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VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK
Herausgeber: Karl Schadelbauer
Nr. 28
Innsbrucker Kleindrucke
Von
Dr. Hans Hochenegg
INNSBRUCK 1965
IM SELBSTVERLAG DES STADTMAGISTRATES
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Von den
VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK
sind bereits erschienen:
Nr. 1 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 (l.Teil: Nr. 1—2000)
von Wilhelm Eppacher und Karl Schadelbauer. 1950.
Nr. 2 Innsbrucker Urkunden aus dem Stiftsarchiv Wilten (1238—1350) von Karl Schadelbauer.
1951.
Nr. 3 Die Wohltäter der Landeshauptstadt Innsbruck von Wilhelm Eppacher. 1951.
Nr. 4 Briefe aus Alt-Innsbruck (1461—1873) von Karl Schadelbauer. 1952.
Nr. 5 Innsbrucker Geschichtsblätter (1. Folge) von Karl Schadelbauer. 1952.
Nr. 6 Verzeichnis der Urkunden des Stiftsarchivs Wilten von 1138—1299 von Karl Schadel
bauer. 1953.
Nr. 7 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 (2. Teil: Nr. 2001—4770).
1953.
Nr. 8 Beiträge zur Innsbrucker Kirchengeschichte für Propst Dr. Josef Weingartner. 1954.
Nr. 9 Lesebuch aus Innsbrucker Stadtgeschichtsquellen. 1955.
Nr. 10 Die gefälschten Urkunden des Bischofs Reginbert von Brixen für das Kloster Wilten
von Dr. Fritz Steinegger. 1956.
Nr. 11 Innsbrucker Geschichtsblätter (2. Folge) 1956.
Nr. 12 Die St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichte von Univ.-Prof.
Dr. FI. Lentze.
Nr. 13 Geschichte der Raum- und Grenzbildung der Stadtgemeinde Innsbruck von Otto Stolz.
Nr. 14 Die Kleinstbände der „Dipauliana“ —
Ein Bücherverzeichnis (Band 1 bis 100) von
Karl Schadelbauer.
Nr. 15 50 Jahre schulärztlicher Dienst in Volks- und Hauptschulen von Stadtphysikus Doktor
Leopold Unterrichter.
Nr. 16 Drei Befehlshefte des Innsbrucker Platzkommandos vom Jahre 1809 von Karl SJiadel-
bauer.
Nr. 17 Die Kleinstbände der „Dipauliana“ —
Ein Bücherverzeichnis (Band 101 bis 200) von
Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 18 Das Stadtspital im Jahre 1839 —
Die Beschreibung des Spitalsverwalters Fr. X. Hon-
stetter von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 19 Die Berichte der „Innsbrucker Zeitung“ von 1810 über das „Departement der obern
Etsch“.
Nr. 20 Der Innsbrucker Bürgermeister Felix Riccabona v. Reichenfels von Felix v. Gasteiger.
Nr. 21 Innsbrucker Ansichtskarten um 1900 von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 22 Amtliche Stimmungsberichte 1850/51 und 1859/60.
Nr. 23 Herzog Rudolf IV. und Innsbruck 1363—1365 von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 24 Leitfaden der Geschichte Innsbrucks von Dr. Karl Schadelbauer.
Nr. 25 Die Dreiheiligenkirche zu Innsbruck von Dr. Fr. H. Hye-Kerkdal.
Nr. 26 Die Innsbrucker Inwohneraufnahmen von 1508 bis 1567
Nr. 27 Heiligwasser-Besucher 1854 bis 1875 u. a.
II. Reihe
Innsbrucker Archivnotizen zur Geschichte der 'Österreichischen Vorlande.
Nr. 1 Aus dem landesfürstlichen Kopialbuch von 1458.
Nr. 2 Die Reise Kaiser Ferdinands I. von Speyer nach Freiburg (1562) u. a.
Nr. 3 Das Raitregister des Elsässer Landvogtes Graf R. v. Habsburg (1375) u. a.
Druck: Verlagsanstalt Tyrolia, Andreas-Hofer-Straße 2-4, Innsbruck 2043 65
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VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK
Herausgeber: Karl Schadelbauer
Nr. 28
Innsbrucker Kleindrucke
Von
Dr. Hans Hochenegg
INNSBRUCK 1965
IM SELBSTVERLAG DES STADTMAGISTRATES
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
Erlässe und amtliche Drucksorten 5
Religiöse Zeugnisse: Beichtzettel und Bruderschaftsdiplome 7
Geweihte Schutzmittel 12
Vaterländische Dichtungen 13
Die Hydn-Hymne 18
Weltliche Veranstaltungen 20
Das Landesmuseum Ferdinandeum 25
Von Theaterzetteln und Theaternöten 26
Wohlfahrtspflege 29
Neujahrsentschuldigungskarten 30
Verkehrswesen 37
Familienanzeigen 38
Schmähschriften 40
Kuriosa 43
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Vorwort
Die mannigfachen Kleindrucke aus alter Zeit, seien es Flugblätter, Erlässe und amt
liche Drucksorten, religiöse Zeugnisse oder Familienanzeigen, bieten beachtenswerte
Beiträge zur Kulturgeschichte und Volkskunde. Man hat sie selten auf bewahrt und noch
seltener planmäßig gesammelt und bearbeitet. Streitschriften über Tagesfragen hat man
zwar schon längst als wichtige Geschichtsquellen erkannt; auch auf anderen Gebieten
gibt es Blätter mit viel Aussagewert.
Manches Mal lassen sich als Bucheinmerker jene kleinen Köstlichkeiten finden, wie Wall
fahrtsbildchen, Beichtzettel, Einladungskarten, Krankenrezepte, Gebührenscheine, oder
sie liegen zwischen belanglosen alten Briefschaften aber, was ist eigentlich belanglos?
—
Wer offene Sinne hat, wird immer neue Entdeckungen machen und auch aus dem, was
andere verwerfen wollten, den Pulsschlag früherer Zeiten heraushören!
Aus einem im Laufe vieler Jahrzehnte zusammengetragenen Bestände von allerlei
Kleinkram möchte ich hier einiges herausgreifen, um Beispiele in bunter Folge
ein paar
zu zeigen. Der oft gehörten Frage: „seit wann gibt es dieses oder jenes?" kann auf
Grund der gebotenen Proben manches Mal Antwort gegeben werden. Zugleich aber sei
zu weiterem Nachsuchen angeregt, denn das meiste konnte ich hier nur andeuten, nicht
aber erschöpfend behandeln.
Imallgemeinen konnten aus Innsbruck hinreichende Belege erbracht werden, um das
fast unübersehbar mannigfaltige Gebiet zu beleuchten. Nur in Ausnahmefällen war ich
verleitet den Rahmen zu überschreiten, um besonders bezeichnende Beispiele einzufügen.
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Erlässe und amtliche Drucksorten
Der Antike fehlte die Möglichkeit, Texte im Druck zu vervielfältigen. In Stein ge
hauene oder in weichen Ton geritzte Inschriften mußten den Bewohnern der Alten Welt
die Verdienste ihrer Beherrscher vor Augen stellen und auch die Nachwelt an ihre
unsterblichen Verdienste erinnern. Rom benützte die Münze zum Verlautbaren wichtiger
Ereignisse und zugleich als politisches Werbemittel: „Ob cives servatos“, „Dacia sub-
acta“, „Judaea capta“ sollten verkünden, daß die Bürger gerettet seien, daß Dazien
unterjocht, Judäa erobert sei, die „Liberalitas augusta“, der „Fundator pacis“ an die
Freigebigkeit und Friedensliebe des Kaisers gemahnen. Im Mittelalter deuteten Münz
bilder Herrschaftsansprüche an, z. B. wenn ein Fürst Geldstücke mit dem Wappen einer
bestimmten Ortschaft, auf deren Besitz er ein Recht zu haben glaubte, herausgab.
Der Erfinder der Buchdruckerkunst hatte zuerst das billigere Vervielfältigen religiöser
und wissenschaftlicher Handschriften im Auge. Die ältesten Inkunabeln ahmten sorg
fältig die Formen und Abkürzungen mittelalterlicher Codizes nach und benötigten dazu
Hunderte verschiedener Lettern. Wer hatte den zündenden Gedanken, die neuerfundene
Kunst zu vereinfachen und für schlichten Massendruck zu verwenden?
Jedenfalls gingen schon vor dem Jahre 1500 kaiserliche Verordnungen als Einblatt
drucke hinaus. Sie waren bestimmt, teils um neue Erlässe zu verkünden, teils um die
Regierungspolitik vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Das gedruckte Flugblatt war
geboren und überschwemmte fortan die Länder.
Solange in Innsbruck keine Druckerei bestand, mußte die Innsbrucker Regierung ihre
Druckaufträge in Augsburg ausführen lassen. Als sich die Schwazer Gewerken Jörg und
Hans Stöckl eine von Josef Firnsieder geleitete, leider kurzlebige Buchdruckerei einge
richtet hatten, nahm man sie auch für amtliche Arbeiten in Anspruch. Zwischen 1521
und 1526 flössen mehrere Zahlungen für gedruckte Mandate nach Schwaz.
Erst im Jahre 1556 trat in Innsbruck eine von der Regierung für ihren Bedarf errich
tete Druckerei ins Leben. Der als Buchdrucker angestellte Rupert Holler durfte mit dem
nur dürftig vorhandenen Letternmaterial nebenbei kleinere Privatdrucke ausführen;
man beaufsichtigte ihn jedoch ziemlich streng, damit er das staatliche Eigentum nicht
mißbrauche. Immerhin sind von ihm auch Kalender erschienen und schon in seinem
zweiten Druckjahr 1557 ein Heft im Umfang von 16 Blättern mit Gedichten des Cyrus
Theodorus über den hl. Gregor von Nazianz, aus dem Griechischen in lateinische Sprache
übertragen vom Innsbrucker Lateinschulmeister Paul Ottenthaler.
Wieder erhebt sich die Frage, wann und wo jemand den guten Einfall hatte, vorge
druckte Formulare herzustellen, in denen man nur Namen und Zahlen einzusetzen hatte,
um Empfängern der anbefohlenen Leistung mitzuteilen oder um
den ihnen einen be
nötigten Ausweis ohne lange Schreiberei übergeben zu können.
Vorläufig kann ich nur ein in Wien gedrucktes, aber auch für Tirol geltendes, zugleich
besonders denkwürdiges Beispiel an die Spitze amtlicher Drucksorten stellen. In einer
seinerzeit von mir erworbenen Sammlung kaiserlicher Erlässe befindet sich eine vorge-
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druckte, noch unausgefüllte Aufforderung zum Stellen einer „Hilft zu Ross und Fuess“
nach dem vom Reichstag zu Regensburg festgesetzten Anschlag für den bevorstehenden
Türkenkrieg, erlassen in Wien am 23. 12. 1536. Das 40 X 53 cm an Höhe und Breite
messende Formular begründet in 41 Zeilen die Notwendigkeit zur Beitragsleistung mit
den gewaltigen Rüstungen des türkischen Kaisers; man müsse also alle Kräfte anspan
nen, um die gemeinsame Christenheit, ,,sonnderlich die Deutsche Nation“, vor Nach
teilen zu bewahren. An achtzehn im Text freigelassenen Stellen ist Raum vorhanden
zum Einträgen der jeweils passenden Anrede und des Umfanges der im einzelnen Fall
zu erbringenden Leistung.
Eine endlose Reihe von Ausweisformularen, Steuerquittungen, Mautzetteln, Post-
rezipissen, Kuhpocken-Impfungszeugnissen reihte sich im Laufe der Jahrhunderte ihrem
hier beschriebenen Vorläufer an. Im allgemeinen bieten sie nichts Bemerkenswertes, bis
auf die „Königl. Tyrolische Einfuhr-Zahlungs-Bollette“ mit eingesetztem Datum vom
7. Dezember 1807.
Tirol ein Königreich? Soweit haben wir es doch noch nicht gebracht!
Weil dem überraschenden Titel ein königlich-bayerisches Wappen vorgesetzt ist und
daraus hervorgeht, daß Tirol damals einem fremden Könige untertan war, läßt sich
das Mißverständnis auf klären; der Besteller der Drucksorte hätte dem Buchdrucker als
Aufschrift vorschreiben sollen: ,,Königl. Bayerische Einfuhr-Zahlungs-Bollette zum
Gebrauche in Tyrol“.
Aus der Flut amtlicher Erlässe, die sich hauptsächlich mit Verwaltungsangelegenheiten
befassen, ragt nur ab und zu eine Verordnung durch besondere Eigenart heraus, so daß
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es sich verlohnt sie hier wiederzugeben. Vielleicht mag die folgende Verlautbarung, die
sich mit dem Pfeifenrauchen befaßt, einiges Interesse erregen:
Nachdem allenthalben der Mißbrauch in den Stallungen oder auf den Straßen Toback zu
rauchen bey dem Militär ganz offenbar eingerissen ist, das Militär-Reglement aber solches
ausdrücklich untersaget und vielmehr befiehlt, daß die Schildwachen niemanden gestatten
sollen, ihnen mit einer brennenden Tobackspfeife, Feuer oder offenen Licht sich zu nähern
oder mit solchen über eine hölzerne Brücke, bey Stücken (Kanonen), Heu, Holz oder
Stroh und dergleichen zu passiren: so hat des k. k. Hofkriegsrath unterm 30. May d. J. an
seine untergeordnete Militär-Behörden verordnet, daß dieser Befehl allgemein nachdrück -
liehst erneueret . . . werden solle.
Indem nun diese Landesstelle gegenwärtige Erneuerung dieser so heilsamen Verordnung
zum Tröste sämmtlicher Unterthanen, deren Wohl und Sicherheit hierbey zur Absicht
lieget, bekannt machet, nimmt man zugleich Anlaß alle diese . . . Vorschriften auch für
sämmtliche Zivil-Unterthanen mit dem Beysatze ernstlichst zu erneuern, daß man sich
deren Befolgung umso gewisser verspreche, als sich jedermann selbst zuzuschreiben haben
wird, wenn er im Übertretungsfalle von den ausgesetzten Wachposten angehalten, auch
überdies nach Maas der Umstände zur verdienten gesetzmäßigen Strafe gezogen wird.
Innsbruck am 27ten Junius 1798 Ferdinand Ernest Graf von Bissingen
Gouverneur
(Polizey 11213) Karl Maria Edler von Schenk
Auf die zahlreichenMaueranschläge aus den Kriegsjahren am Ausgang des 18. Jahr
hunderts kann hier nur hingewiesen werden. Die Aufrufe aus dem Jahre 1809 habe ich,
soweit sie mir erreichbar waren, in meiner „Bibliographie zur Geschichte des Tiroler
Freiheitskampfes“, Innsbruck 1960, verzeichnet. Eine Fortsetzung über die Kriege des
19. Jahrhunderts und die beiden Weltkriege würde wohl ein eigenes Heft füllen. Unan
genehm ist uns das Gedenken an die Kriegsnöte, verkörpert durch die Lebensmittel-,
Raucher- und Kleiderkarten. Zwischen den Kriegen verschüttete man auch eine Flut
politischer Propagandaschriften. Eine düstere Erinnerung aus der Zeit des Dritten
Reiches ist die hier wiedergegebene Verlautbarung eines Todesurteils. Ein nächtlicher
Streifzug durch die Stadt, um unbeobachtet ein Exemplar von einer Anschlagtafel ab
zulösen, brachte mich in den Besitz folgenden Kuriosums:
Bekanntmachung!
Am 9. März 1944 ist die 66 Jahre alte Franziska Schw. aus Aßling hingerichtet
worden, die das Sondergericht in Innsbruck als gefährliche Gewohnheitsverbrecherin zum
Tode verurteilt hat.
Die mehrfach wegen Abtreibung vorbestrafte Schw. hat wiederum in großem Umfange
Abtreibungen an Frauen begangen.
Der Oberstaatsanwalt beim Landgericht Innsbruck
gez. Dr. K- St-
Gaudruck Tirol-Vorarlberg 971 44 20 X 30 cm
Also: zuerst hat man die Verbrecherin hingerichtet, und dann hat sie weiterhin ihre
Schandtaten fortgetzt!
Das schlechte Deutsch, die stilistische Nachlässigkeit des mitgeteilten Urteils sind be
zeichnend für jene Zeit voll von Unruhe und nervöser Spannung!
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Religiöse Zeugnisse: Beichtzettel und Bruderschaftsdiplome
Der Beichtzettel ist ein Kind der Gegenreformation. Der Augsburger Religionsfriede
hatte im Jahre 1555 den Grundsatz festgesetzt, daß der Landesherr die Religion seiner
Untertanen zu bestimmen habe cuius regio, eins et religio! Untertanen eines Luthe
—
rischen mußten also lutherisch, die eines katholischen Fürsten katholisch sein. Weil An
gehörige nicht zugelassener Bekenntnisse als Staatsfeinde galten, mußte die Zugehörig
keit Staatsreligion nachgewiesen werden; Katholiken diente der Nachweis über die
zur
abgelegte Osterbeicht als Bestätigung ihrer Rechtgläubigkeit.
Erzherzog Ferdinand II. von Tirol (1563—1595) erließ am 12. 2. 1576 und später
noch öfters Anordnungen über Kontrollmaßnahmen zum Erhalten der Glaubenseinheit L
Auch Nachfolger verlangten, daß der Sakramentsempfang durch Vorweis des
seine
Beichtzettels bestätigt werde. Zum Beispiel wird im Jahre 1601 der Maler Christoph
Wiser aus Imst vom Innsbrucker Stadtrat auf gef ordert, binnen vierzehn Tagen seinen
Beichtzettel vorzulegen 2 .
Über den Druck solcher Bescheinigungen bringt Fischnalers Innsbrucker Chronik An
gaben aus den Jahren 1613 und 1617. In den Jahren 1662 und 1669 lieferte der in
Schwaz ansässige Kupferstecher Andreas Spängler dem Stift St. Georgenberg solche
Blätter 3 Einen dieser Beichtzettel mit dem eingefügten Stiftswappen und der hand
.
schriftlichen Jahreszahl 1698 besitze ich. Sonst sind meine ältesten Beichtzettel aus Ettal,
1680, aus Meran, 1702, aus Innsbruck, 1719. Sicherlich werden im Laufe der Zeit auch
weit ältere Exemplare zum Vorschein kommen.
Die Anteilnahme an religiösen Vereinigungen beruhte auf freiwilliger Mitgliedschaft.
Die den Neuaufgenommenen eingehändigte Urkunde bestätigte wohl ihren Glaubenseifer,
diente aber auch einem praktischen Zweck, denn nach dem Tode eines Mitgliedes waren
diese Ausweise der Bruderschaft einzusenden, damit nicht übersehen werde, des Ver-
Hxc Periona mihi con-# H Haec Perfona mihi con-*
Hgfefla eft, tempore pafchali, gjfefTa eft tempore Pafchali >f
f^Ann® 17 19 .
Oeniponti. lAnno 1763. Wilthau.
Can. Pra:m. A
1
Josef Flirn: Erzh. Ferdinand II., Bd. 1, Innsbruck 1885, S. 178 ft.
2
Konrad Fischnaler: Innsbrucker Chronik, Bd. 5, S. 253.
3
Hans Hochenegg: Die Tiroler Kupferstecher, Innsbruck 1963, S. 31 und 137.
K. Schadelbauer: „Zur Geschichte der Beichtzettel und Beichtregister in Innsbruck“, Pfarr-
blatt 1932/6, 7.
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storbenen im Gebet gedenken und ihm die in den Satzungen verheißenen hl. Messen
zu
zu lesen. Die ältesten Bruderschaftszettel
aus dem 17. Jahrhundert hatten noch ein
bescheidenes Format. Später wurde der Umfang immer größer und die Ausführung
entsprechend prunkvoller.
Dem gegenseitigen Wettbewerb mag es zuzuschreiben sein, daß die Herren- und
Bürgerkongregation Mariae Verkündigung in Hall und die der
ledigen Männer unter
dem Titel Mariae Opferung in Bozen vollkommen gleich große (43 : 32 cm) und gleich
gerahmte Diplome haben, ein jedes mit zugehöriger Stadtansicht, das Haller Blatt ge
zeichnet von Josef und Johann Klauber, das Bozner von Josef Erasmus Belling in
Augsburg. Wer dem andern die Komposition nachgezeichnet hat, ist schwer zu entschei
den, da es sich beide Male um glänzende, einander ebenbürtige Arbeiten handelt; ein
Urheberrecht wurde damals nämlich noch wenig beachtet.
Ober Innsbrucker Wallfahrtsbildchen hat vor allem der
religiöser fleißige Sammler
Darstellungen, Gustav
Gugitz, in seinen Werken: Das kleine Andachtsbild in den öster
reichischen Gnadenstätten, Wien 1950, und Österreichs Gnadenstätten in Kult und
Brauch, Band 3, Tirol und Vorarlberg, Wien 1956, dankenswerte Verzeichnisse ge
bracht, die sich nur unwesentlich ergänzen ließen. Über die Diplome der Innsbrucker
Bruderschaften aber hat noch niemand etwas veröffentlicht; ich glaube daher wenigstens,
eine Grundlage schaffen zu können, wenn ich den Bestand meiner Sammlung zusammen
stelle. Ich konnte zwar mancherlei zusammenbringen, aber wenn man das Material nach
Pfarreien und Ordenskirchen gliedert, sieht man erst die Lücken. In der Pfarre St.
Jakob
z. B. gab es nach Tinkhausers Diözesanbeschreibung eine Bruderschaft Mariä Himmel
fahrt (1468), zum hl. Sebastian (1483), zur hl. Barbara (1513), zu den Armen Seelen,
zur hl. Anna(um 1650), zum Hl. Altarssakrament (1664), zu Mariahilf (1715). Es gibt
eine Menge von alten Innsbrucker Wallfahrtsbildchen, aber von allen diesen Bruder
schaften ist mir kein Zeugnis zu Gesicht gekommen. Auch aus Wüten sollten doch ältere
Bruderschaftszettel vorhanden sein!
In derselben Reihenfolge, wie der Schematismus die Kirchen Innsbrucks verzeichnet,
folgt die Liste mit Angabe der Höhe und Breite der einzelnen Blätter und Hefte:
Allgemeines
Formula, von denen zu sprechen, so in die Congregation aufgenommen werden Gesto . . .
chene Blatte ohne nähere Angaben mit Bild der Unbefleckten Jungfrau in Rokoko-Um
rahmung. Um 1750. 50 X 38 cm
Zeichen des Marianischen Bunds unter dem Schutz der Unbefleckten Jungfrau Mariae
deren ledigen Persohnen in Tyroll. Kupferstich des J. E. Belling in Augsburg mit Dar
stellung der Unbefleckten. Um 1750. 16 X 10 cm
St- Jakobs-Pfarrkirche
Die Marianische Herren- und Bürger-Congregation zu Innsbruck unter dem Titel Mariä
Verkündigung... empfiehlt dem Gebete die vom Dezember 1848 bis zum Dezember 1849
im Herrn entschlafenen Mitglieder. Ohne Druckort. 44 X 27 cm
Dasselbe für die von 1862 auf 1863 Verstorbenen. Innsbruck, Rauch. 51 X 42 cm
Dem in der St.-Jakobs-Pfarrkirche zu Innsbruck am 12. Oktober 1845 errichteten Gebets
vereine der thätigen Nächstenliebe ist einverleibet worden Ohne Ort. Um 1850, Dop
. . .
pelblatt. 15 X 9 cm
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Aufnahmsschein . . .
(vorgenannter Vereinigung). Innsbruck, Kravogl. Um 1850, Doppelblatt
mit lithographiertem Mariahilf-Bild. 16 X 9 cm
Die Marianische Congregation der Junggesellen in Innsbruck unter dem Schutze der Jung
frau Maria (Mitgliedsdiplom; Text in neugotischer Rahmung). Ohne Ort. Um 1860.
53 X 38 cm
Messenbunds-Satzungen und Mitgliedsbuch des Messenbundes der Marianischen Kongre
gation der Herren und Bürger in der Propsteipfarre St. Jakob. Ohne Ort. Um 1930. 7 S.
16 X 9.5 cm
St.-Johannes-Kirche am Innrain
Bruderschaft der Mutter von der Immerwährenden Hilfe und des hl. Alfons in der Sankt-
Johannes-Kirche zu Innsbruck (Rückseite Aufnahme-Formel). Innsbruck, Kravogl. Um 1860.
14 X 8.5 cm
In die Bruderschaft (wie vorher). . . wurde aufgenommen . . .
Innsbruck, Kravogl. Um 1860.
Doppelblatt. 13 X 8.5 cm
F ranziskaner-H ofkirche
St. Antoni v. Padua, zu Hilff und Trost der Christgläubigen Seelen bey den Franziskanern
zu Jnsprugg anno 1652 aufgerichte Bruederschafft. Mit Armen-Seelen-Bild in Kupferstich.
17. Jahrhundert. 17 X 24 cm
Bruderschaft St. Anton von Padua (wie oben). Milldorfer del., W. Gutwein sc. Um 1720.
18 X 21 cm
Dasselbe mit nachgravierter sc. Platte. Fr. Schaur
Oeniponti. Um 1750. 18 X 21 cm
Zeugnis der Aufnahme in den Dritten Orden des hl. Franciscus. Bestätigt 1856. Text in
neugotischer Rahmung. Innsbruck, Czichna. 49 X 32 cm
J esuitenkirche
Die löbl. Bruederschafft Mariae
Reinigung der ledigen Mannspersonen bey dem Collegio
der Societet Jesu in Ynssprugg. Kupferstich. Michael Waldtman del., Leonhard Hecken-
auer sculps. Aug. Um 1700 36 X 33 cm
Bruderschaft zum göttlichen Herzen Jesu in der Kirche zur
allerheiligsten Dreifaltigkeit zu
Innsbruck (gegründet 1842). Innsbruck, Rauch. Um 1850. 8 Seiten. 15 X 10 cm
Sodales Congregationis sub titulo Purificationis Gymnasii Oenipontani (Mitgliedsverzeich
nis). Innsbruck, Rauch (1868). 18 X 11 cm
Ursulinenkirche
Bruderschafft des
allerheiligsten Herzens Jesu in dem Gotteshause Mariae Heimsuchung . . .
der Gesellschaft der hl. Ursulazu Innsbruck im Jahre 1705 errichtet. Eingefügte Ansicht
von Kirche und Kloster. Kupferstich von Georg Müller, Füssen. Um 1750. 43 X 35 cm
Dreiheiligenkirche
Bruderschaft unter dem Schutz des hl. Sebastian in der Kirche
zu Dreiheiligen in Innsbruck,
bestätigt 1860. Mit lithogr. Bild des Heiligen. Innsbruck, Rauch. Um 1860. 53 X 42 cm
Servitenkirche
Schmerzhafte Erzbruderschaft unter dem schwarzen Skapulier bei den W. W. P. Serviten.
Mit lithogr. Bild des Marienbildes in der Luggau. Ohne Ort. Um 1850. 18 X 22 cm
St.-Josefs-Gürtel oder Entstehung der Erzbruderschaft vom Gürtel des hl. Josef in der Ser-
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vitenkirche zu Innsbruck (bestätigt 1859). 4. Aufl., Innsbruck, Vereinsbuchhandlung 1877,
32 Seiten. 15 X 10 cm
Desgleichen. Ebendort 1895, 32 Seiten. 13 X 9 cm
Stadtpfarrkirche Wilten
Der Marianische Sühnungsverein in der Pfarr- und Wallfahrtskirche U. L. Frau unter den
vier Säulen zu Wilten. Innsbruck, Vereinsbuchdruckerei, 1877. 48 Seiten. 12,5 X 8,5 cm
Desgleichen. 2. Aufl., ebendort, 1881. 54 Seiten. 15 X 10 cm
Stadtpfarrkirche Amras
Urkundbrief des löbl. Bündnisses unter dem Titel des Heiligen Kreuzes zu Amras (bestätigt
1775). Innsbruck, Vereinsbuchdruckerei, um 1850. 43 X 27 cm
Stadtpfarre Hötting
Kurzer Bericht von der Bruderschaft der hl. Ingenuini und Albuini zu Hötting, aufgerichtet
1732. Mit eingefügter Abbildung der Kirche in Kupferstich. Johann David Curiger sculps
A. V., Innsbruck, Wagner, um 1750. 45 X 37 cm
Stadtpfarre Mariahilf
Versammlung der unbefleckten Empfängniss Mariae und des hl. Georg bey Mariahilf zu
Insbruk (!). Mit eingefügten Kupferstichen des Mariahilfbildes und des alten Landespatro-
nes St. Georg. Ohne Ort, um 1800. 19,5 X 15 cm
Stadtpfarre St. Nikolaus
Abbildung der schönen unbefleckt Empfängnuss Mariae in der Verbindung bey S. Nicolaus.
Kupferstichbild der Unbefleckten. Söckler sc. Mon(achii). Um 1760. (Die rückseits gedruckte
Weiheformel ist von einer Frau aus Mariahilf unterzeichnet.) 14 X 8,5 cm
Dankzeichen der Bruderschaft der thätigen Nächstenliebe zu St. Nikolaus in Innsbruck. Mit
eingefügtem Kupferstich vom guten Tod. Klauber sc. Aug. V., um 1780. 34 X 20,5 cm
Gebetsverein der thätigen Nächstenliebe, errichtet in der St.-Nikolaus-Kirche zu Innsbruck.
Mit Kupferstich der Gottesmutter von Klauber. Ohne Ort, um 1850, 4 Bll. 15 X 9 cm
Zur Erinnerung an die Aufnahme in den Junggesellenbund zu St. Nikolaus unter dem
Schutze des hl. Schutzengels und des hl. Aloisius. Mit lithogr. Schutzengelbild. Innsbruck,
Vereinsbuchdruckerei, um 1860, 4 Bll. 16 X 10 cm
Zeichen des religiösen Tugend-Bundes der Ehemänner zu St. Nikolaus. Mit lithogr. Sankt-
Josefs-Bild. Ohne Ort, um 1850, Doppelblatt. 15 X 9 cm
Verbündniss der Ehefrauen unter dem Schutze der Gottesmutter Maria und der hl. Mutter
Anna zu St. Nikolaus. Mit lithogr. Bild der hl. Anna. Ohne Ort, um 1850. 16 X 10 cm
Stadtpfarrkirche Mühlau
Christenlehrbruderschaft
zu Mühlau unter dem Schutze des hl. Cassiani und des dasigen
Kirchenpatrons Leonhard (gegr. 1571). Mit eingefügtem Bilde der Schutzheiligen in Kupfer
stich. Ohne Ort, um 1780. 33 X 23 cm
Stadtpfarrkirche Igls
Geistlicher
Liebsbund, welcher zu Ygls anno 1750 ist eingeführet worden. Innsbruck,
Wagner, 1780. 32 X 19 cm
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Am Schlüsse dieses Abschnittes sei die wohl größte Seltenheit meiner Sammlung tiro-
lischer Wallfahrtsbildchen erwähnt und abgebildet. Im Jahre 1812 war nämlich in
Hötting am Hause Schneeburggasse 18, ähnlich wie 1797 in Absam auf einer Fenster
scheibe ein Marienbild entdeckt worden. Der Innsbrucker Kupferstecher Gotthard Ur
schall hatte schon eine Abbildung des aufsehenerregenden Fundes hergestellt und 200
Abzüge seines Kupferstiches verkauft, als die bayerischen Behörden davon erfuhren. Sie
befürchteten ein neues Aufflackern des Freiheitskampfes im Vertrauen des Volkes auf
himmlische Hilfe. Man beschlagnahmte daher die Kupferplatte und zog alle erreichbaren
Bildchen ein. Gotthard Urschall, ein vielfacher Familienvater, kam mit Rücksicht auf
seine Notlage mit einer Verwarnung davon, das Glasbild aber wurde so gründlich
untersucht, bis es in Stücke sprang.
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Geweihte Schutzmittel
Mit dem Druck von Skapulierbildchen und Stallsegen befaßten sich nach dem Bericht
der Innsbrucker Ratsprotokolle um die Mitte des 18. Jahrhunderts mehrere Mitglieder
der Kupferstecherfamilie Jezl b Die in Tirol gleichfalls sehr verbreiteten Schutzbriefe
(„Breverlen“) mit kräftigen Segensformeln, den Bildnissen bewährter himmlischer Für
sprecher, beigefügten Benedictus- und Caravaca-Kreuzen, sind, soweit ich sie kenne und
für meine Sammlung erlangen konnte, stets ohne Angaben über Drucker und Druckort.
Bemerkenswert sind zwei im Gegensatz zu den Anschauungen der anbrechenden Auf
klärungszeit stehende Empfehlungen geistlicher Schutzmittel. So veröffentlichte der
Weihbischof von Brixen, Ferdinand Josef Graf von Sarnthein, auf Befehl seiner geist
lichen Obrigkeit am 4. November 1752 einen „Unterricht von dem Herkommen und
Gebrauch der päpstlichen Wäxer oder sogenannten Agnus Dei, welche von einem jewei
ligen Pabst pflegen gewevhet zu werden“. Er beschreibt den Vorgang bei der Weihe
des schneeweißen, allerreinsten Wachses, und er nennt in sechs Absätzen die Gnaden, die
dem zuteil werden, der es mit Andacht ansieht oder berührt. In Gedichtform wird dies
nochmals eingeprägt:
Es wird der Höll ihr Macht Feur, Wasser, und die Feind,
Geschwächt durch dises Zeichen, Wann sie auf dich abzihlen,
Die Seel zu Gott erwacht, Schwach, krafftlos alle seynd,
Der Sünden-Schlaff muss weichen. Sie müssen es verspihlen.
Das Gifft, der jähe Tod Die Mutter wird gantz leicht
Kein Platz bey dir kan finden, Mit ihrem Kind beglücket,
Auss aller G’fahr und Noth Der Schmertzen ihr entweicht,
Du wirst heraus dich winden. Diss Zeichen sie erquicket.
Wann schon der Himmel knallt Wo dise Krafft herstamm?
Und droht mit Donner-Keulen, Fragst du, ich will es sagen,
Doch keiner auf dich fallt, Von starcken Gottes-Lamb,
Die Wolcken sich zertheilen. Probirs! thus bey dir tragen!
Allerdings ist dem Text die Einschränkung beigefügt: „Wo die von uns erhofte
Würckung nicht erfolget, seye es eintweders unseren schwachen Glauben oder denen
Gott allein bewusten Ursachen beyzumessen."
Aus der Druckerei des gleichzeitig tätigen Innsbrucker Hofbuchdruckers Michael Anton
Wagner, gestorben 1766, ging ein ähnliches Flugblatt hervor, das sicherlich manches Be
denken erregt haben dürfte:
Bewehrtes Cingulum oder geweihte Gürtel, welche in sich haltet die Länge der vom
Himmel herab gebrachten wunderthätigen Bildnuss dess heiligen Vatters und Ordens-
Stiffters Dominici in Soriano, welche zu gebrauchen wider die leidige, unter dem Vieh
1
Vergl. mein Buch: Die Tiroler Kupferstecher, Innsbruck 1963, Schlern-Schriften, Bd. 227,
Seite 52.
12
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grassierende Sucht und demselben an den Hals solle angehängt werden. Der Gürtel
wird gemacht auss weissen Faden und auf Schnürlein-Arth zusammengedrähet, 3 oder
4 Fäden stark, an der Länge hat sie 44 Zoll.
Nach Hinweisen auf die mit Hilfe des hl. Dominikus erlangte Hilfe gegen Viehkrank
heiten folgen lateinische Segensworte.
Im Zeitalter der Aufklärung waren alle diese Zeugnisse frommer Gesinnung den sei
nerzeit sosehr auf Nachweise erfüllter Christenpflicht bedachten Behörden verdächtig und
verhaßt. Daher richtete sich gegen jene harmlosen Gebetszettel folgender in Einblatt
drucken verbreiteter Erlaß:
Durch k. k. Hofdekret vom 17. und Empfang 18. verflossenen Monats wird den Pfarrern,
Lokal und exponierten Kaplanen bei eigener Verantwortung und Dafürhaftung anbefohlen,
den Messnern oder anderen Kirchendienern auf das nachdrücklichste einzuschärfen, nicht nur
in der Frühe bei Eröffnung der Kirchenthüren, sondern auch unter Tags und bei Sperrung
derselben genau nachzusehen, ob nicht Bruderschaftszedel oder andere den bestehenden Ver
ordnungen und der eingeführten Gottesdienstordnung zuwider laufende Zedel angeheftet
seyn, die sie ihrem
Pfarrer, Lokal oder exponierten Kaplan vorzuweisen hätten; welche
alsdenn solche Zedel, wenn sie etwas wider die bestehenden Verordnungen und die ein
geführte Gottesdienstordnung enthielten, oder in anderer Hinsicht bedenklich wären, der
im Orte befindlichen politischen Behörde zu übergeben oder der nächstgelegenen einzusenden
haben werden.
Innsbruck, den 3. Feb. 1787.
Wenzel Graf von Sauer, Gouverneur Joseph Andrä von Laicharding
(Geistl. Sache 1691.)
Vaterländische Dichtungen
Seit jeher begleiteten Dichterworte große Ereignisse, die das Herz des Volkes beweg
ten. In älterer Zeit ist sicherlich das meiste ungedruckt geblieben. Einige Beispiele volks
tümlicher vaterländischer Dichtung finden wir im „Tiroler Ehrenkränzl“ des Grafen
Adam Brandis, Bozen 1678. Kräftige Verse aus dem Kriegsjahr 1703, die offenbar in
Tirol entstanden sind, bringt ein holländischer Kupferstich aus dem Jahre 1716 L Unter
dem Bild eines schwerbewaffneten bäuerlichen Kriegsmannes stehen die Worte:
Lod i mein Buchsa schorff und setz a mohl ohn Wong (an die Wange),
So Gnod dir Gott, Franzos, bey Gott, du lebscht nit long!
Du bischt mir gfunda nur, i schätz di vill zu gring,
Dost mir entlaffen sollscht, i kenn schon deine Spring!
Über die Kriegslieder aus den Jahren 1796/97 und 1809 gibt es bereits eigene Ver
öffentlichungen, ich brauche also sonstige poetische Erzeugnisse nur zu streifen. Vor —
1
Nach dem Exemplar meiner Sammlung abgebildet in: Tiroler Heimatblätter, Jg. 33, 1958,
Seite 117.
13
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mir liegt ein Folioblatt mit einer „Aufmunterung des getreuen Tyrolers zum Vaterlands-
Schutze, verfaßt von einem getreuen Patrioten zu Innsbruck":
Auf! Auf! mein lieb's Tyrol, du Pflanzstadt wahrer Treu,
Zeig, daß noch Muth und Herz in deinem Busen sey,
Blick tröstlich auf die Zeit und Beyspiel deiner Ahnen,
Auf ihr durch Tapferkeit erworbne Siegesfahnen . . .
geht es weiter in 23 kunstlosen Verspaaren. Anspielungen auf das Jahr 1703 las-
So
len schließen, daß das Gedicht aus den Kriegsjahren 1796/97 stammt. In der Sammlung
von Josef Eduard Bauer: Tiroler Kriegslieder aus den Jahren 1796 und 1797, Inns
bruck 1896, ist es an erster Stelle abgedruckt.
Einen bunten Strauß bilden die Liederdrucke aus den Jahren vor und nach dem Tiro
ler Freiheitskampfe von 1809, freilich wenig
waren edle
Rosen darunter! Will —
fährige Dichter wollten der jeweiligen Herrschaft ihre treue Ergebenheit beweisen. Die
selben, die so wie im Jahre 1808 P. Benitius Mayr beim Besuch des bayrischen Königs
in „Empfindungen der Tiroler beim ersten Anblick ihres Königs und seiner durch
lauchtigsten Familie" ihre innigste Freude geäußert und im Namen der Schulkinder ge
sagt hatten: „Sind wir gleich noch jung und klein, können wir ja dennoch immer gute,
brave Bayern sein!" überboten sich später in „Freudenthränen über die Rückkehr Tirols
unter die väterliche Regierung des österreichischen Kaisers".
Diese Treue Deiner Treuen
In der langen Prüfungszeit,
Dies Frohlocken, wenn von neuen
Deine Hand sich ihnen beut!
So schrieb wieder der seelengute, aber von den wechselnden Verhältnissen mitgerissene
P. Benitius Mayr. Auch der Mundartdichter Franz von Eisank suchte darüber hinwegzu
springen, daß er noch 1810 dem bayrischen Kronprinzenpaar ein von Liebesbeteuerungen
triefendes „Tyrola-Liedl" gewidmet hatte. Im Jahre 1814 schrieb er in einer holprigen
Reimerei: „Dem lieb'n Koasa, unsern Franz, dem wiedmen miar halt an Lorber-Kranz."
Das mehrfarbig gedruckte Quartblatt mit seiner Huldigung ist wenigstens nett ausgestat
tet. In einem hübschen Schriftband trägt es zwar die fremdsprachige Überschrift „Tyro-
lice", doch ist die Erfindungsgabe des künstlerischen Gestalters zu loben: Ein grüner
Tirolerhut krönt einen ausgebreiteten grün-weißen Wappenmantel mit gefälliger Muste
rung; ihm ist der Text in bogenförmigen Zeilen eingedruckt.
Im gleichen Jahre 1814 veröffentlichte der Innsbrucker Normalschullehrer Ignaz
Schmidt ein gutgemeintes Gedicht: „Jubel der in Etsch-Innkreis und Illyrien verstückel-
ten Alpen, da sie nunmehr als ein ganzes Land an das kaiserliche Erzhaus Österreich
übergeben worden und wieder mit ihrem vollständigen Namen Tyrol benannt sind".
1815 ließ er ein Poem folgen: „Allgemeine Volksfreude, da Ferdinand Ernest Graf
. . .
von Bissingen-Nippenburg in der Eigenschaft eines abermahligen k. k. Gouverneurs
...
der Gefürsteten Grafschaft Tyrol wiederum zu Innsbruck eingetreten ist". Dem- —
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selben geschätzten Regierungsbeamten hatte schon im Jahre 1798 der Gubernialsekretär
Maximilian Anton von Pontifeser ein Epithalion (Hochzeitsgedicht) gewidmet.
Die Huldigung Tirols vor Kaiser Franz am 30. Mai 1816 rief neuerlich die Dichter
auf den Plan. Ein Ferdinand Josef Gruber aus Meran widmete den Ständen Tirols ein
25 Strophen umfassendes „Jubellied“. Leopold Graf Künigl ließ in einer von Johann
Gänsbacher vertonten „Cantate“ Schutzgötter, Geister, junge und alte Tiroler und Tiro-
lerinnen huldigende Worte sprechen. P. Benitius Mayr füllte sogar ein Heftchen mit den
Tyrol a -
Liedl,
welches
alö Ihre König!. Hoheiten
der
Kronprinz und die Kronprinzessin
von Baiern
einer Bauernhochzeit in Kematen
königl. Landgerichts Innsbruck
am zosten Oktober 1810 beywohnten,
abgesungen wurde
von F. v. Eisank.
Gedruckt mit Wagner'schen Schriften.
50 Strophen seiner „Huldigung des tirolischen Volkes vor ihren (!) geliebtesten Mon
archen“. Auch Dr. Aloys Weißenbach drückte sich in den 15 Strophen seiner bekannten
Dichtung „Andreas Hofers Schatten an seinen Kaiser und sein Vaterland am Huldi
gungstage“ nicht gerade kurz aus. Das zündende Schlußwort Andreas Hofers:
Nichts als das Eine hab ich noch zu fordern:
Franz! eine Schaufel Erde von Tyrol!
hat wohl den Anstoß gegeben, ein paar Jahre später Hofers Gebeine aus Mantua heim
zuholen.
15
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Auch in der Folge gab es immer wieder Anlässe, um heimische Dichter anzuspornen.
So erschien ohne Verfasserangabe ein „Festgesang auf den acht und fünfzigsten Ge
burtstag Kaisers Franz I. von Österreich, gesungen zu Botzen dem 12. Februar 1825, in
Musik gesetzt von Jacob Schgraffer" bei Joseph Eberle in Bozen. Eine ohne Druckver
merk herausgekommene dichterische Schilderung: „Das Gefecht bey Spinges am 2. April
1797“ trägt auf meinem Exemplar das amtliche Einlauf datum vom 1. Juli 1832. Als
Verfasser ist der treue Patriot Anton von Petzer rühmlich zu nennen. —
Unbekannt
blieb der Verfasser eines Mundartgedichtes: „Ländlicher Gruß der Dorfgemeinde Lans
oberhalb Innsbrucks an Ihre k. k.
Majestäten Ferdinand und Marianne, als Allerhöchst-
dieselben dieses Mittelgebirg mit ihrem Besuche beglückten, um der Vorstellung einer
Bauernhochzeit beizuwohnen. Im August 1838, Innsbruck, gedruckt mit Wagner’schen
Schriften". Die ungezierte, frische Sprache des kurzen Gedichtes wird sicherlich besten
Eindruck gemacht haben. Ein anderes Festgedicht über den Kaiserbesuch: „Die Hul
—
digung Tirols am 12. August 1838“ ist nicht mehr als eine durchschnittliche Reimerei.
Ungefähr um das Jahr 1840 kamen in Quartformat, ohne Angaben über den Drucker
zwei bedeutsame Dichtungen gemeinsam heraus: „Der österreichische Doppeladler und
der rothe Tiroler Adler. Von Johannes Chrysostomus Senn". Das erste Gedicht ist trotz
guter Gedanken und edler Sprache mit seinen 23 Strophen viel zu lang, um volkstümlich
zu sein; das andere, knappgefaßte, einprägsame aber hat den Namen seines Verfassers
unsterblich gemacht.
Sturmjahr 1848 entflammte wieder die Herzen der Dichter. Die Eindrücke der
Das
umwälzenden Ereignisse drängten zu dichterischer Gestaltung. Vor mir liegen zwei
—
Päckchen; sie enthalten auf lose Blätter gedruckte Gedichte aus jenem Jahre, das eine
stammt aus Tiroler, das andere aus Wiener Verlagsanstalten. Gemeinsam ist, daß müh
sam ausgeklügelte Kunstausdrücke fehlen; dafür hatte man damals weder Lust noch
Zeit. Inhaltlich zeigt sich der Gegensatz der politischen Richtungen. Obwohl es auch
unter den Wiener Dichtern konservativ gesinnte Patrioten gab, wie den edlen Johann
Nepomuk Vogl, überwiegt die Siegesfreude über den Sturz eines verhaßten Systems.
In Tirol aber spricht die schlichte Sprache des Herzens. Von rührender Innigkeit ist
z. B. der „Morgengruß der Tiroler an ihren geliebten Kaiser am 20. Mai 1848“; seine
Worte entsprachen der überaus freudigen Aufnahme, die der aus Wien geflüchtete Kaiser
Ferdinand bei seiner Ankunft in Innsbruck gefunden hatte. Für revolutionäre Neuerun
gen hatte man weniger Verständnis, es kam mehr darauf an, den kaiserlichen
in Tirol
Thron und zugleich die Zukunft des
eigenen Landes zu retten. Die Grenzen waren be
droht. Brennende Sorge gab einem sonst unbekannten Dichter, Ferdinand Weller, die
Worte eines hinreißenden Liedes ein:
Sie sollen sie nicht haben Solange deutsche Männer
des Brenners Scheidewand! Tiroler Feld bebau'n,
Sie sollen erst sich graben Solange soll der Brenner
Ihr Grab in unserm Land! In deutsche Lande schau’n!
Das Gedicht trägt den Titel: „Die Stimme des Tirolers. Bozen, den 8. April 1848“;
es wurde bei Eberle in Bozen gedruckt.
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Als Beilage zur Tiroler Schützenzeitung des Jahrganges 1848 erschien bei Rauch in
Innsbruck eine „Warnungsstimme aus Italien" von einem Mitglied des dort ruhmreich
kämpfenden kaiserlichen Heeres:
. . .
Ihr Bürger Wiens, wir warnen Euch,
Ihr mögt’s auch der Aula erzählen:
Bedenket, daß Wien nicht Österreich
Und daß Ihr uns nichts zu befehlen!
Gebt auf den Wahnsinn, der Euch befiehl,
Bewältigt der Ehrsucht Drachen,
Wir haben ein einzig gemeinsames Ziel,
Das Vaterland glücklich zu machen . . .
Doch hört Ihr die warnende Stimme nicht.
Die das Heer aus Italien Euch sendet,
So setzen wir selber uns zu Gericht,
Wenn hier unsre Sendung vollendet . . .
Richard von Kralik nennt in seiner österreichischen Geschichte den Verfasser. Er heißt
Wilhelm von Marsano.
Von patriotischer Begeisterung mitgerissen, waren die jungen Männer an die bedrohte
südliche Grenze des Landes geeilt. Sie wollten unter ihres Kaisers Fahne ihren Mann
stellen und bewährten sich dort. Bei ihrer Heimkehr fanden wieder ungenannte Dichter
Begrüßungsworte von großer Herzlichkeit. Bei Wagner und bei Felizian Rauch auf
weiße Seide gedruckt, geben diese Gedichte Zeugnis davon, daß die Heimat ihre Hal
tung zu würdigen gewußt hat.
Die Datierung der beiden ohne Jahreszahl erschienenen Drucke: „Willkommen, junge
Helden . .
heimgekehrte zweite Kompagnie der Akademischen Legion"
und „An die
ist dadurchgegeben, von einem siegreichen Feldzuge sprechen und auf dem
weil beide
zweiten auf Erzherzog Johann hingewiesen ist, der nun als Reichsverweser des — —
deutschen Volkes Geschick gelenkt hat.
Ein weiteres Gedicht-Flugblatt: „An die heimkehrende Akademische Legion" von
Sch., das ist Anton von Schullern, sagt unter anderem: „Des Siegeslorbeer üppig Grün
versagte Euch das Glück"; es stammt demnach aus dem Jahre 1859, dem unglücklichen
Feldzug gegen Frankreich und Italien.
Mit A. v. S. —
das ist wieder Anton von Schullern —
ist ein bei Minutti in Innsbruck
gedrucktes Quartblatt bezeichnet. Es besingt den „Tod des General Ferdinand von
Poschacher bei der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866". In einer Sprache, die eines
Hermann von Gilm würdig wäre, spricht der Dichter vom Schicksal des heldenhaften
Truppenführers, um Österreichs Unglück nicht zu überleben,
der in den Tod ritt, als
sich unsere Truppen besiegt zurückziehen mußten.
Ein acht Blätter umfassendes Oktavheftchen mit dem Umschlagtitel „1866" läßt sich
einigermaßen den tirolischen Veröffentlichungen hinzurechnen. Man hat es zwar in Brüs
sel gedruckt, in London verlegt, doch hatte sich sein Verfasser, der westfälische Freiherr
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Ludwig Maximilian von Biegeleben, auf der Flucht vor politischer Verfolgung in Tirol
ansässig gemacht.
Vor mir
liegt die zweite Ausgabe der neun wuchtigen Sonette gegen Bismarcks Poli
tik —
Macht geht vor Recht!
—, die im Jahre 1866 zur Demütigung und folgenschweren
Schwächung Österreichs, zur Abtretung Venetiens an Italien, zur Zweiteilung der Donau
monarchie und schließlich zu ihrem Untergang geführt hat.
... Weh dir, betrogne Kaiserburg zu Wien,
Nest ewig unentschiedener Gedanken,
Dich oder die Verräther traf Ruin
Und deine Wahl sah ich mit Thränen schwanken,
Bis du St. Markus hilflos gabst dahin
Und Preußen-Rosse Donauwasser tranken . . .
Ludwig Maximilian Baron Biegeleben verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in
seinem Schloß Sigmundslust bei Vomp. Er starb am 6. August 1872 in Bad Rohitsch.
späteren Jahren wäre noch manche bemerkenswerte Dichtung zu erwähnen, z. B.
Aus
das Festgedicht des Adolf Povinelli zur Enthüllung des Andreas-Hofer-Denkmals am
Bergisel am 28. September 1893, aber man käme damit an kein Ende!
Die Haydn-Hymne
geschlossene Reihe der verschiedenen Texte zur unsterb
Hier ist es mir gelungen, eine
lichen Komponisten Joseph Haydns in Originaldrucken zusammenzubringen. Sie könnte
als Beweisstück dienen, um das Vorrecht Österreichs auf die vom größeren Nachbarn
übernommene Melodie zu belegen.
Der älteste Druck zeigt folgende Titelschrift:
Gott erhalte den Kaiser! Ein Volkslied. Verfaßt von Lorenz Leopold Hascka. In die
Musik gesetzt Joseph Heyden. Wird zu Wien und in allen übrigen Orten der
von
österreichischen Monarchie am 12ten Februar als am allerhöchsten Geburtstage
Sr. k. k. ap. Majestät abgesungen. Innsbruck, gedruckt mit Wagnerschen Schriften,
1797.
Gleichlautende Texte erschienen in Wien und wohl auch in anderen Landeshauptstäd
ten. Die ersten zwei der vier Strophen lauten:
Gott! Erhalte Franz, den Kaiser, Laß vor Seiner Fahne Spitzen
Unsern guten Kaiser Franz! Strahlen Sieg und Fruchtbarkeit,
Lange lebe Franz, der Kaiser, Laß in seinem Rathe sitzen
In des Glückes hellstem Glanz! Weisheit, Klugheit, Redlichkeit!
Ihm erblühen Lorber-Reiser, Und mit Seiner Hoheit Blitzen
Wo er geht, zum Ehrenkranz! Schalte nur Gerechtigkeit,
Gott! Erhalte Franz, den Kaiser, Gott! Erhalte Franz, den Kaiser,
Unsern guten Kaiser Franz! Unsern guten Kaiser Franz!
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Wie zeitgenössische Berichte melden, erhob sich stürmischer Beifall, wo immer das
Lied zum ersten Male erklang. Mit einem Schlag hatte Österreich sein Nationallied er
halten, das allen treuen Österreichern so lieb und teuer wurde.
Später ergänzte man die dem Kaiser Franz gewidmeten Verse durch vier Strophen
auf Kaiserin Karoline in volkstümlichen, kunstlosen Versen. Diese erweiterte Volks
hymne liegt in einem Drucke vor, den Steindruckbildnisse des Kaiserpaares schmücken.
Gott erbalte den Kaiser!
E i tt
Volkslied.
Verfaßt
von Lorenz Leopold Haschka.
In die Musik gesetzt
von Joseph 'Heyden.
«o o O—
Wird zu Wien und in allen übrigen Orten der
Lestreichischen Monarchie am i2ten Februars als
mn
c
allerhöchsten Geburtstage Sr. k. k. ap. Ma
jestät abgesungen.
I n n s b v u cP,
gedruckt mit Wagnerschen Schriften.
1 7 9 7 .
Im Jahre 1835 starb Kaiser Franz und sein
Nachfolger, Ferdinand, trat die Regie
rung an. Wieder war ein
wenig bekannter Poet, Karl
von Holzheim, Schöpfer eines
Textes, doch waren die auf den neuen Kaiser abgestimmten Worte allzu simpel, so daß
sie keinen Anklang fanden. Schließlich unterlegte der als vaterländischer Dichter ge
schätzte Josef Christian Freiherr von Zedlitz der Melodie Haydns einen gehaltvolleren
Text.
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Nach dem Regierungswechsel im Jahre 1848 ergab sich neuerlich die Notwendigkeit,
ihn neu zu gestalten. Bei einem ausgeschriebenen Wettbewerb errang sich der feinsinnige
Dichter Johann Gabriel Seidl im Jahre 1854 den ersten Preis. Nach seinen Worten sang
man das österreichische Kaiserlied: „Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser
Band!". Auch die Erste Republik Österreich blieb der Haydn-Hymne treu. Der stei
rische Dichter Ottokar Kernstock schuf mit einem neuen Texte: „Sei gesegnet ohne Ende,
Heimaterde wunderhold!“ ein Preislied auf Österreich. Auch heute noch könnte es
unsere Bundeshymne sein, wenn nicht die allzu große österreichische Bescheidenheit ein
unveräußerliches Gut preisgegeben hätte.
Wenn das im gedichtete „Deutschland, Deutschland über alles!“ des
Jahre 1841
August Heinrich Hoffmann Fallersleben als Deutschlandhymne erklingt, ist die in
von
einem allzu raschen Marschtempo vorgetragene Melodie unser Lied, unser erhabenes
Kaiserlied aus dem Jahre 1797.
Weltliche Veranstaltungen
Wenn von weltlichen Feiern die Rede ist, muß man vor allem der Schützenfeste ge
denken. Im wehrhaften Tiroler Volk spielten sie naturgemäß die größte Rolle. Früh
schon gab es ausführliche Beschreibungen feierlicher Schützenaufzüge. Lienhart und
Valentin Flexel widmeten dem Rat der Stadt Innsbruck ihren „Lobspruch auf das fürst
liche Freischießen“ im Jahre 1569. Auch das Kriegsspiel der Turniere wurde nicht nur
schriftlich, sondern auch im Bilde der Nachwelt überliefert. In der „Wahrhaften Be-
schreybung und Abconterfreyung“ des am 14. Februar 1580 in Innsbruck abgehaltenen
Turniers zeigt der Hofmaler Sigmund Elsässer in 22 Kupferstichen den glänzenden Ver
lauf des Festes.
Gedruckte Einladungen zu Schützenfesten muß es früh schon gegeben haben: Man
legte immer schon Wert auf die Anteilnahme auswärtiger Gäste, um sich mit ihnen im
Wettkampf zu messen, auch entsandte man gern Vertreter nach auswärts. Fischnalers
Innsbrucker Chronik, Bd. 4, S. 318, schreibt: „Einem gedruckten Ladebrief der Stadt
München Folge gebend, sendet der Innsbrucker Stadtrat am 30. April 1599 einen Ver
treter dahin.“ Vielleicht wird man auch ältere Innsbrucker Drucke dieser Art feststellen
können. Mein frühestes Ladschreiben ist die „Einlad- und Ordnung auf das Haupt- und
Freuden-Schießen, so in der Residenz- und Hauptstadt Innsbruck . . . den 4ten August
monat und folgende 12 Tage dies laufenden 1765sten Jahrs allergnädigst gegeben wird“.
Auf einem Blatt von 43 cm Höhe und 49 cm Breite sind die anläßlich der kaiserlichen
Hochzeit gewidmeten ansehnlichen Beste und die Schießordnung verlautbart.
gab als ersten Preis einen von der Kaiserin gespendeten silbernen Tischaufsatz im
Es
Wert von 350 Gulden, dann goldene Medaillen und Silberbesteck. Den teilnehmenden
Schützen aus dem Bauernstand war von Kaiserin Maria Theresia sogar ein Taggeld von
einem halben Gulden zugesichert, um ihnen den Besuch des zwölf Tage lang dauernden
Festschießens zu ermöglichen.
Aus dem weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts liegen noch mehrere gedruckte Lad
schreiben vor. Man gab es nicht mehr so großartig, daher genügte jedesmal ein Folio-
20
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blatt. Exemplaren für bevorzugte Gäste wurden die Bilder der Hauptscheiben eingemalt.
Eine mit zwei reizenden Miniaturen ausgestattete Einladung zum Festschießen anläßlich
des Landtages von 1790 überließ ich seinerzeit dem Landesmuseum Ferdinandeum für
den leider nicht mehr bestehenden „Saal der Stadt Innsbruck“.
Drangsalen des Freiheitskrieges galt
Ein Freudenfest des tirolischen Volkes nach den
dem Besuch des Kaisers Franz in sein heimgekehrtes Land Tirol. Zur
an Österreich
Huldigungsfeier in der Innsbrucker Hofburg wurden kleine, auf dickes blaues Papier
im Format von 9 X 10,5 cm gedruckte Karten ausgegeben:
i- 'S'' 1Ä , < ;,C/3G3G3G3GG3Q33GGGGGGGG GGGQ©G3G3GQGG)GGGGG'
,
,,
| Eintrittsbillet j
;
!| zur
|4 Huldigirngszeremonie i
*
i am 30. Mai i8>6. ;
8 In den Riescnsaal auf die Tribüne Nro. r.i
5J Man erscheint Ln aufgepuhrcr Kleidung, dreMäw
^ ner in Schuhen.
Gemeint ist nämlich, daß die Männer feineres Schuhwerk, Schnallenschuhe, tragen soll
ten, nicht genagelte Stiefel.
Auch die „Ballordnung, welche auf Allerhöchsten Befehl durch das k. k. O. ö. Landes-
Gubernium zu Jedermanns Wissen und Nachachtung“ am 18. Dezember 1799 in Inns
bruck kundgemacht wurde, befaßte sich mit der Fußbekleidung: „Ebenso erwartet man,
daß von jenen, denen es gefallen sollte, in Stiefeln zu erscheinen, daran die Sporen weg
gelassen werden, da sich durch diese schon zum öftern Verdrüßlichkeiten ergeben haben.“
Neben allgemeinen Bestimmungen über Eintrittsbedingungen und anständiges Beneh
men wird jedes Tragen von Waffen oder Stöcken, auch das Tragen übelriechender oder
feuergefährlicher Verkleidung verboten. Die Preise der dargereichten Speisen und Ge
tränke waren genau geregelt. Nach der gedruckten Speisekarte des Cafetiers Franz
Xaver Moll vom 2. Jänner 1800 gab es Menüs zu 2 Gulden und 12 Kreuzer pro Kopf
mit zwölf Gängen, darunter viererlei Geflügel, dann Wildbret und Selchfleisch, solche um
1 fl. 36 kr. mit zehn Gängen, um 1 fl. 24 kr. mit acht Gängen. Um 1 fl. 36 kr. bekam
man sechs Gänge, darunter Selchfleisch, Hirsch- und Kalbsbraten. Einzeln kosteten kalter
Braten 6 kr., Selchfleisch 8 kr., Rahmkaffee 8 kr., Thee mit Milch 2 kr., das Glas Punsch
aber 18 kr., die halbe Maß Wein, je nach Qualität, 14 bis 20 kr. —
Auch diese mit reicher
Auswahl versehene Speisekarte gewährt Einblick in das blühende gesellschaftliche Leben
in der tirolischen Landeshauptstadt. Schließlich bildete sich dort ein „Casino zum gesel
ligen Vergnügen“. Seine Statuten wurden 1834 gedruckt. § 1 sagt: „Die Casino-Anstalt
hat zum Zwecke den Verband des gesellschaftlichen Umganges unter den gebildeten Klas
sen aller Stände dieser Stadt enger zu knüpfen, besonders jedoch gesellschaftliche Unter-
21
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haltungen und Lektüre von Zeitschriften mittels geringer Beyträge herbeyzuschaffen.“
Nach dem § 5 konnten nur Personen aufgenommen werden, die sich durch
Bildung, gute
Sitten und unbefangene Gesinnung auszeichneten, und zwar in der
Regel Adel, Offi
ziere, Beamte, Geistlichkeit, der höhere Handelsstand, Doktoren, Universitätsstudenten.
Eine in netter Zierschrift gestochene Eintrittskarte aus der Mitte des vorigen Jahr
hunderts gibt auch Kunde vom Bestand einer „Abonierten Ball-Gesellschaft bei Peter
Gelb zur Kaiser-Krone“. Ihr kleines Format, 8X10 cm, entspricht dem
sparsamen Zuge
der Biedermeierzeit.
Auch als nach dem Tode des Kaisers Franz, 1835, seinem Nachfolger Ferdinand die
herkömmliche Erbhuldigung geleistet wurde, verschickte man auf mattroten Karton ge
druckte Einladungen aus in der Größe von nur 7X11 cm. Der kurze Text: „Ein
ladungskarte zum Huldigungs-Gottesdienste in der St. Jacobs-Pfarrkirche am
12ten August 1838“ ist von einem Lorbeerkranze gerahmt einigen Schnörkeln
und mit
geschmückt. Ein gleichzeitig gedrucktes Huldigungsgedicht entbehrt jeglichen Schmuckes
und nennt weder Verfasser noch Druckort.
Schön ausgestattet ist der Druck des Festgedichtes: „Zu Tyrols Jubelfeier. 29. Sep
tember 1863“. Man hat ihn bei der Jubiläumsausstellung 1363—1963 leider nicht ge
zeigt. Die Vorderseite des 30 X 23 cm messenden Doppelblattes bringt eine sinnbild-
22
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lieheDarstellung: Tiroler und Tirolerinnen aller Altersstufen drängen sich um die an
mutige Gestalt der Mutter Österreich. Als Zeichner und Lithograph nennt sich der be
kannte Trachtenmaler Franz Gerasch, als Drucker und Verleger die Lithographische
Anstalt Ed. Sieger in Wien.
Ich besitze eine Ausfertigung in Schwarzdruck und eine in zart abgestimmten Farben.
Die dritte Seite bringt das Gedicht eines ungenannten Verfassers mit Gilmschem
Schwung:
Ihr Echos, die ihr schlafet in den Klüften,
Springt in die grünen Thäler heut' hinaus
Und ruft des Landes Jubel in den Lüften
Von seinen Bergen in die Welt hinaus!
Ihr Gletscher! tauchet eure Silberspitzen
Ins lichte Gold, das aus der Sonne glüht,
Damit ihr wie mit diamantnen Blitzen
Europas Blick auf euer Bergland zieht;
Daß ihr ein Fest bestrahlt gleich Hochzeitskerzen,
Das einzig in der Weltgeschichte steht,
Ein kernig Volklein, das mit trunknen Herzen
Halbtausendjähr’ger Treue Fest begeht . . .
Auch akademische Feiern wären zu erwähnen. Man erinnere sich an den Prunk der
sogenannten Thesentafeln aus der Barockzeit, kunstvoll entworfene Kupferstiche in
Fenstergröße, ausgegeben bei wissenschaftlichen Disputationen, die den Doktoranden
; ;;|j|
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Restaurations-Feyer der Hiesigen
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so, April 1826,
K. K. Umversttäts-Rektorat.
23
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üDte kaiserl. königl. Leopoldinische Universität zu Innsbruck gibt sich
die Ehre sämmentliche Freunde und Verehrer der Wissenschaften zu der
feyerllchen Einsetzung Seiner Königl. Hoheit des Durch
lauchtigsten Erzherzogs Johann von Oesterreich rc.
mit geziemen-
als beständiger Rektor der Leopoldinischen Universität
der Hochachtung einzuladen, welche den 24^1: November in dem gro
ßen Universitäts - Saale um io Uhr wird gefeyeret werden.
Von der kaiserl. königl. Leopoldinischen Universität
Innsbruck den i8ten November 1800.
Joseph Stapf
d. Z. Pro - Rektor.
Gelegenheit geben sollten, ihre Kenntnisse zu erweisen. Am Beginn des vorigen Jahr
hunderts waren solche Einladungen jedoch recht nüchtern und sachlich gehalten. Wie eine
beliebige amtliche Drucksorte wirkt die 16 X 20 cm große Ladung ,,zu der feyerlichen
Einsetzung Seiner Königl. Hoheit des Durchlauchtigsten Erzherzogs Johann von Öster
reich als beständiger Rektor der Leopoldinischen Universität“ am 18. November 1800.
24
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Auch die „Huldigung zur Restaurations-Feyer der hiesigen kaiserlich-königlichen Uni
versität 30. April 1826“ ist schmucklos und auf gewöhnliches Kanzleipapier mit
am
9 X 15 cm Umfang gedruckt. Dafür aber waren die Doktordiplome im ganzen neun
zehnten Jahrhundert, der damaligen Bedeutung der Doktorwürde entsprechend, noch in
großem Format ausgestellt, und an der Rolle aus starkem Pergamentpapier hing eine
Messingkapsel mit dem Siegel der Universität.
Umso bescheidener sahen seinerzeit die Schulzeugnisse aus, von denen ich ein Beispiel
in ungefährer Originalgröße bringe.
Das Landesmuseum Ferdinandeum
Der Gedanke, ein Tiroler Landesmuseum zu gründen, geht in die ersten Jahre des
vorigen Jahrhunderts zurück; er nahm jedoch erst 1821 festere Gestalt an. Längere Vor
besprechungen gingen voraus, auch mußte vorher die Einwilligung des Kaisers eingeholt
werden, bis am 16. April 1823 ein von zehn namhaften Persönlichkeiten Unterzeichneter,
lithographisch vervielfältigter Aufruf hinausgehen konnte. Er wandte sich an alle
Freunde tirolischer Kunst und Wissenschaft, um sie zu tätiger Anteilnahme an allem,
was dem Vaterlande zum Nutzen und gereicht,
zur Ehre
vereinigen. dem
zu Nach
Statutenentwurf sollte der Verein den Namen des damaligen Thronfolgers, Erzherzog
Ferdinand, tragen und als Ziel verfolgen: „das Interesse für das gemeinschaftliche Vater
land und für alles, was dasselbe an Erzeugnissen der Natur, der Kunst und des Alter
tums in sich faßt, zu wecken und zu beleben, alles dieses aufzusuchen, aufzustellen, auf
zubewahren und dafür zu sorgen, daß es gemeinnützig und heilsam werde für das täg
liche Leben“.
Auch der Landesgouverneur Graf Chotek lud in einem noch vorliegenden Handschrei
ben zur Anteilnahme ein, denn „es wird nun vorzüglich darauf ankommen, daß eine
hinlängliche Anzahl patriotisch gesinnter Freunde der Kunst und Wissenschaft sich finde,
um jenen Verein aus Liebe und Treue zum Vaterland und aus Eifer für seine Ehre auf
jede Weise zu unterstützen“.
Diese Aufrufe hatten zündende Wirkung. Man faßte es als eine Ehre auf, dem am
22. Mai 1823 gegründeten Museumsverein angehören zu dürfen. Der Ausdruck „Mitglied
des Ferdinandeums" findet sich auf Visitenkarten und Todesanzeigen als Ehrentitel. Die
Bedeutung der Mitgliedschaft geht aus einem noch vorhandenen Mitgliedsdiplom aus dem
Jahre 1825 hervor. Schon das eindrucksvolle Format der Urkunde, 50 cm Höhe und
62 cm Breite, und das auf gedrückte riesige Vereinssiegel betonen, daß es eine Auszeich
nung war, Mitglied des Ferdinandeums sein zu dürfen:
Der Ausschuß des von Seiner kais.-königl. Majestät allerhöchst genehmigten Vereins
zur Bildung eines tirolischen Nationalmuseums unter dem Namen Ferdinandeum ehret
den patriotischen Wunsch des Herrn diesem Verein nach Maßgabe seiner Statu-
. .
.,
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ten als ordentliches Mitglied beizutreten durch Gewährung und durch die Ausfertigung
dieses, seine Aufgaben bekundenden Diploms.
Gegeben zu Innsbruck, den 23. Juny 1825.
A. A. de Pauli (als geschäftsführender Vorstand)
Dr. von Reinhart ,
Sekretär
Berühmte heimische Kunstsammler betrachteten es als Krönung ihres Lebenswerkes,
wenn sie ihre Schätze dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum als Stiftung anver
trauen durften. Aber auch der Eifer anderer Mitglieder trug dazu bei, das Ferdinandeum
zu einem Flort tirolischer Geschichtsforschung, Kunst- und Kulturpflege zu machen. Der
Rückblick auf ein langjähriges aufopferndes Wirken für die tirolische Heimat wird auch
dem Mitglied von heute Verpflichtung und Ansporn sein!
Von Theaterzetteln und Theaternöten
Einem Bericht über weltliche Veranstaltungen sollte naturgemäß auch ein Abschnitt
über Theater und Konzerte angeschlossen sein. In diesem Falle sei auf meine ältere
Veröffentlichung in den Tiroler Heimatblättern von 1961: Streiflichter zur Musik- und
Theatergeschichte Tirols" verwiesen, die ich hier nicht wiederholen möchte. Es wurde
dort die Ankündigung eines durchziehenden italienischen Marionettentheaters aus der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wiedergegeben, auch wurden dort einige Schrift
stücke über Schwierigkeiten und Nöte der Spielleiter mitgeteilt.
Hier sollnur auf die Ankündigung einiger Jesuitenspiele hingewiesen werden, z. B.
wurde im Jahre 1691 bei Jakob Christoph Wagner in Innsbruck eine vier Blätter um
fassende sogenannte Perioche (Inhaltsangabe) folgenden Stückes gedruckt: „Constantia
Arragoniae regina sui victrix, das ist Helden-Sieg in heroischer Unterdrückung der
Begird, sich an ihrem Feind zu rächen.“ Ebenfalls vier Blätter füllen die Texte des Pro
logs und der Chorgesänge zur im September 1753 in Innsbruck aufgeführten Tragödie
„Jacobus Viseus“, gedruckt bei Michael Anton Wagner.
Im Zeitalter der Aufklärung wandte sich das Interesse des städtischen Publikums
mehr den profanen Stücken zu, während am Lande nach wie vor die Passionsspiele ihre
Zugkraft behaupteten.
Um diedamalige Jahrhundertwende war es Brauch, daß die Theatersouffleure „den
verehrungswürdigen Gönnern und Freunden des Theaters in aller Unterthänigkeit“ am
Schluß der Spielzeit Verzeichnisse der aufgeführten Stücke überreichten. Wir entneh
men dem „Journal über die Stücke und Opern, welche unter der Direktion des Herrn
Franz Fischer auf dem kaiserl. königl. Hoftheater zu Innsbruck vom 9ten April 1798 bis
6ten Hornung 1799 aufgeführt worden sind“ aus einem reichen Repertoire unter ande
rem folgende Titel: Klara von Hoheneichen, Ritterschauspiel Alles aus Eigennutz,
—
Lustspiel Der Papagoy, Schauspiel
—
Die Zauberflöte, Oper
—
Der Tyrolerwastel,
—
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Eilste Vorstellung im zwölften Abonnement«
MlWWWMW
K. K. Nationaltheater in Innsbruck.
Unter der Direktion der Katharina Hain.
Dienstag den 20. Augnst 1839:
Der b e st e Ton.
Familiengemählde in 4 Akten von Karl Töpfer-
Personen:
Oberjägermeister von Strahlen ....
Hr. Vanini.
Philipp von Strahlen, sein Neffe Hr. Zacharda.
Luise, dessen Gattin .... Mad. Zacharda.
Leopoldine von Strahlen, Philipps Schwägerin Mad. Alliani
Major von Marren ....
Hr. Georg Vanini.
Herr von Sporting. ....
Hr. Eichler.
Herr von Mirler ..... Hr. Dorville.
Herr von Specht ..... Hr. Hirsch.
Netti, Kammermädchen, \ Mad. Schäfer.
Niklas, \ in Philipps und Strahlens Hause Hr. Huth.
Friedrich, ) Hr. Santner.
Eine Marchande de Mode ...... Mad. Winkler.
-Preise der Plätze sind bekannt. m
Anfang um 6 Uhr. Ende gegen halb 9 Uhr.
Donnerstag den 22. August:
Die Puritaner.
Oper in drei Akten.
Oper Emilia Galotti, Trauerspiel
—
Abällino, Schauspiel
—
Hamlet, Trauerspiel
— —
Agnes Bernauerin, Ritterspiel Der seltene Onkel, Lustspiel und so fort. *
—
*
Vergl. auch Karl Schadelbauer: Poetische Neujahrswünsche der Zettelträger. In:
Innsbrucker Geschichtsalmanach 1947, Seite 4 bis 8.
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Pradler Ritterspiele
WM- Kurhaus arn E»irgt in Igl's "Wg
Freitag, den 25. August 1922, abends 9 Uhr:
> ; i Historische Begebenheit aus Halls vergangenen Tagen! >- - = i
Die Räuber am Gloäenhos
Die Perbltcher der Hochstraße im Voldermald.
hlltorilche; Lharallerbilb au; hall; oergangenea lagen in 5 Allen und 2 ladleaur (lebende Silber) von üoleliae Weid.
Der Psurrn pon «Iiitttnj Zn CHmat 9toum
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Tili ipicticlis will MitorlcU inWicti rrom Ui put of Tyrol in .
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pirformil iloci 1864 lo Ui oll coootry-Uiitn of Prall.
Cn ipietoclis. (nltiot In Irloimioti blstortqait. pnocipilimiot
wird
'
(yroUiot. oat Itljooli lipals IIHI l ioclio tbiatri In piyunt I Pridl. Die Zwischevaktsmulik vom Scrtonduett Mcrir besorgt.
Kassaeröffnung 8 Uhr. St»S*$CS*S*Stt*5Cj«SC Anfang 9 Uhr. Ende nach 11 Uhr.
Prelle der Plätze: Sperrsitze 4000 Kr.. Tischsitze 3000 Kr.. Einheimische 1200 Kr. mm Kartenoornerkaus: Papierkiosk Eller in Fgls
Zieglers genanntes Stück „Der seltene Onkel oder: Viele Hunde sind des Hasen Tod“
wurde auch noch am 8. März 1808 im Innsbrucker Theater
aufgeführt. Damals in der
Bayernzeit hieß das Haus „Königliches Nationaltheater“, als Theaterdirektor zeichnete
der 1807 aus Bozen nach Innsbruck übersiedelte Georg Schandroch. Der mir vorliegende
Theaterzettel hat das bescheidene Format von 22 X 19 cm; die Größe wuchs bis 1839
auf das Doppelte in der Höhe und Breite, um der stets notleidenden Bühne größere Be
sucherzahlen anzulocken. Um 1898 erzwangen die hohen Kosten doch wieder den gerin
gen Umfang von 27 X 18 cm; ich hatte in den Tiroler Heimatblättern den Schuldschein
des gewesenen Theaterunternehmers Josef Koch veröffentlicht, der am 29. 2. 1796 sein
ganzes gegenwärtiges und künftiges Vermögen verpfänden mußte, weil er in den Jahren
1795 und 1796 gedruckte Theaterzettel nicht zahlen konnte. Auch seine Nachfolger
hatten mit ähnlichen Sorgen zu kämpfen. Wenn einer, so wie im Jahre 1849 ein Alois
Retzer, hoffnungsfroh Bühnenleitung die
großformatigen antrat und sich in einer
Ankündigung erbot, keine Kosten, keine Anstrengung zu scheuen, um den gerechten For
derungen des verehrungswürdigen Publikums zu entsprechen und es mit Opern, Schau
spielen und Lokalpossen gut zu unterhalten, dauerte es selten mehr als zwei oder drei
Jahre, bis er schuldenbeladen von dannen gehen mußte.
Geboten wurde tatsächlich vielerlei. Man sieht das z. B. aus dem „Souvenier“ des
abgehenden Souffleurs Eduard Franz Schulz, das eine Übersicht über die im Jahre 1848
aufgeführten Stücke gibt. Im allgemeinen aber wird gelten, was Professor Hans Lederer
in seiner Schriff: „Aus der Geschichte des Innsbrucker Theaters“, Innsbruck 1935, als
Urteil über das Innsbrucker Theaterwesen im vorigen Jahrhundert ausgesprochen hat:
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„Man machte so zahlreiche Neuaufführungen, daß ein ausgiebiges Rollenstudium und ein
vollwertiges Spiel unmöglich waren.“
Erfolgreicher waren jedenfalls die kleinen Vorstadtbühnen mit ihren volkstümlichen
Stücken, deren Ausstattung nur den geringsten Aufwand verlangte. Zur Huldigungsfeier
im Jahre 1838 erschien sogar ein achtseitiges Heftchen mit dem Prolog und den Lieder
texten zu einem „ländlichen Gemälde“ in 2 Aufzügen von Vitus Augetti: „Das durch
Vaterlandsliebe beglückte Ehepaar oder: Das Jahr 1809, aufgeführt von einer Theater
gemeinschaft der Gemeinde Hötting in der Aue, neben dem Rößlwirthshause“.
Was gab es Aufführungen im Pradler Bauerntheater im Lodronischen
auch für nette
Hof! Wie stand das Publikum erwartungsvoll vor den mit einem ritterlichen Bilde ge
schmückten Theaterzettel, wenn wieder eines seiner zugkräftigsten Stücke angekündigt
wurde! Gemüt und Humor kamen in langatmigen Ritterspielen auf ihre Rechnung. Und
wenn in den „Räubern am Glockenhof" der stotternde Knecht Triefaug auftrat oder
die Verbrecher der Reihe nach geköpft wurden, tobten die Zuschauer vor Begeisterung,
und der Scharfrichter konnte nicht oft genug die grausame Hinrichtung wiederholen.
W ohlfahrtspflege
Seit den ältesten Zeiten der Stadt sind Stiftungen zugunsten der Armen und Waisen
beurkundet. Von Maßnahmen zum Abschaffen des Betteins und von Instruktionen für
den Bettelrichter und vom Bestehen eines
eigenen Almosenfonds berichtet Fischnalers
Chronik Jahren 1527, 1599, 1604 usw. Im Jahre 1712 bildeten 63 adelige
aus den
Damen einen Bund der tätigen Nächstenliebe. 1772 wurde in Innsbruck eine Armen
deputation mit 53 Armenvätern eingesetzt. Sicherlich hat man sich damals schon auch
in gedruckten Aufrufen an die vermögenden Kreise gewandt, um Spenden für die Armen
zu erbitten, doch hat sich anscheinend keiner davon erhalten.
Ein Kuriosum mag es sein, daß sich ein Armer selbst in einem Flugblatt mit sieben
bedruckten Seiten an seine Gönner in Innsbruck um Hilfe gewandt hat!
Ich fand in meinem Exemplar der Innsbrucker Zeitung von 1809 eine Beilage „Was
ich war und was ich jetzt bin“ des „unglücklichen Michael Ambros“. Das war der Zei
tungsherausgeber selber, der alle seine früheren Verdienste um Arme und Verwundete
aufzählt und mit Zeugnissen belegt, jetzt aber selbst „verlassen, alt, krank, blind und
arm“, sein trauriges Schicksal schildert. „Ich gab manchem bedürftigen Studierenden das
Essen, und jetzt weiß ich selbst nicht, wo ich künftig meine Nahrung hernehmen
werde . . .“ Er schließt mit den rührenden Worten: „O vielleicht betrachten meine
Landsleute und Gönner jetzt mich selbst als ein abgebranntes oder von Wildbächen zer
störtes Dorf und thun vielleicht jetzt das für den armen Ambros, was er so vielfältig
für andere Unglückliche gethan hat!“
Der Bittsteller allerdings nicht mehr lang auf fremde Unterstützung angewiesen,
war
denn schon Nr. 51 der Innsbrucker Zeitung vom 27. Juli 1809 meldet den am 23. Juli
des Jahres erfolgten Tod des sechzigjährigen Michael Ambros, der ein Bauernbub aus
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Burgeis im Vintschgau war, sich in Wien als Bänkelsänger und Kaffeesieder durch
gebracht, in Graz und Innsbruck als Zeitungsherausgeber betätigt, aber es leider zu kei
nen Schätzen gebracht hatte.
Vor mir liegt der Entwurf der Statuten für einen „Frauenverein zur Beförderung der
Kleinkinderwart- und weiblichen Industrie-Anstalten in Innsbruck“ mit Datum vom
9. Jänner 1834, Vorläufer unserer heute so unentbehrlichen Einrichtungen zur Betreu
ung kleiner Kinder und zur Schulung der jungen Mädchen.
Ein Aufruf vom 21.
Juli 1845 wendet sich an die Wohltäter der studierenden Jugend,
um armen Quartier und Kostplätze zu verschaffen, ein anderes Blatt mit
Studierenden
dem Datum vom 25. November 1848 ist vom Gubernialrat Dr. Staffier, dem bekannten
Topographen unterzeichnet und fordert die Landesbewohner auf, eine „Provinzial-
Versorgungs-Anstalt für invalide Kaiserjäger und Landesschützen“ zu begründen.
Zur Ehre Innsbrucks sei gesagt, daß alle diese Anregungen auf guten Boden gefallen
sind. Eine viele Jahrzehnte lang fließende Einnahmsquelle für die Innsbrucker Armen
kasse waren die Neujahrskarten.
Innsbrucker Neujahrsentschuldigungskarten
An Ende des Jahres 1819 ging ein lithographisches Rundschreiben in Innsbruck von
Haus zu Haus:
Nachricht an das Publikum
Schon haben andere Städte der österreichischen Monarchie durch löbliches Einverständnis der
bisherigen Sitte entsagt, welche die Glückswünsch-Besuche zum neuen Jahre zur Pflicht
machte. Es sind dafür
Entschuldigungs-Karten eingeführt worden, zu deren Erlangung ein
dem Armenfonde gewidmeter kleiner Betrag entrichtet wird.
Diese wahrhaft menschenfreundliche Neuerung verdient allgemeine Nachahmung und fand
sie bereits an mehreren Orten. Sie enthebt von der besonders in dieser Jahreszeit lästigen
Abstattung ceremonieller Besuche und öffnet der schmachtenden Armuth eine früher
unbekannte Quelle wohltätiger Unterstützung . . .
Von dem ebenso aufgeklärten als wohlthätigen Sinn der hiesigen Stadtbewohner darf man
mit Zuversicht erwarten, dass sie der gegenwärtigen Einladung gern folgen und den men
schenfreundlichen Zweck thätig zu unterstützen sich beeifern werden, welchen die Ein
führung dieser Anstalt bezieh.
Innsbruck, den lOten December 1819
Als Anreger dieser Neujahrsentschuldigungskarten sind der Landesgouverneur Karl
Graf Chotek, Johann Graf Trapp und ein Herr von Payr zu nennen.
Ein Verzeichnis aller seit
1820 herausgegebenen Innsbrucker Karten ist im Landes
museum Ferdinandeum im
Sachkatalog: Innsbruck, Band Gemeindewesen, enthalten.
Aus meiner nicht ganz vollständigen Reihe kann ich die stark wechselnde Papiergröße
der einzelnen Blätter mitteilen. Die beiderseits lückenhaften Reihen aus Wüten, Maria
hilf und Pradl ließen sich hier im Verzeichnis zusammenfassen. Karten aus der bis 1938
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selbständigen Gemeinde Hötting wurden im Ferdinandeumskatalog nicht berücksichtigt,
daher bin ich hier auf das angewiesen, was ich selber besitze.
Die im Jahrzehnt ausgegebenen Neujahrskarten sind äußerst bescheidene Stein
ersten
drucke und zeigen nur zum Teil zart gezeichnete Sinnbilder. Erst später wurden be
merkenswerte Ortsansichten geboten; ortsfremde Heiligenbilder wurden nur ausnahms
weise verwendet.
1820 Eine Frau reicht einer Mutter Gaben. Text: Wohltun ist die schönste Sitte.
(Höhe mal Breite) 12,5 X 15 cm
1821 Ein Mädchen gibt zwei Kindern Geschenke. Text: Besser Glück fördern als Glück
wünschen. Getönte Lithographie. 13 X 16 cm
1822 Genius schüttet ein Füllhorn aus. Text: Die gute That bleibt unser wie ihr Lohn.
13 X 16 cm
1823 Eine Familie kniet vor offener
Feldkapelle. Künstlersignatur F. S., das ist Franz
Schwaighofer. Text: Das dringt empor zum Spender aller Gaben, wenn Arme fleh’n
für Brüder, die sie speisen. 11,5 X 16 cm
1824 Kinder bekränzen einen Gedenkstein für Innsbrucks edle Wohltäter. Signatur F. S.,
Text: Wo Menschen Sinn zum Wohltun hegen, braucht’s keinen Wunsch für Glück
und Segen. 13 X 18 cm
1825 Neugotischer Rahmen. Rundbild mit hilfeflehenden Kindern. Text: Dank deiner
segnenden Gab, der erfleheten sicherem (!) Bürgen, Liebe auf diesem Grund senk' ich
den Anker getrost. 14 X 17 cm
1826 Kalligraphisch geschriebener Text: Dem leuchten Sterne durch der Zukunft dunkle
Nacht, der durch des Armen Dank sich Gott zum Freund gemacht. 12 X 19 cm
1827 Kalligraphisch geschrieben: Stadt Innsbruck. Entschuldigungs-Karte für das Jahr 1827.
12 X 17,5 cm
1828 Alter Hirt und betendes Kind. Lith. v. Josef Grader.
1829 Die hl. Elisabeth beschenkt einen Invaliden. Johann Mayr. Getönte Lithographie.
1830 Wie 1827. 11 X 17 cm
1831 Spruch: Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist gross im Himmel. 15 X 20 cm
Der Aufsatz von Bruno Pokorny: „Innsbrucker Neujahrs-Entschuldigungskarten“ im Tiro
lerAnzeiger, Nr. 14, vom 18. 1. 1936, ist allgemeiner gehalten, bringt aber eine nette Ein
führung über Neujahrswünsche in alter Zeit.
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1832 Steif gezeichnete Tempelfassade. Buchdruck. Spruch: Das Kostbarste ist die Zeit, denn
die Kunst ist lang, das Leben kurz, sie selbst ein Aus- und Probschnitt der Ewigkeit.
15 X 23 cm
1833 Wie 1827.
1834 Das Grabmal Andreas Hofers. 16 X 12 cm
1835 Wie 1827, mehrfarbig gedruckt.
1836 Christuskind mit Johannes. Lith. v. Benz.
1837 Eine rotgedruckte zarte Zeichnung des Stadtbildes ist mit Entschuldigungs-Karte für
die Stadt Innsbruck 1837 überdruckt. 13 X 19 cm
1838 Die Christnacht. Lith. von Johann Kravogl.
1839 Der hl. Nikolaus. Auf Stein gez. v. J. Haid. 24 X 20 cm
1840 Die Hirten vor der Krippe. Lith. v. J. Kravogl.
1841 Christus und Petrus im Schiff. Stahlstich aus Carl Mayers Kunstanstalt, Nürnberg.
1842 Jeremias auf den Trümmern Jerusalems. Gemalt v. E. Bendemann, in Stahl gest. von
J. Döbler. 29 X 45 cm
1843 Der Vertrag zu Verdun. Lith. v. W. Schurig, Verlag Meyer und Wiegand, Leipzig.
1844 Kelch und Hostie nach einem Gemälde des J. D. de Heen.
1845 Das Landesmuseum Ferdinandeum im damaligen Bauzustand. Stahlstich. Zwei Neben
bildchen.
In Gold gedruckte Rahmung mit rotem Tiroler Adler und Stadtwappen. Lithogr.
Anst. v. Carl Alexand. Czichna in Innsbruck. 16 X 23 cm
1846 Stadtspital am Marktgraben, Ausstattung ähnlich wie 1845. 17 X 26 cm
1847 Das Fleischbank-Gebäude. Ähnlich ausgestattet wie die vorigen. 15 X 23 cm
1848 Die Hofkirche. Ähnlich ausgestattet wie die vorigen. 17 X 23 cm
1849 Verkündigung an die Hirten. C. A. Czichna.
1850 Ohne Bild. C. A. Czichna.
1851 Die Stadtpfarrkirche St. Jakob. Ähnlich wie 1845 1848. 17 X23 cm
—
1852 Die hl. Elisabeth, Martin und Philipp Neri (?) verteilen Almosen. Getönte Lithogra
phie von C. A. Czichna. 36 X 23 cm
1853 Ohne Bild. C. A. Czichna.
1854 Ein Mädchen beschenkt Invaliden. 33 X 19 cm
1855 Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. C. A. Czichna.
1856 Die Unglücksstelle des Königs Friedrich August von Sachsen am Brennbühel bei Imst.
Lith. von Josef Schöpf nach Andreas Ziegler.
1857 Erzh. Carl Ludwig und Erzh. Margaretha. Lith. wie vorher. 28 X 40 cm
1858 K. K. Banhof (!) zu Innsbruck. C. A. Czichna. 34 X 40 cm
1859 Die Eisenbahn von Innsbruck nach München. C. Redlich. 46 X 34 cm
1860 Innsbruck gegen Südost. Gez. v. B. Armani, Lith. v. A. Guberner, gedruckt bei C. A.
Czichna. 40 X 51 cm
1861 Deutschlands Eisenbahnen. Rings um die Landkarte Fahrplan und Gebührentabelle.
C. A. Czichna. 51 X 70 cm
1862 K. K. Landeshauptschießstand in Innsbruck (der damals in Mariahilf lag). C. A.
Czichna. 37 X 40 cm
1863 St. Barbara und Elisabeth. Stahlstich aus München.
1864 Heldenmuth, Patriotismus und Religion. Stahlstich nach W. Brennheuser.
1865 Mater amabilis. Stahlstich nach Raphael aus dem Bibliographischen Institut in Leipzig.
1866 Die Maria Theresienstrasse.
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1867 Sillbrücke mit Bergisel und Brennerbahn. C. A. Czichna. 11 X 17 cm
1868 Die neue Andreas-Hofer-Kapelle im Passeier.
1869 Das Schulhaus in der Gilm-Strasse.
1870 Die neue Innbrücke. Links Rudolfs-Brunnen, rechts das Landhaus. C. A. Czichna.
19 X 24 cm
1871 Denkmal zur Erinnerung an die Vereinigung Tirols mit Österreich. Fr. Schmidt, 1857.
Lith. C. Redlich. 47 X 37 cm
1872 Project zum Neubau der Kirche in St. Nikolaus. Entworfen von Alf(ons) Mayr. Lith.
H. Andrich, Lith. Anst. C. A. Czichna.
1873 Am Margarethen-Platz einst und jetzt. C. Redlich. 21 X 27 cm
1874 Die Innsbrucker Altstadt.
1875 Der Eislaufplatz beim Schießstand in Mariahilf. 11 X 17 cm
1876 K. K. Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungs-Anstalt. 24 X 32 cm
1877 Der Innsteg. 27 X 34 cm
1878 Insprugg 1577. Nach dem Gemälde im Palazzo Vecchio zu Florenz. C. A. Czichna.
33 X 50 cm
1879 Plan von Innsbruck im Jahre 1878. C. Redlich. 61 X 48 cm
1880 Der projektierte Neubau des Krankenhauses.
1881 Anstelle eines Bildes erschien ein Häuserverzeichnis.
1882 Innsbruck anno 1881. C. A. Czichna. 36 X 67 cm
1883 Stadtwappen. C. A. Czichna.
1884 Museum in Innsbruck nach seiner Vollendung. Erweitert von Natale Tommasi und
Stadt-Ingenieur E. Löhnz. C. A. Czichnas Druckerei. 50 X 67 cm
1885 Altinnsbrucker Ansichten unter dem Titel:
Vergißmeinnicht und Immortellen. (Maria
hilf, St. Nikolaus, Hofmühle, Delevo, Alte Feigenmühle, Melzer-Haus.) C. A. Czichna.
33 X 44 cm
1886 Das neue Redoutengebäude zu Innsbruck. C. A. Czichna. 36 X 46 cm
1887 Der alte Wappenturm zu Innsbruck. C. Redlich. 58 X 43 cm
1888 Diesmal erschien wieder ein Häuserverzeichnis.
1889 Plan der Stadt Innsbruck. (In den Ecken Abbildungen: Das Waisenhaus, Neues Spital,
Redouten-Gebäude.) C. A. Czichna. 45 X 60 cm
1890 Ohne Bild. C. A. Czichna.
1891 Ältestes Stadtrecht von Innsbruck, 1239. Lichtdruck von J. Löwy. Nebst Abbildung
des damals geplanten Rathaus-Umbaues. Wien. Rückseits deutsche Übersetzung der
lateinischen Urkunde. 63 X 48 cm
1892 Ein Innsbrucker Häuserverzeichnis anstelle einer Neujahrskarte.
1893 Tiroler Landesausstellung in Innsbruck (Ausstellungshalle). C. A. Czichna. 41 X 57 cm
1894 Innsbruck 1894 (Plan von Innsbruck und Wüten). K. Redlich. 68 X 50 cm
1895 Der Leopoldsbrunnen am Rennwege zu Innsbruck:. W. Steinsky 1894. Lith. v. C. A.
Czichna. 46 X 57 cm
1896 Häuserverzeichnis.
1897 kam anscheinend keine Neujahrskarte heraus.
Ab 1898 erschien anstelle der Neujahrskarten alljährlich ein Innsbrucker Adreßbuch.
Eine Erinnerung an die vorsintflutliche Straßenbeleuchtung mit flackernden Petroleum
lampen ist eine undatierte, etwa 15 X 10 cm große Karte: „Glückliches Neujahr von
den Innsbrucker Laternanzündern“. Wir sehen das Goldene Dachl abgebildet, zur Seite
33
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den längst schon entfernten neugotischen Eisengußbrunnen und mitten auf der Fahrbahn
den Laternenpfahl und davor einen Mann, der soeben ein unwirklich strahlendes Licht
entzündet hatte. Als Fierstellerin zeichnet die Lithographische Anstalt des Carl Redlich.
Wiltener Neujahrskarten
Mit einigem Abstandfolgte dem Innsbrucker Beispiel auch das k. k. Landgericht Son
nenburg, das in Wüten seinen Sitz hatte. Auf großen Verbrauch von Neujahrskarten
hatte man ursprünglich nicht gerechnet, daher ließ man auf den mir vorliegenden ältesten
Karten die letzte Jahreszahl frei, um sie auch in anderen Jahren noch verwenden zu
können. Künstlerische Höhe zeigen die Kupferstiche des Franz Xaver Layr (Lair, Lairer)
für die Jahresgaben von 1837—1840.
183 (verwendet 1830). St. Nothburg teilt Gaben aus. (Hans) Mader inv., Lithographie.
19 X 13 cm
183 (verwendet 1835 und 1836). Engel streut aus einem Füllhorn Gaben aus. Lith. Anstalt
v. J. Grader 16 X 11 cm
1836 WunderbareSpeisung der 7000 Mann. Lair inv. 24 X 34 (Platte 20 X 20) cm
1837 Zwei Männer verteilen Bekleidung. Layr fec. 21 X 30 (Platte 18 X 19,5) cm
1838 Der barmherzige Samaritan, Fr. Xav. Layr fec. 21 X 30 (Platte 18 X 20) cm
1839 St. Elisabeth. F. L. inv. 24 X 32 (Platte 18 X 21,5) cm
1840 Die Anbetung der Hirten. F. L. 21 X 30 (Platte 19 X 22) cm
1841 St. Nothburg und St. Martin. Lith. Mader.
1842 St. Laurentius. F. Jos. Haid, Lith. Anst. J. Schöpf.
1843 Carolus Borromäus.
1844 Das Freiheitskämpferdenkmal in der Hofkirche. Lith. Josef Schöpf. 38 X 23 cm
1846 Vignette. C. A. Czichna.
1847 St. Elisabeth, Almosen spendend. Czichna.
1848 Ansicht des Klosters und der Kirchen von Wüten.
1849 Schloß Ambras.
1850 Pavillon auf dem Bergisel.
1851 Madonna und zwei Heilige. Lith. v. Fr. Xav. Spörr. Czichna.
1852 St. Franziskus, Arme beschenkend. Czichna.
1855 Jeremias auf den Trümmern Jerusalems. Nach Bendemann.
1856 Die Votivkapelle für König Friedrich August v. Sachsen am Brennbühel bei Imst
(Nach langer Unterbrechung als „Neujahrskarte der Gemeinde Wüten"):
1873 Speckbachers Haus bei Rinn. Stahlstich von Martens. Unterberger.
1874 Abt Johann Evangelist Freninger. Lith. Redlich.
1875 Aufmarsch der Freiwilligen Feuerwehr, Wüten.
1876 Stift und Pfarrkirche Wüten. Lith. A. Lanzinger, Innsbruck. 16 X 20 cm
1878 Engel mit Lyra. Czichna.
1880 Kinder mit Kranz. Czichna.
1881 Ohne Bild. Czichna.
1884 Mosaikgemälde aus der Schottenkirche, Wien. Lithographie.
1885 St. Laurentius. Holzschnitt.
1886 Wiltener Gnadenbild. Lichtdruck.
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1888 Papst Leo XIII. Nach einem Glasfenster in Wüten.
1889 Der Oberrauch- (heute Kaiserschützen-) Platz. C. Redlich. 25 X 34 cm
1890 Wappen des Stifters. Lithographie.
1891 Die Hirten vor der Krippe. Verlag Benzinger in Einsiedeln.
1892 Plan des neuen Schulhauses nach J. Hutter. Lith. Redlich.
1893 Das neue Gemeindewappen.
1894 Hofers Standbild am Bergisel. Redlich.
1895 Kaiser FranzJoseph I., Druck von Franz Walter, Wien. 39 X 28 cm
1896 Mittelgebirgsbahn Wüten—Igls (Planskizze). K. Redlich. 34 X 44 cm
1897 Straßen- und Gebäudeplan von Wüten. C. Lampe. 50 X 66 cm
1898 Kaiser Franz Joseph und die Wiltener Schützen. Lith. Lampe, Innsbruck.
1913 Neujahrskarte des Kirchenbauvereines Wüten: Innsbruck und Wüten im Jahre 1703.
Nach Kaspar Waldmann. Lith. K. Redlich. Farbendruck Wagner. 51 X 36 cm
Neujahrskarten aus Mariahilf
Aus Mariahilf kommt die inhaltlich schwächste Reihe:
1851 Madonna mit Heiligen. Lith. v. F. X. Spörr. Kunstanstalt Czichna.
1852 St. Franziskus besucht Arme. Czichna.
1853 Christkind, von Engeln verehrt. Czichna.
1854 Bettler, von Mönch beschenkt. Czichna.
1855 Jeremias auf den Trümmern Jerusalems. Nach Bendemann.
1856 Erzherzog Carl Ludwig. Czichna.
1858 Die Alpe Gfaß. Lith. E. Leuthard, München bei Kämmerer.
1860 Christus und Johannes. Lith. A. Guberner. Czichna.
1861 Kinder vor Marienbild. Czichna.
1862 Zwei Betende vor dem Kreuze. Czichna.
1863 Christus und Jüngling. Czichna.
1864 Kaisers Ankunft am Bahnhof. Nach Zeichnung v. Köck. Czichna.
Desgleichen: Kaisers Erscheinen auf der Schießstätte. Wie vorher. 28 X 35 cm
1867 Christus im Fischerboot. Czichna.
1868 Christus von zwei Engeln beweint. Czichna.
Desgleichen: Hofers Kapelle im Passeier. Czichna.
1869 Christus im Gebet. Karl Redlich.
1870 Landeshauptmann Dr. Haßlwanter. Lith. Redlich.
1872 Sixtinische Madonna. Czichna.
1873 Madonna. Stahlstich.
1874 Taufe Christi. Stahlstich.
1875 Zwei Engel mit Flammenschale. Czichna.
1876 Papst Pius IX. Lith. P. Ortner. Czichna.
1877 St. Agnes. Stahlstich aus Düsseldorf.
1878 Hl. Paulus. Farbendruck auf Lithogr. Rahmung Czichnas geklebt.
Höttinger Neujahrskarten
Gleich wie die letzte Wiltener Neujahrskarte zu Beiträgen für einen geplanten Kir
chenbau in Wilten-West anregen wollte, wurde auch in Hortung und Pradl um Mittel
zum Bau neuer Pfarrkirchen geworben.
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Der Höttinger Kirchenbauverein gab Karten mit folgenden Darstellungen heraus:
1894 Hötting im Jahre 1693 nach Johann Martin Gumpp. 58 X 37 cm
1898 Inneres der (alten) Höttinger Pfarrkirche. 48 X 32 cm
1900 Das Höttinger Bild. K. Redlich. 58 X 42 cm
1901 Grabmal des Erzgießers Gregor Löffler und seiner Gattin. 52 X 33 cm
1902 Das neue Schulhaus in Mariahilf. Lichtdruck Dr. Giamara und Findl. 50 X 32 cm
1903 Altarbild der Pfarrkirche Mariahilf. 50 X 33 cm
1906 Entwurf zum Umbau der alten Pfarrkirche. K. Redlich. 49 X 35 cm
1907 Der Edelsitz Lichtenthurn. K. Redlich. 53 X 39 cm
1908 Entwurf der neuen Pfarrkirche. Nach G. Heiß. K. Redlich. 70 X 48 cm
1909 Portalansicht, Quer- und Längsschnitt des Neubaues. K. Redlich. 50 X 34 cm
1911 Die Maria-Heimsuchungs-Kapelle in Kranewitten. K. Redlich. 56 X 37 cm
1913 Inneres der neuen Pfarrkirche im Festschmuck der ersten Primiz. Photo A. Dalus,
Hötting. 38 X 47 cm
1914 Pestfreithof. Aufnahme A. Dalus, Hötting. 38 X 47 cm
1919 Die neue Pfarrkirche in Hötting. A. Dalus. 37 X 29 cm
1920 Fenster für Philipp Matzgeller. 32 X 20 cm
1927 Das Höttinger Bild. Karl Redlich. 27 X 36 cm
1931 Deckengemälde des Joh. Michael Strickner in der alten Pfarrkirche. 34 X 24 cm
1932 Die Orgel der Pfarrkirche. 34 X 24 cm
1933 Dorfbild mit Blick zur alten Pfarrkirche. 34 X 23 cm
1935 Grundsteinlegung der neuen Pfarrkirche, 1910. 29 X 36 cm
Pradler Neujahrskarten
1891 Ein Dachgiebel mit Vers. Farbendruck. C. A. Czichna.
1892 Christkind und hl. Johannes. Ebenso.
1894 Madonna della Sedia. Ebenso.
1898 St. Georg. Ebenso.
1899 Madonna mit Kind. Ebenso.
1902 Entwurf zu einer neuen Pfarrkirche. 30 X 43 cm
1903 Projekt zur neuen Pfarrkirche. K. Redlich. 45 X 36 cm
1904 Das Gnadenbild in der Pfarrkirche. Farbige Lithographie. K. Redlich. 55 X 37 cm
1906 Firstfeier der neuen Pfarrkirche. 30 X 44 cm
1908 Neue und alte Pfarrkirche und Mariahilf-Kapelle. Nach Rafael Thaler. 34 X 47 cm
1909 Feierliche Übertragung des Mariahilf-Gnadenbildes in die neue Pfarrkirche.
40 X 34 cm
1910 Portal der neuen Pfarrkirche. K. Redlich. 45 X 34 cm
1911 St. Kassian, Patron der Kirche. C. Lampe. 40 X 29 cm
1912 Die alte Kirche. Nach Rafael Thaler. Farbendruck, Wagner. 35 X 25 cm
Namenstagskarten
Der schöne Erfolg der Neujahrskarten führte zum Versuch, auch bei Namenstags
glückwünschen eine Geldablöse einzuführen und die Spende auf einer vorgedruckten
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Karte zu bestätigen. Mir liegen ein paar dieser Blätter vor. Kalligraphisch schön und
von Schnörkeln umgeben ist jedesmal der Spruch geschrieben „Wer sich der Armen
erbarmet, der leihet dem Herrn zu hohen Zinsen“.
Eines trägt die vorgedruckte Jahreszahl 1838 und den Herstellernamen „Sighart lith.“,
ähnliche in den Größen 10 X 14 und 12 X 17 cm „für das Jahr 18 . nennen Johann
Kravogls Lithographische Anstalt als Herstellerfirma und wurden zwischen 1839 und
1841 verwendet.
Der Absatz scheint nicht groß gewesen zu sein. Bei Namenstagen und ähnlichen Festen
ließ sich persönlicher Glückwunsch weniger durch Vordrucke ersetzen als beim Jahres
wechsel.
Das jüngste und wohl letzte Stück entstammt der Lithographischen Anstalt von Carl
Alexander Czichna: „Statt der Namenstags-Gratulation für das Jahr 18..“. Die
Schrift hat lichtgrüne, neubarocke Umrahmung; die Karte wurde nach dem handschrift
lichen Beisatz um die Jahreswende 1850 auf 1851 ausgegeben.
Verkehrs wesen
ausgeschiedenen Papieren fand ich vor Jahren drei Ankündigungen von Stell-
Unter
wagen-Inhabern und k. k. Postmeistern aus dem Jahre 1847. Sie empfahlen sich für
Fahrten zwischen Landeck und Mals, Landeck und Feldkirch, Lienz und Bruneck.
Jedesmal ist auch eine mächtige Postkutsche abgebildet mit vorgespannten galoppieren
den Pferden, so daß man meinen könnte, sie wären imstande, das Ungetün mit Windes
eile über alle Pässe zu jener Zeit, Ludwig Steub und andere,
führen. Die Schriftsteller
stimmen allerdings nicht in das Lob der angepriesenen „bequemen Wägen und schneller
Beförderung“ ein! Die Preise waren nicht billig: 2 Gulden und 24 Kreuzer für die Fahrt
von Landeck nach Mals, 3 Gulden und 15 Kreuzer mit 15 Pfund Freigepäck in einer
Zeit, da der Taglohn eines Handlangers einen halben Gulden, das waren damals
30 Kreuzer, der eines Maurers 40 Kreuzer, der eines Anstreichers einen Gulden zu
60 Kreuzern betrug. —
Beförderung von Personen, Gepäck und Post auf den
Für die
k. k. Postwagen berechnete man die Zahlung nach sorgfältig ausgearbeiteten Tabellen,
deren Gebrauch gar nicht leicht war. Eine am 21. März 1821 vom Landesgubernium
verlautbarte Gebührenordnung spricht zwar von bedeutend herabgesetzten Tarifen, das
Reisen war aber trotzdem ein teurer Luxus.
Auch die Posttarife waren hoch. Die Briefgebühr mußte nach der Entfernung der
Aufgabe- von den Abgabeorten in zahlreichen Abstufungen berechnet werden. Nach der
Brieftaxordnung vom 10. Dezember 1813 waren für einen nur 8 g schweren Inlands
brief je nach der Entfernung 4 bis 8 Kreuzer zu zahlen, für 16 g das Doppelte. Ein 500 g
schwerer Brief kam schon auf 3 Gulden und 4 Kreuzer bis auf 6 Gulden und 8 Kreuzer.
Der fällige Betrag mußte in Konventionsgeld, also in vollwertiger Münze, nicht in
Banknoten, im vorhinein bezahlt werden.
Den tirolischen Amtskalendern sind Übersichten über den Postverkehr und Tabellen
über die Poststationen in Tirol eingefügt. Nach dem k. k. Landes-Stellen Schematismus
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für das Jahr 1784 ging am Sonntag Post ab nach München, am Montag nach Italien, am
Dienstag nach Salzburg und Wien, am Mittwoch ins Oberinntal, am Donnerstag nach
Wien und nach Italien und am Samstag wieder ins Oberinntal und nach München.
Nach Fischnalers Chronik, Bd. 4, S. 226, hat man seit
1845 Postbücheln ausgegeben.
Ich besitze sechs Stück aus den
Jahren 1847—1863. Sie kamen aus Wien, der Name des
verteilenden Postboten war manchesmal, nicht immer, dem Titelblatte eingefügt. So ist
im „Neuen, illustriertem Postbüchel für das Jahr 1847, gedruckt in Wien bei M. Pell"
zu lesen: „Den hochverehrten Gönnern in tiefster Ehrfurcht dargebracht von Johann
Nägele, Briefträger d. k. k. Ober-Postamtes in Innsbruck." Im Inneren finden sich Verse
auf das neue Jahr und harmlose Witze mit drastischen Holzschnitten. Hinten sind ein
paar Blätter angehängt mit Übersichten über die zu Innsbruck abgehenden und ankom-
menden Briefposten und die Postgebühren. Bei Ausländsbriefen gab es für jedes Land
einen anderen Tarif. Nach Bayern kostete der Brief 6 Kreuzer, nach Hamburg 24, nach
Dänemark oder Saloniki ebensoviel, nach Nordamerika 30, nach Alexandrien 42 Kreu
zer. Mehr Lokalcharakter haben die mir vorliegenden „Innsbrucker Postbücheln" von
1928 bis 1932. Sie enthalten nette Beiträge heimischer Autoren, so Franz Abler, Josef
Frier, Josef Poll, Abt Heinrich Schüler und wurden bei Wagner gedruckt. 1934 und 1935
gab es nur mehr ein „österreichisches Postbüchel" aus Wien mit aufgedrücktem Gummi
stempel des jeweiligen Briefträgers.
Mit Eröffnung der Eisenbahnlinie Innsbruck—Kufstein am 24. November 1858 und
den nachfolgenden Bahnbauten begann sich das Verkehrswesen zu verbessern. Die Inns
brucker Neujahrsentschuldigungskarte für 1861 bringt eine Eisenbahnkarte mit Fahr
plan und Gebührentarif. Zweimal im jetzt Gelegenheit nach Hall zu
Tag hatte man
fahren, und man zahlte für die einfache Fahrt dritter Klasse 18 Kreuzer. Nach dem
damaligen Marktpreis kostete ein Ei einen Kreuzer; nach heutigen Begriffen käme also
die Fahrt auf etwa 24 Schilling.
Manbegreift es, daß die Haller Salinenangestellten mit ihren Familien seinerzeit nur
einmal im Jahre Innsbruck besucht haben: „Zu Fuß über Judenstein zum Pfannhauser-
Jahrtag in Wüten und nach verschiedenen Besorgungen in der Landeshauptstadt zurück
mit der teueren Bahn."
F amilienanzeigen
Es wird nicht leicht zu entscheiden sein, seit wann es gedruckte Familienanzeigen
gibt. Der Hinweis auf vorhandeneBeispiele kann vielleicht Anlaß zum Nachforschen
geben und weit ältere Belege zum Vorschein bringen.
In meiner Sammlung befindet sich ein undatiertes Blatt im Umfang von 11 X 18 cm
mit folgender, von dünnem Rahmen umgebener Mitteilung:
Maria Anna, edle Frau von Lanser zu Moos und Vöszenstein, gebohrne Gräfin von
Wolkenstein-Trostburg, giebt Parte, von Freundschaft wegen, von dem Ableiben ihrer
geliebtesten Frauen Mutter, der hochgebohrenen Frauen Francisca Potentiana, ver-
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wittibten Gräfinn von Wolkenstein-Trostburg, gebohrenen Gräfinn von Engl zu
Wagrein, k.Sternkreuz-Ordensdame, welche den 20sten dieses Abends um
k.
halber 8 Uhr nach einer dreitägigen Krankheit, mit allen HH. Sacramenten versehen,
im 80sten Jahre ihres Alters in dem Elerrn entschlafen.
Empfängt keine Visiten.
Die Nachschau in genealogischen Werken nach dem Todesdatum der Gräfin blieb
vergeblich; schließlich fand ich im Sterbbuch der Innsbrucker St.-Jakobs-Pfarre, daß
Frau Franziska Potentiana Gräfin von Wolkenstein am 22. Juli 1773 zur geweihten
Erde bestattet wurde.
Gleich bescheiden ist die Todesanzeige des am 28. September 1777 verstorbenen in-
fulierten Propstes von Bozen, Edmund Leonhard Josef Grafen von Khuen zu Belasi. —
Das Format blieb durch Jahrzehnte zwischen 8 X 14 und 10 X 18 cm. Bozner Parte
zettel aus Jahren 1812, 1814 und 1827 sind mit einem kleinen Holzschnitt, dem
den
lagernden Sensenmann, geschmückt. Auch die Anzeige über den Tod der Klaudia Freiin
von Schneeburg, gestorben in Mühlau am 23. Juni 1835, trägt als einzige Zier die von
einem Kranze umgebene Zeichnung der Sanduhr. Ein schwarzer Trauerrand erscheint
erst auf dem Partezettel des Alois Freiherrn von Schneeburg, gestorben am 19. Dezem
ber 1846 zu Meran. Die Papiergröße war nahezu gleich geblieben, 13 X 22 cm.
Die Todesanzeige des P. Joachim Haspinger, verstorben am 12. Jänner 1858 in Salz
burg, entspricht in Format und Ausstattung, 20 X 27 cm mit schwarzem Rande, dem,
was heute noch üblich ist.
Vorgedruckte Totenscheine gibt es wohl erst seit den Befreiungskriegen. Ich besitze
einige aus dem Jahre 1814 für in Feldspitälern zu Linz an der Donau und in Freiburg
im Breisgau verschiedene Tiroler Jäger. Sogar aus der Stadt Sens im Departement
Lyonne liegt ein am 18. Juni 1814 ausgefüllter Totenschein für einen „Yeger Bourg-
mayer“, richtig Buchmayer, vor.
In gefühlvoller Zeit widmete man Verstorbenen vielfach recht innige Dichtungen:
„Erinnerungen an Julie“ und wie sie alle betitelt sind! Karl Klaar befaßte sich in den
Tiroler Heimatblättern, Jg. 25 von 1950, mit 26 Erinnerungsgedichten und Andenken
bildchen an verstorbene Innsbrucker Persönlichkeiten, so daß ich nur darauf zu verweisen
brauche.
Bei Hochzeitsfeiern war es besonders im italienischen Sprachgebiet seit Jahrhunderten
üblich, das junge Paar durch Gedichte oder kleinere Abhandlungen zu erfreuen. Marg-
reiters Tiroler Anonymen- und Pseudonymenlexikon verzeichnet und entschlüsselt Hun
derte dieser seit 1587 nachweisbaren Nozze-Publikationen. An die Spitze der Inns
brucker Veröffentlichungen dieser Art möchte ich einen sonst gänzlich unbekannten Ein
blattdruck aus meiner Sammlung stellen, gedruckt zur Vermählung des Erzherzogs Leo
pold von Tirol mit Prinzessin Claudia von Medici am 20. April 1626 in Innsbruck.
Ein mit F. C. P. unterschriebener, noch nicht näher bestimmter Dichter widmet dem
fürstlichen Brautpaar zwei schwülstige Sonette in italienischer Sprache. Das Blatt mißt
25 und 32 cm an Höhe und Breite, der Text ist mit einer Zierleiste umrahmt. Wohl
der gleiche Poet ließ ein ebensolches Blatt mit zwei Sonetten drucken, als sich der Kam-
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merherr Johann Freiherr von Schneeburg an einem nicht angegebenen Tage mit einer
Hofdame Julie vermählte. Nach Pfaundlers Stammtafeln im Ferdinandeum entstammte
sie dem Geschlecht der Incontri.
Von der Familie desBrautpaares ausgehende Vermählungsanzeigen sind anscheinend
erst imvorigen Jahrhundert aufgekommen. In meiner Hand befindet sich keine ältere
als diese schmucklose Mitteilung im Format von 21 X 26 cm:
Josef Innozenz Graf von Thunn-Hohenstein aus der Linie Bruhier ecc. und seine Gemahlin
Marianne, geborene Gräfin Fugger von Nordendorf, ertheilen die Nachricht von der Ver
mählung ihres Sohnes Guidobald, k. k. wirklichen Cämmerer, und der Gräfin Luzzago,
Ehrendame Ihro Majestät der Kaiserin von Österreich ecc.
Die Trauung hatte den 29. Jänner 1. J. in Mantua statt.
Trient, den 5ten Februar 1834
Auch über die Visitkarte sollte in diesem
Zusammenhänge geschrieben werden. Nähe
res erübrigt sich allerdings, da ich in der
Klebelsberg-Festschrift von 1956, Schlern-
Schriften, Band 150, darüber berichtet habe. Noch im Jahre 1759 schrieben Besucher
—
eines in Paris weilenden bayrischen Diplomaten ihre Namen auf beliebige Zettel, man
chesmal auf die Rückseite entzweigerissener Spielkarten. Die älteste richtige Besuchskarte
stammt aus dem Jahre 1770 und ist vom bekannten Tiroler Theatinerpater Don Fer
dinand Sterzinger. Im Gegensatz zur heutigen nüchternen Form waren die Visitkarten
aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und aus der Biedermeierzeit teils mit hübschen
Bildchen geschmückt, teils teilten sie den Namen des Besuchers in gefällig umrandeter
Zierschrift mit. So waren sie Kunstgegenstände von persönlichem Reiz; man behielt sie
gern zur Erinnerung auf. Könnte man das gute Beispiel nicht auch weiter befolgen?
Schmähschriften
Wenn von kleinen Drucken die Rede ist, darf auch die Schmähschrift nicht außer acht
gelassen werden. Wer seinen Gegner verächtlich machen will, wird sich mit Vorliebe
fliegender Blätter bedienen oder Broschüren geringen Umfanges, aber gepfefferten In
halts verbreiten.
Der Druck von Pamphleten blühte besonders im Zeitalter der Reformation und der
Aufklärung. Diejenigen, die mit der Feder am wildesten darauf losstachen, waren frei
lich ängstlich darauf bedacht nicht erkannt zu werden. Verfassernamen fehlen, oder es
sind falsche Namen von Verfasser und Druckort angegeben, um Nachforschende auf
falsche Spur zu führen.
Da hatte im Jahre 1783 eine Teufelsbeschwörung in Seefeld viel von sich reden ge
macht. Dies mußte den Widerspruch aufgeklärter Geister erregen, daher erschien prompt
eine Spottschrift mit dem Titel: „Anmerkungen über den Teufel zu Seefeld in Tirol,
verfaßt von einem geistlichen Ganser der Ex-Klarissinen. Auf Unkosten der St. Monika-
Bruderschaft zu Seefeld, 1783“. Der unbekannt gebliebene Verfasser verstand es zwar
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seiner Darstellung den Anschein einer sachlichen Berichterstattung zu geben, um nicht
von vornherein von einem Teil der Leser abgelehnt zu werden; hauptsächlich in bissigen
Fußnoten wird der ganze Vorgang lächerlich gemacht, was beim herrschenden Zeitgeist
eigentlich keine besondere Heldentat bedeutet und kein Versteckenspiel gebraucht hätte:
Bey dem durch Josephs Anstalten sinkenden Credit der Wallfahrten und anderer
abergläubischen Dingen fanden die Seefelder Mönche nöthig ihre Zuflucht zum
Teufel zu nehmen. Der Lohn ihrer gottseligen Bemühung ist noch nicht bestimmt. . .
sie haben ihre Absicht erreicht —
2000 Leute als Zeugen der Teufelsaustreibung —
wenn jeder nur einen Pfennig geopfert —
und welch ein Verschleiss an Bier!
Weil die ganze geschilderte Angelegenheit hinreichende Angriffspunkte bietet, wird
man die beschriebene Spottschrift nicht allzu tragisch nehmen. Schlimmer steht es mit
einem Druck nach dem traurigen Ende des Tiroler Freiheitskrieges von 1809, betitelt:
„Zwei Aktenstücke über die Meutereien in Tyrol. Zum Bessten der Witwen und Waisen
der in Tirol gebliebenen Soldaten“. Wie schon aus der Überschrift hervorgeht, handelt
es sich um Veröffentlichung, die Tirols Heldenkampf in den Kot ziehen will.
eine
Drucker und Druckort sind aus guten Gründen nicht genannt, aber gleich auf der ersten
Textseite ist ein Brief aus Brixen vom 15. November 1809 abgedruckt, der die Absichten
des Schreibers enthüllt: „. . . Ich sende Ihnen nun, da Dank und Lob der baierischen und
gallischen Tapferkeit der Weg über den Brenner wieder offen ist, die Bemerkungen, die
ich über einige Gegenstände, welche auf die Administration des Landes und der Schulen
Bezug haben, zu machen Gelegenheit hatte. Ihr Malsiner, Professor“. Und das, was in
der Folge bemerkt wird, enthält nichts als nur gehässige Angriffe gegen Volksvertreter,
Verwaltungsbeamte und Universitätsprofessoren, die es mit dem „Mauleseltreiber-Wirt“
Andreas Hofer gehalten hatten. Mann für Mann wird durchgehechelt und der bayeri
schen Regierung als verdächtig hingestellt, z. B. der Salinendirektor Josef von Senger:
„Ganz Katze im Thun und Lassen, nur nicht so reinlich. Niederträchtig genug den
Österreichern soviel königliches Geld wie möglich in den Kassen zu lassen, nahm er
die ihm (ergänze: von Andreas Hofer) angebotene Stelle alsogleich an .“, der Depu . .
tierte Josef Marberger: „Ein Fanatiker, blos gewohnt die Wünsche der Prälaten zu
unterstützen. Sein Sohn zeichnete sich als Rebellen-Hauptmann aus und ward endlich
Kommandant“, Professor Maurer: „Bayern zog diesen elenden Bettelstudenten aus dem
Staube hervor. Zum Danke für diese Wohltaten ward er einer der wüthendsten Dem
agogen, der die fliehenden Bauern jedesmal wieder ins Feuer schickte und mit dem Prä
laten von Wüten ein halb Dutzend Te Deum über die österreichischen Siege feierte .“ . .
Man könnte das Geschreibsel als lustige Bierzeitung auffassen und wenigstens heut
zutage zu seinem Vergnügen lesen. Damals aber, als es hinausging, im Winter von 1809
auf 1810, war es blutiger Ernst; tagte das Kriegsgericht, es fällte Todesurteile
es
über die Führer der Volkserhebung und ließ sie auch vollziehen. Trotz aller Amnestie
für reumütige Mitläufer mußte die Schrift zahlreiche Existenzen ernstlich bedrohen. Wer
war denn dieser erbarmungslose Professor Malsiner? Ein Toter! Ein kurz vorher Ver
storbener, der sich nicht wehren konnte, als ein anderer seinen ehrlichen Namen miß
brauchte!
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In Hirns Geschichtswerk ist der wahre Verfasser entlarvt: Josef August Schuhes,
Professor der Botanik an der Innsbrucker Universität, geboren am 15. 4. 1773 in Wien.
Er war wegen seiner Neigung zu Bayern unter Andreas Hofers Regierung enthoben und
deportiert worden —
er hatte dafür unedle Rache genommen! Als Judaslohn bekam er
noch 1810 eine Professur in Landshut. Aber auch in Bayern fand er nicht sein Glück;
er fühlte sich in mancher Hinsicht zurückgesetzt und war arg verbittert. Mit der Welt
zerfallen starb er am 21. 4. 1831 an seinem Dienstort. —
Als endlich friedliche Zeiten
eingetreten waren, gab es wieder andere Sorgen, in denen man sich Luft zu machen
suchte. Es ging zwar nicht mehr um Leben und Freiheit, aber doch um Dinge, die
empfindlich genug waren, um starken Unmut zu erregen. Da war ungefähr um das Jahr
1840 der Milchpreis auf 8 Kreuzer pro Liter erhöht worden. Daher wandte sich ein
ungenannter Verfasser in einem bei Wagner in Innsbruck gedruckten Gedicht gegen
„Die drei zum Tod verurteilten Milchverteuerer“, die mit ihren Namen angeprangert
wurden: Swarzenberger, Engensteiner und Ossi:
Ist wohl a misserabls Löben Selba frössn Einbrennsupp,
Auf der verdorman Welt; Is a verteufelt speer,
Der oane hat Banknoten-Noth, Weil die Milch 8 Kreuza kost,
Der Onere hat koan Geld. Gibs da Baua lieba her.
Wos Geld und Banknotn habn, Es geht a aigna Milch-Agent,
Ist man a not ohne Müa, Der hötzt die Andern auf,
Habn oft koan Trupfn Milch im Haus Er sagt, „ös seids önk selba Feind,
Und habn den Stall voll Küa. Warum schlagds denn ös not auf?“
Und so wird ausgemalt, wie sich die drei Wucherer zur Milchpreiserhöhung entschlie
ßen, dann aber zur Strafe für ihr Tun gehängt werden und nun von den Teufeln
gepeinigt werden:
Jetzt klagens anonda eana Noth,
In da Höll is koa Gnad bei Gott,
O Weh! O Weh! warn mir ban Löbn,
Wollt gern die Milch um 5 Kreuzer göbn!
Rein historischen Wert haben Erinnerungen an politische Kämpfe. Vor Landtags- und
Reichsratswahlen ging manche bissige Flugschrift von Hand zu Hand, um gegnerische
Kandidaten lächerlich zu machen. Viel Aufsehen hat die berühmte „Schlacht von
Stumm“ vom 29. Oktober 1899 gemacht. Deutschnationale Turner machten einen Marsch
ins Zillertal. Bauern, die das als Herausforderung betrachteten, überfielen sie in Stumm
und prügelten sie weidlich durch. Eine, wie sich später herausstellte, von Philipp Schu
macher gezeichnete Postkarte mit der Aufschrift „Zillertal, du bist mei Freud!“ schildert
die Flucht der Gäste über die Zäune; sie wurde später konfisziert und ist dem Sammler
daher ein besonders kostbares Erinnerungsstück.
Auch künstlerische Meinungsverschiedenheiten haben zu spöttischen Darstellungen
angeregt. Heute könnte man es kaum mehr begreifen, aber seinerzeit, im Jahre 1925,
haben die Fresken des großen Egger-Lienz für das Bezirks-Kriegerdenkmal in Lienz
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wegen der damals noch ungewohnt herben Figuren viel Widerspruch erregt. Auch hier
wurde eine Karikatur auf einer Postkarte verbreitet: Ein Teufel hat das Christus-Bild
in der Pfand, und andere Teufel springen herbei und klatschen in die Hände vor lauter
Vergnügen.
Ein Gedicht auf der Rückseite befaßt sich mit diesen Vorgängen in der Kriegerkapelle: 1
. . . Was ist da für ein wild Gejohl,
Gehobne, krächzend Lachen wohl?
Nennt man den Bau auch „Bierkeller“ offen,
Welch Gäste sind hier zusammengetroffen?
Der Wanderer sieht durchs Guckloch klar
Im Licht der Spötter rare Schar
Ein Bild „Entlauster Krieger“ belachen,
Bös krittelnd fort den Spott neu entfachen . . .
So wird es immer wieder Anlässe geben, um anonyme Kritiker herauszufordern. Was
im Zeitpunkt des Erscheinens verletzend wirkt, verliert im Laufe der Jahre meistens
seine Schärfe und wird den Sammler ergötzen.
Kuriosa
In früheren Zeiten hatte das Ausland im allgemeinen keine richtige Vorstellung von
den Verhältnissen in Tirol. Man stellte sich das Land als ein Gewirre wilder Felsen vor.
Wie man alten Reiseberichten entnehmen kann, empfanden Fremde mehr Abscheu als
Freude beim Anblick der Bergwelt. Ein Beispiel dieser Voreingenommenheit ist das Bild
eines Zeichners aus der Romantikerzeit über die nächtliche Flucht des Kaisers Karl V.
aus Innsbruck beim Einfall der Schmalkalden im Jahre 1552. Das Landschaftsbild ent
spricht der Äußerung eines im Jahre 1784 durchreisenden Russen: „Die Berge und
Schluchten sind so schrecklich, daß sich die Haare sträuben!“
Englischer Herkunft ist eine Ansicht von Innsbruck mit einem wild zerrissenen
Phantasiegebirge im Hintergründe. Dieses Bild des Clarcson Stanfield wurde 1831 in
Hildburghausen nachgedruckt und schließlich von Adalbert Stifter, der niemals in Tirol
war, in Ölfarben nachgemalt und hängt jetzt im Stifter-Museum in der Wiener Hofburg.
Ausländischen Künstlern begann im allgemeinen erst in der Mitte des vorigen Jahr
hunderts mehr Verständnis für die Bergwelt aufzudämmern. Auch für das, was den
tirolischen Städten charakteristisch ist, war das Auge lang nicht offen. Ein französisches
Bild der Herzog-Friedrich-Straße aus der Biedermeierzeit läßt die Lauben gänzlich
vermissen. Wohl eine unbeabsichtigte Verwechslung war es, als der Wiener Kupfer
stecher Karl Schleich eine Ansicht der Mühlauer Innbrücke als „Volders bei Hall in
Tirol“ bezeichnet.
Nicht ganz den Tatsachen entspricht ein Kupferstichbildnis des Abtes von Wüten,
Martin Stichler, 1717—1747. Es zeigt ihn zugleich mit der zweitürmig ausgebauten
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Als Zeichner und Verfasser wird genannt: Maler Karl Untergasser (1855—1940).
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Stiftskirche und einem sich beiderseits der Kirche erstreckenden Klostergebäude —
so
war es unter ihm geplant, aber nicht ausgeführt worden. Zuviel Vorschußlorbeer verteilt
auch ein Porträt des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, 1703. Wir sehen ihn als
Herrn Tirols dargestellt. Vor der Stadt Innsbruck wacht der bayrische Löwe. In ein
Kartenbild Tirols ist der Siegeszug von Kufstein aus eingezeichnet. Das Bildnis muß
also zwischen Mitte Juni und Mitte Juli jenes Jahres entstanden sein, denn schon am
26. Juli mußte der Kurfürst nach Verlust seines halben Heeres über Seefeld fluchtartig
abziehen.
An friedliche Reisen auf der alten Postkutsche erinnert ein um 1850 entstandenes
Werbeblatt des Innsbrucker Hotels Sonne, heute Hotel Maria Theresia. Das dreistöckige
Haus daneben ist das heutige Cafe Schindler. Beide Häuser wurden um 1846 nach
damaligem Geschmack recht eintönig ausgebaut und bildeten das erste Großhotel Tirols
mit 90 Fremdenbetten.
Eisenbahn und Fahrrad brachten die erste Umwälzung des herkömmlichen Verkehrs
wesens. Auto und
Flugzeug folgten. Ein
Zeitdokument, ein Kuriosum aus der letzten
Jahrhundertwende ist die Mitgliedskarte eines seltsamen Innsbrucker Vereines, des
„Bundes deutscher Nichtradler in Österreich“. So war es noch um das Jahr 1900, daß
Bund deutscher Bichtradfahrer in Österreich.
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ernsthafte Leute gegen das Fahrrad auftraten, „diesen Feind der Bildung und Gesittung“
und diese „ungesunde und unvernünftige, das Leben und die Ruhe der Mitmenschen
gefährdende Unsitte des Radfahrens“ nach Kräften bekämpften. Vereinsgründer und
Obmann war ein bekannter Innsbrucker Jurist, Notar Dr. Emil Jung. Derselbe Autor
hat noch 1903 eine flammende Kampfschrift gegen die „Radfahrseuche und den Auto
mobilienunfug“ in dritter Auflage veröffentlicht.
fragen uns: wie konnte ausgerechnet in Tirol ein Fortschritt so leidenschaftlich
Wir
bekämpft werden? Trotzdem kann man dem Eiferer nicht allzusehr unrecht geben.
Er sah die Umkehr der Lebensverhältnisse, das hastige, unruhige Treiben der Jetztzeit
voraus und sträubte sich gegen den unerbittlich herannahenden Wandel.
Wer sich gegen die Sturmflut stellt, wird allerdings weggerissen. Seine Vereinsgrün
dung war ein Schlag ins Wasser. Wir haben trotzdem wenig Grund uns über den
„Verein deutscher Nichtradfahrer“ lustig zu machen.
Wer die Stille der früheren Zeiten gekannt hat oder auch nur ahnt, wird ihrer in
Wehmut gedenken. Er wird der Gegenwart dienen, aber auch alte Erinnerungen pflegen
und sich daran erfreuen, und wären es noch so kuriose Bilder von anno dazumal!
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