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Sign. NrJ-108/3 L
Handexemplar
STADTARCHIV INNSBRUCK
Inv. Nr. 9792
Hötting-West/Allerheiligen
Festschrift 50 Jahre Kirche und Volksschule
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HÖTTING-WEST/ALLERHEILIGEN
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DIE STADTTEILE INNSBRUCKS
herausgegeben vom Innsbrucker Stadtarchiv
Schriftleitung: Franz-Heinz Hye
Band 3:
Hötting-West/Allerheiligen
Festschrift
50 Jahre Kirche und Volksschule
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Abbildung am Titelblatt: Die Gegend von Allerheiligen mit dem Fischerhäusl (rechts), dem zu einem
kleinen See erweiterten Lohbach - damals noch der Giessen genannt, der alten hier turmlosen
Allerheiligenkirche, dem Galgenbichl und dem Kerschbuchhof aus dem Fischereibuch Maximilians I.
von 1504.
Ausschnitt aus: Franz Unterkircher, Das Tiroler Fischereibuch Maximilians I., 1. Auflage 1967,
Verlag Styria Graz Wien Köln, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Zusammenstellung der Illustrationen und Bilduntertitel: F. H. Hye
ISBN 3-901886-15-X
Innsbruck 1987
Herausgeber und Verleger: Stadtmagistrat Innsbruck
Für den Inhalt sind die Verfasser verantwortlich
Gesamtherstellung: Hernegger Offsetdruck Ges.m.b.H., Innsbruck
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Inhalt
Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck, Romuald Niescher
Vorwort des Pfarrers von Allerheiligen, Erich Gutheinz
Vorwort des Schriftleiters, Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye
Hermann M. Ölberg
Einige interessante Namen im Westen von Innsbruck
Franz-Heinz Hye
Zur älteren Geschichte des Stadtteils und der Pfarre Hötting-West/Allerheiligen
A) Charakteristik und Ausdehnung des hier behandelten Raumes
B) Spuren der Vor- und Frühgeschichte.......
C) Geschichte der Besiedlung vom Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
D) Die Neubauten der Zeit zwischen 1775 und 1856
E) Die alte und die neue Landstraße
F) Die Entwicklung der kirchlichen Seelsorge in Allerheiligen - mit einigen Bemerkungen zur
alten Allerheiligenkirche. Anhang: Verzeichnis der in den Rechnungsbüchern und Urbaren der
ehemaligen Allerheiligenkirche genannten Kirchpröpste derselben
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Eugen Linser
Allgemeine Siedlungsgeschichte vom Jahre 1856 bis heute
Anhang: Einwohnerzahlen im Stadtteil und Häuserbestand.
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Anna Fritz
Lohbachsiedlung und Hörtnaglsiedlung
Hermann Götsch
Zur Verbauung der Allerheiligenhoflawine
Anton Hopfgartner
Wirtschaft und Gewerbe im Stadtteil Hötting-West
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Georg Mutschlechner
Kirchen und Künstler in Allerheiligen
Einige Notizen zu den Naturgegebenheiten und ihrer Nutzung
Erich Egg
122
141
Chronik der Pfarre Allerheiligen
Anna Fritz
Geschichte des Pfarrvikariates St. Georg - Allerheiligen 1936-1955
Walter Benesch
Die Geschichte der Pfarre St. Georg - Allerheiligen unter Pfarrer
Cons. P. Markus Galler MSC 1955-1980
Elisabeth Putz
Das Leben in der Pfarre von 1980 - 1987
Bernhard Gross
Das Evangelische Gemeindezentrum Innsbruck - Technikerstraße
Sr. Gerthilde Egger
Der Kindergarten der Pfarre Allerheiligen
Luise Eberhöfer
Der Kindergarten in Sadrach
Herbert Tiefnig
Chronik des Kindergartens Lohbachsiedlung
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Walter Benesch
Die Schulgeschichte von Allerheiligen
Herbert Angerer
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Chronik der Hauptschule Hötting-West
231
Anhang: Die Volkshochschule Hötting-West
240
Josef Rainer
Das Berufsschulzentrum Lohbachufer
241
Maria Steibl
Die Innsbrucker >Technik<
245
Anhang: Text der Urkunde, die am 10. Mai 1968 in den Grundstein.
der Technischen Fakultät eingefügt worden ist
253
Josefine Justiċ
Kirchenchor Allerheiligen
Horst Kaltenbrunner
Die Soldatenstadt Kranebitten - Standschützenkaserne
Die Entstehungsgeschichte
Die Namensgebung
Die Tiroler und Vorarlberger Standschützen
Beschreibung und Funktion der Kaserne
Die Alternative Energie-Anlage der Kaserne
Die Baukosten
Emmerich Beneder
Katholisches Bildungswerk Allerheiligen
Rudolf Blaas
Die Öffentliche Bücherei Allerheiligen
Regina Brunmayr
Die Sozialstation Ulfiswiese und ihr Aufgabenbereich
Freiwillige Feuerwehr in Allerheiligen
Markus Schlenck
Stadtmusikkapelle Allerheiligen
Anhang: Weitere musikalische Aktivitäten im Stadtteil
Alfred Spanblöchl
Gemischter Chor Allerheiligen (GCA)
Manfred Loidl
Siegfried Bliem - Stefan Moschen
Sportvereinigung Lohbach - Kranebitten
Klemens Kundratitz
Auf den Spuren der Pfadfinder in Allerheiligen
Franz Pölzl
Kolpinghaus Hötting-West ....
Anhang: Text der Urkunde zur Grundsteinlegung des Kolpinghauses
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Vorwort des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Innsbruck,
Romuald Niescher
Wieder liegt eine gediegene Arbeit vor uns, die unser Stadtarchiv sowohl organisa-
torisch wie redaktionell betreut als auch durch eigene Beiträge gestaltet hat: Mit >>Höt-
ting-West und Allerheiligen« behandelt Band 3 der Reihe »Die Stadtteile Innsbrucks<<
den in letzter Zeit durch intensive Bautätigkeit wohl am stärksten veränderten, durch
großen Zuzug in verhältnismäßig kurzer Zeit am raschesten gewachsenen Stadtteil.
Band 1 aus dem Jahre 1982 war bekanntlich der Hungerburg und Hoch-Innsbruck ge-
widmet gewesen, Band 2, 1986 erschienen, hatte Innsbrucks ältesten Stadtteil St. Niko-
laus-Mariahilf beschrieben.
Der Zeitpunkt für die Herausgabe dieses heimatkundlichen Werkes ist nicht zufällig ge-
wählt: 1937, also vor 50 Jahren, wurde eine Volksschulbaracke an die damals schon be-
stehende Kirchenbaracke angebaut - diese erste Notkirche war schon im Dezember
1936 geweiht worden. Ein halbes Jahrhundert Volksschule und Kirche gilt es somit heu-
er zu feiern. Zugleich konnten wir im Jahre 1987 des zehnjährigen Bestehens der Haupt-
schule Hötting-West gedenken, und auch der Kindergarten Lohbachsiedlung wurde
heuer 10 Jahre alt: Infrastruktureinrichtungen der Stadt, die für diesen bevölkerungs-
und kinderreichen Stadtteil unumgänglich notwendig sind.
Das Wachsen des Stadtteils Hötting-West und die Besiedlung der Peergründe verlan-
gen nun auch noch nach dem Bau einer neuen Volksschule. Der Architekten-Wettbe-
werb dafür wurde gleichfalls 1987 durchgeführt, und sofern es die Finanzen erlauben,
ist für 1988 der Baubeginn für dieses auf 43 Millionen Schilling geschätzte Vorhaben
vorgesehen.
An den neu zuziehenden Bewohnern von Hötting-West wird es liegen, daß sich in die-
sem jungen Stadtteil so etwas wie ein Stadtteilbewußtsein entwickelt. Mir ist klar, daß
so etwas nicht von heute auf morgen geschehen kann. Auch im Olympischen Dorf hat
es gut ein Jahrzehnt gedauert, bis ein eigenständiges Vereinsleben florierte, bis sich
die Menschen mit ihrem Wohngebiet als unmittelbare Heimat identifizierten. Die Stadt
ist bemüht, durch die erforderlichen Einrichtungen in Hötting-West daran mitzuwirken,
daß auch dieser Stadtteil mehr wird als nur eine Wohn- und Schlafstadt. An die bisher
schon hier lebenden Bewohner richte ich den Appell, die »Neuankömmlinge<< so aufzu-
nehmen, wie man selbst aufgenommen werden möchte. Die neu zugezogenen Bewoh-
ner müssen das Wichtigste dabei mit einbringen: Ihre Bereitschaft, sich in die Gemein-
schaft aktiv einzugliedern. Das Mittun bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Musik-
kapelle, im Sportverein, in anderen Vereinen, bei freiwilligen Sozialprojekten ist nach
gemachter Erfahrung ein ganz großer Schritt in diese Richtung.
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Abschließend darf ich als Bürgermeister unserer Stadt allen sehr herzlich danken, die
an der Gestaltung dieses Stadtteilbandes mitgewirkt haben. Möge er seinen Zweck er-
füllen und auch das Stadtteil-Bewußtsein stärken helfen. Möge er Interesse finden bei
allen, die in Allerheiligen und Hötting-West leben!
Permined Nivens
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Vorwort von Pfarrer Erich Gutheinz, Allerheiligen
>>Gemeinde muß man spüren«! Die Aufgabe einer Pfarrgemeinde in einem neuen,
stets wachsenden Stadtteil könnte kurz so umschrieben werden: sie möchte für die vie-
len Menschen, die, aus allen Windrichtungen kommend, hier ihren neuen Lebensraum
finden, so etwas wie geistige Heimat sein.
Etliche werden zufrieden sein, wenn die äußeren Bedingungen für das geschaffen sind,
was wir >Lebensqualität« nennen. Derselbe Begriff, etwas anspruchsvoller gemeint,
will mehr. Genügend Raum, Garage, wichtige Einrichtungen in erreichbarer Nähe usw.
sind wichtig. Aber sie sind nicht alles.
Das pfarrliche Leben in unserem Gebiet ist in einer recht faszinierenden Spannung:
zum einen ist es ziemlich frei von alten und festgefahrenen Traditionen, was gleicher-
maßen ein Segen und ein Manko sein kann, zum anderen ist es in die Aufgabe gestellt,
um sein eigenes, unverwechselbares Gesicht zu ringen.
Das Motto >>Gemeinde muß man spüren« aus dem Jahr der Glaubensmission in Inns-
bruck (1978) drückt trefflich aus, worum es geht. Die Tatsache, daß zehntausend und
mehr Menschen im gleichen Gebiet wohnen, bedeutet noch nicht »Gemeinde<<. Dazu
sind Anonymität und weit auseinandertriftende weltanschauliche und persönliche In-
teressen zu groß und zu verschieden.
Gemeinde sein heißt für die Pfarre, Schritte zu den Menschen hin zu tun mit den uns
heute möglichen Mitteln der Kommunikation und Information, heißt umgekehrt für all
jene, denen die Botschaft des Christentums und seine sichtbare Gestalt, sprich Kirche,
etwas bedeuten, ebenfalls - freiwillig und bewußt - einen Schritt zur Gemeinschaft
hin zu machen.
Daß die Verwirklichung solcher Ziele nicht von oben her angeordnet werden kann, son-
dern nur durch die Mitarbeit vieler Menschen geschieht, versteht sich. Es entspricht
dies ja auch dem Kirchenverständnis des II. Vatikanischen Konzils. So ist die zwar noch
kurze, aber recht kräftige Geschichte der Pfarrgemeinde Allerheiligen (früher St. Georg)
untrennbar verbunden mit der Wohnviertelgeschichte und dem Bemühen vieler Ein-
zelpersonen und Gruppierungen.
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Wir sind weit von der Illusion entfernt, alle Menschen, die im Pfarrgebiet wohnen, zu
>erreichen<. Das wäre in der Vielgestalt der heutigen Gesellschaft wohl auch verdäch-
tig. Aber es sind in der Pfarrgemeinde Allerheiligen zahlreiche Voraussetzungen ge-
schaffen, daß Menschen hier »Wurzeln schlagen< und damit Heimat finden können.
Erive
Gutions
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Dem vorliegenden Band darf ich endlich eine gute Aufnahme bei allen jenen wün-
schen, die sich für Innsbruck interessieren, insbesondere aber bei der Bevölkerung des
Stadtteiles und der Pfarre Hötting-West/Allerheiligen.
F. Mys
Tafel 1: Die Gegend von Allerheiligen mit dem Fischerhäusl (rechts), dem zu einem kleinen See erweiterten
Lohbach damals noch der Giessen genannt, der alten hier turmlosen Allerheiligenkirche, dem Gal-
genbichl und dem Kerschbuchhof. Ausschnitt aus dem Tiroler Fischereibuch Maximilians I. von 1504.
Foto: Reproduktion aus der Faksimileausgabe »Das Tiroler Fischereibuch Maximilians I.< in der Österreichi-
schen Nationalbibliothek, herausgegeben vom Verlag Styria Graz-Wien-Köln, dem für die freundlich ge-
währte Genehmigung zur Reproduktion aufrichtig gedankt sei. Repro: E. Pöschl.
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Abb. 1: Ansicht der Gegend von Kranebitten, Hart und Allerheiligen (Sennerhof) um 1830.
Original-Bleistiftzeichnung in der Universitätsbibliothek Innsbruck
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Einige interessante Namen im Westen von Innsbruck
Von Univ.-Prof. Dr. Hermann M. Ölberg
Lange bevor die Baiern das Inntal in festen Besitz nahmen, war unser Raum schon
besiedelt und genutzt. Als Venantius Fortunatus um 565 auf seiner Wallfahrt von Raven-
na zum Grab des Hl. Martin in Tours durch Tirol kam, berichtete er über seine Fahrt ...
Drauum Norico, Oenum Breonis, Liccam Baiuvaria, Danuvium Alemannia, Rhenum
Germania transiens ..., sagte also, daß der Inn (Aenus, zu lesen enus) durch Breonen-
land fließe, der Lech (Licca) im Baiernland wäre, woraus zu schließen ist, daß damals
die Baiern noch nicht im Inntal saßen. Andererseits waren sie um 600 bereits in Kämp-
fe mit den Slawen östlich des Pustertales verwickelt, sodaẞ also in der 2. Hälfte des 6. Jh.
die Inbesitznahme des Inntales und über den Brenner hinweg des Pustertales erfolgt
ist.
Der alte Stammesname der Breuni, wohl als der Hauptstamm im Inntal zu betrachten,
wird in der Antike, z. B. auf dem Tropaeum Alpium von 7/6 v. Chr. als Breuni erwähnt
und hat im frühen Mittelalter noch weitergelebt; wir finden in der Quartinusurkunde
von 828 die Form natio Noricorum et Pregnariorum und auch der Bischof Arbeo von
Freising berichtet in der Vita sancti Corbiniani, daß bei der Übertragung des Leich-
nams dieses Heiligen nach Freising im Jahre 765 im Oberinntal ein quidam nobilis tam
genere quam forme Romanus Dominicus vocabulo Preonensium plebis concives lebte,
also ein freier Gutsherr namens Dominicus, seiner Abkunft und seinem Aussehen nach
ein Römer, der bei den Breonen lebte und durch die Wunderkraft des Hl. Korbinian ge-
heilt wurde².
Diese Breuni sind 15 v. Chr. durch die Stiefsöhne des Augustus zusammen mit den letz-
ten Alpenstämmen endgültig unterworfen worden. Die Sprache dieser Alpenvölker ist
uns nicht bekannt, wir haben lediglich Ortsnamen (im weitesten Sinne) zur Verfügung,
für das Inntal etwa 150, wodurch eine Rekonstruktion dieser Sprache der Breuni natür-
lich nur in ganz ungefähren Zügen möglich ist³. Immerhin muß es eine dichte Besied-
lung gewesen sein, wie etwa Igls, Lans, Sistrans, Aldrans, Thaur, Rum, Völs, Zirl, Telfs,
Patsch, Matrei, Pfons und viele andere Namen erweisen. Die Romanisierung muẞ bald
1
2
3
Hermann Wopfner, die Reise des Venantius Fortunatus durch die Ostalpen. Schlern-Schriften 9, 1925,
362 ff.
Richard Heuberger, Natio Noricorum et Pregnariorum. Veröffentl. d. Museum Ferdinandeum 10, 1930, 2 ff.
Hermann M. Ólberg, das vorrömische Ortsnamengut Nordtirols. Innsbruck 1962 (maschinschriftliche
Dissertation).
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kräftig eingesetzt haben. Über den weiteren Landausbau in dieser Zeit geben die ro-
manischen Flurnamen beredtes Zeugnis¹.
In dem uns interessierenden Raum zwischen Hötting und Kranebitten haben sich drei
solcher alter Namenszeugen aus romanischer Zeit erhalten. Nicht weit von den Quellen
des Lohbaches vor Kranebitten gab es eine Wiese, die 1780 »das Pontigl«< genannt wur-
de. Der Name ist heute den Ortsansässigen nicht mehr bekannt. Hans Hörtnagl gab
1932 eine wunderbare Beschreibung dieser noch unberührten und von Technik und Ar-
chitektur noch nicht brutal zerstörten Landschaft". Der Name ist romanisch und läßt
sich einwandfrei als pontículu->Brüggl« erklären. Es muß also in romanischer Zeit be-
reits eine Brücke zur Überquerung des Baches (dessen alter Name uns nicht mehr be-
kannt ist) gegeben haben. Vielleicht setzt die »alte Landstraße« über Hötting - Harter-
höfe - Kranebitten nach Zirl einen solchen alten Verbindungsweg fort.
Auch der Planötzenhof (früher Dalla-Torre-Hof) ist auf einen alten romanischen Flurna-
men zurückzuführen, er bedeutet >Ebene« (planitia-, später planéza). 1591 wurde ein
Brunnen auf Plannötz erwähnt. Erst seit dem 17. Jh. ist es ein Hofname. Heute heißt dort
die Flur hinter Planötzen noch Ebet (Ebene). 1627 Behausung und Hofstätte auf Planec-
zen, 1715 Planiczing. Man erkennt an den Belegen, daß dieses -ing erst sekundär an den
romanischen Namen angetreten ist und daher keinesfalls mit den echten alten ing-Or-
ten verwechselt werden darf (s. nachfolgend Hötting).
7
Ein weiterer romanischer Namenszeuge ist Pumpelegánn, Gumplgánn, auch Gungele-
gánn, der nur mehr vereinzelt bekannt ist und nicht mehr genauer lokalisiert werden
konnte. 1305 wird ein Grundzins von einer Flur Gampelgaenne erwähnt, 1446 heißt es
4 Auf intensive Romanisierung deutet auch die römische Flurvermessung (quadra-Fluren) entlang des
ganzen Inntales hin, die Hanns Bachmann auf Grund der Katasterpläne mühsam rekonstruiert hat. Das
romanische Namengut Nord- und Südtirols hat Karl Finsterwalder in lebenslanger Arbeit erhoben. Ein
erster Sammelband mit seinen Veröffentlichungen erscheint demnächst im Universitätsverlag Wagner,
Innsbruck.
5 Hans Hörtnagl, Ynnsprugg, Innsbruck 1932, 200 f.
16
Für die Namensdeutungen in diesem Artikel verweise ich auf die Arbeiten von Karl Finsterwalder: Sied-
lungs- und Flurnamen um Innsbruck als Geschichtszeugen. Schlern-Schriften 30, 1935, 27 ff. Höttinger
Flur- und Siedlungsnamen. Tiroler Heimatblätter 16, 1938, 237 ff. Grundlegend weiters: Tiroler Namen-
kunde. Innsbruck 1978 (erscheint in Neuauflage in Kürze im Universitätsverlag Wagner, Innsbruck). Stets
zu konsultieren ist ferner: Wörterbuch der Tiroler Mundarten, von Josef Schatz und Karl Finsterwalder,
Band I, 1955, Band II, 1956 (hier zitiert als Schatz - Finsterwalder). Zur geschichtlichen Entwicklung sei
hingewiesen auf: Hans Katschthaler, Zur Geschichte von Hötting (Innsbruck). Schlern-Schriften 245, Inns-
bruck 1966. Sowie Beiträge zur Geschichte von Hötting. Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtar-
chivs, hg. von Franz-Heinz Hye, NF 5, Innsbruck 1974. Bibliographie zur Stadtkunde von Innsbruck, von
Wilhem Eppacher. Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, NF 1/2, Innsbruck 1971.
Auf der Alpenvereinskarte Karwendelgebirge, westliches Blatt, 1933/1962, ist Pumpelegann im Raum
Schneeburggasse - Sadrach lokalisiert. Die Namenserhebungen für diese Karte wurden von Karl Fin-
sterwalder durchgeführt und sind daher besonders wertvoll.
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Abb. 2: Gotischer Grenzstein von 1476 an der Grenze von Innsbruck-Hötting und Zirl, wenige Meter ober-
halb der Bundesstraße.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 3: Der urkundlich seit 1298 nachweisbare Peer- bzw. alte Hauserhof mit seiner Hofkapelle (rechts).
Abgerissen 1983.
Repro: Engelbert Pöschl
Gampelgene, was als Gampelgánn zu lesen ist. Da der Name nicht mehr verständlich
war, bildete man Umdeutungen wie Pumpelegán u. ä. Zweifellos liegt rom. campu -
>Feld« und ein romanisches Suffix -aneu vor, das im Bairischen durch Umlaut -ánn mit
hellem a ergab. Finsterwalder hat ein Kompositum campu ilicaneu-vermutet, was also
>Eichfeld<< bedeuten würde. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß alle drei ro-
manischen Namensrelikte den alten Akzentsitz unverändert im Bairischen bewahrt ha-
ben, was die Annahme ziemlich sicher macht, daß die romanische Sprache hier wie im
angrenzenden Unterland noch um 1000 n. Chr. gesprochen wurde. Die Baiern haben vor
dem 11. Jh. den romanischen Akzent ihren Sprachgesetzen entsprechend auf die An-
fangssilbe verlegt. So erklärt sich der Unterschied etwa zwischen Pradl aus rom. pratá-
lia »Wiesen<<, das früh übernommen wurde, im Gegensatz zu Pardell oberhalb des Re-
chenhofes, aus pratéllu. Auch Gramȧrt aus rom. grava morta (grava >Kiesfläche<<, >>Ger-
öll«8) hat den alten Akzent beibehalten. 1714 auch Hirsch Sulzen genannt, d. i. Salzlecke.
8 Christian Schneller, Beiträge zur Ortsnamenkunde Tirols. 2. Heft. Innsbruck 1894, 38.
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Abb. 4: Die Lange Ulfiswiese und die Peerhofgründe um 1965.
Luftaufnahme: Richard Frischauf
Wir können also ein romanisches Gebiet feststellen, in welchem sich eine bairische
Sippe des Hetin niederließ. Hötting, urk. 1563 Hettingen, bewahrt einen alten bai-
rischen Personennamen, man vgl. altnord. hedinn »Tierkleid« (Totenmaske)⁹. Ein
uraltes Alpenwort ist *trogiu - »Viehtrieb«<, >vom Vieh ausgetretener Weg« (vielleicht
keltischer Abkunft), das in romanischen Alpendialekten als trui, truoi fortlebt und auch
bei uns in Tirol weit verbreitet ist (auch der Familienname Troier leitet sich davon ab). In
Hötting findet sich die Troyen, die sich vom Schwabeneck zum Schlotthof unterhalb
9 Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 31.
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Planötzen ausdehnt und heute großenteils mit Fichten und Föhren bestockt ist¹º. Wie-
wohl das Wort vorrömischer Herkunft ist, ist es doch bis ins Bairische lebendig und ap-
pellativisch geblieben. Das gleiche gilt auch für *cubulum ->Lagerstätte des Viehs<<,
zu roman. cuvel u. ä., bei uns Kofel, Gufel »Felsüberhang«<, >>Höhle«. Unterhalb der Höt-
tinger Alm heißt es 1750 in einem Bericht über Erzgruben »in finster Guflen<<, 1748 >zwi-
schen den finsteren Guflen<". In der Hörtnaglsiedlung erinnert der Gufeltalweg an die-
se Bezeichnung. Über den Bergbau im Raum zwischen Kranebitten und Mühlau berich-
tet Georg Mutschlechner in den Beiträgen zur Geschichte von Hötting, 1974, 67 ff.
Die bairischen Namen sind großteils durchsichtig. Im folgenden sollen einige behan-
delt werden: Kranebitten >Wacholder«, Harterhof »Wald«, »Waldweide«<, hierher wohl
1545 Hardter Klamm, 1750 auf Hardt. Die Bärfallhütte, urk. 1669 Jungenwald unter der
Pafel, Axl und Oess (d.i. Isswald), 1670 Perfalwaldung, bezieht sich auf eine >Bärenfal-
le<<, eine oft in Tirol belegte Bezeichnung 12. Iss, Isse hat die Bedeutung >>Waldwiese<<,
>>Wiese bei einer Almhütte«<, ein altes seinem Ursprung nach vorrömisches Alpenwort,
das in Tirol weit verbreitet ist, z. B. im Namen des Hochnissl bei Schwaz 13. Axlkopf, urk.
1669 auf Axl(kopf), 1713 Axlwald, 1694 die Waid Axl genannt, gehört zu »Achsel«<, >>Schul-
ter<< und ist so eine treffende Bezeichnung für den Bergvorsprung. Zwischen Rausch-
brunnen und Aspachhütte liegt das Muraméntltal, eine Bezeichnung für das Murmel-
tier14. Der Name Aspachhütte hat nichts mit einem Bach zu tun, sondern ist ein ahd.
asp-ahi »Espenwald«15. Die Umbrüggler Alm ist eine Umdeutung, sie heiẞt urk. 1714
Yhnprueggler Almben und war die Innsbrucker Stadtalm16.
Der Stangensteig führt durch einen Stangenwald; mit Stangen (mit verdumpften a)
werden dünne, schlanke Stämme im dicht stehenden Fichtenwald bezeichnet. Der
Marzeneggweg in Kranebitten bezieht sich wohl auf einen Personennamen, vielleicht
gehören die Urkunden von 1648, in der ein Georg März einen Besitz im Fallbach hatte,
und 1714 Märzen Pichl (ä als helles a zu lesen) hierher 18. Knappental steht im Zusam-
menhang mit dem Bergbau. Schluttertal oberhalb der Buzzihütte, urk. 1714 Schlutter-
10 Hans Katschthaler, Beiträge zur Geschichte von Hötting, 17. Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 247.
Weiters Karl Finsterwalder in Beiträge zur Namenforschung NF 4, 1969, 388 f (grundlegend). Für den räto-
romanischen Bereich vgl. Andreas Schorta, Rätisches Namenbuch, 2. Band 1964, 348.
=23
Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 312.
12 Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 195.
Schatz
13
14
Finsterwalder 313. Julius Pokorny, Indogermanisches etymologisches Wörterbuch. Bern-Mün-
chen 1959, 290.
Auf der erwähnten Alpenvereinskarte des Karwendelgebirges, westliches Blatt, verzeichnete Finsterwal-
der Uramentl. Über die verschiedenen Benennungen des Murmeltieres in den Mundarten vgl. Schatz -
Finsterwalder 439.
15 Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 182 (unter Asböck).
16 Franz-Heinz Hye, Zur Geschichte des Höttinger Waldes. Beiträge zur Geschichte von Hötting 142.
17 Schatz Finsterwalder 596.
18 Zur Geschichte von Hötting, von Hans Katschthaler, 144. Franz-Heinz Hye in Beiträge zur Geschichte von
Hötting 144.
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Abb. 5: Der Berchtoldshof - nachweisbar seit 1627.
Foto: Engelbert Pöschl
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Abb. 6: Die Hofkapelle beim Berchtoldshof.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
thal, gehört zu Schlutte »kotiger Schlamm<, das bei Schatz-Finsterwalder 536 für das
Ötztal nachgewiesen wird. Das Taubental hat seinen Namen nach den Holztauben.
Hechenberg zeigt die umgelautete Form von »hoch«, etwa im Dativ >>ze dem heachen
Berg«<, während Hochegg im Nominativ steht und daher nicht Umlaut aufweist. Rain in
Höttinger Rain gehört wie Innrain, das rechte Innufer von der Innbrücke aufwärts,
mundartlich róan, zu mhd. rain in der Bedeutung »ansteigender Feldstreifen<<19. Lahntal
gehört zu lan, lane >Lawine<20
19 Schatz
Finsterwalder 468.
20 Schatz Finsterwalder 372.
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Abb. 7: Der ehemalige Sennerhof, welcher um 1810/11 an der Stelle der alten Allerheiligenkirche erbaut
worden war, vor einigen Jahren aber der Wohnanlage Berchtoldshofweg 1 bis 1c Platz machen mußte.
Ansicht von Südwesten.
Foto: Walter Benesch
Die Schneeburggasse ist nach der Schneeburg benannt. Sandbühel, Lindenbühel
erklären sich von selbst. Ebenso steckt im Berchtoldshofweg der Personenname
Berchtold. Hofwald erinnert noch an die landesfürstlichen Besitzungen². Die unver-
ständliche Bezeichnung Botenthalweg findet ihre Erklärung in der Mundartform
Bodntal, womit ein breites Tal zwischen der Leonhardskapelle und Grünboden be-
zeichnet wird. Boden »ebener Platz liegt auch dem Namen der Bodensteinalm unter-
halb der Seegrube zugrunde. Allerheiligen ist nach der ehemaligen Kirche, die 1786
aufgehoben und später abgerissen wurde, benannt (bis vor kurzem stand dort der
Sennerhof). Über Hötting heißt ein Tal die Schloute, mit feuchtem Grund, es gehört zu
21 Franz-Heinz Hye, in Beiträge zur Geschichte von Hötting 139 ff.
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Allerheiligen Bof
Abb. 8: Der Sauerwein- oder Allerheiligenhof mit dem heutigen Gasthaus dieses Namens.
Foto: Engelbert Pöschl
mhd. slate >>Schilfrohre 22. Hiezu gehört auch der Name des Schlotthofs. Großer Gott
war die Gebetsstätte der Verurteilten am Wege zur Richtstätte (Galgenbichl). Der
Speckweg in Hötting heißt 1637 auf der Speckh, 1356 an der Speche. Das bedeutet auf
mhd. die specke »Knüppelweg« (über feuchte Böden), »Bohlenbrücke«23.
Ein interessanter Name ist der Hof auf der Spreng, urk. 1485 in der Spreng. Im Mhd.
heißt die Spreng >das Äußerste«, »der Rand eines Abgrunds<<. In Schmellers Bayeri-
22 Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 469.
23 Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 492 (unter Speckbacher).
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A
Abb. 9: Der Knappentalerhof, erbaut 1597.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
schem Wörterbuch 2/1, 702 ist zu lesen »es stêt auf der Spreng« (z. B. am Rande eines
Tisches). Lippental gehört wohl zum Rufnamen Philipp24. Auf Platten beinhaltet das
Wort für Steinplatte. Diese Höfe wurden erst im 17.-18. Jh. angelegt25. Die Höfe in Aller-
heiligen heißen Eschenhof, Peerhof (der Vorname Per im 15. Jh. ist Kurzform zu Bern-
hard) und Sauerweinhof, was ein Winzername »Saurer Wein« ist. Für Zirl und Hötting
wurde Weinbau nachgewiesen 26. Loterhof gehört zu Loter »leichtfertiger Mensch<<,
>junger Mensch«, »Knecht«27. Grünboden, ma. gríenbodn, bei der Leonhardskapelle,
24 Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 386.
25
Otto Stolz, Zeitschrift f. Ortsnamenforschung 7, 1931, 74, Anm.4.
26
Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 457.
27
Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 388.
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wird wohl eine Fläche bezeichnet haben, wo frisch geschlagenes Holz gelagert war28.
Grauer Stein ist als Flurname 1446 als Grawnstein belegt. Es ist die Bezeichnung eines
erratischen Blocks, eines Findlings, der im Gelände hervorsticht29, hier allerdings nicht
nachzuweisen. Der Kerschbuchhof wurde eindeutig als Kcherschbuach gesprochen,
sodaẞ darin die Bezeichnung für Kirsche enthalten sein muß, nicht der Personenname
Gero (Gerold), da dieses anlautende g- nicht als kch-gesprochen würde.
Um 1550 hatte der landesfürstliche Hof einen Tiergarten auf der »langen Wiese« ange-
legt, später wurde ein Lustschloß gebaut. Durch die Au wurde ein Fahrweg, der
Fürstenweg, gelegt. 1595 errichtete man eine »neue Landstraße« durch die Langwie-
sen bis nach Kranebitten. Mit Aufhören des landesfürstlichen Hofes 1665 verfiel der
Tiergarten, das Schloß wurde 1783 in ein Pulvermagazin verwandelt 30. Der Vorgänger
des heutigen Fischerhäusls war ein hölzernes Jagdschlößchen. Dieses Lieblings-
jagdrevier Kaiser Max' am Gießen ist in seinem Fischereibuch (1500) dargestellt, man
kann sich darin lebhaft die Freuden dieses großen Waidmanns und seines Gesindes an
Jagd und Fischfang vergegenwärtigen. Auch am Vögelebichl waren solche Fanggründe.
Der Lohbach wird als die lōu ausgesprochen. Diese Bezeichnung für ruhig fließende
Gewässer kommt oft in Tirol vor. Einst hieß es auch Stille Loo, 1483 auf der Stillo, bei der
Stillo, 1617 Stilla³31. Von der Loo aufwärts zur Volksschule Allerheiligen führt der Nock-
steig, nach bodenständiger Aussprache Nokch-. Daher liegt hier nok »kleine Erhe-
bung<, >>Kuppe eines Berges« vor³2. Die Herkunft des Wortes Ulfis, urk. 1333 Ulfes, 1430
auf der Ulfs, ist nicht klar. Traditionellerweise verbindet man es seit Schneller mit lat.
ulva >>Schilf<<. Soweit ich sehe, ist dieses Wort aber im Alpenromanischen nicht nachge-
wiesen. Daher wäre es nicht unmöglich, daß darin doch ein vorrömisches Wort, auch in
der Bedeutung etwa >sumpfige Wiesen«, vorliegt. Der Ansatz wäre idg. *Iva-, das zu ulva
hätte führen müssen. Die idg. Wurzel wäre *el-/ol->modern<33.
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Schatz Finsterwalder 259. Ob es vielleicht nicht doch Grinbodn gesprochen wurde? Dann gehörte das
Wort zu mhd. gerüne »Ronach«, »Ort mit gefallenen Bäumen«, »Ronen«, vgl. Schatz - Finsterwalder 307.
M. R. Buck, Oberdeutsches Flurnamenbuch, Bayreuth 1931, 89. Über einen mächtigen etwa 8 cbm großen
Findling aus Granit bei Niederaudorf, der auch Grauenstein genannt wird, und einen noch größeren, ge-
nannt Bräundlstein, bei Reichertsham, BA Wasserburg, berichtete Georg Schierghofer in »Das bayeri-
sche Inn-Oberland 15, 1930, 83 ff. (mit Abbildung).
Otto Stolz, Geschichtskunde der Gewässer Tirols. Schlern-Schriften 32, 1936, 294.
Karl Finsterwalder, Höttinger Flur- und Siedlungsnamen 238. Schatz - Finsterwalder 366.
Davon streng zu trennen ist Nock mit der Aussprache Nogg, etwa der Nogg in Ampass. Dies ist eine Kurz-
form zu Notker. Vgl. Karl Finsterwalder, Tir. Namenkunde 417.
Christian Schneller, Beiträge zur Ortsnamenkunde Tirols, 3. Heft, Innsbruck 1896, 82. Julius Pokorny, Indo-
germanisches etymologisches Wörterbuch 305.
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Zuletzt möchte ich noch auf Sadrach verweisen, einst eine weite Wiesenfläche vom
Großen Gott zum Waldrand hin. Urk. 1682 Sätrich (als Satrich zu lesen). Über dieses
nicht ganz durchsichtige Wort hat Karl Finsterwalder ausführlich gehandelt und
gemäß Urkunden wie 1442 in Setter (als Sater mit hellem a zu lesen) vorgeschlagen,
darin mhd. satel »Ackerstreifen« anzusetzen. Es handle sich also um eine Anzahl
schmaler Ackerstreifen in diesem ansteigenden Gelände³4.
Wie überall in Tirol finden sich also auch hier um Innsbruck interessante Namen,
Relikte älterer Namenschichten, deren Bedeutung freilich nicht immer rekonstruierbar
ist. Voraussetzung für jede Deutung sind die echte bodenständige Aussprache und
urkundliche Belege. Die Schreibungen auf Karten sind keinesfalls verläßlich und dür-
fen allein niemals zum Ausgang von Interpretationen gemacht werden, wie am Namen
des Schlotthofs, bei Aspach oder bei Botenthal zu erkennen ist. Viel altes Namengut ist
der jüngeren Generation nicht mehr bekannt, sodaß ein jeder, der sich noch mit Grund
und Boden und seiner Namengebung verbunden fühlt, aufgerufen sei, so viel wie mög-
lich von diesem alten Namengut zu sammeln. So sagte mir ein Gewährsmann, daß er
als Kind auf der Mariggl gespielt habe. Diese Wiese lag rechts vom Fürstenweg etwa
dort, wo sich heute die Ursulinenschule befindet. Weitere Angaben konnte ich noch
nicht in Erfahrung bringen.
Dankenswerterweise werden nun viele alte Namen in Form von Straßenbezeichnungen
verewigt, wobei auch in diesen Fällen stets die alte Mundartform berücksichtigt wer-
den sollte.
Anschrift des Verfassers: Univ.-Prof.Dr. Hermann M. Ölberg
Institut für Sprachwissenschaft
Universität
Innrain 52
6020 Innsbruck
34 Karl Finsterwalder, Höttinger Flur- und Siedlungsnamen 237.
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Heesen
Belbe Pan
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Thall
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Tafel 2:Die Gegend von Kranebitten, des Harter-, Knappentaler- und des Kerschbuchhofes auf einer Plan-
Ansicht des Höttinger Hofwaldes von ca. 1714. Original Stadtarchiv Innsbruck. Foto: E. Pöschl.
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Schjer
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von der Plet und Bottingen
angemereri Jemain Baanmate
Perthall
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Thall
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Der D. Landis fufiuichen Hof Biech und Baan haldi
2. begem Laien b. che steele, mitten, daß huf Punch waist. it hahr
3. At 1634 af 2 Sangg by Plantzen
4 alt.. Marchstai. Viss9. ligger Henne
in Marchstein naghich acid Bild.d Call, V 1580.
anns 1684. Hoche nachrge gein
negli Over Hottingen bil z
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Tafel 3: Die Gegend von Allerheiligen mit der alten Kirche, dem Galgenbichl und dem Knappentalerhof.
Die Grenzlinie in der halben Höhe des Bildes markiert ungefähr den Verlauf des Stangensteiges. Karte des
Höttinger Hofwaldes von ca. 1714 (Ausschnitt). Original Stadtarchiv Innsbruck. Foto: E. Pöschl.
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Abb. 10: Der Kerschbuchhof - nachweisbar seit 1305.
Foto: Engelbert Pöschl
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Zur älteren Geschichte des Stadtteils und der Pfarre
Hötting-West/Allerheiligen
Von Franz-Heinz Hye
Inhalt: Charakteristik und Ausdehnung des hier behandelten Raumes S. 31 - Spuren der Vor- und Frühge-
schichte S. 32-Geschichte der Besiedlung vom Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts S. 36 - 1.) Der
ehemalige Peerhof - einst das Hausergut genannt S. 36 - 2.) Der Berchtoldhof bzw. Gasthaus Berchtolds-
hof (Schneeburggasse 140) S.41-3.) Das ehemalige Mesnerhaus S. 41-4.) Der ehemalige Sennerhof an der
Stelle der alten Allerheiligenkirche (Berchtoldshofweg 1-1c) S. 42-5.) Der Sauerweinhof (St. Georgsweg 21)
und das Gasthaus »Allerheiligenhof (Allerheiligenhofweg 7) S.426.) Der Knappentalerhof S.45
7.) Der Kerschbuchhof S. 46-8.) Der Harterhof S. 48-9.) Der Kranebitter Hof bzw. Gasthof Kranebitten
(Kranebitter Allee 203) S. 49-10.) Das Fischerhäusl bzw. der >Hof Hörtenburg (Kranebitter Allee 46) S. 52-
Die Neubauten der Zeit zwischen 1775 und 1856 S.53 1.) Der Daniel- oder neue Eschenhof (Karl-
Innerebner-Straße 139) S.53 - 2.) Der ehemalige Ziegelstadelhof in Allerheiligen (Bereich Gufeltalweg 3)
S.54-3.) Der Hagelehof (Harterhofweg 87) S. 55-4.) Der Poltenhof (Harterhofweg 99) S.55-5.) Haus Hart-
erhofweg 90 S.55-6.) Haus Kranebitter Allee 206 S.55 - Die alte und die neue Landstraße S. 56- Die Ent-
wicklung der kirchlichen Seelsorge in Allerheiligen - mit einigen Bemerkungen zur alten Allerheiligenkirche
S.65-Anhang: Verzeichnis der in den Rechnungsbüchern und Urbaren der ehemaligen Allerheiligenkirche
genannten Kirchpröpste derselben S.66.
Charakteristik und Ausdehnung des hier behandelten Raumes
Es ist selbstverständlich immer ein wenig problematisch, wenn man eine historisch
gewachsene Einheit, wie sie eine alte Dorfgemeinde darstellt, in Sektionen zerteilt.
Andererseits aber läßt uns die sprunghafte Entwicklung Innsbrucks in den letzten
Jahrzehnten gar keine andere Wahl. So bildete Hötting zur Zeit seiner Eingemein-
dung nach Innsbruck ein riesiges Gemeindegebiet von insgesamt 44,73 km² - die Flä-
che der Stadt Innsbruck vor 1904 bzw. vor den Eingemeindungen betrug 3,07 km² -
wovon allerdings bis in die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts nur der Ortskern
beiderseits des Höttinger Baches sowie die Straßenzüge der Höttinger Gasse, der
Ried- und der Weiherburggasse sowie der östlichste Teil der Höttinger Au dichter be-
siedelt waren. Namentlich der weite Raum im Westen des Ortskerns bis hinaus nach
Kranebitten bzw. bis zur Grenze gegen Zirl wies nur einige wenige Einzelhöfe auf und
bildete vorwiegend landwirtschaftliche Nutzfläche. Vor allem seit dem Ende des
2. Weltkrieges entwickelte sich dieses Gebiet neben dem der Arzler- und der Reichen-
au immer mehr zum wichtigsten Expansionsbereich der Stadt, die von 1951 bis 1987 von
95.055 auf 125.643 Einwohner angewachsen ist. Im Jahre 1934 betrug die Einwohnerzahl
noch 61.005.
Vgl. dazu Franz-Heinz Hye, Die Städte Tirols = Österreichisches Städtebuch Bd. V/1, hg.v.d. Österr.
Akademie d. Wissenschaften, Wien 1980, S.69-132, besonders § 14.
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Das bis zur Errichtung der Hörtnagl- und der Lohbachsiedlung (1934/35 ff)² nur wenig
besiedelte und von den Pfarren Hötting und Mariahilf mitbetreute Gebiet umfaßt heu-
te die Pfarrvikariate Allerheiligen (err. 1940), zum Guten Hirten (err. 1957) und zum
Hl. Petrus Canisius (err. 1970). Mit anderen Worten: Aus der alten Großgemeinde und
territorialen Großpfarre sind neue Einheiten erwachsen, die es durchaus rechtfertigen,
sich nunmehr auch mit diesen geschichtsbedingten jungen Individualitäten und ihrem
Eigenleben zu befassen; - ja, es kann geradezu von der Verpflichtung gesprochen wer-
den, dies zu tun!
Der vorliegende Band nun ist dem Bereich des neuen Stadtteiles Hötting-West bzw.
der neuen Pfarre Allerheiligen gewidmet. Als Grenzen dieses Bereichs werden hier
in weitgehender Übereinstimmung mit den vom Amt für Statistik, Stadtforschung
und Raumordnung der Stadt Innsbruck praktizierten >statistischen Bezirke Nr. 34,35
und 36< gegen Osten die Linie Schlotthofweg - (unterer) Speckweg, gegen Süden die
Kranebitter Allee, gegen Westen die Gemeindegrenze gegen Zirl und gegen Norden
ungefähr die Linie des bereits Jahrhunderte alten Stangensteigs am Südabhang des
Solsteins praktiziert³.
An der Grenze gegen Zirl erhebt sich übrigens Innsbrucks ältest-erhaltener Grenzstein,
ein prächtiger in gotischem Stil bearbeiteter Brecciestein mit eindrucksvoll eingemei-
Beltem Tatzenkreuz; - der Stein wurde hier im Jahre 1476 aufgestellt.
Spuren der Vor- und Frühgeschichte
Soweit den bisherigen Grabungen und Funden nach festgestellt werden kann, gab
es in frühgeschichtlicher Zeit in Hötting-West/Allerheiligen vermutlich keine größere
Siedlung. Die vorliegenden Funde beschränken sich nämlich mit Ausnahme einiger
Gräber der Urnenfelderzeit (ca. 1100-850 v. Chr.) in Allerheiligen vorwiegend auf Zu-
falls- oder Streufunde beim ehemaligen Peerhof, am Fuchseck sowie im Bereich der
Lohbach- und Hörtnaglsiedlung. Die wichtigsten Fundgegenstände sind - chronolo-
gisch gereiht - zwei jungsteinzeitliche Steinpfeilspitzen (Lohbachsiedlung), eine Lan-
zenspitze mit mäßig geschwungenem Blatt und ein Flügellanzenschuh sowie ein Griff-
angelmesser aus der Urnenfelderzeit (Grabbeigaben, vgl. oben), ein Bronze-Dolch,
zwei massive Bronzefibeln und ein angeschmolzener Bronzehelm der frühen La-Tène-
Zeit (um 500-400 v. Chr.) sowie eine derzeit leider verschollene eiserne Lanzenspitze.
4
2 Carmen Schneider, Beiträge zur Stadtgeographie von Innsbruck: Die Lohbachsiedlung. Ungedr. Haus-
arbeit aus Geographie. Innsbruck 1977.
3 Zum Stangensteig vgl. F. H. Hye, Zur Geschichte des Höttinger Waldes. In: Veröffentlichungen des Inns-
brucker Stadtarchivs NF Bd. 5, Innsbruck 1974, S. 143 ff.
Ebenda S.145.
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Abb. 11: Die Hofkapelle beim Kerschbuchhof.
Alte Photographie im Innsbrucker Stadtarchiv
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Abb. 12: Der Harter Hof um 1965.
Luftaufnahme: Richard Frischauf
Darüber hinaus liegen eine Reihe weiterer Kleingegenstände, Keramik- und Knochen-
reste, aber auch Hüttenlehmstücke (Fuchseck) vor. Die angeführten Gegenstände
werden im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum verwahrt und können dort besichtigt
werden.
5 Siehe dazu Gero Mehrhart, La-Tène-Funde aus Tirol. In: Wiener prähistorische Zeitschrift Jg. 12, Wien
1925, S.65 ff. Heinrich Schuler, Urgeschichtliche Funde im Gebiet der Gemeinde Hötting. In: Tiroler Hei-
matblätter Jg. 13, Innsbruck 1935, S. 170-172; Leonhard Franz, Zu den Helmhüten der Ostalpenländer. In:
Carinthia I, Jg. 143, Klagenfurt 1953, S. 677-686; Egon Konrad Moser, Die Funde vom Peerhof. In: Innsbruk-
ker Beiträge zur Kulturwissenschaft Bd. 11, Innsbruck 1965, S. 297-305; derselbe, Vorgeschichtliche Sied-
lungs- und Fundtopographie von Innsbruck-Hötting. In: Mitteilungen der anthropologischen Gesell-
schaft in Wien Bd. 100, Wien 1970, S. 194-206 (mit 9 Tafeln) - Kurzfassung seiner gleich betitelten, ungedr.
Diss., Innsbruck 1967.
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Abb. 13: Harter Hof - Hofkapelle.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Geschichte der Besiedlung vom Mittelalter
bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
Nach den Zerstörungen der Völkerwanderungszeit wird man die kontinuierliche
Wieder- oder Neubesiedlung des hier behandelten Raumes wohl erst wieder im Hoch-
mittelalter ansetzen dürfen. Dabei ist es überraschend, wie früh schon ein Teil der
>>Ainödhöf... zu Hart, Cränwitten und Allheyligen<<, wie sie in der Gemeindeordnung von
1529 genannt werden bestanden hat und urkundlich nachweisbar ist. Die drei ältesten
waren bzw. sind der ehemalige Peerhof, der Kerschbuch- und der Harterhof. Mit der
Geschichte dieser drei, aber auch aller jüngeren Höfe und Bauten unseres Gebietes,
die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind, werden sich die folgenden Aus-
führungen befassen.
1.) Der ehemalige Peerhof - einst das Hausergut genannt
Als erster hat sich der ehemalige, heimatkundlich sehr interessierte Abt von Wilten,
Heinrich Schuler, mit der Geschichte dieses Hofes befaßt. Er schreibt: >Bereits im
Jahre 1298 verlieh Propst Konrad des oberbayerischen Augustinerklosters Pollingen
dem Chuenrad, genannt der Rummaer, das Gut gelegen in »Harde« (»predium situm in
Harde<) zu Zinslehen. Auf dem Rücken dieser Verleihurkunde, die im Wiltener Stiftsar-
chiv noch im Original vorhanden ist, steht mit Schriftzeichen aus dem 15. Jahrhundert
der Vermerk: >Im Hardt oder alle Heylige«. Das Gut wird später in einer Urkunde des
Propstes Wilhelm von Pollingen auch genannt das »Gut, das gelegen ist zu Hard und ge-
heißen der Hawssär«.- Soweit Heinrich Schuler.
Dazu kann nun ergänzend beigefügt werden, einerseits daß dieses Gut »in Hard prope
Jnsprug<< in einem Urbar des genannten Klosters von 1340 auch als »vaccaria<= wört-
lich übersetzt Kuh-Hof zur Milch- und Käseerzeugung (von Otto Stolz, Geschichte der
Stadt Innsbruck, 1959, S. 435, sicherlich zutreffend mit »Schwaighof« übersetzt) be-
zeichnet wird, und andererseits, daß der Hofname »Hauser« bereits in dem im Jahre
1365 angelegten Urbar oder Einkünfte-Verzeichnis der Höttinger Kirche aufscheint.
Wörtlich heißt es dort: »Item zem Hauser dient jaerichleichen grossos XVI. (D.h.: der
Hauser dient oder zahlt der Höttinger Kirche jährlich 16 Groschen oder Dickpfennige).
6 Zitiert nach der Edition in: Tirolische Weistümer Bd. V, hg.v. Nikolaus Grass und Karl Finsterwalder,
Innsbruck 1966, S.244.
7
8
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Abt Heinrich Schuler und Hans Hörtnagl, Die St. Korbinianskapelle und die Allerheiligenkirche zu Hart in
der Pfarre Hötting bei Innsbruck. Innsbruck 1928, S.6.
Stiftsarchiv Wilten, Lade 19.
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Koond with
Abb. 15: Darstellung des Gasthofs und des Mariä-Heimsuchungs-Kirchleins in Kranebitten, 1832. Man be-
achte den steingerahmten Stiegenaufgang, der im Bild willkürlich von der West- zur Südseite verschoben
wurde.
Original-Bleistiftzeichnung von Jos. Pfeiffer, Innsbrucker Stadtarchiv, Graphik-Sammlung, Repro: Engelbert
Pöschl
Das Gut hatte damals noch immer Kloster Pollingen zur Grundherrschaft. Ein Jahr
später ging dieselbe dann laut H. Schuler an das Kloster Wilten über. Dementspre-
chend nennt der 1775 angelegte Maria-Theresianische Steuerkataster (Kat. Nr. 833) 12 ei-
nerseits den Mathias Regenspurger als Besitzer und andererseits das Kloster Wilten
als Empfänger des Grundzinses vom Hausergut. Laut des um 1840/50 angelegten
Transportobuches (Neue Kat. Nr. 962) 13 waren von 1842 bis 1852 Anton Kolb und als
dessen Nachfolger Johann Hainz Inhaber dieses Gutes (Bp. 422-424). Auf einer Land-
12 Das Original dieses Steuerkatasters der Gemeinde Hötting befindet sich im TLA., eine vollständige Ko-
pie davon im StAI., Cod. Hötting 48.
13
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Original im TLA., vollständige Kopie im StAI., Cod. Hötting 49.
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Abb. 16: Das Mariä-Heimsuchungs-Kirchlein in Kranebitten heute - ohne den in Stein gefaßten Stiegenauf-
gang.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 17: Das Fischerhäusl oder »Hof Hörtenburg an der Kranebitter Allee.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
karte des >>Innthal(s) von Zirl bis zur Brücke bei Volders<< von Hauptmann Urban (1840)
wird der Hof übrigens - wohl nach seinem damaligen Besitzer - als »Oetzthaler H(of)<<
bezeichnet. Seinen jüngsten und letzten Namen >Peerhof« erhielt das Hausergut nach
Anton Peer, der (oder die, vielleicht Vater und Sohn?) sowohl im Häuserverzeichnis der
Gemeinde Hötting von 1910 als auch in jenem von 1934 als Besitzer desselben auf-
scheint. Im Dezember 1983 wurde dieser westlich des Galgenbichls gelegene Hof
abgerissen, um einer auf seinen Gründen entstehenden neuen Wohnsiedlung, die sei-
nen Namen trägt, Platz zu machen.
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2.) Der Berchtoldhof bzw. Gasthaus Berchtoldshof (Schneeburggasse 140)
Die Errichtung dieses Hofes fällt wahrscheinlich in den Zeitraum zwischen 1600 und
1627. Im Urbar des Innsbrucker Stadtspitals von 1600, wohin dieser Hof mit 2 Pfund
Pfennigen oder 24 Kreuzern grundzinspflichtig war, ist nämlich noch im Jahre 1600 nur
von einem Acker im Besitz des Leonhard Sauerwein »zu Alheilligen« die Rede 14,
während der Leopoldinische Steuerkataster von 1627 (fol. 60v) zu demselben Zins auch
die Behausung des Alex Sauerwein verzeichnet. Weiters wird in diesem Kataster noch
mitgeteilt, daß auf Alex dessen Sohn Simon Sauerwein als Besitzer nachgefolgt ist.
Nachweisbar seit 1703 befindet sich der Hof in der Hand der Familie Berchtold (Berk-
told, Perktold), deren Namen er heute trägt. Von 1933 bis 1960/70 genoß er den Rang
eines >>Tiroler Erbhofes«15. Besondere Erwähnung verdient die zu diesem Hof gehören-
de Hauskapelle (Vgl. dazu den Beitrag von E. Egg).
3.) Das ehemalige Mesnerhaus
Hinter bzw. oberhalb der 1786 profanierten alten Allerheiligenkirche (vgl. dazu die
Geschichte des Sennerhofes) befand sich auch eine eigene Mesnerbehausung, welche
in den schriftlichen Quellen erstmals in der Abrechnung des Verwalters oder Kirch-
propsts der genannten Kirche über das Jahr 1551/52, wie folgt, genannt wird: »Adam
Nokher, Mesner zu Alheiligen zinst vom Haus, Hofstat und Garten 3 Pfund«16. Im Leo-
poldinischen Steuerkataster von 1627 (fol. 61v) wird dann Hanns Nockher als Inhaber
dieser Behausung »beim Gottẞhaus zu Allheiligen<< angegeben und dazu vermerkt, daß
er bei der dortigen Kirche »das Mesnerambt zuvertreten schuldig ist. Das Urbar der
Höttinger Kirche von 1766, wohin dieser Hof grundzinspflichtig war, nennt Johann
Dollinger, während der Maria-Theresianische Steuerkataster von 1775 (Kat. Nr. 846)
Joseph Perktold als Besitzer dieser Behausung angibt. Dieser Quelle können wir auch
die Lage des Hauses entnehmen, als dessen Anrainer gegen Süden der >>Kirchhof und
untere Strassen«, gegen Osten der »gemain Bergweeg« (= Weg zur Buzihütte) und ge-
gen Norden der (Innsbrucker) »Stattwald« angegeben werden. Das Ende der Kirche
bedeutete auch das Ende des Mesnerhauses, welches wohl zugleich mit derselben um
1810/11 abgerissen worden ist.
14
Orig. im StAl.
15
Sebastian Hölzl - Hans Schermer, Tiroler Erbhofbuch, Bd. I, Innsbruck 1986, S. 125 f.
16
Orig. im StAI.
17 Orig. im Stiftsarchiv Wilten, vollständige Kopie im StAI., Cod. Hötting 57.
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4.) Der ehemalige Sennerhof an der Stelle der alten
Allerheiligenkirche (Berchtoldshofweg 1-1c)
Dieser vor wenigen Jahren nach einem Dachstuhl-Brand abgetragene Hof hatte
zwar eine lange Vorgeschichte, aber nur eine relativ kurze Lebensdauer. Die Vorge-
schichte ist identisch mit der Geschichte der im Jahre 1375 geweihten alten Allerheili-
genkirche, welche 1786 profaniert und in der Folge abgerissen worden ist. Am Bauplatz
dieser Kirche und des dazu gehörig gewesenen Mesnerhauses erbaute Peter Zorn um
1810/11 den stattlichen Sennerhof, welcher 1811 als »ganz neu hergestellte Behausung<<
bezeichnet wurde. Auf den Erbauer folgte - wie dem Transportobuch (Neue
Kat. Nr. 978, fol. 639) zu entnehmen ist durch Kauf am 26. April 1826 wieder ein Peter
Zorn und dessen Gattin Maria geb. Regensburger als Besitzer des Hofes. Von diesen
gelangte die Liegenschaft 1843 erbweise an ihren Sohn Martin Zorn, dem 1876 sein
gleichnamiger Sohn und Erbe nachgefolgt ist. Das Häuserverzeichnis der Gemeinde
Hötting aus dem Jahre 1934 nennt die Geschwister Sauerwein als Inhaber des Hofes.
5.) Der Sauerweinhof (St. Georgsweg 21) und das
Gasthaus »Allerheiligenhof« (Allerheiligenhofweg 7)
Die erste gesicherte Nennung dieses Hofes findet sich in der gemeinsamen »Ord-
nung<< der Gemeinden Innsbruck und Hötting vom 30. Mai 1529, worin der Hof zu >>All-
heyligen<< als einer der Höttinger Einöd-Höfe bezeichnet wird (vgl. oben!). Als 1627 der
Leopoldinische Steuerkataster angelegt worden ist, befand sich der Hof, bei dem auch
ein eigener Backofen angegeben wird, im Besitz des Hanns Kiechl (fol. 58v). Vermutlich
bereits der nächste Besitzer des Hofes war dann jener Mann, mit dem die in der Folge
für den Hof Namen gebende Familie hier Einzug hielt: Kaspar Saurwein. Dieser vererb-
te den Hof 1643 an seinen Bruder Alexander Saurwein, der hierauf am 8. August 1651
der Höttinger Kirche, der dieser Hof grundzinspflichtig war, einen entsprechenden Re-
vers über den Antritt dieses Besitztums ausgestellt hat 18. Das im Jahre 1766 angelegte
Urbar dieser Kirche enthält daher die Namen der damaligen Besitzer. Es waren dies Jo-
hann und Franz Saurwein, welche den Hof kraft väterlicher Übergabe am 26. März 1745
übernommen haben 19.
Im Maria-Theresianischen Steuerkataster von 1775 (Kat. Nr. 838) wird dann Johann Saur-
wein als Alleinbesitzer des Hofes angeführt. Kraft Kaufvertrages vom 3. April 1834. ge-
langte der seit dem Abverkauf eines Drittels (am 28. Oktober 1822) umfangmäßig redu-
zierte Hof an Josef Saurwein, dem Georg und Franz Sauerwein gemeinsam folgten (Vgl.
Transportobuch Neue Kat. Nr. 967, fol. 542).
18 S. Hölzl, a. a. O., n. 157.
19 Siehe Anm. 17!
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Abb. 18: Der alte, 1928 abgebrannte Danielhof (nach 1928 Eschenhof). Im Hintergrund rechts der ehemalige
Ziegelstadelhof.
Alte Photographie, Repro: Engelbert Pöschl
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Langen Wiese
Vols
Inder
Pand
Pulver Thurm
Scherer
Bein brener
Mart
Folder I
Gallwiese
Dillator
in der
Schmun
Tafel 4: Das Gebiet des heutigen Stadtteils Hötting-West/Allerheiligen um das Jahr 1840. Ausschnitt aus
der Karte >Das Innthal von Zirl bis zur Brücke bei Volders« von Hauptmann Urban (1840). Foto: E. Pöschl.
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Bei dem 1822 verkauften Drittel handelt es sich um einen Stadel und die Stallung, an
deren Stelle in der Folge der sogenannte »Flungerhof« bzw. der heutige Gasthof »Aller-
heiligen« entstand. Das Bauparzellen-Protokoll von 1856 nennt hier Johann Nocker,
Bauer. Das Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting aus dem Jahre 1934 bezeichnet
die Geschwister Stolz als Inhaber des Sauerweinhofes und Dr. Kerschbaumer als Besit-
zer des heutigen Gasthauses.
6.) Der Knappentalerhof
Über die Geschichte dieses Hofes sind wir durch einen Aufsatz des unvergessenen
Höttinger Heimatforschers Hans Katschthaler bestens informiert 20. Diesem zufolge
war es der Erzknappe Caspar Clainer, welcher einerseits im dortigen Gelände nach
Erz schürfte (vgl. dazu den Beitrag von Georg Mutschlechner) und andererseits im Jahre
1563 beim Herbst-Taiding der Gemeinde Hötting, also bei der damaligen Gemeinde-
und Gerichtsversammlung deshalb gerügt worden war, weil er einen Teil der >Gmain<<,
d. h. des Gemeinschaftsbesitzes der Gemeinde »im Kerschpuechtal einzeinen und ein
Heisl darinnen machen wollte. Was Caspar damals verwehrt wurde, vermochte sein
Sohn Michael Clainer zu erreichen. Ihm wurde vom landesfürstlichen Amte am 17. Juni
1597 ein entsprechendes Grundstück im >Kerschpuechtal< zur Erbauung eines kleinen
Häuschens, verbunden mit einem »Frühgarten<< verliehen.
Dieses Grundstück grenzte im Osten »an die alda erbaute Arzt-Cram<< (Erz-Bauhütte),
im Süden an die untere gemaine Au, im Westen an >des Kerschpuochhofs Gangsteig<
und gegen Norden an das Kerschpuchtal. Der Neubau sollte jedoch für die »zunegst er-
paute und aufgerichte Schwebl-Erzgrueben« keine Beeinträchtigung mit sich bringen.
Der Leopoldinische Steuerkataster von 1627 (fol. 63v) nennt hier dann Michaels Sohn,
Josef Clainer. Auch Josef war wie sein Vater und Großvater Erzknappe. Ihm folgte nach
seinem 1658 erfolgten Ableben sein Sohn Nikolaus. In der betreffenden Einsetzungs-
Urkunde vom 30. Juli 1658 begegnet dann erstmals die Bezeichnung >Behausung im
Knappental<. Von Nikolaus gelangte das Gut in der Folge an seinen Schwager Pankraz
Singer aus Telfes im Stubai, dessen Familie hierauf bis zum Jahre 1837 hier seẞhaft
blieb.
In den folgenden rund 120 Jahren (bis 1958) konnte Hans Katschthaler hier insgesamt
17 Hofbesitzer nachweisen. Die älteren davon waren: Georg Plattner und sein Sohn Jo-
hann 1837-1848-1852, Kaspar Nairz und seine Kinder 1852 - 1857 - 1876, Ingenuin
Saurwein und Anton Dollinger bis 1877, Nikolaus Wanner 1877 - 1904.
20 H. Katschthaler, Der Knappentalhof im Kerschbuchtal in Hötting (Innsbruck). In: Tiroler Heimatblätter
Jg. 52, Innsbruck 1977, S.132-144.
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7.) Der Kerschbuchhof
Auch die Geschichte des Kerschbuchhofes wurde bereits von Hans Katschthaler er-
forscht und veröffentlicht². Demnach begegnet ein Gut namens >Gerspuoch« bereits
im Urbar des Klosters Wilten von 1305 und hatte dorthin jährlich 11 Pfund Berner Pfen-
nige als Grundzins zu entrichten. Die zitierte Namensform leitet Katschthaler vom Be-
sitzer eines Buchenwaldes namens >Gero<< ab. Am 12. Mai 1331 übereigneten die dama-
ligen Hofbesitzer Wernher (II.) Kämmerer von Hötting und seine Gattin Katharina dem
Kloster Wilten als dem für Hötting kompetenten Pfarrherren den Kerschbuchhof zur Fi-
nanzierung einer wöchentlichen Hl. Messe in der Höttinger Kirche, welches Stiftungs-
gut am 26. November 1336 von den Stiftern wieder zurückgelöst und durch eine gleich-
wertige Liegenschaft in der Stadt Innsbruck ersetzt worden ist.
Im 15. Jahrhundert erscheint der Hof als landesfürstliches Lehen und wird daher von
1406 bis 1494 kontinuierlich in den Urbaren der landesfürstlichen Urbarpropstei Am-
bras angeführt. Der nachmalige Kaiser Maximilian I. verkaufte ihn dann 1497 an seinen
Protonotar und Vertrauten Florian Waldauf, welcher den Kerschbuchhof neben zahlrei-
chen anderen Gütern zur materiellen Ausstattung seiner berühmten Heiltum- und
Jahrtagsstiftung in der Pfarrkirche zu Hall i. T. verwendete.
Durch einen am 2. Februar 1578 abgeschlossenen Kaufvertrag gelangte der Hof jedoch
dann wieder in landesfürstlichen Besitz. Es war Erzherzog Ferdinand II., der den
Kerschbuchhof neben dem Purnhof ober Arzl erworben hat und dieselben fortan ge-
meinsam mit dem landesfürstlichen Maierhof in der Amraser Reichenau zur Versor-
gung seines Hofstaates bewirtschaften ließ. Verkäufer des Kerschbuchhofes war Os-
wald Roch, der das Gut von der Waldauf-Stiftung zu Lehen hatte. Unter Ferdinand wur-
de der Hof vor allem auch zur Jagdlust »fürnemblich in der Hirschprunst<< genützt. Nach
seinem Tode (1595) kam der Hof gemeinsam mit dem Schloß und dem Maierhof zu Am-
ras an seinen jüngeren Sohn, den Markgrafen Karl von Burgau (gest. 1618), welcher ihn
aber bereits 1613 gemeinsam mit dem Schloß etc. wieder an den Tiroler Landesfürsten
- damals Kaiser Matthias, im Lande vertreten durch Erzherzog Maximilian III. den
Deutschmeister - verkauft hat. Damit stand der landesfürstlichen Jagdlust in diesen
Revieren neuerdings nichts mehr im Wege.
Probleme bereitete aber immer wieder die Frage der Wasserversorgung des Kersch-
buchhofes, zu dem bereits unter Ferdinand II. um 1580 erstmals eine Brunnenleitung
geführt worden ist. Diese Leitung wurde im Jahre 1655 durch den damaligen Pächter
mittels 700 gebohrter, hölzener Wasserleitungsröhren von der Rauschbrunnen-Quelle
bis hinunter zum Kerschbuchhof, dem »Rohrweg« entlang neuerlich verlegt.
21 Vgl. oben Anm. 10!
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Abb. 19: Der neue Eschenhof. Rechts dahinter der ehemalige Sennerhof und das Dach des Berchtolds-
hofes.
Alte Photographie, Repro: Engelbert Pöschl
Mit dem Aussterben der jüngeren Tiroler Linie der Habsburger im Jahre 1665 fand auch
die landesfürstliche Hofhaltung in Innsbruck ihr Ende; - aus der bis dahin strahlenden
Residenzstadt wurde eine von Beamten dominierte provinziale Verwaltungszentrale.
Entsprechende Einsparungen waren die Folge. Von Letzteren war auch der Kersch-
buchhof betroffen, da alle für den bisherigen Hof betriebenen Gutshöfe nun in private
Hand verkauft worden sind. Käufer des Kerschbuchhofes war kraft Urkunde vom 26. Juli
1666 Johann Graf Spaur, der den Hof selbstverständlich nicht selbst bewirtschaftet,
sondern ihn verpachtet hat. Bereits nach zehn Jahren aber trennte sich der Graf wieder
von diesem Besitz, der nun an bäuerliche Eigentümer überging. Im einzelnen nennt
Katschthaler ab 1676 folgende Besitzerfamilien bzw. Eigentümer: die Schaffenrath bis
1708, die Saurwein bis 1766, die Dollinger bis 1775, Paul Tusch bis 1779, Jakob Scheyring
und nach ihm Mathias Feger bis 1783, die Spörr bis 1830, die Wackerle bis 1851, die
Klocker bis 1869, die Frick bis 1907, Engelbert Stolz bis 1924, die Haggenmüller bis 1928,
die Schmid, denen schließlich 1935 die Abfalterer folgten.
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Bleibt noch besonders hervorzuheben, daß mit dem Hof seit 1907 das Gast- und
Schankgewerbe verbunden ist, was nicht unwesentlich zur heutigen Popularität des
Kerschbuchhofes beiträgt. Sehr förderlich hat sich auch die von der jetzigen Wirtsfami-
lie selbst geschaffene Zufahrtsstraße von Kranebitten herauf erwiesen. Die dortige
Hofkapelle trägt über dem Portal die Jahreszahl 1802, es ist wohl das Jahr ihrer
Erbauung.
8.) Der Harterhof
Wohl der größte der hier zu behandelnden Höfe ist der Harterhof oder der Hof >ze
Harde<, wie sich das Höttinger Kirchenurbar von 1365 ausdrückt22. Wie es scheint, gab
es am Hof und in der dortigen Gegend schon damals mehrere zinspflichtige Besitzer.
Das genannte Urbar nennt jedenfalls gleichzeitig einen »Huerigel ze Harde« sowie
einen Chunz, Nikkel und Eberle von Harde, aber auch noch einen Hans Schober von
Hard. Welcher oder welche von diesen damals der Inhaber des heutigen Harterhofes
waren, läßt sich nicht sagen. Die obzitierte Ordnung von 1529 nennt dann Oswold
Schlechl von Hart. Ganz präzise Besitzer-Angaben liefert uns erst der Leopoldinische
Steuerkataster von 1627 (fol. 65f), wo Hanns Friz als Inhaber von 3 Vierteln und Nikolaus
Greinwaldt als Inhaber des 4. Viertels dieses Hofes angegeben erscheinen. Die Bau-
lichkeiten des Hofes umfaßten damals zwei Behausungen, zwei Städel und zwei Stal-
lungen, zwei Getreide-Kasten und zwei Backöfen sowie eine gemeinsame >>Padstuben<<
und einen »Rohrbrunnen«. Auch in Urkunden der Jahre 1663 und 1666 wird wieder ein
Nikolaus Greybold bzw. Greinwaldt zu Hart erwähnt23.
Ebenso wird in zwei weiteren Urkunden von 1676 und 1702 wiederum ein Martin Friz zu
Hard genannt, dem ein 1743 verstorbener Simon Friz, Bauer zu Hart, folgte 24. Im Höttin-
ger Kirchenurbar von 1766 werden Andree Dollinger und Balthasar Kirchmayr als ge-
meinsame Inhaber dieses Hofes angeführt25. Dieselben begegnen auch noch im Maria-
Theresianischen Steuerkataster von 1775 (Kat. Nr. 820 u. 825), wobei als ihre Besitz-
nachfolger Joseph Tollinger und Franz Sauerwein aufscheinen. Hiezu ist noch zu
bemerken, daß sich Balthasar Kirchmayr noch in einer letztwilligen Jahrtagstiftung für
sich, seinen Bruder Ignaz und ihrer beider Eltern vom 21. März 1791 als »lediger Bauer zu
Allerheiligen<< bezeichnet26.
22 Vgl. oben Anm. 8!
S. Hölzl, a. a. O., n. 171 u. 172.
Ebenda, n. 175 u. 205.
23
24
25
Vgl. oben Anm. 17!
26 S.Hölzl, a. a. O., n. 266.
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Die Zweiteilung des Hofes blieb auch noch fast während des ganzen 19. Jahrhunderts in
Geltung. So werden im Transportobuch (Neue Kat. Nr. 951, fol. 114) für den 3/4 Anteil fol-
gende Besitzübergänge mitgeteilt: Kraft väterlicher Verlassenschafts-Abhandlung vom
20. März 1807 nach dem vorgenannten Josef Tollinger sen. trat Josef Dollinger (!) iun. die
Innehabung dieses Hofanteils an und übergab ihn am 5. Juni 1845 seinem gleichnami-
gen Sohn. Dreißig Jahre später, am 26. Juli 1875 erfolgte dann wiederum eine väterliche
Übergabe von Josef auf Anton Dollinger. Im Bauparzellen-Protokoll von 1856 (Bp. 428)
wurde Josef Tollinger (!) der Vulgo- oder Hofname »Fritz<< beigegeben und im zugehöri-
gen Mappenblatt der Hofname >Fritzenhof« eingetragen, welche Namen sich offenbar
vom oben genannten Vorbesitzer der Zeit um 1627 herleiten dürften.
Bezüglich des 1/4-Anteils gibt das Transportobuch (Neue Kat. Nr. 945, fol. 537) die vä-
terliche Besitzübergabe vom 11. Dezember 1816 von Michel auf seinen Sohn Franz
Sauerwein, sowie den Überlassungsvertrag vom 30. September 1861 von Franz auf Je-
newein Ingenuin Sauerwein an.
Im Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting aus dem Jahre 1934 wird dann der be-
kannte Innsbrucker Kaufmann und Heimatforscher Hans Hörtnagl (1864-1944) als
Alleinbesitzer des ganzen Hofes genannt.
Bleibt noch zu erwähnen, daß die dortige Hofkapelle (Bp. 430) erstmals im Bauparzel-
len-Protokoll von 1856 aufscheint. Sie stellt ein nicht zu unterschätzendes Kleindenk-
mal dar und würde entsprechende Pflege verdienen.
9.) Der Kranebitter-Hof bzw. Gasthof Kranebitten (Kranebitter Allee 203)
Als einer der Höttinger Einöd-Höfe in der obzitierten Ordnung von 1529 genannt,
hat dieser Hof sicher schon in früherer Zeit bestanden. So z. B. wird in einer Urkunde
von 1503 die Lage des sogenannten Kolackers >unter Kranwitt« in der Au beschrieben,
und einer Urkunde von 1514 können wir entnehmen, daß es damals bereits zwei Höfe
zu Kranebitten gegeben hat, einen oberen und einen unteren. Vom »untern Hof zu
Kränwidten<< werden in dieser Urkunde Hans Herman und seine Frau Diemut als Vor-
besitzer angeführt27. Einer der Reisebeschreibungen des Hanns Georg Ernstinger zum
Jahre 1595 verdanken wir überdies bereits den Nachweis, daß hier schon damals das
Gastgewerbe betrieben wurde. So erwähnt er bezüglich seiner damaligen Reise von
Innsbruck nach Ulm als erste Station »ain Wiertshauss, zu Cränbeten genant<28
27 Ebenda, n.45 u. 62.
28
A. F. Walther, Hans Georg Ernstingers Raisbuch. Stuttgart 1877, S.62.
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Wenig später erfahren wir einen weiteren und für die Hofgeschichte besonders bedeu-
tungsvollen Besitzernamen: Am 16. November 1607 erhielten nämlich Marcell Oster-
mann, >zu Kranbitten sesshafft<< und Fähnrich des Aufgebots des Landgerichtes Son-
nenburg, sowie dessen Bruder Joachim und deren Vettern Caspar, Melchior und Martin
Ostermann von Erzherzog Maximilian III. dem Deutschmeister ein Wappen verliehen29.
Auf Marcell folgte am Hofe Zacharias Ostermann, der am 12. August 1620 die landes-
fürstliche Bewilligung erhielt, zur Förderung des Gottesdienstes bei seinem Hause
>>über die Landstraße hinüber eine Kapelle zu errichten. Als südliche Begrenzung wird
dabei die Landstraße, als nördliche »der Berg« angegeben³0.
Im Leopoldinischen Steuerkataster von 1627 (fol. 63v ff.) wird beim >>Kränbithof<< des
Zacharias Ostermann dann bereits die >new erpawte Unser lieben Frawen Haimb-
suechungs-Capellen« erwähnt, zu deren Erhaltung ihm vom Landesfürsten unterdes-
sen ein östlich an die Kapelle anschließendes Grundstück verliehen worden war. Auch
hatte er von den Einkünften aus diesem Grundstück jährlich fünf »gewise Messen«<, d.h.
hl. Messen an 5 bestimmten Feiertagen in seiner Kapelle lesen zu lassen. Im Jahre 1646
erhielt das Kirchlein einen in Stein gefaßten Stiegenaufgang. An diesen erinnert heute
nur noch ein behauener Brecciestein mit der Jahreszahl >1646«, welcher bei der Ver-
breiterung der Bundesstraße bzw. >>Reichsstraße« um 1938/39 von dort weg kam und
seither vor dem Hause Harterhofweg 90 verwahrt liegt (weitere Angaben zur Geschich-
te etc. des Kranebitter Kirchleins sind dem Beitrag von E. Egg zu entnehmen).
Hinsichtlich des Hofes selbst gibt der Leopoldinische Kataster neben der (offenbar
neuen) Behausung noch eine »hilzene Behausung« bzw. das untere alte Haus<<
(vgl. oben) sowie Stadel, Stallung, Getreidekasten, Backofen und Badstube an. Der dor-
tigen Trinkwasserversorgung diente damals und auch später noch eine eigene Wasser-
leitung, die beim >Hollenstain gefast und alhero<< zu einem fließenden Brunnen geführt
worden war.
So großzügig Zacharias Ostermann seiner Kapelle gegenüber war, seiner Gastwirt-
schaft hätte er manchmal mehr Aufmerksamkeit schenken sollen. Diese Kritik ist je-
denfalls dem Reisetagebuch des Augsburger Handelsreisenden Philipp Hainhofer zu
entnehmen, der gelegentlich der Rückreise von Innsbruck in seine Heimat am 3. Mai
1628 feststellt: »Nach dem Essen, bin ich im Namen Gottes von Ynnẞprugg hinweggerit-
ten, wider durch den Thiergartten, vmb welchen man aine Mauren bawet, vnd ain fal-
scher Müntzer zur Straff 60.000 Gulden (wie man sagt) zu diser Maur zahlen muß. Nit
weit daruon am Berg, ist aine Capell, genant Craventer (= Kranebitter Kapelle) vnd in
der Höhe ain Würtshauß darbey, so bißweilen zum durren nast (=Ast) mag genent
29 Hugo v. Goldegg, Die Tiroler Wappenbücher im Adelsarchive des k. k. Ministerium des Innern zu Wien. In:
Zeitschrift des Ferdinandeums 3. F. Bd. 20, Innsbruck 1876, S. 127, n. 471.
30 S. Hölzl, a. a. O., n. 88.
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DDOL
Abb. 20: Der ehemalige Ziegelstadelhof (Gufeltalweg 3).
Foto: Margarete Hye-Weinhart
werden, weil diser Würth nit allezeit proviantirt ist. Von hinen kompt man zu der
Martinswandt<³¹
Die letzte uns bekannte urkundliche Nennung des Zacharias Ostermann zu Kranebit-
ten datiert vom 8. August 1651, als er sich in einem Revers gegenüber der Höttinger Kir-
che noch ausdrücklich als Sohn und Erbe des Marcellus Ostermann bezeichnet³la. Die
Jahre der Familie Ostermann auf diesem Hofe währten damals nicht mehr lange. Jeden-
falls begegnet in einer Urkunde von 1732 ein Franz Dollinger als >Gastgeber zu Krane-
bitten. Das Höttinger Kirchenurbar von 1766 nennt dann aber wieder einen Joseph
31 Oscar Doering, Des Augsburger Patriciers Philipp Hainhofer Reisen nach Innsbruck und Dresden. Wien
1901, S. 108 f.
31a S. Hölzl, a.a. O., n. 156.
32
Ebenda, n.205.
51
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Osterman als >>Würth zu Kränewiten«33. Dieses Urbar weist auch neuerlich auf den >ob
Kranewiten in der Klamm in Gfall unter den hohen Weeg gefasst und fiehrenden Brun-
nen« hin.
Wohl derselbe Joseph Ostermann ist es, der noch im Maria-Theresianischen Steuerka-
taster von 1775 (Kat. Nr. 800) als Besitzer des Gutes zu »Kranabitten<< genannt wird. Die-
ser Kataster präzisiert übrigens hinsichtlich der Größe des Hofes, daß es nur >die Bau-
recht (eines) ... Dreyviertlguth(es)<< umfasse. Auch wird dort zwischen dem Gutshof
und einem neuen Saalbau unterschieden: »Eine Behausung, Stadl, Stallung nebst ei-
nen neuen, dran gebauten Sommer-Stökl oder Saalele mit der Wirths-Tafferns-
Gerechtsame. Als Begrenzung des Gutes wird gegen Osten >>die alt und neue Land-
strassen (vgl. dazu das nächste Kapitel), gegen Westen der >Innstrom« und gegen Nor-
den wieder die »gemaine Landstrassen« angegeben.
Dem Transportobuch (Neue Kat. Nr. 919, fol. 441) ist dann zu entnehmen, daß das Wirts-
haus-Gut zu Kranebitten am 9. Juli 1830 zugunsten des Balthasar Nairz versteigert wor-
den ist. Auf Nairz folgten zunächst (1850) seine Kinder; - das Bauparzellen-Protokoll
von 1856 nennt hier Franz Nairz. Letzterer verkaufte das Gut am 13. April 1861 an Josef
und Max Kapferer zu Innsbruck, denen durch Kauf am 2. Februar 1874 Johann Schmid
folgte. Das Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting von 1934 nennt hier Josef Rimml.
10.) Das Fischerhäusl bzw. der >>Hof Hörtenburg« (Kranebitter Allee 46)
Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Häusern des Stadtteiles Hötting-West/
Allerheiligen stellt das Fischerhäusl den einzigen Altbau am Talboden der Höttinger Au
und zudem als einziges keinen Privatbau dar, sondern hat den Tiroler Landesfürsten
zum Bauherrn gehabt. Bereits im Tiroler Fischereibuch Maximilians I. von 1504 darge-
stellt, fällt seine Erbauung vor diesen Zeitraum und dürfte wohl bereits unter Maximi-
lians Vorgänger, Herzog Sigmund dem Münzreichen, erfolgt sein. Es diente der Hof-
fischerei am Gießen bzw. am Lohbach.
In den Urkunden des Höttinger Pfarrarchivs begegnet es 1587 als Anrainer eines dar-
über liegenden steinigen Platzls »am Rain«34. Nach der Auflösung des Innsbrucker Ho-
fes (1665) wurde auch das Fischerhäusl - ebenso wie der Kerschbuchhof (vgl. dort) -
vom Ärar an einen privaten Interessenten verkauft. Der Maria-Theresianische Steuer-
kataster von 1775 (Kat. Nr. 787) gibt als seinen Besitzer den Grafen Johann Carl Fieger an
und bezeichnet das Gut als >Hof Hörtenburg in der Aue«. Auf den Grafen folgte Ignaz
33 Vgl. oben Anm. 17!
34 S. Hölzl, a.a. O., n.86.
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Hundegger, dem laut Übergabsvertrag vom 22. Dezember 1807 wiederum ein Ignaz
Hundegger (vermutlich der Sohn) nachfolgte. In dem um 1840/50 angelegten Transpor-
tobuch (Neue Kat. Nr. 907, fol. 247) wird das Gut dann wieder als »Fischerhaus« benannt.
Der letzte dort eingetragene Besitzübergang erfolgte 1852 zugunsten von Anton Hund-
egger. Die Häuserverzeichnisse der Gemeinde Hötting von 1910 und 1934 nennen hier
Alois Hundegger bzw. wieder einen Anton Hundegger.
Während die bisher vorgestellten Höfe - mit Ausnahme des Sennerhofs - bereits im
Maria-Theresianischen Steuerkataster von 1775 enthalten sind, behandeln die folgen-
den Ausführungen die Neubauten der Zeit zwischen 1775 und 1856:
1.) Der Daniel- oder neue Eschenhof (Karl-Innerebner-Straße 139)
Dieser Hof entstand erst durch den Ausbau einer Stallung des Daniel Nairz (gest. 1773)
durch dessen Sohn Jakob Nairz und dürfte, wie Josef Tumler schreibt 35, um 1801 vollen-
det gewesen sein. Acht Jahre später wurde der Neubau bei den Kämpfen am 13. August
1809 vom bayerischen Militär niedergebrannt, jedoch von seinem Besitzer in der Folge
wieder aufgebaut.
Nach dem Tod des Jakob Nairz (1827) wurde der Hof seinem ältesten Sohn Balthauser
eingeräumt, welcher ihn aber bereits 1832 an Nikolaus Witsch verkauft hat. Damals be-
gegnet erstmals der Hofname >>Daniel<< für dieses Gut, das unter diesem Namen auch
in Urbans Landkarte des >Innthales von Zirl bis... Volders« (1840) Aufnahme fand. Auf
Witsch folgten als weitere Besitzer: 1837 Josef Singer (gest. 1877) und dessen Erben,
1878 Johann Andrä Federspiel, Ziegelbrenner, sowie 1922 Dr. Gottlieb Kneußẞl und Dr.
Karl Außerer (Wien) bzw. ab 1923 Dr. Kneuẞl allein.
Am 4. August 1928 brannte der Hof infolge Blitzschlages bis auf die Grundmauern ab,
wurde aber unmittelbar danach von Dr. Kneußl wieder aufgebaut. Seither trägt er über
Betreiben seines damaligen Besitzers den Namen »Eschenhof<, welche Bezeichnung
sich auf eine Gruppe von Eschen-Bäumen bezieht, die südlich des Hofes oberhalb des
Steilabfalles zum Lohbach stehen.
35 Josef Tumler, Der Eschenhof in Hötting. In: Tiroler Heimatblätter Jg. 15, Innsbruck 1937, S. 265-273.
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Abb. 21: Der Ziegelstadel- und der Allerheiligenhof, umgeben von Neubauten um 1965.
Luftaufnahme: Richard Frischauf
2.) Der ehemalige Ziegelstadelhof in Allerheiligen (Bereich Gufeltalweg 3)
Bei diesem Gehöft handelte es sich um einen regelrechten »Kalk- und Ziegelofen<,
der vor 1840 von Josef Dollinger, »Ziegelbrenner zu Hart« erbaut worden war (Transpor-
tobuch Neue Kat. Nr. 2051, fol. 127, Bp. 419, 420). In der schon mehrfach zitierten >>Inn-
thal«<-Karte von Urban aus dem Jahre 1840 findet sich der »Ziegelofen« daher bereits
eingezeichnet.
Auf Josef folgte 1868 sein Sohn Anton Dollinger bzw. 1874 dessen Söhne Johann und An-
ton. Im Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting von 1934 wird Dr. Eugen Hirsch als
Besitzer des »Ziegelstadelhofes angegeben. Dieser aus Wohn- und Wirtschaftsgebäu-
de bestehende stattliche Hof wurde nach 1972 abgerissen. An seiner Stelle entstand
der untere Teil der westlichen Gufeltal-Siedlung.
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3.) Der Hagelehof (Harterhofweg 87)
Erbauer und erster Besitzer dieses im Transportobuch (Neue Kat. Nr. 2017, fol. 553,
Bp. 432) als >>neuerbaut<< bezeichneten Wohnhauses mit Stadel und Stall war Joseph
Spörr; der Bau erfolgte vor 1840. Auf Josef folgte 1861 Leopold und 1877 dessen Sohn
Josef Spörr. Das Häuserverzeichnis von 1934 gibt R. d. Lange als Besitzer dieses Hauses
an.
4.) Der Poltenhof (Harterhofweg 99)
Der erste Besitzer dieses im Transportobuch (Neue Kat. Nr. 2059, fol. 552, Bp. 433,434)
als >>Söllbehausung« qualifizierten Wohn- und Wirtschaftsgebäudes war Leopold Spörr.
Nachdem Spörr das betreffende Grundstück im Jahre 1832 käuflich erworben hat, und
sein Haus bereits in der »Innthal<<-Karte des Hauptmanns Urban von 1840 einge-
zeichnet ist, muß der Bau desselben um 1832/40 erfolgt sein. Das rund 100 Jahre
später angelegte Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting von 1934 nennt hier
Franz Spörr.
5.) Haus Harterhofweg 90
Im Transportobuch (Neue Kat. Nr. 2016, fol. 191, Bp. 436) als »eine neu erbaute Tag-
löhners-Behausung« mit Stadel und Stallung bezeichnet, befand sich diese Liegen-
schaft um 1840 in Besitz des Anton Gapp und seiner Gattin Anna Dollinger und gelang-
te 1861 an Franz Sauerwein. Auch dieses Haus findet sich bereits in der »Innthal<<-Karte
von Urban aus dem Jahre 1840 eingezeichnet. Das Häuserverzeichnis der Gemeinde
Hötting von 1934 nennt hier Ludwig Saurwein.
6.) Haus Kranebitter Allee 206
Auch dieser bereits in der »Innthal<<-Karte von Hauptmann Urban (1840) einge-
zeichnete >>Neubau<< wird im Transportobuch (Neue Kat. Nr. 2067, fol. 65, Bp. 441) als >In-
wohner- oder Söllbehausung« bezeichnet, - war also kein Bauernhaus bzw. nach da-
maligem Recht keine zu diversen Dingen >mitberechtigte<< Nachbarschaftsbehausung
der Gemeinde Hötting. Erbauer und Erstbesitzer war Johann Plattner, »Strassen-Ein-
räumer in Kranebitten«. Das Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting von 1934 nennt
hier Karl Plattner.
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Die alte und die neue Landstraße
Wenn wir es nicht schon wüßten, daß die Schneeburggasse die mittelalterliche und
frühneuzeitliche Landstraße von Innsbruck über Hötting nach Zirl gebildet hat, -
durch die lagemäßige Verteilung der alten Höfe in unserem Bereich hätte man es er-
schließen müssen. Liegen doch alle alten Höfe - abgesehen vom Fischerhäusl - an
oder in der Nähe der alten Landstraße, die u. a. im Innsbrucker Stadtratsprotokoll des
Jahres 1544 (fol. 136v - Orig. im Innsbrucker Stadtarchiv) als »der Ober Weg zu und für
Hart, so der recht Weg und Lanndtstras (ist)<<, bezeichnet erscheint.
Was das Alter dieser ehemaligen Landstraße anbelangt, so begegnet man immer wie-
der der Meinung oder Vermutung, daß hier auch schon die Römerstraße verlaufen sei
(vgl. z. B. die Bezeichnung »Römer-Häusl« für das Haus Allerheiligenhofweg 36). Diese
Ansicht können wir ganz entschieden in den Bereich lokalen Wunschdenkens verwei-
sen, denn die Römerstraße von VELDIDENA/Wilten nach TERIOLIS/Martinsbühel-
Zirl und weiter über Scharnitz nach Augsburg verlief nicht auf der nördlichen Talseite,
sondern bis zum Michelfeld zwischen Völs und Kematen auf der südlichen Talseite und
querte erst in der Nähe der römischen Straßenstation TERIOLIS/Martinsbühel den
Inn 36. Auch das unweit westlich der Grenze der Gemeinden Innsbruck und Zirl befindli-
che >Meilbrünnl<< bezieht sich nicht auf eine römische Meile, sondern auf die Entfer-
nung von rund einer »Deutschen Meile« dieses Brunnens von der Stadt Innsbruck in
deren Grenzen vor 1904 (Bis dahin war der Höttinger Bach die westliche Stadtgrenze!)
woran noch heute ein im vorigen Jahrhundert gesetzter Meilenstein mit der Inschrift
>I Deutsche Meil von Innsbruck« erinnert. Dieser Stein erhebt sich ein Stück westlich
vom Meilbrünnl bergseitig an der Bundesstraße.
Den ältesten urkundlichen Hinweis auf den Fuhrwerksverkehr über die alte Innsbruk-
ker Innbrücke, welche die Altstadt mit der Höttinger Gasse verbindet, enthält die Inns-
brucker Stadtrechts-Bestätigungsurkunde von 1239 (Original im Stadtarchiv)37; - und
der Verkehr, der über die Innbrücke verlief, kam oder ging zum Großteil über die Höt-
tinger- und die Schneeburggasse bzw. über den Allerheiligenhofweg, d.h. eben über
die alte Landstraße in Richtung Oberinntal, Fernpaß oder Scharnitz.
Auf die alte Verkehrsfunktion dieses Straßenzuges weisen auch - abgesehen von
St. Christophorus-Fresken im Dorfkern von Hötting - die in ihrem Standort geringfügig
36 F.H. Hye, Grundzüge der alten Tiroler Verkehrsgeschichte. Dargestellt anhand von Relikten in Samm-
lungen und im Gelände. In: Symposium »Alpenübergänge vor 1850< Landkarten - Straßen - Verkehr.
Vierteljahrschrift f. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte Nr. 83 hg. von Uta Lindgren, Stuttgart
1987, S 147-155.
37 Derselbe, Innsbruck - Geschichte und Stadtbild = Sonderband der Tiroler Heimatblätter Jg. 55, Inns-
bruck 1980, S. 16f und 91 ff.
56
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Abb. 22: Wegkreuz unter Sadrach an der alten Landstraße (= Schneeburggasse), auch der »Kleine Gott< ge-
nannt, erneuert 1960.
Foto: Richard Frischauf
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veränderte Kapelle zum »Großen Gott, das Wegkreuz unter Sadrach (von E. Egg als
der >>Kleine Gott« bezeichnet) sowie die St. Leonhardskapelle neben dem Aufgang
zum Grünen Boden hin. Als >sanct Leonhartsstock« wird dieser kapellenartige Bild-
stock bereits in der Höttinger Feldgatterordnung von 1643 erwähnt³8.
Eine ganz andersartige Stätte des Gedenkens an die alte Landstraße bildet der Gal-
genbühel: Für den Strafvollzug von einst war es nämlich wesentlich, daß die Richtstätte,
genannt das Hochgericht oder der Galgen, nahe an der Landstraße situiert war, um
dessen abschreckende Wirkung zu intensivieren. Dieser Auffassung wurde auch sei-
tens des Landgerichtes Sonnenburg Rechnung getragen und der Galgen um 1330 auf
dem danach benannten Galgenbühel aufgestellt. Auf der Ansicht der Gegend von Al-
lerheiligen im Tiroler Fischereibuch Maximilians I. von 1504 findet sich deshalb auch
der Galgen (links am Bildrand) abgebildet. Er war bis gegen das Ende des 18. Jahrhun-
derts in Verwendung³9.
Die neue Landstraße durch die Höttinger Au und die Lange Ulfiswiese wurde erst ab
1595 angelegt. Der Straßenzug Höttinger Gasse - Schneeburggasse etc. wurde damit
zur >alten Landstraße«, welche Bezeichnung bereits in einer Urkunde von 1628 bezüg-
lich eines an diesem Straßenzug gelegenen Eckhauses angetroffen wird 40.
Allerdings dürfte schon vor 1595 ein provisorischer Fahrweg durch die Höttinger Au etc.
bestanden haben, denn sonst würde das Stadtratsprotokoll von 1544 (vgl. oben) für die
alte Landstraße nicht die Bezeichnung »Oberer Weg« gebraucht haben. Dementspre-
chend wird auch in einer Urkunde von 1551 bezüglich eines Hauses an der heutigen
Mariahilfstraße als dessen südliche Begrenzung bereits die »gemain Lanndtstrassen<<
angeführt (Klosterarchiv Wilten, Lade IL, J-1).
Die ältesten >Denkmäler« an der neuen und bequemeren, andererseits aber durch
Hochwässer gefährdeten Straßenverbindung am Talboden sind jene fünf barocken
Bildsäulen aus Höttinger Breccie, welche ursprünglich als Rosenkranzstationen am
Weg zur Mariä-Heimsuchungs-Kapelle in Kranebitten fungierten. Die Errichtung die-
ser Säulen durch den Innsbrucker Steinmetz und Baumeister Gallus Mayr im Auftrag
des Innsbrucker Hofes erfolgte im Jahre 165441.
38
Tirolische Weistümer Bd. V, a.a. O., S. 247.
39 Otto Stolz, Politisch-historische Landesbeschreibung von Tirol. 1. Teil: Nordtirol = Archiv für österr. Ge-
schichte Bd. 107, Wien 1926, S. 294 ff.
40 Ludwig Petrowitsch, Regesten zu den Urkunden des Innsbrucker Stadtarchivs. Ungedr. Ms., Nr. 1777. Die
Original-Urkunde fiel dem Bombardement des Stadtarchivs 1944 zum Opfer.
41
58
Erich Egg, Maria-Heimsuchungskapelle Kranebitten. In: Tiroler Tageszeitung 1976, Nr. 135, S. 10 (12. Juni).
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Abb. 23: Die St. Leonhardskapelle an der Schneeburggasse bzw. alten Landstraße.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Von den durchwegs an der nördlichen Straßenseite situierten Wegsäulen haben sich
folgende erhalten: Die erste beim Hause Höttinger Au Nr. 48 mit einem in Eisen gegos-
senen Mariahilf-Bild, die zweite - zur Zeit ohne Bild- zwischen den Häusern Höttinger
Au Nr. 80 u. 82, die dritte mit den Resten eines St. Christophorus aus dem Jahre 1949
beim Fischerhäusl (Kranebitter Allee 46), die vierte mit der Darstellung des Hl. Leon-
hard bei den Häusern Kranebitter Allee Nr. 94 u. 94 a und die fünfte mit einem Hl. Martin
südlich vom Harterhof. Am Ende dieses Rosenkranz-Weges beim Kranebitter Kirchlein
traf die neue Landstraße schließlich wieder mit der alten zusammen. Dementspre-
chend zeigt eine im Stadtarchiv verwahrte Plan-Ansicht des Höttinger Hofwaldes von
ca. 1714 in Kranebitten die Einmündung der »alte(n) Strassen« in die >>Landstrassen<.
Bis zum Bau der Autobahn in's Oberinntal trug diese >neue Landstrasse<< oder Krane-
bitter Allee fast den gesamten Verkehr von und nach Westen. Die erste Anpflanzung
der noch bis ca. 1950/60 beiderseits der Straße stehenden Pappeln dürfte in der >Bay-
erischen Zeit< (1806-1814) erfolgt sein. Auf der von Hauptmann Urban um 1840 ange-
legten und bereits mehrfach zitierten Landkarte des »Innthal(es) von Zirl bis... Vol-
ders<< findet sich diese Allee jedenfalls bereits eingezeichnet. In dieser Karte erschei-
nen auch die vorerwähnten fünf Rosenkranz-Wegsäulen, jedoch mit teilweise vom
heutigen Standort abweichender Position. An Gebäuden befanden sich damals an der
Kranebitter Allee nur das Fischerhäusl und - knapp südlich neben der Straße - der
Scherer Hof.
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Abb. 24: Gedenkkreuz am Galgenbichl; der Galgen stand hier unweit der alten Landstraße. Das Kreuz wur-
de vom Heimatschutzverein Hötting errichtet.
Foto: Margarete Hye-Weinhart
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Abb. 25 bis 29: Die fünf 1654 errichteten Steinsäulen bzw. einstigen Rosenkranzstationen an der neuen
Landstraße bzw. Kranebitter Allee, die hinaus führt zum Mariä-Heimsuchungs-Kirchlein.
Fotos 25, 26, 28, 29: Margarete Hye-Weinhart, Foto 27: Engelbert Pöschl
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Abb. 27
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Abb. 28
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Die Entwicklung der kirchlichen Seelsorge in Allerheiligen
Bemerkungen zur alten Allerheiligenkirche
- mit einigen
Der Bereich der heutigen Pfarre zu Allen Heiligen gehörte ursprünglich gemeinsam
mit der alten Dorfgemeinde Hötting, der Stadt Innsbruck und den Gemeinden
Mutters, Natters und Völs zur alten Großpfarre Wilten, die dem dortigen Prämon-
stratenser-Chorherrenstift inkorporiert war bzw. z. T. noch immer von Wilten her verse-
hen wird¹². Die ältere Seelsorgegeschichte von Allerheiligen ist daher identisch mit je-
ner von Hötting, wo seit 1687 ein permanent in einem Widum am Orte residierender
Wiltener Chorherr als Kurat (=Seelsorger) wirkte. Die Erhebung Höttings zur selb-
ständigen Pfarre erfolgte erst 1853 bzw. wurde am 1. Jänner 1854 verkündet¹³.
Nach bescheidenen Anfängen in einer am 20. Dezember 1936 geweihten Notkirche -
sie bestand im Rohgerüst aus einem von der Kranebitter Allee herauf übertragenen
Heustadel folgte 1940 die Errichtung des selbständigen Pfarrvikariates Allerheili-
gen (Näheres dazu enthalten die Beiträge von Anna Fritz, Elisabeth Putz und Erich
Egg).
Bezüglich der alten Allerheiligenkirche (vgl. dazu oben die Ausführungen über den
Sennerhof) sei hier lediglich hervorgehoben, daß diese Kirche - abgesehen von land-
und forstwirtschaftlichen Nutzungsrechten - die erste direkte Kontaktaufnahme der
Stadt mit dem Gebiet der heutigen Pfarre gebildet hat, wobei vorerst die Frage un-
beantwortet bleiben muß, was die Innsbrucker Bürgerschaft dazu bewogen hat hier
draußen nach der St. Jakobs- und der Spitalskirche ihre dritte städtische Kirche zu er-
bauen. Ihre Errichtung scheint im Jahre 1327, also vor nunmehr 660 Jahren, und zwar mit
Unterstützung durch den Tiroler Landesfürsten erfolgt zu sein.
In einem der bekannten Rechnungsbücher der landesfürstlichen Verwaltung Tirols aus
der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts teilt jedenfalls das Haller Salinenamt zum Jahre
1327 mit >pro edificiis capelle supra Heteningen dicte apud omnes Sanctos<< eine Bei-
tragszahlung geleistet zu haben 44. Zwischen der Erbauung und der Weihe dieser klei-
nen Kirche sollten dann allerdings noch 50 Jahre verstreichen. Ihre Weihe erfolgte näm-
lich erst am 13. April 1375, wobei den damaligen und künftigen Besuchern der Kirche
gleichzeitig ein gewisser Sündenablaẞ verliehen worden ist. Über das Motiv zum Bau
dieser Kirche werden wir aber weder durch obige Rechnungsnotiz, noch durch die im
Original im Innsbrucker Stadtarchiv (Urk. n. 182) verwahrte Weihe- und Ablaẞurkunde
42 Hans (Hermann) Lentze, Studia Wiltinensia. Innsbruck 1964, S.97.
43
44
Georg Tinkhauser - Ludwig Rapp, Beschreibung der Diöcese Brixen. Bd. 2, Brixen 1879, S. 233-239.
Staatsarchiv München, Tiroler Codex 14, fol. 75; - Hier zitiert nach Otto Stolz, Geschichte der Stadt Inns-
bruck. Innsbruck 1959, S. 435.
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informiert, welche vom Titularbischof Alexius von Askalon ausgestellt und von >Magi-
ster Chunradus de Jnsprukka geschrieben worden ist. Die Allerheiligenkirche wird
darin einfach als >ecclesia omnium sanctorum sita prope Jnsprukk« (gelegen bei Inns-
bruck) bezeichnet.
Auch irgendeinen Hinweis auf eine ältere St. Korbinians-Kapelle - die nach Meinung
Heinrich Schulers zuvor hier gestanden sei - sucht man hier vergebens. Schuler stützt
sich dabei auf eine einzige durch keine weitere Quelle erhärtete oder bestätigte Notiz
in einer Kloster-Ebersbergischen Handschrift des 15. Jahrhunderts45. Ebensowenig
werden in dieser Weiheurkunde bei den damals in die Altäre der Kirche eingefügten
Reliquien solche des Hl. Korbinian angeführt. - Soviel also zu dieser Frage.
Der Nachweis, daß es sich bei dieser Kirche um eine Stiftung der Stadt Innsbruck und
ihrer Bürger gehandelt hat, läßt sich endlich auf mehrfache Weise erbringen. Einmal lag
das Amt des zuständigen Kirchpropstes, welcher das weltliche Kirchengut und den
Bau selbst zu verwalten und zu erhalten hatte, stets in der Hand eines Innsbrucker Bür-
gers. Für's zweite befinden sich deshalb alle diese Kirche betreffenden Amtsschriften
(Rechnungsbücher, Urbare, etc.) ebenso wie die obzitierte Weiheurkunde von 1375 im
Innsbrucker Stadtarchiv. Und schließlich wurde im Zuge der Profanierung der Kirche
unter Kaiser Josef II. im Jahre 1786 noch im folgenden Jahre in dieser Angelegenheit
von Seiten des Ärars mit dem Bürgermeister von Innsbruck als dem Repräsentanten
des bisherigen Kirchenerhalters korrespondiert4.
Anhang: Verzeichnis der in den Rechnungsbüchern (=R) und Urbaren (=U) der ehe-
maligen Allerheiligenkirche genannten Kirchpröpste derselben:
1551/52 (R) Achaci Vschall
1636/37
bis 1682
(R) Hanns Hofmann, Bürger und Gastgeb
Johann Friz
1682-1696 (R) Philipp Raitt, Handlsmann
1706-1718 (R), 1718-1727 (R) u. 1727-1729 (R) Johann Kherer
1729-1731 (U,R), 1732-1735 (R) u. 1736-1745 (R) Claudi Delevo
1757-1760 (R) u. 1760-1762 (R) Jacob Pichler
1762-1765 (R) u. 1765-1768 (R) Mathias Lehrer, Specerei-Handlsmann
1770-1773 (R) u. 1773-1776 (R) Sebastian Wopfner
1780-1782 (R) dessen Sohn Johann Wopfner
Anschrift des Verfassers: Senatsrat Univ.-Doz. Dr. Franz-Heinz Hye
Stadtarchivdirektor
Badgasse 2
6010 Innsbruck
45 H. Schuler H. Hörtnagl, a.a. O., S.6.
46
66
Ebenda, S. 24 f.
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Allgemeine Siedlungsgeschichte vom Jahre 1856 bis heute
Von Dr. Eugen Linser
Das Werden des Stadtteils zwischen 1856 und 1911, allgemeine Hinweise
Das Jahr 1856 wurde für den Beginn der allgemeinen Siedlungsgeschichte deshalb
gewählt, weil in diesem Jahr für die Gemeinde Hötting die erste Katastermappe ver-
bunden mit dem Bauparzellen-Protokoll angelegt wurde und somit klare Ausgangsda-
ten über den damaligen Stand der Besiedlung genannt werden können.
Eine weitere wichtige Unterlage zur Siedlungsgeschichte stellt das im Jahr 1910 erschie-
nene Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting dar. Im folgenden wird das Siedlungs-
gebiet bis zum Jahre 1910 ganzheitlich beschrieben. Ab diesem Zeitpunkt soll versucht
werden, anhand der Besiedlungsschübe die Siedlungsgeschichte der einzelnen Regio-
nen darzustellen.
Die Einteilung in 12 Regionen erfolgt im Wesentlichen nach geographischen Gegeben-
heiten und falls es die Überschaubarkeit erfordert, in Unterteilungen, die sich aus der
historischen Entwicklung ergeben (z. B. Lohbach/West); sie ist dem Wohnviertelkata-
ster der Pfarre Allerheiligen entlehnt.
Im einzelnen sind folgende Regionen zu nennen:
A: Sadrach
B: Hanglage-Ost
E: Kirche Umgebung
F: Tallage Ost
J: Ulfiswiese
C: Hanglage-Mitte
D: Hanglage-West
G: Lohbachsiedlung
H: Lohbach-West
K: Kranebitten
L: Stadtteilzentrum-West
M: Wohnanlage Peerhof
Im folgenden seien die Regionen in ihren Grenzen beschrieben:
Region A »Sadrach<<:
Das Gebiet nördlich der Schneeburggasse zwischen Schlotthofweg und Hocheggweg.
Die Ostgrenze und damit die Stadtteilgrenze liegt in der Mitte des Schlotthofweges bis
zur Kreuzung mit dem Planötzenhofweg, auf diesem in Wegmitte bergwärts weiter bis
zum Abzweig Buchtalweg und dem Buchtalweg folgend in Richtung Norden.
Region B >Hanglage-Ost<<:
Das Gebiet südlich der Schneeburggasse zwischem dem Großen Gott im Osten und
der Geländesenke südlich der Häuser Schneeburggasse 116 im Westen. Ost- bzw. Süd-
ostgrenze ist der Speckweg zwischen der Schneeburggasse und der Kreuzung mit der
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Abb. 30 und 31: Die noch nicht asphaltierte Kranebitter Allee bzw. Landstraße bei der heutigen St. Leon-
hards-Säule und in Kranebitten. Vor der Kirche ist noch die Stiegenmauer zu erkennen.
Alte Photographien, um 1910, Innsbrucker Stadtarchiv
Mittenwaldbahn, wobei sich die Kapelle zum >Großen Gott« am Rand der Region bzw.
des Stadtteiles jenseits der Grenze befindet. Von der Kreuzung des Speckweges mit
der Mittenwaldbahn führt die Regionsgrenze der Eisenbahntrasse bergwärts folgend
bis zu jenem Punkt, der in der Fallinie an den Ostrand der Vögelebichlsiedlung führt
und sodann in geradliniger Verlängerung bis zur Kranebitter Allee.
Die Eisenbahn bildet einerseits die Grenze zwischen den Regionen B und E und ande-
rerseits zwischen unserem Stadtteil und dem Stadtteil Mariahilf - Höttinger Au.
Die Gebäude Speckweg 1 (»Bichelebauer«), 1A und 1 B sowie das Fischerhäusl (Krane-
bitter Allee 46) befinden sich jenseits der Grenze unseres Wohngebietes.
Region C >Hanglage-Mitte<<:
Grenzt im Osten an die Regionen A und B, Südgrenze ist die Mittenwaldbahn bis zur
Kreuzung mit der Tschiggfreystraße; weiters zählen zu dieser Region die Häuser der ge-
nannten Straße bis zur Hörtnaglstraße und die gesamte Hörtnaglsiedlung, ebenso die
Berchtoldshofsiedlung.
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Region D >Hanglage-West<<:
Hiezu zählen die Häuser Allerheiligenhofweg und Gufeltalweg, Lahntalweg und Gal-
genbühelweg. Die Westgrenze bildet der westseitige Hangfuß des Galgenbühels.
Region E >>Kirche-Umgebung<<:
Grenzt im Bereich der Eisenbahnlinie an die Regionen B und C; die Südgrenze bildet
die Geländekante in Richtung Lohbachsiedlung, Westgrenze ist eine in südlicher Rich-
tung abfallende Linie zwischen dem Haus Tschiggfreystraße 42 und dem Lohbach.
Region F »Tallage-Ost<<:
Grenzt im Norden an die Region E, im Süden teilweise an den Stadtteil Hötting/Guter
Hirte sowie an die Region G »Lohbachsiedlung und im Bereich zwischen Eisenbahn-
linie und Kranebitter Allee an den Stadtteil Höttinger Au-Mariahilf. Die Region umfaßt
die Vögelebichlsiedlung, das Gebiet Motel und Umgebung, die Berufsschule Lohbach-
ufer und die Siedlung Rosengasse/Fliedergasse.
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Region G >Lohbachsiedlung<<:
Die Grenzen verstehen sich aus der Regionsbezeichnung.
Region H »Lohbach-West<<:
Die Bauten westlich der Lohbachsiedlung einschließlich der Schulbauten in der Viktor
Franz Hess Straße und das Universitätsareal; nicht zur Region zählen die Wohnanlagen
Ulfiswiese, Stadtteilzentrum West und Peerhof.
Region J »Ulfiswiese<:
Umfaßt die kommunikative Wohnanlage Ulfiswiese.
Region K>Kranebitten<<:
Umfaßt das Wohngebiet Kranebitten, nördlich und südlich der Kranebitter Allee inkl.
>Brückenhäusl«<, den Kerschbuchhof, den Harterhof und die Bauten im Knappental
(z. B. Kerschbuchhofweg 3 und 9).
Region L >Stadtteilzentrum-West<<:
Wird gebildet durch den derzeit zum größten Teil erst in Bau befindlichen Wohnhof,
der ostseitig an die Viktor Franz Hess Straße, südseitig an die Technikerstraße an-
grenzt.
Region M »Wohnanlage Peerhof<:
Umfaßt die derzeit größtenteils in Bau befindliche Wohnsiedlung, im Süden begrenzt
durch Lohbach und die Karl Innerebnerstraße, im Osten angrenzend an die Region
>>D<<, im Norden und Westen angrenzend an Wald oder Wiesen.
Nach dieser Beschreibung der Regionen des Stadtteiles Hötting-West kehren wir wie-
der zurück zur geschichtlichen Quelle der »Urmappe<< von 1856 und dem zugehörigen
>>Bau-Parzellen-Protokoll der Gemeinde Hötting 1856<.
Vor 130 Jahren gab es in unserem Wohngebiet nur 16 Hofstellen - in dieser Abhandlung
als >>Altbauten« bezeichnet - von denen der größte Teil heute noch besteht und deren
Geschichte in diesem Bande von F.H. Hye dargestellt wurde.
Ein Vergleich des Bauparzellen-Protokolls von 1856 mit dem Adreẞbuch aus dem Jahre
1911 zeigt nur geringfügige Abweichungen, nämlich:
In der Umgebung der Kapelle »Zum Großen Gott<< wurden die ersten zwei Häuser er-
richtet und zwar das landwirtschaftliche Anwesen »Scheiber«, der Vorläufer des Gast-
hofes >Großer Gott«<, heute Schneeburggasse 74, sowie das heutige Wohnobjekt
Schneeburggasse 73 am Fuße des Sandbühels. Weiters der 1866 ausgeführte Bau der
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Abb. 32: Die ehemalige private Mautbrücke Kranebitten-Völs, erbaut 1910, abgetragen 1976.
Luftaufnahme: Richard Frischauf
Buzzihütte, Berchtoldshofweg 14, der Neubau des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes Jo-
hann Angermair, heutige Adresse Schneeburggasse 134. Hingewiesen sei auch auf das
Verschwinden der Hofstelle »Zircher< am Harterhof.
Neu errichtet wurde im Jahre 1910 die Fußgängerbrücke über den Inn zwischen Krane-
bitten und Völs und in Zusammenhang damit das >Bruggenhäusl« am linken Innufer,
heutige Anschrift Kranebitter Allee 201. Die genannte Innbrücke wurde vom Besitzer
des Gasthauses Kranebitten als Privatbrücke errichtet und war mautpflichtig. Da im
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Bruggenhäusl diese Abgabe kassiert wurde hieß das Häusl auch »Mauthäusl<. In Zu-
sammenhang mit der Errichtung der Autobahn zwischen Innsbruck und Zirl wurde der
Autobahnknoten Völs-Kranebitten errichtet und im Raum Kranebitten als Zubringer zu
diesem Knoten eine Zufahrtsstraße sowie eine neue Innbrücke errichtet. Da einerseits
eine größere Instandhaltung an der Fußgängerbrücke bevorstand, andererseits die
neue Innbrücke im Zuge der Autobahnzubringerstraße sowohl für alle Formen des lo-
kalen Fahrzeugverkehrs als auch für Fußgängerbenützung ausgebaut wurde, ersparte
sich der Eigentümer der Privatbrücke die akute Reparatur. Die Brücke wurde in den
ersten Monaten des Jahres 1976 abgetragen und das Mauthäusl in der Folge umge-
widmet¹.
Zusammenfassend ist festzuhalten, daß in den 55 Jahren zwischen 1856 und 1911 der
gesamte Gebäudebestand lediglich von 16 auf 20 gestiegen ist. Nach diesen Hinweisen
über die Zeit vor dem 1. Weltkrieg sollen anläßlich des Überganges zur detaillierten
Darstellung einzelner Regionen die verwendeten Arbeitsunterlagen genannt werden.
Es sind dies insbesondere die ab 1911 periodisch erscheinenden Adreẞbücher von
Innsbruck, Hötting und Amras, wo im Abschnitt »Verzeichnis der Hausbesitzer<< Name
und Anschrift derselben vermerkt sind.
Die Region »Sadrach<< (A)
Die Siedlungsgeschichte der Region »A - Sadrach« beginnt erst mit der Bestands-
aufnahme aus dem Jahre 1931. Es darf in Erinnerung gerufen werden, daß die Ost-
grenze der Region A beim Schlotthofweg und beim mittleren Teil der Planötzen-
hofstraße in Straßenmitte verläuft.
Zwischen 1921 und 1931 wurde das landwirtschaftliche Anwesen Berchtold, heute Sa-
drachstraße 8 und das Anwesen Moser Georg, Planötzen-Umgebung la (in der Nähe
des Schlotthofes) erstellt; erstmalig erscheint auch der Name >>Sadrach<< als offizielle
Anschrift.
Die Dekade 1931/41 weist einen Zuwachs von insgesamt 16 Häusern auf. Das Jahr 1938
brachte neben der politischen Umwälzung auch eine größere Zahl von Änderungen
bzw. Neueinführungen von Straßennamen. Die Region »A« wurde hievon durch die
Neueinführung der Bezeichnung »Bergstraße« und »Schlotthofweg« berührt.
Der reale Zuwachs in der Region A zwischen 1931 und 1941 beträgt 9 Stück, wobei allein
6 neuerbaute Objekte in Sadrach registriert sind. In der Zeit zwischen 1941 und 1947 er-
1 Tiroler Tageszeitung 1976, Nr. 66 - März 19
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gab sich keine Bestandsveränderung; zwischen 1947 und 1953 sind 2 Objekte zuge-
wachsen, wodurch sich der Häuserbestand per 1953 auf 20 erhöhte.
Dieser Bestand erfuhr erst zwischen 1953 und 1964 eine Änderung und zwar eine Erhö-
hung um fast 200% auf 59 Häuser. Der prozentuelle Bevölkerungszuwachs war noch be-
deutend größer, da die bisherige Besiedlung im wesentlichen aus landwirtschaftlichen
Wohn- und Wirtschaftsgebäuden oder Einfamilienhäusern bestand, der Zuwachs je-
doch vielfach in Form einer Intensiv-Wohn-Verbauung erfolgte. Im Adreẞbuch erschie-
nen als Neuzugänge fast durchwegs Vielfamilien-Wohnhäuser, wie z. B. die Hausnum-
mern der Neubauten in der heutigen Sadrachstraße oberhalb der Gärtnerei Dorigatti,
der Wohnungen am Waldrand in Richtung »Grüner Boden« und die heutigen Häuser 11
bis 15 östlich der Einbindung des Hechenbergweges in die Sadrachstraße; weiters das
Hochhaus und fast alle Nummern Hofwaldweg.
Ein Vergleich mit der Tagespresse der damaligen Zeit zeigt, daß die Angaben in den
Adreẞbüchern dem tatsächlichen Baugeschehen vorauseilen. Die Hausnummern der
großflächigen Verbauung durch die Wohnungseigentum erscheinen bereits im
Adreẞbuch von 1964, die Belegung der Wohnungen erfolgte hingegen stufenweise zwi-
schen 1965 und 1969 und zwar: 1965 wurden 74 Wohnungen übergeben (TN-
Nr. 112/Seite 3), im März 66 waren insgesamt 140 Wohnungen fertiggestellt (TN-Nr. 65/
Seite 3); am 29. November 1966 war die feierliche Einweihung der Gesamtanlage beste-
hend aus einem Hochhaus, 8 Wohnblocks und neun Einfamilienreihenhäusern mit
insgesamt 244 Eigentumswohnungen, 9 Reihenhauswohnungen, 75 Garagen, einem
Einkaufszentrum, einem Kindergarten und einem Autoabstellplatz. Die gesamte Anla-
ge, die in der Presse als Satellitenstadt bezeichnet wurde ist auf einer Fläche von 31.000
Quadratmetern errichtet und verursachte Kosten in der Höhe von S 80 Millionen (T.T.
1969, Nr. 277 Dezember 1).
In der Zeitspanne zwischen 1964 und 1970 sind hauptsächlich Zuwächse in Sadrach zu
verzeichnen und zwar je 4 Häuser am Hocheggweg und in der Planötzenhofstraße
(nördlich der Häuser Hofwaldweg 1-12), 2 Häuser in der Sadrachstraße.
Die Periode 1970/76 erbrachte lediglich einen Gebäudezuwachs von 12 Stück und en-
det mit einem Häusergesamtbestand von 92.
Für das Jahr 1986 kann kein Adreẞbuch mehr herangezogen werden, da das jetzt in-
kraftstehende Datenschutzgesetz eine Veröffentlichung in der bisherigen Form verbie-
tet. Als Ersatz wurde ein Hausnummernverzeichnis des Stadtmagistrats (Amt für Stati-
stik, Stadtforschung und Raumordnung) mit Stand 1.1.1987 herangezogen. Der Ver-
gleichswert 1986 für die Region A lautet 101.
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Die Region >>Hanglage Ost<< (B)
In der Darstellung des Gesamtwohngebietes 1856 bis 1911 wurde bereits die Bildung
eines Siedlungskernes in der Nachbarschaft der Kapelle »Zum Großen Gott« ge-
nannt. Diese beiden Häuser blieben einige Zeit ohne weiteren Zuwachs. Erst in der Pe-
riode 1921 - 1931 erweiterte sich diese Häusergruppe um weitere 2 Häuser (ehemalige
Anschriften Schneeburggasse 80 und Speckweg 2). Einen ersten bedeutenden Sied-
lungsschub gab es zwischen 1931 und 1941. Zu erwähnen ist die Verbauung der Schnee-
burggasse im Bereich der Petera-Villa und an der Straße selbst bis zu den Häusern
Schneeburggasse 77 (Dalberto) und bergseits der Schneeburggasse im Bereich der Pe-
tera-Villa bis zum Haus Nr. 96 (Wörndle-Dr. Ganner) beim »Hohen Kreuz«. Gleichzeitig
kam es zur ersten Verbauung des Sandbühels, nachdem die Sandentnahme durch die
Fa. Kranewitter eingestellt wurde. Neben dem heutigen Haus Sandbühelweg Nr. 2 wur-
den in der heutigen Vogelweiderstraße 9 Häuser erbaut. Am Ende der Periode bis 1941
sind am Grauen Stein bereits 16 Häuser ausgewiesen; 10 Jahre zuvor gab es weder die
Straßenbezeichnung noch eine Verbauung. Neben der Neueinführung der Straßenbe-
zeichnungen >Grauer Stein«, »Sandbühel« und »Vogelweiderstraße« kam es in der Zeit
1938/45 zur Umbenennung der Schneeburggasse in »Silvester-Fink-Straße«<, die nach
1945 wieder rückbenannt wurde.
In der Periode 1941/47 gab es praktisch keinen Verbauungszuwachs; erst die folgende
Periode 1947/53 bringt wieder Bewegung in die Hausbestände. Der größte Zuwachs ist
in der Schneeburggasse zu verzeichnen; der Bau von 9 Häusern zwischen dem Großen
Gott und dem Hohen Kreuz bringen eine Verbauungsverdichtung ohne Ausdehnung
der Verbauung in Richtung Allerheiligenhöfe. Von den insgesamt 22 in diesem Zeit-
raum neu erbauten Häusern verteilen sich (neben der Schneeburggasse) die Zuwächse
wie folgt:
Grauer Stein-Weg: 4, Silberweg: 4, Vogelweiderstraße: 2 und Höttinger Rain: 1; 2 Häuser
wurden nördlich der Schneeburggasse errichtet, die zwar unter einer Schneeburggas-
sen-Nr. geführt wurden, sachlich jedoch zur Region Sadrach gehören.
Die Periode 1953/57 brachte nur eine geringe Veränderung. Das Adreẞbuch 1957 weist
einen Häuserzuwachs von 9 Stück in verschiedenen Straßen der Region B aus.
Die Periode 1957/64 brachte wiederum einen auffallend starken Zuwachs des Hausbe-
standes um 41 Stück. In der Schneeburggasse erscheinen die heutigen Nr. 73b, 74a, 89,
89b, 90 und 95 sowie das später auf Anschrift Hechenbergweg 2 umgestellte Wohn-
haus; am Knappenweg die Nr. 1, 2, 4c und 7, am Höttinger Rain die Nr. 2, 4 und 12, am
Lindenbühelweg 11 Häuser (2, 5, 6, 8, 9, 10, 16, 17, 19 und 24); die heutigen Objekte Karl-
Innerebner-Straße 40 und 42 und am Grauen Stein Weg 10 Häuser der ungeraden Serie
zwischen 5 und 27.
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Merheiligenhöfe
Abb. 33: Die Station »Allerheiligen an der 1912 eröffneten Karwendelbahn.
Foto: Engelbert Pöschl
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Die Periode 1964/70 gibt sich wieder etwas bescheidener - die Zuwachszahl heißt 16.
Am stärksten entfaltete sich der Lindenbühelweg durch Zuwachs von 6 Wohnhäusern
(7, 12, 22, 30, 32 und 34). In der Gewichtung folgt als nächstes der Graue Stein Weg mit 4
neuen Haus-Nr. (32, 34, 36 und 38) sowie die Karl Innerebner Straße mit den Haus-Nr. 51,
53 und 55, sowie je 1 Haus am Speckweg, Silberweg und in der Vogelweiderstraße. Am
Rande sei erwähnt, daß am Grauen Stein die Haus-Nr. 4e in dieser Betrachtungs-
periode aus dem Adreẞbuch verschwindet und ein Haus »ohne Nr.<< erscheint.
In der letzten voll aufgearbeiteten Betrachtungsperiode 1970/76 steigt die Zahl der
Häuser in der Region B um 21 von 118 auf 139. Der größte Zuwachsanteil entfällt auf den
Grauen Stein mit 9 Häusern (ungerade Nr. von 31 -49), die zwischen der Eisenbahn und
dem Grauen Stein Weg im Bereich der Kreuzung desselben mit der Karl Innerebner
Straße errichtet wurden. In der Schneeburggasse und am Knappenweg wurden je 3
neue Häuser errichtet; am Knappenweg handelt es sich um 3 Einfamilienhäuser (8a,8b
und 16), in der Schneeburggasse um die Filiale der Länderbank und die beiden, von
der Straße etwas abgelegenen Wohnhäuser neben dem Garten des Gasthauses Gro-
ẞer Gott. Die weiteren Einzelzuwächse verteilen sich auf die verschiedensten Straßen
der Region.
Für das Jahresende 1986 gibt das Amt für Statistik beim Stadtmagistrat die Zahl der be-
wohnten Häuser mit 153 an. Ein Vergleich mit den Zahlen des Adreẞbuches 1976 ergibt
eine Bestandsdifferenz von 14 und zwar 6 neue Häuser in der Schneeburggasse und 4
am Knappenweg; der Rest verteilt sich auf diverse Straßenzüge. Der Zuwachs Schnee-
burggasse entstand durch den Bau der >>Raiffeisen-Wohnanlage<< Nr. 86, 86a, 86b und
86c mit 35 Wohnungen.
Die Region > Hanglage Mitte<< (C)
Die Region C ist jene Landschaft von der das Wohn- und Pfarrgebiet »Allerheiligen<<
seinen Namen hat. Hier stand an der Stelle der heutigen Häuser Berchtoldshof-
weg 1, la, lb und 1c seinerzeit die Allerheiligen-Kirche an der alten Landstraße zwi-
schen Hötting und Kranebitten. Im Bau Parzellen Protokoll von 1856 ist an Stelle der
Kirche bereits ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude registriert, der »Sennerhof<< mit der
Anschrift Hötting 279. Der Hof wurde durch Brand zerstört und hieß zuletzt »Loterhof<.
Der Hofname folgt gelegentlich dem Hausnamen des jeweiligen Besitzers von seinem
ehemaligen Stammhof und zwar so: Im Jahr 1910 erscheint Josef Sauerwein als Eigentü-
mer. Dieser entstammte dem Hof Schwabenegg (damalige Anschrift Planötzen-Umge-
bung 5) und hatte den Hausnamen »beim Loter«. >Loter<< wiederum ist das Dialektwort
für einen starken Mann.
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In der Zeit zwischen 1856 und 1911 verließ die Gemeinde Hötting das Adressiersystem
der fortlaufenden Nummerierung aller Häuser des Dorfes. So z. B. erhielt der Berch-
toldhof an Stelle der bisherigen Nr. >Hötting 278< die neue Nummer >>Hötting Umge-
bung 23<< die neuerlich umgeändert wurde auf »Allerheiligenhöfe 2«. An realer Verände-
rung gab es in der genannten Periode zwei neue Gebäude und zwar das bäuerliche
Anwesen Angermair (heute Schneeburggasse 134) und die Buzzihütte (heute Berch-
toldshofweg 14).
In den folgenden 20 Jahren zwischen 1911 und 1931 wuchs ein einziges Objekt hinzu, die
Rauschbrunnenhütte, die 1910 erbaut wurde, im Adreßbuch 1911 jedoch nicht mehr auf-
genommen ist. Die Rauschbrunnenhütte - heute Berchtoldshofweg 55 - wurde in un-
mittelbarer Nähe der im Parzellen Verzeichnis von 1856 genannten Ochsenhütte errich-
tet. Letztere gehörte 1856 einem Höttinger Bildhauer namens Peter Egger.
Zwischen 1931 und 1941 gab es einen explosionsartigen Zuwachs von 850% oder 42
Häusern. Es handelt sich hiebei um die 37 Häuser der Hörtnaglsiedlung. Durch die Än-
derung der Erhebungsmerkmale für jene Daten, die dem Adreßbuch 1941 zugrundege-
legt wurden (z. B. Haus-Nr. auch für Berghütten), ist der per 1941 aufgewiesene Zuwachs
nicht real, jedoch unter Bedachtnahme auf den Realzuwachs Hörtnaglsiedlung plausi-
bel. Durch das Adreẞbuch 1941 ist neben der Umänderung der Schneeburggasse in
Silvester-Fink-Straße die Neueinführung der Adressen Grauer Stein, Sandbühel und
Vogelweiderstraße dokumentiert. Auch Haus-Nr. wurden geändert: z. B. Eschenhof von
Allerheiligenhöfe 9 auf Allerheiligenhöfe 11 oder Rauschbrunnenhütte von Allerheili-
genhöfe 10 auf Allerheiligenhöfe 40.
Die Jahre 1941 bis 1947 bringen keinen nennenswerten Zuwachs; der Häuserbestand
steigt von bisher 47 auf 50. Es handelt sich um die heutigen Anschriften Schneeburg-
gasse 221 (Schirmer), Hörtnaglstraße 51 (Klingenschmid) sowie um eine Berghütte -
Berchtoldshofweg 64.
Zwischen den Jahren 1947 und 1953 beträgt der Zuwachs 12 Objekte. Hievon wurden 5
am Leonhardweg und 4 am Berchtoldshofweg errichtet. Dort endet die Besiedlung am
Waldrand beim Haus Berchtoldshofweg 20. Eines der zuwachsenden Objekte ist eine
Berghütte Ochsenalm - Berchtoldshofweg 61. Von den restlichen 3 Häusern wurden
2 am Hugo-Klein-Weg und eines in der Tschiggfreystraße errichtet.
Durch den Zuwachs von 4 Häusern in der Periode 1953/57 im Bereich der Hört-
naglsiedlung erhöhte sich der Gebäudebestand auf 66. Es handelt sich um das Haus
Dr. Molling in der Hörtnaglstraße, das heutige Haus Kecht am Hugo-Klein-Weg und
die beiden Häuser Mehrle und Holzbauer in der äußeren Schneeburggasse zwischen
Berchtoldshof und dem westlichen Ende der Hörtnaglsiedlung.
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Die Jahre zwischen 1957 und 1964 brachten der Region C den größten Zuwachs und
zwar um 46 Häuser auf den Endbestand von 112. Es handelt sich hiebei im wesentlichen
um die in den Jahren 1960 bis 1962 errichteten 31 Reihenhäuser, Schneeburggasse
151-211, die im ehemaligen Obstanger des Gasthauses Berchtoldhof errichtet wurden.
Weiters wurden je 3 Gebäude errichtet an der Schneeburggasse (eines davon das Le-
bensmittelgeschäft Nocker) und in der Hörtnaglstraße, zwei am Botenthalweg; der Rest
verteilt sich auf Einzelhäuser in verschiedenen Nachbarschaften der Region.
Der Zeitabschnitt 1964/70 weist einen Zuwachs von 13 Häusern auf; es sind dies 7 Häu-
ser am Mittenwaldweg, 4 Häuser in der Hörtnaglstraße (Micunek, Heis, Fritz und Plang-
ger) und je 1 Haus am Leonhardsweg (Dr. Scheminzky/Dr. Kittinger) und am Berch-
toldshofweg (Jordan).
Zwischen den Jahren 1970 und 1976 erhöhte sich der Hausbestand bis auf 142. U. a. zäh-
len folgende Zugänge zu dieser Periode: die Wohnhäuser Mittenwaldweg 1, 3 und 5
beim Abzweig des Mittenwaldweges vom Grauen-Stein-Weg sowie das Haus Nr. 27 (Dr.
Porsche); weiters das Terrassenwohnhaus Leonhardsweg 10 und die Villa Maiacher/
Andreata am Hugo-Klein-Weg 4.
Als Endzahl der bewohnten Objekte in der Region C ergibt sich aus dem Datenmaterial
des Amtes für Statistik beim Stadtmagistrat für Ende 1986 die Zahl 149.
Die Region >>Hanglage West<< (D)
Die Region D ist dadurch ausgezeichnet, daß hier mit Ausnahme des weitläufigen
Gebietes Kranebitten die größte Zahl von Altbauten bestand. Es waren dies der jetzt
nicht mehr bestehende Ziegelstadelhof und das heutige Gasthaus Allerheiligenhöfe
mit dem Scheiberhof, der zeitweise auch Sauerweinhof genannt wurde. Ein weiteres
Charakteristikum besteht darin, daß Teile der Region bis zur Errichtung des Lawinen-
fangdammes oberhalb des Gufeltalweges wegen wiederkehrender Lawinengefahr für
Dauerbesiedlung nicht geeignet waren. Das dürfte auch der Grund dafür sein, daß die
genannten Altbauten erst zwischen 1921 und 1931 einen nennenswerten Zuwachs
erhielten.
Hinsichtlich der Gebäudezuwächse 1921/31 ergibt sich die Gesamtzahl 7. Es sind dies
Kornberger Nr. 18, Kogler Nr. 16 (heute Langpohl-Gufeltalweg), Bundschuh Nr. 14 (Gufel-
talweg), Gebhard Nr. 12 (heute Kolland-Allerheiligenhofweg 14). Durch Rückfrage bei
Alteingesessenen wurde mir als weiterer Zuwachs dieser Periode genannt:
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Dr. Larcher heutige Anschrift Allerheiligenhofweg 5
Kaspar heutige Anschrift Allerheiligenhofweg 10
Henn (Römerhäusl) - heutige Anschrift Allerheiligenhofweg 36
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Im Betrachtungszeitraum 1931/41 steigt die Zahl der Objekte von 12 auf 35. Zusätzlich
sind unter der Anschrift »Allerheiligenhöfe« per 1941 11 Berghütten angeführt. Die neu-
erbauten Häuser mit Dauerwohnzweck verteilen sich auf folgende heutige Straßen
bzw. Wege:
am Galgenbühelweg - die Nummern 9, 13, 15, 17 und 21,
am Allerheiligenhofweg - die Nummern 4, 6, 8, 22, 32 und 36,
am Gufeltalweg - die Nummern 13, 22, 24, 29 und 34,
am Harterhofweg - die Nummern 2 und 4,
am Lahntalweg die Nummer 2 und
in der Karl-Innerebner-Straße - die Nummern 98 und 100.
In der Zeit zwischen 1941 und 1947 zeigen die Unterlagen keine Bestandsveränderun-
gen. Auch die beiden darauffolgenden Betrachtungsperioden 1947/53 und 1953/57
brachten nur bescheidene 7 bzw. 6 Häuser auf die Zuwachsliste; in der älteren Periode
entstanden die Häuser
Allerheiligenhofweg 9, 11, 38, 42 und 46
sowie Gufeltalweg 15.
Zu den in späterer Zeit entstandenen zählen die Objekte
Allerheiligenhofweg 5,
Gufeltalweg 22 und 28, sowie
Galgenbühelweg 1 und 9.
Wie schon zu Beginn der Regionsbeschreibung angeführt, ist diese auffallend geringe
Zuwachsrate im Zusammenhang mit der Lawinengefahr in Teilen des Siedlungsgebie-
tes zu begründen. Zum Beweis sei ein Aufruf aus der Tiroler Tageszeitung vom 24. Jän-
ner 1951 zitiert:
Im Gebiet Allerheiligenhöfe sind folgende Häuser durch Lawinen besonders gefähr-
det: >Allerheiligenhöfe 9, 9a, 9b, 9c, 11, 11a, 11b, 11d, 11i, 13, 13a, 13b, 13c, 14, 18, 18a, 24,
26, 28. Weiters das Feuerwehr-Gerätehaus und die 3 Wochenendhäuser (Beilerhäusl,
Christhäusl, Bartoldihäusl) und der Hof des Bauern Plunser. Die genannten Objekte
sind besonders gefährdet, wenn die allenfalls abgehenden Lawinen ihren normalen
Verlauf nehmen. Es ist daher zu empfehlen, daß die Bewohner der benachbarten Häu-
ser diese dringende Warnung ebenfalls beachten«. Bei den angeführten Haus-Nr. han-
delt es sich um die heutigen Anschriften
St. Georgsweg 21
Allerheiligenhofweg 9, 11, 13, 14, 22, 30, 36,
Karl-Innerebner-Straße 98 und 139,
Galgenbühelweg 15, 17, 19, 21,
Tschiggfreystraße 36, 38, 42 und
Gufeltalweg 13, 18 und 34.
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Im Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck aus dem Jahre 1951/Nr.3 wurden die
folgenschwersten Lawinenabgänge der letzten 100 Jahre dargestellt. Dabei wurde ein
Ereignis aus dem Jahre 1888 genannt und weiters der Lawinenabgang vom 9. März 1945,
bei dem in den Allerheiligenhöfen das Geleise der Karwendelbahn an zwei Stellen er-
reicht wurde. Diese schlechten Nachrichten aus der Vergangenheit sind angeführt zum
einen, um die Zurückhaltung in der Besiedlung der gefährdeten Gebiete dieser Region
zu begründen und andererseits auf die Notwendigkeit der Errichtung des Lawinen-
dammes hinzuweisen, der zwischenzeitlich auch errichtet wurde. Über die Ausführung
dieses Großbauvorhabens wird in diesem Stadtteilbuch gesondert berichtet.
Zwischen 1957 und 1964 wurden in den weniger gefährdeten Gebieten der Region 23
Häuser neu errichtet und zwar am Allerheiligenhofweg, insbesondere jedoch talseits
der Eisenbahnlinie am Galgenbühelweg;
am St. Georgsweg die Nummer 18,
am Allerheiligenhofweg - die Nummern 2, 3, 16, 40 und 44,
am Gufeltalweg - die Nummern 26, 30 und 32,
am Lahntalweg - die Nummer 10 und
am Galgenbühelweg - die Nummern 2, 3, 5, 6, 7, 8, 10, 11, 14, 17, 24, 26 und 28.
Zwischen den Jahren 1964 und 1970 ging der Verbauungstrend augenscheinlich zurück
auf 6 Stück in 6 Jahren, um dann in den Jahren 1970 bis 1976 fast gänzlich zum Erliegen
zu kommen. In diesen 6 Jahren gab es nur ein einziges Haus als Zuwachs. Der Zuwachs
zwischen 1964 und 1976 verteilt sich auf diverse Straßen der Region D mit Schwerpunkt
südlich der Eisenbahnlinie. Der Gesamtbestand an Häusern erreichte 1976 die Zahl 78.
Bald nach der Errichtung des Lawinenfangdammes kam es zur Parzellierung der inzwi-
schen lawinensicher gewordenen Baugründe am Gufeltalweg, nachdem der Plan einer
großflächigen Verbauung scheiterte. Die Zahl der 1986 bewohnten Häuser wird vom
Statistischen Amt des Stadtmagistrats für die Region D mit 95 angegeben und kann als
Untergrenze des Hausbestandes angesehen werden. Die Zuwachsrate der Jahre 1976/
86 betrug demnach 17 und ist somit der zweitgrößte Zuwachs in der Siedlungsgeschich-
te der Region.
Die Region >>Kirche - Umgebung< (E)
Die Region E besitzt einen einzigen Altbau, »den Eschenhof«<, heutige Anschrift Karl-
Innerebner-Straße 139, der auch den Namen »Wäscherhof«, oder »Danielhof<< trug.
Vor beinahe 80 Jahren schrieb Paul R. Greußing in seinen Jugenderinnerungen darüber
in der Sprache jener Zeit wie folgt: »Beim Großen Gott vorüber schreite ich unter der
Buzzihütte am Waldsaume Kranebitten entgegen. In den Blütenduft mischt sich der
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Abb. 34: Köhlerei oberhalb des Knappentaler Hofes.
Alte Photographie, Innsbrucker Stadtarchiv
kräftige Harzhauch von Fichten und Föhren, lufthohe Schwalben umsegeln den einsa-
men Bauernhof unter dessen Giebeldach graue Nestlein hervorlugen². Der >einsame
Bauernhof« blieb noch lange einsam, denn erst zwischen 1931 und 1941 ist in der Re-
gion ein Zuwachs von 4 Häusern zu registrieren. Das heutige Haus Saurweinweg 5 wur-
de ins >Grüne« gestellt; die restlichen drei neuen Häuser wurden im Gelände zwischen
Eschenhof und Galgenbühel errichtet (heutige Anschrift Tschiggfreystraße 36, 38
und 42).
Zwischen 1941 und 1947 gab es keine Bestandsveränderung und auch der Zuwachs bis
1953 ist der Menge nach bescheiden, jedoch von umso größerer Bedeutung: es er-
scheint erstmals die Vorläufernummer unseres heutigen Pfarrzentrums Allerheiligen,
2
Paul R. Greußing, Ein Gang nach Kranebitten. In: Innsbrucker Nachrichten 1908, Nr. 130 - Juni 6
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die Haus-Nr. Allerheiligenhöfe 3g, »Stadtpfarrvikariat St. Georg«<, das >Pfarrhäusl« von P.
Karl Maria Weber; weiters die heutigen Häuser Saurweinweg I und 9. Die Notkirche mit
Schulbaracke und die »obere« Schulbaracke besaßen offenbar keine gesonderte
Hausnummer.
Die Jahre zwischen 1953 und 1957 brachten neuerlich Zugänge im Bereich zwischen
Eschenhof und Galgenbühel am Weg zwischen der Lohbach- und der Hörtnaglsied-
lung. Es handelt sich um die Häuser mit der heutigen Anschrift Tschiggfreystraße 24, 28,
30 und 32. Ein weiterer wichtiger Zugang dieser Periode ist die Haus-Nr. Allerheiligen-
höfe 3s (heutige Anschrift Karl-Innerebner-Straße 70) - das Gebäude der Volksschule
Allerheiligen im 1. Bauabschnitt.
Die Periode 1957/64 brachte einen Zugang von 10 Häusern in den bisherigen Zuzugs-
gebieten Tschiggfreystraße, Saurweinweg und Karl-Innerebner-Straße. Entlang des
Weges zwischen der oberen und unteren Siedlung wuchs das Siedlungsgebiet zwi-
schen dem heutigen Abzweig des Allerheiligenhofweges und des heutigen Lahntalwe-
ges von der Tschiggfreystraße durch die Häuser 20, 22 und 29; am heutigen Saurwein-
weg durch die Häuser 7 und 11 (im Adreẞbuch 1964 ist auch die Haus-Nr. 3 angeführt;
diese gab es nie!), sowie auf dem Areal südlich der Kreuzung des Saurweinweges bzw.
des Grauen-Stein-Weges mit der Mittenwaldbahn durch die Häuser mit der heutigen
Anschrift Karl-Innerebner-Straße 73, 75 und 79; außerdem entstand in einiger Entfer-
nung hievon das Haus Nr. 82.
Im Betrachtungszeitraum 1964-1970 erhöhte sich die Zahl der Häuser um ca. 180% von
23 um 41 auf 64. Die Zahl der Wohnungen und die Bevölkerungszahl stiegen noch ge-
waltiger, da bei den neu zugewachsenen Häusern eine große Zahl Wohnblöcke waren.
In der Karl-Innerebner-Straße erscheinen 23 neue Haus-Nr., neben 10 Einzelhäusern
bzw. kleineren Wohnhäusern (67, 71, 74, 76, 78, 80, 81, 96, 103 und 143) wurden die 23 Rei-
henhäuser unterhalb der St. Georgsiedlung (105-121 ungerade) errichtet, zusätzlich der
Wohnblock mit den Hausnummern 84, 86, 88 und 90. Am Saurweinweg wurden 4 Einfa-
milienhäuser errichtet und in der Tschiggfreystraße gab es einen Zugang von 13 Häu-
sern, u. a. die ungeraden Nr. 15-27, die in der Art von Vielfamilienwohnhäusern errichtet
wurden und ebenfalls zur St. Georgsiedlung zählen. Das in den Jahren 1968 bis 1971
ausgeführte Projekt >St. Georgsiedlung umfaßt 22 Wohnobjekte mit 113 Wohnungen,
zentraler Fernheizanlage und einer Tiefgarage für 60 Fahrzeuge.
In die Periode 1970/76 fällt die große Umnummerierung des Jahres 1972 von »Allerhei-
ligenhöfe« auf die heutige Adresse und der Zugang der beiden Mehrfamilienhäuser
Karl-Innerebner-Straße 63 und 65. Abschließend wieder die Ziffer des Statistischen
Amtes beim Stadtmagistrat über die bewohnten Häuser aus dem Jahre 1986 - diese
lautet 72.
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Die Region >>Tallage Ost<< (F)
Der historische Kern dieser Region ist gebildet von den zur Lohbachsiedlung gehö-
renden Häusern am linken Lohbachufer nördlich der beiden Straßen Lohbachweg A
und D. Es handelt sich hiebei um 45 Siedlungshäuser mit der ursprünglichen Anschrift
>>Neustädter-Stürmer-Siedlung«, die nach 1938 auf Lohbachsiedlung umbenannt wur-
de. Zusätzlich zählt zum historischen Kern die alte Vögelebichlsiedlung mit den Haus-
Nr. bis 23, die als Einzelbauten errichtet wurden. Die ersten dieser Häuser wurden
praktisch zeitgleich mit dem ersten Teil der Lohbachsiedlung erbaut. Im Adreẞbuch
von 1941 sind dort bereits 18 Häuser angeführt (Nr. 5 bis 21 und 23), die von vornherein
die Anschrift Vögelebichl trugen; somit zählte die Region F im Jahre 1941 63 Häuser.
Zwischen 1941 und 1947 ist kein Gebäudezuwachs zu verzeichnen. Im Adreẞbuch des
Jahres 1953 findet sich am Vögelebichl als Neuzugang die Haus-Nr. 4.
Im Betrachtungszeitraum 1953 bis 1957 setzte allmählich die Erweiterung des Gebäu-
debestandes ein. Wir finden je 2 neue Häuser am Lohbachufer (Nr. 8 und 10) und am
Vögelebichl die heutigen Haus-Nr. 24a und 24c.
Die Periode 1957/64 brachte der Region einen explosionsartigen Verbauungsschub.
Erstmals erscheint in der Region eine Haus-Nr. Kranebitter Allee. Es handelt sich um
das Umspannwerksgebäude des Elektrizitätswerkes Innsbruck mit der Haus-Nr. 50. Er-
weiterungen sind zu vermerken am Lohbachufer (14, 17, 18, 24), in der Fliedergasse (16),
in der Rosengasse (13) und ein Objekt mit der alten Bezeichnung Lohbachsiedlung 21a
sowie 24 Häuser mit der Anschrift Vögelebichl, hauptsächlich jene östlich der Flieder-
gasse. Insgesamt erhöhte sich der Gebäudebestand bis 1964 auf 100.
Zwischen 1964 und 1970 ist ein Gebäudezuwachs von 10 Häusern zu beobachten, und
zwar das Haus Kranebitter Allee 94, die Häuser Lohbachufer 5, 19, 21, 26, sowie Flieder-
gasse 1, 2 und Rosengasse 5, 26; weiters ist als Zuwachs genannt das Haus mit der ehe-
maligen Anschrift Lohbachsiedlung 24d (Gruber Ferdinand).
In die Periode 1970/76 fällt die Umnummerierung des größten Teils aller Häuser der
Region sowie die Einführung der neuen Straßenbezeichnungen Lohbachufer, Rosen-
gasse und Fliedergasse. An realem Zuwachs ist dokumentiert:
am Vögelebichl: die Häuser 16 und 49a,
in der Fliedergasse das Haus Nr. 8 (Alfred Spanblöchl) sowie das Haus mit der
ehemaligen Anschrift Lohbachsiedlung 32a (Staudacher)
in der Rosengasse die Häuser Nr. 2 und 18,
am Lohbachufer: der aus mehreren Gebäuden bestehende Komplex 6 bis 6f,
Landesberufsschule, sowie die Haus-Nr. 1-9 (ungerade).
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Der Gebäudebestand stieg laut Adreẞbuch 1976 auf einen Höchststand von 123 Häu-
sern. Demgegenüber gibt das Statistische Amt des Stadtmagistrats für 1986 die Zahl
der bewohnten Häuser in der Region an mit 118.
Die Region »Lohbachsiedlung<< (G)
Obwohl das Werden der Lohbach- und Hörtnaglsiedlung in einem eigenen Abschnitt
behandelt wird, muß an dieser Stelle das Gebäude-Mengengerüst festgehalten
werden. Das Adreẞbuch der Stadt Innsbruck vom Jahre 1941 nennt für die Region 67
Häuser. Für das Jahr 1947 nennt das Adreẞbuch in der Region G einen Gebäudebe-
stand von 112; das ergibt einen gerechneten Gebäudezuwachs zwischen 1941 und 1947
von 45 Häusern. Dabei darf angenommen werden, daß zwischen der Beendigung der
letzten Baustufe der Lohbachsiedlung im Jahre 1943 und dem Jahr 1947 keine neuen
Häuser errichtet wurden.
Die Periode 1947/53 weist zwei Hausneubauten auf und zwar die heutigen Gebäude
Technikerstraße 32 (Lebensmittelmarkt Schaffer) und ein Haus mit der ehemaligen Be-
zeichnung Lohbachsiedlung 141a (Ortner Maria).
Auch die Periode 1953/57 zeigt den Zuwachs von nur zwei Häusern (Kranebitter Allee
106 und Lohbachweg D-57).
Zwischen 1957 und 1964 erhöht sich der Gebäudebestand in der Region um 12 Objekte
in 7 verschiedenen Straßen (Lohbachweg A-1, A-9, B-19, C-46, D-63, E-103, E-109, Loh-
bachufer 25 und Technikerstraße 2, 4, 7, 10).
In den Jahren 1964-1970 wuchsen 11 Gebäude hinzu: Kranebitter Allee 116, Lohbach-
weg A-11, B-26, C-48, C-56, D-65, D-70, D-73, E-92, E-106 und Technikerstraße 8.
Die Periode 1970/76 ergibt einen Realzuwachs von 7 neuen Gebäuden in 4 Straßen,
und zwar die Häuser mit der heutigen Anschrift Lohbachufer 35 und 37, Lohbachweg
B-35 und B-36, D-87, E-111 und E-122. Für die gesamte Lohbachsiedlung brachte das
Jahr 1969/70 eine kleine Straßenumbenennung durch die Einführung der Anschrift
Technikerstraße und im Jahr 1972 eine Umadressierung fast aller Häuser durch das Ab-
gehen von der Anschrift Lohbachsiedlung unter Einführung der neuen Straßenbe-
zeichnungen Lohbachweg A, B,..., Lohbachufer und Josef Stapf-Straße. Außerdem kam
es 1972 auch zur Einführung neuer Straßennamen für die neuerbauten Häuser von Loh-
bach-West (Region H), die kurzzeitig die Anschrift Lohbachsiedlung 161 bis 178 trugen.
Vom Amt für Statistik des Stadtmagistrates wurde für Ende 1986 die Anzahl der be-
wohnten Häuser mit 151 angegeben.
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Abb. 35: Das Gelände der Lohbachsiedlung vor 1934.
Alte Photographie, Repro: Engelbert Pöschl
Die Region »Lohbach - West<< (H)
Lohbach-West zählt zu den jüngeren Regionen. Im Adreßbuch des Jahres 1970 ist
einzig und allein für den Innsbrucker Universitätsfonds (Techn. Fakultät) die Anschrift
Kranebitter Allee 140 ersichtlich gemacht. Im Jahr 1970 erfolgte die Umbenennung in
Technikerstraße und die Vergabe von 9 Haus-Nr. für diverse Gebäude der Technischen
Fakultät. Da die in unserem Stadtteil liegenden Universitätsbauten in einem eigenen
Abschnitt behandelt werden, mag hier dieser Hinweis genügen.
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Herzstück der Region sind die Wohnbauten in der heutigen Viktor-Franz-Hess-Straße,
der Negrellistraße und der Luis-Zuegg-Straße. Wie aus der Vergleichstabelle des Stadt-
magistrats hervorgeht, wurde kurzzeitig für dieses Wohngebiet die Anschrift »Lohbach-
siedlung Nr. 161 bis 178« vergeben. Dies ist jedoch in keinem Adreẞbuch dokumentiert.
Die Adreẞänderung erfolgte vor der Durchführung der großen Umnummerierung ge-
mäß Gemeinderatsbeschluß vom 29.11.1972 in der Lohbachsiedlung und umfaßte: 8
Nummern in der Viktor-Franz-Hess-Straße, 8 Nummern in der Negrellistraße und 2
Nummern in der Luis-Zuegg-Straße. Da die Angaben des Jahres 1970 zur Region H noch
als eher fragmentarisch angesehen werden müssen, ist das Adreẞbuch 1976 die erste
ganzheitliche Aussage.
Es enthält für das Jahr 1976 folgende Angaben zur Region, wobei die Häuser fast durch-
gehend mehrstöckig errichtet worden sind:
in der Viktor-Franz-Hess-Straße die Nr. 4, 8, 9, 10, 12, 14, 16, 18, 20 und 22,
in der Negrellistraße die Nr. 1, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16 und 18,
in der Luis-Zuegg-Straße die Nr. 1, 2, 3, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20 und 22,
in der Technikerstraße die Nr. 25, 34, 36, 38 und 40
sowie als Ersatznummern zur Anschrift Kranebitter Allee 140
in der Technikerstraße die Nr. 9, 9a, 11, 13, 15, 17, 19, 21 und 23.
Der Endwert 1976 für die Region beträgt somit 53 Häuser. Hiezu einige Hinweise: Beim
Objekt Viktor-Franz-Hess-Straße 4 handelt es sich um das Südtiroler Studentenheim,
auf das gemeinsam mit anderen Heimen in einem eigenen Abschnitt eingegangen
wird. Das Gebäude Viktor-Franz-Hess-Straße 9 ist die Hauptschule Hötting/West. Das
Objekt Technikerstraße 25 ist ein Neubau im Universitätsbereich. Das Gebäude Tech-
nikerstraße 34 ist die Filiale der Sparkasse Innsbruck-Hall in unserem Stadtteil.
Für das Jahr 1986 wurde vom Amt für Statistik des Stadtmagistrats die Zahl der bewohn-
ten Gebäude mit 47 angegeben. Die Differenz zum Gebäudebestand 1976 ergibt sich
aus den als >>unbewohnt« angeführten Universitätseinrichtungen.
Die Region »Ulfiswiese<< (J)
Das kommunikative Zentrum Ulfiswiese mit den Haus-Nr. Kranebitter Allee 140 bis 152
wird als eigene Region geführt. Es umfaßt 6 Häuser mit insgesamt 172 Wohnungen, 5
Büro- und Geschäftsräume und 1 Tiefgarage für 190 Fahrzeuge. Da die Gebäude in den
Jahren 1981/83 errichtet wurden, sind sie in keinem Adreẞbuch erfaßt. Die vorliegen-
den Angaben entstammen der Tagespresse, in der gerade über diese Anlage sehr viel
und sehr kontroversiell geschrieben wurde.
86
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Die Region >>Kranebitten<< (K)
Die großflächige Region Kranebitten ist jene Region unseres Stadtteiles, die im Jahre
1856 weit mehr als die Hälfte aller Altbauten stellte und zwar 9 von 16.
Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle nochmals erwähnt, daß in der Zeit zwi-
schen 1856 und 1911 das Anwesen »Zircher< am Harterhof verschwindet; neu erscheint
das >Brückenhäusl« mit der heutigen Anschrift Kranebitter Allee 201.
Die Periode 1911/21 zeigt den Zuwachs eines einzigen Gebäudes und zwar des Hauses
an der Eisenbahntrasse zwischen Kranebitten und Hochzirl, »Ausweiche<< genannt.
Im Betrachtungszeitraum 1921/31 gibt es 5 Neuzugänge: Laut Adreẞbuch 1931 Krane-
bitten Nr. 7, Sozialdemokratischer Verein »Waldfreunde<; Kranebitten Nr. 8, Jecke Char-
lotte; Kranebitten-Umgebung Nr. 4a, Weinhold Johann; Kranebitten-Umgebung Nr. 5a,
Schmid Ferdinand; Kranebitten-Umgebung Nr. 7, Forstärar.
Der Zuwachs zwischen 1931 und 1941 beläuft sich auf 24 bzw. ohne Berghütten auf 15
Objekte. Von den letztgenannten 15 Dauerwohnobjekten tragen 3 die Anschrift >Kra-
nebitten«<, sind also im Ortskern anzusiedeln; die restlichen 12 zählen zur näheren oder
weiteren Umgebung mit einer Anschrift >>Kranebitten-Umgebung<<.
Die Kriegs- und Nachkriegsjahre 1941 bis 1947 brachten erwartungsgemäß keinen nen-
nenswerten Zuwachs. Es erscheinen für die Region Kranebitten nur 2 Objekte mit der
heutigen Anschrift Hans-Untermüller-Straße 11 und 12.
Zwischen 1947 und 1953 gibt es hingegen bedeutende Gebäudezuwächse. Im Sied-
lungskern erscheinen die Häuser Kranebitter Allee 205, Harterhofweg 82 und das heu-
tige Gebäude Klammstraße 179. Durch diesen Gebäudezuwachs, insbesondere jedoch
durch jenen in Kranebitten-Umgebung schnellt der Gebäudebestand bis zum Jahr
1953 um 24 Häuser auf 68 hinauf; das ist mehr als 50%.
Die Periode 1953/57 gab sich bescheiden. Im Siedlungskern von Kranebitten wuchsen
die Häuser Klammstraße 5 und Kranebitter-Boden-Weg 27 zu, weiters die Objekte mit
der neuen Anschrift Kranebitter Allee 220, Kranebitter-Boden-Weg 9 und Andreas-
Dipauli-Straße 11. Zufolge des Unterganges von Haus Kranebitten-Umgebung 8g lautet
der Endstand im Jahre 1957-72.
In den Jahren 1957 bis 1964 ist wiederum ein Wachstumsschritt zu verzeichnen und zwar
3 Häuser im Siedlungskern (Klammstraße 4 und Kranebitter-Boden-Weg 23) sowie das
Haus mit der seinerzeitigen Bezeichnung Kranebitten la und 13 Häuser in Kranebit-
ten-Umgebung. Der Gebäudeendstand 1964 betrug 88.
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Der Beobachtungszeitraum 1964/70 weist einen Zuwachs von 14 Häusern auf. Es fand
sich dabei die Anschrift Harterhofweg 84 und unter Kranebitten-Umgebung 13 weitere
Häuser; Endstand per 1970 betrug 102.
In die Periode 1970/76 fällt die Umbenennung bzw. Umnummerierung 1972. Keine ein-
zige alte Anschrift in der Region blieb erhalten, die Anschriften Kranebitten und Krane-
bitten-Umgebung gehen verloren, neu eingeführt werden die Straßennamen Klamm-
straße, Harterhofweg, Kerschbuchhofweg, Kranebitter-Boden-Weg und Marzenegg-
weg. Zwischen 1970 und 1976 entstanden folgende 21 neue Häuser:
Andreas-Dipauli-Straße Nr.8, 12, 17, 28, 30 und 34,
Hans-Untermüller-Straße Nr. 5, 7, 12 und 14,
Klammstraße Nr. 8, 10, 12, 18, 19, 23, 25 und 36,
Kranebitter-Boden-Weg Nr. 16 und 21,
Marzeneggweg Nr. 40.
Im Adreẞbuch von 1976 ist für die Region K ein Gebäudebestand von 126 Stück ausge-
wiesen. Die Differenz zur oben angeführten Zuwachsziffer liegt in der Mitzählung jener
Objekte von 1970, die anläßlich der Umnummerierung des Jahres 1972 einer anderen
Region zugeordnet wurden.
Wie bei jeder Regionsbeschreibung sei am Schluß zu Vergleichszwecken die Zahl der
im Jahre 1986 als bewohnt gemeldeten Gebäude genannt; sie wird vom Statistischen
Amt des Stadtmagistrats mit 147 angegeben.
Zwei Regionen im Werden
Region >>L<< Stadtteilzentrum West und Region »M<< Peerhofverbauung
Die Region »L« - rund um das Stadtteilzentrum West
Der größte Teil des Stadtteilzentrums West ist derzeit erst im Bau. Im Jahr 1986 wur-
de das in den Gebäudekomplex integrierte Evangelische Gemeindezentrum einge-
weiht; weiters das Wohnhaus Technikerstraße 50/52 mit 25 Wohnungen. Geplante
Wohnungsübergabe laut »Bewohner-Information Peerhofsiedlung Zentrum Hötting-
West<: Herbst 1987: 47 Wohnungen, Frühjahr 1988: 42 Wohnungen.
Die Bauidee lautet: Ein multifunktionales Zentrum in Blockrandverbauung mit Miet-
und Eigentumswohnungen, Geschäften, Cafe, Arzt und Apotheke, Jugendzentrum,
Mutterberatungsstelle, Altenstube, Polizei, Post, etc. Ein Teil der Blockrandverbauung
bildet das neue Kolpinghaus mit einem Veranstaltungssaal; Fertigstellung 1988.
88
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3
Abb. 36: Der erste Bauabschnitt der Lohbachsiedlung, aufgenommen am 2. Dezember 1934.
Fotosammlung Thamann
Die zweite Region im Werden ist die Region »M« - Peerhofverbauung
Im Bereich der heute bereits im Rohbau stehenden Mietshäuser stand einst der Peer-
hof mit Kapelle, der zwischen 1921 und 1931 um ein weiteres Gebäude erweitert wurde.
Die Gebäude wurden von den Eigentümern aus der Nutzung genommen, die landwirt-
schaftlichen Gründe erst extensiv genutzt und schließlich zur Verbauung verkauft. Das
Haus Kranebitten-Umgebung la wurde zwischen 1970 und 1976 abgetragen, das
Hauptgebäude des Hofes Kranebitten-Umgebung Nr.1 wurde bei Baubeginn elimi-
niert. Es gibt kein Bauprojekt in unserem Stadtteil, das soviel Diskussion ausgelöst hat,
wie die Peergrundverbauung. Die Planung für eine solche Verbauung begann bereits
1970; seit 1973 gibt es darüber Presseberichte. Baubeginn war im Frühjahr 1985, die er-
sten 56 Wohnungen wurden im Juni 1987 übergeben. Im Herbst 1987 werden 261 Woh-
nungen zu übergeben sein, ca. Mitte des Jahres 1988 sollen 177 Wohnungen fertigge-
stellt sein; weitere 50 im Jahre 1989³.
Bewohner-Information Peerhofsiedlung - Zentrum Hötting-West. Hg. Stadtmagistrat Innsbruck, Stadt-
planungsamt Innsbruck. Innsbruck 1987
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Die Studenten- und Schülerwohnheime des Wohngebietes
Der Vollständigkeit halber seien diese Wohnbauten mit quasi Öffentlichkeitscharakter
kurz angeführt.
Das älteste Heim dieser Art ist das »Rapoldihaus« in Kranebitten, ein Heim für Hoch-
schüler. Das in den Jahren 1925 bis 1930 erbaute Haus wurde seit 1956 von der »Wirt-
schaftshilfe für Studenten (WIST)<< als Heim geführt; vorerst für 33 Bewohner. 1976 wur-
de ein Erweiterungsbau errichtet, sodaß nunmehr Platz für 82 Studenten geschaffen
ist. Der Name des Heimes erinnert an den im Jahre 1926 verstorbenen Innsbrucker
Kommunalpolitiker Martin Rapoldi4.
Als nächstes zu nennen ist das vom Land Tirol errichtete >>Südtiroler Studentenheim<<
in der Technikerstraße. Es wurde 1977 in Betrieb genommen und bietet Platz für 190
Studenten; hievon sind 50 Heimplätze für Nicht-Südtiroler reserviert.
Zeitlich als letztes wurde das Schüler- und Studentenheim >Tirolerheim in der Techni-
kerstraße« aus Anlaß der 175-Jahrfeier 1809-1984 durch das Land Tirol errichtet. Die in 8
Einzelhäuser gegliederte Anlage, ausgelegt für 200 Bewohner (150 Studenten und 50
Schüler) wurde in den Jahren 1983/84 errichtet.
Zuletzt sei noch hingewiesen auf das im Jahr 1973 im Zuge des Baues der Landesbe-
rufsschule errichtete Internat für 150 Mädchen.
Haushalte und Bevölkerung
Hinsichtlich der Zahl der Haushalte unseres Stadtteiles gibt es nur wenig amtliche
Unterlagen, noch schlechter ist es mit Angabe über Haushaltszahlen in den einzelnen
Regionen bestellt. Die amtliche Statistik kennt bei Veröffentlichungen als kleinste Ein-
heit den »Statistikbezirk« und das erst seit 1971.
Unser Stadtteil gliedert sich dort in drei Statistikbezirke:
Bezirk 34, Lohbachsiedlung (Region F, G, H, J, L, M),
Bezirk 35, Hörtnaglsiedlung (Region A, B, C, D, E),
Bezirk 36, Kranebitten (Region K).
4 Tiroler Tageszeitung 1973, Nr.49
Februar 28 und T.T. 1976, Nr. 71 - März 26
5 Tiroler Tageszeitung 1977, Nr. 167 Juli 21; TT. 1977, Nr. 240 Oktober 15 und TT. 1977, Nr. 267 -
November 18
6 Tiroler Tageszeitung 1985, Nr. 241 - Oktober 16
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Die Zahl der Wohnungen wird im Statistischen Jahrbuch der Landeshauptstadt Inns-
bruck' wie folgt angegeben:
Jahr
1971
1981
Haushalte
Stadtteil
Statistikbezirk
Statistikbezirk
Statistikbezirk
34
35
36
619
948
1.088
1.457
101
472
1.808
2.877
Für 1986 gibt es keine fortgeschriebene Zahl der Haushalte. Hilfsweise sei folgende In-
formation angeboten: In der Pfarre wurde 1986 von 3.100 Haushalten gesprochen.
Einwohner im
Jahr
Stadtteil
Statistikbezirk
Statistikbezirk Statistikbezirk
gesamt
34
35
36
1971
1981
5.469
2.090
3.034
345
7.589
2.629
3.665
1.295
Jahr
7
Durchschnittsbelegung einer Wohnung im Stadtteil
Hötting West/Allerheiligen
Stadt gesamt
gesamt
5.469
115.197
1971
= 3,02
2,57
1.808
44.706
7.589
117.287
1981
2,64
2,39
2.877
49.001
Statistisches Jahrbuch der Landeshauptstadt Innsbruck 1983 (37), hg. vom Amt für Statistik, Stadtfor-
schung und Raumplanung. Innsbruck 1984.
91
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Jahr
Durchschnittsbelegung einer Wohnung im Statistikbezirk
Statistikbezirk 34
(= Tallage)
Statistikbezirk 35
(= Hanglage)
Statistikbezirk 36
(Kranebitten)
2.090
3.034
345
1971
3,38
= 2,79
= 3,41
619
1.088
101
2.629
3.665
1.295
1981
2,77
2,51
2,74
948
1.457
472
Häuserbestand
in den Regionen und im Wohngebiet/gesamt
A
B C D E F G H J
Sad- Hang- Hang- Hang- Kirche Tal- Loh- Loh- Ulfis- Krane- Stadt- Peer-
rach lage lage lage Umge- lage bach- bach wiese bitten teil-
Ost Mitte West bung Ost sied- West
K
L
M
Insgesamt:
Zu- Häu-
hof wachs ser
Zentr.
lung
West
1856
0
0
2
3
1
0
0
0
0
9
0
1
16
16
1911
0
2
4
3
1
0
0
0
0
9
0
I
4.
20
1921
0
2
5
4
1
0
0
0
0
10
0
1
3
23
1931
2
4
5
12
1
0
0
0
0
15
0
2
18
41
1941
18
29
47
35
5
63
67
0
0
42(33)
0
2
267
308
1947
18
30
50
35
5
63
112
0
0
44
0
2
51
359
1953
20
52
62
42
8
64
114
0
0
68
0
2
73
432
1957 20
61
66
48
13
68
116
0
0
72
0
2
34
466
1964 59
102
112
71
23
100
128
0
0
88
0
2
219
685
1970 80
118
125
77 59(64)*
110
139
8**
0
102
0
2
135 820
1976 92
139 142
78
61
123 147
53
0
126
0
1
142 962
1986: Anzahl nur der bewohnten Häuser nach Angabe des Amtes für Statistik, Stadtforschung und
Raumordnung (Hausnummernverzeichnis)
101
153 149 95
72
118 151 47 6 147 2 0
* siehe die Bemerkung über die Hausnummer 3 des Saurweinweges auf Seite 82
**Technische Fakultät: 1970: alle Objekte unter einer Haus-Nr. genannt,
92
1976: 8 Objekte unter getrennter Haus-Nr. genannt (1 und 7)
1041
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Verzeichnis der wichtigsten benützten Literatur
Häuserverzeichnis der Gemeinde Hötting, erschienen im Selbstverlag der Gemeinde
Hötting, 1910.
Adreẞbücher der Landeshauptstadt Innsbruck der Jahre 1911 bis 1976.
Statistische Jahrbücher der Landeshauptstadt Innsbruck.
Vergleichstabelle des Stadtmagistrats/Stadtvermessung zu Um- und Neubenennun-
gen von Straßen und Umnummerierungen 1972 - Stadtgebiet Hötting.
Die Innsbrucker Bevölkerung. Beiträge zur Stadtforschung der Landeshauptstadt Inns-
bruck Heft 2, hg. vom Amt für Statistik, Stadtforschung und Raumordnung. Innsbruck
1974.
Geschichte der Pfarre Allerheiligen, samt Dokumentation, abgelegt im Pfarrarchiv
Allerheiligen.
Tiroler Tageszeitung 1969, Nr. 169; 1973, Nr. 33 und 169; 1974, Nr. 228; 1975, Nr. 165;
1984, Nr. 264.
Neue Tiroler Zeitung 1983, Nr. 210; 1985, Nr. 297.
Anschrift des Verfassers: Dr. Eugen Linser
Schneeburggasse 181
6020 Innsbruck
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Abb. 37 und 38: Die Siedlung wächst, um 1934/35.
Fotosammlung Prantl
Lohbachsiedlung und Hörtnaglsiedlung
Von Anna Fritz
Diese beiden Siedlungen waren der Anfang des rasch wachsenden westlichsten
Stadtteiles von Innsbruck. Daher sollen sie auch besonders erwähnt werden.
Die Lohbachsiedlung entstand am Talboden, im damals noch nicht zur Stadt gehören-
den Gebiet der Ulfiswiese. In den Jahren 1934 und 1935, die von Arbeitslosigkeit und
wirtschaftlicher Not geprägt waren, suchte die österreichische Bundesregierung unter
anderem durch die Schaffung von sogenannten Nebenerwerbssiedlungen die Lage zu
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Die ersten >>Probesiedlungen« waren die Dr. Fischer-Siedlung und die Dollfuẞsiedlung
am rechten Innufer (Sieglanger).
Schon während der Errichtung dieser Siedlungen am Sieglanger faẞte Bürgermeister
Fischer den Entschluß, auch auf dem linken Innufer auf dem bereits damals städti-
schen Grund auf der Ulfiswiese, jedoch im Höttinger Gemeindegebiet, eine weitere
Siedlung zu errichten. Die Stadtgemeinde fungierte als Bauträger. Fleißige Siedlerhän-
de und der Freiwillige Arbeitsdienst bauten in Zusammenarbeit mit den Baufirmen in
kurzer Zeit die ersten 56 Häuschen am Lohbach. Sie wiesen Stall und Heutenne auf und
standen auf einem je 1.000 m² großen Grundstück. Die Bauzeit dauerte von Oktober
1934 bis September 1935. Die Siedlung bekam den Namen Neustädter-Stürmer-
Siedlung, nach dem damaligen Sozialminister, der sich um das Siedlungswesen sehr
verdient gemacht hatte.
In der ersten Bauphase entstanden die Doppelhäuser mit dem steilen Spitzgiebel. Die
beiden an sich getrennten Häuser waren durch einen Wirtschaftstrakt miteinander ver-
bunden, der als Stall oder als Werk- und Lagerraum benützt werden konnte. Ein Teil der
Häuser hatte ein gemauertes Erdgeschoß, der Dachraum war aus Holz. Die anderen
waren ganz aus Holz erbaut. Die Nutzfläche betrug rund 82 m². Das entsprach einer
Wohnküche, zwei Zimmern, einer Waschküche und den Nebenräumen (WC, Wirt-
schaftsraum) im Erdgeschoß sowie zwei Zimmern im 1. Stock. Eine Unterkellerung war
wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht möglich.
Eine Siedlerstelle, Haus und Grund, kostete S 4.500,-. S 4.000,- wurden als Darlehen
des Bundes-Wohn- und Siedlungsfondes gewährt und mußten in Monatsraten von S
70,- zurückgezahlt werden. Der Quadratmeter Grund kostete S 2,-. Zusätzliche S 500,-
kostete der Ausbau des Dachgeschosses für kinderreiche Familien, was zwei weitere
Räume ergab.
Die Wasserversorgung erfolgte durch die Wassergenossenschaft Hötting von der
Rauschbrunnenquelle aus. Die nötigen Grabarbeiten besorgte wieder der Freiwillige
Arbeitsdienst. Diese Arbeiten waren wegen des hohen Grundwassers sehr schwierig.
Das nördlich des Lohbaches gelegene Gelände mußte durch Rohrleitungen und Erd-
gräben entwässert werden. Die Erstellung der geschotterten Siedlungsstraßen erfor-
derte einen Aufwand von S 16.802,84. Die Entwässerung des gesamten Gebietes koste-
te S 829,07. Nicht alle Siedler konnten sich den nicht gerade billigen Anschluß an das
Stromnetz der Stadt leisten. In einigen Häusern sorgten daher Petroleumlampen für
das notwendige Licht. In die Stadt kam man nur mit dem Fahrrad oder auf Schusters
Rappen.
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Trotz aller Schwierigkeiten und Mängel waren die Siedler doch glücklich über den Er-
werb eines Häuschens, das zwar noch durch die Hypothek schwer belastet war und erst
nach Jahren endgültig ins Eigentum übertragen wurde. Durch die Bestimmungen zur
Zuteilung einer solchen Siedlerstelle ergab es sich, daß die ersten Siedler Arbeiter und
kleine Beamte und Angestellte waren.
Groß war auch die Freude über den großen Garten. Es war freilich nicht der beste
Grund. Es waren »saure Wiesen«, die mit viel Mühe und Arbeit der Siedler und mit vie-
len Fuhren aufgeschütteter Erde erst allmählich in fruchtbaren Boden verwandelt wer-
den mußten. Aber trotzdem ging man mit viel Freude und Eifer an diese Aufgabe. Da-
mals war in den Gärten jedes Stückchen Erde ausgenützt. Obstbäume und Beeren-
sträucher wurden gepflanzt, Kartoffeln und Mais angebaut, Gemüsebeete angelegt.
Auch Blumen durften natürlich nicht fehlen. Dann gab es wohl auch ein kleines Stück
Rasen, wo man sich gemütlich zusammensetzen und von der Arbeit ausruhen konnte.
Viele der Wirtschaftsbauten zwischen den Doppelhäusern dienten als Ställe. Da brüll-
ten Kühe, meckerten Ziegen, grunzten Schweine, gackerten Hühner, schnatterten Gän-
se. Auch Hunde und Katzen - letztere wegen der vielen Mäuse sehr notwendig - fehl-
ten nicht. Jede Siedlerfamilie konnte so durch Eigenproduktion ihren Speisezettel in
dieser Zeit, wo das Geld knapp war, verbessern. In der Siedlung gab es auch zwei kleine
Lebensmittelgeschäfte.
Schon am 5. Juli 1936 hatte die Neustädtersiedlung ihren ersten großen Festtag: Einwei-
hung durch Pfarrer Danler von Mariahilf.
Zwei wichtige Dinge fehlten noch in dem entlegenen Stadtteil: Schule und Kirche. So
taten sich ein paar Siedler zusammen und gründeten einen Kirchenbauverein. Unter
der Führung von Pfarrer Höck von Hötting und mit viel Arbeit und Mühe gelang es
schließlich, oberhalb der Siedlung die Holzkirche St. Georg zu errichten. Weihnachten
1936 wurde sie geweiht. An die Kirche wurde auch gleich ein Schulraum für die erste
und zweite Klasse angebaut, sodaß wenigstens die kleinsten Schüler nicht mehr den
weiten Schulweg nach Mariahilf machen mußten.
1936 zählte die Neustädtersiedlung 140 Einwohner. Es gab vieles, was noch erreicht
werden sollte. Weil mehrere stärker sind als einer allein, kam es bereits Ende des Jah-
res 1935 zu Vorgesprächen wegen einer Vereinsgründung. So entstand 1936 der Sied-
lerverein >Tyrol« in der damaligen Neustädtersiedlung. Er kümmerte sich um günstige
Beschaffung von Baumaterial, Holz, Kohlen, Farben, Kartoffeln, Futter- und Düngemit-
teln, um die Beschaffung einer Baumspritze, außerdem um Beratung und Hilfe beim
Obstbau und bei der Kleintierhaltung. Er führte auch die notwendigen Verhandlungen
mit der Stadt und anderen Behörden.
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000-000
Abb. 39 und 40: Weihe des ersten Bauabschnittes der »Neustädter-Stürmer-Siedlung am 5. Juli 1936 durch
Pfarrer Josef Danler von Mariahilf in Anwesenheit von Bürgermeister Franz Fischer (Innsbruck) und Mini-
sterialrat Dr. Gustav Bayer (Wien).
Fotosammlung Thamann
1936/37 wurde die Siedlung um die Doppelhäuser erweitert, die bei einem Grundriß
von je 74 m² beide Häuser unter einem gemeinsamen Giebel vereinigten.
1937 zählte der Siedlerverein 106 Mitglieder, davon 68 in der Neustädtersiedlung, 8 in
der Dr. Fischer-Siedlung, 25 in der Dollfuẞsiedlung und 5 am Vögelebichl.
1938 verlor die Neustädtersiedlung im Zuge der politischen Ereignisse ihren Namen
und wurde zur Lohbachsiedlung. Im Protokollbuch des Siedlervereines scheint die
letzte Vollversammlung unter dem Datum vom 18. Jänner 1938 und die nächste Gene-
ralversammlung unter dem Datum vom 26. Mai 1946 auf. Der Verein bestand während
der Kriegszeit wohl weiter, aber die meisten Männer waren ja eingerückt. Hötting wur-
de in dieser Zeit eingemeindet, und so wurden die Lohbachsiedler aus Höttingern zu
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Innsbruckern. Die Siedlung war in dieser Zeit auch wieder gewachsen. Es entstanden
1943 die westlichsten Häuser im Tiroler Stil. Es waren keine Doppelhäuser mehr. Sie
hatten einen wesentlich größeren Grundriß von 139 m² und glichen einander in der
Form. 1941 zählte die Lohbachsiedlung 101 Häuser, für die als Besitzer immer noch die
Stadt Innsbruck aufschien, da die Hypotheken ja noch nicht abbezahlt waren. 1943 wa-
ren es 149 Häuser. Bei den zuletzt erbauten scheinen die »Alpenländischen Heimstät-
ten<< als Besitzer auf. Erst nach Abzahlung aller Darlehen gingen die Häuser dann end-
gültig in den Besitz der Siedler über.
Nach dem Krieg machte sich der Siedlerverein wieder eifrig an die Arbeit. 1946 gelang
es, für die Stoßzeiten eine Busverbindung zur Stadt zu erreichen. Die Beschotterung
der Busstrecke durch die Siedlung, die sich an manchen Stellen in einem verheeren-
den Zustand befand, wurde in Gemeinschaftsarbeit geleistet. Wegen Mangel an Treib-
stoff wurde von den IVB das Ansuchen um stündlichen Verkehr abgelehnt. Erst 1948
fuhr der Bus dann zwölfmal täglich, später sogar mit einem Anhängewagen, der am
Morgen für die vielen Schulkinder reserviert war.
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In dieser Zeit der Karten und Rationierungen bewährte sich der Siedlerverein wieder
bei der Beschaffung von Futter- und Düngemitteln, Saatgut und Baumaterial. Schlag-
lichter, die damaligen Schwierigkeiten betreffend: Die russische Besatzung behinderte
die Ausfuhr von Düngekalk aus ihrer Zone. Die Lieferungen wurden auch aus Mangel an
Papiersäcken verzögert. Wer für seinen Hühnerstall Kücken haben wollte, mußte für 8
Kücken 12 Eier abliefern. Pro Familie waren drei Hühner von der Eierablieferung frei,
von jedem weiteren Huhn mußten 25 Eier abgeliefert werden.
Der Verein kaufte nach und nach Baumspritzen, eine Mischmaschine, Leitern, verschie-
denes Kleinwerkzeug, einen Krauthobel und eine Obstpresse, die von den Siedlern
entlehnt werden konnten. In Gemeinschaftsarbeit wurde ein Siedlermagazin errichtet,
das heute noch als Lagerhaus dient und in dem die Obstpresse steht. Dorthin kommen
im Herbst die Siedler mit den vorbereiteten Äpfeln und kehren mit Flaschen voll des
reinsten Apfelsaftes wieder heim.
1955 feierte die Lohbachsiedlung ihr 20-jähriges Bestehen. Für den Festakt wurde
eigens die geräumige Straßenkreuzung in der Mitte der Siedlung asphaltiert. Durch
Pfarrer Weber wurde die Weihe der ersten Siedlerhäuser erneuert, für die später erbau-
ten wurde sie jetzt nachgeholt.
In der Tiroler Tageszeitung war dazu am 9. September zu lesen: »Ein Bravo den Pionie-
ren der Lohbachsiedlung. Die Lohbachsiedlung ist der goldene Westen Innsbrucks,
aus dem Moor geboren. Die Siedlung ist ein großer Obstgarten, ein kleines Meer von
Blumen. Die 150 Häuschen sind das westliche Vorzimmer Innsbrucks, das den Ankom-
menden freundlich empfängt. Sie ist noch heute die größte Siedlung dieser Art in ganz
Tirol. Bei ihrer Einweihung vor 20 Jahren sagte ein anwesender Ministerialrat in seiner
Rede: >>Möge aus diesem Boden ein starkes und glückliches Volk heranwachsen<<. Die-
ser Wunsch hat sich erfüllt. In den 150 Häusern leben mehr als 900 Menschen, davon
mehr als 390 Kinder.
Über ein Dutzend Telephonanschlüsse verbinden jetzt die Lohbachsiedlung mit der
weiten Welt. Es gibt drei Lebensmittelgeschäfte, zwei Metzgereien, eine Kurzwaren-
handlung, eine Trafik, ein Gasthaus. Auch ein Arzt hat sich niedergelassen. Die Sied-
lung ist an die Ringleitung des Innsbrucker Wasserwerkes angeschlossen. Acht Perso-
nenkraftwagen und schätzungsweise ein Dutzend Motorräder rollen durch den ge-
pflegten Siedlungsraum, in dem der Fuß der Erstsiedler noch hoffnungslos im Morast
versank.<< Aus einem Artikel der Tiroler Nachrichten vom 12. September 1955 ist zusätz-
lich zu entnehmen, daß in den Gärten der Siedler über 2.500 Obstbäume standen und
daß die erwachsenen Kinder der Erstsiedler in den Gärten ihrer Eltern mit dem Bau
von neuen Häusern begannen.
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Abb.41: Das noch bestehende, bald nach 1945 erbaute »Siedlermagazin<.
Foto: Engelbert Pöschl
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Die folgenden Jahre brachten wieder manche Verbesserung und Veränderung. Die
Siedlung wurde an das Kanalnetz angeschlossen, die Straßen asphaltiert, die Straßen-
beleuchtung wurde wesentlich verbessert, eine Busverbindung in die Stadt in kurzen
Intervallen wurde erreicht, Haltestellenhäuschen wurden errichtet, der Lohbach wurde
saniert, sein Ufer bepflanzt, beim Siedlermagazin entstand eine Grünanlage, mehrere
Telephonhäuschen wurden aufgestellt, ein großer Kinderspielplatz wurde angelegt.
Am 13.10.1985 feierte die Lohbachsiedlung in großem Rahmen ihr 50-jähriges Be-
standsjubiläum. Es begann mit einer Feldmesse auf dem Platz vor der Technischen
Universität. Dann folgte ein Festakt im großen Hörsaal der Universität. Der Obmann
des Siedlervereines konnte eine Reihe von Festgästen begrüßen. Die Bewohner der
Siedlung waren so zahlreich erschienen, daß sie den Saal füllten. Anschließend gab es
ein Eintopfbüffet, am Nachmittag eine Tanzveranstaltung und einen Spielnachmittag
für die Kinder.
Viele Häuser der Lohbachsiedlung haben jetzt ein ganz anderes Gesicht als zur Zeit ih-
rer Entstehung. Es wurde ausgebaut, aufgebaut, zugebaut. Bei manchen Häusern ist
nicht mehr zu erkennen, daß der Kern ein altes Siedlungshaus ist. In vielen Gärten
steht ein zweites Haus, das von Kindern oder Enkeln der Erstsiedler errichtet wurde.
Diese Häuser sind natürlich alle verschieden. So hat die Lohbachsiedlung ihr einheitli-
ches Aussehen verloren. Die Gärten sind kaum mehr Nutzgärten. Es sind jetzt Anlagen,
die mit ihren Bäumen, Sträuchern, Rasenflächen und Blumen der Freude und Erholung
ihrer Besitzer und dem Spiel der Kinder dienen.
Im Osten und im Westen ist die Siedlung jetzt von Wohnblöcken und großen Schulkom-
plexen eingeschlossen. Sie liegt als ein großer grüner Fleck mitten drin. Die Erstsiedler
konnten die mitleidige Bemerkung zu hören bekommen: »Was, ihr zieht in diese Gril-
lenhäuschen hinaus!<< Ihre Kinder und Enkel werden jetzt von vielen Stadtbewohnern
um ihr eigenes Haus, auch wenn es klein ist, und um den schönen Garten beneidet,
liegt es doch fernab von der Enge und dem Getriebe der Stadt.
Auch die soziale Stellung der Bewohner hat sich im allgemeinen verbessert. Das kann
man feststellen, wenn man die Berufe der Erstsiedler mit denen ihrer Kinder und Enkel
vergleicht. Es zeigt sich auch hier, daß die ersten Lohbacher Menschen waren, die für
sich und ihre Kinder und Enkel etwas schaffen wollten. Sie mußten sich sehr plagen,
aber der Großteil hat es erreicht.
Was nun die Hörtnaglsiedlung betrifft, so sei vorausgeschickt, daß zu diesem Thema
nur sehr wenig Material aufzufinden war. Vielleicht soll zuerst festgehalten werden, wie
diese Siedlung zu ihrem Namen kam.
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Abb. 42: Die Lohbachsiedlung um 1965. Links zwischen den beiden Schottergruben der ehemalige Peerhof.
Luftaufnahme: Richard Frischauf
Hans Hörtnagl, nach dem sie benannt ist, wurde 1864 in Innsbruck geboren und starb
dort 1944. Er war Landwirt aus Leidenschaft und machte den Harterhof zu einem
landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Er war ein weit voraus blickender Manager, der die
väterliche Metzgerei am Burggraben zu einem großen Unternehmen ausbaute und so
den ersten >>Supermarkt« in Innsbruck schuf. Er war Heimatforscher mit der Gewissen-
haftigkeit eines Universitätsprofessors, Schriftsteller (Ynnsprugg«) und Kunstsammler.
Er machte sich verdient um den Ausbau und die Sammlungen des Landesmuseums
und des Volkskunstmuseums. Er war Vorsteher der Sparkasse Innsbruck und Förderer
gemeinnütziger Vereine. Alles, was der Heimat diente, lag ihm am Herzen. Schließlich
stellte er in der Zeit der großen Wohnungsnot der Stadt aus seinem Besitz ein Grund-
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stück auf dem sonnigen Höttinger Gelände zum Bau von Siedlungshäusern zur Verfü-
gung. Hans Hörtnagl erhielt den Ehrenring der Stadt Innsbruck, wurde zu ihrem Ehren-
bürger ernannt und wurde Ehrenmitglied der Universität Innsbruck.
Nun zur Siedlung selber: Sie war als Mittelstandssiedlung gedacht. Vorerst waren je
nach verfügbaren Mitteln der Siedler zwei Typen von Häusern vorgesehen.
Type I: Gesamtkosten für ein Haus samt baureifem Grund S 15.000,-. Das Bundes-
Wohn- und Siedlungsamt gab dazu als erste Hypothek ein Darlehen von S 7.000,-. Den
Rest von S 8.000,- hatte der Siedler selbst aufzubringen. Der Grund für diese Häuser
wurde im Erbbaurecht vergeben, um Spekulationsabsichten zuvorzukommen. Es ka-
men nur Siedler in Frage, die ein Höchsteinkommen von S 400,- monatlich hatten. Das
Siedlungsgebiet für diese Type lag westlich der Allerheiligenhöfe in welligem Gelände,
angrenzend an den Wald, wohl das beste Gelände in jeder Hinsicht, besonders aber in
klimatischer Hinsicht.
Type II: Die Häuser wurden auf östlich unterhalb der Allerheiligenhöfe gelegenen
Grundstücken errichtet. Es war keine feste Bausumme vorgeschrieben, sie war jedoch
höher als S 15.000,-. Hier sollte den Wünschen der Siedler im Rahmen der vorhandenen
Geldmittel soweit wie möglich entsprochen werden. Hier kamen Siedler in Frage, de-
ren monatliches Einkommen über S 400,- lag. Eine Hilfe des Siedlungsfondes in Form
einer Hypothek kam nicht in Frage, also mußten die Siedlungshäuser von privater Seite
finanziert werden. Aus Eigenmitteln waren für gewöhnlich 60% aufzubringen, 40% wur-
den als erste Hypothek gegeben. Der Grund von ungefähr 1.000 m² mußte käuflich er-
worben werden. Der Preis für den baureif gemachten m² betrug ungefähr S 5,-.
Die Stadtgemeinde betrachtete den Bau dieser Siedlung als Mittel zur Arbeitsbeschaf-
fung für das notleidende Baugewerbe. Frei schaffende Architekten und das Baugewer-
be wurden zu einem freien Wettbewerb herangezogen. Das Bauamt der Stadt Inns-
bruck übernahm kostenlos die Bauaufsicht.
Die Siedlung wurde von Fachleuten als eine der schönsten in ganz Österreich bezeich-
net und war in ihrer äußeren Gestaltung der Landschaft und Umgebung sehr gut
angepaẞt.
Insgesamt wurden vier Typen von Häusern erbaut unter der Mitwirkung der Architek-
ten Theodor Prachensky und Dr. Ing. Herbert Nagiller sowie des Architekturbüros der
Gemeinnützigen Allgemeinen Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft in Wien. Es
war nur zu begreiflich, daß dieses Bauvorhaben großes Interesse in den Kreisen des
Mittelstandes auslöste, zumal ein starker Bedarf an Eigenheimen dieser Art damals in
Erscheinung trat.
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Abb. 43: Blick auf die Hörtnaglsiedlung - mit Senner- und Berchtoldshof und den um 1960 errichteten
Reihenhäusern.
Luftaufnahme: Richard Frischauf, um 1965
Die Einfamilienhäuser waren im Erdgeschoß aus hochwertigen Spezialsteinen errich-
tet, das Obergeschoß bestand aus Holz. Das Raumprogramm umfaßte eine Wohnstube
mit abgetrennter Kochnische, die direkt beleuchtet und belüftet war, drei weitere Zim-
mer und zum Großteil noch ein Kabinett. Weiters war untergebracht ein direkt beleuch-
teter Vorraum mit Treppenaufgang und Verbindung zu Toilette und eventueller Bade-
anlage. Der geräumige Keller und ein begehbarer Dachboden sorgten für die wirt-
schaftlichen Belange der Bewohner. Die Verwendung von reichlich Holz sowohl bei der
Konstruktion als auch bei der Gestaltung der Außenfront kam der notleidenden Holz-
wirtschaft zugute.
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Die die Bauten erstellende Firma Ing. Josef Retter, Baumeister in Innsbruck, machte
den Versuch, den amerikanischen Holzskelettbau in Verbindung mit dem deutschen
Holzfachwerkbau durchzuführen. Diese Art zu bauen hat sich besonders bewährt. Die
Allgemeine Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Wien ließ zum Abschluß dieser
Siedlung noch drei reichlicher ausgestattete Objekte errichten, die für besonders kin-
derreiche Familien gedacht waren. Ein solches Haus umfaßte außer der Wohnküche
noch fünf Zimmer, ein Kabinett und die notwendigen Nebenräumlichkeiten.
Im Dezember 1935 konnten die ersten 8 Häuser der Hörtnaglsiedlung bezogen wer-
den. 1936/37 entstand die übrige Siedlung. Das Jahr 1941 weist für die Hörtnaglsied-
lung 50 Hausnummern auf, davon waren aber noch fünf erst als Bauplätze ausgewie-
sen. 1947 erbringt 51 Hausnummern mit immer noch fünf Bauplätzen.
In der Hörtnaglsiedlung bildete sich nie ein so intensives Gemeinschaftsleben wie in
der Lohbachsiedlung. Die Menschen lebten irgendwie >zurückgezogen. Es gab aber
auch hier >echte« Siedler, die ihren Garten gut ausnützten und Hühner hielten. Einige
waren Mitglieder des Siedlervereins Tyrol. Šie hatten freilich auch Anteil an dem sich
entwickelnden Pfarrleben in St. Georg, das später zur Pfarre Allerheiligen wurde. Auch
die Schule war für oben und unten gemeinsam, ebenso später der Kindergarten und
die Jugendarbeit der Pfarre. Sonst verband sie kaum etwas mit der Siedlung am
Lohbach.
Was die verkehrsmäßige Erschließung der Hörtnaglsiedlung betraf, so war sie noch
schlechter als die der Lohbachsiedlung. Dort stand den Radfahrern und Fußgängern
wenigstens die ebene Strecke der Kranebitter Allee und der Höttinger Au zur Verfü-
gung, hier aber war die jetzige Schneeburggasse nur ein Karrenweg, der aufwärts und
abwärts führte. Wollte man in die Stadt, mußte man über diesen Weg bis zum Großen
Gott. Dort konnte man dann den Höttinger Bus benützen. Eine Möglichkeit bot auch
die Bahn mit ihrer Bedarfshaltestelle bei den Allerheiligenhöfen. Aber es waren nicht
viele Züge, die da täglich verkehrten. Für die Kinder gab es einen 3/4-stündigen Schul-
weg, der für die Volksschüler mit dem Bau und Ausbau der Volksschule Allerheiligen
wohl wegfiel, den Hauptschülern aber sogar nach der Eröffnung der Buslinie zur Hört-
naglsiedlung zum Teil noch erhalten blieb, weil sich beim Wechselunterricht Fahrplan
und Stundenplan nicht in Einklang bringen ließen. Der Bus verkehrte anfangs nur mor-
gens, mittags und abends, später stündlich. Am Samstag nachmittag und am Sonntag
fuhr er überhaupt nicht. So ist es bis heute. Wohl aber besteht die Möglichkeit, die Linie
L zu benützen, die ihre Endstation bei der Kirche Allerheiligen hat.
Auch in der Hörtnaglsiedlung haben sich unterdessen die Häuser zum Teil sehr verän-
dert. Auch hier wurde aus-, auf- und zugebaut. Ein Lebensmittelgeschäft ist vorhanden,
ein Arzt hat sich im nächsten Bereich niedergelassen. Rund um die Siedlung entstan-
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den andere Häuser, aber keine so großen Komplexe wie bei der Lohbachsiedlung. Auf
jeden Fall ist auch die Hörtnaglsiedlung ein grüner Fleck im Stadtplan von Innsbruck
geblieben.
Literaturverzeichnis:
Carmen Schneider, Beiträge zur Stadtgeographie von Innsbruck: Die Lohbachsied-
lung. Hausarbeit, Innsbruck 1977.
Anton Hofer, Festschrift zum 50-jährigen Bestandsjubiläum Lohbachsiedlung
Siedlerverein »>Tyrol« - Lohbach-Hörtnaglsiedlung. Innsbruck 1985.
Karl Paulin, Tiroler Köpfe. Innsbruck 1953.
Carmen Troi, Bedeutende Tiroler Industrieunternehmer im 19. und 20. Jh.
Ungedr. phil. Diss., Innsbruck 1986.
Protokollbuch des Siedlervereins
Innsbrucker Adreẞbücher
Josefine Justić, Sieglanger- und Lohbachsiedlung. In: Innsbrucker
Stadtnachrichten 1985, Nr.8, S. 16.
Herbert Buzas, Mit Hans Hörtnagl in der Hörtnaglsiedlung. In: Tiroler
Tageszeitung 1975, Nr.56 - März 8.
August Mignon, »Neustädter«-Siedlung der Stadt Innsbruck. In: Amtsblatt der
Landeshauptstadt 1937, Nr. 2 und 3.
Innsbrucker Nachrichten/Neueste Zeitung 1936, Nr. 262 - November 12.
Anschrift der Verfasserin: VOL i. R. Anna Fritz
Lohbachweg 6a
6020 Innsbruck
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Abb. 44: Die Wohnsiedlung Sadrach - Stand September 1968.
Luftaufnahme: Richard Frischauf
Im Jahr 1969 wurden für den Bereich der Nordkette Lawinengefahrenzonen ausgewie-
sen. Für den Bereich der Allerheiligenhöfe wurde das Lawinenereignis des Jahres 1945
als Grundlage herangezogen, wobei berücksichtigt wurde, daß es sich um eine Trok-
kenschneelawine handeln könnte. Dementsprechend wurde festgestellt, daß 23 Ob-
jekte mit 146 Personen im Gefahrenbereich liegen. Das waren nahezu die Hälfte aller
im Gefahrenbereich der Nordkettenlawinen lebenden Menschen.
Im Jahr 1972 wurde ein Bauprogramm erstellt, das die Erhöhung des 1959 errichteten
Lawinenauffangdammes auf insgesamt 10 m vorsah. Noch im gleichen Jahr wurde die-
ses Programm realisiert. Durch diese Maßnahme konnten 8 Objekte mit insgesamt 80
Personen als nicht mehr durch die Allerheiligenhoflawine gefährdet aus dem Gefah-
renbereich ausgeschieden werden. Weiterhin gefährdet erschienen 10 Objekte mit 31
Personen. Davon war nur ein Objekt mit 3 Personen der roten Zone zugeordnet.
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Die Firmen Fritz & Lutz und Porr haben im Jahr 1978 19.065 m² bzw. 3.665 m² Grund im
Gebiet der Allerheiligenhöfe erworben. Von diesen Grundflächen lagen 20.207 m² in
der gelben und rd. 500 m² in der roten Gefahrenzone der Allerheiligenhoflawine. Für ei-
ne Bebauung dieser Flächen war es notwendig, weitere Maßnahmen zum Schutz gegen
die Allerheiligenhoflawine zu treffen.
Da die Lawineneinzugsgebiete der Allerheiligenhoflawine in hydrologischer Sicht ein
Einzugs- und Abflußgebiet von rund 3 km² bilden, war bei künftigen Verbauungsmaß-
nahmen auch dieser Aspekt zu berücksichtigen.
Im Jahre 1979 wurde daher ein Bauprogramm ausgearbeitet. Dieses sah die Errichtung
eines weiteren Lawinenauffangdammes vor, der zugleich als Wasserrückhaltebecken
das Siedlungsgebiet der Allerheiligenhöfe gegen Hochwasser sichern sollte. In den
Jahren 1979 und 1980 wurde rd. 150 m oberhalb des damals bereits bestehenden Lawi-
nendammes ein weiterer Damm errichtet, der eine wirksame Höhe von 20 m aufweist.
Zudem wurden ein Leitdamm und drei Lawinenkegel gebaut. Der Auffangdamm wurde
bis auf die beidseitigen Bergrücken gezogen.
Die Aufschließung der Baustelle erfolgte durch die Verlängerung des Unteraspachwe-
ges, der westlich der Buzzihütte beginnt. Die Auswirkung der Errichtung dieses Dam-
mes war, daß die Verbauung der von den Firmen Fritz & Lutz und Porr erworbenen
Grundflächen vertreten werden konnte und 16 Objekte mit 31 Personen aus der gelben
Gefahrenzone ausgeschieden werden konnten.
Die Planung und die Bauleitung der Lawinenverbauungen erfolgte durch den forsttech-
nischen Dienst der Wildbach- und Lawinenverbauung, und zwar der Gebietsbaulei-
tung Innsbruck, die vor einigen Jahren in Gebietsbauleitung Mittleres Inntal umbe-
nannt wurde.
Die Finanzierung erfolgte mit Ausnahme der Baumaßnahmen 1979/80 mit Bundes-,
Landes- und städt. Mitteln. Wegen des großen privaten Interesses wurden die Maßnah-
men 1979/80 nach folgendem Schlüssel finanziert:
Firmen Fritz & Lutz und Porr
Land Tirol
Republik Österreich
und Stadtgemeinde Innsbruck
91%
3%
3%
3%
Anschrift des Verfassers: Senatsrat Dipl. Ing. Dr. Hermann Götsch
Forst-, Agrar- und Gartenabteilung IX des Stadtmagistrates
Amraser Straße 5
6020 Innsbruck
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Wirtschaft und Gewerbe im Stadtteil Hötting-West
von Mag. Anton Hopfgartner
Die Darstellung der Geschichte der Wirtschaft und der Gewerbebetriebe im Stadt-
teil Hötting-West beschränkt sich im wesentlichen auf die Zeit nach 1945. Denn die mei-
sten Geschäfte wurden im Zuge des Siedlungsausbaus zur Nahversorgung der jeweili-
gen neuen Einwohner des Gebietes eröffnet. Es handelte sich dabei vor allem um Le-
bensmittelgeschäfte und Gemischtwarenhandlungen, zu denen in jüngster Zeit noch
große Supermärkte, wie der Top-Markt am Beginn der sogenannten »Ladenstraße<< in
der Kranebitter Allee 88 (1982) oder der Familia Discount in der Technikerstraße (1987)
kamen.
In ähnlicher Weise wurde auch das Gastgewerbe durch die Errichtung neuer Wohnbau-
ten gefördert. Seit 1970 eröffneten nicht weniger als sechs neue Cafés und Restaurants
sowie zwei Hotels. Gegenüber anderen Gewerbezweigen hat die Gastronomie im
Stadtteil allerdings eine viel ältere Tradition. Denn einige Wirtshäuser reichen weit in
die Zeit vor dem Siedlungsausbau in Allerheiligen, der Lohbachsiedlung und in Krane-
bitten zurück. Aus diesem Grund soll das Gastgewerbe auch am Beginn dieses Artikels
behandelt werden.
Die Anfänge des Gasthauses »Kranebitten<< (Kranebitter Allee 203) gehen in die Zeit
vor 1600 zurück. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich bereits am Ende des
16. Jahrhunderts (vgl. den Beitrag von F. H. Hye). Der Gasthof soll schon damals als wich-
tige Pferdewechselstelle am Weg von Innsbruck nach Zirl gedient haben. Als die Pferde
nach der Jahrhundertwende allmählich durch Kraftfahrzeuge abgelöst wurden, behielt
der Gasthof trotzdem weiterhin seine Funktion als beliebte Raststätte, zumal sich beim
Gebäude eine Tankstelle befand. Aus dem Jahre 1933 ist ein großes Oldtimer-Treffen
bezeugt. (Diese Tradition ist bis heute nicht abgerissen. So fand beispielsweise am
1. Mai 1986 erneut ein Oldtimer-Treffen beim Gasthof Kranebitten statt.)
So profitierte der Gasthof stets von der günstigen Verkehrslage im Zentrum des Landes
Tirol und von den zahlreichen Kaufleuten und Reisenden, die von und nach Innsbruck
zogen. Die heutigen Besitzer (Familie Marianne Rimml) und deren Vorfahren bewirt-
schaften das Gasthaus seit dem vorigen Jahrhundert. Nach einem Brand am 10. Novem-
ber 1874 wurde es am 24. Dezember 1878 von Jakob Rimml käuflich erworben. Seither
ist es ein Einkehrort für Reisende geblieben sowie auch ein beliebter Treffpunkt lokal
Ansässiger. Seit dem Ende der 70-er Jahre wurde der Gasthof Kranebitten noch weiter
ausgebaut. Im Haupt- und im neu gestalteten Nebengebäude befinden sich insgesamt
28 rustikal eingerichtete Gästezimmer.
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Einen ganz anderen Ursprung hat die Fremdenpension Rimml (Harterhofweg 82), ein
Bau, der für die Flieger der Deutschen Wehrmacht während des Krieges errichtet wur-
de. Anläẞlich der Olympischen Winterspiele 1964 in Innsbruck hat Walter Rimml das
Haus adaptiert und als Frühstückspension mit 16 Fremdenzimmern eingerichtet. Bis
heute ist es in seinem Besitz und bietet das ganze Jahr hindurch Touristen Unterkunft.
Auf eine lange Geschichte ihres Betriebes kann die Besitzerin der Buzihütte (Berch-
toldshofweg 14), Frau Paula Sporer, zurückblicken. Der Sage nach haben bereits am Be-
ginn des 19. Jahrhunderts die Gebrüder Puzi, Handwerksburschen aus dem Friaul, an
diesem Ort eine kleine Holzhütte erbaut, auf der sie mit ihren Freunden gesellige
Abende verbrachten. In den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts baute dann der
Metzgermeister Joseph Sauerwein aus Hötting die Holzhütte aus, um sich mit diesem
kleinen Wirtshaus ein Nebeneinkommen zu sichern. Martin Sauerwein machte die Bu-
zihütte durch sein Akkordeon-Spiel und eine Art »Wundertee«, der zu hohem Alter ver-
helfen sollte, bekannt. Ende des 19. Jahrhunderts hielt ferner eine schlagende Studen-
tenverbindung ihre Kneipen auf der Buzihütte ab und taufte das Gasthaus auf den Na-
men >>Walhall« um. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Konzessionsurkunden
der Wirtschaft (1891; 1893: erweiterte Konzession auch für warme Speisen).
Unter den häufig wechselnden Pächtern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ver-
fiel die Buzihütte dann zusehends, ehe sie von Eduard und Paula Sporer im Jahre 1959
erworben und systematisch restauriert wurde. Heute ist die Buzihütte ein typisches
Studentengasthaus (Etwa 90 % aller Gäste sind Studenten). Dies ist auch ein Haupt-
grund dafür, daß sie von Anfang August bis Ende September geschlossen bleibt.
Während dieser Zeit, nämlich von Mai bis Oktober, ist an Wochenenden das etwa eine
Gehstunde oberhalb gelegene Gasthaus »Rauschbrunnen« geöffnet. 1910 als Ausflugs-
gasthaus erbaut, kam es unmittelbar nach der Eröffnung in den Besitz des Metzgermei-
sters Karl Nairz, der für den Bau als Bürge gutgestanden hatte und dessen Erben noch
heute die Eigentümer sind. Im Laufe der Jahrzehnte folgte eine Reihe von Pächtern,
1968-1973 war das Gasthaus nicht bewirtschaftet. In der Tat ist die Bewirtschaftung
schwierig: Es gibt bis heute keinen Strom, das Wasser muß 110m hochgepumpt werden,
der Weg wird durch Lawinenabgänge stark in Mitleidenschaft gezogen. Der gegenwärti-
ge Pächter, Arthur Genuin, stimmt den Betrieb auf Ausflügler und Sonntagsgäste ab: Es
gibt Getränke, Imbisse und einfache Mahlzeiten.
Wesentlich älter als alle bisher beschriebenen Betriebe ist das Gasthaus >>Kerschbuch-
hof« (Klammstraße 160). Als landwirtschaftlicher Betrieb schon 1305 erstmals erwähnt,
war das Gut durch seine Lage am Eingang zur Kranebitter Klamm außerdem ein idea-
ler Ausgangspunkt für Jagden. 1809 wurde das Haus in Brand gesteckt, jedoch gleich
wieder aufgebaut. Als Gastbetrieb wurde der Kerschbuchhof erst seit 1907 geführt,
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ver confirmandy lange danse requires or expre
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Abb. 45: Weihe- und Ablaßurkunde der alten Allerheiligenkirche vom 13. April 1375.
Original-Pergament im Innsbrucker Stadtarchiv, Repro: Engelbert Pöschl
seither aber, von kurzen Unterbrechungen während der Weltkriege abgesehen, bis
1985 ununterbrochen. Damals mußte der derzeitige Eigentümer, Johann Abfalterer,
dessen Vorfahren den Kerschbuchhof seit den 30-er Jahren in Besitz hatten, die 1970
umgebaute Gastwirtschaft aus Altersgründen vorübergehend schließen. Auch die
Landwirtschaft wird dort noch immer betrieben.
Auf den Beginn unseres Jahrhunderts läßt sich das fast im Zentrum des Stadtteils gele-
gene Gasthaus Allerheiligenhof (Allerheiligenhofweg 7) zurückverfolgen. Ursprünglich
ein landwirtschaftliches Gut, wurde das Gebäude 1913 vom Unternehmer Flunger ge-
kauft und in ein Gasthaus umgewandelt. Längere Zeit war es dann im Besitz der Familie
Kerschbaumer aus Südtirol, die es verschiedenen Pächtern überließ, ehe Alois Berch-
told den Gasthof 1955 erwarb. Bis heute ist er im Besitz dieser Familie und wird von ihr
bewirtschaftet.
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Im traditionsreichen Berchtoldshof, einem ursprünglich großen Bauernhof mit weitem
Grundbesitz und eigener Alm, gibt es seit 1938 eine Gastwirtschaft, welche derzeit Frau
Christl Ferian aus der Familie Berchtold führt. Seit über 200 Jahren ist diese Familie im
Besitz des Hofes.
In der Zeit von 1945 bis 1970 hat sich im Bereich der Gastronomie im Stadtteil nur wenig
verändert. Für die Bewohner der Lohbachsiedlung gab es lange Zeit nur ein einziges
Gasthaus, die »Kalterer Weinstubes, die jedoch im Jahre 1957 geschlossen wurde. Dar-
aufhin eröffnete 1958 der Gasthof Alpenblick (Lohbachweg G 150), den die Besitzer
1972 weiter ausbauten und modernisierten. In der Gaststube trifft sich heute fast aus-
schließlich Stammpublikum aus der näheren Umgebung. Seit 1968 werden auch in der
Fleischhauerei der Lohbachsiedlung (Josef-Stapf-Straße 7, gegr. 1947), die 1965 Herr
Edmund Birkl übernommen hat, Imbisse ausgegeben.
Ab 1970 erfolgte dann in der Lohbachsiedlung und in Kranebitten eine Reihe von
Neueröffnungen. Im Wohnbereich Sadrach und in der Berchtoldsiedlung hingegen, die
Ende der 50-er/Anfang der 60-er Jahre entstanden, hat es bis heute keine Neueröff-
nung gegeben, wohl deshalb, weil die Gasthäuser »Großer Gott« und »Gasthof Berch-
toldshof<< den lokalen Bedarf an gastronomischen Einrichtungen abdecken, wobei der
>Große Gott« jedoch schon nicht mehr dem Stadtteil Sadrach zuzurechnen ist.
In der Lohbachsiedlung eröffnete 1970 das TH-Café-Pizzeria-Restaurant (Josef-Stapf-
Straße 2). Nahe der Technischen Fakultät gelegen, sollte es vor allem auch für Studen-
ten ein Service bieten. Allerdings führte die Eröffnung der Mensa in der Technischen
Hochschule zu einer Reduzierung der Gästezahl.
Weitere Konkurrenzunternehmen in der Lohbachsiedlung bilden die bereits erwähnte
Imbiẞstube Birkl, in der seit 1971 komplette Menüs zu haben sind, das Nachtrestaurant
>Kupferpfandl<< (Kranebitter Allee 88, gegr. 1983), welches als einziges Tanzlokal der
Lohbachsiedlung auch Gäste aus der weiteren Umgebung anlockt, sowie eine Reihe
von Cafés, die in den 80-er Jahren errichtet wurden: Seit 1981 führt Hermann Pitschei-
der das Café »Hermann« (Kranebitter Allee 92). Den ganzen Tag über werden dort auch
kleinere Imbisse serviert, die hauptsächlich Leute aus der Siedlung in Anspruch
nehmen.
Georg Höchter führt das nicht weit vom Café Hermann entfernte »Café Annette< (Kra-
nebitter Allee 88), das 1983 eröffnet und 1985 umgebaut wurde. Dem Café angeschlos-
sen sind drei Carambol-Spielräume, in denen Mitglieder eines Carambol-Clubs zeit-
weise täglich spielen. Einen weiteren Kundenstock stellen im Café Annette die Schüler
aus der nahen Berufsschule dar, die Imbisse und Getränke konsumieren. Dem ständi-
gen Wachstum der Lohbachsiedlung nach dem Westen haben Frau Kunigunde Birker
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und ihr Sohn mit der Eröffnung des Cafés »Ulfiswiese« (Kranebitter Allee 144, gegr.
1984) Rechnung getragen. Der Café- und Restaurantbetrieb befindet sich in den neuen
Wohnbauten neben der Technischen Fakultät.
Zusammenfassend läßt sich zu den Gastbetrieben der Lohbachsiedlung sagen, daß je-
des einzelne Lokal auf Grund der geringen Zahl von Gelegenheitsgästen und der gro-
Ben Konkurrenz anderer Betriebe im Stadtteil durch Besonderheiten (Tanzmöglich-
keit, Carambol-Spielräume, Pizzeria) sowie die Ausrichtung auf ein bestimmtes Publi-
kum (Imbisse für Arbeiter, Studenten, Diskothekbesucher) versucht, sich eigene
Stammgäste zu erhalten. Weiters dürfte sich durch den im Vergleich zu anderen Inns-
brucker Stadtteilen sehr intensiven Siedlungsausbau (Ulfiswiese, Peergründe) das ga-
stronomische Gewerbe noch weiterer Expansion erfreuen.
In Kranebitten kamen im Dezember 1977 zum alten Gasthof Kranebitten die >Klamm-
stuben« (Klammstraße 11) dazu. Die Besitzer (Familie Kleinheinz) errichteten einen Re-
staurantbetrieb mit großen Gasträumen, die einen beliebten Rahmen für Festlichkei-
ten wie Sponsionen, Promotionen, Hochzeiten usw. bilden. Außerdem haben die
Klammstuben einen kleinen Hotelbetrieb mit 14 Zimmern.
Neben dem Hotelbetrieb im Gasthof Kranebitten und in den Klammstuben befindet
sich in Kranebitten noch das Hotel >Rapoldihaus« (Hans-Untermüller-Straße 8). Von
der WIST (Wirtschaftshilfe für Studenten) im Jahre 1968 gegründet, dient es nur in den
Sommermonaten als Hotel für internationale Gäste, während es die übrige Zeit als Stu-
dentenheim genützt wird. Das gleiche gilt für das Hotel »Atrium<< in der Lohbachsied-
lung (Technikerstraße 7). Der Eigentümer, das Land Tirol, eröffnete es im Jahre 1984 und
übergab es der Österreichischen Studentenförderungsstiftung Albertina in Pacht. Vom
Juli bis September wird es als Zweisternhotel geführt (240 Betten). Bis 1982 gab es in
der Kranebitter Allee 88 das vor 1964 anläßlich der Olympischen Winterspiele errichte-
te Hotel >>Alpenmotel«<, das Schwimmbad und Sauna hatte. Es wurde 1982 wieder auf-
gelassen.
Neben den gastronomischen Betrieben nehmen im Stadtteil die Lebensmittelgeschäf-
te und Gemischtwarenhandlungen einen wichtigen Platz ein. Im Unterschied zu den
Gastgewerbebetrieben geht deren Errichtung mit dem Siedlungsbau weitgehend kon-
form. Eine Ausnahme bildet allerdings die Siedlung Kranebitten, die bis heute kein Le-
bensmittelgeschäft für die Nahversorgung hat. Den Bewohnern steht lediglich ein im
September 1985 gegründetes >Brot-Shop«, ein Verkaufsstand auf Rädern in der Hans-
Untermüller-Straße zur Verfügung, an dem die wichtigsten Grundnahrungsmittel ver-
kauft werden, allerdings nur in den Morgen- und Abendstunden. Ansonsten sind die
Einwohner von Kranebitten für die Güter des täglichen Bedarfs auf die Geschäfte der
Lohbachsiedlung, für andere Waren überhaupt auf die der Innenstadt angewiesen.
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Seit dem Jahr 1946 besteht in der Fliedergasse 9 der Lohbachsiedlung die Gemischtwa-
renhandlung »Bruna«. Sie sollte von Anfang an der Nahversorgung der Lohbachsied-
lung dienen. Ab dem Jahr 1976 führt das 1971 umgebaute und modernisierte Geschäft
auch Tabakwaren. Diese sind seit der Errichtung der großen Discounter im Stadtteil für
die Erhaltung des Kundenstockes besonders wichtig. Die Stammkunden aus der un-
mittelbaren Umgebung besuchen oft nur zur Besorgung der Tabakwaren das Geschäft
und nehmen dann auch andere Waren mit.
Aus demselben Grund führt auch das Lebensmittelgeschäft >Spar-Markt Schaffer<
(Technikerstraße 32) seit längerer Zeit Tabakwaren. Berta Schaffer übernahm den
schon vorher bestehenden Betrieb im Jahre 1966 und vergrößerte das Geschäftslokal
in der Folge. Hatte es bei der Eröffnung eine Fläche von 20 m², so ist diese seit 1977 auf
400 m² erweitert. Bis 1986 befand sich im Spar-Markt Schaffer auch eine Toto-Annahme-
stelle. Dann aber wurde dem Geschäft von der Glücksspielmonopolverwaltung die Li-
zenz genommen. Seither hat der Stadtteil keine Annahmestelle mehr, obwohl große
Nachfrage bestünde.
An der Kranebitter Allee steht seit dem Ende der 40-er Jahre der Kiosk >>Mannerhäusl<<,
so benannt, weil das Holzhäuschen lange Zeit eine flächendeckende rosarote Reklame
der Firma >>Manner« trug (Süßwaren, Obst, Getränke und Touristenproviant).
Die Neueröffnung von großen Supermärkten und Discountern in den 70-er und 80-er
Jahren bereitet den kleinen Lebensmittelgeschäften generell große Probleme. Durch
die riesigen Mengen, welche die oft österreichweit verbreiteten Einkaufsketten den Le-
bensmittelerzeugern abnehmen, kommen die Discounter in den Genuß größtmögli-
cher Rabatte. Der Konkurrenzkampf für die Lebensmittelgeschäfte in der Lohbach-
siedlung hat sich deshalb seit dem Jahre 1982 verschärft, als der erste Discounter im
Stadtteil aufmachte.
Der >>Top-Markt<< (Kranebitter Allee 88) fand im Gebäude des anläßlich der Olympi-
schen Spiele 1964 errichteten und 1982 wieder aufgelassenen Hotels »Alpenmotel<<
Platz; er verkauft Lebensmittel, Drogerieartikel und Putzmittel. Ebendort richtete man
die sogenannte »Ladenstraße<< mit Betrieben verschiedener Branchen ein (Textilfund-
grube, Michel Loresse-Modedesignerfirma, Roweba-Verlag, Frisiersalon Bhatty, Büro-
technik Dank, Videothek, Café Annette, Nachtrestaurant Kupferpfandl, Postamt, eine
Stilmöbelfirma, die inzwischen wieder aufgelassen wurde).
Neben dem Top-Markt hat in jüngster Zeit mitten unter den Neubauten auf der Ulfis-
wiese der Familia-Discount einen Lebensmittelgroßmarkt eröffnet (7. Mai 1987). Auf ei-
ner Verkaufsfläche von etwa 800 m² werden neben Lebensmitteln auch andere Waren
für den Haushaltsbedarf angeboten. Neben den Kunden aus der Lohbachsiedlung
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Abb. 46: Mariä-Heimsuchungs-Kirchlein in Kranebitten - Altar.
Foto: Engelbert Pöschl
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und aus Kranebitten wird nach der vollständigen Verbauung der Peergründe künftig
ein noch größeres Abnehmerpotential erwartet.
Als Reaktion auf die Zugkraft der großen Supermärkte versuchen die kleineren Lebens-
mittelgeschäfte durch spezielle Warenangebote (Tabakwaren) und besondere Service-
leistungen (Lieferung ins Haus, verstärkte Qualitätskontrolle) konkurrenzfähig zu blei-
ben. Bei etlichen Betrieben war es außerdem nötig, sich einer großen Lebensmittelket-
te (Adeg, Spar, Nah und Frisch) anzuschließen, sofern sie nicht schon von Anfang an
dabei waren.
Die Fleischhauerei Edmund Birkl, welche die Billigangebote der Supermärkte stark zu
spüren bekommt, hat das Angebot in der Imbiẞstube erweitert.
Ähnliches wie für die Lebensmittelgeschäfte in der Lohbachsiedlung gilt für den Nah-
und-Frisch-Markt Nocker und für das Adeg-Einkaufszentrum Schwarzenberger in
Sadrach. Alois Nocker gründete sein Geschäft am 5. September 1962, um den Lebens-
mittelbedarf der Berchtoldsiedlung zu decken, eine Funktion, die der Betrieb bis heute
innehat. Seit der Gründung gehört der >>Nocker<< (Schneeburggasse 130) der Lebens-
mittelkette Nah und Frisch an. Das Familienunternehmen hat fast ausschließlich
Stammkunden, insgesamt etwa 130-150 am Tag. Auf Grund der Billigpreise in den Su-
permärkten ist allerdings die Zahl jener Kunden, die ihren täglichen Bedarf zur Gänze
in diesem Geschäft decken, auf zehn bis zwanzig geschrumpft.
Ähnliche Angaben macht Hans Schwarzenberger, der Besitzer des Adeg-Einkaufszen-
trums in Sadrach. Sein Geschäft (Hofwaldweg 14, gegr. im Juli 1964) liegt im ersten
Wohnblock, der bezogen werden konnte. Deshalb diente es am Beginn vor allem zur
Versorgung der Arbeiter, die an den umliegenden Baustellen beschäftigt waren.
Außerdem gab es bis Anfang der 80-er Jahre ein Spar-Geschäft der Familie Franz in der
Schneeburggasse (71b), das vor der Errichtung der Sadrachsiedlung neben der Sied-
lung Grauer Stein den kleinen Bereich der Sadrachstraße mit abdeckte. Inzwischen ist
der >>Schwarzenberger« das einzige Lebensmittelgeschäft im Nordosten des Stadtteils.
Es ist im Prinzip ein Familienbetrieb, hat aber seit jeher auch Angestellte, im Augen-
blick zwei Ganz- und eine Halbtagsangestellte. Im Oktober 1985 schloß sich Schwar-
zenberger der Adeg-Kette an.
Gasthäuser und Lebensmittelgeschäfte nehmen in den Gewerbebetrieben des Stadt-
teils den ersten Platz ein. Daneben gibt es aber auch noch eine Reihe weiterer privater
und öffentlicher Betriebe mit vorrangig lokaler Bedeutung. Zwei Bankfilialen wurden im
Stadtteil in den 70-er Jahren gegründet: eine der Österreichischen Länderbank
(Schneeburggasse 67b, gegr. am 29. Juni 1973) für den Bereich Grauer-Stein-Siedlung
118
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und Sadrach und eine Filiale der Sparkasse Innsbruck-Hall (Technikerstraße 34, gegr.
1975) für die Lohbachsiedlung, die Technische Fakultät und Kranebitten. Weiters gibt
es in der Kranebitter Allee 88 das einzige Postamt des Stadtteils, das seinen Kunden al-
le Serviceleistungen der Post (auch PSK) bietet. Es hat zwei Angestellte. Schließlich
wurde in den Räumlichkeiten des alten Spar-Geschäftes (Schneeburggasse 71a) die
>Apotheke zum Großen Gott« gegründet (1983). Eigentümer ist der aus Ägypten gebür-
tige Magister Kamal Ayoub, der in Innsbruck Pharmazie studierte. Seine Apotheke mit
insgesamt 4 Angestellten deckt im Moment den gesamten Bereich Hötting-West - mit
Sadrach, der Lohbachsiedlung und Kranebitten - ab, de facto aber wird es für die Be-
wohner der Lohbachsiedlung und Kranebittens einfacher sein, eine Apotheke in der
Innenstadt aufzusuchen. Eine eigene Apotheke für die Lohbachsiedlung ist zwar in Pla-
nung, jedoch ist der Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht abzusehen.
Die verschiedenen privaten Unternehmen mit vornehmlich lokaler Bedeutung konzen-
trieren sich wie die Lebensmittelgeschäfte und neueren gastronomischen Betriebe auf
den Bereich der Lohbachsiedlung, so z. B. in der »Ladenstraße« (Kranebitter Allee 88).
Siegfried Kraxner ist der Leiter der dortigen »Textilfundgrube«. Der Hauptsitz dieser
Firma befindet sich in Feldkirch, Filialen gibt es außer in Innsbruck noch in Landeck. In
dem Geschäft mit zwei Angestellten werden vor allem Heimtextilien, wie Gardinen,
Vorhänge und Bettwäsche, verkauft.
Ingrid Bhatty ist die Inhaberin des derzeit einzigen Frisiersalons in der Lohbachsied-
lung. Der Damen- und Herren-Salon wurde im September 1982 in der »Ladenstraße<<
eröffnet.
Die Firma >Bürotechnik Dank« (gegr. 1984) verkauft Bürobedarf aller Art, von Büroma-
schinen bis zum Schreibwarendetail. Angeschlossen sind eine Reparaturwerkstätte für
Büromaschinen und ein Kopiercenter mit Selbstbedienung. Als einziges Schreibwaren-
geschäft der Lohbachsiedlung mit Kopiergerät hat die »Bürotechnik Dank« auch viele
Studenten als Kunden. Schließlich befindet sich in der »Ladenstraße« die >>Videothek
West<. Sie wurde 1984 von Helmut Oberschmid und Klaus Ellenmunter gegründet.
In der Lohbachsiedlung ist an privaten Betrieben noch der im Mai 1987 eröffnete Se-
cond-Hand-Shop »Bambini« (Technikerstraße 5) zu erwähnen. Kindermoden für Kinder
bis zu 12 Jahren sind dort zu erhalten. Der Inhaber, Peter Kothbauer, trug mit seinem
Geschäft der Tatsache Rechnung, daß der Stadtteil Hötting-West nicht zuletzt auf
Grund der Neubauten auf der Ulfiswiese und den Peergründen ein bevölkerungspoli-
tisch aufstrebender Bezirk ist, dessen Zahl an Kindern steigt.
Schließlich befindet sich in der Sadrach-Siedlung die Gärtnerei Dorigatti (Sadrachstra-
119
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Be 26). Sie wurde von Mario Dorigatti im Jahre 1964 gegründet. Seit 1974 hat der Betrieb
einen eigenen Stand in der Markthalle.
Am Ende dieses Artikels sollen noch jene Betriebe und Unternehmen kurz zur Sprache
kommen, die zwar im Stadtteil angesiedelt sind, jedoch weniger lokale als überregiona-
le Bedeutung haben. Dazu gehören etwa Verlage oder Großhandel.
Seit 1958 hat der im Jahre 1946 in Kitzbühel gegründete »Pinguin-Verlag« ein eigenes
Verlagshaus am Lindenbühelweg 2. Der Inhaber, Herbert Pawlowsky, führt den Verlag
als Familienbetrieb. Als Programmschwerpunkt des Verlages gelten Sachbücher,
Kunstbücher und Kalender. Neben dem Vertrieb in ganz Österreich werden die Bände
auch nach Deutschland und in die Schweiz exportiert.
Im Jänner 1987 wurde der Zeitschriftenverlag »Roweba« (Kranebitter Allee 88) gegrün-
det, vornehmlich, um eine Marktlücke in Bezug auf Gebraucht- und Neuwagenverkaufs-
information zu schließen. Sein Inhaber, Hannes Schnitzer, gibt unter anderem die wö-
chentliche Zeitungsbeilage der Tageszeitung »Kurier«, den »Autospiegel«<, heraus, in
dem Firmen und Private aus ganz Tirol mit Inseraten vertreten sind. Die Redaktion
befindet sich in den Verlagsräumen, Satz und Druck werden in Wien vorgenommen.
Weiters befinden sich im Stadtteil der Wanderlandverlag (St. Georgs-Weg 16), der
Wand- und Straßenkarten sowie Ortspläne herausbringt, der Verlag mit Buchhandlung
Helmuth Felder (Kranebitter Allee 88a) und der derzeit nicht aktive Verlag >Allerheili-
genpresse« (Gabelsbergerstraße 18).
Zum Großhandel im Stadtteil gehört zunächst der Obst- und Gemüsehandel Karl Sei-
demann. Anlaß für die Gründung (1957) in der Kranebitter Allee 90 war der günstige, an
der Bundesstraße gelegene Baugrund. Zum Betrieb gehören mehrere Lagerräume und
Garagen; beliefert werden Händler und Hoteliers besonders im Außerfern. Als zweiter
Großhandel ist die Modedesignerfirma Michel Loresse (Kranebitter Allee 88) zu nen-
nen, die nach ganz Österreich Modeschmuck, Damenstrümpfe und Ledergürtel ver-
kauft. Der Betrieb hat keine festen Angestellten, sondern nur freie Vertreter. Mit-
bestimmend für die Wahl des Ortes für den Sitz der Firma war das Postamt gleich
nebenan.
Bedeutung weit über den Stadtteil hinaus besitzt weiters das Detailgeschäft für Sport-
preistrophäen >Walter OHG« (Vögelebichl 20): Messing- und Zinnwaren, Pokale und
Medaillen, Medaillenprägungen sowie Gravouren werden auch selbst verfertigt.
Weiters existieren im Stadtteil noch die Elektromechanikerwerkstätte >Berndlbauer
KG<< (Lohbachweg E 144), die sich insbesondere auf Expreßreparaturen für Motoren
und Maschinen (z. B. aus dem Hotelgewerbe) spezialisiert hat, sowie die KFZ-Repara-
120
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turwerkstätte und Spezialwerkstätte für Einspritzpumpen »Klingler<, in der Kranebit-
ter Allee 207. Schließlich ist seit Dezember 1981 in der Andreas-Dipauli-Straße 22a die
Werkstatt von Leopold Czerny untergebracht. Der direkte Nachkomme des berühmten
Klavieretüdenkomponisten Czerny stimmt, repariert und verkauft Klaviere, sowohl
Pianos als auch Flügel.
Abschließend sei festgehalten, daß sich Wirtschaft und Gewerbe im Stadtteil Hötting-
West in einer stark expansiven Phase befinden. Durch die Neuverbauung der Ulfiswie-
se und der Peergründe sowie durch weitere Bauunternehmen in anderen Bereichen
des Stadtteils (z. B. Sadrachstraße) ist anzunehmen, daß die Reihe der Neueröffnungen
von Geschäften auch in den späten 80-er Jahren anhalten wird.
Anschrift des Verfassers: Mag. Anton Hopfgartner
Sadrachstraße 32
6020 Innsbruck
121
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Einige Notizen zu den Naturgegebenheiten und ihrer Nutzung
Von Univ. Doz. Dr. Georg Mutschlechner
Die Bewohner des Stadtteiles Allerheiligen werden vielleicht mit Recht fragen
oder sich wundern, was hier der Naturwissenschaftler zu sagen hat. Um es vorwegzu-
nehmen: Über den Bereich Hötting-West gibt es sogar mehr als über andere Teile von
Innsbruck zu berichten.
Das hier in Betracht gezogene Gebiet erstreckt sich von der Felsregion der südlichen
Karwendelkette, der Innsbrucker Nordkette, bis zur Talsohle. Am westlichsten Punkt,
beim Meilbrunnen an der Bundesstraße nach Zirl reichen die Kalkfelsen des Hechen-
berges bis nahe an den Inn. Von dort steigt der sichtbare Unterrand der Felsen nach
Osten an und senkt sich dann zum Ausgang der Kranebitter Klamm. Hier sind die Ge-
steine am besten zugänglich. Früher konnte man hier die älteste Ablagerung der Kalk-
alpen, den noch aus dem jüngsten Erdaltertum stammenden roten und grünlichen
Sandstein, den sogenannten Buntsandstein, sehen!.
Jetzt ist der Aufschluß verschüttet. Beiderseits folgen brüchige Dolomite der ältesten
Trias aus dem Beginn des Erdmittelalters (Reichenhaller Schichten), die mit Unterbre-
chungen oberhalb und unterhalb des Stangensteiges nach Osten ziehen. Die Felsstufe,
über die eine eiserne Leiter das Eindringen in die Kranebitter Klamm ermöglicht, be-
steht aus festem Muschelkalk. Bergwärts erscheinen dann dunkler Partnachkalk und
als Hauptgestein heller Wettersteinkalk, der bis auf die Gipfel reicht.
Verwendung der Gesteine
Für den Spanischen Saal auf Schloß Ambras wurde 1571 im Kerschbuchtal >>schwarzer
Marmor gebrochen und von welschen Steinmetzen nach gegebener Zeichnung zu
polygonen Platten gehauen². 1680 widmete der Steinmetz Heinrich Renn in der Hoff-
nung auf die angestrebte Bürgeraufnahme das von ihm verfertigte Gießfaß oder »Bek-
kett« aus dem von ihm in Krabeten (Kranebitten) gewonnenen schwarzen »Marbel<³.
Auch der schwarze Marmor am Altar der Kapelle in Kranebitten soll aus der Gegend ge-
kommen sein. Die festen Kalke eignen sich als Bausteine für unverputzt bleibende
Stütz- und Gartenmauern.
1
Erhebung des Verfassers
2 David Schönherr in: Extra-Beilage des Boten für Tirol und Vorarlberg, Nr. 231 vom 8. Oktober 1878, Seite
1783
Konrad Fischnaler: Innsbrucker Chronik II, Seite 17. Innsbruck 1930
4
Erich Egg in: Tiroler Tageszeitung vom 12. Juni 1976
122
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Jahrzehntelang betrieb die am Innrain Nr. 23 ansässige Firma Anton Peer im Bärental
oberhalb der Karwendelbahn einen tiefreichenden Steinbruch. Der hier gebrochene
und gequetschte Muschelkalk gelangte auf einer Standseilbahn zum Schotterwerk, das
an der Stelle der Peergrund-Siedlung stand. Die Schottermühle im Steinbruch brannte
im Februar 1955 ab5.
Kalkschotter wurden an mehreren Stellen gewonnen und zum Beschütten der Straßen
und Wege und zum Betonieren viel verwendet. Der Kranebitter Schuttfächer führt
hauptsächlich kalkiges Material. In der großen, aufgelassenen Schottergrube im westli-
chen Teil des Fächers stehen jetzt die Gebäude der Standschützen-Kaserne. Auch die
Schutthalden ober der Straße außerhalb Kranebitten wurden genutzt. Beim Harterhof
stand ein Kalkofen.
Bergbau
Die Dolomite und Kalke enthalten Erze (Bleiglanz, Zinkblende, Pyrit), die Anlaß zu
bergmännischer Tätigkeit waren.
Ein kleines Bergbaugebiet liegt östlich der Kranebitter Klamm. In der Klamm selbst
wurde nach Erz, wahrscheinlich nach silberhältigem Bleiglanz, gesucht. Am Klammegg
(zwischen der Klamm und dem Rauschbrunnen) ging ein Bergbau um. 1492 erhielt Jörg
Scheuber für ein Star »Klamegker arz<< 2 Gulden und 2 Pfund Berner (24 Kreuzer)?. 1545
baten die Gewerken der Gruben St. Daniel und St. Gregori »am Clamegg vor Hardter-
klam under dem Klamgarten«, den zwischen diesen beiden Gruben liegenden Bau von
der Bearbeitungspflicht zu befreien. Die landesfürstliche Kammer erkundigte sich
beim zuständigen Bergrichter in Hall über seine Meinung. Bericht und Gutachten laute-
ten günstig, worauf die Kammer dem Bergrichter befahl, das Lehen auf ein halbes Jahr
zu befreien.
Unter- und oberhalb des viel begangenen Stangensteiges wurde nach Erz gegraben.
Das Kerschbuchtal, das heutige Knappental, war, wie schon der Name besagt, Schau-
platz bergmännischer Tätigkeit und auch einer Verhüttungsanlage. Ein noch offener
Stollen mit vorgelagerter Halde befindet sich im Wald nordöstlich des Kerschbuchho-
fes, nahe unterhalb des Stangensteiges. Ein zweiter noch offener Einbau ist östlich des
Bahndurchlasses hinter der hölzernen Schutzwand zu finden. Früher war hier ein Gang
mit brauner Zinkblende zu sehen.
5 Tiroler Tageszeitung vom 2.2.1955
6
7
8
9
Ausführlich bei Georg Mutschlechner: Der Bergbau an der Innsbrucker Nordkette zwischen Kranebitten
und Mühlau. In: Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge, Band 5. Innsbruck 1974
Tiroler Landesarchiv (im folgenden mit TLA abgekürzt), Kammer-Raitbuch 1492, Teil II, (Band 31), fol. 154
TLA, Kopialbuch Embieten und Bevelch 1545, fol. 322
Erhebungen des Verfassers
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Die erste Fundgrube hieß St. Daniel, der bald weitere Verleihungen an die Kössentaler
Gesellschaft und an den Münchner bzw. Kitzbüheler Gewerken Ligsalz folgten. Unter-
halb der Fundgrube befand sich die Grube »Gottesgabe« 10. Der Forstmeister Wilhelm
Kirchenfein beklagte 1553 das Abhacken der jungen Eichen durch die Gewerken und
Knappen der rund 30 Gruben".
1554 baten die Gewerken die Kammer um die Verleihung der landesfürstlichen
Schmelzhütte in Mühlau zum Probeschmelzen ihrer Kieserze 12.
1592 ersuchten die Gewerken der Dreifaltigkeit-Grube ober Kräwitten (Kranebit-
ten) um die Erlaubnis zum Bau eines Ofens für das Aufschmelzen ihres »Schwebls<<
(Schwefels), was dann 1596 genehmigt wurde¹³. Die Stadt Innsbruck und die Nachbar-
schaft beschwerten sich über das dem Innsbrucker Bürger Christoff Merckhler und sei-
nen Mitgewerken zur Hl. Dreifaltigkeit bewilligte Holzschlagen in den städtischen und
Höttinger Wäldern. Die in vier Gruben arbeitenden Gewerken hatten angeblich gar
kein Schmelzwerk sondern nur einen Röstofen, gewannen dabei Schwefel, Silber und
Blei und befaßten sich mit dem Sieden von Vitriol. 1597 bekamen sie 60 Klafter Brenn-
holz und 40 Stämme Gruben- und Bauholz zugeteilt 14.
Ein Leonhardt Puechpinter hatte beim Kerschbuchhof eine Schmelzgrube errichtet.
1596 wurde wegen Feuersgefahr beanstandet, daß er abends heimging und das Feuer
nicht löschte15.
Erzherzog Ferdinand II. bewilligte 1576 dem Erzknappen Caspar Klainer aus dem
>Kerspuech wöchentlich 10 Kreuzer 16. 1597 bat dieser Knappe um einen Grund im
Kerschbuchtal zum Bau eines Häuschens und für einen Frühgarten. Das war wohl der
Vorläufer des heutigen Knappenhöfls.
1634 empfing Lienhardt Rotter von Thaur einen alten, verlegenen, das heißt aufgelas-
senen Bau, dessen Namen er nicht wußte. Er benannte ihn St. Jacob 18.
1767 wurde unter der Führung des Anton Carl von Egiz eine Bergbaukompagnie oder
Gesellschaft gegründet, um zwischen Allerheiligen und Zirl Silbererz zu gewinnen 19.
10 TLA, Codex 3243, fol. 24', 25 f., 77'
11
TLA, Codex 3243, fol. 23 und 24
12
TLA, Pestarchiv-Akten XIV/372 in Faszikel XIVa
13
14
TLA, Embieten und Bevelch 1592, fol. 255 - Gemeine Missiven 1596, fol. 525 und 603
TLA, Pestarchiv-Akten XIV/313 in Faszikel XIVa - Gemeine Missiven 1596, fol. 1521. - Gemeine Missiven
1597, fol. 49
TLA, Landgericht Sonnenburg, Gerichts- und Verfachbuch 1596, fol. 32'
15
16
TLA, Embieten und Bevelch 1576, fol. 56
17
TLA, Bekennen 1597, fol. 77
18
19
124
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Handschrift Dipauliana 1164, fol. 29
TLA, Entbieten 1767, fol. 302'
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Abb. 47: Berchtoldshof-Kapelle - 2 Statuen.
Foto: Engelbert Pöschl
te
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Beim Bau der Karwendelbahn wurde das Kerschbuchtal stark verändert, Fels abgetra-
gen und das Bruchmaterial unter den Bahndamm geschüttet.
Südlich vom Achselkopf gibt es den Flurnamen Bärfalle. Mathias Mayr vom Sprenger-
Hof in Hötting schürfte hier zusammen mit dem Keiler-Bauern von Hötting um 1840 ver-
geblich nach Gold und geriet dadurch in Schulden, für die sein Vater aufkommen muß-
te 20. Der Weg vom Höttinger Bild hierher und weiter zum Rauschbrunnen wird - viel-
leicht deshalb noch heute Knappensteig genannt. Möglicherweise bezieht sich der
Name auf den Bergbau am Klammegg.
Kranebitter Klamm
Diese tief in den Wettersteinkalk eingeschnittene, leicht gewundene Felsfurche dürfte
geologisch vorgezeichnet sein, wahrscheinlich durch einen von Norden nach Süden
verlaufenden Riẞ im Gebirgskörper. Dadurch ist eine Schwächezone entstanden, in die
sich das Wasser einnagen konnte. Die Harter-Klamm, wie sie auch genannt wurde,
trennt den Hechenberg von der Solstein-Gruppe. Eine Engstelle, ein überhängender
Fels heißt die Hundskirche.
Bemerkenswert ist, daß sogar die Klamm Verwendung fand, um ein Tiergehege anzule-
gen. 1577 mußten nämlich acht Bergknappen am >Gämbs Tüergartten in der Clam zu
Kherschpuech<< arbeiten. Vermutlich in einem künstlich abgetrennten Teil der Klamm
wurden, für die Gäste und Jäger des landesfürstlichen Hofes leicht erreichbar, Gemsen
gehalten. Die Knappen erhielten für ihre Arbeit 121 Gulden 12 Kreuzer, der Höttinger
Schmied Klaus Schwingenhamer, der ihnen die nötigen Schlägel und zwei Zentner
Stuefeisen, Stücke und Keile dazu gemacht hatte, 22 Gulden 36 Kreuzer².
Kranebitter Schuttfächer
Das Einzugsgebiet der Klamm reicht vom Hechenberg über die Neue Magdeburger
Hütte und den Solsteinsattel zum Kleinen Solstein. Die Ostgrenze bildet die Gerade
von der Hohen Warte längs des Schneekars über die Aspachhütte und das Klammeck
zum Sparberegg. In diesem weiten Bereich konnte sich viel loses Gestein ansammeln.
Der hier in mindestens 2.000 Meter Höhe geflossene eiszeitliche Inngletscher hat in
der Klamm einen Teil seines mitgeführten Schuttes abgelagert. Durch die Schmelzwäs-
ser und nach Dauerregen wurde die Klamm öfters ausgeräumt. Die Schuttmassen er-
20 Hans Katschthaler: Zur Geschichte von Hötting. In: Schlern-Schriften 245, Seite 231. Innsbruck 1966
TLA, Embieten und Bevelch 1577, fol. 602
21
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gossen sich in das Inntal. Sie lagerten sich zu einem weitgespannten Fächer ab. Dieser
reicht von der Kranebitter Senke, jetzt unter dem Namen >Hawaii« bekannt, südlich
vom Gasthof Kranebitten vorbei bis über den Harterhof nach Osten.
Die Schuttmasse hat den Lauf des Inn nach Südosten abgelenkt und an die südliche
Talseite gedrängt. Der früher noch ungebändigte Inn hat den einst weiter reichenden
und sanft auslaufenden Fächer angenagt und beschnitten, wodurch dieser jetzt mit ei-
ner Stufe endet, die besonders im westlichen Teil sehr ausgeprägt, im östlichen Ab-
schnitt zwar niederer, aber immer noch deutlich zu verfolgen ist.
Der Kranebitter Schuttfächer wurde in neuerer Zeit vom Ausgang der Klamm bis zu den
Abbruchrändern locker und zuletzt immer dichter besiedelt. Der vorwiegend mit Föh-
ren bestockte Boden ist sehr steinig, aber trocken und landwirtschaftlich nicht wertvoll,
jedoch zu Bebauung geeignet. So ist hier größtenteils im Grünen verborgen ein neuer
Stadtteil entstanden, den man nur im Luftbild überschauen kann. Von dem als Unter-
wuchs reichlich vorhandenen, anspruchslosen Wacholder oder Kranewitstrauch hat die
Gegend schon lange ihren Namen.
Zum Schutz des Baulandes wurde 1972 die Sanierung des Klammbaches durchgeführt.
Oberhalb der Bundesstraße entstanden ein Campingplatz, aus einer Wiese ein Spiel-
platz, westlich des Bachbettes das eingezäunte militärische Gelände mit der Stand-
schützen-Kaserne, die sich in der ehemaligen Schottergrube befindet.
Schwierigkeiten bereitete den ersten Siedlern die Wasserversorgung. Manche sammel-
ten das Regenwasser. Andere mußten das Wasser von einem entfernten Brunnen holen
oder nutzten das am Ausgang der Klamm austretende Wasser. Um dem Wassermangel
abzuhelfen, wurden Brunnen gegraben und gebohrt, zumal in der Tiefe kein Fels zu be-
fürchten war. Ein beständiges Wasservorkommen (Grundwasser) war erst unter dem
Schuttfächer zu erwarten.
Der Besitzer der Martini-Klause grub 1958/59 auf gut Glück eigenhändig mühsam ei-
nen Schachtbrunnen und fand in 62 m Tiefe das ersehnte Wasser. Er grub aber noch
weiter, bis ein Wasserstand von 1,30 m erreicht war. Das Wasser wurde mittels einer
Tauchpumpe gehoben²².
Dipl.-Ing. M. Egger erreichte 1950 auf seinem 200 m nördlich der Kranebitter Kapelle
und somit viel niederer gelegenen Grundstück erwartungsgemäß bereits in 37 m Tiefe
das Grundwasser23.
22 Tiroler Tageszeitung vom 21.6.1960
23 Begutachtung und Erhebungen des Verfassers
27
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In beiden Fällen wurde fast ausschließlich Kalkgeröll mit etwas Sand angetroffen. Sel-
ten waren Fremdgesteine enthalten. Es handelt sich um einen typischen Murkegel aus
schichtweise abgelagertem Material, das nur selten verfestigt war. Jetzt ist die Wasser-
versorgung größtenteils gesichert. Sie erfolgt für die stark gewachsenen Siedlungen
aus dem städtischen Leitungsnetz. Aber noch immer führen Kunststoffschläuche vom
Ausgang der Klamm zu den obersten Häusern.
Frühe Wasserversorgung
Das felsige Gebiet ober dem Stadtteil Allerheiligen ist arm an Quellen. Die stärkste ist
der Rauschbrunnen. Kranebitten und der Harterhof bezogen das Wasser vom Ausgang
der Kranebitter oder Harter Klamm.
Am 3. Juni 1562 wurde zwischen den Inhabern der beiden Allerheiligenhöfe, Adam
Nockher und Alex Saurwein, über die Erhaltung der Wasserleitung vom Rauschbrunnen
und der Wasserentnahme daraus ein Vertrag geschlossen 24.
Umständlich war die Versorgung des auf einem nach drei Seiten abfallenden Vor-
sprung stehenden Kerschbuchhofes. Er erhielt das Wasser vom fast zwei Kilometer ent-
fernten Rauschbrunnen. Dieser alte landesfürstliche Hof war verpachtet. Erzherzog
Leopold V. wollte ihn aber für Jagdzwecke selbst benützen. Der landesfürstlichen Kam-
mer war aber berichtet worden, daß der unter Erzherzog Ferdinand II. errichtete Brun-
nen bzw. die Brunnenleitung so »abgekommen wäre, daß man dort wegen Wasser-
mangel kein Vieh halten konnte.
Am 24. Jänner 1619 befahl die Kammer dem Hauptmann auf Schloß Ambras, mit Zuzie-
hung des Hofbaumeisters oder des Hofbauschreibers den Kerschbuchhof, dessen
Dach zerbrochen war, zu besichtigen und einen Kostenvoranschlag zu erstatten. Weil
man das Wasser für das Vieh und für anderes benötigte, befahl die Kammer am 7.Okto-
ber, daß der Baumeister Bartlme Luces (Lucchese) und der Bauschreiber Daniel Leut-
ner bald eine Besichtigung vornehmen und der Kammer wegen einer Reparatur der
Leitung berichten sollten. Weil die Kosten so hoch veranschlagt wurden, daß die Kam-
mer nicht entscheiden konnte, wurde die Angelegenheit dem Fürsten durch den Tiroli-
schen Kanzler Melchior Geuer unterbreitet. Zur Wiederherstellung des Brunnengeleits
wären 600 »forchene Prunnenröhr« und 160 Gulden nötig gewesen, weshalb die Aus-
führung des Brunnengeleites unterblieb25.
24 Stadtarchiv Innsbruck, Urkunde 1109
25
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TLA, Embieten und Befelch 1619, fol. 430, und 1620, fol. 101
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Abb. 48 bis 51: Die Hl. Kreuz-Kapelle bei Kranebitten am alten Standort (1) und ihre Neuerrichtung bzw.
Übertragung (2, 3) zum heutigen Standort im Jahre 1975 (4).
Fotos: Margarete Hye-Weinhart (48), Erich F. Birbaumer (49, 50) und Friedl Murauer (51)
129
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massarbeit mir schweren la
Abb. 49
Am 5. Oktober 1627 verlieh Erzherzog Leopold V. dem Fähnrich Hanns Kiechl auf Bitten
und im Bedenken, daß dessen Haus und Gut mit Trinkwasser nicht versehen war, auf
Wohlgefallen und Widerruf Wasser am Gebirge, »ob Allheiligen gelegen und der Rausch
Pronnen genannt. Das Wasser war früher zum landesfürstlichen Kerschbuchhof gelei-
tet worden, hat dann eine Zeit lang abgenommen und war dann ungenützt ausgelau-
fen. Solange das Wasser für den Kerschbuchhof nicht benötigt werde, durfte es Kiechl
in einem Rohr »auf den driten Windtling« (Rohrbohrer mit bestimmtem Durchmesser)
vom Ursprung aus auf eigene Kosten ohne Nachteil für jedermann zu seiner Behau-
sung führen. Das Wasser wurde dem Kiechl, seinen Erben und nachkommenden Inha-
bern verliehen, doch sollten sie verpflichtet sein, jährlich am St. Gallentag (16. Oktober)
40 Kreuzer Wasserzins im Hofbauschreiberamt zu erlegen 26.
26 TLA, Kopialbuch Bekennen 1627, fol. 94
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Abb. 50
Am 16. August 1655 schrieb die Kammer dem Kammermeister Isaac Lindtner, daß
durch das Pfannhaus (Saline Hall) in der Klamm Holz geschlägert und transportiert
wird, wodurch dem Kerschbuchhof das Wasser entzogen werde. Es bestehe deshalb
die Notwendigkeit, das Wasser anderweitig zu beziehen, nämlich aus dem >>Allheiligen-
Thalk. Dafür könnten 150 Gulden auferlaufen. Der Kammermeister sollte dem Kam-
mer-Kanzlisten Georg Schödl, der Hofmayrschafts-Verwalter ist, den Betrag ehestens
geben, weil die neue Leitung keinen Aufschub erleide²
Gleichfalls unter obigem Datum befahl die Kammer dem Hofbauschreiberamt, einen
neuen Brunnen aus dem Allheiligen Tal zu dem in die Hofmayrschaft gehörenden
Kerschbuchhof zu führen. Dazu sollte das Amt das nötige Hand- und Bauwerkzeug ge-
27 TLA, Embieten und Befelch 1655, fol. 202
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Abb. 51
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135/304
gen Wiedererstattung und Ersatz des dabei gebrochenen Gerätes auf Verlangen des
Verwalters Georg Schödl demselben leihen 28.
Am 28. November 1655 verständigte die Kammer überdies den Landrichter zu Sonnen-
burg, daß sie auf Befehl des Erzherzogs Ferdinand Karl den bereits vor 40 Jahren beim
erzfürstlichen Kerschbuchhof abgegangenen Brunnen wieder neu errichten und die
Wasserleitung so verlegen ließ, daß diese, wenn sie nicht durch das Holzbringen rui-
niert wird, viele Jahre benützt werden kann. Im Namen des Fürsten laute nun der Kam-
merbefehl, daß der Landrichter seinen dortigen Untertanen, die Holz schlagen, allen
Ernstes vorhalte:
Wenn einer mit Hacken oder Bringen des Holzes ein Rohr zerschlägt oder verschiebt
oder die Stollen und Ursprünge des Wassers einfallen läßt oder beschädigt, soll er
nicht nur alles auf seine Kosten herrichten lassen, sondern für jedes ruinierte Rohrstück
durch den Landrichter mit drei Talern bestraft werden29.
Ein ähnlicher Befehl erging auch an den Bürgermeister und Rat der Stadt Innsbruck30.
Der vom Rauschbrunnen oberhalb des Stangensteiges zum Kerschbuchhof führende
Steig heißt wegen der darin verlegten Leitung Rohrsteig.
Siedlungsterrasse
Kein anderes großes Tal in den Alpen wird von so schönen Terrassen begleitet wie das
Inntal. Es sind Ansammlungen von Lockermassen, Ablagerungen des Inn und zum Teil
Ablagerungen im stehenden Wasser. Größtenteils sind es gut geschichtete, nach Korn-
größen sortierte Schotter, Kies, Grobsand, Feinsand, hierzulande Mehlsand genannt,
und linsenförmige Einlagerungen von sandig-tonigen Schichten.
Diese Sedimente erscheinen in Resten östlich des Knappentales, stärker aber östlich
des vom Rauschbrunnen kommenden Lahntales. Sie reichen von der Talsohle fast bis
zum Stangensteig empor. Das Verbreitungsgebiet ist vor allem im höheren Teil stark ge-
gliedert, von Tälchen und Rinnen (Gufeltal, Schöntal, Schuttertal, Grüntal, Tuifltal,
Buechtal) durchzogen. Die dazwischen aufragenden und vorspringenden Rücken
(Fuchsegg, Rauhbichl, Marchegg, Hochegg) tragen vor Abtragung schützende Reste von
Grundmoränen.
Wo die einst geschlossene Moränendecke verlorenging, konnte Wasser das auch von
Lawinenstrichen durchzogene Gelände eintiefen. Am Ausgang dieser Furchen entstan-
28 TLA, Embieten und Befelch 1655, fol. 202
29 TLA, Embieten und Befelch 1655, fol. 282
TLA, Embieten und Befelch 1655, fol. 283
30
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den kleine Schuttfächer, die sich zu einem großen Fächer vereinigten, der sich über die
Schotter und Sande legte. Nach Osten reicht er bis zum Lindenbichl, nach Süden bis
zum Ende der Terrasse.
Talwärts ist das Gelände gestuft und für die Besiedlung genutzt, wobei es sein früheres
Aussehen verloren hat. Hier ist auf trockenem, dank der gemischten mineralischen Zu-
sammensetzung gutem Boden der Stadtteil Allerheiligen entstanden.
In den Aufbau der Terrasse gewährt eine Bohrung den gewünschten Einblick. Der Gärt-
nereibesitzer Anton Köchler ließ 1962 nahe oberhalb der Schneeburggasse beim Haus
Nr. 54A 58 Meter über dem Normalspiegel des Inn eine Bohrung nach Wasser für seine
Rosenkulturen niederbringen. Das vereinfachte Bohrprofil³¹ zeigt nach der Tiefe zu:
0 bis 8 m Lehmiger Schotter, steinig
7 bis 8 m
8 bis 40 m
40 bis 50 m
50 bis 100 m
100 bis 140 m
140 bis 175 m
175 bis 189 m
Großer Block
Wechsel von mit Steinen durchsetzten Lehmschichten und Mehl-
sandlagen. Sehr wenig Wasser.
Feiner, toniger Sand. Bei 50 m Wasser
Blaugraues, ganz feinkörniges, toniges Sediment
Tonschichten
Feiner Sand, nach unten gröber werdend. Bei 140 bis 143 m Wasser
Grober Sand
189 bis 205 m Mittelgrober Sand
205 bis 218 m Festes, tonig-sandiges Sediment
Hier wurde die Bohrung eingestellt, weil genügend Wasser vorhanden war. Dieses war
3,5 mal stärker mineralisiert und ebensovielmal härter als das Innsbrucker Leitungs-
wasser.
Auffallend ist das Fehlen des Flußschotters. Das zeigt - wie nicht anders zu erwarten -
daß die einzelnen Terrassenteile nicht gleichmäßig aufgebaut sind.
Die Terrassensedimente stellen eine ergiebige, nahezu unerschöpflich nutzbare Abla-
gerung dar. Sie liefern von Natur aus gewaschene Schotter und Sande verschiedener
Korngrößen zum Bauen. Große Sandgruben bestanden am Sandbichl südwestlich vom
>Großen Gott und in der Höttinger Au.
Oberhalb der Peer-Gründe wurde ein kleines Lehmlager abgebaut und das Material in
einem nahen Ziegelofen gebrannt. Johann Jakob Staffler³2 erwähnte 1847 diese »Zie-
gelbrennerei mit gutem Absatze ihrer Fabrikate<<.
31 Nach Angaben des Bohrmeisters und Erhebungen des Verfassers
32
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Das deutsche Tirol und Vorarlberg, I. Band, Seite 548
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Talsohle
Die Schotter und Sande enden nicht mit dem ebenen Talboden. Wie man aus Bohrun-
gen weiß, nehmen sie die gesamte Talmitte ein und reichen noch weit in die Tiefe. Am
Flughafen wurde in 369 Meter Tiefe noch kein Fels angetroffen, eine Tatsache, die man
aus den großen Talzügen der Alpen kennt. Die eigentliche felsige Talsohle liegt hier
noch tiefer.
In der Füllung des Inntales mit Schottern, Sanden und Seeablagerungen ist in zwei
Stockwerken Grundwasser eingelagert. Der obere Grundwasserhorizont endet bei 60
Metern, der tiefere beginnt bei 200 Metern. Das aus dem Einzugsgebiet unterirdisch
gespeiste Grundwasser bewegt sich als Grundwasserstrom langsam von Westen nach
Osten. Dieser sich immer wieder ergänzende, praktisch unerschöpfliche Wasservorrat,
der bereits genutzt wird, sichert die Deckung des steigenden Wasserbedarfes unserer
Stadt, die über besonders reines Trinkwasser verfügt. Dementsprechend ist der Schutz
dieses wertvollsten Bodenschatzes wichtig.
Der früher unregelmäßig durch eine feuchte Auenlandschaft fließende Inn hat bei
Hochwasser einerseits die Talbegrenzung angeschnitten und versteilt, anderseits die
obersten Bodenschichten angeschwemmt.
Bei Kranebitten entspringt am Ende des großen Schuttfächers ein Grundwasserauf-
trieb, die erstmals 1333 erwähnte >la« (Laa) oder der Giessen, und schlängelt sich der
Geländestufe entlang mitten durch die Lohbachsiedlung. Wegen der Unbeständigkeit
des Inn und der früher feuchten Talsohle führte der älteste Weg in sicherer Lage auf
der Terrasse von der Schneeburggasse über den Berchtoldshof - Ötztalerhof -
Harterhof nach Kranebitten.
Waldnutzung
Ober Allerheiligen sind nur mehr die Steilhänge bewaldet. Bei Kranebitten hingegen
reicht der Wald weiter, im westlichen Teil sogar bis an den Inn. Auf besserem Boden
wächst die Fichte, auf besonders trockenem die Föhre. In mittlerer Höhe, wo die Nebel
für mehr Feuchtigkeit sorgen, verläuft auf kalkigem Substrat der Buchengürtel (Rotbu-
che) mit vereinzelten Tannen. In größeren Höhen herrscht die Fichte.
Eine Sonderstellung nahm stets der Hofbannwald ober Hötting ein³4. Das Gebiet vom
Meilbrunnen bis zur Grenze gegen Mühlau war Almendgebiet von Hötting, in dem auch
33
Stadtarchiv Innsbruck, Urkunde 51
34 Heinrich Oberrauch: Tirols Wald- und Waidwerk. Schlern-Schriften 88, Seite 89f
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die Innsbrucker berechtigt waren. Dafür wurde bereits um 1500 eine Waldordnung er-
lassen 35. Das Gebiet war in Zonen geteilt. In der Zone oberhalb Kranebitten war das
Holzfällen für den Hausbedarf auf Stämme mit einem Stockdurchmesser über 1 Schuh
(0,33 m) beschränkt. Das westlich anschließende Gebiet war für den Bauholzbedarf der
Höttinger und Innsbrucker bestimmt. Der sogenannte äußere Berg im Westen war teil-
weise in Bann gelegt, ausgenommen der Bedarf der äußeren Höfe an >Pachholz und
Schindeln<<.
Die Regierung beanspruchte das Eigentumsrecht für den Wald. 1596 wurde er wegen
der Buchen in Bann gelegt. Der Bannwald ober Hötting heißt wegen der damals vor-
herrschenden Buchen »Puechwald«. 1595 wurde für den Waldhüter eine eigene Instruk-
tion erlassen, die auch eine genaue Beschreibung der Grenzen dieses Waldes enthält.
In diesem Revier werden erwähnt: Lärchen, Ilmen (Ulmen), Achpen (Espen), Eschen,
Melpam (Mehlbeerbaum), Linden, Eiben, Buchen, Ahorn, Höslen (Hasel), Farchen
(Föhren), Kerschpam, Tannen und Fichten. Sie wurden bei Strafe von neuem in Verbot
und >Heyung« (Hege) gelegt³.
Der Wald muẞte den Bedarf des Hofes an Buchenbrennholz decken. Beispielsweise
wurden 1633 davon 200 Klafter angefordert. Das Holz diente als Kaminholz des Hofes
und für die Beheizung der Kanzleien der Regierung und Kammer. Hauptsächlich wegen
des Buchenbestandes wurde die Erklärung als Bannwald ausgesprochen.
Dieser Hofwald war aber auch ein nahes, von der Stadt aus leicht erreichbares Jagdge-
biet mit Hirschen. Es gehörte zum »Hofzaun«, zur vorbehaltenen Hofjagd.
Weil die Stadt Innsbruck 1642 im Klammwald oberhalb Kranebitten Holz fällen wollte,
kam es wegen der Grenzen und der Beschaffenheit des Waldes zu einem Streit mit den
Amtleuten des Haller Pfannhauses (Saline)37
Weil es über die Nutzung und Grenzen des Bannwaldes zwischen dem Hofbauamt, der
Stadt Innsbruck und der Gemeinde Hötting Unstimmigkeiten gab, wurde am 22. April
1732 ein Vergleich ausgearbeitet. Demnach verlief die Grenze vom Schuttertal längs
des Stangensteiges über den Kerschbuchhof und Lideben bis zur Grenze gegen Zirl. Es
ging dabei um das Gebiet unterhalb dieser Linie bis an die Felder und die Landstraße.
Der Wald sollte in Bann bleiben und die Hofkammer das >>jus regulandi silvas<38
ausüben.
35 Otto Stolz in: Tiroler Heimatblätter 1934, Seite 140 - Die tirolischen Weisthümer, Teil Unterinntal, Seite
234
36 TLA, Embieten und Befelch 1595, fol. 93
37
TLA, Buch Tirol 1642, fol. 529,532, 551
38 Das ist das Recht, die Nutzungen im Walde unter Strafsanktion einer Ordnung zu unterwerfen. Es
bedeutet das Recht, Ordnungen zu erlassen, Übertretungen zu bestrafen und Aufsichtsorgane (Waldhü-
ter) zu bestellen.
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Abb. 52: Feldkreuz östlich vom Harter Hof, noch vor der Zerstörung durch einen Vandalenakt in der Nacht
vom 5. zum 6. September 1987.
Foto: Engelbert Pöschl
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Die Stadt und die Gemeinde Hötting dürfen auf Ansuchen bei der Hofkammer den
Holzbedarf, ausgenommen das Brennholz, entnehmen, wobei das Hofbauamt das
Auszeigen vornimmt. Wenn der Wald überständig werden oder ins Verderben geraten
würde, sollte auf zwei bis drei Jahre nach und nach das Holz für die Stadt und für Höt-
ting als Brennholz ausgezeigt werden. Das Holz darf aber nicht weiterverkauft werden.
In die neuen Schläge sollte kein Vieh getrieben werden, bevor das junge Holz der Ge-
fahr des Verbeiẞens entronnen ist. Probeweise sollte dieses Verbot aber auf drei Jahre
gelockert werden. Die Stadt und die Gemeinde Hötting sollten die kürzlich gemachten
Schläge halbieren, eine Hälfte einzäunen und nicht zu früh, erst nach drei Jahren das
Vieh zur Weide auftreiben. Das von der Stadt und dem Spital bezogene und bisher be-
zahlte Holz muß nicht mehr angefordert und bezahlt werden. Hingegen dürfen Inns-
bruck und Hötting keine Ansprüche für künftigen Holzbezug stellen 39.
1738 wurde die Teilung des Höttinger Waldes zwischen Innsbruck und Hötting bewil-
ligt40
1749 entstand in der Waldung unweit Kranebitten »auf dem Kopf oder sogenannten
Hennensteigen« eine Feuersbrunst, zu deren Bekämpfung Salzbergarbeiter aufgebo-
ten wurden, die der Wirt von Kranebitten versorgen mußte. Die Kosten beliefen sich auf
109 Gulden. Die Leistung der Salzbergarbeiter wurde mit 15 Gulden aus der Polizei-
kasse belohnt¹¹.
1749/50 wurde der fast 156 Hektar umfassende Hofbannwald »auf Hardt und Kranebit-
ten<< vermessen. Die Hofkammer bestellte dazu den Hofbauschreiber Joseph Hyazinth
Dörflinger als Kommissär und ihren Vertreter. Das Faktoramt in Schwaz stellte einen
Vermesser bei. Der Wald wurde gedrittelt, wobei die landesfürstliche Herrschaft sich
die Auswahl vorbehielt und den äußeren Teil beim Hechenberg nahm. Das war der spä-
tere Reichsforst. Für die beiden anderen Teile behielt sie sich das >>jus regulandi silvas<<
vor¹²
Früher war die Eiche im Inntal weit verbreitet. Ein solcher Bestand, der dem Hof gehör-
te, befand sich auch im Gebiet von Kranebitten. Jetzt sind hier nur mehr wenige Eichen
vorhanden.
1553 schrieb der Forstmeister Wilhelm Kirchenfein besorgt an die Regierung und erin-
nerte an einen vor Jahren ausgegangenen königlichen Befehl, wonach bei 3 Gulden
39 TLA, Kopialbuch Jägerei IX, fol. 356
40
41
42
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Heinrich Oberrauch, Seite 238
TLA, Entbieten 1749, fol. 343 und 386 - Entbieten 1750, fol. 31'
TLA, Entbieten 1749, fol. 254'und 367
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ADE
Abb. 53: Die am 20. Dezember 1936 geweihte St. Georgs- Notkirche (rechts) mit der 1937 daran angebauten
einklassigen Volksschule.
Foto: Walter Benesch
Strafe niemand Eichen fällen dürfe, und zwar von der Allerheiligenkirche bis an die
Grenze gegen Zirl, sowohl bis zum Gebirgskamm hinauf wie nach unten bis an die Stra-
Be und die Zinsgüter. Nun habe kürzlich gerade dort, wo die Eichen gehegt werden soll-
ten, ein großes Bergwerk begonnen, wozu die Gewerken und Knappen der 30 Gruben
junge Eichenstämme und Bäumchen nehmen, weil große Eichen nicht vorhanden sind.
Sie hacken die jungen Eichen in großer Zahl nieder, schleppen sie zu den Gruben und
legen einen Vorrat an. Weil dort aber auch anderes Holz, nämlich Fichten, Föhren, auch
Lärchen und anderes zur Genüge und nahe gefunden werden kann, das größer als die
Eichen gewachsen ist, und nur zu Tal gezogen werden muß, bat der Forstmeister die Re-
gierung, das Niederhacken der Eichen abstellen zu lassen. Was der Berg an Holz nicht
geben könnte, bringe der nahe Inn. Daraufhin befahl die Regierung dem Haller Berg-
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richter Peter Scholl, von Stund an nach Erhalt des Schreibens das Abhacken der Eichen
durch Gewerken oder Knappen abzustellen, zu verbieten und darüber zu wachen, daß
anderes Holz verwendet wird43.
Sicher erfolgte das Verbot auch aus jagdlichen Gründen, dienten doch die Eicheln als
Futter für die Wildschweine. Früher trieb man auch die Hausschweine in die Eichen-
wälder.
1586 erfuhr die landesfürstliche Kammer, daß im Buchwald und in den Eichenwäldern
>auf Kranbaten zu« mit Holzschlagen und Schwenden44 »unordentlich gehaust und ver-
wüstlich darin umgegangen wurde. Der Hofbauschreiber Abraham Jäger und der
Forstüberreiter Georg Hafenlueg mußten daraufhin die Wälder durchgehen, besichti-
gen und das Holzfällen, Hacken und Schwenden verbieten. Niemand durfte ohne aus-
drückliche schriftliche Bewilligung des Erzherzogs oder der Kammer Holz wegführen
lassen 45.
1633 ist von großen Eichen ober Allerheiligen die Rede, die für die Färber taugen. Die
Eichen lieferten braune Farbe. 1650 erhielt ein Innsbrucker Färber für ein Guthaben
von 20 Gulden 20 Kreuzer sechs dürre Eichen aus diesem Wald. 1681 wurde eine Anzei-
ge wegen Fällung von Eichen im Hofbannwald erstattet. 1747 erfolgte eine Anzeige, daß
beim Meilbrunnen, im Kranebittboden und am Märzensteig über diesem Boden
Eichen gefällt wurden 4.
Der Tiroler Forstverein ließ einen 2,5 Kilometer langen beschilderten und erläuternden
Waldlehrpfad anlegen. Dieser führt von der Schneeburggasse dort, wo die Hörtnagl-
straße beginnt, gegen den Grünen Boden, dann zum Buchtal und durch dieses zum
Stangensteig. Wo die Forststraße im Westen aufhört, endet auch das Revier der Forst-
verwaltung Innsbruck der Österreichischen Bundesforste. Für diesen Lehrpfad gibt es
einen gedruckten Begleiter mit ausführlichen Erklärungen.
Anschrift des Verfassers: Univ.-Doz. Dr. Georg Mutschlechner
Innrain 30a
6020 Innsbruck
43 TLA, Codex 3243, fol. 23 und 24
44
45
46
140
Das Schwenden war das Abhacken der Rinde von stehenden Bäumen, um diese verdorren zu lassen.
TLA, Embieten und Befelch 1586, fol. 101'
Heinrich Oberrauch, Seite 290
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Kirchen und Künstler in Allerheiligen
Von Hofrat i. R. Dr. Erich Egg
Keine der seit 1945 errichteten großen Pfarreien am Innsbrucker Stadtrand hat
eine so alte Geschichte kirchlichen Lebens wie die Pfarre Allerheiligen. Wenn man der
alten Legende, der Lebensgeschichte des Hl. Korbinian, aufgeschrieben im 9. Jahrhun-
dert von Bischof Arbeo von Freising, folgt, so stand hier eine der ältesten Kapellen oder
Kirchen des Innsbrucker Raumes. Korbinian, der um 725 gestorben ist, war der erste Bi-
schof von Freising (heute Diözese München-Freising) und ist öfters durch das Inntal ge-
kommen, weil er zweimal nach Rom reiste und außerdem zeitweise vom Bayernherzog
Grimoald wegen seines Auftretens gegen dessen Gattin Piltrudis nach Mais bei Meran
verbannt wurde.
Dort wurde schon damals der HI. Valentin, ein Missionsbischof verehrt, und sein Grab
in der Zenoburg bei Meran viel besucht. In Mais wurde auch Korbinian seinem Wunsch
gemäß neben dem Hl. Valentin begraben.
Die Lebensgeschichte Korbinians berichtet von der Übertragung des toten Bischofs
von Freising nach Mais um das Jahr 725': »Als der Leichnam des Gottesmannes mit sei-
nem Geleit ins Inntal kam, lebte unter dem Volk der Breonen ein Römer, gleich edel an
Herkunft und Gestalt, namens Dominicus, der an Anfällen von schwerem Fieber litt.
Nachdem er sich zu dem Leichnam des Gottesmannes begeben hatte, legte er sich zu-
versichtlich und voll Vertrauen auf seine Genesung unter den Leichnam. Auf der ande-
ren Seite stand er wieder auf, gesund wie früher und so kräftig, daß er sich auf sein Pferd
schwang, und, die Wunderkraft Gottes preisend, nach Hause ritt.<<
Als die Gebeine des inzwischen als Heiligen verehrten Korbinian 765 von der Zenoburg
nach Passau (und später nach Freising) überführt wurden, machte der Zug wieder an
der gleichen Stelle im Inntal halt. Man stieß auf ein seinerzeit vergrabenes Tongefäß
mit dem Blut des Heiligen, setzte es wieder bei und baute ein Kirchlein, wo viele Kran-
kenheilungen geschahen². Eine Handschrift des 15. Jahrhunderts berichtet zusätzlich³:
>Diese Kirche oder Kapelle steht außer dem Dorf Hettingen, eine halbe Meile von Inns-
bruck entfernt an einem Ort, der einst die Kapelle des Hl. Korbinian genannt wurde.
Jetzt wird der Ort, nachdem die obgenannten Wunder in Vergessenheit geraten sind,
nach Änderung des Namens in dem Hard docz Sant Antwein genannt.<
2
G. Glaser -F. Brunhölzl - S. Benker, Vita Corbiniani, München 1983, S. 147
H. Schuler H. Hörtnagl, Die Korbinianskapelle und die Allerheiligenkirche zu Hart in der Pfarre Hötting,
Innsbruck 1928, S.5
3
H. Schuler H. Hörtnagl, aaO., S.6
141
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-art
Tafel 5: Kreuzigung Christi. Die Tartsche eines Soldaten am rechten Bildrand zeigt offenbar das Stifterwap-
pen der Innsbrucker Bürgerfamilie Dorn. Dieses Tafelgemälde von ca. 1420/30 befand sich ursprünglich in
der alten Allerheiligenkirche, kam dann in das Stift Wilten und befindet sich seit 1936 in der Österreichi-
schen Galerie im Belvedere in Wien. Foto: Österreichische Galerie. Das betreffende Farbdia wurde für die-
sen Band kostenlos zur Verfügung gestellt, wofür aufrichtig gedankt sei.
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Das Hard docz (bei) Sant Antwein ist das Gebiet des Harterhofes, früher zur Pfarre
St. Ingenuin (Jenewein - Antwein) und Albuin in Hötting gehörig. Der dem Volk der
Breonen angehörige Dominicus war ein Rätoromane, der wohl in Wilten wohnte. Die
Breonen werden schon 15 v. Chr. bei der Eroberung der Alpenländer durch die Römer
genannt und finden mit dem breonischen Adeligen Quartinus im Raum zwischen Ster-
zing und Schwaz 827 ihre letzte Erwähnung. Sie waren schon vor der Einwanderung der
Baiern (um 600) Christen und vermischten sich mit diesen zum Volk von Tirol.
Wo genau dieses legendäre Korbinianskirchlein in unserer Pfarre stand und ob es über-
haupt diesem Heiligen geweiht war, wissen wir nicht. Da die Allerheiligenkirche, auch
oft Gotts-Allerheiligenkirche genannt, am 13. April 1375 mit einer Neuweihe erstmals er-
wähnt wird, klafft eine Lücke von 600 Jahren zwischen der Errichtung der ersten Kapelle
und der ersten Erwähnung der Allerheiligenkirche. Der Weihe der Kirche Allerheiligen,
>gelegen bei Innsbruck«, war sicher schon ein älterer Bau vorausgegangen, vielleicht
sogar jener der 765 erbauten Kapelle. Die uralte, angeblich 680 erbaute Pfarrkirche in
Ampass war nach einer alten Inschrift an der Wegsäule vor der heutigen Kirche ur-
sprünglich ebenfalls Allen Heiligen geweiht. Da die Allerheiligenkirche 1786, vor fast
genau 200 Jahren, abgerissen und in einen Bauernhof verwandelt wurde, der auch wie-
der (bis auf die Kirchhofmauer) verschwunden ist, sind wir auf zwei alte Ansichten ange-
wiesen, die das ungefähre Aussehen der Kirche wiedergeben.
Die ältere befindet sich im Tiroler Fischereibuch König Maximilians I. aus dem Jahre
15045. Sie gibt das Fischerei- und Jagdrevier des Königs im Westen von Innsbruck wie-
der, vom Fischerhäusl an der späteren Kranebitter Allee bis zum Kerschbuchhof, also
das Gebiet der heutigen Pfarre. Die Kirche ist mit einem achteckig schließenden Chor
aber (fälschlich) ohne Turm dargestellt, dahinter der in Holz gebaute Mesnerhof und
links der Galgenbichl mit dem Galgen. Unter der Kirche zieht die Landstraße von Inns-
bruck ins Oberinntal vorbei. Die zweite Darstellung der Kirche und des heutigen Pfarr-
gebietes bringt eine Plan-Ansicht im Stadtarchiv Innsbruck aus der Zeit um 1714. Sie
stellt den Höttinger Wald dar. Im Vordergrund sind von rechts nach links die Allerheili-
genkirche mit Mauer und Turm, der Galgen, ein Feldkreuz zu Hart und die Kapelle in
Kranebitten zu sehen. In der Nacht vom 5. zum 6. September 1987 wurde dieses Weg-
kreuz durch einen Vandalenakt verunstaltet und der Christusfigur die Arme aus-
gerissen.
6
4 Notiz im Pfarrarchiv Ampass nach einer Inschrift an der Wegsäule des Kirchhügels. N. Grass, Kirchen in
Ampass, 1987, S. 37
5 Das Tiroler Fischereibuch 1504, Österreichische Nationalbibliothek Wien, Cod. Vind. 7962; Faksimile-
ausgaben von M. Mayr, Innsbruck 1901 und F. Niederwolfsgruber, Innsbruck 1965
F.H. Hye, Zur Geschichte des Höttinger Waldes. In: Beiträge zur Geschichte von Hötting (- Veröffentli-
chungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge, Band 5), Innsbruck 1974, S. 139-148 und Abb. 2-7
143
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Besonders auffallend an der Allerheiligenkirche ist es, daß das Patronat nicht bei dem
für die Pfarre Hötting zuständigen Stift Wilten, sondern bei der Bürgerschaft und dem
Rat der Stadt Innsbruck lag, obwohl das Innsbrucker Gemeindegebiet bis 1938 nur bis
Mariahilf reichte. Die Allerheiligenkirche war ein typisches Gotteshaus an der Land-
straße, das von Fuhrleuten, Wanderern und Wallfahrern besucht wurde. Um 1460 wurde
die Kirche umgebaut, zum mindesten der gotische Chor errichtet. Die Landesfürstin
Herzogin Eleonore, Gemahlin Herzog Sigmunds, stiftete 1460 zum Bau 2 Pfund?. Der
Glasmaler Thomas von Innsbruck lieferte ein Glasgemälde, eine Stiftung des Hofkü-
chenmeisters, die 1466 noch nicht bezahlt war. Nach einem Brand wurde 1478 der Turm
der Kirche (vielleicht hatte sie vorher nur einen Dachreiter) und die Sakristei von Mei-
ster Hans Steirer (Steinrer) neu erbaut, während den Glockenstuhl und das Dach der
Zimmermeister Thomas errichtete.
Von der ganzen gotischen Ausstattung ist nur ein Tafelbild der Kreuzigung erhalten ge-
blieben, das sich seit 1937 in der Österreichischen Galerie in Wien befindet, nachdem
es vorher im Stift Wilten verwahrt worden war. Die um 1420/30 wahrscheinlich von
einem Innsbrucker Maler geschaffene Tafel wurde von einem Mitglied der Innsbrucker
Bürger- und Ratsherrnfamilie Dorn gestiftet. Ihr Wappen befindet sich auf dem Schild
eines Reiters am rechten Bildrand. Hans Dorn war 1401 und Heinrich Dorn 1443 Bürger-
meister von Innsbruck. Die zarte Gestalt des Gekreuzigten trennt die beiden gegen-
sätzlichen Gruppen. Links Maria, die trauernden Frauen, der Hauptmann, der Knecht,
der den Essigschwamm reicht, der Engel, der das Blut Christi auffängt und der gute
Schächer, dessen Seele ein Engel holt. Rechts, halb verdeckt durch Johannes, die Un-
gläubigen, die Soldaten, der Richter und der Schächer, dessen Seele der Teufel in
Empfang nimmt. Die plakative Anschaulichkeit und für das Volk bestimmte Lehrhaftig-
keit von Gut und Böse wird hier von einem Künstler dargeboten, der es versteht, das
Leiden Christi in die Gegenwart seiner Zeitgenossen zu versetzen, so daß sich jeder
Kirchenbesucher angesprochen fühlen mußte. Künstlerisch zeigt der Maler den Über-
gang von der adeligen, feinfühligen Kunst der Jahre um 1400 (Christus, die trauernden
Frauen) zur realistischen Zusammenballung der Massen, wie sie die aufkommende
Kunst des Bürgertums vertrat.
Nach dem Turmbau und der Vollendung der Kirche hat am 28. August 1479 der Brixner
Bischof den Hochaltar und den linken Seitenaltar geweiht. Am 28. August 1486 wurde
die ganze Kirche und der rechte Seitenaltar des Hl. Sigmund und Marias, wohl eine Stif-
7 H. Schuler H. Hörtnagl, aaO., S.12
8
9
144
A. Sikora, Urkunden und Regesten kunstgeschichtlichen Inhalts aus dem Stadtarchiv Innsbruck, Jahr-
buch der Zentralkommission, Wien 1906, Nr. 39, S. 176; H. Schuler - H. Hörtnagl, aaO., S. 12
V. Oberhammer, Katalog Gotik in Tirol, Innsbruck 1950, Nr. 28; E. Baum, Katalog des Museums mittelalterli-
cher österreichischer Kunst, Wien 1971, Nr. 26
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tung des gleichnamigen Landesfürsten, geweiht. In der Kirche mußte das Stift Wilten
einmal in der Woche eine Messe und am Dreifaltigkeitssonntag und am Allerheiligen-
tag ein Amt mit Predigt lesen lassen. Der vom Innsbrucker Stadtrat bestellte Kirch-
propst zahlte dafür dem Stift jährlich acht Gulden und zwei Pfund.
Im 16. Jahrhundert hören wir wenig von der Allerheiligenkirche. Nur 1531 ließ der Inns-
brucker Stadtrat heimlich einen an den »Sterbenden Läufen«, (einer ansteckenden
Seuche) verstorbenen Bozner im Kirchhof von Allerheiligen bestatten". Sonst fanden
aber auf dem Kirchhof keine Begräbnisse statt. Durch den erworbenen Grundbesitz
und viele Geldstiftungen erwarb sich die Allerheiligenkirche allmählich ein bedeuten-
des Vermögen, das gut angelegt wurde.
Nach den Wirren der Reformationszeit stieg um 1611 die Gläubigkeit fast schlagartig an,
weil eine Seuchenwelle der anderen folgte und viele ihr Opfer wurden. Die Ärzte waren
gegen diese Epidemien völlig hilflos. Not lehrt beten, wobei man sich besonders an die
Pestpatrone Sebastian und Rochus wandte. In Innsbruck entstand damals die ihnen
(und dem Hl. Pirmin) geweihte Dreiheiligenkirche (1612)12, in Allerheiligen wurde um
1616 ein Sebastiansaltar errichtet 13. 1681 bestellte der »Allerheiliger«, der Bauer und
Mesner neben der Kirche, Peter Berchtold, auf eigene Kosten eine vier Zentner schwe-
re Glocke zum Preis von 200 Gulden. Es gab damals und bis in unser Jahrhundert große
Bauern in Allerheiligen. 1687 war die Maikäferplage so arg, daß man einen Benedikti-
nerpater des Klosters St. Magnus in Füssen holte, der mit dem wundertätigen Stab des
Hl. Magnus in einer großen Prozession durch die Felder bis hinab zum Tiergarten zog.
Der Stab des Hl. Magnus galt als besonders wirksam gegen das Ungeziefer des Feldes.
Die Maikäfer waren bis etwa 1970 eine stets wiederkehrende Plage in Allerheiligen. Um
1680 wurden von Johann Paul Schellener in Büchsenhausen drei neue Glocken für Aller-
heiligen gegossen. Die kleinste dürfte als Armesünderglocke bei den Hinrichtungen
am Galgenbichl erklungen sein.
Obwohl ab 1595 die Landstraße in die heutige Kranebitter Allee verlegt worden war,
blieb die Allerheiligenkirche das Ziel vieler Andächtiger und hat der Innsbrucker Stadt-
rat sein Bestes getan, die Kirche in ihrer Ausstattung immer wieder zu erneuern. Im
18. Jahrhundert wurden wahrscheinlich vom Bildhauer Stefan Föger († 1750) die beiden
jetzt abgeschnittenen Statuen der beiden Hl. Johannes geschaffen, die sich in der Ka-
pelle beim Berchtoldshof erhalten haben. Auch das Altärchen der Kapelle könnte der
10 A. Sikora, aaO., Nr. 44, 49
11 H. Schuler H. Hörtnagl, aaO.,S. 15
12 Vgl. B. Schretter, Die Pest in Tirol 1611-1612 (= Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Fol-
ge, Band 12/13), Innsbruck 1982, S. 268-276; F. H. Hye, Die Dreiheiligenkirche zu Innsbruck (= Veröffentli-
chungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck, Nr. 25), Innsbruck 1963
13 Auch alle folgenden Nachrichten über die Allerheiligenkirche in H. Schuler - H. Hörtnagl, aaO., S. 16 ff.
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Oberbau eines verlorenen Altares der Allerheiligenkirche sein (um 1700). Die Kapelle
wurde erst nach dem Abbruch der Kirche (1786) vom Allerheiligenbauern errichtet. Das
jetzt am Altar eingesetzte Marienbild ist die Kopie eines italienischen Gnadenbildes
(um 1800).
1764 wurde die Allerheiligenkirche innen barockisiert und erhielt Deckenfresken vom
berühmten Reuttener Maler Franz Anton Zeiller. Seine auch außerhalb Tirols hochge-
schätzte Kunst zeigen die Fresken u. a. in den Kirchen von Stams (Pfarrkirche), Ranggen,
Weer und Zell am Ziller. Leider kennen wir nicht einmal die Themen dieser Deckenbil-
der in der ehemaligen Allerheiligenkirche. Auch die drei Altarbilder von Zeiller (am
Hochaltar Allerheiligen, an den Seitenaltären Maria und Sebastian) sind verschwun-
den. In Innsbruck hatte Zeiller mit seiner Kunst wenig Glück. Seine Fresken in der Nor-
malschulkapelle in der Kiebachgasse (Nr. 10) sind zwar erhalten, blickten aber auf ein
Eisenmagazin herab, als das die Kirche lange Zeit diente. Die Barockisierung der Aller-
heiligenkirche hatte 2.000 Gulden gekostet. Dies bedeutete aber für die Kirchenver-
waltung nicht viel, da das Vermögen so groß war, daß man noch 1.000 Gulden für den
Hochaltar der Jakobskirche in Innsbruck und 500 Gulden für den Dombau in Brixen
spenden konnte.
1786 ließ Kaiser Josef II. alle Kirchen, die nicht Seelsorgskirchen waren, profanieren und
auf Abbruch verkaufen, die Ausstattungen verschleudern und das Geld für den Reli-
gionsfonds zur Bezahlung der Priester als Staatsdiener beschlagnahmen. Das war das
Todesurteil für die Allerheiligenkirche. Hier »erbeutete« er 16.800 Gulden aus dem Ver-
mögen, 1.000 Gulden aus dem Verkauf der Ausstattungen und der Kirche. Der Seba-
stiansaltar kam angeblich in die alte Höttinger Kirche, die Allerheiligenkirche wurde
abgerissen und an ihrer Stelle der Senner- oder Lotterhof errichtet, der inzwischen Rei-
henhäusern weichen mußte.
Das traurige Ende der Allerheiligenkirche bedeutete aber nicht das Ende des kirchli-
chen Lebens im Raum der Allerheiligenhöfe. 1624 faßte der Wirt in Kranebitten, Zacha-
rias Ostermann, den Entschluß, bei seinem Gasthof eine Kapelle zu erbauen, die der
Heimsuchung Mariens geweiht wurde, weil sein Namenspatron Zacharias der Mann
von Elisabeth war, die von Maria besucht wurde 14. Der Aufstieg nach Kranebitten an der
neuen Landstraße lud die Fuhrleute nicht nur ins Gasthaus, sondern auch zu einer Rast
in der Kapelle ein. Mit der neuen Gläubigkeit nach 1600 nahm auch die Verehrung Ma-
riens einen ungeheuren Aufschwung. Die meisten der heute noch üblichen und viele
wieder abgekommenen Marienwallfahrten entstanden in den Jahren nach 1600. Der
Heimsuchung Mariens sind die Kirchen und Kapellen in Maria Brettfall bei Strass, Mö-
sern, Kleinholz bei Kufstein und am Haimingerberg, alle im 17. Jahrhundert erbaut,
geweiht.
14 E. Egg, Die Maria-Heimsuchungskapelle in Kranebitten, Tiroler Tageszeitung 1976, Nr. 135; Neujahrsent-
schuldigungskarte der Gemeinde Hötting 1911
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WIR BAUEN
EINE KIRCHE
Abb. 54: Karte der St. Georgs-Kirchen-Baustein-Aktion von Pfarrer Adrian Höck von Hötting 1936/38 (1 Kar-
te 30 Groschen heute ca. 20 bis 30 Schilling).
Innsbrucker Stadtarchiv
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Dem Vorhaben des Wirtes kam 1625 eine Seuche zu Hilfe, die 7 Wochen lang in der Höt-
tinger Riedgasse wütete und viele Opfer forderte. Die Überlebenden stifteten in Kra-
nebitten eine Wochenmesse und versprachen, diesen Gottesdienst auf ewige Weltzei-
ten zu halten. Dies berichtet die Votivtafel mit den Bildern der Pestpatrone Sebastian
und Rochus, die die Riedgassler 1693 in der Kapelle aufgehängt haben. >>Gott wolle uns
gnädig sein und mit derselben Geißel die Gemeinde nie mehr heimsuchen.<< Am 21. Au-
gust 1625 wurde die Kapelle feierlich eingeweiht.
An der Westmauer haben sich eine Reihe von Wallfahrern in roter Schrift verewigt. Nicht
nur die Höttinger, sondern auch die Innsbrucker schlossen sich dieser neuen Wallfahrt
an, sodaẞ 1654 sieben Steinsäulen mit den Bildern des freudenreichen Rosenkranzes
von Mariahilf nach Kranebitten im Auftrag des Hofes errichtet wurden. Von diesen vom
Hofsteinmetzmeister Gallus Mayr gemeißelten Säulen aus Höttinger Breccie sind noch
fünf erhalten geblieben (vgl. oben den Beitrag von F. H. Hye). Die Kranebitter Wallfahrt
war ein Gegenstück zu jener nach Maria Loreto im Osten Innsbrucks, die schon früher
mit solchen Wegsäulen geschmückt worden war. In der Kapelle in Kranebitten stam-
men noch ein eindrucksvolles Kruzifix und das Votivbild eines Priesters (1667), dessen
Pferd solange bei der Kapelle stehenblieb, bis er eine Andacht verrichtete, von der
älteren Ausstattung.
Wie in Allerheiligen kam es auch in Kranebitten zu einem barocken Umbau in den Jah-
ren um 1756. So bietet sich heute das Kirchlein als ein rechteckiger Raum, außen mit
einem geschweiften Giebel und einem Glockentürmchen, dar (die Vorhalle wurde erst
1834 errichtet). Das Innere wurde im Gewölbe mit flotten Stukkaturen und mit Fresken
des Malers Johann Michael Strickner († 1759) geschmückt. Die Gemälde stellen das
Gericht Gottes, Maria, die der Schlange den Kopf zertritt, Christus mit dem Zepter als
Zeichen der Gewalt über Himmel und Erde, und die Vertreibung Adam und Evas aus
dem Paradiese dar. Ihnen folgen der Tod und die Haustiere als ständige Begleiter der
Menschheit. Das Bild über dem Altar weist auf die Entstehung der Kapelle hin. Oben
tragen Engel die Kapelle, unten knien die Höttinger Bittsteller, eine Frau beweint ihren
von der Seuche dahingerafften Mann und Tote werden hinausgetragen, alles vor der
Nordkette und der Höttinger Riedgasse. Strickner hat in der Umgebung Kirchenfres-
ken in Dreiheiligen, Ampass, Hötting (alte Pfarrkirche) und Mühlau geschaffen und ver-
tritt in flotter Malweise die volkstümliche Richtung des Barock.
Der Altar ist aus farbigem Marmor vom Innsbrucker Steinmetzen Johann Heinrich Renn
errichtet worden, das Altarbild malte ebenfalls Strickner. Es stellt die Heimsuchung
dar. Die beiden schwungvollen Statuen Joachims und Annas modellierte um 1725/30
wahrscheinlich der Hofbildhauer Ingenuin Lechleitner aus Stuck. Sie kamen wohl von
einer anderen Kirche. Im Türmchen hängt eine Glocke von einem der letzten Höttinger
Gießer Sebastian Zach von 1790. Sie wurde bei den Glockenablieferungen der beiden
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Weltkriege vergessen. Die Restaurierung von 1976/78 ließ das Kirchlein in neuem
Glanz erstrahlen, die Sonntagsgottesdienste des Stadtteiles Kranebitten haben es
auch seelsorglich wieder aufgewertet.
An kleinen Zeichen des Glaubens sind im Pfarrgebiet noch zu nennen: die offene Leon-
hardskapelle in der Schneeburggasse neben dem Geschäft Nocker mit einem Votiv-
bild der Muttergottes, Leonhards und Johannes v. Nepomuk und der Ansicht der zwei
Bauernhäuser der Umgebung (um 1800), die schon erwähnte Kapelle beim Berchtolds-
hof, die leider vernachlässigte Kapelle beim Harterhof, ein Barockbau mit einem Altär-
chen der Mariahilf im Rokokorahmen und einem Fresko. Die Kapelle beim Kerschbuch-
hof, ebenfalls um 1700/30 erbaut mit einem Altarbild der Krönung Mariens, wohl von
Johann Michael Strickner, die große, offene Wegkapelle bei Kranebitten mit der Kreuzi-
gungsgruppe von Stefan Föger und einem Fresko Gottvaters, des Hl. Geistes und der
Engel mit den Leidenswerkzeugen. Sie wurde 1975 ein Stück weit versetzt. Endlich sind
noch die Wegkreuze am Galgenbichl (18. Jahrhundert), in der Schneeburggasse (>>Klei-
ner Gott<) und westlich des ehemaligen Peerhofes zu nennen. Für ein bis 1930 nur von
wenigen Bauernhöfen besiedeltes Gebiet abseits der geschlossenen Ortschaften sind
dies Zeichen eines lebendigen Volksglaubens, der auch ohne kirchliche Organisation
in großer Blüte stand.
Der Errichtung der ersten Siedlungen am Lohbach und in der Hörtnaglstraße 1935/37
folgte 1936 die Notkirche St. Georg am Spitzbichl und seit 1939 eine selbständige
Seelsorge 15. Die Kirche war sicher kein Kunstwerk, aber man bemühte sich, durch die
Ausstattung eine sakrale Atmosphäre zu schaffen. 1939 wurde das große Kreuz des Tel-
fer Bildhauers und Malers Andreas Einberger aus der Lehrerbildungsanstalt erwor-
ben, wo es die Schulobrigkeit des Dritten Reiches nicht mehr duldete. Es wird heute in
der neuen Kirche etwas wenig beachtet. Einberger († 1952) war ein bedeutender Künst-
ler der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und das Kreuz besitzt in der großflächi-
gen Bearbeitung eine starke Ausdruckskraft. Damals selbst verbannt soll das Kreuz
die Erinnerung an die Gefallenen des zweiten Krieges wachhalten und zum Frieden
mahnen. Die, die dort auf den beiden Tafeln stehen, sollte die Jugend bei ihrem wö-
chentlichen Schweigen für den Frieden nicht vergessen, sie wollten genau so überle-
ben und den Frieden wie die, die heute in Afrika oder anderswo sterben müssen.
1946 kaufte man vom Grödner Bildhauer Ferdinand Prinot die Statue Unserer lieben
Frau, die als Maimuttergottes galt und immer noch auf ihre farbige Fassung wartet. 1947
schnitzte Prof. Walter Kuen die Statuetten der Evangelisten Matthäus und Lukas. Für
Johannes und Markus reichte das Geld nicht mehr. Der in der Lohbachsiedlung leben-
15
M. Galler, Festschrift der Pfarrkirche Allerheiligen, Innsbruck 1965; Chronik der Pfarre St. Georg, 1936-
1955, FB 60.540, Tiroler Landesmuseum Innsbruck
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de Bildhauer Adolf Oberhofer spendete das Christkind, das zu Weihnachten am Altar
aufgestellt wird, und eine der schönsten Kirchenkrippen in Innsbruck.
Der seit 1960 einsetzende Bevölkerungszuzug fand in der Notkirche nicht mehr Platz,
sodaß eine neue Kirche gebaut werden mußte. Der Pfarrer Markus Galler und Dir. Dr.
Günther Schlenck verstanden es, den Spendenstrom zu mobilisieren. Die Diözese
Innsbruck führte den Bau, Stadt und Land gaben Beiträge, sodaß am 6. Oktober 1963
der Grundstein der neuen Kirche gelegt werden konnte. Gleichzeitig erhielt die Pfarre
und die Kirche den neuen alten Namen Allerheiligen.
Am 12. Dezember 1965 weihte der Bischof die neue Pfarrkirche, die über sieben Millio-
nen Schilling gekostet hatte 16. Den Plan lieferte der damals berühmteste, lebende Tiro-
ler Architekt, Prof. Dr. Clemens Holzmeister (1886-1983). Schon für die 150-Jahrfeier der
Tiroler Freiheitskämpfe hatte er am Bergisel 1959 eine riesige Wallfahrtskirche mit
einer großen Kuppel als Burg Gottes geplant, die aber nicht zustande kam. Die Idee
der Burg, eines klosterartigen Komplexes von Kirche, Turm und Pfarrgebäude hat Holz-
meister dann auf die Pfarrkirche übertragen. Er selber schrieb: »Vom Volk wird sie Burg
Gottes genannt, sie steht auf einem Moränenhügel am Fuße der Nordkette und zeigt,
auch aus großer Distanz gesehen, ein markantes Gesicht. Das ergab sich aus innerer
Funktion, die dort aus dem Wechsel der Form des Satteldaches zwischen Schiff und
Chorraum bei der belassenen Einheit des Gesamtraumes Gegensätze in Lichtführung
und Raumstimmung schuf.<< Ohne Zweifel ist die Kirche in Allerheiligen in ihrem mäch-
tigen Äußeren mit dem mit dem Kirchenraum verwachsenen Turm die markanteste al-
ler Kirchen Innsbrucks, wozu nicht zuletzt der gewählte Platz auf dem Spitzbichl, der
sich über die umliegenden Häuser erhebt, wesentlich beiträgt. Das große Rechteck,
das im Inneren einen Einheitsraum bildet, hält nicht ganz das, was das Äußere ver-
spricht. Der Architekt Peter Schuh, der die Detailplanung auszuführen hatte, meint,
»daß mehrere Planänderungen während des Baues zur Folge hatten, daß manches
räumlich, aber auch im Detail, nicht ausgegoren ist. So spürt man in diesem Raum
einen gewissen Hunger, da die echte Lebendigkeit und damit die entsprechende
Resonanz fehlen. Behutsame und zugleich gezielte Nacharbeit im Detail wären hier
notwendig.<
Das Problem der Kirche liegt darin, daß sie während des zweiten vatikanischen Konzils
geplant wurde, aber keine Rücksicht auf die neue Liturgie mit dem Volksaltar nahm
und das Geschehen des Gottesdienstes zu ferne vom Volk wie auf einer Bühne stattfin-
det. Es war sicher nicht glücklich, daß der damalige Bischof sich dieser Lösung mit dem
16 N. Möller, Moderner Kirchenbau im Raum Innsbruck seit 1945, Veröffentlichungen des Innsbrucker
Stadtarchivs, NF 14, 1983, S. 93-101; H. Muck, Sakralbauten von Clemens Holzmeister, Alte und moderne
Kunst, Wien 1966, Heft 4, S. 36f; H. Muck, Der Beitrag Holzmeisters zum neuen Kirchenbau, Christliche
Kunstblätter 1966, Heft 4
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durch die unnötige Unterkirche hochgestellten Altarraum und einem Sakramentsaltar
anschloß. So steht hier ein gewaltiges, nach außen in die Welt sehr wirkungsvolles Got-
teshaus, das innen die zu vollziehende Mahlgemeinschaft schwierig macht und mit sei-
ner Höhe nie das Gefühl einer vollen Kirche aufkommen läßt. Aber die Meinungen in
der Kunst wechseln mit den Generationen. Mit ihrer Längsbetonung vertritt die Kirche
die vorkonziliare Idee des Weges zu Gott und des Zuschauens des Volkes bei der festli-
chen Handlung am Altar. Diese Idee war durch Jahrhunderte gültig und dominiert auch
in Holzmeisters anderen Kirchenbauten in Österreich. Seiner größten Stärke, der Ein-
heit von Landschaft und Architektur, wird die Allerheiligenkirche gerecht wie selten ein
Bau.
Die Kirche, die im Chor ein dem Langhaus entgegengesetztes, schwalbenschwanzför-
miges Dach aufweist, das für ständige Luftturbulenzen sorgt, ist ein einheitlicher Raum
mit einer Nische hinter dem als Tabernakel errichteten Hochaltar und einer quergerich-
teten Holzfelderdecke. Nach Osten schließt sich eine einfache Wochentagskapelle und
in der Nordostecke eine kleine Taufkapelle an. Der große Raum macht es schwer, der
Ausstattung Gewicht zu verschaffen. Den farbigen Akzent liefern der Kreuzweg und das
große Mosaik hinter dem Altar, beide vom Innsbrucker Maler Prof. Richard Kurt
Fischer. Die 14 Kreuzwegtafeln erzählen nicht das Leiden Christi, sie setzen es als be-
kannt voraus und wollen es nur mit einem Detail, einem Symbol charakterisieren. In
einer Epoche, in der die Abstrakte die Kunst beherrschte - der Kreuzweg entstand
1965-war es für einen Maler schwer, einen Kreuzweg mit Symbolen für die Gläubigen
begreifbar zu machen. Fischer ist dieser Auftrag gelungen, denn die gebundenen Hän-
de bei der Verurteilung, das Haupt Christi beim Kreuzesfall, die Würfel bei der Vertei-
lung der Kleider, die Lanze für die Kreuzigung, das sind Zeichen, die keine Rätsel
aufgeben, aber Nachdenken fordern.
Sowohl die Idee als auch die in Farben leuchtende Ausführung sind gelungene zeitge-
nössische Kunst in der Kirche. Allerdings würde ihre Wirkung weitaus größer sein, wenn
man die Tafeln zu Blöcken zusammenfassen könnte, weil dadurch vor allem die Farbe
sich gegen die weißen Kirchenmauern durchsetzen könnte.
Die Absicht, den riesigen Wänden Leben einzuhauchen, steht auch hinter dem pracht-
vollen Mosaik an der Altarwand, das 1977 nach dem Entwurf Fischers vom Mosaikmei-
ster Hans Pfefferle in Zirl unter Mitarbeit des Sohnes Hans und der Tochter Maria ge-
schaffen wurde. Die Familie Pfefferle gründete 1890 in Zirl eine Mosaikwerkstatt, die in
Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Glasmalereianstalt Weltruf hatte und die Tradi-
tion des venetianischen Edel- und Goldmosaiks bis in unsere Tage fortführt. Das Mo-
saik stellt in einer reichen, harmonischen Farbgebung den göttlichen Lebensquell dar.
Der Mensch wird über dem Altar an den wie in einem Wasserfall herabstürzenden Le-
bens- und Gnadenstrom herangeführt, bis zur Quelle des Göttlichen. Der Gnaden-
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strom, flankiert von den Symbolen der vier Evangelisten, fließt in einer paradiesischen
Landschaft herab auf den Altar, wo das Volk durch das Abendmahl an diesem Strom
teilnimmt. Vielleicht ergibt sich noch die Möglichkeit, das Mosaik, wie der Künstler es
geplant hat, auf die ganze Wand auszudehnen und durch die fehlenden Szenen ver-
ständlicher zu machen. Fischer, dessen Farbigkeit dem Barock verwandt ist, will die Kir-
che wieder zu einem Ort des Schauens machen, in dem der Gläubige nicht nur beten
und singen muß, sondern eine Vorstellungskraft vom Göttlichen gewinnt. Das ständige
Aufstehen und Niederknien bei der Messe läßt allerdings wenig Raum für eine
Besinnung.
Auf dem ehemaligen Seitenaltar steht die eindrucksvolle Plastik der Pietà, der Mutter-
gottes mit dem toten Sohn, ein beachtliches Werk des österreichischen Barock aus der
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Maria, mit im Schmerz entrücktem Gesicht, hält den
Leichnam Christi wie ein Kreuz vor sich an den ausgebreiteten Armen und stellt ihn den
Gläubigen eindrucksvoll als sein und ihr größtes Opfer vor. Diese Darstellung war im
Barock sehr beliebt und ist in einem Haus in Radstadt (Salzburg) sogar in Ton wieder-
holt. Von Clemens Holzmeister stammt die Ausstattung an Leuchtern, der Tabernakel
und der Taufkessel, von Fischer auch das kleine Mosaik in der Taufkapelle. Nicht sicht-
bar, nur hörbar sind die vier Glocken, die die Gießerei Grassmayr in Innsbruck 1964 ge-
gossen hat. Sie tragen als künstlerischen Schmuck Reliefs von Prof. Max Spielmann
(† 1984): Allerheiligen, Herz Jesu, Maria und Georg. Insgesamt ist die Kirche Allerheili-
gen das imposanteste Werk des großen Architekten Clemens Holzmeister in Tirol, aber
für die Gläubigen sicher nicht das wohnlichste.
In einer so großen Pfarre wie Allerheiligen lebten auch Maler und Bildhauer, die unser
Gedenken verdienen: Der älteste und erste war Adolf Oberhofer (1864-1958) aus Sau-
tens, ein Stukkateur und Bildhauer, der noch aus der handwerklichen Meisterlehre
beim Imster Bildhauer Johann Grissemann kam und dort sowohl an Altären arbeitete
als auch Larven für das Imster Schemenlaufen schnitzte 17. Nach der Lehre besuchte er
die Kunstgewerbeschule in München und arbeitete jahrelang auf der >Walz<< in Süd-
deutschland und der Schweiz, besonders als Stukkateur in Schweizer Kirchen. Im Brix-
ner Dom schnitt er 1894 die Stukkaturen im Gewölbe um die Fresken von Paul Troger.
1911 machte er sich in Innsbruck selbständig. Seine Liebe galt dem Barock, vor allem
den Engelputten, die er in großer Zahl in Holz und Stein schuf, so an der Kanzel von Cle-
mens Holzmeister in der Kirche Mariahilf in Innsbruck. Auch die durch Bomben schwer-
stens beschädigte Kanzel im Innsbrucker Dom hat er wiederhergestellt. Einen großen
Ruf erwarb er sich durch seine Kleinbildwerke, vor allem durch die Krippen, von denen
je eine in St. Lorenz in Nürnberg, in der Pfarrkirche Allerheiligen und im Tiroler Volks-
kunstmuseum aufgestellt werden. Der Zauber des Orients, der verschmitzte Humor
und der Tanz der Putten geben seinen Krippen jene freudige Stimmung, die das Weih-
nachtsfest verkünden soll.
17
152
J. Ringler, Adolf Oberhofer, Tiroler Heimatblätter 1959, S.149-152
Seite 155
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Ebenfalls den Älteren noch bekannt ist der Oberstudienrat Josef Arnold (1891-1967),
der als Professor für Zeichnen am Pädagogium tätig und ein Pionier der Kunsterzie-
hung an den Schulen Tirols war. Er veranstaltete als erster Ausstellungen von Kinder-
zeichnungen und leitete 19 Jahre die künstlerische Gestaltung des Christkindleinzugs
in Innsbruck. Als Maler hat er bei Max von Esterle eine Ausbildung erhalten und schuf
Landschaften, Akte und Bauernszenen im Stil der Zwischenkriegszeit. Seit 1911 stellte
er in Innsbruck, Linz, Wien und Paris aus.
Anschrift des Verfassers: Hofrat Dr. Erich Egg
Schneeburggasse 205
6020 Innsbruck
153
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Geschichte des Pfarrvikariates St. Georg - Allerheiligen
1936
-
1955
Von Anna Fritz
Von den ersten Jahren der Zeit, mit der sich dieser Bericht beschäftigt, sind wenig
schriftliche Unterlagen vorhanden. Wir sind daher vielfach auf die Erinnerung einiger
weniger angewiesen. Daher fehlen oft genaue Daten. Es kann auch nur in großen Zügen
über das Wichtigste berichtet werden.
1935
Im Juni wurden die ersten Häuser der Lohbachsiedlung bezogen. Sie hieß damals
Neustädter-Stürmer-Siedlung und war nach dem damaligen Sozialminister benannt.
Im Dezember konnten die ersten Häuser der Hörtnaglsiedlung bezogen werden.
1936
5. Juli: Die Lohbachsiedlung hatte ihren ersten großen Festtag, die feierliche Einwei-
hung durch Pfarrer Danler von Mariahilf.
12. Juli: Abt Heinrich Schuler von Wilten weihte wegen der wachsenden Zahl der in der
Nähe wohnenden Gläubigen die Berchtoldskapelle zu Ehren der Heiligen Georg und
Korbinian und feierte dort die erste Hl. Messe.
14. Juli: Bis auf Widerruf wurde der Berchtoldskapelle die Meßlizenz für Sonn- und
Festtage erteilt. Diese Gottesdienste fanden aber nicht regelmäßig statt. Die Kapelle
war auch noch nicht so leicht zugänglich. Von der Lohbachsiedlung führte kein Weg hin-
auf, der regelmäßige sonntägliche Kirchenbesuch war nur in Mariahilf oder Hötting
möglich. Um diesem Übelstand abzuhelfen, taten sich einige Siedler zusammen und
gründeten den Kirchenbauverein St. Josef, der von Pfarrer Adrian Höck in Hötting tat-
kräftig unterstützt wurde. Dieser wandte sich auch an die St. Georgs-Pfadfinder mit der
Bitte um finanzielle Unterstützung und sandte Bittbriefe weit über unsere Landesgren-
154
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Tafel 6: Pfarrkirche Allerheiligen, Mosaik an der Hochaltarwand, entworfen von Richard Kurt Fischer, ausge-
führt von der Mosaikwerkstätte Pfefferle in Zirl, 1977. Foto: E. Pöschl.
155
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zen hinaus. Die Kirche sollte dem Hl. Georg, dem alten Landespatron von Tirol, geweiht
werden und mit den Pfadfindern in besonderer Verbindung stehen. 1937 wurde im
Siedlungsgebiet eine St. Georgs-Pfadfindergruppe gegründet, die eine Zeit lang von H.
H. Dr. Paulus Rusch, unserem späteren Bischof betreut wurde. Im Frühjahr 1938 wurde
sie vom NS-Regime aufgelöst.
Um die Leitung des Kirchenbauvereins machten sich die Herren Eibl und Übelbacher
aus der Lohbachsiedlung besonders verdient. Trotz der schweren, arbeitslosen Zeit ge-
lang es, für das inzwischen weiter angewachsene Siedlungsgebiet eine erste Notkirche
zur seelsorglichen Betreuung der Bewohner zu errichten.
Dem heutigen Flughafen gegenüber stand ein großer Stadel, der der Stadt Innsbruck
gehörte. Diesen schenkte die Stadt dem St. Josefs-Verein. Er wurde abgetragen und auf
einem Grundstück zwischen Lohbach- und Hörtnaglsiedlung, das um 1.800 Friedens-
schilling gekauft worden war, wieder aufgestellt und unter der Leitung von Baumeister
Josef Thaler zur Notkirche umgestaltet. Auch die Bürgermeister Dr. Fischer von Inns-
bruck und Ing. Holzmann von Hötting nahmen sich dieses Unternehmens an.
Die Ausstattung der Kirche war sehr bescheiden. Das Dach war mit Eternit gedeckt, der
Boden mit Brettern belegt, die Wände waren mit Heraklith verkleidet und grün gefär-
belt. Alte Kirchenbänke von überallher standen rechts und links von einem Mittelgang.
Auf dem Altar, einem einfachen Holztisch, stand ein kleiner alter Tabernakel und dar-
über eine bunt gefaßte St. Georgsstatue. Hölzerne Leuchter vervollständigten den
Schmuck. Einfache Holzkreuze trugen die Kerzen der Beleuchtung im Kirchenraum.
Die Firma Grassmayr schenkte der Kirche eine kleine Glocke. Trotz all dieser Beschei-
denheit waren die Menschen glücklich, diese ihre Kirche zu haben und fühlten sich
bald in ihr daheim.
Abt Schuler von Wilten weihte die neue Kirche am 20. Dezember 1936. Zur großen Freu-
de der zukünftigen Pfarrangehörigen konnte daher in der St. Georgs-Kirche bereits die
weihnachtliche Mitternachtsmette gefeiert werden.
1937
An die Kirche wurde eine Notschule für 40 Kinder angebaut, die den Schülern der er-
sten beiden Klassen Platz bot. Um für die Bewohner der Lohbachsiedlung einen Weg
zur Kirche und zur Schule zu schaffen, wurde mit Einverständnis der Grundeigentümer
über den steilen Hang herauf eine Stiege mit 76 Stufen angelegt. Dann führte ein Weg-
lein durch die Wiese, weiter oben kamen nochmals 8 Stufen. Heute gibt es der Nock-
steig mit seinen Kehren gemütlicher.
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Abb. 55: Blick auf (v. 1. n. r.) das Pfarrhaus, die Volksschule, die St. Georgs-Kirche sowie auf die 1946 errichtete
Baracke des Pfarrkindergartens.
Foto: Anna Fritz
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Zu den Sonntagsgottesdiensten kam Pfarrer Höck von Hötting, das nach wie vor die zu-
ständige Pfarre war, oder es kam einer der Herz-Jesu-Missionare aus der Frau-Hitt-
Straße.
Bald übernahm P. Junker MSC die Seelsorge in St. Georg. Der starke Besuch der Gottes-
dienste bewies, wie notwendig dieser Kirchenbau gewesen war. Ab November wurde
sonntags bereits zweimal das Meßopfer gefeiert. Schon im Februar hatten die Bewoh-
ner der beiden Siedlungen an die Administratur ein Ansuchen um Beistellung und Fi-
nanzierung eines eigenen Priesters gerichtet.
Den Mesnerdienst in der Kirche versah unentgeltlich Herr Eibl. Seine Frau sorgte für
den Blumenschmuck. Die Kirche erhielt ein Harmonium, und Frau Jesacher, Lehrerin
an der Notschule, spielte zu den Gottesdiensten. Die Ministranten mußten zur wö-
chentlichen Ministrantenstunde zu P. Junker in die Frau-Hitt-Straße. Dort bekamen sie
vor dem doch ziemlich weiten Heimwg meist eine Jause zur Stärkung, was ihnen nicht
schlecht gefiel.
2. Dezember: Pfarrer Höck richtet an die Apostolische Administratur in Innsbruck ein
Ansuchen um Erlaubnis zur Aufbewahrung des Allerheiligsten in der St. Georgskirche.
Er führt folgende Gründe an: Das Siedlungsgebiet zählt nahezu 1.000 Seelen. Der reli-
giöse Eifer eines Großteils der Bevölkerung ist groß. Ein eigener Priester ist bestellt, der
dort regelmäßig den Gottesdienst versieht. Jeden Sonntag sind zwei Heilige Messen,
ebenso eine an den Herz-Jesu-Freitagen und während der Adventzeit dreimal wö-
chentlich eine an Werktagen. Die gebotene Beichtgelegenheit wird eifrig genützt. In die
angebaute Notschule kommt mehrmals wöchentlich ein Katechet zum Religionsunter-
richt. Im letzten Monat wurde ein fixer Altar errichtet, mit dem ein feuer- und diebssi-
cherer Tabernakel unabhebbar verbunden ist. Die nächsten Häuser des Siedlungsge-
bietes liegen ungefähr 500 Schritte entfernt. Der Schuldiener ist zugleich Mesner und
kommt zweimal täglich in die Kirche, um dort nachzusehen. Er schließt auch abends
die Kirche ab. Diese wird auch untertags häufig von Spaziergängern aus der Stadt be-
sucht. Die Gläubigen bitten immer wieder um die ständige Aufbewahrung des Allerhei-
ligsten in ihrer Kirche.
20. Dezember: Rom gibt dem Ansuchen, das dorthin weitergeleitet wurde, statt.
1938
Die >>Neustädtersiedlung« verlor unter dem NS-Regime ihren Namen und wurde zur
Lohbachsiedlung. Sie wurde um die Doppelhäuser erweitert. Der Kirchenbauverein
wurde aufgelöst, sein geringes Vermögen beschlagnahmt.
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12. November: Pfarrer Höck richtete an die Apostolische Administratur das Ansuchen,
den Erlös aus dem Verkauf einer von der Pfarre Hötting gezeichneten Anleihe oder we-
nigstens einen Teil davon für die dringend notwendige Ausstattung der Filialkirche St.
Georg verwenden zu dürfen. Er möchte damit den Ankauf der Einrichtung der vom Re-
gime aufgelassenen Kapelle der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Imst teilweise fi-
nanzieren. Diese Einrichtung (Bänke, Altar, Meßkleider, Kelche usw.) stellt einen Wert
von S 17.000 dar und wäre um RM 2.000 zu bekommen.
Dem Ansuchen wird teilweise stattgegeben (S 171,11). Den übrigen Betrag soll die St.
Georgskirche aus dem Verkaufserlös der Anleihe von der Pfarrkirche Hötting leihen
und dieses Darlehen mit den aufgelaufenen Zinsen so bald wie möglich an die Pfarre
zurückzahlen.
1939
Dieses Jahr brachte St. Georg trotz aller Schwierigkeiten auch Gewinn. Da aus den
Schulen religiöse Zeichen und Einrichtungen verschwinden mußten, erhielt die Kirche
tatsächlich die oben erwähnte Kapelleneinrichtung der Landwirtschaftlichen Lehran-
stalt in Imst. Über dem Altar wurde ein überlebensgroßes Kreuz angebracht, eine Ar-
beit von Andreas Einberger. Es stammte aus der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck
und war dort im Kohlenkeller gelandet. Walter Benesch, ehemaliger Student an der
LBA und späterer Direktor der Volksschule Allerheiligen, holte es mit seinem Bruder
dort heraus und brachte es zu Propst Dr. Weingartner. Dieser übergab es der St. Ge-
orgskirche, die es zur Vollendung ihrer Innenausstattung brauchte.
Mai: P. Karl Maria Weber MSC übernahm die Seesorge an der St. Georgskirche. Freilich
konnte er noch lange nicht bei seiner Kirche wohnen, sondern bezog ein Zimmer bei
Familie Fritz, Schneeburggasse 90. Dort war auch sein Arbeitsraum, sozusagen die
Pfarrkanzlei, weil bei der Kirche ja nur eine kleine Sakristei vorhanden war. Natürlich
mußte P. Weber alle Wege zur und von der Kirche und in seinem weit gestreuten Seel-
sorgegebiet zu Fuß zurücklegen.
Daß der Seelsorgearbeit damals von den Behörden viele Schwierigkeiten gemacht
wurden, sollen nur ein paar Beispiele zeigen:
10. Mai: Zusammenkünfte der Pfarrjugend dürfen ausschließlich in der Kirche stattfin-
den und müssen öffentlich sein. Jede Zusammenkunft ist zwei Tage vorher durch einen
deutlich sichtbaren Anschlag an der Kirche anzukündigen. Zum Begriff »Kirche<< gehö-
ren auch die unmittelbar dazugehörigen Nebenräume. Die Veranstaltungen müssen
ausschließlich religiös und allgemein zugänglich sein. Jede Nichtbeachtung der Ver-
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fügung wird von der Geheimen Staatspolizei (- Gestapo) mit Zwangsmaßnahmen
geahndet.
14. September: Jedes Schulkind muß zur Teilnahme am Religionsunterricht eigens an-
gemeldet werden. Die Unterschrift des Vaters ist erforderlich.
20. Dezember: Nach Erlaß des Gauleiters ist zur Mette und in der Neujahrsnacht das
Läuten der Kirchenglocken maximal drei Minuten vor Beginn des Gottesdienstes er-
laubt. An Sonn- und Feiertagen darf maximal dreimal geläutet werden. Bei Taufen,
Trauungen und sonstigen Gottesdiensten darf nicht mehr geläutet werden.
19. November: Beim Gottesdienst wurde der Kirchenrat feierlich eingeführt. Soweit
jetzt noch bekannt ist, gehörten zum damaligen Kirchenrat die Herren
Anton Walter, Vögelebichl, Vorsitzender und Organist
Hubert Eibl, Mesner, Lohbachsiedlung
Herr Übelbacher, Lohbachsiedlung, Rechnungsführer
Chrysanth Fritz, Lohbachsiedlung.
Die übrigen Mitglieder sind nicht mehr bekannt. Dieser Kirchenrat wurde P. Weber ge-
genüber bei seinen Vorladungen zu NS-Behörden von diesen öfters als Bollwerk gegen
den Nationalsozialismus in der Gemeinde St. Georg bezeichnet.
6. Dezember: Pfarrer Rathmann von Hötting richtet an die Apostolische Administratur
das Ansuchen, aus Gründen des seelsorglichen Nutzens das Gebiet von St. Georg zu ei-
ner selbständigen Expositur mit eigener Matrikenführung zu erheben. Die für das neue
Seelsorgegebiet in Frage kommenden Grenzen sind in vollem Einverständnis zwischen
dem Pfarrer von Mariahilf, zu dessen Gebiet die Lohbachsiedlung gehörte, und dem
Pfarrer von Hötting festgelegt worden.
1940
15. März: Durch ein offizielles Dekret der Apostolischen Administratur wurde das
Pfarrvikariat St. Georg kanonisch errichtet.
Dies wurde im Dekret damit begründet, daß in den letzten Jahren im Gebiet der Pfar-
reien Maria Himmelfahrt und der Hl. Ingenuin und Albuin neue Häuser gebaut wurden,
die von ihren Pfarrkirchen weit abgelegen sind, so daß bei einem großen Teil der Gläu-
bigen der Besuch der eigenen Pfarre mit Schwierigkeiten verbunden ist. Somit ist es
notwendig geworden, die in Frage kommenden Gebiete von den beiden Pfarreien ab-
zutrennen und für die Seelsorge ein neues Gebiet unter dem Namen >>Pfarrvikariat St.
Georg« zu errichten. Der Pfarrvikar hat die Rechte und Pflichten eines Pfarrers. P. Weber
wird also der erste Pfarrvikar.
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Das Pfarrvikariat umfaßt:
Allerheiligenhöfe, Grauer Stein, Hörtnaglsiedlung (Straße), Höttingerau (98, 98a, 100),
Kerschbuchhof, Kranebitten, Kranebitten Umgebung, Lohbachsiedlung, Vögelebichl,
Sadrach, Silvester-Fink-Straße (73, 77, 80, 90, 96), Vogelweiderstraße, Ulfiswiese.
28. April: Zur Feier des Patroziniums des neu errichteten Pfarrvikariates kam Bischof
Dr. Paulus Rusch. Er wurde um 9 Uhr an der Kirchentür feierlich empfangen und zele-
brierte anschließend mit den zahlreich erschienenen Gläubigen ein Pontifikalamt. Um
19 Uhr fand eine Festfeier aus Anlaß der Erhebung von St. Georg zum Pfarrvikariat statt.
Die Amtsbücher waren bis zum 1. Jänner 1940 nachzutragen und weiterhin nach den
kirchlichen Vorschriften in Evidenz zu halten.
Trotz der in jeder Hinsicht schwierigen Zeit nimmt unter P. Weber das Pfarrleben einen
großen Aufschwung. Die Leute wachsen zu einer Pfarrfamilie zusammen. Die Sonntags-
messen und auch die tägliche Werktagsmesse werden liturgisch gestaltet, wobei
Frauen die Rolle des Vorbeters übernehmen.
Es gibt Einkehrtage, jeden Sonntag nachmittags Familienkatechese in der Kirche,
wöchentlich Glaubensstunden für die Jugendlichen in der Sakristei. Jede religiöse Ar-
beit außerhalb der Kirche ist ja verboten. So muß auch der Erstkommunionsunterricht
außerhalb der Schule in der Kirche gehalten werden. Laien helfen dabei - illegaler-
weise mit und betreuen besonders Kinder, deren Eltern selber abseits stehen.
Die Erstkommunionkinder besuchen auch nach der Erstkommunion fleißig die wö-
chentliche Werktagsmesse, die eigens für sie bestimmt ist. Wegen des Nüchternheits-
gebotes, das damals noch bestand, nehmen sie sich auf Anregung des Pfarrers Kaffee
in einer Thermosflasche und ihr Brot mit und verzehren das nach dem Gottesdienst in
der Sakristei. Wer nichts mit hat, bekommt etwas vom Herrn Pfarrer.
Alle Hilfsdienste und Arbeiten in der Kirche, z. B. Mesnerei und Kirchenschmuck (Rosa
Fritz) und Organistendienst (Dir. Walter) werden von Pfarrangehörigen unentgeltlich
geleistet.
5. Dezember: Amtliche Verordnung:
Jede Tätigkeit der Pfarrjugend, soweit sie Jugendliche unter 18 Jahren betrifft, ist verbo-
ten. Ausgenommen ist der Religionsunterricht in der Schule, der Firmunterricht, die
Teilnahme an Gottesdiensten für Erwachsene. Die stark angewachsenen Ministranten-
gruppen sind auf den Stand vom Februar 1938 zurückzuführen. Dieses Verbot darf
nicht öffentlich verkündet werden, besonders nicht von der Kanzel. Es ist den betroffe-
nen Jugendlichen mündlich in sachlicher Form mitzuteilen. Der Erstkommunionunter-
richt wird auf 18 Stunden im Laufe von zwei Monaten beschränkt. Er darf nur in Kirchen
oder Kapellen stattfinden, Tag und Stunde sind bekanntzugeben. Er darf nur von
Priestern ohne Schulverbot gehalten werden.
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Laut Statistik zählten im Jahr 1940 bereits 1220 Katholiken zum Seelsorgebereich von
St. Georg.
1941
Da es sich bei der Kirche ja nur um einen Holzbau handelte, war eine Überholung für
sie notwendig geworden. Man wollte sie ja möglichst lange gut erhalten. Den Außenan-
strich des Baues und das Streichen der Fenster besorgten Frauen und ältere Männer,
da viele der jüngeren eingerückt waren. Der Innenraum wurde von den Jugendlichen
Othmar Fritz, Hubert Walter und Max Kraler mit Hilfe einer alten Baumspritze gespritzt,
wobei die drei mindestens ebenso grün wurden wie die Wände. Beim anschließenden
großen Putzunternehmen griff sogar der Herr Pfarrer zu Bürste und Putztuch.
1943
Nach der allgemeinen Einziehung der Kirchenglocken verschwand eines Nachts das
Glöcklein von St. Georg, das ja als einzige Glocke der Kirche hatte bleiben dürfen,
heimlich und still vom Turm. Ob es Diebstahl oder eine andere »Aktion< gewesen war,
blieb ungeklärt.
Dezember: Ein paar Tage, bevor die ersten Bomben auf Innsbruck fielen, mußten die
Flakhelfer, die »Kinderflak«, ihre Stellung hinter der alten Tiergartenmauer, auf dem
heutigen Flughafengelände, beziehen. Es waren dies die Schüler einer 6. Gymnasial-
klasse, die von der Schule weg eingezogen worden waren. Unter ihnen war auch Martin
Tschurtschenthaler, jetzt Dekan in St. Canisius. Es war eine ziemlich große Gruppe
Gleichgesinnter zusammengekommen. Sie gingen zu ihrem Hauptmann und verlang-
ten, die Sonntagsmesse besuchen zu dürfen. Dieser, der spätere Landwirtschaftsmini-
ster von Bayern, war ihnen wohlgesinnt und sagte: >Um 7 Uhr beginnt der Dienst, da
müßt ihr da sein. Was ihr vorher tut, geht mich nichts an.<< So sprangen am Sonntag die
meisten von den jungen Burschen um 5 Uhr aus ihren Stockbetten und stapften, auch
im Winter bei Kälte und Schnee, ohne Weg hinüber zur Lohbachsiedlung und dann hin-
auf zur Kirche, wo damals um 6 Uhr der Frühgottesdienst war. Dekan Tschurtschen-
thaler hat diese liturgisch gestalteten Frühmessen noch in guter Erinnerung.
1944
1. Oktober: Von diesem Rosenkranzmonat an bis zum Ende des Krieges wurde in der
Kirche täglich ein Rosenkranz um Bewahrung vor den Gefahren des Krieges gebetet.
Das Pfarrgebiet wurde auch trotz seiner gefährlichen Lage zwischen Mittenwaldbahn
und Fliegerabwehrstellungen auf dem heutigen Flughafengelände, die bei jedem An-
griff auf Innsbruck sofort in Aktion traten, fast wunderbar verschont. Die Bomben, die
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Abb. 56 bis 58: Teile der Innenausstattung der Notkirche: a) das Kruzifix von Andreas Einberger, es kam 1939
aus der Lehrerbildungsanstalt hierher, daneben Hl. Maria und Hl. Josef; b) Statue des Hl. Georg, ursprüng-
lich-1936-auf dem Altar über dem Tabernakel; c) Gedenktafel für die Gefallenen des 2. Weltkrieges 1939-
1945.
Fotos: Anna Fritz
diesen Zielen zugedacht waren, fielen oberhalb der Häuser in den Wald und auf die
Berge. Nur ein Haus am Waldrand (Kasper, Allerheiligenhofweg 10) wurde getroffen.
Dabei gab es leider auch ein Todesopfer. Im Tal lagen die letzten Einschläge ungefähr
70 Meter von den ersten Siedlungsgärten entfernt. An den Siedlungshäusern gab es
auch durch Bombensplitter und durch den Luftdruck Schäden an den Dachziegeln, be-
schädigte Kamine und eingedrückte Türen und Fenster.
Vom großen Vertrauen der Menschen in den Schutz der Gottesmutter mag folgende
Begebenheit ein kleines Zeugnis geben:
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Abb. 57
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Abb. 58
79301
Heimgekehrt 2 Gott
Ernst Bailer+Fouard Brech-
told+karlbernarello+lofef fnt
ner Rudolf Findenig-Ferdi bart
mann Tonibosmann feits buber
Peter 3ftel+Franz Jakober +
Josef loas+Armin Kirchberger +
greiter Audi
Kart
+Scanilec+ Alf
Teutfchnige Luis Tufch Alberts
Übelbacher Rich.Ubelbacher+
Jelef Waller Robert 1
Wieser
Heinrich Siebler+Julius Bau-
abatter Zingerte +Ge-
ony Pautade eopold Uhl+
165
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Herr Foidl hatte für seine Familie in den steilen Hang des Vögelebichls einen kleinen
Unterstand zum Schutz bei Bombenangriffen gebaut. Dort saẞ Frau Foidl wieder ein-
mal mit ihren Kindern. Als es draußen zu krachen begann, sagte sie zu der dreijährigen
Traudi: »Brauchst di nit fürchtn! Uns passiert nix. Mir beten ja immer: Maria, breit den
Mantel aus!<< Die kleine Traudi war eine Weile still. Sicher dachte sie an das Muttergot-
tesbild in ihrem Kindergebetbuch. Dann sagte sie: »Nachher falln die Bomben ja alle
auf den Mantl! - Mei, isch des schad um den schianen Mantel! Hätt sie gscheiter an
Sack drüberbroatet.<<
Aber nicht nur die Kinder vertrauten, sondern auch die Erwachsenen!
1945
Nach Ende des Krieges kommen die Kinder von der Landverschickung und die Männer
nach und nach von der Front und aus der Gefangenschaft heim. Jetzt ist das kirchliche
und pfarrliche Leben von allen Beschränkungen befreit und kann sich erst richtig ent-
falten. Bald sind drei Sonntagsmessen notwendig.
Juli: Mit der wachsenden Möglichkeit zur Arbeit wird die Anstellung einer Seelsorgehel-
ferin, bzw. Pfarrschwester notwendig. Es ist dies Frl. Hilda Fritz. Ihre Arbeit umfaßt die
Anlage einer Pfarrkartei, Hausbesuche bei Familien, das Einheben der Kirchensteuer,
Arbeit in der Pfarrkanzlei und anderes mehr.
Im Herbst beginnt die Jugendarbeit.
7. Oktober: Das Rosenkranzfest wird als großer Danktag der Pfarrfamilie mit einem
Festgottesdienst und der ersten öffentlichen Prozession gefeiert. Es wird gelobt, von
nun an diesen Danktag jedes Jahr festlich zu begehen. Ein Dankbuch wird angelegt, in
das sich alle Heimkehrer eintragen. Mit einem Geldopfer wollen die Pfarrangehörigen
ihren Dank an die Gottesmutter abstatten und so zum Bau eines Pfarrhauses und
Kindergartens beitragen.
Bald nach Kriegsende schenkt die Firma Grassmayr unserer Kirche wieder eine kleine
Glocke, die vorher in Gerlos geläutet hatte.
1946
15. Jänner: Ferdinand Prinot in Gröden hatte für St. Georg eine Statue »Unsere liebe
Frau vom heiligsten Herzen« und eine des Hl. Josef geschnitzt. Diese werden links und
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rechts vom Altar aufgestellt und feierlich geweiht. Später - die genaue Zeit ist nicht
mehr bekannt - kommt noch eine Statue des Hl. Georg, geschnitzt vom selben Künst-
ler, dazu. Sie bekommt ihren Platz an der rechten Seitenwand der Kirche.
So bald wie möglich werden die geplanten Bauarbeiten in Angriff genommen. Für den
Kindergarten wird eine Baracke aufgestellt, in der zwei Gruppenzimmer für die Kinder
und ein Heimzimmer für die Jugend eingerichtet werden. Für das Pfarrhaus werden
zwei kleine Behelfsheime - ebenfalls aus Holz -, wie es sie nach dem Krieg gab,
zusammengebaut. Das ergibt ein Wohn- und Arbeitszimmer und ein kleines Schlafzim-
mer für den Pfarrer, eine Pfarrkanzlei und eine winzige Küche. Bei diesen Arbeiten hel-
fen die Pfarrangehörigen fleißig mit, auch dann im Sommer beim Graben der Wasserlei-
tung. Es graben sogar die Frauen, wenn die Männer keine Zeit haben.
1. März: Einweihung von Pfarrhaus und Kindergarten:
Pfarrer Weber übersiedelt in sein neues Heim. Der Wasseranschluß ist allerdings noch
nicht vorhanden. So muß die Pfarrschwester mit allfälligen Helfern das Wasser in Kü-
beln vom Waldharthaus herunterschleppen. Unter der Dachrinne der Kirche wird ein
großes Blechschaff aufgestellt. Wenn es regnet, hat man so wenigstens Wasser für An-
gelegenheiten, wo es nicht gerade chemisch rein sein muß. Der Luftschutzbunker der
Schule, über dem das Pfarrhäusl errichtet worden war, dient als Keller.
Das Heimzimmer im Kindergarten dient nicht nur der Jugendarbeit. Auch Bibelstun-
den und Frauen- und Männerrunden finden dort statt. Bei Einkehrtagen bekommen
die Teilnehmer dort sogar ein Frühstück.
Mai: Frl. Inge Rapp wird als zweite Pfarrschwester eingestellt. Frau Rapp, die Mutter
der Pfarrschwester, übernimmt nun die Hilfe bei Reinigung und Schmuck der Kirche,
die vorher jahrelang Frau Josefine Mössner geleistet hatte. Rosa Fritz hingegen besorg-
te die gesamte Kirchenwäsche, was damals, als man noch keine Waschmaschine hatte,
sondern alles einweichen, im Kessel kochen und Stück für Stück mit der Hand >rum-
peln<< und x-mal schwemmen mußte, keine kleine Arbeit war.
Im Frühling erhält Pfarrer Weber von der französischen Militärregierung die Bewilligung
zum Kauf eines Motorrades, damit er sein ausgedehntes Pfarrgebiet besser betreuen
kann. Im Herbst ersteht er dann ein kleines, gebrauchtes Puch-Motorrad.
Herbst: Geld war in St. Georg immer Mangelware. Darum startet Pfarrer Weber mit
Genehmigung der zuständigen Stellen eine Holzaktion. Pfarrer, männliche und weibli-
che Jugend sammeln in der Kranebitter Klamm Windwurf-, Schneebruch- und Klaub-
holz und schleppen es zum Ausgang der Klamm, Martin Plattner führt es mit dem Pfer-
dewagen zur Kirche, freiwillige Helfer arbeiten es auf und verstauen es unter dem Kin-
167
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dergarten und auf dem Dachboden des Schulanbaues. Es deckt durch Jahre den
Holzbedarf von Kindergarten und Pfarrhaus.
An der Rückwand der Kirche wird von Ing. Retter eine Empore eingebaut, darunter ein
Beichtstuhl. Aus Angehörigen der Pfarre bildet sich ein gemischter Chor. Als Chorleiter
wirken: Dr. Kröll, Franz Eller, Theologen aus der Frau-Hitt-Straße. Ein aus Kupfer getrie-
benes Taufbecken (Entwurf Prof. Walter Kuen, Ausführung Viktor Friedrich) wird aufge-
stellt. Bis dahin mußte eine Glasschüssel bei den Taufen genügen.
27. Oktober: Beim Festgottesdienst zum Christkönigsfest wird die neue Herz-Jesu-
Statue geweiht (Prinot, Gröden).
Laut Statistik wohnen im Pfarrvikariat St. Georg 2.043 Katholiken und 103 Nicht-
katholiken. Seit Kriegsende erfolgten 33 Wiedereintritte in die katholische Kirche.
1947
23. Februar: Am 1. Fastensonntag besucht Bischof Rusch St. Georg. Das feierliche latei-
nische Amt wird mit deutschem Volksgesang ausgefüllt, damit alle aktiv teilnehmen
können, wie es Pfarrer Webers Grundsatz war. Das veranlaßt den Bischof nachher zu
der scherzhaften Bemerkung: »Ihr, mit eurer St. Georgs-Liturgie!<<
Bald darauf bekommt der Bischof Besuch von Jugendhelferinnen aus St. Georg, die ihn
in Anbetracht der schlechten finanziellen Lage der Pfarre und ihrer bescheidenen Aus-
rüstung an Paramenten um ein neues Meẞkleid bitten. Erfolg: ein grünes und ein violet-
tes Meẞkleid, schlicht, aber schön, angefertigt von den Schwestern in Zams.
Kirchliche Feste werden in St. Georg immer sehr schön gestaltet. Da sind 10 oder mehr
Ministranten beim Altardienst und als Lichtträger. Zu Weihnachten sind alle Ministran-
tengenerationen vertreten, von den Erstkommunionkindern bis zu den 18- und 19-jäh-
rigen Burschen, die einmal hier Ministranten waren und am Stephanitag, der als
Männertag begangen wird, wieder am Altar Dienst tun. Bei besonderen Festen, z. B.
Fronleichnam und Christkönig, sind auch die Banner und Wimpel der Jugend da.
Die Jugendarbeit hatte bald nach dem Krieg mit einer Mädchengruppe und zwei Mini-
strantengruppen begonnen. In der Folgezeit stieg die Zahl der Gruppen ständig an,
besonders nachdem mit der Jungschararbeit begonnen wurde. Schließlich sind es 7
Mädchen- und 6 Bubengruppen.
Die Gruppen zählten durchschnittlich 10 bis 15 Mitglieder. Die Jungschargruppen ha-
168
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ben jede Woche eine Heimstunde mit Gespräch, Spiel, Singen, Basteln. Die Gruppen
der Großen wechseln wöchentlich mit Heim- und Glaubensstunden, die der Herr Pfar-
rer hält. Dazu kommen Berg- und Radtouren, Fasching und andere gemeinsame Feste
und vor allem das jährliche zehn- bis vierzehntägige Sommerlager. An diesen Lagern
nahmen bis zu 40 Jugendliche teil, sowohl bei den Mädchen als auch bei den Buben.
Das erste Lager für die Mädchenjungschar fand 1948 auf der Raitiser Alm statt, unter-
gebracht waren wir auf dem Heuboden über dem Stall. Die großen Mädchen waren in
der Akademikerhütte in der Fotsch. Daran beteiligten sich übrigens auch die beiden
Töchter eines französischen Besatzungsoffiziers.
Eine Zeit lang gab es auch eine eigene Jugendzeitung »St. Georg«. Sie enthielt Berichte
aus der Jugendarbeit, Hinweise auf geplante Unternehmungen, das regelmäßige Pro-
gramm, besinnliche und heitere Beiträge. Die »Redaktionsarbeit« besorgten Othmar
und Anna Fritz. Die Umschlagseite stammte vom akademischen Maler Fritz Berger.
14. September: Fest Kreuzerhöhung:
Junge Heimkehrer stellen, unterstützt von Burschen und Mädchen der Pfarrjugend, auf
dem Kleinen Solstein, der mit 2633 m der höchste Punkt unseres Pfarrgebietes ist, ein
Gipfelkreuz auf. Am Samstag nachmittags geht es mit der Bahn nach Hochzirl, über die
Zirler Mähder zur Magdeburger Hütte, dann am frühen Morgen mit den zwei Kreuzbal-
ken, Haken, Drahtseilen, allem nötigen Gerät und Proviant über den Jägersteig zum
Großen Solstein, dann über den Südgrat zum Kleinen. Das ist sehr mühsam. Das Kreuz
muẞ zum Teil aufgeseilt werden. Gegen Mittag ist der Gipfel erreicht. Das Kreuz wird
aufgestellt und verankert. Um 3 Uhr feiern wir die Gipfelmesse. Pfarrer Weber erinnert
in seiner Predigt an den Herz-Jesu-Bund des Landes Tirol, an den das Gipfelkreuz erin-
nern soll. Die Aufstellung mußte jedoch aus technischen Gründen um ein Jahr (statt
1946) verschoben werden. Der Platz auf dem Gipfel reicht gerade für die 31 jungen Leu-
te, die zwar müde, aber stolz und glücklich um das Kreuz stehen.
Für die großen Leuchter in der Kirche schnitzt Prof. Kuen die Statuen der Evangelisten
Matthäus und Lukas. Für Johannes und Markus, die auch vorgesehen sind, reicht das
Geld nicht mehr. Die Schmiedearbeiten an den Leuchtern besorgt Meister Stefan.
Ein Heimkehrer schmiedet einen Marienleuchter zur Muttergottesstatue. Auch ein
schmiedeeiserner Halter für das Ewige Licht stellt sich ein.
1948
Wie seit Anfang herrscht zwischen St. Georg und den Missionaren in der Frau-Hitt-
Straße eine enge Verbindung. Sonntags- und Urlaubsaushilfen kommen von dort. So
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gibt es Abwechslung bei den Predigten und im Beichtstuhl. Bei feierlichen Anlässen
tragen die Theologen mit ihrem Chor zur Verschönerung der Feiern bei. Der Nikolaus
für Kindergarten, Schule, Ministranten und Jugendgruppen kommt von der Frau-Hitt-
Straße. Alle Gäste, die aus den Missionen des Ordens nach Innsbruck kommen, besu-
chen auch St. Georg. Patres aus Holland, der Schweiz, Amerika, Missionare aus China,
Celebes und der Südsee. Das sind interessante Begegnungen. Auch Aussendungs-
feiern für neue Missionare finden in St. Georg statt.
Mai: Das Grundstück, auf dem der Kindergarten gebaut worden war, war bisher von
der Bäuerin Aloisia Lehner gepachtet. Nun ging die ganze Parzelle, von der bisher nur
ein Teil zur Verfügung stand, durch Tausch gegen ein Grundstück der Pfarre Hötting in
der Höttinger Au in den Besitz der Kirche über. So wurde auch ein Spielplatz für Kin-
dergarten und Jugendgruppen gewonnen.
24. Oktober: Glockenweihe:
Mit dem Erlös einer Sammlung der Männer und einer Spende der Firma Haidegger
wurde für die Kirche eine zweite Glocke gekauft. P. Provinzial Huber MSC nahm die Wei-
he vor, Glockenpatin war Frau Haidegger. Nun hingen zwei Glocken im kleinen Turm
von St. Georg, eine größere Herz-Jesu-Glocke und eine kleinere Flurglocke mit dem
Bildnis der Bauernheiligen Isidor und Notburga.
14. November: Ein Relief der Hl. Theresia vom Kinde Jesu, geschaffen vom Bildhauer
Kerle aus der Lohbachsiedlung, wird geweiht.
5. Dezember: Im Kindergarten findet - wie auch in den folgenden Jahren - eine
Bücher- und Zeitschriftenausstellung als Anregung vor Weihnachten statt.
Bei besonderen Anlässen, wenn sich die Kirchenbesucher nicht auf die drei Sonntags-
messen aufteilen, ist die Kirche zu klein. Immer dringender wird daher die Frage eines
wirklichen Kirchenbaues. Architekt Hartwig fertigte auch einen Entwurf an. An eine
Ausführung war damals aber aus finanziellen Gründen nicht zu denken.
1949
27. März bis 10. April: Volksmission:
Als Missionare wirken P. Besel und Dr. Fasching (Batschuns). Während der 14-tägigen
Hausmission besuchten sie die Familien, bei denen ein besonderer Grund vorhanden
war, wie z. B. in dieser Zeit Wiedereintritt in die Kirche, nachträgliche kirchliche Ehe-
schließung, Krankenbesuche, Aussprachen, wo sie gewünscht wurden. Dann folgte die
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Abb. 59: Ansicht der Allerheiligenkirche von Süden (erbaut 1963/65).
Foto: Richard Frischauf
einwöchige Predigtmission. Am Palmsonntag fand um 15 Uhr die Schlußfeier für die
Volksmission statt.
31. Juli: Als Kriegsteilnehmer feierte P. Plattner in seiner Heimatpfarre die Primiz. Er
war der erste Priester aus der Pfarre.
Der Bildhauer Adolf Oberhofer aus der Lohbachsiedlung stellte für die Kirche eine
schöne Weihnachtskrippe zur Verfügung (Das genaue Jahr ist nicht mehr bekannt).
Später erweitert er die Krippe noch und schenkt sie der Kirche. Überdies schnitzte er
für die Kirche später auch noch eine Christkinddarstellung, die ihren Platz in der
Weihnachtszeit über dem Tabernakel bekommt.
171
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1950
15. Oktober: Am Kirchweihsonntag wird nicht nur Erntedank gefeiert, sondern es ist zu-
gleich auch Abschied und Aussendung von vier Herz-Jesu-Missionaren, die in die Süd-
see nach Rabaul ausreisen. Es sind die ersten, die dies nach dem Krieg wieder tun kön-
nen. Daß diese Feier hier stattfindet und nicht in der Frau-Hitt-Straße, zeigt wieder ein-
mal die enge Verbindung zwischen der Pfarre und dem Orden der MSC.
Meister Thurner macht für St. Georg eine Kriegergedenktafel. Es ist eine Keramik-
arbeit, geschmückt mit einem Relief des Hl. Georg.
1951
17. Mai: Zum ersten Mal seit Bestehen von St. Georg findet hier die Firmung statt.
Bischof Paulus Rusch spendet das Sakrament mehr als 50 Firmlingen. Bisher mußten
die Firmlinge immer zu den großen Firmungen in St. Jakob gehen.
3. Juni: Im Heiligen Jahr der Heimat findet die Fronleichnamsprozession am Herz-Jesu-
Sonntag statt. Zum ersten Mal muß der Traghimmel nicht mehr irgendwo ausgeliehen
werden. Die Bewohner der Lohbachsiedlung, durch deren Gebiet die Prozession nicht
gehen kann (bei den damaligen Wegverhältnissen kaum möglich), tragen durch Blu-
men aus ihren Gärten zum Schmuck der Altäre bei.
1952
Ein ständiges Sorgenkind ist der Weg zwischen Vögelebichl, der Lohbachsiedlung und
der Kirche. Obwohl er der Kindergarten-, Schul- und Kirchweg für ungefähr 1.000 Ein-
wohner und daher sicher von öffentlichem Interesse war, ergaben sich immer wieder
Schwierigkeiten. Statt der ursprünglich vorhandenen Stiege war wohl eine Serpentine
angelegt worden, aber diese war nur aus einem Acker ausgehoben und daher beson-
ders bei schlechtem Wetter in einem entsprechenden Zustand. Zeitweise war die Ver-
bindung zum Vögelebichl vom Grundbesitzer abgesperrt oder sie war kaum passier-
bar. Immer wieder hatte Pfarrer Weber in Eingaben den Stadtmagistrat ersucht, diese
Wegangelegenheit endlich zur Zufriedenheit der Grundeigentümer zu regeln.
Im Juni standen nun eines Morgens die Kirchenbesucher, Kindergarten- und Schulkin-
der, nachdem sie den Weg über den Hang hinaufgestiegen waren, vor einer Absper-
rung. Der Bauer, durch dessen Grund der Weg weiterführte, hatte sie angebracht.
Später pflügte er dann sogar noch um. Das endlose Warten war ihm zu lang geworden.
Nun endlich erklärte sich der Magistrat bereit, den Pacht für den Weg zu übernehmen
und diesen so einzuzäunen, daß er ordnungsgemäßẞ benützt werden konnte. Damit war
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der Nocksteig da, er war freilich noch nicht fest ausgebaut und blieb noch viele Jahre
namenlos.
Für Pfarrer Weber begann wieder die Zeit des Bettelns. Es ging darum, möglichst billig
Zement und Ziegel für das Jugendheim zu bekommen. Waldbesitzer aus der Pfarre
spendeten Holz. Im Pfarrbrief im Oktober konnte der Pfarrer dann bereits den Män-
nern und Burschen, die bisher fleißig beim Bau mitgeholfen haben, Dank sagen, natür-
lich nicht, ohne sie um weitere Hilfe zu bitten und auch andere dazu aufzufordern.
1953
Im Frühjahr kam von den Tonwerken in Fritzens das Angebot, Ausschußziegel in größe-
rer Menge kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dadurch bekamen Pfarrer und Mitarbei-
ter den Mut, das Jugendheim über das ursprünglich geplante Maß hinaus zu vergrö-
Bern, um so mehr Heimzimmer und einen Pfarrsaal zu bekommen. Architekt Hartwig
plante einen Anbau rechts und links von dem ursprünglichen Mittelbau aus Holz.
Die geschenkten Ausschußziegel mußten freilich erst in Fritzens aus einem großen Zie-
gelhaufen herausgesucht werden. Das war Arbeit für die Bubengruppen, die mit dem
Pfarrer zu diesem Zweck hinunterradelten. Dann gab es neuen Arbeitseinsatz für Män-
ner und Jugend, angefangen vom Ausheben des Grundes über Ziegelschupfen, Mörtel-
mischen und andere Handlangerdienste bis zum Decken des Daches. Die beiden Sei-
tenteile wurden von Baumeister Felderer kostenlos aufgestellt. Manche Männer waren
unermüdlich bei der Arbeit, besonders die Herren Stampfer, Oberhofer und Foidl.
Neben diesen Unentwegten halfen auch die Theologen aus der Frau-Hitt-Straße fleißig
mit und, wenn Not am Mann war, auch die Pfarrschwestern und andere Frauen. Im
November war das Jugendheim dann unter Dach.
1954
Den knappen Geldmitteln entsprechend ging der Ausbau des Jugendheimes nur lang-
sam weiter. Es fehlte noch viel: Verputz, Türen, Fenster, Fußböden, Stiege, Installatio-
nen, das Ausmalen und schließlich die ganze Ausstattung. Die Arbeiten wurden wieder
von den eigenen Leuten gemacht.
1955
3. Mai: Bürgermeister Dr. Greiter erhielt damals angeblich einen Brief von der katholi-
schen Männerrunde von St. Georg. Darin wurde dringend ersucht, den Weg zwischen
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Vögelebichl, Schule, Kindergarten und Kirche endlich in einen begehbaren Zustand zu
bringen. Das ständig hervorquellende Wasser verwandelte ihn in einen Morast, in dem
den Kindern die Schuhe buchstäblich stecken blieben. Eines sei weinend nach Hause
gekommen, weil es die Schuhe nicht mehr aus dem Schlamm brachte und in den
Strümpfen weitergehen mußte. In ihrem Brief bedauerten die Männer daher, daß sie
dem Bürgermeister bei der Einweihung des neuen Schulhauses nicht vorgeschlagen
haben, diesen Weg nach Hause zu gehen, sonst hätte es geheißen wie anno dazumal:
>Da geriet der Bürgermeister in einen Sumpf, verlor zwei Stiefel und einen Strumpf.<<
11. September: Die Lohbachsiedlung feierte ihr 20-jähriges Bestehen. Am Siedler-
magazin wurde der Altar für den Dank- und Weihegottesdienst aufgebaut und mit
vielen Blumen aus den Siedlergärten geschmückt. Bei dieser Feldmesse wurde die
Weihe der Häuser, die bei der Einweihung der Siedlung schon standen (1-56), erneuert,
für alle anderen Häuser wird sie nachgeholt.
28. September: Bischof Paulus Rusch bestellt mit Wirksamkeit vom 25. Oktober P.
Markus Galler MSC als Pfarrvikar von St. Georg.
Das Jugendheim ist fertig. Von allem Anfang an war es eine Arbeit, die viel Optimismus
und Idealismus, Schweiß und Schwielen an den Händen der Helfer und eine nicht
enden wollende Bettelei des Pfarrers erforderte.
16. Oktober: Abschied von Pfarrer Weber und Einweihung des Jugendheimes:
8 Uhr: Festgottesdienst, 15 Uhr: Aussendungsfeier mit Überreichung des Missions-
kreuzes durch den Bischof in der übervollen Kirche. Der Bischof drückt dabei in über-
aus herzlichen Worten seinen Dank an den scheidenden Seelsorger aus, der die Be-
wohner des Siedlungsgebietes zu einer richtigen Pfarrfamilie zusammengeschmolzen
hat. Anschließend Einweihung des Jugendheimes mit Segnung aller Räume durch den
Bischof. Auch Bürgermeister Greiter und Vizebürgermeister Süß waren anwesend. Fünf
Heimzimmer, zwei Bastlräume und ein großer Saal warten nun auf die heranwachsende
Jugend. Drei Jahre mühevoller Zusammenarbeit haben sich gelohnt. Der Schlüssel des
Heimes wird feierlich an die Jugendvertreter der Pfarre übergeben.
Pfarrer Weber ging in die Mission nach Belgisch Kongo. In einem Abschiedsbrief an
seine Pfarre legte er die Gründe dafür dar und stellte sein Missionsgebiet mitten im
dichtesten Urwald und weitab von jeder größeren Siedlung und die Arbeit, die ihn dort
erwartete, kurz vor. P. Weber kam wohl noch einmal bei einem Heimaturlaub kurz nach
St. Georg. Aber am 2. November 1964 wurde er während der Rebellion ermordet.
Advent: Der Pfarrbrief zum Advent kommt diesmal von P. Heinz MSC, der bis zum Ein-
treffen des neuen Pfarrers P. Markus Galler die Pfarrseelsorge übernahm und später
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Die Geschichte der Pfarre St. Georg-Allerheiligen
unter Pfarrer Cons. P. Markus Galler MSC
Von OSR. Walter Benesch
Die Zeit des seelsorglichen Wirkens des am 23. August 1987, also kurz vor Erschei-
nen dieser Festschrift verstorbenen, unvergessenen P. Markus Galler, des zweiten Pfar-
rers von St. Georg-Allerheiligen, ist in jeder Hinsicht der bedeutendste und ereignis-
reichste Abschnitt in der Geschichte unserer Pfarrgemeinde. Der Bogen spannt sich
von der einstmals bescheidenen Seelsorgsstation >St. Georg« bis zur heutigen Groß-
pfarre >>Allerheiligen«<, die inzwischen eine der größten unseres Bistums geworden ist.
Mit der Einstandsfeier des neuen Pfarrers Cons. Markus Galler vom Orden der Herz-
Jesu-Missionare (MSC), hat kaum jemand voraussehen können, daß schon nach weni-
gen Jahren nicht nur die Pfarre mit dem Kindergarten, sondern auch die Schule mit
ungeahnten räumlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben werden. Ein Markstein in
der Entwicklung der Pfarre waren der Baubeginn des Pfarrhauses mit Kindergarten im
Jahre 1961, gefolgt vom Beginn des Kirchenbaues im Jahre 1963.
In diesem Vierteljahrhundert, in der Zeit Pfarrer Gallers, ist ein neuer Stadtteil entstan-
den, der sich geographisch im wesentlichen mit den Pfarrgrenzen deckt. So reicht das
Pfarrgebiet im Süden bis zur Kranebitter Allee einschließlich alter Flughafen, im
Norden bis zur Gemeindegrenze, im Osten bis zum Großen Gott - Speckweg und im
Westen umfaßt es das ganze Gebiet von Kranebitten.
Nach diesen einleitenden Bemerkungen folgt nun eine chronologische Aufzeichnung
der wichtigsten Ereignisse in der rasanten Entwicklung der Pfarre St. Georg-Aller-
heiligen.
1955
1. Adventsonntag: Der Beginn des neuen Kirchenjahres war für St. Georg ein neuer An-
fang. Beim 8-Uhr-Gottesdienst fand in der Notkirche die feierliche Einführung des neu-
en Pfarrers Cons. P. Markus Galler statt. Die Notkirche konnte die zahlreich erschiene-
nen Gläubigen gar nicht alle fassen. Am Abend, nach der Adventkranzweihe, war dann
im Saal des Jugendheimes in einer Pfarrfamilienfeier die Begrüßung des neuen
Pfarrers.
Im ersten Pfarrbrief von Pfarrer Galler stand zu lesen: »Noch ist sie klein, unsere Kirche,
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Abb. 60: Die Allerheiligenkirche innen- Blick zum Altar, noch ohne das erst 1977 angebrachte Wandmosaik.
Foto: Richard Frischauf
sie wird groß werden. Noch ist sie aus Holz, sie wird aus Stein werden.<- Eine Vision,
oder bereits ein klar gefaßter Plan? - fragt sich der Chronist. Acht Jahre später war
dann die Grundsteinlegung für die neue Kirche! Niemand hatte an diesem Advent des
Jahres 1955 zu sagen gewagt, daß in der verhältnismäßig kurzen Zeit ein so großes Bau-
vorhaben verwirklicht werden könnte.
Dieser erste Pfarrbrief wurde in der Druckerei Burgstaller in Wörgl gedruckt, weil Pfarrer
Galler vor seinem Eintreffen in St. Georg Superior eines kleinen Klosters der Herz-Jesu-
Missionare in Wörgl war, wo er auch seelsorglich wirkte.
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1957
13. Jänner: P. Josef Plattner MSC aus unserer Pfarre (Kranebitten) wurde beim 9-Uhr-
Gottesdienst feierlich verabschiedet. Er ging in die Kongo-Mission. Die Missions-
predigt hielt der Propst von St. Jakob, Prälat Dr. Heinz Huber.
29. Jänner: Am Abend dieses Tages erhielt St. Georg hohen Besuch. Der Fürsterz-
bischof von Salzburg, Andreas Rohracher, ein Freund von Pfarrer Galler, kam anläßlich
eines Innsbruck-Aufenthaltes in die Pfarre. In der >Pfarrhaus<<-Baracke sagte der Erz-
bischof zu Pfarrer Galler: »Mein lieber Markus, so wie ich dich kenne, wirst du nicht
lange in der Baracke hausen - du mit deiner Zielstrebigkeit und Tatkraft!<<
12. Juni: Firmung durch Bischof Dr. Paulus Rusch. Wieder zeigte sich, daß die Notkirche
einfach zu klein ist. Nicht einmal alle Angehörigen der Firmlinge fanden in der Kirche
Platz.
13. Oktober: Abschiedsfeier für P. Heinz MSC um 8 Uhr. Er ging auch in die Kongo-
Mission. Um 20 Uhr Missionsfeier für die Pfarrfamilie mit Lichtbildern.
Zum Abschluß des Jahres 1957 zählte St. Georg rund 2300 Seelen. Eine Männerrunde
kam monatlich zusammen, einmal im Monat fand im Pfarrsaal eine Veranstaltung statt
(Vorträge, Lichtbilder- und Filmabende u.v.m.), die katholische Jugend hielt wöchentli-
che Heimstunden im Jugendheim, ebenso die Arbeiterjugend.
1958
19. Februar: Unter Führung von Bürgermeister DDr. Alois Lugger unternahm eine
Kommission des Stadtmagistrates einen Lokalaugenschein im engeren Pfarr- und
Schulgebiet. Es folgten Besprechungen über die Grundverhältnisse für den geplanten
Bau des Pfarrhauses, des Kindergartens, der Kirche und des Schulhaus-Erweiterungs-
baues.
27. Juli: Primizfeier des Pfarrkindes Hugo Helbock um 9 Uhr im Freien vor dem Kinder-
garten. Das zahlreich erschienene Pfarrvolk hätte in der Notkirche nur zu einem kleinen
Teil Platz gehabt. Die Primizpredigt hielt der Probst von St. Jakob, Msgr. Dr. Heinz
Huber. - Es war dies die zweite Primiz von einem Pfarrangehörigen in St. Georg.
Groß war auch die Beteiligung der Bevölkerung von St. Georg bei der jährlichen
Prozession durch die obere Siedlung am Fronleichnamssonntag. Auch der gelobte Bitt-
gang nach Kranebitten zur Filialkirche Mariä Heimsuchung fand jedes Jahr unter großer
Beteiligung der Pfarrgemeinde statt.
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Im Jahre 1958 müssen drei Namen festgehalten werden, die mit dem Pfarrleben von St.
Georg eng verbunden sind. Das ist zunächst Frl. Rosa Fritz, die langjährige Mesnerin.
Neben diesem Dienst besorgte sie auch fast zwei Jahrzehnte den Kirchenputz, den Blu-
menschmuck, die Kirchenwäsche u.v.a.m. - das alles neben ihrer Arbeit als Pfarrschwe-
ster mit dem vielseitigen Aufgabenbereich. Diesen Dienst versah Frl. Rosa Fritz bis
Ostern 1958.
Der zweite Name ist der von Frl. Inge v. Rapp. Sie war die zweite Pfarrschwester von
St. Georg. Nach zwölfjähriger Tätigkeit ist sie als Pfarrschwester ausgeschieden um zu
heiraten (Dr. Födisch).
Die Mutter von Frl. Rapp ist der dritte Name, der festgehalten werden muß. Unermüd-
lich arbeitete sie für die Pfarre, auch in den folgenden Jahrzehnten, bis ins hohe Alter
als Pfarrbriefausträgerin, Caritassammlerin und Kirchenputzerin. Erst das immer
schwächer werdende Augenlicht bereitete ihrem Arbeitseifer mit weit über 80 Jahren
ein Ende.
September: Im ganzen Land, besonders aber in Innsbruck, wurde zu einer Spenden-
aktion aufgerufen. Der Grund war der geplante Bau einer Landesgedächtniskirche >>St.
Paulus« aus Anlaß des Gedenkjahres 1809-1959 und auch zum bevorstehenden zwan-
zigjährigen Bischofsjubiläum und 25-jährigen Priesterjubiläum von Bischof DDr.
Paulus Rusch. Dazu schreibt Pfarrer Galler im September-Pfarrbrief: >Wenn wir viel
spenden, werden die anderen für unseren geplanten Kirchenbau auch nicht kleinlich
sein.<
Weihnachtspfarrbrief 1958: Der Pfarrer hofft auf Aufhebung des Bauverbotes auf
pfarrlichem Grund nach »zweijährigem Kampf mit vielen, vielen Vorsprachen<<.
1959
11. April: Erste offizielle Visitation durch Bischof DDr. Paulus Rusch. - Am 12. April war
dann die Firmung: 43 Firmkinder und 6 Erwachsene.
24. Mai: Tiroler Katholikentag. 50 bis 80 Osttiroler sollen in (Allerheiligen) St. Georg un-
tergebracht werden; für alle konnten Schlafplätze im Pfarrgebiet gefunden werden.
13. Dezember: 25-jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer Galler. Beim Festgottesdienst
predigte der Probst von St. Jakob Prälat Dr. Heinz Huber.
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Die Bausteinaktion des Jahres 1959 für unseren geplanten Kirchenbau war ein voller
Erfolg, S 64.000,- sind eingegangen. Davon wurde die Hälfte bereits bar eingezahlt (für
den ersten Bauabschnitt - Pfarrhaus und Kindergarten).
1960
Im Pfarrbrief 4/1960 wurde die Pfarrgemeinde informiert, daß vor vier Jahren von
Bischof Rusch ein Kirchenbauverein ins Leben gerufen wurde und bisher schon sieben
Kirchenneubauten mitfinanziert wurden. Allerheiligen ging bisher allerdings leer aus,
obwohl St. Georg jährlich mindestens S 8.000,- für den Kirchenbauverein zusammen-
bringt. »Dreimal sind wir aus der Reihe geflogen«<, schreibt Pfarrer Galler in diesem Zu-
sammenhang. Doch hofft er, daß wir schon noch richtig unterstützt werden.
In diesem Jahr wurde die Pfarrbibliothek von Ing. Rainer mit großem Fleiẞ neu
gestaltet.
Im April rückt der Kirchenbau in greifbare Nähe. Nach zähen und langwierigen
Verhandlungen wird der Stadt der ganze Kirchengrund zur Verfügung gestellt und die
Stadt ihrerseits überläßt der Pfarre St. Georg den gleich großen Teil des von der Gärtne-
rei Köchler erworbenen Hügelgeländes. Nach Schleifung des Hügels kann mit dem Bau
begonnen werden.
1961
Im März wurden von fünf namhaften Architekten Modelle des geplanten Pfarrzentrums
dem Ordinariat vorgestellt. Bischof Dr. Rusch entschied sich für den Entwurf des aus
dem Stubai stammenden, bekannten Architekten Prof. Clemens Holzmeister. An
einem Sonntag wurde das erste Modell von Prof. Holzmeister vor der Kirche zur Besich-
tigung ausgestellt.
Am 14. und 16. März hielt der auf Heimaturlaub weilende Kongomissionar P. Karl Maria
Weber Vorträge mit Lichtbildern. P. Weber war bekanntlich der erste Pfarrer von St.
Georg.
Im Osterpfarrbrief vermerkte Pfarrer Galler humorvoll, daß er vom Bischof eine
Rüge einstecken mußte und zwar wegen der zu geringen Bauspenden aus der Pfarre
dabei kamen doch schon S 60.000,- zusammen! Weiters schrieb er: »Eine kalte
Dusche. Das bin ich gewohnt. Denn bei jedem Regenwetter habe ich in meiner Baracke
kalte Duschen.<<
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5. Juni: In der Kindergartenbaracke hielt Pfarrer Galler eine Elternversammlung, bei
der auch Bürgermeister Dr. Lugger und Stadtrat Dir. Arthur Haidl anwesend waren.
Bau und Ausbau des Pfarrkindergartens wurden besprochen und finanzielle Unter-
stützung durch die Stadt versprochen.
Juni: In einem Kirchenbau-Pfarrbrief von Pfarrer Galler war zu lesen: Kosten unseres
Pfarrzentrums ca. 7 Millionen S, davon wird den größten Teil die bischöfliche Finanz-
kammer übernehmen, weil uns der Bischof sehr wohl gesinnt ist. Das Land tut für uns
praktisch nichts, vermerkte der Pfarrer in diesem Pfarrbrief. Der Kirchenbauverein St.
Georg zählt 160 Mitglieder, die laufend spenden. Eine Haussammlung für unser Bau-
vorhaben wird angekündigt und dann auch durchgeführt: »Das Säkularwerk von St.
Georges handelt sich doch nicht um einen Bau für 10 Jahre, sondern für Jahrhunder-
te. Wir sind die Glücklichen, die das schaffen dürfen. Wir setzen uns ein Denkmal von
historischer Bedeutung«, schrieb Pfarrer Galler damals.
1961 war das Jahr des Baubeginns:
10. März: Zwei Planierraupen benagen den Hügel.
24. Juli: Die ersten Arbeiter stellen die Bauhütten auf und leisten Vorarbeiten.
5. August: Der Hochkran wird aufgestellt und die Fundamente gegossen.
10. Dezember: Das Pfarrhaus ist unter Dach, der Kindergarten erhielt die letzte
Decke. Bis jetzt wurden 200.000 Vollziegel vermauert.
1962
Im April erhalten alle Familien den zweiten Baubrief. Dieser Brief schließt mit den Un-
terschriften von Bischof Rusch, Bürgermeister Lugger und des Architekten Clemens
Holzmeister. Bis jetzt sind S 60.000,- an Bauspenden eingegangen. Um die Mittel für
eine Ölheizung hereinzubekommen, hat Pfarrer Galler in Eigenregie die ganzen Gra-
bungs- und Schachtarbeiten in Angriff genommen. Theologen aus dem Kloster in der
Frau-Hitt-Straße (MSC) halfen mit. In Arbeitskleidung ging der Pfarrer fast 14 Tage mit
dem Kompressor den Betonwänden zu Leibe, um die vielen Öffnungen für die Hei-
zungsrohre zu bohren. 200 Arbeitsstunden wurden auf diese Weise eingespart.
Zu Lichtmeẞ war die Firstfeier beim Kindergarten und Pfarrhaus.
11. November: Abschiedsfeier für P. Plattner, der nach Beendigung seines Heimatur-
laubes wieder in die jetzt unruhig gewordene Kongomission zurückkehrt. - Aus Afrika
brachte P. Plattner ein Äffchen mit (eine junge Meerkatze), das er bei seinem Bruder in
Kranebitten zurückließ. Besonders die Kinder waren von diesem Tier begeistert.
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Abb. 61: Innenansicht der Allerheiligenkirche - Blick nach hinten.
Foto: Richard Frischauf
1963
Beginn des Jahres 1963: Pfarrer Galler machte die Gemeinde mit der schwierigen
finanziellen Lage vertraut, wenn er da wörtlich schreibt: »Die bischöfliche Finanz-
kammer hat den gewöhnlichen und außerordentlichen Zuschuß kaltblütig gestrichen.
Jede Pfarre muß für sich selber aufkommen. Ende!<< Mit den Zuschüssen der Stadt und
dem Kirchenbeitragsanteil könne der Pfarrer nur 1½ Kindergärtnerinnen bezahlen,
mehr nicht.
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20. März: Der Kirchenbau beginnt!
Der Hochkran wird aufgestellt, unsere Gottesburg entsteht! Der Pfarrer hofft, bis Aller-
heiligen 1964 Kirchweih feiern zu können, auf Allerheiligen! Denn es wird jetzt schon
viel davon gesprochen, daß die Pfarre wieder den historischen Namen bzw. das Patrozi-
nium zu >Allerheiligen« bekommen soll.
1. Oktober: Anna Gächter trat ihren Dienst als Pfarrschwester an. Sie machte nicht nur
die ganze Kanzleiarbeit, sondern führte auch den Pfarrhaushalt. In kurzer Zeit war sie
die Person in der Pfarre, die über alles Bescheid wußte und allen Auskunft geben
konnte.
6. Oktober: Feierliche Grundsteinweihe der neuen Kirche durch den Propst von St.
Jakob Prälat Dr. Heinz Huber in Vertretung des Bischofs, der beim 2. Vatikan. Konzil in
Rom weilt.
1964
10. Oktober: Glockenweihe vor dem Turm an der Südseite durch Generalvikar Prälat
Weiskopf. Feierliche Gestaltung durch Bläser aus dem Kloster der Frau-Hitt-Straße,
durch Schulkinder mit Liedern und Gedichten und viel Pfarrvolk. Die gesamte elektri-
sche Läutanlage, einschließlich Automatik, finanzierte Gen. Dir. Dr. Günther Schlenck
von der Raiffeisen-Zentralkasse Tirol.
Die vier Glocken: 1. Allerheiligenglocke
2. Herz-Jesu-Glocke
3. Marienglocke
4. St. Georgsglocke
(1300 kg)
(650 kg)
(380 kg)
(210kg)
Stimmung der Glocken: es'-g-b-c"
Eine Woche nach der Glockenweihe wurden die vier Glocken aufgezogen und im vorbe-
reiteten Glockenstuhl montiert. Man wartete schon gespannt auf das erste Läuten.
Bis zum ersten Adventsonntag wurde die Haussammlung für den Kirchenbau abge-
schlossen und ergab die Summe von S 30.000,-. Der Pfarrer meinte, nachdem wir unse-
ren guten Willen gezeigt haben, wird der Bischof sich auch erweichen lassen und uns
finanziell weiterhelfen.
2. November: P. Karl Maria Weber fand als Missionar durch einen Lanzenstich eines Re-
bellen aus seiner eigenen Missionsstation Bokungo einen gewaltsamen Tod. »Eine grö-
Bere Liebe hat niemand, als der sein Leben hingibt für die Seinen« - schrieb Pfarrer
Galler in einem eigenen Pfarrbrief, in dem er dieses traurige Ereignis der Pfarrgemein-
de mitgeteilt hat.
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Abb. 62: Bischof Dr. Paulus Rusch nahm am 12. Dezember 1965 die Weihe der neuen Allerheiligenkirche vor.
Foto: Erich F. Birbaumer
1965
6. Februar- Lichtmeẞsonntag: Erstes feierliches Läuten der neuen Glocken zur
Freude der ganzen Pfarrgemeinde um 15 Uhr.
6. Mai: P. Josef Plattner aus Kranebitten weilte auf Heimaturlaub und zeigte im Pfarr-
saal Lichtbilder aus seinem Missionsgebiet.
12. Dezember: Weihe unserer neuen Kirche durch Bischof Dr. Paulus Rusch. Eine
harte, arbeitsreiche Zeit fand durch die Kirchweihe ihren krönenden Abschluß. Der
Segen Gottes war dabei die vielen Opfer haben sich gelohnt! Die Kirchenbausamm-
lung ergab den Betrag von S 48.000,-. Weitere Sammlungen und Spenden werden not-
wendig sein, um aus den Bauschulden zu kommen!
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Sonderfall. Nicht eine Kirche wartete auf die Orgel, sondern die Orgel wartete auf die
Kirche. Die Orgel hat jetzt, verteilt auf drei Manuale und Pedal, 25 Register.
1968
29. Juni: Feierlicher Empfang des dritten Primizianten aus der Pfarrgemeinde St.
Georg-Allerheiligen, P. Franz Färber (Benediktiner von St. Peter in Salzburg).
Sonntag, 30. Juni: Primiz-Festgottesdienst. Unter den vielen Ehrengästen war auch der
Erzabt von St. Peter.
September: Das ohne Gesamtplanung errichtete erste Jugendheim von Pfarrer P.
Weber hat gewiß seine Dienste getan, wurde nun aber viel zu klein. »Wir werden einen
Neubau des Jugendheimes nicht länger hinausschieben können. Abgesehen davon,
daß dieses Heim im Gesamtkomplex von Pfarrhaus und Kindergarten wie ein Fremd-
körper wirkt<<, schrieb der Pfarrer im Pfarrbrief. Für den Neubau arbeiteten Architekt
Schwaighofer und die Baufirma AST zum Selbstkostenpreis.
1969
8. September: Da Kaplan P. Ludwig Laaber im Sommer in die Kongo-Mission ging, trat
der neue Kaplan P. Martin Habersetzer als zweiter Seelsorger seinen Dienst an.
1970
Im Sommer wurde Kaplan Habersetzer MSC vom Orden nach Rebdorf versetzt. Somit
hatte die Pfarre vorübergehend keinen Kaplan mehr.
1971
13. September: Mit Schulbeginn nimmt der neue Kaplan Rupert Praher MSC seine
Arbeit auf.
Um den lästigen Zugwind aus der Kirche zu bannen, müssen die Fenster eine Doppel-
verglasung bekommen und die Heizung verstärkt werden. Pfarrer Galler kündigt für
diesen Zweck mit dem Pfarrkirchenrat eine Haussammlung an. Kaplan Praher richtet
im Rahmen des Jugendzentrums einen Hort ein, der Schulkinder von berufstätigen
Müttern an Nachmittagen betreut.
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1974
20. Oktober: 40-jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer Cons. P. Markus Galler. Als
bleibende Erinnerung spendete die Pfarrgemeinde seinem Wunsche entsprechend
eine Lautsprecheranlage für die Kirche.
1975
10. Mai: Anläßlich des 10-jährigen Bestehens des Gemischten Chores Allerheiligen
fand um 20 Uhr in der Kirche ein Jubiläumskonzert statt. Leitung: Dr. Martin Dirk
Wartha.
1976
1976 wurde für das große Anliegen der Renovierung der Filialkirche >>Maria Heim-
suchung« in Kranebitten zu einer Spendenaktion aufgerufen.
4. Dezember: An diesem Tag nahm eine bleibende Einrichtung ihren Anfang: Jeden
ersten Monatssamstag Bittgang zum Höttinger Bild. Initiator war Ing. Josef Willi.
1977
16. Oktober: Weihe des fertiggestellten großen Mosaiks an der Altarwand der Kirche.
Der Entwurf und die Ausführung in der Mosaikwerkstätte Pfefferle in Zirl stammt vom
akadem. Kunstmaler Kurt Richard Fischer, der auch die Kreuzwegbilder schuf. Nach
drei Wochen Arbeit ziert es auf 25m² in leuchtenden Farben unser Gotteshaus.
Inhaltlich wird in diesem Mosaik die Glaubensverkündigung symbolhaft lebendig in
dem Gnadenstrom vom himmlischen Jerusalem über die fürbittende Kirche aller Heili-
gen, weiter über die Stufen durch den Paradiesgarten auf unseren Altar mit dem Taber-
nakel und weiter zu den Gläubigen.
1978
4. bis 19. März: Große Glaubensmission für Innsbruck-Völs. Mehrere Veranstaltungen
auch in Allerheiligen. - Die statistische Auswertung aller Pfarren des Großraumes Inns-
bruck-Völs ergab, daß die Glaubensmission bei allen Veranstaltungen nirgends so gut
besucht war, wie in Allerheiligen! - Dr. Eugen Linser, der Vorsitzende des Pfarrge-
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meinderates, konnte über diese erfreuliche Tatsache berichten. Im Anschluß an die
Volksmission wurde ein Liturgiekreis gegründet, der sich ungefähr alle zwei Monate
trifft. Hauptanliegen ist eine lebendige Gottesdienstgestaltung. Die Leitung dieses
Arbeitskreises hat bis heute Dr. H. Juen.
3. Dezember: Nach dem 10-Uhr-Gottesdienst erfolgte die kirchliche Weihe der neu ge-
stalteten Pfarrbücherei, die seither »Öffentliche Bücherei Allerheiligen«< heißt und
vom langjährigen Bibliothekar OSTR. Prof. Dr. Rudolf Blaas geleitet wird.
1979
Im Sommer bekommen die Pfadfinder im Jugendheim einen eigenen Raum von 30 m²,
der bisher die >>Pfarrerwerkstätte<< war. Die Kosten für Umbau und Einrichtung beliefen
sich auf rund S 100.000,-.
1980
13. Oktober: In einer denkwürdigen Sitzung des Pfarrgemeinderates gab Pfarrer Galler
seine Absicht bekannt, die Leitung der Pfarre abzugeben und in den Ruhestand zu
treten. Die Pfarre soll aber weiterhin von den Herz-Jesu-Missionaren geführt werden.
Auch Kaplan Rupert Praher gab bekannt, daß er als Pfarrer nach Rebdorf versetzt wird.
22. Oktober: Abschiedsfeier für Kaplan P. Rupert Praher MSC mit dem Lehrkörper der
Schule.
30. November-1. Adventsonntag: Feierliche Installierung des neuen Pfarrers OSTR
Prof. Johannes Hopfgartner MSC durch Dekan Martin Tschurtschenthaler. Mit der sym-
bolischen Schlüsselübergabe wurde der neue Pfarrer in sein Amt eingeführt. Pfarrer
Galler assistierte bei diesem Einführungsgottesdienst. P. Hopfgartner kam aus Linz, wo
er ein Studentenheim leitete und als Religionslehrer an einem Gymnasium wirkte.
Nach diesem Gottesdienst war im Pfarrsaal sowohl die Verabschiedung des alten
Pfarrers als auch die Begrüßung des neuen. Durch den Geschäftsführer des Pfarrge-
meinderates, Dr. Eugen Linser, wurde Pfarrer Galler der Dank der Pfarrgemeinde
ausgesprochen. Auch der Vorsitzende des Pfarrkirchenrates, Kulturstadtrat Gen. Dir.
Dr. Günther Schlenck, dankte Pfarrer Galler für seinen Einsatz als Seelsorger und
>Kirchenbauer« in dem verflossenen Vierteljahrhundert seines Wirkens. Den Segens-
wünschen für den neuen Pfarrer schloß sich auch Dekan Tschurtschenthaler an.
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H
rsale
Abb. 63: Das evangelische Gemeindezentrum, Technikerstraße 50.
Foto: Evang. Gemeindezentrum
Somit ging die Ära von Pfarrer Galler zu Ende. Wie schon eingangs erwähnt, waren diese
25 Jahre »Gallerzeit«< die ereignisreichsten in der Geschichte der Pfarre St. Georg-
Allerheiligen.
Anschrift des Verfassers: VS-Direktor i. R.
OSR. Walter Benesch
Hörtnaglstraße 18
6020 Innsbruck
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Das Leben in der Pfarre von 1980
Von Elisabeth Putz
-
1987
Nachdem Pfarrer Markus Galler in den Ruhestand versetzt wurde, und Kaplan Ru-
pert Praher nach 10-jähriger Tätigkeit hier nach Rebdorf berufen wurde, erklärte sich
Pater Johannes Hopfgartner bereit, die Pfarre Allerheiligen zu übernehmen. Was für die
Pfarre ein Glück war, war für Pater Hopfgartner sicherlich nicht leicht. Mit 62 Jahren, in
einem Alter also, wo viele andere schon die Pension genießen, wurde er vom Orden mit
einer für ihn völlig neuen Aufgabe betraut. Er mußte umsteigen vom Leiter des Studien-
heimes >Zum Guten Hirten« in Linz zum Pfarrer für über 8000 Seelen. Sich nach und ne-
ben Altpfarrer Galler, der vor ihm hier 25 Jahre herrschte, zu behaupten, war bestimmt
auch nicht einfach. Trotzdem beschreibt man die vier Jahre mit Pfarrer Hopfgartner am
besten als die Jahre des großen Umschwungs.
Was durch die Volksmission im Jahre 1978 ansatzweise entstand, fand seine volle
Entfaltung in seiner Ära. Für ihn waren Laien vollwertige Christen und er war dankbar
für ihre Mitarbeit. Das wirkte sich vor allem in der Liturgie aus. Die Gottesdienste waren
keine reinen Zeremonien mehr, sondern hier durfte gelacht, geklatscht und improvi-
siert werden. Es machte ihm auch nichts aus, wenn einmal etwas schief ging oder ein
Kind etwas eigenwillige Vorstellungen vom Mitfeiern hatte. Mit ein paar freundlichen
Worten ging er über diese Pannen hinweg, und langsam gaben es auch die >ganz From-
men« auf, daran den >vorgeschriebenen Anstoß« zu nehmen.
Mit den Kindern konnte er besonders gut umgehen; angeblich soll er die besten Zuk-
kerln von ganz Innsbruck verteilt haben. Auch durften sie nach dem Gottesdienst auf
der Pfarrwiese herumtollen, was früher absolut undenkbar gewesen wäre. Bei den
Kindermessen predigte er für die Kinder und er machte auch den Mädchen den Weg
frei zum Dienst am Altar. Über die Kinder erreichte er natürlich das Herz der Mütter
und Frauen, was sich bereits beim allerersten Bazar seiner Amtszeit spürbar auswirkte.
Der Erlös war ein Vielfaches der vorangegangenen.
Pfarrer Hopfgartner ging auf jeden Vorschlag ein, solange er halbwegs vernünftig war.
Er verlegte die Frauenmesse von dem denkbar ungünstigen Zeitpunkt 19 Uhr auf den
Mittwoch Vormittag, sodaß die Frauen erst ihre Kinder in den Kindergarten bzw. in die
Schule bringen konnten und dann Ruhe und Zeit für den Gottesdienst hatten. Diese
Messen wurden von den Frauen selbst gestaltet; statt der Predigt gab es meistens
einen Dialog, auch die Fürbitten kamen spontan aus dem Volk. Man fühlte sich eher wie
im eigenen Wohnzimmer als in der Kirche, ohne deshalb an Andacht etwas einzu-
büßen.
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Er öffnete das Pfarrhaus und die Kirche für jeden. Einmal monatlich hielten die evange-
lischen Christen unserer Pfarre ihren Gottesdienst in unserer Seitenkapelle. Der Pfarr-
saal, früher nur einmal jährlich bei der Pfarrversammlung verwendet, durfte von allen
Gruppen, seien es Chöre, Senioren, Arbeitskreise etc. für Besprechungen, Elternaben-
de oder zum Feiern benutzt werden. Beim Feiern war er jedesmal dabei, ja er war sogar
derjenige, der uns erst zum Feiern brachte! In seine Zeit fällt der erste Pfarrball, der ein
voller Erfolg wurde, die Feste anläßlich Pater Gallers 75. Geburtstages und Peter Willis
Primiz, die Muttertagsfeiern und das Adventsingen.
Seiner Zustimmung verdanken wir es, daß alle zwei Jahre die Fronleichnamsprozession
in die Lohbachsiedlung führt, wenn auch die erste dorthin erst von seinem Nachfolger
geleitet wurde.
Pfarrer Hopfgartner predigte gern, pro Messe dreimal: gleich nach dem Eingangslied,
bei der Predigt selbst und noch einmal am Schluß. Er wurde deshalb mehrmals »ange-
pflaumt<<, auch in den »Gstanzln« bei den Pfarrbällen. Er trug es aber mit Humor und
ließ sich nicht beirren. Humor war überhaupt eine seiner angenehmsten Eigenschaf-
ten. Nach dem Händedruck an der Kirchentür (>>So kalte Händ, was seid ihr Tiroler doch
für erfrorene Leut!<<) stand man lang am Kirchplatz und unterhielt sich über Gott und
die Welt. Dabei wurde viel gelacht und manch einer erlebte noch das 12 Uhr Läuten
zwischen Kirche und Jugendheim.
Zweimal entging er knapp der Lynchjustiz. Es passierte ihm nämlich ausgerechnet bei
der Frauenmesse, daß er von >Frauen und Menschen« sprach und »... von den Politi-
kerinnen bis herunter zu den Hausfrauen...«. Das gab ein Protestgeheul! Erst wußte er
gar nicht, was passiert war, dann lachte er und sagte: »Aber das hab ich doch nicht so
gemeint!<< Weil wir ihn kannten, glaubten wir ihm.
Pater Hopfgartner wirkte noch am ersten Pfarrkalender mit, ehe er uns auf eigenen
Wunsch verließ und Superior im Studentenheim in der Frau-Hitt-Straße wurde. Er be-
treut aber weiterhin unsere Kirche in Kranebitten und springt auch gern immer wieder
in Allerheiligen ein. Als Dank und in Anerkennung seiner Verdienste widmete ihm die
Pfarre das >Pater Hopfgartner-Bankl<, das beim Pfarrfest 1985 am Kirchplatz feierlich
enthüllt wurde.
Allerdings ist auch Bedauerliches aus diesen Jahren anzuführen, namentlich, daß die
Pfarre zwei ganz wertvolle Mitarbeiter verlor:
Frau Anna Gächter, Pfarrhaushälterin, Sekretärin und Mädchen für alles, ging in Pen-
sion. Sie hinterließ eine große Lücke, denn ihre Begabungen waren sehr vielseitig. Sie
reichten von der Buchführung, über Telefondienst und Altarschmuck bis zum Nähen
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der Ministrantenkleider. Sie bändigte die wirre Haartracht der kleinen Meẞdiener und
Pater Gallers manchmal aufbrausendes Wesen. Außerdem kannte sie nahezu alle
Pfarrmitglieder mit ihren Nöten und Sorgen, kümmerte sich um die sozialen Dienste
und um die Mission. Sie hatte garantiert keine 40 Stunden Woche.
Ihre Aufgaben übernahm vorübergehend Sr. Marietta; man darf es ruhig laut sagen:
Der Liebling der ganzen Pfarre! Sr. Marietta war von einer solchen sanften Demut und
Freundlichkeit, daß sie mit einem einzigen Augenaufschlag bei Jung und Alt, Männlein
wie Weiblein, alles erreicht. Man konnte ihr keine Bitte abschlagen, weil jeder wußte,
daß sie sich selbst auch nicht schonte und, ohne zu klagen, Tag und Nacht im Einsatz
war. Ihr liebevolles, ausgleichendes Wesen sorgte für Harmonie im Pfarrhaus. Leider
wurde sie nach 20 Jahren Tätigkeit in unserer Pfarre trotz Protestes von unserer Seite
von ihrem Orden nach Rebdorf versetzt.
Eine positive personelle Veränderung war die Zuteilung des Pastoralassistenten
Johann Mair, kurz und liebevoll »Hirtenhund« genannt. Er ist ein Osttiroler und Spezia-
list für tiefgehende Gedanken und originelle Ideen. Ihm verdanken wir das allmitt-
wöchliche Morgengebet um 5.45 Uhr, das Schweigen für den Frieden jeden Freitag zwi-
schen 20.00 und 21.00 Uhr auf dem Kirchplatz, das totale Fasten jeden Freitag in der
Advent- und Fastenzeit u. a. m. Johann war auch der Initiator für die Firmlingszeitschrift
>>Detlef«<, die vorwiegend von Kindern für Kinder und Erwachsene monatlich herausge-
geben wird.
Mit der Ära Hopfgartner endete auch das Wirken der Herz-Jesu-Missionare in Allerheili-
gen. Der Orden mußte nach 40-jähriger Tätigkeit aus Personalmangel die Pfarre an die
Diözese zurückgeben.
Im November 1984 übernahm Pfarrer Erich Gutheinz, Jahrgang 1942 und bisher Leiter
der Kirchenzeitung, die Pfarre Allerheiligen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten -
schließlich wird nicht über Nacht aus einem rasenden Reporter ein seẞhafter Pfarrherr
- lief der Pfarrbetrieb wieder auf vollen Touren.
Pfarrer Gutheinz ist seinem Vorgänger Pater Hopfgartner im Wesen sehr ähnlich, vor al-
lem was die Aufgeschlossenheit und Volksnähe betrifft. Andererseits, als die Frauen-
messe drohte, in einen Debattierclub auszuarten, riß er das Heft wieder an sich und bot
dafür als Ersatz einmal im Monat einen Gesprächskreis an. Seine Predigten sind eine
Klasse für sich. Dabei spricht er frei und mit kräftiger Stimme, sodaß an ein Nickerchen
während der Predigt nicht zu denken ist.
Als weitere personelle Veränderung ist zu erwähnen, daß Altpfarrer Pater Markus
Galler im Frühjahr 1987 in die Frau-Hitt-Straße übersiedelte, denn sein Gesundheitszu-
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B
Abb. 64: Evangelisches Gemeindezentrum: Einfügen der Grundstein-Urkunde durch Bürgermeister
Romuald Niescher und Pfarrer Daniel Diel am 6. Juni 1985 (Fronleichnam).
Foto: Evang. Gemeindezentrum
stand wurde rapid schlechter. Am 23. August 1987 - noch vor dem Erscheinen dieser
Festschrift wurde Altpfarrer P. Markus Galler in die ewige Heimat abberufen.
Das rasche Anwachsen des Ortsteils Kranebitten bedeutet auch für die Seelsorge
eine neue Situation. Das Kirchlein »Mariä Heimsuchung ist zu klein geworden. So ist
daran gedacht, ein neues Gotteshaus in diesem Ortsteil zu bauen. Als ersten Schritt
dazu hat die Kirche bereits eine entsprechend große Baracke erworben, die helfen
wird, die Zeit bis zum Neubau einer Kirche zu überbrücken. Gegenwärtig wird ein
geeigneter Baugrund für Kirche und einige Zusatzräume gesucht. Es entwickelt sich
allmählich in Kranebitten ein eigenes Gemeindebewußtsein.
Anschrift der Verfasserin: Elisabeth Putz
Höttinger Rain 10
6020 Innsbruck
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Das Evangelische Gemeindezentrum Innsbruck-Technikerstraße
Von Pfarrer Bernhard Groß
Das Evangelische Gemeindezentrum Innsbruck-Technikerstraße ist im Rahmen
des geplanten Stadtteilzentrums Hötting-West errichtet worden.
Dieses Stadtteilzentrum sieht neben kulturellen Einrichtungen wie Schulen, Kinder-
garten, Mehrzweckhaus auch Geschäfte und Wohnungen vor. Es liegt in unmittelbarer
Nähe der bestehenden Universitätsbauten. An der Süd-West-Ecke dieses neuen Stadt-
teilzentrums ist in bevorzugter Lage am Übergang zwischen dem Einkaufszentrum und
der reinen Wohnbebauung, sowie direkt gegenüber dem Hauptzugang zur technischen
Fakultät das Evangelische Gemeindezentrum angeordnet.
Das Bauvorhaben ist Teil einer großen Wohnhausanlage, die an der Ecke Technikerstra-
Be/Viktor-Franz-Heß-Straße von verschiedenen Bauträgern auf einer Fläche von etwa
10.000 m² errichtet wurde. In der Süd-West-Ecke dieses Vierkanthofes hat die Wohn-
und Siedlungsgenossenschaft >Frieden« eine Wohnhausanlage gebaut, deren Erdge-
schoß das Evangelische Gemeindezentrum bildet (Wohnungseigentum).
Beschreibung des Projekts:
Die Gemeinderäume mit einer Gesamtfläche von 216,92 m² umfassen einen Gemein-
desaal, eine zu diesem zu öffnende Halle, eine Kanzlei, einen Jugendraum, eine Tee-
küche, zwei Depots, einen Vorraum, zwei WC und einen Putzraum mit Vorraum, sowie
zusätzlich einen noch unausgebauten Jugendkeller von 122,03 m², der über eine Stiege
neben dem Jugendraum und über eine Außenstiege erreichbar ist. Der Platz vor den
Gemeinderäumen ist über sieben Stufen von der Straße aus und über eine stufenlose
Rampe vom Hof aus erreichbar, die Kanzlei außerdem durch das öffentliche Stiegen-
haus.
Die Pfarrerwohnung und eine kleine Mitarbeiterwohnung liegen ebenfalls im Erdge-
schoß. Gemäß der Auflage der Stadt Innsbruck erfolgt die Heizung durch eine Gas-Eta-
genheizung. Garagenplätze und Schutzraum befinden sich im Keller. Insgesamt hat
das Gemeindezentrum mit der Einrichtung ca. 8 Millionen Schilling gekostet.
Nach langjähriger Planung und der Grundsteinlegung am 6. Juni 1985 konnte das
Gemeindezentrum Innsbruck-Technikerstraße im Anschluß an einen Festvortrag von
Bischof Dieter Knall am 22. November 1986 offiziell eröffnet werden. Damit haben alle
Evangelischen, die im Westen Innsbrucks wohnen, Räume für ihr Gemeindeleben und
ihren Pfarrer.
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Grundriß des Gemeindezentrums
FAHRRÄDER
PR
TRAFO
DEPOT
JUGEND
+
V.R.
Pfarrer-
KANZLE HALLE
wohnung
DEP
GEMEINDEZENTRUM 212
SAAL!
GEMEINDEPLATZ
Mitarbeiter wohnung
Plan: Dipl. Ing. Tischler
TECHNIKERSTRASSE
Warum und wie ist es dazu gekommen?
Tatsache ist, daß derzeit in 15 Minuten Gehzeit vom Gemeindezentrum etwa 3.000
Menschen, davon 300 Evangelische wohnen (ein wegen Wohnblocks für Universitäts-
beamte und Eigentumswohnungen überdurchschnittlich hoher Anteil), in einem Ra-
dius von 30 Minuten Gehzeit wohnen derzeit ca. 500 Evangelische. Außerdem nimmt
die Prognose der Stadtplanung bis zum Jahr 2000 eine Verdreifachung der Bevölkerung
in diesem Stadtteil an.
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ZU DEN WOHNU
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Aufgrund dieser Tatsache und dem Umstand, daß die beiden bestehenden evangeli-
schen Kirchen in Innsbruck im Norden und Osten der Stadt liegen, so daß der Westen
nie ausreichend versorgt war, haben die Verantwortlichen der evangelischen Gemein-
de bereits vor 10 Jahren mit der Suche nach einem geeigneten Standort für ein zweck-
mäßiges Gemeindezentrum begonnen. Es wurden mehrere Entwürfe eingeholt, viele
Gespräche geführt und auch die notwendige Unterstützung gefunden. Durch Gemein-
deversammlungen und -veranstaltungen hatten die direkt betroffenen Gemeindemit-
glieder im Westen die Gelegenheit, selbst Stellung zu beziehen. Seit dem Herbst 1983
fanden deshalb monatliche evangelische Gottesdienste in der Kapelle der katholi-
schen Pfarrkirche Allerheiligen statt, und seit dem Herbst 1985 trifft sich allmonatlich
ein Ökumenischer Gesprächskreis im Gemeindesaal der genannten Pfarrkirche.
Nach langen Planungen und Überlegungen war es dann endlich soweit. Zwischen Tech-
nikerstraße, Viktor-Franz-Heß-Straße und dem Schulgebäude Hötting-West, also direkt
nördlich der Technik, konnte ein großes Wohn-, Amts- und Geschäftszentrum, ein nach
den Worten des Stadtrates Dr. Bruno Wallnöfer »multifunktionales Zentrum<< entste-
hen. So baute die Wohn- und Siedlungsgenossenschaft >Frieden« im Einvernehmen
mit der Evangelischen Pfarrgemeinde Innsbruck-Christuskirche nach den Plänen von
Dipl.-Ing. Peter Tischler ein dreistöckiges Wohnhaus in der Süd-West-Ecke dieses
Vierkanthofes, dessen Erdgeschoß das Evangelische Gemeindezentrum ist.
Nach Fertigstellung und Bezug der Wohnungen werden die vielen Evangelischen, die
dort schon wohnen oder in den nächsten Jahren zuziehen werden, Raum für Gottes-
dienste, Kreise, Seelsorge, Gemeindeveranstaltungen und Jugendarbeit haben. Es ist
anzunehmen, daß dadurch auch in diesem Teil Innsbrucks und überhaupt im Westen
der Pfarrgemeinde das Gemeindeleben in seinen verschiedenen Bereichen wachsen
und der Zusammenhalt der Evangelischen sich verstärken wird.
Beschließen können wir diesen Bericht mit der Mitteilung, daß kurz vor Redaktions-
schluß dieses Bandes vor dem Evangelischen Gemeindezentrum das bei Prof. Martin
Gundolf (Telfs) in Auftrag gegebene mannshohe, freistehende Bronzekreuz am 27. Juni
1987 aufgestellt und enthüllt werden konnte. Es zeigt in Reliefs auf der einen Seite den
Guten Hirten, der das verlorene Schaf heimbringt, und auf der anderen die Jesusworte
>Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben« und »Kommt her zu mir, die ihr mühselig
und beladen seid, ich will euch erquicken«. Das Kunstwerk wurde von einem Gemein-
demitglied gestiftet, das ungenannt bleiben will.
Anschrift des Verfassers: Pfarrer Bernhard Groß
Evangelisches Gemeindezentrum Innsbruck-Technikerstraße
Technikerstraße 50
6020 Innsbruck
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Der Kindergarten der Pfarre Allerheiligen
Von Sr. Gerthilde Egger
Wer vor 50 Jahren einen Spaziergang von Hötting nach Kranebitten unternahm,
wanderte durch Wiesen und Felder. Niemand ahnte, daß hier einmal ein dicht besie-
deltes Wohnviertel entstehen würde.
In dieser Zeit entstanden die schmucken Häuser der Lohbach- und Hörtnagl-Siedlung.
Die meist jungen Familien, die hier einzogen, brauchten auch seelsorgliche Betreuung.
So entstand eine Notkirche im Barackenstil und bald darauf ein Kindergarten. Von
März 1946 bis August 1947 leitete Frl. Assi Thaler den Kindergarten. Sie leistete die gan-
ze Aufbauarbeit. Bald lief alles gut. Nach ihrem Ausscheiden betreuten Frl. Lotte Feli-
cetti und Frl. Marianne Kotsch die beiden Kindergartengruppen.
Wenn auch der Boden knarrte und sich im Winter der Hausgang in eine Rutschbahn
verwandelte, fühlten sich die Kinder doch wohl in ihrem Reich. Abenteuerlich war es,
wenn die Mäuse unter den Brettern scharrten, während die Kinder einem Märchen
lauschten. Dafür war jede Menge Freiraum da und die Kinder konnten ohne Gefahr
draußen spielen. Eine Mutter von damals erzählte mir, daß der Kindergarten eine ech-
te Bereicherung für die Kinder und deren Familien war. Die Kinder aus der Zeit der
>>Gründerjahre<< sind inzwischen längst erwachsen und haben selbst Kinder.
Da die Kinderzahl immer größer wurde, platzte die Baracke fast aus allen Nähten.
Fieberhaft wurde am Bau des neuen Pfarrzentrums gearbeitet. Als erstes Gebäude öff-
nete der Kindergarten seine Pforten. Im Jahre 1963 übernahmen Schwestern aus der
Gemeinschaft der Missionarinnen Christi die Leitung des Kindergartens. Sr. Dora und
Sr. Agnes waren die ersten. Es folgten Sr. Michaela und Sr. Adelgund. Viele werden sich
noch an diese Namen erinnern. Die Kinderschar wuchs und wuchs und erreichte in den
Jahren zwischen 1965 und 1970 den Gipfel. Es waren damals in drei Gruppen 150 Kinder
zu betreuen - und das in Räumen, die für höchstens 30 konzipiert waren.
Für die Schwestern war diese Belastung nicht leicht zu ertragen - daraus erklärt sich
wohl auch der häufige Wechsel. In diesen »kinderreichen<< Jahren leitete Sr. Ruth den
Kindergarten. Ihr zur Seite standen Sr. Petronilla, Sr. Irmengard, Sr. Lucia und Frl. Emma
Walch. Im Herbst 1971 übernahm ich die Leitung. Es war damals ein echter Neubeginn.
Als Gruppenleiterinnen kamen Sr. Johanna und Frl. Renate Neuner neu dazu. Sr. Ma-
rietta kam am Vormittag zu unserer Freude als Helferin hinzu. Dieses »Viergespann<
arbeitete bis zum Jahre 1979 im Dienste der kleinen Bewohner von Allerheiligen
zusammen.
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Abb. 65: Die 1946 errichtete Baracke des Pfarrkindergartens nordöstlich neben der St. Georgs-Notkirche.
Foto: Walter Benesch
Immer noch wuchs das Wohngebiet. Baulärm gehörte zum täglichen Leben. Auch rund
um den Kindergarten wurde gebaut und zu den fröhlichen Kindern und zum Kinderla-
chen mischte sich das Getöse der Schubraupen und Preßlufthämmer. Je größer das
Wohngebiet wurde, desto länger wurde die Warteliste. Wir konnten einfach nicht alle
Kinder aufnehmen. Das war für viele Mütter enttäuschend und nicht selten gab es
Tränen, weil kein Platz mehr war.
Als die Stadt Innsbruck vor 10 Jahren den Kindergarten Lohbachsiedlung eröffnete, trat
eine Entlastung für uns ein. Es folgten gute Jahre. Die Kinderzahl war überschaubar und
das Personal ausreichend.
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Abb. 66: Partie der »Gottesburg Allerheiligen« (v. 1. n. r.) mit dem Pfarrhaus, dem Pfarrkindergarten und dem
ersten Jugendheim (1955-1968).
Foto: Richard Frischauf
Leider lernten wir bald die gegenteiligen Sorgen von früher kennen. Die Bautätigkeit in
unserem Einzugsgebiet stagnierte. Auch der »Pillenknick« machte sich bemerkbar -
und so hatten wir bald zuwenig Kinder. Für die Pfarre wurde der Kindergarten zur finan-
ziellen Belastung, da die Elternbeiträge längst nicht mehr ausreichten, die Personal-
und Betriebskosten abzudecken.
Wohl aus diesem Grunde wurde Sr. Johanna im Jahre 1979 von der Leitung der Gemein-
schaft abberufen. Ihre Nachfolgerinnen waren Frl. Birgit und später Frau Rosmarie Kas-
latter. Zu unserem Leidwesen wurde auch Sr. Marietta vom Kindergarten abberufen
und in den Dienst des Pfarrhofes gestellt. Als neue Helferin gesellte sich Frl. Monika
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Kofler für leider nur zwei Jahre zu uns. Als der Kirchenrat feststellte, daß bei dieser Kin-
derzahl eine Helferin finanziell nicht mehr tragbar sei, hieß es Abschied nehmen. Frau
Kaslatter wurde in die Leitung des Kapuziner-Kindergartens berufen. Also wieder ein
Abschied! Dafür kam Sr. Johanna im Herbst 1985 wieder zu uns zurück.
So sind wir nun seit Herbst 1985 das neue »alte« Team und wir arbeiten zusammen im
Kindergarten Allerheiligen mit seiner wechselvollen Geschichte. Inzwischen ist die
Nachfrage wieder gestiegen. Wir betreuen derzeit in drei Gruppen 85 Kinder und
sehen auch einer kinderreichen Zukunft entgegen.
Wir wollen alles tun, damit der Kindergarten auch in Zukunft eine echte Bereicherung
für die Kinder und deren Familien bleibt. Ein besonderes Anliegen ist es uns, eine na-
türliche herzliche Atmosphäre zu schaffen, in der das Kind seine körperlichen und gei-
stigen Kräfte entfalten kann. In einer Zeit, in der wir alle von Umweltreizen überflutet
sind, wollen wir versuchen, den Kindern Geborgenheit, Ruhe und genügend Zeit zum
schöpferischen Spiel zu bieten.
Das Bildungsangebot soll sicher nicht zu kurz kommen. Gemeinsam mit den Kindern
erleben wir das Jahr mit seinen vielen Festen und Höhepunkten in Gesprächen,
Liedern, Geschichten, Bilderbüchern, usw. Im Rahmen der Möglichkeiten des Kinder-
gartens wollen wir die Kinder für echte Werte begeistern und ihr Gemüt dem Guten,
Wahren, Schönen und Heiligen öffnen.
Unser großes Ziel ist es, sie behutsam und ohne Zwang zu einem frohen und glückli-
chen Leben als Christ hinzuführen. Deshalb dürfen die Kinder auch teilnehmen am
kirchlichen Leben und ihre kleinen Beiträge leisten bei der Gestaltung der Gottesdien-
ste und bei anderen Feiern in und um die Kirche. Sie kennen und mögen den Herrn
Pfarrer und auch dieser freut sich an seinen >>Schatzelen«. Und wir Kindergärtnerin-
nen wissen, daß uns echte »Schätze<< anvertraut sind.
Anschrift der Verfasserin: Sr. Gerthilde Egger
Kindergarten Allerheiligen
St. Georgsweg 15
6020 Innsbruck
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Der Kindergarten in Sadrach
Von Luise Eberhöfer
Als die Wohnungen der neuen Siedlung Sadrach in den Jahren 1965-1969 bezogen
wurden, fehlte für die Kindergartenkinder in der näheren Umgebung eine für sie ent-
sprechende Einrichtung. Durch die Initiative von betroffenen Eltern und Herrn Senats-
rat Dr. Hermann Rettmeyer (Stadtgemeinde Innsbruck) wurde eine Lösung dieses
Problems gefunden. Die Räumlichkeiten eines noch im Rohbau befindlichen Ge-
schäftslokales konnten bei der Wohnbaugesellschaft »Wohnungseigentum<< gemietet
werden. Dieser Mietvertrag wurde am 18. November 1968 abgeschlossen und trat mit
Wirkung vom 1. Jänner 1969 in Kraft. Unter der baulichen Aufsicht von Herrn Baumeister
Ing. Harald Rück erfolgte der notwendige Um- und Ausbau des Kindergartens für
eineinhalb Gruppen.
Auf der zur Verfügung stehenden Fläche von 191,5 m² entstanden ein Gruppenraum,
ein Ausweichraum, eine Garderobe, ein Sanitärbereich, ein Büro und ein Vorraum. Um
die räumliche Ausstattung bemühten sich gemeinsam Frau Inspektor Herta Recheis
und Frau Architekt Ing. Helga Gheri. Die Kindergärtnerinnen besorgten das nötige
Spiel-, Beschäftigungs- und Lernmaterial und vermittelten den Räumen ein wohnliches
Aussehen.
Ab 20. Oktober 1969 konnten 61 fünf- und vierjährige Kinder aus der Siedlung Sadrach
den Kindergarten besuchen. Um die Bildungs- und Erziehungsarbeit bewältigen zu
können, wurde zu den zwei Kindergärtnerinnen noch eine Hilfskraft eingestellt. Am
29. November 1969 übergab der Bürgermeister der Stadt Innsbruck, DDr. Alois Lugger,
in Anwesenheit der Mitglieder des Gemeinderates und der an der Errichtung des Kin-
dergartens beteiligten Mitarbeiter die Räumlichkeiten offiziell ihrer Bestimmung, wo-
bei die Kinder Gedichte und Lieder vortrugen und Blumen überreichten.
Es war nicht einfach, bei dieser ungewöhnlich hohen Kinderzahl ein für alle Kinder
wertvolles Bildungs- und Erziehungsprogramm zu erstellen. Doch durch die gute Zu-
sammenarbeit der Kolleginnen konnte diese umfangreiche Aufbauarbeit getätigt wer-
den. Am 16. Oktober 1973 hielt Frau Inspektor Anna Maria Aufschnaiter den ersten
Elternabend zum Thema »Bildungsarbeit im Kindergarten«. In der Folge fanden regel-
mäßig Elternabende statt, die späterhin durch Informationsabende ergänzt wurden.
Die Eltern zeigten dafür stets großes Interesse; dies bewirkte eine sehr gute
Zusammenarbeit zwischen Eltern und Tanten, und es entstand eine harmonische, fa-
miliäre Atmosphäre.
Nach einigen Jahren sank die Kinderzahl. Daher konnte das Einzugsgebiet erweitert
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Abb. 67: Kindergarten in Sadrach - Außenansicht, 1971.
Foto: Friedl Murauer
werden, und auch für dreijährige Kinder wurde die Aufnahme möglich. Trotzdem besu-
chen seit 1980 nur 35-45 Kinder unseren Kindergarten, zu deren Betreuung weiterhin
zwei Kindergärtnerinnen genügen. Die geringere Kinderzahl wirkte sich pädagogisch
und psychologisch günstig aus.
Als besonderer Vorteil stellt sich die Lage unseres Kindergartens heraus. Der nahe ge-
legene Wald und die angrenzenden Wiesen bieten reichhaltige Bewegungsmöglichkei-
ten. Infolgedessen wird eine kindergarteneigene Spielfläche im Freien nicht vermiẞt.
Vielmehr wird der Kindergartenalltag bei den Spaziergängen durch das Naturerleben
bereichert. Die Kinder fühlen sich auf allen Wegen oberhalb Sadrachs bis hinauf zum
Höttinger Bild zuhause.
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Abb. 68: Kindergarten in Sadrach - Innenaufnahme, 1987.
Foto: Müller
Mit den Volksschulen von Allerheiligen, Hötting und Mariahilf besteht rege Zusammen-
arbeit. So schafft z. B. ein Besuch in der künftigen Volksschule erfreuliche Kontakte. Für
die Kinder ist es ein unvergeßliches Erlebnis, wenn die Schulleiter die angehenden
Schüler und Schülerinnen durch das Schulgebäude führen.
Ein weiterer, bereits traditioneller Kontakt ist zur Pfarre von Allerheiligen gegeben. Bu-
ben und Mädchen unseres Kindergartens gestalten nämlich gemeinsam mit jenen des
Pfarrkindergartens von Allerheiligen seit einigen Jahren das Martinsfest und eine Kin-
dermaiandacht. Auch die Eltern sind in die Vorbereitung und Durchführung dieser Fe-
ste durch bereitwillige Mitarbeit aktiv eingebunden.
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An Wahltagen werden zwei Räume des Kindergartens zu je einem Wahllokal umfunktio-
niert, und bei manchen Jungwählern und Jungwählerinnen werden bei der Erstwahl
Erinnerungen aus der Kindergartenzeit lebendig.
Anschrift der Verfasserin: Luise Eberhöfer
Kindergarten Sadrach
Hofwaldweg 14
6020 Innsbruck
Chronik vom Kindergarten Lohbachsiedlung
Von Herbert Tiefnig
Der Kindergarten Lohbachsiedlung wurde mit Schulbeginn 1977/78 in den da-
mals leerstehenden Räumen im Erdgeschoß der HS-Hötting-West eingerichtet und
vorerst mit zwei Gruppen eröffnet (70 Kinder).
Zur Leiterin wurde Frau Angela Heisinger bestellt. Ihr zur Seite standen noch zwei
geprüfte Kindergärtnerinnen und eine Hilfskraft. Dem Kindergarten stehen vier
Gruppenräume, I Turnsaal, 1 Kleinküche für die Kochkünste der Kleinen, 1 Leiterin-
nenzimmer sowie die für einen Kindergarten notwendigen Sanitäreinrichtungen zur
Verfügung.
Wegen des großen Zuzugsbereiches wurde bereits im Jahre 1978/79 die 3. Gruppe er-
öffnet und die Gesamtkinderzahl erhöhte sich auf 94 Kinder.
Im Jahre 1979 wurde der Kindergartenspielplatz angelegt und eingesät, die Geräte wur-
den 1980 aufgestellt. Der Kindergarten hatte mit Schulanfang
1979/80
3 Gruppen mit
87 Kindern
1980/81
3 Gruppen mit
95 Kindern
1981/82
3 Gruppen mit
90 Kindern
1982/83
1983/84
3 Gruppen mit
90 Kindern
3 Gruppen mit
84 Kindern
Im Jänner 1984 kam die Gruppe 4 mit 19 Kindern dazu - der Kindergarten zählte nun
103 Kinder. Im Sommer 1984 wurde die Kindergartenleiterin Angela Heisinger zur In-
spektorin aller städtischen Kindergärten und Jugendhorte bestellt. Als neue Leiterin
des Kindergartens Lohbachsiedlung wurde Frau Monika Grieser vom Kindergarten
Reichenau-Süd bestellt.
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Im Jahre 1984/85 hatte der Kindergarten 4 Gruppen mit 116 Kindern
1985/86
1986/87
Stand am 20.5.1987
4 Gruppen
4 Gruppen
111 Kindern
121 Kindern
4 Gruppen
117 Kindern
Wegen der enormen Bautätigkeit im Einzugsbereich Lohbachsiedlung - Allerheiligen
- Kranebitten findet naturgemäß ein größerer Wohnungswechsel statt.
Zur Zeit stehen im Kindergarten Lohbachsiedlung eine Kindergartenleiterin, fünf ge-
prüfte Kindergärtnerinnen und zwei Hilfskräfte im Dienst.
Anschrift des Verfassers: Herbert Tiefnig
Hauptschule Hötting-West
Viktor-Franz-Hess-Straße 9
6020 Innsbruck
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Die Schulgeschichte von Allerheiligen
Von VS-Dir. i. R. OSR. Walter Benesch
Die Schulgeschichte von Allerheiligen hat ihre Parallele in der Geschichte der Pfar-
re St. Georg-Allerheiligen. Hier wie dort war der Anfang eine Notlösung - eine Baracke.
Wenn auch unsere Schulgeschichte im Jahre 1937 mit dem Barackenanbau an die im
Jahr zuvor aufgestellte Notkirche beginnt, müssen wir doch viel weiter zurückgreifen. In
diesem Zusammenhang taucht nämlich die Frage auf, wo denn die wenigen Kinder un-
seres - damals spärlich verbauten - Gebietes vorher die Schule besucht haben. Sie
mußten in die alte Volksschule nach Hötting.
Nachdem im Jahre 1870 Pfarrer Kaspar Weyrer von Mariahilf eine sogenannte Pfarr-
schule gegründet hatte, besuchte auch ein Teil der Kinder unserer Gegend diese Schu-
le. Die Leitung der Pfarrschule hatte der jeweilige Pfarrer von Mariahilf.
Die anhaltende Überfüllung der erwähnten alten Schule veranlaßte die Gemeinde
Hötting, eine zweite Volksschule zu bauen. Am 15. September 1902 wurde die heutige
Schule in Mariahilf von Abt Adrian Zacher von Wilten in Anwesenheit des Landesschul-
inspektors Dr. Hausotter eingeweiht. Diese neue Schule führte anfangs den Namen
»Volksschule Höttingerau<<.
Im Schuljahr 1929/30 hatte die Volksschule Mariahilf (dies der neue Name) in neun
Klassen 426 Kinder (196 Knaben und 230 Mädchen), das ergab eine durchschnittliche
Schülerzahl je Klasse von 47 Kindern!
Nun müssen wir uns zuerst der Volksschule Mariahilf zuwenden, weil die neue Barak-
kenschule »Am Lohbach« oder »Siedlungsschule« wie sie auch genannt wurde, eine
Expositur von Mariahilf war. Da der größte Teil der Kinder aus den Allerheiligenhöfen-
Kranebitten bis 1937 Schüler der Volksschule Mariahilf waren, folgt etwas Schul-
geschichte von Mariahilf.
Der noch lebende erste Schulleiter der »VS Höttingerau< war Josef Winkler. Nach der
Pensionierung von Josef Winkler im Jahre 1933 folgte Josef Hörmann und ab 1934 Paul
Silbernagl als Schulleiter. Dieser war ab dem Schuljahr 1937/38 auch für die Außenstel-
le oder Expositur »Lohbach<< verantwortlich.
Ab 1946/47 war dann Ernst Berti - mit einer kurzen Unterbrechung - der neue Schul-
leiter und somit auch zuständig für die Siedlungsschule am Lohbach.
Mit Beginn des Schuljahres 1947/48 wurde die Volksschule Mariahilf in eine Knaben-
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und Mädchenschule geteilt - mit je einer eigenen Leitung. »Lohbach<< wurde der Kna-
benvolksschule als Außenstelle (Expositur) zugeteilt. Schulleiter Ernst Berti war also
auch für die Schule >Lohbach<< zuständig. Das blieb so bis zum Selbständigwerden der
Siedlungsschule.
Durch das ständige Wachsen der Lohbachsiedlung (die ersten Häuser wurden 1935 ge-
baut) wurde 1937 an die kurz vorher fertiggestellte Notkirche St. Georg eine Schulbarak-
ke mit einem Klassenzimmer angebaut. Mit dem Beginn des Schuljahres 1937/38 im
September 1937 konnten hier die Kinder der ersten und zweiten Schulstufe unterrich-
tet werden. Eine große Erleichterung für die Kleinen, da sie nun nicht mehr den weiten
Weg nach Mariahilf gehen mußten, Verkehrsverbindungen gab es ja noch keine. Die
dritte und vierte Schulstufe mußte jedoch weiterhin nach Mariahilf - und das oft zwei-
mal am Tag.
Schuljahr 1937/38
Das erste Schuljahr der neu errichteten >>Siedlungsschule«. Erste Lehrerin hier war Pau-
la Jesacher, die aber noch während des Schuljahres von Lehrer Josef Platzer abgelöst
wurde. Die Kinder der ersten und zweiten Schulstufe wurden in einer Klasse im Abtei-
lungsunterricht geführt. Schülerzahl: 15 Knaben und 25 Mädchen. Religionslehrer war
- auch in den folgenden Jahren - der erste Pfarrer von St. Georg, P. Karl Maria Weber
MSC.
Am 12. März 1938 erfolgte der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht, die Erste Republik
Österreich fand ihr Ende - nicht ohne Einfluß auf das gesamte Schulwesen!
Schuljahr 1938/39
Lehrer: Josef Platzer. Schülerzahl: 13 Knaben und 16 Mädchen.
Schuljahr 1939/40
Lehrer: Josef Platzer. Schülerzahl: 24 Knaben und 18 Mädchen, also ein starkes Anstei-
gen der Schülerzahlen. Während des Schuljahres erkrankte Lehrer Platzer und wurde
von Lehrer Karl Constantini aus Mariahilf vertreten.
Schuljahr 1940/41
Lehrer: Othmar Pümpel. Schülerzahl: 40 (25 Knaben und 15 Mädchen).
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Schuljahr 1941/42
Lehrerin: Gertrud Heuberger. Schülerzahl: 54
Schuljahr 1942/43
Lehrerin: Trude Richter. War bis zum Beginn der >Kohlenferien<< in der Siedlungsschule.
Schülerzahl: 21 Knaben und 25 Mädchen.
Schuljahr 1943/44
Im ersten Halbjahr unterrichtete Lehrerin Gertrud Heuberger, im zweiten Halbjahr
kam dann Lehrerin Adele Hauser. Die Schülerzahl betrug 19 Knaben und 26 Mädchen.
Schuljahr 1944/45
Trotz des Krieges stieg die Schülerzahl in der Siedlungsschule derart an, daß die Klasse
geteilt werden mußte: 1. Klasse - (Schülerzahl unbekannt), 2. Klasse 12 Knaben und 33
Mädchen. Lehrerin der 1. Klasse war Antonie Schleifer, die der 2. Klasse Adele Hauser.
Die zwei Klassen wurden im Wechsel am Vormittag und am Nachmittag unterrichtet.
Dieses Schuljahr war verkürzt, am 3. Mai 1945 erfolgte der Einmarsch der amerikani-
schen Truppen. Ende des 2. Weltkrieges - Beginn der Zweiten Republik Österreich.
Schuljahr 1945/46
Lehrerin der 1. Klasse war Gertrud Heuberger, Lehrerin Anna Fritz unterrichtete die
2. Klasse.
Schuljahr 1946/47
Gesamtschülerzahl: 47 Knaben und 49 Mädchen. Im Oktober des Jahres begann die
Schulausspeisung aus der >>Schweizer Spende«, eine willkommene Sache für die da-
mals hungernden Kinder in den ersten Nachkriegsjahren.
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Schuljahr 1947/48
Charlotte Lindner (1. Klasse) kam als neue Lehrerin an die Schule. Das Wachsen der
Lohbach-und der Hörtnaglsiedlung etc. ließ die Schülerzahl in den beiden Klassen auf
107 (50 Knaben und 57 Mädchen) ansteigen, also über 50 Kinder je Klasse in dem einen
Barackenraum!
Schuljahr 1948/49
In diesem Schuljahr und zwar gleich zu Beginn, ereignete sich ein Schulstreik! Am 13.
und 14. September 1948 fehlten in der Volksschule Mariahilf sämtliche Kinder der 3.
und 4. Schulstufe aus unserem Wohn- und Schulgebiet. Eine Elternabordnung sprach
beim Schulleiter Ernst Berti vor und erklärte, daß sie nichts gegen die Schule hätten,
aber nicht weiter gesonnen wären, ihren Kindern den weiten Schulweg nach Mariahilf
zuzumuten. Ein Proteststreik also! Anschließend stellte sich die Elternabordnung bei
Bürgermeister Dr. Melzer ein und erhielt die Zusicherung, daß die Stadtgemeinde so-
bald als möglich einen weiteren Schulraum in Allerheiligen schaffen wird. Das Schulamt
suchte nun nach einer Notlösung und schlug vor, das neue Klassenzimmer in einem
Raum des Gasthofes »Flunger« einzurichten.
Die Schulleitung berief daraufhin einen Elternabend in die Lohbachsiedlung ein, bei
dem auch Stadtschulinspektor Dr. Josef Leitgeb und Dr. Rettmeyer als Vertreter des
Schulamtes anwesend waren. Nach der neuerlichen Zusage, daß in allernächster Zeit
ein Schulraum geschaffen wird, gaben sich die Eltern zufrieden und beschlossen, ihre
Kinder bis Weihnachten noch nach Mariahilf zu schicken. Sollte jedoch bis Jänner die
neue Schulbaracke nicht fertig sein, würden sie die Kinder vorläufig »ins Gasthaus
schicken<, was eine Notlösung bedeutet hätte.
Tatsächlich wurde bis 1. Jänner 1949 an die Pfarrkindergartenbaracke ein Anbau ge-
schaffen, der ein Klassenzimmer, einen Nebenraum und ein WC enthielt.
Schuljahr 1949/50
Die Siedlungsschule konnte mit vier aufsteigenden Klassen als vollwertige Grundschu-
le neu beginnen. Die Lehrpersonen waren: Irene D'Alberto (1. Kl. - 36 Kinder), Anna
Fritz (2. Kl.-38 Kinder), Franz Eller (3. Kl. - 47 Kinder) und Hildegard Wiegand (4. Kl. -
44 Kinder).
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Schuljahr 1950/51
Lehrer Franz Eller wurde durch Lehrer Walther Tiwald ersetzt, der die 4. Klasse mit 46
Kindern übernahm.
23. Jänner 1951: Lawinengefahr!! Aus Sicherheitsgründen mußte damals unsere Sied-
lungsschule geschlossen werden. Die Barackenschule lag nämlich am Ende eines
Lawinenstriches, der damals noch nicht verbaut war. - Der Winter 1950/51 war der gro-
Be Katastrophenwinter mit den vielen verheerenden Lawinenunglücken. - Am 30. Jän-
ner konnte der Unterricht wieder aufgenommen werden.
Der 22. Februar 1951 war dann ein wichtiger Tag für die Siedlungsschule. Sie war nun
keine Außenstelle der Knabenvolksschule Mariahilf mehr, sondern wurde selbständig
mit eigener Leitung (Stadtschulratsbeschluß vom 19.2.1951). Um einen Lehrerwechsel
während des Schuljahres zu vermeiden, wurde Lehrer Tiwald mit der provisorischen
Leitung bis zum Ende des Schuljahres betraut. Die nun selbständige Siedlungsschule
erhielt den Namen »Volksschule Innsbruck-Allerheiligen<.
Mit der Namensgebung für die neue Schule muß eine heitere Begebenheit berichtet
werden. Als in der oben erwähnten Stadtschulratssitzung die Namensgebung für un-
sere Schule beraten wurde, schlug Stadtschulinspektor Reg. Rat Brugger den Namen
>St. Georg« vor und zwar analog der Schulen in Mariahilf, St. Nikolaus und Dreiheiligen,
die alle den Namen der betreffenden Pfarre haben. Das fand aber keine Zustimmung
und so kam man auf den historischen Namen »Allerheiligen<<.
Inspektor Brugger erzählte dann dem Chronisten, daß ein Gemeinderat - als der Na-
me »Allerheiligen« endgültig feststand - gerufen hat: »Einen Heiligen habt's nit wollen,
jetzt habt's frisch alle Heiligen!<<
Schuljahr 1951/52
Zum ersten Schulleiter der nun selbständig gewordenen »Volksschule Innsbruck-
Allerheiligen<< wurde mit Dekret des Landesschulrates Walter Benesch bestellt.
Lehrpersonen und Schülerzahlen:
1.KI. VL Grete Fend - 33 Kinder, 2. Kl. VL Hilde Wiegand - 47 Kinder, 3. Kl. Schulleiter
Walter Benesch - 40 Kinder, 4. Kl. VL Anna Fritz - 36 Kinder.
Gesamtschülerzahl: 89 Knaben und 67 Mädchen = 156 Kinder.
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Abb. 69: Eine historische Aufnahme: Neben der »Gottesburg - die Kirche noch im Rohbau - sieht man
noch rechts unten die Baracke der ersten Volksschule von Allerheiligen, um 1963/64.
Innsbrucker Stadtarchiv-Fotosammlung
Am 10. Jänner begann die städtische Schulkinderausspeisung. Jedes teilnehmende
Kind erhielt 1/41 Milch und ein Stück Brot. S 8,- waren die Kosten monatlich. Fast alle
Kinder wurden angemeldet, davon war 1/3 vom Beitrag befreit. Am 19. Februar 1952 er-
schien in der Tiroler Tageszeitung der Artikel »>Innsbrucker Volksschule in Baracken«.
Um den notwendigen Bau eines Schulhauses zu betreiben, hat Benesch wiederholt
schriftliche Eingaben an die zuständigen Stellen gemacht. Auch Vorsprachen in dieser
dringenden Angelegenheit von Elternvertretern bei Bürgermeister Greiter folgten. In
einem Elternabend am 21. April 1952 unterrichtete der Schulleiter alle Anwesenden
über die Schwierigkeiten der Grundbeschaffung für einen Schulhausbau. Auch Pfarrer
K.M. Weber war ein eifriger Förderer des Schulhausbaues.
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Schuljahr 1952/53
Keine Änderung im Lehrkörper. Gesamtschülerzahl: 83 Knaben und 70 Mädchen = 153
Kinder. Am 24. April 1953 mußten Klassenfeiern zum 80. Geburtstag des Bundespräsi-
denten Theodor Körner abgehalten werden, anschließend war schulfrei.
Am 22. Mai 1953 hatten alle städtischen Schulen unterrichtsfrei, weil 15.000 Frauen, vor-
wiegend aus Wien, zum sozialistischen Frauenkongreß nach Innsbruck kamen. Die
Schulen waren die Quartiere. An unserer Schule kam es zu keiner Einquartierung, denn
die Gäste sollten nicht erfahren, daß es in Innsbruck noch eine Barackenschule gibt.
Am 30. Juni 1953 besuchten die Herren des Stadtschulrates unter Führung von Bürger-
meister Franz Greiter die Schule, um sich von der Dringlichkeit eines sofortigen Schul-
hausbaues zu überzeugen. - Der Schulhausbau rückte damals in greifbare Nähe - die
Stadtgemeinde hat die Grundstücke südlich der Notkirche St. Georg erworben. Wie
dem Chronisten berichtet wurde, hat der Finanzausschuß die hohen Grundpreise kriti-
siert (1 m² kommt auf S 60,-). Heute kommt der Quadratmeter auf S 2.000,- bis S 3.000,-!
Schuljahr 1953/54
Als neue Lehrerin kam Marianne Huẞl an die Schule, an Stelle der aus dem Schuldienst
ausgeschiedenen Grete Fend-Feuersinger. Gesamtschülerzahl: 83 Knaben und 65
Mädchen.
Für die 4. Klasse wurde eine städtische Handarbeitslehrerin eingestellt (den weibli-
chen Handarbeitsunterricht mußte bis dahin die Klassenlehrerin selbst übernehmen).
In diesem Schuljahr hat Schulleiter Walter Benesch (1. Klasse) erstmalig die sogenannte
>Ganzheitsmethode« begonnen. Ein Elternabend informierte über diese neue
Schreib-Lesemethode. Am 28. 10. 1953 erfolgte die öffentliche Ausschreibung für den
Bau einer neuen Volksschule in Allerheiligen. Schon am 23. 11. 1953 wurde mit den
Grundaushebungsarbeiten begonnen. Am Schulhausbau wurde bis Ende Dezember
1953 gearbeitet. Wiederholte Schneefälle und Kälte stellten den Weiterbau ein.
Am 11. und 12. Jänner 1954 konnte die Hälfte der Schulkinder infolge starker Schneever-
wehungen die Schule nicht besuchen. Es war der stärkste Schneesturm seit Jahrzehn-
ten. Der Verkehr kam fast zum Erliegen!
Am 15. Februar 1954 konnte der Weiterbau wieder aufgenommen werden, am 1. Juni
1954 waren die Dachdeckerarbeiten am Schulhausbau abgeschlossen; hier muß ver-
merkt werden, daß der rasche Baufortschritt auch durch den Einsatz von Ing. Thomas
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Angermair (Bauaufsicht des Stadtbauamtes) zustande kam. - Die stärksten Regenfälle
seit Menschengedenken vom 1. bis 10. Juli 1954 hemmten den Weiterbau. Am 7. Septem-
ber konnte die Firstfeier stattfinden.
Schuljahr 1954/55
Durch die hohe Zahl der Schulanfänger mußte die 1. Klasse geteilt werden. Somit hat
die Schule jetzt 5 Klassen in zwei Barackenräumen! Jede Klasse traf es einen Tag in der
Woche ohne Klassenzimmer. Behelfsunterricht im Freien oder bei Schlechtwetter im
unzulänglichen und kleinen Barackenraum der Pfarrjugend (in der Kindergartenbarak-
ke). Nur durch gute Zusammenarbeit von Pfarre und Schule konnte diese schlimme Zeit
für die Schule überbrückt werden. Neu zum Lehrkörper kam VOL Maria Theresia Moll.
Gesamtschülerzahl war: 82 Knaben und 62 Mädchen. Seit Dezember 1955 wurde in der
neuen Schule bereits geheizt, damit der Bau schneller austrocknet und die Innenarbei-
ten zügig vorangehen können.
15. April 1955 - ein Markstein in der Geschichte unserer Schule:
Feierliche Weihe der neuen Schule durch den Pfarrer von St. Georg, P. Karl Maria Weber.
Nach der Segnung der Kreuze wurden diese von Elternvertretern, gefolgt vom Pfarrer
und vom Bürgermeister Dr. Greiter in den einzelnen Klassen aufgehängt. Zahlreiche
Mitglieder des Stadt- und Gemeinderates waren anwesend. Ansprachen wurden ge-
halten vom Bürgermeister, von Hofrat Dr. Haidegger (Landesschulrat), vom Stadtschul-
inspektor Reg. Rat Anton Brugger, vom Direktor der Schule und vom Elternvertreter
Holler. Die Feier wurde musikalisch umrahmt von einem Schülerchor unter der Leitung
von Lehrerin Marianne Hußl. Schulkinder sagten Gedichte auf und erzählten in humor-
voller Weise vom Schulalltag in der Barackenklasse und drückten ihre Freude über die
neue, schöne Schule aus.
Von der Eröffnung unserer neuen Schule berichteten am 16. April 1955 die »Tiroler Ta-
geszeitung, die >Tiroler Nachrichten<< und die »Volkszeitung. Aus Anlaß der Unter-
zeichnung des Österreichischen Staatsvertrages (der historische Tag war der 15. Mai)
wurden in allen Klassen Feiern abgehalten.
Am Sonntag den 22. Mai 1955 erschütterte um 6 Uhr ein starkes Erdbeben die Landes-
hauptstadt. Unsere Schule erlitt, außer kleinen Sprüngen, keinen Schaden. Die Uhr im
Konferenzzimmer blieb stehen und die Bilder hingen schief an den Wänden.
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Schuljahr 1955/56
VOL Maria Theresia Moll kam als Leiterin der Mädchenvolksschule nach Mariahilf. An
ihre Stelle kam neu zum Lehrkörper Lehrerin Elisabeth Wieland. Gesamtschülerzahl:
72 Knaben und 72 Mädchen. Am 14. Oktober 1955 war in der Schule die Abschiedsfeier
für Pfarrer P. Karl Maria Weber. Er ging in die Mission nach Belgisch-Kongo.
26. Oktober 1955: Schulfeier zum Österreichischen Unabhängigkeitstag. Alle Klassen
versammelten sich in der Eingangshalle der Schule und gestalteten mit Liedern und
Gedichten und mit einem Wappenspiel die Feierstunde.
Ab 4. November hält Pfarrprovisor P. Heinz MSC die Religionsstunden in der Schule. Am
29. November 1955 war die Begrüßungsfeier für den neuen Pfarrer und Religionslehrer
P. Cons. Markus Galler. Erwähnt muß auch werden, daß die Schule anfangs keinen
Schulwart hatte, da ein solcher erst mit der Errichtung einer Schulwartwohnung bestellt
werden kann. Diese aber war erst im letzten Bauabschnitt vorgesehen. Frau Josefine
Mössner, von den Kindern liebevoll »Schultante<< genannt, besorgte bis dahin die ge-
samten Reinigungsarbeiten, Dienstgänge, Schulmilchausgabe u.v.m.
Schuljahr 1956/57
Am 21. Dezember wurden auch die Eltern zu einer Vorweihnachtsfeier in den Saal des
Jugendheimes geladen. Schulkinder führten ein Hirtenspiel auf. Diese Feiern wurden
in den folgenden Jahren regelmäßig abgehalten.
Schuljahr 1957/58
Durch die Fertigstellung und Eröffnung der neuen Volksschule »Am Fürstenweg<< muß-
te unsere Schule eine Klasse an diese neue Schule abgeben. Die Kranebitter Allee ist
seither die Südgrenze unseres Schulgebietes. Daher hat die Volksschule Allerheiligen
nur mehr 4 Klassen und den niedrigsten Schülerstand seit der Eröffnung unserer
neuen Schule: 49 Knaben und 55 Mädchen.
Ab dem 3. Februar 1958 erfaßte die Grippewelle auch unsere Schule. In einigen Klassen
fehlte fast die Hälfte der Kinder. Am 19. Februar 1958 nahm eine Kommission unter Füh-
rung von Bürgermeister DDr. Alois Lugger einen Lokalaugenschein im Schulgelände
vor, um sich für den geplanten Erweiterungsbau der Schule, für den Bau eines Kinder-
gartens, eines Pfarrhauses (waren immer noch alles Baracken!) und für den Bau einer
Kirche an Ort und Stelle zu informieren.
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Abb. 70: Die Volksschule Allerheiligen erbaut 1953/55: Hauptportal mit Südtrakt und Verbindungsbau zum
hier noch fehlenden Nordtrakt.
Foto: Richard Frischauf
Schuljahr 1958/59
Lehrerin Marianne Klingler-Huẞl übernimmt nach Abschluß ihrer Beurlaubung wieder
die Klasse, die inzwischen ihre Schwester Johanna betreut hatte. Vom 12. bis 14. März
1959 war die Kindermission im Rahmen der Innsbrucker Stadtmission. Ein Missionar
kam in jede Klasse. Anläßlich einer Pfarrvisitation erfolgte auch ein Besuch der Reli-
gionsstunden durch Bischof DDr. Paulus Rusch; es war dies die erste Visitation durch
den Bischof (11.4.1959).
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Schuljahr 1959/60
Den weiblichen Handarbeitsunterricht übernahm die städtische HL Viktoria Berger.
Die Schülerzahlen gingen weiter zurück: 42 Knaben und 38 Mädchen.
Am 30. September 1959 war die Abschiedsfeier für die langjährige >>Schulwartin<< Frau
Josefine Mössner, die an diesem Tag wegen Erreichung der Altersgrenze aus dem
städtischen Dienst ausscheiden mußte. Frau Mössner war eine außerordentlich fleiẞi-
ge und gewissenhafte Frau, die schon in der Barackenzeit zusätzlich die Heizung der
Öfen versehen mußte. Mit einem Schlitten mußte sie im Winter die Milch für die Aus-
speisung von der Höhe der Bahnkreuzung zur Schule führen, da die Schule keine Zu-
fahrt hatte.
Zur Nachfolgerin für Frau Mössner wurde Frau Hilde Faller von der Lohbachsiedlung
bestellt. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, daß sie eine würdige Nachfolgerin von Frau
Mössner wurde!
Vom 23. bis 28. Februar 1960 wurde die erste Klasse wegen der vielen Masernfälle vom
Gesundheitsamt geschlossen.
Schuljahr 1960/61
Wie schon in den vergangenen Jahren führte die schulärztlichen Untersuchungen der
städtische Schularzt Dr. Dullnig durch.
Am 25. Februar 1961 besuchte der erste Pfarrer und Religionslehrer von St. Georg die
Schule und führte den Kindern Lichtbilder aus seinem Missionsgebiet vor. P. Weber
weilte auf Heimaturlaub.
Schuljahr 1961/62
Frau Lehrerin Marianne Klingler-Huẞl schied nach der Geburt ihres zweiten Kindes aus
dem Schuldienst. An ihre Stelle kam Frau VOL Berta Schuchter an die Schule (3. Klasse).
Die Schülerzahlen sind wieder im Steigen begriffen. Den weiblichen Handarbeitsun-
terricht erteilte AL Erika Hartlieb.
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Schuljahr 1962/63
46 Erstklassler! Die Gesamtschülerzahl stieg auf 122 (62 Knaben und 60 Mädchen).
Die Schulausspeisung in der bisherigen Form wurde eingestellt. Um den Preis von 60
Groschen bekam jedes Kind 1/41 Milch in Flaschen und mit Strohhalm. Der städtische
Milchhof lieferte auf Bestellung. Von Weihnachten bis März 1963 war eine große Kälte-
welle. Die Schulmilch kam gefroren in die Schule, sie mußte gleich auf den Heizkörpern
aufgetaut werden.
Schuljahr 1963/64
Die 1. Klasse hatte 43 Kinder! Die Gesamtschülerzahl stieg auf 135 Kinder (67 Knaben
und 68 Mädchen). - Die Vorbereitungen auf die (1.) Olympischen Winterspiele in Inns-
bruck, die vom 29. Jänner 1964 bis zum 9. Februar 1964 stattgefunden haben, verschon-
ten unsere Schule nicht und haben stark in den Schulalltag eingegriffen. Unsere Schule
wurde nämlich für die Dauer der Winterspiele als Reservehospital vorgesehen. Dem Di-
rektor wurde aus diesem Grunde von der Landessanitätsdirektion im Einvernehmen
mit der Schulbehörde mitgeteilt, daß die Schule bis 15. Jänner 1964 vollständig zu räu-
men ist. Nichts, aber schon gar nichts - mit Ausnahme der Einbaukästen - durfte in
der Schule verbleiben. Das Schulmobiliar mußte zum kleineren Teil in die Volksschule
am Fürstenweg und zum größten Teil in leerstehende Räume der Volksschule Hötting
geschafft werden. Nur das Schulgestühl kam in vier leere Klassenzimmer nach Hötting.
Diese vier Klassen in der Volksschule Hötting waren für die Dauer der Olympiade
>unsere Schule<.
Während dieser Zeit wurden die Schüler mit den Innsbrucker Verkehrsbetrieben von
hier nach Hötting und zurück befördert. - Bereits vier Tage nach Abschluß der Winter-
spiele, am 13. Februar 1964, begann wieder der Unterricht an unserer Schule. Die Ein-
räumungsarbeiten nahmen aber noch einige Zeit in Anspruch.
Schuljahr 1964/65
Am 10. November 1964 war Baubeginn des Schulhauserweiterungsbaues (3. Bauab-
schnitt). In diesem Schuljahr mußten folgende Schulfeiern durchgeführt werden - eine
Häufung wie kaum zuvor:
26.10.1964: »Tag der österreichischen Fahne<
5.3.1965: Begräbnistag des Bundespräsidenten Dr. Adolf Schärf
27.3.1965: >Europastunde« anläßlich der Übergabe des Europapreises an die Stadt
Innsbruck
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27.4.1965: Gedenktag >20 Jahre 2. Republik<<
14.5.1965: Begräbnistag von Altbundeskanzler Ing. Leopold Figl
15.5.1965: Gedenktag »Zehn Jahre Staatsvertrag«.
Im August 1965 konnte am Erweiterungstrakt der Dachstuhl aufgesetzt werden. Mit
dem Bau der Turnhalle konnte aber noch nicht begonnen werden, da der Abbruch der
Notkirche wegen Verzögerungen beim Kirchenbau verschoben werden mußte.
Schuljahr 1965/66
Die Zahl der Schulanfänger stieg beträchtlich, sodaß eine zweite erste Klasse errichtet
werden mußte. Als neue Lehrerin für diese Ib Klasse kam Lehrerin Edith Draxl an die
Schule (sie war bis dahin an der VS Zirl). Die Schule weist mit Beginn dieses Schuljahres
die höchste Zahl an Schülern seit ihrem Bestehen auf: 97 Knaben und 75 Mädchen, zu-
sammen also 172 Kinder. Durch die große Bautätigkeit in der Lohbachsiedlung-West
steigt die Schülerzahl ständig, dazu kamen viele Neubauten in Kranebitten.
Schuljahr 1966/67
-
Gesamtschülerzahl: 113 Knaben und 83 Mädchen. Der Schulhauserweiterungsbau
ab jetzt >Nordtrakt« genannt - wurde mit seinen vier neuen Klassenzimmern rechtzei-
tig zum Schulbeginn fertig. In die zwei oberen Klassenzimmer kamen die la und 1b
Klasse. Infolge der großen Zahl von Schulanfängern mußte die erste Klasse nämlich ge-
teilt werden (56 Kinder). Die beiden ebenerdigen Klassenzimmer wurden noch nicht
eingerichtet, damit sie bis zur Fertigstellung der Turnhalle als Turnzimmer benutzt wer-
den konnten. Als neue Lehrerin kam Johanna Lair an die Schule. Mädchenhandarbeit
unterrichtete in den 2. bis 4. Kl. AL Hedwig Habenbacher.
Vom Turnhallenbau standen am 3. Oktober 1966 bereits die Außenmauern. Am 10.
Oktober 1966 übernahm der erste Kaplan von Allerheiligen, P. Simon Diepold MSC alle
Religionsstunden an der Schule. Von Weihnachten 1966 bis Mitte Jänner 1967 waren so
starke Schneefälle mit folgender Kälte (- 20 Grad), daß das Dach der Turnhalle nicht
mehr aufgesetzt werden konnte.
Im April 1967 wurde die Turnhalle eingedeckt und der Verbindungsteil Nordtrakt-Turn-
halle fertiggestellt. Im Juni 1967 wurden im Verbindungsgang vom Süd- zum Nordtrakt
eine Mütterberatungsstelle des städtischen Gesundheitsamtes und eine Trafostation
des EWI eingerichtet.
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Schuljahr 1967/68
Die Schülerzahl wird jetzt von Jahr zu Jahr höher! 65 Erstklassler wurden eingeschrie-
ben. Somit hat die Schule zwei erste und zwei zweite Klassen. Daß in späteren Jahren
sogar vier Parallelklassen kommen werden, hätte damals niemand für möglich gehal-
ten. Als neue Lehrerin für die geteilte erste Klasse kam Sieglinde Neuner an die Schule.
Durch den Kaplanwechsel wurde P. Ludwig Laaber MSC neuer Religionslehrer.
Mit dem Bau der Turnhalle wurde endlich auch die Schulwartwohnung fertig und so
konnte der erste Schulwart von Allerheiligen mit seiner Familie einziehen. Es war dies
Josef Margreiter, ein ungemein fleißiger und verläßlicher Schulwart. Die bisherige
>>Schulwartin<< Frau Hilde Faller wurde in einer Feierstunde verabschiedet.
Der 13. Jänner 1968 war ein Festtag für die Schule: Feierliche Eröffnung und Weihe des
letzten Bauabschnittes mit den vier neuen Klassenzimmern und der Turnhalle. Im fest-
lich geschmückten Turnsaal umrahmte ein Bläserquartett die Feier, Kinder sangen und
sagten Gedichte auf, Bürgermeister DDr. Lugger hielt die Festansprache und Pfarrer
Cons. Markus Galler segnete die Halle und die Kreuze für die neuen Klassenzimmer.
Durch die Besiedlung der neuen Häuser in der Lohbachsiedlung-West (heute die vier
Straßen bei der Technik) kamen allein im Jänner 1968 21 Kinder dazu. Die 4. Klasse war
total überfüllt (47 Kinder!). Mit dem Beginn des zweiten Halbjahres am 14.2.1968 wurde
endlich die überfüllte 4. Klasse geteilt.
Schuljahr 1968/69
Erstmals mußten drei erste Klassen eingerichtet werden. Gesamtschülerzahl: 300 (167
Knaben und 133 Mädchen). Da ein Klassenraum fehlte, wurde das Büchereizimmer als
Klasse eingerichtet. Neu an die Schule kamen VtL Eva Hudelist, VL Jolanthe Nieder-
reiter und VtL Gabriele Schenk. Mädchenhandarbeit unterrrichtete AL Roswitha
Lumpert.
Schuljahr 1969/70
An Stelle von VtL Schenk kam neu an die Schule VL Inge Amiel. Kaplan P. Ludwig Laa-
ber verabschiedete sich im Sommer, um als Missionar in den Kongo zu gehen. Sein
Nachfolger war Kaplan P. Martin Habersetzer. Die Gesamtschülerzahl steigt weiter. In
den 10 Klassen der Schule sind 318 Kinder (165 Knaben und 153 Mädchen).
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Schuljahr 1970/71
Gesamtschülerzahl der 11 Klassen: 345 Kinder (172 Knaben und 173 Mädchen).
Für die versetzte Lehrerin Hudelist kam neu an die Schule VtL Reintraud Rudigier und
für die neue 11. Klasse VL Maria Walzl. Da Kaplan und Religionslehrer P. Habersetzer
vom Orden nach Rebdorf versetzt wurde, hat die Schule keinen Religionslehrer mehr.
Aushilfsweise erteilten Theologen von der Frau-Hitt-Straße Religionsunterricht. Als
zweite Arbeitslehrerin für den weiblichen Handarbeitsunterricht wurde AL Martha
Plank eingestellt.
Am 16. Oktober 1970 war die konstituierende Hauptversammlung des neugegründeten
Elternvereins an der Volksschule Allerheiligen. Obmann wurde Dr. Fridolin Dörrer, der
sehr aktiv wirkte und für die Schule viel Positives erreichte.
Durch Initiative des Elternvereinsobmanns begann für die Schulkinder ein Italienisch-
unterricht. Die große Zahl der Anmeldungen (60) erforderte die Erteilung dieses Unter-
richtes in mehreren Gruppen (mit je einer Wochenstunde).
1. Juni 1971: Die Baustelle für die Aufstockung des gesamten Nordtraktes wurde ein-
gerichtet. In einem Monat war diese Aufstockung schon unter Dach, sie umfaßte drei
Klassenzimmer.
Schuljahr 1971/72
Die Gesamtschülerzahl in allen 11 Klassen betrug 320. Die beiden ersten Klassen mit
zusammen 79 Kindern konnten nicht geteilt werden - Grund: Lehrermangel!
Religionslehrer für alle 2. bis 4. Klassen war der neue Kaplan von Allerheiligen, P. Rupert
Praher MSC. Die ersten Klassen wurden von VOL Elisabeth Wieland in Religion unter-
richtet. Als neue Arbeitslehrerin wurde AL Maria Müller bestellt.
Schuljahr 1972/73
Gesamtschülerzahl: 201 Knaben und 177 Mädchen, zusammen also 378 in 12 Klassen.
Es mußten vier erste Klassen errichtet werden mit zusammen 115 Kindern. Als neue
Lehrerin gelang es Barbara Dominguez-Gutmann zu gewinnen (für die 1 d Klasse). Als
zweite Arbeitslehrerin für Mädchenhandarbeit kam Ērika Knittel.
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Am 3. Oktober 1972 begann der außerschulische Musikunterricht im Rahmen des Kon-
servatoriums. Allerheiligen wurde nicht nur die erste, sondern auch die größte Außen-
stelle des Konservatoriums der Stadt Innsbruck. Unterrichtet wurden und werden ver-
schiedene Flöten, Orff, Gitarre, Trompete, Klavier, Violine. Als neue Lehrerin kam am
14.2.1973 die Abgängerin der Pädagog. Akademie, VL. Dipl. Vw. Gisela Raschenberger
an die Schule.
Der erste Lehrerstreik in ganz Österreich wurde von der Gewerkschaft Öffentlicher
Dienst für den 23. bis 24. Mai 1973 angeordnet und durchgeführt. Grund: Forderung ei-
ner Verwaltungszulage, wie sie alle anderen Bundesbeamten auch bekommen. Der El-
ternverein unter seinem rührigen Obmann verschaffte für Kinder und Lehrpersonen
der 4. Klassen ein besonderes Erlebnis zum Abschluß der Volksschulzeit: Besichtigung
und Führung durch das Flughafengelände; durch das Los wurden von jeder 4. Klasse
fünf Kinder ermittelt, die mit ihrer Lehrperson einen Rundflug erleben durften.
Eine > Schulentlaẞfeier« der 4. Klassen wurde musikalisch von unserem >>Schülerorche-
ster unter Leitung von Lehrerin Rudigier umrahmt.
Schuljahr 1973/74
In 12 Klassen waren 207 Knaben und 177 Mädchen, also 384 Kinder. Neu zum Lehrkör-
per kamen VL Siegfried Bliem und VL Helene Lamprecht. VL Maria Walzl schied aus,
weil sie nach Rom in eine deutsche Schule ging.
Schuljahr 1974/75
Die Lehrerin Lamprecht erwirkte die Versetzung in die Nähe ihrer Wohnung am
Fürstenweg.
Schuljahr 1975/76
Gesamtschülerzahl in 14 Klassen: 427 Kinder (215 Knaben und 212 Mädchen).
An Lehrpersonen kamen neu an die Schule die Lehrerinnen Marlene Trefalt und Irene
Benesch; Christine Gandolf und Erika Schranz unterrichteten Mädchenhandarbeit.
Aufstellung der Lehrpersonen, Klasseneinteilung und Schülerzahlen:
VHL Berta Schuchter
VL Inge Amiel
VL Marlene Trefalt
la Kl. 16 und 14 = 30 Kinder
1b Kl.
15 und 14 = 29 Kinder
1c Kl.
14 und 14 = 28 Kinder
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VtL Irene Benesch
VHL Elisabeth Wieland
1d Kl.
2a Kl.
11 und 13 = 24 Kinder (Behelfsklasse)
19 und 18 = 37 Kinder
VL Jolanthe Niederreiter
2b Kl.
19 und 17 = 36 Kinder
VOL Reintraud Rudigier
2c Kl.
18 und 18 = 36 Kinder
VOL Edith Traxl
3a Kl.
15 und 19 = 34 Kinder
VHL Sieglinde Neuner
3b Kl.
14 und 20 = 34 Kinder
VL Siegfried Bliem
3c Kl.
VHL Anna Fritz
4a Kl.
16 und 15 = 31 Kinder (Filmraum)
16 und 1329 Kinder
VtL Johanna Lair
4b Kl.
13 und 15 = 28 Kinder
4c Kl.
14 und 12 = 26 Kinder
VSD Walter Benesch
VL Gisela Raschenberger 4d Kl.
15 und 13 = 28 Kinder
Diese hohe Schülerzahl hat die Schule seither nicht mehr erreicht. In der Nacht vom 30.
zum 31. Oktober 1975, wurde die Schule (Südtrakt) von Einbrechern heimgesucht. Der
Sachschaden war beträchtlich! Im November 1975 erkrankte eine Lehrperson und es
gelang den VSD i. R. Josef Niederkofler aus Baumkirchen für die Vertretung zu gewin-
nen. Der bereits 74-jährige hat mit vollem Einsatz und großer Verläßlichkeit - trotz der
weiten Entfernung - seinen Vertretungsdienst ausgeführt; eben ein Lehrer noch von
der alten Garde!
Schuljahr 1976/77
Neu zum Lehrkörper kam Frau VL Rosa Kircher für die 1 d Klasse. Als zweite Arbeitsleh-
rerin für Mädchenhandarbeit kam AL Irmgard Plaikner neu zum Lehrkörper. - Den
Religionsunterricht erteilen neben Kaplan Praher VtL Erika Windisch, Frau Barbara Ob-
holzer und Frau Marianne Klingler. Den evangelischen Religionsunterricht erteilt wie
schon in den vergangenen Jahren Frau Ingrid Keiler. Für die Erdbebenopfer in Friaul
erbrachte eine Sammlung des Jugendrotkreuzes an unserer Schule den Betrag von
S 9.110,-.
25 Jahre selbständige Volksschule Allerheiligen: Aus diesem Anlaß fand am 30. No-
vember 1976 eine Jubiläumskonferenz statt, zu der auch Stadtschulinspektor Dir. Erwin
Steinlechner erschienen war. Am 18. April 1977 war die erste Abstimmung für oder ge-
gen die Fünftage-Schulwoche. Vom Lehrkörper waren 80% gegen eine Fünftage-Schul-
woche. Das Ergebnis der Elternabstimmung war: 126 für und 272 gegen die Einführung
der Fünftage-Woche.
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Schuljahr 1977/78
Mit Schulbeginn am 12. September 1977 wurde der erste Bauabschnitt der neuen
Hauptschule Hötting-West durch Bürgermeister DDr. Alois Lugger eröffnet. Dir. Be-
nesch war dazu geladen, schon auch deshalb, weil in diesem neuen Gebäude vorerst
zwei Klassen unserer Volksschule untergebracht werden, die als Expositur geführt wer-
den. (Heute hat die Expositur bereits fünf Volksschulklassen).
Neu an die Schule kam Lehrerin Gertrud Tausch, geb. Heis, für die neuerrichtete 4d
Klasse. Die Gesamtschülerzahl betrug zu Schulbeginn 407 (195 Knaben und 212 Mäd-
chen), eine erste Klasse und eine zweite Klasse wurden in der Expositur untergebracht.
Am 25. November 1977 kommt Prof. Dr. Gutmann Werner schon zum 20. mal auf Einla-
dung der Schulleitung als Referent zum Elternabend der 4. Klassen.
Am 3. Februar 1978 war eine große Schulveranstaltung im Vorraum des 1. Stockes des
Nordtraktes, ab diesem Tag »Orgelhalle<< genannt, anläßlich der Einweihung des Schul-
orgelpositivs, das von Dir. Walter Benesch in zweijähriger Freizeitarbeit unter Mithilfe
des vielseitigen Schulwarts Josef Margreiter gebaut wurde. Vertreter der Schulbehörde,
des Innsbrucker Musiklebens und der Stadtgemeinde waren Ehrengäste. Die Orgel-
halle war bis zum letzten Platz gefüllt.
Die Tageszeitungen berichteten von diesem Ereignis: »Das war noch nie da: Schuldi-
rektor von Allerheiligen baut Orgelpositiv!<<. Das »Festkonzert« bestritten Schüler der
Schule mit Gesang und Flötenspiel. An der Orgel Reinhold Benesch.
Am 29. März 1978 wurde Lehrerin Gertrud Tausch an die Hauptschule Hötting-West ver-
setzt. Am 7. Juli 1978 wurde VHL Berta Schuchter verabschiedet, die mit Beginn des
nächsten Schuljahres in Pension gehen wird.
Schuljahr 1978/79
Als neue Lehrerin kam VHL Gertrud Kuchernig an die Schule. Die Klassen 1c, 2c, 3c
sind Expositurklassen im Gebäude der Hauptschule Hötting-West.
Die Schülerzahlen sinken. Die Schule hat nur mehr 13 Klassen mit zusammen 388
Kindern. Das ergab aber trotzdem eine Klassendurchschnittszahl von 30 Kindern
je Klasse.
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Vom 11. bis 16. Juni 1978 war neuerlich Elternbefragung für oder gegen die Fünftage-
Schulwoche. Von den Eltern waren 254 dagegen und nur 55 dafür. Von den Lehrperso-
nen waren nur zwei für die Fünftage-Schulwoche. Am Ende des Schuljahres wurde VHL
Anna Fritz verabschiedet, weil sie in Pension gehen wird. Sie war am längsten an der
Schule (seit 1945).
Schuljahr 1979/80
Als Ersatz für Anna Fritz kam VOL Elfride Tonini an die Schule. Die Klassenzahl ging
auf 12 zurück. Die Gesamtschülerzahl aller 12 Klassen betrug 370 (186 Knaben und 184
Mädchen).
Das Jahr 1980 stand für die Schule unter keinem guten Stern. Mehrere Lehrpersonen
erkrankten und zum zweitenmal wurde innerhalb von drei Jahren in der Schule einge-
brochen, in der Nacht vom 11. (Sa) zum 12. Jänner. Der Sachschaden war beträchtlich.
Am 30. Jänner war wie alle Jahre die Schulbuchkonferenz. Der Wert aller bestellten
Schulbücher im Rahmen der Gratis-Schulbuchaktion betrug an unserer Schule
S 131.847,- (ohne Religionsbücher).
Am Nachmittag fand im großen Stadtsaal das Bezirksjugendsingen statt. Unsere Schu-
le war mit einer Singgruppe aus 4a und 4b unter der Leitung von Lehrerin Rudigier
vertreten. Dieser Auswahlchor wurde als bester Volksschulchor von Innsbruck-Stadt
ausgezeichnet und für das Landessingen vorgeschlagen.
Sonntag, 1. Juni 1980: Nach dem 10-Uhr-Gottesdienst spielte die Stadtmusikkapelle Al-
lerheiligen, und im Jugendheim war die Ehrung für Dir. Walter Benesch zu seiner Ernen-
nung zum Oberschulrat. Bürgermeister DDr. Lugger und Kulturreferent Stadtrat
Gen. Dir. Dr. Günther Schlenck waren anwesend und hielten Ansprachen. Auch durch
die Worte von Pfarrer Cons. Markus Galler kam die gute Zusammenarbeit von Schule
und Pfarre zum Ausdruck. Der Kirchenchor unter Leitung von Georg Willi (ein ehemali-
ger Schüler von Benesch) sang ein eigenes Lied »Zum Oberschulrat<<.
Vom 27. Juni bis 3. Juli 1980 war in der Schule eine Ausstellung »Innsbruck - 800 Jahre
Stadt<<. Es waren alles Schülerarbeiten. Mit großem Einsatz schuf besonders Lehrer
Bliem mit seinen Kindern Stadttore, ja sogar ein Modell der Altstadt mit Mauern und
Tortürmen. Die Presse berichtete von unserer Ausstellung.
4. Juli 1980: Schulschluß- und Abschiedsfeier für Lehrerin Johanna Lair, die in den Ruhe-
stand trat. Sie wirkte seit 1966 an unserer Schule.
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Schuljahr 1980/81
Gesamtschülerzahl: 351 (180 Knaben und 171 Mädchen). Lehrerin Gisela Schrom kam
neu zum Lehrkörper. Am 22. Oktober 1980 wurde vom Lehrkörper Kaplan und Reli-
gionslehrer P. Rupert Praher MSC verabschiedet. Er wurde vom Orden als Pfarrer für
Rebdorf bestimmt. Er wirkte hier seit 1971.
Unsere Schule wurde von einer deutsch-schweizerisch-österreichischen Gemein-
schaftssendung ausgewählt, um an einer großen Kindersendung mitzuwirken. Aus den
vierten Klassen wurden zwei Buben und ein Mädchen durch das Los bestimmt. Kollege
Bliem fuhr mit den Kindern nach Hamburg. Die Flugreise und der Aufenthalt vom 6. bis
8. November 1980 ging auf Kosten des ORF.
22. Dezember 1980: Vorweihnachtsfeier der 2b Klasse unter Lehrerin Irene Benesch für
die Eltern dieser Klasse. Alle Kinder der Klasse spielten und sangen. Die Orgelhalle
war bis zum letzten Platz gefüllt. Am Sonntag, den 28.12., wurde dieses Spiel im Sanato-
rium der Barmherzigen Schwestern mit viel Erfolg wiederholt.
Das Ergebnis einer neuerlichen Eltern- und Lehrerbefragung für oder gegen die Fünf-
tage-Schulwoche brachte folgendes Ergebnis: 75 waren dafür und 213 dagegen.
7. Juli 1981: Verabschiedung der Schule von Dir. OSR Walter Benesch in der Orgelhalle,
der mit 1. September in den Ruhestand trat. In Anwesenheit des gesamten Lehr-
körpers, von Behördenvertretern und vieler Eltern (die gar nicht alle Platz fanden)
sprachen Dankesworte der Obmann des Elternvereines, Oberrat Dipl. Ing. Wolfgang
Kittinger, Kulturreferent Stadtrat Gen. Dir. Dr. Günther Schlenck, der Direktor des Kon-
servatoriums, Dr. Bruno Wind und als Sprecher aller ehemaligen Schüler der Student
Markus Schlenck.
Dir. Benesch gab zum Abschluß einen Überblick über die wechselvolle Schulgeschichte
von Allerheiligen. Auch streifte er kurz seinen eigenen Lebensweg als Lehrer in einklas-
sigen Bergschulen vor dem Krieg, dann ab 1946 in Mariahilf und ab 1951 in St. Georg-
Allerheiligen.
Die Feier wurde durch ehemalige Schüler und von jetzigen Schulkindern durch
Gedichte und musikalische Darbietungen umrahmt. Anschließend wurden die Ehren-
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gäste zu einem Imbiß und Umtrunk in ein festlich geschmücktes Klassenzimmer
eingeladen.
Am 9. Juli 1981 war die Abschiedsfeier für Dir. Benesch in der Turnhalle der Schule, zu
der sich um 9 Uhr alle Schulkinder mit ihren Lehrpersonen versammelten. Jede Klasse
trug auf ihre Weise zu einer schönen Feier bei. Die Kinder überreichten dem scheiden-
den Direktor viele Brieflein und Zeichnungen, die spontan und unbeeinflußt alles Gute
wünschten.
Mittags traf sich der Lehrkörper zu einem Abschiedsessen im Gasthopf Purner in
Thaur. Es war das letzte gemütliche Beisammensein des Lehrkörpers mit dem in den
Ruhestand tretenden Dir. OSR Walter Benesch, der über 30 Jahre Schulleiter von Aller-
heiligen und der am längsten dienende Direktor von Innsbruck-Stadt war.
Den Abschluß der Schulgeschichte unter der Ära von Dir. Walter Benesch soll das fol-
gende Schreiben der Elternvertreterin Frau Dr. Christine Mayrhofer bilden:
>Oberschulrat Walter Benesch trat in den Ruhestand
Mit Ende des Schuljahres 1980/81 ist Oberschulrat Dir. Walter Benesch in den Ruhe-
stand getreten. Eine Ära des Aufbaues und der teils stürmischen Entwicklung in der
Schulgeschichte Allerheiligen hat damit einen gewissen Abschluß gefunden.
Schon frühzeitig in seiner Lehrerlaufbahn wurde Walter Benesch an die damals noch in
einer Behelfsbaracke untergebrachte Volksschule berufen und ist ihr über 30 Jahre vor-
gestanden. Er hat es meisterlich verstanden, aus den jeweiligen Gegebenheiten das
Beste zu machen, was namentlich in der »Barackenzeit«< auch den Einsatz aller physi-
schen Kräfte abverlangte. Wie Dir. Benesch anläßlich einer Feierstunde zu seinem Ab-
schied erzählte, mußten oftmals erst die Fenster und Wände der Baracke vom Eis be-
freit werden, bevor die Kinder zur Schule kamen. Natürlich gab es damals noch keinen
Schulwart, so daß der Direktor neben seinen vielfältigen Verwaltungsaufgaben des öf-
teren auch die Schneeräumung des Weges von der Schule bis zur nächsten Straße vor-
nehmen mußte.
Jeder, der einmal ein Haus gebaut hat, weiß, wieviel Energie einem dies abverlangt.
Eine neue Schule zu bauen, zu planen, zu organisieren, neben dem normalen Betrieb
mit immer mehr quicklebendigen, quirreligen Schülern, - man kann sich vorstellen,
welchen Einsatz dies von Direktor Benesch verlangte. Doch auf das Ergebnis darf er
stolz sein. Die Volksschule Allerheiligen ist ein Schmuckstück unter Innsbrucks Schu-
len, auch die Außenstelle dieser Volksschule, die in der Hauptschule Hötting-West un-
tergebracht ist, stellt eine glückliche Lösung dar.
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In seiner langjährigen Dienstzeit war OSR Walter Benesch immer bestrebt, dem Wohle
der ihm Anvertrauten, besonders der Schüler, zu dienen. An der Volksschule Allerheili-
gen wurde z. B. die erste Außenstelle der Musikschule errichtet, die es vielen Kindern
aus diesem Stadtteil erst möglich machte, sich musikalisch zu entfalten. Hier muß er-
wähnt werden, daß Direktor Benesch in vielen, vielen Arbeitsstunden, die er seiner
Freizeit abrang, eine Orgel für die Schule und eine für die neu erbaute Kirche Allerheili-
gen wieder aktionsfähig machte.
Für alle Anregungen, für alle Probleme der Elternschaft, alle Nöte der Schüler hatte er
stets ein offenes Ohr und half nach besten Kräften mit, die jeweilige bestmögliche
Lösung zu finden und zu verwirklichen, wie auch die Festredner bei der genannten Ab-
schiedsfeier unter ihnen Stadtrat Dr. Günther Schlenck, Dir. Bruno Wind, Dipl. Ing.
Wolfgang Kittinger und Consiliarius Pater Markus Galler - immer wieder hervorhoben.
Mit OSR Walter Benesch verabschiedet sich eine Lehrerpersönlichkeit von echtem
Schrot und Korn, der viele Menschen Dank wissen.
Dr. Christine Mayrhofer, Sept. 1981<
Schuljahr 1981/82
Mit Beginn dieses Schuljahres wurde VHL Elisabeth Wieland zur neuen Schulleiterin
bestellt. Neu zum Lehrkörper kamen Lehrerin Hildegard Krause und Lehrer Bernhard
Bramböck. Die Klassenzahl betrug 13.
24. Dezember 1981: In der österreichischen Fernsehsendung >Licht ins Dunkel<< wurde
die 3b Klasse mit ihrer Lehrerin Irene Benesch zur Mitwirkung eingeladen. Mit Liedern
und Musikstücken wurde zusammen mit behinderten Kindern diese Sendung im Tiro-
ler Landesstudio des ORF gestaltet. Auch unser Herr Bischof, Dr. Reinhold Stecher, war
in der Sendung anwesend.
19. März 1982: Beim Festgottesdienst am St. Josef-Landesfeiertag wirken die Schulkin-
der der 4. Klassen mit Liedern aus der 2. Tiroler Kindermesse und mit Orff-Instrumen-
ten mit. Dieser Gottesdienst wurde vom Hörfunk übertragen.
Im März 1982 vollendete unser Schulwart, Oberoffizial Josef Margreiter, ein natur- und
maßstabgetreues Modell der Volksschule Allerheiligen. Diese hervorragende Arbeit
könnte jedem Architekten zur Ehre gereichen!
Mit Ende des Schuljahres 1981/82 wurde Lehrerin Reintraud Rudigier vom Lehrkörper
verabschiedet, da sie in Pension geht.
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Schuljahr 1982/83
Neu zum Lehrkörper kam Anna Wieser. In der Vorweihnachtszeit erschienen Pressebe-
richte in den Tageszeitungen: Kinder spielen für >>Rettet das Kind«. Es waren dies die
Kinder der 4b Klasse unter der Leitung ihrer Lehrerin Irene Benesch, die im Raiffeisen-
saal das Stück >Der Stern<< von Lene Mayer-Skumanc »in großartiger Weise« aufführten.
Anfang Mai 1983 fand in der Turnhalle der Schule das alljährliche Abschlußkonzert der
Außenstelle des Konservatoriums statt. 110 Schüler werden zur Zeit von Lehrern des
Konservatoriums in 10 Instrumentalfächern unterrichtet (52 Blockflöte, 23 Klavier, 17
Gitarre, je 7 in Klarinette und Trompete, je 2 in Querflöte und Flügelhorn.)
Schuljahr 1983/84
Mit Beginn dieses Schuljahres stieg die Klassenzahl auf 14 (9 Klassen in der Stamm-
schule und 5 Klassen in der Expositur).
Bei der Jahreshauptversammlung des Elternvereins im November 1983 wurde an Stelle
des scheidenden Obmanns Oberrat Kittinger Oberrat Dipl. Ing. Jürgen Milborn zum
neuen Obmann gewählt.
Schuljahr 1984/85
Gesamtklassenzahl 15, 94 Schulanfänger, daher 4 erste Klassen! VL Dora Klug kam neu
an die Schule.
Pfarrerwechsel in Allerheiligen! Die Nachfolge von Pfarrer Johannes Hopfgartner MSC
- auch als Religionslehrer - trat Pfarrer Erich Gutheinz an.
Der J.R.K.-Arbeit widmete die Schule breiten Raum: Zeichenwettbewerb, Elternaben-
de (wie schon immer), ein Jugendrotkreuzfest, verschiedene Sammlungen unter den
Schulkindern (für Bedürftige unseres Schulgebietes, für Äthiopien, für gefährdete
Bussarde während der Kältewelle 1985, u. a. m.). Im Schulgarten pflanzten Schulkinder
Bäume, was ein Fest für Kinder, Eltern und Lehrer wurde. Die Presse berichtete dar-
über.
Beim alljährlichen Fest für die Mütter des Stadtteils am Vortag zum Muttertag 1985 ge-
stalteten auch Schulkinder wie alljährlich dieses Fest mit. Es stand unter dem Motto
>>G'sungen und g'spielt für unsere Mütter<<.
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Schuljahr 1985/86
Die Schule hat erstmalig eine Vorschulklasse. Neu an die Schule kam VL Steinwender
(2d Klasse).
Unsere Schule beteiligt sich am Wettbewerb des Landes Tirol »Lebendige Familie<<
und konnte dafür im Dezember 1985 einen Preis in Empfang nehmen. In der Vorweih-
nachtszeit wurden in einigen Klassen Vorweihnachtsspiele eingelernt. U. a. führte die
3c Klasse mit Lehrerin Irene Benesch ein Spiel im Dürerheim und in der Altenstube Al-
lerheiligen auf, die 4b Klasse mit Lehrerin Frau Wieser machte ein Spiel im Notburga-
heim. Selbstverständlich wurden diese Spiele auch in der Schule aufgeführt.
Am Bezirksjugendsingen (25. Februar 1986) wirkten von unserer Schule mit: Die 3 c Klas-
se, die 4 d Klasse mit Lehrerin Reingard Ötzbrugger. Beide Klassen wurden wegen ihrer
guten Leistungen zum Landessingen vorgeschlagen.
Im Juni 1986 wurde VHL Sieglinde Neuner vom Lehrkörper beim »Purner« in Thaur ver-
abschiedet, weil sie in Pension geht. Sie war seit September 1967 an der Schule.
Am 28. Juni 1986 war eine praktische Übung mit der Freiwilligen Feuerwehr Hötting. Es
wurde ein Katastrophenfall angenommen und mit den Kindern geübt.
Anfang Juli 1986 wurde Frau Direktor Elisabeth Wieland im Kreise der Lehrpersonen
und Ehrengäste verabschiedet, da sie mit 1. September 1986 in Pension gehen wird. Dir.
Wieland war vom September 1955 bis Juli 1981 als Lehrerin an der Schule tätig und vom
Sept. 1981 bis Sept. 1986 als Direktor.
Schuljahr 1986/87
Mit 1.September 1986 wurde VOL Erna Paulweber zum neuen (3.) Direktor der Volks-
schule Allerheiligen bestellt. Neu zum Lehrkörper kamen: VOL Grienke Anna Maria,
VtL Flunger Margarethe und Sr. Fritz Helga für evang. Religion.
Religionslehrer: Pfarrer Erich Gutheinz, Bachmann Ursula, Klingler Marianne und Win-
disch Erika. Arbeitslehrerinnen: OLf. WE Gandolf Christine, Lf. WE Hanler Angelika.
Den Unterricht in englischer Vorschulung übernahm VL Dreschke Maria Ursula und
Mag. Rauchegger Mathilde erteilt Sprachheilunterricht. - Insgesamt umfaßt der Lehr-
körper nun 25 Personen.
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VL Bramböck Bernhard
VtL Graber Karin
VOL Grienke Anna Maria
VtL Flunger Margarethe
VOL Traxl Edith
VOL Bliem Siegfried
VOL Krause Hildegard
VOL Raschenberger Gisela
VL Schrom Gisela
Die Lehrpersonen, Klassenverteilung und Schülerzahlen nach dem Stand vom 16.
September 1986:
VtL Bilewicz Christa
VOL Klug Dora
11222
7 und 29
11 und 1122
11 und 11
22
8 und 12 20
12 und 1022
8 und 13 21
10 und 1323
10 und 17 27
11 und 10 = 21
9 und 14 = 23
10 und 10 20
Vorschulkl.
la
lb
lc
ld
2a
2b
2c
3 a
3b
3c
VL Steinwender Elisabeth
3d
13 und 11
24
VOL Amiel Inge
4a
17 und 6
23
VOL Tonini Elfriede
4b
16 und 11
27
VtL Benesch Irene
4c
12 und 1123
Gesamtschülerzahl: 165 und 162 = 327
Die Klassen 1d, 2c, 3d, 4b und 4c sind Expositurklassen in der Hauptschule Hötting-
West. Neu in diesem Schuljahr war die Gründung von Klassen- und Schulforen auf
ministerielle Anordnung. So fanden im Oktober 1986 in allen Klassen die Wahlen der
Elternvertreter statt.
Anmerkung der Schriftleitung:
Im Juli 1987 hat die Stadtgemeinde einen Architekten-Wettbewerb zum Bau einer
Volksschule Hötting-West ausgeschrieben. Mit der Realisierung dieses Projektes wird
die Zeit der Expositurklassen der VS-Allerheiligen in der HS-Hötting-West enden (vgl.
Neue Tiroler Zeitung 1987, Nr. 164 vom 18. Juli).
Anschrift des Verfassers: VS-Direktor i. R.
OSR Walter Benesch
Hörtnaglstraße 18
6020 Innsbruck
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Chronik der Hauptschule Hötting-West
Von HS-Dir. OSR Herbert Angerer
Im Hinblick auf die zu erwartende städtebauliche Expansion im Westen der Stadt
und die drückende Raumnot in der alten Höttinger Hauptschule am Fürstenweg ent-
schloß sich die Stadtverwaltung Mitte der Siebzigerjahre zu einem großzügigen Neu-
bau am Lohbachufer. Am 25. Januar 1974 erfolgte der Spatenstich und im Herbst 1977
öffneten sich die Schultore für die ersten 115 Schüler, die in zwei erste und zwei zweite
Klassen aufgeteilt wurden. Mit der Leitung der Schule wurde HL Herbert Angerer be-
traut. Dem ersten Lehrkörper gehörten Ingrid Gmachl-Pammer, Anna Wurm, Karma
Moser, Robert Windisch, Hans Jörg Tausch und P. Rupert Praher an.
Zum Zeitpunkt der Unterrichtsaufnahme war nur der Klassentrakt benützbar. Der weit-
aus größere Teil des Gesamtkomplexes, der die Zeichensäle, die Werkräume, die Phy-
siksäle, die Schulküche und die Lehrmittelkabinette aufnehmen sollte, war noch nicht
bezugsreif. Die Umgebung der Schule war Baustelle. Trotz vieler Provisorien wurde der
Beginn des Unterrichtsbetriebes von den Eltern freudig begrüßt, gehörte doch der
Wechselunterricht an der >alten< Höttinger Hauptschule ab nun der Vergangenheit an.
Daß die Hauptschüler zunächst in Ermangelung eines eigenen Turnsaales in die Volks-
schule Allerheiligen ausweichen und im sogenannten »Gelegenheitsverkehr« andere
Sportstätten anfahren mußten, empfanden Lehrer und Schüler als durchaus zumutbar,
zumal der groß dimensionierte Turnhallenneubau bereits über das Reißbrettstadium
hinaus gediehen war und ein richtiges »Turnhallenerlebnis zu werden versprach.
Bereits am 2. Mai 1978 wurde der Elternverein der Schule ins Leben gerufen. Er erwies
sich in den folgenden Jahren als eine Institution, die in vorbildlicher Weise mit der
Schulleitung korrespondierte und die inzwischen behördlich verordnete Partnerschaft
als selbstverständliche Voraussetzung für ein gutes Schulklima vorweggenommen hat.
Unter dem rührigen ersten Obmann Rüdiger Schaffer wurden viele Gemeinschaftsver-
anstaltungen (Ausflüge, Besichtigungen etc.) durchgeführt. Auch der nachfolgende Ob-
mann, Ing. Peter Deseife und die Obfrau Annemarie Haid setzten sich unermüdlich für
die gemeinsamen Ziele von Elternhaus und Schule ein. Bereits im zweiten Bestands-
jahr der Schule zeigte es sich, daß vorausschauend geplant worden war: Die Schüler-
zahl verdoppelte sich beinahe.
1978/79 wurden in 8 Klassen 187 Schüler von 16 Lehrern unterrichtet. Die Lehrmittelka-
binette füllten sich mit Landkarten, Modellen, Bildern, Präparaten. Die Werkräume
wurden mit Maschinen und Gerät ausgestattet, ein Brennofen für Ton- und Emaille-
arbeiten installiert, der Schreibmaschinensaal mit Diktierpult und elektrischen Kugel-
kopfmaschinen eingerichtet - kurzum, es wurde den Erfordernissen eines zeitgemä-
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Ben Unterrichts in jeder Weise Rechnung getragen. Das Schulsparen setzte voll ein,
und mit Feuereifer beteiligten sich die Schüler an den ersten Sammlungen für das
Österr. Jugendrotkreuz und das Aufbauwerk der Jugend.
Auf nicht weniger Begeisterung stieß das Angebot des ORF, die um das neue Landes-
studio am Rennweg errichteten Bauwände zu bemalen. Nach in der Schule erarbeite-
ten Entwürfen entstanden überdimensionale Kunstwerke, die mit viel Beifall bedacht
werden. Daß die pinselschwingenden Meister nach getaner Arbeit keinen >farblosen<<
Eindruck machten, versteht sich wohl von selbst. Mit einem »Schiausrüstungstausch-
nachmittag des Elternvereins, der Eröffnung der Pfarrbücherei, einer stimmungs-
vollen Adventfeier und einem großen Weihnachtsspiel klingt das Jahr aus.
Gemeinsame Schitouren und Ausflüge gehören zu den Unternehmungen, die dem
Teamgeist im Lehrkörper immer wieder neue Impulse verleihen. Im Mai besuchte eine
australische Schulleiterin die Schule. Sie wird von den Englisch-Lehrern betreut und
mit den spezifischen Lehr- und Lerninhalten der österreichischen Hauptschule ver-
traut gemacht. Im Juni beteiligten sich mehrere Mannschaften am Bezirkssportfest,
und Einzelturner an der Gerätemeisterschaft. Zu den letzten Schulveranstaltungen des
Jahres gehörten ein Besuch des Höfe-Museums in Kramsach und eine Exkursion zum
Halleiner Salzbergwerk.
Im Herbst 1979 nahm die Schüler-Fußball-Liga unter H.J. Tausch einen enormen Auf-
schwung. Auch die Schülerberatertätigkeit gewann an Bedeutung, verließen doch mit
Ende des Schuljahres die ersten Schulabgänger das Haus, um ins mehr oder weniger
feindliche Leben hinauszutreten. Im November erfreuen drei reiselustige Lehrer der
Schule Eltern und Schüler mit Lichtbildvorträgen über ihre rucksacktouristischen
Abstecher in ferne Erdteile. Eine stimmungsvolle »Begegnung im Advent« nützen die
Pädagogen zu einem Gedankenaustausch mit der Schulhierarchie. Zu Beginn des Jah-
res 1980 fanden die ersten Rettungsschwimmkurse statt. Die vierten Klassen besuch-
ten die benachbarte Technische Hochschule. Im April gingen die Abschlußklassen auf
Südtirol-Fahrt. Am 15. Mai beteiligte sich die Schule am »Festakt der Jugend<«, einem
Bekenntnis zu Österreich. Nach der Feierstunde am Landhausplatz marschierten die
Klassen mit den Wappen der Tiroler Gemeinden durch die Stadt. Aus Anlaß der 800-
Jahr-Feier der Stadt Innsbruck lud die Schule zu einer Zeichenausstellung in die große
Halle ein. Zum Ausklang des Schuljahres konzertierte die von Dr. Schlenck ins Leben
gerufene Musikkapelle Allerheiligen unter der Stabführung von Hans Clement. Dem
jungen Klangkörper gehörten auch einige unserer Hauptschüler an.
Im Schuljahr 1980/81 wurden 320 Schüler eingeschrieben. Auf der Lehrerliste dieses
Jahres scheinen 27 Namen auf. Der Herbst verläuft im gewohnten Gleichklang: Herbst-
wandertage, Sammlungen, Schulsparen. Im November besuchten 40 Studiosi der Tech-
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Abb. 71: Blick auf die Volksschule Allerheiligen während der Erbauung des Nordtraktes (1964/66). Dazu
kam 1966/68 noch der Turnsaaltrakt.
Foto: Richard Frischauf
nischen Fakultät unsere Schule und wurden vom Direktor über Erfahrungen mit moder-
ner Schularchitektur informiert. Am 30. November erhielt die Pfarre Allerheiligen mit P.
Hopfgartner einen neuen Pfarrherrn und die Schule einen neuen Religionslehrer. In
der Vorweihnachtszeit beteiligten sich die Schüler mit viel Einsatzfreude an einer Le-
bensmittelpaket-Aktion für die Erdbebenopfer in Chile. Mehrere PKW-Ladungen wur-
den von den Lehrern zur Sammelstelle in der Angerzellgasse gebracht. Leider war die
Aktion, wie sich nachträglich herausstellte, schlecht koordiniert. Die Klasse 3c besuch-
te das Altenwohnheim in Hötting und erfreute die betagten Heimbewohner mit einem
Weihnachtsspiel und kleinen Aufmerksamkeiten. Am 26. Januar begleiteten die Schü-
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ler ihren verunglückten Mitschüler Andreas Pegger auf seinem letzten Weg. Dem trauri-
gen Anlaß folgte bald ein freudiger: HL Siegfried Weger schließt mit der Kollegin Beatrix
Regenfelder den Bund der Ehe. Das Beispiel macht Schule: Im Laufe der kommenden
Jahre heirateten die Lehrerinnen Karin Dengg (Waibl), Burgi Peter (Seiwald), Christa
Trojer (Stockinger), Barbara Maier (Killinger), Gabriele Federspiel (Menghin) und die
Lehrer Othmar Praxmarer, Werner Blaas und Helmuth Tartarotti. Im Verkehrsgarten
Speckbacherstraße demonstrieren unsere Zwölfjährigen ihre Verkehrstauglichkeit auf
dem Fahrrad.
Im Schuljahr 1981/82 nahmen sich 25 Lehrer der 331 Schüler an. Der wichtigste Tag in
diesem Herbst ist der 16. Oktober: Die Schule wird offiziell eingeweiht. Der Festakt in
der Schule, musikalisch umrahmt von der Musikkapelle Allerheiligen und dem Schüler-
chor, findet in Anwesenheit städtischer Prominenz in der Turnhalle statt. Die Festgäste
erfahren, daß die Errichtung der neuen Bildungsstätte, der zweitgrößten Pflichtschule
der Stadt, 113 Millionen S erfordert hat, daß die Schule als >Tagesheimschule« geführt
wird und daß der Neubau durch zwei Musikprobenlokale und eine moderne Kegelanla-
ge, vor allem aber durch die auch den Sportvereinen zur Verfügung stehende Großturn-
halle öffentlichen Erfordernissen dient und eine empfindliche Lücke in der Infrastruk-
tur des aufstrebenden Stadtteils schließt.
In diesem Zusammenhang erscheint es angebracht, die Grundkonzeption der Tages-
heimschule aufzuzeigen. Dieses Alternativmodell zum Schulversuch Ganztagsschule
sieht die ganztägige Betreuung von Kindern, deren Eltern (bzw. alleinstehende Mütter)
berufstätig sind, einschließlich Mittagstisch vor. Durch die Errichtung einer Tagesheim-
schule im Westen der Stadt - die erste Tagesheimschule war im Olympischen Dorf
errichtet worden - sollte das Angebot erweitert werden. Daß sich aus der sprengel-
übergreifenden Zusammensetzung und der differenzierten Milieusituation der TH-
Schüler pädagogische und organisatorische Probleme ergeben würden, war vorher-
sehbar.
Im Advent luden die Schüler einzelner Klassen ihre Eltern in die Schule ein, sangen und
spielten für sie und überreichten selbstgebastelte Geschenke. Die Schiwochen in der
Wildschönau, auf der Lambichler Hütte und Alpbach verliefen unfallfrei und zur Zufrie-
denheit aller Beteiligten. Im April betreute die Klasse 4d die zu Besuch in Innsbruck
weilende Abordnung der Svenstrup-Schule aus Aalborg. Im Mai wurden mit Assistenz
der Schüler am Parkplatz die ersten Bäume gepflanzt. »Gut Holz!<< wünschten einander
die Kegelbrüder in der neueröffneten Anlage im Kellergeschoß des Hauses. Die sechs
elektronisch gesteuerten Bahnen stehen ab nun den Sportlern des Kegelverbandes
zur Verfügung. Die vierten Klassen beschließen ihre Schulzeit mit einer mehrtägigen
Exkursion im Raum Hallstatt - Altaussee.
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Im Schuljahr 1982/83 werden in 12 Klassen 330 Schüler unterrichtet. Die Zahl der Leh-
rer beträgt laut Dienstpostenplan 38 (davon sind allerdings 11 karenziert). Nachdem
sich die Hektik der ersten Schulwochen gelegt hat, sorgte in der Nacht zum 31. Oktober
ein Einbrecher für einige Aufregung. Relativ »behutsam« öffnete er mit einem Stemmei-
sen alle Schränke und suchte mit kleineren Bargeldbeträgen das Weite. Portables und
anderes wertvolles Gerät läßt er unbehelligt. Im Dezember wurde in einer Ausstellung
in der großen Halle J. W. Goethes gedacht (150. Todesjahr). Der Direktor des Landes-
schulrates Dr. Kundratitz und LSI Dr. Margreiter statten der Schule einen Besuch ab.
Obstlt. Bäumel, der Obmann der Elternvereine Tirols, baute eine interessante Ausstel-
lung über Zypern auf und sprach vor den Schülern über Land und Leute.
Schiwochen und Schullandwochen (Finkenberg, Kühtai, Bad Mehrn, Hohentauern,
Wolfsthurn) erwiesen sich einmal mehr als Veranstaltungen von hohem pädagogischen
Wert und waren für die Schüler Höhepunkte ihrer Schulzeit. Die Lehrer ihrerseits ent-
deckten bei manchem Schüler Charakterzüge, die sie nie vermutet hätten: Hilfsbereit-
schaft, Mut, Besonnenheit, Rücksichtnahme und dergleichen mehr. Manch vorschnel-
les Urteil über einen Schüler ist bei solcher Gelegenheit korrigiert worden. Im Mai
besuchte eine Kulturabordnung aus Aalborg die Schule. Wieder einmal werden die
Sprengelgrenzen abgesteckt. Den Schulleitern wurde allerdings eine flexible Regelung
in gegenseitigem Einvernehmen zugestanden. Am 8. Juli nahmen 85 Schüler Abschied
von ihrer Schule.
Das Schuljahr 1983/84 begann mit einer Konferenz der Innsbrucker Schulleiter am 10.
September. Am 14. September setzte der Unterrichtsbetrieb ein, während die >>Stun-
denplanexperten« noch an einem schülerfreundlichen Stundenplan für die 346 Schü-
ler herumfeilten - ein Unterfangen übrigens, das von Jahr zu Jahr, dank einer immer
komplizierter werdenden Schulorganisation, schwieriger wird. Im Oktober Teilnahme
an der Schülerolympiade, die Svenstrup-Schule ist mit 27 Schülern zu Besuch, die
>Norsk-Laererakademi« (23 Studenten) hospitiert in einigen Klassen, das Aufbauwerk
lobt unsere eifrigen Sammler, die Berufsberatung setzt voll ein. Im November Schul-
ärztin, Impfungen, Direktortag in Säben-Feldthurns, die evangelische Kirchengemein-
de tagt im Hause. Gegen Ende des Monats protestierten die Siedler im Stadtviertel ge-
gen die Verbauung der oberhalb der Schule gelegenen Peergründe; - die Geburtswe-
hen des neu entstehenden Stadtteils haben begonnen.
Anfang Februar bekam die Schule eine Video-Kamera, womit ein weiterer Schritt in
Richtung Medienzukunft getan wurde. Eberhard Kummer aus Wien trug mittelalterli-
che Poesie zur Drehleier vor. Im April wurden die Eltern zu einer Veranstaltung mit dem
Thema >>Fördern statt Fordern« und zu einer Tagung »Eltern-Lehrer eingeladen. In
einem mehrtägigen Seminar in Trins wurden den Schulleitern die Vorzüge der >>Neuen
Hauptschule« schmackhaft gemacht.
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Schuljahr 1984/85: Bei gleichbleibender Lehrerzahl sinkt die Zahl der Schüler im >>Jahr
der Zeitgeschichte« auf 324 ab. Die Zahl der Klassen kann gehalten werden. Der Herbst
steht ganz im Zeichen der Nordland-Fahrt der vierten Klassen. Begleitet von Dir. Ange-
rer und den Klassenvorständen Hoppichler und Tausch verläßt die Reisegruppe am 23.
September Innsbruck. Reiseziel des ersten Tages ist Hannover. Am nächsten Tag geht
es weiter nach Aalborg, wo die Tiroler am Stadtrand empfangen und in ihre Quartiere
eingewiesen werden. Herzlich wie der Empfang ist die Betreuung in den nächsten
Tagen. Aus dem abwechslungsreichen Programm seien die Stadtrundfahrt, der Besuch
bei den Wikingergräbern, die Fahrt an den Strand von Blockhus mit der Besteigung des
Leuchtturms von Rubjerg, der Abstecher zum Fischereimuseum in Hirtshals und die
geselligen Abende in Schule und Jugendclub hervorgehoben. Am 29. September ist al-
les wieder zu Hause, voll unvergeßlicher Reiseeindrücke und angetan von dänischer
Gastfreundschaft und Lebensart.
Wie geht es weiter? Die >>Schulwerkstatt« des Pädagogischen Institutes >>werkt<< in einer
Klasse, eine ARGE der Hauswirtschaftslehrerinnen übt sich im Brotbacken, Dias von
Kanada und von obiger Dänemark-Reise werden vorgeführt, der Kärntner Schriftsteller
Johnke liest aus eigenen Werken. Auch der Sport kam nicht zu kurz: Besuch des Berg-
isel-Springens, Er-und-Sie-Lauf am Glungezer, Schiwochen in der Wildschönau. Im
März fotografierte der »KURIER<< für sein Archiv im Hause, und die Schule bekam ein
journalistisches Sonderlob unter der Rubrik »Pluspunkt«. Die Fachkoordinatoren tag-
ten ebenso wie die Bezirksleitung des Österr. Jugendrotkreuzes; auch fanden Semina-
re der Arbeitsgemeinschaften aus Biologie, Deutsch und Englisch statt.
Ein voluminöser Papiercontainer soll in Hinkunft die Schüler zum Altpapiersammeln
ermuntern. Bei einem Besuch der Werkskantine der Firma Swarovski in Wattens wurde
Elternvertretern und Lehrern Einblick in die Zubereitung und Zusammenstellung des
Tagesheim-Essens gegeben. Im Juni trafen unsere »Wikinger aus Aalborg zum Gegen-
besuch ein und wurden von Lehrern und Schülern fürsorglich betreut. Am 2. Juli brachte
ein Äthiopien-Basar, veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Volksschule Allerheiligen
und dem Kindergarten, durch Verkaufsaktionen von Handarbeiten und die Versteige-
rung von Bildern die beachtliche Summe von S 33.000,- ein.
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Abb. 72: Hauptschule Hötting-West.
Foto: Herbert Angerer
Schuljahr 1985/86: Die Aufnahme des Unterrichts erfolgte am 9. September. 28 Lehrer
stellten sich in diesem Schuljahr der pädagogischen Herausforderung der >>Neuen
Hauptschule<< mit den drei Leistungsgruppen. In den zweiten, dritten und vierten Klas-
sen wurden auslaufend weiterhin zwei Klassenzüge geführt. Der Wegfall des Zweiten
Klassenzuges bei den ersten Klassen und die rückläufige Schülerzahl (285) ließen die
Klassenzahl auf 12 absinken. Dem vorausschauenden, reformmüden Pädagogen stell-
te sich die Frage nach dem tieferen Sinn immer neuer Schulversuche, die, mit erheb-
lichem Kostenaufwand bürokratisch inszeniert, nur relativ bescheidene Erfolge
verbuchen konnten. Im November setzte sich eine Elternvereinsversammlung mit der
neuen Situation auseinander. 19 Hirten und 12 Engel von Hötting-West begleiteten am
Goldenen Sonntag das Christkind bei seinem traditionellen Einzug in die Stadt. Gleich
zu Beginn des neuen Kalenderjahres wurden die Fachkoordinatoren besonders aktiv:
Die Neue Hauptschule ringt um ihre Profilierung.
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Eine Schauspielertruppe des Landestheaters besuchte die Schule und half unserer
Schulspielgruppe, sich trittsicherer auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu bewe-
gen. Zwei Chöre nahmen am Bezirksjugendsingen teil. Das Projekt >Abfalltrennung<<
wurde bezirksumfassend geplant und die ARGE »Drogenaufklärung« diskutierte Aktivi-
täten im Kampf gegen das Rauschgift. Eine neue Einrichtung, die bei unseren Jugendli-
chen erstaunlich gut ankam, waren die Jugendkontaktbeamten der Innsbrucker Polizei,
die uns ihren ersten Besuch abstatteten. Im Mai betreute unsere Jugendrotkreuzgrup-
pe Multiple-Sklerose-Patienten, die monatlich einmal in unserer Schule zu Gast sind,
bei einem Ausflug zum Achensee. Die vierten Klassen erfuhren im Rahmen einer Initia-
tive der Forstinspektion im Sellrain, wie wichtig der Wald für unsere Lebensqualität ist.
Im Juni gab es eine umfassende Alarmübung an der Schule, bei der u. a. die Lehrer in
der Handhabung der Feuerlöschgeräte unterwiesen wurden und die Evakuierung der
Schüler geprobt wurde.
Zum Ausklang des Jahres initiierte der JRK-Referent eine Kulturbegegnung im Vereins-
haus Hötting, zu der viele Schüler unseres Einzugsgebietes originelle Beiträge leiste-
ten. HL Kreimel organisierte ein Hallenturnfest mit spannenden Wettkämpfen. Zum
Jahresschluß durften wir wieder einmal feststellen, daß sehr viele unserer Schüler sich
an weiterführenden Schulen angemeldet haben. Mit einem bescheidenen Anflug von
Stolz ist hier anzumerken, daß den bisherigen Erfahrungen nach rund 80% dieser Schü-
ler in den Oberstufengymnasien, Handelsakademien und berufsbildenden höheren
Schulen den Abschluß erreichen.
Schuljahr 1986/87: Eröffnung mit 28 Lehrern und 258 Schülern am 8. September 1986.
Die Klassenzahl ist auf 11 abgesunken. Die 4. SCHUG-Novelle tritt in Kraft und bringt
verschiedene Neuerungen. Im Oktober werden zum ersten Mal die neuen Klassenfo-
ren und anschließend das Schulforum einberufen. Die neue Form der Schulpartner-
schaft ist leider eine mit Bürokratie überladene Ministerialkonstruktion, die auf dem
Verordnungswege »Partnerschaft« erreichen will. Der auf Freiwilligkeit basierende
Elternverein sieht sich ins Abseits manövriert. Im November besuchte eine Gruppe
PÄDAK-Studenten die Schule, um den Schulversuch »Tagesheimschule<< kennenzuler-
nen. Im Dezember besprachen einige Herren des Stadtbauamtes mit der Schulleitung
Maßnahmen im Zusammenhang mit der Vergrößerung des Kindergartens (Zuzug Peer-
gründe!). Die Schüler bereiteten verschiedene Weihnachtsaktionen für alte und
bedürftige Mitbürger und für die MS-Patienten vor. Im Februar erhielt die Schule die
Zusage, bei der anstehenden Neugestaltung des Lohbaches am Projekt »Biotop<< mit-
arbeiten zu dürfen. Die Schülereinschreibung läßt überraschenderweise die Hoffnung
auf Errichtung einer dritten ersten Klasse unrealistisch erscheinen. Die erste Etappe
der Besiedlung der Peergründe brachte vorerst keine nennenswerte Veränderung der
Schülerzahlen.
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Der Besuch der Sonderschau »Tirols Handwerk« auf der Innsbrucker Messe fand bei
den Schulabgängern viel positive Resonanz. Das Wiener Tourneetheater gastierte mit
dem »Alpenkönig« in der Schule. Im Mai ehrte eine Abordnung des Blindenverbandes
die Schüler Abfalterer und Troger als bestes Tiroler Sammelpaar. Die Englisch-Lehrer
Waibl und Trojer veranstalten eine Schülerparty, bei der ausschließlich Englisch ge-
sprochen wird. Mit der besten Beteiligung aller Innsbrucker Schulen und einem Ergeb-
nis von über S 25.000,- wurde bei der Rotkreuz-Sammlung ein schönes Ergebnis
erzielt. Zum Abschluß ihrer Schulzeit unternahm die 4b eine mehrtägige Exkursion
nach Obertraun, während die 4a in Südtirol unbeschwert über vier gemeinsame Jahre
reflektierte. Am 2. Juli wurden im Rahmen einer kleinen Feier auf Initiative des ÖJRK-
Schulreferenten Weger 42 Sammelbehälter für Aluminium, die von Wohltätigkeitsorga-
nisationen gespendet wurden, an die Innsbrucker Pflichtschulen übergeben.
Am 4. Juli fand sich alles, was jemals mit der HS Hötting-West in Verbindung stand, zum
10-jährigen Jubiläum der Schule ein. Nach dem Festakt gab es ein umfangreiches Pro-
gramm. Während im Schulhof eine Linde gepflanzt wurde, ergötzte sich ein begeister-
tes Publikum am Schattenspiel »Die Bürgschaft« und beklatschte den Sketch >>Biologie
- nicht genügend«. Auf der Spielwiese beteiligten sich jung und alt an den >>New
games<<, in der Turnhalle versuchte sich die Elternschaft im Völkerball gegen die Lehrer
durchzusetzen. In der Eingangshalle gab es Werkstücke, Handarbeiten und Zeichnun-
gen zu begutachten. Im Innenhof wurden die Hungrigen und an diesem heißen Som-
mertag vor allem die Durstigen gelabt. In einem »Wiener Kaffeehaus<< versüßten
gewandte Jungkellner ihren Gästen - Eltern, Lehrern und Schülern - das Dasein. Am
frühen Nachmittag segelten 300 mit Schüleradressen versehene Luftballons in einer
bunten Wolke westwärts - Symbol der lebensbejahenden Freude, von der die Schule
getragen sein soll. In den späten Nachmittagsstunden ging das fröhliche Treiben und
damit auch das erste Dezennium in der Geschichte der Hauptschule Hötting-West zu
Ende.
Anmerkung der Schriftleitung:
Das zuletzt geschilderte Fest bedeutete zugleich den Abschied von Direktor OSR
Herbert Angerer aus dem aktiven Schuldienst und damit auch einen gewissen Ab-
schied von seiner Schule«. Seine Persönlichkeit läßt vermuten, daß sein >Ruhestand<<
keineswegs ruhig verlaufen wird. Wir wünschen ihm dazu alles Gute.
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Die Volkshochschule Hötting-West
Gleichzeitig mit der Unterrichtsaufnahme in der Hauptschule wurde auch die Zweig-
stelle Hötting-West der Volkshochschule eröffnet. Die Leitung übernahm HS-Direktor
Angerer. Das Kursangebot umfaßt seither Sprachkurse (Englisch/Französisch/
Italienisch), berufsbildende Kurse (Maschinschreiben, Steno), Gymnastik, Fitneẞ und
Yoga, hauswirtschaftliche Kurse (Nähen, Weihnachtsbäckerei, Brotbacken etc.), Kosme-
tik und Kinderkurse (Gitarre, Orff, Zeichnen, Malen, Basteln). Die Vortragstätigkeit hielt
sich mangels entsprechenden Interesses in bescheidenen Grenzen, es ist jedoch in
diesem Bereich an eine Intensivierung gedacht. Der Besuch der verschiedenen Kurse
ist, der gemeinnützigen Idee der Volksbildung entsprechend, lediglich kostendeckend,
was wiederum nur möglich ist, weil die Stadtgemeinde Innsbruck im Hinblick auf die
gesellschaftspolitische Bedeutung der Erwachsenenbildung Räumlichkeiten und
Gerät, wie Schreib- und Nähmaschinen, kostenlos zur Verfügung stellt.
Seit Bestehen der Zweigstelle wurden in rund 180 Kursen, aufgegliedert in Sommer-
und Wintersemester, 1.740 Teilnehmer registriert, die aus allen Berufsschichten kamen.
Die Frauen machten das Hauptkontingent der Kursbesucher aus. Die Werbung für die
Volkshochschule erfolgt in erster Linie mittels Postwurfsendungen und durch Mund-
propaganda und in zweiter Linie über die Medien und durch Anschläge. Der Bevölke-
rungszuwachs im neuen Stadtteil wird hoffentlich zu einer verstärkten Nachfrage und
damit zu einer weiteren Belebung der Volkshochschulaktivitäten in Hötting-West
führen.
Anschrift des Verfassers: HS-Direktor
OSR Herbert Angerer
Hauptschule Hötting-West
Viktor-Franz-Hess-Straße 9
6020 Innsbruck
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Berufsschulzentrum Lohbachufer
Von Berufsschuldirektor OSR Josef Rainer
Im August 1969 wurde mit dem Grundaushub für den Bau eines Berufsschulzen-
trums Innsbruck Lohbachufer begonnen. Dieses Berufsschulzentrum wurde für die
Landesberufsschule für Elektrogewerbe, für die Landesberufsschule für Friseure, die
Kaufmännische Berufsschule I, Kaufmännische Berufsschule II und für ein Landes-
berufsschülerheim errichtet. Die Gesamtgröße des Grundstückes beträgt 20.000 m²,
die verbaute Fläche ca. 4.800 m² und der umbaute Raum ca. 66.500 m³.
Die Landesberufsschule für Friseure und die Landesberufsschule für Elektrogewerbe
werden als Lehrgangsschulen mit 5 Lehrgängen zu je 8 Wochen geführt, die Kaufmänni-
schen Berufsschulen als Jahresschulen mit je 1 Unterrichtstag pro Woche.
Die Landesberufsschule für Friseure übersiedelte im September 1972 als erste in das
neue, noch nicht ganz fertiggestellte Schulzentrum aus den bisherigen Unterrichtsräu-
men für den betriebswirtschaftlichen Unterricht an der Volksschule Dreiheiligen und
den Lehrwerkstätten am Adolf-Pichler-Platz. Der Neubau umfaßt 8 Lehrwerkstätten, 1
Fachkunderaum, 1 Zeichensaal, 5 Klassenräume, Konferenzzimmer, Verwaltungs- und
Nebenräume.
Die weiblichen Lehrlinge, die bisher in den Mädchenheimen Museumstraße (Scheu-
chenstuelsche Stiftung) und Schöpfstraße (Heim der Arbeiterkammer) untergebracht
waren, können nun im neuen Landesberufsschülerheim wohnen.
Im Schuljahr 1972/73 besuchten 531 Lehrlinge im Lehrberuf Friseur und Perücken-
macher und 20 Lehrlinge im Lehrberuf Schönheitspfleger (Kosmetiker) und Fußpfleger
20 Klassen. Ab dem Schuljahr 1973/74 wurden für Schönheitspfleger (Kosmetiker)-und
Fußpflegerlehrlinge eigene Klassen als Jahresklasse (1 Schultag pro Woche) geführt.
Bis zum Schuljahr 1985/86 stieg die Schülerzahl ständig an auf
742 Friseur- und Perückenmacherlehrlinge in 26 Lehrgangsklassen und
39 Schönheitspfleger (Kosmetiker)- und Fußpflegerlehrlinge in 2 Jahresklassen.
An der Schule sind 19 Lehrer, ein Direktorstellvertreter und ein Direktor.
Die Landesberufsschule für Elektrogewerbe übersiedelte im Jänner 1973 von der Be-
rufsschule Mandelsbergerstraße hierher. Die Schule war zu diesem Zeitpunkt noch
nicht ganz fertiggestellt und bestand aus 4 Mechanischen Werkstätten, 6 Übungslabo-
ratorien und 12 Klassenräumen, Konferenzzimmer, Verwaltungs- und Nebenräumen.
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Abb. 73 und 74: Landesberufsschulzentrum Lohbachufer gegen Nordosten und gegen Westen, 1972.
Fotos: Richard Frischauf
Im Schuljahr 1972/73 besuchten insgesamt ca. 1100 Schüler aus den Lehrberufen
Elektroinstallateur, Betriebselektriker, Elektromechaniker sowie Radio- und Fernseh-
mechaniker die Schule. Die Schüler stammen aus ganz Tirol und werden, soweit sie
nicht aus dem Raum Innsbruck oder Fahrschüler sind, in den Schülerheimen in der
Anichstraße und im Kolpingheim - bisher in der Dreiheiligenstraße - untergebracht.
Die Schülerzahl in den Elektroberufen stieg in den folgenden Jahren auf über 1500
Schüler pro Jahr an und beträgt heute etwas über 1000. 24 Lehrer und 2 Direktoren sind
an der Schule.
Die Kaufmännische Berufsschule Innsbruck I für Einzelhandel und Drogisten übersie-
delte im Herbst 1973 vom Gebäude der Bundes-Handelsakademie Innsbruck Karl-
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Schönherr-Straße in den Neubau. Die Schule führte damals 39 Klassen mit insgesamt
926 Schülern (33 Klassen mit 795 Einzelhandelslehrlingen, 6 Klassen mit 131 Drogisten-
lehrlingen). Inzwischen erhöhte sich die Klassenzahl auf 42 mit einem Schülerstand von
1198 (39 Klassen mit 1123 Einzelhandelslehrlingen und 3 Klassen mit 75 Drogistenlehr-
lingen). An der Schule sind 25 Lehrer, ein Direktor und ein Direktor-Stellvertreter.
Im September 1973 begann die Kaufmännische Berufsschule Innsbruck II mit dem
Schulbetrieb. Im Schuljahr 1973/74 besuchten 346 Büro- und Industriekaufmannslehr-
linge und 101 Großhandelskaufmannslehrlinge in 18 Klassen den Unterricht. Bis zum
Schuljahr 1986/87 stieg die Schülerzahl auf 367 Büro- und Industriekaufmannslehrlinge
und 169 Großhandelskaufmannslehrlinge an. An der Schule sind 10 Lehrer und 1 Direk-
tor beschäftigt.
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Die Innsbrucker >>Technik<<
Von Dr. Maria Steibl
Zwischen den Allerheiligenhöfen und Kranebitten, ungefähr drei Kilometer von
der >>Neuen Universität<< am Innrain entfernt, liegt die »Technik«. Hinter diesem Kürzel
verbirgt sich allerdings nicht nur eine Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur,
sondern auch der Neubau der Naturwissenschaftlichen Fakultät und das Rechen-
zentrum.
Während in Wien und Graz schon lange Technische Hochschulen bestehen, erfüllte
sich in Innsbruck der alte Wunsch nach einer solchen erst 1969. Die Innsbrucker Univer-
sität brach dann als erste Universität in Österreich mit dem Dogma der vier Fakultäten
und schuf eine fünfte, die Technische Fakultät. Damit sollte das Ideal einer Universität
erfüllt werden, in der alle Wissenschaften vereinigt sind. Ein weiteres wichtiges Zeichen
der Integration der technischen Fachrichtungen innerhalb der Universität wurde spä-
ter mit dem an die Baufakultät angrenzenden Neubau der Naturwissenschaftlichen Fa-
kultät gesetzt. So befindet sich heute am westlichen Stadtrand von Innsbruck ein zwei-
tes Universitätszentrum, das durch seinen Baukörper, seine Studierenden, Lehrenden
und anderweitig Beschäftigten zur Belebung dieses Stadtteils wesentlich beiträgt.
I. Der Weg zur Innsbrucker Baufakultät
Unter diesem Titel veröffentlichte Univ.-Prof. Franz Huter 1970 die interessante Vorge-
schichte der Baufakultät, aus der hervorgeht, daß die Anfänge des Unterrichts in jenen
Fächern, die heute dieser Fakultät zugehören, schon im 18. Jahrhundert liegen.
Die Anfänge des technischen Unterrichts im 18. Jahrhundert
Neben Ignaz von Weinhart (1705-1787) und dessen Schule ist als Wegbereiter der
Technischen Fakultät vor allem Joseph Paul Stapf (1762-1809) genannt, der 1792 zum
Professor für praktische Mathematik und Technologie an der Philosophischen Fakultät
in Innsbruck ernannt wurde. Nach dem Tod Stapfs und der Aufhebung der Universität
im Jahre 1810 wurde der technische Unterricht an der Innsbrucker Universität unter-
brochen. Einzelne technische Fächer wurden zwar im Vormärz an der Philosophischen
Fakultät als Freifächer gelehrt, jedoch nur unzureichend. In den 1840-er Jahren wurden
dann Forderungen nach Errichtung einer eigenen technischen Schule laut, die sich je-
doch nicht durchsetzen ließen. Im Laufe der 1860-er Jahre erhielten die schon beste-
henden höheren technischen Institute Österreichs neue Organisationsstatuten und
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führten nun den Titel einer Technischen Hochschule. Vor allem auf Grund des Indu-
strialisierungsrückstandes war Westösterreich jedoch mit technischen Schulen zu
diesem Zeitpunkt noch völlig unversorgt.
Erste Bestrebungen zur Errichtung einer Technischen Hochschule (1911-1919)
Als zu Beginn unseres Jahrhunderts die Forderung nach Errichtung einer Technischen
Hochschule auch in Innsbruck erhoben wurde, gab es hier nur eine Staatsgewerbe-
schule, die einigermaßen die technischen Bedürfnisse erfüllte. Diese war aus der 1877
im Stadtteil Allerheiligen gegründeten »Gewerblichen Zeichen- und Modellierschule<<
hervorgegangen, ihr wurde später eine Werkmeisterschule für das Baugewerbe ange-
schlossen, 1884 der Titel Staatsgewerbeschule verliehen, 1907 erfolgte der Ausbau zu
einer »Fachschule für Bau-, Kunst- und mechanisches Gewerbe<.
Die Initiative zur Errichtung einer Technischen Hochschule in Innsbruck ging von den
Interessensvertretungen der Berufsingenieure aus, vom »Technischen Klub« (1882 ge-
gründet) und vom »Verband der Ingenieure in Tirol und Vorarlberg« (1907 gegründet).
Resolutionen wurden verfaßt, die Universität kontaktiert, politische Gremien und Wirt-
schaftskreise für diese Angelegenheit interessiert. In der Argumentation für eine Tech-
nische Hochschule wurde immer wieder der Bedarf nach qualifizierten Kräften für die
aufstrebende Wirtschaft hervorgehoben und die bedeutenden, noch zu lösenden Auf-
gaben im Gebirgs-, Straßen-, Wasser- und Elektrizitätswerkebau genannt. 1911 wurde
diese Angelegenheit sogar im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses des österrei-
chischen Reichsrates behandelt. Es wurde der Bau einer Technischen Hochschule oder
der Anschluß einer Bauingenieurschule an die Philosophische Fakultät angestrebt. Die
Philosophische Fakultät, deren Lehrende durchaus nicht alle von der Notwendigkeit
einer technischen Ausbildung an ihrer Fakultät überzeugt waren, sollte die ersten Jahr-
gänge der Bauingenieurschule aufnehmen, ab dem 3. Jahrgang eine selbständige Tech-
nische Hochschule weiterführen. Da man aber auch in Salzburg an die Gründung einer
Technischen Hochschule dachte, die schon bestehenden Technischen Hochschulen
eine Konkurrenz fürchteten und schließlich das Finanzministerium die Innsbrucker
Pläne schroff ablehnte, wurde die Realisierung der schon weit fortgeschrittenen Pläne
aufgeschoben. Übrigens wurde schon 1917 der Vorschlag aufgeworfen, eine Baufakultät
innerhalb der schon bestehenden Universität einzurichten.
Die technischen Kurse 1945-1947
Die Idee eine höhere technische Ausbildungsstätte zu schaffen, wurde erst nach dem
Zweiten Weltkrieg wieder aufgegriffen. Da durch die Zonenaufteilung Österreichs und
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Abb. 75: Die »Neue Technik, 1970.
Foto: Richard Frischauf
die katastrophale Lage nach Kriegsende die Technischen Hochschulen in Graz und
Wien für Westösterreicher kaum zu erreichen waren, wurden zwei Jahre lang an der
Innsbrucker Universität technische Kurse abgehalten, in denen die Grundfächer einer
Technischen Hochschule gelehrt wurden.
Die Errichtung einer Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur 1963-1969
Anläẞlich des Jubiläums »600 Jahre Tirol bei Österreich<< wurden erneut Schritte zur
Errichtung einer Baufakultät unternommen. Es ist das Verdienst der Landesbaudirek-
tion von Tirol, die Technische Hochschule in Innsbruck wieder in Diskussion und auch
sehr wirkungsvoll mit dem 600-Jahr-Jubiläum in Verbindung gebracht zu haben. Als
besonders wichtig wurde eine technische Ausbildungsmöglichkeit in Innsbruck für
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Studierende aus Tirol, Südtirol, Vorarlberg und Salzburg angesehen, da die große Ent-
fernung nach Graz und Wien, sowie die Überfüllung der dortigen Technischen Hoch-
schulen viele Begabte von einem technischen Studium abhielte. Vorgeschlagen wurde
die Errichtung einer Technischen Hochschule mit drei Fakultäten - Bauingenieur-
wesen, Architektur und Vermessungswesen. Der Bau sollte 1300 Student/inn/en Platz
bieten und war für das Gebiet um die Conradkaserne am Südring vorgesehen. In der
Festsitzung des Tiroler Landtages aus Anlaß der 600-Jahr-Feier bezeichnete Landes-
hauptmann Dr. Tschiggfrey die Gründung einer Technischen Hochschule in Innsbruck
als dringendes Anliegen Tirols und seiner Nachbarländer. Er forderte deshalb die zu-
ständigen Stellen auf, sich dafür einzusetzen.
Der Rektor der Universität, Univ.-Prof. Franz Hampl, legte im Auftrag des Akademischen
Senats am 6.4.1963 ein Memorandum vor, in dem eine Eingliederung der technischen
Wissenschaften in die Universitas litterarum vorgesehen war. Diese Lösung war auch
aus Kostengründen und Rücksicht auf die Widerstände der schon bestehenden öster-
reichischen Technischen Hochschulen die wohl beste. Im Frühjahr 1963 wurde eine
Gründungsgedenkschrift herausgegeben und eine Enquete zu dieser Frage einbe-
rufen. Durch den Tod des Landeshauptmanns Tschiggfrey und auch durch diverse
Meinungsverschiedenheiten die Realisierung des Projekts betreffend, ergab sich eine
weitere Verzögerung. Der neue Landeshauptmann Eduard Wallnöfer schrieb am
16.12.1964 in der Einladung zur Bildung von Arbeitsausschüssen:
>>Eine moderne, weltweit geöffnete ingenieurwissenschaftliche Fakultät mit den 3 Abteilungen Bauinge-
nieurwesen, Architektur und Vermessungswesen soll künftig im klassischen Paẞland Tirol, dem Lande
der Wasserkräfte und der Heimat Peter Anichs, mit seinen hervorragenden technischen und künstleri-
schen Begabungen, eng verbunden mit den Naturwissenschaften, an der Lösung europäischer Probleme
der Bautechnik mitwirken und die Universitas litterarum der Alpenuniversität vervollständigen.<<
Auf Studienreisen zu den aus- und inländischen Technischen Hochschulen zeigte sich,
wie wichtig für den Neubau eine großflächige, ausbaufähige Anlage sei. So wurden die
ursprünglichen Baupläne am Südring aufgegeben und für die Unterbringung der Bau-
fakultät als Baugrund das Gelände zwischen den Allerheiligenhöfen und Kranebitten
vorgesehen. Zur Finanzierung wurde ein Universitätsfonds gegründet, sodaß das Land
Tirol, die Stadt Innsbruck und Körperschaften, Betriebe, Unternehmungen und Einzel-
personen von Tirol und seinen Nachbarländern die Baukosten von 300 Millionen Schil-
ling übernahmen. Nachdem auch die Rektorenkonferenz am 5.7.1965 in Innsbruck die
Angliederung einer Baufakultät an die Universität Innsbruck befürwortete, lag der Lan-
desregierung im Herbst bereits das Raum- und Funktionsprogramm vor, welches für
1200 Hörer/innen 21 Lehrkanzeln, 2 Institutsgebäude, 4 Zeichen- und Hörsäle, Werk-
stätten, Laboratorien, Mensa, Zentralbibliothek, Verwaltungsgebäude, Heizzentrale
und Betriebswohnungen vorsah.
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Abb. 76: Die neuen Universitätsbauten im Jahre 1987 (v. 1. n. r.): Institutsgebäude für Bauingenieur- und Ver-
messungswesen, Hörsäle, Institut für Architektur, Mensa, Hörsäle und Institutsgebäude der naturwissen-
schaftlichen Institute, Labors.
Foto: Feil, Axams
1966 beschloß der Nationalrat das Bundesgesetz für die Gründung einer Fakultät für
Bauingenieurwesen und Architektur in Innsbruck. Der Bau, bei einem baukünstleri-
schen Wettbewerb an die Architektengemeinschaft Hubert Prachensky - Ernst Heiß
vergeben, wurde wie folgt beurteilt:
>>Die Gruppierung der einzelnen Baukörper um ein zentrales Forum ergibt eine gelungene Gesamtkon-
zeption, die dem Wesen der Universität gemäßen Ausdruck verleiht. Die Abschirmung der Freiflächen
für den ruhenden und fließenden Verkehr ist überzeugend gelungen. Die Einbeziehung der umgebenden
Grünflächen in den Gesamtbaukomplex verdient hervorgehoben zu werden. Die baukünstlerische Ge-
samthaltung ist von hoher Qualität und frei von Schematismus. Die Differenzierung der Baukörper und
insbesondere der Gebäudehöhen ist äußerst ansprechend. Die Fassaden entsprechen der vorgeschlage-
nen Fertigteilkonstruktion. Die Eingangsbereiche beider Institutsgebäude sind großzügig und über-
sichtlich gelöst. Das gleiche gilt für die Mensa und für den Verwaltungsbau.
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Besonders hervorzuheben ist die günstige Lage des großen Hörsaales. Ein Vorteil dieses Projektes ist auch
die Lage der Werkstättenbetriebe an der Ostseite, sodaß sich eine gute Ansicht der Gesamtanlage von der
Bundesstraße her ergibt. Das Fehlen der visuellen Beziehung der Zeichenräume zu den Freiräumen wird
als Nachteil empfunden. Das Raum- und Funktionsprogramm ist erfüllt. Die Verkehrsknoten in den In-
stitutsbauten sind sehr gut gelöst. Die Beziehung der einzelnen Raumgruppen zueinander ist vorteilhaft.
Die Wirtschaftlichkeit in Bezug auf den umbauten Raum, die Konstruktion und hinsichtlich des Betrie-
bes ist auch bei allfällig notwendiger Korrektur der gedrückten Geschoßhöhen der Zeichensäle gegeben.<<
Mit den Grundaushebungsarbeiten wurde am 4.9.1967 begonnen, der Grundstein zu
den Gebäuden am 12.5.1968 gelegt. Die Bauarbeiten wurden pünktlich durchgeführt,
sodaß der Lehrbetrieb bereits im Wintersemester 1969/70 aufgenommen werden
konnte. Die feierliche Eröffnung der neuen Fakultät fand anläßlich der Feier >300 Jahre
Universität Innsbruck« am 1.6.1970 statt.
Die Entwicklung der neuen Fakultät
Durch Ausstellungen und wissenschaftliche Veranstaltungen trat die neue Fakultät im-
mer wieder an die Öffentlichkeit und versuchte so ihre Forschungen einem breiteren
Publikum zugänglich zu machen.
Folgende Institute, deren Auflistung gleichzeitig schon einen Einblick in die For-
schungsbereiche liefert, bilden die Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur:
Baubetrieb und Bauwirtschaft
Baukunst und Denkmalpflege
Bauphysik
Baustatistik und verstärkte Kunststoffe
Baustofflehre und Materialprüfung
Bildnerische Gestaltung
Bodenmechanik, Felsmechanik und Grundbau
Siedlungswasserbau und Umwelttechnik
Eisenbahnwesen
Festigkeitslehre und Flächentragwerke
Gebäudelehre und Wohnbau
Geodäsie
Hochbau für Architekten
Hochbau für Industriebauten
Konstruktiver Wasserbau und Tunnelbau
Mathematik und Geometrie
Mechanik
Raumgestaltung
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Städtebau und Raumplanung
Stahlbau und Holzbau
Stahlbeton und Massivbau
Straßenbau und Verkehrsplanung
Der Fakultät steht eine eigene Bibliothek mit derzeit 110.000 Bänden und ca. 1000
laufenden Zeitschriften für die Benützung zur Verfügung.
Im ersten Studiensemester 1969/70 studierten 166 Hörer/innen, wobei 90 Architektur,
68 Bauingenieurwesen und 8 Vermessungswesen wählten. Im Sommersemester 1987
sind es 1261 Hörer/innen. Diese Zahl würde heute wesentlich überschritten, wären die
ausländischen Studierenden nicht durch einen strengen Numerus clausus teilweise
vom Studium ausgeschlossen worden. Der Anteil der Ausländer beträgt 17,6% der Ge-
samtstudierenden, wobei der Großteil aus der Bundesrepublik Deutschland kommt,
aber auch Griechen, Türken, Perser und Vertreter westeuropäischer Staaten hier stu-
dieren. Noch geringer als der Anteil der Ausländer ist derjenige der Frauen. Unter den
Studierenden der Technischen Fakultät sind 15,2% Frauen. Aufgeschlüsselt nach
Studienrichtungen zeigt sich folgendes Bild:
Gesamtzahl der
Studienrichtung
Studierenden
Frauen
Männer
Architektur
691
167
524
Bauingenieurwesen
439
11
428
Vermessungswesen
23
3
20
Doktoratsstudium
108
11
97
Gesamtstudierende
1261
192
1069
Unter Berücksichtigung eines Anteils von 41,8% Frauen unter den Innsbrucker Studie-
renden, zeigt sich, wie stark Frauen in den technischen Fächern nach wie vor unter-
repräsentiert sind.
II. Die Naturwissenschaftlichen Institute an der Technik
Im August 1976 wurde mit den Bauarbeiten für die Naturwissenschaftliche Fakultät
begonnen. Nach 10-jähriger Bauzeit übersiedelten im März 1986 acht Institute - Astro-
nomie, Experimentalphysik, Angewandte Physik und Theoretische Physik, Zoologie,
Mikrobiologie, Mathematik und Informatik - in die Technikerstraße. Die Neubauten
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bestehen aus einem 8-stöckigen Gebäude, zwei erdgeschossigen Flachbauten, Groß-
labors, Werkstätten, Praktikumsräumen und Hörsälen. Der Gesamtausbau der Natur-
wissenschaftlichen Fakultät ist noch nicht abgeschlossen, einige Bauteile sind erst im
Planungsstadium. Die Kosten für diesen Neubau werden sich auf 530 Millionen Schil-
ling belaufen und werden vom Bund übernommen. Die Planungsarbeiten wurden wie
beim Bau der Baufakultät vom Architektenteam Prachensky-Heiß übernommen.
Folgende Statistik zeigt die Frequenz der oben genannten Institute:
Studienfach
Gesamtzahl der
Studierenden
Frauen
Männer
Astronomie
31
9
22
Physik
304
43
261
Biologie (ohne Botanik*)
Mathematik
647
314
333
442
139
303
Gesamtstudierende
1424
505
919
*Das Institut für Botanik befindet sich in der Sternwartestraße.
Von den 1424 Studierenden sind 21 % Ausländer. Für die wissenschaftliche Arbeit steht
den Naturwissenschaftlern eine Fakultätsbibliothek mit derzeit über 40.000 Bänden
und 700 laufenden Zeitschriften zur Verfügung.
III. Das EDV-Zentrum
Abschließend soll noch kurz auf eine Einrichtung hingewiesen werden, die durch den
zunehmenden Einsatz der neuen Technologien eine immer größere Bedeutung ge-
winnt das EDV-Zentrum. Es besteht seit 1971 als »besondere Universitätseinrich-
tung< und soll den gesamten EDV-Bedarf der Universität abdecken. Die Leistungen
des EDV-Zentrums werden von den Mitarbeiter/inne/n und Student/inn/en von 120
Instituten der Universität in Anspruch genommen. Dies zeigt, daß der Einsatz der Elek-
tronischen Datenverarbeitung längst nicht mehr auf technische Fächer beschränkt ist,
sondern schon in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen Anwendung findet.
Anschrift der Verfasserin: Dr. Maria Steibl
Universitätsarchiv Innsbruck
Innrain 52
6020 Innsbruck
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Text der Urkunde, die am 10. Mai 1968 in den Grundstein der Technischen Fakultät
eingefügt worden ist.
> Urkunde
Als Vorsitzender des Kuratoriums des Innsbrucker Universitätsfonds hat Ökonomierat Eduard Wallnöfer,
Landeshauptmann von Tirol, in Anwesenheit von Herrn Bundesminister Dr. Theodor Piffl-Percevic heute
diesen Grundstein der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur in feierlicher Form verlegt.
Mit der Gründung dieser neuen Fakultät an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck wird ein seit
mehr als hundert Jahren verfolgter Wunsch des Landes Tirol und der Landeshauptstadt Innsbruck der
Verwirklichung zugeführt. Daran wird die Hoffnung geknüpft, einen Beitrag zur Ausbildung von jungen
Menschen als zukünftige Techniker und Baukünstler zu leisten.
Urkund dessen unterfertigten die Mitglieder des Kuratoriums samt ihren Stellvertretern
Für das Land Tirol
Landeshauptmann Ök.-Rat Eduard Wallnöfer, Landeshauptmann-Stellv. Prof. Dr. Fritz Prior, Landeshaupt-
mann-Stellv. Dr. Karl Kunst, Landesamtsdirektor Hofrat Dr. Rudolf Kathrein, Landesbaudirektor i. R. Hofrat
Dipl.-Ing. Leopold Pack, Landesrat Komm.-Rat Reinhold Unterweger, Landesrat Dr. Karl Erlacher, Landesrat
Rupert Zechtl, Landesamtsdirektor-Stellv. Hofrat Dr. Ignaz Bachmann, Landesbaudirektor Hofrat Dipl.-Ing.
Anton Kittinger.
Für die Stadtgemeinde Innsbruck
Bürgermeister DDr. Alois Lugger, Stadtrat Ing. Anton Fritz, Stadtrat Dr. Hermann Knoll, Amtsf. Stadtrat Karl
Hackl, Gemeinderat Dr. Herbert Salcher, Stadtrat Dr. Theodor Seykora, Gemeinderat Romuald Niescher,
Amtsf. Stadtrat Arthur Haidl, Gemeinderat Maria Kaiser, Gemeinderat Rudolf Krebs.
Für die Universität
Rektor im Studienjahr 1967/68 o. Univ.-Prof. Dr. Ernst Kolb, o. Univ.-Prof. DDr. Franz Lakner, o. Univ.-Prof. Dr.
Ludwig Hörbst, o. Univ.-Prof. Dr. Hans Kinzl, o. Univ.-Prof. Dr. Alfred Schinzel, o. Univ.-Prof. Dr. Clemens-
August Andreae, o. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bratschitsch, o. Univ.-Prof. Dr. Werner Heissel, ao. Univ.-Prof. Dr.
Hans Marberger, o. Univ.-Prof. Dr. Alfons Wotschitzky.
Förderer
Landeshauptmann von Vorarlberg Dr. Herbert Kessler, Hofrat Dr. Arnulf Benzer.
Die Mitglieder des Vorstandes und deren Stellvertreter
Landesbaudirektor i. R. Hofrat Dipl.-Ing. Leopold Pack, Senatsrat Dr. Otto Schwamberger, o. Univ.-Prof. DDr.
Franz Lakner, Hofrat Dr. Hans Psenner, Senatsrat Dr. Hans Weisskirchner, o. Univ.-Prof. Dr. Ludwig Hörbst.
Der mit der Baudurchführung betraute Abteilungsleiter in der Landesbaudirektion
Hofrat Architekt Hermann Jung.
Die Planungsgemeinschaft der Architekten und Fachplaner
Architekt Hubert Prachensky, Architekt Dipl.-Ing. Ernst Heiss, Baurat h. c. Dipl.-Ing. Dr. Walter Passer, Dipl.-
Ing. Franz Cammerlander, Dipl.-Ing. Franz Kreuz, Dipl.-Ing. Herbert Padinger, Ing. Walter Duschek.
Innsbruck, am 10. Mai 1968<
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Die Soldatenstadt Kranebitten
-
Standschützenkaserne
Von Obstlt. Horst Kaltenbrunner
Die Entstehungsgeschichte
Das Neubauvolumen seit Bestehen des Bundesheeres war eher gering, uneinheit-
lich und hauptsächlich auf die unbedingt notwendige Raumbeschaffung ausgerichtet.
Zu allen Zeiten wurden Kasernen dem Stil der Zeit entsprechend systematisch gebaut,
wobei naturgemäß eine stetige Anpassung an die Forderungen der Benützer erfolgte.
In den Nachfolgestaaten der Monarchie sind noch zahlreiche Amtsgebäude, Bahnhöfe,
Schulen und Bauten für das damalige Heer erhalten, die nach diesen einheitlichen Ge-
sichtspunkten geplant und errichtet wurden. Im Hinblick auf die hohe Qualität der Ge-
staltung, der Bauausführung und ihrer Anpassung an die Umgebung unterliegen die
meisten dieser Bauten dem Denkmalschutz. Sie sind Zeugen der Baugesinnung dieser
Zeit und damit von historischer Bedeutung.
Es bestand die Notwendigkeit, den großen Nachholbedarf abzudecken und somit
waren die Voraussetzungen gegeben für die Entwicklung eines adäquaten Architektur-
systems für ein Heer mit einem einheitlichen und standardisierten Lebenslauf als Aus-
druck einer besonderen Gesellschaftsform. Die logische Schlußfolgerung war ein über-
regionales Architektursystem->Uniform im weitesten Sinne«. Natürlich erforderte ein
derartiges System besondere Berücksichtigung der menschlichen Zusammenhänge,
dadurch werden die negativen Kasernenassoziationen vergangener Zeiten - wie
Mietskasernen etc. - ausgeräumt. Wenn man bedenkt, daß fast die gesamte männli-
che Jugend eines Volkes diese Institution durchwandert, erkennt man den ungeheuren
Stellenwert dieser Anlagen. Es galt, die Landwehrsystemkasernen als autonomen,
mikrostädtischen Organismus zu entwickeln ->die Soldatenstadt<<.
Grundlage für die Errichtung der Standschützenkaserne bildete der im Jahre 1981 zwi-
schen der Stadt Innsbruck und der Republik Österreich abgeschlossene Tauschvertrag,
in dem sich die Stadtgemeinde Innsbruck bereit erklärt hat, das für den Neubau der
Standschützenkaserne erforderliche Grundstück gegen Teile des Areals der gemäß Mi-
nisterratsbeschluß aus dem Jahre 1972 aufzulassenden Fennerkaserne an die Republik
Österreich abzugeben.
Die 1843 bezogene Fennerkaserne bot außer einem Sportplatz, notdürftigen Duschan-
lagen und Unterkünften zu 16 Mann, wo sich eigentlich keiner mehr wohlgefühlt hat,
keinerlei Infrastruktur an. Der Ministerratsbeschluß von 1972 legte fest, daß einige
Kasernen Österreichs, meist in Stadtzentren gelegene Anlagen, aufgelassen werden
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Abb. 77: Blick auf Kranebitten mit dem weiträumigen Areal der ehemaligen Schottergrube, ab 1981 dem
Bauareal für die Standschützen-Kaserne, rundum von Wald umgeben.
Luftaufnahme: Richard Frischauf, um 1975
können. In Innsbruck waren dies die Danklkaserne an der Innbrücke und die Fenner-
kaserne.
Eine weitere wesentliche Grundlage für diesen Kasernenneubau stellte der mit der Fa.
Ferrokonstrukt-Bauerrichtungen Ges. m. b. H., Wien, im Juli 1982 abgeschlossene Bau-
betreuungsvertrag dar, gemäß dem die Fa. Ferrokonstrukt die Baukosten vorfinanzier-
te und auch die kaufmännische sowie technisch geschäftliche Betreuung nebst der ört-
lichen Bauaufsicht ausübte. Die Rückerstattung der Baukosten erfolgt durch die Repu-
blik Österreich in 20 gleichen Halbjahresraten beginnend mit 1. Feber 1987.
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Nach einem von 1979-1981 vom Bundesministerium für LV erstellten Raum- und Funk-
tionsprogramm wurde die Arch. Gemeinschaft Swienty-Pontiller, Innsbruck, und Prof.
Hiesmayr, Wien, mit der Gesamtplanung beauftragt. Mit der Bauabwicklung und der
örtlichen Bauaufsicht wurde die Bauträgergesellschaft Ferrokonstrukt, Wien, betraut.
Die örtliche Oberaufsicht oblag der Bundesgebäudeverwaltung II, Innsbruck. Weitere
Zivilingenieure und Planungsbüros mußten eingesetzt werden, bis schließlich im Juli
1983 nach Abwicklung aller Behördenverfahren mit den eigentlichen Hochbauarbeiten
begonnen werden konnte. Trotz zeitweiliger Unterbrechung infolge Konkurs eines Ge-
neralunternehmers wurde die gesamte Kaserne in nur 33 Monaten fertiggestellt.
Vor Beginn der Errichtung der Kasernengebäude waren umfangreiche Vorbereitungs-
arbeiten für die Baureifmachung und Aufschließung des Grundstückes durchzuführen.
Insbesondere war dies die Verfüllung der ehemaligen Schottergrube mit Einbau der
Erdspeicher-Rohrregister, Herstellung der Kasernenzufahrtsstraße, Bohrpfahlwand
sowie der Kanalisation und Wasserleitungen samt Hochbehälter. Diese Arbeiten wur-
den im Oktober 1981 begonnen und Ende 1983 im wesentlichen abgeschlossen.
Nach Erteilung der baubehördlichen Bewilligung für die Errichtung der Kasernen-
gebäude im Juli 1982 konnten die Planunterlagen und Leistungskataloge für die öffent-
liche Ausschreibung der Generalunternehmerleistungen für diese Objekte bis Jänner
1983 fertiggestellt werden.
Auf Grund des Ausschreibungsergebnisses wurden am 19. Juni 1983 die ARGE Krasovic-
Neuner, Innsbruck/Telfs, mit der schlüsselfertigen Errichtung des Wirtschafts-Stabs-
gebäudes sowie der Großgarage und die Fa. Wilhelm Putz, Hoch- und Tiefbau
Ges. m. b. H. & Co KG, Bad Goisern, mit jener der restlichen Kasernengebäude vom
Bauträger beauftragt. Auf Grund der vertraglichen Gesamtherstellungsfrist von 30 Mo-
naten wurde der 28.12.1985 als Fertigstellungstermin festgesetzt. Die Bauarbeiten wur-
den von den beauftragten Baufirmen zügig durchgeführt, sodaß die Rohbauten zum
Großteil bis Juni 1984 fertiggestellt waren. Im Dezember 1984 waren die Neubauten so-
weit fortgeschritten, daß ein provisorischer Heizbetrieb aufgenommen und der Innen-
ausbau während des ganzen Winters 1984/85 weitergeführt werden konnte.
Am 17.7.1985 wurde jedoch über das Vermögen der Generalunternehmerfirma W. Putz
das Konkursverfahren eröffnet und die Arbeit auf der Baustelle in den von dieser Firma
zu errichtenden Objekten (bereits zu 70-85% fertiggestellt) zur Gänze eingestellt. Erst
nach genauer quantitativer und qualitativer Feststellung der von der Fa. Putz erbrach-
ten Leistungen konnten die fehlenden Restleistungen durch den Bauträger neu verge-
ben und die Bauarbeiten weiter geführt werden. Eine Überschreitung des Fertigstel-
lungstermines (28.12.85) um ca. 3 Monate bei dem der Fa. Putz übertragenen Lei-
stungsbereich wurde dadurch verursacht.
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Abb. 78: Blick auf die 1986 offiziell in Betrieb genommene »Standschützen<-Kaserne mit ihren vier kreuzför-
mig angeordneten Mannschaftsunterkünften, dem südseitigen Eingangs- und Werkstättentrakt, dem In-
nenhof mit »Adler-Brunnen und rechts mit dem Dach des Stabs- und Wirtschaftsgebäudes.
Foto: Redl, Bildstelle-Militärkommando Tirol
Die Namensgebung
Der damalige Militärkommandant von Tirol Korpskommandant Winfried Mathis und
>Vater der Kaserne« beantragte noch kurz vor seiner Ruhestandsversetzung die Be-
nennung der neuen Kaserne in »Standschützenkaserne«. Er begründete dies damit,
daß die Tiroler Standschützen der Südfront des ersten Weltkrieges auf Grund ihres
damaligen Status eine aktuelle Verbindung zum heutigen Milizgedanken darstellen.
Damit werden auch ihre außerordentlichen Verdienste um die Verteidigung Tirols im
Augenblick größter Bedrängnis auf Dauer gewürdigt. Entgegen anfänglicher Wider-
stände der Zentralstelle in Wien setzte er seinen Wunsch mit Unterstützung von Lan-
deshauptmann Eduard Wallnöfer und Bürgermeister Dr. Alois Lugger durch.
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Wallnöfer: >... Die Rekrutierung der Tiroler Standschützen geht in ihren Ursprüngen auf
das Landlibell Kaiser Maximilians von 1511, dem Fundamentalgesetz der Tiroler Lan-
desverteidigung zurück. In Anbetracht dieses für die Tiroler Geschichte bedeutenden
Umstandes wäre mir sehr daran gelegen, wenn die Benennung der neuen Landwehr-
Kaserne entsprechend dem Antrag des Militärkommandanten von Tirol erfolgen wür-
de.<<
Lugger: >... Die Stadtgemeinde vertritt die Auffassung, daß eine solche Benennung ge-
eignet sein wird, die außerordentlichen historischen Verdienste der Standschützen um
die Verteidigung des Landes zu würdigen und zugleich eine tragfähige Verbindung zum
aktuellen Gedankengut des Milizsystems und der Raumverteidigung herzustellen.<<
Die Tiroler und Vorarlberger Standschützen
Sie bestanden aus den Mitgliedern der freiwilligen Schützengilden auf den Schießstän-
den des Landes und bildeten seit 1874 keine militärische Organisation mehr. Ihre Mit-
glieder, soweit sie noch nicht Militärdienst-pflichtig waren (unter 21) und soweit sie
nicht mehr Militär- oder Landsturm-pflichtig waren (über 42), leisteten im Verteidi-
gungsfall kraft ihres freiwilligen Eintritts (>Einrollierung«) in den Schießstand aus freiem
Willen Wehrdienst zur Verteidigung der Heimat. Sie wählten ihre Offiziere selbst. 1913
gab es 65.000 eingeschriebene Standschützen auf 444 Schießständen.
Als Italien 1915 den Krieg erklärte, standen alle aktiven Truppen in Galizien. Die Süd-
grenze Tirols war nur mit neun Tiroler und zwei tschechischen Landsturmbaonen,
sechs ungarischen Reservebaonen und einigen Marschbaonen der Kaiserjäger, Kaiser-
schützen und der Infanterieregimenter 14 und 59, zusammen 17.000 Mann, an einer
350 km langen Front besetzt. Die Marschbaone bildeten den Nachersatz für die Ausfäl-
le bei den Regimentern in Galizien aus.
Am 18. Mai 1915 wurden die Standschützen als letztes Aufgebot mobilisiert. Nachdem
auch ihre Mitglieder in der Masse in den aktiven Regimentern in Galizien standen, ver-
blieben nur Schützen, die zu jung, zu alt oder untauglich für den Militärdienst waren.
Am 19. Mai zogen 24.000 Standschützen, gegliedert nach Talschaften, in 45 schwachen
Baonen an die Südtiroler Front- und hielten sie.
Bis zum Oktober 1915 trugen die Standschützen mit den Marschbaonen, dem Land-
sturm und dem deutschen Alpenkorps die Hauptlast der Kämpfe in Südtirol. Auch frei-
willige Schützenbaone und Regimenter aus Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und
Steiermark, errichtet nach Tiroler Vorbild, wurden an der Tiroler Front eingesetzt. Die
Bezirke Innsbruck und Meran stellten drei, Kaltern und Reutte zwei und Vorarlberg
sechs Baone Standschützen.
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Durch Einberufung der jüngeren Jahrgänge zu den aktiven Regimentern sank die Zahl
der Standschützen 1917 auf 7.732 Mann in zehn Gruppen. Sie standen bis zum Kriegs-
ende 1918 an der Front. Die Standschützen trugen die Armeeuniform, aber am Kragen-
spiegel einen Tiroler Adler aus gelbem Blech.
Beschreibung und Funktion der Kaserne
Die neue Standschützenkaserne in Innsbruck-Kranebitten ist die erste im Rahmen des
Österreichischen Kasernenneubauprogrammes errichtete Kaserne, die nicht in mehre-
ren Bauetappen, sondern in einem Zuge komplett mit allen erforderlichen Baulichkei-
ten ausgeführt wurde. Folgende Gebäude und Anlagen wurden erstellt:
1. Vier Mannschaftsunterkünfte für je 1 Kompanie. Gestaltet entsprechend der von
den Arch. Swienty-Pontiller entwickelten und in Österreich im Rahmen des Kaser-
nenneubauprogrammes bereits vielfach ausgeführten Systembauweise als kreuzför-
mige Gebäude bestehend aus 3 Geschossen. Die Mannschaftsunterkünfte beinhal-
ten die erforderlichen Unterkunfts- u. Sanitärräume, Lehrsaal und Aufenthaltsraum,
Kanzleitrakt, Lagerräume, Duschanlage, Putzraum und 4 Grundschutzräume für je
50 Personen.
2. Stabs- u. Wirtschaftsgebäude bestehend aus 4 Geschossen mit Lagerräumen, Heiz-
u. Klimazentrale, Kühlräumen, Küchenräumen, Mannschaftsspeisesaal, Soldaten-
heim, Kasino und Messe, Garderoben, Sanitären Räumen, Kanzleiräumen, Vermitt-
lung und Krankenrevier.
3. Sport- u. Magazingebäude bestehend aus Sporthalle 19 x 30 m, Geräteraum, Magazi-
nen, Umkleide- u. Waschräumen mit Duschen, Sauna, Circuit- u. Gymnastikraum.
4. Eingangs- u. Werkstättengebäude bestehend aus einer Kfz-Reparaturhalle, Werk-
stätten- u. Kanzleitrakt sowie Wachlokal.
5. Großgarage mit darüberliegendem Sportplatz. Auf der Garagendecke ist eine
bewässerte Naturrasensportanlage (Fußballplatz mit den Normmaßen 65/105 m)
angelegt.
6. Parkdeck. Ausmaß 96 x 16,80 m. Dieses Objekt bietet zusammen mit den davor
befindlichen befestigten Parkflächen Abstellplätze für 245 Privat-PKW der Präsenz-
diener, Chargen und Besucher.
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Zusätzlich zu den vorgenannten Kasernengebäuden wurden noch weitere Anlagen
hergestellt, wie
Kasernenzufahrtsstraße ca. 85 m lang, 8,5 m breit samt Verbreiterung der Bundes-
straße.
Hochbehälter für Trink- u. Feuerlöschwasser, Inhalt 440 m³,
zusätzliche Sportanlagen, wie Tennisplätze, 100 m-Laufbahn sowie Hochsprung- u.
Volleyballplatzanlage mit Kunststoffbelag und Weitsprunggrube mit Anlaufbahn, 2
Schotterauffangbecken für 350 und 400m³ Inhalt mit Ableitgraben,
Tankanlage,
ein Erddamm neben dem Klammbach als Schutz vor Vermurungen, eine verankerte
Bohrpfahlwand ca. 60 m lang und 4,7-8,2 m hoch sowie rd. 780 m² Raumgittermauer
als Hangsicherung, die Kasernenkanalisation, Verkehrsflächen mit Asphaltbelag
bzw. Betonverbundsteinpflasterung insgesamt rd. 19.730 m².
Für die Begrünung und Bepflanzung wurden außer den begrünten Dächern der Ka-
sernengebäude und dem Fußballplatz zusätzlich rd. 20.000 m² Rasenflächen ange-
legt und für die Aufforstung der Steilhänge neben den Kasernenobjekten insgesamt
rd. 9.300 Bäume und ca. 1.800 Sträucher gepflanzt.
Zur künstlerischen Gestaltung des Innenhofes der Kaserne wurde eine Brunnenanlage
mit Bronzeadler auf 10 m hoher Säule mit Brunnenbecken in Form des Adler-Flugschat-
tens als Ergebnis einer Juryentscheidung nach beschränktem künstlerischen Wettbe-
werb und ein Fahnenplatz errichtet. Der Adler wird voraussichtlich 1987 aufgestellt.
Die alternative Energie-Anlage der Kaserne
Beim Bau der Landwehr-Kaserne bestand eine kostengünstige Möglichkeit für die
Errichtung eines Saison-Erdspeichers unter dem Exerzierplatz. Entsprechend einer
Seehöhe von 627 m ist hier mit einer Jahresmitteltemperatur von 8 Grad Celsius und
mit einem jährlichen Strahlungsangebot von etwa 1112 kWh/m² zu rechnen. Auf die
Heizsaison von Oktober bis April entfallen 3642 Heizgradtage (12/20). Der Saison-Erd-
speicher deckt in Verbindung mit einer Wärmepumpe und den auf dem Wirtschaftsge-
bäude befindlichen Dachabsorbern die Grundlastheizung dieses Gebäudes und die
Warmwasserversorgung der gesamten Kaserne. Der jährliche Wärmebedarf beträgt et-
wa 1370 MWh, davon entfallen etwa 55% auf die täglich aufzubereitenden 40 m³ Warm-
wasser.
Der Saison-Erdspeicher weist eine wirksame Speichertiefe von etwa 12 m auf und über-
deckt eine Fläche von rd. 6.000 m². Die Wärmezufuhr und -abfuhr des Erdspeichers
erfolgt über zwei horizontal verlegte, in 3m (Register 1) und in 8m (Register 2) Tiefe be-
findliche Rohrnetze. Jedes dieser Register besteht aus etwa 120 parallelgeschalteten
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Abb. 79: Standschützen-Kaserne: Brunnenanlage mit Brunnenbecken in Form des Adler-Flugschattens.
Der Bronzeadler auf einer 10 m hohen Säule wird erst erstellt.
Foto: Redl, Bildstelle-Militärkommando Tirol
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Rohrschlangen zu je 100 m Länge. Die Rohre bestehen aus Kunststoff von 0,1 cm Wand-
stärke, weisen einen Innendurchmesser von 2 cm auf und liegen zum Schutz vor mecha-
nischer Beschädigung in eigenen Sandbetten. Vor allem das obere Register wirkt
wegen seiner Oberflächennähe zum Teil als Kollektor.
Der Dachabsorber setzt sich aus ca. 416 m² Kunststoffabsorbermatten zusammen. Die
Absorbermatten liegen direkt auf dem nahezu horizontalen Dach. Die Füllmenge be-
trägt etwa 1,31/m². Die beiden Register und der Dachabsorber stellen den Primärkreis
der Wärmepumpe dar und sind mit einem frostsicheren Wasser-Glykol-Gemisch
gefüllt.
Die elektrisch betriebene Sole-Wasser-Wärmepumpe mußte aus technischen Gründen
auf eine maximale Anschlußleistung von 102 kW beschränkt werden. Die Wärmepumpe
kann entweder dem Register 1, dem Register 2 oder dem Dachabsorber Wärme entzie-
hen. Falls die Wärme nicht dem Dachabsorber entnommen wird, besteht außerdem
die Möglichkeit, eines der beiden Register durch den Dachabsorber aufzuladen; dabei
wird das kältere der beiden Register bevorzugt. Die Entscheidung, ob die Wärme dem
Register 1, dem Register 2 oder dem Dachabsorber entzogen wird, wird von einer frei
programmierbaren Steuerung getroffen. Dabei wird die für das Gesamtsystem höchst-
mögliche Energieausbeute angestrebt. Die Steuerung erfolgt über Temperaturmes-
sungen der umgewälzten Sole sowie über Außentemperatur- und Windgeschwindig-
keitsmessungen beim Dachabsorber.
Die von der Wärmepumpe abgegebene Wärme wird bevorzugt zur Warmwasserberei-
tung verwendet, erst in zweiter Linie zur Beheizung.
Das Warmwasser wird einem Tagesspeicher (40 m³) entnommen, der - wegen der gün-
stigen Stromtarife - bevorzugt über Nacht von der Wärmepumpe geladen wird. Die
Wärmelieferung an das Heizsystem erfolgt über einen Pufferspeicher von 10m³ Inhalt.
Ein konventioneller Ölkessel dient zur Heizung, wenn die Wärmepumpe gerade zur
Warmwasserbereitung herangezogen wird. Dieser kann auch die gesamte Wärmever-
sorgung übernehmen, wenn die Wärmepumpe schadhaft ist oder die Temperatur in
den Primärkreisen einen Wärmepumpenbetrieb nicht ermöglicht.
Der Betrieb der Wärmepumpe und des Ölkessels sowie die Steuerung der Ventile und
Pumpen des Systems erfolgen durch ein frei programmierbares Kontrollsystem. Das Al-
ternativenergiesystem liefert über die Wärmepumpe 98% des Energiebedarfes, nur 2%
müssen vom Ölkessel eingebracht werden. Der mittlere Wirkungsgrad der Wärmepum-
pe beträgt 3,05.
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Der Gesamtenergiebedarf wird zu etwa 66% aus der Umwelt gedeckt. 50% kommen
vom Dachabsorber über den Erdspeicher zur Wärmepumpe. Die verbleibenden 16%
sind der Saldo aus Wärmegewinnen des oberen Speicherregisters von der Oberfläche
und den Speicherverlusten.
Die Investitionskosten derartiger Anlagen werden in erster Linie von den Kosten für die
Errichtung des Erdspeichers bestimmt. Im vorliegenden Fall war die Ausgangssituation
besonders günstig, da die Aushubarbeiten wegen der bereits vorhandenen Schotter-
grube entfielen.
Das vorliegende Projekt verursachte Gesamtkosten von 6 Mill. Schilling. Die alljährli-
chen Energiekosten für die Anlage liegen bei etwa öS 450.000,-, die zusätzlich auf-
zuwendenden Wartungskosten etwa bei öS 100.000,-. Demgegenüber hätte man bei
reiner Ölheizung mit Energiekosten von ÖS 1,200.000,- zu rechnen. Die jährliche Ko-
stenersparnis liegt also bei ca. ÖS 650.000,-. Dies läßt eine Amortisationszeit der Anla-
ge von weniger als 10 Jahren erwarten.
Die Baukosten
Der Gesamtkostenaufwand für den Neubau der Standschützenkaserne beträgt 440
Millionen Schilling ausschließlich der Finanzierungskosten. Es wurden 7 Generalunter-
nehmerfirmen davon 5 aus Tirol mit der Bauausführung beauftragt. Von diesen wurden
82 weitere Subunternehmerfirmen, davon 53 aus Tirol beschäftigt. Aufgeschlüsselt be-
trugen die Kosten für die Bauten 320 Millionen, 30 Millionen die Kosten der Aufschlie-
Bung, für die Außenanlagen wurden 50 Millionen aufgewendet und 40 Millionen betru-
gen die Baunebenkosten.
Anschrift des Verfassers: Oberstleutnant Horst Kaltenbrunner
Pressestelle des Militärkommandos Tirol
General Eccher-Straße 2
6020 Innsbruck
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Mag. P. Lampl
P. J. Plattner MSC
P. S. Schmid OFM
Doz. Dr. R. Weinberger
Doz. Dr. R. Oberforcher
Prof. Dr. P. Hopfgartner
Hofrat Dr. W. Kundratitz
Dr. E. Beneder
Dipl. Vw. U. Pleger
1986 Mag. K. Hofer
Doz. Dr. F. Daxecker
Univ.-Ass. Dr. J. Oesch
Bischof Dr. R. Stecher
Doz. Dr. R. Oberforcher
Univ.-Prof. P. Dr. K. Stock SJ
Mons. Dr. St. Mösl
Univ.-Prof. Dr. H. Rotter SJ
H. Weber
Dir. Dr. A. Karlinger
Univ.-Prof. P. Dr. K. Stock SJ
Univ.-Doz. Dr. R. Weinberger
S. Haberfellner
Prof. Dr. P. Hopfgartner
Univ.-Doz. Dr. B. Mangold
Hofrat Dr. J. Kornmüller
Prof. W. Hofbauer
Dr. H. Juen
Dr. A. Bergsleitner
Pf. DDr. P. Weẞ
Dipl. Theol. H. Schneider
H. Harrich
Dipl. Theol. H. Schneider
GR. H. Bachmann
1987 W. Allinger-Csollich
Doz. Dr. G. Konwalinka
Univ.-Prof. P. Dr. K. Stock SJ
Mag. M. Voldrich
Dr. H. Hafner
Wie lernt man lernen?
Zahlt es sich aus? - Ein Leben für Gott
Was halten sie von Medjugorje?
Quer durch das Universum (2 Abende)
Ist der Mensch >Mittelpunkt des Kosmos?
Israel
Christsein im Alltag (2 Abende)
Glaube an das ewige Leben
Gepäck aus der 3. Welt
Glaubenserfahrung in der Musik?!
Die Augenerkrankungen im Alter
Bibel und Archäologie in Jordanien
Buße und Umkehr im Leben des Christen
Im Glauben die Zukunft gewinnen (2 Abende)
Der Glaube, den Jesus verkündet
Jeder Mensch ist etwas Besonderes
Kirche und Moral
Geschlechtserziehung nach der sexuellen
Revolution
Schleifung der Bastionen (10 Gebote heute)
Mit Paulus glauben (3 Abende)
Streifzug durch unser Planetensystem
Wunder der Natur
Israel Religion und Geschichte
Erfahrungen aus der Familientherapie
Zur Diskussion über den Sinn des Lebens
Verfolgte Christen
Erbschaft und Testament
Zahnerhaltung und Zahnersatz
Wie kann aus einer Pfarre eine Gemeinde
werden?
Begleitung von Schwerkranken und
Sterbenden
Der Mann im Zwiespalt
Reif werden zum Tode
Eindrücke einer Rußlandreise
Bibel und Archäologie in Arabien
Der Herzinfarkt
Mit Paulus in Kleinasien
Das menschliche Ringen mit Gott (2 Abende)
Erfahrungen eines Entwicklungshelfers
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M. Kecht
P. S. Zangerl MSC
Univ.-Prof. Dr. H. Rotter SJ
Dr. G. Schmidt
E. Pöschl
Ing. R. Zegg
Univ.-Prof. P. Dr. K. Stock SJ
M. Klingler
GR. H. Bachmann
Bischof H. Raich SVD
Pfarrer Erich Gutheinz
Dr. Franz Neidl
>Der stumme Schrei« (Zur Frage der
Abtreibung)
Krankensalbung - Sakrament der Hoffnung
Gibt es noch eine Sünde?
Familienfasttag - was geht das uns an?
Athos Heiliger Berg
Rundreise durch Brasilien
Der Weg des Christentums in die Welt
(3 Abende)
Verhaltensstörungen bei Kindern
Kreta
Dekan Univ.-Prof. Dr. H. Hierdeis Verwöhnung als pädagogisches und
gesellschaftliches Problem
Aufbruch in ein neues Leben
China im Wandel
Faszination Helgoland
(Stand 31. Oktober 1987)
Seit Bestehen des Bildungswerkes Allerheiligen haben rd. 4335 Personen die Veran-
staltungen besucht. Es ist erfreulich, daß die Vorträge so regen Zuspruch fanden. Wert
und Erfolg der Bildungstätigkeit werden aber nicht nur von Vorträgen und Diskussio-
nen abhängen, sondern auch davon, ob es gelingt, »Nägel mit Köpfen« zu machen, die
das Antlitz unseres Stadtviertels positiv weiterentwickeln. Eine geistige Mitgestaltung
wird auch in Zukunft das Anliegen des Katholischen Bildungswerkes Allerheiligen sein.
Anschrift des Verfassers: OR. Dr. Emmerich Beneder
Universitätsbibliothek
Innrain 50
6020 Innsbruck
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Die Öffentliche Bücherei Allerheiligen
Von OStR. Dr. Rudolf Blaas
Erstmals wurde im Jahre 1956 eine Bücherei gegründet, die aber mangels an Platz
und geeigneten Büchern nur kurzen Bestand hatte.
Die zweite Gründung erfolgte im Jahre 1975, und zwar gleich mit Donnergepolter: Zwei
Regale brachen wegen der großen Bücherlast zusammen. Da dachte sich mancher:
>>Bücher haben ihre Schicksale« (Ausspruch des römischen Dichters Horaz, der um
Christi Geburt lebte). Ein heller Kopf, der die Sachlage richtig erkannte, eilte zu Pfarrer
Galler, der gerade zur Predigt ansetzte, und bat ihn, länger zu predigen, was ihm leicht
fiel. Das zahlreich erschienene Publikum merkte gar nichts, strömte nach der Messe in
den wieder intakten Bücherraum und war überrascht über die 708 Bände, deren Be-
schaffung die Förderungsstelle für Erwachsenenbildung für Tirol, das Borromäuswerk
Salzburg und die Stadtgemeinde Innsbruck ermöglicht hatten, Institutionen, die sich
auch später mit Zuschüssen einfanden.
Die Bücher sind nach Altersgruppen der Leser (Kinder, Jugendliche und Erwachsene)
und nach Sachgebieten geordnet. Den Kindern und Jugendlichen stehen zur Zeit 2.435
Bücher, den Erwachsenen 968 zur Verfügung, während die Zahl der Sachbücher 595 be-
trägt. In der Gesamtsumme von 4.016 Büchern gibt es zahlreiche ungehobene Schätze!
Im Jahre 1986 besuchten 441 Kinder und Jugendliche, 60 Frauen und 18 Männer die Bü-
cherei. Kinder und Jugendliche entlehnten 4.618, Männer und Frauen 529 Bücher.
Darüber hinaus ist die Bücherei ein Treffpunkt interessierter Menschen zum Gedan-
kenaustausch. Nicht umsonst heißt es: Wer liest, macht Reisen ohne Fahrgeld, lernt die
Welt kennen, hat keine Langeweile, kennt sich aus, kann was erzählen.
Anschrift des Verfassers: OStR. Dr. Rudolf Blaas
Mittenwaldweg 29
6020 Innsbruck
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Die Sozialstation Ulfiswiese und ihr Aufgabenbereich
Von Regina Brunmayr
Die Sozialstation Ulfiswiese (Kranebitter Allee 144/178) ist eine von mehreren
Sozialstationen im Stadtbereich Innsbruck, die der ambulanten Altenhilfe dienen.
Der Einsatzsprengel umfaßt den Stadtteil Innsbruck-West. Mit der Sozialstation ist
eine städtische Altenstube verbunden. Den Dienst in der Sozialstation versehen der-
zeit 3 ständige Bedienstete - 1 diplomierte Sozialarbeiterin, 1 Haushaltshilfe und | Be-
dienstete, die als Praktikantin ihr freiwilliges soziales Jahr ableistet.
Das Büro ist täglich von Montag bis Freitag zwischen 8 und 10 Uhr besetzt. Die übrige
Dienstzeit ist hauptsächlich für die Abwicklung des Außendienstes der Bediensteten
gedacht, jedoch gibt es selbstverständlich auch Beratungstermine, die gesondert ver-
einbart werden. Während der Abwesenheit der Bediensteten ist ein telefonischer Auf-
tragsdienst in der Station eingerichtet, um Hilfesuchenden die Möglichkeit zu geben,
möglichst rasch zu einer Kontaktnahme mit den Bediensteten zu gelangen.
Die Hauptaufgabe liegt in der Beratung und Betreuung betagter und behinderter
Menschen. Es soll ihnen durch diese Stützung möglichst lange der Verbleib in der ver-
trauten Umgebung ihrer eigenen Wohnung, ihres >Zuhauses«, ermöglicht werden. Dar-
aus ergibt sich, daß die Beratung in persönlichen, finanziellen und vorbeugenden Hilfe-
leistungen erfolgt.
Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Koordination verschiedener Betreuungsmaßnah-
men zwischen privaten und öffentlichen Einrichtungen, aber auch die Aktivierung von
Angehörigen und Nachbarn sowie die Hilfestellung bei diversen Ansuchen verschie-
denster Art. Auch wächst durch diesen Betreuungsdienst häufig eine Vertrauensbrük-
ke, die, wenn eine Übersiedlung in ein Betagtenheim oder Pflegeheim notwendig wird,
beim Betreffenden nicht das Empfinden aufkommen läßt, abgeschoben zu werden.
Die Haushaltshilfe für betagte Mitbürger wird ebenfalls von der Sozialstation aus ge-
lenkt. Sie umfaßt Hilfe im Haushalt, pflegerische Hilfestellung, Begleitung zum Arzt,
Einkaufshilfe und das sehr oft gewünschte menschliche Miteinander im Gespräch.
Mit den Mitarbeitern der Sozialstation wird wie auch von den anderen Sozialstationen
aus im Bereich der ambulanten Altenhilfe die »Aktion 80<< betreut. Im Rahmen dieser
Aktion werden alle über 80-jährigen in Innsbruck lebenden Mitbürger besucht, um sie
über soziale Dienste und Angebote im Rahmen der Altenbetreuung zu informieren.
Man will damit den betagten Mitbürgern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, weil sie
durch unsere Besuche erfahren, wohin sie sich im Notfall wenden können.
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Seit Jahresende 1986 findet einmal in der Woche in der Sozialstation ein sogenannter
Begegnungsnachmittag statt und zwar jeden Mittwoch in der Zeit von 14,30 Uhr bis
17,30 Uhr. Es bieten sich dort Aussprachemöglichkeit, schöpferische aktive Betätigung
(Basteln, Lichtbilder, gemeinsames Musizieren, Spielnachmittage), Frohsinn und ge-
selliges Beisammensein. Bekanntschaften entwickeln sich, die zur gegenseitigen Stüt-
zung im Lebensalltag führen. Was man sich schon seit längerem nicht mehr zutraute,
wagt man wieder, weil Bekannte aus der Altenstube mitmachen.
Die Veranstaltungen in den Altenstuben zu Festtagen und das Zusammensein mit der
Jugend, die des öfteren Freude in diese Kreise bringt, sind besondere Ereignisse. Sehr
gefragt ist auch die von den Sozialstationen koordinierte Möglichkeit zur kostenlosen
Fußpflege. Sie wird jeweils in Absprache mit der Berufsschule für Friseure, die in der
Nähe der Sozialstation liegt, durchgeführt.
In unserer Arbeit ist es uns wichtig, die Persönlichkeit des alten Menschen ernst zu neh-
men, ihn in die Mitte des Lebens hereinzuholen, wo er sonst vielfach an den Rand
gedrängt würde, und ihm die Wertschätzung zu schenken, die ihm aufgrund seiner
Erfahrung und seines oft nicht leichten Lebens zukommt.
Weitere Einrichtungen der lokalen Altenpflege sind die >>Stadtteilorganisationen Höt-
ting-West, Lohbach, Kranebitten des Pensionistenverbandes« und die Frauenbewe-
gung Hötting-Nord - Allerheiligen, Viktor-Franz-Hess-Straße 18, 6020 Innsbruck.
Anschrift der Verfasserin: Regina Brunmayr
Sozialstation Ulfiswiese
Kranebitter Allee 144
6020 Innsbruck
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Freiwillige Feuerwehr in Allerheiligen
Von Josefine Justic
>Wie jeder Einzelne von Euch weiß, besteht in der Fraktion Allerheiligenhöfe kein
Schutz für Feuersgefahr, kein Schutz bei Hochwasser, keine Meldestelle für event.
alpine Unfälle, keine Beleuchtung der Haltestelle und keine Sammelstelle der Post
bzw. Anbringung eines Briefkasten. Ich habe Euch zu mir gebeten, um mit mir heute
den Grundstein zur Aufstellung einer eigenen Feuerwehr zu legen.« Mit diesen Worten
leitete Hans Weinold, Pächter des Flungerhofes (heute Gasthaus Allerheiligenhof, Al-
lerheiligenhofweg 7)² die konstituierende Versammlung der FF Allerheiligenhöfe am
24. Jänner 1931 in seinem Gasthaus ein. 24 interessierte Männer stimmten der Grün-
dung dieser Wehr zu und sogleich schritt man zur Wahl der bis zur Gründungsversamm-
lung provisorisch amtierenden Funktionäre.
Diese nächste Versammlung, für den 21. März einberufen, verlief dann jedoch anders
als erwartet. Nachdem es zwischen dem Oberkommando der FF Hötting und den Pro-
ponenten der zu gründenden Wehr zu Meinungsverschiedenheiten bezüglich der
Eigenständigkeit der letzteren kam- die Höttinger wollten die Männer der Aller-
heiligenhöfe nur als Zug in ihre Kompanie eingliedern und sprachen ihnen den er-
wünschten Kompanierang ab - kam es zum Bruch zwischen den beiden Wehren und
die bereits gewählten Funktionäre der Allerheiligenhöfe traten geschlossen zurück.
Dem ersten (und einzigen) Kommandanten der FF Allerheiligen Karl-Heinz Födisch
war es zu verdanken, daß es drei Monate später, am 27. Juni 1931, nach langen Diskus-
sionen doch noch gelang die Wehr als einen von der Gemeinde und der Feuerwehr Höt-
ting unterstützten Löschzug zu gründen.
2
Bei dieser Gelegenheit appellierte der wiedergewählte Kommandant auch gleich an
die zuständigen Stellen, die junge Feuerwehr bei der Beschaffung der Ausrüstung in
Form von Schläuchen und Leitern zu unterstützen und wandte sich ebenso an die Ge-
meinde Hötting mit der Bitte, für den längst fälligen Telefonanschluß für die Allerheili-
genhöfe zu sorgen bzw. die Wege nach Allerheiligen besser zu betreuen. Dies wohl mit
gutem Grund, da zu diesem Zeitpunkt im Ernstfall noch zwei »junge, gute Radfahrer<<
engagiert werden mußten, um als »Brandmelder« zu fungieren.
1 Auszug aus der handgeschriebenen Feuerwehrchronik Hötting, 3. Kompanie (1931-1938). Diese
Chronik wurde mir freundlicherweise vom Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Hötting,
Herrn Alois Muglach, zur Verfügung gestellt. Die in diesem Artikel angeführten Daten - wenn nicht
ausdrücklich anders angegeben - entstammen dieser Chronik. Eine Kopie derselben befindet sich
im Stadtarchiv Innsbruck.
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Innsbrucker Adreẞbuch 1976, S.814
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Abb. 80: Die Männer der Freiw. Feuerwehr Hötting-Allerheiligen beim Begräbnis des Landesfeuerwehrkom-
mandanten von Tirol Franz Innerhofer, 1936.
Original in der Höttinger Feuerwehr-Chronik, Repro: Doz. Hye
Bereits am 4. Juli 1931 wurde die erste Übung der FF Allerheiligenhöfe durchgeführt und
weitere folgten alle acht Tage. Für 6. September 1931 wurde das Gründungsfest an-
beraumt und im gleichen Monat konnte der Beschluß gefaßt werden, eine Leiter
anzuschaffen.
Bei der II. Generalversammlung am 18. März 1932 im Flungerhof waren immerhin schon
28 >halbwegs ausgerüstete aktive Mitglieder<< der FF Allerheiligenhöfe anwesend und
es wurde erstmals die Erbauung eines Magazins diskutiert. Die Geräte der Wehr stan-
den nämlich in einem zwar vor Witterungseinflüssen schützenden, ansonsten aber für
jedermann zugänglichen, unversperrten Schuppen beim »Klingenschmied« (Allerheili-
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Abb. 81: Das Gerätehaus der ehemaligen Freiw. Feuerwehr von Allerheiligen (erbaut 1935/36), umgeben
vom sogenannten >Römerhäusl< (links) und dem ehemaligen Ziegelstadelhof (rechts). Im Vordergrund er-
kennt man die Trasse der Karwendelbahn.
Original in der Höttinger Feuerwehr-Chronik, Repro: Doz. Hye
Im Frühjahr 1935 endlich konnte mit dem Bau beim »Römerhäusl« begonnen werden.
Sowohl bei den Aushub- wie auch bei den Maurerarbeiten beteiligten sich vor allem die
Feuerwehrmänner - ob arbeitslos oder berufstätig - selbst sehr rege, sodaẞ bereits
im Oktober die vier gemauerten Wände des Magazins standen. Nach einer kurzen Win-
terpause wurde im Jahr 1936 die Arbeit mit vereinten Kräften wieder fortgesetzt und so
konnte schließlich am Sonntag, den 16. August 1936 das Gerätehaus im Beisein von
zahlreichen Festgästen und Schaulustigen feierlich eingeweiht und eröffnet werden:
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>>Pünktlich 3/4 7 Uhr war die Kompagnie gestellt, um noch einmal kurz das Schulexer-
zieren durchzunehmen. Am Platz selbst wurde noch alles und auch das Kleinste in Ord-
nung gebracht und endlich - es hatten sich schon viele Leute angesammelt, kam das
Kommando zum Abmarsch, den Festgästen entgegen. Mit klingendem Spiel zog dann
ein staatlicher (!) Zug zurück zum Gerätehaus, wo dann die Feldmesse gelesen wurde.
Nach derselben kamen die Gratulanten ...<< beschreibt uns die Höttinger Feuerwehr-
chronik den Beginn des Festes. Der »Tiroler Anzeiger« berichtet über das Ereignis wei-
ter: >>Mit einem stramm und exakt durchgeführten Schulexerzieren der 3. Kompagnie
war der offizielle Teil der Feier beendet, zu der sich die 1. und 2. Kompagnie der Freiw.
Feuerwehr Hötting, die 2. und 3. Kompagnie der Innsbrucker Feuerwehr, dann Vertre-
tungen von Leithen, Reith bei Seefeld, Seefeld, Völs und Zirl sowie Höttinger Schützen
eingefunden hatten; ein Frühschoppenkonzert mit Musik und Gesang bildete den vor-
mittägigen Abschluß der Feier.<<
Bei der folgenden Versammlung der Kompanie am 29. August 1936 wurde Karl-Heinz
Födisch in Anerkennung seiner vielfachen Verdienste um die Kompanie und das Feuer-
wehrwesen in Allerheiligen zum Ehrenhauptmann ernannt.
In den weiteren Jahren bis 1938 zog dann wieder der Alltag ins Feuerwehrleben der
Allerheiligenhöfe ein. Am 9. September 1936 wurde erstmals eine Übung in der neuer-
bauten Neustädtersiedlung (heute Lohbachsiedlung) abgehalten - es waren inzwi-
schen auch 8 Männer dieser Siedlung als aktive Mitglieder der Kompanie beigetreten.
Diese Übung zeigte einmal mehr das krasse Fehlen einer Motorspritze und mehrarmi-
ger Standrohre auf.
Mit 31. Dezember 1936 betrug der stattliche Mitgliederstand der Kompanie Allerheili-
genhöfe 34 ausübende Männer. Das Jahr 1937 bzw. bis Februar 1938 brachte einige
Großeinsätze in allernächster Umgebung: Durch Brandlegung wurden drei Höfe arg in
Mitleidenschaft gezogen und nicht nur die 3. Kompanie, sondern die gesamte Höttin-
ger und Innsbrucker Feuerwehr mußte zu den Brandplätzen eilen. Am 19. März brannte
das Wirtschaftsgebäude des Planötzenhofes; am 6. November wurden die Nebenge-
bäude des Harter Hofes ein Raub der Flammen und schließlich mußte am 12. Februar
1938 der Brand des Wirtschaftsgebäudes des Gasthofes Kranebitten gelöscht werden.
Mit der Machtübernahme 1938 durch die Nationalsozialisten des Dritten Reiches en-
dete das Eigenleben der Feuerwehren - auch sie wurden >gleichgeschaltet«. Und so
schließt die handgeschriebene Feuerwehr-Chronik der 2. Höttinger Kompanie mit der
für alle geltenden Eintragung:
5 Tiroler Anzeiger 1936, Nr. 187, S. 7 - August 17
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20. Dezember 1939. »Umgruppierung nach altreichsdeutschem Muster der Freiwilligen
Feuerwehren Tirols.
1. Die Feuerwehren wurden aus dem Vereinsgesetz genommen und in eine Gliederung
der Polizei umgewandelt.
2. Alle Kameraden über 60 Jahre scheiden aus dem aktiven Dienst aus und kommen in
die Reserve.
3. Der Landesverband, der Bezirksverband sind aufgelöst worden. Die Einteilung ist
nach den Richtungen des Altreiches getroffen worden.<<
Nach dem Ende der NS-Herrschaft begann sich die FF Hötting unter dem späteren
Kommandanten Josef Angermair neu zu formieren. Die II. und III. Kompanie (Höttinger
Au und Allerheiligenhöfe) allerdings konnten nicht mehr reaktiviert werden und wur-
den somit aufgelöst. Trotz intensiver Bemühungen und persönlichen Einsatzes des
jetzigen Kommandanten Alois Muglach und seines Stellvertreters Alois Nocker schei-
terte die Neuaufstellung einer Mannschaft in den Allerheiligenhöfen, da die gewünsch-
te Reaktion und Mitarbeit der angesprochenen Bevölkerung ausblieb. Erst in den
letzten Jahren engagierten sich wieder Wehrmänner aus der Lohbachsiedlung und
Kranebitten indem sie der Höttinger Wehr beitraten.
Im Jahre 1980 konnte daher zumindest der Stützpunkt Kranebitten gegründet werden,
der zur Zeit über sieben Mann und ein eigenes Feuerwehrmagazin mit einem TLF 4000
(=Tanklöschfahrzeug mit 40001 Wasser) verfügt.
Vor allem infolge der Verbauung der Peergründe sieht sich die FF Hötting gegenwärtig
veranlaßt, einen weiteren Stützpunkt in Hötting-West zu errichten. Es wird dies ein Ma-
gazin in der Josef-Stapf-Straße sein, dessen Bau und Bestückung in naher Zukunft erfol-
gen wird."
Das Gerätehaus beim >Römerhäusl« allerdings steht seit langem leer. - In Erinnerung
an die einstige III. Kompanie - Allerheiligenhöfe.
Anschrift der Verfasserin: Josefine Justic
Stadtarchiv
Badgasse 2
6010 Innsbruck
6
90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Hötting. In: TT. 1964, Nr. 98 - April 28
7
Diese neuesten Daten teilte mir ebenfalls der Kommandant der FF Hötting, Herr Alois Muglach,
mit, dem ich an dieser Stelle für seine Unterstützung danke.
275
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Stadtmusikkapelle Allerheiligen
Von Markus Schlenck, Obmann
Da durch die enorme Ausdehnung unseres Stadtteils immer mehr Jugendliche
eine sinnvolle Freizeitgestaltungsmöglichkeit suchten, wurde auch immer wieder die
Gründung einer Musikkapelle angeregt. Erst 1977 stand dafür ein erfahrener Kapell-
meister, der noch dazu in unserem Stadtteil wohnte, zur Verfügung, und die Außen-
stelle des Konservatoriums in der Volksschule Allerheiligen bot sich ideal für den
Unterricht der Jungmusikanten an. So mußte nur mehr ermittelt werden, wie groß das
Interesse der Jugendlichen wirklich war.
Im Dezember 1977 erfolgte in der Stadtteilzeitung »Erfolg« ein erster Aufruf an alle lern-
willigen Mädchen und Buben. Dieser Aufruf wurde noch verstärkt durch einen Brief an
alle damals 2500 Haushalte unseres Stadtteils. Darin wurden alle Mädchen und Buben
ab 12 Jahren, die gerne als Musikanten bei der Musikkapelle dabei sein wollten, aufge-
rufen, sich zu melden. Natürlich bot man auch allen, die schon ein passendes Blas-
instrument beherrschten, an, in der Musikkapelle ihr Können unter Beweis zu stellen.
Das Angebot, ein Blasinstrument spielen zu lernen, war sowohl in Bezug auf die Bereit-
stellung der Instrumente, als auch durch die Übernahme der Ausbildungskosten für die
ersten zwei Jahre sehr günstig; einzig und allein Fleiß und Begeisterung für Musik muẞ-
ten die zukünftigen Blasmusikanten selbst mitbringen. Als Fernziel wurde die erste
Ausrückung der Musikkapelle beim Festumzug anläßlich des Jubiläums »800 Jahre
Innsbruck« im Juli 1980 ins Auge gefaßt.
Da der Initiator dieser Aufrufe, mein Vater, Gen.Dir. Dr. Günther Schlenck, durch die
zahlreichen Anmeldungen bald überzeugt war, daß die Gründung einer Musikkapelle
realisierbar war, wurde von ihm nun sofort an der Finanzierung dieses Vorhabens gear-
beitet, kostete doch die Erstausstattung mit Instrumenten S 400.000,- und für die spä-
tere Einkleidung mit Trachten mußte nochmals mit einer ähnlich hohen Summe
gerechnet werden. Dank der großzügigen Unterstützung der Kulturabteilung des Lan-
des Tirol, des Kulturamtes der Stadt Innsbruck und großer und kleiner Wirtschaftsbe-
triebe in Innsbruck und in Tirol konnte vorerst die Finanzierung der Instrumente gesi-
chert werden.
Nachdem die Aufstellung der Musikkapelle auch in dieser Richtung ermöglicht war,
kam es am 8. April 1978 zu einem ersten Zusammentreffen aller 49 angemeldeten Ju-
gendlichen im Jugendheim Allerheiligen. Herr Karl Dubsek hatte auf Wunsch von Dr.
Schlenck einige Probeinstrumente mitgebracht, und Kapellmeister Dir. Hans Klement
versuchte zusammen mit Prof. Anton Hell vom Konservatorium Innsbruck, für jeden Ju-
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Abb. 82: Die Musikkapelle Allerheiligen bei der offiziellen Eröffnung der Hauptschule Hötting-West, 1981.
Foto: Hofer-Eliskases
gendlichen das geeignete Instrument zu finden. Natürlich war bei den Mädchen die
Klarinette, bei den Burschen die Trompete das beliebteste Instrument. Da eine Blas-
kapelle aber auch andere Instrumente benötigt, mußten einige Jugendliche überzeugt
werden, daß ein anderes Instrument wegen des »Ansatzes<< oder wegen der Statur des
Musikanten geeigneter war.
Nach einem kurzen Aufnahmetest Anfang Juli durch das Konservatorium Innsbruck
konnten die Anmeldungen für Herbst 1978 fixiert werden. Auch der Bedarf an Instru-
menten stand nun soweit fest, daß eine fixe Bestellung an die Firma Karl Dubsek er-
gehen konnte.
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In Beantwortung des Antrages von Dr. Schlenck gestattete die Sicherheitsdirektion für
das Bundesland Tirol mit Bescheid vom 11. Juli 1978 die Bildung des Vereines >>Stadt-
musikkapelle Allerheiligen« und am 16. Juli 1978 konnte die konstituierende General-
versammlung des neuen Vereines erfolgen.
Mit Gen. Dir. Dr. Schlenck wurde jener Mann einstimmig zum Obmann gewählt, der von
Anfang an die Bemühungen vorangetrieben hatte und einen geeigneten Kapellmei-
ster, genügend Jugendliche und ausreichende finanzielle Mittel zur Gründung zusam-
mengebracht hatte. Der neu gewählte Kapellmeister Dir. Hans Klement hatte sein
pädagogisches Geschick in knapp 20 Jahren Kapellmeistertätigkeit in Ehrwald und
Seefeld schon zur Genüge unter Beweis gestellt. Er war bereit, sich dieser sicherlich
nicht leichten Aufgabe zu stellen und aus ca. 50 jugendlichen Individualisten einen ein-
heitlichen Klangkörper zu formen.
Ab Herbst 1978 erfolgte der Instrumentalunterricht in der Außenstelle des Konservato-
riums und wie zu erwarten war, erwies sich für einige dieses Hobby nicht als das, was sie
sich erwartet hatten. So verabschiedeten sich mehr als 10 Musikanten wieder von der
Kapelle.
Nachdem die Lernerfolge bei fast allen anderen Musikanten sehr gut waren, kam es am
5. Mai 1979 im Probelokal in der neuen Hauptschule Hötting-West zur ersten gemeinsa-
men Probe der verbliebenen 35 Musikanten. Kapellmeister Dir. Klement war ange-
nehm überrascht von den Leistungen der Musikanten und konnte in den ersten Proben
bis zu den Sommerferien zwei feierliche, getragene Stücke einstudieren. Ab Septem-
ber wurde bei den Proben sofort der erste Marsch aufgelegt, hatte man sich doch schon
beim ersten Aufruf vorgenommen, im Juli 1980 erstmals auszurücken.
Da nun auch an die Anschaffung der Trachten gedacht werden mußte, stellte sich wie-
derum das Problem der Finanzierung, da ein Betrag von rund S 300.000,- dafür anzu-
setzen war. Knapp ein Viertel dieses Betrages konnte bei einer Spendenaktion in
unserem Stadtteil aufgebracht werden, der Rest konnte wiederum durch die großzügi-
ge Unterstützung des Landes Tirol, der Stadt Innsbruck und einiger großer Gönner ge-
deckt werden.
Die ersten Musikanten, die eingekleidet wurden, waren die 7 Mitglieder einer Weih-
nachtsbläsergruppe, die erstmals in Tracht am 16. Dezember 1979 im Landeskranken-
haus Hochzirl musizierte. Einige Tage später wurden Weihnachtslieder an mehreren
Plätzen unseres Stadtteils zur Einstimmung auf den Heiligen Abend gespielt und auch
die Gestaltung der Mitternachtsmette am 24. Dezember 1979 wurde von der Bläser-
gruppe übernommen.
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Im Frühjahr 1980 wurden die restlichen Musikanten mit Trachten versehen und ab April
mußten alle lernen zu marschieren, zuerst ohne Spiel, später auch mit klingendem
Spiel.
Dank der intensiven Probentätigkeit war es möglich, am 1. Juni 1980 erstmals mit der
ganzen Musikkapelle - auch 4 Marketenderinnen waren inzwischen gefunden worden
- auszurücken. Nach dem Anmarsch zur Kirche und der Meldung an Bgm. DDr. Alois
Lugger und Hofrat Dr. Eigentler als Vertreter unserer großen Helfer Stadt Innsbruck
und Land Tirol gestaltete die Musikkapelle die feierliche Messe, bei der Pfarrer Galler
auch die Instrumentensegnung vornahm. Ein zünftiger Marsch anschließend vor der
Kirche gab allen Anwesenden, besonders den stolzen Eltern der Musikanten, die Gele-
genheit, das Ergebnis der 2-jährigen Aufbauarbeit zu betrachten.
Schon eine Woche später war die junge Musikkapelle wieder im Einsatz anläßlich der
Fronleichnamsprozession. Auch dabei kam es zu keinerlei Pannen, sodaß das Selbst-
vertrauen nun so groß war, daß man an die Verwirklichung des schon von Anfang an ge-
steckten Zieles, der Mitwirkung beim Festumzug anläßlich des Stadtjubiläums >800
Jahre Innsbruck<«, denken konnte. Am 29. Juni 1980 marschierte die Stadtmusikkapelle
Allerheiligen an der Spitze des großen Festumzuges rund eine Stunde lang durch Inns-
bruck. Neben den vielen tausend Zuschauern entlang der Strecke konnten auch die
Fernsehzuschauer den ersten großen Auftritt live miterleben. Ein großartiges Gefühl!
Zum Abschluß vor den Sommerferien stellte sich die Musikkapelle im Turnsaal der
Volksschule Allerheiligen bei einem kleinen Konzert für die Eltern der Musikanten
noch einmal musikalisch vor. Neben zwei Ausrückungen anläßlich eines internationa-
len Kongresses in Innsbruck und der Installierung des neuen H.H. Pfarrers Hopfgartner
galt es nach den Ferien, für das Jahr 1981 ein Konzertprogramm zu erarbeiten.
Nachdem die zwei bisherigen Auftritte bei kirchlichen Feiern sehr großen Anklang ge-
funden hatten, wurde die Musikkapelle nun bei fast allen Festen um ihre Mitwirkung
gebeten. Besonders feierlich war die Primizfeier von Peter Willi am 7. und 8. Juni 1981.
Nach dem Abschlußkonzert am 26. Juni 1981 in der Turnhalle der Hauptschule Hötting-
West, wo die über den Winter in vielen Proben neu einstudierten Konzertstücke wie
z. B. Polka, Walzer, Ouverture und Volksliederpotpourri einem großen Publikum vorge-
stellt werden konnten, gab es als kleine Belohnung für alle Musikanten Ende Juni einen
Ausflug nach Ehrwald. Nach der musikalischen Umrahmung der dortigen Sonntags-
messe und dem daran anschließenden Platzkonzert im Pavillon ging es mit der Seil-
bahn hinauf auf die Zugspitze. Dank des wunderbaren Wetters hatte man einen tollen
Ausblick.
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Für das Jahr 1982 hatte man sich vorgenommen, erstmals bei den Veranstaltungen des
Fremdenverkehrsverbandes teilzunehmen. Neben diesen 3 Veranstaltungen - 1 Tiro-
ler Abend und 2 Umzüge durch die Altstadt - gab es die schon traditionellen Ausrük-
kungen zu Fronleichnam, beim Musikausflug nach Mayrhofen und anläßlich des
Abschlußkonzertes am 8. Juli 1982.
Obwohl es für die sehr junge Musikkapelle sicherlich ein wenig riskant erschien, hatte
man sich zum Konzert-Wertungsspiel des Musikbezirkes Innsbruck-Stadt Ende Okto-
ber angemeldet. Mit den Stücken »Heiteres Wochenende<< von Karl Safaric und >>Preis
der Heimat<< von Josef Abel erzielte die Stadtmusikkapelle Allerheiligen eine Teilnah-
me mit >>gutem Erfolg«, wobei ein >sehr guter Erfolg« nur ganz knapp verfehlt wurde.
Neben den üblichen Ausrückungen anläßlich verschiedener kirchlicher Feiern, dem
Abschlußkonzert und dem Musikausflug - diesmal nach Achenkirch - war in der Sai-
son 1983 das Bezirksmusikfest des Bezirkes Innsbruck-Stadt in Arzl am bemerkenswer-
testen. Da dieses Fest am 3. und 4. September stattfand, also zu einer Zeit, in der viele
Musikanten noch nicht aus dem Urlaub zurück waren, vereinbarte man mit der Jugend-
und Stadtmusikkapelle Neu-Arzl Olympisches Dorf, einen gemeinsamen Musikblock
zu bilden. So wurde aus zwei einzeln nicht spielfähigen Kapellen ein ansehnlicher
Klangkörper, der einiges Aufsehen erregen konnte.
Das herausragende Ereignis im Jahre 1984 war der Landesfestzug zum Tiroler Gedenk-
jahr 1809-1984. Die Stadtmusikkapelle Allerheiligen bildete mit der Stadtmusikkapelle
Mühlau und der Stadtmusikkapelle Igls-Vill unter der Stabführung von Bezirksstabfüh-
rer Ing. Walter Guggenbichler den Musikblock »Musikbezirk Innsbruck-Stadt I<< und
schloß den langen Festzug würdig ab.
Anfang Oktober 1984 erhielt die Pfarre Allerheiligen einen neuen Pfarrer; die Musikka-
pelle wirkte bei den Feiern wieder fleißig mit.
Anläßlich der Generalversammlung am 25. November 1984 kam es zu einer Verände-
rung an der Spitze des Vereins. Obmann Gen. Dir. Dr. Schlenck und Kapellmeister Dir.
Klement hatten beschlossen, bei den in diesem Jahr fälligen Neuwahlen des Vereins-
vorstandes nicht mehr zu kandidieren, sondern ihre Funktionen in jüngere Hände zu
geben. Als neuer Obman wurde Markus Schlenck - seit Beginn Obmann-Stellvertreter
- und als neuer Kapellmeister Claudius Schlenck - bis dahin Kapellmeister-Stellver-
treter einstimmig gewählt. Die scheidenden Vorstandsmitglieder wurden für ihre
großen Verdienste um den Aufbau der Stadtmusikkapelle Allerheiligen von der Gene-
ralversammlung einstimmig zum Ehrenobmann bzw. zum Ehrenkapellmeister ernannt.
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Da durch verschiedenste Ablenkungen wie Sport, Schule, Studium außerhalb von Inns-
bruck und gesundheitliche Probleme viele Musikanten im Laufe der Jahre die Musik-
kapelle verlassen hatten und neue Musikanten nicht genauso schnell nachrücken
konnten, war es die vordringlichste Aufgabe, neue Musikanten anzuwerben und mög-
lichst schnell auszubilden, um die Besetzung der Musikkapelle in einem erträglichen
Maß zu garantieren. Wer aber weiß, daß mindestens 2 Jahre Musikunterricht nötig sind,
um bei der Musikkapelle halbwegs mithalten zu können, kann ermessen, wieviel Ge-
duld der Nachwuchs erfordert.
Das Frühjahrskonzert im Mai 1985 war leider sehr schlecht besucht, trotzdem konnte
Kapellmeister Claudius Schlenck mit der Leistung der Musikkapelle zufrieden sein.
Neben einem Tumult mit einigen Punkern anläßlich eines Tiroler Abends Ende Mai
wurde die Musikkapelle bei der Teilnahme an einer großen Benefizveranstaltung zu-
gunsten körperbehinderter Jugendlicher auch noch bis auf die Haut naẞ. Eine ziemlich
unerfreuliche Saison! Der Musikausflug Anfang Oktober bei strahlendem Wetter nach
Südtirol entschädigte aber alle wieder für diese Unannehmlichkeiten.
Die Ausrückungen 1986 konnten auf Grund des wiederum reduzierten Mitgliederstan-
des- die Proben wurden im Durchschnitt von 17 Musikanten besucht - nur mit einigen
Aushilfen von anderen Kapellen bestritten werden, und als Ende September eine Aus-
rückung sogar wegen Musikermangels abgesagt werden mußte, sah der Vereinsvor-
stand keine andere Möglichkeit, als die Eltern der Musikanten zu einer Versammlung
zu bitten, bei der über die Voraussetzungen für den Weiterbestand der Stadtmusikka-
pelle Allerheiligen gesprochen wurde.
Wichtigste Voraussetzungen für alle Musikanten waren die Teilnahme an allen Proben
und Ausrückungen, das Üben der Stücke zu Hause und vor allem das Bewußtsein, bei
den Hobbys das Musizieren an die erste Stelle zu reihen und nicht nur hie und da bei
der Musikkapelle auftauchen, wenn gerade eine interessante Ausrückung bevorstand.
Die Musikanten und ihre Eltern wurden anläßlich dieser Versammlung auch daran erin-
nert, daß seit Herbst 1985 vermehrt Jugendliche ausgebildet wurden, die sich schon
sehr freuten, im Laufe des Jahres 1987 bei den Proben und später auch Ausrückungen
dabeisein zu dürfen. Diese Musikanten sollten nicht durch die Nachlässigkeit anderer
um ihre Chance gebracht werden.
Da, wie schon anläßlich der Elternversammlung erwähnt, die in Ausbildung befindli-
chen Jungmusiker erst im Laufe des Jahres 1987 so weit sein würden, daß sie an den
Proben teilnehmen konnten, mußte die Teilnahme an den Veranstaltungen des Frem-
denverkehrsverbandes für 1987 abgesagt werden. Auch ein Frühjahrskonzert konnte
leider nicht abgehalten werden. Da ab Mai 1987 aber 6 neue Musikanten in die Musik-
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kapelle integriert werden konnten und ab Herbst weitere 4-6 Musikanten mit ihrem
Können so weit sein werden, daß sie ebenfalls an den Proben teilnehmen können, ist
damit zu rechnen, daß das Jahr 1988 wiederum ein von vielen Ausrückungen geprägtes
Jahr sein wird.
Damit auch darüber hinaus der Fortbestand der Stadtmusikkapelle Allerheiligen ge-
währleistet ist, werden laufend Neuanmeldungen junger, lernwilliger Musikanten ange-
nommen. Dabei wird das Instrument gratis zur Verfügung gestellt und auch die Ausbil-
dungskosten bis auf einen kleinen Unkostenbeitrag von der Musikkapelle getragen. Es
ist also nichts anderes als etwas Fleiß und Liebe zur Musik nötig. Anmeldungen sind
beim Obmann, dem Kapellmeister und auch anläßlich der Musikproben möglich. Wir
freuen uns über jede Meldung.
Schließlich sei noch angefügt: Mitwirkung an unserer Musikkapelle ist Dienst an
unserem Stadtteil!
Anschrift des Verfassers: Markus Schlenck
Gutenbergstraße 1
6020 Innsbruck
Als weitere musikalische Aktivitäten sollen hervorgehoben werden:
• Das Schuhplattl'n, das der Trachtenverein »D'Innsbrucker Nordkettler-Buam<< unter
dem Obmann Herbert Tröbinger seit 1964 pflegt.
• Die Bläsergruppe Kranebitten, die im Jahre 1979 aus der Hausmusikgruppe Martin
Plattner sen. entstanden ist.
. Das Adventsingen, das seit 1981 jährlich am 8. Dezember in der Pfarrkirche Allerhei-
ligen stattfindet, hervorgegangen aus der Hausmusik der Familien Margreiter und
Wedermann.
• Ferner gibt es seit 1983 am Vorabend des Muttertages im Turnsaal der Volksschule
Allerheiligen eine Feierstunde zu Ehren unserer Mütter. Sie wurde von Harald
Gräber eingeführt.
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Gemischter Chor Allerheiligen (GCA)
Von Alfred Spanblöchl
Im Jahre 1964 wurde der Chor von Herrn Direktor Dr. Günther Schlenck, einem be-
geisterten Sänger des Kammerchores Mentlberg, als >>Jugendchor Allerheiligen<< ge-
gründet. Bereits zur Einweihung der Pfarrkirche Allerheiligen am 12.12.1965 sowie zur
Orgelweihe am 25.11.1967 konnte der Chor die liturgische Feier in der Kirche musika-
lisch mitgestalten. Es sollte aber bewußt kein Kirchenchor sein, sondern eine Chorge-
meinschaft, die neben dem sakralen auch das weltliche Kunstlied und das Volkslied
pflegt.
Die Zeit brachte es mit sich, daß man von der Benennung >>Jugendchor« zum >>Gemisch-
ten Chor<< überging. Andererseits ergab sich, daß aus Gründen der Aufführungsmög-
lichkeiten fast nur sakrale Musik einstudiert wurde. Nach fast 20-jähriger Chorarbeit
entschloß man sich dann endlich im Frühjahr 1983, den Chor auch als Verein zu konsti-
tuieren, was viele Vorteile brachte.
Da Herr Dr. Schlenck aus beruflichen Gründen die Zeit für die Probenarbeit nicht mehr
aufbringen konnte, übernahm im Oktober 1968 der damals 18-jährige Roland Retter bis
zu seinem Präsenzdienst im Herbst 1969 den Chor. Anschließend stellte sich Dr. Martin
Dirk Wartha, damals Organist in Allerheiligen, als Chorleiter zur Verfügung. Es begann
für den Gemischten Chor Allerheiligen eine fruchtbare Aera.
Zu Weihnachten 1969 wurde die erste Orchestermesse (Orgelsolo-Messe von Joseph
Haydn) aufgeführt. Von nun an gab es kein Jahr ohne Einstudierung einer neuen
Orchestermesse. Darunter waren auch die Uraufführungen der Missa in F und der Kan-
tate >Des Menschen Zuflucht« von Dr. Martin D. Wartha und die Erstaufführung der Mis-
sa >Jubilate Deo« in F von Christoph Sätzel. Der Chor gab auch Kirchenkonzerte in Igls,
Fulpmes, Schwaz und Rattenberg. Bei der 750-Jahr-Feier des Franziskanerordens An-
fang Oktober 1976 konnte der Chor mit einer A-capella-Aufführung, 2 Orchestermessen
und dem »Sonnengesang des Hl. Franziskus« von J. Kronsteiner in Schwaz gastieren.
Neben den Messen wurden auch Kantaten von Telemann, Purcell, Cimarosa und
Johann Christian Bach erarbeitet. Insgesamt wurden unter der Leitung von Dr. Wartha
11 Orchestermessen, 50 Motetten sowie 6 Kantaten einstudiert.
Dr. Martin D. Wartha, der inzwischen die Dirigentenausbildung absolviert hatte und die
Orchester der Städte Schwaz und Lienz leitete, konnte den GCA nicht weiter betreuen.
Mit seiner Hilfe aber wurde im Jänner 1981 Herr Hans Kirchmair, Organist und Chorlei-
ter in Axams sowie Direktor der Musikschule Innsbruck-Land, als Chorleiter gewonnen.
Herr Kirchmair legte sehr viel Wert auf Stimmbildung und kultivierten Gesang und
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nahm auch gemäß dem ursprünglichen Gedanken das Volkslied wieder in das Pro-
gramm auf. So wurden einige alte Marienlieder nach Sätzen des Chorleiters aufgeführt.
Der Höhepunkt war die Uraufführung der Kleinen Messe in D von Emil Berlanda 1983,
einem Werk, das dem Chor alles abverlangte. Und wieder kam eine Einberufung des
Leiters zum Bundesheer dazwischen, sodaẞ Herr Kirchmair im Juni 1983 seine Arbeit
beenden mußte.
Zum zweiten Mal sprang Roland Retter, in der Zwischenzeit zum erfahrenen Chorleiter
gereift, in die Bresche. Neben Wiederholungen bereits gelernter Messen ist die Einstu-
dierung der >Herz Jesu Messe« von Norbert Gerhold (anläßlich des 75. Geburtstages
des Komponisten) und die Messe in D von Otto Nicolai zur Feier >20 Jahre GCA<< zu er-
wähnen. Herr Retter konnte leider nur bis zum Sommer 1985 bleiben, da er noch einem
anderen Chor vorstand und nur aus alter Freundschaft die Leitung des GCA vorüber-
gehend übernommen hatte.
Das Jahr danach war für den GCA problematisch, da kein ständiger Chorleiter gefunden
werden konnte. Nur weil sich ehemalige Chorleiter und Herr Pfarrer Gutheinz bereit-
erklärten, Teile der Probenarbeit zu übernehmen, war ein geregelter Probenbetrieb
möglich. Es konnte der Chor sogar die verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen, am
18. Mai 1986 zum dritten Mal in der Wiltener Stiftskirche das Pontifikalamt im Rahmen
der Pfingstorgelwoche mit der Messe in D-dur, Opus 86 von Antonin Dvorák unter der
Leitung von Hans Kirchmair zu gestalten.
Am Ende des Chorjahres 1985/86 übernahm dann Herr Walter Kirchmair aus Seefeld
den Chor. Herr Kirchmair hat das Seminar B für Gitarre absolviert und studiert derzeit
noch weiter am Konservatorium. Seine Ziele bei der Chorarbeit sind Kultivierung des
Stimmaterials, textbezogene Interpretation mittels Phrasierung, Artikulation, Dynamik
und Differenzierung der Stimmgruppen. Herr Walter Kirchmair möchte neben den
klassisch-traditionellen Messen auch die Renaissancemusik verstärkt fördern. Aus die-
sem Grund wählte er zum Abschlußkonzert 1987 die Missa brevis in F von Giovanni
Pierluigi da Palestrina. Dies läßt deutlich erkennen, daß Herr Kirchmair großen Wert auf
A-capella-Musik legt, nicht zuletzt wegen der chorischen Stimmbildung.
Natürlich gehört zu einem Chor auch die gesellige Unterhaltung. Der GCA macht jedes
Jahr einen Chorausflug (unter Dr. Martin D. Wartha wurden in Sterzing und Lienz sogar
Orchestermessen aufgeführt). Cäcilien-, Weihnachtsfeiern sowie ein Faschingskränz-
chen gehören auch zum Unterhaltungsprogramm. Um in den Sommermonaten den
Kontakt nicht zu verlieren, werden gemeinsame Wanderungen unternommen und auch
eine Chor-Rallye abgehalten. An diesen Veranstaltungen nehmen auch Familienange-
hörige und Freunde teil.
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Abb. 83: Gemischter Chor Allerheiligen (GCA), 1987.
Foto: Engelbert Pöschl
Die Mitglieder des Chores setzen sich aus allen Berufsschichten zusammen, und es
herrscht gewiß kein elitäres Bewußtsein, sodaß jeder, der Freude am Singen hat, ohne
Scheu mitmachen kann. Jeder, der sich interessiert, kann am Dienstag, 20.00 Uhr zur
Probe in den Pfarrsaal Allerheiligen kommen und sich unverbindlich informieren.
Anschrift des Verfassers: Alfred Spanblöchl
Fliedergasse 8
6020 Innsbruck
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Kirchenchor Allerheiligen - Zusammenfassung der Chronik
Von Manfred Loidl
Im Herbst 1977 hatten Frau Elisabeth Wieland und Herr Dr. Heinrich Juen die Idee,
einen Chor zur Mitgestaltung der Meßfeiern zu gründen. Der damals 18-jährige Georg
Willi sollte die musikalische Leitung übernehmen. Parrschwester Marietta gelang es,
durch ihre nette und überzeugende Art immer wieder Sängerinnen und Sänger zu wer-
ben. Noch im selben Jahr konnte der Chor die Christmette mitgestalten.
Aus den anfänglich 14-tägigen Proben wurden bald wöchentliche, da das öftere Mitwir-
ken an Gottesdiensten ein erweitertes gesangliches Programm und ein stimmlich
sicheres Auftreten erforderte. Neben den Sonntagsgottesdiensten sangen wir bei
Taufen, Firmungen, Hochzeiten, Seelenmessen, Adventsingen und Weihnachtsfeiern.
Ein großes Ereignis war die Primizmesse von Peter Willi, dem Bruder unseres Chorlei-
ters, die zu Pfingsten 1981 in der Pfarrkirche gefeiert wurde. Zu diesem Anlaß sangen wir
gemeinsam mit dem »Gemischten Chor Allerheiligen« das »Halleluja<< von Händel und
»Du bist's, dem Ruhm und Ehre gebühret« von Joseph Haydn.
Noch im selben Monat folgten wir einer Einladung nach Stift Rebdorf in Bayern, wo
Pater Praher, der in Allerheiligen als Seelsorger tätig war, wirkte. Ein Teil unserer Sänger-
innen und Sänger nahm im Feber 1982 am Chorausflug des »Paulus Chores<< teil. Dieser
Chor, der vorwiegend Lieder der russisch-orthodoxen Kirche singt, bat uns um Unter-
stützung bei den Gottesdiensten in der St. Antonius Kathedrale in Padua und im
Markus-Dom in Venedig.
Am 19. März 1982, dem St. Josef-Landesfeiertag, wurde in Allerheiligen ein Festgottes-
dienst abgehalten, der vom ORF übertragen wurde. Wir sangen Spirituals. Mit dem
Chorausflug im Juni 1982 verbanden wir eine Einladung des Kirchenchores Nußdorf,
Osttirol, der im Mai 1981 bei uns in Allerheiligen zu Gast war.
Zur Feier unseres 5-jährigen Chorjubiläums am 30. April 1983 sangen wir die Missa
brevis in d-Moll von W. A. Mozart und gaben nach dem Gottesdienst ein Konzert in der
Pfarrkirche Allerheiligen.
Im Laufe dieser fünf Jahre konnten wir unser Programm dank des Einsatzes unseres
Chorleiters, aber auch der Sängerinnen und Sänger entsprechend erweitern. So nah-
men wir an Gottesdiensten in Stams, Rum, Silz, Birgitz und einer Nachtwallfahrt zum
Locherboden teil, ebenso bei dem vom katholischen Familienverband organisierten
Gottesdienst vor dem Geburtshaus des selig gesprochenen Pater Freinademetz in
Abtei/Südtirol. Ziel unseres Chorausfluges im Mai 1983 war Lienz, wo der Bruder unse-
res Chorleiters, Peter Willi als Seelsorger tätig ist.
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Abb. 84: Kirchenchor Allerheiligen bei einem Probenwochenende auf der Gufl, 1984.
Foto: Manfred Loidl
Mit unserem Einverständnis hat unser Chorleiter ein jährliches Probenwochenende
auf der >>Gufl«<, einem Haus der Dekanatspfarre Hall, eingeführt. Wir halten es im
Herbst ab, meistens, um schwierige Lieder, aber auch Messen einzulernen. Diese
Wochenenden fördern nicht nur die gesangliche Ausbildung, sondern wirken sich auch
sehr positiv auf die Gemeinschaft innerhalb des Chores aus. Bregenz und Wolfurt wa-
ren die Ziele des Chorausfluges im Mai 1984.
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Ein großes Vorhaben war unsere Ungarnreise vom 5. bis 9. Juni 1985. Am ersten Tag fuh-
ren wir bis Göttweig, wo wir das Stift besichtigten und die Abendmesse mitgestalteten.
Am nächsten Tag ging's über Stift Heiligkreuz, durch das Burgenland zum Plattensee
und weiter bis Budapest. Den dritten und vierten Tag verbrachten wir mit Besichtigun-
gen, einer Bootsfahrt auf der Donau, aber auch mit Proben. Höhepunkt dieser Chorrei-
se war die Samstag-Abend-Messe in der Matthiaskirche mit anschließendem Spiritu-
alkonzert. Auch in Budapest gibt es eine Pfarre Allerheiligen, was uns veranlaßte, dort
beim Sonntagsgottesdienst mitzuwirken.
Eine sehr schöne Aufgabe für uns waren zwei Veranstaltungen des Kulturamtes der
Stadt Innsbruck am Samstag, dem 3. Mai 1986 in der Pfarrkirche Allerheiligen und am
Sonntag, dem 4. Mai in der Jesuitenkirche. Der Kirchenchor Allerheiligen und die Chor-
gemeinschaft Collegium vocale, sowie das Blechbläserensemble Pro musica und ein
Streicherensemble des Konservatoriums brachten im Rahmen der Gottesdienste Wer-
ke von Pachelbel, Schütz, Bach, Händel und Mendelssohn zur Aufführung.
Um unsere Chorsängerin und Pfarrschwester Marietta, die von ihrem Orden nach Reb-
dorf abberufen wurde, wiederzusehen, wählten wir für unseren Chorausflug im Mai
1986 wieder Stift Rebdorf. Durch Schwester Marietta lernten wir den Kirchenchor Reb-
dorf kennen, mit dem wir einen geselligen Abend verbrachten.
Das Dekanat Innsbruck-West veranstaltete am 14. Juni 1986 ein Dekanatsfest. Zu
diesem Anlaẞ wurde vor dem Schloß Mentlberg ein Gottesdienst gefeiert, bei dem wir
gemeinsam mit dem Gemischten Chor Allerheiligen und dem Kirchenchor Maria am
Gestade für die musikalische Umrahmung sorgten. Wie schon des öfteren sangen wir
auch im Herbst 1986 beim Gottesdienst der katholischen Hochschulgemeinde.
Beim Probenwochenende 1986 lernten wir die Missa Joannis de Deo von Haydn ein, die
wir am Hl. Abend zur Aufführung brachten. Im Herbst dieses Jahres feiert der Chor im
Rahmen eines Festprogrammes sein 10-jähriges Bestehen. In diesen Jahren haben wir
ein vielfältiges und reiches Repertoire erarbeitet, angefangen von einfachen Kirchen-
liedern bis zu Werken von Schütz, Bach, Händel, Mozart, Bruckner u. v. a. sowie Messen
von Mozart, Haydn, Kempter, der Cäcilienmesse von Gounod und vor allem Spirituals.
Chorleiter ist seit der Gründung Georg Willi. Obmann war von 1979 bis 1986 Harald Grä-
ber. Seit 1986 ist Willi Neier in dieser Funktion tätig.
Anschrift des Verfassers: Manfred Loidl
Milser Heide Straße 44
6060 Mils
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Sportvereinigung Lohbach-Kranebitten (SVLK)
Von Siegfried Bliem und Stefan Moschen
Die SVLK ist am 4. September 1979 von einem Proponentenkomitee ins Leben
gerufen worden und ist somit noch ein recht junger Verein. Erstproponent war Dr.
Friedrich Egger, als weitere scheinen Heinz Peter Hutter, Dr. Günther Mitterbauer und
Rüdiger Schaffer im Vereinsarchiv auf. Die nächsten vier Jahre blieb es im Verein ziem-
lich still. Es fand praktisch kein Sportbetrieb statt und auch der Kassier wußte keine
Geldflüsse zu vermelden.
Am 28. April 1983 wurde dann ein neuer Anlauf genommen. Ein neuer Vorstand mit
Hugo Unterlechner an der Spitze nahm die Arbeit auf. Es gelang trotz erheblicher
Schwierigkeiten, da keine ausreichenden Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stan-
den, eine Fußballmannschaft aufzustellen, die einige Freundschaftsspiele austrug. Der
Aufbau einer Tennissektion schlug fehl, da keine eigenen Plätze vorhanden waren.
Ein Jahr später wurde der bisherige Stellvertreter Manfred Sodja zum neuen Obmann
durch die Generalversammlung gewählt. In dieser Zeit konnte die Sektion Fußball mit
dem Sieg eines Turniers in Kötschach-Mauthen (Kärnten) auf sich aufmerksam ma-
chen. Dem seit Anfang an erklärten Ziel der Sportvereinigung, ein den Wünschen der
Bevölkerung angepaẞtes Sportprogramm zu erstellen und anzubieten, kam man mit
der Gründung einer Sektion für Allgemeines Konditionstraining einen kleinen Schritt
näher.
Seither fließt jeden Dienstag zwischen 18 und 20 Uhr in der Turnhalle der VS Allerheili-
gen der Schweiß unter Anleitung des Konditionstrainers Markus Heiß, wobei auch
Spiel und Spaß nicht zu kurz kommen. Dieses Angebot steht allen Bewohnern des Orts-
gebietes ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht offen.
Im Oktober 1985 wurde Stefan Moschen zum Obmann gewählt. Der Verein wurde
seither um eine neue Sektion für Altherrenfußball erweitert.
Ein ständiges Bemühen der SVLK ist es, stärker in der Öffentlichkeit bekannt zu wer-
den und neue Mitglieder zu werben. Dazu wurde ein Kinderfahrradrennen und ein
Fahrradgeschicklichkeitswettbewerb durchgeführt, um besonders die Jugend anzu-
sprechen. Auch in einer Umfrage wurde versucht, die Wünsche der Bevölkerung zu er-
heben. In diesem Zusammenhang ist ebenso die Mitgliedschaft der SVLK bei der
Österreichischen Turn- und Sportunion sowie bei der Diözesansportgemeinschaft Tirol
hervorzuheben, um in Zusammenarbeit mit diesen Verbänden stärker aktiv werden zu
können.
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Großen Stellenwert nimmt auch die Unterhaltung im Vereinsleben ein. Kegelabende,
Vereinsschirennen, Faschingsturnen und ein eigenes Fußballturnier sollen sowohl die
Zusammengehörigkeit stärken als auch Anreiz zum Mitmachen an Außenstehende
vermitteln.
Anschrift der Verfasser: Siegfried Bliem
Stefan Moschen
Viktor-Franz-Hess-Straße 22
6020 Innsbruck
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Auf den Spuren der Pfadfinder in Allerheiligen
Von Klemens Kundratitz
Weit zurück liegt die erste Initiative der Pfadfinder in Hötting-West, dem heutigen
Stadtteil Allerheiligen. 1930 wurde in Tirol das Pfadfinder-Landeskorps St. Georg ge-
gründet und bereits 1932 entstand in Hötting eine Pfadfindergruppe. Der geistliche
Betreuer der Kurat dieser Gruppe-war Pater Adrian Höck O. Praem. Als im Westen
Höttings eine Arbeitersiedlung errichtet werden sollte, entwickelte Pater Adrian den
Plan, in diesem Gebiet eine Kirche zu bauen: als >>Gute Tat« der Pfadfinder.
Beim Jamboree, dem Weltpfadfindertreffen, 1937 in Vogelenzang (Holland) wurde die-
ser Plan allgemein begeistert aufgenommen. Die Kirche sollte in internationaler Zu-
sammenarbeit entstehen und dem Schutzpatron der Pfadfinder, dem heiligen Georg,
geweiht werden. Pater Adrian unternahm dann auf einem alten Motorrad eine Bettel-
reise durch die Schweiz, Luxemburg, Holland, Belgien und Frankreich, wo er überall
Sammelstellen einrichtete. Leider konnte das Unternehmen wegen der Machtüber-
nahme der Nazis und der Auflösung der Pfadfinder 1938 nicht mehr ausgeführt werden.
Der Name »St. Georg« wurde aber der später gebauten Barackenkirche und der um-
liegenden Siedlung gegeben.
Drei Jahrzehnte vergingen, bis 1969 eine neuerliche Pfadfinderinitiative in Allerheiligen
gestartet wurde. Dem Dipl.-Vw. Helmut Putz, selber ehemaliger Pfadfinderführer, war
die Jugendarbeit in seinem Wohngebiet ein ernstes Anliegen. Deshalb versuchte er mit
Sorgfalt und großem Einsatz den Aufbau einer Pfadfindergruppe. Ein >>Wölflingsrudel<<
(7-bis 10-jährige Buben) wurde auch über ein Jahr lang geführt. Dann allerdings konnte
die Gruppe wegen Führermangels leider nicht mehr weiter bestehen.
Erst im Jahre 1975 entstand neues Pfadfinderleben. Eine Familie war 1974 aus Imst
nach Allerheiligen gezogen, deren damals 12-jähriger Sohn Klemens bereits vier Jahre
begeisterndes Pfadfinderleben in der Gruppe Imst erfahren hatte. Schnell erweckte er
bei seinen neuen Freunden in Allerheiligen das Interesse für die Pfadfinderei. Und sie
baten die Imster Pfadfinder, bei deren Sommerlager am Lottensee 1975 mitmachen zu
dürfen. Das war das Starterlebnis für den seither bestehenden Pfadfindertrupp in
Allerheiligen.
Frau Kundratitz, die Mutter des Klemens, war selber ehemalige Pfadfinderführerin in
Innsbruck und so fiel es ihr nicht schwer, die nötigen Kontakte aufzunehmen. Mit Hilfe
von Direktor Dr. Schlenck gelang es, auch den damaligen Herrn Pfarrer Galler zu gewin-
nen, der für die Heimstunden einen Raum im Pfarrhaus zur Verfügung stellte. Nun fehl-
te nur noch ein verantwortlicher Führer, der auch gefunden wurde. Thomas Daxner aus
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Niederösterreich, ein Student, war in der Tschiggfreystraße eingezogen. Er brachte
eine volle Pfadfinderführerausbildung mit und war gern bereit, hier eine Aufgabe
neben seinem Studium zu übernehmen.
So konnte man es wagen, in Allerheiligen wieder Pfadfinder zu führen. Es wurde der
>Spähertrupp« Allerheiligen gebildet (10- bis 14-jährige Buben) als Teil der Großgruppe
Innsbruck I, die auch in Wilten und Dreiheiligen Pfadfinderarbeit leistete. Beim Som-
merlager 1976 in Gais bei Bruneck machten bereits zwei Patrouillen (= Gruppen zu 5
bis 8 Buben) aus Allerheiligen mit. Bald gab es vier Patrouillen, und dieser Stand wurde
seither im Durchschnitt gehalten. Führer des Trupps Allerheiligen waren im Laufe der
Jahre Thomas Daxner, Christoph Fischler, Klemens Kundratitz, Thomas Krautschnei-
der, Peter und Arno Kapelari.
Gegenwärtig wird der Trupp geleitet von Stefan Hoschek, Stefan Juen und Lukas Dörrer
und weist einen Mitgliederstand von 27 Buben und neuerdings auch 3 Mädchen auf.
1986 fand in Lunz am See (NO) erstmals ein selbständiges Allerheiliger Sommerlager
statt, das einmal mehr Ausdruck des besonderen Selbstbewußtseins dieser >Außen-
stelle<< der Gruppe Innsbruck 1 war.
Das pfadfinderische Programm des Trupps Allerheiligen umfaßt neben den allwö-
chentlichen Patrouillenstunden vielfältige Aktionen: Zelt- und Wanderlager zu jeder
Jahreszeit, Radtouren, Geländespiele, eine Musikband, Umweltschutzaktionen und
vieles mehr. Die Pfadfinder nahmen auch teil am Pfarrleben: bei Fronleichnamsprozes-
sionen, Jugendmessen, Pfarrbazar und als Mitarbeiter bei einem Pfarrfest.
Die pfadfinderische Jugendarbeit ist im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil un-
seres Stadtteiles geworden und wird von der Bevölkerung dankbar anerkannt. Bleibt
zu hoffen, daß die Pfadfinder ein permanentes Element der Jugendarbeit in unserem
Stadtteil bleiben.
Anschrift des Verfassers: Klemens Kundratitz
Marktgraben
6020 Innsbruck
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Abb. 85: Die Pfadfinder von Allerheiligen, 1987.
Foto: Kundratitz
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Kolpinghaus Hötting-West
Von Franz Pölzl
Im Jahre 1988 wird im Stadtteilzentrum Hötting-West ein Kolpinghaus eröffnet.
Darin finden 170 junge Menschen ein Heim in Ein- und Zweibett-Zimmern, ausgestattet
mit Dusche und WC. Die Zusammensetzung der Heimbewohner wird sich nach dem je-
weiligen Bedarf richten. Es werden aber vor allem Lehrlinge, junge Arbeitnehmer und
Studenten sein. Im Haus sind weiters Freizeiträume für die Bewohner, aber auch für die
Menschen der Umgebung und für Vereinsmitglieder vorgesehen. Den Mittelpunkt bil-
det ein Mehrzwecksaal für 200 Besucher, dem weitere Räumlichkeiten angeschlossen
werden können. Es ist beabsichtigt, diesen Saal auch anderen Vereinen für Veranstal-
tungen zur Verfügung zu stellen.
Dieses Haus löst das Heim in der Dreiheiligenstraße 9 ab, das dem Verein 117 Jahre als
Zentrum und Wohnheim gedient hat. Der Innsbrucker Verein wurde als >>Katholischer
Gesellenverein« im Jahre 1852 gegründet. Die Zielsetzung war, den Handwerksgesellen
ein Zuhause in geistiger und materieller Hinsicht zu bieten. War in den vergangenen
Jahrhunderten der Meister voll für das Wohl der Gesellen zuständig - er mußte ihm
auch Wohnung bieten - so war diese Ordnung im vorigen Jahrhundert in Auflösung be-
griffen. Der Priester Adolf Kolping hat das am eigenen Leibe mitgemacht, da er selber
das Schuhmacherhandwerk erlernte und ausgeübt hat. So kannte er die Nöte dieser
Menschen.
Die Gesellenvereine sollten den jungen Männern auch eine gesamtmenschliche Schu-
lung bieten, d. h. fachliche Weiterbildung sowie religiöse Bildung. Kolping hat es ver-
standen, daß im menschlichen Leben Kultur und Geselligkeit eine große Rolle spielen.
Daher wurde in den Vereinen darauf großer Wert gelegt. Es bildeten sich innerhalb der
Vereine Theater-, Musik- und Gesangsgruppen. Durch diese verschiedenen Aktivitäten
sollten aus jungen Männern tüchtige Christen, Familienväter, Handwerker und Staats-
bürger werden.
Im Laufe der 140 Jahre haben sich die Grundausrichtung und das Ziel nicht geändert,
wohl aber hat sich die Zusammensetzung der Mitglieder gewandelt sowie Teilaspekte
der Arbeit. Aus einem reinen Burschen-Verein hat sich eine Gemeinschaft entwickelt,
die aus Menschen jeden Alters und Geschlechtes besteht. Das kommt im Wandel des
Vereinsnamens zum Ausdruck. Der »Katholische Gesellenverein« wurde in >>Kolping-
familie« umbenannt. Die Mitglieder sind nicht nur Handwerker, sondern kommen aus
allen gesellschaftlichen Schichten.
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Abb. 86: Das neue Kolpinghaus im Rohbau (1987).
Foto: Murauer
Im Bildungsbereich brauchen die Menschen in unserem Lande von den Vereinen keine
Schulung in den Grundkenntnissen oder berufliche Ausbildung mehr. Diese Bereiche
werden von den öffentlichen Stellen voll abgedeckt. An Bedeutung zugenommen hat
aber der gesamtmenschliche Bildungs- und Kulturbereich sowie die Sinnsuche des
Menschen. Gerade städtische schnell gewachsene Siedlungsgebiete sind in Gefahr
geistig und gesellschaftlich zu verwahrlosen. Hötting-West mit den Peer-Gründen ist
ein neues Wohngebiet, in dem binnen kurzer Zeit einige tausend Menschen eine Woh-
nung bekommen. Dafür, daß diese Personen auch ein Zuhause finden sollen, will die
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Kolpingfamilie ein wenig durch ihre Aktivitäten im neuen Kolpinghaus mit dem Frei-
zeit- und Kulturzentrum beitragen.
Anschrift des Verfassers: Franz Pölzl
Kolpinghaus
Dreiheiligenstraße 9
6020 Innsbruck
Text der Urkunde zur Grundsteinlegung des Kolpingheimes
>Voll Freude legt die Kolpingfamilie Innsbruck heute den Grundstein zu ihrem neuen Heim in Innsbruck,
Viktor Franz Hess-Straße. Nach Jahren reiflicher Überlegungen faßte die a.o. Generalversammlung am
29.1.1985 unter Präses Franz Pölzl den historischen Beschluß zu diesem Werk. Tatkräftigste Förderung
erfolgte durch das Land Tirol unter Landeshauptmann Ök.-Rat Eduard Wallnöfer und der Stadt Innsbruck
mit Bürgermeister Romuald Niescher, der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Tirol und der Kammer
für Arbeiter und Angestellte für Tirol. Mit der Planung betraut wurde Arch. Dipl.-Ing. Richard Gratl. Das vom
1852 gegründeten Katholischem (!) Gesellenverein im Jahre 1869 erbaute Kolpinghaus Dreiheiligenstraße 9
wurde 1985 an die Stadt Innsbruck verkauft.
Möge das neue Heim eine Wohnstätte des Friedens zum Wohle unserer Jugend werden und ein Symbol für
Kraft und Stärke des Werkes Adolf Kolpings.
Innsbruck, am 10. Juni 1986, im 8. Jahr des Pontifikates Papst Joh. Paul II.<
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