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Kampf um Tirol
ENTSCHEIDENDE TATEN
ZUR BEFREIUNG INNSBRUCKS
IM FRÜHJAHR
1945
HERAUSGEBER: R.MACKOWITZ INNSBRUCK
Geschichte
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Kampf
um
Tirol
UB Innsbruck
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Sämtliche Photoillustrationen: Demanega, Innsbruck
WUB Wagner'sche Univ.-Buchdruckerei, Innsbruck 2748 45
Zur Einführung
Am Abend des 3. Mai 1945 marschierten amerikanische Truppen in
Innsbruck, der Hauptstadt Tirols, ein.
Ihr Einzug war friedlich. Es gab kein Kämpfen, kein Töten und keine
Zerstörung, keine weißen Fahnen, keine von Panik ergriffene Bevölkerung,
die in Kellern sich zusammenkauerte oder gesenkten Hauptes heraus-
kroch, um sich ihre Besieger anzuschauen.
Die Amerikaner fanden vielmehr eine mit rotweißen und rotweiß-
roten Fahnen geschmückte Stadt und eine freudig jubelnde Menge vor, die
sich in den alten Straßen drängte.
Vor dem Landhaus rollte ein führender Militärkraftwagen heran,
dem der kommandierende amerikanische Offizier, Major Shelden
D. Elliott, entstieg. Hochrufe der Menge erschallten. Majar Elliott
blickte um sich und hinauf zu der über ihm entfalteten amerikanischen
Fahne. Dann ging er ins Gebäude hinein.
Zu seiner Begrüßung wartete drinnen eine kleine Schar Männer:
Dr. Karl Gruber, Professor Dr. Reut-Nicolussi, Ing. Hra-
detzky, Franz Hüttenberger, Dr. Karl Höflinger, Oberstaats-
anwalt Dr. Grünewald, Professor Dr. Franz Gamper und die
Herren Würthle und Zechner. Prof. Dr. Reut-Nicolussi hielt im
Namen Tirols eine herzliche Ansprache des Willkommens.
Major Elliott gehörte einer Heereseinheit an, die dazu bestimmt
gewesen war, einen Teil Deutschlands zu besetzen. Nur die erstaunliche
Schnelligkeit ihres Vorrückens hatte ihn und seine Leute vam Zirlerberg
herunter nach Tirol gebracht. Es mochte scheinen, daß er verhältnismäßig
wenig von Österreich und seiner Widerstandsbewegung wußte. Erstaunt
über den ihm zuteil gewordenen Empfang und im unklaren darüber, was
das für Männer waren, die ihm einen so warmen. Willkommgruß entboten,
wandte er sich an Dr. Gruber und fragte mit typisch amerikanischer
Offenheit: "Was seid ihr für Leute?"
Dieses Büchlein wird dem Major Elliott vielleicht die beste Antwort
auf seine Frage geben. Es enthält die wahre Geschichte einer Anzahl
Tiroler Patrioten, die ohne Furcht die Befreiung der Hauptstadt in die
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Wege leiteten und durchführten und sie dadurch vor der völligen Ver-
nichtung bewahrten, die nach der Absicht der Nazi mit ihrem eigenen
Zusammenbruch einhergehen sollte.
W enn das arg getcollene Innsbruck heute doch eine der :schönsten
Städte Europas geblieben ist und kein bloßer „Schlachthof", so verdankt
es dies den Patrioten und ihren zahlreichen Mitarbeitern. Als Männer
ganz verschiedenfr politischer Richtung kamen sie in der kritischen Stunde Der Weg in die Freiheit
ihres Landes zusammen, um durch ihre mutige Tat zu bewei.sen, daß Öster- Die anbrechende Nacht hat ihren dunklen Schleier über die Stadt aus-
reich ein Anrecht auf Freiheit und Unabhängigkeit hat, daß es Männer gebreitet. Ein Regenschauer fegt über die Straßen und taucht von Zeit zu
besitzt, die bereit sind, alles im Kampf gegen Tyrannei aufs Spiel zu setzen. ~eit _die düsteren Häuserfronten in einen undurchsichtigen Nebel. Vor-
Während des Krieges hatte ich indirekt Fühlung mit diesen Männern, s1chh_g umherspähend, ~en Hut tief ins Gesicht gedrückt, steht ein Mann
dann habe ich sie persönlich kennengelernt. Heute betrachten sie beschei- am Emgang des Sanatoriums der Kreuzschwestern in Innsbruck. Nachdem
den ihre Großtat als eine selbstverständliche und im Rückblick oft sogar er sich davon überzeugt, daß er unbemerkt geblieben, betritt er das Haus
recht heitere Pflichterfüllung. Dabei ist die Schaffung eines tätigen Wider- in d~s ihm die Schwestern trotz der späten Stunde bereitwillig Einlaß
standes in einem von der Gestapo heimgesuchten Land, wo ein falscher gewahren. In kurzen Abständen kommen noch einige weitere Männer in
Schritt den Tod bedeutete, in der Tat durchaus nichts Heiteres. das Sanatorium. Ihr aller Ziel ist das Zimmer Nr. 14, in dem sich seit
Diese Männer, die wußten, daß die Befreiung ganz nahe bevorstand, seiner Obersiedlung von Berlin der Patient Gugelberger befindet.
hätten bis zur Ankunft ihrer Befreier in Sicherheit daheimbleiben können.
Daß sie das nicht taten, ist ein Beweis ihrer aufopfernden Vaterlandsliebe. Krankenbesuch oder Tarnung?
Daß sie erst zur gegebenen Zeit und nicht schon früher handelten, beweist
ihre Klugheit; denn vorzeitiger Widerstand in Tirol wäre nutzlos gewesen. Handelt es sich hier wirklich um einen Krankenbesuch zu so später
Wenn eines Tages wieder ungehinderte Verbindungen hergestellt sein Stu_nde? Oder sind Patient und Krankenzimmer nicht vielmehr eine ge-
werden und der Zugang zu amtlichen Schriftstücken möglich ist, dann wird schickte Tarnung für eine ganz andere Absicht?
diese Heldengeschichte zweifellos mit größeren Einzelheiten erzählt Der Kalender zeigt den 9. April 1945. Im Zimmer Nr. 14 des Kreuz-
werden. Dadurch, daß Herr H. die hauptsächlichsten Tatsachen in Er- schwestern-Sanatoriums aber findet in der Tat am Abend dieses Tages die
innerung bringt, hat er seinem Lande einen großen Dienst erwiesen. Er erste Besprechung statt, die Dr. G r u b e r, der jetzige österreichische
hat den Beweis dafür geliefert, wenn ein solcher überhaupt nötig war, Staatssekretär des Äußeren, soeben in die Heimat zurückgekehrt, mit im
daß ein österreichischer Widerstand vorhanden war. Zur selben Zeit, in Kampf gegen den Nationalsozialismus bewähr ten Männern in Innsbruck
der Österreich seine Freiheit und Unabhängigkeit schnell wiedererlangt - abhält. Dabei waren außer ihm und dem „Patienten" Gugelberger noch
in der eine neue und gesündere österreichische Demokratie im Entstehen der Postbeamte Anton W a 1 der aus Hall, der Schuhmacher Anton
begriffen ist - erinnert er an eine Geschichte, die sein~n Landsleuten eine H a 11 er aus Hall und der Schriftsteller Fritz W 4 r t h 1e (Innsbruck)
zugegen.
Anregung bei ihrer ,Jroßen Wiederaufbauarbeit sein soll.
Der Weg hatte Dr. Gruber vorschnell in die Heimat geführt. Bei seiner
Igls, November 1945. Rückkehr von Berlin nach Wien, wohin er Sendegeräte für die Wider-
E.M.L. stands_bewegung hätte bringen sollen, fand er nämlich infolge des raschen
Vordrmgens der Russen seinen Weg in St. Pölten versperrt.
Dr. Gruber stand ja bis dahin, und zwar seit dem Jahre 1938 in Wien
und Berli~ in der vor_dersten Reihe jener Männer, die sich voll •und ganz
der Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
verschrieben hatten.
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l l111111•l111 n v 11 11 1•lnl'm Kreis heimattreuer Österreicher, arbeitete er inr
l11 11111I A11Nl11111l1• unoblüssig an der Verwirklichung des gesteckten Zieles.
~.-111 l,,...111du1us Aut!cnmerk galt dabei der Nachrichtenübermittlung, wo•
l11'1 1h11, 11ohcn zuverlässigen Mitarbeiter_!} bei der Reichspost seine eigene .."'..
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111•111l11llllit!keil bei der Firma „Telefunken" sehr zustatten kam, Er war
nlso mit reichen Erfahrungen im politischen Kampf gegen den national· ...ä
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11ozialis lischen Terror zu den Widerstandsgruppen in Innsbruck gestoßen.
Daß er dazu auch ein abgeklärtes Urteil in allen politischen Fragen sowie "a
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die Entschlossenheit zur Durchsetzung des gesteckten Zieles an leiten· ::t
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der Stelle besitzt, ist dem im Zimmer Nr. 14 des Sanatoriums versammel• IJ)"
ten kleinen Kreis im Laufe der Aussprache immer klarer geworden.
Was ist zu tun?
Ausgehend von der unbedingten Notwendigkeit, rasch und gründlich
zu arbeiten, bevor das ganze Land von den Nazi zugrunde gerichtet sei,
schälten sich aus den Erklärungen Dr. Grubers vier Au f g a b e n für
die nächste Zukunft heraus.
1. Enge Zusammenarbeit aller zivilen Gruppen ohne Rücksicht
auf politische Einstellung. Dr. Gruber erklärte dazu wortwört-
lich: ,.Bis es so weit ist ,reden wir nicht von Politik. Zuerst müssen
die Nazi verschwinden."
2. Aufstellung eines Ollizierstabes zur Durchführung militäri-
scher Aktionen.
3. Einrichtung eines umfassenden politischen und militärischen
.,,....
Nachrichtendienstes. Dr. Gruber bezeichnete die zuverlässige
• Nachrichtenübermittlung als das unentbehrliche Nenensystem
innerhalb der Widerstandsbewegung. .,,......
4. Schnellste und planmäßige Bewaffnung aller Widerstands-
~
gruppen.
Um diese Forderungen möglichst bald in die Tat umsetzen zu können, i
wurde zunächst G u g e 1berge r, der bereits in Berlin zusammen mit .,,
.!
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Karl Hi r n s c h r o t t bei der Funküberwach9ng wertvolle Arbeit im
Dienste der Widerstandsbewegung geleistet hatte, beauftragt, bei -der "-~
Post eine Nachrichtenüberwachung einzurichten. W ü r t h 1 es Aufgabe iij
..
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war es, Fühlung mit anderen politischen Widerstandsgruppen der ver- !::
schiedensten Richtungen aufzunehmen und außerdem Unteroffiziers•
besprechungen zu arrangieren. Der Zweck dieser Veranstaitungen sollte
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die politische Beurteilung der Offiziere und damit die Ausdehnung der infolge eines unliebsamen Zufalles eine neue Verbindungsstelle gesucht
Widerstandsbewegung auf das Offizierkorps sein. Zuverlässige Unter- werden mußte. Gugelberger hatte es nämlich übernommen, dem Wider-
offiziere standen hiezu in einigen Gruppen zur Verfügung. Wie sich aller- ständler des lnnsbrucker Mittelgebirges K a· t t e n hause r in Ampaß
dings erst später erwies, waren damals bereits einige Offiziere aktiv in eine Nachricht zu überbringen. Statt Kaltenhauser traf er jedoch die
der Widerstandsbewegung tätig. Weiterhin sollte ein~ Funkverbindung Gestapo an. Kaltenhauser selbst war, rechtzeitig gewarnt, durch das
mit den Alliierten eine empfindliche Lücke in der Nachrichtenübermitt- Fenster geflüchtet; um so größeres Interesse zeigte die Gestapo für deb
lung schließen. Auch wurde der Plan gefaßt, gewissermaßen als Haupt- unerwarteten Besucher. Auf Grund seines biederen Aussehens wurde
quartier ein Lokal zu erwerben und dieses ständig besetzt zu halten. dieser jedoch bald wieder entlassen; seine Sanatoriumsadresse aber war
Schließlich berichtete Dr. Gruber über die Lage in Wien, die u. a. nunmehr amtlich vermerkt.
durch ausgezeichnete militärische Widerstandsgruppen gekennzeichnet Mit dem Kreuzschwestern-Sanatorium sind jedoch noch einige weitere
sei. Im übrigen stünden Tausende von Wienern in den zum Teil ganz Namen im Kampfe gegen den Nationalsozialismus · eng verbunden. Edi
Österreich umfassenden Widerstandsaktionen aktiv im Kampf gegen den 0 1 i n o w e t z fand dort, nachdem bereits von der Gestapo ein Haft-
Nationalsozialismus. Sodann wurde beschlossen, in Innsbruck, ähnlich befehl gegen ihn vorlag, auf Zimmer Nr. 56, von Stabsarzt Dr. Stricker
wie in Wien, D e c k n a m e n für die Mitglieder der Widerstandsbewe- nachhaltig unterstützt, für einige Zeit eine Zufluchtsstätte. An seinem
gung sowie ein allgemeines E r k e n n u n g s z e i c h e n einzuführen.
Das abgebrochene Streichholz
Sehr häufig trafen sich ja politisch Gleichgesinnte zum Meinungs- .
austausch über die Lage. Selbstver·ständlich wurde dabei meist das Wort
..Organisation" vermieden, um nicht einem Spitzel zum Opfer zu fallen.
Zur größeren Sicherheit bei der Organisationsarbeit wurde überdies ver-
einbart, daß im Zuge einer solchen politischen Diskussion ein aktives
Mitglied der Widerstandsbewegung ein Streichholz aus der Tasche ziehe
und durchbräche. Der andere hatte dann als Stichwort zu sage(}: ..Was
treiben sie da für eine Materialverschwendung." Und so war es verhält-
nismäßig rasch möglich, die aktiven Widerstandsgruppen abzugrenzen.
Allerdings gab es mitunter Mißverständnisse, und es kam wiederholt vor,
daß einer im Kaffeehaus eine halbe Schachtel Streichhölzer - diese waren
bekanntlich an und für sich sehr rar - ohne Erfolg auseinander brach, Mit dieser schwarzen Reisegenehmigung kam der französische Leutnant
11Friemann" von der Frontlinie bis Innsbruck
worüber sich '·dann nur die Kellner ärgerten.
Mit dieser nächtlichen Aussprache im Sanatorium der Kreuz- .,Krankenlager" fand sich in diesen Tagen wiederholt ein Kreis von Akti-
schwestern trat der Kampf gegen den Nationalsozialismus in Inns- visten der Grupp/ 0 5 ein. Neben Hartl P e z z e i und Egon Horst hielt
bruck, der durch Jahre hindurch von vielen behei;:zten Öster- sich dort u. a. auch häufig ein französischer Leutnant mit Decknamen Frie-
reichern, oft in kleinsten Gruppen, mit zäher Verbissenheit und mann auf, der mit falschen Papieren von Frankreich nach Innsbruck ge-
unter g_rößten Opfern geführt wurde, in seine letzte, entscheidende kommen war. Er arbeitete mit seinem Funkgerät, das er zur Tarnung in
Phase. einem gewöhnlichen Radioapparat untergebracht hatte, zuerst von einem
Um es gleich vorwegzunehmen: die 11 Krankenbesuche" beim „Patien- Dachboden in der Andreas-Hofer-Straße und später vom Hof des Bauern
ten" Gugelberger wurden zur ständigen Einrichtung, bis eines Tages, Peter Simon in Ellbögen aus mit Paris zusammen. Im Sanatorium hatt~ er
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bald Fühlung mit dem Kreis um Dr. Gruber aufgenommen. Er erhielt dort
auch wichtiges Nachrichtenmaterial sowie manche technische Unter-
stützung.
Wenn die nun folgenden Aktionen der zivilen und militäri-
schen Gruppen, deren Fäden bald zu einem großen Teil in der
Hand Dr. Grubers zusammenliefen, zu dem gewünschten Ziele
führen konnten, so hat daran, wie bereits kurz erwähnt, eine
Reihe heimattreuer Männer und Frauen, die jahrelang im Kampl
gegen die Naziherrschaft in Tirol gestanden und schwerste Opfer
gebracht hat, großen Anteil. All das, was diese für die Befreiung
Österreichs von den preußischen Skla venhaltern an wertvollster
Vorarbeit geleistet hatten, hier anzuführen, ist nicht möglich. EI
In de r Hand Dr. Grubers, der bereits
sollen deshalb nur einige wenige Beispiele für das Ganze stehen. Mitte April von einer Reihe von Wi-
derstandsgruppen zum gemeinsamen
Der rote Faden Kommandanten gewählt wurde, ver-
einigte n sieb in den entscheidenden
Da sich das „Tausendjährige Reich" neben seinen brutalen Gewalt- Tagen vor der Befreiung Tirols fast
methoden eines geradezu netzartigen Spitzelsystems bediente, mußte das alle Fäden der Widerstandsbe wegung
Hauptgewicht des Widerstandes naturgemäß auf dem Kleinkampf vieler,
jedoch zahlenmäßig oft geringer Gruppen liegen. Trotzdem ist, wenn dieser des p r eußischen Eroberungsgeistes stand, weiter-
zähe Kleinkampf heute rückschauend betrachtet wird, in ganz Österreich - hin um die Unterstützung der Alliierten im Kampf
wie ein r o t e r F a d e n e i n e e i n h e i t 1 i c h e L i n i e i n d e n gegen den Nationalsozialismus und nicht zuletz t
M e t h o d e n f e s t z u s l e 11 e n, und zwar gcinz gleichgültig, ob es sich um d i_e Ver hin der u n g v o,n weiteren Zerstö r u n gen
um die großen zentralen Organisationen oder auch nur um kleine Wider- d u rc h die Hit I erb a r bare i. Welcher Art nun der jahrelange
standsgruppen handelte. Bestimmte ja doch das Gewa ltsystem des Natio- Kleinkampf der lnnsbrucker Widerstandsgruppen war, davon soll ein
nalsozialismus selbst Art und Ziel der Kampfesweise. E s h a n d e 1 t e kleiner Ausschnitt Zeugnis ablegen.
sieb dabei in erster Linie um die Un t ergrabung von
Partei und Nazistaat, um die Sabotage an der Wehr- Jahrelanger, zäher Kleinkampf
m acht, die in einem aus s i c b t s l osen Kriege im Dienste
Bei den Aktivisten im Kampf gegen den Naziterror war selbstver•
ständlich das Ab h ö r_ e n aus l ä n d i s c b er Sender und die Weiter-
Die vorstehende Broschüre behandelt ausschließlich den • verbreitung der dort gehörten Nachrichten eine wichtige Propaganda-
Kampl der lnnsbrucker Widerstandsbewegung in den ent- pflicht. Daran änderte sich auch dann nichts, als Hunderte von Öster-
scheidenden Tagen unmittelbar vor der Befreiung Tirols. reichern wegen dieses „Deliktes" zu mehrjährigen Zuchthausstrafen, ja
Außerdem ist aber auch die Herausgabe eines Buches zum Tode verurteilt wurden, Da ausländische P r esseerzeugnisse
geplant, das eine Gesamtdarstellung der österreichischen in dem so „fest gefügten" Dritten Reich verboten waren, wurden fort-
Widerstandsgruppen in Tirol bringen soll. Dazu sind kurz- laufend Zeitungen und Flugblätter der Alliierten in das Land geschmug-
gefaßte und sachliche Einsendungen der einzelnen Wider- gelt. Auf welch ausgeklügelte Methoden man dabei verfiel, geht zum Bei-
standskreise unseres Landes sehr erwünscht. Sie sind zu
richten an Innsbruck, Hauptpostamt, Schließfach 259. spiel aus einer Mitteilung von Landesrat R o n c z a y hervor, derzufolge
Zeitungen und Flugblätter aus Paris ihre Reise nach Innsbruck sogar in
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Kreise ließen sich wiederum die Versorgung von Widerstandsgruppen,
Pomadedosen ausführten. Darüber· hinaus wurden aber auch in „eigener namentlich auch von versteckt gehaltenen Deserteuren, mit Kleidung und
Regie" unter den schwierigsten Umständen Plakate hergestellt und Schuhwerk angelegen sein. So konnte eine Schuhfabrik in Telfs 600 Paar
während der Nacht in allen Teilen der Stadt aufgeklebt. Fortlaufend Schuhe, die für die Standschützen hergestellt waren, größtenteils der
wurde auch eine Na c h r i c h t e n v e r b i n d u n g nach der Schweiz Widerstandsbewegung zur Verfügung stellen. Für Männer, die von der
u n d I t a I i e n s o w i e d e n e i n z e I n e n B u n d e s l ä n d e r n, ins· Gestapo- verfolgt wurden, konnten außerdem wiederholt f a -1 s c h e
besondere nach W i e n, unterhalten, an der vor allem die Gebrüder L e g i tim a t i o n e n beschafft werden. Besonders nachhaltig war die
Mold e n von der Gruppe O 5 großen Anteil hatten. Daß die Fahrten ins Werbung für die Widerstaqdsbewegung in den S t a n d s c h ü t z e n -
Ausland, die vielfach mit falschen Pässen durchgeführt werden ·mußten, a u s b i l d u n g s I a g e r n, wobei sich gerade der Umstand, daß hier fast
für den einzelnen ein sehr großes Risiko bedeuteten, li~gt ohne weiteres ausschließlich Österreicher zusammen waren, sehr günstig auswirkte. Nicht
auf der Hand. Der Personenkreis , auf den von den Mitgliedern der Wider· zuletzt sei darauf verwiesen, daß den in Tirol befindlichen amerikanischen
standsgruppen Einfluß ausgeübt wurde, war sehr weit gesteckt. Das begann und französischen Offizier~n bei der Durchführung ihrer Aufträge durch
schon in der Sc h u I e. Professor Dr. Franz Mai r, genannt der „Englisch-
örtliche Orientierung und Hilfsmittel aller Art besondere Unterstützung
Mair", klärte seine Schüler im Unterricht über die Nazityrannei nach- zuteil wurde.
drücklich auf und konnte als Erfolg seiner Arbeit schon frühzeitig eine
Schar junger Nazigegner dei: Widerstandsbewegung zuführen. Von größter
Bedeutung für die erfolgreiche Durchführung der militärischen Aktionen
während der letzten Tage vor der Befreiung Österreichs war vor allem
auch der zähe Kleinkampf, der in den Innsbrucker Kasernen und
W e h r m a c h t s d i e n s t s t e 11 e n durch lange Zeit hindurch von
heimattreuen Österreichern geführt wurde. Da die Tätigkeit dieser Wider-
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standsgruppen jedoch in direktem Zusammenhang mit den letzten ent-
scheidenden Kampfhandlungen in Innsbruck steht, soll diese auch bei deren
1 Behandlung ihre Würdigung finden. Es sei hier nur sovi~l vorweggenom-
11 men, daß die bei den genannten militärischen Stellen durch ideenmäßige
Werbung, Rückstellung bewährter Österreicher, entsprechende Posten-
11 besetzung, Waffensicherstellung, Ausstellung falscher Papiere u. a. ge-
leistete Vorarbeit m i t i n e r s t e r Li n i e ein B l u t v e r g i e ß e n
und weitere Zerstörung beim Einmarsch der ameri-
1
kanischen ,.,Truppen in Innsbruck verhinderte. Mit
großem Erfolg wurde weiterhin auf zahlreiche U r l a u b er dahingehend
Einfluß genommen, nicht mehr an der Front in einem sinnlosen preußi-
schen Eroberungskrieg Dienst zu leisten. Aufrechte Bauern übernahmen
oft bis zu zwei und drei Jahren die Beherbergung und Verpflegung von
Deserteuren und entwichenen politischen Häftlingen. Die Zusammenarbeit In der Umgebung der Walderalm, namentlich im Vomperloch, wurden heimat-
mit den militärischen Dienststellen war dabei schon so fortgeschritten, treue österreichische Soldaten, "die sich vom Hitler-Krieg losgesagt halten, bis '
daß es in vielen Fällen gelang, die sich für die Freiheit Österreichs auf 1:u zwei Jahren von Konrad Platzer, Steinlechner (vulgo Pichler), Erhart, Pepi
Heiß und anderen verdienten Männern versteckt gehalten und verpflegt
diese Weise so vorbildlich einsetzenden Bauern uk. zu stellen. Andere
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Der S chla;J) ns W asser
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Eine Unteroffiziersbesprechung und ihr Ergebnis
Das E r g e b n i s d i e s e s z ä h e n K I e i n k r i e g e s war eine um- Die Vorbereitungen zum allgemeinen Aufstand in Tirol nahmen zu-
fassende Sabotage der Nazikriegsführung, die nur deshalb den Alliierten nächst ihren Fortgang mit der in der Wohnung von J örg Sacken heim,
nicht so augenfällig wurde, weil sie eine typisch unterirdische Bewegung einem der schneidigsten Anführer der Widerstandsbewegung, stattgefun-
darstellte. Das Bestehen einer weitverzweigten Widerstandsorganisation denen U n t e r o i f i z i e r s b e s p r e c h u n g. An dieser nahmen mit
h atte zur Folge, daß die staallichen Anstrengungen zur Verstärkung der Dr. Gr u be r, Unteroffizier Lau g g es, Stabsfeldwebel Schmid t,
Kriegführung ein Sc h 1a g ins Wasser wurden. Staatliche Befehle Unteroffizier W ü r t h 1 e, Unteroffizier Kamp man n, Obergefreiter
wurden nicht oder nur sehr mangelhaft ausgeführt, an der Herabsetzung Gör z und der- ehemalige Obergefreite Sacken heim teil. Die Be-
der Arbeitsleistung beteiligten sich Arbeiter, Werkmeister, Betriebsbeamte sprechung ergab nicht allein ein aufschlußreiches Bild über die p o 1i -
und nicht zuletzt die Ärzte. Maschinen wurden von „sonder baren Krank- tische Eins t ellung der Offiziere und deren mögliche
heiten" befallen, die die Beteiligten ihrer Überalterung zuschrieben. Mit w irkung bei militärischen Aktionen der W i cler-
T ransporte wurden fehlgeleitet, und wenn den Alliierten mit ganz wenigen s t a n d s b e w e g u n g, sie gewährte vielmehr auch in großen Zügen
Ausnahmen die militärischen und industriellen Pläne offen zutage lagen, einen Gesamtüberblick über die Ha 1 tun g der in Innsbruck
so war es der Zusammenarbeit aller dieser Widerstandsgruppen zu dan- s tat i o nie r t e n Wehrmachtsan gehörigen. Wenn nunmehr
ken. Nicht vergessen werden soll, daß Österreicher, die sich zwangsweise rückschauend darüber berichtet wird, so kann allerdings heute manches
in Deutschland aufhalten mußten, gerade auf diesem Gebiet wer tvollste zusätzlich festgestellt werden, was den Teilnehmern der Unteroffiziers-
Arbeit leisten konnten. besprechung auf Grund der ~ebote11en VorsichtsmaiSnahmen damals noch
unbekannt war. War ja doch die Verbindung der einzelnen Wehrmachts-
widerstandsgruppen untereinander nicht allein durch die ungezählten zivi-
Was dadurch e rspart blieb len Gestapo• und P arteispitzel, sondern vor allem auch durch die Ver-
trauensleute der NSDAP. in der Wehrmacht selbst, die sich sogar in den
So sah d er jahrelange, von vielen Osterreichern in Stadt und kleinsten Einheiten befanden, häufig sehr erschwert. Auf diese Weise
Land ebenso entschlossen wie zäh geführte Kleinkampf gegen
wäre z. B. einmal Major P e t e r, der selbst der Widerstandsbewegung
den nationalsozialistischen Terror aus. Viele Träger dieses Frei-
angehört hat, von heimattreuen Soldaten in der Klosterkaserne sogar
heitskampfes fielen der Gestapo in die Hände und wurden in den gewaltsam begegnet worden, wenn sich der Irrtum nicht in letzter Minute
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Konzentrationslagern gefoltert oder ermordet. Alle andern aber
1 aufgeklärt hätte. Ja, es kam kurz vor der Befreiung Tirols u. a. vor, daß
wurden d adurch in ihrem Glauben und in ihrer Entschlossenheit Offiziere und Soldaten der Widerstandsbewegung mit griffbereiten Ma-
nur bestärkt und bildeten eine um so gefestigtere Kampfgruppe
schinenpistolen einem Kraftwagen, in dem sie Gegner wähnten, entgegen-
in den entscheidenden Aktio_nen der letzten Wochen vor der
tre ten wollten, während in Wirklichkeit, wie sich bei der Begegnung her-
Befreiung. W enn d er Landesha up tst adt lijnsbruck, ja, wenn dem ausstellte, dort gleichgesinnte Kameraden waren.
ganzen Land Tirol in den letzten Tagen dieses Krieges ein un-
vorstellbares Opfer an Blut und Zerstörung erspart geblieben
ist, so haben sie alle daran den größten Anteil. Das Ge birgsjäger-Ersatzba taillon 136
Der allgemeine Aufstand in Österreich wäre aller dings zweifellos viel Unter den militärischen Widerstandsgruppen verdient in erster Linie
früher gekommen, wenn die Alliierten der Unterstützung der österreichi- das G e b i r g s j ä g e r - E r s a t z b a t a i 11 o n 1 3 6 genannt zu werden.
schen Widerstan dsbewegung größeres Augenmerk zugewandt hätten und Major Heine, seit August 1944 Kommandeur des Bataillons, und sein
wenn sie die Schaffung von Befehlszentralen in den n eutralen Staaten Adjutant Leutnan t Stei n e r stellten sich die Aufgabe, in ihm ein wirk -
mehr begünstigt hätten. s ame s I nstrument z u r Bekämpfung d es Naziregimes
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zu schaffen. So wurden von beiden Offizieren, die übrigens schon chen Sinne betätigte sich auch die Är:istegruppe der Widerstandsbewegung
seit längerer Zeit der Widerstandsgruppe O 5 angehörten, sämtliche Führer- unter Führung von Dr. Stricker und Dr. Eck 1. Dr. Stricker leistete
stellen im Bataillon mit Leuten antinationalsozialistischer Gesinnung be- außerdem durch Waffentransporte in Sanitätswagen wertvolle Dienste.
setzt. Die vom Generalkommando des XVIII. AK. befohlene national-
sozialistische Schulung wurde auf ein Mindestmaß herabgedrückt, so daß
das „NS.-Gedankengut" bei der Mannschaft nicht Fuß fassen konnte. Auf Das Waffenlager i:rp. Keller
Betreiben des Gauleiters Hofer sollte. das Bataillon im September 1944
Ganze Arbeit vollführte auch Obergefreiter Oskar G ö r z, der, von
nach Wolfsberg in Kärnten, angeblich zum Schutze der Bevölkerung, gegen
die dort auftretenden Partisanen, verlegt werden. Der tatsächliche Grund Dr. Gruber als Leiter des militärischen Ermittlungsdienstes bestellt, in
war natürlich die nach Hofers Auffassung politisch unzuverlässige Haltung _ der Konradkaserne nahezu eine Kompanie der Freiheitsbewegung zuführen
des Bataillons. Durch persönliche Vorsprache des Majors Heine beim ' konnte. Es gelang ihm auch, den' Karteisachbearbeiter der Kompanie
korµmandierenden General des XVIII. AK. und Falschmeldungen über dahingehend zu gewinnen, daß alle für die Widerstandsbewegung tätigen
Männer zurückbehalten und die Kriegstreiber an die Front · abgestellt
wurden. In mühevoller Kleinarbeit belieferte Görz mehrere zivile Wider-
standsgruppen mit Waffen, wobei ihm der Waffenkämmerer der Panzer-
jäger-Ersatzkompanie Ba d e r besonders behilflich war. Desgleichen be-
sorgte Unteroffizier Kamp man n Waffen und rüstete damit Mitgli~der
der Widerstandsbewegung aus. Oskar Görz hatte schließlich i m K e 11 er
seiner Wohnung e in ganzes Waffen 1a g e r untergebracht.
Ein wichtiges Ereignis für die militärischen Aktionen der Widerstands-
bewegung war weiterhin eine Ende März in Salzburg stattgefundene
B e s p r e c h u n g ö s t e r r e i c h i s c h e r O f f i z i e r e, die dem Zweck
diente, an entscheidende militärische Stellen in Tirol und Salzburg ver-
läßliche Offiziere der Widerstandsbewegung zu bringen. Dabei wurde
1l für Tirol Oberstleutnant Zdenko von P au m g a r t e n ausersehen, der in
! der Folgezeit Dr. Gruber als strategischer Berater bei der Vorbereitung
und Durchführung der militärischen Aktionen seine reichen Erfahrungen
Major Heine hat, umgeben von einer zur Verfügung stellte. .
Reihe heimattreuer Oliiziere und Sol-
daten, an den großen militärischen Nachdem nun mit den meisten erreichbaren Gruppen die Fühlung-
Aktionen zur Befreiung lnnsbrucks nahme durchgeführt war, wurde für die Gesamtorganisation ein festeres
vom Nazijoch hervorragenden Anteil Rückgrat geschaffen. Zunächst wurde vereinbart, mit Rücksicht auf die
schwierigen Verbindungen den von Innsbruck aus kommandierten Kampf-
Quartierschwierigkeiten konnte die Verlegung bis Ende Dezember 1944 raum auf den Raum R o p p e n - B r i x l e g g - S c h a r n i t z -
hinausgeschoben werden. Von Wolfsberg aus wurde dann Leutnant Steiner Br e n n e r zu beschränken. Dje Gesamtleitung der geplanten Großaktion
zu einem Studienurlaub, weiterhin einige verläßliche Unteroffiziere als übernahm Dr. Grube r mit Fritz W ü r t h l e als Stellvertreter. Für das
Ausbildner nach Innsbruck kommandiert. Major Heine selbst konnte seine eigentliche Kampfkommando wurde ein Offiziersstab erstellt, über dessen
Aufnahme im Reservelazarett Hall erwirken. Von hier aus wurden nun Zusammensetzung weiter unten noch die Rede sein soll. Den politischen
bewährte Unteroffiziere bei den Aufstellungsstäben untergebracht, die Ermittlungsdienst übernahm der ebenfalls aus Deutschland zurückgekehrte
Feldabstellungen von heimattreuen Österreichern verhinderten. Im glei- heutige Polizeipräsident Dr. Junger. Der militärische Ermittlungsdienst
wurde Oskar G ö r z und Unteroffizier L au g g e s übertragen. Den Ver-
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bindungsstab Oberland übernahm Jörg Sacken heim, den Verbin- M ü n c h e u (nur wenige Meter vom „Regierungssitz" des Gauleiters Hofer
dungsstab Unterland der später im Widerstandskampf gefallene hocbver- entfernt), in einem der wenigen vom Bombenangriff nicht beschädigten
diente Oberleutnant E b e r harter und Zahlmeister a. D. Dem an e g a. Fremdenzimmer. Der Uneingeweihte konnte dort nichts Verdächtiges be-
Ferner wurde eine Sondergruppe für Nachrichtenüberwachung und Nach- merken, denn es handelte sich ja - wie auch aus einer Tafel am Eingang
richtenübermittlung unter der Führung des Post- und Telegrapben- des Hauses hervorging - nur um eine „Telefunkeo-Vertretung" in Inns-
inspektors Karl Hirns c h r o t t eingerichtet. Durch die Errichtung der bruck. Die Einrichtung bestand demnach außer aus einem Tisch und eini-
,,Telefunkenverbindungsstelle Innsbruck" wurde der Führung eine organi- gen Stühlen lediglich aus funktechnischen Plänen und Radioröhren. Dazu
111 satorische Zentrale gegeben. Stabsfeldwebel Sc h m i d t wurde mit der kam, daß der Portier mit verständnisvollem Sinn in der Hauptsache nur
Dokumentenbeschaffungsstelle betraut. die „wirklic~en" Interessenten vorließ. Und es kamen viele am Tage und
noch mehr m den Abendstunden, die fragten, ,,ob man nicht diese oder
Zehn Lite r Benzin - ein Problem jene Radioröhre bekäme". Allerdings hat die Abwicklung der Geschäfte
Die Verbindung zum ö t z t a 1, in dem neben einer sehr starken Wider- ~ohl seit Bestehen der Radiotechnik noch in keinem Betrieb soviel Zeit
standsgruppe zahlreiche Fahnenflüchtige bereitstanden, fiel gleichfalls 1n Anspruch genommen wie hier.
Jörg S a c k e n he im zu. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, In der Tat schickten sic h die Männer der Wider-
denn das ihm zur Verfügung stehende Motorrad würde selbst bei einer stands beweg u n g im Cafe München soeben an , um-
Alteisensammlung noch durch seine Schäbigkeit unangenehm -auffallen, fassende Vorbereitungen für die sich auf Grund der
und außerdem fehlt es wie immer an Benzin. Im Gegensatz zu den Nazi- militärischen Ereignisse anbahnende letzte Ent-
bonzen, denen für Spazier- und Bombenentrinnungsfahrten mit großen s c h e i d u n g v o r d e r B e f r e i u n g ö s t e r r e i c h s z u t r e f f e n.
Mercedeswagen stets jede Menge Treibstoff zur Verfügung stand, waren
für die Widerstandsbewegung z eh n L i t er B e n z i n e i n P r o b 1e m
ersten Ranges. Doch wie so oft fand sich auch in diesem Falle ein Aus-
weg, und Jörg Sackenheim ratterte bereits nach kurzer Frist in „Wildwest-
montur" auf seinem in allen Fugen ächzenden und stöhnenden Vehikel dem
ötztale zu. Lediglich im Besitze von Adressen freiheitsliebender ötztaler,
klopfte er dort bei einem Bauern an, nannte ihm das Stichwort und erhielt
bereitwillig Verpflegung und Herberge für die Nacht. Am anderen Tag ge-
leitete ihn der Bauer auf Schleichwegen sicher durch die starke Postenketle
der SS. Bei einer nächtlichen Zusammenkunft auf einer Jagdhütte konnte
Sackenheim schließlich wichtige Mitteilungen aus Innsbruck für den Frei-
heitskampf der ötztaler überbringen. Diese Verbindung sollte auch für
die Landeshauptstadt selbst von größter Bedeutung sein, da der Ötz -
t a 1er Widersta ndsgruppe in den entscheidenden Tagen u. a.
die Aufgabe zufiel, d e n Ei n m a r s c h d e r a 11 i i e r t e n T r u p p e n
vom Ar I b er g h' e r ab zus chi r m e n.
Im Ha uptquartier der Widerstands b ewegung
Inzwischen hatte längst auch das Hauptquart ier Dr. G r u b e r s
feste Gestalt gewonnen. Es befand sich im zweiten Stock des C a f e s Hier war das Hauptquartier Dr. Grubers im Cafe "München"
,..
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Es herrscht dort ein ständiges Kommen und Gehen, Hu~derte v~n ~rag_en und das war ja schließlich die Hauptsache. Manche führten ,s ogar monate-,
~ 5 5 en rasch und bestimmt beantwortet werden. Dazwischen hmem klm- ja jahrelang, ganz auf sich selbst gestellt, allein einen zähen Kampf für
;e~t 1mmer wieder das Telephon, Kuriere werden nach allen Richtungen die Befreiung Österreichs. Es ist deshalb heute auch noch nicht annähernd
ausgesandt, Schwierigkeiten türmen sich auf, Verhaftun~en werd~n ge- möglich, den Beitrag all der ungezählten Männer und Frauen, die sich in
eldet manche Aktionen scheitern an kleinsten, unschembar en Dmgen. Wort und Tat gegen die preußische Versklavung auflehnten, entsprechend
;ie Si;uationen wechseln oft TOD Stunde zu Stunde, bisher Festst~~end~s zu würdigen. Es kann jedoch nunmehr r ückschauend festgestellt werden,
hat häufig in kürzester Frist keine Tragfähigkeit mehr. Neue P~ane f~r daß a ll e zusammen, von einem gemeinsamen Willen
eue Aktionen müssen deshalb ausgearbeitet werden usw. Mitten m beseelt, geradezu planmäßig geien den Nation a 1 -
~iesem scheinbaren Gewirr von Fäden faßt Dr. Grub~r in. vollkommen~r s o z i a 1i s m u s g e a r b e i t e t h a b e n.
Ruhe und Gelassenheit seine Entschlüsse und erweist sich durch sem
abgeklärtes Urteilsvermögec als der b e r u f e n e L e i t e r der ~nns- Innsbrucker Widerstandsgruppen
brucker Widerstandsgruppen. Im übrigen arbeitet er s?, als ob es u~er-
haupt keine Gestapo gäbe. Wie sagte er doch über. s1e: :,Nach m~mer Neben· den militärischen Widerstandskreisen, die an anderer Stelle
Auffassung kann heute nur noch ein Volltrottel Spitzel~1enste bet der ihre Würdigung finden, waren es z~nächst einmal fünf Gruppen, die im
Gestapo leisten. Die Gestapobeamten tun besser daran, sich heute schon Laufe der Zeit als erste mit dem Kreis um Dr. Gruber Verbindung er-
mit falschen Bärten zu versehen." hielten. Es sind dies die Reichspostgruppe Hi r n s c h r o t t - G u g e 1 -
b e r g e r, die unter Schuhmachermeister Anton H a 11 e r stehende Wider-
standsgruppe Ha 11 sowie die Gruppen R o n c z a y, H r a d e t z k y und
Dr. Gruber - gemeinsamer Kommandant Dr. F 1 o r a. Schwere Opfer wurden auch in ihren Reihen für die Be-
Bereits bei der ek'sten grundlegenden Aussprache im Zimmer Nr. 14 freiung Österreichs gebracht.
des Kreuzschwestern-Sanatoriums erklärte Dr. Gruber, daß er die Fühlung- Während sich R o n c z a y, der wegen Hochverrat~s, Zersetzung der
nahme der einzelnen Widerstandsgruppen untereinander für ei,ne der vor- Wehrkraft und Beihilfe zur Fahnenflucht angeklagt war, nur durch die
dringlichsten Aufgaben betrachte. An ihrer Verwirklichung hat name~t- Flucht während eines nächtlichen Bombenangriffes auf Innsbruck vor dem
lich . der Vertreter Dr. Grubers am Innsbrucker Kamp~stand, Fritz sicheren Tode retten k9nnte, wurden die der Gruppe H r ade t z k y,
W ü r t h 1 e, seit diesem Tage mit allem Nachdruck gearbeitet. bzw. Dr. F 1 o r a angehörenden Priester Monsignore Dr. Karl L am p e r t
Dabei kam es der Schlagkraft der Widerstandsbewegung be- und Pater Johann Stein m a y r hingerichtet. Dr. Flora selbst sowie
sonders zustatten daß nicht allein eine Verbindung untereinander Dr. M e 1z e r (der jetzige Bürgermeister von Innsbruck), Dr. S kor pi l
hergestellt werde~ konnte, sondern daß bereits Mitte April eine und Dr. Gerhard t schmachteten viele Monate in den Nazigefängnissen.
Reihe von Widerstandsgruppen Dr. Gruber zu ihrem gemeinsamen Daß namhafte Mitglieder dieser und anderer Widerstandsgruppen, die
Kommandanten wählte. Schon um den 20. April bildeten sie unter viele Jahre im österreichischen Staatsdienst gestanden hatten, aus ihren
seiner Leitung einen geschlossenen Block für alle vorgeseh~nen Ämtern entlassen wurden, sei gleichfalls hier vermerkt.
Aktionen. Es bestand ferner in H ö t t i n g eine s tarke Widerstandsgruppe von
Es wäre nun aber falsch, unter den einzelnen Widerstandsg:uppen in zirka 180 Mann, die jedoch, um der Aufmerksamkeit der Nazi zu ent-
jedem Falle lest umrissene Vereinigungen mit bes_timmten Bez~1chn~ngen gehen, in mehreren kleinen Kreisen arbeitete. Dort standen u. a. Oberstaats-
zu erblicken. Der Kampf gegen den Nationalsozialismus mußte Ja ~et _dem anwalt Dr. G r ü n e w a 1 d und sein Sohn E d i. Beide - sie gehörten
Spitzelsyslem und der brutalen Gewalt von Partei und Gest~po mogltchst übrigens auch der Gruppe O 5 an - waren unerschrockene Aktivisten im
im „Schatten" der öffentlichkeit durchgeführt werden. Aus diesem Gru~de Kampf gegen das Hitlersystern. Sie haben sich in den letzten Wochen vor
gehörten auch verschiedene Personen oft mehreren Gruppen an, d~s h~ißt, der Befreiung Österreichs u. a. insbesondere durch Aufklärung französi-
sie arbeiteten eben, wo immer sie konnten, gegen das verhaßte Naz1reg1me, scher und amerikanischer Offiziere über örtliche Verhältnisse verdient
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und Agenten ständige Ver bindung ·1 d ..
gemacht. Dr. Grünewald, seine Frau und sein Sohn wurden am 27. April machten sie alle es sich zur Aufg b ~ T'enl ~luerten aufrechterhielten,
verhaltet. Sein Kreis war durch Dr. Pr a x m a r er in Verbindung mit eine politische Landesleitung O ~ e, i; ~ro emen Generalstab O 5 sowie
Dr. Grube r. keit begannen sich bereits Mitte Aa:i~u/uc~. ~1s Er~ebnis ihrer Tätig-
Einen sehr bewährten Widerstandskreis bildete weiterhin der Arbeits- 0 5 in Tirol abzuzeichnen F" d p 01e i:11nsse einer Landesleitung
bund der christlichen Arbeiter, Angestellten und Beamten. Seine Orts- · ur eren rganis 1·
rem Professor R e u t - N i c o 1 u s s i D G ~- ion waren unter ande-
gruppe Ar z 1, die unter der unerschrockenen Leitung von Professor 1in g er' Fürst Hohen I oh e d G' f ;· r u n e w a I d, Dr. H ö f -
Gamp er stand, hat allein 25 Jahre Kerker abgebüßt. des Generalstabes O 5 sollten i:Aufl:: ; a ~-p vor~es~hen. Mitglieder
komilees, nach verschiede ge es Osterr e1ch1scben National-
Mit Polizeiautos an die Schweizer Grenze gültig folgende Männer der n;;~dvortangdegbangeoen Zwischenlösungen, end-
. • ers an s ewegung werd . D S t . k
Maior Schneebe rger M. H . en. r. r1c er,
Ein starkes Bollwerk der lnnsbrucker Widerstandsbewegung befand Moser• Leutnant St e i ~ e a1~r b e • ~e' Dr. Eck 1, Oberleutnant
sich außerdem in der P o 1 i z e i. Zu den bewährten Männern, die während w a l d und Hartl p • ~' e_r. erl e u b e r g e r, Edi G r ü n e -
der ganzen Jahre nationalsozialistischer Willkürherrschaft dort ihre öster- nahme zu dem K .e z z e 'p·Gle1chze1hg bestand auch schon enge Fühlung-
reichische Gesinnung bewahrten, stießen, dank der geschickten Arbeit des reise von rofessor G a m p e r und Dr· U f f e n h e 1. m er.
luftgelandeten amerikanischen Oberleutnants Fred M a y r, im letzten
Kampfabschnitt noch zahlreiche weitere Nazigegner. Auf diese Weise ge-
lang es u. a., Mitglieder der Gruppe O 5 mit Polizeiautos bis zur Schweizer
L~~::rf!an für das allüerte Hauptquartier
Grenze z-u fahren und außerdem Wallen für die Widerstandsbewegung
gleichfalls in polizeieigenen Lastkraftwagen zu befördern. Fred M a Ir Major He i n e' Oberleutnant M o s e r d L
beitelen indessen, und zwar am 16 A ·1 . un L eutnant S t einer ar-
selbst, der mit zwei Begleitern am S u 1 z t a l e r F e r n e r, nahe der
Amberger Hütte im Ötztal, mit Fallschirm abgesprungen war und in der
f
d i e a 11 i i e r t e n L u f t s t r e i ; k P~_1 ;m~n u f t l a n d e p 1 a n f ü r
am selben Abend um 23 Uhr Otto ~: 1 dee im lnnt~l aus, den sie noch
wegen steckbrie(licher Verfolgung schon f •. : ~ F~~tz SM o 1 ~ e n mußte
Folgezeit bei Mitgliedern der österreichischen Widerstandsbewegung In
[nnsbruck sowie in Sellrain und OberperCuß Herberge und wirksame Hme aushändigten, damit dieser ihn von de ru ~r m ie chwe1z gehen -
fand, bat später an den entscheidenden Ereignissen unmittelbar vor der quartier Mittelmeer nach Ca s t r „tchw~1z aus dem alliierten Haupt-
Befreiung Tirols vom Nazijoch einen wichtigen Anteil genommen. plan umfaßte 21 Absprungplätzeef:r :wueie;:itel~ ~~nne. _D_e~ Luftlande-
Ausarbeitung e rfolgte so gründlich daß schirmJa~erd1:1S1~nen. Seine
Anteil der Gruppe O 5 u~d Terminangaben durch alliierte F unknsogar. Au~w~1se für_ die Landung
embarl waren Wenige Tag hd d achncht m Jeder Emzelheil ver-
Wie überall in Österreich, wo der Freiheitswille Männer und Frauen . e„ nac em er Plan abgeg g
M oldens sichere Ankunft . d S h an en war, wurde
gegen das Nazijoch auf den Plan rief, s o h a t au c h i n I n n s b r u c k
die Gruppe O 5 (österreichische Widerstandsbewegung 1945) mit ihrer
von BBC. London gemeldet ;r cd w;;; durch folgenden Funkspruch
für euch." Infolge des rascb~n"v~:~~ck r~d gul ange_kom_men, arbeitet
umfassenden Organisation im In- und Ausland einen großen An t e i 1
durch Bayern kam es nicht h d ens er 7. amerikanischen Armee
an der Vorbereit ung der Aktionen gegen die natio-
s tens am 10. Mai hätte durc~ge früh'zut er gdeplan~_en Luftlandung, die frühe-
n a 1,s o z i a 1 ist i s c h e G e w a l t herrsch a f l. . e r wer en konnen.
Zu den aktivsten Mitgliedern der Gruppe O 5 in Tirol gehörten: Inzwischen wurde H e u b
t g
G ö r z mit Dr. G r u b e r be:a: . r ~o~ d~r Gruppe O 5 durch Oskar
Fritz und Otto Mo 1den, Her bert Heuberg er, P e z z e i, Grüne -
w a 1 d, P r a n t l, M i t t e r m e i e r, W a 11 n ö f e r und O 1i n o w e t z.
erfahrenen Leiter eines a h~ sa m ih~. den entschlossenen und
zivilen Widerstandskreises u1:rze1~ n~t organisierten militärischen und
Während einige yon ihnen durch wiederholte Reisen in die Schweiz sowie
des Kampfes um die Befrei~ng T~ ; b oraßussetzungen zur Durchführung
durch die Beherbergung und Unterstützung von ausländischen Offizier en iro s esa und - er schloß sich ihm an.
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Diese Verbindung führte schließlich zur Unterstellung von O 5 unter die
lnnsbrucker Kampfleitung.
Damit war gerade zur rechten Zeit ein entscheidender Schritt
nicht allein für das Gelingen der nun folgenden Aktionen, sondern
6berhaupt in der Geschichte der österreichischen Widerstands·
bewegang Tirols getan. Die Zusammenfassung aller gegen das
nationalsozialistische Gewaltsystem ,gerichteten Kräfte, die später
in dem Exekuti'nu•chuß der Widerstandsbewegung ihren Aus•
druck land, war damit Wirklichkeit geworden.
Kurzwellenstation auf der Kemater Alm
Bei der Unterredung zwischen Dr.Grube rund H euberg er kam
u. a. zutage, daß von beiden Seiten bisher Funkverbindungen
zum Ausland unterhalten wurden. Waren sich doch die Widerstands-
gruppen darüber im klaren gewesen, daß bei den zahlreichen Schwierig-
keiten, die infolge des netzartigen Spitzelsystems der Gestapo nun einmal
Auslandsreisen mit sich bringen, auf die Dauer nur mit dem Funk eine
Mit einer am 20. April auf der K
ständige Verbindung zu den Alliierten aufrechterhalten werden könne. wurde eine emplindliche Lücke im N:1cahl:i~ht1~· aufgc;aulef! Kurzwellenstation
, geschlossen ,enst er Widerstandsbewegung
Es war deshalb für die Scblagkralt aller im Befreiungskampf stehenden
Gruppen auch von größter Bedeutung, als am 20. April am fuße der
„Nordtiroler Dolomiten", wie die Kalkkögel häufig genannt werden, auf u~d Fuß hat, bin ich zu allem bereit„ G
blieben mit heimattreuen ö t . h' h . esagt, getan. Die Hütten
der K e m a t e r Al m, in etwa 1600 Meter Höhe, eine Ku r z w e 11 e n • h' d s erre1c 1sc en kv M" b
s t a t i o n angelegt wurde. Daß gerade dieses Gebiet dazu ausersehen
sc ie ene geschickte „Schachzüge" . -~ annern_ esetzt. Ver-
mußten dabei herhalten um die St•-~e HJ.-Wmterausbildung u. ä. m.,
war, bedarf einer näheren Erklärung, die nicht zuletzt Einblick in die
fand schließlich eine Un~erred g u _zpuhnkte nach außen zu tarnen. Es
au[rechte österreichische Gesinnung weiter militärischer Kreise geben soll. t un zw1sc eo Egon H O t L M
w e z und dem amerikanische Ob I r s • eo ako•
festgelegt wurde daß auf d Kn er cutnant Fred M a y r statt, wobei
b ' er e m a t er A I m d' S 1
Wie es dazu kam a geworfenen amerikanischen Send „ ie am u zlaler Ferner
der Ad o I f. Pi c h I er - Hütt . eJ er a t .e untergebracht und auf
Im Oktober 1944 wurden auf der K e m a t er Alm und der etwa
300 Meter höher gelegenen AdoU-Pichler-Hülle Stützpunkte der Wehr· einger_ichtet werden sollte (der ur: :~ I' agazin für abgeworfene Waffen
allerdmgs infolge des rasch V dp . g ich vorgesehene Waffenabwurf ist
macht errichtet, die dem Gebirgsjäger-Ersatzbataillon 136 als Hoch· . . en or nngens der All" t b.
gebirgsausbildungsstätten im Winter zur Verfügung stehen sol\len. Da je- mnchtung der Kurzweil d uer en unter heben Die
E ensen estation übernah Ob ... .
doch das Bataillon bereits zu Weihnachten aus den schon früher an· N o v a c e k, der Funker des ame 'k . m eqager Ludwig
geführten Gründen nach Kärnten verlegt wurde, lag die Auflösung der geborener Tiroler) Am 25 A ·1 n aruschen Leutnants Horne c k (ein
• • pn wurde die Stat' d
au f die Adoli-Pichler-Hütte verle 1 . ion von er Kemaler Alm
Stützpunkte au( der Hand. Andererseits erschien die Lage dieser Hütten
für sehr geeignet als Stützpunkte der Widerstandsbewegung. Major Gestapo durch Peilen zu ent ehen \'i um einem ~ve~luellen Zugriff der
belager te. kam es zu Sch;;ß . . sba'.1127. April die Gestapo die Hülle
Heine erklärte sich mit folgenden Worten zur Mitwirkung bei dem ere1en, e1 denen Nova c e k sein Leben
Plane einverstanden: ,,Wenn die Sache im Kample um Österreich Hand
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für die Freiheit Österreichs lassen mußte. Er wurde nach der Besetzung
Tirols durch die Amerikaner in Axams beerdigt. Major H e in e, dessen
Verbindungsmänner zu den Stützpunkten Leutnant Wie dem an n ~~d
Feldwebel H O r s t waren, ,.tauchte", von seinem Burschen r echtze1hg
gewarnt, für einige .Zeit „unter". Leutnant Horne c k wurde verhaftet
und in der Folgezeit von der GestaP,O grausam mißhandelt. Oberleutnant
M O s er, der nur durch seine zufällige Abwesenheit ~er Verha!lung e~t-
ronnen war, bereitete in der Folgezeit den aktiven Widerstand un Gebiet
von Landeck vor. Leutnant S t einer mußte, um der Festnahme zu ent-
gehen, im Lazarett Zuflucht suchen. Hauptmann A n d r e a t t a, de_r im
Hotel „Kreid" eine wichtige Nach r ich t e n z e n t r a 1e der Wider-
standsbewegung unterhielt, war schon vorher verhaftet worden.
Verhaftungen am laufenden Band Pater Johann Steinmayr wu.rde von
der Gestapo in heimtückischer Weise
Diese wenigen Fälle zeigen bereits, daß die Gestapo erneut -~in~ gro~e vechaftet und später nach den be-
Verhaftungswelle „anlaufen" ließ. Hatte ihr dieses Mal hauptsachlich e~n richtigten nationalsozialistischen Jn-
1tumelhoden hinllericbtet
Verräter das „Beweismaterial" geliefert, so boten ihr kurz vorher die
11
Ereignisse in Innsbruck an Hitlers Geburtstag - Explosion eines Spreng-
körpers in der Maria-Theresien-Straße und Hissen der österreichischen
Fahne am Polizeipr äsidium - dazu willkommenen Anlaß.
Wiederum schließen sich hinter unerschrockenen österreichischen Män-
nern die Tore der Gefängnisse und Konzentrationslager. Sie hinterlassen
gar manche empfindliche Lücke in den Reihen der Widerstandsbewegung.
Was aber wartet ihrer, die sie schutz- und rechtlos der Gewalt der Gestapo
und der Nazihenkersknechte ausgeliefert sind 7 An Strafen stand im
nationalsozialistischen Staat neben dem Zuchthaus und der Todesstrafe
in den unmenschlichsten Arten die Folterung, wie sie in den dunkelsten
Epochen des Mittelalters nicht grausamer angewendet wurde, im Vorder-
grund. Der Nationalsozialismus halle also das traurige Verdienst, die
Folterstrafe, die in Österreich bereits zur Zeil Maria Theresias, also vor
rund 200 Jahren abgeschafft wurde, in seinem „glorreichen tausendjährigen
Reich" wieder eingeführt zu haben. Da nun dem Gauleiter Hofer zur
Durchführung dieser unmenschlichen Torturen in Innsbruck anscheinend
noch zu wenige SS.-Schergen zur Verfügung standen, wurden im April
von Wien 150 als besonders brutal bekannte Gestapobeamte herangezogen.
Innsbruck wurde außerdem zum „Ausweichlager" von zahlreichen Ge-
stapoleuten aus Nord- und Mitteldeutschland, darunter allein 800 aus
Eine Gefangenenzelle der Gestapo in der Herrcogossc zu Innsbruck
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Berlin. Schließlich befanden sich auch noch alle höheren SD.-Stäbe aus Wohnung zwei einfache Soldaten, die sich als Protestanten ausgaben und
Thüringen in Tirol. den Wunsch aussprachen, zum katholischen Glauben übertreten zu wollen.
Ohne irgendwelche Hintergedanken erteilte Pater S t e i n m a y r den
'
••Justizmethoden" des Nationalsozialismus beiden Soldaten durch zwei Monate hindurch Religionsunterricht. Da
geschah das Unerwartete. Etwa Mitte Oktober erschienen dieselben
Einige Beispiele über die „Justizmethoden" des Nationalsozialismus, beiden Soldaten, dieses Mal aber a ls Gestapobeamte in Zivil, bei ihm und
wie sie verschiedene Männer aus der lnnsbrucker Widerstandsbewegung verhafteten ihn, wegen defaitislischer Äußerungen, die er angeblich w äh-
nur allzu furchtbar am eigenen Leib zu verspüren bekamen, mögen mehr rend des Religionsunterrichtes gemacht haben sollte. Und nun wurde ihm
als alle anderen Worte die Schwere der Schuld dartun, die ein „NS.-Prozeß" gemacht und die längst vorher festgelegte Hinrichtung
die Hitlerbarbarei durch die Ermordung und brutale vollzogen. Ein teuflisches Werk nationalsozialistischer „Volksjustiz".
Mißhandlung Tausender von Ö ste rreichern auf sich
g e I a d e n h a t.
Vor uns liegt ein schlichter und doch so inhaltsschwerer Brief des ,,Jetzt ist das Schwein hin"
Innsbrucker Geistlichen Pater J ohann Stein m a y r , den er am 18. Sep· Welcher Art aber war die Behandlung der in die Klauen der Gestapo
tember 1944 vom Zuchthaus Brandenburg (Havel) an einen Freund ge- geratenen Menschen? Darüber lassen wir wohl am besten den jetzigen
schrieben hat. Er lautet: .,Lieber Michaeli Gnadengesuch abgelehnt, heute Regierungspolizeiinspektor Sa 1 c h n er aus der Gruppe „Wehrmeldeamt"
13 Uhr Flug in den Himmel. Innigen Dank für.alles und innigste Grüße an selbst sprechen: ,.Am 21. April um 6 Uhr früh wurde ich in meiner Woh-
alle. Ich sterbe gern. Ich schreibe jetzt nur an Dich, bitte meinen Bruder nung von zwei Gestapobeamten verhaftet und in das Gestapogebäude in
verständigen. L. möge Meldung an meine Wiener Bekannten tun. Und nun der Herrengasse gebracht. Dort machte der eine SS.-Mann eine Türe auf
Gott befohlen und viel Glück. Ich bin Euch ganz nahe und bete viel für und ich wurde von dem andern in einen Raum hineingestoßen. Die Tür
Euch. Für Selsissimus, für alle ewig Dein Johann Steinmayr." war noch nicht zu, da schlug mir wieder der erste SS,-Mann mit der
Welches „todeswürdige Verbrechen" hatte nun Pater Steinmayr eigent- Faust mindestens zehnmal ins Gesicht. Die linke Gesichtshälfte war
lich begangen? schließlich wie tot. Aus den Augen rann das Wasser, und ich sah fast
nichts mehr. Vor dem Schreibtisch saß ein Gestapomann mit einem Ochsen-
ziemer, den er fortwährend gegen seine Stiefel hieb. Als er meiner an•
Gesta po auf Opferfan g sichtig wurde, ging er mit grinsendem Gesicht auf mich zu und schlug
Etwa im Jahre 1941 wurde er von der Diözese beauftragt, auf dem mir, ohne ein Wort zu sagen, mit dem Ochsenziemer mehrmals über den
Lande Volksmissionen abzuhalten, die, im G~gensa tz zu den Parteiver· Kopf, so daß das Blut über das Gesicht rann. Ich mußte mich dann auf
sammlungen, großen Anklang bei der ländlichen Bevölkerung fanden. Daß einen dafür schon bereitgestellten Tisch legen, worauf alle im Zimmer
dieser Umstand verschiedenen Parteiführern ein Dorn im Auge war, Yer- anwesenden Gestapobeamten auf mich einschlugen. Wie lange sie mich
steht sieb bei ihrer brutalen Unduldsamkeit von selbst. Pater Stein· so folterten, kam mir gar nicht mehr zum Bewußtsein. Ich weiß nur, daß
m a y r war nun zwar ein aufrechter Österreicher. Im Grunde seines Her- sie mich bei den Ohren vom Tisch herunterrissen und dann mit Fußtritten
zens aber ein gänzlich unpolitisch, ja fast weltfern veranlagter Mensch. bearbeiteten. Schließlich mußte ich mich in eine Ecke stellen. Dort stand
Bezeichnend dafür ist zum Beispiel, daß er im Kreise seiner Freunde fast ich den ganzen Tag ohne Wasser und Essen. Abends wurde ich in eine
immer mit einem RiesenEernrohr erschien, um ihnen interessante Stern- Zelle geführt. Nun ging der „Betrieb" im Hause von neuem los. Ich hörte
bilder im Himmelsraum zu zeigen. Da nun auf Grund diese,r seiner Ein- durch die Zellentüre ·das Aufschlagen der Peitschen und das Wimmern der
stellung seine Kanzelreden der Gestapo noch zu wenig Handhabe boten, Gefangenen. Nach einer qualvollen Nacht und einem weiteren Tag wurde
um ihn kaltzustellen, wurde zu einem geradezu teuflischen P lan ge- ich in der zweiten Nacht vorgeführt und „vernommen". Während der
griffen. Im Sommer des Jahres 1943 erschienen eines Tages in seiner ,.Vernehmung", die bis 5 Uhr früh dauerte, hörte ich anfänglich Peitschen-
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schläge und das Wimmern eines Gefangenen. Um 12 Uhr nachts hörte das der Alliierten infolge des Zusammenbruchs der deutschen Wehrmacht in
Geräusch auf. Kurz darauf kam ein SS.-Mann herein und erklärte: ,Jetzt der darauffolgenden Woche im Bereiche des Möglichen lag, waren sofortige
ist der Moser, dieses Schwein hin.' Robert Mo ser, ein Mitglied der Entschlüsse ein Gebot der Stunde. Die Widerstandsbewegung aber war
Widerstandsbewegung, wurde von der Gestapo in Innsbruck zu Tode damit :zugleich vor eine neue Aufga be gestellt, nämlich den Einmarsch
geprügelt. Meine Vernehmungen mit der Peitsche, bel denen auch so- der alliierten Truppen ohne g r ö ß e r es BI u t ver gießen und
genannte Stenotypistinnen der Gestapo zugegen waren, dauerten noch o h n e w e i t e r e Z e r s t ö r u n g e n z u g e w ä h r I e i s t e n. Bei einer
eine weitere Nacht, wobei mir immer wieder ver sichert wurde, daß ich Zusammenkunft des militärischen Stabes, an der mit Dr. Grube r Major
erschossen würde." S c h n e e berge r, Major Heine , Oberleutnant H u b er und Ober-
gefreiter Gör z teilnahmen, wurden in großen Zügen die m i I i t ä -
r i s c h e n A k t i o n e n festgelegt. Major Schneeberger sollte als Kampf-
Flucht über die Dächer d er Altstadt kommandant den ungehinderten Durchzug der alliierten Truppen durch
Soweil der Bericht von Regierungspolizeiinspektor Salchner, dem es die Seefelder Sperre bewerkstelligen. In Innsbruck sollten die Wehr-
dann auf dem Wege in das Konzentrationslager Reichenau gelang, auf machtsdienststellen sowie die wichtigsten Ämter durch Stoßtrupps besetzt
abenteuerliche Weise, zum Teil über die Dächer der Altstadt hinweg, dem werden. Weiterhin hatten Offiziere aus den Reihen der Widerstands-
sicheren Tod zu entgehen. Seine Folterung aber war, wie bei so vielen bewegung die Aufgabe, die lnnsbrucker Kasern~n nach einem festgelegten
anderen beherzten Nazigegnern vor ihm, nur das i n f e r n a 1 i s c h e Plane im Handstreich zu nehmen. Im Falle eines SS.-Einsatzes sollte Inns-
Vorspiel z u de r furchtbar s ten Tragödie alle r Zeiten : bruck durch Major Schneeberger von außen geöffnet werden. Es war bei
dem Kon ze ntrationsla ger im „Dritten Reich". dieser Besprechung allerdings nicht immer leicht, die politischen Not-
Die Verhaftungswelle hatte zwar die österreichische Widerstands- wendigkeiten mit den militärischen Möglichkeiten in Einklang zu bringen.
bewegung in Innsbruck empfindlich geschwächt. Außerdem störte die Ge- Bereitete es ja doch große Sorge, daß mit den wegen des raschen Vor -
stapo ihre Arbeit nunmehr derart, daß Dr. Gruber den Plan faßte, das marsches der Alliierten an die Grenze abrückenden Truppen auch die
Obel mit der Wurzel auszureißen und noch vor den geplanten großen Ma sse der in den Reiben der Widerstandsbewegung stehenden Soldaten
Aktionen die G e s t a p o z e n t r a l e i n d e r H e r r e n g a s s e u n - von der Stadt a bgezogen w ürde. Außerdem wurden durch die vorrückenden
s c h ä d I i c h zu m a c h e n. Zu diesem Zweck wurde Unteroffizier Hans amerikanischen Truppen starke SS.-Verbände nach Tirol hereingedrückt.
Z e l g e r mil einer Sonderaktion beauftragt. Eine Gruppe von fünf Mann Für die zivilen Widerstandsgruppen fehlten überdies Waffen, da infolge
sollte von den Fenstern des bischöflichen Palais aus mit vier Panzerfäusten der sich überstürzenden militärischen Ereignisse die geplanten Waffen-
die gegenüberliegende Gestapozentrale ausräuchern. Da jedoch in dem abwürfe der Alliierten unterblieben.
Gebäude über 30 politische Gefangene saßen, die bei dem geplanten An-
schlag ums Leben gekommen wären, mußte von der bereits in allen Einzel-
heiten vorbereiteten Aktion Abstand genommen w erden.
„Torschlußpanik" in Innsbruck
Während von Dr. Gruber und seinen Mitarbeitern zwar in Eile, jedoch
mit vollkommener Ruhe und Sicherheit die letzten Vorbereitungen zur
Vorbereitung der militärischen Aktionen Brechung des Naziterrors und zum reibungslosen unblutigen Einmarsch
Trotzdem gelang es mit vereinten Kräften, die umfassenden Vorberei- der Alliierten getroffen wurden, herrschte in der Stadt selbst eine un-
tungen zu einem günstigen Abschluß zu bringen. Noch am Tage der beschreibliche Stimmung, die man wohl am besten mit dem Wort „Tor -
Fühlungnahme Dr. G r u b er s mit der Gruppe O 5, die vor allem dank schluß p an i k" bezeichnen kann. Amerikanische Truppen stehen an
der unermüdlichen Arbeit Herbert H e u b e r g er s zum Ausgangspunkt der Nordgr enze Tirols. Französische Streitkräfte kämpfen sieb an Vor -
einer überaus r aschen Verbindung aller Kräfte in den beiden Lagern wurde, arlber g her an. In Berlin hat angeblich Hitler die Befehlsgewalt in einem
konnte ein militärischer Stab zusammengestellt werden. Da der Einmarsch aussichtslosen Abwehrkampf gegen einen fast ko nzentr ischen Angriff dei:-
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Wären die letzten Pläne der Nazi, in Erfüllung gegangen, so sähe heule die ganze Wenn Innsbruck noch im letzten Augenblick die gänzliche Zerstörung erspart
Stadt Innsbruck so aus blieb und die Stadt trotz schwerer Wunden ihr „Gesicht" erhalten konnte, so
ist das einzig und allein ein Verdienst der Widerstandsbewegung
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Nach einer Spezialsorte dieser Firma wurde auch das in der Widers tand _
russischen Armeen übernommen. Die von Dr. Goebbels so ofl verheißene
bew.egung später ber ühmt gewordene Losungswort „Pale r m O " für d:n
Wunderw affe is t ausgeblieben. St att dessen heulen die Sir enen, gefolgt
Akhons~~II gewä~lt. War_schon im Cafe „München" ein reger „Parteien-
von stundenlangen Bombenangriffen in Stadl und Land. Die Führer de r
ver~ehr , so steiger te sich dieser im neuen Hauptquar tier infolge der
Par tei flüchten aus allen Gegenden Deutschlands in mächtigen Sechs-
unmittelbar _bevorstehenden Aktionen zu einem ständigen Kommen und
zylindern, mit reichen Schätzen beladen, in die „Alpen[estung des Rei-
Gehen ~er _emz~lnen ~it_ar beiter und Kuriere t~gsüber und bis spät in die
ches". An ihre Spitze hatten sich zu Hunderten SS.- und Gestapomänner ge-
Nacht hmem. Die Ere1grusse begannen nun ihr em Höhepunkt zuzustreben.
setzt. ,,Mir san hall Landsleut, linzerische Buam" ertönt das Pausezeichen
des einzigen noch in Hörweite befindlichen Senders, dessen Abhören nach
den diktatorischen Erlässen des Propagandaministeriums, zur Zeit mit
den anderen Regierungsstellen unbekannten Aufenthaltes, noch ohne Ko n-
zentrationslager erlaubt ist. Da geht selbst vielen blindwütigen Partei-
bonzen ein Licht auf über den Stand der Dinge und - sie verbrennen ihre
Akten und verschwinden mit ihren Vorräten in möglichst entlegene Berg-
täler. Viele Büros, deren Unentbehrlichkeit bisher durch zahlreiche „Par-
tei-uk.-Stellungen" immer wieder [ür alle sichtbar nachgewiesen wurde,
sind seit Mitte April wie ausgestorben. Die Bonzenflucht hat eingesetzt.
Zahlreiche Gerüchte schwirren durch die Stadt. Manche davon sind sogar
wahr. So zum Beispiel, daß es plötzlich keine Fahrkarten nach Bregenz
mehr gibt. Warum? Sollen die französischen Streitkräfte schon in Vor arl-
berg sein? Neue Gerüchte machen den allen Platz. Die Gestapo ist schon
über alle Berge, wird bereits am 28. April verbreitet. Nein, die Gestapo
hat sich in zwei Parteien tespalten, verlautet eine andere Stelle. Zu einem
verdienten Mann der Widerstandsbewegung kommt am gleichen Tag ein
Parteianhänger mit der prägnanten Bitte: ,,Tuats mir nixl" Ja, man höre
und staune, selbst manche Preußen, die bisher ihre gastliche Aufnahme
tj in d iesem lande nur mit schnoddrigem Besserwissen und Ellenbogenpolitik
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l quittierten, sind in diesen Tagen kleinlauter geworden. Das gesunde Volks-
empfinden gegenüber diesen „forschen Kolonisatoren Österreichs" triHt
ganz ausgezeichnet die Anrede eines Innsbruckers an einen Einwanderer Schillerhol wur.de . das Gest~polager ~usgchoben und dadurch wertvolles
nördlich der Donau: ,,Ich habe dir schon vor einem Jahr gesagt, wasch Ak tenmatenal m den Besitz der W1derslaJ1dsbewegung gebracht
dir keine Knie mehr, zieh dir eine kurze Hose an und lerne jodeln!"
Auftakt zu den Großa ktionen
Am 26. April wurde Dr. Junger beauftragl, einen polizeilichen
Los ungswort „Pa le rmo"
B~obachtungsdienst einzurichten. Etwa um die gleiche Zeit war es mit
Mil einem Wort, die Stadl gleicht einem aufgestöberten Ameisenhaufen, Hilfe von öslerreichischcn Polizeibeamten möglich, eine Lrsle der zu ver-
während sich die militärischen und politischen Ereignisse immer mehr
haftend~n Naziverbrecher aufzustellen. Jörg Sacke n h e i m hob am
und mehr zuspitzen. Dr. Gruber hat inzwischen, als im Cafe „München" 30. Ap~1l das Ges~apolager und Archiv Schillerhof aus, wodur ch werlvolle
die Luft zu dick wurde, sein Büro in einen Raum der Mineralwasser- und Akten in den Besitz der Widerstandsbewegung kamen. Fritz W ü r t h l e,
Spirituosenhandlung H r u s c h k a in der Andreas-Hofer-Straße verlegt.
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Tip o t s c h, Tausc h , Dr. Sc h u c h t er und Schmid t hallen schon 1,
leulnanl Fred M a y r, den er von der Innsbrucker Gestapo nach seiner
früher in der Wohnung Gestapoakten photographierl und auf diese Weise Gefangennahme zuerst grausam mißhandeln ließ, die Freiheit in Aussicht
ihrer Widerstandsgruppe wichtige Fingerzeige verschafft. Durch Fühlung- gestellt, falls er seine (nämlich Hofers) und ~einer F reunde Freiheit durch
nahme mit Gestapobeamten gelang es Oskar G ö r z ebenfalls am 30. April, die amerikanischen Streitkräfte garantiere. Als sich dann die militärischen
Dr. G r u b er eine Liste der KZ.-Häftlinge im Lager Reichenau zu über- Ereignisse im Laufe der Zeit immer mehr zuspitzten, begannen Hofer und
geben, deren Enthaltung später sogar erwirkt werden konnte. Am gleichen seine Parteifreunde gegenüber Fred Mayr geradezu einen kameradschaft-
Tage bot der Bürgermeistl!r von Hall dem Leiter der Widerstandsgruppe,
1 lichen Ton anzuschlagen, der zweifellos nur von der Absicht geleitet war,
H a 11 e r, die Übergabe der Stadt an. Alles unverkennbare Zeichen dafür, für sich nach dem Einmarsch der Alliierten eine möglichst günstige Posi-
daß die Lage im Innern allmählich ihren höchsten Reifegrad erreicht hatte. tion zu erwirken. Bezeichnend für die verräterische Haltung der Naziführer
Mit fieberhafter Spannung warteten die Mitglieder d':_r Widerstandsbewe- um Hofer, die bekanntlich von der Bevölkerung bis zur letzten Stunde
gung in Innsbruck auf das Zeichen zum Beginn der großen Aktionen. äußersten Widerstand gegenüber den alliierten Streilkrälten forderten, ist
'I unter anderem auch der nachfolgende Fall. Ein bekannter Naziführer
Tirols, B., war nämlich bereits im Februar Fred Mayr beim Transport
Hofers „Hausmachtpolitik" in der Schweiz eines Sendegerätes durch verschiedene SS.-Sperren behilflich, um da -
Noch war es jedoch nicht so weit, die alliierten Truppen lagen am d u r c h p e r s ö n I i c h e V o r t e i I e v o n d e n A 11 i i e r t e n „h e r -
i
30. April nicht, wie ursprünglich bekannt wurde, in See f e I d, sondern a u s z u s c h i n d e n".
bei S c h a r n i t z. Indessen ließ sich in den frühen Abendstunden dieses
Tages Gauleiter Ho. f er in einer Rundfunkansprache vernehmen. Darin ,.Tirol w ird sich noch ein Jahr wehren können"
erklärte er u. a.: ,,Ein Fr iede in Ehre, Freiheit und Gerechtigkeit ist nur Hof er wollte im übrigen mit seiner „Alpenfestung" Tirol nichts anderes
möglich, wenn bis zu einem solchen Frieden die Waffen nicht aus der bezwecken, als sich und seine Genossen möglichst lange an der Macht
Hand gegeben werden. Wenn es gelingt, unsere Heimat in diesen ent- zu erhalten, wenn auch dar über Hunderttausende verbluten sollten. Doktor
scheidenden Tagen frei von fremden Truppen zu halten, dann kann ihr R u t s c h e r , der Verbindungsmann der Reichspost-Widerstandsgruppe
vielleicht ein schweres Schicksal erspart bleiben. Standschützen, HJ. und in Italien, konnte dazu im Februar 1945 nachfolgendes bemerkenswertes
Einheiten der deutchen, Wehrmacht stehen an den Grenzen des ,Landes Gespräch Dr. Gruber in Berlin zur Kenntnis bringen. Hofer erklärte näm-
im Gebirge', zum Schutze der Heimat." Welch dilettantische Vorstellungen lich damals trotz der skeptischen Haltung der Generale auf einer Tagung
angesichts der ungeheuren militärischen Macht der alliierten Streitkräfte, f in Bozen: ,,Tirol wird sich noch ein Jahr wehren können. Große Lebens-
die zu diesem Zeitpunkt schon nahezu ganz Deutschland und Teile Öster- mittellager sind ebenfalls hier vorhanden, und außerdem kann Tirol selbst
reichs besetzt hatten. W e Ich e Nieder t r ach l und w e Ich er Munition herstellen." Jetzt, nachdem die Kapitulation des deutschen Be-
W ahnsi n n, in einem aussichts l osen Kampf des pre u - fehlshabers in Italien, Generaloberst V i t t in g hoff, immer wahrschein-
ßischen Er oberungsgeistes noch das Blut der Kna- licher wurde, bemühte sich Hofer mit allen Mitteln, Tirol von der Befehls-
benundaltenMännerzufo r dernunddieZerstörungen gewalt der Südfront loszulösen und den Kampf auf eigene Faust zu führen.
d u r c h B o m b e n a u I d i e S p i t z e z u t r e i b e n. Der Aufruf Dank des beim Fernamt in Innsbruck durch unerschrockene österreichische
Hofers rückt aber in seiner ganzen Verlogenheit erst ins rechte Licht Postbeamte unter Leitung von Karl Hi r nschro tt eingerichteten Ab-
durch die T atsache, daß er selbst seil einiger Zeit wegen Weiterverbleihens hör- und Oberwachungsdienstes, war die Widerstandsbewegung über alle
im Amte, bzw. freien Geleites im Falle einer Niederlage mit aus 1 ä n - derartigen Bestrebungen wie überhaupt über viele wichtige Fragen des
d i s c h e n· Ver l r e t er n verhandelte. So hat er sich damit unter dem Gauhauses gut unterrichtet. So wurden u. a. auch verschiedene Gespräche
Vorwand von Kapitulationsverhandlungen durch einen Mittelsmann mit des Gauleiters Hofer mit Feldmarschall Kess e 1 ring, Generaloberst
dem Pressealtache der USA. - Ge s an d l s c h a f l in Bern in Ver- V i t t in g h o f (, General Bö h a im b, Gauleiter Dr. Sc h e e 1 und Gau-
bindung zu setzen versucht. Außerdem hat er dem amer ikanischen Ober- leiter Dr. Rainer abgehört und der Widerstan ds bewegung übermittelt.
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D,•r 8111111 IH'1!1u 111 nunmehr ins Rollen zu kommen. A m Kampfstand Z i r 1 und in Rangge n stationier ten deutschen Batterien sowie zu kür-
l>r C 111h1•111 In 11111,hruc k herrscht fieberhafter Betrieb. Militärische Be- zer en G efechten bei Unter 1e i t h e n und vor Z i r 1. Leutnant St e i -
•111 ,., 1111111!1•11 jnl!cn politische Konferenzen. Die Lage hat sich dahingehend n er gelang es dabei, noch vor den Kampfhandlungen bei Unterleithen
l'lllwu:kcll, d..iß man von der bisherigen Tarnung dazu übergeht, unter den die Zündschnüre für die zweite Sprengung der Zirlerbergstraße, die von
J\uJ,!cn der Polizei mit offenen Karten zu spielen. Herbert Heuberg e r der SS.-Brigade „Wallonien" gelegt w orden waren, zu entfernen. Ein
Hihrt am L Mai lrolz lie(tigen Schneegestöbers während des ganzen Tages nächtlicher Übergang zu den amerikanischen Stellungen ist Leutnant
von Gruppenführer zu Gruppenführer, um die Stärke der einzelnen Grup- Steiner allerdings weder bei Zirl noch bei Telfs infolge des heftigen
pen zur erkunden. Dabei gab es infolge der zahlreichen Verhaftungen der Schneegestöbers geglückt. Dagegen konnte er dann im Laufe des fol-
letzten Zeit und der vielen an die Grenze abgezogenen heimattreuen Sol- .genden Tages von Zirl aus zahlreiche Soldaten, die von der Frorrtstellung
daten noch die eine oder andere Enttäuschung. Manche Sorge über das zurückgeflutet waren, nach Innsbruck zurücksenden und damit aus dem
mögliche zahlenmäßige Mißverhältnis bei dieser oder jener Aktion wird Kampfraum abziehen,
deshalb auch Jaul. Dr. Gruber versteht es jedoch, in 1llen Fällen beruhigend
einzuwirken, die Bedenken zu zerstreuen und einer äußersten Ent- Widerstandsbewegun~ besetzt lnnsbrucker \
schlossenheit bis zum letzten Mann Platz zu machen. Im Laufe des
Abends wird die Nachricht vom Tode Hitlers bekannt. Ein Aufatmen geht
Kasernen
durch den Großteil der Bevölkerung, denn für ihn ist diese Mitteilung In Innsbruck selbst begannen die militärischen A ktionen der
gleicj-ibedeutend mit dem Kriegsende. Das natürliche Volksempfinden hat Widerst andsbewegung mit der Besetzung der Kasernen am 2. Mai.
damit zugleich seinen Richterspruch über den grpßten Kriegsverbrecher Hiedurch kamen die gesamten großen Waffen- und Munitions-
gesprochen. bestände in die Hand der Widerstandsbewegung und wurden
Der 2. Mai bricht an und damit die Erfüllung für alle die dadurch für einen weiteren Einsatz gegen die amerikanischen
vielen Vorbereitungen und Pläne, aber auch für die ungezählten Truppen ausgeschaltet.
Opfer, die die Osterreichiscbe Widerstandsbewegung in Tirol seit Als erste der Kasernen wurde am Mittag des 2. Mai die Konradkaserne
sieben Jahr en gebracht bat. Die Krönung aber all dieser Aktionen von Oberleutnant Huber besetzt und hier der Gefechtsstand der militä-
sollte die Erhaltung der Landeshauptstadt sein, die sonst un- rischen Führung der Widerstandsbewegung „Oberst Natters" errichtet.
weigerlich in Schutt und Asche gelegt worden wäre. Dr. Grube r schlug sein Hauptquartier im dortigen Chefzimmer auf.
Am frühen Nachmittag hatten Unterarzt Dr. E c 'k 1 und Hauptmann T o -
de s chi n i, hauptsächlich unterstützt von einer Studentengruppe der
Briefe an das a m erikanische Hauptquartier Wehrmacht, die Klosterkaserne in kühnem Handstreich genommen. Dort
Mil der Aktion der Gruppe des Majors S c h n e e b e r g e r sollte der entwaffnete eine militärische und zivile Kampfgruppe unter Führung von
ganze Aufstand beginnen. Schneeberger wurde jedoch inzwischen infolge Hauptmann Tode s chi n i und Jörg Sacken heim einen Erschie-
einer· Indiskretion aqf Betreiben des Gauleiters als Kampfkommandant ßungsstab von SS.-Männern und SS.-Offizieren. Die Eugenkaserne konnte
enthoben. Trotzdem war es ihm aber möglich, den Vormarsch der Ameri- dank der gründlichen Vorbereitung von Major H eine fast ohne Wider-
kaner wesentlich zu erleichtern. Es gelang ihm nämlich, Seefeld von allen stand übernommen werden. In den Abendstunden. besetzte"n Hauptmann
Truppen zu entblößen. Dabei ergab sich für Schpeeberger Gelegenheit, T odes ch i n i und J örg Sacken h e i m im schnellen Zugriff die Inn-
über einen sich zu diesem Zwecke in amerikanische Gefangenschaft kaserne mit der dort untergebrachten Stadtkommandantur. Die Offizier e
begebenden Feldwebel die von Dr. Grube r au ·s geh ä n d i g t e n wurden unter Bewachung durch die ganze Stadt zur Klosterkaserne ge-
Briefe an das Hauptquartier der 7. am er i k an i s c h e n führt. Stabsrittmeister Wink 1er brachte das Gendarmeriekommando
Armee zu übermitteln. Bei dem weiteren Vorrücken der Amerikaner am Innrain in den Besitz der Widerstandsbewegung. Die Nazikomman-
kam es lediglich zu einem leichteren Ar tillerieduell mit den am Bahnhof deure der Kasernen konnten noch am gleichen Tage festgenommen werden.
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Leider waren die Kasernen nur mehr mit wenig Mannschaften belegt. Kurz vorher ist dem Hauptmann Th. schon ein anderes „Mißgeschick"
Dagegen konnten dort die Zivilmitglieder der Widerstandsbewegung un- passiert. Eine' Menge ziviler Mitglieder der Widerstandsgruppen betritt,
gehindert bewaffnet werden. Gegen Abend wurden alle militärischen schon von weitem das Losungswort „Palermo" r ufend, die Klosterkaserne.
Gru.ppen in der Klosterkaserne zusammengezogen. Oberleutnant Huber Der kleine Hauptmann Th. steht mit seinem Rucksack am Kasernen-
marschierte im Laufe des Nachmittags mit dem Rest der Besatzung aus eingang und ruft ganz verzweifelt: "Was wollen die -Zivilisten hier?" Es
der Konradkaserne in die Klosterkaserne, in die nunmehr auch der Ge- wird ihm mitgeteill, daß alles in Ordnung gehe - und schon waren die
fechtsstand der militärischen Führung verlegt wurde. Männer der Widerstandsbewegung unter dem Schutz heimattreuer .Sol-
Die Besetzung der Innsbrucker Kasernen war eine schwerwiegende daten im Innern der Kaserne.
Waffe in den Händen der Widerstandsbewegung. Wie leicht ist diese Nicht unerwähnt soll auch bleiben, wie Major Heine und Leutnant
Feststellung rückschauend getroffen. Und doch war diese Tat nicht nur Russin g er in der Eugenkaserne einen Wehrmachtskraftwagen ge- 11
ein kühnes Unternehmen beherzter österreichischer Offiziere und Sol- schnappt" habe~. Leutnant Russinger ging eines Tages zu Hauptmann .M.,
daten, sondern darüber hinaus das Kr,g e b n i s 1 an g er, zäher Vor - um ein Auto anzufordern, das für die Widerstandsbewegung benötigt
a r b e i t u n d u n g e z ä h 1t e r s c h n e i d i g e r E i n z e I a k t i o n e n. wurde. Diesar hat es jedoch verweigert: Daraufhin hat Major Heine zu-
Wurde von dem jahrelangen Kleinkampf der militärischen Kreise schon nächst einen richtigen Krach geschlagen und damit die 11 Atrnosphäre" zum
berichtet, so mögen nunmehr einige wenige Episoden, die sich in den Gelingen der folgenden Aktion geschaffen. H e i n e und R u s s i n g e r
letzten Tagen vor der Befreiung Tirols in den Kasernen zugetragen haben, haben hierauf dert Kasernenausgang besetzt. Währenddessen sind zwei
ein Schlaglicht auf das unerschrockene Eintreten des einzelnen Mannes andere Mitglieder der Widerstandsbewegung mit dem Auto „abgeflogen".
für die Widerstandsbewegung werfen. Dieser kleine Ausschnitt mag genügen, um ein Bild davon zu be-
kommen, wie viele „handfeste" Einzeltaten neben der zähen Vorarbeit
,,Herr Hauptmann, wir spielen kein Theater" den großen militärischen Aktionen während der er_sten Maitage voraus-
gegangen sind.
Der Kommandeur der Klosterkaserne, Hauptmann Th., klein von
Wuchs und mit dem 11 unvermeidlichen" Rucksack „bewaffnet", hat Wache-
verstärkung von der Eugenkaserne angefordert. Das konnten die Männer Eine schneidige Tat auf der Hungerburg
von der Wide~standsbewegung H u n d e g g e r, T o d e s c h i n i, Z e 1- Wphl das kühnste Unternehmen, das die militärische Gruppe der
g er und C z er m a k natürlich nicht geschehen lassen. Der Hauptmann Widerstandsbewegung in Innsbruck zur Befrefong Österreichs durchgeführt
mußte also ausgeschaltet werden. Aber wie? Nach kurzer Beratung stand hat, war die A u s h e b u n g d e r B e f e h 1s s t e 11 e d e s d e u t s c h e n
der Plan fes t. Hauptmann Th. wird in die Werkzeugkammer der Kaserne Verteidigungskommandanten von Tirol, G .eneral
gebeten. Dort erklärten ihm _die Männer kurz und bill1dig: ..Wir sind von Bö h a im b, auf d er H u n gerb ur g mit 20 Mann unter Führung von
der Widerstandsbewegung." Th. glaubt sich durch diese unvorhergesehene Major He i 'n e, Oberleutnant Huber und Leutnant Pr i d a. Am 2. Mai
Anrede im ersten Augenblick in diesen Kreis mit einbezogen und weist gegen 6 Uhr abends fuhr Oberleutnaµl Huber zunächst allein zur Erkun-
deshalb die Zumutung mit Entrüstung zurück. Darauf die Männer der dung zum Hotel „Mariabrunn" auf der Hungerburg, wo das Hauptquartier
Widerstandsbewegung: 11Herr Hauptmann, wir spielen kein Theater, Sie des Generals untergebracht war. Nachdem er dort festgestellt hatte, daß
sind nicht von der Widerstandsbewegung, aber w fr," Da ist es mit der das Offizierkorps mit dem General gerade beim Nachtessen saß, begab
Fassung von Hauptmann Th. zu Ende, und er lehnt sich leichenblaß an die er sich sofort in die Klosterkaserne zurück mit dem Entschluß, die günstige
Drehbank. Der Erfolg dieses kühnen Handstreiches war: Hauptmann Th. Gelegenheit zu nützen und die Befehlsstelle sofort auszuheben. Bereits um
konnte "sichergestellt", die aus der Eugenkaserne anrückende Verstär- 7.15 Uhr machten sich die genannten drei Offiziere und 20 Mann mit drei
kung mit dem Hinweis, daß ein falscher Befehl vorgelegen habe, in die P k~.-und einem Lkw. auf den Weg. Um 7.30 Uhr trafen sie auf der Hunger-
Konradkaserne geschickt werden. burg ein. Die Wagen hielten vor dem Hoteleingang. Die Aufgaben für die
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einzelnen Leute waren selbstverständlich vorher schon genau festgelegt
worden. Als erster wurde der Posten am Eingang entwaffnet und fest-
genommen, sodann das Haus umstellt, die Telephonzentrale neben dem
Eingang besetzt und die Leitung unterbrochen. Damit war bereits die
Nachrichtenverbindung zur kämpfenden Truppe abgeschnitten. Zugleich
wurden a lle außerhalb des Speisesaales befindlichen Leute entwaffnet.
Das war das Werk von nur w enigen Minuten. Beim Betreten des Speise•
saales wurden zunächst die Zivilisten aufgefordert, ruhig an ihren Plätzen
zu verbleiben, bis sie weitere Weisungen erhielten. Hierauf bekamen die
Offiziere den Befehl, die Waffen abzuliefern und sich auf ihre Zimmer zu
beteben, die inzwischen bereits mit Posten besetzt waren. Der General
selbst wurde aufgefordert, in einem Pkw. Platz zu nehmen. Während einige
Posten zur Bewachung des Hauses zurückblieben, wurde der Gener al in
die Gendarmeriekaserne gebracht, wo sich bereits der vom Polizeimajor
Ba h r verhaftete Gendarmeriegeneral AI b er t und der SA-Brigade-
führer GI ü c k befanden.
Eines der kühnsten Unternehme n im Kampf um die Befreiung Tirols war d'
Aushebung der Befe~_lss~elle des deutschen Verteidigungskommandaulen, Gen:~
ral Bohatmb, auf der Hungerburg bei Innsbruck
..
Lagebericht für amerikanische Parlamentäre
?Ieichzeitig damit wurden ein amerikanischer Parlam:nlär, nämlich
Maior W, es t, und sein Adjutant, die bei der Befehlsste lle Böhaimb nicht
mehr weitergekommen waren, in die Klosterkaserne gebracht und über
d_ie mi lit ä ri sc h e und politische Situation unter-
r Ich t et. E~ ~ur de ihnen dabei vor allem nahegelegt, den Vormarsch
z~ beschleumg~n, da Hofer nach einer soeben eingetroffenen Nachricht
die Zusammenziehung starker SS.-Verbände plane. Die beiden amerikani-
schen_ Offiziere'. die daraufhin einen baldigen Angriff zusagten, konnten
noch m der gleichen Nacht zu ihren Linien zurückgebracht werden.
N~ben den mi~itärischen Aktionen strebte auch die gesamte übrige
Enlw1ckl~ng an diesem Tage einem dramatischen Höhepunkt entgegen.
In den Mittagsstunden des 2. Mai wurde im Sender Innsbruck eine weitere
Ansprache von Gauleiter Hofe r ang~kündigt, die jedoch tatsächlich erst
Durch e ntschlossene Aktionen der Widerstandsbewegung wurde der Anmarsch Stunden nach der ursprünglich vorgesehenen Zeit gehalten wurde. Wa$
der amerikanischen Streitkrälte von Seefeld nach Zirl wesentlich erleichtert mochte der Grund dafür sein?
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Übergabeforderung an Hofer krallen, Standschützen, HJ., deutsche Wehrmacht! Auch · ' d ·
h • · 1n 1esen
e_~tsc e1denden Stunden wollen w ir tapferst h
Entsprechend dem Grundsatz der österreichischen Widerstandsbewe- f ur H . "D e en
. U n S e r e e l m a t. a S W a r a m N a C h m i t t a g, A tn V O r -
gung, v o r u n d b e i m E i n m a r s c h d e r a m e r i k a n i s c h e n
mttta~ desselben Tages äußerte sich' der gleiche
Streitkräfte ein weiteres Blutvergießen möglichst
Gau 1e 1 t er H ofe r in einem Te Je p h O n n es prä c h m 1• t G
zu vermeiden, wurde versucht, den Gau 1 e i t er zur übergab e leit R . 15 au-
er . a 1 n er, das vom Überwachungsdienst beim Fernamt abgehört
derVerwaltungsgeschäfte an dieWiderstandsbewe-
wurde, wie folgt: "I c h b e h e r r s c h e d i e L a g e n i c h t m e h „
g u n g zu ver an I a s s e n. Zu diesem Zwecke nahmen zunächst Doktor - ~
Pr a x m a r er und Fritz W ü r t h I e Fühlung,...mit Oberregierungsral Währ~nd er ~lso nach außen vom Volk das letzte Blutopfer
Or. von H r ade t z k y. Dieser. wiederum setzte sich mit Dr. Sc h u l er, ~erlangt, 1st er sich selbst im Innern über dessen Zwecklosigkeit
einem leitenden Beamten des Gauhauses, der sich der Widerstandsbewe- 1?1 klaren. A nstatt 'a ber aus einer Erkenntnis alle, aber auch wirk-
gung zur Verfüg~ng gestellt hatte, in Verbindung. Es fand hierauf eine lich alle Folgerungen zum Schutze der Bevölkerung zu ziehen
gemeinsaine J3esprechung in der Wohnung von Ing. von H r ade t z k y sucht er in ei~er beispiellosen Selbstsucht, ungeachtet der schwe~
statt, bei der das Vorgehen bei der Amtsenthebung Hofers festgelegt und ren ?pfer, seine „Machtperiode" wenigstens noch kurzfristig zn
die Vert~etimg der Widerstandsbewegung bei der Übergabe Q.er Dienst- verl~ngem.
geschäfte namhaft gemacht wurde. Dr. Schuler, nunmehr von der For-
derung der Widerstandsbewegung in Kenntnis gesetzt, kehrte daraufhin
ins Landhaus zurück. Gauleiter Hofer lehnte ihm geg·e nüber zunächst Weil er das Hoheitsabzeichen entfernt h~tte •. .
schroff ab, erklärte sich aber dann doch bereit, mit den namhaft gemachten Daß sich im übrigen zahlreiche Naziel~mente in ihrer sturen Einstel-
Vertretern der Widerstandsbewegung unter Zusicherung freien Geleites . Jung auch ~ann noch nicht mäßigen konnten, als die Befreiung Österreichs
zu verhandeln. Die Vertreter der Wicj.erstandsbewegung bestanden jedoch nu_r mehr eme Frage ~on Stunden war, mögen zwei Beispiele aus Landeck
auf der Übergabe und lehnten daher jegliche Verhandlung mit Hofer ab. zeigen. Dort mußte sich am 4. Mai, wohlgemerkt am 4. Mai um 1 Uh
Das also' war der wahre Grund, warum die Hörer des lnnsbrucker nachts Wenzel Ti c h y bei der Ortskommandantur melden. E~ wurde ih~
Senders am Nfchmittag des 2, Mai so lange auf die wiederholt angekündigte unter anderem zur .Last gelegt, d a ß e r d a s H O h e 1· t sa b ze1c· h en
.
Rede Hofers warten mußten. v O n s e 1 n ~ m D 1 e n s t r o c k e n t f e r n t h a b e. Seine darauffol-
gende Inhaftierung sollte allerdings nicht mehr von langer Dauer · A
Die Doppelzüngigkeit des Gauleiters 5 M · b g b · h . D sem. m
· ai e a s1c eme eputation österreichischer Bürger von Landeck
Obwohl nun die militärische Situation auch im engeren Bereiche völlig zum Stabe der 19. Armee in den Fließer Pfarrhof, um die kampflose
unhaltbar geworden war ...:_ inzwischen wurde auch die bedingungslose überga~e der Stad~ zu erwirken. Der kommandierende General wollte
Kapitulation der 19. Armee im Süden verlautbart - und der weitaus davon ~berhaupt mchts hören und verweigerte deshalb auch den Emp:
größte Teil der Bevölkerung den friedlichen Einmarsch der amerikanischen fa~g.. Em Oberst des Generalstabes beschimpfte sie hierauf als öster-
Streitkräfte sehnlichst erwartete, hatte Hofe r die Stirn, noch reichische Schufte und lehnte gleichfalls eine·Unterredung ab Nu ·g
St d d . . • r wem e
weiterhin zu bewaffnetem Widerstand aufzuwie- un en_ arauf smd die amerikanischen Streitkräfte in Landeck
g e 1 n. Er .erklärte nämlich iq seiner Rundfunk ansprach e u. a.: marschiert. ein-
„In diesen schicksalhaften Stunden erwarte ich, daß euer bisheriger Kampf Just zur _gleichen Zeit, als Hofer seine letzte „denkwürdige Rede" im
zum Schutze.des Landes in den nächsten entscheidenden Tagen von allen Rundfunk hielt, wurden am Hause von Ing H r a d e t k · d I
aufrechten und weh'i-bereiten Männern weiterhin unterstützt wird. Es ist b k Al · z y m er nns-
ruc er t~tadt ~nter dem Beifall der Passanten die ersten rotweißroten
alles vorgesorgt, um den Gegner von Heute von dem Kern unseres ,Landes Fahnen gehißt. Wiederholte Versuche einer Gruppe von Nationalsozial'-
im Gebirge' aufzuhalten ... Um so zäher wollen wir uns in unsere Berge sten unter Anführung eines deutschen Offiziers, die Entfernung d:r
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Fahnen mit Waffengewalt zu erzwingen, scheiterten schließlich an dem führen. lm Lager Rum wurde die ausmarschierende Truppe in ein heftiges
tätigen Widerstand der Österreicher. . Feuergefecht mit der anrückenden SS. verwickelt. {n Anbetracht der un-
I der Zwischenzeit strömte n immer neue Kräfte der W1derstands- geklärten Lage zogen sich die Widerstandskämpfer gegen Mühlau zurück,
b ewengung zu. Angehörige aller Berufe und Parteien, Arbeiter, Beamte, um in den Morgenstunden wieder in die Stadl einzurücken und sich an
d OHi ·
Bauern, Ärzte, Studenten und versprengte Soldaten standen_ eo . 1z1_eren den vorgesehenen Sammelpunkten neu zu formieren. Gegen 11 Uhr war
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und Mannschaften in der Klosterkaserne zur Seile. Da e~h1elt die Wider- diese Umgruppierung so weil beendet, daß zu r neuerlichen Besetzung der
standsbewegung in den späten Abendstunden des 2. Mai ~ur ch den Ab- Kasernen geschritten werden und die Großaktion gegen das Regierungs-
hördiensl beim Fernsprechamt die Mitteilung, daß <?aule1ter Hofer, der gebäude beginnen konnte.
durch den Ausfall der militärischen Befehlsstellen unsicher geworden _war,
SS ·t dem Auftrag alarmiert habe, die Lage in Innsbruck zu klaren. Haller Widerstandsgruppe entleert Be nzintanks der SS.
Al~ ~/eh die Meldungen häuften, daß starke SS.-Verbände. von allen
Im Laufe der Nacht hatten starke Verbände der SS. die Stadt durch-
S e1·teo ·m die Stadt einrückten' beschloß die Führung der• W1derstands-
·1 d'
bewegung, außerhalb der Stadt ein befestigtes Lager zu beziehen, we~ 1es streift. Soweit sie aus dem Lager Eichal kamen, war allerdings ihre Aus-
die einzige Voraussetzung war, einen entschlossenen Bewegungskneg zu fahrt sehr behindert gewesen, da die Ha 11 e r W i d e r s l a n d s g r u p p e
d i e B e n z i n t an k s d e r S S.- K r a f t w a g e n e n t 1e e r t h a l l e.
Gauleiter Hofcr, von Unruhe gepeinigt, rief noch in der Nacht vom 2. auf
3. Mai in der Gendarmeriekaserne a n und sagte, er hätte gehört, die
Kaserne sei von aufrührerischen österreichischen Elementen besetzt. Dar-
auf entgegnete ibm Major B a h r, der dort den Gendarmeriemajor
AI b er t und SA.-Brigadeführer GI ü c k gefangenhielt, In vollkommener
Ruhe, es sei alles in bester Ordnung.
Anteil ländlicher Widerstandsgruppen
Bevor nun die entscheidenden Ereignisse des 3. Mai, der mit dem
fünmarst:h der amerikanischen Truppen die Befreiung der Tiroler Landes-
hauptstadt von siebenjähriger nationalsozialistischer Gewaltherrschaft
brachte, gewürdigt werden, so 11 n och ein ku r zes Streif I ich t
auf einige länd li che Widerstandsgruppen geworfen
werden , die mit d en Aktionen in Innsbruck im Zu-
s am m e n h a n g s t e h e n. Es sei vorweggenommen, daß das Ergebnis
ihrer Arbeit die Richtigkeit der von Dr. Gruber trotz der schwierigen
Verkehrsverhältnisse stets erhobenen Forderung nach einer engen Tuch-
fühlung mit ihnen bestätigte. Die Gruppe ö t z l a 1 unter Sauer wein
und Haid hat das ihr gesteckte Ziel in mühevoller Kleinarbeit und in
zähem Kampf erreicht. Die in das Tal geschleusten starken SS.- und
Militärverbände konnten rechtzeitig entwaffnet werden. Die Sprengung
. (Neues Lendbaus In Innsbruck) nahm die Unterdr6ckungspolitik der Straßenbrücke zwischen Bahnhof ö l z t a 1 und Roppen wurde im
Voa h1er aus . f ih A g g
des e hemaligen Gauleiters Ho er rea us an letzten Augenblick durch das entschlossene Dazwischentreten einiger
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de r Befr e iun g Ö s t e rr e i c h s er öffne nd en v ord r ing -
Gendarmeriebeamt er verhindert. Damit aber war die Abschirmung der
li c h en Pr obl em e für d i e F ü hru n g d e r R egie ru ngs -
über 'den Arlberg vorrückenden amerikanischen Str eitkräfte gewährleistet.
ges ch äf te er ö rt e rt wur d en. Kurze Zeit darauf ist in einer ge-
In der näheren Umgebung von Innsbruck ist die Gruppe N a t t e r s dem
me'.nsamen Besprechung der• Zusammenschluß mit dem „Siebener-Aus-
bewaffneten Widerstand von RAD.-Führern mit Erfolg begegnet. T rotz
schuß" der G ruppe O 5 unter Führung von Universiiätsprofessor Re u t -
mehrmaliger Aufforderung, das Feuer einzustellen, setzten dort einige
Ni c o I u s s i, der bereits im a lliierten Haup tquartier Caserta anläßlich
RAD.-Führer , ungeachtet a~ch der gerade in der Schußrichtung vorüber-
der Übergabe des Luftlandeplanes akkreditiert wurde, zur Wirk lichkeit
fahrenden Stubaitalbahn, mit Maschinenpistolen ihre Angriffe auf die
geworden. Daraus aber bildete sich dann der E x e k u t i v a u s s c h u ß
Männer der · österreichischen Widerstandsbewegung fort. Bei_der Gegen-
d e r ö s t e r r e i c h i s c h e n W i d e r s t a n d s b e w e g u n g in Tir ol,
wehr der Widerstandsgruppe, die zum Abschluß des Gefechtes führte,
der sich aus folgenden P ersönlichkeiten zusammensetzt:
wurden zwei Arbeitsdienstführer erschossen. In I g 1 s und V i 11 konnten
auf Veranlassung von Mitgliedern der Widerstandsbewegung die Schlösser
Vorsitzender: Dr.-Ing. Gruber
der Flakgeschütze entfernt wer den. Die Mannschaften selbst zogen sich
Professor Dr. Gamper (Innsbruck)
ins Gebirge zurück. In jeder Weise vorbildliche Arbeit wur de auch im
W i p p t a I un ter Anführung von M u i g g und ~B au m g a r t n e r ge-
Oberstaatsanwalt Dr. Grünewald (Innsbruck)
leistet. Hunde g g er und K n i t t e 1 haben im Mittelgebirge und Stubai
Rechtsanwalt Dr. Höflinger (Innsbruck)
ebenfalls einen erfolgreichen Kleinkal],lpf geführt. Außerdem hat die Dipl.-Ing. Anton von Hradetzky (Innsbruck)
A xa m s er Widerstandsgruppe einige umliegende Wehrmachts- und Krankenkassenbeamter Hüttenberger (Innsbruck)
Standschützenverbände von weiteren Kampfhandlungen abgehalten und Hofrat Dr. Kundratitz (Innsbruck, Osttirol)
au f p.iese Weise nicht allein den freien, unb!utigen Durchzug der ameri- Univ.-Professor Dr. March (Innsbruck)
k anischen Streitkräfte gewährleistet, sondern auch große Zerstörungen Regierungsrat Dr. Melzer (Innsbruck)
verhütet. Dabei wurde häufig die fingierte Erklärung abgegeben, es wär en Landwirt Muigg (Steinach)
starke Verbände der Österreichischen Widerstandsbewegung aus dem Univ.-Professor Reut-Nicolussi (Innsbruck)
Mittelgebirge im Anmarsch. Ganz besonderen Anteil an dem Gelingen Buchdrucker Thurner (Innsbruck)
der Aktionen in Innsbruck hatte auch die bereits erwähnte Widerstands- Dr. Weißgatterer, Tierarzt (Imst)
gruppe H a 11 , in der Toni H a 11 e r ein en Kreis von zirka 250 Personen Schriftleiter Fritz Würthle (Innsbruck)
in vielen zähen Kämpfen gegen den Nationalsozialismus anführte. Vizeleutnant Zechner (Arzl).
Von dieser gefestigten politisch en Plattform sah die ö s t er -
Bildung des Exekutivausschusses r e i c h i s c h e W i d e r s t a n d s b e w e g u n g in der Tiroler Landes-
Während in den ersten Maitagen dem äußeren Anscheine nach aus- hauptstadt, getragen vom Vertrauen des weitaus größten Teiles '
schließlich die militärischen Aktionen das Bild der Widerstandsbewegung der Bevö:k erung, die nunmehr r ückhaltlos auf den Straßen und in den
b eherrschten, war jedoch auch auf politischem Gebiete unter der Lei - Lokalen ihre Abscheu gegenüber dem Naziterror zum Ausdruck brachte,
tun g Dr. Grube r s eine regsame Tätigk eit entfaltet worden, die auf dem Tag der Befreiung, dem 3. Mai 194 5, entgegen.
den engsten Zusammenschluß aller Kräfte innerhalb, der Widerstands-
gruppen für die Aufgaben nach der Befreiung abzielte. So versammelten
sich Ende April um Dr.G r ube r Professor Gamp er, Professor M. a r c h, Ultimatum an den Polize ipräs identen
Z e c h n e r , Ing. von H r a d e t z k y und W ü r t h 1 e (M u i g g und
Der T ag begann mit der erneuten Besetzung der K I o s t er -
W ei ß g at te r e r w ar en auswärt s) gewissermaßen zu einer erste n
k a s e r n e, die nunmehr wiederum zum Sammelp latz aller Aktivisten
„i n te rnen Reg ieru ngss i tzung", in der a 11 e s i ch n ac h
4
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wurde. Das Waffenlager des Generals Feuerstein in der Hofburg Hel, ob-
wohl zur gleichen Zeit SS.-Einheiten am nahe gelegenen Rennweg standen, ~ebrart ,hm·ede Sdabotag~ zu verhindern. Darauf fuhr en wir zum Landhclils zur-
erna e er Regierungsgeschäfte."
durch raschen Zugriff von Unteroffizier Steyrer mit nur einigen Mann
Begleitung in die Hände der Widerstandsbewegung. Dr. Grube r, der
nunmehrige Vorsitzende des neugebildeten österreichischen provisorischen Besetzung des Senders und erste Radioverlautbarung
Regierungsausschusses, begab sich mit log. von H r a de t z k y und Dok- Zur gleichen Stunde war noch der I n n s b r u c k S d .
tor Junger, um ein unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, zum Polizei- Ald · . er en er 1n
ran s,, wie verembart, von Polizeibeamten bes e t z t word D'
präsidenten und stellte ihm ein kurz f r i s t i g es U l t i m a tu m zur Tatsach~ war von ausschlaggebender Bedeutung für eine Reihe voe:Ak\~s~
0 b er g ab e d e r P o I i z e i s t r e i t k r ä f t e an den Ordnungsausschuß neo unmittelbar vor der Befreiun-1 Tirols vom Na „ h K 10
. d. 6 ZIJOc • a m es doc h
der österreichischen Widerstandsbewegung. Unter dem Eindruck der be- td n i e s e n 1e t z t e n e n t s c h e i d e n d e n S t u n d e n b e
waffneten Macht der österreichischen Widerstandsbewegung, die von ers dara f d ß W son-
u an, a ehrmacht und Ziv1'lb "Jk
Stunde zu Stunde stärker wurde, wurde das Ultimatum nach anfänglichen rung ··g1· h •. evo e-
Ziel ~o :;. st in ihrer Gesamtheit schlagartig dem
Ausflüchten a n g e n o m m e n. . e er tderstandsbewegung Ruhe u d O d
1m Land h • n r nung
Dr.Grube r erzählt darüber selbst: ,,In den Mittagsstunden begabeµ e zu er a 1ten und einen unblutigen E '
wir uns in die Polizeikaserne in der Sillgasse, um dem Polizeipräsidenten marsch der Alliierten zu gewährleisten d ' tb1n-
g e m a c h t w ü r d e n. , 1e n s ar
Dornau er und dem aus der Ge[angenscha[t der Widerstandsbewegung
entkommenen General der Gendarmerie AI b er t im Namen des Ord- mi~~a:s~:::;:~o;eba;d nMac~ fdelr Bedsetzung des Senders in den frühen Nach-
nungsausschusses der Widerstandsbewegung ein kurzfristiges Ullimatum s · ai O gen e erste Durchsage g g b T' .
Im Lande Tirol hat soebe . 0 d e e eo: ,. 1ro1erl
zu stellen. Für den Fall einer Ablehnung des Ultimatums und eventueller übernommen. Die Bevölk:;~:g r . ndungsfausfschduß die Regierungsgeschäfte ..
Gefangennahme durch die SS. waren die Nachfolge i!D Kommando der b wir au ge or ert, Ruhe und Ordnung
Widerstandsbewegung und der sofortige Anlauf einer Großaktion sorg- tr:;;~enAin t~r;er Zdeil tritt die bewaffnete Hilfspolizei in Aktion S~~
fältig abgestimmt worden. .. ie rm m en er Österreichischen Widerslandsbew .
Plunderer wird sofort mit den schärfsten Mitteln vor egung. ~egeo
Ich slellle dem Polizeipräsidenten sofort ein energisches Ultimatum, Anweisungen erfolgen in K·· All B gegangen. Nahere
urze. e eamten haben s 0 f t I'h D·
nämlich die gesamten in der Stadl befindlichen Polizei- und Gendarmerie- wieder anzutreten Tiroler! w· or ren 1enst
slreitkräfte dem Ordnungsausschuß zu unterstellen, andernfalls sofortige Disziplin und Ord~ung, schreitet; g~;::°-P1::rd:;::~i:Jfreigoissen, haltet
und rücksichtslose Angriffe au[ sämtliche Nazi der Stadt eröffnet würden.
Dornauer war unter dem Eindruck der militärischen Aktionen der letzten
beiden Tage bereit, das Ultimatum anzunehmen, verlangte aber, daß auch Vert!~{d~i~s1:i!~mpfhandlungen durch finqierte Rund-
General Albert der Unterstellung beitrete. Albert, der am Tag vorher
verha'tet worden war, dann aber flüchten konnte, versuchte zunächst Bald darauf erfolgte eine z w e i t e R u n d f O k Id
ziemlich au[gebrachl verschiedene Ausflüchte und Einwendungen. Als wir
ihm aber unsere Entschlossenheit kundtaten, die Obergabeverhandlungen
;t
l t t A h u me
~I e~ " ; t~r"gl ~chtungl An alle militärischen Dienststellen im Lande
dero Ob e~ a enshllstand zwischen dem alliierten Oberkommando und
u n g Sie
so[ort abzubrechen, änderte er sein Verhalten und erklärte sich bereit, m er ommando der deutschen Südarmee ist heute um 14 Uh .
sich dem Gendarmerieriltmeister Wink I er als Beauftragten der Wider- getreten. Da sich wegen technischer Schwierigkeiten die Bek ; m Kraft
standsbewegung zu unterstellen. Dr. Junge r übernahm hierauf die Waffenstillstandes verzögert hat, wird für de K f b ~nn gabe_ des
Polizeid irektion. Wir ordneten sofort an, daß eine Gruppe von uns aus- ~I, Reutte, Arlberg 17 Uhr als Zeitpunkt fe~ge:;;~/ ;cshn:'/n~be:\ni°~
gewählter Polizeibeamten sogleich den Sender zu bes e t z e n habe, um a m p f h a n d I u n g e n s o f o r' t e i n z u s t e 1 1 e n Alle K
mandanten haben sofort für ihr Befehlsbereich die n~lwendigeamApfkomd-
•• n nor -
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~
nuogen zu tr effen. Der Ordnungsausschuß der österreichischen Wider- Lager ungeschmäler t der Allgemeinheit erhalten bleiben. Josef M u i g g.
standsbewegunJ1," Landesbauernführer."
Diese f i n g i e r t e R u n d f u n k m e l d u n g erwies sich als ein Diese Radiomeldung ist ein wichtiges Dokument dafür, daß
w i chtiges Ins t rumen t zur B eendigung der militäri - die Osterreichische Wi~erstandsbewegung Tirols inmitten ihres
sche n Kamp f hand 1 u-n gen, verfehlte doch die Kunde vom Waffen• harten Kampfes um die Befreiung des Landes vom Nazijoch auch
stillstand der Südarmee keineswegs ihre Wirkung bei den Soldaten an den noch umfassende Vorbereitungen in allen Fragen, die sich aus der
einzelnen Kampfabschnitten. Der größte Teil von ihnen war ja der festen Ubernahme des staatlichen Verwaltungsapparates ergaben, ge-
Überzeugung, daß selbstverständlich Tirol wie bisher der Befehlsgewalt troffe n hatte. Selbstverständlich stand dabei die Ernährungs-
des Oberkommandos Süd angehöre. Diese Auffassung wurde noch durch wirtschaft, die infolge der nationalsozialistischen Kriegspolitik
die Formulierung der Radiodurchsage, derzufolge die Kampfabschnitte ihrem völligen Zusammenbruch entgegensah, im Vordergrund.
Oberinntal, Reutte und Ar lberg eigens angesprochen wurden, besonders W enn in den dar auffolgenden Wochen der Bevölkerung über-
verstärkt. I n d e r T a t w a r j e d o c h T i r o 1 z u d i e s e m Z e i t • ha upt, und sei es a uch nur in bescheidenem Umfang, Lebensmittel
p u n k t b e r e i t s a u-s d e r B e f e h 1s g e w a 1 t d e s O b e r k o m - zugete ilt werden konnt en, 10 ist das mit in erster Linie der vor•
mandos Süd l os gelöst und dem Oberkommando Süd - ausschauende·n Wirtschaftspolitik der Widerstandsbewegung zu
west, für das der Waffenstillstand erst einige Tag e danken.
s p ä t e r i n K r a f t t r a t , z u g e t e i I t w o r d e n.
Tatsache war jedenfalls, daß der größte Teil der Soldaten nun-
mehr auch den Abschluß des W aHenstillstandes im Kampfbereich Kampfstände werden ausgeschaltet
von Tirol als feststehend betrachtete. Dadurch aber sind zweifel-
Eine weitere Meldung, die in kurzem Abstand folgte, regelte die mili-
los weitere Kampfhandlungen, die wiederum Blutvergießen und
tärischen Dienstverhältnisse. Sie lautete: ,, 1. Die Führung der vorläufigen
Zerstörungen im Gefolge gehabt hätten, vermieden worden.
österreichischen Armee hat die völlige Befehlsgewalt über alle bisherigen
Dienststellen, Truppen und Einrichtungen der deutschen Wehrmacht im
Vora u sschauende Wirtschaftspolitik Tiroler Landesgebiet übernommen. 2. Alle Dienststellen und Einrichtungen
Eine dritte, kurz darauf durchgegebene Radiomeldung befaßte sich mit der deutschen Wehrmacht sind durch ihre Führer weiterzuführen oder
den gerade zu diesem Zeitpunkt sehr vordringlichen E r nähr u n g s - durch Soldaten österreichischer Staatsbürgerschaft, gleichgültig welchen
fragen. Sie hatte nachfolgenden Wortlaut: .,Die Widerstandsbewegung Ranges, zu übernehmen und weiterzuführen. , 3. Alle Offiziere und
fordert au!, daß alle Ernährungsbetriebe die Bestimmungen über die Soldaten österreichischer Staatsbürgerschaft haben sich sofort bei den
Bewirtschaftung nach wje vor genauestens einzuhalten haben. Insbeson- militärischen Dienststellen der provisorischen österreichischen Armee in
dere sind die Erzeuger- und Verteilerbetriebe verhalten, Abgaben von der lnnkaserne zu melden. 4. Alle Soldaten deutscher Staatsbürgerschaft
landwirtschaftlichen und sonstigen bewirtschafteten Erzeugnissen nur ge- haben sich sofort in der Eugenkaserne einzufinden und dort weitere
Befehle zu erwarten. Mit ·allen bisherigen Standorten ist gleich zu ver-
mäß den bisherigen gesetzlichen Bestimmungen vorzunehmen und wie
bisher die .Meldungen an die Wirtschaftsverbände p9"nktlichst abzugeben. fahren. 5. Alle Offiziere und Soldaten der Wehrmacht, SS., RAD.-An-
Im besonderen wird darauf verwiesen, daß örtliche Zuteilungen ausnahms- gehörige sind, soweit sie nicht durch das Abzeichen der Widerstands-
los verboten sind. Wer diese Bestimmungen übertr itt, wird strengstens bew egung gekennzeichnet sind, zu entwaffnen, und die Waffen sind zu sam-
bestraft. Die auf dem Lande befindlichen Ausweichlager, selbst wenn sie meln. 6. A 11 e B e f e h 1 e d e r b i s h e r i g e n d e u t s c h e n W e h r -
nicht lebensnotwendige Gebrauchsartil,rnl beinhalten, dürfen keinesfalls mac h t, der Partei, S S. und a nderer Diensts t e 11 e n sind
angegriffen werden, sondern müssen ungesäumt nach Art und Umfang u n gü ltig. Wer weitere Befehle deutscher Dienststellen oder der Partei
angemeldet werden. Die Bürgermeister werden haftbar gemacht, daß diese entgegennimmt, wird mit dem Tode bestraft. 7. Die Zivilbevölkerung
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wird aufgerufen, Ruhe und Or dnung zu halten und die Maßnahmen der
Dienststellen und Truppen der Osterreichischen Widerstandsbewegung zu
unterstützen. 8. Den Anwe i sun g en d er Führ er de r a 11 i i er -
' t e n T rupp e n ist u n be d i n g t F o) g e z u l eisten. 9. Endgültige
Weisungen über das Verhalten der Wehrmachts- und SS.-Angehörigen
erfolgt nach dem Einvernehmen mit dem Befehlshaber der alliierten
Truppen, Befehlshaber der Osterreichischen Widerstandsbewegung in
Tirol."
Auch diese Mitteilung hat wesentlich zur Vermeidung weiterer
sinnloser Zerstörungen in Stadt und Land beigetragen. Hatten
die Truppen der deutschen Armee in Tirol ihre Feindseligkeiten
achon auf Gru~d der bisherigen Aufrufe fast überall eingestellt,
so meldet en sich nunmehr a uch mehrer e Kampfkommandanten
beim Leiter der Widerstandsbewe gung, ·
Insbesondere meldete sich 1ofort der Kampfkommandant von
Zirl und bat um weitere Weisungen, Diese wurden ihm erteilt, so J
daß der für den Vormarsch der Alliierten so wichtige Kampfstand
Zirl praktisch ausgeschaltet we rden konnte, Es meldet en sich
dann in der Folge noch der Artille riekampfstand Kema ten und
Rum, letzterer a lle rdings erst , nachdem de m Kommandanten
d urch Rundfunk mit sofortiger Einleitung des kriegsgerichtlichen
Verfahrens gedroht worden war.
Preußisches Barharentum wollte Innsbruck zer-
stören
Daß es jedoch unter den Offizieren auch preußische Hitlerfanatiker
gab, d i e s o g a r i m l e t z t e n A u g e n b 1 i c k n o c h I n n s b r u c k
unter Feuer nehmen wo 11 t e n, beweist nachfolgender Fall.
Schon in der Woche vom 23. bis 28. April wurden in der Rum er Au
zwei Flakbatlerien für den Erdkampf einsatzbereit gemacht. Die Bat•
terien hatten je vier Stück 10.5-cm-Flakgeschütze. Sie waren verstärkt
durch eine Batterie mit fünf italienischen 9.3-cm-Geschützen. Ihre Feuer-
kraft wurde durch eine größere Anzahl leichter Flakwaffen erhöht.
Der nach einer Göring-Verordnung unter standgerichtlicher
Todesstrafe stehende Kampfauftrag der Großbatterie lautete:
Niederkämpfung der alliierten Panzer- und lnfanteriekräfte Tor
und in Innsbruck durch a lle Geschütze der Großbatterie Ruml" 15 schwere Flakgeschütze dieser Art hatten noch am 3. Mai ih.r e Rohre gegen
Es mußten nun Zielpunkte festf!elegt und errechnet werden, die das Stadtinnere von Innsbruck gerichtet
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r auf der Straße, die von Innsbruck nach W esten führt, sowie auf Einzug in das Landha1. s 1
dem Zentrum und auf den Innbrücken lagen. Diese Zielpunkte
sollten unter Feuer genommen werden. Wer die Wirkungen der In der Zwischenzeit hatte sich Dr. G r u b e r, wie bererts kurz erwähnt,
schweren Flakgeschütze kennt, weiß, daß die Ausführung dieses mit nur zwei Mann Begleitung, nämlich Ing. von H r ade t z k y und Dok-
Planes für Innsbruck und seine Bevölkerung Tod, Schutt und tor Sc h u I e r, ohne irgendwelche Waffen in das Landhaus begeben, um
Asche bedeutet hätte. k e i n e n W i d e r s t a n d, wie er durch ~ine militärische Besetzung im
Bereiche des Möglichen gelegen wäre, herauszufordern. Der Gauleiter
Das durfte unter keinen Umständen geschehen. So lautete die Parole
einer militärischen Widerstandsgruppe unter Führung von Leutnant Doktor
Weber, der zweiter Kamp[kommandant der Großbatterie war. Sie setzte
deshalb von Anfang an alle nur erdenklichen Mittel ein, um dieses furcht-
bare Zerstörungswerk, das landfremde Offiziere bis zum letzten vorberei-
teten, zu hintertreiben. Als indessen die Verkündung Innsbrucks zur offenen
Stadt erfolgte, äußerte Leutnant Dr. Weber unverhohlen seine Freude
darüber, daß damit der Tiroler Landeshauptstadt auch der Beschuß durch
die eigenen Flakgeschütze erspart bliebe. Der erste Kampfkommandant,
Oberleutnant La t o w aus Hamburg, dagegen wurde in seinem Haß gegen
. '
Österreich auf diese Mitteilung weiß im Gesicht und schrie Leutnant Dok-
tor Weber an: "E s k o m m t g a r n i c h t i n F r a g e , I n n s b r u c k
k a m p f 1 o s z u ü b e r g e b e n. I c h w e r d e s e I b s t v e r s t ä n d -
l i c h t r o t z d e m s c p i e ß e n l a s s e n. W a s b i l d e t i h r ö s t e r -
r e i c h e r e u c h e i g e n t 1 i c h d e n n e i n. {) m d i e S t ä d t e ö s t e r -
reichs wird genau so bis zum letzten gekämpft, wie Professor Dr. Franz Mair, der zahl-
um die Städte des A 1 t reich s." Dr. Weber wurde unmittelbar reiche J ugendliebe der Widerstands-
daraufhin als zweiter Kampfkommandant kaltgestellt. Als sich, nun am bewegung zuführte, ist be i den K ämp-
fen um das Landhaus gefallen
3. Mai die amerikanischen Truppen von Zirl her der Stadt näherten,
wollte Oberleutnant L. mit dem Beschuß beginnen. Sein Vorhaben wurd~
hatte kurz vorher mit seinen engeren Mitarbeitern unter dem Eindruck
jedoch vom Flakregiment nicht gebilligt. Diese Erklärung ging davon aus,
daß mit einem Beschuß der amerikanischen Truppen, der nur durch eine der Ereignisse das Haus verlassen. Dr. G r u b er nahm nunmehr mit
überschießung Innsbrucks möglich sei, ja doch auch die eigenen, auf dieser Ing. von H r ade t z k y Besitz vom La rl'd haus, in dem weder die
Straße zurückflutenden Truppen gefährdet seien. Die Antwort von Ober- Polizei noch die anwesenden Beamtenwachen Widerstand leisteten. Wäh-
leutnant L. zeigt ohne Maske das w a h r e G es ich t d es p r e u ß i. rend nunmehr sofor t in einem Regier~ngszimmer die Befehlsstelle der
s c h e n Barbaren tu ms. Sie lautete: ,,Die zurückgehenden Widerstandsbewegung eingerichtet wurde, waren vereinzelt zurückgeblie-
Truppen nützen ja doch der eigenen Sache nichts bene Parteifunktionäre noch immer eifrig damit beschäftigt, die Räume .
mehr." Schließlich ist der Tiroler Landeshauptstadt durch ein weiteres bis zum_letzten Augenblick zu plündern und ihre Schriftstücke als die
Verbot des Regiments sowie durch das energische Dazwischentreten von sic-htbaren Zeichen ihrer Schand taten in Sicher heit zu bringen. Als dann
Leutnant Dr. Weber doch noch in letzter Minute das furchtbare Los erspart gegen 14.30 Uhr das Landhaus unter Führung von Major Heine militärisch
geblieben, das ihr ein blindwütiger Hillerfanatiker zugedacht hatte. gesichert und besetzt wurde, erfolgte die Hissung der rotweißroten Fahne.
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Gefechte vor dem Landhaus
Schon schien es, als ob damit jeglicher Wid,erstand gebrochen sei. Da
versuchte um 16°Uhr eine S S. - Panzergruppe das Landh a u s
zu rück zu erobern. Es entwickelten sich b I u t i g e G e fech t e.
Von allen Seiten der Stadt he.r bewegten sich Gruppen der Widerstands-
bewegung in Richtung auf das Landhaus. Sie mußten jedoch immer wieder
in den Hauseingängen Deckung suchen, da die SS., die mit PKW. und
LKW. wie rasend durch die Straßen fuhr, in ihrer zum letzten Male auf-
flackernden Mordgier blindwütend Schüsse und Maschinengewehrgarben
nach allen Seiten streute. Major Heine, unterstützt von Major P e t er
und Oskar G ö r z, war es inzwischen in einem überraschenden Hand-
11
streich geglückt, im Lager Rum Waffen zu fassen ~nd außerdem Mann-
11
schaften zur Verstärkung der Verteidigung des Landhauses herbeizuholen.
Mit vereinten Kräften gelang es schließlich, die SS. z4 vertreiben und das
Regierungsgebäude fest zu sichern. Es war das letzte Aufflackern der
Nazibarbarei v or dem Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte. Einer
der besten und bewährtesten Männer der österreichischen Widerstands--
bewegung in Innsbruck, Professor Dr. Franz Mai r, hat dabei, nur wenige
Stunden vor der Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches, der Befreiung
seines Heimatlandes, als aufrechter Österreicher kämpfend den Tod ge-
funden. Unterfeldarzt Winkler, ein verdientes Mitglied der Ärztegruppe,
wurde bei den Gefechten von einem Kollegen, der dem Nazilager ange-
hörte, schwer verwundet. ·
Die Rettung der Tiroler Landeshauptstadt
Die Vertr et er einer siebenjährigen unmenschlichen Gewalt- w
herrschaft haben die Flucht ergriffen odei: sind in Schlupfwinkel N
verkrochen. Der Landeshauptstadt von Tirol ist dank des tat- et
kräftigen Handeln; der Widerstandsbewegung ein sonst unn r - ::::>
meidliches schweres Opfer an Blut und Hab und Gut erspart ~
geblieben. Der Einmarsch der amerikanischen Truppen, vom Frei-
heitssender Innsbruck wiederholt angekündigt, steht unmittelbar
z
bevor.
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Zu nebenstehender Photokopie:
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Hatte Gauleiter Hofer, wie die „Innsbrucker Nachrichten" berichten, a och am
a. J
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letzten Tage zu weiterem Widerstand aufgefordert, so konnlen d ie „Tiroler
Nachrihten" Stunden später die Befreiuni Tirols vom Nazijoch verk ünden
1
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Besprechungen in Zirl
Indessen war O berleutnant Fred M a y r mit . einem Kraftwagen des
Gauhauses in Zirl eingetroffen. Leutnant S t eine r hatte im dortigen,
Gendarmeriekommando bereits mit amerikanischen Offizieren Verhand-
lungm über die Lage in Innsbruck sowie über das weitere Vorgehen der
Stre:tkräfte geführt. Diese gestalteten sich allerdings anfänglich ziemlich
schwierig. Die amerikanischen Vertreter waren überdies verstimmt durch
den Verlust einiger Offiziere, die kurz v orher auf der Zirlerbergstraße
durch Minen getötet worden waren. Sie hallen deshalb auch, nicht zuletzt
infolge der Kampfhandlungen der deutschen Truppen nahezu im Weich-
bild der Stadl, ursprünglich die Absicht, Innsbruck mit Waffengewalt zu
besetzen. Als jedoch etwas später einer der amerikanischen Parlamentäre
aus dem Lager Böhaimb, der während der vorausgegangenen Nacht von
der Widerstandsbewegung wertvolle Unterstützung erhielt, gleichfalls in
den Dienstraum des Zirler Gendarmeriepostens kam, gestalteten sich die
von Leutnant Steiner geführten Verhandlungen wesentlich günstiger. Es
wur de schließlich festgelegt, daß Major West, der amerikanische Parla-
1 mentär der vergangenen N,acht, ein Dolmetscheroffizier, mit Fred Mayr
auf den Lachhof zu Gauleiter Hofer fahren sollten. Leutnant Steii1er
wurde als Begleitoffizier bestimmt, da die Parlamenlärfahrt bei den deut-
schen Truppen nicht angemeldet wurde. Die Fahrt selbst wurde um 16 Uhr
in Zirl angetreten und führte mit Hindernissen (Wagendefekt, SS.-Männer
und Polizisten wollten das Auto anhalten) über Hatting, Zirler Bahnhof,
Kematen, Völs, Innsbruck nach Hall zum Lach h o f, dem damaligen Auf•
enthaltsorl von Gauleiter Ho I er.
Der Parlam e ntärswagen fährt zum Großteil durch
bereits von der Widerstandsbewegung befreites
Gebiet. überall wehen schon die rotweißroten Fahnen von den
Häusern. . Heimkehrende Soldaten und Standschützen bevölkern in
Massen die Straßen und \yege. Häufig grüßen Mitglieder der Widerstands-
gruppen den Parlamenlärswagen. Ja, dieser wird sogar vom Stadtbeginn bis
zum Stadtende von einer Streife der Österreichischen Widerstandsbewe·
gung eskortiert. Der Wagen trifft um 18 Uhr am Lachhof ein, wo sofort
die Verhandlungen mit Hofer und seinen engsten Mitarbeitern Parson,
Mahnert und Primbs beginnen.
Zum Bild rechts:
Lange vor de m Einmarsch der amerikanischen Stre itkräfte wurde vor de,m Land-
haus in Innsbruck die österreichische Fahne gehißt
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ke run g b ereits der Oste r reic h iscben Wide r-
Worum ging es auf dem Lachhof? s t a n d s b e weg u n g entgegenbr ingt. Die amerikanischen Trup-
Wer nun etwa glaubt, Hofer habe bei den Besprechungen besonders pen haben den Stadtrand erreicht. Unter der Spitzengruppe ihrer
das Schicksal Tirols im Auge gehabt, der hat weil gefehlt. Wenn er auch Streitkr äfte befinden sich, nach im Landhaus kurz nach 18 Uhr
einmal davon spricht, daß er bereit ist, die Standschützen nach Hause zu vorliegenden Meldungen, nahe der Universität Filmwagen mitten
schicken, so ist das nicht anders als eine Farce zu werten, da diese sich, bei den Aufnahmearbeiten. Gäbe es ein eindrucksvolleres äußer es
soweit sie nicht schon vorher heimgekehrt waren, auf Grund der Rund- Zeichen der Anerkennung für die erfolgreichen Aktionen der
funkdurchsage vom Waffenstillstand zurückgezogen halten. Im übrigen Widerstandsbe wegung zur Befriedung der Stadt, von der der
stand ihm keine Befehlsgewalt über die Truppen, die gleichfalls in Scharen , Kommandeur der amerikanischen Streitkrätte bereits benach-
zurückflulelen, zu, und die Regierungsgewalt selbst war ja zu diesem Zeit- richtigt war, als dieses? Gegen 20 Uhr kommen die ersten ameri-
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punkt bereits in den Händen der Widerstandsbewegung. Wie gesagt, Hofer kanischen Truppen unter dem Jubel eines nach jahrela nger Te r-
halle aber auch gar nicht die Absicht, darüber lange zu~ verhandeln, rorisierung nunmehr befreiten Volkes vor dem Landhause an.
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dafür war ihm sein✓persönliches Schicksal viel zu Kein Schuß war gefallen. Vom Rhein bis zum Brenner war
wichtig. So verwundert es a~ch nicht, daß eine seiner ersten Fragen Innsbruck die einzige Stadt, in die die amer ikanischen S tr eit-
lautete : ,,Was geschieht mit mir? Ich bin kein Soldat, ich bin Politiker." kräfte dank der vorbildlichen Arbeit der Oster reichischen Wider-
Es wird ihm mitgeteilt, daß j!r interniert würde. Daraufhin ersuchte er standsbewegung ohne irgendwelche Sicherungen einmarschieren
um seine Internierung auf dem Lachhof. Sofort schaltet sich der ehemalige konnten. Die Bevölkerung Innsbrucks hat es also dem unerschrok-
Kreisle iter Prim b s in das Gespräch ein und äußert seinerseits den kenen Kampf der W ider st andsbewegung zu ver danken, daß nicht
Wunsch, in Igls interniert zu werden. Eine weitere „Sorge" Hofers galt nur sie selbst sowie ihr ganzes Hab und Gut vor der vollständigen
dann noch der Presseberichterstattung der ·Alliierten über seine Person. Vernichtung bewahrt geblieben sind, sondern daß sich darüber
Dabei äußerte er den Wunsch, die Amerikaner sollten nicht schreiben, er hinaus die Obergabe der Landeshaupt sta dt völlig r eibungslos und
sei in die Schweiz übergelaufen - hier drückte ihn wahrscheinlich das ohne jedes Blutver gießen' vollzogen hat. Daß im Landhaus ein
schlechte Gewissen von früheren geheimen Verhandlungsversuchen mit der bereits amtierender österreichischer Regierungsausschuß unter
USA.-Gesandtschaft in Bern-, es möge vielmehr verlautb~ t werden, daß der Leitung von Dr. Gruber die amerikanischen Vertret er emp-
er bis zum Schluß tapfer in Tirol gestanden sei. Er selbst hätte nicht fan~en kann, ist für die jahrelange, mühevolle und opferre:che
kapitulieren können, da er sonst vor den „alten Kämpfern" bloßgestellt Arbeit der Osterreichischen W iderstandsbewegung in Tirol eine
worden wäre. Schließlich brüstet er sich dann noch damit, daß er bei den besondere Genugtuung.
Kämpfen die Hitler-Jugend eingesetzt hätte. Die große Anzahl der in
d iesem sinnlosen Einsatz für seine persönliche Machtgier bei Scharnit z
Em pfang der amerika n ischen Vertreter
hingeopferten Knaben verschwieg er allerdings wohlweislich. . Die amerikanischen Vertreter, an deren Spitze Major Shelden D. E J-
l 1 o t, werden im Namen des Landes Tirol von P rofessor Reut - Ni c O -
l u s s _i in en~lischer Sprache begrüßt. Nachfolgende denkwürdige Sätze
Die Tat der Widerstandsbewegung aus dieser Ansprache mögen für immer die Richtschnur des befreiten
Um diese Abendstunden, da am Lachhof Hofers Felle allmäh- Landes Tirol in einem freien Österreich bleiben: ,,Wir heißen sie in Tirol
lich davonschwammen, erschienen an den Häusern von Innsbruck herzlich willkommen. Sie kommen als Vertreter eines Landes das an seiner
immer mehr rotweißrote Fahnen, bis schließlich die ganze Stadt Pfo_r~e im Hafen von New York das Standbild der Freiheit als Symbol seiner
in einem einzigen Flaggenschmuck der österreichischen Farben politischen ldea:le aufgestellt h'a t. Wir b e grüßen d i e am er i k a -
prangte. Nirgends ist mehr eine weiße Flagge zu erblicken, ein ni sc hen T ru p pen a l s S i nn b ild j e n er demo kr atisc h en
deutlicher Beweis dafür, welches Ver t r a U: e n d ie B e T ö U- Fr e i h e i t, die w ir i n d iesem Lande n ach sieben j ähr i ge r
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Unterdrückung aufzubauen gewillt sind und die wir
auch über ihren hiesigen Verbleib hinaus bewahr en
u n d ver t e i d i gen wo 11 e n."
Noch während des Einmarsches der amerikanischen Streitkräfte w ar
die er s t e Ausgab e der „Ti r o 1er N ach r ich t e n" erschienen,
in der die alliierten Streitkrälte in dem nunmehr befreiten Tirol herzlich
begrüßt wurden. Schon v o r h e r scharten sich zahllose Menschen vor den
Plakallafeln um einen Aufruf an das Volk von Tirol. Die Ätherwellen
trugen diesen „Ruf der Freiheit" über den Rundfunk, bis hinaus zu den
höchsten Bergbauernhöfen des Landes. Ein heimattreuer Österreicher,
nunmehr durch die Widerstandsbewegung aus den Fangarmen der Gestapo
befreit, halte 1hn noch in seiner d ü s t er e n Kerker z e 11 e verfaßt.
Gleichsam als S ymbo l s teht er an der Zeitenwende ,
die von der siebenjährigen Hillertyrannei zu einem [reien, demokr atischen
Österreich lührt.
Der Ruf eines befreiten Volkes
Der „Ruf nach Freiheit", der sich tief ins Herz des durch lange Zeil
fequälten und unterdrückten österreichischen Volkes gegraben hatte,
lautet:
Osterreicherl Tiroler! lnnsbruckerl
Die Stunde eurer Befreiung ist gekommen. Die gesamte Süd-
front hat kapituliert. Die alliierten Truppen stehen vor Innsbruck.
J eder weitere Widerstand wäre nicht nur zwecklos, sondern er
ist ein Verbrechen an Volk und Staat. W er die Wallen weiter-
führt, den Widerstand auch nur entfernt begünstigt, wird als V~,..
brecher bestraft. Sieben Jahre bitterster Knechtschaft und Be-
drückung sind restlos vorbei. Die Alliierten kommen als unsere
Bzfreier und Retter. Ihnen gilt in dieser historischen Stunde d .r
Wiedergeburt unseres Tirols und eines freien Osterreichs unser
Dank. Wir wollen aber auch jener gedenken, die für die Sache
Osterreichs und unseres engeren Heimatlandes trotz aller Ge-
fahren in all den Jahren der Knechtschaft arbeiteten, litten und
starben.
Hißt von allen Häusern die Fahnen! Nicht weiße sollen es
sein, sondern rotweißrote oder rotwe iße, die Farben unseres
heißgeliebten Osterreichs, unseres Tirols.
Es lebe die Freiheit! Es lebe Tiroll Es lebe Osterreich!
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