöfe
von Brixen, zuerst Georg II. Golser (1464-1489) und nach diesem Melchior v. Meckau
(1489-1509) im Bereich ihrer seelsorglichen Aufgaben und Pflichten, wozu neben Pfarr-
Visitationen, dem Spenden des Sakramentes der Firmung auch das Weihen neuer oder
wiederaufgebauter Kirchen gehörte. Im Rahmen dieser zuletzt genannten Kompetenz
kam Weihbischof Conrad zuerst im Jahre 1482 nach Amras, um am zweiten Sonntag im
Juli (14. Juli 1482) den Hauptaltar und die beiden Seitenaltäre des um 1480 an der
Stelle des abgetragenen, baufälligen und zu klein gewordenen romanischen Kirchleins
begonnenen Kirchenneubaues zu weihen. Wie daraus ersichtlich wird, hat man den
Neubau mit dem Ostchor und dem Turmsockel begonnen, wobei das Werk bis zum
Sommer 1482 soweit gediehen war, daß nicht nur das Presbyterium mit dem Hochaltar
214 Orig. Perg., ebenda, Lade 39, A Nr.3.
215 F. H. Hye, Die Weiherburg. Innsbruck 1978, S. 25 u. Abb. 18, 19.
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Abb. 129a: Lageplan der 1968 freigelegten Fundamentmauer der Apsis der romanischen Amraser Dorf-
kirche (von F.-H. Hye)
(altare maior), sondern auch der erste Abschnitt des Langhauses mit den beiden Sei-
tenaltären bereits unter Dach waren. Als Kirchenpatrone werden 1482 die >>seligste
Jungfrau Maria« (»beatissima virgo Maria<<) und der hl. Märtyrer Pankratius genannt,
welcher gemeinsam mit dem hl. Bischof Zeno der älteste Kirchenpatron von Amras war.
Die Ehre des Hochaltares allerdings teilten Maria und Pankraz bereits mit dem hl. Bi-
schof Wolfgang, der sieben Jahre später auch zum dritten Kirchenpatron aufrücken soll-
te. Als Reliquien, die der Mensa des Hochaltares eingetieft wurden, verzeichnet die Ur-
kunde nicht näher bezeichnete Elemente vom Grab Christi, Teile vom Kleide Mariens,
sowie Körperreliquien des hl. Bischofs Zeno (vgl. oben), des hl. Apostels Andreas, der
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hl. Märtyrer Georg, Laurentius (= Wiltener Stiftspatron), Pankraz, Alexander und
Sisinius sowie des hl. Bekenners Remedius (Anm.: Gemeint ist sicher der hl. Romedius
von Thaur).
Der rechte Seitenaltar wurde den Heiligen Sebastian, Florian und Barbara dediciert
und mit Reliquien der Heiligen Pankraz, Philipp, Blasius, Christophorus, Fabian, Seba-
stian, Silvester, Oswald und Benedikt begabt.
Der linke Seitenaltar schließlich wurde dem alten Kirchenpatron, dem hl. Bischof Zeno,
und der hl. Mutter Anna geweiht und erhielt Reliquien des hl. Johannes des Täufers, der
hl. Apostel Petrus und Paulus sowie der Heiligen Stephanus (= ebenfalls ein Wiltener
Stiftspatron), Laurentius, Zeno, Georius (!) und der elftausend Jungfrauen.
Diese den Menschen des 20. Jahrhunderts überraschende und befremdende Vielzahl
von z. T. unkritisch als solche deklarierten Reliquien reflektiert jedoch die damals allge-
mein - auch an Fürstenhöfen-zu beobachtende gesteigerte Reliquienverehrung. Das
für Tirol bekannteste Beispiel für diesen Kult bildet die berühmte Heiltum- bzw. Reli-
quien-Sammlung des Florian Waldauf, welche dieser besonders vertraute Sekretär Kai-
ser Maximilians im Jahre 1501 in die Pfarrkirche von Hall gestiftet hat. Noch immer be-
achtliche Reste davon sind noch heute in der Waldauf-Seitenkapelle dortselbst zu
sehen.
Doch zurück nach Amras. Hier mußten die genannten Altäre mit ihren zahlreichen Reli-
quien noch lange sieben Jahre warten, bis der Bau des Langhauses und des Turmes der
neuen Kirche vollendet wurden. Und über eben diese Vollendung des Kirchenbaues
informiert uns wiederum und vor allem die vorliegende Urkunde, in welcher Weihbi-
schof Conrad nämlich des weiteren mitteilt, daß er später (»postea«), nämlich am vier-
ten Sonntag im Oktober des Jahres 1489 (= 25. Oktober 1489) den gesamten >>Körper<<
dieses Kirchenneubaues (»corpus eiusdem ecclesie«) geweiht habe, wobei nun den
Kirchenpatronen von 1482 auch der hl. Bischof Wolfgang zugesellt worden ist.
Den Termin für das alljährliche Kirchweihfest fixierte der Weihbischof auf den Sonntag
nach St. Bartholomäus; - es sollte zugleich auch das Weihefest für den Hochaltar sein,
was nicht sonderlich auffällt. Sehr wohl auffallend aber ist jedenfalls nach unserem
heutigen Festtagsbrauch - daß auch für jeden der zwei Seitenaltäre ein Weihefest de-
klariert wurde,-für den rechten Seitenaltar das Fest des hl. Sebastian (20. Jänner) und
für den linken Seitenaltar das Fest Mariae Heimsuchung (2. Juli).
Endlich hat Weihbischof Conrad, wie dies bei Kirchenweihen üblich war, jenen Gläubi-
gen einen 40tägigen Sünden-Buẞablaẞ verheißen, welche die Kirche am Weihnachts-
tag, am 1. Jänner, zu Drei-König, am Gründonnerstag, am Auferstehungs-(= Ostersonn-
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Abb. 130: Gesamtansicht der gotischen Pfarrkirche von Süden (mit dem neuen Schindeldach).
Foto: Franz-Heinz Hye, 1989
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tag) und Christi Himmelfahrtstag, zu Pfingsten und Fronleichnam sowie an den Marien-
Feiertagen und zu Peter und Paul, desgleichen an den obgenannten Kirch- und Altar-
weihefesten und Patrozinien bußfertig besuchen und zum Fortbestand der Kirche
durch entsprechende Spenden beitragen. Ein 40tägiger Ablaß besagt dabei, daẞ
durch Erlangung desselben Sündenstrafen im Ausmaß bis zu 40 Tagen als gesühnt an-
gesehen werden dürfen. Soviel zur Weiheurkunde unserer nun als Bau 500jährigen Am-
raser Pfarrkirche und zu ihrem Inhalt, der uns wie ein Fenster zurückblicken läßt in das
religiöse Leben und Empfinden unserer Vorvorderen.
Eine seit der Kirchenrestaurierung von 1968/69 wieder freigelegte Inschrift aus dem
Jahre 1756 auf einer Kartusche an der westlichen Innenwand hinter der Orgel teilt über-
dies mit, daß der damalige Kirchenneubau von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen
erheblich gefördert worden ist. Wörtlich heißt es dort sogar: »In Jahr nach Christi Ge-
burth 1489 ist das Gewölbn gegenwertig loblichen Gotts/Hauß U(nser) L(ieben)
Frauen) von Ihro Durchlaucht Örtzhörzog Sigimunt von Österreich gloreichister Ge-
dechtnuß erbauet worden<.
An Erzherzog Sigmund und seine zweite Gattin Katharina von Sachsen, wie auch an
Sigmunds Neffen, Adoptivsohn und Nachfolger, Kaiser Maximilian I., erinnert schließ-
lich auch die im Jahre 1491 von Peter Löffler gegossene Glocke, deren Glockenmantel
mit den Wappen dieser fürstlichen Personen geziert ist. 216 Die Bestellung und Herstel-
lung dieser Glocke weist übrigens darauf hin, daß spätestens zu diesem Zeitpunkt auch
der Bau des Kirchturms fertiggestellt war.
Erzherzog Sigmund (gest. 1496) hegte offenbar eine besondere Zuneigung zu Amras,
weshalb er nicht nur den Neubau der Marien-Kirche im Dorf gefördert, sondern sogar
eine zweite, wenn auch kleine Kirche, die St. Georgs-Kirche am Bichlweg im Oberdorf,
an der unteren Schloßparkmauer beim Schneidertörl, gestiftet hat (vgl. unten). Doch
nicht genug damit, ließ Sigmund, wie oben erwähnt, auch die St. Nikolaus-Schloß-
kapelle umbauen und verlieh ihr dadurch ihre heutige bauliche Gestalt.
Zusammenfassend kann bezüglich des spätgotischen Kirchenbaues der heutigen
Pfarrkirche gesagt werden, daß ihre heutige Außengestalt fast unverändert den Bauzu-
stand von 1489 verkörpert. Nur die Rosette über dem Haupteingang wurde im 18. Jahr-
hundert zugemauert und vor dem schönen, gekehlten Spitzbogenportal ein barocker
Vorbau errichtet. Besondere Erwähnung verdienen auch die elegant gearbeiteten
spätgotischen Schallfenster des Turmes, der übrigens neben dem von Vill (bei Igls) den
einzigen gotischen Spitzturm Innsbrucks darstellt.
Seit der Turm im Jahre 1970 durch die Firma Pondorfer neu bemalt und vermessen wor-
216 Vgl. unten Anm. 228.
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Abb. 131: Die gotische Pfarrkirche von Nordosten - man beachte den polygonalen Chor und das markant.
gegliederte Langhaus.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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den ist, kennen wir auch seine genauen Maße: Der gemauerte Turm mißt in der Höhe
30 Meter, der mit Schindeln gedeckte spitz zulaufende Turmhelm 30,5 Meter. Die Turm-
kugel hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern und das Turmkreuz ist 2,60 Meter
hoch. Dies ergibt eine Gesamthöhe von 63,90 Metern. 217
Vorübergehend scheint um 1490/1500 auch der Gedanke bestanden zu haben, den
Kirchenbau außen mit Fresken bzw. einem Bilderzyklus vom Leiden Jesu Christi zu ver-
sehen, doch hat man nach durchaus gelungenen Anfängen - vielleicht aus finanziellen
Gründen von diesem Projekt wieder Abstand genommen. Bei der Außenrestaurie-
rung der Kirche ist man jedenfalls im Jahre 1958 an der nördlichen Außenwand auf die
genannten Fresken bzw. Fresko-Entwürfe gestoßen und hat sie freigelegt.
Das Kircheninnere hingegen enthält aus der Bauzeit drei bedeutende Kunstwerke:
Eine Beweinung Christi an der linken Wand des Langhauses (sie befand sich früher in
der Tummelplatzkapelle), ein großes Kruzifix rechts im Chor und vor allem das anmuti-
ge Amraser Gnadenbild am Hochaltar. Daß wir dieses Kunstwerk heute noch bewun-
dern und verehren können verdanken wir der begnadeten Meisterhand des Innsbruk-
ker Restaurators Prof. Adalbert Kuttler, der diese beim Kirchenbrand vom 3. Dezember
1970 erheblich angekohlte Holzplastik wieder restauriert und gerettet hat.
Die erste schriftliche Bezeichnung dieser Muttergottesstatue als »wunderthetige Gnaden-
bildtnus<< findet sich übrigens in einem leider undatierten, inhaltlich und paläographisch
jedoch in die Zeit um 1650/90 datierbares Schreiben der >sambentlichen Nachbauren
und Gemaindtsleith zu Ombras<<, an den Prälaten von Wilten und den Amraser Richter. 218
Leider hat Herlinde Menardi in ihrem Beitrag über »Die Gnadenstätten in den Wiltener
Pfarren« in der 850-Jahr-Festschrift des Klosters Wilten (Innsbruck 1988, S. 343) den
Hinweis auf dieses wichtige, vom Verfasser bereits 1971 veröffentlichte Quellenzitat
unterlassen. 219 Einen eigenen Hinweis verdient auch die Besonderheit des Amraser
217 A. Bramböck, Berichte aus Amras. In: Amraser Bote Jg. 6, 1970, Nr. 3, S. 9.
218 Orig.-Pap., Stiftsarchiv Wilten, Lade 39 P. Wörtlich lautet der Passus: »Demnach sich von allhiesßiger Ge-
meindt und Nachbarschafft zu Ombras etlich zwainzig Persohnen in die Lusitanische Bruederschafft
U: L: F: Hilf oder von dennen 2 Messen genant, so zu Ynsprugg in dem wirdigen Gottshauß der allerheilli-
gisten Dreyfaltigkheit der S: J: aufgericht worden, einverleiben lassen, und vermig solcher iede Persohn
laut des von der Bruederschafft herauß gegebnen Unterrichts-Zötul ihr 2 heillige Messen an einen jeden
ihnen beliebigen Ohrt lessen lassen mag, solchen nach ist von dennen selben einmietig beschloßen
worden, solche alhier zu Ombras bey der wunderthetigen Gnadenbildtnus Maria an Son- und Feyrtegen
zu Fruhemessen..... lessen zu lassen.<< Den Anstoß zur Gründung dieser Marien-Bruderschaft an der Je-
suitenkirche dürfte wohl die Übertragung einer Kopie des Gnadenbildes Unserer lieben Frau von Foya in
diese Kirche im Jahre 1639 gegeben haben. (Vgl. Karl Klaar, Die Herren- und Bürgerkongregation in Inns-
bruck 1578-1928. Innsbruck 1928, S. 41-44.)
219 F. H. Hye, Die wichtigsten Daten aus der Kirchengeschichte von Amras (bis 1891). In: Amraser Bote Jg. 7,
1971, Nr.3.
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Abb. 132: Reste des Freskenzyklus von der Passion Christi (um 1500) an der nördlichen Außenwand der
Pfarrkirche (entdeckt 1958).
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Gnadenbildes. Es besteht in dem Umstand, daß hier das Jesuskind nicht am Arm
oder Knie der Muttergottes sitzt, sondern am Bauch liegt und lustig strampelt, wes-
halb es von der hl. Maria mit beiden Händen gehalten werden muß. Allerdings trägt
das Jesuskind bei aller kindlichen Lustigkeit bereits das Zepter seiner zukünftigen
Herrschaft.
Die übrige Ausstattung der Kirche ist jüngeren Datums und entstammt vorwiegend ih-
rer sukzessive erfolgten Barockisierung. Diese begann im Jahre 1677, als-wie die oben
erwähnte Inschrift hinter der Orgel mitteilt, die Kirche »durch den Herrn Jacob Stapf
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Abb. 134: Das von Prof. Adalbert Kuttler nach dem Brand vom 3. Dezember 1970 restaurierte und gerettete
Amraser Gnadenbild vor der neuerlichen Fassung. Die hellen Stellen sind die Ergänzungen der verkohlten
Originalteile.
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renoviert<< worden ist. Bei dieser Gelegenheit stiftete Stapf, den wir als Wirt und Gast-
geb beim >Kapeller« und als Gerichtsanwalt des Propsteigerichtes Amras kennen, das
Mariae-Verkündigungsbild an der rechten Wand des Langhauses. Die Stukkatur-Ein-
fassung des Bildes trägt daher oben das Stapf'sche Familienwappen. Im Jahre 1686 ver-
fügte Jacob Stapf dann noch zusätzlich, daß vor dieser »Englischen Grueẞ-Pildtnus<<
alle Sonn- und Feiertage in einer Ampel ein Öllicht abgebrannt werden soll. 220 Gestor-
ben ist Jacob Stapf ein Jahr später, am 28. Mai 1687 in Amras. 221 Die ehemalige, im Jahre
1964 abgerissene >>Stapf-Kapelle« neben der Getzner-Säule an der Kreuzung Amraser
Straße/Philippine-Welser-Straße war gleichfalls eine Stiftung dieser beim heutigen
Gasthof »Kapeller« ansässig gewesenen Amraser Wirtsfamilie.
Die zweite Phase der Barockisierung fiel in das Jahr 1712. Darüber liegen uns zwei sich
gegenseitig ergänzende Quellen vor. Einmal ist es die schon mehrfach zitierte Inschrift
hinter der Orgel, wo zu lesen steht: >1712 seint durch Ihro Gnaden Herrn Johannes
Apperger die 3 Altär gemacht und dis Gottshauẞ renoviert worden.<< Zum anderen ist
es ein Bericht aus demselben Jahre, der bei einer neuerlichen Turmrenovierung des
Jahres 1770 in der Turmkugel angetroffen und abgeschrieben worden ist. Darin wird
mitgeteilt, daß >der hochedl gebohrene Herr Johann Hainrich Aperger von und zu Frid-
haimb, kayserlicher wirkhlicher o.ö. Hofcamerrath als Kirchprobst dises Gottshauẞ aus
desselben Mittlen auf Bewilligung und Guethaissen der ganzen Nachparschafft, son-
derbahr aber des woledl gebohrnen Herrn Jacob Christophen Walters von Herbsten-
burg, Tyrolischen Lanndtmanns, Richter und Gerichtschreibers (zu Amras), item des
Herrn Franz Stapfen, Wirth und Gastgeben (vermutlich als Gerichtsanwalt) und des
Matheusen Jäbingers (vermutlich als Dorfmeister) durch den Peter und Antoni die Härt-
ler, Gebrüeder, beed Zimerleith zu Mieders in Stubay wohnhafft, disen Thurnknopf re-
novierter aufsetzen und das Thurndach von neuen grien anstreichen und ainen neuen
Choraltar in dise Kirchen aufrichten (hat) lassen. <222 Von damals also stammen die ba-
rocken Altäre der Amraser Pfarrkirche.
In der dritten Phase ihrer Barockisierung wurde das Kirchengewölbe seiner gotischen
Netzrippen beraubt und mit barocken Fresken und duftigen Stukkaturen versehen.
Die im Zuge dieser Renovierung verfaßte Inschrift hinter der Orgel teilt hiezu mit: > 1756
ist es (= das Gotteshaus) unter Anfiehrung Joseph Junckher nachhehr mit Stockotor
und Mallereiarbeit gezieret worden.<< In der Person des hier genannten Joseph Juncker
haben wir übrigens weder den damaligen Maler, noch einen Mäzen zu erblicken, der
all' dies finanziert und gestiftet hat, sondern den damaligen Amraser Kirchpropst (vgl.
die Amraser Kirchpropstraitung von 1755 - im Stiftsarchiv Wilten, wo Joseph Junkher
als der >neue<< Kirchpropst für das Jahr 1756 genannt wird).
220 Orig. Perg.-Libell im Besitz des Gasthofs Kapeller.
221 Pfarrarchiv Ampass, Totenbuch.
222 Stiftsarchiv Wilten, Lade 39, X.
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Abb. 135: Das gotische Kruzifix im Presbyterium.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 136: Beweinung Christi (um 1490) in der Pfarrkirche.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Inhaltlich zeigen die Deckenfresken im Presbyterium die Himmelfahrt Mariä und im
Kirchenschiff (von Osten nach Westen) die Enthauptung des hl. Pankratius, die Ver-
mählung Mariä und über der Orgel den hl. Bischof Wolfgang.
Bezüglich der überaus duftigen, vermutlich von der Hand des Amraser Stukkateurs
Johann Georg Gratl (gest. 1783)223 geschaffenen Stukkaturen seien besonders jene am
Chorbogen sowie die später abgeschlagenen, 1968/69 aber nach den alten Konturen
223 Erich Egg, Kunst in Tirol. Baukunst und Plastik. Innsbruck 1970, S. 200.
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von Franz Roilo und Ilse Giacomuzzi meisterhaft völlig neu gebildeten Apostelzeichen
hervorgehoben.
Die Datierung dieser Arbeiten zum Jahre 1756 findet sich in der Kirche an zwei Stellen:
Einmal am Chorbogen in Form eines nun wieder freigelegten Chronogrammes: Delpara
saCra a CaeLo assVMpta - neben dem Deckenfresko im Chor ist dies zugleich der älte-
ste Beleg für die engere Bezeichnung der Amraser U. L. Frauen-Kirche als >Mariae-Him-
melfahrt«<-Kirche. Die zweite Stelle ist die bereits erwähnte Inschrift hinter der Orgel.
Wenn dies auch nirgends ausdrücklich angegeben wird, so dürfen wir doch annehmen,
daß im Zuge der damaligen entscheidenden Phase der Barockisierung auch die maleri-
sche Vorhalle vor dem gotischen Kirchenportal errichtet worden ist. Auf die späteren
>>Restaurierungen« oder Arbeiten in der Kirche, die man auch so nannte, brauchen wir
hier nicht einzugehen.
Für die Geschichte der Austattung unserer Kirche von großer Wichtigkeit aber ist die
dankbare Erinnerung an die großherzige Spende einer längst erforderlich gewordenen
neuen Orgel durch Johann und Maria Kirschner. Die Weihe des neuen Werkes erfolgte
am 2. Oktober 1960.224
Acht Jahre später begann dann die seit 1756 wichtigste Kirchenrestaurierung. Sie wur-
de in der Hauptsache durch freiwillige Arbeitsschichten der Amraser Mitbürger be-
werkstelligt und bescherte Amras nicht nur eine im Inneren wieder strahlend helle
Barockkirche, sondern ermöglichte auch wesentliche Einblicke in die ältere Bauge-
schichte der Kirche. Bei dieser Restaurierung wurde die Kirche nämlich einerseits >ent-
rümpelt<< und andererseits ihre wahren Schönheiten, wie die zarten Stukkaturen etc.
wieder erneuert. Zu befürworten war auch die Auswechslung der bunt-figuralen Fen-
ster, welche 1947 von Max Spielmann geschaffen worden waren - die alten Fenster wa-
ren dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen. Diese Spielmann-Fenster waren zwar sehr
gediegen und kunstvoll, andererseits aber zu dunkel und wurden daher der barocken
Innenausgestaltung der Kirche nicht gerecht.
Den offiziellen Abschluß der Restaurierung bildete ein Pontifikalamt, welches Abt Alois
Stöger von Wilten am 7. Dezember 1969 in der Pfarrkirche zelebrierte. 225 Ebenfalls im
Dezember 1969 wurde im »Amraser Boten« von Andreas Bramböck folgende Liste jener
Amraser veröffentlicht, die kostenlos an der Restaurierung durch ihrer Hände Arbeit
mitgewirkt haben (ein entsprechendes Verzeichnis der Geldspenden war leider nicht
zu bekommen):
224 Erwähnt bei A. Bramböck, 25 Jahre Chorarbeit in Amras. In: Amraser Bote Jg. 12, 1976, Nr.4, S. 3.
225 A. Bramböck, Ein großer Tag für Amras. In: Amraser Bote Jg. 5, 1969, Nr. 4., S. 1-8.
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Abb. 138: Inschriftkartusche von 1756 über der Orgel. Der untere Kartuschenrand überdeckt die teilweise
sichtbare gotische Rosette.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Angerer Andreas
Außerlechner Alois
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Mayr Josef
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Moser Herbert
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Bramböck Andreas
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Moser Karl
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Bramböck Josef
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Braunhofer Leopold
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Nagiller Josef
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Dr. Dellasega Ludwig
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Ecker Franz
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Felgitsch Johann
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Niederbacher Stanislaus
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Nöbl Erwin
3
Dr. Fridrich Robert
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Nocker Alfred
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Frühstück Georg
15
Öttl Josef
3
Gamper Rudolf
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Pfau Walter
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Gatt Karl
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Resch Gert
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Rofner Josef
Gratl Klaus
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Saurwein Ernst
Guggenberger Ludwig
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Schapfl Heinrich
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Happ Ferdinand (Willi Feri)
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Schiener Adolf
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Hechenberger Bernhard
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Schiener Johann jun.
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Heiß Rudolf
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Schlögl Johann
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Hölzl Anton
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Schlögl Karl jun.
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Hundsbichler Franz jun.
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Seebacher Peter
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Hundsbichler Josef jun.
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Kapferer Norbert
Kirschner Ernst
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Abb. 139: Der barocke, 1756 dem gotischen Kirchenportal vorgesetzte Vorbau, darüber die gotische Rosette
und das Fresko von Hans Andre.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Leider wurde das gelungene Werk so vieler fleißiger Hände in der Nacht vom 2. zum 3.
Dezember 1970 durch einen Brand weitgehend zunichte gemacht: Der Hochaltar war
zur Hälfte abgebrannt, das Gandenbild verkohlt, die strahlend hell restaurierte Kirche
von Rauch und Ruß schwarz. Die Hitze des Brandes, der am Morgen des 3. Dezember
um 6.15 Uhr entdeckt worden ist, war so groß, daß sogar die Orgelpfeifen der neuen
Orgel geschmolzen sind.226
Ungeachtet dieser fürchterlichen Katastrophe faẞte sich die Amraser Bevölkerung ein
Herz und schritt, unterstützt durch erhebliche Subventionen der öffentlichen Hand,
neuerlich zur Restaurierung, sodaß die Kirche zu ihrer 750-Jahr-Feier 1221 - 1971 wieder
glanzvoll erstrahlen konnte. 227 Die Spuren von Rauch und Ruß schlugen allerdings in
den folgenden Jahren immer mehr durch, weshalb eine neuerliche Innenrestaurierung
notwendig war, wollte man das heurige 500. Weihe-Jubiläum des bestehenden goti-
schen Kirchenbaues in einem würdigen Rahmen feiern. Gleichzeitig damit erfolgte ei-
ne neue Dachdeckung mit Schindeln. Auch für diese Arbeiten sei allen, die dazu durch
ihre Arbeitskraft oder durch ihre Spende beigetragen haben, ein herzliches >>Vergelt's
Gott gesagt.
Die Amraser Kirchen-Glocken
Die gleiche Opferbereitschaft, die die Amraser immer wieder für die Restaurierung
ihrer Kirche bewiesen haben, legten sie auch stets hinsichtlich der Glocken im Turm an
den Tag. Bei der Anschaffung der einzigen alten Glocke, die sich im Kirchturm erhalten
hat, haben allerdings auch die damaligen Tiroler Landesfürsten Erzherzog Sigmund
der Münzreiche (gest. 1496) und der damals junge König und spätere Kaiser Maximilian I.
beigetragen, woran der heraldische Schmuck der Glocke erinnert. Bei dieser Glocke
handelt es sich um die älteste in Tirol erhaltene Glocke aus der Innsbrucker Glocken-
gießerei des Peter Löffler. Er hat sie im Jahre 1491 gegossen. Ihr Durchmesser beträgt
138 cm. Johanna Gritsch hat die Glocke, wie folgt, ausführlich beschrieben:
>>Die früheste Glocke, die uns von Peter Laiminger erhalten ist, ist die von 1491 (138 cm)
der Pfarrkirche zu Ambras, ein Werk, das durch seinen reichen Schmuck auffällt, wobei
der Meister aber noch stark in den Formen des Jahrhunderts befangen ist. Die sechs
Henkel, die sie tragen, sind mit dem beliebten Zopfmuster verziert. Um die ziemlich fla-
che Platte ist ein Kranz von abwechselnd kurzen und längeren stark gerippten Blättern
gelegt. Der schöne, unten weit ausladende Körper der Glocke ist nicht sehr rein gegos-
226 Derselbe, Brand in der Amraser Pfarrkirche. In: Amraser Bote Jg. 6, 1970, Nr. 4.
227 Johanna Gritsch, Zur Restaurierung der Amraser Pfarrkirche. In: Amraser Bote Jg. 7, 1971, Nr. 4, S. 2-4. Vgl.
auch oben Anm. 219.
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Berdige Anna belle fie
Abb. 140: Kanzel und Altäre um 1950.
Bria well ute und ich
sen und dementsprechend sind auch die angebrachten Verzierungen eher grob. Den
Hals der Glocke umläuft eine zweizeilige Inschrift in schöner lateinischer Kapitale, die
oben von einem glatten Reifen mit rechteckigem Querschnitt begrenzt ist. Durch einen
Kranz übereinandergreifender Blätter werden die Inschriftzeilen getrennt, ein profilier-
ter Stab mit Bogenfries schließt sie ab, der sich nach unten öffnet und mit Punkten be-
setzt ist. Zwischen die Worte der Inschrift sind einfache Ziermotive eingestreut. Sie
lautet: (erste Zeile) REGINA CELI LETARE ALLELUJA QVIA QVEM MERVISTI PORTARE
ALLELUJA RESSVREXIT SICVT DIXI ALLELVJA (zweite Zeile) ORA PRO NOBIS DEVM
ALLELVJA NOBILIS VIR MAGISTER PETRVS LEFFLER DE SANCTA CRVCE FECIT 1491.
An den Text schließt sich in Zeilenhöhe die Profilbüste eines Mannes mit Kappe in der
Art italienischer Renaissancebüsten, daneben umschlingen sich zwei winzige nackte
Figürchen, wohl Adam und Eva. Den Abschluß bildet das oben und unten beschnittene
Rundbildchen mit der Darstellung einer Verkündigung.
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In klarer und sehr regelmäßiger Anordnung, die in dieser Zeit überrascht, greift der
Schmuck auf den Mantel der Glocke über. Unterhalb der Inschrift brachte der Meister
ein Medaillon von 12 cm Durchmesser an. Die mit einem Rundstab gerahmte Fläche ist
vom zarten Relief einer Darstellung gefüllt, die sowohl in ihrer Form wie im Thema ganz
den Geist der Gotik atmet. Das Erlösungs-Kreuz Christi als Astkreuz mit geschwunge-
nen Armen erscheint hier zugleich als Lebensbaum mit zarten, sich spiralig verschlin-
genden Zweigen. Im Inneren der Spiralen sind die Brustbilder der 12 Apostel (?), wäh-
rend die Zwischenräume in schwellenden Trauben und filigranähnlichem Blattwerk er-
trinken. Über dem Kreuz schweben die Taube des Heiligen Geistes und die Schleifen
von Spruchbändern mit unleserlicher Inschrift. Diese füllen auch den unteren Teil des
Runds zusammen mit feinen Blütenstengeln, die dem koppenartig schematisch ge-
formten Boden entsprießen. Rechts und links stehen unter dem Kreuz die Gestalten
Adam und Evas, die Symbolik der Darstellung als Anfangsglieder von Christi Stamm-
baum vervollständigend. Diese beiden Figuren sind in Gewänder gehüllt, deren Falten-
gebung in die Mitte des Jahrhunderts weist. Leider gehen die plastischen Feinheiten
des Reliefs, dem sicher graphische Vorlagen zugrunde liegen, durch die Unklarheit des
Gusses verloren.
Unterhalb dieses Medaillons hat der Meister sein Siegel mit dem unlängst verliehenen
Wappen angebracht: Im tartschenförmigen Schild die gekrönte Löffelgans, die auf dem
Helm als Kleinod wiederkehrt. Ringsum ist ein Schriftband gelegt: H. Pettr Löfler vom
hailgen...
An der gegenüberliegenden Seite des Glockenmantels überrascht uns das 14 cm hohe
Relief einer Madonna mit Kind auf oben halbrund geschlossener Plakette durch seine
unleugbar italienische Herkunft. Die Verwendung eines so modernen Vorwurfs durch
Peter Löffler ist jedoch durchaus erklärlich. In den Tirol benachbarten oberitalieni-
schen Landschaften war damals die Herstellung von Medaillen und Plaketten stark in
Schwung. Sie dienten ebensosehr der Verbreitung antiker Darstellungen, wie der Ver-
vielfältigung von Andachtsbildern und Pilgerandenken. Sie waren in Italien das, was in
Deutschland der Holzschnitt bedeutete. In Tirol, dem Nachbarland, werden solche
Plaketten bald bekannt geworden sein....
Unterhalb dieser Plakette schmückt den Mantel der Glocke noch einmal das Rundsie-
gel des Meisters und darunter erscheint überdies noch das Wappenschildchen mit der
Löffelgans.
Zwei weitere Akzente sind am Mantel dieser Glocke die schräg zueinander geneigten
Wappen Österreichs und Sachsens, über denen der Erzherzoghut schwebt (Sigmund
und Katharina von Sachsen). Die andere Seite zeigt über dem Wappen Österreichs,
dem Bindenschild und den fünf Lerchen Alt-Österreichs, den Adler König Maximi-
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Abb. 141: Die Gestalt Gottvaters vom barocken Hochaltar.
Foto: Sir George Solti, um 1945/46
lians I. Kleine in gleichen Abständen angebrachte und paarweise zueinander schau-
ende Wappenschildchen stellen die Verbindung zu den vier betonten Stellen des
Glockenmantels her. Die Reihe beginnt neben den Wappen des Erzherzogpaares mit
einem leeren Schildchen. Dann folgen: Schlesien, Kiburg, Steiermark, Ungarn, Pfirt, die
windische Mark, Elsaß, Portenau, Burgau, Tirol, Kärnten. Diese Wappen sind sehr un-
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sauber gegossen, so daß ihre plastischen Feinheiten vollkommen verloren sind. Man
kann jedoch gewisse Ähnlichkeit mit später verwendeten Wappen feststellen.
Oberhalb der beiden letzten ist der Abdruck eines spitzovalen Siegels mit schöner,
schlanker, gekrönter Schutzmantelmadonna und Majuskelumschrift: S. BERTE MARIE
DE MEROEDE REDEMTIONIS CAR? E? LO. Das Siegel entstammt der Zeit um 1400
und dürfte einem Glied der in der Gegend von Aachen weit verzweigten Familie
Merode gehören. Wie Meister Peter in seinen Besitz kam, wissen wir nicht.<228
Glocken und Kanonen hatten schon immer - so befremdend dies klingen mag - ge-
wisse Gemeinsamkeiten. Beide sind aus Metall, beide wurden gegossen, bis zur Ent-
wicklung eigener Waffenfabriken meist sogar in den selben Werkstätten. Man denke
nur an die Gießerei der Familie Löffler in Büchsenhausen. Dieses einträchtige Neben-
einander von Glockenklang und Kanonendonner wurde erst gestört, als der moderne
Krieg und sein totaler Materialeinsatz mehr Geschütze verlangte, als die Landesnatur
Rohstoffe hiefür zu geben imstande war.
Schon im 19. Jahrhundert begann dies unter dem Schlagwort >Gold gab ich für Eisen<<,
und im 1. Weltkrieg trat dazu dann erstmals die Forderung: »Herunter mit den Glocken,
wir brauchen mehr Kanonen!<< Zu Hunderten wurden die Tiroler Kirchenglocken da-
mals am Westbahnhof in Wilten verladen. Nur besonders alten und künstlerisch wert-
vollen Glocken blieb dieses Schicksal erspart. Auch die Amraser Glocken blieben
damals nicht verschont, nur die ehrwürdige Löffler-Glocke von 1491 durfte im Turme
verbleiben.
Nach Kriegsende, nachdem die Kanonen verstummt und nun ihrerseits zum Großteil
eingeschmolzen wurden, bemühte man sich allerorts wieder, Geld für die Anschaffung
neuer Glocken zusammenzutragen, wobei oft die letzten Ersparnisse gespendet wur-
den. Auch die Amraser waren damals nicht untätig und konnten daher im Jahre 1923,
fünf Jahre nach Kriegsende, drei neue Glocken bei der heimischen Glockengießerei
Graẞmayr gießen lassen. Sie hatten die Tonlage f-as-b und ergaben gemeinsam mit
dem >des<< der Löffler-Glocke ein harmonisches Salve-Regina-Geläute.
Nicht lange aber währte diese Harmonie. Mit dem Einmarsch Hitlers in Polen begann
1939 der Zweite Weltkrieg, und wieder mußten die Glocken herunter, wieder wurden
228 Dieselbe, Die Glocken Peter Löfflers. In: Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum Bd. 20/25,
Innsbruck 1948, S. 62-64. Vgl. dazu auch F.H. Hye, Die heraldischen Denkmale Sigmunds des Münzrei-
chen in Tirol und Vorderösterreich. In: Katalog der Tiroler Landesausstellung »Der Herzog und sein
Taler«, Hall i. T. 1986, S. 25-39, besonders 34 f.; sowie von demselben, Die heraldischen Denkmale Maxi-
milians I. in Tirol. Versuch einer maximilianischen Heraldik. In: Der Schlern Jg. 43, Bozen 1969, S. 56-77,
besonders S. 57f.
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Abb. 142: Die Kanzel und der (linke) St. Pankratius-Seitenaltar nach der Restaurierung von 1968/71.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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sie zu Waffen umgeschmolzen. Wiederum blieb im Amraser Kirchturm nur die gute, alte
>Löfflerin<< als einzige Glocke zurück.
Auf die harten Jahre des Krieges und diesmal auch der Unterdrückung folgten nach
1945 harte Jahre der Besatzung und des Wiederaufbaues. In vielen Familien fehlten der
Vater, die Söhne, viele schmachteten noch in Kriegsgefangenschaft. Allen diesen
Schicksalsschlägen zum Trotz waren sich die Amraser Pfarrgemeinde und ihr unvergeẞ-
licher Pfarrer Anton Plattner in dem Wunsche einig, sobald wie möglich wieder ein voll-
ständiges Kirchengeläute herstellen zu lassen.
Mit viel Schwung und Begeisterung schritt man zur Tat: Bereits am 15. Juni 1945, also
nicht ganz eineinhalb Monate nach dem Einmarsch der Amerikaner in Innsbruck
(3. Mai), bestellte Pfarrer Plattner bei Josef Graẞmayr vier Glocken für die Pfarrkirche
und eine kleine Glocke für die Tummelplatzkapelle. Dabei bescherte es ihm großen
Kummer, daß andere Pfarren - wie er nicht ahnen konnte - schon lange vor ihm bei
Graẞmayr neue Glocken bestellt hatten. Am 27. Juni 1945 schrieb er daher an die Gieße-
rei: »Ich wußte nicht, daß man schon bestellen kann, sonst wäre ich der erste gewesen.<<
Josef Graẞmayr antwortete ihm damals, daß Amras in der Reihe der Bestellungen an
49. Stelle stehe, und daß »die ersten Bestellungen schon im Jahre 1942 gemacht wur-
den<<, offenbar schon gleich nach der Abnahme der alten Glocken.
Um zumindest einen Teil der Glockenfinanzierung ohne Bargeld abgelten zu können,
ließen sich die Amraser Bauern etwas Besonderes einfallen: Die Firma Graßmayr war
bei den Bombardierungen im Dezember 1944 mehrmals getroffen worden, ihre Werk-
stätten lagen zum Großteil in Schutt und Asche. Ohne die Beseitigung des Ruinen-
schuttes aber war an Wiederaufbau und Wiederaufnahme des Gießereibetriebes nicht
zu denken. Zudem waren Arbeitskräfte nur schwer zu bekommen. In dieser Notlage
vereinbarte Josef Graẞmayr im August 1945 mit Pfarrer Anton Plattner bzw. mit den
Amraser Bauern, daß die Amraser seinen Bombenschutt aufladen und wegführen, wo-
bei er pro Fuhr (= 1 Kubikmeter) 6 RM (= Reichsmark), verrechenbar gegen die neuen
Glocken, bezahlte. Gleichzeitig wurden die Guẞkosten für die Glocken mit RM 2,- pro
kg festgesetzt. Bis Ende November 1945 war die Arbeit getan. Insgesamt verlieferten
die Amraser Bauern 124 Fuhren Schutt!
Am Josefitag 1946 luden Pfarrer und Pfarrkirchenrat von Amras zu einem Kirchenkon-
zert ein, das der Kirchenchor unter »Mitwirkung seiner lieben Chorgastsänger und
Musiker<< unter der Leitung von Dr. Anton Murr zu Gunsten der neuen Glocken durch-
führte, wobei für »Erwachsene 5 Schilling, für Kinder 2 Schilling Eintritt<< verlangt wurde.
Der Glockenguẞ aber lag noch in weiter Ferne. 1947 trat der Pfarrkirchenrat neuerlich
an Graẞmayr heran, in der Hoffnung, zur Feier des 10. Jahrestages des Amtsantrittes
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Abb. 143: Der (rechte) St. Wolfgang-Altar nach der Restaurierung von 1968/71.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 144: Das nach dem Kriegsende (1945) als besonderer Ausdruck der damals neu auflebenden Vereh-
rung der Amraser Gnadenmutter von Prof. Hans Andre gemalte Fresko an der Kirchenfassade u. a. mit den
Portraitgestalten (v.l.n.r.) des Schützenhauptmannes Andrä Mayr, des Pfarrers Anton Plattner und der
Stecher-Bäuerin Maria Mayr.
von Pfarrer Plattner in Amras (1937) dem Jubilar das neue Geläute präsentieren zu kön-
nen - die Glockenweihe war für den 21. September, die Fertigstellung am Turm für den
5. Oktober vorgesehen - doch auch dieser Termin verstrich ohne den gewünschten
Erfolg.
Noch sieben Jahre lang mußte Amras auf seine Glocken warten. Im Frühjahr 1954 - es
war das Jahr des Silbernen Priesterjubiläums von Pfarrer Plattner - fand dann die ent-
scheidende Besprechung des Glockenkomitees unter dem Vorsitz von Alt-Bürgermei-
ster Hans Geyr (gest. 1957) mit der Firma Graẞmayr statt.
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Abb. 145: Die berühmte Löffler-Glocke von 1491.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Am 16. April unterbreitete Graẞmayr letzte Harmonie-Vorschläge und empfahl >als mu-
sikalisch schönste Komposition das Geläute cis-e-fis-a, welches mit allen fünf Glok-
ken (einschließlich der Löfflerin) das wunderbare Te-Deum- und Gloria-Motiv ergibt.<<
Diesem Vorschlag schloß sich hierauf auch das Glockenkomitee an und gab die endgül-
tige Bestellung am 7. August 1954 ab. Sie trägt die Unterschriften von Hans Geyr und
Andrä Mayr. 229
Nun verlief alles sehr rasch. Der Guß der drei kleinen Glocken erfolgte am 13. Oktober,
die Herz-Jesu-Glocke wurde am 16. Oktober gegossen. Die feierliche Glockenweihe,
vorgenommen durch Abt Hieronymus Triendl von Wilten, fand am 24. Oktober 1954 auf
dem Platz vor dem Stecherbauern statt.
Tags zuvor wurden die Glocken in feierlichem Zuge aus der Gießerei in Wilten nach
Amras gebracht. Paul Hauser berichtete darüber in den »Tiroler Nachrichten< (1954,
Nr. 247):
>>Noch war die Mittagszeit am Samstag kaum richtig vergangen, als sich in Wilten die
Umgebung der Glockengießerei Johann Graẞmayr mit zahlreichen Schaulustigen füllte,
um das neue Geläute für die Amraser Pfarrkirche in feierlicher Weise einzuholen. Bald
rollten die Wagen aus dem Hof der Gießerei mit den neuen Glocken. Schimmernd, als
wären sie aus reinem Silber getrieben (Anm.: In Wirklichkeit bestehen die Glocken aus
80% Kupfer und 20% Zinn, die Beigabe von Silber wäre geradezu schädlich!), und vom
Licht der Oktobersonne umrauscht, zeigten sie so recht ihre edle Form, die erhabenen
Bildnisse und Inschriften. Die Herz-Jesu-Glocke mit dem Tiroler Adler, dem Bundes-
herrn des Landes zu Lob und Ehre bestimmt, die Johannes-Glocke, so benannt nach
dem Evangelisten, die Josephi-Glocke mit den Bildnissen des Landespatrons und des
Andreas von Rinn, und die kleinste von den vieren, die Glocke zum Preise des heiligen
Antonius.
Pünktlich hatten auch die Schützen und Musikanten von Amras Aufstellung genom-
men, und nachdem Ökonomierat GR Geyr und Chorherr Anton Plattner, der Pfarrer von
Amras, die letzten Anordnungen getroffen hatten, setzte sich auch pünktlich um 14 Uhr
der Festzug durch die Leopoldstraße in Bewegung. Die frischen Marschklänge der
Blasmusikkapelle lockten von überallher die Menschen an. Dichte Zuschauerspaliere
bildeten sich auf den Gehsteigen, kein Fenster der Straße blieb geschlossen, als die
Amraser anrückten: unter der Stabführung des Kapellmeisters Ferdinand Happ die
Musikanten in Tracht, und die Schützen, geführt vom Hauptmann Andrä Mayr, 32 Mann
stark. Auf grünweißem Fahnenblatt wehte der gestickte Landesadler über den Schüt-
229 Die hier zitierten Schreiben etc. des Zeitraums von 1945 bis 1954 befinden sich ausnahmslos im Archiv
der Firma Graẞmayr, Innsbruck, der auch an dieser Stelle für deren Benützung aufrichtig gedankt sei.
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zenhüten. Dann kamen die pferdebespannten, reich verzierten Glockenwagen. Die
Fichtenkränze des ersten Wagens zeigten rotweiße Rosen als Schmuck.
Vier Büblein in Meraner Tracht umgaben als kleine Wächter die Glocke des Bundes-
herrn von Tirol. Die Fichtengewinde der drei nachrollenden Wagen wiesen dagegen
weiße Rosen auf, und kleine Mädchen in weiß glichen unschuldigen Tiroler Christen-
geln, die auf den Glockenwagen Heimstatt gesucht hatten. >Bitt, daß bleibend Friede
werde<, steht auf der Johannes-Glocke. So mancher Blick der vielen Innsbrucker in der
Maria-Theresien-Straße, beim Museum und auf dem weiteren Weg hinaus nach Amras
(Anm.: Die Olympia-Brücke gab es damals ja noch nicht!) mag trotz der freudigen Stim-
mung auf diesem Satz haften geblieben sein. Und zugleich auf den kleinen Mädeln, de-
nen die Vorsehung ersparen möge, was ihre Mütter und Großmütter in zwei grausamen
Kriegen erduldet und erlitten. Daß der Festzug zur belebtesten Tageszeit am Wochen-
ende nie richtig stockte und auch der Straßenverkehr sich mustergültig abwickelte, da-
für hatte eine kleine Polizeistreife unauffällig gesorgt...
Vor dem Stecherhof wurden die Glocken auf einen reich geschmückten, behelfsmäßi-
gen Glockenstuhl gehängt. Sie sind auf e-fis-a-cis gestimmt; die größte wiegt 1.050
Kilogramm, die kleinste 220 Kilogramm. Böllerschüsse dröhnten am Sonntagmorgen
durch das beflaggte und geschmückte Amras, als Abt Hieronymus Triendl unter großer
geistlicher Assistenz einzog und anschließend das Pontifikalamt zelebrierte.
Der Glockenweihe vor dem Stecherhof wohnten unzählige Menschen bei. Die schönen,
ergreifenden und ehrwürdigen Zeremonien der Weihe, die Taufe der Glocken von
innen und außen, ihre Salbung und Räucherung und die lateinischen Gebete wurden
von Pfarrer Plattner einprägsam erläutert, während andere Priester dem Prälaten assi-
stierten. Allen zu Herzen ging die Glockenpredigt des Pfarrers von Mutters, Gebhard
Pfluger. Die Glocken, betonte er, sollen gerade in unserer materialistischen, von tech-
nischem Lärm erfüllten Zeit Rufer, Mahner und Künder der Frohbotschaft Gottes
sein. Das abschließende Herz-Jesu-Bundeslied klang weit hinaus bis zu den letzten
Feldern und Häusern von Amras.
So wurde die hohe kirchliche Feier auch ein Bekenntnis zum zerrissenen und doch eini-
gen Tirol, ein Treuegelöbnis für die Heimat.<<
Einige Tage später wurden die Glocken in den Turm gehängt, von wo sie uns seither in
Freud und Leid - in wenigen Tagen wieder als Weihnachtsglocken - zur Kirche rufen
und uns durch ihren weithin hörbaren Wohlklang erfreuen.
Möge es ihnen und uns beschieden sein, daß sie immer dort oben in ihrer luftigen
Höhe verbleiben...
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Die Amraser Friedhöfe
a) Der Pfarrfriedhof
Zu den frühesten kirchlichen Rechten, die die Pfarre Ampass den Dorfbewohnern
von Amras eingeräumt hat, gehörte das Begräbnisrecht, d. h., die Amraser mußten ihre
Toten nicht am Pfarrfriedhof in Ampass beisetzen, sie durften sie bei der eigenen Orts-
kirche begraben. Beweise für dieses Begräbnisrecht und seine Praktizierung liegen in
zweifacher Weise vor. Einmal wird in der vorzitierten Urkunde von 1467 betont, daß der
Priester im Zusammenhang mit den in der Amraser Kirche zu lesenden Seelenmessen
auch >>auf das Grab« des oder der Verstorbenen zu gehen habe. 230 Andererseits wurden
im Zuge der Kirchenrestaurierung 1968 unter dem Fußboden des Presbyteriums Grab-
stellen freigelegt, die entlang der Außenseite des romanischen Presbyteriums-Funda-
mentes angeordnet waren, also vor 1482 dort angelegt worden sein müssen. Durch den
Bau der im Vergleich zur romanischen Kirche vergrößerten gotischen Kirche von ca.
1480/89 wurde das Friedhofsareal dann allerdings etwas kleiner, was erst durch die
Friedhofs-Vergrößerung von 1907 ausgeglichen worden ist. 231
Besonders angesehenen Personen war früher übrigens die Bestattung in der Kirche ge-
stattet, was andererseits auch deren - zumindest nach ihrem Tode - devote Gesin-
nung zum Ausdruck bringen sollte, da man über diese Gräber und Grabsteine gehen
sollte und auch gegangen ist. Dementsprechend sind diese Grabdenkmäler, die im Zu-
ge der Restaurierung 1968/70 gehoben und an der Kirchenaußenwand bzw. Friedhof-
mauer angebracht worden sind, z. T. bis zur Unleserlichkeit abgetreten. Dies gilt weitge-
hend für zwei kleinere, weiße Marmorsteine, die an ihren Ecken noch Bruchstücke der
ehemaligen Beschriftung erkennen lassen. Das Textfragment lautet auf beiden Steinen
>PHILIPPINA WELSERIN« und die auf einem der beiden Steine noch erkennbare Wap-
pendarstellung zeigt in einem sogenannten »welschen Kränzel«< das Wappen der frei-
herrlichen Familie »Welser zu Zinnenburg«: Im viergeteilten Schild auf Feld 1 und 4 eine
stilisierte Linie, das alte Welser'sche Wappen (von 1532), sowie in den Feldern 2 und 3
eine doppelte Zinnenmauer, bezugnehmend auf das freiherrliche Prädikat »von Zin-
nenburg« (verliehen 1567). Zwar handelt es sich dabei nicht um die Reste einer Grab-
stätte der Philippine Welser - Philippine wurde ja bekanntlich nach ihrem Tode im Jahr
1580 gleich in der Silbernen Kapelle beigesetzt - sondern um das Grab einer Nichte
der Philippine Welser. Die Nennung der »PHILIPPINA WELSERIN« auf diesen Steinen
wäre damit so zu erklären, daß sie beide von einem sarkophagartigen Hochgrab einer
gleichnamigen Nichte der Philippine Welser stammen.
230 Vgl. oben Anm. 196!
231 Vgl. oben Anm. 89!
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Abb. 146: Die ehemalige Totenkapelle im Jahre 1919. Seit 1952 fungiert sie als Amraser Kriegerdenkmal
und wird vom Trachtenverein »Die Amraser« betreut.
Foto: Dr. Franz-Egon Hye, 1919
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Quellenmäßig ist jedenfalls nur bekannt, daß um das Jahr 1568 auf Schloß Ambras ein
Töchterchen von Philippines Bruder, dem erzherzoglichen Hofrat Hans Georg Welser,
zur Welt kam, welches aber schon im Alter von drei Monaten starb und in der Amraser
Kirche begraben worden ist.232
Dokumentieren diese beiden Marmorplatten eine Verbindung zwischen unserer Kir-
che und der Familie Erzherzog Ferdinands II. und seiner noch heute volkstümlichen
Gemahlin, so weisen andere Grabsteine darauf hin, daß auch die im Schloß beschäftig-
ten Beamten oder vielleicht auch Pfleger des Propsteigerichtes Amras die Amraser Kir-
che zu ihrer letzten Ruhestätte gewählt haben. Das interressanteste Beispiel aus die-
ser Reihe bildet der leider entzwei gebrochene Grabstein des Mathern Felitsch von der
Site. Felitsch war nämlich, wie die Grabinschrift kundtut, »Ertzhertzog Ferdinand (s) zw
Oster (reich) Camerdiener und Pawmaister auf Om (bras)<< und ist am 2. Oktober 1576
gestorben. Wenn Felitsch hier Baumeister auf Ambras genannt wird, so könnte dies
leicht zu irrigen Auffassungen hinsichtlich des damals durchgeführten Umbaues der
alten Burg Ambras zum prächtigen Renaissanceschloß (1564-84) führen. Die leiten-
den Architekten und Baumeister des Schloßumbaues waren nämlich Albrecht und
Hans Luchese, während Felitsch als >>Hausmeister auf Schloß Ambras«<, gleichsam als
Polier, die Bauführung und den Fortgang der Arbeiten zu überwachen, dem Erzherzog
darüber Bericht zu geben und die Arbeiter auszubezahlen hatte. Allein, wenn Mathern
Felitsch von der Site, seinem Beinamen nach ein Niederländer, auch keine so bedeu-
tende Rolle beim Umbau des Schlosses gespielt hat, so ist sein Grabstein doch beina-
he das einzige Denkmal, das, abgesehen vom Schlosse selbst, unmittelbar an den da-
maligen Umbau erinnert. Einen besonderen Hinweis verdient auf diesem Grabstein
auch die prächtige Darstellung des Wappens, welches Felitsch am 28. Juli 1569 von Erz-
herzog Ferdinand II. verliehen worden ist: Der schräg-viergeteilte Schild zeigt rechts
und links je einen gegen die Schildmitte gerichteten Sparren, sowie oben und unten ei-
nen steigenden Löwen. Auf dem Schild ruht ein geschlossener Stechhelm, ungefähr
seit der Mitte des 15. Jahrhunderts das Zeichen eines bürgerlichen oder bäuerlichen
Wappens. Die Helmzier zeigt den steigenden Löwen (wie im Schild) zwischen zwei offe-
nen Flügeln. An den seitlichen Rändern neben dem Wappen ist der Grabstein mit Ele-
menten der Renaissance-Architektur verziert.
Daß wir diesen Grabstein heute wieder betrachten können, verdanken wir - wie vieles
andere auch der Restaurierung unserer Kirche (1970). Als man nämlich daran ging,
den Boden unter dem barocken Vorbau der Kirche zu sanieren, fand sich unter der dor-
tigen Pflasterung auch wieder dieser seit bald 100 Jahren verschollene Grabstein.
Die einzige Nachricht über diesen Stein fand sich bisher in der geschichtlichen Einlei-
232 Joseph Hirn, Erzherzog Ferdinand II. von Tirol. Bd. 2, Innsbruck 1887, S. 352, Anm. 5 (Wappen) und S. 359f.
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IMIS
S
Abb. 147: Grabplatte einer gleichnamigen Nichte der Philippine Welser (gest. um 1569) vom Fußboden der
Pfarrkirche, heute an der nördlichen Außenwand.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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tung des obzitierten, im Jahre 1882 erschienenen Führers durch das »k. u.k. Schloß
Ambras, wobei dort allerdings der Name des Toten unrichtig wiedergegeben wurde.
Statt Felitsch steht dort »Echtsch« zu lesen. Die betreffenden Verfasser hatten nämlich,
was bei dieser Schriftart leicht passieren kann, die erste Buchstabengruppe >>Feli<< als
>>Ech<< gelesen. Eine eindeutige Bestätigung für die Richtigkeit des Namens >>Felitsch<<
bilden vor allem die Wappenverleihungsurkunde von 1569 mit genauer Beschreibung
des Wappens 233, sowie die landesfürstlichen Akten, Kopial- und Raitbücher im Tiroler
Landesarchiv, wo nirgends ein Beamter namens »Echtsch«, wohl aber Mathern Felitsch,
so z. B. im Jahre 1570 als >Haußmaister auf Ombras« aufscheint. Überdies bekleidete
er auch das Richteramt in Amras.234
Neben den beiden bereits seit langem an der nördlichen Kirchenmauer angebrachten,
noch starke Züge der Renaissance aufweisenden Grabsteinen - besonders schön ist
der Wappenengel des größeren Epitaphs -, auf denen jedoch sowohl Wappen wie
Schrift völlig abgetreten und unlesbar sind, muß schließlich noch eine Grabplatte er-
wähnt werden, die bis zur Kirchenrestaurierung vor dem linken Seitenaltar gelegen ist.
Dieser Stein zeigt in der unteren Hälfte in kunstvoller Umrahmung die Spuren der ein-
stigen Inschrift, wovon freilich nur noch die oberste Zeile teilweise lesbar ist: »Hie ligt
(begraben der edel) gestreng Herr Walter«. Um welchen >Walter<< es sich dabei handelt,
konnte noch nicht geklärt werden, doch hoffe ich, diese Frage anhand des in der oberen
Hälfte des Steines noch recht gut erhaltenen Wappens lösen zu können. Der zwischen
einem Totenschädel und einer Sanduhr dargestellte Wappenschild zeigt von rechts
nach links absteigend nebeneinander drei Spitzen, während die dem adeligen, offe-
nen Turnierhelm aufgesetzte Helmzier von zwei geschlossenen Flügeln gebildet wird.
Seinen oberen Abschluß findet dieser neben jenem des Mathern Felitsch am besten er-
haltene Grabstein durch eine ganz dem Stil der Renaissance entsprechende Girlande.
Abgesehen von diesen Epitaphien aus dem Umkreis des landesfürstlichen Hofes ent-
hält der Friedhof auch einige bemerkenswerte, alte Grabdenkmäler aus dem bäuerli-
chen Bereich. An erster Stelle zu nennen ist hier der einzigartige Grabstein des »IACOB
SHINER UND T(HE) R(E) SIA SHINERIN, geporne GRATLIN« aus dem Jahre 1721 bzw.
1724 in der Form eines Kreuzes, verbunden mit einem Weihbrunnenbecken an der
nördlichen Kirchenaußenwand. Die hier verewigten Schienerischen Eheleute sind
möglicherweise Vorfahren des bisher einzigen Amraser Erbhofes (seit 1731). Weiters
verdient, neben einem Weihbrunn aus dem Jahre 1751 an der nördlichen Friedhofs-
mauer, ebendort ein marmorner bäuerlicher Wappenstein unsere Aufmerksamkeit.
Über dem noch gut erkennbaren Wappen findet sich die Inschrift »DIE MAIRSCHE BE-
233 Hugo v. Goldegg, Die Tiroler Wappenbücher im Adelsarchive des k. k. Ministerium des Inneren zu Wien.
1. Theil. In: Zeitschrift des Ferdinandeums 3. Folge, Bd. 19, Innsbruck 1875, S. 26, n. 455.
234 Pfarrarchiv Amras im Stiftsarchiv Wilten, Amraser Kirchenurbar und Kirchenraitungen 1571-1598, fol. 41
(1571).
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oman Cofolia Stat
Abb. 148: Wappen-Grabstein des Mathern Felitsch van der Site, »Pawmeister auf Ombras<, gest. 1576.
Felitsch bekleidete 1571 auch das Amt eines Richters des Propsteigerichtes Amras.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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GRÖBNVS<<. Leider ist der Stein undatiert. Jedoch dürfte er etwa gegen Ende des
18. Jahrhunderts entstanden sein und erinnert an die ursprüngliche Familiengrabstätte
der Familie Mair. Als bäuerlicher Wappenstein zählt er zu den interessantesten Denk-
mälern unseres Friedhofes.
Die im westlichen Friedhofsbereich gegenüber vom Kirchenportal befindliche Kapelle
mit dem Kreuz der hl. Kreuzbruderschaft wurde bereits im Rahmen der Kirchenge-
schichte gewürdigt, sodaß wir uns nun dem bedeutendsten Baudenkmal am Friedhof,
der einstigen Totenkapelle, zuwenden können. Dieser markante Kapellenbau mit
seinem Krüppelwalmdach dürfte bereits im 16. Jahrhundert entstanden sein und fun-
gierte bis gegen 1950 zur Aufbahrung der verstorbenen Amraser. Im Jahre 1952 war es
dann der Trachtenverein »Die Amraser«, der diesen Bau mit neuem Inhalt versah und
die Kapelle in ihrem Inneren einschließlich des stilvollen Barockaltares als Amraser
Kriegergedächtnisstätte neu gestaltet hat bzw. seither konstant in Ordnung hält, z. B.
das Schindeldach erneuert und auch das Fresko an der Kapellenfassade immer wieder
renovieren läßt. Dieses Fresko wollen wir nun kurz würdigen.
Das Amraser Fresko vom »Jüngsten Tag<<
Dieses um 1600/1650 von einem uns noch unbekannten Meister gemalte Fresko hat
den >>Jüngsten Tag« oder das >Letzte Gericht<< zum Thema. Seitdem es üblich wurde,
einzelne Berichte des Alten und Neuen Testamentes bildhaft darzustellen- und diese
Praxis läßt sich bereits sehr früh nachweisen und wurde im Laufe der Zeit allerdings
immer üppiger-, erfuhr auch dieses Thema schier unzählige künstlerische Interpreta-
tionen, sei es als Relief, als Fresko oder in der Buchmalerei. Eine der bekanntesten Be-
arbeitungen des »Letzten Gerichtes« befindet sich als Werk der Kleinplastik im oberen
Bogenfeld oder Tympanon des westlichen Hauptportales des berühmten Münsters
unserer Partnerstadt Freiburg im Breisgau und stammt von ca. 1300. In Innsbruck selbst
kennen wir in dieser Größenordnung neben dem Amraser Fresko keine zweite
vergleichbare Darstellung 235
Grundsätzlich muß dazu übrigens festgestellt werden, daß dieses Fresko sicher nicht
primär als Kunstwerk bestellt und gemalt wurde, sondern vor allem aus dem Bestre-
ben, den Amrasern von damals und ihren Nachkommen, d. h. auch den heutigen Be-
trachtern dieses Freskos, immerwährend mahnend in Erinnerung zu bringen, daß uns
allen - ob arm oder reich, ob Priester oder Laie - am Jüngsten Tag das Letzte Gericht
bevorsteht, wie es von den heiligen Evangelisten Matthäus (13, 41; 19, 28; 24, 29), Lukas
235 Es mag hier allerdings daran erinnert werden, daß sich einst auch in der Ratsstube des Innsbrucker
Stadtrates ein Tafelgemälde vom Jüngsten Gericht befunden hat. Es war eine Stiftung des Jahres 1595
vom damaligen Bürgermeister (StAI., Ratsprotokoll 1595, fol. 264v).
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Abb. 149: Weichbrunn-Grabstein von 1724 für Jakob und Theresia Schiener.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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(21, 27; 22, 30) und Johannes (z. B. 6, 39) nach der Aussage unseres Herrn Jesus Christus
aufgezeichnet worden ist. Die bildhafte Umsetzung dieser Berichte im Fresko an der
Amraser Totenkapelle entspricht nun der Phantasie des Menschen um 1600/1650 bzw.
der Art und Weise, wie dieser sich den Jüngsten Tag vorgestellt hat.
Zuoberst kommt von links auf einem goldenen Wagen Jesus Christus, der >>Menschen-
sohn«, als königlich gekrönter Weltenrichter. Ihm zur Seite sitzt im weißen Mantel die
makellos in den Himmel aufgenommene hl. Gottesmutter und Himmelskönigin, wohl
als milde Fürbitterin für die nun aus ihren Gräbern auferweckten Toten. Vor dem Wagen
fliegen wie eine stürmische Vorhut sechs Engel, welche in ihrer Rechten Schwerter
schwingen.
In der mittleren Ebene zwischen Himmel und Erde steht der hl. Erzengel Michael, der
uns hier nicht sein Flammenschwert, sondern das Kreuz Christi entgegenhält - das
Zeichen der Erlösung, der Vergebung, das einzige Zeichen unserer Hoffnung. Der
Erzengel ist beiderseits umgeben von je fünf Engeln, die die Leidenswerkzeuge und
Symbole der Passio Christi tragen.
Der erste Engel von links hält in seiner Linken Lanze und Schwamm, womit Jesus, als
ihn dürstete, Galle und Essig dargeboten wurde. Eine sichere Deutung dessen, was
dieser Engel in seiner rechten Hand hält, war mir noch nicht möglich.
Der zweite Engel hält jene Säule, an die Christus gefesselt war, als ihn die Schergen ge-
geißelt haben. Der dritte Engel erscheint mit Schüssel, Wasserkanne und über dem
rechten Arm mit einem Handtuch dargestellt und erinnert an die Preisgabe Christi
durch Pilatus an das fanatisierte Volk von Jerusalem, verbunden mit den Worten: »Ich
wasche meine Hände in Unschuld.<<
Der vierte Engel hält in seiner Linken einen eisernen Handschuh, vielleicht als Symbol
der Schergen, die Jesus gefangen nahmen, und in der Rechten einen Geldbeutel, den
Geldbeutel des Judas Iskariot, der darin den Lohn seines Verrates empfangen hatte.
Der fünfte Engel zeigt uns mit seiner Rechten die drei Nägel, mit denen Christus ans
Kreuz geschlagen wurde, und in seiner Linken die Dornenkrone. Ebenfalls auf die
Geißelung Christi bezieht sich der sechste Engel, der in seinen aufwärts überkreuzten
Armen eine Geißel und eine Rute emporhält.
Sowohl auf die Kreuzigung als auch auf die Abnahme vom Kreuze weisen Hammer und
Zange in den Händen des siebenten Engels hin.
Der achte Engel hält eine ebenfalls an die Abnahme Christi vom Kreuz erinnernde Lei-
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DIE MAIRISHE
PEGROBNVS
Abb. 150: Wappen-Grabstein der Familie Mair (18. Jh).
Foto: Margarete Hye-Weinhart
ter. Der neunte Engel ist dann mit der Lanze des Longinus und mit Ketten dargestellt,
mit denen Christus bei der Geißelung angekettet war.
Der zehnte Engel endlich hält eine Laterne, womit wohl Bezug genommen wird auf den
ersten Besuch des Grabes Christi zu früher Morgenstunde, als die Frauen sahen, daß
das Grab leer war und ihnen ein Engel verkündete, daß Christus auferstanden war.
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Die Symbolik dieser Engelsgruppe umfaßt somit die ganze Passion Christi, klingt aber
- mit Bezug auf den Jüngsten Tag -, mit der erlösenden Auferstehung Christi von den
Toten aus.
Unter dieser auf einer dichten Wolkenbank stehenden Gruppe von stehenden Engeln
sehen wir dann Engel mit Posaunen, welche die Toten aus ihren Gräbern erwecken.
Am linken Bildrand hat der Maler eine Kirche mit Friedhof angedeutet als Beispiel für
die vielen, vielen Friedhöfe, deren Gräber sich am Jüngsten Tag öffnen werden. Unweit
der Friedhofsmauer sieht man auch den Tod aus einem oder in ein Grab steigen; seine
Zeit und Aufgabe wird am Jüngsten Tag enden.
Die rechte untere Bildecke nimmt das schaurige Feuermaul der Hölle ein. Vor diesem
zeigt das Fresko die Engel des Bösen - die Teufel - am Werk. Sie holen die Leiber je-
ner, die zur Höllenqual verurteilt worden sind, und werfen sie in den Feuerschlund. Bei
genauem Hinsehen erkennt man, daß die Teufel aber nicht nur vor dem Höllentor, son-
dern über die ganze Bildbreite bis hinüber zum kleinen Friedhof damit beschäftigt
sind, ihre Beute, wenn nötig im Flug, einzubringen.
Links und rechts von der Bildmitte - dort steht ein strafender Engel -, sehen wir eine
Unzahl von Menschen in zwei endlos langen Reihen vom Hintergrund her nach vorne,
vor das Letzte Gericht, treten. Bei diesen zwei Gruppen handelt es sich wohl um jene
Menschen, die der Jüngste Tag noch lebend angetroffen hat. Es fällt nun auf, daß am
Beginn der linken Gruppe weiß gekleidete Gestalten stehen, während die Gestalten
der rechten Gruppe unbekleidet sind. Nach der Symbolsprache des Mittelalters und
auch noch des Barock darf abgeleitet werden, daß die weiße Kleidung das Gute und
Saubere andeuten soll. Dementsprechend trägt auch die hl. Gottesmutter neben Chri-
stus auf unserem Fresko einen weißen Umhang. Die auf diese Weise charakterisierten
Gruppen der Guten und der Bösen stimmen in ihrer Anordnung selbstverständlich
auch mit dem Text des Evangeliums überein, wo es z. B. bei Matthäus 25, 34 und 41
heißt: >>Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt ihr Gesegneten
meines Vaters..... Dann wird er zu denen zu seiner Linken sagen: Weichet von mir ihr
Verdammten in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln ist bereitet
worden.<<
Vergleichen wir nach dieser Feststellung noch einmal die beiden Menschengruppen,
so zeigt sich, daß der Maler des Amraser Freskos befürchtet hat, daß am Jüngsten Tage
die Zahl der Gerechten kleiner sein werde als jene der Bösen.
Der Jüngste Tag wird zeigen, ob seine Skepsis berechtigt oder nur eine wohlgemeinte
Warnung war, die er uns durch sein Bild vermitteln wollte. - Soviel zum Pfarrfriedhof
und seinen Denkmälern.
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Chriftus am Streus im Wald ob Amras
Abb. 151: Das vom Amraser Dorfmeister Johann G. Sokopf 1799 am Tummelplatz aufgerichtete Kreuz.
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b) Der Tummelplatz
An zweiter Stelle der Amraser Friedhöfe ist der weitum bekannte Militärfriedhof am
Tummelplatz zu nennen. Über seine Entstehungsgeschichte hat bereits Karl Klaar
1904/05 eine bis heute grundlegende Untersuchung veröffentlicht, die überarbeitet
auch in seinem Sammelwerk »Alt-Innsbruck und seine Umgebung« (Bd. 2, Innsbruck
1938, S. 254-274) erschienen ist. Diesen wichtigen Aufsatz drucken wir hier nochmals
ab, einerseits um ihn den Freunden der Amraser Geschichte leichter zugänglich zu
machen, und andererseits, um die vorliegende Orts-Monographie vollständiger werden
zu lassen:
Karl Klaar:
Die Entstehungsgeschichte des Militärfriedhofes am Tummelplatz (1797-1814)
Österreich führte in den Jahren 1792-1797 einen wechselvollen Krieg mit dem revolu-
tionären Frankreich. Die entscheidenden Schlachten wurden in Oberitalien geschla-
gen, wo das Feldherrngenie Bonapartes von Sieg zu Sieg eilte.
Als infolge der unglücklichen Schlacht bei Rivoli am 14. Jänner 1797 der besiegte kaiser-
liche Feldzeugmeister Freiherr v. Alvinzi mit der österreichischen Hauptmacht nach
Friaul und Kärnten abzog und das kleine, zur Verteidigung Tirols bestimmte Korps des
Feldmarschall-Leutnants v. Kerpen in der Stärke von 14.000 Mann mit 94 Schützenkom-
panien vor der Übermacht Jouberts Ende Jänner nach Rovereto und Trient zurückwich,
da mußte die Armeeverwaltung auch Vorsorge treffen, die im südlichen Tirol aufgestell-
ten Militärspitäler vor den andringenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.
Der mit der Aufstellung der Militärspitäler betraute Gubernialsekretär Ferdinand v.
Martini teilte dem Grafen Lehrbach, der an Stelle des zaghaften Waidmannsdorf die
Zivil- und Landesverteidigungsgeschäfte Tirols als kaiserlicher Hofkommissär leitete,
schon am 2. Februar 1797 mit, daß Freiherr v. Alvinzi ihm bereits in Bozen aufgetragen
habe, die Rückreise nach Innsbruck zu beschleunigen und ihm (dem Hofkommissär)
vorzustellen, daß für die Militärspitäler in Welschmichael, Deutschmetz, Bozen, Gries,
Meran, Mais, Maria Steinach, vielleicht auch in Brixen und Neustift unter den gegen-
wärtigen traurigen Umständen nirgends anderswo eine sichere Unterkunft gefunden
werden könne, als in der Gegend von Innsbruck und Hall. >>In den Gegenden von Inns-
bruck<<, führt Martini weiter aus, »wüßte ich keine zweckmäßigeren Gelegenheiten zur
Errichtung der Militärspitäler, als das Stift Wilten, das Schloß Ambras, die Prügelbau-
kaserne und das gegenwärtige Militärspital an dem Sillfluẞe.« Da aus allen Umständen
zu schließen sei, daß Gefahr auf dem Verzug hafte, so müßte die Herrichtung der ge-
nannten Gebäude zu Militärspitälern ohne Säumen unternommen werden.
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Daß man auch Schloß Amras, in welchem damals noch (bis zum Jahre 1805) die weltbe-
rühmte Sammlung von Kunstwerken und seltenen Naturprodukten gehütet wurde, als
Militärspital in Aussicht nahm, entschuldigte der Mangel an größeren, zu einem sol-
chen Zwecke tauglichen und leicht zu räumenden Gebäuden in Innsbruck und Umge-
bung.
Auf Anordnung Lehrbachs besichtigte bereits einige Tage darauf eine Kommission,
bestehend aus v. Martini, dem Oberleutnant v. Dietrich und dem Schloßhauptmann
Johann Primisser die Räumlichkeiten des Schlosses Amras, wobei sich zeigte, daß ohne
Verwendung des Naturalienkabinetts, der Rüstungskammern und überhaupt des
ganzen unteren Schloßgebäudes wenigstens 5 - 600 Kranke auch für den Fall unter-
gebracht werden könnten, wenn im ersten Stockwerke zwei, im zweiten gleichfalls zwei
und im dritten vier Zimmer von der Belegung frei gelassen würden. Diese acht Zimmer
wurden zur Aufbewahrung der >Mahlereien« mehr als hinreichend erachtet. Einige der
zur Krankenaufnahme bestimmten Zimmer entbehrten jedoch der wärmenden Öfen,
auch mußte der Schloßhauptmann selbst seine Wohnung räumen, weil sie für das
chirurgische Personal und die Feldapotheke reserviert wurde. Nachdem über diesen
Augenschein v. Martini am 8. Februar an Lehrbach berichtet hatte, erging zwei Tage dar-
auf an Johann Primisser der Auftrag, die nötigen Vorbereitungen im Schlosse unverzüg-
lich vorzunehmen, damit dasselbe für seine künftige Bestimmung adaptiert werden
könnte. Zugleich mit dem Berichte vom 14. Februar, er habe der erhaltenen Weisung ge-
mäß mit den Vorbereitungen bereits begonnen, fügte Primisser die Bitte an, daß der
große Speisesaal, das schönste Gemach des Schlosses, mit den beiden anstoßenden
kleinen Zimmern von der Einquartierung frei bleiben möchte, weil der ganze Saal mit
kaiserlichen Familienbildern von außerordentlicher Größe bedeckt sei, welche nicht
ohne merkliche Unkosten und Zeitverlust abgenommen, noch weniger durch eine Türe
hinausgeschafft werden könnten, sondern aus dem Rahmen genommen und aufgerollt
werden müßten. Diesen Saal, der ohnedies ohne Öfen und dessen mächtige Fenster
sowie übrige Einrichtung mit größter Behutsamkeit zu behandeln sei, bedürfe er not-
wendig noch zur Unterbringung der Bilder. Außerdem wies der fürsorgliche Schloß-
hauptmann darauf hin, daß die Öfen der drei Stockwerke des Schlosses wenigstens
seit 100 Jahren nicht mehr geheizt worden seien. Dagegen wären an dem Gebäude
während dieses Zeitraumes verschiedene Reparaturen und Veränderungen vorge-
nommen worden, wodurch manche Rauchfänge verstopft oder kassiert worden seien.
Ehevor die Öfen geheizt würden, müßten demnach die Rauchfänge des Schlosses
durch fachkundige Bauleute untersucht werden.
Primissers Einschreiten hatte raschen Erfolg. Denn schon einen Tag später, am 15. Fe-
bruar, schrieb v. Martini auf die Rückseite von Primissers Bericht: »Dieser Gegenstand
ist am 15. Hornung mittelst eines gemeinschaftlichen Augenscheins, wozu auch sach-
verständige Werkmaister beygezogen worden sind, zur allseitigen Zufriedenheit be-
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richtigt worden, wonach sich gezeigt hat, daß im Schlosse Amras wenigstens 700 Kran-
ke untergebracht werden können.« Primisser vermochte jedoch den »Speisesaal<< vor
der Einquartierung nicht zu retten.
Inzwischen hatte die Transferierung der (provisorisch in Bozen und Meran unterge-
brachten) Militärspitäler von Rovereto und Trient nach Innsbruck bereits begonnen.
Am 8. Februar meldete v. Martini, daß schon zwei kleine Krankentransporte in der Prü-
gelbaukaserne am Innrain eingelegt wurden. Seit dem Beginn der dritten Februar-
woche mehrten sich diese Transporte und um den 20. Februar finden wir im Schlosse
Amras ein Militärspital von 500 Köpfen eingerichtet. Landeskinder befanden sich unter
den Kranken nur zum geringen Teile, der Mehrzahl nach waren es kaiserliche Soldaten
aus den österreichischen Erbländern, so z. B. in größerer Anzahl Kroaten.
Am 24. Februar machte Thaddäus Leis v. Laimburg, Domänenadministrator und Guber-
nialsekretär, beim Landesgubernium die Anzeige, daß der inspizierende Offizier beim
Militärspital im Schlosse Amras einen Platz zur Begrabung der Toten verlangt habe.
Leis ermangelte nicht, noch am Abend des 23. Februar sich ins Schloß zu verfügen, wo
er hörte, daß bereits drei Tote vorhanden seien. Deshalb wurde einstweilen, bis zur
endgültigen Wahl eines geeigneten Platzes, ein 6- 700 Schritt vom Schloß entfernter
Acker im sogenannten oberen Tiergarten (Anm.: heutiger Schloßpark) zur Begräbnis-
stätte der Toten bestimmt. Weil aber die ganze Gegend um das Schloß Amras felsig
ist und es noch zweifelhaft war, ob die Gräber die gehörige Tiefe haben würden, so ver-
sprach Leis, hierüber noch weiteren Bericht dem Gubernium zu übersenden.
Die ferneren Versuche, welche durch das Militär selbst, sowie durch die Totengräber
der Gemeinde Amras auf dem Acker im oberen Tiergarten gemacht wurden, zeigten,
daß auf diesem Grunde Gräber von der vorschriftsmäßigen Tiefe von 6 Fuß nicht ange-
legt werden konnten und daß daher dieser Acker zu dem beantragten Zwecke un-
brauchbar sei.
Es erging demnach von Seite des Landesguberniums am 5. März an die Domänenad-
ministration der Auftrag, einen anderen Ort zur Begrabung der Toten ausfindig zu
machen. Somit begab sich v. Leis wieder nach Amras, berief die Gerichtsobrigkeit, den
Dorfmeister und einen von den Gerichtsausschüssen zu einer Besprechung zusammen
und legte ihnen das Verlangen der Militärspital-Direktion vor nach einer am Fuß des
Berges gelegenen Begräbnisstätte.
Gerichtsobrigkeit und Gemeindevorstehung hegten den Wunsch, dem Verlangen der
Spitalsdirektion nachkommen zu können, gaben aber auch zu bedenken, daß außer
der Amraser Au, wohin aber die Toten teils wegen des Grundwassers, teils der weiten
Entfernung wegen nicht begraben werden könnten, kein öder Grund vorhanden sei,
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sondern fast alles Land bis an den Saum des Berges von Ackerfläche bedeckt sei. Kein
Eigentümer dieser Gründe sei jedoch auch gegen hohen Bestandzins geneigt, für die-
sen Zweck ein Grundstück darzubieten. Wolle man aber einen Acker kaufen, dann
müßte man für ein Jauch von 1000 Quadratklaftern 600, 800, auch 1000 Gulden zahlen.
Die Gemeinde Amras sei jedoch infolge der Archenbauten tief in Schulden geraten und
durch die herrschende Viehseuche sei ein großer Teil der Gemeindeangehörigen dem
äußersten Elend anheimgefallen. Überdies werde die Gemeinde infolge der Nähe der
Landeshauptstadt von Einquartierungen viel geplagt und durch die Stellung der
Scharfschützen, die Zulagen und die Lebensmittelbeschaffung für dieselben habe die
Gemeinde mehrere Hundert Gulden Auslagen gehabt.
Gegenüber dieser anscheinend ablehnenden Haltung der Gemeindevorstehung be-
tonte jedoch Leis, daß er von seinem Begehren nicht abgehen könne; die vorgebrach-
ten Klagen möge die Gemeindevorstehung dem Landesgubernium vortragen.
Nun erklärten die anwesenden Vertreter der Gemeinde, daß vielleicht doch zwei Ört-
lichkeiten innerhalb der Gemeindegrenzen zur Aufnahme einer größeren Anzahl von
Toten geeignet seien und zwar erstens ein »außerhalb des Schlosses bey einer virtl
Stunde in der dortigen Waldung gelegener, fast durchgehends ebener, jedoch derzeit
mit etwas wenigen Bäumen bewachsener, ungefähr ein Jauch oder 1000 Quadratklaf-
ter in sich enthaltender Platz, der Tummelplatz genannt, und zweitens das sogenannte
Schintertal.
Der Name Tummelplatz hängt wahrscheinlich mit der früheren Verwendung dieses
ebenen Grundstückes zum Tummeln der Reitpferde aus dem Amraser Schlosse zu-
sammen und hat natürlich mit dem lateinischen Worte tumulus = Grabhügel nichts zu
tun. Denn der Tummelplatz hatte bereits diesen Namen, bevor noch das erste Grab auf
ihm eröffnet war. Das Schintertal ist jenes Tälchen, welches unmittelbar vor der ehema-
ligen Restauration zum Amraser Schloßkeller, beim sogenannten Mörderhäusl, rechts
von der Straße in südwestlicher Richtung aufwärts zieht. Das Tälchen liegt unmittelbar
unter der Haltestelle Amras der Igler Bahn. Beide Örtlichkeiten, der Tummelplatz sowie
das Schintertal, wurden sogleich gemeinschaftlich besichtigt und der Tummelplatz
von allen als die passendere Örtlichkeit bezeichnet.
Die Gemeindevorstehung erklärte sich bereit, durch ihre eigenen Totengräber das Erd-
reich des Tummelplatzes untersuchen und, wenn der Boden tiefgründig genug sei, zwei
bis drei Gräber von der vorgeschriebenen Tiefe anlegen zu lassen. Falls der Ort als
tauglich befunden, versprach die Gemeindevorstehung, den ganzen Platz von Bäumen
und Gesträuchen zu säubern und den dazu führenden, etwas aufwärts gehenden Weg
auszubessern. Überdies verpflichtete sich die Gemeindevorstehung, solange der Bo-
den noch gefroren sei, den Rekonvaleszenten des Spitales, welche die Herstellung der
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Abb. 153: Blick auf die erste, im Jahre 1884 errichtete Kreuzkapelle und weitere Bildstöcke, um 1890.
Foto: Anton Gratl
Gräber besorgen mußten, auszuhelfen, damit diese beschwerliche Arbeit die noch
schwachen Kräfte der genesenden Soldaten nicht zu stark anstrenge. Endlich gaben
die Vertreter der Gemeinde noch die Zusicherung, so oft es erforderlich sei, die verstor-
benen Soldaten abends mit einem Wagen auf die Begräbnisstätte solange zu führen,
bis etwa andere Anstalten hiezu getroffen würden.
Als Thaddäus v. Leis am 8. März 1797 auf dem Tummelplatz erschien, hatten die Toten-
gräber der Gemeinde bereits ein Grab für mehrere Leichen von der vorschriftsmäßigen
Tiefe von 6 Fuß gegraben und waren schon mit dem zweiten beschäftigt. Ein drittes be-
gannen einige Soldaten.
Seinem Bericht über die Verhandlungen mit der Gemeinde und deren Erfolg an das
Landesgubernium fügte v. Leis das Gutachten bei, daß der Tummelplatz seiner Lage
wegen der tauglichste Ort im ganzen Gemeindebezirke von Amras sei. Auch der Spital-
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kommandant Oberleutnant Dietrich v. Hohenfeld habe der Wahl dieses Platzes beige-
stimmt, solange die Gräber die vorschriftsmäßige Tiefe hätten und die Gemeindevor-
stehung ihren Versprechungen nachkomme.
Letztere habe jedoch die Besorgnis geäußert, daß der eine oder der andere von den
Gemeindeangehörigen aus Abscheu oder Vorurteil oder aus dem Grunde, weil die
Pferde von den beständigen Fuhren erst gegen Abend ermattet nach Hause kommen,
sich sträuben würden, die Toten mit ihren Pferden und Wägen spät abends noch auf die
Grabstätte zu führen. Die Gemeindevorstehung stelle daher die Bitte, es möchten
Wagen, Pferde und auch der Fuhrknecht von einem der verschiedenen Militärdepots
der Umgebung beigestellt werden. Das könnte um so leichter geschehen, da in Inns-
bruck die Stallungen überfüllt, im Schlosse Amras aber größtenteils leer stünden und
es doch nicht viel verschlage, wo dieses Paar Pferde mit Wagen sich befinde.
Graf Lehrbach genehmigte zwei Tage darauf, am 10. März, die Anordnungen des Domä-
nenadministrators und bestimmte in einem Schreiben an die Gerichtsobrigkeit von
Amras und an die Domänenadministration, den Tummelplatz zur Begräbnisstätte für
das Feldspital des Schlosses Amras. Der Mitteilung hierüber an das Militär-Oberkom-
mando in Innsbruck fügte Lehrbach das Ersuchen bei, es möchten ein oder zwei Wagen
mit den Pferden und Fuhrknechten aus den zu Innsbruck oder Amras befindlichen De-
pots zum Transporte der Toten auf die Begräbnisstätte zur Verfügung gestellt und in
das Schloß Amras verlegt werden. Der Hofkommissär begründete diese Forderung mit
dem Hinweis, daß man diese Leistung von der Gemeinde Amras nicht wohl verlangen
könne, da dieselbe durch die Viehseuche, die anhaltenden Vorspannleistungen und
die häufigen Militäreinquartierungen stark zu leiden habe.
Allein es bedurfte noch eines zweiten Ansuchens der Gemeinde und einer neuerlichen
Befürwortung Lehrbachs, bis endlich das Militär-Oberkommando am 11. April 1797
einen zweispännigen Fuhrwesenswagen für den Transport der toten Soldaten zum
Tummelplatz beistellte.
Da in diesem Jahre 1797 in Innsbruck und Umgebung, sowie auch an anderen Orten
Tirols ein bösartiges typhöses Fieber herrschte, so reihte sich auf dem Tummelplatz
bald Grab an Grab und das zu einer Zeit noch, als mit Ausnahme des Militärspitales an
der Sill die anderen bereits nach Oberösterreich übersetzt oder durch Genesung der
Kranken sich aufgelöst hatten. Als nämlich das Fieber auch unter den eigentlichen Ein-
wohnern und Bürgern der Stadt immer mehr um sich griff, da gelang es den Vorstellun-
gen des damaligen Landeshauptmannes Paris Graf Wolkenstein, des Abtes Markus von
Wilten und des Bürgermeisters Rieß von Innsbruck Graf Lehrbach dahin zu bewegen,
daß er vom Militär-Oberkommando die Dislozierung oder Auflösung der hiesigen Militär-
spitäler verlangte. Bestehen blieben nur die Spitäler an der Sill und im Schlosse Amras.
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Abb. 154: Die Lourdes-Kapelle am Tummelplatz.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Erst als der Schloßhauptmann Johann Primisser am 15. August 1797 das Ansuchen stell-
te, das Amraser Militärspital vor Beginn des Winters aus dem Schlosse zu entfernen,
mit dem Hinweis, daß das Militär im Frühjahr beim Heizen der Öfen sich sehr unvor-
sichtig erwiesen und bei dem bestehenden Wassermangel ein allfälliger Brand des
Schlosses das Bauwerk selbst sowie die kostbaren Sammlungen in Asche legen könnte,
schlug auch für das denkwürdige Schloß die Stunde, wo es seiner Jahrhunderte alten
Bestimmung wieder zurückgegeben wurde, ein sicherer Hort zu sein für die Schätze der
Kunst und Wissenschaft, welche unsere Landesfürsten mit großen Kosten und Mühen
in und außer Tirol gesammelt hatten.
Ich übergehe die Beschädigungen an der Einrichtung und an den Kunstwerken, welche
das Schloß durch diese Einquartierung erlitten hatte, und bemerke, daß die Residenz
Ferdinands II. und seiner Gemahlin Philippine Welser auch im Jahre 1799 als Garnison
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und zweimal wieder als Feldspital dienen mußte. Nur die Wachsamkeit eines Dieners
rettete im Jahre 1799 das Schloß und seine Sammlungen vor einer drohenden Feuers-
gefahr. Auch im Jahre 1805/6 war im Amraser Schlosse wieder ein Feldspital unterge-
bracht.
Wahrscheinlich bereits im Jahre 1799 hatte der Gemeindevorsteher von Amras Johann
G. Sokopf auf dem Tummelplatze zum Zeichen, daß er als Friedhof diene, gleich beim
Wege ein Kruzifix aufstellen lassen. Bei diesem Kreuze, das im Jahre 1810 renoviert wur-
de, verrichteten im Herbste des Jahres 1810 manche Leute ihre Andacht für die armen
Seelen der hier begrabenen Toten. Ein Oberländer, der taub war und dem vielleicht ge-
träumt hatte, daß er an diesem Orte sein Gehör wieder erlangen würde, soll der erste
gewesen sein, der auf dem Tummelplatze eine auffallende Gewährung seiner Bitte
fand. Er erzählte dem Landvolke seiner Heimat und des ganzen Oberlandes von seiner
Heilung. Auf diese Art verbreitete sich das Gerücht durch das ganze Ober- und auch
das Unterinntal und tagtäglich erschienen nun auf dem Tummelplatze Leute, um dort
für ihre Anliegen zu beten. Die neue Wallfahrt war aber in den Augen des Volkes nicht
nur eine Stätte frommer Andacht, man hielt sie auch für den Ort einer ruchlosen Tat.
Denn ihr geheiligter Friede soll zu einer Zeit, als Amras noch Militärspital war, durch die
Ermordung eines kranken österreichischen Soldaten, bei dem man viel Geld vermutet
hatte, entweiht worden sein. Zum Andenken soll ein Bekannter des Ermordeten im
Jahre 1810 sein Grab mit einem Kreuze bezeichnet haben. Nach einiger Zeit brachten
unbekannte Andächtige auf dem Kruzifixe sowohl als auf dem einfachen hölzernen
Grabkreuze Holztafeln an, welche eine dem Orte entsprechende Inschrift trugen. Auf
der Holztafel am Grabkreuze standen die Worte:
318
Hier ruhen bei 8000 Mann
In dieser kühlen Erden,
Ach Christen nehmt Euch ihrer an,
Daß sie erhöret werden.
Vielleicht noch viel im Fegfeur sein,
O helfet ihnen aus der Pein.
Ach wie theuer muß man bezahlen
Da die allerkleinste Sünd,
Und wie lang im Fegfeur da weilen
Für ein Wort, so bald verschwindt,
Durch den Ablaß, Meß, Fromkeit
Lindert unser höchstes Leid,
Durch Eure Müh' und harte Arbeit
Bringt uns in die ewige Freud!
Gott gebe allen armen Seelen die ewige Ruhe!
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Abb. 155: Die Antonius-Kapelle am Tummelplatz.
Foto: Margarete Hye-Weinhart, um 1960
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Ich nehme hier Gelegenheit zu betonen, daß die überlieferte Zahl von 8000 Mann,
welche auf dem Tummelplatze begraben sein sollen, wohl auf einem Irrtum beruht. Tat-
sächlich nämlich beträgt die Gesamtzahl aller während der Jahre 1797-1806 im Feld-
spitale des Schlosses Amras verstorbenen Soldaten 928. Darunter befanden sich auch
fünf Weiber, die wohl im Spitale Dienste leisteten.
Das Zutrauen des Volkes und das Gebet der Grabbesucher konzentrierte sich immer
mehr auf das durch das genannte Kreuz und die Holztafel geschmückte Grab und
immer zahlreicher wurden die Scharen, welche vor diesem Grabe ihr Gebet verrichte-
ten. Die Ursache war folgende:
Die arme Witwe des Franz Baldauf, Bauers in Amras, verlobte sich wegen einer kranken
Kuh im festen Glauben auf eine wunderbare Hilfe zu diesem Grabe, das sich im Hinter-
grunde des Begräbnisplatzes befand. Sie selbst nahm die Kuh mit und ließ sie auf dem
Tummelplatze frei herumlaufen. Als die Bäuerin wieder nach Hause kam, stand die Kuh
völlig gesund am Barren. Auch sprach man von einem blinden Kinde, das sein Augen-
licht auf den Gräbern wieder erhalten haben soll; ferners von einem lichtähnlichen
Schimmer, der zur Nachtzeit den Begräbnisplatz erleuchtete, sowie von einem ange-
nehmen aromatischen Geruche, der dem einen und anderen Wallfahrer entgegenweh-
te. Das Volk erblickte in solchen angeblichen Erscheinungen die Wunderzeichen eines
heiligen Leibes, der in dem genannten Grabe ruhe.
So wob sich um den stillen Waldfriedhof des Tummelplatzes bald ein ganzer Kranz von
Sagen und Geschichten, welche dem bisher wenig beachteten Orte einen unerwar-
teten Reiz verliehen und ihm von allen Seiten teils neugierige, teils hilfsbedürftige
Besucher zuführten.
Das ungewöhnliche Zuströmen des Volkes in den letzten Wochen des Jahres 1810 und
zu Beginn 1811 erregte nun aber auch die Aufmerksamkeit der bayerischen Regierung
und sie beauftragte den Kuraten von Amras, einen Bericht über die Ursachen des unge-
wöhnlichen Volkszulaufes auf den Tummelplatz zu geben. Der Kurat, Martin Wallfahrter
mit Namen, scheint keineswegs ein Mann gewesen zu sein, der die Schwächen und
Fehler des Volkes milde beurteilte, denn er sagt in seiner Relation, die aufgeführten Er-
scheinungen seien meistenteils nur Erzählungen des weiblichen leichtgläubigen Ge-
schlechtes und er habe diese Dinge deswegen auch einer Anzeige an das königl. Land-
gericht in Innsbruck nicht würdig erachtet. Er bitte um eine Instruktion für sein ferneres
Verhalten und wünsche, daß man in dieser Angelegenheit nicht in auffallender und ge-
waltsamer Weise vorgehe, denn das könne nur dazu dienen, das schon einmal für alles
Geheimnisvolle eingenommene Volk darin zu bestärken und Unruhe und Unfrieden
hervorzurufen. Er glaube, daß das Interesse an dem Tummelplatz von selbst wieder
verschwinden werde. Die herrschende Meinung der Bewohner von Amras gehe dahin,
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Da liegen sie in Ruh
Im freien Waldesreich
Beabsichtigter Neubau
der Kapelle
Die Seinde und den Freund
Deckt eine Scholle zu!
k Leichenwa
von Schiols Amnas
"beim Schlofs Amras
Don 1797-1860.
Leichenwagen vom Berg Isel 1809
Militär-Friedhof Tummelplats"
Höfliche Bitte
um einen gütigen Beitrag zum Baue einer Kapelle auf dem Militär Friedhofe des
Tummelplatzes nächst dem Schloſſe Amras.
Abb. 156: Titelvignette des Spendenaufrufes für den Bau der zweiten bzw. großen Kreuzkapelle anläßlich
des 100jährigen Bestehens des Tummelplatzes 1797-1897.
daß die zur Nachtzeit sichtbaren Lichter die Anzeichen eines dort ruhenden heiligen
Leibes seien. Die Ansichten der Gemeinde Amras seien jedoch hierüber viel gemäßig-
ter als die Auswärtiger. Das zeige sich auch darin, daß der Tummelplatz viel häufiger
von Auswärtigen als von Bauern in Amras besucht werde.
Auf Grund dieses Berichtes der geistlichen Obrigkeit von Amras benachrichtigte das
königlich bayerische Landgericht von Innsbruck am 22. Januar 1811 das Generalkom-
missariat des Innkreises (die damalige politische Oberbehörde) in Innsbruck von dem
Verlaufe dieser Aufsehen erregenden Begebenheiten und gab seiner Meinung dahin
Ausdruck, daß die kranke Kuh, welche angeblich durch die Fürbitte des seligen Solda-
ten so rasch gesund geworden, auf dem Tummelplatze wohl ein heilbringendes Kräut-
lein gefunden und verspeist habe. Die nächtlichen Lichter auf dem Tummelplatze führ-
321
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te der Landrichter auf Wildschützen zurück, welche diesen abergläubischen Wahn des
Volkes für ihr lichtscheues Treiben klug benützten, den Wohlgeruch, den einige Wall-
fahrer zu verspüren meinten, hielt er für Moschus, der zu Zeiten, wenn Epedemien
herrschten, den Leichnamen ins Grab mitgegeben wurde, um einer allfälligen Anstek-
kung durch Ausdünstung aus den Gräbern zu begegnen. Von der angeblichen Ermor-
dung eines österreichischen Soldaten zur Zeit des Amraser Militärspitals habe er trotz
eifrigen Nachforschens nichts erfahren können.
In seinem Gutachten über die Mittel, wie der Zulauf zur neu entstandenen Wallfahrt
eingedämmt werden könnte, schlug der Landrichter Beck vor:
1. Sollte der Kurat von Amras beauftragt werden, die oft massenhaft am Grabkreuze
hängenden Votivtafeln nicht auf einmal, sondern von Zeit zu Zeit wegzunehmen und
über den weiteren Gang der Ereignisse in Intervallen Nachricht zu geben.
2. Sollte dieser das Volk bei schicklicher Gelegenheit belehren und demselben richtige
Begriffe über dergleichen Andachten beibringen.
3. Sollte der Kurat überhaupt keine Verschönerung des Platzes, am wenigsten durch
den Bau einer Kapelle, wozu sich bereits ein Bürger von Innsbruck bereit erklärt, zu-
lassen.
Das amtliche Gutachten des Landgerichtes schließt mit dem Gedanken, daß unter sol-
cher Voraussetzung und mit fortgesetzter stiller Aufsicht und Beobachtung von Seite
der amtlichen Polizei vorerst alles Ärgerliche beseitigt bleiben solle, so daß sich viel-
leicht diese >>Volksandacht im Ambraser Walde«, wie sie offiziell bezeichnet wurde, so
wie sie entstanden, wieder verliere.
Das General-Landeskommissariat verfehlte denn auch nicht, Landgericht und Kuraten
in vorgeschlagener Weise zu bescheiden und gab in seinem Erlasse vom 10. Februar
1811 seiner Überzeugung in nachfolgender Weise Ausdruck: »Wenn die Geistlichen, die
Wirte und das Benehmen des Dorfes Amras nicht selbst beitragen, um diesen Wahn zu
erhalten, so wird sich der Glaube an besondere Wunderkräfte des einen daselbst be-
findlichen Grabes zuverlässig nicht lange erhalten. Besonders nützlich würde es sein,
wenn der dortige Kurat geeignet wäre, dem Volke bessere Begriffe von der Heiligkeit
des Lebenswandels zu geben, wodurch dasselbe von selbst von dem Wahne zurückkä-
me, als habe sich unter den im Lazarett Verstorbenen wohl einer befunden, der als ein
Heiliger gelebt habe.<<
Jedoch trotz der Bemühungen der bayerischen Regierung wollte die Volksandacht auf
dem Tummelplatze nicht abnehmen.
Zufolge Auftrag vom 30.Februar unternahm der Kurat Martin Wallfahrter in Begleitung
der Gemeindevorstehung von Amras am folgenden Tage eine Untersuchung der gan-
322
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zen Friedhofsgegend. Er fand zwei Votivtafeln vor, die eine von Hall, die andere von
Fulpmes, beide enthielten den Dank für erlangte Hilfe durch die Fürbitte des selig ver-
schiedenen Soldaten. Von den drei Gebetsformeln war eine an den gekreuzigten Erlö-
ser, die andere an die leidenden Seelen des Reinigungsortes gerichtet, der Eingang der
dritten etwas längeren erzählt, daß einem Reisenden, der durch einen Wald gegangen,
eine arme Seele erschienen sei und ihm angezeigt habe, wenn sie dieses Gebet früher
gekannt hätte, so wäre sie durch die darin enthaltenen Beweggründe früher zur Buẞe
und dadurch zur Erlangung mehrerer Gnaden Gottes geführt worden. Sie empfehle
ihm daher dieses Gebet. Neben dem Kruzifix war eine Menge wächserner Opfer ange-
bracht und der Lieblingsort der Andächtigen, das Kreuz auf dem Soldatengrabe, war
von allerlei kleinen Zeichen der Erinnerung und Dankbarkeit behängt.
Auf seinen Bericht über die gemachten Wahrnehmungen erhielt der Kurat im Wege des
Landgerichtes den Auftrag, das genannte längere Gebet durch die Gemeindevorste-
hung wegnehmen zu lassen und ehebaldigst an das Generalkommissariat abzuliefern.
Er solle überhaupt in Zukunft von allen wichtigeren Vorfällen hinsichtlich des Tummel-
platzes unverzüglich Meldung tun.
Vier Wochen später, am 1. April 1811, machte der Landrichter Karl Theodor Beck dem
Tummelplatz seinen Besuch. Er fand an den aufgehängten Gebeten nichts Abergläubi-
sches; auf dem Soldatengrabe sah er ein Loch, das sich nach der Aussage seiner Be-
gleiter (Gemeindeangehöriger von Amras) stets vergrößerte, weil nämlich die Besucher
des Friedhofes stets einige Körnchen als geweihte Erde mit nach Hause nahmen.
In der Mitteilung, die er von seinem Besuche dem General-Landeskommissariate am
3. April machte, erwähnte der Landrichter auch den Vorschlag des Kuraten, es sollte je-
der, der durch die Hilfe des vermeintlichen Seligen irgend eine Wohltat erlangt hatte,
verhalten werden, solches der Ortsseelsorge oder der weltlichen Obrigkeit anzuzeigen.
Beck hielt es aber nicht für gut, diesem Vorschlage zuzustimmen, weil, wie er meinte,
eine solche Verfügung unter dem Volke nur Aufsehen und der Wallfahrt ein gewisses
imponierendes Gewicht verleihen würde.
Einen Monat später, am 5. Mai, erhielt das Landgericht den erneuten Auftrag, den Fort-
gang oder die Abnahme der Wallfahrt unausgesetzt in der Stille zu beobachten, gegen
offenbare Betrügereien und die Verbreitung geschehener Wunder geeignete Maẞre-
geln zu ergreifen und das abergläubische Vertrauen der Amtsuntergebenen durch
zweckmäßige Belehrungen zu entkräften. Außerdem solle das Landgericht sich dar-
über äußern, wie der Kurat von Amras, Martin Wallfahrter, sich während der »Revolu-
tion<< verhalten habe, welchen Geist er bei Ausübung der Seelsorge offenbare und ob
es nicht etwa den Umständen angemessen sei, seine Versetzung auf eine andere
Kuratie zu bewerkstelligen.
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Abb. 158: Die Jubiläums-Kreuzkapelle von 1797 mit den Fresken von Toni Kirchmayr aus dem Jahre 1917.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Diesem Auftrage nachkommend, meldete der Landrichter am 9. Mai, daß vor einiger
Zeit Kupferstiche in verschiedenen Größen erschienen seien, welche das Kruzifix und
im Hintergrunde das besonders verehrte, mit einem Kreuze geschmückte Grab zeigen
mit der Unterschrift: »Christus am Kreuz im Wald ob Amras«. Die Wallfahrt habe seit-
dem zwar nicht zu-, aber auch nicht abgenommen. Der Kurat habe von dem genannten
Grabe eines frühen Morgens verschiedene andere Kupferstiche entfernt. Seitdem sei
dieses Grab nicht mehr mit solchen Bildern geschmückt worden. In der »Insurrektions-
Epoche« (Das heißt im Jahre 1809) habe sich der Kurat Martin Wallfahrter ruhig verhal-
ten und in seinen Berichten über die Volksandacht auf dem Tummelplatze habe er >ei-
nige Geisteskultur« gezeigt. Damit wolle er (Der Landrichter) aber nicht gesagt haben,
daß er für die innere, wahre Gesinnung des Kuraten einstehe. Wenn man denselben
versetzen wolle, so sei dies dem höchsten Ermessen anheimgestellt. Da bei der neuen
Wallfahrt sehr viel Opfergeld eingehe, so sei es nötig, daß man den Kuraten beauftrage,
über Empfang und Verwendung desselben Rechnung zu legen.
In der Gemeinde Pfaffenhofen im Oberinntale lebte damals ein Bauersmann namens
Johann Seiser, dessen neunjähriger Knabe Josef aus Schrecken vor dem Klaubauf die
Sprache verloren und dessen Nerven so sehr erschüttert waren, daß er seit mehreren
Tagen nicht mehr im Stande war, Nahrung zu sich zu nehmen. Obwohl die Eltern des
armen Kindes den Arzt, Doktor Marinelli in Innsbruck, konsultierten, blieben alle ange-
wendeten Mittel vergebens. In dieser traurigen Lage erinnerte sich der bekümmerte
Vater des Tummelplatzes und des Vertrauens, welches das Volk auf ihn setzte. Er be-
gab sich also mit seinem Söhnlein am 19. Mai 1811 nach dem Tummelplatze und betete
dort mit ihm vor dem Soldatengrabe für die Genesung von dieser rätselhaften Krank-
heit. Kaum hatten sie auf dem Rückwege eine kurze Strecke zurückgelegt, fing der Kna-
be wieder zu reden an und war völlig gesund.
Der Kurat von Amras, Martin Wallfahrter, säumte nicht, dieses auffallende Ereignis
sogleich dem Landrichter Beck persönlich mitzuteilen und als der Landrichter am 20.
Mai sich nach Amras begab, da überzeugte er sich selbst, daß der vorher sprachlose,
kranke Knabe gesund war und munter zu plaudern verstand. Einen Tag später, am 21.
Mai, erstattete der Landrichter über diese neuesten Vorgänge auf dem Tummelplatze
Bericht an das Generalkommissariat zugleich mit dem Gutachten, man solle dieses Er-
eignis gründlich untersuchen, damit dem Volke die Ursache benommen werde, vom
Tummelplatze sogenannte Mirakelgeschichten zu erzählen. Zu diesem Zwecke wäre
das Landgericht Telfs zu beauftragen, die Eltern des Knaben, sowie diesen selbst zu
vernehmen und auf Grund von Erkundigungen in Pfaffenhofen selbst den früheren
Krankheitszustand des Knaben festzustellen. Andererseits solle auch Dr. Marinelli
beim Innsbrucker Stadtgerichte vernommen werden, desgleichen die allfälligen Zeu-
gen der plötzlichen Genesung. Auf diese Weise könnte der wirkliche Hergang dieses
Vorkommnisses erforscht und das Volk darüber aufgeklärt werden.
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Abb. 159: Die Kaiserschützenkapelle am Tummelplatz, erbaut 1922.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Was in dieser Wundergeschichte weiter erfolgte, darüber schweigen die Akten unseres
Archives und ich vermag nur auf das Gedenkkreuz am Tummelplatze selbst zu verwei-
sen, welches dieses Ereignis in Wort und Bild den Besuchern kündet. Wer auf dem
Waldwege von Wilten her den Tummelplatz betritt, sieht es an dem Pfade stehen, der
links von der Lourdeskapelle den nördlichen Rand des Platzes besäumt. Dieses Ge-
denkkreuz dürfte auch jenes Grab bezeichnen, in dem nach dem Volksglauben der
Leib des seligen Soldaten ruhte. Denn ein Bericht des neuen Kuraten Alois Röggl (des
späteren Abtes von Wilten) vom 19. Juni 1811 sagt uns, daß eine ausführliche Darstel-
lung des wunderbaren Vorfalles mit dem Knaben auf der Rückseite des auf dem Wun-
dergrabe befindlichen Kreuzes angebracht wurde. Der konservative Sinn und die Pie-
tät, welche das Volk diesen Dingen entgegenbringt, läßt uns mit einiger Wahrschein-
lichkeit annehmen, daß jenes Gedenkkreuz, welches uns dieses Ereignis vor Augen
führt, an dem gleichen Orte steht, wo es im Jahre 1811 gestanden hatte.
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Der Kurat Martin Wallfahrter, dessen Name allein schon der bayerischen Regierung
den Verdacht einflößen mochte, daß er nicht ganz unschuldig an dem Entstehen der
neuen Wallfahrt sei, mußte am 1. Juni dem neuen Kuraten Alois Röggl weichen. Dieser
kluge und besonnene Priester berichtete von Zeit zu Zeit über den Stand der Wallfahrt,
über die kleinen Änderungen, welche auf dem Tummelplatze von ihm bemerkt wurden,
so z. B., daß am 15. Juni 1811 in aller Frühe auf drei Gräbern Wachskerzen brannten, was
natürlich wieder Veranlassung gab, zwei neue heilige Gräber zu vermuten, die dann
ebenfalls von den Besuchern mit Kreuzen und Blumen geschmückt wurden. Oder er
berichtete über das Erträgnis des oft recht beträchtlichen Opfergeldes. In der Zeit z. B.
vom 20. Jänner bis 11. Mai 1811 betrug dasselbe 174 fl 58 kr. Das Erträgnis ging aber in
den nächsten Jahren zurück aus dem Grunde, weil die Wallfahrt etwas abnahm und vor-
züglich wohl deshalb, weil es ruchbar wurde, das von den eingelaufenen Geldern (die
allerdings zum großen Teil aus ungangbaren Münzen bestanden) über Anordnung des
General-Landeskommissariats auch nicht ein Kreuzer für den Tummelplatz und seine
Verschönerung, sondern die ganze Summe für die Schule und den Schullehrer, die
Armenkasse und die Kuratiekirche in Amras verwendet wurde.
Über den Besuch der Wallfahrt berichtete Alois Röggl am 1. April 1812 an das Landge-
richt, daß bei Eintritt der wärmeren Jahreszeit der Besuch des Tummelplatzes wieder
zunehme. Von entfernteren Gegenden kämen (ausgenommen an Festtagen) nur mehr
wenige Leute. Dagegen scheinen die Bewohner der Stadt und der umliegenden Dorf-
schaften und was am auffallendsten sei, das Militär und das »schöne Geschlecht« an
dieser geistlichen Promenade, wahrscheinlich nicht immer aus rein religiösen Absich-
ten, ein besonderes Wohlgefallen zu finden.
Bis zum Jahre 1814 (soweit reichen die Akten) hat sich auf dem Tummelplatze nichts
Bemerkenswertes mehr ereignet und der Übergang Tirols an Österreich hat den Kura-
ten Alois Röggl von dem lästigen Amte eines unbesoldeten Staatspolizisten auf dem
>berüchtigten« Tummelplatze in Gnaden enthoben.
Seitdem sind auf diesem lauschigen Friedhofe Kapellen und Altäre aufgerichtet wor-
den, ein ganzer Wald von Kreuzen ist emporgeschossen und ungezählte Votivtafeln er-
zählen von erhörten Gebeten. Seit dem Weltkrieg aber ist er auch ein Gedächtnisort
geworden für die in demselben gefallenen Helden unseres Vaterlandes.
- Soweit Karl Klaar.
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Tummelplatz nochmals 1848 und 1859 als Be-
gräbnisplatz für die in den damaligen Kriegen Verwundeten und an den Folgen ihrer
Verwundungen in dem wieder als Militärspital verwendeten Schloß Ambras verstorbe-
nen Soldaten herangezogen. Ein im Pfarramt Amras verwahrter »Extract aus dem
Sterb-Register des k.k. Militär-Spitales im k.k. Residenz-schlosse Amras vom 21. 7. bis
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27. 9. 1859<< verzeichnet insgesamt noch neun Tote, die alle am Tummelplatz beerdigt
worden sind.
Um diesem Gottesacker, der auf der Katastermappe von 1856 noch keine einzige Ka-
pelle aufweist, nun endlich auch das äußere Bild eines kirchlichen Friedhofs zu verlei-
hen, wurde hier angeblich bereits im Jahre 1855 eine erste, dem hl. Josef als dem Patron
der Sterbenden, geweihte Kapelle am Nordrand des Gräberfeldes erbaut, - erfreuli-
cherweise hat sie sich mit Hilfe des regen Tummelplatzerhaltungsvereines bis zum
heutigen Tage optimal erhalten. Bis dahin markierte vor allem ein großes vom Amraser
Dorfmeister Johann Georg Sokopf bereits im Jahre 1799 errichtetes Kruzifix (vgl. oben
K. Klaar) die Heiligkeit dieser Begräbnisstätte. Dieses Kreuz findet sich auch auf dem
ältesten Amraser Ortsplan, verfaßt 1820 vom berühmten Südtiroler Ingenieur Alois
Negrelli, eingezeichnet. 236
Nicht zuletzt um auch Sokopf nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, entwickelte im
Jahre 1884 der damalige Schulerbauer Karl Zimmermann den Plan einer Kreuzkapelle,
welche am Südrand des Gräberfeldes erbaut und am 12. Oktober desselben Jahres ein-
geweiht worden ist. Das Kapellen-Innere ziert ein eindrucksvolles, großes Kruzifix von
Anton Steger genannt Schnitzer-Toni von Eben am Achensee.
Das Jahr der Erbauung der Antonius-Kapelle - mit einem guten barocken Altarblatt
an der Westseite - ist leider nicht bekannt. Sie muß jedoch noch vor 1897 entstanden
sein, zumal sie auf einer alten Photographie schon zu sehen ist, welche am linken Bild-
rand bereits die kleine hl. Kreuz-Kapelle von 1884, in der Mitte zwischen dieser und der
Antoniuskapelle jedoch noch andere Bildstöcke aber noch nicht die im Jahre 1897 er-
baute große hl. Kreuz-Kapelle zeigt. Auch das Baujahr der Lourdes-Kapelle an der
Nordwest-Ecke ist unbekannt, dürfte aber um 1880/1900 anzusetzen sein.
Als die bedeutendste Kapelle, eigentlich schon kleine Kirche, haben wir dann die zum
100-Jahr-Jubiläum des Tummelplatzes 1797-1897 errichtete große Kreuzkapelle zu
bezeichnen. In der Mitte der Südwestbegrenzung des Tummelplatzes gelegen, nimmt
sie hier eine beherrschende Position ein und wurde 1917 an ihrer Fassade mit einem
eindrucksvollen Fresko von Toni Kirchmeyr »Soldaten-Begräbnis an der winterlichen
Dolomitenfront geziert. Das Kapellen-Innere erhielt 1971 seinen gegenwärtigen
Schmuck in Gestalt eines Wandfreskos von Anton Plattner aus Zirl.
Die jüngste der Tummelplatzkapellen ist die der Tiroler Kaiserschützen im Süden
etwas außerhalb bzw. neben dem eigentlichen ebenen Gräberfeld. Sie wurde 1922
nach Plänen von Clemens Holzmeister von Architekt Prachensky erbaut und am 8. Ok-
tober 1922 eingeweiht.
236 Vgl. oben Anm. 183!
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Abschließend haben wir noch darauf hinzuweisen, daß sich ab 1866 insbesondere aber
seit dem Ersten Weltkrieg in breiten Kreisen der Bevölkerung aber auch bei vielen Ver-
einen und Studentenverbindungen der Brauch entwickelt hat, für die in fremder Erde
gefallenen und bestatteten Angehörigen am Tummelplatz grabähnliche Gedenkkreu-
ze zu errichten. 237 Dieser besinnliche Brauch wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg
fortgeführt, wobei leider manche erst in jüngster Zeit aufgestellte Denkmäler nament-
lich von Kampfverbänden eher den Charakter von politischen Denkmälern aufweisen
und die christliche Friedhofsruhe, die von der Politik nicht gestört werden sollte, erheb-
lich beeinträchtigen.
c) Der Amraser Kriegerfriedhof an der Wiesengasse
Abgesehen vom Tummelplatz besteht in Amras noch ein zweiter kriegsbedingter Fried-
hof. Es ist der Militärfriedhof an der Ecke Wiesengasse/Amraser Straße. Die Errichtung
dieses Friedhofs wurde notwendig, als während des Ersten Weltkrieges einerseits der
alte Militärfriedhof an der Anzengruberstraße nicht mehr weiter vergrößert werden
konnte, andererseits aber infolge der seit dem Sommer 1915 tobenden Kämpfe an der
Südfront die Zahl jener Verwundeten, die in Innsbruck ihren Verletzungen erlagen,
dramatisch anstieg.
Eine letzte Hoffnung für diese Soldaten bot nämlich das kurz zuvor in den Jahren 1908/
1911 erbaute neue Garnisonsspital, die heutige Conrad-Kaserne, in deren südlicher
Nachbarschaft die Stadtgemeinde Innsbruck an der Nordseite der Wiesengasse ein
zusätzliches Infektionsspital errichtet hat (dieses Spitalsgebäude wurde 1977 zur Ver-
größerung des Pradler Friedhofs abgerissen).
Für alle jene Verwundeten, die das Garnisonsspital nicht mehr lebend verlassen konn-
ten, mußte daher möglichst in seiner Nähe auch ein neuer Militärfriedhof geschaffen
werden. Die >>Neuen Tiroler Stimmen« berichteten darüber am 12. November 1915 fol-
gendes: »Neuer Militärfriedhof in Innsbruck. Der alte, im Jahre 1831 weit außerhalb des
Stadtgebietes in der ehemaligen zu Amras gehörigen Fraktion Pradl errichtete Militär-
friedhof ist schon in Friedenszeit (en) infolge der stetigen Vermehrung der Garnison
etwas zu klein geworden. Die lange Kriegszeit (!) hat nun den noch übrigen Raum sehr
in Anspruch genommen. Da der kleine Rest künftig noch für Offiziersgräber vorbehal-
ten bleiben soll, mußte endlich an die Errichtung eines neuen Militärfriedhofes ge-
schritten werden. Als Platz hiefür wurde das südlich vom neuen städtischen Friedhof in
Pradl gelegene und daran unmittelbar anstoßende Ackerfeld gewählt, welches bereits
vor einigen Jahren samt dem Friedhof (s) grunde die Stadtgemeinde aus dem Besitze
237 Zu den hier gebotenen Daten ab dem Bau der St. Josefs-Kapelle vgl. Abt Heinrich Schuler (gest. 1949),
Der Tummelplatz in Amras. Innsbruck o. J. (nach 1945).
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Abb. 160: Der Militärfriedhof an der Wiesengasse und seine Umgebung mit der alten Aldranser Auf-
fahrt, um 1960.
Luftaufnahme: Richard Frischauf
des Kapellerwirtes, Herrn Ferdinand Happ, erworben hat. Westlich stößt die während
des Krieges erbaute städtische Seuchenspitalbaracke an. Es sind bereits russische
Kriegsgefangene mit den Vorarbeiten zur Friedhofanlegung beschäftigt.<<
Wie aus diesen Angaben zu entnehmen ist, reichte der städtische Pradler Friedhof
ursprünglich also nicht, so wie heute, südwärts bis zur Wiesengasse, sondern ließ ein
erhebliches Grundstück - eben das erwähnte Kapeller-Feld - noch unbenützt. Auf
eben diesem Areal hoffte man im November 1915 ausreichenden Platz für den neuen
Militärfriedhof zu finden. Wie wir heute wissen, war dieser Friedhof aber schon bald zu
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klein, und um der schrecklichen Ernte des grausamen Kriegstodes genügend Grabstel-
len bieten zu können, mußte der Friedhof schon im Frühjahr 1917 auf das Gebiet süd-
lich der Wiesengasse ausgedehnt werden, auf jenen Platz, an den wir heute denken,
wenn vom Amraser Kriegerfriedhof die Rede ist.
An den 1915 angelegten ersten Abschnitt dieses Soldatenfriedhofes erinnert heute nur
noch die sogenannte »Krypta<-Kapelle am Südrand des städtischen Pradler Friedhofs
mit einer an ihrer, der Wiesengasse zugewandten Rückwand angebrachten Gedenk-
inschrift. Als dann am Ende des 1. Weltkrieges italienische Militärbesatzung nach Inns-
bruck gelegt worden ist sie verblieb hier vom November 1918 bis zum 11. Dezember
1920 - erfuhr der Militärfriedhof seine erste Nachkriegserweiterung, d. h., an seiner
Südostseite mit Eingang von der Amraser Straße her wurde 1920 für die während dieser
Besatzungszeit in Innsbruck verstorbenen italienischen Soldaten, aber auch für die
schon vor 1918 in Innsbruck gestorbenen italienischen Kriegsgefangenen, der beste-
hende italienische Militärfriedhof angefügt. Die Weihe des Friedhofsteiles erfolgte am
9. Jänner 1921.238
Weitere Vergrößerungen erfolgten dann erst nach 1945. Besonders erwähnt sei diesbe-
züglich der westlich angefügte sowjetrussische Friedhofsteil - er zeigt im Grundriß die
Gestalt des fünfzackigen Sowjetsternes - wo jene Rotarmisten und Sowjetbürger ihre
letzte Ruhestätte fanden, die entweder 1942/45 als Kriegsgefangene in Tirol den Tod
fanden oder nach dem Frühjahr 1945 als Angehörige der sowjetischen Militärmission in
Tirol gestorben sind.
In den letzten Jahren wurden hier noch die sterblichen Überreste einzelner Kriegs-
opfer beigesetzt, die bis dahin auf verschiedenen Ortsfriedhöfen Tirols in Einzelgrä-
bern ruhten, von dort aber im Zuge von Straßenverbreiterungen oder ähnlichen Maß-
nahmen öffentlichen Interesses umgebettet werden mußten.
Die Betreuung des Amraser Kriegerfriedhofs liegt in den Händen des >Österreichi-
schen Schwarzen Kreuzes«<, welches dafür viel Mühe aufwendet. Bei aller Dankbarkeit
für die viele dort geleistete Arbeit (Erneuerung der Grabkreuze, Sanierung des über-
dachten Altaraufbaues etc.) sei aber doch auch das Bedauern darüber zum Ausdruck
gebracht, daß in den letzten Jahren die stimmungsvollen, grünen Thuje-Wände besei-
tigt worden sind und daß im Jahre 1981 das künstlerisch wertvolle Gefallenendenkmal
des Bildhauers Föderl, welches beim Eingang von der Wiesengasse stand, entfernt und
auf den städtischen Zentralbauhof in der Reichenau abgeschoben bzw. deponiert
worden ist.
238 Das königlich-italienische Konsulat in Innsbruck hat aus diesem Anlaß auch eine illustrierte Gedenk-
Broschüre >>Ai soldati italiani morti nel Tirolo 1915-1920« herausgegeben.
332
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Abb. 161: Der zentrale hl. Kreuz-Altar des Militärfriedhofes an der Wiesengasse.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
An Stelle dieser Plastik erhebt sich nun ein Steinsockel und auf diesem ein Soldaten-
kopf in Bronze von W. Andre. Nachdem sich derselbe Bronzekopf auch beim Ostein-
gang desselben Friedhofes befindet, sodaß er dort also in zweifacher Ausführung ange-
troffen wird, sei hier nochmals angeregt, einen dieser Bronzeköpfe vielleicht in einen
anderen Soldatenfriedhof in Tirol zu übertragen und an seiner Stelle wieder die wirk-
lich eindrucksvolle Plastik Föderls aufzustellen.
333
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d) Die Friedhofserweiterung des städtischen Ost- bzw. Pradler Friedhofs
Bis zum Jahre 1985 hatte die Belegung des städtischen Ost- oder Pradler Friedhofs ein
solches Ausmaß angenommen, daß es notwendig wurde, eine Erweiterung desselben
vorzunehmen. Damit überschritt nun auch dieser Friedhof seine südliche Begrenzung,
nämlich die Wiesengasse, und erhielt zunächst auf der ersten Teilfläche von 13.300 m²
von einer Gesamtfläche von insgesamt 31.251 m², welche mittels eines Grundtausches
durch die Stadt erworben werden konnte, eine zusätzliche Abteilung mit neun Gräber-
feldern für zusammen 1.203 Grabstätten. Gleichzeitig wurde hier aber auch ein Urnen-
feld und eine Urnenwand für insgesamt 398 Urnen-Bestattungen vorgesehen. Auch ein
neues Blumengeschäft wurde hier eingeplant. Die Einweihung des neuen Friedhof-
areals erfolgte am 29. Juli 1986.239
e) Der ehemalige Amras-Pradler Pestfriedhof
Bei den sogenannten Pest-Epidemien vor allem des 16. und 17. Jahrhunderts, welche
Tirol und besonders den Raum Innsbruck heimgesucht haben - tatsächlich handelte
es sich meist um Flecktyphus 240-wurden die Opfer dieser schrecklichen >Sterbleufe<<
wegen der großen Ansteckungsgefahr nicht auf den üblichen Pfarr- und Ortsfriedhöfen,
sondern außerhalb der Siedlungen auf eigenen >Pestfriedhöfen« beigesetzt. Dement-
sprechend kennen wir im Raum Innsbruck den städtischen Pestfriedhof bei der Drei-
heiligenkirche, 241 den Höttinger Pestfriedhof an der Höhenstraße, den Pestfriedhof für
Arzl und Mühlau im Helfental und den Pestfriedhof für Amras und Pradl am Ende der
Kranewitter Straße bzw. zwischen dieser und der Terrassenkante oberhalb der Reiche-
nau. Glücklicherweise wurde dieser Friedhof nach den Epidemien Anfang des 17. Jahr-
hunderts (besonders des Jahres 1611) nie mehr gebraucht und belegt, sodaß sein Areal
wieder landwirtschaftliche Nutzfläche bzw. später Bauland werden konnte. 242 Das ein-
zige, was noch heute an diesen alten Friedhof erinnert, ist die dortige bescheidene
Pestfriedhofskapelle.
239 A. Bramböck, Erweiterung des Ostfriedhofes. In: Amraser Bote Jg. 22, 1986, Nr. 3.
240 Vgl. dazu vor allem Bernhard Schretter, Die Pest in Tirol 1611-1612. Veröffentlichungen des Innsbrucker
Stadtarchivs NF. Bd. 12/13, Innsbruck 1982.
241 F.H. Hye, Die Dreiheiligenkirche zu Innsbruck. Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck
Nr. 25, Innsbruck 1963.
242 So z. B. verzeichnet der Amraser Steuerkataster von 1775 (TLA., Kat. 27/2, fol. 27, 86) einen Acker »bey
dem Bestfreüthof.« Auch schon im Steuerkataster von 1655 (TLA., Kat. 27/15, fol. 110v) wird ein Grund-
stück »bei dem Stermb Freithof« angeführt.
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Abb. 162: Die Pestfriedhofskapelle an der Kranewitterstraße.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Amraser Wegkapellen
-
einst und jetzt
Einschließlich der Pestfriedhofskapelle, die heute auch als Wegkapelle zu be-
zeichnen ist, hat es im alten Amras nicht weniger als sieben Kapellen und zwei Bildstök-
ke gegeben. So standen allein an der Wiesengasse, dem alten >>Kirchweg<< von Wilten
nach Amras, drei Kapellen, die Sillhofkapelle243 an der Südostecke der Kreuzung mit
der Helblingstraße (abgerissen 1962), die alte bereits im Maria-Theresianischen Steu-
erkataster von 1775 nachweisbare Fieberkapelle an der Nordwestecke der Kreuzung
mit dem Wetterherrenweg 244 und die um 1680 gestiftete Stapfkapelle (vgl. oben die
Ausführungen über die Pfarrkirche) neben der Getznersäule von 1418 (vgl. oben) auf ei-
ner ehemaligen Insel in der Kreuzung mit der Amraser Straße.245 Am Paschbergweg
oder >Gangsteig« stand die Anderle-Kapelle, welche als achteckiger, barocker Zentral-
bau wohl die schönste dieser Kapellen darstellte. Sie war um 1700 im Zusammenhang
mit der unseligen Rinner Anderle-Legende 246 als Ausdruck irregeführter Religiosität
entstanden und mußte 1966 dem Autobahnbau weichen.
Am >>Sillergangsteig«, das war die heutige Kaufmannstraße und ihre Verlängerung bis zu
den Sillhöfen - daher der Name - erhob sich keine Kapelle. Wohl aber stand an jenem
Feldweg, welcher heute danach die Bezeichnung »Wetterherrenweg« trägt, seit 1618 die
sogenannte >>Weiße Marter«.247 Der laternenartige Aufsatz dieser Wegsäule aus Höttin-
ger Breccie zeigt nämlich neben der genannten Jahreszahl und den Stifter-Initialen
>G.I.P.I.<< die beiden Schutzpatrone »gegen Hagel, Blitz und Ungewitter«<, die römi-
schen Märtyrer Johannes und Paul, denen auch in der ehemaligen St. Georgskirche am
Bichlweg im Oberdorf ein eigener Seitenaltar gewidmet war (vgl. unten). Zu diesen
Wetterheiligen nahmen verständlicherweise besonders die im Hinblick auf die Ernte
sosehr vom Wetter abhängigen Bauern ihre Zuflucht. Im Zuge des Ausbaues der Bur-
genlandstraße zum breiten Südring wurde die Weiße Marter von ihrem alten Standort
geringfügig nach Norden versetzt und erhebt sich heute schräg gegenüber der Einmün-
dung des Wetterherrenweges in den Südring an dessen Nordseite.
An diesem Straßenzug, der ostwärts in den alten Ortsteil »Panzing<< führte, stand an der
Kreuzung mit dem »Fürstenweg« (= Amraser Straße) die sogenannte >>Panzing-Kapel-
243 Hans Hochenegg, Auf den Amraser Feldern. In: Wilten - Nordtirols älteste Kulturstätte Bd. 2, Innsbruck
1926, S. 54-83, besonders S. 56.
244 Wegen seiner Lage bei dieser Kapelle wird ein ehemaliger Acker an der Ostseite des Wetterherrenwe-
ges, damals >Berg- oder Holzweg genannt, im Steuerkataster von 1775 (TLA., Kat. 27/2, fol.496) als
»Kappellaker bezeichnet.
245 Ebenda, fol. 114: Ein Acker des Amraser Wirtes Franz Stapf wird »bey der Kappellen< genannt, er grenzt
im Süden an den >Kirchweg (Philippine-Welser-Straße) und im Norden an den »Sillergangsteige (= Kauf-
mannstraße). Ebenda, fol. 116, begegnet auch ein >Kappellaker< bei der Stapfkapelle bzw. an der Kreu-
zung »Kirchweg</>Firstenwege (= Amraser Straße). Vgl. auch TLA., Kat. 27/1, Nr. 51.
246 H. Hochenegg, Die Kirchen Tirols. Innsbruck 1935, S. 29.
247 TLA., Kat. 27/2, fol. 456: Acker »bey der Weißen Marter<<.
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Abb. 163: Die ehemalige Sillhof-Kapelle an der Ecke Wiesengasse/Helblingstraße.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
le<< 248 Ebenso wie fast alle anderen bisher genannten Kapellen - mit Ausnahme der
Pestkapelle scheint auch diese bereits in einer Landkarte des mittleren »Innthal (s) <<
von ca. 1840 (verfaßt von Hauptmann Urban) auf. Wie das Familienbuch der Gemeinde
Amras von 1853, S. 191, mitteilt, wurde am >17. Juni 1862 diese schöne Feldkapelle, neu
auferbaut vom dermaligen Besitzer des Pizan-Hofes, Herrn Engl, Handelsmann von
Innsbruck..., vom Ortskuraten Friedrich Stöckl benedicirt. «249 Die in dieser mit einem
drei-Achtel-Nordchor versehenen Kapelle als Altarbild aufgestellt gewesene und von
Johann Georg Hettinger um 1730 gemalte Kopie des Gnadenbildes >>Maria Schnee<<
wird seit dem Abbruch der Kapelle im Jahre 1951 von den Besitzern des Pizan-Hofes
(heute Bezan geschrieben) verwahrt, deren Vorfahren sich stets um die Pflege und Er-
haltung dieser ehemaligen Kapelle angenommen haben.
248 H. Hochenegg, Auf den Amraser Feldern, a. a. O., S. 73.
249 Orig. im Pfarrarchiv Amras dzt. im Stiftsarchiv Wilten. Eine Kopie dieses Bandes befindet sich im StAl.
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Die siebte Kapelle befand sich an der Schloßstraße in der östlichen Nachbarschaft der
Schloßschmiede (Schloßstraße Nr. 14). Ihr Name ist unbekannt, sie läßt sich jedoch so-
wohl auf einer Schloßansicht von Anton v. Pfaundler von 1806 (TLA., Inventar A 40/33:
Titelblatt) als auch auf der vorerwähnten Landkarte sowie noch auf der Katastermappe
von 1856 nachweisen.
Von allen diesen Kapellen und Bildstöcken bestehen heute zwar noch beide Bildsäu-
len, doch nur noch zwei Kapellen, die Pest- und die neue Fieberkapelle. Das in der
Stapf-Kapelle befindlich gewesene Altarkreuz wurde dank privater Initiative von Karl
Klotz in eine Nische an der Südost-Ecke der Pradler Friedhofsmauer, also in die unmit-
telbare Nachbarschaft der einstigen Kapelle versetzt und bildet dort zumindest eine
bescheidene Erinnerung an diese alte, 1964 zu Gunsten der Straßenbahnverlängerung
abgerissene Wegkapelle.
Eine eigene Geschichte hat die neue Fieberkapelle: Nachdem die alte Fieberkapelle
im Frühjahr 1971 durch einen Lastkraftwagen angefahren und derart beschädigt wor-
den ist, daß sie abgetragen werden mußte, schien auch ihr Schicksal endgültig besie-
gelt zu sein, da ihr alter Standort geplanten Straßenverbreiterungen der Wiesengasse
und des Wetterherrenweges hinderlich war. So war es nur dem Engagement des
Amraser Gemeinderates Karl Klotz, der sich voll hinter die Bemühungen des Stadtar-
chivs gestellt hat, zu verdanken, daß diese vorletzte der Amraser Wegkapellen wieder
aufgebaut worden ist, wobei man aus Gründen der Straßenplanung den Neubau nicht
am ursprünglichen Standort, sondern ca. 360 Meter weiter östlich, jedoch am gleichen
Straßenzug und in der selben Form ausgeführt hat. Auch dem städtischen Bauhof, sei-
nen Handwerkern und besonders Ing. Erhart, der vor dem Abbruch noch einen Plan
von der alten Fieberkapelle angefertigt hat, der dann die Grundlage für den Neubau
bildete, sei auch an dieser Stelle für ihren Einsatz und ihre Mühewaltung herzlich ge-
dankt.
Von der alten Kapelle erhalten und hier wieder verwendet wurden das Eingangsgitter
und das schöne Tafelbild Maria Immaculata, welches 1864 von A. Kirchebner für diese
Kapelle gemalt worden ist. Daß dieses Bild gerade im Jahre 1864 angefertigt wurde, ist
kein Zufall, denn in eben diesem Jahre wurde diese ursprünglich von der Gemeinde
Amras errichtete Kapelle auf Kosten der Innsbrucker Geschäftsfrau Nothburga Thürler
vollständig erneuert und erhielt aus diesem Anlaß auch das schöne Kirchebner-Bild.
Im Zusammenhang damit erfahren wir 1864 auch erstmals den Namen unserer Kapelle,
der wohl darauf hinweist, daß sie gelegentlich einer Fieberepidemie verlobt worden
ist. Genaue Angaben darüber fehlen uns allerdings. Dasselbe gilt auch bezüglich der
Frage nach dem Zeitpunkt ihrer ersten Errichtung: Der Name »Kapellacker<< für ein
Grundstück an der Kreuzung des »Kirchwegs<< mit dem »Berg- oder Hohlweg«<, das ist
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Abb. 164: Die alte Fieberkapelle an der Ecke Wiesengasse/Wetterherrenweg.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 165: Die Getznersäule von 1418 und die ehemalige Stapfkapelle an der Kreuzung Amraser-/Philip-
pine-Welser-Straße.
Stahlstich von Verhas, um 1840. Original im Stadtarchiv Innsbruck
der heutige Wetterherrenweg, weist jedenfalls darauf hin, daß die Fieberkapelle schon
lange vor 1775 hier bestanden haben muß.250
Schon kurze Zeit nach der Weihe der neuen Kapelle am 24. November 1974 wurde die-
selbe durch ein Brand-Attentat attackiert, wobei das Altarbild beschädigt worden ist. Es
konnte jedoch wieder restauriert werden, ist seither aber durch ein Eisengitter ge-
schützt. So dürfen wir nur hoffen, daß die neue Fieberkapelle künftig vor derartigen
krankhaften >Fieber-Anfällen« bewahrt bleibe.
250 Amraser Bote Jg. 10, 1974, Nr.2, S. 11; ebenda Nr.4, S. 7. Vgl. dazu auch (F.H. Hye), Die Fieberkapelle-
Wahrzeichen einer historischen Kulturlandschaft. In: Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck Jg. 38,
1975, S. 7f. Vgl. auch das eben zitierte Familienbuch«, S. 191.
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Die ehemalige St. Georgskirche am Bichlweg im Oberdorf und der
St. Georgs-Altar Kaiser Maximilians I. aus dieser Kirche251
Im Anschluß an die Wegkapellen von einst wollen wir uns abschließend der ehemali-
gen Amraser St. Georgskirche zuwenden. Diese Kirche war eine Stiftung Erzherzog Sig-
mund des Münzreichen, der Amras in den Jahren 1489 und 1491 auch andere Spenden
zukommen ließ. Das genaue Jahr der Stiftung ist unbekannt, doch ist anzunehmen, daß
Sigmund (gest. 1496) die Kirche noch vor seiner Abdankung im Jahre 1490 erbauen ließ.
Wie um viele seiner Bauten kümmerte sich Sigmund auch um diese Kirche, nachdem
sie einmal gebaut war, nicht sonderlich. Dies können wir einem undatierten, jedoch am
12. Jänner 1525 beantworteten Bittschreiben des Ampasser Pfarrers Georg Troner an
Erzherzog Ferdinand I. entnehmen, in welchem - zwar etwas übertrieben - mitgeteilt
wird, daß Sigmund die Kirche »nit (mit) ain ainigen fierer zynns, noch (mit) gülten<< aus-
gestattet habe. In der Tat belief sich die Dotation der Kirche wirklich nur auf einen klei-
nen Zins von 50 kr. und auf 6 fl. aus der Propstei Amras. Die anfangs stärker zufließen-
den Almosen, die diesen Mangel beseitigen halfen, blieben jedoch als »die Lutterisch
Sect unnd Hanndlung auferstannden« weitgehend aus, so daß die nötige Kirchenbe-
leuchtung beziehungsweise die Abhaltung der dortigen allwöchentlichen Donnerstag-
messe nicht mehr weiter gewährleistet werden konnte und die Kirche im Jahre 1524 mit
19 Pfund Bernern verschuldet war. Diesem Miẞstand zu steuern, gab Erzherzog Ferdi-
nand dem damaligen Pfleger und Propst zu Ambras, Wilhelm Schurf, entsprechende
Anweisung und spendete darüber hinaus der Kirche auch einen Kelch, welcher im Kir-
cheninventar von 1696 folgendermaßen beschrieben wird: »ain silberner, ganz vergul-
deter Kelch, auf dem Fuess die Bildtnus des heiligen Ritter sanct Geörg und das öster-
reichische Wappen, sambt der Paten.<< Dieser Kelch war jedoch nicht die erste Spende
des Erzherzogs; schon in den Jahren 1523/24 finden wir den Innsbrucker Hofmaler
Ulrich Tiefenbrunn damit beschäftigt, im Auftrag Ferdinands für diese St. Georgskirche
zu Amras eine >sand Jörgen Tafel« zu malen.
Über die weitere Geschichte der Kirche wissen wir nur, daß sie sich allmählich bei den
Amraser Bauern großer Beliebtheit erfreut hat, da in ihr außer dem hl. Georg am Hoch-
altar >auch die zwey heillige Johan et Paul, als Patronnu vor die Hochgewüter, ansonsten
so benamste Wetterherren mitlst zweier Altären« verehrt worden sind.
Die sonstige Ausstattung der Kirche, außer den genannten drei Altären, war wohl nicht
sehr bedeutend und bestand im wesentlichen aus einigen Heiligenbildern (darunter
251 Die folgenden Ausführungen erschienen erstmals als eigener Aufsatz in: Tiroler Heimat Bd. 27/28, Inns-
bruck 1965, S. 53-63. Dort sind auch die Belege bzw. Quellen zu den einzelnen Angaben angeführt. Inter-
essenten seien hier darauf verwiesen. Auf einen Wiederabdruck auch dieses Quellen-Apparates wurde
aus Kostengründen verzichtet.
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Abb. 167: Die ehemalige barocke Anderle-Kapelle am alten Paschbergweg.
Foto: Margarete Hye-Weinhart, um 1960
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jenes von 1523/24), bescheidenem Altarschmuck und aus einigen Kirchenbänken. In
dem südseitigen spitzen Kirchturm hingen zwei Glocken, welche im Jahr 1723 umgegos-
sen worden sind und hernach zusammen 5 Zentner und 82 Pfund gewogen haben. Im
Erdgeschoß des Turmes befand sich die Sakristei, die ihrerseits vom Kirchenschiff
durch eine Eisentür getrennt war. Die Kirche selbst war einschiffig und wurde im Osten
durch eine einfache, runde Apsis abgeschlossen. Die südliche Längswand wurde knapp
vor ihrem Übergang zur Apsis durch den etwas in den Kirchenraum einspringenden
Turm unterbrochen. Die Gesamtlänge der Kirche betrug etwa 20 Meter, ihre Breite
etwa 10 Meter.
Östlich der Kirche floß und fließt noch heute ein kleines Bächlein, der Schinterbach.
Und gerade dieses Bächlein sollte der Kirche zum Verhängnis werden. Dieser Wasser-
lauf dürfte es nämlich verursacht haben, daß der schieferige Untergrund der Apsis sich
gesenkt hat bzw. ein wenig abgerutscht ist, worüber der Urbaramtmann von Amras
dem oö. Gubernium am 25. September 1775 Bericht erstattet und gleichzeitig um Be-
hebung des Schadens gebeten hat. Etwa um dieselbe Zeit wurde auch bei der Amraser
Tiergartenmauer (= heutige Schloßparkmauer), von der ein Stück eingefallen war, eine
Reparatur nötig. Wie üblich, prüfte hierauf das Hofbauamt beide Schäden und legte im
März 1776 den Kostenvoranschlag für die nötigen Reparaturen vor, wobei sich jener für
St. Georg auf 216 fl. 24 kr. belief.
Während nun hinsichtlich der Tiergartenmauer die unverzügliche Instandsetzung an-
befohlen worden ist, wurde dem Hofbauamt wegen der St. Georgskirche nur mitgeteilt,
daß >soviel es aber die bey der Georgi Kirchen vorzunehmende Reparation anbelange,
nächstens das Weitere nachfolgen werde.<< Zunächst, so scheint es, war es dem Guber-
nium nur darum zu tun, festzustellen, ob die Kosten - zumindest zum Teil - auf irgend
jemand anderen, einen anderen Stifter, abzuwälzen wären. Erst nachdem die diesbe-
züglichen Nachforschungen der »Milden Stiftungskommission« ergebnislos verlaufen
waren, und erwiesen war, daß die »gänzliche Unterhaltung (der Kirche) dem Cameral-
aerario mit Billigkeit aufgeburdet werden möge«, zeigte sich das wahre, vom »Josephi-
nismus« gezeichnete Gesicht des oö. Guberniums, dem damals als Präsident Gottfried
Graf Heister vorgestanden ist.
Die unter Kaiser Josef II. - daher die Bezeichnung »Josephinismus« praktizierte Politik
des Staatskirchentums, welches auch die Kirche in den Dienst des Staates gestellt und
z. B. alle rein beschaulichen Klöster aufgehoben hat, legte bei allen kirchlichen Angele-
genheiten, wie z. B. hier bei der Frage nach der Erhaltung eines Kirchengebäudes allein
das Prinzip der Nützlichkeit und Notwendigkeit an. Was diesem Prinzip nicht ent-
sprach, fiel durch den Rost, so auch die leicht beschädigte St. Georgskirche.
Untätig ließ man daher den Sommer 1776 verstreichen, offenbar hoffend, die Frage der
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Panzing-Kapelle (1937)
Abolf Schuler
Abb. 169: Die ehemalige Panzingkapelle an der Kreuzung der Amraser- und der Grenzstraße mit dem
Südring.
Original-Tuschzeichnung von Adolf Schuler im Stadtarchiv Innsbruck
Kirchenreparatur würde sich durch allmähliche Verschlechterung des Bauzustandes
von selbst lösen, denn um in direkter Form das Schicksal von St. Georg zu besiegeln,
fehlte den Herren des Gubernialrates doch auch wieder der Mut. Umso dankbarer war
man daher, als der damalige Schloßhauptmann von Ambras, der geistesgeschichtlich
bedeutsame Josef Primisser, im August 1776 den Vorschlag überreichte, »daß die kost-
bare Herstellung der landesfürstlichen St. Georgen Kirchen zu Ambras zu unterlassen,
und die darinnen gewöhnliche Gottesdienste nebst dem vorfindigen Kirchenornamen-
tum in die Schloßkapelle zu Ambras übersezet, folgsam andurch die dem Aerario
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Abb. 170: Altarbild »Maria Schnee« aus der Panzing-Kapelle.
Original beim Pizanhof.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 171: Ansicht von Schloß Ambras mit dem ehemaligen Westvorbau und einer nicht mehr bestehenden
Wegkapelle an der Schloßstraße.
Tuschzeichnung von Anton v. Pfaundler, 1806. Original im Tiroler Landesarchiv
jederzeit kostbar fallende Erhaltungsunkösten vermieden werden könnten<. Es ist
bezeichnend genug, daß in fast allen nach diesem Vorschlag in Betreff der St. Georgs-
kirche abgefaßten Schreiben, diese plötzlich als »einsturzgefährdet« und »baufällig<<
bezeichnet worden ist. Unter Berufung auf diese >Baufälligkeit« sandte das Gubernium
dann am 6. Dezember 1776 einen entsprechenden Bericht nach Wien, von wo es schon
am 6. Februar 1777 erwartungsgemäß die erwünschte Antwort bzw. Handlungsvoll-
macht erhielt.
Die dem Kloster Wilten, welches bis dahin die hl. Messen in der Kirche besorgt hatte,
bereits im Herbst 1776 in Aussicht gestellte Erhöhung der Bezahlung hiefür von 27 fl. 15
kr. auf 43 fl. 3 kr., da ja der jeweilige Stiftsgeistliche zur St. Nikolaus-Schloßkapelle einen
weiteren Weg zurücklegen mußte, wurde in der genannten Hofresolution ebenfalls ge-
nehmigt bzw. versucht, dem Kloster dadurch den Mund zu stopfen. Daß letzteres nicht
gelungen ist, beweisen jedoch die tagebuchartigen Aufzeichnungen des Wiltener Kon-
ventualen Adalbert Tschaveller, der u. a. schreibt, daß in der ganzen Angelegenheit >>nit
sovill die vorgeschützte Baufälligkeit, als die Komlichkeit des Graf Praesidenten und
des Schlosshaubtman alles beygetragen«. Die in der Hofresolution angeordnete Mit-
teilung an das Ordinariat in Brixen war nur noch reine Formsache.
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Abb. 172: Gemeinderat Ök.-Rat Karl Klotz bei der Einweihung der neuen Fieberkapelle am 24. November
1974.
Foto: Friedl Murauer
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Beachtenswert jedoch sind insbesondere die der Resolution folgenden Schritte des
oö. Guberniums. Dieses setzte am 1. April den Schloßhauptmann und das Hofbauamt
über dieselbe in Kenntnis und befahl letzterem, darüber zu berichten, welche Unko-
sten der Abbruch der Kirche bereiten bzw. wie man die Baumaterialien wirtschaftlich
verwerten würde können und welcher Nutzen dem Ärar aus dem Abbruch erwachsen
dürfte. Das Bauamt erwiderte hierauf am 22. April, daß die Abtragung der Kirche 250 fl.
kosten, der Erlös aus dem Baumaterial hingegen nur 50 fl. eintragen werde, es erachte
es daher für besser, >>wenn von gedachter Kapell nur der Thurn abgetragen, das übrige
Mauerwerk aber zu einer Bewohnung zugerichtet, und dem Ambrasischen Urbario
grundzinsbar einverleibet würde, welcher Vorschlag vom Gubernium auch gutgehei-
Ben und durchgeführt worden ist.
Eine am 15. Mai vorgelegte Eingabe der Gemeinde Amras mit der Bitte, man möge ihr
die Reparatur und die weitere Erhaltung der Kirche sowie diese selbst überlassen, wur-
de am 20. Mai mit den Worten schroff abgelehnt, »daß es bey disseitiger aus wohler-
wogenen Beweggründen in Sachen getroffener Verfügung zu verbleiben habe<<.
In der Zeit zwischen dem 6. bis 29. Juni wurde die Kirche dann vom Kurat Siard Gstir
entweiht und wurden der gesamte Kirchenschmuck wie auch die Glocken von Primisser
in die St. Nikolaus-Schloßkapelle übertragen. Die Kirchenbänke konnte Primisser ver-
kaufen. Hinsichtlich der eisernen Sakristeitür schließlich kam aus Wien eigens die Wei-
sung, daß diese entweder in einem anderen ärarischen Bau zu verwenden oder aber
>>dem meist Biettenden<< verkauft werden solle. Die Reliquien nahm das Kloster Wilten
bis zu weiterer würdiger Verwendung in seine Verwahrung.
Das >baufällige Kirchengebäude hingegen wurde bereits am 29. Juni 1777 um 150 fl.
Kaufgeld und jährlich in das Urbaramt Amras zahlbare 12 kr. Grundzins an den Amraser
Schneidermeister Jakob Schiner verkauft und war nun bis zum Jahre 1859 im Besitz
seiner Familie. In diesem Jahre ist dieses 82 Jahre vorher so »einsturzgefährdete Ge-
bäude jedoch keineswegs eingestürzt, sondern wurde vom damaligen k. k. Statthalter
Erzherzog Karl Ludwig »zur gehörigen Abschließung des k. k. Schloßparkes in Ambras<<
erworben und in der Folge fast zur Gänze abgerissen.
Abschließend sei nun die erst nach eingehenden Untersuchungen des Verfassers
(1963/64) rekonstruierte, längst in Vergessenheit geratene Lage der Kirche mitgeteilt:
Sie befand sich im Nordwesten der heutigen Schloßparkmauer, wo man heute vom
Bichlweg aus über eine Stiege und ein kleines Tor den Schloßpark betreten kann. Das
hier eigenartig nach Norden vorspringende Eck dieser Mauer, die vor und nach diesem
auffälligen Eck von Südwesten nach Nordosten in gerader Linie talwärts zieht, sowie das
aufgeschüttete Plateau innerhalb dieser Mauerecke sind Reste des alten Kirchenfun-
daments. Der bedeutendste Rest dieser Kirche ist aber jener kleine dort befindliche
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Abb. 173: Maria Immaculata von A. Kirchebner (1864) - Altarbild aus der alten in der neuen Fieberkapelle.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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KKKKK
Abb. 174: Das hl. Kreuz-Kirchlein von 1656 in Egerdach.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
Aussichtspavillon: Er ist der letzte Rest des einstigen Kirchturms und birgt noch heute
in sich den unversehrt gebliebenen Raum der alten Sakristei. Dies alles läßt sich klar
aus einem Vergleich zwischen der älteren und der neueren Katastermappe feststellen.
Da die Familie Schiner das Kirchengebäude in seinem Grundriß unverändert belieẞ, ist
uns nämlich durch die ältere Katastermappe von 1856, Bp. 77, der Grundriß der einsti-
gen St. Georgskirche geometrisch genau überliefert worden.
Volkskundlich interessant ist es schließlich, daß in Anlehnung an den Beruf der Besitzer
(Vater und Sohn) des entweihten Kirchengebäudes die heute dort befindliche Stiege
und Türe die >>Schneiderstiagn« bzw. das >>Schneidertörl«< genannt werden; ja daẞ sogar
jenes Haus (= Bichlweg Nr. 12), welches Georg Schiner, genannt >>Schneiderjörgl«, als
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Schloß Ammens
Abb. 175: Darstellung der beiden Amraser Kirchen, der heutigen Pfarrkirche (Mitte) und der ehemaligen St.
Georgskirche (rechts) auf einer Innsbrucker Stadtansicht vor 1575.
Original im Stadtarchiv Innsbruck
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Ersatz für sein verkauftes Haus am 23. Juni 1860 von Johann Eller erworben hat, schon
nach so kurzer Zeit die Hofbezeichnung »beim Schneider<< führt. Leider mußte dieses
Haus der Autobahn weichen.
Der St. Georgs-Altar auf Schloß Ambras -
ein heraldisch-politisches Denkmal Kaiser Maximilians I.
Das wertvollste Stück, welches Josef Primisser im Juni 1777 aus der entweihten St.
Georgskirche in die St. Nikolaus-Schloßkapelle übertrug, war ohne Zweifel der heute
im Hochschloß aufgestellte St. Georgs-Altar. Primisser selbst berichtet über die Über-
nahme dieses Stückes: >>Unterdessen hab' ich bis auf weitere hohe Verfügung die Bild-
niẞ des heiligen (Georg) nebst den ganzen Altar, worinn es vorher gestanden hatte, in
der (Schloß-) Kapelle an einem bequemen Orte auf einen Tisch setzen und so anstän-
dig, als es möglich war, auszieren lassen«. Daß der Altar aus der ehemaligen St. Georgs-
kirche stammt, war auch den beiden Wiener Kustoden Albert Ilg und Wendelin Böheim
bekannt, die sich als erste und auf lange Zeit einzige in ihrer Beschreibung der Samm-
lungen von Ambras (1882) mit diesem Altar befaßten.
Der Altar-schon deshalb einzigartig - besteht aus einem nach vorne und hinten völlig
offenen, in seinem Grundriß ovalen Schrein, der vorne und hinten mit je zwei entspre-
chend gewölbten Türen geschlossen werden kann. Bei geöffneten Türen mißt der Altar
223 cm in der Breite, die Höhe beträgt mit der Predella 162 cm. Die im Schrein stehen-
de, vollplastisch geschnitzte Reiterfigur des hl. Georg ist 110 cm hoch. Die Reiterfigur
wird links und rechts von Felspartien umrahmt, auf welchen sich burgartige Gebäude
befinden. Auf dem linken Felsenvorsprung kniet bei einem weißen Lamm die bis dahin
vom Drachen bedrohte Prinzessin; von den Zinnen der Burg auf der rechten Felsnase
blicken die gerettete Prinzessin und ihr Retter Georg herab. Den oberen Abschluß des
Schreins bilden sieben an einem gewölbten Balken vorne angebrachte Wappen, die
den Balken mit ihren unteren Schildhälften überragen. Von links nach rechts sind es
die Wappen folgender Länder: Österreich, Ungarn, Portugal, der schwarze kaiserliche
Doppeladler in goldenem Schild, belegt mit einem kleinen gespaltenen Brustschild
mit dem Wappen von Österreich und Burgund, sowie rechts davon die Wappen von
England, Böhmen und Neapel.
Die vier Flügeltüren sind mit Heiligenfiguren bemalt, und zwar: Vorderflügel, innen,
links: hl. Achatius; innen, rechts: hl. Sebastian. Bezüglich dieser beiden Figuren möchte
ich die Vermutung äußern, daß es sich hiebei höchstwahrscheinlich um Porträts Ferdi-
nands I. (man beachte u. a. die blonden Haare!) und Karls V. handelt. Vorderflügel,
außen, links: hl. Katharina; außen, rechts: hl. Barbara. Hinterflügel, innen, links: hl. Got-
tesmutter mit Kind auf Mondsichel; innen, rechts: hl. Ursula. Hinterflügel, außen, links:
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Abb. 176: Ausschnitt aus der Amraser Katastermappe von 1856 mit dem Grundriß der ehemaligen St.
Georgskirche (Bp. 77). Östlich hinter der Kirchenapsis erkennt man das Schinterbachl.
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Abb. 177: Die ehemalige St. Georgskirche - heute Schneidertörl und Aussichtspavillon.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
hl. Florian; außen, rechts: hl. Christophorus. Die Predella zeigt vorne den kreuztra-
genden Christus, hinten zwei Engel, die ursprünglich das Schweißtuch der Veronika
hielten.
Was schließlich die Entstehungsweise dieses offenen Umgangsaltares anbelangt, so
konnte er vom Verfasser als Stiftung Kaiser Maximilians I. nachgewiesen und in die Zeit
um 1508/15 datiert werden. Zusammenfassend darf dazu schließlich festgestellt wer-
den, daß die Tatsache, daß Maximilian diesen einzigartigen Altar in die kleine Amraser
St. Georgskirche gestiftet hat, erkennen läßt, welche Wertschätzung dieser noch heute
populäre Kaiser unserem Dorfe und diesem ehemaligen Kirchlein zukommen ließ.
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KORPORATIONEN UND VEREINE VON AMRAS
Die Schützenkompanie Amras
Kurzchronik von Werner Erhart
Wie bereits oben (vgl. das Kapitel Propsteigericht und Schützenwesen) dargelegt,
war Amras Standort einer eigenen Gerichtsverwaltung und hatte daher im Sinne des Ti-
roler Landlibells von 1511 für die Landesverteidigung ein eigenes Kontingent zu stellen.
In der reformierten bzw. erneuerten Wehrverfassung des Landes von 1605 wird erst-
mals auch konkret die Zahl der Schützen genannt, die das Gericht Amras (= Amras, Al-
drans und Ellbögen) zu stellen hatte. Auf dieser Grundlage haben sich die Amraser
auch an den Freiheitskämpfen des Jahres 1809 beteiligt.
Die rund 100 Amraser unter ihrem mutigen Hauptmann Ignaz Fuchs waren 1809 einge-
setzt: am 29. Mai bei der Volderer Brücke, vom 22. Juni bis 8. Juli in der Gegend von
Vomp, am 13. August auf den Höhen von Amras und am 1. November in der Gegend
Paschberg-Rinn - Judenstein. Angeblich sollen die Amraser auch bei Kämpfen in der
Scharnitz beteiligt gewesen sein.
Die nächste Nachricht über die Amraser Schützenkompanie datiert aus dem Jahre
1838: Beim Festzug, der aus Anlaß der Erbhuldigung Tirols vor Kaiser Ferdinand dem
Gütigen von Österreich am 12. August 1838 abgehalten worden ist, marschierte auch
die »Schützenkompagnie von Ambras« unter dem Kommando von Hauptmann Franz
Fuchs und weiteren drei Offizieren, 13 Unteroffizieren, 25 Musikanten (mit dem Kapell-
meister) und 125 Mann am Kaiser vorbei (vgl. »Denkbuch der Erbhuldigung in Tirol
1838, Innsbruck 1839, Beilage Nr. 3/16).
1840 wurde in der Fraktion Pradl der Gemeinde Amras eine eigene Schützenkompanie
gegründet.
1848 versah die Kompanie Amras mit anderen Kompanien in Innsbruck die Ehrenwa-
che vor der Hofburg zum Schutz der aus Wien geflüchteten kaiserlichen Familie und
Kaiser Ferdinands des Gütigen.
1852 wurde im Beisein von General von Roßbach - Fahnenpatin Gräfin Maria von
Trapp eine Schützenfahne geweiht, die bis 1893 ihren Dienst tat (vgl. unten).
Im Kriegsjahr 1859 beteiligten sich mehrere Mitglieder der Schützenkompanie Amras
an den landschaftlichen freiwilligen Scharfschützenformationen.
Von 1885 bis 1914 war Andrä Kirchmayr Hauptmann, der 1907 für seine Verdienste als
Gemeindevorsteher, Schützenhauptmann und Feuerwehrkommandant zum Ehren-
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22d-de
Be Innsbruck
Abb. 179: Älteste Ansicht der Amraser Tracht im Hintergrund die Untere Mühle.
Lithographie nach einer Zeichnung von P.P. Kirchebner von ca. 1840. Original im Stadtarchiv Innsbruck
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um den Süden unseres Landes zu verteidigen. Viele gaben für Gott, Kaiser und Vater-
land ihr Leben.
Von 1919-1920 waren Ludwig Nagiller, von 1920-1924 Anton Hölzl Hauptleute der
Kompanie. Beide hochdekorierten Unteroffiziere des 1. Weltkrieges starben frühzeitig
durch ihre erlittenen Verwundungen. 1925-1946 war Ludwig Steixner bewährter
Hauptmann. In den 30-er Jahren war die Kompanie Amras öfter für Repräsentationsauf-
gaben wie den Empfang von Bundespräsident Dr. Miklas, von Erzherzog Eugen und
Bundeskanzler Dr. Schuschnigg (März 1938) eingesetzt.
1929 erhielt die Kompanie ihre heutige, alten Vorbildern nachempfundene Volkstracht.
1946 wurde Andrä Mayr zum Hauptmann gewählt, der dieses Amt bis 1962 innehatte.
1962-1970 war Hermann Wanker Hauptmann. In seiner Ära wurden Landeshaupt-
mann Ök. Rat Eduard Wallnöfer (1966) und der spätere Landeskommandant der Tiroler
Schützen Hofrat Dr. Walter Zebisch zu Ehrenhauptmännern sowie der spätere Land-
tagspräsident Dir. Josef Thoman zum Ehrenoberleutnant ernannt.
Seit 1970 ist Josef Haidegger Hauptmann, der heute eine Kompanie führt, die vom
Schützengeist im besten Sinne erfüllt ist. Seit 1960 ist Leutnant Hans Lener bewährter
Obmann.
Seit rund 20 Jahren wird die Kompanie Amras immer wieder zu Repräsentationsaufga-
ben herangezogen, eine ehrenvolle Aufgabe, der sie sich gerne stellt. Ein Höhepunkt
war sicherlich die Übergabe des Schützenheimes in der Volksschule Amras (es wird ge-
meinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr benützt) und des Schießstandes ebendort
durch die Stadtgemeinde.
Im Anschluß an diese Chronik der Kompanie seien auch noch
kurz gewürdigt.
die Fahnen der Kompanie
Die älteste erhaltene Amraser Schützenfahne stammt aus dem Jahre 1855. Am 25. 11.
1855 >um 8 Uhr früh erfolgte die Weihe der neuen Schützenfahne der Amraser Schüt-
zenkompagnie durch den Abt von Wilten Johannes Freninger beim Gottesdienst in der
Kuratiekirche Amras. Die Schützenkompagnie Amras gab die Salven ab. Fahnenpatin
war die Gemahlin des Innsbrucker Handelsmannes Baader.<<
Hauptmann war damals Ignaz Happ. Die oben erwähnte Fahne besteht heute noch
und wird zuweilen mitgetragen; sie müßte allerdings renoviert werden. Auf der Vorder-
seite der Fahne befindet sich ein ovales Blatt, Öl auf Leinen gemalt, mit einer schönen
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Abb. 180: Die Amraser Schützen in der Tracht, die sie seit 1929 wieder tragen, sowie mit beiden Fahnen
unter Hauptmann Ludwig Steixner vulgo Schöberler vor seinem Haus, um 1935.
Foto: Hugo Jäckel
Darstellung der Amraser Gnadenmuttergottes mit dem Kind und zwei Engeln als Man-
telträger. Inschrift: »IPSA CONSTERNET CAPUT TUUM, 1855«. Rückseite der Fahne:
Ovales Blatt, Öl auf Leinen gemalt, Tiroler Adler. Inschrift: »DER SCHÜTZENCOMPAG-
NIE VON AMRAS GEWIDMET<<.
1893 erhielt die Schützenkompanie Amras ihre heutige Fahne. Hauptmann war da-
mals Andrä Kirchmayr (Hauptmann von 1885-1914), der auch Gemeindevorsteher und
Feuerwehrkommandant war und auf Grund seiner Verdienste 1907 zum Ehrenbürger
ernannt wurde. Unter seiner Hauptmannschaft erhielt die Schützenkompanie 1909
eine neue grau-grüne Montur, dieselbe, mit der heute noch zuweilen die Musikkapelle
ausrückt.
Zum 8. 12. 1926 berichtet der Chronist: >>Bei einer Vollversammlung wurde die Schüt-
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Chronik der Musikkapelle Amras (bis 1955)
Von Ehrenmitglied Josef Fesele (gest. 1978)
Die Aufgeschlossenheit eines Mannes von Alt-Amras ermöglichte es, daß von der
Musikkapelle Amras eine Chronik überhaupt besteht. Es ist dies Carl Zimmermann,
Schulerbauer in Amras (geboren am 23. 10. 1862, gestorben am 26. 2. 1950 in Amras). Er
war ein sehr vielseitiger, aufgeschlossener Mann, der nicht nur als Bürgermeister der
Gemeinde Amras, sondern auch als Kapellmeister, Musiker, Organisator und Chronist
sich unschätzbare Verdienste um die Gemeindebürger von Amras und insbesondere
um die Musikkapelle erworben hat.
Die Musikkapelle Amras ist älter als füglich angenommen wird. Auf Grund der Aufzeich-
nungen von Carl Zimmermann d. Ä., wie er von uns genannt sein soll, nachdem zwei wei-
tere direkte Nachkommen unseres Chronisten mit gleichem Vornamen in der Musik
Bedeutung erlangt haben, und zwar Karl Zimmermann sen., geboren am 7. Jänner 1902,
Ehrenringträger der Musik, zuletzt bis zur Kathreinfeier im Jahre 1964 als Tambourma-
jor aktiv tätig, und sein Sohn Karl, geboren am 6. April 1934, bei der Musik derzeit als
Flügelhornist aktiv tätig. Nach mündlicher Überlieferung der alten Amraser dürfte die
Gründung der Musikkapelle mit größter Wahrscheinlichkeit bereits um das Jahr 1830
vollzogen worden sein. Leider sind darüber keine Urkunden oder sonstige schriftliche
Beweise mehr zu finden und wahrscheinlich auch nie vorhanden gewesen, was ver-
ständlich erscheint, war das »Schreiben« doch nie die Stärke der ländlichen Bevölke-
rung. Dazu erkannte man die Bedeutung nicht, welche solche Aufzeichnungen für die
Nachwelt haben. Die praktische Mitarbeit bei der Musik war damals und auch später
viel ausschlaggebender, als Aufschreibungen über die Tätigkeit der Musikkapelle zu
machen.
Die wahrscheinlich erste Gründung der Musikkapelle Amras um das Jahr 1830 ist je-
doch durch mündliche Überlieferung bestätigt. Der damalige Gemeinderat und Ehren-
bürger von Amras, Andrä Kirchmayr (geboren am 28. 11. 1861, gestorben am 14. 4. 1925)
hat nämlich anläßlich der 35. Wiederkehr des Jahres der Neugründung (1877) bei der
Gründungsfeier am 9. Juni 1912 in seiner Festansprache hervorgehoben, »daß das heu-
tige Gründungsfest wohl einen viel älteren Namen verdiente, da nachweislich schon im
Jahre 1835 sein Großvater Andrä Schaffenrath (gest. 22. 7. 1835) als langjähriger Kapell-
meister in Amras gestorben ist. Es muß also schon lange vorher eine Musikkapelle be-
standen haben, welche sich erst im Jahre 1874 nach dem Tode des damaligen Kapell-
meisters Josef Stecher (gestorben am 18. Juni 1873, 33 Jahre alt) aufgelöst hat und sich
erst im Jahre 1877 wieder neu konstituierte.<<
Eine weitere Bestätigung dieser Gründungszeit um 1830 findet sich in jener Tabelle,
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Abb. 182: Die Amraser Musikkapelle in der Zillertaler Tracht unter Kapellmeister Carl Zimmermann vor dem
Kapeller.
Foto: Richard Müller, 1902
welche in dem von amtswegen herausgegebenen »Denkbuch der Erbhuldigung in Tirol
1838 (Innsbruck 1839) über die damals aufmarschierten Schützenabteilungen enthal-
ten ist. Es heißt da in Beilage 3, Nr. 16: »Schützenkompagnie von Amras, Hauptmann
Franz Fuchs und 4 Offiziere, 13 Unteroffiziere, 125 Gemeine, 24 Musikanten nebst Ka-
pellmeister, zusammen 166 Mann.<<
Da es also im Jahre 1839 in Amras schon eine so stattliche Musikkapelle mit 24 Mitglie-
dern gab, so kann man mit großer Sicherheit annehmen, daß der Hinweis von Andrä
Kirchmayr, die Gründung der Musikkapelle Amras müsse um das Jahr 1830 herum lie-
gen, seine Richtigkeit hat.
Bis zum Jahre 1923 bestand die Uniform der Musik lediglich aus einem Lodenjanker
und einem Zillertaler Hut. Die restlichen Uniformstücke, wie die lange dunkle Hose
manchmal auch Kniehose - Brustlatz, Ranzen, Schuhe und Hemd, wurden der Fanta-
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sie des Musikers überlassen, weshalb sich nach der Schilderung des Chronisten oft-
mals ein recht »sonderbares Bild<< ergab.
Von den Kapellmeistern der ersten Jahrzehnte sind uns keine Namen überliefert. Erst
von den Jahren 1860 bis 1874 weiß man die Namen der Kapellmeister, die der damalige
Chronist, eben unser Carl Zimmermann d. Ä., selbst noch kannte. Es waren dies:
Baldauf Johann vulgo Jager, gestorben am 20. Juli 1871 im 74. Lebensjahr;
Speckbacher Anton vulgo Holer Tondl, Lehrer in Amras, gestorben 1912;
Stecher Josef, Stecherbauer in Amras, gestorben am 18. Juni 1873, 33 Jahre alt.
Im Jahre 1874 stellte die Musikkapelle, wahrscheinlich weil ein Kapellmeister nicht zu
finden war, nachdem Josef Stecher 1873 verstorben war, ihre Tätigkeit ein und löste sich
auf. Doch nur drei Jahre war Amras ohne Musik. Bereits im Jahre 1877 kam es zur Neu-
gründung. Von dieser Zeit an sind uns genauere Aufzeichnungen erhalten, die wir ins-
besondere dem damaligen Chronisten und Gründungsmitglied, Carl Zimmermann d.
Ä. verdanken.
Die Neugründung im Jahre 1877 erfolgte unter recht günstigen Voraussetzungen. In die-
ser Zeit lebte in Amras ein gewisser Franz Sokopf vulgo Ötztaler Franz, Besitzer des
Seehofes in Amras. Er war ein munterer Wirt, sangesfroh und musikliebend, der die
>>musiklose Zeit« nur schwer ertragen konnte. Er faßte daher den Plan, wieder eine
Blasmusik ins Leben zu rufen. Dieser Gedanke verbreitete sich schnell im Dorf und
fand allgemeine Zustimmung. Alle Männer und Burschen, die Interesse für die Musik
hatten, wurden am 13. Feber 1877 zu einer Besprechung eingeladen, die als konstituie-
rende Versammlung galt und bei der einstimmig beschlossen wurde, in Amras wieder
eine Musik zu gründen. Der eigentliche Gründer, Franz Sokopf, wurde zum ersten
Obmann gewählt. Mit größtem Eifer machte er sich an die Ausführung seines Planes,
wobei er weder Zeit noch Auslagen scheute.
Als Kapellmeister wurde Josef Thöni vulgo Fließer (weil er in Fließ zuständig war), be-
stellt, der dieses Amt bis 1881 versah. Bei der Gründungsversammlung wurden gleich
schon die wenigen Instrumente, die von der alten Musik noch vorhanden waren, an die
geeigneten Mitglieder verteilt. Die fehlenden Instrumente wurden teils neu, teils ge-
braucht angekauft. Aus diesem Ankauf erwuchs eine Auslage von 500 Gulden. Franz So-
kopf deckte diesen Aufwand aus eigenen Mitteln und machte die Instrumente der Mu-
sik zum Geschenk.
Bei allen Mitgliedern war nicht nur die Freude, sondern auch der Eifer groß und bestän-
dig. Wenn man damals am Abend durch das Dorf ging, so hörte man von allen Seiten
blasen. Hätte man näher Nachschau gehalten, so würde man gefunden haben, daß die
angehenden Musikanten in allen möglichen Lokalen ihre Übungen machten. Der eine
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blies in der Stube, der andere übte am Dachboden, ein dritter flüchtete sich sogar in
den Keller, um dort seinem Instrument mehr oder weniger reine Töne zu entlocken.
Jede Woche wurden 3 Proben gehalten, und zwar in einem Raume des damaligen
Schulhauses. Heute ist dieses Haus im Besitze des Fleischhauermeisters Sebastian
Hölzl, Geyrstraße 76. Es befand sich zur damaligen Zeit in einem desolaten Zustand.
Erst ein umfassender und kostspieliger Umbau machte das Haus zu dem, was es heute
ist.
Bereits drei Wochen nach der Gründung war ein kleines Musikstück - allerdings nur 8
Takte lang eingelernt. Die Anbringung eines Kaiserbildes im Schulhaus bot der Mu-
sik Gelegenheit, ihre bisherige einzige Programmnummer wiederholt zum Vortrag zu
bringen. Der Lohn blieb, wie der Chronist schreibt, nicht aus. Der Gründer, Franz So-
kopf, erfreut über den Eifer und den Fortschritt der Kapelle - spendierte den Musi-
kanten ein Faẞ Bier.
Kurz danach, am 19. März 1877, war der Namenstag des damaligen Gemeindevorste-
hers Josef Kirchmayr. Aus diesem Anlaß rückte die Musik das erstemal öffentlich aus
und brachte ihrem verdienten Gemeindeoberhaupt ein Ständchen. Die Leistung be-
stand diesmal schon aus zwei Märschen und der Volkshymne. Der Vorsteher war über
diese Ehrung sehr erfreut und schenkte der Musik ein Faẞ Bier, das bei gemütlicher Un-
terhaltung im Probelokal getrunken wurde.
Es nahte der Fronleichnamstag. Um an der Prozession teilnehmen zu können, mußte
das Blasen während des Marschierens gelernt werden. Zu diesem Zwecke wurden drei
Übungsmärsche abgehalten, und zwar einer nach Egerdach, der zweite in Tantegert
und der dritte in der Vorau. Das Programm war inzwischen schon auf fünf Märsche und
die Volkshymne angewachsen.
Eine große Freude für die Musikanten und die ganze Gemeinde war es, als der Bruder
des Gründers, Matthias Sokopf, Besitzer beim Ötztaler, sich bereit erklärte, für den
Großteil der Mitglieder graue Röcke und ebensolche Hüte anzuschaffen. Nur für einige
jüngere Musikanten, die noch im Wachsen waren, mußten die Eltern selbst die Uni-
formstücke besorgen. Man kann sich den Stolz und die Freude aller vorstellen, als
die Musik zur Fronleichnamsprozession zum erstenmal in einheitlicher Kleidung aus-
rückte.
Vom 27. bis 30. September 1877 war in Innsbruck die Feier der Enthüllung des Rudolfs-
brunnens am Margarethenplatz, jetzt Bozner Platz. Zu diesem Anlaß rückte die Amra-
ser Musik das erstemal auswärts aus. Diese Ausrückung wird auch in der damaligen Ta-
geszeitung, im »Boten für Tirol und Vorarlberg<« vom 1. Oktober 1877, Nr. 224, 63. Jahr-
gang, erwähnt und die Teilnahme der Musikkapelle Amras neben den Schützen von
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Amras und Pradl besonders erwähnt. Insgesamt haben an dieser Feier 49 Schützenzü-
ge mit Fahnen und 23 Musikbanden teilgenommen.
Die Mitgliederzahl der Kapelle wuchs ständig an, so daß im Sommer 1878 die Musik be-
reits 46 Mann stark an den Prozessionen teilnehmen konnte. Tüchtige Kapellmeister
und der große Eifer der Mitglieder brachte die Leistungen auf eine immer höhere Stufe,
so daß die Musik nicht nur in der Gemeinde, sondern auch außerhalb derselben Kon-
zerte geben konnte.
Die Gemeinde zahlte damals auf jährliches Ansuchen hin für den Kapellmeister 50 Gul-
den, ferner für das Ausrücken bei den Prozessionen zweimal in Amras und zweimal in
Pradl je 25 Gulden, das waren zusammen 150 Gulden. Für die weiteren Auslagen
Mehrleistung an den Kapellmeister, der für jede Probe 2 Gulden erhielt, Noten, Instru-
mente u. dgl. - mußte die Kapelle selbst aufkommen.
-
Bei der Neugründung im Jahre 1877 hatte die Musikkapelle 34 Mitglieder, die sich auf
folgende Instrumente verteilten:
Kapellmeister:
Klarinetten:
1 Josef Thöni;
9 Johann Neuner, Andrä Unterweger, Sebastian Pögler, Nikolaus
Gapp, Johann Schieferer, Josef Mayr (Greteler), Josef Kratzer,
Andrä Kratzer, Ingenuin Mayr;
Flügelhörner:
3
Pankraz Pock, Anton Kratzer, Heinrich Laichner;
Euphonium:
2
Ferdinand Happ, Josef Klotz;
Hörner:
2
Franz Mader, Josef Sokopf;
Trompeten:
5
Franz Sokopf (Gründer), Johann Mayr, Ferdinand Mayr, Carl
Zimmermann (Schuler), Josef Laichner;
Bombardin:
3
Ignaz Nagiller, Alois Kratzer, Andrä Zimmermann;
Bässe:
6
Kaspar Fuchs, Franz Pichler, Franz Speckbacher, Johann Fuchs,
Franz Resch, Johann Silgener;
Große Trommel:
1
Michael Bacher;
Tschinellen:
1
Jakob Neuner;
Kleine Trommel: I
Franz Nagiller.
Von diesen 34 Mitgliedern wirkten 12 bereits bei der früher bestandenen Musikkapelle
mit. Es sind dies:
Andrä Unterweger, Johann Neuner, Franz Mader, Sebastian Pögler, Nikolaus Gapp,
Pankraz Pock, Johann Mayr, Kaspar Fuchs, Franz Speckbacher, Michael Bacher, Jakob
Neuner und Franz Nagiller.
Nach ihrem ersten Kapellmeister, Josef Thöni, der bis 1881 als solcher wirkte und im Fe-
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ber 1912 im damaligen Stadtspital zu Innsbruck gestorben ist, übernahm Feldwebel
Januth vom Regiment Moroićić das Amt des Kapellmeisters bis 1882. Von ihm weiß
man, daß er unter Militärkapellmeister Karl Komzak diente und eine besonders gründ-
liche Ausbildung als Musiker genossen hat.
Nach Feldwebel Januth übernahm 1882 Johann Wallisch, Hausmeister und Chormusi-
ker in Innsbruck, die Musikkapelle und leitete sie bis zum Jahre 1886. Ihm folgte der
sehr begabte Pfarrorganist aus Schwaz, Johann Koller, der bis 1888 wirkte.
Feldwebel Pistl, ebenfalls - wie Januth - vom 7. Infanterieregiment (Württemberg) war
bis 1889 Kapellmeister. Er galt als sehr streng und hatte ein schneidiges Auftreten. Die
weiteren Jahre wirkte Carl Zimmermann, Schulerbauer, bis 1895 als Kapellmeister. Aber
nicht nur als solcher, sondern auch als Führer der Musik im allgemeinen.
Durch kurze Zeit- und zwar von 1895 bis 1897-wurde er von Alois Hundegger, Pächter
des Seehofes in Amras, abgelöst. Von 1897 bis 1910 wirkte wieder Carl Zimmermann als
Kapellmeister, bis ihn im gleichen Jahr der Schulleiter und spätere Schuldirektor Ernst
Hosp ablöste. Dafür übernahm Carl Zimmermann wieder mehr die administrative Lei-
tung der Musik und leistete Vorarbeiten für das 35. Gründungsfest (Neugründung), das
am 9. Juni 1912 in großem Rahmen durchgeführt wurde. Einem aus dieser Zeit erhalten
gebliebenen Zeitungsausschnitt können wir folgende Ausführungen entnehmen:
>>Die Musikkapelle Amras hielt am 9. Juni ihr 35-jähriges Gründungsfest ab. Bei herrli-
chem Wetter begann die Feier mit musikalischer Tagreveille um 5 Uhr früh; um 8 Uhr
marschierte die Kapelle zur Kirche, wo ein feierlicher Gottesdienst stattfand, während
dessen Haydns >Deutsche Messe sehr gut gespielt wurde. Hernach nahm die Musik
vor der Kirche Aufstellung und zog in den prächtigen Garten Zum Kapeller<, wo ein
Frühschoppenkonzert stattfand, das viele Freunde der Musik vereinigte; während des-
selben wurde der Wohltätigkeitsmarkt eröffnet, welcher nützliche und heitere Sachen
bot, die guten Absatz fanden. Um 3/4 12 Uhr marschierte die Kapelle in das Gasthaus
>Geyr<, wo das Mittagsmahl stattfand, welches Küche und Keller der Frau Geyr alle Ehre
machte. Während des Mittagessens hatten sich mehrere Mitglieder der Gemeindever-
tretung eingefunden, welche auf das herzlichste begrüßt wurden.
Es wurden dabei mehrere Ansprachen gehalten; Gemeinderat Kirchmayr hob hervor,
daß das heutige Gründungsfest wohl einen viel älteren Namen verdiente, da nachweis-
lich schon im Jahre 1835 sein Großvater als langjähriger Kapellmeister in Amras gestor-
ben ist, es muß also schon lange vorher eine Musikkapelle bestanden haben, welche
sich erst im Jahre 1873 nach dem Tode des damaligen Kapellmeisters Josef Stecher auf-
gelöst hat und sich erst im Jahre 1877 wieder neu konstituierte; wenn man somit diese
dreijährige Unterbrechung nicht in Rechnung zieht, wäre ein nahezu hundertjähriger
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Bestand der Musikkapelle in Amras nachzuweisen. Herr Gemeindevorsteher und
Gründungsmitglied der Musikkapelle, Carl Zimmermann, hielt dann einen interessan-
ten Vortrag über die Geschichte der Musik seit ihrer Neugründung, gedachte in dank-
barer Anerkennung der Gründungswohltäter und widmete auch den seit der Gründung
verstorbenen Mitgliedern einen warmen Nachruf. Hierauf richtete Herr Schulleiter und
Kapellmeister Ernest Hosp eine Ansprache an den Herrn Gemeindevorsteher, welcher
als einziges Gründungsmitglied seit der Gründung ununterbrochen der Musik ange-
hört und deren langjähriger Kapellmeister war; Herr Zimmermann verdiene, als Muster
eines Musikanten genannt zu werden, da er für die Musik weder Mühe noch Opfer
scheut und allen Kameraden stets ein leuchtendes Beispiel sei. Herr Hosp schloß sei-
ne Ausführungen mit einem dreifachen Hoch auf den Herrn Zimmermann.
Um halb 3 Uhr wurde wieder zum >Kapeller< marschiert, in dessen Garten das Festkon-
zert von der Wiltauer Musikkapelle in lobenswerter Weise ausgeführt wurde. Der geräu-
mige Garten erwies sich als viel zu klein und es war der Besuch ein unerwartet großer.
Der Absatz des Wohltätigkeitsmarktes war ein sehr reger, die frischen Bauernmadlen
haben es verstanden, die Festteilnehmer in ausgiebiger Weise mit Festzeichen zu de-
korieren. Die Musikkapelle in Amras kann mit Befriedigung auf ihr Gründungsfest zu-
rückblicken. Möge dies wieder ein Ansporn sein, mit Eifer die Musik zu pflegen, Alther-
gebrachtes zu erhalten und mit vereinten Kräften vorwärts zu streben.<<
Das glanzvolle Fest zur Feier der 35. Wiederkehr des Tages der Neugründung im Jahre
1877 war kaum vorüber, da schritt man im Herbst 1912 bei der Musikkapelle Amras
schon wieder zu neuen Taten. Ein in der Praxis gut versierter Musiker drängte sich auf
Grund seiner Leistungen in den Vordergrund und war dazu befähigt, die neue Ära ein-
zuleiten und durch Jahre für den Ablauf der Geschehnisse maßgeblich mitbestimmend
zu sein. Es war Pankraz Kees.
Pankraz Kees wurde am 26. Dezember 1889 im Hause Amras Nr. 27, damals »Wanzen-
burg genannt, geboren, besuchte die Volksschule in Amras und betätigte sich haupt-
beruflich als Landwirt. Schon als Kind wurde er im Elternhaus zur musikalischen Tätig-
keit angeregt und angehalten. Sein Onkel, Johann Mössl, ein bekannter Kirchen- und
Theatersänger, war sein erster Lehrer. Gitarre und Zither waren seine ersten Instru-
mente, die er spielte. Später kam noch der Gesang dazu. In der Musikschule des Inns-
brucker Musikvereines, jetzt Konservatorium, nahm er auch bei Direktor Josef Pembaur
und Blasmusiklehrer Sebastian Goldschalt Unterricht. Er galt als sehr begabter Schüler
und wurde bald in das Innsbrucker Symphonieorchester berufen und auch zu Opern-
aufführungen herangezogen. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges mußte auch Kapellmei-
ster Pankraz Kees zu den Soldaten einrücken und war beim 1. Kaiserschützenregiment
als Musiker tätig. Nach Kriegsende stellte er sich, wie wir aus den späteren Ausführun-
gen noch ersehen werden, wieder voll und ganz der Amraser Musik als Kapellmeister
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zur Verfügung. Wie er selbst sagt, begann er damals sein Werk mit 8-10 Musikern und 20
Schülern. Es stand ihm nur altes, unbrauchbares Notenmaterial zur Verfügung. Die vor-
handenen Instrumente waren ebenfalls fast unbrauchbar.
Von Adolf Zimmermann, einem Sohn des verdienstvollen Neugründers und Chronisten
Carl Zimmermann d.Ä., wissen wir aber z. B., daß anläßlich der Hochzeit des späteren
langjährigen Obmannes Hans Geyr, das Brautpaar bei der Kapelle außerhalb vom An-
wesen Klotz von der Musik empfangen und in das Dorf begleitet wurde. Dabei wurden
abwechslungsweise zwei Märsche gespielt, der Habt-Acht-Marsch und der Castaldo-
Marsch. Das Marschprogramm war also noch sehr bescheiden, aber der Anfang war ge-
macht. Pater Adolf war dabei vertretungsweise als Trommelzieher tätig, weil der ständi-
ge Trommelzieher, Hans Schiener, heute Erbhofbauer in Amras, Bichlweg, als Verwand-
ter des Brautpaares sich den Hochzeitsleuten anschließen mußte.
Nicht nur musikalisch, sondern auch administrativ konnten im Laufe der Zeit Erfolge er-
zielt werden. Karl Zimmermann sen. (geb. am 7. 1. 1902) folgte den Fußstapfen seines
Vaters Carl Zimmermann d. Ä. und verfaßte einfache Protokolle und sonstige Aufzeich-
nungen über das allgemeine Geschehen und über Sitzungen und Generalversammlun-
gen. Aus seinen Aufzeichnungen wissen wir, daß schon am Ende des Jahres 1920 die
musikalische und vereinsmäßige Tätigkeit wieder aufgenommen wurde. Hans Geyr,
Bierwirt und langjähriger Bürgermeister von Amras (geboren am 22. 10. 1884, gestorben
am 4.6. 1957), Ehrenbürger der Gemeinde Amras, war der erste Obmann nach der Wie-
dererrichtung im Jahre 1920, Pankraz Kees, wie schon erwähnt, der erste Kapellmeister.
Als Schriftführer fungierte der damals erst 18 Jahre alte Karl Zimmermann (sen.) und als
Kassier Karl Tollinger. Im Jahre 1921 übernahm am 19. November, auf Grund einer Neu-
wahl, Anton Resch, Brennereibesitzer in Amras (geb. 1886, gest. 31. 12. 1944) die Ob-
mannstelle, während sich in den anderen Funktionen keine Veränderungen ergaben.
Anton Peer (geb. am 23. 5. 1877, gest. am 26. 11. 1941) wurde als Sachverwalter bestellt.
Am 20. Mai 1922 faßte man den Beschluß, im Schloßgarten zu Ambras ein Waldfest zu
veranstalten. In diese Zeit fällt auch die Vorarbeit für die Neu-Uniformierung der Musik
mit der Zillertaler-Tracht. Auch die schon bis dahin in Verwendung gestandenen Füge-
ner-Hüte sollten aufgerichtet werden. In der Chronik heißt es sehr trocken: »Zur Finan-
zierung sollten die Bauern und die Gemeinde herangezogen werden!<<
Bei der am 9. 12. 1922 wieder fällig gewordenen Neuwahl wurde wieder Hans Geyr zum
Obmann gewählt. Erstmalig scheint damals die Wahl des Regimentstambours auf. Hier
heißt es, daß ein Jakob Müller wieder gewählt wurde, also war dieser schon früher als
Tambour tätig.
Obmann Hans Geyr hatte in Mayrhofen und Zell a.Z. Erkundigungen eingeholt über
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den Preis von Zillertaler-Tuxer, die im Durchschnitt pro Stück auf 250.000 bis 300.000
Kronen zu stehen kamen. Der Kassier Karl Tollinger wußte zu berichten, daß in einer
Fabrik im Pustertal der Loden für die Zillertaler-Tuxer billiger zu bekommen wäre und
wurde beauftragt, auch von dort einen Kostenvoranschlag einzuholen. Zur Beschaffung
der Mittel für die Neuuniformierung wurde u. a. eine Dorfsammlung beschlossen, wel-
che zu den Weihnachtsfeiertagen des Jahres 1922 durchgeführt wurde. Auch eine
Christbaumfeier wurde am Sonntag, den 14. Jänner 1923, veranstaltet. Sie fand im Gast-
haus >>Bierwirt<< statt. Den Veranstaltungen war ein voller Erfolg beschieden. Aus dem
Erlös wurde im Pustertal der Loden gekauft. Neben Geldspenden gingen auch Natural-
spenden ein, so auch ziemlich viel Türken (Mais). Dieser wurde von den Mitgliedern
Pankraz Kees und Karl Tollinger eingesammelt, nach Volders transportiert und dort ver-
kauft. Das vom Gemeindeamt zur Verfügung gestellte Holz wurde von den Mitgliedern
im Hochwald geschlägert und ebenfalls verkauft.
Der Chronist bemängelt in seinem Bericht über die Generalversammlung am 1. Dezem-
ber 1923, daß nur 18 Mitglieder erschienen seien und sagt voraus, daß das mangelnde
Interesse eine Gefahr für den Bestand der Musik sei. Die 23 Ausrückungen und 50 Pro-
ben deuten zwar nicht darauf hin. Wie wir später hören werden, hatte der Chronist je-
doch recht. Unter den 23 Ausrückungen finden wir auch die Glockenweihe von Ampass
am 19. März 1923, die Kaiserjägerdenkmal-Enthüllung am Bergisel am 6. Mai 1923, die
Fahrt zum Bauerntag nach München am 14. Mai 1923, bei der infolge der inflationisti-
schen Erscheinungen in Deutschland die Banknoten in einem Koffer verstaut werden
mußten. Und doch war es nicht mehr Geld, als zur Bezahlung der Aushilfen gebraucht
wurde.
Im Jahre 1924 wurden 50 Proben abgehalten und 21 mal ist die Musikkapelle ausge-
rückt, darunter auch zur Glockenweihe in Sistrans am 20. Juli 1924. Krisenerscheinun-
gen innerhalb der Musik lassen Pankraz Kees zögern, die Kapellmeistertätigkeit fortzu-
setzen. Die Zahl der Ausrückungen geht auf 15 zurück. Im Jahre 1926 ist ein weiterer
Rückgang festzustellen. Nur 17 Mitglieder nahmen an der Generalversammlung teil,
nur II Ausrückungen kamen zustande. Die 40 abgehaltenen Proben waren sehr
schlecht besucht. Die Tummelplatz- und Kathreinfeier konnten nicht durchgeführt wer-
den, weil die Musik wegen mangelnden Probenbesuches spielunfähig war. Pankraz
Kees legt die Stelle als Kapellmeister zurück und übernimmt diese erst wieder am
30. März 1927, wo er von 26 an der Versammlung teilnehmenden Mitgliedern wieder
zum Kapellmeister gewählt wurde. In dieser Zeit der Krise hat sich Obmann Hans Geyr
als tüchtiger Mann bewährt und die Zügel der Musik nie aus den Händen gelassen, wo-
durch der totale Zerfall vermieden werden konnte.
Es ging bald wieder aufwärts. Der Chronist vermerkt unter dem 30. November 1927 ei-
nen Bericht des Kapellmeisters Kees, wonach »nach dem Umsturz in der Musikkapelle
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Abb. 183: Die Amraser Musikkapelle unter Pankraz Kees - mit Marketenderinnen (vor dem Kapeller) im
Jahre 1927.
Foto: Richard Müller
im Jahre 1926<< sich die Mitglieder wieder auf Einladung des Obmannes Hans Geyr am
30. März 1927 zu einer außerordentlichen Generalversammlung zusammenfanden, bei
welcher mit Freude der einstimmige Beschluß gefaßt wurde, die Musik im vollen Um-
fang, wie früher, sobald als möglich wieder zu formieren. Am 2. April 1927 wurde mit den
Proben begonnen. Zwei bis drei Proben wurden wöchentlich durchgeführt, auch an
Sonntagen vormittags. Lehrstunden für Anfänger wurden ebenfalls laufend abgehal-
ten. Ein F-Bass wurde neu gekauft und Obmann Hans Geyr sowie Bürgermeister Steix-
ner machten je eine neue Trompete zum Geschenk. 23 neue eiserne Notenpulte wur-
den ebenfalls gekauft. Diese Anschaffungen wirkten sich auf das musikalische Wirken
sehr belebend aus.
So wurden die Voraussetzungen geschaffen, den 50-jährigen Bestand der Musikkapel-
le festlich zu begehen. Am 6. August 1927 wurde in Amras ein Zapfenstreich durchge-
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führt und den Gründungsmitgliedern ein musikalisches Ständchen dargebracht. Am 7.
August 1927 fand die eigentliche Feier statt mit Festgottesdienst, Essen und Ehrungen.
Carl Zimmermann d. Ä., Andrä Zimmermann, Ignaz Nagiller, Schuldirektor Ernst Hosp
und Kapellmeister Pankraz Kees wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. In einem Hand-
schreiben führt Carl Zimmermann d.Ä. dazu folgendes aus:
>>Sehr verehrte Jubelkapelle!
Ich danke für die Ehrung, die Sie mir anläßlich ihres 50-jährigen Jubelfestes durch Er-
nennung zum Ehrenmitgliede erwiesen haben, nochmals herzlich. Habe vor 50 Jahren,
wie wir die Musik gründeten, nicht gedacht, daß mir von Seite der Musikkapelle eine
solche Ehrung zu Teil würde, was mir ein bleibendes Andenken ist. Übergebe der Mu-
sikkapelle zum Geschenke meine Trompete und zeichne hochachtungsvoll grüßend
Carl Zimmermann
Gründungsmitglied
Amras, im August 1927.<<
Auch Herr Schuldirektor Ernst Hosp bedankte sich schriftlich für die Ehrung und stellte
der Musik eine Spende von S 50,- zur Verfügung. Jakob Ortner, Professor an der Akade-
mie für Musik in Wien gratulierte der Musik ebenfalls handschriftlich. Sein Schreiben
hat den folgenden Wortlaut:
>>An die geehrte Bundes-Musikkapelle Amras!
Anläßlich des 50-jährigen Gründungsfestes der Amraser Musik nehme ich Gelegenheit,
herzlichst zu gratulieren. Es drängt mich dazu umsomehr meine Anerkennung auszu-
sprechen, als ich gerade in den letzten 12 Jahren das Aufblühen dieser - in die erste
Reihe zu stellenden Landmusik - mit Interesse verfolgte. Möge der außerordentlich
tüchtige Leiter, Herr Kapellmeister P. Kees, noch viele Jahre mit unverminderter Kraft
den Amrasern erhalten bleiben.
Wien, am 6. 8. 1927.<<
Jakob Ortner, Professor
a. d. Akademie für Musik in Wien
Die Gemeindeverwaltung spendete anläßlich des 50. Bestandsjubiläums der Musikka-
pelle eine prachtvolle Tambourschärpe, die heute noch erhalten ist, jedoch nicht mehr
in Verwendung steht. Die Feierlichkeit hat alle Mitglieder wieder aufgeweckt und zu
neuer Mitarbeit angespornt. Unter den 18 Ausrückungen, die für dieses Jahr verzeich-
net werden konnten, scheint auch die Teilnahme an der Eröffnung des Tiroler Ehrenbu-
ches in Innsbruck am 2. Oktober 1927 auf. Als Entschädigung für die Mühen und als
Schlußveranstaltung wurde eine Fahrt mit dem Bierauto des »Bürgerbräu<< nach Ehr-
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wald, Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald und Seefeld gemacht, die alle Teilnehmer
begeisterte. Mit einer schönen Kathreinfeier wurde das so ereignisreiche Vereinsjahr
1927 friedlich und in bester Stimmung beendet.
Die Jahre nach dem 50. Gründungsfest im August 1927 verliefen recht erfolgreich und in
völliger Harmonie. Kapellmeister Pankraz Kees und Obmann Hans Geyr waren nach
wie vor bestrebt, den Zusammenhalt zu fördern. Zu diesem Zwecke wurden immer wie-
der gemeinsame Ausflüge veranstaltet. Am 26. August 1928 wurde z. B. eine Fahrt nach
Tarrenz durchgeführt, im Sommer 1929 reiste man nach Mayrhofen im Zillertal.
Zur Generalversammlung am 22. Dezember 1928 berichtet der Chronist, daß die Neu-
uniformierung ins Auge gefaßt wurde. Es heißt nämlich dort, daß bei der vorhergegan-
genen Generalversammlung am 30. November 1927 die Auffrischung der grauen Uni-
formen und der Zillertalertracht beschlossen wurde, »was jedoch infolge der später be-
antragten Neuuniformierung unterblieb«<. Offensichtlich hat man also nachher in einer
Ausschußsitzung die Neuuniformierung beschlossen. Es handelt sich dabei um die
heute noch in Verwendung stehende Tracht der >Sonnenburger«, eine einst heimische
Tracht im Raume Innsbruck. Entwürfe hierüber, die vom Volkskunstmuseum angefer-
tigt wurden, sind in Verwahrung des aktiven Musikers Feri Happ (Willi-Feri).
Mit viel Eifer ging man ans Werk, zumal auch die Schützenkompanie sich dem Vorha-
ben anschloß. Ein großer Maskenzug in Amras gab den Auftakt dazu, der als ausgespro-
chene Großveranstaltung aufgezogen wurde und großen Beifall fand. Die Besucher ka-
men von weit her, um diese Veranstaltung sehen zu können.
Neben dieser Tätigkeit wurden in diesem Jahr auch im Winter Musikproben abgehal-
ten, was in der Geschichte der Musikkapelle Amras erstmals zu verzeichnen ist. Eine im
Sommer vorgesehene und auch durchgeführte Inspektion durch Bundeskapellmeister
Andreas Kraus, den bekannten Kapellmeister der Speckbachermusik in Solbad Hall
i. T., bewirkte einen besonders guten Probenbesuch. Im gleichen Sommer wurde auch
das Bundesmusikfest im Schloßpark zu Ambras durchgeführt, das im Jahre 1928 den
Höhepunkt der Veranstaltungen brachte und einen einmalig großen Besuch aufwies.
Laut Chronist sagte der Kapellmeister im Generalversammlungsbericht darüber unter
anderem folgendes: »Diese Veranstaltungen haben dank der opferwilligen Mitarbeit
der ganzen Musik- und Schützenmitgliedschaft in weitesten Kreisen über die Tätigkeit
und Leistungsfähigkeit unserer Korporationen Aufschluß gegeben und uns auch ein
schönes Sümmchen Geld zur Anschaffung der projektierten Nationaltracht eingebracht<<.
Einen neuerlichen Maskenumzug veranstaltete man am 27. Jänner 1929. Überdies wur-
de zur Abdeckung der Schulden am 18. August 1929 in Tantegert ein weiteres Waldfest
abgehalten.
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Das Jahr 1930 begann wieder mit einem Maskenzug am 16. Februar, der, wie seine Vor-
gänger, einen sehr starken Besuch aufwies und wieder einen schönen Reinertrag
brachte, der zur Abdeckung der Schulden für die Neueinkleidung der Musikanten und
Schützen diente. Erstmals rückte in diesem Jahr die Musik zur Erstkommunion der
Schulkinder am 27. April aus. Die Ausrückung zum 1. Mai, die, so wie die für die Erstkom-
munikanten, heute noch Brauch ist, wurde schon 1923 in den Aufzeichnungen genannt.
Symptomatisch sind die aufgezählten Ausrückungen im Jahre 1930 für politische Ver-
bände. So z. B. anläßlich der 10-jährigen Bestandsfeier der Heimatwehr am 11. Mai
1930, sowie das Konzert im Stadtsaal und der Marsch zum Bergisel für den Bund »Ober-
land« am 16. August 1930. Daneben rückte die Musik auch am 12. Oktober 1930 zum Eu-
charistischen Kongreẞ in Innsbruck aus.
Auch der Bericht über das Vereinsjahr 1931 ist recht kurz gefaßt. Bemerkenswert ist ein
Beschluß, wonach die Musikkapelle Amras aus dem Musikbund austritt. Eine Begrün-
dung für diesen Beschluß fehlt. An Ausrückungen sind u. a. verzeichnet: Ein Ständchen
anläßlich der Hochzeit des Schriftführers Karl Zimmermann am 5. Mai 1931, ein Ausflug
zum Achensee am 19. Juli, ein Ständchen beim Ehrenmitglied, Oberlehrer Ernst Hosp
am 21. Juli anläßlich der Ernennung zum Schuldirektor, Feier des 50-jährigen Priesterju-
biläums von Hw. Pfarrer Hermann Blaas am 27. September, Einweihungsfeierlichkeiten
der neu erbauten Hochdruckwasserleitung für die Gemeinde Amras am 11. Oktober
1931.
In der Zeit vom 20. Februar 1932 bis 2. Februar 1933, das ist der Zeitraum zwischen zwei
Generalversammlungen, hat sich in der Musikleitung eine große Verschiebung erge-
ben. Nun scheint als Kapellmeister und Berichterstatter Ferdinand Happ, Kapellerwirt
in Amras, geboren am 7. Februar 1902, gestorben am 24. August 1952 auf.
In diese Zeit fällt auch die Errichtung eines neuen Musik-Probelokals im alten Schul-
haus. Dabei handelte es sich um ein großes Kellerlokal, das keine besondere Verwen-
dung hatte. Um es für die Musik brauchbar zu machen, wurde im Keller das Erdreich
weiter ausgehoben und um gut einen Meter gesenkt, darauf ein Holzboden gelegt,
neue Fensterrahmen eingesetzt, geweißelt und mit elektrischem Licht versehen. Das
Mitglied der Musik, Tischlermeister Willi Happ, geboren am 30. Juni 1903, gestorben am
21. September 1957, machte sich um die Ausstattung verdient, schuf Bänke und Noten-
pulte aus Holz, sodaß es für damalige Verhältnisse ein schönes Probelokal wurde. Von
1920 bis zu diesem Zeitpunkt fanden die Musikproben in der Veranda beim Bierwirt im
1. Stock statt, mit Ausnahme zu Kathrein, wenn die winterliche Kälte zu groß war. In die-
sem Falle wurde das Herrenzimmer beim Bierwirt als Probelokal verwendet. Wurde die
Veranda vom Gastwirt für Veranstaltungen gebraucht, dann mußte alles weggeräumt
werden, was mit viel Umständen verbunden war. Man muß sich nur wundern, daß die-
ser Zustand Jahrzehnte hindurch andauern konnte.
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Im Jahre 1934, am 22. März, wurde die alte Musikleitung wiedergewählt. Immer noch
sind die Protokolle gegenüber früher dürftig und ohne besondere Hinweise. 67 abge-
haltene Proben und 25 Ausrückungen deuten allerdings darauf hin, daß fleißig musi-
ziert wurde. Vielsagend ist aber auch der Vermerk des Schriftführers, daß die General-
versammlung 5 Stunden gedauert hat.
Das Generalversammlungsprotokoll vom 21. Dezember 1935 ist die letzte Aufzeich-
nung, die die Musikkapelle Amras bis zur Wiedererrichtung nach dem Zweiten Welt-
krieg besitzt. In ihm wird erwähnt, daß im Jahre 1935 81 Proben durchgeführt wurden
und 35 Ausrückungen zu verzeichnen waren. Kapellmeister Ferdinand Happ wurde, so
wie alle übrigen Funktionäre, wieder gewählt und ihm zur Unterstützung ein Stellvertre-
ter in der Person des Oberlehrers Roman Seeber beigegeben. Dem Gönner Anton
Resch, Altobmann der Musik, geboren im Jahre 1886, gestorben am 31. Dezember 1944,
wurde von der Versammlung ein besonderer Dank ausgesprochen.
Damit schloß der Schriftführer und Chronist Karl Zimmermann seine Berichte, die er,
noch nicht 20 Jahre alt, von 1921 an verfaßt hat. Unverkennbar war schon seit 1930, daß
seine Mitarbeit sehr unter den verworrenen politischen und wirtschaftlichen Verhält-
nissen gelitten hat. Auch an der Musik gingen diese nicht spurlos vorüber. Ein sichtba-
res Opfer war sicher auch der so hochverdiente Kapellmeister Pankraz Kees. Aufzeich-
nungen zu machen war nicht gefragt. Man wollte musizieren, man wollte marschieren,
mitmarschieren in eine neue Zeit hinein, die sich scheinbar als eine gute Zeit anpries.
Es sollte anders kommen.
Wie alle anderen Vereine und Verbände in Amras, wurde auch die Musikkapelle nach
dem politischen Umbruch im Jahre 1938 dem Ortsgruppenleiter unterstellt. Dieser ord-
nete die Vermögensbeschlagnahme an, unterstellte die Musik seiner Befehlsgewalt.
Schon in den ersten Umbruchstagen wurde die Musik zur NSKK-Musik ernannt und,
entsprechend eingekleidet, marschierte sie zum städtischen Bauhof am Prügelbau
(Innrain) und mußte sich dort einem scharfen Exerzierdienst unterziehen. Am 1. Sonn-
tag nach der Machtübernahme mußten die Amraser Musiker in der NSKK-Uniform mit
klingendem Spiel durch die Stadt marschieren. Die zweite Ausrückung war anläẞlich
des Begräbnisses des über dem Hotel Viktoria in Innsbruck abgestürzten Fliegers, das
von 13-18 Uhr gedauert hat und bei dem 17 Trauermärsche zu spielen waren.
Das neue Gewand paẞte vielen Musikern nicht und so wurde die Schar der Musizieren-
den immer kleiner. Die NSKK-Musik zerfiel in sich. Als letzte Ausrückung fand im Febru-
ar des Jahres 1940 ein Platzkonzert vor dem Gasthof Volderauer in Pradl in Feuerwehr-
uniform für die NSV statt. Die Uniformen und Instrumente verblieben bei den Musi-
kern. Die Kriegsereignisse sorgten dafür, daß sowohl der Stand an Musikern wie auch
der der Instrumente und Uniformen stark dezimiert wurde. Vom Krieg nicht mehr zu-
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rückgekehrt sind 9 Kameraden. Sie fanden den Tod oder gelten als vermiẞt. Viele erlit-
ten schwerste gesundheitliche Schäden in der Gefangenschaft. Niemand wagte da-
mals daran zu glauben, daß die Wiedererrichtung der Musikkapelle Amras schon bald
wieder in Angriff genommen werden sollte. Und sie wurde in Angriff genommen.
So wie in der Wirtschaft, auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Lebensmittelsektor, auf dem
Wohnsektor usw. herrschte auch im Privat- und Vereinsleben bitterer Notstand. Unein-
sichtigkeit, Miẞgunst, Vergeltungssucht und Unverstand brachten noch zusätzliche
Schwierigkeiten. Nur Männer mit Idealen vermochten es zuwege zu bringen, daß sich
ein kleiner Kreis zusammenfand, um den Wiederaufbau der Musikkapelle Amras in die
Wege zu leiten. Trotz abendlichem Ausgehverbot trafen sich nach Feierabend diese
Unentwegten mehr heimlich als öffentlich, um über die personellen und wirtschaftli-
chen Möglichkeiten einer Wiedererrichtung zu beraten. Unter diesen waren Altob-
mann Hans Geyr, Bierwirt, Oberlehrer Roman Seeber, Karl Zimmermann sen., Josef Fe-
sele und sicherlich noch weitere. Die Zusammenkünfte fanden im sogenannten »Ver-
schlagl<< oder in der >Kanzlei<< im Kapellerwirtshaus in Amras statt.
Natürlich war auch der Altkapellmeister Ferdinand Happ dabei, doch wurde er später
von der Besatzungsmacht in Haft genommen und nach Nößlach ins Kohlenbergwerk
gebracht. Unabhängig von den Bestrebungen der Altmusikanten, die durch den Ab-
gang von Kapellmeister Ferdinand Happ in ihrem Tun sehr gehemmt waren, bemühte
sich Pfarrer Anton Plattner (geb. am 13. 11. 1906, gestorben am 25. 10. 1958) ebenfalls um
eine baldige Reaktivierung der Musikkapelle, um diese für kirchliche Zwecke zur Verfü-
gung zu haben. Er konnte Pankraz Kees, Kapellmeister bis 1932, dafür gewinnen, wie-
der die musikalische Leitung der Musik zu übernehmen. So war es möglich, bereits am
15. 8. 1945, am Hohen Frauentag, zum erstenmal wieder auszurücken. Der Anfang war
also getan.
Kapellmeister Pankraz Kees ging wieder mit vollem Eifer an die musikalische Ausbil-
dung heran und unterrichtete 1946 junge Musiker, die heutigen Stützen der Musik. An-
dererseits waren Kräfte am Werke, die ihn von seiner Tätigkeit abdrängten und es
schließlich so weit brachten, daß auf Grund einer kurzfristig einberufenen Mitglieder-
versammlung, zu der er nicht eingeladen war, der Beschluß gefaßt wurde, Kapellmei-
ster Pankraz Kees zu veranlassen, auf seine weitere Tätigkeit zu verzichten, und dem
Wunsche der Mitglieder der Musikkapelle entsprechend, seine Funktion dem von sei-
nem Zwangsaufenthalt wieder zurückgekehrten Ferdinand Happ zu überlassen. Ohne
diesen freiwilligen Verzicht wollte Ferdinand Happ die Kapellmeistertätigkeit nicht
wieder übernehmen. Einer Deputation, bestehend aus Hans Geyr, Karl Zimmermann
sen., Max Resch und Franz Moser (geboren am 6. 10. 1908, gestorben am 29. 11. 1960) war
die schwere Aufgabe übertragen worden, dies dem Betroffenen mitzuteilen. Eine tiefe
Enttäuschung für den so bewährten Musiker und Kapellmeister Pankraz Kees. Das mu-
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sikalische Ständchen im Stiftshof zu Wilten für Abt Heinrich Schuler, der seinen unfrei-
willigen Aufenthalt im Pfarrhaus zu Amras beenden, vom Stift Wilten wieder Besitz er-
greifen und dort im Oktober 1946 wieder seine eigenen Räume beziehen konnte, war
seine letzte Aufgabe, die er im Dienste der Musikkapelle Amras öffentlich erfüllen
konnte. Dann schied er für immer als Kapellmeister aus.
Zu den häufigsten Ausrückungen zählten in den Jahren 1945/46 die musikalischen
Empfänge der aus der Kriegsgefangenschaft Heimkehrenden, die am Bahnhof Inns-
bruck empfangen wurden. Auch manchem Amraser Heimkehrer konnte damit eine
kleine Freude oder Überraschung bereitet werden.
Die erste ordentliche Generalversammlung hat bereits am 8. 1. 1947 stattgefunden, bei
der Gemeinderat Hans Geyr wieder zum Obmann gewählt wurde. Der Kapellmeister
wurde erst anläßlich einer außerordentlichen Generalversammlung im August 1948 ge-
wählt. Es war Ferdinand Happ, Kapellerwirt in Amras. Als trauriger Anlaß muß der Tod
des Neugründers, Ehrenmitglied und Chronist Carl Zimmermann d. A. am 26. 2. 1950
verzeichnet werden. Er wurde mit allen musikalischen Ehren zu Grabe getragen.
Ein weiterer schwerer Schlag für die Musik war der Tod des Ehrenmitgliedes, Oberleh-
rers und Schuldirektors Roman Seeber, der am 20. 8. 1952 verstorben ist. Auch Kapell-
meister Ferdinand Happ lag schwer krank darnieder, und vom Krankenlager aus mußte
er die Abschiedsklänge für seinen Weggenossen mit anhören. Vier Tage später, am 24.
8. 1952, ist er selbst verstorben. Kapellmeister Sepp Tanzer nahm für das Begräbnis sei-
ne Stelle ein, führte die Musik, verstärkt durch Wiltener Musikanten, die die sargtragen-
den Amraser Musiker ersetzten, und gab so seinem Freund einen schönen Abschied,
dem eine selten zu sehende große Trauergemeinde den Rahmen verlieh. Beide Ver-
storbenen waren von der Musik wegen ihrer Verdienste geehrt worden. Roman Seeber
wurde am 14. 11. 1950 zum Ehrenmitglied ernannt und Ferdinand Happ erhielt im Jahre
1952 noch die Ehrenurkunde für seine 20-jährige Tätigkeit als Kapellmeister.
In einer außerordentlichen Generalversammlung am 10. September 1952 wurde Feri
Happ, der Sohn des Willi Happ, zum Kapellmeister bestellt. Die ordentliche General-
versammlung am 6. 1. 1953 hat diesen in seiner Funktion bestätigt. Auch Obmann Hans
Geyr, sowie der Kassier Hans Zimmermann und der Schriftführer Franz Peer blieben in
ihrer Funktion.
Ein Jahr später, am 29. 1. 1954, wurde der langjährige Obmann Hans Geyr über seinen
ausdrücklichen Wunsch von Hans Zimmermann als Obmann abgelöst. Der junge Ob-
mann brachte Schwung in die Musik.
Allerdings bestand ein großer Mangel an Uniformen und Trachten. Als Behelf schloß
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man mit der Schützenkompanie am 11. 4. 1953 einen schriftlichen Vertrag, wonach von
den 67 gemeinsam im Jahre 1929 angeschafften Trachten 33 der Musikkapelle und 34
der Schützenkompanie zugesprochen wurden. Dieses Verhältnis war bisher nie richtig
fixiert worden, und die Trachten gingen immer wieder hin und her, weil der Stand der
Musiker immer größer wurde und immer mehr Uniformen von den Schützen ausgelie-
hen werden mußten. Als Anerkennung verpflichtete sich die Musikleitung, der Schützen-
kompanie innerhalb von 2 Jahren zwei neue Trachten zur Verfügung zu stellen. Gezeich-
net wurde dieser Vertrag von Andrä Mayr und Hans Schiener für die Schützenkompa-
nie, Hans Geyr und Feri Happ für die Musikkapelle. Diese Verpflichtung wurde von der
Musik auch prompt eingehalten, weil im Jahre 1954 insgesamt 10 neue Trachten und 10
graue Röcke nachgeschafft wurden.
Für seine Verdienste wurde Altobmann Hans Geyr am 7. 10. 1954 zum Ehrenobmann er-
nannt und ihm anläßlich der Cäcilienfeier am 20. 11. 1954 in feierlicher Weise ein Diplom
überreicht. Am 11. 12. 1954 fanden wieder Neuwahlen statt, die eine nur kleine Verände-
rung ergaben, die aber für später von Bedeutung war, und zwar wurde erstmals Andrä
Bramböck zum Kapellmeister-Stellvertreter gewählt.
Auch im Jahre 1955 wurden weitere Uniformstücke nachgeschafft und zwar 10 graue
Röcke, 20 graue Hüte und 40 weiße Baumwollstrümpfe für die Trachten, obwohl die Mit-
tel spärlicher einflossen, weil die Bevölkerung aufgerufen war, für die neuen Glocken zu
spenden. Die bisher verwendeten gelblichen, selbstgestrickten Wollstrümpfe wurden
aufgelassen, weil sie sehr verbraucht waren.
Ein Erlebnis war die erste Auslandsfahrt. Sie ging nach Uzwil in der Schweiz und wurde
vom 8. bis zum 10. Oktober 1955 durchgeführt. Leider konnte Kapellmeister Feri Happ
die Reise wegen einer akuten Operation nicht mitmachen. Ihn vertrat Kapellmeister
Sepp Tanzer, der durch sein Entgegenkommen die ganze Reise überhaupt noch ermög-
lichte. Die nächste Generalversammlung am 3. 12. 1955 brachte überraschenderweise
einen Wechsel in der musikalischen Führung. Feri Happ hatte sich beruflich verändert.
Auch familiäre Gründe zwangen ihn, seine Tätigkeit als Kapellmeister einzustellen,
nachdem er 3 Jahre lang als solcher mit viel Erfolg gewirkt hatte. Sein Nachfolger wurde
Andrä Bramböck, Lehrer in Amras, der schon durch ein Jahr als Stellvertreter nominiert
war.
Als Kuriosum dieser Jahre sei folgendes festgehalten: Von der Polizeidirektion Inns-
bruck wurde die Musik in Kenntnis gesetzt, daß sie gar nicht bestehe, weil sie vereins-
behördlich nicht gemeldet erscheint. Sie wurde daher verhalten, ihre Anmeldung end-
lich vorzunehmen. Zu diesem Zwecke mußte ein sogenanntes Proponentenkomitee
gebildet werden, das die Errichtung einer Musikkapelle in Amras durchführen bzw. be-
antragen sollte. Und dies, obwohl die Amraser Musikkapelle zu diesem Zeitpunkt nach
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GASTHOF KAPELLER
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Abb. 184: Die Amraser Musikkapelle unter Andreas Bramböck in der 1929 wieder angenommenen Tracht
vor dem Kapeller.
Foto: Sepp Hofer, 1980
der ersten Gründung schon 125 Jahre lang tätig war. Dieser Antrag, der am 15. 7. 1955 an
die Tiroler Landesregierung als Vereinsbehörde gestellt wurde, war von Hans Zimmer-
mann, Josef Fesele, Franz Peer, Karl Zimmermann jun., Anton Nagiller, Anton Steixner
und Robert Mayr unterzeichnet. Dazu mußten auch die Satzungen der Musikkapelle
Amras zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Bildung der Musikkapelle wurde dann
mit Bescheid vom 8. 8. 1955 von der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Tirol, Zl.
1853/1/55-78/55 (V) »nicht untersagt«<, wie der amtliche Ausdruck für bewilligt heißt.
Seit dieser Zeit haben wir nun ein drittes Gründungsdatum, das jedoch nur theoretisch
besteht.
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Soweit die Musik-Chronik von Josef Fesele. Die weitere Entwicklung von 1955 bis heute
hat der mehrmalige Obmann der Musikkapelle, Hans Zimmermann, mit den folgen-
den Sätzen zusammengefaßt:
Ende der fünfziger Jahre begann die Entwicklung der Musikkapelle Amras zu einem an-
erkannten Klangkörper, nachdem unter schwierigen Bedingungen neue Instrumente in
tiefer Stimmung (Normalstimmung) angeschafft werden konnten. Da das Probelokal im
Keller der alten Amraser Schule aus akustischen und klimatischen Verhältnissen in kei-
ner Weise mehr den Anforderungen entsprach (Uniformstücke, die sich mehrere Tage
in diesem Lokal befanden, konnte man infolge der großen Feuchtigkeit förmlich aus-
winden), bemühte sich die Musikleitung um eine neue Heimstätte. Durch die große Un-
terstützung des damaligen Kulturreferenten der Stadt Innsbruck, Direktor Arthur
Haidl, konnte dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. 1965 konnte die Musikka-
pelle im Kindergarten in der Lönsstraße ein neues Probelokal, das eines der schönsten
und zweckmäßigsten im Lande ist, beziehen.
Zahlreiche Konzertreisen führten das Blasorchester auch in das Ausland. Unter ande-
rem in die Schweiz und in die Bundesrepublik Deutschland, nach Italien und Spanien.
Ein Höhepunkt war auch die Mitwirkung bei der Eröffnung der Olympischen Winter-
spiele 1976 in Innsbruck. Ein begeisterter Engländer schrieb damals an Bürgermeister
Dr. Lugger: »... herabgeschritten über die 46 Stufen ohne falschen Schritt und Ton, mit
hocherhobenem Kopf. Ich habe schon viele Paraden abgenommen und kann daher
diese Leistung beurteilen.<<
Zahlreiche Bandaufnahmen bei Radio Tirol, Teilnahmen an in- und ausländischen Wer-
tungsspielen - stets in der höchsten Spielklasse-sowie eine Vielzahl von ehrenvollen
Aufträgen von Stadt und Land ergänzen ein umfangreiches Auftrittsprogramm. Mitge-
wirkt haben die Amraser auch bei mehreren Inszenierungen am Tiroler Landestheater.
Absolute Höhepunkte sind jedoch die regelmäßig stattfindenden Frühjahrskonzerte
der Musikkapelle Amras.
Von 1830 bis 1835
KAPELLMEISTER
der Musikkapelle Amras seit ca. 1830
SCHAFFENRATH Andrä, Bauer, Haus Nr. 74 (geb. 1801, gest. am 22. 7. 1835), Großvater
des Andrä Kirchmayr, geb. am 28. 11. 1861, gest. am 14. 4. 1925, Gemeindevorsteher,
Schützenhauptmann und Ehrenbürger von Amras.
von 1835
BALDAUF Johann vlg. Jager, Bauer, Haus Nr. 71, Hofname »Godner«, später >>Dumeler<<
(geb. am 21. 12. 1797, gest. am 20. 7. 1871)
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SPECKBACHER Anton vlg. Holer Tonl, Lehrer in Amras von 1852 bis 1854 und von 1856
bis 1870, wohnhaft in Amras Haus Nr. 57, »Brunnenmacher<<= Geyrstraße 59 (geb. am 31.
5. 1829, Vater Anton Speckbacher, geb. in Ampass >>Peerhof« am 11. 1. 1785, gest. 1848).
STECHER Josef, Stecherbauer, Haus Nr. 76 (geb. am 20. 7. 1840, gest. am 18. 6. 1873).
von 1874 bis 1876
kein Kapellmeister, die Musikkapelle war für diesen Zeitraum nicht spielfähig.
von 1877 bis 1881
THÖNIG Josef vlg. Fließer; in diesem Jahr erfolgte die Neugründung der Musikkapelle.
Ivon 1881 bis 1882
JANUTH, Feldwebel vom Regiment Maroićić
von 1882 bis 1886
WALLISCH Johann, Pfarrchormusiker in Innsbruck
von 1886 bis 1888
KOLLER Johann, Stadtpfarrorganist in Schwaz
von 1888 bis 1889
PISTL, Feldwebel vom Regiment Württemberg
von 1889 bis 1895
ZIMMERMANN Carl, Schulerbauer, Gemeindevorsteher, Ehrenmitglied (geb. am 23.
10. 1862, gest. am 26. 2. 1950)
von 1895 bis 1897
HUNDEGGER Alois, Pächter des Seehofes
von 1897 bis 1910
ZIMMERMANN Carl, Schulerbauer (vgl. oben)
von 1910 bis 1912
HOSP Ernst, Schulleiter in Amras, am 30. 3. 1927 zum Ehrenmitglied ernannt (geb. am
16. 3. 1872, gest. am 13. 8. 1939)
von 1912 bis 1914
KEES Pankraz, Bauer und Musiker (geb. am 26. 12. 1889, gest. am 9. 1. 1977), am 30. 3.
1927 zum Ehrenmitglied ernannt.
von 1914 bis 1918: 1. Weltkrieg
Ivon 1920 bis 1932
KEES Pankraz, Bauer und Musiker (vgl. oben)
von 1933 bis 1945
HAPP Ferdinand, Kapellerwirt (geb. am 7. 2. 1902, gest. am 24. 8. 1952), erhielt im Jahre
383
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1952 eine Urkunde für seine 20-jährige Tätigkeit als Kapellmeister der Musikkapelle
Amras.
von 1945 bis 1946
KEES Pankraz, Bauer und Musiker (vgl. oben)
von 1947 bis 1952
HAPP Ferdinand, Kapellerwirt (vgl. oben)
von 1952 bis 1955
HAPP Feri (Willi Feri), Versicherungsangestellter (geb. am 23. 3. 1927), seit 1938 bei der
Amraser Musik als Flügelhornist und Baẞflügelhornist, Träger des Ehrenringes der Mu-
sik Amras, über eigenen Wunsch am 9. 3. 1973 aus der Musik ausgeschieden.
von 1955 bis 1970
BRAMBÖCK Andreas, Schuldirektor in Amras (geb. am 12. 7. 1929), seit 1950 Mitglied
der Musik.
von 1970 bis 1971
BRAMBÖCK Josef, Landesbeamter, Mitglied der Musik von 1961 bis 1974, ausgeschie-
den wegen Wohnsitzverlegung nach Natters.
von 1972 bis 1989
BRAMBÖCK Andreas, Volksschuldirektor in Amras (vgl. oben), seit November 1950 bei
der Musikkapelle als Posaunist und Baẞflügelhornist, seit 18. 10. 1963 Träger des Ehren-
ringes der Musikkapelle Amras, im Jahre 1971 zum Ehrenmitglied ernannt. Bramböck
Andreas war von 1960 bis 1966 Schriftführer des Tiroler Blasmusikverbandes, von 1971
bis 1980 Landesjugendreferent-Stellvertreter, von 1980 bis 1986 Landeskapellmeister-
Stellvertreter und wurde am 16. Februar 1986 zum Landeskapellmeister gewählt.
Für seine großen Verdienste in den zahlreichen Funktionen erhielt Bramböck Andreas
viele Ehrungen und Auszeichnungen:
1965 Grünes Ehrenzeichen des Landesverbandes
1969 Ehrenkranz des Bundes Tiroler Schützenkompanien
1972 Verdienstmedaille des Landes Tirol
1974 Ehrenring der Polizeimusik für 10 Jahre Kapellmeister
1976 Silbernes Ehrenzeichen des Landesverbandes
1977 Goldenes Ehrenzeichen des Landesverbandes
1980 Verdienstkreuz des Landes Tirol
1981 PRO ECCLESIA ET PONTIFICE, päpstlicher Orden
1982 Ehrenzeichen für Kunst und Kultur der Stadt Innsbruck
1984 Ernennung zum Oberschulrat
384
Silbernes Verdienstkreuz des ÖBV
Goldenes Verdienstkreuz des ÖBV
CROIX DE MERITE - CISM
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1877 bis ?
OBMÄNNER
der Musikkapelle Amras seit der Neugründung im Jahre 1877
SOKOPF Franz vlg. Ötztaler Franzl, Besitzer des Seehofes in Amras, Gründungsmit-
glied, erster Obmann nach der Neugründung.
1920 bis 1921
GEYR Hans, Bierwirt und Bauer in Amras (geb. am 22. 10. 1894, gest. am 4. 6. 1957),
Ehrenobmann und Ehrenmitglied seit 7. 11. 1954, erster Obmann nach dem 1. Weltkrieg,
Bürgermeister und Ehrenbürger der damals selbständigen Gemeinde Amras.
1922 bis 1923
RESCH Anton, Brennereibesitzer in Amras (geb. 1887, gest. am 31. 12. 1944), Musikmit-
glied von 1896 bis 1933.
1923 bis 1938
GEYR Hans, Bierwirt und Bauer in Amras (vgl. oben)
1938 bis 1945
Politischer Umsturz, 2. Weltkrieg
Ivom 8. 1. 1947 bis 29. 1. 1954
GEYR Hans, Bierwirt und Bauer in Amras (vgl. oben)
vom 29. 1. 1954 bis 30. 11. 1960
ZIMMERMANN Hans, Beamter der Berufsfeuerwehr Innsbruck, Mitglied der Musikka-
pelle Amras seit 1. 11. 1945 (geb. am 26. 5. 1932).
vom 30. 11. 1960 bis 16. 12. 1961
STEIXNER Anton, Bauer beim »Schöberler<< und Besitzer des Hotels Charlotte in
Amras, Mitglied der Musikkapelle Amras seit 1. 11. 1945 (geb. am 31. 8. 1927), Ehrenring-
träger seit 29. 11. 1980.
vom 17. 12. 1961 bis 18. 10. 1963
FESELE Josef, Reg. Rat, Direktor der Landwirtschaftskrankenkasse (geb. am 22. 8. 1907,
gest. am 23. 6. 1978), Ehrenmitglied und Ehrenringträger seit 22. 9. 1959, Mitglied der
Musikkapelle Amras von 1934 bis 1978, die letzten Jahre als Chronist.
vom 18. 10. 1963 bis 16. 12. 1966
STEIXNER Franz, kaufmännischer Angestellter (geb. am 29. 11. 1925)
vom 17. 12. 1966 bis 11. 12. 1970.
ZIMMERMANN Hans, Beamter der Berufsfeuerwehr Innsbruck, Ehrenringträger seit
18. 10. 1963 (vgl. oben)
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vom 11. 12. 1970 bis 17. 12. 1971
HAPP Ferdinand, Kapellerwirt in Amras, Stabführer der Musikkapelle Amras seit 16. 12.
1967
vom 18. 12. 1971 bis 14. 12. 1973
ZIMMERMANN Karl, Beamter der Berufsfeuerwehr Innsbruck (geb. am 6. 4. 1934), we-
gen Wohnsitzverlegung nach Igls auf eigenen Wunsch 1975 aus der Amraser Musik aus-
geschieden.
vom 15. 12. 1973 bis 12. 12. 1975
KLUCKNER Manfred, Bau-Ing. (geb. am 3. 3. 1949), am 11. 1. 1977 wegen Übersiedlung
nach Aldrans auf eigenen Wunsch aus der Amraser Musik ausgeschieden.
vom 12. 12. 1975 bis 17. 12. 1977
RESCH Gert, Angestellter der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (geb. am 25. 6.
1944), Mitglied der Musikkapelle Amras seit 1. 5. 1959.
I vom 18. 12. 1977 bis 14. 12. 1982
ZIMMERMANN Hans, Beamter der Berufsfeuerwehr Innsbruck, Ehrenringträger seit
18. 10. 1963, Ehrenmitglied der Musik Amras seit 13. 12. 1980, seit Dezember 1985 Chro-
nist der Musikkapelle Amras (vgl. oben).
vom 14. 12. 1982 bis 3. 12. 1985
NEU Ferdinand, Student der Rechtswissenschaft (geb. am 10. 11. 1962)
vom 3. 12. 1985
STEIXNER Franz, kaufmännischer Angestellter in Pension, Ehrenringträger seit 29. 11.
1980, Verdienstmedaille des CISM seit 1987 (vgl. oben).
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Die Freiwillige Feuerwehr von Amras (1883
von Franz-Heinz Hye
-
1989)
Im August 1883 vollzog sich die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Amras. Wie
uns die im Tiroler Landesarchiv erhaltenen Gründungsakten mitteilen, war es Franz
Maier, der als erster gewählter »Commandant der freiwilligen Feuerwehr in Amras<<
dem damaligen kk. Statthalterei-Präsidium die Statuten dieses neuen Vereines zur Ge-
nehmigung vorgelegt hat. Da aus den eingereichten Unterlagen jedoch nicht hervor-
ging, ob die neue Wehr auch vom Amraser Gemeinde-Ausschuß gebilligt werden wür-
de, mußte er diese Gemeinde-Bestätigung nachreichen. Ihr Text ist so unübertrefflich
gemäß dem Grundsatz »Schreibe wie Du sprichst!<< abgefaßt, daß er unseren Lesern
hier nicht vorenthalten werden darf. Er lautet:
>>An die löblich k.k. Bezirkshauptmannschaft in Innsbruck.
Laut Gemeindebeschlus von 19. d. M. wurden die fon der ün Bilden begrüfenen freiwi.
Feirwer vorgelegten Statuten genemiget und gleichzeitig zur h(ohen) Genemigung bei-
geschlosen.
Amras, den 23. August 1883 (Stempel und Unterschrift der Gemeindevorstehung).<<
Ähnliche Sprachschöpfungen gewohnt, verstand die Statthalterei diese Mitteilung und
erklärte am 23. August 1883, daß die Bildung des Vereines Freiwillige Feuerwehr in
Amras nach Inhalt der hieramts direkt vorgelegten Statuten nicht untersagt wird.<<
Soviel also zu jenem amtlichen Schriftverkehr. Was übrigens das Gründungsalter der
Amraser Feuerwehr betrifft, so zählt sie gesamttirolisch gesehen zu den älteren. Im Ver-
band der Innsbrucker Feuerwehren stehen die Amraser nach der Stadtwehr- der älte-
sten Feuerwehr Österreichs - (1857), sowie nach Hötting, Mühlau und der ehemaligen
Wiltener Wehr (1874) an fünfter Stelle. Bis es allerdings zur Gründung in Amras kam,
mußte man hier wie auch anderswo erst viele Erfahrungen sammeln.
Am Anfang des Feuerlöschwesens stand auch in Amras jene von Schiller beschriebene
Kette hilfreicher Hände, welche in anfangs ledernen, später blechernen Löschkübeln
Wasser an den Brandplatz brachte. Als erster Ansatz einer Technisierung darf die An-
schaffung einer Feuerspritze für Schloß Ambras im Jahre 1727 angeführt werden. Wenn
auch zum Schloß gehörend, stand diese ärarische >>Schloßspritze« doch auch den Dorf-
bewohnern zur Verfügung. Ihre Bedienung war allerdings nicht sehr einfach (Antrans-
port, händisches Pumpen).
Andrä Kirchmayr, der dritte Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Amras, berichtete
darüber in seiner Festrede im Jahre 1913: Zur Bedienung der Schloßspritze »wurden
von der Gemeinde-Vorstehung 24 Hausbesitzer verpflichtet, je einen Mann zu stellen.
Diese Verpflichtung wurde mit der sogenannten Feuerbolletta< dem Hausbesitzer
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übertragen, welche von demselben meist hinter einem Heiligenbild aufbewahrt und
regelmäßig vergessen wurde, sodaß beim Läuten der Sturmglocke niemand mehr wuẞ-
te, wer zur Spritze gehört, welche schon zu ihrem Transport eine bedeutende Anzahl
Mannschaft erforderte. Daß unter solchen Umständen das Löschwesen keine großen
Erfolge zeigte, wird jedermann begreiflich finden.<<
Es kann daher als ein wahres Glück bezeichnet werden, daß die Schloßspritze nur sel-
ten in Anspruch genommen werden mußte. Als am 20. September 1874 beim Seehüter-
haus (Luigenstraße 20, beim Autobahnbau abgerissen) ein heftiger Brand ausbrach,
wurde jedenfalls in der Berichterstattung eigens darauf hingewiesen, daß >im Dorfe
Amras... seit Menschengedenken kein größerer Brand mehr vorgekommen ist<< (Bote
für Tirol 1874, S. 1616).
Dementsprechend sorglos und unvorbereitet traf dieser Brand daher die Amraser Be-
völkerung, und man mußte sich vom »Boten für Tirol<< (ebenda, S. 1625) die ermahnende
Bemerkung gefallen lassen: »Dieser Fall bewies wieder aufs neue, wie nothwendig or-
ganisirte Feuerwehren sind. Es wurde auch der reichen Gemeinde Amras der Rath ge-
geben, dem Beispiele Wiltau's zu folgen und eine solche zu gründen<<.
Die im Jahre 1874 gegründete F. F. Wilten erhielt übrigens bei diesem Brand ihre Feuer-
taufe. Ungeachtet dieses Brandschadens und der daran geknüpften Ermahnung dau-
erte es aber noch neun Jahre bis zur Gründung der F. F. Amras. Bis dahin herrschten
hier, wie A. Kirchmayr ausführte, weiterhin folgende traurige Verhältnisse: »Die Ge-
meinde Amras war mit einer alten Tragspritze und einigen Wasserkübeln versehen. Die
erstere stand durch viele Jahre in unserer Holzschupfe, war überhaupt nicht brauchbar
und ihr Aufenthalt vielleicht manchem Vorsteher nicht einmal bekannt.<< Einsatzfähig
waren also im Ernstfalle nur die Wassereimer und die schwerfällige Schloßspritze, die
beim Brande des Seehüterhauses auch tatsächlich zum Einsatz gelangte, wenn man
hier überhaupt von einem »Einsatz« sprechen darf, denn eine geschulte Löschmann-
schaft gab es damals ja noch nicht. Ohne eine solche Einsatzgruppe aber fehlte im
Ernstfall jede Ordnung, vielmehr behinderten sich die Helfenden gegenseitig, was die
Brandbekämpfung ungemein erschwerte. Der erwähnte Brand von 1874 war leider ein
sehr anschauliches und eindringliches Beispiel dafür.
Diesem Übelstande abzuhelfen, war daher das Ziel einiger verantwortungsbewußter
Amraser Bauern, die sich jeweils bei einem Mittwoch-Stammtisch trafen und daher
auch die >>Mittigkölber« (vgl. das Festgedicht von 1933) genannt worden sind. Diese
Männer beschlossen im Sommer 1883 die Gründung der F. F. Amras, die nach Angabe A.
Kirchmayrs bereits im Gründungsjahr 21 Mitglieder gezählt hat und noch im selben
Jahr dem im Jahre 1872 gegründeten »Verband der freiwilligen Feuerwehren Tirols<<
(heute: Landesfeuerwehrverband) beigetreten ist.
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Abb. 185: Die Freiwillige Feuerwehr Amras im Jahre 1915 mit ihrem Kommandanten, dem Gemeinde-Vorste-
her Andrä Kirchmayr (im Bild ganz links).
Soweit bisher feststellbar, trat die neue Amraser Wehr bereits im ersten Jahr ihres Be-
stehens bei einem Brande in Aktion. Eine Teilnahme der Amraser Wehr beim Löschen
des großen Dorfbrandes in Igls in der Nacht vom 27. zum 28. August 1883 kann zwar
nicht nachgewiesen werden, wohl aber ihr Einsatz beim Brand der Dampfsäge der Bau-
firma Hutter in Wilten, der am 18. November 1883 um 3 Uhr früh vom Nachtwächter am
Innsbrucker Stadtturm signalisiert worden war. Neben den Feuerwehren von Inns-
bruck, Wilten, Mühlau und Hötting erschienen damals zum ersten Mal auch die freiwilli-
gen Feuerwehren von Kematen und Amras am Brandplatz (die Kematener Wehr hat
erst kurz zuvor am 19. August 1883 ihr Gründungsfest begangen).
>>Die erste Anschaffung, welche die junge Wehr machte«<, so berichtet Karl Zimmer-
mann in seiner Chronik der F. F. Amras, »waren Kappen, welche jeder selbst kaufte, da-
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mit wenigstens ein einheitliches Zeichen den Wehrmann als solchen kenntlich machte.
Die Röcke wurden dann in den nächstfolgenden zwei Jahren teils aus Eigenem bestrit-
ten und die anderen durch die Einnahmen eines hierfür veranstalteten Glückstopfes
(finanziert)<<.
Im Jahre 1886 wurde dann schräg gegenüber dem Gasthof »Kapeller« von der Gemein-
de unter dem damaligen Vorsteher Anton Steixner das erste Spritzenhaus erbaut und
zwei Jahre später (1888) eine von der Wiltener Firma Grassmayr hergestellte moderne
Saugspritze angekauft. Dazu kamen 1889 eine tragbare Schubleiter und zwei Hakenlei-
tern. In der Folgezeit wurde dann die eingangs erwähnte alte Tragspritze (der Gemein-
de) wieder funktionsfähig gemacht und endlich 1895 noch eine zusätzliche kleine Kar-
renspritze angekauft. Zudem beschloß der Gemeinde-Ausschuß am 15. April 1895 die
Errichtung eines aus dem Schloßgartenteich gespeisten Löschwasserkanals entlang
der südlichen Geyrstraße vom Bierwirt bis zum alten Schulhaus (Geyrstraße 76). Gleich-
zeitig erfolgte die Schaffung eines Löschwasserbassins in Panzing am Nordende des
Dorfes.
Wie K. Zimmermann in seiner Feuerwehr-Chronik berichtet, wurde bei der Generalver-
sammlung der Wehr im Jänner 1903 über Antrag des damaligen Obmannes Andrä
Kirchmayr erstmals beschlossen, am Unsinnigen Donnerstag eine Versteigerung abzu-
halten. Die Voraussetzung dafür wurde - wie heute noch in der Weise geschaffen,
daß man »den alten Kram von sämtlichen Hausbesitzern mittels Fuhrwerk sammelte...
und am Platze vor dem Bierwirt« in humorvoller Weise versteigerte. »Von dieser Verstei-
gerung wurde schon beim ersten Mal ein reiner Betrag von 75 Kronen 80 Heller erzielt<.
Besonders einträglich war bei dieser seither zur alljährlichen Tradition gewordenen
Veranstaltung auch die Versteigerung von Holz. Mittels der auf diese ernst-heitere Art
gewonnenen Gelder wurde dann die Ausrüstung der Wehr jeweils ergänzt und verbes-
sert. Damals konnte die Wehr auch bereits ihr 20-jähriges Bestandsjubiläum begehen
und erhielt aus diesem Anlaß aus der Gemeindekasse einen Zuschuß von 60 Kronen.
Insgesamt erlaubten es die angesparten Vereinsmittel im Jahre 1907, eine fahrbare Ma-
girus-Schubleiter und 1912 zwei leichte, tragbare Schubleitern anzukaufen. Infolge der
alsbald hereinbrechenden schweren Jahre des 1. Weltkrieges und der wirtschaftlich un-
sicheren Zwanzigerjahre sollten dies auf lange Zeit die letzten bedeutenderen An-
schaffungen der F. F. Amras sein. Jeder Feuerwehr-Einsatz erforderte übrigens die Inan-
spruchnahme privater Zugtiere. Die dadurch anfallenden Kosten trug jedoch die Ge-
meinde, welche am 28. Juli 1906 beschloß, »den bisherigen Tarif« von 6 Kronen für die
Spritze und von 4 Kronen für Leiter bzw. Gerätewagen weiterhin zu bezahlen.
Das folgende Jahr brachte der Bevölkerung von Amras im allgemeinen und der Feuer-
wehr im besonderen eine wesentliche Verbesserung. Es war dies die Errichtung der er-
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FEUERWEHR-GERÄTEHALLE,
Abb. 186: Das erste Gerätehaus der Amraser Feuerwehr ungefähr an der Stelle des Hauses Philippine-
Welser-Straße 97.
sten Amraser Hochdruck-Trinkwasserleitung (1907), welche mit der Aufstellung mehre-
rer Oberflur-Hydranten im gesamten Dorfgebiet verbunden war.
Bei der Jahreshauptversammlung am 2. Jänner 1913 war es dann das erste Mal, daẞ
Kommandant Andrä Kirchmayr seine Männer darauf hinwies, daß ein Feuerwehrmann
auch Erste Hilfe leisten können und »jederzeit, nicht nur beim Brande, hilfsbereit<< sein
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sollte. Von dieser ersten Anregung bis zur Bildung einer kleinen Sanitätsmannschaft
vergingen jedoch noch acht Jahre: 1921 nahmen zwei Mann an einem Erste-Hilfe-Kurs
teil, und bei der Jahreshauptversammlung am 3. Jänner 1922 konnte schließlich erst-
mals eine eigene kleine Rettungsabteilung gebildet werden. Seit 1917 wurden überdies
noch sogenannte »Windwachen<< eingeteilt.
Um sich ein Bild von der noch damals bzw. bis ca. 1943 üblichen Art des Einsatzes unse-
rer Wehr zu machen, sei erwähnt, daß bei derselben Jahreshauptversammlung folgen-
de Ordnung beschlossen worden ist: »Die Fuhrwerk-Beistellung wird dahin geregelt,
daẞ Johann Geyr mit der Mannschaft und Steixner Ludwig mit der Spritze fahren. Als
Reserve für Geyr wurde Rudolf Wenter und für Steixner Andreas Kirchmayr bestellt.<<
Die Ausrückung erfolgte nämlich sowohl damals als auch noch bis ca. 1943 mittels Pfer-
defuhrwerk! Die Motorisierung der F. F. Amras sowie auch der übrigen Innsbrucker Ein-
heiten erfolgte erst während der Jahre 1938 bis 1943. Die erste Übung der Amraser mit
einer »Trag-Kraftspritze<< erfolgte am 27. Juni 1943, ihre erste Übungsfahrt mit einem
Kraftwagen am 15. August 1943. Schon Jahre zuvor allerdings gelang 1936 der Ankauf
von drei modernen Rosenbauer-Stahlrohrdüsen.
Die bedeutendste Maßnahme der Dreißigerjahre war jedoch unter dem Kommando
Hans Geyrs der Neubau des Spritzenhauses mit Schlauchturm durch die Gemeinde
anstelle des zu klein gewordenen alten Hauses von 1886, welches zu diesem Zwecke
von der Feuerwehr selbst abgetragen worden ist. Um den Neubau größer und geräumi-
ger als den Altbau aufführen zu können, war allerdings auch der Ankauf eines angren-
zenden Stückes Grund von Antonia Kluckner notwendig. Die Einweihung des in nur
zwei Monaten aufgeführten Neubaues, dessen Giebel ein St. Florian-Fresko von Lud-
wig Sturm zierte, erfolgte bei der Florianifeier am 9. Mai 1937. Die Weihe nahm Pfarrer
Hermann Blaas O. Praem. vor.
Amras durfte sich allerdings nur sechseinhalb Jahre lang seines neuen Gerätehauses
freuen, denn während des 2. Weltkrieges wurde es am 19. Dezember 1943 beim zweiten
Fliegerangriff auf Innsbruck durch einen Bombenvolltreffer völlig zerstört. Wie durch
ein Wunder wurde dabei jedoch niemand getroffen! (vgl. oben das Kapitel >Amras im
Bombenkrieg 1943 - 1945<<).
In den folgenden fünf Jahren mußte sich die Amraser Wehr unter ihrem Kommandan-
ten Karl Zimmermann mit einer behelfsmäßigen Unterkunft begnügen, welches >Gerä-
tehaus<< in den Protokollen der F.F. Amras bereits am 12. Mai 1944 zum ersten Mal ge-
nannt wird. Normale Verhältnisse traten erst wieder im Jahre 1948 ein, als das heutige
geräumige Gerätehaus gegenüber dem >>Bierwirt< bzw. an der nach dem einstigen Feu-
erwehr-Kommandanten und Bürgermeister von Amras, Hans Geyr (gest. 1957), benann-
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Abb. 187: Das erste Feuerwehr-Gerätehaus nach dem Bombentreffer am 19. Dezember 1943.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
ten >>Geyrstraße« erbaut worden ist. Seine Einweihung erfolgte am 31. Oktober 1948
und wurde von Pfarrer Anton Plattner vorgenommen.
Die weitere Entwicklung der F.F. Amras zeigt diese in ununterbrochenem Aufstieg zu
einer modernen, bestens ausgerüsteten und für alle heutigen Aufgaben gut ausgebil-
deten Wehr, für die die Bezeichnung Feuer-Wehr eigentlich schon zu eng ist, zumal sie
nicht nur bei Feuer, sondern bei jedem Katastrophenfall
bereit steht.
»Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr<<
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Der Fuhrpark der Amraser Wehr umfaßt heute
1 4000 | Tanklöschfahrzeug Mercedes (TLF 4000), Bj. 1962, von der Berufsfeuerwehr im
Jahre 1972 nach Amras überstellt.
1 Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung Mercedes (LF-B), Bj. 1982, wurde als Neufahr-
.zeug der Einheit übergeben.
1 Kleinlöschfahrzeug Ford Transit (LF), Bj. 1971, wurde als Neufahrzeug der Einheit
übergeben.
1 Katastrophenfahrzeug VW (VW-Kat.), Bj. 1965, wurde 1967 als Gebrauchtfahrzeug an-
gekauft und der Einheit übergeben.
1 250 kg Pulverlöschmittelanhänger (P 250)
1 Tragkraftspritzenanhänger mit Tragkraftspritze (TSA 250)
1 Löschkarren
Derzeit gehören der Einheit 69 Mann, davon 56 Aktive und 13 Reservisten, an.
Das bisher letzte wesentliche Kapitel in der Geschichte der Amraser Feuerwehr bildet
der Um- und Ausbau des Gerätehauses (Geyrstraße 61) durch die Stadtgemeinde Inns-
bruck in den Jahren 1987/88 (vgl. oben im Kapitel »Der Stadtteil Amras von 1945 bis
heute<<).
Verzeichnis der Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Amras
1883 1887 Maier Franz, Gretelerbauer
1887
1906 Geyr Johann sen., Bierwirt
1906-1925 Kirchmayr Andrä, Burglerbauer; Vorsteher und Ehrenbürger von Amras;
nach ihm wurde die >Kirchmayrgasse« benannt.
1925-1941 Geyr Hans jun., Bierwirt; Gemeindevorsteher und Ehrenbürger von Am-
ras; nach ihm wurde die »Geyrstraße« benannt.
Kirschner Johann
1941 1943
Zimmermann Karl, Schulerbauer
1943 1966
1966 1970
Dum Johann
1970 1973
Mayr Josef
1973 1978
Happ Hans, Bierwirt
1978 1983
1983
Mayr Josef
Peer Gottfried
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Abb. 188: Die Einweihung des neuen Feuerwehr-Gerätehauses (Geyrstraße 61 - Nordhälfte) am 31. Oktober
1948.
Anhang:
Ein Einsatzbericht »Hochwasser in Amras<<
Von Gert Resch (Wiederabdruck aus dem »Amraser Boten« Jg. 21, 1985, Nr.3)
Als es am Abend des 4. August zu regnen begann, ahnte wohl niemand, welch verhee-
rendes Ausmaß diese Regenfälle annehmen würden. Bis Dienstag, dem 6. August, wur-
den durch diese teilweise sintflutartigen Regenfälle derartige Niederschlagsmassen
verzeichnet, daß in ganz Tirol Katastrophenalarm gegeben werden mußte.
Auch Innsbruck blieb nicht verschont, und als um 9.25 Uhr die Typhone heulten, ahnte
jeder Feuerwehrmann, daß man sich auf einen längeren Einsatz gefaßt machen wird
müssen. Die Feuerwehr Amras rückte in die Hauptfeuerwehr ein und begann dort mit
395
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anderen Einheiten, Sandsäcke zu füllen, eine Gruppe wurde zum Auspumpen von be-
reits unter Wasser stehenden Kellern abkommandiert.
Um 10.20 Uhr kam der Einsatzbefehl >FF Amras und I. Gruppe Berufsfeuerwehr - Was-
serschaden Luigenstraße«. Als wir am Einsatzort eintrafen, hatte der Zöblbach (Aldran-
ser Bach) nördlich der Luigenstraße bereits den Hang ausgeschwemmt, sodaß dieser
nach und nach abbrach. Wir konnten uns nur mehr darauf beschränken, den Hang ab-
zusichern und einen Fichtenbaum zu verankern, damit ein weiteres Ausschwemmen
eingedämmt wurde. Die Gruppe der Berufsfeuerwehr wurde inzwischen zu anderen
Einsätzen abgezogen.
Noch während dieser Sicherungsarbeiten wurden wir verständigt, daß sich eine Person
in Gefahr befinde und selbst nicht in Sicherheit bringen könne. Mitglieder der Einheit
fuhren zu dessen Anwesen und mußten feststellen, daß sich die betreffende Person bis
zu den Oberschenkeln im reißenden Wasser befand und nur mit letzter Mühe an einem
Kabel festhalten konnte. Mit einer Steckleiter mußte der Bach überquert werden, erst
dann konnte man den Mann nach Sicherung mit einer Rettungsleine aus seiner be-
denklichen Lage befreien. Da ein Überqueren des Baches nicht mehr zu verantworten
gewesen wäre, wurde er noch über die Schloßmauer abtransportiert und von dort aus
mit dem Auto nach Hause gebracht.
Noch während der Arbeiten beim Zöblbach trat auch der Mühlbach aus seinem Bach-
bett und überflutete die Luigenstraße auf der Höhe des Schloßcafes bis hinter die
Autobahnunterführung, sowie den Bleichenweg. Ebenso wurden die Felder in der »Vor-
au<< überflutet, und durch den ehemaligen Viehmarktplatz und über die Schrebergär-
ten bis zum DEZ bahnte sich der Bach seinen neuen Weg. Die Felder südlich des DEZ
glichen einem »Amraser See«. Durch die Verstopfung des verbauten Wasserlaufes -
das ist die unterirdische Bachverbauung von der Schloßmauer bis hinter die Autobahn-
unterführung Bleichenweg - wurden tonnenweise Geröllmassen mitgerissen. Die Lui-
genstraße mußte für jeden Verkehr gesperrt werden.
Da sich der Bach hinter der Schloßmauer bis ca. 1/2m unter die Mauerkrone aufge-
staut hatte und die Mauer bereits einen Riß aufwies, mußte auch damit gerechnet wer-
den, daß sie dem Druck nicht mehr standhält. Vorsichtshalber mußten die im Gefah-
renbereich liegenden Häuser evakuiert und die Bewohner entweder bei Verwandten
oder in Gasthäusern untergebracht werden. Da auch der westliche Schloßbach (aus
dem Schintertal kommend) eine Mauer niederriẞ, blieb selbst der Dorfkern nicht ver-
schont. Dieser Bach bahnte sich vom Bierwirt über die Kirchmayrgasse seinen Weg.
Durch das rasche Eingreifen von freiwilligen Helfern und eines Trupps der FF Hötting
konnte diese Gefahr jedoch rasch beseitigt werden, sodaß sich die Schäden in Grenzen
hielten.
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Abb. 189: Die Amraser Freiwillige Feuerwehr im Jahre 1953 bei der 70-Jahr-Feier mit Kommandant Hans
Geyr.
Erst durch das Nachlassen der Niederschläge und den Einsatz von schweren Bauma-
schinen konnte man der Wasser- und Geröllmassen Herr werden und einen Überblick
über die Schäden gewinnen. Dieser ergab, daß die ebenerdigen Wohnungen des Hau-
ses Luigenstraße 26 (»Untere Schloßmühle«) total zerstört und bis zu den Fenstern ver-
schüttet waren, das Schloßcafe unter Wasser stand, der Keller und die ebenerdigen
Räume des Vereinshauses »ESK Tivoli« komplett überflutet waren, ebenso das Haus
Bleichenweg 61. Die Haltestelle der Linie K und der Vorgarten der Boccia-Anlage waren
total zerstört und bis zu 1 1/2m hoch vermurt. In den Gärten und Feldern war zenti-
meterhoch Schlamm und Sand abgelagert.
Erst am Mittwoch, als der Wasserstand sank, konnte mit echten Aufräumungsarbeiten
begonnen werden. So wurden die unter Wasser stehenden Kellerräume ausgepumpt,
und in der >>Unteren Schloßmühle« wurde das Parterre so weit freigeschaufelt, daß der
Strom wieder eingeschaltet werden konnte. Große Schwierigkeiten bereitete aller-
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dings die Bachverbauung, bei der ohne Übertreibung von einer Fehlkonstruktion ge-
sprochen werden kann. Da das verbaute, kanalartige Bachbett total verstopft war, muß-
te die Decke mittels eines Kompressors aufgeschrämmt werden, da selbst ein großer
Bagger es nicht vermochte, die Decke aufzureißen. Erst nach der Öffnung der Bachver-
bauung und dem Ausbaggern des Bachbettes gelang es, den Schloßbach wieder in sei-
nen vorgegebenen Weg einzuleiten und damit die letzte Gefahr zu bannen.
Die FF Amras stand von Dienstag, 6. August, 9.25 Uhr bis Mittwoch, 7. August, 21.30 Uhr,
permanent mit 35 Mann und 4 Fahrzeugen im Einsatz. Dazu kamen noch zahlreiche
freiwillige Helfer, denen hier seitens der Einheit Amras für die Mithilfe recht herzlich ge-
dankt sei. Dank gebührt auch all denen, die mit Labemitteln die Helfer versorgten.
Ebenso sei der Einsatzleitung der Berufsfeuerwehr gedankt, die trotz der Überlastung
stets in der Lage war, benötigte Hilfsmittel jeder Art rasch zu organisieren und bereitzu-
stellen. So wurden allein in Amras neben diversen Geräten, wie z. B. ein Schiffanker (!),
ein schwerer Schaufelbagger, ein leichter Mehrzweckbagger, zwei Radlader, mehrere
LKWs und ein Kompressor zum Einsatz gebracht. Zwei Traktoren wurden von Amraser
Bauern zur Verfügung gestellt. Außer den Arbeiten in Amras selbst stand eine Gruppe
der Amraser Feuerwehr im Pradler Saggen, insbesondere beim Zeughaus und der Bun-
desgebäudeverwaltung, zum Auspumpen von Kellern im Einsatz. Mit Ausnahme einer
Knöchelverstauchung eines Feuerwehrmannes ist dieser Einsatz Gott sei Dank unfall-
frei verlaufen.
Wenn man am Schluß Bilanz zieht, taucht selbstverständlich die Frage auf, ob es zu
einer solchen Katastrophe kommen mußte. Hiezu ist primär zu sagen, daß es trotz opti-
malster Verbauungen und Vorsorgen bei solchen Ereignissen immer wieder zu Un-
glücks- und Katastrophenfällen kommen wird. Sicherlich wären die aufgetretenen
Schäden aber nicht in diesem Ausmaß geschehen bzw. hätten die Schäden leichter
und schneller behoben werden können, wenn:
1. der Zöblbach in seinem gesamten Gefahrenbereich verbaut wäre,
2. die kanalmäßige Verbauung des Schloßbaches nicht in Vollguẞbeton vorgenommen
worden wäre, sondern mit abnehmbaren Betondeckenplatten oder ähnlichem und
3. der Ablageplatz einer Firma (?) für Reit- und Fiakerzwecke, der jeder rechtlichen
Grundlage entbehrt, unter der Autobahn-Unterführung Bleichenweg schon längst
beseitigt worden wäre. Ohne diese Mülldeponie hätte der Bach sofort umgeleitet
und in sein Bachbett eingeleitet werden können. Ein Großteil der Flurschäden wäre
dadurch erst gar nicht entstanden.
Diese Mängel raschest zu beseitigen, wird sicherlich Sache der zuständigen Behörden
sein.
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Die Ortsbauernschaft von Amras
Von Ortsbauernobmann GR Ök.-Rat Karl Klotz
Es ist ein besonderes Verdienst des Stadtarchives mit Direktor Univ.-Doz. Dr.
Franz-Heinz Hye anläßlich des 500-Jahr-Jubiläums der Amraser Pfarrkirche auch ein
eigenes Buch herauszugeben.
Wenn darin in mehreren Beiträgen über die mehr als 1000-jährige Geschichte und Ent-
wicklung unseres Heimatdorfes Amras berichtet wird, so spielt dabei ein Berufsstand-
nämlich die Bauern - eine besondere Rolle. Wenn durch das stete Wachsen der Lan-
deshauptstadt - besonders nach dem 2. Weltkrieg - dieser Berufsstand leider eine
gravierende Reduzierung erleiden mußte, so darf doch mit Freude bemerkt werden,
daß während der letzten 20 Jahre das »Bauernsterben« stark eingebremst wurde. Gab
es vor rund 40 Jahren noch an die 40 land- und forstwirtschaftliche Betriebe in Amras, so
zählen wir heute immerhin noch 13 aktiv arbeitende Bauern mit Viehhaltung in unse-
rem Ortsteil.
Die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn die Bewirtschaftung eines Hofes einmal einge-
stellt wurde, so war es oft nur ein kurzer Zeitraum, daß auch die Grundstücke der
Hofstelle der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen wurden. Um den noch in Amras
vorhandenen Viehbestand (254 Rinder, 392 Schweine, 11 Schafe, 299 Hühner) halten
zu können, bedarf es zusätzlicher Futterflächen, die außerhalb unserer Gemeinde
liegen.
Die Einwohnerentwicklung der Katastralgemeinde Amras zeigt klar, daß die letzten 4
Jahrzehnte den großen Umbruch in Form eines intensiven Siedlungswachstums ge-
bracht haben, wobei um 1971 ein gewisser Höhepunkt erreicht wurde. So berichtet die
Statistik im Jahre 1787 von 543 Einwohnern des Dorfes Amras. 1890 waren es 725, 1934
1.351, 1951 2.495, 1961 4.238, 1971 4.800, 1982 4.209 und derzeit (1. 1. 1989) 4.427.
In Amras wurde vor vielen Jahren versäumt, eine Grundzusammenlegung größeren
Ausmaßes durchzuführen. Durch die Streulage der Grundstücke und die z. T. vorhande-
nen großen Entfernungen vom Hof ist die Bewirtschaftung sehr erschwert. Dazu kommt
oft mangelndes Verständnis eines Teiles der Bevölkerung, den noch landwirtschaftlich
genutzten Flächen auch den nötigen Schutz und Respekt angedeihen zu lassen. Ande-
rerseits hat die Bauernschaft stets ein offenes Herz für die Erhaltung von Kulturgütern
gezeigt. Beispiele sind großzügige Spenden für die mehrmalige Kirchenrenovierung
und die Restaurierung der Kreuzkapelle im Amraser Friedhof im Jahre 1971 (vgl. Abb. 125),
sowie die Restaurierung des Wegkreuzes an der Geyrstraße gegenüber des »Seewir-
tes durch die Initiative von Karl Schlögl, »Unterer Gratl<<.
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Bleibt noch hervorzuheben, daß es auch in Amras im Rahmen der Ortsbauernschaft
eine hoffnungsvolle Jugendgruppe von Jungbauern und Landjugend unter Obmann
Franz Mayr mit derzeit 25 Mitgliedern gibt, die auch ein eigenes Programm mit kulturel-
len, sportlichen u. a. Schwerpunkten gestaltet und sich redlich bemüht, das bäuerliche
Erbe auch in Amras weiterzuführen.
Die Bezeichnung »Dorf« hängt ohne Zweifel mit noch vorhandenen Bauern zusammen.
Auch wenn Optimismus notwendig ist, darf doch erwartet werden, daß auch in Zukunft
in unserem geschichtsträchtigen Amras dieser Berufsstand zu finden sein wird.
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Von den Anfängen zur Gegenwart der Raiffeisenkasse Amras
Die wirtschaftliche Notlage im vorigen Jahrhundert war insbesondere für die Land-
bevölkerung drückend. Auslösend waren die beginnende Industrialisierung und die
Umstellung von Natural- auf Geldwirtschaft und die zunehmende Handelserschlie-
Bung. Der Ankauf von Saatgut oder Vieh und die Überbrückung von Notlagen durch
Krankheiten oder Mißernten konnten für den kleinen Mann nur über private Geldver-
leiher erfolgen. Diese verlangten meistens Wucherzinsen, deren Abrechnung und Hö-
he die Schuldner meist schutzlos gegenüberstanden. Die Überschuldung und Verstei-
gerung vieler Bauernhöfe war die Folge.
Um diesem Umstand abzuhelfen und auf Dauer wirksam zu begegnen, gründete Fried-
rich Wilhelm Raiffeisen im Jahre 1862 in Anhausen in der Bundesrepublik Deutschland
die erste Darlehenskasse. Diese Darlehenskassenvereine, die sodann in rascher Folge
gegründet wurden, waren die Vorläufer der später nach dem Gründer benannten Raiff-
eisenkassen. In Tirol wurde die erste dieser Raiffeisenkassen im Jahre 1888 in Ötz ge-
gründet.
Die Geburtsstunde der Raiffeisenkasse Amras schlug dann im Jahre 1907, und zwar am
7. Mai, im Gasthof Bierwirt des Hans Geyr. So nachzulesen in dem bis heute erhaltenen
Gründungsprotokoll. Die Kasse hieß zu dieser Zeit, wie überall, »Spar- und Darlehens-
kassenverein<.
Einberufer dieser Gründungsversammlung und somit Gründer des Vereins war der da-
malige Ortsvorsteher und Bauer, Herr Andrä Kirchmayr, »Burgler«. Ihm zur Seite stand,
und das kann man in dem Gründungsprotokoll wie auch in jedem Vollversammlungs-
protokoll nachlesen, Hw. Herr Siegmund Auer, damaliger Pfarrprovisor in Amras. Dieser
war es auch, der Wesen und Einrichtung dieser zu gründenden Darlehenskasse erklär-
te und zwar so überzeugend, daß sämtliche (!!!) dreißig Anwesenden sich entschlos-
sen, diesem Verein beizutreten. Nach einjähriger Tätigkeit als Vorsitzender des Auf-
sichtsrates scheint Pfarrprovisor Auer nicht mehr als Funktionär der Kasse auf, laut Voll-
versammlungsprotokoll verliest er aber alljährlich die Jahresrechnung und ist beratend
zur Stelle. Leider ist uns von ihm außer ein paar Eintragungen im Taufbuch der Pfarre
nichts überliefert.
Herr Andrä Kirchmayr, Gemeindevorsteher und Gründer der Raiffeisenkasse, über-
nahm gleich bei der Gründung die Funktion eines Aufsichtsrates und wurde in dieser
Funktion stets wiedergewählt bis zu seinem Tode im Jahre 1925.
Damals wie heute stellt eine Genossenschaft eine selbständige Wirtschaftseinheit dar
und wird von ihren Organen geleitet. Oberstes Gremium ist die Vollversammlung, eine
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nach dem Genossenschaftsgesetz jährlich abzuhaltende Versammlung aller Mitglie-
der. Hier wird die Jahresrechnung verlesen und genehmigt, werden Neuwahlen in den
Vorstand und in den Aufsichtsrat vorgenommen und über vorgebrachte Anträge abge-
stimmt.
Neben der Vollversammlung schreibt das Genossenschaftsgesetz die Bildung eines
mehrgliedrigen Vorstandes und eines Aufsichtsrates vor. Die Mitglieder dieser Gre-
mien werden allgemein als Funktionäre bezeichnet und üben ihre Tätigkeit nach wie
vor ehrenamtlich aus.
Die Männer der ersten Stunde, die sich als Vorstandsmitglieder zur Verfügung stellten,
waren:
Obmann:
Josef Gürtler, Bauer beim Schmuck, Amras
Obmannstellvertreter: Anton Steixner, Bauer beim Schöberle, Amras
Vorstandsmitglieder:
Andrä Mayr, Bauer beim Warbeler
Franz Marthe, Bauer beim Bezan
Josef Kirchmayr, Altvorsteher und Bauer beim Appeler.
Die Obmänner unserer Raiffeisenkasse waren:
1907 1938
1938-1959
1959-1965
Josef Gürtler, Bauer beim Schmuck
Hans Geyr, Gemeinderat, Ortsbauernobmann und Gastwirt beim Bierwirt
Hermann Wanker, Seewirt, Amras
1965 heute Hans Happ, Bierwirt, Amras.
Der erste Aufsichtsrat wurde aus folgenden Mitgliedern gewählt:
Vorsitzender:
Hw. Siegmund Auer, Pfarrprovisor, Amras
Aufsichtsratsmitglieder: Andrä Kirchmayr, Bauer beim Burgler (Gründer), und
Josef Sokopf, Bauer in Amras.
Die Vorsitzenden des Aufsichtsrates bis heute:
1907 1908 Hw. Siegmund Auer, Pfarrprovisor, Amras
1908 1926
1926 1938
1938
1959
1959-1969
1969 1972
1972-1979
Hw. Pfarrer Hermann Blaas
Hans Geyr, Bierwirt, Bürgermeister und Ortsbauernobmann
Johann Wieser sen., Bauer beim Pircher
Karl Zimmermann, Schulerbauer, 39 Jahre als Zahlmeister bei der Raiff-
eisenkasse tätig
Ferdinand Happ, Angestellter, Amras
Max Moser, Buchhalter und Besitzer des »Schloßcafé« in Amras
1979 heute Anton Steixner, Gastwirt im Hotel »Charlotte<<.
Wenn man berücksichtigt, daß sich nach den Bestimmungen des Genossenschaftsge-
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setzes die Funktionäre in einem vierjährigen Turnus zur Wahl stellen müssen, so schei-
nen durchwegs Männer auf, die über Jahrzehnte von den Mitgliedern in ihren Funktio-
nen bestätigt wurden. So übte Josef Gürtler die Funktion als Obmann 31 Jahre aus,
Franz Marthe 30 Jahre als Vorstandsmitglied, nicht zu vergessen Karl Zimmermann 39
Jahre als Zahlmeister und anschließend 10 Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Auch Funktionäre wie Hans Happ (24 Jahre Obmann in ununterbrochener Folge), Anton
Nagiller (Obmannstellvertreter seit 30 Jahren) sowie Karl Klotz (seit 1959 Funktionär),
die derzeit im Gremium der Raiffeisenkasse vertreten sind, wurden einige Male von der
Vollversammlung bestätigt und wiedergewählt.
Die Buchführung sowie die Schreibgeschäfte der Genossenschaft werden durch einen
von der Vollversammlung auf vier Jahre gewählten Zahlmeister besorgt, - mit diesem
Satz wird die Stellung des Zahlmeisters in den Statuten beschrieben.
Das geänderte Kreditwesengesetz von 1979 legte fest, daß ab 1981 die Führung der Ge-
schäfte und die Vertretung der Raiffeisenkasse nach außen von zwei Geschäftsleitern,
die diese Tätigkeit hauptberuflich ausüben, zu erfolgen hat. Nominiert werden diese
beiden Geschäftsleiter vom Vorstand.
Zurück zu den Anfängen:
Als erster Zahlmeister wurde 1907 der damalige Schulleiter Herr Ernst Hosp bestellt. Er
übte diese Funktion bis zum Jahre 1920 aus.
Im Jahre 1920 wurde dann der erst 18-jährige Karl Zimmermann zum Zahlmeister ge-
wählt und blieb dies bis 1959. Es waren dies sicherlich keine leichten Jahre - Zwischen-
kriegszeit, vorwährend und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Karl Klotz, heute Vorstandsmitglied der Raiffeisenkasse, war im Jahre 1959 wohl einer
der mutigsten Verfechter für den Weiterbestand der Genossenschaft. Er übernahm in
dieser Zeit den Zahlmeisterposten bis zum Jahre 1963.
Am 1. 1. 1963 wurde Peter Seebacher als Zahlmeister angestellt und 1982 Walter Nitzl-
nader.
Daß das Kassengeschäft sich am Anfang nur auf das Wesentlichste beschränkte, kann
man aus dem Umstand ersehen, daß Kassenstunden nur am Sonntag von 10 - 11 Uhr
abgehalten wurden. Im Vollversammlungsprotokoll von 1927 ist dann zu lesen: >>Vom
Abhalten allsonntäglicher Kassenstunden wird Abstand genommen, da sich die Funk-
tionäre bereit erklärten, bei Bedarf jederzeit Kassageschäfte durchzuführen.<<
Eine schwere Zeit für den Darlehenskassenverein dürfte die Zeit während des Ersten
Weltkrieges gewesen sein. Schulleiter Ernst Hosp schrieb im Vollversammlungsproto-
koll 1916: »Es konnten keine Wahlen durchgeführt werden, da keine wählbaren Mitglie-
der anwesend waren.<<
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Als Folge des für Österreich verlorenen Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen
Krise mußte 1922 eine rigorose Geldabwertung vorgenommen werden. 14.400 Kronen
wurden neu mit einem Wert von einer Goldkrone festgesetzt. Doch auch damit konnte
die galoppierende Inflation nicht gestoppt werden, und so erfolgte mit 1. Jänner 1925
eine Währungsumstellung auf Schilling. 10.000 Papierkronen gaben einen Schilling.
Der Geldwertverfall ist an einem Beispiel, das schriftlich festgehalten ist, ersichtlich:
Zahlmeisterentschädigung 1923-60.000 Kronen, für 1924 waren es schon 700.000 Kro-
nen. Am 17. März 1938 erfolgte dann die Einführung der Reichsmark, wobei 3 Schilling
für 2 Reichsmark umgetauscht wurden.
Nach dem Kriegsende im Jahre 1945 erfolgte die Wiedereinführung der Schillingwäh-
rung: 1 Reichsmark wird für 1 Schilling umgewechselt. 1947 mußten nach dem Wäh-
rungsschutzgesetz 60% der Einlagen als verfallen erklärt werden. Es war dies wohl eine
der schwersten Prüfungen für unsere Raiffeisenkasse, man denke nur an den Notgro-
schen älterer Leute (als Altersvorsorge gedacht), der nach der Abwertung wertlos ge-
worden war. Das Vertrauen der Sparer war damit arg erschüttert, und obwohl gänzlich
unschuldig, war die Raiffeisenkasse eine der leidtragenden Institutionen dieser Ent-
wicklung. Zählte die Kasse im Jahre 1938 bereits 73 Mitglieder, so waren es 1950 - 1959
nur mehr 53, und so stand man 1959 vor der Entscheidung, ob man den Betrieb über-
haupt weiterführen soll.
Inzwischen war aber eine neue Generation herangewachsen, die nicht aufgeben wollte
und sich vornahm, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Anstatt der verstorbenen
Funktionäre Obmann Hans Geyr und Obmannstellvertreter Anton Nagiller wurden
Hermann Wanker als neuer Obmann und Anton Nagiller jun. als Obmannstellvertreter
gewählt, der Jungbauer Karl Klotz übernahm die Zahlmeisterfunktion, und mit Hilfe der
Raiffeisen-Zentralkasse Tirol, die die ersten drei Jahre unentgeltlich eine Halbtages-
kraft zur Verfügung stellte, begann man den Wiederaufbau der Raiffeisenkasse.
Bald schon stellten sich die ersten Erfolge in Form von vermehrter Kreditnachfrage ein.
Dies gab den Funktionären Gewißheit, daß der richtige Weg eingeschlagen wurde.
Waren die Kassastunden wie schon erwähnt bisher nur jeden zweiten Sonntag von 10-
11 Uhr vormittags, anfänglich im Gasthof Bierwirt und später in der Stube des Zahlmei-
sters Karl Zimmermann, so ging man jetzt zum Halbtagesverkehr über und mietete da-
für ein Lokal in der Geyrstraße 51. Auch dies erwies sich als richtig, denn nun kamen die
ersten Urlaubsgäste in die Kasse und belebten durch ihren Valutentausch zusehends
das Kundengeschäft.
Am 1. Jänner 1963 konnte der bis dahin von der Zentralkasse zur Verfügung gestellte
Peter Seebacher von der Raiffeisenkasse Amras angestellt werden, der als Zahlmeister,
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Der Trachtenverein »Die Amraser<<
Ein Bericht der Obmänner Hans Ullmann (bis 1986) und Herbert Ullmann
Der Trachtenverein »Amraser« hatte am Ort bereits einen älteren Vorgänger. Es
war dies der Trachtenverein »Die lustigen Landler«, der von Amras und Ampass gemein-
sam getragen wurde und - mit einer Unterbrechung von 1910-1919 - bereits von 1904
bis 1923 bestanden hat. Die Standarte dieses Vereins hat sich in unserem Vereinsheim
erhalten. Sie zeigt vorne eine Ansicht von Dorf und Schloß Amras mit der Aufschrift:
>Tiroler Gebirgstrachten Erhaltungs und Schuhplattler Verein D'lustigen Landler Am-
ras u. Ampaẞ«. Die Rückseite zeigt ein tanzendes Trachtenpaar und den Wahlspruch
>Brauch und Sitt' der Alten wollen wir erhalten«.
Dieser erste Trachtenverein hat also leider schon 1923 zu bestehen aufgehört. Anderer-
seits aber wuchs eben damals eine neue Generation heran, die sich nach den Wirren
des Zweiten Weltkrieges wieder der wahren Ideale unserer Tiroler Heimat besann und
sich die Pflege der Tracht und des Volkstanzes zum Ziele setzte.
Der Gründung unseres Vereines gingen ständige Besuche des Trachtenvereines
>Etschtaler im damaligen Gasthaus Hallenbad voraus. Einige von uns waren Dauer-
gäste beim dortigen Verein und so entschloß man sich in Amras im Frühjahr 1946 einen
eigenen Verein zu gründen, - so wurden »Die Amraser« aus der Taufe gehoben.
Die Schwierigkeiten von damals waren gewaltig. Die französische Besatzungsmacht
war in unserem Lande und es mußten gegenüber den Behörden Männer gemeldet
werden, die mit dem früheren Regime nichts zu tun hatten. So sehen wir vor der Behör-
de Hundsbichler Michl als 1. Obmann (bereits verstorben), Josef Steixner und Hermann
Luchner (beide verstorben) im Ausschuß, sowie Steixner Robert und Blaas Luis. Diese
Männer haben uns gegenüber der Besatzungsmacht vertreten, ihnen gilt heute noch
ein inniger Dank.
Im internen Vereinsausschuẞ sah man als prov. Obmann Happ Ferdinand jun., Wenter
Walter als prov. Kassier und meine Wenigkeit als prov. Schriftführer und Blaas Luis als
Vorplattler. Alle weiteren aufzuzählen, welche noch im Ausschuß waren, würde zu weit
führen.
Happ Ferdinand sen., der Kapellerwirt, der später vom Verein zum Ehrenmitglied er-
nannt wurde, stellte uns den Vorraum der Kegelbahn neben dem Schankgarten zur
Verfügung. Wir mußten diesen Raum selber ausbauen und taten dies mit Begeisterung.
Das Dach wurde gerichtet, der Boden verlegt und viele andere Arbeiten. Im Protokoll
von damals liest man das so: >>Die Bretter für den Tanzboden wurden von den Bauern
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gesammelt und beim Tischlermeister Böck gehobelt. Besondere Anerkennung ver-
dient Kogler Hans (er war jahrelang Obmannstellvertreter), der in zuvorkommender
Weise den Boden legte<- soweit das Protokoll. Mitgearbeitet haben damals Nagiller
Toni und Rudl, Lener Hans und Otto, Plattner Hans, Köchl Toni und Franz, Wenter Wal-
ter, Steixner Toni, Happ Feri und Hansi.
Die Eröffnung unseres Probelokals erfolgte am Sonntag, den 28. Juli 1946, mit einem
Freitanz der Kapellerwirtin - so das Protokoll. Am 29. August 1946 wurde dann die erste
offizielle Wahl und der Name des Vereines endgültig fixiert. Meine Wenigkeit wurde
zum Obmann, Steixner Toni zum Schriftführer und Walter Wenter zum Kassier gewählt.
Blaas Luis wurde als 1. Vorplattler bestätigt, Happ Feri zum 2. Vorplattler gewählt.
Eine Besonderheit von damals, worüber man heute nur ein Lächeln übrig hat, war der
Beschluß des Vereinsausschusses, zu den Eltern der Dirndln zu gehen und eine Aus-
sprache zu führen, um unnötigen Redereien im Dorf ein für allemal entgegen zu treten.
Der Blaas Luis und ich hatten damals diese Aussprachen mit den Eltern der Dirndln,
und man konnte sich schon bei manchen etwas anhören.
Das Gründungsfest wurde am Pfingstsonntag, den 25. Mai 1947, im Kapellergarten ab-
gehalten. Es begann um 15.00 Uhr und wurde von ca. 1.200 Erwachsenen und ca. 300
Kindern besucht. Man kann sich so einen Zulauf- außer beim Amraser Dorffest -
heute gar nicht mehr vorstellen.
Im Jahre 1947 wurden wir von einer Kommission des Landesverbandes beurteilt und
für würdig befunden in den Landesverband aufgenommen zu werden. Beim 1. Landes-
trachtenfest in Igls im Jahre 1947 am Girgl gaben wir bereits ein kräftiges Lebenszei-
chen von unseren Kenntnissen im Plattln, wir errangen den 4. Platz, »mit die Buam<<.
In den Jahren 1948, 1949 und 1950 gab es bis zu drei Preisplattln in einem Jahr. Zu er-
wähnen sind hier die damaligen Hochburgen des Preisplattins Ehrwald, Thaur, Absam,
Schwaz und natürlich Amras.
So wurden auch regelmäßig in den Jahren 1948, 1949, 1950 und in den Jahren danach
Amraser Volksfeste veranstaltet, welche jeweils einen gewaltigen Zuspruch hatten.
Den Tanzboden mußte man mit 4 Pferdegespannen in Absam holen und nach der Ver-
anstaltung wiederum zurückbringen. Man hatte dazu die Zeit, wobei zu bemerken ist,
daß diese Fahrten oft sehr lustig waren und sehr lange gedauert haben (zwei Zusatz-
feiertage).
Im Jahre 1951 wurde unsere Fahne geweiht. In mühsamer Kleinarbeit wurden die Spen-
den für die Fahne zusammengebettelt. Das Fest selber war ein echtes Tiroler Brauch-
tumsfest. Beim alten Bezanbauern unterhalb vom Gasthof Seewirt wurden der Abt von
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Tiroler Sebirgstrachten Erhaltungs
und Schuhplattler Derring
Gegründet
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Duftigen
Sandler Amrasu Ampa
Abb. 190: Standarte des ehemaligen Trachtenvereins von Amras und Ampass »Die lustigen Landler«. - Vorder-
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Wilten, Hieronymus Triendl, die Fahnenpatin Frau Fuchs, Fahnenmutter Agnes Paller
und Fahnenbraut Julie Rienzner mit Kutschen eingeholt. Der Trachtenverein Schlern-
hexen fungierte als Patenverein.
Bereits im Jahre 1952 unternahm der Verein ein weit größeres Werk als die Neuanschaf-
fung der Fahne, man wollte für die Gefallenen beider Weltkriege ein Mahnmal errich-
ten. Umfangreiche Verhandlungen mit der Stadt und dem Stift Wilten waren notwen-
dig, um die ehemalige Totenkapelle, welche dem Verfall preisgegeben war, zu einem
würdigen Kriegerdenkmal umzugestalten. Architekt Prachensky entwarf uns den Plan,
welcher dann ausgeführt wurde. Sehr viele Arbeitsstunden waren notwendig, um die-
ses Werk zu vollenden.
Trotzdem blieb ein gewaltiger Schuldenberg zurück, denn die Versprechungen von
Stadt und Denkmalamt reichten nicht aus. Auch eine gestartete Bausteinaktion konnte
diese Summe nicht schaffen. So wurde im Vereinsausschuß der Beschluß gefaßt, sämt-
liche Einnahmen aus den Tirolerabenden (sie waren bei weitem nicht so hoch wie heu-
te) für die Rückzahlung der Schulden aus dem Kriegerdenkmal zu verwenden. Im Jahre
1953 wurden 101 Tirolerabende für diesen Zweck getätigt, es dauerte aber bis zum Jah-
re 1955, bis jegliche Schuld getilgt war.
Im Juni 1953 war die erste Auslandsfahrt des Vereines nach Thalwill in der Schweiz und
im Oktober nach Donaueschingen in der BRD. Viele Erlebnisse von damals sind bei
den Mitgliedern heute noch hochaktuell. Es folgten dann Auslandsfahrten, so z. B. 1954
14 Tage nach Holland, wo wir in den Orten Zwolle, Amsterdam, Texel, Domburg, um nur
einige zu nennen, gastierten. In den Jahren 1955 bis 1958 führten uns weitere Fahrten
nach Hamburg, Uzwill, Wädenswill, Donaueschingen, Saulgau, Schmieden und Villnös.
In den Jahren 1959 bis 1965 ging es nach Kaiserslautern, Scurelle und 1960 die erste Flug-
reise München - Kopenhagen, Paris, Stuttgart, Niort Frankreich, 1964 acht Tage Barce-
lona, Deidesheim, Illertissen.
Im Jahre 1966 wurde nach einer langen Pause wiederum ein Preisplattln um den Titel
eines Tiroler Meisters in Amras durchgeführt. In der Einzelwertung: 1. Vorplattler erziel-
te Ullmann Herbert mit seiner Partnerin Gollner Gerda (heute Viehweider) den Titel,
bei den 2. Vorplattlern war Ullmann Franz mit Plattner Zita erfolgreich. Im Vereinspreis-
plattin erzielte unser Verein mit der 1. Gruppe genau wie die Jugend den Tiroler Mei-
stertitel. Von meiner Warte aus muß ich doch die Feststellung machen, daß ich ein we-
nig wehmütig zurück blicke, denn es waren schöne Zeiten, die Zeiten, wenn's um's
Preisplattin ging.
Im Jahre 1966 bestritten wir gemeinsam mit der Musikkapelle Gries/Bozen und dem
Jagerhäusl-Dreigesang einen Abend in Bad Godesberg für das in Deutschland akkredi-
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Abb. 191: Der »Schuhplattlerverein D'lustigen Landler Amras« im Jahre 1919. Erste Reihe sitzend: Hans
Gratl, Wastl Wieser, Andrä Mayr, Franz Köchl. Zweite Reihe: Mitzi Nagiller, Pepi Gollner, unbekannt, Kathi
Nagiller. Dritte Reihe stehend: Tollinger Heinl, Sattler Wastl, Klotz Alois, Tollinger Karl, Fierlinger, Nagiller
Anton, Geyr Hans, Braito Emil, unbekannt, Wieser Martin.
Foto: Luis Gratl
tierte diplomatische Korps: Eine hervorragende Veranstaltung und eine wunderbare
Kritik in der deutschen Presse (Einige werden sich bestimmt noch an manch fröhliche
Stunden im Morgengrauen erinnern).
Bereits im Jahre 1966 wurde LHStv. Prof. Dr. Fritz Prior einstimmig zum Ehrenmitglied
unseres Vereines ernannt. 1967 errangen wir bei einem internationalen Volkstanzwett-
bewerb in Florange in Frankreich den 1. Rang. 1968 waren wir ein zweites Mal in Barcelo-
na. 1969 konnten wir bei der internationalen Volkstanzwertung in Florange unseren im
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Jahre 1967 errungenen Titel erfolgreich verteidigen. Es folgten Fahrten nach Holland,
Lüdenscheid, Berstett, Thuornot Belgien, Freiburg, Obemodern, Thonvill in der
Schweiz und viele andere Orte.
Warum ich heute sehr viele Auslandsfahrten erwähne - es sind bestimmt nicht alle -
so deshalb, damit sich die Mitglieder erinnern und nachdenken, wann man dort war,
und welches Erlebnis vielleicht heute noch als kleines Geheimnis nachklingt. Im Jahre
1974 ging es dann für 12 Tage nach Rußland, Auftritte in Moskau, Kiew und Tiflis wurden
abgewickelt.
Die weiteren Jahre waren neben Auslandsfahrten auch gekennzeichnet von der Pflege
des Brauchtums in unserer engeren Heimat. Im Jahre 1975 wurden die ersten Kontakte
mit der Gemeinde Andechs gepflegt und ich bin glücklich, daß ich bei diesen Gesprä-
chen von Anfang an dabei war. Die 1200 Jahrfeier in Andechs ist nur deshalb bei allen so
stark in Erinnerung, nicht weil soviele Leute waren um den wunderbaren Festzug zu se-
hen, sondern weil dabei ein wolkenbruchartiger Regen fast zwei Stunden anhielt. In
meiner Tätigkeit als Trachtler habe ich so etwas nie zuvor erlebt und deshalb ist auch
die Erinnerung an Andechs so stark.
Die Mittelmeerkreuzfahrt vom 24. September bis 7. Oktober 1977 war wohl ein beson-
deres Ereignis für unsere Volkstanzgruppe. Im Jahre 1980 vertrat unser Verein das Land
Tirol bei den Feierlichkeiten anläßlich der Staatsvertragsfeiern in Wien. Bei einem
Preistanzwettbewerb in Eisenerz erzielten wir den ersten Preis im Tanzen und Plattin,
dies sei nur nebenbei erwähnt. Vom 25. März bis 1. April 1983 folgte eine Reise der
Aktiven nach Israel.
Wie man sieht, wurde ein umfangreiches Programm bewältigt in einer relativ kurzen
Zeit von 43 Jahren, wobei die Inlandsarbeit gar nicht besonders in Erwägung gezogen
wurde, denn diese Arbeit ist für uns selbstverständlich, - ist die Basis. Wir können stolz
sein auf unsere Volkstanzgruppe, die gestern, heute und morgen den Verein im In- und
Ausland hervorragend vertritt.
Wenn auch der Umbau unserer aktiven Tanzgruppe in den letzten Jahren mit manchen
Schwierigkeiten gepflastert war, so kann man doch sagen, es ist uns gelungen, wieder-
um eine starke Tanzgruppe auf die Beine zu stellen. In diesen über 40 Jahren unternah-
men wir 95 Auslandsfahrten. Wir waren durch unser Auftreten im In- und Ausland Wer-
beträger für unsere Heimat, gerade weil wir die echte Linie immer vertreten haben und
uns nie kitschig vermarkten ließen. Daß wir zur Novellierung des Tiroler Veranstaltungs-
gesetzes auch ein kleines Schärflein beigetragen haben, dürfen wir in aller Bescheiden-
heit erwähnen.
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Abb. 192: »Schuhplattler Club die Jungen Amraser<, 1919.
Der besondere Stolz unseres Vereines ist es, daß wir immer eine Jugendgruppe hatten.
Daß wir beim Landes- und Bezirksverband zu den Stützen zählen, möchte ich hier auch
besonders anführen. Man sollte Taten, die gesetzt wurden und werden, in das richtige
Licht setzen.
So waren wir mit Tanzpaaren bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 1976 in
Innsbruck vertreten. Im Jahre 1983 bei der Eröffnung und Schlußfeier bei der Versehr-
ten-Olympiade in Innsbruck. 1984 beim Landesfestzug 175 Jahre Tiroler Freiheits-
kampf. 1985 bei der Eröffnung und Schlußfeier der Nordischen Schi-Weltmeisterschaft
in Seefeld.
Zehnmal wurden Tanzpaare zum Jugendseminar des Landesverbandes entsandt und
zehnmal waren Mitglieder unseres Vereines beim Inkasso des Bergisel-Springens da-
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1947
Janabruck
Feuerm-laestil
Abb. 193: Gründungsfest des Trachtenvereins >Die Amraser< am 25. Mai 1947 beim Kapeller: Am Boden sit-
zend: Franz Lacherberg und Heinz Eller. Erste Reihe von links nach rechts: Hans Lener, Toni Kluckner-
Schwab, Alois Blaas, Grete Zaumbauer, Hans Plattner, Hans Ullmann, Mali Pittl-Monz, Hans Dum, Robert
Mayr. Zweite Reihe von links nach rechts: Otto Lener, Hans Happ, Albert Rieß, Hans Wieser, Hedwig Wieser,
Anton Steixner, Julie Rienzner-Hundsbichler, Walter Wenter, Rudolf Nagiller. Dritte Reihe von links nach
rechts: Anton Nagiller, Hilde Steixner-Wenter, Ferdinand Happ jun., Mitzi Nagiller-Mayr, Ferdinand Happ
sen., Josef Mayr.
Foto: Hans Ullmann
bei, der Reinerlös dieses Inkassos wird der Jugendarbeit des Landesverbandes zuge-
führt. So wurde vor 13 Jahren der schöne Brauch des Grasausläutens zu Georgi von un-
serem Verein eingeführt, anfangs belächelt, ist heute ein Zuspruch beim Grasausläuten
von über 30 Buam.
Die Brauchtumspflege ist uns eine Herzensangelegenheit. Wir betreuen und erhalten
das Amraser Kriegerdenkmal und haben erst 1986 wieder eine Generalsanierung
durchgeführt. Die Firma Plattner stellte uns dazu kostenlos den Container zur Verfü-
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Die Vereinsmitglieder haben dabei insgesamt über 370 Arbeitsstunden geleistet.
Für die überaus großherzige Spende des Österr. Schwarzen Kreuzes zur Sanierung des
Gemäldes möchte ich mich auch bedanken. Auch dem Land Tirol, der Stadt Innsbruck,
der Raika Amras sowie den Freunden, Gönnern und Mitgliedern des Vereines gilt mein
Dankeschön. Durch diese Sanierungsarbeit haben die Amraser wiederum sehr wert-
volles Tiroler Kulturgut erhalten und einen Beitrag für die Volkskultur geleistet.
Neben der finanziellen Belastung der Sanierung des Kriegerdenkmals können wir aber
doch sehr zufrieden sein, daß uns auch gleichzeitig die Renovierung der Vereinsfahne
gelungen ist. Wir haben keine Fahnennägel verkauft, sondern den ganzen Aufwand aus
der Vereinskasse getragen. Unsere Vereinsfahne war schon in einem sehr desolaten
Zustand und um sie zu erhalten, hat man diese Renovierung gewählt. Sie ist hervorra-
gend durch die Firma Hammerschmied in Wien gemeistert worden. Wir sind aber auch
stolz auf unsere Fahnenpatin Lotte, denn wenn man in unserer Vereinsgeschichte
nachblättert, finden wir als ersten Fähnrich dieser Fahne 1951 ihren Mann Toni.
Die Voraussetzung für unsere Auftritte im In- und Ausland in den letzten über 40 Jahren
bildete die Probenarbeit und diesbezüglich ist es kaum zu glauben, daß wir in dieser
Zeit 1.310 Proben abgewickelt haben und dies - wohl gemerkt - ohne die Jugend-
proben, die bestimmt nochmals ca. 1.600 Tage ausmachen. An Gesamtauftritten bei Ti-
rolerabenden, offiziellen Empfängen im In- und Ausland verzeichneten wir 1986 die
rekordverdächtige Zahl von 3.220. Die Bilanz ist hiemit gezogen. Abschließend seien
daher noch die derzeitigen Ziele und Aufgaben des Vereines vorgestellt.
Das Hauptaugenmerk unseres Vereines liegt derzeit auf der Aus- und Weiterbildung
unserer Jugendgruppe. Dabei sind wir darauf bedacht, vor allem die Amraser Dorf-
jugend in unseren Verein einzubinden. Als unsere wichtigste Aufgabe sehen wir die
Pflege des Volkstanzes und der überlieferten Bräuche (z. B. Grasausläuten). Um auch
unsere unterstützenden Mitglieder in das Vereinsgeschehen einzubinden, führen wir
immer wieder Veranstaltungen durch, die die Kameradschaft und Geselligkeit fördern
sollen (z. B. Vereinsausflug, Watten, Kegelabende, u.ä.).
Unser größtes Anliegen ist derzeit, unsere Gruppe mit der in Amras bodenständigen
Tracht, der Wipptaler Tracht, einzukleiden. Da unser Dorf früher zum selben Gerichts-
bezirk wie Ellbögen gehörte, ist der Einfluß des Wipptales nicht zu leugnen. Da wir uns
dazu bekennen und die Eigenständigkeit des Ortes von allen Dorfbewohnern immer
wieder betont wird (wir uns also zuerst als Amraser und erst dann als Innsbrucker füh-
len), wollen wir das durch unsere Tracht dokumentieren. Außerdem werden die weibli-
chen und männlichen Mitglieder eine braune Joppe tragen, die die »Arbeitsgemein-
schaft für Lebendige Tracht in Tirol« in Anlehnung an die Wipptaler Joppe und unter
Berücksichtigung der historischen Entwicklung von Amras entworfen hat.
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Der Amraser Kirchenchor
Von Andreas Bramböck
Es darf wohl angenommen werden, daß der Kirchenchor zu den ältesten kulturel-
len Einrichtungen von Amras zählt. Seit 1793 gab es nämlich ein eigenes Schulhaus mit
einem Lehrer, von dem man annehmen kann, daß er für den Dienst in der Kirche heran-
gezogen worden ist. Den Nachweis dafür liefert uns die Schulchronik, wo ab dem Jahre
1874 bei allen Schulleitern der Zusatz »Organist<< beigefügt ist. Es waren dies: Romed
Saurwein (1874-1876), Anton Kratzer (1876-1879), N. Silbernagl (1879 - 1880), Karl
Lergetporer (1880-1883), Ferdinand Mayr (1883-1903), Ernst Hosp (1903 - 1929), Ro-
man Seeber (1930-1938) und Josef Fleidl (1938 - 1939).
Dann wurde die Reihe der Lehrer-Organisten unterbrochen, denn ab diesem Jahr über-
nahm der Finanzrat Dr. Anton Murr diese Funktion, der aus politischen Gründen von
Faistenau bei Salzburg, wo er bereits Organist und Chorleiter war, nach Amras über-
siedelt ist. Seine Tätigkeit reichte bis zum Jahr 1956. Dann übernahm der Lehrer Andre-
as Bramböck dieses Amt, allerdings nur als Chorleiter, denn bei den Aufführungen wirk-
te nun gesondert ein Orgelspieler mit. Feste Organisten gab es erst seit 1964 mit
Dipl. Ing. Herbert Kuen, von 1968 bis 1986 mit Prof. Bruno Brunat und anschließend kur-
ze Zeit mit Wolfgang Gamper. Andreas Bramböck blieb bis zum Jahre 1986 Chorleiter.
Ihm folgte für zwei Jahre sein Sohn Martin Bramböck, und ab 1989 führt Günther Zech-
berger den Kirchenchor.
Die Liturgiereform in den Fünfzigerjahren und das II. Vatikanische Konzil haben die
Anforderungen, die an den Kirchenchor gestellt wurden, wesentlich verändert. War es
bis dahin durchaus selbstverständlich, daß jeden Sonn- und Feiertag mindestens 1
Choramt zu singen war, daß bei jedem Rorate und jeder Maiandacht der Chor mitwirk-
te, so hat sich seither der Einsatz des Chores vor allem auf die Gestaltung der Festtags-
gottesdienste reduziert. Dafür wurde der Volksgesang aktiviert. Es ist keine Frage, daß
dadurch dem Kirchenchor zur Einstudierung neuer Werke mehr Zeit zur Verfügung
stand.
Das muß man vor allem bedenken, wenn man die Kompositionen, die früher darge-
boten wurden, mit denen vergleicht, die in den letzten dreißig Jahren zur Aufführung
gelangten. Wohl ist überliefert, daß es unter Chorleiter Ernst Hosp Orchestermessen
gegeben hat (der Dichter Josef Leitgeb und sein Bruder Prof. Rudolf Leitgeb haben da-
mals als Orchestermusiker mitgespielt), und auch Dr. Anton Murr wagte sich gelegent-
lich an Werke der Wiener Klassik, doch im allgemeinen mußte man sich doch mit eher
bescheidenen Kompositionen begnügen, die mit wenig Zeitaufwand zu erlernen wa-
ren. Aufzeichnungen darüber gibt es leider nicht.
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Regelmäßige und sehr gründliche Aufzeichnungen über die Arbeit des Amraser Kir-
chenchores gibt es erst seit 1951, als der jetzige Chor als Jugendchor gegründet worden
ist. Diese Neugründung wurde vor allem von Pfarrer Anton Plattner (in Amras 1937 -
1958) und der Stecherbäuerin, Maria Mayr (gest. 1986), betrieben, da es sich als unmög-
lich erwiesen hat, den bestehenden Chor mit jungen Sängern aufzufüllen. Die Abnei-
gung gegen den Kirchengesang war damals so stark, daß der Chorleiter versprechen
mußte, nicht in der Kirche zu singen. Man wollte sich ganz der weltlichen Literatur wid-
men. Der Eifer war aber so enorm, daß wöchentlich drei Proben gehalten werden konn-
ten. Als Proberaum stellte die Stecherbäuerin ihre Stube zur Verfügung, und das zehn
Jahre lang!
Schon am 9. Juni 1951 gab es im Kapellergarten den ersten Auftritt des Jugendchores im
Rahmen des Jugendsingens, das letzte Konzert dieser Art war im Jahre 1957. 1953 betei-
ligte sich der Jugendchor beim Innsbrucker Bezirkssingen und auch beim Landes-
jugendsingen, außerdem wurde die erste Bandaufnahme bei Radio Tirol gemacht. Auf
Ersuchen des Pfarrers ergab sich aber bald die Bereitschaft, die Maiandachten mit-
zugestalten und bei den Rorateämtern (um 6.30 Uhr) fallweise mitzuwirken. Da man ge-
nug Zeit hatte, diese Einsätze gut vorzubereiten und weil sich damit Erfolg und Aner-
kennung einstellten, war der Weg in Richtung Kirchenchor geebnet.
Mit der Aufführung der Orgelsolo-Messe von W. A. Mozart am 22. 11. 1955 war der Bann
endgültig gebrochen, die Kirchenmusik hat die junge Schar zu begeistern vermocht.
Beim Cäcilienhochamt 1956 wurden die verdienten Sängerinnen und Sänger des Kir-
chenchores nach der Messe mit einem festlichen Mahl im Gasthaus Kapeller bedankt
und geehrt. Ab diesem Jahr hatte der Jugendchor (er nannte sich immer noch so, war
vereinsbehördlich gemeldet und seit 1954 beim Tiroler Sängerverband) die gesamten
Aufgaben eines Kirchenchores übernommen.
Zur besseren Bewältigung der Aufgaben hatte der Chor damals einen Obmann, einen
Kassier usw., also einen richtigen Vereinsbetrieb. Erster Obmann war Johann Kirschner,
ihm folgte 1954 Robert Mayr, diesem im Jahre 1960 der heutige Gemeinderat Ökono-
mie-Rat Karl Klotz. Am 19. 5. 1962 erfolgte der Austritt aus dem Tiroler Sängerverband
und die Vereinsauflösung. Man war nur mehr Kirchenchor.
Von 1962 bis 1983 besorgte Chorleiter Bramböck selbst die Obmanngeschäfte, von 1983
- 1986 war Rosa Gamper Obfrau, ab 1986 übernahm diese Arbeit Lotte Pascher.
Nach dem frühen Tod von Pfarrer Anton Plattner wirkte vom November 1958 bis Sep-
tember 1959 der junge, hochbegabte Priester und Musiker Mag. Bruno Grünberger aus
dem Stift Schlägl in unserer Pfarre. Er brachte nicht nur das Kunststück zustande, eine
neue Orgel anzuschaffen, die durch eine große Spende von Johann und Marie Kirsch-
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Abb. 195: Der Amraser Kirchenchor (um 1956/58) im ehemaligen Gastgarten beim Kapeller.
ner und durch Spenden der Gemeindebürger bezahlt werden konnte, er bewirkte
auch, daß der Chor den nötigen liturgischen Schliff bekam. Die damals erarbeiteten
Propriumskompositionen für die wichtigsten Feste des Jahres sind auch heute noch ein
wertvoller Teil des Repertoires. Bruno Grünberger ist noch das einzige Ehrenmitglied
des Chores, nachdem Andrä und Maria Mayr sowie Johann und Marie Kirschner verstor-
ben sind.
Den Amraser Kirchenchor zeichneten in den vergangenen Jahrzehnten einige beson-
dere Eigenarten aus, die ihm zu einem gewissen Ansehen verhalfen. Durch die Nähe
des Chorleiters zur Blasmusik ergaben sich viele schöne Aufgaben im Rahmen der Ver-
einigung »Cantare et sonare<< (Singen und Spielen). Ab dem Jahre 1964 nahm der Chor
immer wieder an Veranstaltungen in dieser Richtung teil und nützte das erarbeitete
Programm auch zur Gestaltung der Gottesdienste in Amras, wobei die Amraser Bläser,
aber auch die Bläser der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt und der Innsbrucker Blä-
serkreis mit großem Erfolg eingesetzt werden konnten. Diese Ausrichtung befähigte
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den Chor auch zu mehreren Direktübertragungen und Tonbandaufnahmen bei Radio
Tirol. Und als etwas Besonderes mag auch gelten, daß der Amraser Chor in fast allen
Kirchen Innsbrucks gesungen hat und zu vielen festlichen Veranstaltungen herangezo-
gen wurde. Der Wirkungskreis blieb also keineswegs auf Amras allein beschränkt.
Ein Blick in das Chorrepertoire kann hier mehr ausdrücken als viele Worte. Es finden
sich darin doppelchörige Motetten alter Meister (Heinrich Schütz, Giovanni Croce,
Johann Pachelbel, Cesario Gussago, Jacobus Gallus, Giovanni Gabrieli u.a.) und
A-cappella-Messen von Andrea Gabrieli, Casali, William Byrd, Antonio Lotti, Claudio
Monteverdi, Hans Leo Haßler und Johann Joseph Fux.
Orchestermessen von W.A. Mozart: Orgelsolo-Messe, Spatzenmesse, Piccolomini-
Messe, Messe in G, Messe in D, Messe in B, Trinitatis-Messe, Krönungsmesse.
Von Joseph Haydn: Nicolai-Messe, Mariazeller-Messe, Theresienmesse, Orgelsolo-
Messe.
Von Valentin Rathgeber: Missa fac bunum, von Marc Antoine Charpentier: Weihnachts-
messe, eine Messe von Antonio Vivaldi und von Franz Schubert die Messe in G und in C.
Viel gesungen wurden aber auch die Messen von Vinzenz Goller, Max Ficke, Heinrich
Huber, Josef Gruber, Norbert Gerhold, Hans Bauernfeind usw.
Von Anfang an hat sich der Kirchenchor aber auch dem Volkslied verpflichtet gefühlt. Er
war z. B. beim ersten Innsbrucker Adventsingen 1967 im Norbertisaal dabei, wirkte bei
vielen Veranstaltungen des Fremdenverkehrsverbandes mit, hatte Auftritte mit der
Chorgemeinschaft Amras-Ampass-Götzens, gestaltete aber auch viele Gottesdienste
in Amras-besonders im Advent und zu Weihnachten - mit Volksliedern und Volksmu-
sik, veranstaltete Adventsingen in der Kirche und im Gemeindesaal. Ganz besonders
trug aber die Volksliedpflege bei den vielen, schönen Ausflügen zum Frohsinn bei, der
beim Amraser Kirchenchor immer schon einen hohen Stellenwert hatte und viel zum
Zusammenhalt beitrug. Es möge auch in der Zukunft so bleiben!
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Abb. 196: Der Amraser Jugendchor.
Foto: Engelbrecht
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Jugendchor Amras
Von Robert Engelbrecht
Unser Chor wurde im Jahre 1982 von Mag. Anton Pressl und Robert Engelbrecht ge-
gründet. Seit einigen Jahren sind wir über 30 Sängerinnen und Sänger, die sich jeden
Dienstag um 19 Uhr zur Probe im Jugendheim treffen. Von Beginn an stand die Bildung
einer christlichen Gemeinschaft im Vordergrund, die für alle Interessierten offen ist
und keine Falschheiten duldet. Durch pünktliches und verläßliches Kommen, Mithilfe
bei den Chorveranstaltungen und den Chorbeitrag unterstützt der Einzelne den Chor,
als >Chor-Service« sei etwa das Heimbringen der Mädchen nach den Proben erwähnt.
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Unser musikalisches Programm ist breit gefächert: Jugendmessen, Volkslieder, moder-
ne weltliche Lieder und klassische Messen werden abwechselnd gesungen, wobei wir
uns in Zukunft verstärkt dem klassischen Chor-Repertoire zuwenden werden. Unter-
stützt werden wir von unseren eigenen Instrumentalisten, bei klassischen Messen mu-
sizieren mit uns Schüler des Innsbrucker Musikgymnasiums. Unser Chor ist offen für
alle ab 14 Jahren, wir suchen auch laufend neue Instrumentalisten, - besonders aber
Tenöre, die diese Stimmgruppe verstärken!
Neben Meẞgestaltungen in unserer Pfarre sind wir in vielen Innsbrucker Pfarren zu
Gast; Altersheime, das Landes-Gefangenenhaus, mehrere Tiroler Pfarren und andere
ehrenvolle Einladungen runden das Programm unserer Auftritte ab. Chorfasching, Aus-
flüge und Probenwochenenden sind Fixpunkte im Jahr, ergänzt durch spontane ge-
meinsame Unternehmungen.
Da das Durchschnittsalter unserer Mitglieder schon deutlich über 20 Jahren liegt,
werden wir in nächster Zeit einen neuen Chornamen beschließen, unsere Chor- und
Gemeinschaftsarbeit aber im gleichen Geist fortsetzen.
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Sozialaktionen, Sternsingen, die Weihnachts- und Ostergruẞaktion (bei denen nach
der Mette bzw. nach der Osternachtsfeier kleine Geschenke an die Gläubigen verteilt
wurden) und die Teilnahme an Veranstaltungen der Innsbrucker Jungschar waren Zei-
chen der Lebendigkeit dieser Gruppen.
Die Zahl der Mädchen- und Ministrantengruppen wuchs weiter, regelmäßige Bespre-
chungen der Gruppenleiter wurden eingeführt, immer mehr Kinder aus unserer Pfarre
nahmen an den Jungschar-Großveranstaltungen Palette und am Buben-Lager teil, bei
denen sich etwa 3.000 Mädchen bzw. Buben aus ganz Österreich treffen. Seit 1982 gibt
es alljährlich ein Jungschar-Sommerlager unserer Pfarre, das nach Terlago, Achenkirch,
Stanzach und Wiese heuer erstmals im Kaunertal stattfand.
Derzeit gehören 80 Kinder zur Amraser Jungschar, sie sind in fünf Mädchen- und vier
Ministrantengruppen aufgeteilt, wo sie sich allwöchentlich treffen. Leider können kei-
ne Buben- und Mädchengruppen zusammengelegt werden, da in Amras noch immer
nur Buben ministrieren dürfen. Auch heuer wurden bzw. werden wieder Gruppenstun-
den, Sternsingeraktion, Ministrantenproben, Oster- und Weihnachtsgruẞ, Jungschar-
Messen, Ausflug und Lager vorbereitet und durchgeführt, - neu ist eine eigene Jung-
schar-Zeitung. So trägt unsere Jungschar viel zum Leben und zur Zukunft unserer
Pfarrgemeinde bei.
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Der Ski-Club Amras 1955-
Von Karl Horak
Gründung:
-
1989
Nachdem die Aktivitäten des Wintersportvereines Amras immer geringer wurden,
haben einige Amraser Schisportbegeisterte im Oktober 1954 beschlossen, einen neu-
en Schiverein in Amras zu gründen. Die offizielle Gründungsversammlung fand am 7.
Jänner 1955 im Gasthaus Seewirt statt. Der erste Ausschuß bestand aus folgenden
Gründungsmitgliedern:
Obmann:
Obmann-Stellvertreter:
1. Kassier:
2. Kassier:
Schriftführer:
Schriftführer-Stellvertreter:
Rodel-, Schanzen- und Zeugwart:
Musikreferent:
Beiräte:
Steiner Christian
Wanker Hermann
Ofer Hans
Rinner Elisabeth
Bramböck Andreas
Steiner Elisabeth
Rieß Albert († 1971)
Köchl Franz (†)
Gruber Karl, Lachberger Franz, Lechner Fritz (†),
Kirchmair Hans, Sonn Rudolf (†)
Vereinstätigkeiten:
Bereits die ersten sportlichen Tätigkeiten des SCA waren auf die Breitensportwirkung
ausgerichtet. Im Vordergrund stand der nordische Schilauf (Rodeln, Langlauf und
Springen). Doch mit der Abhaltung einer Vereinsmeisterschaft im Abfahrts- und Tor-
lauf, sowie einer Hochgebirgstour zum Saisonabschluß wurde auch an den alpinen
Schilauf gedacht. Sommerliche Sportveranstaltungen, wie Wald- und Hindernisläufe
sollten die Kondition und das Vereinsleben verstärkt fördern. Auch an gemeinsame
Vereinsabende und eine eigene Schihütte wurde gedacht.
Die weitere Entwicklung des Vereines:
Schon im Jahre 1956, ein Jahr nach der Vereinsgründung, kamen weitere aktive Mitar-
beiter, wie Max Moser als Kassier, Ernst Ullmann und Hans Steixner als Jugendwarte,
sowie Hans Staudacher als ideenreicher Initiator und späterer 2. Obmann zum Verein.
Durch die verstärkte Jugendarbeit und die daraus resultierenden Erfolge wurden be-
reits 1957 drei Langläufer und zwei Springer in den Tiroler Jugendkader aufgenommen.
Bald darauf erreichten die Gebrüder Heinz und Horst Moser die Aufnahme in den un-
ter der Leitung von >Bubi Bradl<< stehenden Springer A-Kader. Mit dieser Fortbildung
konnte Heinz Moser den Titel eines österr. Jugendmeisters im Spezialsprunglauf und in
der nordischen Kombination erreichen. Auch Hansjörg Ullmann zeichnete sich bei
einer österr. Meisterschaft der Langläufer über 10 Kilometer als bester Tiroler aus.
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Im Jahre 1960 übernahm Max Moser die Funktion des 1. Obmannes, die von ihm 10 Jah-
re sehr aktiv wahrgenommen wurde. So konnten bei nordischen Bewerben weitere vor-
derste Plätze gewonnen werden. Zur Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten hat
Sportwart Albert Rieß den Bau einer eigenen Jugendschanze im Mühltale angeregt und
1960 auch begonnen. Zur Verwirklichung erbrachten viele Vereinsmitglieder unter
seiner Leitung über 2000 Arbeitsstunden. Da außer der Arbeitsleistung auch Bauma-
terialien, Werkzeug und Transportmittel von den Mitgliedern zur Verfügung gestellt
wurden, konnten die für den Verein verbleibenden Materialkosten (ca. S 30.000,-) sehr
gering gehalten werden.
Am 16. Mai 1962 verstarb Heinz Moser beim Bundesheer, der erfolgreichste nordische
Schisportler unseres Vereines.
Am 2. Jänner 1963 absolvierte Horst Moser die ersten Trainingssprünge auf unserer<<
Schanze. Diese Testsprünge stellten der Schanze bereits ein gutes Zeugnis aus. Eine
Verlängerung des Anlaufes und geringfügige Änderungen sollten der Schanze noch
bessere Sprungeigenschaften verleihen.
Am 14. 2. 1964 erfolgte die offizielle Einweihung der Schanze. Zu Ehren und zur Er-
innerung an unseren großen Sportler erhielt die Schanze den Namen »Heinz Moser
Gedächtnisschanze«.
Im Jahre 1965 veranstaltete der Schiclub die erste Nikolofeier. Diese zählt heute noch zu
jener Kinderveranstaltung, die am stärksten besucht ist.
1966 wurde neben der Jugendschanze noch eine kleinere Schülerschanze errichtet.
Nicht zu unrecht hatte Amras zur damaligen Zeit den Nimbus als Tiroler Springerhoch-
burg. Trotzdem verlagerten sich die schisportlichen Interessen bereits in Richtung der
alpinen Bereiche.
1968 begann Kurt Trenkwalder mit der Abhaltung eines Schikurses für die Amraser Kin-
der. Die damalige Schneelage erlaubte noch die Abhaltung auf dem >Amraser Bichl<<.
Durch die während der Weihnachtsferien immer schlechter gewordenen Schneever-
hältnisse mußte auf höher gelegene Übungsplätze, wie Sistrans, Mutterer Alm, Schar-
nitz und Seefeld ausgewichen werden. Trotzdem stieg die Teilnehmerzahl weiter an
und erreichte beim letzten Schikurs mit ca. 100 Kindern den bisher größten Zuspruch.
1969 übernahm Kurt Trenkwalder die 1. Obmannstelle. Max Moser wurde für seine Ver-
dienste zum Ehrenobmann ernannt. In diesem Jahr wurde vom TSV der erste Karwen-
delmarsch durchgeführt, wobei der SCA die Betreuung des Stützpunktes >Laditz Alm<<
übernahm. Da an der Durchführung von nordischen Wettbewerben kein Interesse
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ficins Hoste
Schonge
Abb. 198: Die ehemalige Heinz-Moser-Schanze des Ski-Club Amras (erbaut 1960/62).
Foto: Margarete Hye-Weinhart
mehr bestand, hat Kurt Trenkwalder als Schilehrwart vor allem die alpinen Bewerbe ge-
stärkt gefördert.
Am 16. Mai 1971 mußte die Vereinsschanze wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.
Verhandlungen mit den übrigen Innsbrucker Vereinen über eine Aufteilung der Sanie-
rungskosten brachten kein Ergebnis. Auch dort bestand kein Interesse mehr am nordi-
schen Wettkampfsport. Leider waren in diesem Jahr auch zwei Todesfälle zu beklagen.
Am 4. August verstarb unser langjähriger Kassaprüfer Alois Gruber und am 27. Dezem-
ber unser Schanzenbauer Albert Rieẞ.
1972 erfolgte der erste Arbeitseinsatz am Patscherkofel, um die Rennstrecke für das
vorgesehene GIS-Derby wieder wettbewerbsfähig zu bekommen. Aufgrund der großen
Teilnehmerzahl bei der Vereinsmeisterschaft ist eine Trennung zwischen Kindern und
Erwachsenen notwendig geworden. Es entstand der Amraser Schülerschitag, wo sich
außer den Vereinskindern auch alle Amraser Volksschüler beteiligen können.
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1973 Beitritt zur Interessengemeinschaft Innsbrucker Schiklubs (IGIS). Dadurch war der
SCA auch am Zustandekommen der Weltcuprennen bei den vorolympischen Spielen
1975 und den Olympischen Spielen 1976 mit großem Arbeitseinsatz an der Organisa-
tion mitverantwortlich.
1975 übernahm Ernst Ullmann die 1. Obmannstelle. Der Club feierte sein 20-jähriges
Bestandsjubiläum.
1977 wurde in Zusammenarbeit mit den übrigen Amraser Vereinen das 1. Amraser Dorf-
fest abgehalten.
Am 4. März 1979 verstarb auf der Mutterer Alm, vor Beginn des Vereinsrennens, unser
Ehrenobmann Max Moser.
Am 27. Juli 1984 ereilte unseren Jugendwart Klaus Gratl in seinen geliebten Südtiroler
Bergen der Unfalltod. Er war treibende Kraft beim Training der >Rennläufertruppe<<, als
auch beim Trockentraining in der Turnhalle der neuen Amraser Volksschule. Durch sei-
nen sportlichen Ehrgeiz konnte er mehrfach die Schilehrwartemeisterschaft gewinnen.
1988 wurde unterhalb der Aldranser Alm, am Beginn des >>Klaus Gratlweges<<, die vom
TSV gestiftete Gedenktafel eingeweiht.
Die heutigen Tätigkeiten des Vereines:
Von den vielen Veranstaltungen werden noch durchgeführt:
• Nikolofeier
⚫Kinderschikurs
• Amraser Schülerschitag
•
•
Amraser Dorfschimeisterschaft
Trockentraining für Kinder und Erwachsene
O Slalom- und Riesentorlauftraining
Amraser Dorffest
• Betreuung des Karwendelmarsches
Der Schiclub Amras ist Mitglied der ARGE Patscherkofelrennen und übernahm auch
die Ausrichtung von einigen Bezirksmeisterschaften. Auch die Geselligkeit kommt
nicht zu kurz, so sorgen gemeinsame Schitage, ein Radausflug mit Grillparty und ein
Törggeleabend für ein reges Vereinsleben.
Für die Durchführung des Trainings, der Kinderschikurse und der Rennveranstaltungen
stehen dem Verein
1 ÖSV-Trainer, 5 Schilehrwarte und 3 ÖSV-Kampfrichter
zur Verfügung. Je zwei Schilehrwarte und Kampfrichter befinden sich z. Z. in Ausbildung.
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Abb. 199: Blick in die Seniorenstube im Widum.
Unsere Seniorenstube
-
ein lieb gewonnener Ort der Begegnung
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1989
Von Hermann Schweizer
Vor etwas mehr als 4 Jahren wurde die Seniorenstube ihrer Bestimmung überge-
ben. Seither hat sich in diesen gemütlichen Räumlichkeiten viel an verbindender
menschlicher Begegnung ereignet. Es wurden Feste im Jahreskreis gefeiert, man wurde
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eingeladen, nachdenklich zu werden, es gab Spiel- und Singnachmittage, erbauende
Lichtbildervorträge und es wurden von diesem Begegnungszentrum Ausflüge orga-
nisiert.
All dies trug bei, daß sich eine gute Gemeinschaft von Senioren entwickelte und die Be-
gegnungsnachmittage in der Seniorenstube ein Treffpunkt im wöchentlichen Alltags-
geschehen wurden, die einen wichtigen Platz im Terminkalender unserer Senioren ein-
nehmen. Die Zeit brachte es auch mit sich, daß wir uns von einigen lieb gewordenen
Besuchern verabschieden mußten, weil sie in eine ewige Heimat berufen wurden.
Es ist vielleicht auch angebracht, in diesem Rahmen wieder darauf hinzuweisen, daß je-
den Mittwoch von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr in der Seniorenstube Kirchsteig 9 ein Gemein-
schaftsnachmittag der Senioren stattfindet, zu dem alle herzlich eingeladen sind. Auch
auf das monatliche Programm, welches im Anschlagkasten vor der Kirche angebracht
ist, soll hingewiesen sein. Daraus kann man überblicksmäßig ablesen, welche Veran-
staltungen im laufenden Monat in der Seniorenstube stattfinden.
Für eine gute Kaffeejause ist immer gesorgt und man sollte diese Gelegenheit der Be-
gegnung nicht versäumen. Nochmals sei darauf hingewiesen - kein Mitgliedsbeitrag,
keine Bindung, sie soll ein gutes Angebot im menschlichen Miteinander sein - unsere
Seniorenstube in Amras!
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Die Arbeitsgemeinschaft Amras
Von Andreas Bramböck
(erweiterter Wiederabdruck aus dem »Amraser Boten« Jg. 21, 1985, Nr. 2)
Anfang Juni 1965 flatterte unseren Amraser Mitbürgern erstmals der »Amraser
Bote« ins Haus. Darin war zu lesen, daß sich in Amras eine »Arbeitsgemeinschaft<< gebil-
det hat. Wie kam es zur Gründung der »Arbeitsgemeinschaft Amras«? Um das richtig zu
verstehen, muß man die damalige Situation in der Gemeinde kurz beleuchten.
Da ist einmal zu erwähnen, daß Amras Ende der Fünfziger Jahre zwei herausragende
Persönlichkeiten verloren hatte: 1957 starb Ökonomierat Hans Geyr nach einem Ver-
kehrsunfall. Er war bis zum Anschluß 1938 Bürgermeister von Amras und letzter Ehren-
bürger dieser Gemeinde, die durch die Eingemeindung nach Innsbruck ihre Selbstän-
digkeit verloren hat. Nach dem Kriege wirkte er viele Jahre als Gemeinderat im Inns-
brucker Stadtparlament. Er kannte seine Amraser und ihre Probleme, und seine Mit-
bürger fühlten sich durch ihn gut geführt und vertreten. Sein plötzlicher Tod hinterließ
eine große Lücke, denn es war niemand da, der ihm nachfolgen hätte können.
Eine ebenso bedeutende Lücke riẞ der frühe Tod des damaligen Pfarrers Anton Plattner,
der 1958, erst 52 Jahre alt, verstorben ist. Er war eine außerordentliche Persönlichkeit,
ausgestattet mit einer begeisternden Redekunst, und obwohl er durch sein Engage-
ment als gesuchter Prediger und weitum bekannter Studentenvater seine Gemeinde
oft auch ein wenig vernachlässigte, so war er doch ein Mann, der diesem Ort Profil gab.
Der Verlust dieser beiden Persönlichkeiten verbreitete eine gewisse Unsicherheit und
auch ein Unbehagen, und gerade in dieser Zeit kamen große Dinge auf Amras zu: Auf
den weiten Amraser Feldern entstanden in den Sechziger Jahren Wohnanlagen, wo-
durch nicht nur die Landwirtschaft einen Einbruch erlitt, sondern auch neue Probleme
entstanden. Dann kam der Autobahnbau. Sensible Bürger beobachteten die Entwick-
lung damals schon, als die große Mehrheit der Bevölkerung darüber noch voller Be-
geisterung war, mit Sorge. Ein deutlicher Hinweis darauf ist bereits im ersten »Boten<<
ausgesprochen, wo es heißt: »Wir wissen, daß Amras, seitdem es ein Stadtteil von
Innsbruck geworden ist, in einem gewaltigen Umwandlungsprozeß steht. Auf den Am-
raser Feldern entstehen neue Siedlungen. In zwei Jahren wird das gewohnte Bild von
Amras von der Autobahn durchschnitten sein. Das bäuerliche Amras muß der Stadt
weichen. Neue Probleme erwachsen. Sie müssen gelöst werden. Wir glauben, daß es
nicht gleichgültig sein kann, in welchem Sinne sie gelöst werden. Es kann nicht richtig
sein, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen...<
Neben diesen einschneidenden Ereignissen gab es noch eine Fülle verschiedener
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Unzulänglichkeiten, die der Bevölkerung Sorge bereiteten: Straßenausbau, Gehsteige,
Sicherung des Schulweges, Straßenbeleuchtung, Straßenreinigung, Kanalisierung,
Schulbau, Gemeindesaal, Räume für die Vereine u.v. m.
Es muß noch etwas erwähnt werden: Das Fehlen von führenden Kräften wirkte sich in
jenen Jahren auch auf das Gemeindeleben, das neben dem Wirken von Schule und
Kirche vor allem von den angestammten Vereinen getragen wurde, ungut aus. Man ar-
beitete vorwiegend auf eigene Faust. Von einer gedeihlichen Zusammenarbeit konnte
nicht die Rede sein, ja es überwog manchmal sogar das Gegeneinander. All das wurde
damals heftig diskutiert, geschlossene Aktionen gab es aber nicht.
Ermuntert durch die Stecherbäuerin, Maria Mayr, bat ich daher am Beginn des Jahres
1965 ein paar angesehene und aktive Amraser, mit mir eine »Arbeitsgemeinschaft<< zu
bilden (heute würde man einer solchen Gruppe den Namen »Bürgerinitiative<< geben;
damals konnten wir nicht auf den Erfahrungen einer solchen Vereinigung aufbauen, es
gab sie nicht).
Und sie machten spontan mit: Norbert Stampfer, damals Oberst des Bundesheeres;
Dr. Walter Zebisch, damals noch Regierungsrat; Hans Ullmann, Obmann des Trachten-
vereines; Ferdinand Happ, Angestellter; Johann Happ, Bierwirt; Maria Mayr, Stecher-
bäuerin.
Als ersten Punkt führten wir in unserem Aufgabenkatalog die Vertretung der öffentli-
chen und kulturellen Interessen des Stadtteiles Amras an. Aber schon an zweiter Stelle
rangierte die Herausgabe des »Amraser Boten«. Dieser sollte unseren Tätigkeitsbe-
reich, Berichte über die Arbeit sowie die Vorhaben der Amraser Gemeinde und hei-
matkundliche Beiträge enthalten, aus denen schließlich ein Amraser Heimatbuch ent-
stehen sollte. Wir nahmen uns vor, die Vorstände der Vereine und die Vertreter von
Schule und Kirche zu regelmäßigen Aussprachen einzuladen, ebenso die ganze Bevöl-
kerung, wenn es um wichtige Dinge ging, wir wollten uns für die Belebung von Bräuchen
und die Erhaltung wertvoller Kulturgüter einsetzen und uns um die Jugend und auch
um die Alten kümmern.
Ein ungeheuer reichhaltiges Programm, das wir in unserer Begeisterung erfüllen woll-
ten. Dabei wußten wir von vornherein, daß wir nicht nur auf Wohlwollen, sondern auch
auf Widerstand und Miẞgunst stoßen würden. Wenn wir nun aber Rückblick halten, so
ergibt sich trotz vieler Abstriche noch ein respektables Resultat. In unserem »Amraser
Boten<< kann man alles nachlesen. Weil aber viele nicht im Besitz aller Ausgaben sein
dürften, sei hier einiges aufgezeigt.
Bis 1968 findet man die Berichte zum Thema >>Interessenvertretung« immer auf der
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ersten Seite, ein Beweis dafür, daß uns das am wichtigtsen schien. Das änderte sich, als
sich zu unserer großen Freude ein junger Amraser politisch zu profilieren begann und
sich dieser Aufgaben annehmen konnte: Unser jetziger Gemeinderat, Ökonomierat
Karl Klotz.
Stolz sind wir darauf, daß uns die regelmäßige Herausgabe des »Amraser Boten<< gelun-
gen ist. Die Herstellung war nicht wenig mühevoll, besonders in den ersten Jahren, als
wir die Berichte auf Matrizen schreiben und das Abziehen bald da, bald dort erbetteln
mußten. Eine Erleichterung bedeutete bereits die Anschaffung eines Gerätes, mit dem
wir das selber besorgen konnten (Ferdinand Happ hat sich darum jahrelang bemüht).
Die Belastung war aber auf die Dauer nicht mehr zumutbar, und so entschlossen wir
uns 1971, mit der Herstellung eine Firma zu betrauen, was zwar Mehrkosten verursach-
te, den äußeren Eindruck jedoch vorteilhaft veränderte und die Möglichkeit zur Veröf-
fentlichung von Bildern bot.
Nicht uninteressant ist vielleicht die Kostenentwicklung im Jahresdurchschnitt: 1965
waren es S 286,-, 1970 S 1.319,-, 1975 schon S 7.797,-, 1980 S 10.681,- und 1984 kam ei-
ne Ausgabe im Durchschnitt auf S 11.988,-. Die Auflage erhöhte sich von 400 Stück am
Beginn auf derzeit 1.150 Exemplare. Die Mittel zur Herausgabe bekommen wir durch
Beiträge der Vereine, durch eine Zuwendung der Stadtgemeinde und durch die Einzah-
lungen unserer Leser.
Wir glauben, daß es uns gelungen ist, mit dem »Boten<< das zu erreichen, was wir woll-
ten: Information über Geschehnisse in der Gemeinde und Aktivitäten der Vereine,
Neubelebung des Ortsbewußtseins, für manche vielleicht sogar die Weckung des
Gemeinschafts- und Heimatgefühls...
Ganz besonders stolz sind wir auf die Veröffentlichung der vielen heimatkundlichen
Beiträge aus der Feder von Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye, der seit 1971 Mitglied der
Arbeitsgemeinschaft ist.
Es ist natürlich nicht möglich und auch nicht sinnvoll, alles lückenlos aufzuzählen, was
überdies an Aktivitäten von der Arbeitsgemeinschaft ausgegangen ist. Ein paar Bei-
spiele sollen genügen.
1966 veranstalteten wir erstmals den >>Fröhlichen Nachmittag« für die älteren Amraser
Mitbürger (er wird jetzt von Karl Klotz und seinen Mitarbeitern weitergeführt); wir orga-
nisierten 1968 erstmals das »Schulkränzchen<<; wir machten den Beginn mit den >>Kin-
der-Schikursen« (jetzt organisiert der Schiclub diese Einrichtung); wir gestalteten 1968
auf dem Grundstück, wo jetzt das Schulhaus steht, einen »Festplatz«< und führten die
Reihe der >>Sommerkonzerte<< in Amras ein; fast wehmütig erinnern wir uns an den »Eis-
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laufplatz«<, den wir auf dem Festplatz präparierten und wo unsere Jugend schöne Mas-
kenfeste erleben konnte; 1973 errichteten wir die Amraser >Forstmeile« (sie wurde spä-
ter von der Stadtgemeinde Innsbruck übernommen).
- Soweit die Ausführungen des Gründers und ersten Obmannes der »Arbeitsgemein-
schaft Amras<« OSR. Volksschul-Direktor Andreas Bramböck, welcher 1988 diese Funk-
tion infolge Arbeitsüberlastung zurückgelegt hat. Sein Nachfolger als Obmann ist Hans
Ullmann, der den bis 1988 verfolgten Weg erfolgreich weiter beschreitet. Besondere
Erwähnung verdient diesbezüglich die Neugestaltung des »Amraser Boten« seit dem
Frühjahr dieses Jahres (1989, Nr. 1), womit auch sowohl das neue Amraser Wappen als
auch das heurige Amraser Jubiläumsjahr verkündet worden ist. Ebenfalls eigens her-
vorzuheben sind die erweiterten Sitzungen mit den Repräsentanten aller Amraser Kor-
porationen und Vereine, welche - seit vielen Jahren praktiziert eine gedeihliche
Koordination der Arbeit und Terminwahl bezweckt und die Erörterung gemeinsamer
Anliegen in einem breiten Forum ermöglicht.
Die >>Arbeitsgemeinschaft Amras« ist nur eine kleine Gruppe von sieben Mitgliedern.
Derzeit gehören ihr an: Obmann Hans Ullmann, von der Gründung bis 1988 Schriftfüh-
rer; Hans Zimmermann vulgo Schuler, Kassier; Kurt Trenkwalder, Hofrat i. R. Dr. Ludwig
Dellasega, Stadtarchivdirektor Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye sowie Lehrer
Christian Bramböck und Dr. Ferdinand Neu, welche seit 1987 gemeinsam die Redaktion
des »Amraser Boten« besorgen.
Die Aufgaben der »Arbeitsgemeinschaft Amras« haben sich im Laufe der Zeit wohl ge-
wandelt, doch das Ziel ist geblieben: Für Amras arbeiten, immer wieder neue Kräfte
mobilisieren, dafür einen Beitrag leisten, daß sich die Menschen in dieser Gemeinde
beheimatet und wohl fühlen.
Anhang:
Bisher im »Amraser Boten« erschienene heimatkundliche Beiträge
und Berichte über aktuelle Ereignisse in Amras:
1965/2: Der Amraser See, eine historische Skizze
1965/2: Autobahnbau in Amras
1965/3: Die St. Nikolaus-Schloßkapelle,
das älteste Gotteshaus von Amras
1966/1: Aus der Schulchronik von Amras
1966/1: Das SOS-Kinderdorf Studenten- und Lehrlingshaus in
Egerdach bei Innsbruck - Aufgabe und Funktion
1966/2: Geschichtliches rund um die Amraser Pfarrkirche
1966/3: Autobahnbau in Amras, ein Zwischenbericht
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1966/4: Die alte Aldranser Straße, die Schloßschmiede und die
ehemalige Vogelhütte - unscheinbare Denkmäler aus
alter Zeit
1967/1, 2, 3, 4 und
1968/1: Aus der Chronik der Musikkapelle Amras
1968/2: Zur Geschichte von Egerdach
1968/3 bis 1971/4: Berichte über die Kirchenrestaurierung
1968/4: Amras im Bombenkrieg 1943 - 1945
1968/4: Zum Gedenken und Bedenken, 10. Todestag
von Anton Plattner
1969/2: Prähistorische Gräber im Schloßpark von Ambras
1969/3: Die Getzner-Säule am alten Amraser Kirchweg
1969/4: Ein großer Tag für Amras (Einweihung der Kirche
nach der Restaurierung)
1969/4: Kirchenrestaurierung - Finanzierungsbericht
1970/1: Das Ehafttaiding - die alte Amraser Gemeinde- und
Gerichtsversammlung
1970/2: Einige Bemerkungen zu den alten Grabsteinen der
Amraser Kirche
1970/4: Brand in der Amraser Kirche
1971/1: Das Amraser Schulproblem
1971/2: Das Jubiläum des Trachtenvereines >>Die Amraser<<
1971/3: Die wichtigsten Daten aus der Kirchengeschichte
von Amras von den Anfängen bis zur Errichtung der
selbständigen Pfarre 1891 (zur 750-Jahr-Feier)
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Fesele
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Glettner
Plank
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1971/4: Zur Restaurierung der Amraser Pfarrkirche
1972/1: Das ehemalige Amraser Gemeindehaus
1972/2: Die ehemalige St. Georgskirche im Ambraser
Schloßpark
1972/3: Kleine Chronik der Raiffeisenkasse Amras
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1972/4: Neue Geschäftsstelle der Raika Amras und Umgebung
1973/2: Zur älteren Geschichte der Reichenau
1973/3: Der Reichenauer Gutshof und der »Roẞsprung<<
1973/3: Die Amraser Forstmeile
1973/4: Zur Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr von
1974/1: Zehn Jahre Kindergarten Amras
Amras 1883 - 1973
1974/2: Der Paschberg
1974/2: Schützenfahnen in Amras
1974/3: Der neue Spielplatz am Bleichenweg
1974/4: Eröffnung des Amraser Pfarrzentrums
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Erhart
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1975/1: Die Wiesengasse, einst Römerstraße und mittelalter-
liche Hauptverkehrsader vom südlichen Mittelgebirge
zum Talboden
1975/2: Die Viertl-Säule in Ampass
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1975/3: Der Tummelplatz
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1975/3: Pater Adolf Zimmermann - 40 Jahre Priester
Bramböck
1975/4: Der Tummelplatz als Wallfahrtsstätte
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1976/2: 30 Jahre Trachtenverein »Die Amraser<<
Bramböck
1976/3: Andechs und seine Grafen
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1976/4: 25 Jahre Chorarbeit in Amras
Bramböck
1977/2, 3: Das Ortsbild von Amras vor 200 Jahren
1977/3: Das erste Amraser Dorffest
1977/4 und
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Bramböck
1978/1: Das Ortsbild von Amras vor 200 Jahren
1978/2: Zum Abbruch der Amraser Bleiche
1978/2: Die neue Schrebergärtenanlage in Amras
1978/3: Das Ortsbild von Amras vor 200 Jahren
1978/4: Amras hat ein neues Schulhaus
1978/4: Amras feierte mit seinem Pfarrer
(Silbernes Priesterjubiläum)
1979/1: Das Ortsbild von Amras vor 200 Jahren
1979/2: Die neuentdeckten Malereien im Hochschloß
von Ambras
1979/3: Neue Zweigstelle der Sparkasse Innsbruck-Hall
1979/4: Vor 25 Jahren erhielt Amras seine neuen
Kirchenglocken
1980/1: 150 Jahre Musikkapelle Amras
1980/2: Das Dorf Amras und die Gründung der Innsbrucker
Altstadt vor 800 Jahren
1980/2: Aus der Chronik der Musikkapelle Amras
1980/4: Amras in alten Ansichten
1981/1: Schutzzone Amras
1981/2: Hermann-Gmeiner-Akademie
1981/4: Zur Geschichte des Amraser Kriegerfriedhofes an der
Wiesengasse
1982/1: Strandbad Schönruh - Erinnerung und Hoffnung
1982/3: Egerdach, ein Ampasser Hof, ein Amraser Bad und
ein Ziegelofen, aus dem sich die Hermann-Gmeiner-
Akademie entwickelte
1982/4: Eröffnung der Hermann-Gmeiner-Akademie
1983/1: 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr von Amras
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Bramböck
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1983/2: Würdige 100-Jahr-Feier der Amraser Feuerwehr
1983/4: Alte Zeugen bäuerlichen und nicht-adeligen
Wappenbrauchs in Amras
1984/1: Kriegstote aus den Tiroler Freiheitskämpfen 1796/97
und 1799, in den Soldatenfriedhof von
Amras umgebettet
1984/2: Der Anteil von Amras an den Ereignissen des
Jahres 1809
1984/3: Der Neubau der Amraser Schule abgeschlossen
1984/4: Luftbilder von Amras aus dem Jahre 1964,
bereits >historische« Ansichten
Bramböck
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Mellitzer
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Bramböck
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Vogth
1984/4: Krippen in Amras
1985/1: Der Amraser Widum in neuem Glanz
Lang
1985/1: Begegnungsstätte der Freundlichkeit unsere Altenstube Schweizer
1985/3: Hochwasser in Amras
1985/3: 25 Jahre Amraser Orgel
1985/4: Das ehemalige Gestapo-Lager in der Reichenau
1985/4: Krippen in Amras
Resch
Bramböck
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Vogth
1986/1: Das »>Lehrerheim« in Amras
1986/4: Das Amraser Fresko vom »Jüngsten Tag<<
1987/2: Der Amraser Hochwald
1987/3 und 4: Gewerbe und Handwerk im alten Amras
Bartl
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Zimmermann
1987/4: Amraser Weihnachtskrippen
1988/1: Die Wirtschaft in Amras
1988/2: Amras und Stift Wilten
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Vogth
Winkler
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1988/3: Anton Plattner. Eine herausragende Priesterpersönlichkeit Bramböck
1988/4: Amraser Weihnachtskrippen
1989/1: Ein Stadtteil-Wappen für Amras
Vogth
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IN AMRAS BEHEIMATETE INSTITUTIONEN
Das »Lehrerheim« in Amras
Von OSR Direktor Hubert Bartl
(Wiederabdruck aus dem >>Amraser Boten« Jg. 22, 1986, Nr. 1)
Am Hohlweg, dem steilen Spazierweg von Pradl zum Schloß Ambras und zum Tum-
melplatz, südlich der Endstation der Straßenbahnlinie 3, unterhält der Katholische
Tiroler Lehrerverein (KTLV) das Schüler- und Studentenheim »Tiroler Lehrerhaus<<.
Dieses Haus, in dem vorher eine Gemischtwarenhandlung untergebracht war, wurde
im Jahre 1930 vom KTLV erworben. Es sollte eine Unterkunft für Lehrersöhne sein, um
ihnen das Studium in Innsbruck zu ermöglichen (damals war es noch üblich, daß der
Sohn eines Lehrers wieder Lehrer wurde). Unter großen Opfern legten die Vereinsmit-
glieder zu ihrem Vereinsbeitrag Monat für Monat noch einiges hinzu und schufen so die
finanzielle Grundlage für dieses Projekt.
Der KTLV richtete das Haus als Heim ein, das bald sehr gefragt war. Manchem armen
Studentlein wurde damit ein Lebensweg eröffnet, der sonst vielleicht versperrt geblie-
ben wäre. Hier soll aber auch erwähnt sein, daß in den wirtschaftlich schlechten Jahren
bei vielen Familien in Amras für die Lehrer-Studenten ein Mittagstisch bereitgestellt
wurde. Es sollen keine Namen genannt werden, aber diese Familien haben mitgewirkt,
aus jungen Menschen Persönlichkeiten zu bilden. Ihnen allen sei dafür gedankt!
1938 wurde das Haus vom NS-Regime enteignet und bis 1945 als Mädchenheim ge-
führt, aber nach dem Krieg erhielt es gleich wieder seine alte Funktion. In diesen Jahren
haben sich die Heimleiter Chiem, Maurizio, Fiechtl und Holzeis um das Lehrerheim ver-
dient gemacht. Zeitweise wurden bis zu 50 Schüler der damaligen Lehrerbildungsan-
stalt im Heim am Tummelplatzweg (früher Amras 107) untergebracht.
Im September 1959 habe ich die Leitung des Heimes übernommen. Es war damals von
einer »Bruchbude« die Rede. Wohl war es möglich, mit viel persönlichem Einsatz den
Heimbetrieb >über Wasser« zu halten, wobei die nicht gerade namhafte Summe von
der Grundablöse durch die Autobahn AG manches erleichterte.
Dann übernahm der Tiroler Bauernbund im Pachtverhältnis das Heim und renovierte
Heizung, Fassade und Dach (1966-1975). Das Innere war aber immer noch dürftig.
Als ich nach dem Heimgang von Frau Maurizio und Direktor Hailand auch noch den
>>Habichtshof<< in Neustift/Kampl zu verwalten hatte, der ebenfalls im Besitz des KTLV
und genauso erneuerungsbedürftig war, stellte sich die Frage, welchem Projekt der Vor-
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zug gegeben werden solle. Beide zu erhalten, schien nicht durchführbar zu sein. Der
Vorstand des Lehrervereins entschloß sich zum Verkauf des Habichtshofes und einiger
Grundstücke im Stubaital. Mit Eigenmitteln, Subventionen des Landes Tirol, vertragli-
cher Zuwendungen des BMFUKS und unter Ausschöpfung noch einiger Möglichkeiten
wurde zuerst ein Neubau zum Tiroler Lehrerhaus erstellt und dann der Altbau vollkom-
men umgestaltet. Durch sorgfältige Planung konnten Ein- und Zweibettzimmer mit zu-
gehörigen Naẞräumen für insgesamt 40 Personen geschaffen werden. Zudem bietet
das Haus einen Versammlungsraum, eine Hausmeisterwohnung und zwei Büroräume
für die Vereinsleitung. Der Bau wurde mit Beginn des Schuljahres 1985/86 fertigge-
stellt. Somit kann das »Lehrerheim« in unserer Zeit und auch in der Zukunft seine Auf-
gabe im Sinne der Begründer erfüllen.
Am 18. Jänner 1986 fand in einer würdigen Feierstunde die offizielle Einweihung des Hei-
mes statt. Der Obmann des Vereines, Hauptschuldirektor Herbert Pogatschnig, Landes-
hauptmann-Stellvertreter Prof. Dr. Fritz Prior und Bürgermeister Romuald Niescher fan-
den anerkennende Worte, bevor der geistliche Betreuer des KTLV, Msgr. Dr. Klaus Egger,
und Stadtpfarrer Stephan Lang das Haus weihten. Der Kinderchor der Volksschule
Amras, geleitet von Frau VOL Gretl Habringer, umrahmte die Veranstaltung.
Die Hermann-Gmeiner-Akademie in Egerdach
Von Rudolf Maurhard
(erweiterter Wiederabdruck aus dem »Amraser Boten« Jg. 17, 1981, Nr. 2)
Für alle, die Egerdach aus einer Zeit kennen, in der sie ein kleiner Spaziergang
über den Rand der Stadt hinaus noch ein wenig »über Land<< führte, ganz besonders
aber für die Amraser, besteht zur Zeit Grund genug, den Kopf zu schütteln, wenn sie
staunend und wohl auch ein wenig nachdenklich beobachten, wie dieser Weiler in den
letzten Jahren sein Aussehen verändert hat.
Nach dem Kauf des alten Erholungsheimes der Krankenkasse durch den österreichi-
schen SOS-Kinderdorf-Verein im Jahre 1955 folgte bald darauf der Ausbau zu einem
Jugendhaus für nahezu 100 Lehrlinge und Schüler.
Im Jahre 1978 schließlich wurde durch die Gründung und den Bau der HERMANN-
GMEINER-AKADEMIE ein Projekt zu verwirklichen begonnen, mit welchem SOS-Kin-
derdorf-International mit Hilfe einer Reihe von Förderländern zweierlei realisieren will:
das Lebenswerk des Gründers und Repräsentanten unseres weltumspannenden
Sozialwerkes zu ehren und zu bedanken und gleichzeitig einen Meilenstein im inner-
betrieblichen internationalen Organisationswesen zu setzen.
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reichen Arbeit dürfen nicht hundertfach brach liegen bleiben oder versiegen, sie müssen
gesammelt, gefiltert, reflektiert, ausgewertet und weitergegeben werden. Sie sind
das Kapital, mit dem die für nationale und internationale Einsätze vorgesehenen Füh-
rungskräfte und Projektleiter der Organisation während ihrer Ausbildung und Weiterbil-
dung auszustatten sind, um die SOS-Kinderdorf-Idee weiterzutragen und umzusetzen.
Ein Unternehmen dieser Größenordnung, dessen Anstrengungen primär darauf ausge-
richtet sind, entwurzelten jungen Menschen wieder zu tragfähigen Bindungen zu verhel-
fen, braucht aber auch selbst eine gemeinsame Heimstätte, ein »Vaterhaus«<, das allen
gehört, die sich als Mitarbeiter und Ideenträger in diesem Sozialwerk gebunden und zu
Hause fühlen. Insoferne ist die Hermann-Gmeiner-Akademie Begegnungsstätte vieler Na-
tionalitäten, Kulturen, Religionen und Geistesrichtungen und leistet einen wesentlichen
Beitrag für gegenseitiges Verstehen, für Achtung und Toleranz und damit für den Frieden.
Es wäre im finanziellen Rahmen unseres österreichischen Vereines niemals möglich
gewesen, dieses gewaltige Projekt ohne fremde Hilfe zu realisieren. Aber wir konnten
als Gründerland das Grundstück zur Verfügung stellen, welches durch den Abbruch
des alten und bereits baufälligen, ein halbes dutzendmal umgebauten >>Erholungshei-
mes<< der Krankenkasse frei wurde. Die Baukosten selbst wurden von internationalen,
insbesonders skandinavischen Fördervereinen und vor allem dem deutschen SOS-
Kinderdorfverein sowie dem Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland getragen. Unse-
rem Land sind dadurch Mittel in zig-facher Millionenhöhe zugeflossen, die der heimi-
schen Wirtschaft und dem Gewerbe nicht unwesentliche Impulse verliehen haben.
Dafür sagen wir unseren Förderern den gebührenden Dank.
Der Eröffnung der Hermann-Gmeiner-Akademie am 12. September 1982 hat auch noch
der Gründer unserer Organisation beigewohnt. Nun, nachdem er hochverdient, aber
auch hochgeehrt am 26. April 1986 verstorben ist, empfinden wir ungleich mehr die
Verpflichtung durch die Bildungsarbeit in unserer Akademie seine Idee und sein Werk
nicht nur weiter am Leben zu erhalten, sondern in seinem Sinne weiter zu entwickeln.
Geschichte der Lebenshilfe Tirol (Stammhaus Domanigweg 3)
Von Roland Schick
>Es begann eigentlich wie jede Gemeinschaft beginnt«, erläutert uns Karl Winkler,
einer der Pioniere der Lebenshilfe Tirol, »die etwas Gemeinsames zusammenführt -
gemeinsame Interessen, gemeinsame Ideen, gemeinsame Nöte und Defizite, gemein-
same Ziele.<< (Winkler K., 25 Jahre Lebenshilfe Tirol, S. 13)
Am 13. 8. 1963 wurde die Lebenshilfe Tirol als »Verein für das entwicklungsbehinderte
Kind« gegründet. Zähe Aufbauarbeit war notwendig, um im Keller der Daniel-Sailer-Schule
im Sieberer'schen Waisenhaus die erste Tagesheimstätte zu errichten. In den folgenden
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sieben Jahren gelang es, durch großen persönlichen Einsatz der Gründungsmitglieder
die Öffentlichkeit auf das Schicksal der behinderten Menschen aufmerksam zu machen.
>>Die Geschichte der Lebenshilfe Tirol ist untrennbar mit dem Haus Domanigweg 3 ver-
bunden«, erzählt Notar Dr. Stefan Lami, Vizepräsident der Lebenshilfe Tirol. >>Es ist
unser Stammhaus, in dem ursprünglich, vor der Gründung der Sektion, die ganze Le-
benshilfe untergebracht war. Im Jahr 1970 wurde uns das Gebäude von der Stadt-
gemeinde Innsbruck in dankenswerter Weise um einen jährlichen Anerkennungszins
verpachtet und damit war der Grundstein für die weitere großzügige Entfaltung der
Lebenshilfe gelegt.<< (Lami, Stefan, Zeitung der Sektion Innsbruck-Stadt, 1989, S. 7)
Im Jahre 1972 konnten nach den Umbauarbeiten die Werkstättenräume und das Wohn-
heim am Domanigweg in Betrieb genommen werden. Zwei Jahre später erfolgte die Er-
öffnung des 1. Sonderkindergartens, der später nach Absam verlegt wurde. 1980 folgte
die Gründung der Innsbrucker Hotelwäscherei, die im Jahre 1988 erstmals eine positive
Bilanz vorlegen konnte. Im Jahre 1971 begann die Expansion der Lebenshilfe Tirol mit der
Gründung der Sektion Osttirol. Heute gibt es Zweigstellen im ganzen Bundesland Tirol.
Aber auch die Räumlichkeiten am Domanigweg reichten bald nicht mehr aus, um die
große Anzahl der behinderten Menschen unterzubringen, in Innsbruck entstanden
zwei Dependancen, 1983 die Tagesheimstätte Reimmichlgasse für Innsbruck-Stadt
West, 1985 die Tagesheimstätte Neu-Arzl. In diese Zeit fällt, infolge der Größe der Le-
benshilfe Tirol (mehr als 600 betreute behinderte Menschen, mehrere hundert ehren-
amtliche Mitarbeiter und über 200 hauptberufliche Mitarbeiter) die Trennung von Lan-
desverband Lebenshilfe Tirol und der Sektion Innsbruck-Stadt. Der Landesverband ist
seither in der Möẞlgasse 7 untergebracht.
Das Haus und die Einrichtung am Domanigweg hatten natürlich unter der fast 20jähri-
gen intensiven Nutzung entsprechend gelitten, die Baulichkeiten sollten den wissen-
schaftlichen Erkenntnissen entsprechend verbessert werden. Eine angenehme räum-
liche Atmosphäre sollte geschaffen werden. Die Eingangshalle wurde freundlicher
gestaltet, 3 Werkstättengruppen mit ca. 20-25 behinderten Menschen sind vorgese-
hen. Bürgermeister Romuald Niescher, der ehrenamtliche Obmann der Sektion Inns-
bruck-Stadt ermöglichte durch einen entsprechenden Gemeindebeschluß den Einbau
eines Lifts, um eine rollstuhlgerechte Benutzung zu gewährleisten.
>>Es begann... und es beginnt immer wieder«<, wie Karl Winkler erzählt, »wenn sich
Menschen auf den Weg machen und ehrlichen Willens sind sich mit all ihren Kräften für
die Belange der behinderten Mitmenschen einzusetzen, indem sie privat initiativ in
ihrer Arbeit mit behinderten Menschen und für behinderte Menschen nicht allein
einen Job, sondern eine Aufgabe sehen.<<
In diesem Sinne wird die Lebenshilfe Tirol weiterarbeiten.
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Dienstag, 15. 8.
8.30 Uhr
Donnerstag, 17. 8.
11 Uhr
Sonntag, 1. 10., 10 Uhr
Kirchenpatrozinium Fest »Maria Himmelfahrt<<
Hochamt (Kirchenchor Amras)
Eröffnung der Jubiläums-Ausstellung »Amras in alten Ansichten<<
im Innsbrucker Stadtarchiv durch Bürgermeister R. Niescher
Amraser Schützenjahrtag hl. Messe
Sonntag, 15. 10., 10 Uhr Erntedankfeier
Donnerstag, 19. 10.
15 Uhr
Freitag, 20. 10.
20 Uhr
Sonntag, 22. 10.
9 Uhr
Donnerstag, 26. 10.
Montag, 6. 11.
bis Samstag, 18. 11.
ORF-Sendung
>>Heimat Tirol<< (Ö-Regional)
Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung aller Amraser
Vereine und Korporationen - Volksschule Amras
ORF-Sendung: »Amras, ein Stadtteil, der sein Dorfleben
bewahrt hat<< (Volksschule Amras)
>500 Jahre Pfarrkirche Amras<<
Hochamt zelebriert von Bischof Dr. Reinhold Stecher
(Kirchenchor Amras), anschließend Agape
Jubiläumswallfahrt nach Andechs
>>Amraser Impressionen« Ausstellung des Amraser
Künstlers Toni Höck in den Gängen der Volksschule
Samstag, 18. 11., 20 Uhr Ball der Musikkapelle Amras - Gemeindesaal
Montag, 20. 11.
11 Uhr
Samstag, 25. 11.
19.30 Uhr
Sonntag, 26. 11.
19.30 Uhr
Freitag, 8. 12., 20 Uhr
Samstag, 16. 12.
Präsentation der Festschrift »Amras - Geschichte und
Gegenwart<< von Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye durch
Bürgermeister Romuald Niescher im Gasthof Kapeller
Cäcilienfeier der Musikkapelle - hl. Messe
gestaltet von der Musikkapelle
Cäcilienfeier des Kirchenchores Amras
Gottesdienst gestaltet vom Chor
Adventsingen des Kirchenchores - Pfarrkirche Amras
Schlußveranstaltung
Einweihung der Amraser Dorfkrippe, Aufstellen eines
beleuchteten Christbaumes, Adventmarkt - Schulplatz
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