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MAXIMILIAN I.
UND INNSBRUCK
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Von den
VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK
sind bereits erschienen:
Nr. 1 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 (1. Teil: Nr. 1—2000], von Wilhelm
Eppacher und Karl Schadelbauer. 1950.
Nr. 2 Innsbrucker Urkunden aus dem Stiftsarchiv Wilten [1238—1350], von Karl Schadelbauer. 1951.
Nr. 3 Die Wohltäter der Landeshauptstadt Innsbruck, von Wilhelm Eppacher. 1951.
Nr. 4 Briefe aus Alt-Innsbruck [1461—1873], von Karl Schadelbauer. 1952.
Nr. 5 Innsbrucker Geschichtsblätter (1. Folge), von Karl Schadelbauer. 1952.
Nr. 6 Verzeichnis der Urkunden des Stiftsarchivs Wilten von 1138—1299, von Karl Schadelbauer. 1953.
Nr. 7 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 [2. Teil: Nr. 2001—4770), 1953.
Nr. 8 Beiträge zur Innsbrucker Kirchengeschichte, von Propst Dr. Josef Weingartner. 1954.
Nr. 9 Lesebuch aus Innsbrucker Stadtgeschichtsquellen. 1955.
Nr. 10 Die gefälschten Urkunden des Bischofs Reginbert von Brixen für das Kloster Wilten, von Dr. Fritz
Steinegger. 1956.
Nr. 11 Innsbrucker Geschichtsblätter (2. Folge). 1956.
Nr. 12 Die St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichle, von Univ.-Prof. Dr. IT, Lentze.
Nr. 13 Geschichte der Raum- und Grenzbildung der Stadtgemeinde Innsbruck, von Otto Stolz.
Nr. 14 Die Kleinstbände der „Dipauliana" — Ein Bücherverzeichnis (Band 1 bis 100), von Karl Schadelbauer
Nr. 15 50 Jahre schulärztlicher Dienst in Volks- und Hauptschulen, von Stadtphysikus Dr. Leopold Unter
richter.
Nr. 16 Drei Befehlshefte des Innsbrucker Platzkommandos vom Jahre 1809, von Karl Schadelbauer.
Nr. 17 Die Kleinstbände der „Dipauliana“ — Ein Bücherverzeichnis (Band 101 bis 200), von Dr. Karl
Schadelbauer.
Nr. 18 Das Stadtspital im Jahre 1839 — Die Beschreibung des Spilalsverwalters Fr. X. Honstetter, von
Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 19 Die Berichte der „Innsbrucker Zeitung“ von 1810 über das „Departement der obern Etsch“.
Nr. 20 Der Innsbrucker Bürgermeister Felix Riccabona v. Reichenfels, von Felix v. Gasteiger.
Nr. 21 Innsbrucker Ansichtskarten um 1900, von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 22 Amtliche Stimmungsberichte 1850/51 und 1859/60.
Nr. 23 Herzog Rudolf IV. und Innsbruck 1363—1365, von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 24 Leitfaden der Geschichte Innsbrucks, von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 25 Die Dreiheiligenkirche zu Innsbruck, von Dr. Fr. H. Hye-Kerkdal.
Nr. 26 Die Innsbrucker Inwohneraufnahmen von 1508 bis 1567.
Nr. 27 Heiligwasser-Besucher 1854 bis 1875 u. a.
Nr. 28 Innsbrucker Kleindrucke, von Dr. H. Hochenegg.
Nr. 29 Quellen zur Innsbrucker Häusergeschichte, 1, von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 30 Quellen zur Innsbrucker Häusergeschichte, 2, von Dr. Karl Schadelbauer.
II. Reihe — Innsbrucker Archivnotizen zur Geschichte der österreichischen Voriinde
Nr. 1 Aus dem landesfürstlichen Kopialbuch von 1458.
Nr. 2 Die Reise Kaiser Ferdinands I. von Speyer nach Freiburg (1562) u. a.
Nr. 3 Das Raitregister des Elsässer Landvogtes Graf R. v. Habsburg (1375) u. a.
Nr. 4 Das Inventar des Klosters ölenberg von 1561 u. a.
Nr. 5 Die Urkunden des Klosters ölenberg im Elsaß von 1188—1565
Nr. 6 Urkunden zur Geschichte der Herren von Hewen (1377—1399)
Druck: Verlagsanstalt Tyrolia, Andreas-Hofer-Straße 2—4, Innsbruck
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Sign. Nr. p_ 3/J_ 31
STADTARCHIV INNSBRUCK
NGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK
Inv. Nr. -^33
usgeber: Karl Schadelbauer
Nr. 31
Kaiser Maximilian I.
und Innsbruck
Von
Dr. Monika Fritz
INNSBRUCK 1968
IM SELBSTVERLAG DES STADTMAGISTRATES
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Es mag vielleicht vermessen erscheinen, der so umfangreichen Literatur über Kaiser
Maximilian I. noch ein kleines Heftchen hinzuzufügen, welches dem Historiker wohl
wenig Neues zu bieten vermag. Dennoch wurde der Versuch unternommen, eine zu
sammenfassende, wenn auch nicht lückenlose Darstellung des Themas „Kaiser Maxi
milian I. und Innsbruck“ zu bringen. Der Aufsatz ging aus einem Vortrag, der im
Rahmen der Volkshochschule Innsbruck gehalten wurde, hervor und ist für einen brei
teren interessierten Leserkreis gedacht. Daher wurde auch weitgehend verzichtet, neben
der vielfältigen, im Anhang zitierten Literatur, welche die Grundlage der Arbeit bil
dete, auch das zahlreiche Quellenmaterial nochmals unmittelbar auszuschöpfen. Erst
mals jedoch werden in diesem Heft vier Urkunden aus dem Stadtarchiv Innsbruck
veröffentlicht. Eine zeitgenössische Chronik, die in einem aus dem Norden Erankreichs
stammenden Mittelfranzösisch geschrieben ist und stellenweise von Innsbruck berich
tet, wurde auf das Thema hin untersucht und in deutscher Sprache zum größten Teil
wiedergegeben. In diesem Zusammenhang sei hier Herrn Dr. Guntram Plangg, Assi
stent am Institut für romanische Philologie an der Universität Innsbruck, für die wert
volle Hilfe bei der Übersetzungsarbeit gedankt.
Sinn und Zweck dieses Heftes ist es, eine kulturhistorische Skizze von Innsbruck aus
den Jahren von 1490 bis 1519 zu geben, jener Zeit also, in der Kaiser Maximilian als
Landesfürst von Tirol der Stadt zu einer mächtigen Blüte verholfen hat.
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Kaiser Maximilian I. und Innsbruck
Er hat gmacht gros lust von pewen
Des sich sein nachkomen frewen
Darauf gelegt vil kost vnd gelt
Mer dan vil fürsten in der weit
Das zimbt seim keiserlichem standt
Dan er regirt vil lewt vnd lanndt
(Aus Maximilians „Ehrenpforte“)
Regierungsantritt — Verwaltungsreformen
Keinem der in Innsbruck regierenden Landesherrn ist es gelungen, der tirolischen
Landeshauptstadt so sehr das Gepräge seines Geistes aufzudrücken wie Kaiser Maxi
milian I. Während der achtundzwanzigjährigen Herrschaft dieses großen Habsbur
gers erlebte das Städtchen, das damals etwa 3000 Einwohner zählte, einen kulturellen
Aufschwung ohnegleichen. Ehe jedoch Maximilian die Regierung in Tirol übernehmen
konnte, mußten viele Uneinigkeiten beseitigt werden. Sein Oheim Sigmund nämlich,
jener unstete und leidenschaftliche Geist, der sich viel lieber den Freuden der Tafel
und der Liebe hingab, als daß er sich mit Regierungsangelegenheiten beschäftigte, hatte
die Einkünfte seines Landes in sinnloser Freigebigkeit und Verschwendung erschöpft.
Seine beiden Ehen blieben kinderlos, und die Frage nach der Erbfolge quälte den
alternden, etwas mißtrauischen und willenlosen Regenten sehr. Die Baiern versuchten
nun die mißliche Lage ihres Nachbarn auszunutzen, schickten dem in ständigen finan
ziellen Schwierigkeiten lebenden Sigmund Geld, um sich auf diese Weise das Land
Tirol gleichsam zu erkaufen, und sie erreichten schließlich auch die Befürwortung Sig
munds für eine Heirat zwischen Albrecht IV. von Baiern und Kunigunde, der Toch
ter Friedrichs III. Jetzt allerdings schaltete sich Kaiser Friedrich ein. In einem Schrei
ben aus Nürnberg vom 24. Juli 1487 mahnte er die Bürger von Innsbruck, dem Hause
Österreich treu zu bleiben, nachdem Herzog Sigmund sich mit der Absicht trage, das
Land Tirol an Baiern abzutreten. Schon einen Monat später, am 16. August, wurde
in Hall ein Landtag einberufen. Das Haus Österreich, das sich bei den Landständen
über Sigmund auf das bitterste beschwerte, gewann nun allmählich Einfluß am Inns
brucker Hof. Wieder einige Zeit darauf, am 1. November 1487, wurde auf dem
Meraner Landtag eine neue Landesordnung erlassen, in der die Macht Sigmunds völlig
beschränkt und die Erbfolge Kaiser Friedrichs wie Maximilians manifestiert wurde.
Am 23. November erhielt diese Ordnung sogar die Sanktion Sigmunds. Doch schon
im April 1488 wollte dieser bereits nichts mehr davon wissen. Friedrich reiste aber
mals nach Innsbruck und berief hier im März 1489 den Landtag. Die Meraner Ord
nung wurde in einzelnen Punkten abgeändert und vor allem der geldbedürftige Vetter
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zufriedengestellt, indem ihm seine Apanage von jährlich 10.400 Gulden auf das Dop
pelte erhöht wurde.
Ende April 1489 kam nun zum ersten Mal der junge Maximilian nach Tirol. Er
wurde von seinem Vater mit allen Vollmachten ausgestattet, um dessen Vetter zur
Abtretung der Länder zu bewegen. Am 8. März begann der Innsbrucker Landtag, auf
dem Herzog Sigmund seine eigene Regierung heftig anklagte. Viktor von Kraus schreibt
in seiner Abhandlung über „Maximilians Beziehungen zu Sigmund von Tirol“: „In
fast weinerlichem Ton nannte sich Sigmund einen gefangenen Mann, der kein Wort
mehr ohne die Gegenwart der ihm verhaßten Räte sprechen dürfe. Ohne ihre Einsicht
könne er niemandem mehr schreiben. Wenn er auf die Jagd oder Kurzweil auszöge,
verdächtigte man ihn des Fluchtversuches. Die um seine Person befindlichen Leute, an
die er sich gewöhnt habe, seien durch fremde, ihm widerwärtige ersetzt worden.“ So
weit schon mußte sich Sigmund vor seinem Neffen Maximilian erniedrigen. Der frei
willige Rücktritt des Erzherzogs brachte endlich die längst ersehnte Lösung. Kurz dar
auf nahm Maximilian, 31 Jahre alt, die Geschicke des Landes Tirol, dem er künftig
am liebsten sein königliches Wohlwollen zeigte, in seine Hände. Tirol und die vorder
österreichischen Länder waren nun wieder geschlossen in der Hand der steirischen Leo
poldiner, denen Maximilian entstammte. Am 14. März wurde ihm vor den im Land
tag versammelten Ständen feierlich die Regierung übertragen. Schon am 21. März
hielt König Maximilian seinen ersten Landtag in Innsbruck ab, auf dem ihm die Stände
huldigten, welchen er dann einen Monat später auf seinem zweiten Innsbrucker Land
tag ihre althergebrachten Rechte und Privilegien bestätigte. In Tirol nun, jenem Land,
das er mit einem „reichfaltigen, schlichten Bauernkittel, der zwar etwas unförmig,
aber warm sei und andere gar wohl wärmen könne“, verglichen haben soll, war Maxi
milian zum ersten Mal wirklicher Landesherr, denn solange der Vater die Kaiserkrone
trug, war das römische Königtum nur ein Titel, und in den Niederlanden hatte er
lediglich das Statthalteramt inne.
Unzählig sind die Geschichten, die sich um den wohl populärsten aller Habsburger
Herrscher ranken. Seine Charaktereigenschaften gaben der Nachwelt auch Anlaß
genug, ihn zu verherrlichen. Von seiner Mutter, der temperamentvollen Eleonore von
Portugal, hatte er die mutig-feurige Wesensart und das lebhafte Empfinden für alles,
was gut und schön war, geerbt. Die zwiespältige, widerspruchsvolle und sprunghafte
Natur hatte Maximilian von seinem Vater, Friedrich III., nicht jedoch dessen Spar
samkeit. Maximilian war immer in Geldnöten und im Verhältnis zu seinem Vater
sehr unökonomisch veranlagt. „Der wird ein Streugütlein werden!“ soll sich Friedrich
besorgt schon über den Knaben geäußert haben. Maximilian war leutselig, liebte aber
herrscherlichen Glanz und zeigte Ehrgeiz im Streben nach weltpolitischer Bedeutung.
Der Historiker Ranke trifft sein vielseitig phantasievolles Temperament, wenn er
schreibt: „Seine Seele ist lauter Bewegung, es gibt kaum etwas, was er nicht kann, in
seinen Bergwerken ist er ein guter Schiener, in seiner Rüstkammer der beste Plattner,
der andere in neuen Erfindungen zu unterrichten weiß, die Büchse im Arm, überwindet
er die besten Schützen, mit dem Geschütz, das er selbst bohren gelernt hat und auf
Räder schafft, trifft er am nächsten zum Ziel, in Feld und Flur befindet er sich wahr
haft wohl, sein Speis und Trank und seine Arzneien wählt und mischt er selbst.“
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Die erste große Tat Maximilians als Landesfürst war die Reorganisation des Finanz
wesens, das unter Erzherzog Sigmund völlig zusammengebrochen war. Alle landes
fürstlichen Gefällsämter sollten nun einer gemeinsamen Schatzkammer mit Sitz in
Innsbruck untergeordnet werden. Der sogenannte „Schatzmeister-General“ wurde mit
der Leitung der Finanzverwaltung in höchster Instanz betraut, und der ,Regenschrei
ber-General“ hatte die Kontrolle derselben inne. Später wurde dann diese Schatz
kammer von Maximilian in eine Kontrollbehörde und Raitkammer umgestaltet. Die
sem gemeinsamen Finanzorgan folgte alsbald auch ein justizielles, also ein ständi
ges Hofratskollegium, als die oberste Instanz in Rechtshändeln. Hofmeister, Hof
marschall, Hofkanzler und Präsident waren hier die wichtigsten Persönlichkeiten. In
den Akten scheinen immer wieder bekannte Namen auf, wie Konrad Stürzei, Mathias
Khuen-Belasy oder Zyprian von Sarnthein. Sie alle waren einmal Hofkanzler in Inns
bruck. An der Spitze des Tiroler Regimentes stand bis 1513 der Landmarschall Paul
von Liechtenstein. Er war ein besonderer Vertrauensmann des Kaisers und hat diesen
mehrfach in seinen politischen Unternehmungen beraten. Hofrat und Hofkammer
waren auch die oberste Verwaltungsbehörde. Sie bestand aus acht ständigen Regie
rungsmitgliedern, die die geistlichen und weltlichen Lehenschaften nebst allen übrigen
politischen Geschäften zu besorgen und viermal jährlich Gericht zu halten hatten.
Früher gab es am Hof zu Innsbruck keine Behörden, sondern nur einen Kanzler
mit mehreren Sekretären und Räten, die nach Belieben und Bedarf zu Rate gezogen
wurden. Eine versachlichte Staatslenkung trat nun an die Stelle des alten Patriarcha
lismus. Oberste Verwaltungsprinzipien waren Seßhaftigkeit, kollegiale Verfassung,
Arbeitsleistung und feste Dienststunden. Allerdings stieß Maximilian in diesem Punkt
auf stärksten Widerstand von seiten der Reichsstände, die durch diese Reformen ihre
Selbständigkeit bedroht sahen. Maximilian mußte seine Zentralisierungspläne etwas
einschränken und sich mit einem strafferen Ausbau der Landesbehörden begnügen. Erst
kurz vor seinem Tode nahm er seine ursprünglich geplanten Reformen wieder auf.
Nach dem Vorbild der Geschäftsformen großer Handelshäuser mußten die Beamten
nun alle wichtigen Regierungshandlungen aktenkundig machen und in Registraturen
attfbewahren. Dank dieser Neuerungen ist heute viel wertvolles Quellenmaterial vor
handen, aus dem das politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen jener Zeit
gut. rekonstruierbar ist.
Nach seinem Regierungsantritt stellte Maximilian auch eine Anzahl neuer Gesetze
auf- In alle Lebenssphären griff er mit bessernder Hand ein und zeigte in seinen Maß
nahmen hohen sittlichen Ernst. In einer Verordnungsfreudigkeit ohnegleichen suchte er
das,, öffentliche und private Leben durch ein Netz von Landesordnungen zu regeln,
die. Weitblick und hausväterliche Besorgtheit zeigten. Die sogenannte Maximilianische
Hal^gerichtsordnung suchte der Roheit und Verdorbenheit des damaligen sittlichen
Zuspyides bei allen Klassen entgegenzuwirken und setzte Strafen fest wie z. B. fol
gende.: Ketzer und Münzfälscher sollten verbrannt, Mörder gerädert, Verletzer einer
Urfehde oder eines gelobten Friedens mit dem Schwerte hingerichtet, der Dieb gehängt
odervder Bigamist ertränkt werden. Dieses Gesetz galt allerdings nicht für ganz Tirol.
_ Ehy ganz besonderes Verdienst erwarb sich Maximilian um Tirol durch die Ordnung
seiner Landesverteidigung im sogenannten Landlibell von 1511. Denn die darin ent-
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haltenen Bestimmungen blieben im wesentlichen nicht nur dreihundert Jahre lang für
die Landesverteidigung maßgebend, sondern wurden auch die Grundlage für alle stän
dischen Hilfen und Steuern.
Es wird von Maximilian, jenem unsteten Geist, der immer wieder neue Pläne ent
warf und zu verwirklichen suchte, mit Recht behauptet, daß er seine Länder vom Reit
sattel aus regiere. Bestimmt, der junge Herrscher war sehr viel auf Reisen, aber es
scheint doch, daß er in seinem geliebten Innsbruck, wo er oft und auch längere Zeit
weilte, einen Zufluchtsort sah, in dem er sich von seinen Regierungsgeschäften zurück
ziehen und sich der Muße und der Jagd, die er ja leidenschaftlich betrieb, widmen
konnte. Es war ihm wohl auch die günstige verkehrstechnische Lage dieser Stadt im
Gebirge willkommen, denn von hier aus war der Weg in die Vorlande nach Freiburg
und nach Niederösterreich und Wien fast gleich weit. Innsbruck bildete außerdem
eine wichtige Poststation, auf der schon im Jahre 1490 von Janetto de Tassis aus
Bergamo errichteten ersten Postlinie zur Verbindung der österreichischen Erblande und
des deutschen Reiches mit Italien. Die Postlinie war zuerst nur für den amtlichen Ver
kehr gedacht, wurde aber bald für Privatpersonen und Briefe freigegeben. Innsbrucks
handelspolitische Bedeutung hatte dadurch sehr gewonnen, und der Verkehr auf den
verbesserten und ausgebauten Straßen, für die eigene Wegmacher angestellt wurden,
nahm stetig zu.
Maria Bianca und die landesjürstliche Burg
Vier Jahre nach Maximilians Regierungsantritt, am 16. März 1494, fand in Inns
brucks Mauern ein prunkvolles Fest statt, wie es die Bewohner schon lange nicht mehr
erlebt hatten: die Vermählung König Maximilians mit Maria Bianca von Mailand,
Tochter des Herzogs Galeazzo Maria Sforza und der Prinzessin Bona von Savoyen
(Tafel V). Am 24. Juni des Vorjahres schon hatte Maximilian, dem seine erste und
innigstgeliebte Gemahlin Maria von Burgund im Jahre 1482 durch einen tödlichen Jagd
unfall allzufrüh entrissen wurde, zu Gmunden einen Heiratsvertrag mit Maria Bianca
abgeschlossen. Die Vermählung sollte noch Anfang August stattfinden, doch durch den
Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich, am 19. August 1493 mußte diese aufgeschoben
werden. So wurde die Eheschließung am 20. November in procura in Mailand vor
genommen, und mitten im Winter trat die junge Prinzessin dann die beschwerliche
Reise über die Alpen an. In Mals wurde sie von zwei Abgesandten, dem Markgrafen
von Baden und Eitelfritz von Zollern, empfangen. Hans Tulian von Pradl wurde mit
vier Fässern „Rainfal“ nach Mals mitgeschickt. „Sie ist eine zierliche Frau, von klei
ner Gestalt, aber großem Geist, und eine Zierde ihres Geschlechtes, die Eurer Maje
stät mit der Zeit immer besser gefallen wird“, so schilderten sie Maria Bianca ihrem
Herrn. Maria zog Anfang März als Braut auf die Burg Hasegg nach Hall, und acht
Tage später wurde in Innsbruck „in großer Feierlichkeit unter der Krone mit Kirch
gang und Bankett“ die Hochzeit gefeiert. Herzog Albrecht von Sachsen, Markgraf
Sigmund von Brandenburg, venezianische und florentinische Gesandtschaften und viele
andere hohe Persönlichkeiten waren zu diesem Fest gekommen. Dichter und Gelehrte
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feierten die Hochzeit mit ruhmreichen Worten, und die Bevölkerung wurde in Wort
und Bild von allen Einzelheiten des festlichen Geschehens unterrichtet. Der mailän
dische Rechtsgelehrte Jason Maino hielt eine mit allen Floskeln humanistischer Stil
kunst reichgeschmückte lateinische Rede in Form eines Gedichtes. Seine Fobeshymne
galt zuerst dem König: „Es wurden Dir nicht allein von deutschen Fürsten, sondern
auch fast aus allen Teilen der Welt von den Königen die hochzeitlichen Fackeln ge
boten. Denn niemand steht auf einer solchen Höhe, daß er nicht glauben würde, durch
eine Verwandtschaft mit Dir noch viel höher emporgehoben zu werden. Als Du aber
Deinen Sinn wandtest auf Maria Bianca, die erhabene Herzogin, in welcher jung
fräuliche Scham mit frauenhafter Würde vereinigt ist, wurde auf das leichteste der
allgemeine Wunsch offenbar ... Es ist jetzt das 128. Jahr, seit Herzog Feopold von
Österreich, Dein Vorfahre, die vornehme Frau Viridis, die Erstgeborene des berühmten
Herzogs Barnabas von Mailand, als Gemahlin heimführte, von der er dann fünf Kin
der hinterließ. Unter anderen empfing er von ihr zum Geschenke den seligen Herzog
Ernst von Österreich, den Vater Deines erlauchten Erzeugers Kaiser Friedrich. Dar
aus erhellt, daß zwischen dem österreichischen Hause und den Herzogen von Mai
land die Verwandtschaft jetzt nicht erst neu eingeführt, sondern nur erneuert worden,
und die erneuerten Bande der Verwandtschaft sind mächtiger als neugeknüpfte.
Wenn die Worte ,Faustum£ und ,Felix', die günstige Vorbedeutung und das Glück
dieses Ehebundes, auf Dich bezogen werden, muß man die Weisheit der Voraussicht
mehr bewundern, denn auf Bianca das Glück! Denn sie konnte auf der ganzen Welt
keinen erhabeneren und vorzüglicheren Mann nicht erhoffen, nicht wünschen; Du konn
test keine bessere, keine sittlicher geartete Jungfrau finden.“
Der Redner pries sodann die Tugendhaftigkeit und Schönheit der Braut: „Die Gra
zie ihres Antlitzes ist eine hohe, die Gestalt ihres Körpers eine schlanke und vor
nehme und von solchen Umrissen, daß Zeuxis, der vielbesungene Maler, leicht von
ihnen wie von den Frauen Crotons die ganze Schönheit des Malens hätte entnehmen
können.
Wegen dieser ausnehmend großen Gaben wurde sie von verschiedenen Prinzen und
Königen zur Ehe verlangt; denn die größte Glückseligkeit nahm jeder in Aussicht,
der sie zur Frau erhielte. Zuerst war sie mit Philibert, dem Sohne des Herzogs von
Savoyen, verlobt, doch dieser wurde durch einen raschen Tod in frühem Alter dahin
gerafft. Sodann wurde ihr von seiten dreier Könige die hochzeitliche Fackel ange-
boten: Mathias, der ruhmwürdigste König von Ungarn, suchte sie mit seinem einzigen
Sohne Johann Corvin zu versprechen, als aber Mathias starb, so geriet so vieles von
dem, was er für den Sohn in Vorbereitung gehabt, in Irrung, und dies löschte die
hochzeitliche Fackel aus; dann verlangte sie Jakob Stuart, der schottischen Jugend vor
nehmster Jüngling, zur Gefährtin und Gemahlin, und auch Fadislaus, der Beherrscher
Böhmens, der auch in Ungarn die Nachfolge der Flerrschaft gehabt, hat durch wieder
holte Gesandtschaften öfters um ihre Hand angehalten.
Aber allen diesen warst Du, Maximilian, weit überlegen, Du unter den christlichen
Königen im Besitze der kaiserlichen Gewalt: dem ein gleicher an Geburt und Macht,
so auch an Tugend und Rechtschaffenheit auf dem ganzen Erdenrund nicht gefunden
werden kann . . .“
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Der Redner konnte es sich allerdings nicht versagen, auch die finanziellen Vorteile
dieser Heirat ausgiebig ins rechte Licht zu setzen. „Es wird Euch nicht verborgen blei
ben, von welchem Nutzen der ,Divus Ludovicus, rerum italicarum arbiterc, die kaiser
liche Mitgift, für den Bestand und die Vermehrung des Kaiserreiches sein wird.“
Dieses Epithalamion (oder Brautgedicht) wurde 1494 in Basel gedruckt. 1509 ließ Jo
hannes Petrus Visconti, der Kirchenpropst von Mailand, das Gedicht abschreiben, mit
einer Zierseite mit den Porträts Maximilians und Biancas schmücken und der Kaiserin
überreichen. Es wird heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbe
wahrt. Die großen Festlichkeiten wurden mit einem Ausflug der Hofgesellschaft an den
Plansee und nach Füssen beschlossen. Das jungvermählte kaiserliche Paar verreiste ins
Veltlin.
Zur Erinnerung an die Hochzeit ließ Maximilian einige Jahre später einen Vermäh
lungsschaupfennig prägen. Der Stempelgraber Gian Marco Cavalli aus Mantua zeich
nete während eines viermonatigen Aufenthaltes in der Münzstätte zu Hall den Entwurf
des Pfennigs, der das Doppelbildnis Maximilians und Maria Biancas auf der einen Seite
und das Bildnis der Mutter Gottes mit Kind, umgeben von sechs Engelsköpfchen, auf
der anderen Seite zeigt. Benedikt Burkhart hat die Münze geschlagen.
Der Landesfürst zog mit seiner jungen Frau in die Burg, die an der Stelle des
heutigen maria-theresianischen Rokokobaues stand. Zu welchem Zeitpunkt jene Resi
denz gebaut wurde, ist noch nicht endgültig geklärt. Es würde allerdings über den
Rahmen dieses Aufsatzes hinausgehen, über die bisherigen Forschungen und Ergebnisse
und die daraus folgenden Probleme genauer zu berichten. Ein Anhaltspunkt jedoch
scheint erwähnenswert. Im Jahre 1468 stand in Innsbruck an der Stelle des jetzigen
Damenstiftes ein sogenanntes „Harnaschhaus“, also eine Rüstkammer, die einen wich
tigen Bestandteil einer jeden mittelalterlichen Burg bildete. Die Urkunden der fol
genden Jahre beweisen ferner die Ausdehnung des fürstlichen Besitzes über das alte
Harnaschhaus hinaus, der Ostseite der heutigen Stiftgasse entlang. Außerdem sind
uns zahlreiche Nachrichten aus der Jahrhundertmitte erhalten, in denen von Neu
erwerbungen durch Herzog Sigmund in der Gegend des Rumer Tores, also im Bereich
des späteren Nordbaues der Hofburg, die Rede ist. Wir können also auf Grund dieser
und mehrerer anderer Beweise annehmen, daß der Hauptteil des Baues schon unter
Maximilians Vorgänger allmählich entstanden und mit verschiedenen bereits bestehen
den Baulichkeiten zusammengewachsen ist. Eine Art Palas, ein Frauenzimmer und
ein Torturm, alles, was zu einer Burg gehörte, ist nachweisbar. Die Bezeichnungen
Vorderburg, Mitterburg und „hintere vergätterte“ Burg für ein und denselben Ge
bäudekomplex lassen ihrerseits auch auf ein allmähliches Ineinanderwachsen der ein
zelnen Baukörper schließen. Die beiden Schloßhofansichten von Albrecht Dürer in
der Albertina zu Wien, die sich mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Innsbrucker
Burg beziehen, und eine zeitgenössische Federzeichnung in der Erlanger Universitäts
bibliothek vermitteln eine gute Vorstellung, wie die maximilianische Residenz einst
ausgesehen hat.
Uber das Innere der Hofburg geben zahlreiche Inventare Aufschluß. Es bestand
durchwegs aus getäfelten, mit Balkenwerk versehenen Stuben, die zweckmäßig und
wohnlich eingerichtet waren. In den landesfürstlichen Gemächern befanden sich zum
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Beispiel Truhen, Bänke, Kästen von verschiedener Größe, Himmel-, Span- und Gutsch-
betten sowie seidene Kissen, Decken und bemalte „Fürhenng und Panncktüecher“.
Messingleuchter mit Unschlittkerzen, die man selbst anfertigte, dienten zur Beleuchtung.
Wie die Teilung der landesfürstlichen Residenzen in Innsbruck bei der Übertragung
der tirolischen Landesherrschaft an Maximilian erfolgte, wissen wir nicht genau. Aus
einem „Bekennen“ Maximilians vom Jahre 1492 geht jedoch hervor, daß er der Ge
mahlin Sigmunds, Katharina von Sachsen, versprochen hatte, „das Frawen Zymmer
zu Ynsprugkh, in dem sie jr Wonung hat, zu pawen und zu pessern und es ihr auf
Lebenszeit mitsambt dem Garten unbehindert zu überlassen“. Der Wohnsitz der Her
zogin ist also in dem Haus am „Platze“ — wie es immer heißt — zu suchen, im Gol-
denen-Dachl-Gebäude. Maximilian selbst zog die Burg an der Stadtmauer vor, denn
ihre Lage bot gegenüber der im Stadtmittelpunkt verschiedene Vorteile. Hier war
Platz genug für eine Vergrößerung und Erweiterung des Baues, und die landesfürst
lichen Gärten, die 1410 erworben wurden, befanden sich in unmittelbarer Nähe. Außer
dem schien es Maximilian günstig, im Falle einer Belagerung durch eine etwa treulos
gewordene Bürgerschaft mit der übrigen Welt in Verbindung bleiben und von dort
eventuell Unterstützung erlangen zu können, denn als er noch ein kleiner Knabe war,
hatte er die Belagerung der Burg seines Vaters durch die Wiener Bürgerschaft mit
erleben müssen.
Die Nachrichten über Maximilians erste Bautätigkeit in der Stadt beziehen sich ver
ständlicherweise auf seine neue Wohnstätte. 1496 erfuhr das Saggentor, das das
Harnaschhaus mit der eigentlichen Burg verband, eine Umgestaltung zum später so
berühmt gewordenen Wappenturm. Diesen Umbau leitete wahrscheinlich Niklas Türing
der Ältere. Jörg Kölderer hat in den Jahren 1497 bis 1499 den Turm mit 54 Wappen
der tatsächlichen wie zum Teil auch der erhofften habsburgisch-österreichischen Länder
und Herrschaften geschmückt. Ähnlich wie auf den Reliefs am Goldenen Dachl ließ
sich Maximilian zusammen mit seinen beiden Gemahlinnen auf der linken Seite des
Turms darstellen, auf der rechten Seite zusammen mit einer bekrönten weiblichen Ge
stalt, welche das Wappen von Ungarn hält. Der Wappenturm wurde später mehrmals
restauriert, zum letzten Mal 1733, bevor er beim Umbau der Hofburg im südlichen
Rondell derselben unterging.
Im Jahr 1498 erhielt der Hofmaler Jörg Kölderer vom Landesfürsten den Auftrag,
dessen Stüblein im sogenannten „neuen Frauenzimmer“ zu bemalen. Der Nordteil der
Burg wurde zu jener Zeit erweitert und ausgestaltet und die sogenannte „Paradeis-
stube“ mit Fresken geschmückt. Auch die Innenausstattung des großen Saales wurde
unter Maximilian begonnen, jedoch erst unter Erzherzog Ferdinand vollendet.
Als sich einmal im Jahre 1514 Maximilian nach einer zwei Jahre und sechs Wochen
währenden Abwesenheit nach Innsbruck begab, um sich nach den Baufortschritten an
der Hofburg zu erkundigen, soll er beim Anblick des neuen Saales seinem Kammer
diener Matthäus ins Ohr geraunt haben: „Die Baumeister machen es mir nicht recht.
Ich werde mir mein Haus nach meinem Sinne selbst bauen!“ Tatsächlich mußte der
Hoftischler im Jänner desselben Jahres einen Sarg anfertigen, den der Herrscher seit
her stets mit sich führte und der Anlaß zu verschiedenen Gerüchten über den Zweck
der geheimnisvollen Truhe gab.
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1516 wurden in der Burg eine „Khürnstube“ für des Kaisers Jagdtrophäen und
ein Drechslerstübchen, in dem Maximilian höchstpersönlich dieses Handwerk ausübte,
eingerichtet. Die alte Drehbank ist heute noch in der Sammlung Wilczek auf der Burg
Kreuzenstein bei Wien zu sehen.
Die Ehe Maximilians mit der mailändischen Prinzessin war keine glückliche. Die
Vermählung kam wohl nur auf Grund der reichen Mitgift von 300.000 Dukaten und
der Vornehmheit der Sippe der Braut zustande. Maria Bianca stand dem deutschen
Wesen zeitlebens fremd gegenüber. Sie hatte einen Teil des Hofstaates aus ihrer ita
lienischen Heimat mitgebracht, der ständig ihre engere Umgebung bildete. Köche,
Kammerdiener, Garderobier, Leibkutscher bis hinauf zu den Kaplänen, dem Beicht
vater und der ersten Hofdame war alles welscher Abkunft. Maria selbst hat kaum
ein deutsches Wort gesprochen. Als die Fürstin am Silvestertage des Jahres 1510 starb,
weilte Maximilian in Freiburg im Breisgau. Einige Wochen vorher noch war er an
ihr Krankenlager gekommen, nachdem ihm der mailändische Feibarzt Dr. Baptista
Baldironus den besorgniserregenden Zustand seiner Gemahlin geschildert hatte. „Die
hohe Frau leide bereits seit vier Monaten an verschiedenen Unpäßlichkeiten, von denen
sie sich allerdings einigermaßen erholt habe. Jetzt sei jedoch jene Gattung von Was
sersucht aufgetreten, die Hyposarca genannt werde. Auch ein Milztumor und eine
Schwellung der Beine mache sich bemerkbar.“ Maximilian nahm daraufhin am 12. De
zember den Wundarzt Friedrich Ploch als zusätzlichen Berater in seine Dienste und
begab sich wieder in die Vorlande. Die Trauerbotschaft vom Tode seiner Gemahlin
erreichte ihn erst, als Maria Bianca schon längst in der Fürstengruft in Stams bestattet
war. Ihr Grab wurde beim Einfall der schmalkaldischen Soldatenhorde unter der
Führung des Herzogs Moritz von Sachsen im Jahre 1552 zerstört und geplündert.
Über die Charaktereigenschaften Maria Biancas erzählen die Chronisten sehr Unter
schiedliches. Ein boshafter Zeitgenosse berichtet: Die Fürstin sei zu ersprießlicher Tätig
keit unfähig. Sie verbringe ganze Tage mit Kartenspiel und sitze dagegen wieder
manchen Tag verschlafen im verdunkelten Gemach, während ihre Damen gleich un
tätig in diesem oder jenem Winkel des Frauenzimmers liegen und ihre Zeit mit un
nützen Reden vergeuden. Jason Maino wiederum lobte ihren Scharfsinn, ihre Klug
heit und ihre Kunstfertigkeit im Weben und Sticken. Eine in Hexametern geschriebene
lateinische Grammatik und Rhetorik, das „Doctrinale Alexandri de Villa Dei“, die sie
eifrig benützte, beweist, daß sie auch der lateinischen Sprache kundig war. Vielleicht
hat das abweisende Verhalten Maximilians seiner Gemahlin gegenüber die Chronisten
zu den manchmal wohl etwas übertrieben harten Urteilen über die Fürstin verleitet.
Was Maria Bianca allerdings erwiesenermaßen fehlte, war jeder wirtschaftliche Sinn
in der Hofhaltung. Der Hofstaat geriet immer tiefer in Schulden, und das Unterhalts
geld der Königin war oft auf Monate hinaus verpfändet, weil jene dafür immer wie
der Schmuck oder ähnlichen Fuxus kaufte. 1500 finden wir einen Hinweis, daß
Niklas Firmian, der Hofmeister, vom Serenteiner empfangen und an Maria Bianca
ausgehändigt hat: „ein guldin heftlein mit einem wässerigen saphir, ein granat, 3 was
serperlein und etlichen dymant tefelin“.
Maria Bianca war an ein anspruchsvolles Leben gewöhnt. Dafür spricht auch die
wahrhaft fürstliche Brautausstattung an Schmuck, Kleidern und kostbaren Gebrauchs
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gegenständen, die im Winter 14.93 gleichzeitig mit der Braut nach Innsbruck geführt
worden waren. Allein die Kleinodien und die Aufzählung des Silberzeuges füllen meh
rere Seiten des umfangreichen Inventars. Darin werden z. B. aufgezählt: eine Hals
kette, ein unvergängliches Meisterstück mit sechs großen Ballasrubinen, zwanzig Dia
manten von vielerlei Art, sechs Smaragden, vierzehn großen Perlen und 36 kleineren
im Wert von 9000 Dukaten. Weiters ein Halsband mit einem Smaragd von wunder
barem Glanz, einem Rubin, darüber einem weiteren Rubin in Dreiecksform und dar
an hängend eine wunderbare Perle, gefaßt in zwei Schälchen mit einer Krone darüber.
Krone und Schälchen waren aus 46 Diamanten gebildet. Das Halsband selbst hatte
an einer Schnur 30 große Einzelperlen. 6300 Dukaten war dieses Schmuckstück wert.
Weiters wurden vermerkt: eine Vielzahl an Kleidern, Gürteln, Schnallen, Schmuckklei
dern aus Gold, Silber und Seide, Halskrausen und Krägen, Vorhänge und Schleier
gewebe, gefütterte Steppdecken aus Cambraileinen mit Gold- und Silberornamenten,
Tischtücher, Reitsättel, Teppiche, Decken für die Tragkörbe der Maultiere, ja selbst
eine komplette Kapelleneinrichtung und vieles andere mehr.
Die Fürstin brachte auch die italienische Mode an den Innsbrucker Hof. Die Kleider
waren aus Atlas, Damast, Gold- und Silberbrokaten und weichem Samt genäht. Petrus
Bandini, ein Kaufmann aus Florenz, lieferte den größten Teil dieser Stoffe, das Han
delshaus Asti in Piemont dagegen scharlachrote Schleierstoffe. Auch in Venedig wurde
manches Stück gekauft, und Mailand schickte, was in Italien gerade als neueste Mode
galt. Die Preise für alle diese Textilien waren ungewöhnlich hoch. Eine Elle „vene-
disch kermesin“ kostete im Jahre 1501 8 Gulden und 2 Pfund. Wenn wir z. B. im
Raitbuch von 1510 lesen, Maximilian habe, als er wieder einmal in Innsbruck weilte,
an vier Frauen hoher Beamter, Lichtenberg, Montani, Sernteiner und Moringer, je
18 Ellen feinen, braunroten Karmesinatlas geschenkt, so können wir den Wert dieser
großzügigen Gabe messen. Der Herrscher verteilte übrigens damals auch ans Hof
gesinde und an die „kropfete Stummin“ 5 Ellen „lindisch tuech“. Dieses sogenannte
„lindisch tuech“ führten die Elochstetter und Fugger aus England ein. Maria Bianca
erhielt im Jahr zwei bis drei Paar Schuhe die zum Teil aus Leder, zum Teil aus Seide,
Goldbrokat oder karmoisinrotem Samt waren. Die Gewänder wurden zu jener Zeit
besonders an Ärmeln und Dekollete kunstreich mit seidenen und goldenen Fäden,
sowie kostbaren Edelsteinen bestickt. Auch die Hauben und Barette waren verziert,
ja sogar die Männerkleidung teilweise mit Stickereien versehen. Diese Mode verlangte
deshalb neben guten Schneidern auch geschickte Seidensticker, die nun am Hofe Maxi
milians ein reiches Betätigungsfeld fanden und ihre Kunst zu höchster Blüte entfalten
konnten. Schon 1490 wurde Leonhard Straßburger aus dem Elsaß vom Landesfürsten
nach Innsbruck berufen, wo er bis zu seinem Tode 1517 den größten Teil der vom
Hofe erteilten Aufträge an Stickarbeiten ausführte. Er zählte zu den bedeutendsten
Vertretern seines Kunsthandwerks, und er wurde vom Kaiser deshalb auch mit der
Verwaltung und Pflege der wertvollen Tapisserien betraut, welche aus den Niederlan
den an den Innsbrucker Hof geschickt worden waren.
Das aufwendige Leben am Hofe, die vielen Bediensteten, wie Köche, Zergadner,
Zuschroter, Einkäufer, Holzhacker, Küchenbuben, Futtermeister, Schenken, Kammer
frauen, Garderobiere, Wäscherinnen, Stallmeister, Schmiede, Heizer, Wasserträger, Tiir-
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hüter, Trabanten, Edelknaben und viele andere mehr — als besondere Attraktion
befanden sich am Hofe sogar ein Mohrenmädchen und ein Leopard —, kosteten viel
Geld. Außerdem war Maximilians Hofstaat, der Idee des mittelalterlichen Rittertums
entsprechend, fast durchwegs beritten, und die Anzahl der Pferde bestimmte die Höhe
des zu fordernden Soldes. Die Entlohnung richtete sich nicht nach dem Dienstgrad,
sondern nach dem Geburtsstande. Ein Graf erhielt z. B. 7 Pferde, ein Herr 6, der
Propst 5, ein Ritter 4, ein Doktor oder ein Edelmann 3 Pferde. Für jedes Pferd soll
ten jährlich 100 Gulden rheinisch ,,Lifergeh“ und 50 Gulden rheinisch Sold bezahlt
werden.
Die landesfürstliche Küche versorgte den Hof mit köstlichen, verschiedenartigen
Speisen. Es gab Fleisch jeder Art, Geflügel und Wildbret und Gemüse. „Senif und Sals-
sen“ wurden laufend zubereitet, Latwerg, gestoßener Ingwer, Pfeffer, Nelken, Zimt
rinden, Safran und Muskat galten als besonders begehrte Gewürze. Zur Fastzeit kamen
Mehlspeisen auf den Tisch. Laut einem Bevelchbuch von 1496/97 wurden z. B. beim
Amtmann von Bozen bestellt: Mandeln, Nägel, Zibeben, Feigen, Weinbeerln, Safran,
weiters Kirschen, Pfirsiche, Marillen, Melonen, Kastanien und Zitronen. Daß es in
Küche und Keller stets wohl bestellt war, darum kümmerte sich nicht zuletzt auch
immer wieder Maximilian selbst. Seine Gedenk- oder Memoribücher, von denen wir
später noch sprechen werden, geben darüber Aufschluß. Am Hofe wurde während und
außerhalb der Mahlzeiten viel Wein getrunken. Im Jahr 1498, um nur ein Beispiel
zu nennen, wurden 46 Fässer Wein, 8 Fässer Missianer, 13 Fässer Kälterer und 18 Fäs
ser Traminer in die Innsbrucker Burg geliefert. Diejenigen, die vom Hof gespeist wur
den, erhielten bei einer Mahlzeit ein Maß Wein und dazu zwei Brote. Fürstin
und Frauenzimmer konnten trinken soviel sie nur wollten, und die Hofdamen
erhielten von der Hofmeisterin auch zwischendurch und nachts einen „zimblichen
Trunk“. Jeder andere am Hof — es wurden durchschnittlich 200 Personen verköstigt —
bekam seine ihm zustehende Menge. Gespeist wurde an mehreren Tischen, wobei auf
eine strenge Rangordnung höchster Wert gelegt wurde.
Auch der Armen wurde regelmäßig gedacht. Sie sollten laut einer Instruktion von
1498 täglich Gemüse und Bier bekommen, an Sonntagen jedoch Fleisch. Eine Liste mit
den Namen der Almosenempfänger verhinderte das Einschleichen von Schmarotzern.
Daß Maximilian in andauernder Geldverlegenheit war, ist nun nicht mehr verwun
derlich. Zudem kam noch, daß sich beim Landesfürsten nach dem Tode seiner Gemah
lin immer wieder Gläubiger meldeten, unter ihnen vor allem das Hofgesinde, das der
Herrschaft Geld geliehen hatte. Die Kammer konnte all diese Forderungen nicht erfül
len, und so mußte sich beispielsweise der Kammerdiener Balthasar für seine Mühe und
seine Auslagen mit dem Bett der Verstorbenen und dessen Umhang zufriedengeben,
Hans Mai mit einem Hofkleid, der Stallknecht Hertenberger mit vier Wagenrossen,
Heinrich Fultin, der Sattler, der der Kaiserin ein „vergultes“ Zeug angefertigt hatte,
mit vierzig Ellen kostbarem Brabanter Samt. Die höchsten Forderungen stellten der
Hofschneider De Villa und der Garderobier Francesco. Jeder von ihnen verlangte
500 Gulden. Auch die 27 bis 30 Hofdamen der Kaiserin, die fast alle wie ihre Herrin
in Schulden geraten waren, mußten ausgelöst und ihrer Würde entsprechend versorgt
werden. Im Rechnungsbuch von 1511 steht geschrieben: „An sunder Ausgab auf weiland
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der Kaiserin unser aller gnädigsten Frauen Begräbnus und Begängnus ist ergangen
12.289 Gulden, vieler Schulden noch ungerechnet.“
Es ist allgemein bekannt, daß die reichen Fugger dem Landesfürsten immer wieder
hohe Summen Geldes vorstreckten — Jakob Fugger, der jüngste und später tüchtigste
der drei Gebrüder Fugger, hatte in Innsbruck in der Nähe des Goldenen Dachls eine
blühende Geschäftsniederlassung — doch Maximilian selbst war kein Geschäftsmann,
und wenn er versuchte, seine Einnahmen aus erhöhten Steuern und Zöllen zu verbes
sern, so war das ein Tropfen auf einen heißen Stein. Schon im Jahre 1495 richtete er
z. B. an die Mautner und Zöllner ein Schreiben, ihm sei zu Ohren gekommen, daß
viele Prälaten, Herren und andere mit ihrem Weine die Zollstätten passieren, ohne zu
zahlen. Sie beriefen sich dabei auf die Zollfreiheit, die sie von irgendwelchen vorvordern
Fürsten und Herren zu Österreich und Grafen von Tirol bekommen hätten. Das sei
schleunigst abzustellen.
Schuld an der mißlichen finanziellen Lage waren auch nicht zuletzt die Kriege, die
Maximilian führte. Diese kosteten Geld und erforderten Waffen. Den Waffen wieder
um, besonders den großen Geschützen, galt seit jeher das Interesse des Kaisers.
Zeughaus, Plattnereien und Gußhütten
In Innsbruck steht heute noch in fast unveränderter Gestalt ein kulturhistorisch
einzigartiges Denkmal, das Zeughaus an der Sill. Zur Aufbewahrung des Kriegszeuges
hatte Maximilian ursprünglich die alte Residenz der Andechser am rechten Innufer
umbauen lassen. Diese Räume dürften sich allerdings im Laufe der Zeit als zu klein
und unpraktisch erwiesen haben, denn auf dem Gebiete des Wehr- und Kriegswesens
vollzog sich mit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts eine wesentliche Veränderung.
Durch angeworbene Söldnerheere wurde das bisherige feudale Kriegsaufgebot ergänzt
und ersetzt und das notwendige Waffenmaterial nicht mehr in verschiedenen Burgen
des Landes, sondern in eigenen Sammelstellen, den sogenannten Zeughäusern, bereit
gehalten. Die Heere bekamen einheitliche Uniformen, neue Waffen wurden erfunden
und alte Kriegsgeräte verbessert. Alle diese Reformen des Heerwesens, die später für
ganz Europa vorbildlich wirkten, gingen von Innsbruck aus.
So entstand nun im Osten der Stadt auf dem großen, freien, unbebauten Gelände
an der Sill das neue Zeughaus. Hier war Platz genug für eine unbehinderte Ausdeh
nung des Baues und die zahlreichen Werkstätten, die zugleich auch die Wasserkraft
der kleinen Sill ausnützen konnten. Es gab da Pulvermühlen, Hammerschmieden, eine
Zimmerhütte, einen Wagenstall, eine Rädermacherwerkstatt, in der die Lafetten der
Geschütze hergestellt oder repariert wurden, eine Schlosserei und eine Büchsenschäfter-
werkstatt, ja selbst ein mit Kesseln, Pfannen und Mörsern ausgestattetes Laboratorio
zur Herstellung von Raketen und „Lustfeuerwerk“. Heute ist von all diesen Anlagen
um das Zeughaus herum nichts mehr erhalten.
Über den Baubeginn und die Baugeschichte gibt das urkundliche Material leider nur
sehr spärliche Anhaltspunkte. In einer Instruktion Maximilians an den Zeugmeister
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Bartholomäus Freisieben vom 29. Mai 1500 ist von der Errichtung einer Hauskammer
für das Zeughaus, von Aufträgen zur Beschaffung von Kupfer für den Guß neuer
Geschütze und Büchsen die Rede und von einer Anordnung, die lautet: „Item wo aber
zuzeiten sovil Arbeit in unsern Zeughaus sein werde, das die Zimmerleut, so vor unserm
Zeughaus sein, nit alles arbeiten und volpringen mochtn, so sol unser Zeugmeister aus
unser Zimmerhüttn zu Ynsprugg etlich Zimmerleut, als vil er denn der Bedarf nemen
und brauchn, wie bisher auch beschehen ist, die im dann alzeyt darzu willig sein sollen.“
Es kann sich bei diesem Befehl nur um das neue Zeughaus gehandelt haben, denn
gerade hier war die Heranziehung neuer Zimmerleute von größter Notwendigkeit.
Die großartige, heute noch gut erhaltene Dachstuhlkonstruktion ist Beweis dieser hohen
Handwerkskunst. Zwei Jahre später kam ein besonders geschickter Zimmermann, Hans
Telhas, von Kempten nach Innsbruck. Er sollte die Poliere und Zimmerknechte bei
den Arbeiten überwachen. Das Entbieten- und Befelchsbuch von 1506 gibt Aufschluß
über die Vollendung des Baues und bringt zum ersten Mal die ausdrückliche Bezeich
nung „Neues Zeughaus“. Das Zeughaus ist ein typischer Bau des Übergangsstils.
Seine Ausdehnung und sein malerischer Arkadenhof weisen bereits in die neue Rich
tung der Renaissance. Unter den Arkaden befanden sich einst die großen Hauptstücke
der Artillerie des Kaisers sowie anderes, schwer transportables Kriegsgerät. In einem
Inventar von 1515 werden z. B. berühmte Hauptstücke im neuen Zeughaus erwähnt.
Sie alle haben eigene, manchmal etwas merkwürdige Namen wie „Pfauenschwanz“,
„Weckauf von Österreich“, „Türkin“, „Bayrlandt“, „Machenfried“, „Purhindurch“,
„Leopard“, „Körauf von der Anpruck“ oder „Wunderlich Greth“. Im oberen Stock
werk, das durch Treppenanlagen an beiden Schmalseiten des Hofes erreichbar war,
wurde das leichtere Kriegszeug aufbewahrt. Der nach außen hin schmucklose Bau hatte,
da er ja außerhalb der Stadtmauern lag, fortifikatorischen Charakter. Die wehrhafte
Anlage des Zeughauses ist auf einer Zeichnung Jörg Kölderers deutlich erkennbar.
Rings um den Bau war ein Wassergraben gezogen, über den Zugbrücken führten. Die
Wassermauern waren mit Schreckzäunen gesichert und mit Schießscharten versehen.
Genauen Aufschluß über das Inventar geben uns die sogenannten Zeugbücher. Zwei
solche Bildinventare, wie man sie auch bezeichnet, handeln vom Innsbrucker Zeughaus.
Jörg Kölderer hat sie unter Aufsicht des kaiserlichen Feldzeugmeisters Bartlmä Freis
ieben in den Jahren 1504 bis 1508 geschaffen. Sie werden heute in der österreichischen
Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt. Unter dem tüchtigen letzten Zeugmeister
Maximilians in Innsbruck, Michael Ott von Achterdingen, wurden die Zeugbücher voll
endet. Ott diente später noch Erzherzog Ferdinand. Wegen seiner getreuen Dienste
wurde er sogar zu dessen Rat und obersten Feldzeugmeister ernannt.
Das Innsbrucker Zeughaus galt schon in alter Zeit als besondere Sehenswürdigkeit.
Dieses „Püchsenparadeis“ wird bereits in einer Reisebeschreibung des Augsburger Patri
ziers Philipp Heinhofer aus dem Jahre 1628 erwähnt. Er berichtet, man könne mit
den im alten und im neuen Zeughaus in Innsbruck aufgesammelten Waffen 30.000 Mann
ins Feld ausrüsten.
Parallel mit dem Ausbau des Zeughauses ging natürlich auch die Vergrößerung der
bereits unter Herzog Friedrich mit der leeren Tasche gegründeten Plattnerei am Mühl-
auer Bach vor sich. Unter Sigmund war schon der berühmte Harnischschläger Konrad
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Treitz in Mühlau tätig, dessen Söhne und Neffen Jörg, Christian und Adrian diese
hohe Kunst unter Maximilian weiterführten. Von Mühlau aus wurde das Innsbrucker
Zeughaus laufend mit Krebsen, Arm- und Beinschienen und Hauben für das Kriegsvolk
beliefert. Paul von Lichtenstein hat hier einmal 1430 Krebse und 159 Fußknechtkrebse
„angefriembt“ und bezahlte zur Hälfte mit Geld, zur Hälfte mit Tuch. Um nun diese
vielbeschäftigte Werkstätte zu entlasten, kaufte Maximilian 1505 beim Georgentor in
der Vorstadt das Haus des Hans Freundt, um hier eine weitere Plattnerei einzurichten.
Unter dem bekannten Meister Konrad Seusenhofer entwickelte sich diese Harnisch
schlägerei zu höchster Vollendung. Der Kaiser selbst besaß von der Hand Seusenhofers
eine Anzahl fein ziselierter und von Goldschmied Hermann Daum vergoldeter Leib
rüstungen. Einen Prachtharnisch erhielt aus dieser Werkstätte auch König Heinrich VIII.
von England und der junge, 14jährige Herzog Karl, der nachmalige Kaiser Karl V.
Heute zählen diese Harnische zu den kostbarsten Museumsbeständen in Wien, Paris
und London.
In Innsbruck gab es damals auch mehrere Gießereien, in denen die Büchsen und
schweren Geschütze gegossen wurden. In der Gußhütte zu Hötting, dort wo heute
die Pfarrkirche Mariahilf steht, war der Büchsenmeister Hans Seelos tätig, im so
genannten „oberen Büchsenhaus“ neben der Höttinger Pfarrkirche Jörg Endorfer mit
seiner Familie. Sie alle waren schon von Herzog Sigmund in Dienst gestellt worden.
Jörg Endorfer, dessen Haupttätigkeit von 1480 bis 1490 nachweisbar ist, hatte die
Hauptstücke, wohl die bedeutendsten Geschütze der schweren Artillerie, entwickelt.
Alle seine Arbeiten und auch jene des Hans Seelos hat Kaiser Maximilian in seine
Artillerie übernommen und in den Zeugbüchern abbilden lassen. Eines der wenigen,
noch erhaltenen Geschütze aus jener Zeit ist die sogenannte „schöne Katharina“. Von
den Venezianern erbeutet, kam sie durch diese in türkischen Besitz und stand lange
Zeit auf den Festungswällen der Stadt Rhodos, bis sie schließlich von einem türkischen
Sultan im vorigen Jahrhundert an Frankreich verschenkt wurde. Heute ist sie als
besondere Sehenswürdigkeit im Pariser Armeemuseum ausgestellt. Am Mündungsreifen
läuft folgende Inschrift: „Die Kateri huis ich — vor meiner gbalt huet dich — das
Unrecht straf ich — Jörg Endorfer goß mich!“ Neben Endorfer und Seelos arbeitete in
Innsbruck Peter Löffler, der wahrscheinlich aus vorarlbergischem Gebiet stammte. Schon
1488 stand Löffler, auch Leiminger genannt, als Geschützgießer im Dienste Erzherzog
Sigmunds. Neben der Herstellung zahlreicher Hauptstücke, zu denen unter anderen
auch Leonhard Magt und Jörg Kölderer die künstlerischen Entwürfe lieferten, beschäf
tigte sich Meister Peter auch mit der Kunst des Glockengusses, die er wie kein anderer
vollendet beherrschte.
Ein großes Verdienst Kaiser Maximilians war die Errichtung einer Messinghütte in
Mühlau. Ein Verdienst deshalb, weil er damit die Monopolstellung der Reichsstadt
Nürnberg, die bisher ganz Mittel- und Oberdeutschland mit Messingwaren beschickt
hatte, brach. Nürnberg besaß nämlich die entsprechenden Tonlager, die zur Herstel
lung von Tiegeln aus feuerfestem Ton zum Brennen des Messings notwendig waren.
Nach einer Erklärung Maximilians, er brauche Sand und Lehm zur Herstellung von
Handbüchsen, bewilligte ihm der Rat der Stadt Nürnberg ausnahmsweise 50 Zentner
Lehm. Als aber der Innsbrucker Fuhrmann gleich 100 Zentner aufgeladen hatte, kam
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es verständlicherweise zu Protesten. Einige Jahre später forderte der Landesfürst wie
derum 100 Tiegel, diesmal zum G'uß der Standbilder für sein Grabmal, und er erhielt
sie denn auch. Obwohl den Messingarbeitern im Gegensatz zu den Bronzegießern ver
boten war auszuwandern, beschäftigte Maximilian mehrere Nürnberger Messingschlä
ger. Unter ihnen befand sich der Rotschmied Stephan Godl, den wir als Gießer meh
rerer Grabmalsfiguren in der Hofkirche kennen.
Es waren wohl die in Innsbruck bestehenden Gußhütten und ihre kunstfertigen Mei
ster, die in Maximilian den Plan wach werden ließen, hier in Tirols Landeshauptstadt
die Erzbilder für sein gigantisches Grabmal gießen zu lassen. So bildete sich Innsbruck
nicht nur allmählich zu einem Zentrum hervorragender Waffenindustrie heran, son
dern auch zu einem Mittelpunkt erstrangigen künstlerischen Schaffens.
1502 schon hatte Maximilian seinen Hofmaler Gilg Sesselschreiber aus München mit
den Vorarbeiten für die Erzstandbilder beauftragt. 1508 übersiedelte Sesselschreiber
nach Innsbruck, wo für ihn eigens eine neue Gußhütte eingerichtet wurde, der er bis
1516 Vorstand. Unter seiner Anleitung wurden die Statuen Ferdinand von Portugal,
Maria von Burgund, Zimburgis von Masovien, Philipp der Schöne, Ernst der Eiserne,
Elisabeth von Görz, Kundigunde und Rudolf I. gegossen. Es wird berichtet, daß beim
Guß einer der ersten Figuren die Herren der Regierung anwesend waren, den gelun
genen Guß bewundert und den Gesellen Gilgs ein gutes Trinkgeld gegeben haben. Aller
dings scheint die Arbeit dem berühmten Meister über den Kopf gewachsen zu sein,
denn 1516 flüchtete er in größter Verwirrung nach Schwaben. Der Kaiser nahm ihm
das sehr übel und schickte am 16. Juni Jenewein Salhenpart nach Augsburg, um Ses
selschreiber zu verhaften. Dieser hatte inzwischen beim Wirt Ulrich Schmid eine Zeche
von 35 Gulden gemacht, und Salhenpart wiederum mußte diese 35 Gulden bei den
Fuggern ausleihen, um den Künstler auslösen zu können. Der „Grabmacher“ — so
wurde Sesselschreiber von den Innsbruckern genannt — wurde nach Innsbruck gebracht,
wo für den Flüchtling ein Stüblein im Kräuterturm bereitstand. Maximilian wies ihm
aber im selben Jahr noch das Dorf Natters als Aufenthaltsort an. Die Flucht Sessel
schreibers ist verständlich. Er war ja Hofmaler und hatte als solcher zwar herrliche
Visierungen gezeichnet, Holz- und Wachsmodelle einzelner Figuren angefertigt, aber
im Rotguß war er Dilettant. Er hat in der Zeit von 1510 bis 1516 auch nur zwei
Güsse selbst ausgeführt: die Bilder Marias von Burgund und Philipps des Schönen.
Während alle anderen Statuen von Stephan Godl und Peter Löffler in einem Stück
und fehlerlos gegossen wurden, führte Sesselschreiber nur Teilgüsse von Stücken durch,
die dann über einem Gerüst zusammengebaut werden mußten. Stephan Godl äußerte
sich in einem Bericht alles eher denn lobend über die Güsse Sesselschreibers.
Antonio de Beatis besichtigte mit seinem Herrn, dem Kardinal von Arragon, im
Mai 1517 eine Gußhütte und schreibt darüber: „Am linken Ufer des Inn, eine italie
nische Meile flußabwärts, läßt der Kaiser 28 Metallstatuen seiner Vorgänger und Ver
wandten aus dem Hause Habsburg gießen. Von denselben sahen wir an dem genann
ten Orte 11 Statuen vollendet, die ungefähr 9 Fuß hoch waren . . . Die Künstler und
Hofleute sagten uns, der Kaiser wolle diese Statuen in einer Kapelle aufstellen lassen,
an der er baut. . . Wenn dieses Werk einmal fertig ist, wird es in Wahrheit wunder
bar schön werden und würdig des hochgesinnten Kaisers.“
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Neben den Innsbrucker Werkstätten beschäftigte Maximilian aber auch in Nürnberg
den bekannten Meister Peter Vischer mit Aufträgen für sein Grabmal. Und die Figu
ren, die Vischer nach Innsbruck schickte, es sind nachweisbar zwei, Artus und Theo-
derich, zählen wohl zu den schönsten. Kein geringerer als Albrecht Dürer lieferte hie-
für die Werkzeichnungen. Diese Standbilder unterscheiden sich von den in Innsbruck
geschaffenen nicht nur durch ihre Beweglichkeit und Eleganz, sondern auch dadurch, daß
sie anstelle der Kerzen Waffen tragen und daß ihr Schild in schmaler, geschwungener
Hochform eng mit der Figur verbunden ist, während die Wappen bei den übrigen
Standbildern in einfacher Breitschildform neben denselben stehen.
Die Frage nach den Künstlern, die an diesem Meisterwerk mitgearbeitet haben, ist
noch keineswegs endgültig geklärt. Die zahlreichen Probleme und Zuschreibungen an
die verschiedenen Künstler können allerdings in diesem Rahmen nicht eingehend er
örtert werden. Eines steht jedenfalls fest: Kaiser Maximilian hat mit seinem Grabmal
ein Werk geschaffen, wie man es seinesgleichen nirgends findet. Es ist der bildhafte
Ausdruck einer Grundidee, die des Kaisers Geisteswelt unablässig durchzog: die Glori
fizierung seiner Ahnen, der Herrscher des Hauses Habsburg und ihrer Gemahlinnen
und aller jener historisch bedeutsamen Persönlichkeiten, von denen Maximilian seine
Abstammung herleiten wollte. Beispiel hiefür sind die römischen Cäsaren, die von
Jörg Muskat nach antiken Münzen aus der Münzsammlung des Konrad Peutinger aus
Augsburg modelliert wurden, Beispiel auch die „Heilige Sipp-, Mag- und Schwäger
schaft“, bezaubernde Figuren, von Jörg Kölderer für das Kaisergrab gezeichnet. Köl-
derer schuf um 1515 auch einen Skizzenkodex der „Heiligen Sipp-, Mag- und Schwä
gerschaft“ im Auftrag des Kaisers für dessen geplantes Holzschnittwerk.
Der französische Chronist Lalaing berichtet uns aus dem Jahre 1503, daß Maximi
lian seinem Sohne Philipp anläßlich seines Besuches in Innsbruck neben Schmuck und
„fremdartigen Maschinen, mit denen man Harnische, Artillerien und andere Dinge
macht“, neben einem Feldbett, das man dem Landesfürsten aus Italien geschickt hatte
und das mit schwarzem Velours ausgeschlagen, mit Stickereien und an mehreren Stel
len mit Perlen und Edelsteinen versehen war, auch die „Genealogie aller Herzoge von
Österreich bis herauf zu Erzherzog Philipp und den Frauen, die sie geheiratet haben,
in welche Familien sie gekommen sind und wieviele Kinder sie hatten“, gezeigt habe.
Maximilian als Bauherr und Förderer der schönen Künste
Neben Staatsgeschäften und Kriegführung, ständigen Reisen und vielen Jagden fand
Maximilian immer noch Zeit und Kraft, fast allen Gebieten des geistigen und künst
lerischen Lebens sein Interesse zuzuwenden. Darin war er ganz Mensch der Renais
sance. Beispielsweise aber gehört der Wunsch, das habsburgische Geschlecht aus alt
römischer Wurzel abzuleiten, noch überwiegend der geistigen Welt des Mittelalters
an. In eigenartiger Weise durchdringen und verweben sich im Wesen Maximilians, wie
bei vielen Menschen jener Übergangszeit, spätmittelalterliche und renaissancehafte
Züge. Die Freude am Turnier, am höfisch-ritterlichen Spiel und Mummenschanz ist
ein ganz mittelalterlicher Zug des Fürsten. Aber sein Verhältnis zur Kunst ist modern
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'•ft
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und von erstaunlicher Vielfalt. Nahezu alle Arten hat er gefördert, von der Baukunst
über Plastik, Malerei, Holzschnitt bis zur Dichtung und Musik.
Schon bei der Abtretung Tirols im Jahre 1490 übernahm Maximilian mit allen
Bediensteten auch den bereits seit zehn Jahren von Erzherzog Sigmund gehaltenen
talentvollen Orgelspieler und Komponisten Paul Hofhaimer, der sich durch eifriges
Studium und fleißige Übung zum berühmtesten Organisten seiner Zeit herangebildet
hatte. Die Rechnungsbücher der Jahre 1491 und 1492 verzeichnen Zahlungen an Hofhai
mer für eine „neue Orgel“ in der Pfarrkirche zu Innsbruck. Hofhaimer war zwar des
Orgelbaues kundig, doch hat die Hauptarbeit an diesem Werk wohl der Brixner Orgel
bauer Burkhart Distlinger übernommen. Im Frühjahr 1494 wird Hofhaimer zum
erstenmal urkundlich als Orgelmeister bezeichnet, der einen jährlichen Pauschalbetrag
von 100 Gulden erhält. Nach vielen Jahren unsteten Wanderlebens kam Hofhaimer
1512 wieder nach Innsbruck, um den Umbau der Orgeln in der Pfarrkirche St. Jakob
zu besorgen. Er holte den Orgelbauer Jhan Behaim von Dubrau, den er persönlich
kannte, nach Innsbruck. Das fertiggestellte Orgelwerk erregte schon in jener Zeit höch
ste Bewunderung. Antonio de Beatis, der das Instrument im Jahre 1517 spielen hörte,
schreibt, „die Orgel sei sehr schön, nicht übermäßig groß, aber mit vielen Registern
und vorzüglichen Stimmen. Pfeifen ahmen den Klang von Trompeten, Hörnern, Bäs
sen, Schalmeien und das Singen verschiedener Vögel mit solcher Naturtreue nach, daß
kein Unterschied gegenüber der Wirklichkeit wahrgenommen werden kann. Es ist in
der Tat ein so ergötzliches und sinnreiches Werk, daß wir es als das vollkommenste
befunden haben von allen Orgeln, welche wir während der ganzen Reise gesehen ha
ben.“ Hofhaimer war ein Liebling des Kaisers und wird von seinen Zeitgenossen bezüg
lich seiner musikalischen Kenntnisse als unerreichter Meister gepriesen. Er hatte mit
Unterstützung des Kaisers in der Sillgasse ein Haus erworben, mußte aber bei allen
festlichen Gelegenheiten den Kaiser begleiten oder ihm nachreisen, um durch sein
kunstreiches Orgelspiel die Anwesenheit des Monarchen zu verherrlichen. Den Höhe
punkt seines Ruhmes erreichte Hofhaimer im Jahre 1515 anläßlich der Doppel Ver
lobung der Enkel des Kaisers in Wien. Der Organist Meister Paul wird von Maxi
milian geadelt, und der König von Ungarn erteilt ihm den Ritterschlag. Nach Inns
bruck berufen, erwartet ihn eine neue Auszeichnung, von der er am 6. November 1515
stolz seinem Freund Joachim Vadian berichtet: „Die kayserliche Majestät hat ytz zu
Ynnsprugk in Ansechung meiner empfangen ritterlicher Eer mich noch höcher gefreyet
und geadelt, mich Turniergnosz gemacht, als ir an dem Helm diser Wappen sechen
werd, auch mit im Teutsch den Titel geben, das man mir schreyben und mich nennen
sol Her Paulsen Hof(haymer), kayserlich Mt. obristen Organisten und nimmer Mai-
ster Pauls.“
Auch der Hofkaplan und spätere Bischof von Wien, Georg Slatkonia, ein gebür
tiger Laibacher, der die Leitung der kaiserlichen Hofkapelle in Wien innehatte, hielt
sich mehrmals in Innsbruck auf. Er unterschrieb zusammen mit Hofhaimer den Ver
trag für den Orgelbau durch Jhan Behaim. An feierlichen Singmessen, auch jenen,
die anläßlich des Besuches Philipps des Schönen im Jahre 1503 in Innsbruck aufgeführt
wurden und von denen später in anderem Zusammenhang die Rede sein wird, wirkte
er mit.
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Neben dem Hoforganisten Hofhaimer nahm der musikfreundliche Kaiser den wahr
scheinlich aus den Niederlanden stammenden und früher am Hofe der Mediceer in
Florenz angestellten berühmten Musiker und Komponisten Heinrich Isaak in seine
Dienste. Laut Urkunde wurde derselbe am 3. April 1497 in Innsbruck als kaiserlicher
Hofkomponist angestellt. Sicher wissen wir, daß er im Jahre 1512 wieder nach Flo
renz übersiedelte, daneben aber trotzdem in seiner früheren Eigenschaft im Dienste
des Kaisers verblieb. Mit Innsbruck bleibt sein Name mit dem Lied „Innsbruck, ich
muß dich lassen“ verbunden, das Isaak zwar nicht komponiert, aber in zwei mehrstim
migen Bearbeitungen — den ältesten, die bisher bekannt wurden — überliefert hat.
Sein berühmtester Schüler war Ludwig Senfl. Er wurde 1516/17 vom Kaiser als Nach
folger Isaaks zum Hofkomponisten ernannt, nach dem Tode des Kaisers aber im Jahre
1519 mit einer kleinen Abfertigung aus diesem Dienst entlassen. Von ihm sind nicht
weniger als 185 Liedbearbeitungen erhalten.
Besonderes Interesse zeigte Maximilian auch für seine Bibliothek. Nach dem Tode
seines Vaters ließ er dessen wertvollste Bücher aus Wiener Neustadt nach Innsbruck
bringen und sie an einem genau bezeichneten Ort in der Innsbrucker Burg aufstellen.
Als sich aber dieser Platz als ungünstig und feucht erwies, ordnete Maximilian an,
diese Bücher auf das Schloß Thaur zu schaffen, nachdem man sie in einem warmen
Raum Blatt für Blatt mit trockenen Tüchern ausgestrichen und mit Nummern ver
sehen habe. Das Inventar sei ihm, Maximilian, zu übersenden.
Die wertvollsten Codices aber, die heute in der Nationalbibliothek in Wien ver
wahrt werden, entstanden im Auftrag Maximilians selbst. So das berühmte Amraser
Heldenbuch, eine Sammlung von mittelhochdeutschen Dichtungen, 1504 bis 1516 vom
Bozner Hans Ried geschrieben und 1517 von einem Nordtiroler Maler, wahrscheinlich
Ulrich Funk, mit Miniaturen geschmückt, oder die Jagd- und Fischereibücher von
Wolfgang Hochenleitner und Jörg Kölderer, um nur einige wenige zu nennen. Viele
hervorragende Künstler seiner Zeit hat Maximilian für sich arbeiten lassen. Albrecht
Dürer schuf für den Kaiser das berühmte Gebetbuch, das für den Georgsorden ge
druckt werden sollte, Teile der Holzschnittfolgen der „Ehrenpforte“ und des „Triumph
zuges“ — beide Werke bestimmt, den kaiserlichen Ruhm vor der breiten Öffentlichkeit
zu erhöhen. Demselben Zwecke diente auch die Illustrierung des Versepos Theuerdank,
in dem Maximilian seine Brautfahrt nach Burgund mit all den Gefahren und Aben
teuern schildert, und die des „Weißkunig“, der Selbstbiographie des Kaisers. Der ge
niale Hans Burckmair vor allem hat die Hauptarbeit an diesen Holzschnitten gelei
stet. Bei der Verfassung der Selbstbiographie war dem Kaiser der Sohn eines Mühl-
auer Harnischschlägers, Marx Treitz mit dem Beinamen Saurwein, behilflich. Dieser
Marx Treitz-Saurwein schrieb auch die sogenannten Memoribücher oder Gedenkbücher
des Kaisers. In Kurzform, teilweise sogar in Geheimschrift wurde hier alles verzeich
net, was der Kaiser in nächster Zeit anzuordnen oder zu unternehmen beabsichtigte.
Es sind dies eine Art Notizbücher, die ein buntes Bild der Lebensinteressen des Kai
sers vermitteln: wenig Politik, aber Sorge um Haus und Hof, Wald und Feld, Wei
den und Almen, mit naturkundlichen Anmerkungen, medizinischen und kulinarischen
Rezepten und nicht zuletzt Literatur und Kunst. So lesen wir z. B„ daß Treitz-Saur
wein nicht vergessen darf, im Weißkunig zu vermerken, daß „kaiserliche Majestät in
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einem halben Jahr mit seiner Hand 100 Antvogl geschossen, item ihr kaiserliche Maje
stät 27 Hasen nacheinander geschossen und nie gefehlt“ habe. Auch von Innsbruck ist
in diesen Gedenkpuecheln des öfteren die Rede. Wir lesen z. B.: „die Pfar daselbst
zu Ynsprugg anzufahen“. Tatsächlich hat Maximilian die mittlerweile zu klein gewor
dene Pfarrkirche St. Jakob erweitern und den sie umgebenden Friedhof außerhalb
der Stadt, an die Stelle des heutigen Adolf-Pichler-Platzes, verlegen lassen. Dort ließ
1510 Maximilians Hofapotheker Matthias Rumler die Doppelkapelle St. Michael und
St. Anna, auch St.-Veits-Kapelle genannt, bauen (Tafel VIII).
Aus derselben Schrift entnehmen wir auch, daß der Kaiser die Hofburg am Renn
weg gegen die Pfarrkirche hin vergrößert und dazu einen Teil des vorigen Kirchhofes
verwendet hat. Daß Maximilian mit seinen Baumeistern in Innsbruck nicht zufrieden
gewesen ist, wissen wir schon aus einer früheren Bemerkung, doch hier steht geschrie
ben: „Item der Kunig sol die Paumeister, so zu Ynsprugg und Veltkirch pauen, selber
reformieren.“ Auch auf eine geregelte Armenanstalt zu Innsbruck nahm der Kaiser
Bedacht. In Wilten sollte ein Armenhaus erbaut werden. Im Memoribuch lesen wir:
,,. . . ein Petterhaus zu Wiltein und daselbst die Ordnung mit dem almuesen wie zu
Wien und Graz aufzurichten, item ein gemeins tegliches Hofalmuesen aufzurichten.“
Um die Stadt Innsbruck vor Feuersbrünsten zu sichern, ordnete Maximilian an, die
Dächer mit besonderen Ziegeln zu decken. „Item Ynsprugg für Prant versehen, item
König sol Ziegel, so lang wern [die dauerhaft sind], auf die neu Kunst zu Augsburg
und Innsbruck brennen lassen, aber dasselb Ziegelkunst kost mit dem Lusieren noch
dreimal soviel alls ander gemain Ziegl, dieselbe Kunst soll man zu Innsbruck versuchen,
ob man sie machen kann.“ Es hat sich hier um Glasurziegel gehandelt, wie man sie
heute noch allenthalben auf alten Kirchdächern findet. Auch Mantelmauern ließ Maxi
milian um niedrige Dächer herumführen, um diese vor Feuer zu schützen — die Vor
der- und Mitterburg hatten ebenfalls eine solche Schutzmauer —, und derartige Anlagen
galten schon damals als besonderes Kennzeichen der Innsbrucker Häuser. Die Stadt
Klagenfurt nämlich, die durch Brand zerstört und 1518 wieder auf gebaut wurde, er
hielt Dächer „auf innspruggerisch für das Feuer gemacht“.
Wir finden auch einen Vermerk über die Sicherung und Verarchung des Innflusses:
„Item Archen im Ynn zu machen auf die Furt zu prechen.“ Schwer zu erklären ist fol
gende Stelle: „Item Weinreben am Serleser Joch setzen zu lassen“. Schon Herzog
Friedrich hat sich vergeblich bemüht, in der Gegend von Innsbruck Wein anzubauen.
Der heute noch in Hötting häufig vorkommende Familienname Saurwein besagt, daß
der Wein nicht gerade von bester Qualität war. Trotzdem ordnete Maximilian in
einer Instruktion über die Verwaltung der Hofgebäude und Hofgründe vom Jahre
1506 an, daß „unser Weingarten bei Hötting zu unserm Lust behalten und nit ver
lassen werden soll“. Wie jedoch Maximilian auf den Gedanken kommen konnte, am
Serleser Joch, dem heutigen Waldraster Berg, Reben zu pflanzen, ist schwer zu begrei
fen. Seinem Gedenkbuch nach wollte Maximilian in der Nähe der Hofburg auch einen
Hasenpark errichten.
Wenn vielleicht auch nicht alle in diesen „Püechern“ notierten Vorhaben ausgeführt
worden sind, so ist es dennoch bewundernswert, wie dieser große Fürst trotz der zahl
losen, viel wichtigeren Geschäfte, die ihm das Deutsche Reich, seine Erbstaaten und
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der damalige Zustand von Europa aufbürdeten, seine Herrschersorgen auch auf die
kleinsten, das Wohl seiner Untertanen betreffenden Dinge auszudehnen vermochte. Und
wir können mit Stolz und mit Recht behaupten, daß sich Maximilian um Tirols Lan
deshauptstadt besonders gekümmert hat. Hätte Innsbruck sonst das Zeughaus oder
den herrlichen Prunkerker, das Goldene Dachl, welches heute von aller Welt bestaunt
wird?
Das Gebäude, welches vom Goldenen Dachl geziert wird, war einst die Residenz
Sigmunds. Er bewohnte es auch noch bis zu seinem Tode, am 4. März 1496. Zwei
Jahre darauf wurde es von Maximilian für seine Finanzkammer, die Hauskammer,
die Raitkammerkanzlei, die Buchhalterei und die Registratur adaptiert. Wann und zu
welchem Zweck aber der Kaiser das Goldene Dachl daranbauen ließ, ist bis heute noch
nicht genau bekannt. Wollte er damit die Residenz seines Onkels verschönern, oder
sollte der Erker einem bestimmten Zweck dienen, nämlich als eine Art Loge, von der
aus der Kaiser den Tänzen und Spielen am Stadtplatze Zusehen konnte, oder ist es
ein Erinnerungsmal an die glanzvolle Hochzeit mit Maria Bianca in Innsbruck? Wir
wissen es nicht. Auch am Datum der Fertigstellung — über dem Fenster steht die Jah
reszahl 1500 zu lesen — wird gezweifelt. Hofbaumeister Niklas Türing d. Ä. und
Jörg Kölderer haben den Bau ausgeführt.
Die Stadt Innsbruck selbst war dem Kaiser auch nie schön genug. 1500 wiederholte
er den Befehl, die Häuser in Innsbruck mit Zinnen zu versehen. Es seien noch manche
Häuser ohne diesen Schmuck, was man schleunigst ändern solle. Zur selben Zeit ver
lieh er der Stadt das Weggeld zur Pflasterung der Vorstadt, der heutigen Maria-The-
resien-Straße, und der Silbergasse, der jetzigen Universitätsstraße. Auch ein Weg
von Wilten zum Bergisel wurde gebaut. 1508 errichtete Maximilian in der Silber
gasse das Kaiserspital und widmete dafür 1000 Gulden ewiges Geld aus dem
Haller Pfannhaus mit der Bedingung, daß die Insassen zwei Röcke für Sommer und
Winter, vierteljährig ein „langes Hemath“ und für den Winter einen rauhen Brust
fleck zu empfangen haben. Zwölf arme, verdiente Greise sollten in diesem Spital auf
genommen werden. Hans Kämmerer, Maximilians Rat und Pfleger in Schwaz, baute
dazu das Kirchlein zu „Unserem lieben Herrn“. Es stand an der Stelle der heutigen
Universitätskirche.
Vom 9. Juni 1516 ist uns ein Schreiben des Kaisers von Imst erhalten, in dem er
befahl, daß alle Ausgüsse vom Saggentor bis zum Spitaltor abgeschafft werden sol
len, des üblen Geschmacks halber. Der Kaiser sei, so heißt es in dem Brief, „kei
neswegs gesonnen, angezaigte Ausgüsse, dadurch dann die Luft infisziert werden und
sonderlich die in den Graben gehen, und zuletzt allein vor unser Zimmer kommen,
länger zu gestatten“. Den Räten wird befohlen, „von stund an bei dem Hofgesinde
und denen von Innsbruck bei schwerer Ungnade und Strafe darauf zu sehen, daß alle
Ausgüsse abgetan würden und sie hinfüran die Unsaubrigkeit aus den Küchen und
Häusern in die Bäche, da sie in bemelter unser Stadt am stärksten rinnen, tragen las
sen, daß kein Mist über Tag und Nacht in den Gassen und Häusern gestattet sei“. Der
Hauskämmerer hatte auch die „heimlichen Gemach“ (Aborte) um das Wappenhaus
und andere kaiserliche Gemache und Zimmer vermachen zu lassen, damit der Übel
geschmack von den Zimmern wegkomme.
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Gäste am Hof
Die zahlreichen Besuche hoher Persönlichkeiten am landesfürstlichen Hof zu Inns
bruck waren der Anlaß zu solchen Maßnahmen und Bemühungen des Kaisers um ein
gefälliges Aussehen der Stadt. Die Anordnung von 1516, die „heimlichen Gemach“ an
der Residenz zumauern zu lassen, ist wohl darin begründet, daß einige Monate später
die beiden Prinzessinnen Anna und Maria in Innsbruck erwartet wurden. Die spa
nische Infantin Maria war eine Enkelin des Kaisers und die Braut des ungarischen
Erbprinzen Ludwig, dessen Schwester Anna sich mit Erzherzog Ferdinand von öster
reich, einem Enkel Maximilians, verlobt hatte. Die beiden königlichen Fräuleins tra
fen am 27. März 1517 in Begleitung von vierzig Bürgern in der Landeshauptstadt
ein und wurden mit gebührenden Ehren empfangen. Antonio de Beatis, der in Beglei
tung seines Herrn, des Kardinals von Arragon, im Mai 1517 den beiden „Königin
nen“ in der Hofburg seine Aufwartung machte, notierte in seinem Reisetagebuch:
„Im Empfangssaal der beiden Königinnen befanden sich an der einen Seite mehr als
fünfzig Hofdamen, sorgfältig nach deutscher Mode gekleidet und schön von Angesicht.
Die eine der Königinnen mit Namen Anna, die Schwester des Königs Ludwig und
vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, soll Ferdinand, den Bruder des katholischen Königs
(des nachmaligen Kaisers Karl V.), heiraten. Sie ist sehr schön und heiter, hat feurige
Augen und so frische Gesichtsfarbe, daß sie ganz von Milch und Blut zu sein scheint.
Sie trug ein schwarzes Samtkleid und auf dem Kopfe ein Samtbarett von gleicher
Farbe. Die andere Königin, die Schwester des katholischen Königs, Maria mit Namen,
ist dem König von Ungarn versprochen. Sie mag zehn bis elf Jahre alt sein, hat brü
nette Hautfarbe und ist nach meinem Geschmack nicht sehr graziös. Sie war auf gleiche
Art gekleidet, aber in helle Seide und trug ein Männerbarett von schwarzem Samt.“
Soweit der kritische Sekretarius. Zwei volle Jahre verweilten Maria und Anna am
Innsbrucker Hof, bis der plötzliche Tod des Kaisers ihre Abreise nach Wien nötig
machte.
Über den Besuch Philipps des Schönen bei seinem Vater in Innsbruck im Jahre
1503 sind wir ebenfalls genauer unterrichtet, denn Antoine de Lalaing, Sr. de Mon-
tigny, der Philipp auf seinen Reisen begleitete, schildert in seinen Aufzeichnungen bis
ins kleinste Detail alle Veranstaltungen und Ereignisse in Innsbruck, die hier zu Ehren
seines Herrn vom 12. September bis zum 6. Oktober stattgefunden haben. Sein Bericht,
der in französischer Sprache abgefaßt ist, beginnt mit einer kurzen Beschreibung der
Stadt Innsbruck: „Diese Stadt Innsbruck ist ganz klein, etwa von der Größe von
Bozen, aber sehr schön zwischen den Ufern des Inn und Bergen und hohen Felsen
gelegen, und sie ist gut befestigt. Es stehen dort große und schöne Häuser, die alle aus
behauenem Stein gebaut, bemalt und vergoldet sind (mit ,'vergoldet' ist wohl das
Goldene Dachl gemeint) . . . Die Pfarrkirche der Stadt hat eine Orgel, die schönste und
auserlesenste, die ich jemals gesehen habe. Es gibt kein Instrument auf der Welt, das
darauf nicht spielt: denn sie (die Instrumente) sind alle darin enthalten und kosteten
mehr als zehntausend Francs in bar.“ Begeistert äußerte sich Lalaing über die beiden
Zeughäuser Maximilians, die er für die „schönsten Zeughäuser der Christenheit“ hielt.
Nun folgt die genaue Berichterstattung über alle Einzelheiten des reichhaltigen
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Programms, das man zu Ehren seines Herrn zusammengestellt hatte. Von einer amü
santen Begebenheit, die sich am Sonntag, den 17. September 1503 zugetragen hat,
berichtet der Chronist: „Am Sonntag, den 17. September, hörten der König und
Monsieur (Philipp) die heilige Messe in der großen Kirche zu Innsbruck. Der König,
angetan mit einem Gewand aus goldgewirktem, mit Hermelin gefüttertem Stoff, trug
den Hosenbandorden, den Orden des Königs von England, an seinem Bein, Monsieur
den Orden vom Goldenen Vlies . . . Die Sänger des Königs und die des Monsieur san
gen die heilige Messe, und die Orgel wurde auf allen Registern gespielt . . . Der König,
Monsieur und alle Prinzen von Deutschland nahmen ihrem Rang und ihrer Abstam
mung gemäß im Chor Platz. Die Gesandten saßen auf der anderen Seite. Unter die
sen kam alsbald ein Streit auf, weil Messire George de Menton, Gesandter des Her
zogs von Savoyen, ober dem Gesandten von Venedig, welcher früher gekommen war,
Platz genommen hatte. Der venezianische Gesandte, der darüber sehr erbost war, er
klärte, daß der Herzog von Venedig vor einem Herzog von Savoyen den Vorrang
habe, weil jener doch König von Zypern sei. Der andere entgegnete, daß der Herzog
von Savoyen Reichsfürst sei und jener nicht, welcher außerdem nicht durch erbliche
Nachfolge, sondern nur für eine bestimmte Zeit den Herzogstitel trage, und bezüg
lich des Königreiches Zypern gehöre das Recht dem Herzog von Savoyen, nicht dem
Herzog von Venedig. Um diesen Streit zu schlichten, schickte der König den Grafen
von Fürstenberg, Zeremonienmeister und Marschall des Hauses, der die Gesandten
zurechtweisen und Ordnung schaffen sollte. Man kam zum Schluß, daß der Herzog
von Savoyen den Vorrang habe, weil er Reichsfürst sei, der andere jedoch nicht. Wäh
rend der heiligen Messe hielt der Graf von Fürstenberg vor dem Herrscher ein blan
kes Schwert mit der Spitze nach oben — das wird sonst vor keinem anderen König
der Welt gemacht. Als der Corpus Christi emporgehoben wurde, richtete er das
Schwert mit der Spitze nach unten, zum Zeichen, daß der Heiland über allen Köni
gen der Welt steht, und dann hob er die Spitze wieder wie vorher.“
Den Aufzeichnungen Lalaings zufolge hat sich zu jener Zeit wohl der gesamte euro
päische Hochadel in Innsbruck getroffen. Die Ereignisse überstürzten sich. Einen Tag
nach der soeben geschilderten Episode in der Pfarrkirche starb in Innsbruck Hermes
von Mailand, der Bruder von Maria Bianca und der Neffe des Ludovico Moro. „Am
Dienstag“, schrieb der Chronist, „verreiste die Königin nach Zirl, um dort einige Tage
der Trauer um ihren Bruder zu verbringen . . .“ Erst am darauffolgenden Montag,
den 25., fanden die Trauerfeierlichkeiten in der Kirche statt. „An diesem Tage hielt
man in der großen Kirche zu Innsbruck die Vigilien, Obsequien und Begräbnisfeier
lichkeiten des besagten Signeur Hermes von Mailand ab, bei denen der König, die
Königin, Monsieur, der junge Herzog von Julers, der Pfalzgraf, der Marquis von
Brandenburg, der Prinz von Dänemark, die zwei außerehelichen Brüder des Verstor
benen und andere große Herren Trauer trugen und in schwarze Stoffe gehüllt waren.
Die Königin und ihre Hofdamen waren mit schwarzen Trauermänteln bekleidet und
nach germanischer Mode mit Hauben geschmückt. Der Chor der Kirche und der Platz,
wo der König, Monsieur und die hohen Herren saßen, war mit schwarzem Tuch ver
hängt. Der große Altar und die fünf anderen waren mit einem schwarzen Tuch mit
einem weißen Kreuz aus Taft und den vier Wappenschilden des Verstorbenen ge
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schmückt. In der Mitte des Chores stand ein einfacher Sarg, bedeckt mit einem schwar
zen Damasttuch, welches mit einem weißen Damastkreuz und rundherum mit den
sechs Wappenschilden verziert war. Er (der Sarg) war umgeben von dreißig Wachs
kerzen, auf einer jeden ein Wappen. Während der Vigilien hielt jeder der 23 Edel
leute der Familie des Königs, welche mit schwarzen Roben und Hüten bekleidet waren,
eine Fackel mit seinem zweischildigen Wappen. Den Gottesdienst hielt und sang der
Bischof von Bethlehem, Suffragan des Bischofs von Besancon. Am Dienstag fan
den sich alle wie vorher in der Kirche ein. Aber der beschriebene Sarg stand jetzt
im Kirchenschiff neben dem Chor, und die Königin und die Hofdamen saßen im
genannten Chor, wo im feierlicher Weise zwei Messen gesungen wurden.“ Die erste,
ein Requiem, wurde von der Kantorei Philipps, die zweite, „de l’Assumptio Nostre-
Dame“, von der Maximilians gesungen. Die Posaunisten des Kaisers begannen das
Graduale, spielten das „Deo Gratias“ und „Ite missa est“, während die Nieder
länder das Offertorium sangen. Neben Hofhaimer hat an diesem feierlichen Totenamt
auch Slatkonia mitgewirkt.
Lalaing berichtet uns, daß zur gleichen Zeit der Inn aus den Ufern getreten und
besonders in der Stadt Hall großen Schaden angerichtet habe.
Am 2. Oktober stand die Stadt Innsbruck jedoch schon wieder im Zeichen eines
Freudenfestes. Eine Hofdame der Königin, namens Apolonia aus Innsbruck, heiratete
einen Grafen Fodron. In diesem Zusammenhänge erzählt der Chronist von einem
Hochzeitsbrauch, der zu jener Zeit in Innsbruck unter Adeligen und Bürgerlichen
üblich war. Am Morgen vor der Hochzeit nämlich verschenkte die Braut an König
Maximilian und Erzherzog Philipp, an alle anwesenden hohen Herren und Edelleute
ein aus karmoisinfarbener Seide und goldenen und seidenen Fäden gewundenes Kränz
lein, an dem ein goldener Zweig mit einem kostbaren Stein hing. Diese Kränze tru
gen die Männer während der Hochzeitsfeierlichkeiten auf ihrer Kopfbedeckung. Nach
der Hochzeit hängten es sich diejenigen um den Hals, die bereit waren, mit jenen,
welche das Kränzlein berührten, ein Turnier auszufechten. Auch Erzherzog Philipp,
der der Braut zum Dank für das Kränzlein seine Haube überbringen ließ, lieferte
nach der Hochzeit drei Herausforderern Turniere.
Jagd und Fischerei
Wenn Maximilian einmal in Innsbruck war, dann nützte er auch zugleich jede
Gelegenheit, um sich seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd und der Fischerei, zu
widmen.
Lalaing, Sr. de Montigny, der als treuer Begleiter seines Herrn, Erzherzog Philipp,
im Jahre 1503 auch mehrere Hofjagden in der Umgebung Innsbrucks erlebte, gibt uns
folgende Schilderung einer Gemsenjagd: „Am Samstag (16. September) gingen der
König, die Königin und Monsieur auf Gemsenjagd. Diese Jagd ist für diejenigen,
welche das noch nie gesehen haben, äußerst fremdartig. Die Gemsen halten sich für
gewöhnlich auf hohen Bergen und in Einöden auf und haben ein Fell wie die Ziegen
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und sind auch sonst nach deren Art. Aber sie haben zwei kleine, sehr spitzige Hörn
chen an der Stirne, und sie steigen so hoch hinauf, daß die Jäger große Eisenhaken
in den Händen und Eisen in Form eines Andreaskreuzes an den Füßen tragen müs
sen, um die Felsen hinauf- und hinunterklettern zu können, wenn sie an das Tiei
möglichst nahe herankommen wollen. Die Jäger haben weiters Bergstangen, die am
Ende zugespitzt sind und welche sie beim Steigen in der Hand halten. Um nicht zu
fallen, müssen sie beim Abstieg gut darauf achten, wohin sie ihre Bergstange in den Bo
den stecken, um sich daran hinunterzulassen. Das ist eines der gefährlichsten Dinge der
Welt. Der römische König geht auf solch eine Jagd, und er klettert genauso gut, ja
vielleicht sogar noch besser auf die Felsen wie der Jäger, den er hat. Selbst seine
Frau, die Königin, und mehrere ihrer Hofdamen gehen wie die Männer auf die Jagd,
aber sie steigen niemals so hoch auf die Felsen hinauf. Wenn sich die Gemse von Hun
den und Jägern zu sehr in die Enge getrieben fühlt, springt sie von einem Felsen auf
den anderen und hängt sich an ihren zwei Hörnchen auf. Und wenn sie fehlt, fällt
sie eine oder zwei Meilen von oben herab und zerschellt in tausend Stücke. Aber das
Fell bleibt immer ganz. Das Fleisch ist sehr gut zu essen, es schmeckt nur ein bißchen
fade, wie das Fleisch des Damhirsches. Jedenfalls habe ich schon davon gegessen und
möchte noch essen. Es kommt manchmal vor, daß die Gemsen so hoch hinauf und die
Jäger hintennach steigen, daß diese, wenn sie absteigen wollen, den Weg nicht mehr
wissen und gezwungen sind, dort oben zu verweilen. Wenn man das weiß, läßt man
einen Priester kommen, der ihnen von so nahe wie nur möglich den Corpus Christi
zeigt, damit dieser sie an ihr Heil erinnere und damit sie in wahrem katholischem Glau
ben sterben können. Dieser Fall ist schon mehrere Male vorgekommen. Selbst ein oder
zwei Monate vor der Ankunft des Monsieur geschah es, daß ein Jäger bei einem derarti
gen Abenteuer ums Feben gekommen ist.“ Falaing berichtet hier somit von einem Brauch,
der vielleicht mit der Entstehung der Fegende von der Versteigung und wunderbaren
Errettung Kaiser Maximilians in der Martinswand Zusammenhängen könnte.
Über die Martinswand selbst berichtet übrigens Antonio de Beatis in seiner Reise
beschreibung: „Eine Meile von Innsbruck entfernt befindet sich in einer Felsenwand
fünfzig bis sechzig Schritte hoch eine Höhle. Zu derselben ist Kaiser Maximilian hin
aufgestiegen und hat dort mit eigener Hand ein Kreuz gesetzt, welches man von der
Straße aus sieht.“ Diese Mitteilung ist das früheste Zeugnis dafür, daß sich zu jener
Zeit schon ein Kreuz in der Höhle der Martinswand befunden hatte, welches mit dem
vielumstrittenen Jagdabenteuer des Kaisers immer wieder in Verbindung gebracht wird.
Die Martinswand, das „Gejaid an der Frauhüt“ — wie es im Jagdbuch des Kaisers
von 1500 heißt — oder das Gejaid am „Pergle“ hinter Fragenstein bei Zirl, das
Gejaid am Ebt Zürl Joch und am vorderen Solstein zählten wohl zu den wildreich
sten Gebieten in der Umgebung der Stadt. Über die Martinswand berichtet das Ge-
jaidbuch: „Dasselb Pirg ligt morgenshalber am Helkophf. Daran ist nit nach dem
meisten Gembsen und dasselb Wild hetzt man im Gejaid und stellt sich in sand Mar
teinswand. Und so Wild vorhanden ist, ist es ein guts lustigs Gembsen Gjaid für den
Fanndsfürsten, dann man under den Wennden auf der Straßen ze Ross halten und
sehen mag, das Wild aus denselben Wennden feilen.“ Auch der Wiltener Berg muß
große Wildbestände gehabt haben, denn Maximilians Forstmeister Karl von Spaur
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bemühte sich, das Jagdrecht in diesem Gebiet, das dem Kloster Wilten gehörte, für
seinen Herrn zu erlangen. Die Verhandlungen zogen sich lange hin, denn der Abt
von Wilten weigerte sich, berief sich auf die Ordensstatuten und darauf, daß er dem
Landesfürsten bereits die Jagdbarkeit im Venntal am Brennersee abgetreten habe.
Schließlich mußte der Abt doch nachgeben und Maximilian — wenn auch nur pacht
weise — die Jagd auf Lebenszeit abtreten. Als Entschädigung sollte das Kloster jähr
lich fünfzig Fuder Salz und zwanzig Gemsen erhalten, jedoch nur dann, wenn der
Kaiser selbst im Lande weilte, andernfalls mußte es sich mit fünfzig Karpfen zufrie
dengeben. Gejagt wurden vor allem Gemsen, Hirsche, Steinböcke, Rehe, Wildschweine,
Dachse, Murmeltiere, Hasen, Marder, Fischottern und Bären. An der Jagd auf Fasane,
Reiher, Birk- und Auerhähne beteiligten sich auch die fürstlichen Frauen.
Dem Oberst-Forstmeister der Grafschaft Tirol, der seinen Sitz in Innsbruck hatte,
unterstand das gesamte Jagdwesen. Seine Stelle war neben der des Oberst-Fischmei
sters eine sehr wichtige, denn zur Erhaltung der Jagden in Tirol und in den anderen
Erbländern wurden nicht weniger als vierzehn Forstmeister, hundertfünf Fußknechte,
zwei Meisterjäger und tausendfünfhundert Jagdhunde gehalten.
Im Gejaidbuch des Kaisers sind alle Jagdgebiete mit ihrem Wildbestand genauestem
verzeichnet, die verschiedenen Jagdwaffen, welche jeweils verwendet wurden, die man
nigfaltigen Ausrüstungsgegenstände und Kleidungsstücke, die nötig waren, und die
Gepflogenheiten des Landesfürsten während der Jagd. So ist z. B. vermerkt, daß die
Kleider grüne oder graue Farbe haben sollen, daß im Winter der Kälte wegen nur
die hörnerne Armbrust verwendet werden dürfe, daß Wams und Röcklein hoch sein
sollen am Hals, damit keine Steine in den Rücken fallen können, usw. Auch heißt es
wörtlich: „Du sollst dir allzeit eine Hirnhaube in einem Waidsacke nachtragen lassen,
wenn du in die Berge gehst und die Hunde das Geröll in Lauf setzen, damit du gegen
den Steinschlag sicher bist, desgleichen ein gutes Seil. Du sollst auch wollene Socken
mittragen lassen, damit, wenn du auf den Bergen in den Schnee kommst, du die Sok-
ken über Schuh und Hosen anlegen kannst. . . Wenn du auf die Jagd willst oder auf
Gemsen, so mußt du in der Regel um drei Uhr auf sein, daß du zuvor die Messe
hörst und ißt. Sollst dir auch allzeit eine kleine Bütte nachtragen lassen mit Gebra
tenem, Früchten, Käse, Brot und gutem Wein, damit du nach der Jagd oder wenn
du auf Treib wartest, bankettieren magst, desgleichen einen Saum mit Brot und Wein
für das gemeine Volk.“
Bezeichnend für den Charakter Maximilians ist folgende Stelle: „Du, König von
Österreich, mit deinen Erblanden, die zum Hause Österreich gehören, sollst dich ewig
freuen der großen Lust der Waidmannschaft, deren du mehr hast als alle König und
Fürsten zu deiner Gesundheit und Ergötzlichkeit, auch zum Tröste deiner Untertanen,
weil du ihnen dadurch kannst bekannt werden, auch der Arme wie der Reiche täglich
bei diesem Waidwerke Zugang zu dir hat, sich ihrer Not zu beklagen und sie Vor
bringen können. Du ihnen solche benehmen magst mit Lust, indem du im Genüsse der
Waidmannschaft den Bitten der Armen Abhilfe gewähren kannst. Dazu sollst allzeit
deinen Sekretär und etliche Räte mit dir auf solche Waidmannschaft nehmen, damit
du den gemeinen Mann, der dich besucht und zu dir kommt, abfertigen magst. Was
du dann besser am Waidwerk als in den Fläusern tun kannst. Damit du keine Zeit
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verlierst, so sollst du das niemals unterlassen, außer wenn die Falken fliegen oder die
Hunde jagen.“
In Innsbrucks Umgebung gab es zu Maximilians Zeiten auch mehrere Seen, die heute
längst vertrocknet und verlandet sind. Am bedeutendsten war wohl der Amraser See,
der aus einem großen, einem mittleren See und aus einer Lache bestand. An den Ufern
standen ringsum Lusthäuser mit schönen Gartenanlagen. Dieser See war oft Schau
platz prunkvoller Feste, bei denen Hirsche aus den benachbarten Wäldern in das
Wasser gehetzt wurden. Die zahlreichen Hechte, Karpfen, Schleien und Weißfische
wurden aus diesem See nicht mit der Angel geholt, sondern nach dem Ablassen des
Sees, was alle zwei Jahre geschah, gefangen. Die Innsbrucker Hofküche wurde dann
mit diesem reichen Ertrag beliefert. Dort, wo sich heute das Löwenhaus befindet, ließ
Kaiser Maximilian den sogenannten „Neusee auf der Rennwies“ anlegen. Hier gab
es Aschen, Grundeln, Pfrillen und Wildenten, die mit Falken gejagt wurden. Erst 1870
schüttete man diesen See zu. Auf der Ulfiswiese beim heutigen Pulverturm westlich
der Stadt lagen „See und Graben“ auf der „Langen Wiesen“. Dieser See war beson
ders beliebt, weil Maximilian hier zugleich Hirschjagd, Falkenbeize und Fischfang
betreiben konnte. Etwas weiter westlich lag am anderen Innufer noch ein See namens
„See zu Sigmundslust“, der spätere Yölser See, welcher 1781 ausgelassen wurde.
Letzte Abreise
Diese Jagden und Fischereien, die aufwendigen Feste und die künstlerischen Bestre
bungen Maximilians kosteten eine Unmenge Geld, und im Herbst des Jahres 1518
erreichte die Geldnot der Innsbrucker Kammer einen kaum zu überbietenden Höhe
punkt. Die regierenden Herren waren nicht imstande, das Allernötigste an Geldmit
teln aufzubringen, ja selbst nicht immer den Betrag für des Kaisers Lebensunterhalt.
Schon einige Monate vorher beschlossen die Innsbrucker Bürger, eine zumeist aus Wir
ten bestehende Abordnung zum Kaiser nach Augsburg zu schicken, um ihn ernstlich
und demütiglich um Bezahlung der Schulden zu bitten. Diese mündliche Vorstellung
haben der Kanzler Zyprian von Sarnthein und der Pfleger Blasius Hölzl unterstützt.
Maximilian versprach Abhilfe und beauftragte die Kammer, den Wirten wenigstens
den vierten Teil ihrer Forderungen, das waren sechstausend Gulden (Maximilians Ge
samtschuld bei den Wirten betrug etwa 1 Million Schilling), zu bezahlen. Aber zwi
schen den Wünschen des Kaisers und der Leistungsfähigkeit der Kammer schob sich
damals oft ein unüberbrückbarer Graben.
Anfang Oktober scheint die Innsbrucker Regierung mit der Ankunft des Kaisers
aus Augsburg gerechnet zu haben, denn sie versorgte sich schon am 5. mit Heu und
Stroh für des Kaisers Pferde. Bis zur Ankunft des Hofes vergingen aber noch drei
Wochen. Am 24. Oktober soll dann Maximilian laut einem zeitgenössischen Bericht
bereits an der Ursulaprozession in Wilten teilgenommen haben. Anschließend sei der
Kaiser trotz seines Beinleidens, an dem er schon längere Zeit litt, auf sein Schloß Fra
genstein bei Zirl gezogen. Nach seiner Rückkehr nach Innsbruck am Ende des Monats
ereignete sich dann der peinliche Vorfall mit den Wirten, der die Stadt in den Ruf
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der Ungastlichkeit gebracht hat. Der riesige Hofstaat, den der Kaiser mit sich geführt
und mit dem man nicht gerechnet hatte, fand in den Herbergen der Altstadt nur schwer
Unterkunft, und des Kaisers Pferde mußten über Nacht auf den Straßen stehen. Dar
aufhin soll Maximilian, von Zorn bewegt, in ein schleichendes Fieber verfallen und
abgereist sein. Zur Rehabilitierung der Innsbrucker Bürger sei jedoch gesagt, daß diese
Vorfälle nicht der tiefere Grund für die ja schon längst geplante Weiterreise nach Wels
waren, aber sie beschleunigten vielleicht deren Zeitpunkt. Am 4. November morgens
also verließ Maximilian die Stadt. Sein altes Beinleiden und seine körperliche Schwäche
zwangen ihn, eine von Hengsten getragene Sänfte zu benützen, die ein Innsbrucker
Tischler eigens anfertigen mußte. Aus zwei Briefen, die der Kaiser auf seiner Reise
aus Kufstein und aus Gmunden an das Regiment schrieb, erfahren wir zum ersten
Mal die Ursache seiner raschen Abreise nach Wels. Er wollte dort mit seinen Hof
räten die innere Neuordnung der Erbländer und die Abwehr der böhmischen Grenz
händel besprechen. Aus dem Schreiben von Kufstein geht weiters hervor, daß Maxi
milian gleich nach Weihnachten wieder nach Innsbruck zu kommen gedachte. Er hatte
also die Stadt in der Zuversicht verlassen, nach wenigen Wochen wieder dahin zurück
zukehren. Dieser Wunsch aber sollte dem alternden, kranken Landesfürsten nicht mehr
erfüllt werden. Kaiser Maximilian starb am 12. Jänner 1519 sechzigjährig in Wels,
vermutlich an den Folgen eines Darmkrebses.
Einige Monate vorher noch, am Augsburger Reichstag, hatte der große Meister
Albrecht Dürer das Porträt des Kaisers in einer der schönsten Kohlezeichnungen, die
die abendländische Kunst besitzt, festgehalten. Unerschütterliche Willensstärke und
Tatkraft sprechen noch aus diesem Bild, obzwar die Gesichtszüge Maximilians schon
abgespannt und müde wirken. Wieviele Pläne wären doch noch zu verwirklichen ge
wesen. Dennoch, was der Kaiser insbesondere als tirolischer Landesfürst für Innsbruck
getan hat, ist bewunders- und dankenswert. Maximilian hat den Spruch wahr gemacht,
den er in seiner Selbstbiographie niedergeschrieben hat:
„Wer ime in seinem Leben kain Gedachtnus macht, der hat nach seinem todt kein
gedächtnis und desselben menschen wirdt mit dem glockenton vergessen; und darumb
so wirdt das gelt, so ich auf die gedechtnus ausgib nit verloren/*'
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Anhang
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN
Umschlag:
Bildnis Kaiser Maximilians I. von Berhard Strigel, um 1510 (Tiroler Landesmuseum
Ferdinandeum). — Farbige Abbild, s. Kultur-Zeitschr. „Das Fenster“, Heft 2 (1967).
Umschlag Rückseite:
Siegel der Urkunde Nr. 630 (Stadtarchiv Innsbruck).
Tafel I:
Kaiser Friedrich III., Ausschnitt aus dem Doppelbildnis Kaiser Friedrichs III. und
Eleonore von Portugal, Kopie von Anton de Boys, 1529, nach einem Original aus dem
15. Jahrhundert; öl auf Leinwand 100 : 114 cm (Stift Wüten).
Tafel II:
Stadtarchiv — Urkunde 535, Pap. 22 : 32 cm.
1495, März 19., Innsbruck.
König Maximilian verleiht dem Innsbrucker Richter Walther Zeller die Ausübung
der hohen Gerichtsbarkeit.
Wir Maximilian von Gottes Genaden, Römischer Kunig zu allentzeitten, Merer des
Reichs zu Hungern, Dalmatien, Coratien etc. Kunig Erzherzog zu österrich, Herzog
zu Burgundi, zu Brabannd, zu G'helldern etc. Grave zu Flanndern, zu Tyrol etc.
Bekhennen, das wier unnserm getreuen Walthern Zeller, Richter zu Ynnsprugg, anheut
durch unnsern lieben getreuen Paulsen von Liechtenstein unnsern Hofmarschalck zu
Ynnsprugg, Phleger zu Thaur und in Serntein, Pan und Acht verliehen, und ime hiemit
Gwallt gegeben haben, in demselben Gericht seiner Verwesung, all dieweil er unver-
khert ist, über das Pluet und all schedlich Sachen, dem Rechtn nach zu richten, dem
Armen als dem Reichen, in Mass er darumb demselben unnserm Hofmarschalck an unn-
ser stat globt und geschworn hat, ongeverde. Mit Urkhunt ditz Briefs geben zu Ynns
prugg am Pfintztag nach dem Suntag Reminiscere, anno Domini etc. nonagesimoquinto
unnserer Reiche, des römischen im zehenden, und des hungrischen im fünften Jahren.
Commissio Domini
Regis
Tafel III:
Stadtarchiv — Urkunde 564, Perg., 31,5 : 17 cm — Siegel anhangend — auf der
Plica rechts: L. Casius subscripsit [?].
1499, Dezember 5., Innsbruck.
König Maximilian bewilligt der St. Sebastiansbruderschaft einen jährlichen Betrag
von 12 Gulden rheinisch.
Wir Maximilian von Gots Gnaden Römischer Kunig zu allentzeitten Merer des
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Reichs zu Hunngern, Dalmatien, Croatien etc. Kunig, Erzherzog zu Österreich. Herzog
zu Burgunndi, zu Brabannt, zu Geldern etc. Grave zu Flanndern, zu Tirol etc. Bekennen,
das wir der Bruederschafft des wirdigen Nothellfer und Martrers sannt Sebastian hie,
damit der Gotsdiennst gemert, der Almechtig dardurch geert und umb Fürbittung des
benannten wirdigen Nothellfers die grausam Krannckheit und behennder Todt der Pesti-
lenntz verhuet werde, die Gnad hiemit gethan haben, also, das bemelter Bruderschafft
nu hinfüro von dato ditz Briefs anzufahen alle Jar jerlich bis auf unnser widerrueffen
ab unnser Cammer hie zwellf Guldin reinisch oder aber sovil Münntz dafür als der
Guldin ye Zeitten giltet, geraicht und geanntwurt werden sollen, ongeverde. Mit Ur-
kunnd dits Briefs, geben zu Innsprugg an Phintztag nach sannt Anndress, des heiligen
Zwellfpottentag, nach Christy Gepurt vierzehenhundert und im neunundneunzigisten
unnserer Reiche, des römischen im vierzehenden und des hunngrischen im zehennden
Jaren.
Per Regem
Brixinen.
Tafel IV:
Bildnis Kaiser Maximilians I. von Schwaz, um 1510; öl auf Holz 78 : 53 cm
(Sammlung Schloß Ambras).
Tafel V:
Bildnis Maria Biancas von Hans von Schwaz, um 1510; öl auf Holz 78 : 47 cm
(Sammlung Schloß Ambras).
Tafel VI:
Stadtarchiv — Urkunde 630, Perg., 43 : 20,5 cm und 8 cm Plica — Siegel anhangend.
1508, Februar 14., Bozen.
Kaiser Maximilian befiehlt dem Bürgermeister und Rat der Stadt Innsbruck der neu
errichteten St.-Barbara-Bruderschaft behilflich zu sein.
Wir Maximilian von Gots Gnadn Erwelter Römischer Kaiser zu allentzeitn Merer des
Reichs in Germanien, zu Hunngern, Dalmatien, Croatien etc. Kunig, Erzherzog zu
Österreich, Herzog zu Burgunndi, zu Brabannt und Phalnnzgrave etc. Embietn unnsern
getreun lieben n. den Bürgermaister, Richter und Rate zu Ynnsprugg unnser Gnad und
alles Guet. Nachdem in verschiner Zeit zu Lob dem Almechtign seiner allerwirdigisten
Gepererin und Junnckfraun Marie aller himelischn Ritterschaft und besunnder der
hailign Junnckfraun und Marterin Sannt Barbara Eren aus sonnder Andacht in unnser
Statt Ynnsprugg ain löblich Bruederschaft, Sannt Barbara Bruederschaft genannt, ange
fangen und aufgericht. Und dieweil wir derselben Bruederschaft mit sonndern Gnadn
genaigt, auch wir und unnser Nachkomen Graven zu Tirol obrist Bruedermaister
Hanndthaber und gnedig Furderer sein wellen, emphelhn wir euch mit Ernnst, daz ir
alzeit auf der Bruedermaister wer dieselbn yezuzeitn sein werden Anrueffn und Ersue-
chen gemelter Bruederschaft in allem dem so ir begegnen und die Notturft in Aufneh-
mung derselbn erhaischn wirdet an unnser statt hilflich und förderlich seyt. Sy auch bey
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iren gegenwärtigen und kunnftign gueten Stiften und Ordnungn hannthabet und in
Sonnderhait. So ordnen, setzn und wellen wir, daz die obbemelt Bruederschaft in allen
und yeden Processionen mit iren Kertzn, Fanen und annderen Getzirdn, den nehsten
Stanndt und Ganng vor der Priesterschaft habn. Ir sy desselbn einsetzen und dabey auch
von unnsern wegen vestigelich hanndthabn und halten und niemanndts gestattn solt, sy
daran zu irren, noch verhindern in dhain Weis, bey Vermeidung unnser Straf und
Ungnad, unangesehen, ob wir oder annder unnser Vorfaren vormals in anndern Bru
derschaften daselbs zu Ynnsprugg auch eingeschriben und verwonnt weren. Das ist
ganntz unnser Will und ernnstliche Maynung. Gebn zu Botzn am viertzehenndn Tag
des Monats February. anno Domini etc. octavo. Unnserer Reiche des römischn im
dreyundzwaintzigisten und des hunngerischn im neuntzehennden Jaren.
Per Regem Commissio Domini
per se Imperatoris propria
Sernteiner subscripsit
Tafel VII:
Stadtarchiv — Urkunde 633, Perg., 43 : 25,5 cm und 5 cm Plica — ohne Siegel.
1508, Mai 3., Innsbruck.
Kaiser Maximilian anerkennt die bestehenden Zollfreiheiten und genehmigt das Ein
zäunen der Felder sowie das Halten von Hunden wegen des Wildes.
Wir Maximilian von Gotes Genaden Erwelter Römischer Kayser, zu allennzeiten
Merer des Reichs [zu Germanien], zu Hungern, Dalmatien, Croatien etc. Kunig,
Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgundi, zu Brabannt und Phallentzgrave etc.
Embieten den Edln unnsern lieben getreuen n. allen Haubtleutn, Graven, Freyen,
Herrn, Rittern, Knechtn, Phiegern, Lanndtrichtern, Richtern, Bürgermaistern, unnsern
Forstmaistern, Forstknechten, Zöllnern und sonst allen anndern unnsern Ambtleutn und
Dienern, so hiemit gemant werden, unnser Gnad und alles Gut. Nachdem unns ain
zeither aufgehalten Landtagn, und in annder Wege, von unnsern Underthanen in
disem unnserm Lanndt der Grafschafft Tirol vil Beswärungn und Clagen zukomen
sein, von wegen der Zolfreyungen, auch des Rodwild und Wildswein halben, und
dieweil wir aber dieselbn unnser Underthanen vor Nachtail und Schaden genedigelich
zuverhuettn genaigt sein, so haben wir verordent und vergönt, welher von Prelaten, Adl,
Steten und Gerichtn vormals an unnsern Zollstetn von alters zolfrey gefaren sein,
dieselbn solln noch zollfrey gehaltn, damit nyemant on Recht seins Innhabens entwerdt.
Wo aber des Brauchshalbn ainicherlay Irrung entsteen, sol solhs durch unnser Regiment
zu Innsprugg entschiden werden. Desgleichen, das unnser Underthanen von alltem
Haußrat, auch was sy zu Notdurfft irer Heuser auf freyem Marckt kauffen, und
anheim tragen dhainen Zoll geben solln. Dann von wegen des Rodwild vergönnen und
erlauben wir, das unnser Underthanen ire Felder für das Wildprat zeinen mugen, doch
sollen [sy das Zeinen] dermassen machen, das sich das Wildprat nicht daran spiß.
So mügen auch die Underthanen bey irn Heusern und Höfen Hund halten, die dem
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Wildprat nit geverlich Scheden bringen mechten allain zu Befridung irer Felder und
Gärten. Und der Wildschwein halbn, haben wir verordnet, daz die durch unnsere
Jäger, sopald ir Zeit wirdet, gejagt sollen werden. Demnach empfelhn wir euch mit
Ernnst und welln, daz ir die bemeltn unnsere Underthanen by diser unnser Ordnung
vestigelichen hanndthabet, haltet, schützet und schirmet, sy dawider nicht dringet noch
beswäret, auch darinn dhain Irrung noch Verhindrung thuet, bey swärer unnser Un-
gnad und Straf zuvermeiden. Das ist unnser ernnstlich Meinung. Geben zu Insprugg
am heyligen Creuztag inventionis. anno Domini etc. octavo. Unnserer Reiche des römi
schen im dreyundzwainzigisten und des hungrischen im neunzehennden Jare.
Commissio Domini
Cesaris in consilio
Tafel VIII:
Friedhofskapelle St. Michael und St. Anna, abgebrochen 1868; Aquarell von Josef
Gröber; 26 : 22,5 cm (Stadtarchiv Innsbruck).
QUELLEN
ungedruckte: NATIONALBIBLIOTHEK WIEN — Zeugbücher Kaiser Maximilians I. (Cod.
10815, Cod. 10816), Epithalamion (Cod. 12594), Tiroler Fischereibuch (Cod. 7962), Gedenk
bücher (Cod. 2900, Ser. n. 2626), Codex der Heiligen aus der Sipp-, Mag- und Schwägerschaft
Maximilians (Ser. n. 2627). STADTARCHIV INNSBRUCK — Urkunden Nr. 514, 535, 564,
567, 630, 633.
gedruckte: CHMEL Joseph: Die Handschriften der k. k. Hofbibliothek in Wien, im Interesse
der Geschichte, besonders der österreichischen. 2. Band. Wien 1841. — LALAING Antoine,
Sr. de Montigny: Relation du premier voyage de Philippe le Beau en Espagne, en 1501. In:
Collection des voyages des Souverains des Pays-Bas. Publiee par M. Gachard. Bruxelles 1876.
S. 309—324.
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Maximilian I. zwischen Wirklichkeit und Traum. München 1950.
FOTONACHWEIS
Landesmuseum Ferdinandeum: Umschlag.
Fritz Krinzinger: Umschlag-Rückseite, Tafeln II, III, VI, VII, VIII.
Werner Hosp: Tafeln I, IV, V.
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INHALT
Seite
Vorwort................................................................................................................................. 3
Kaiser Maximilian I. und Innsbruck
Regierungsantritt - Verwaltungsreformen................................................................ 4
Maria Bianca und die landesfiirstliche Burg ............................................................ 7
Zeugbaus, Plattnereien und Gußhütten .................................................................... 14
Maximilian als Bauherr und Förderer der schönen Künste ................................... 18
Gäste am Hof............................................................................................................. 23
Jagd und Fischerei .................................................................................................... 25
Letzte Abreise........................................................... 28
Anhang
Verzeichnis der Abbildungen ................................................................................ 30
Quellen ................................................................................................................. 33
Literatur ................................................................................................................. 33
Fotonachweis ......................................................................................................... 34
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