100 Jahre Feuerwehr Innsbruck 1857 - 1957 ========================================= 100 JAHRE FEUERWEHR INNSBRUCK 1857-1957 FESTSCHRIFT FEUERWEHR DER LANDESHAUPTSTADT INNSBRUCK 100 JAHRE FREIWILLIGE FEUERWEHR 60 JAHRE BERUFSFEUERWEHR ST. FLORIAN, Helfer und Retter in Feuersnöten, Schutzpatron der Feuerweh- ren, diente als Legionsoffizier des römi- schen Heeres in der Provinz Noricum, dem heutigen österreichischen Alpenraum, im Standlager Lauriacum-Lorch. Da sich Florian standhaft zum Christentum be- kannte, ließ ihn der grausame Statthalter Aquilinus im Jahre 304 n. Chr. in den Fluten der Enns ertränken. Weil St. Florian im Wasser den Mär- tyrertod fand, übertrug ihm die fromme Legende dieses Element zum Schutz ge- gen zerstörende Flammenglut. Der Hei- lige wird daher meist dargestellt, wie er löschendes Wasser über ein brennendes Haus gießt. Unser Bild zeigt die Statue des hl. Florian in ritterlichem Harnisch vom Hans-Muel- tscher-Altar der Sterzinger Pfarrkirche (1456-1458), eines der schönsten und wertvollsten mittelalterlichen Kunstwerke Südtirols. Umschlagentwurf K. Sommer, Innsbruck Titelbild- photo Robert Löbl, Bad Tölz, aus dem Bildband ,,Südtirol", Süddeutscher Verlag, München. 1958 Herausgegeben vom Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck-Stadt Verfaßt von Schriftleiter Karl Paulin Für tatkräftige Mithilfe, Beratung und Beiträge, die zur Vervollständigung und zum Gelin- gen der vorliegenden Festschrift dienten, gilt mein Dank folgenden Herren: Prof. Karl Paulin, Archivar Wilhelm Eppacher, Julius Pitscheider, Dipl.-Ing. Hubert Biedermann, Fritz Schwab, Josef Mader, Hofrat Albert Breit, Dipl.-Ing. Anton Huter, Brandrat Ing. Stolz und Oberinspek- tor Anton Thurner. Weiter danke ich allen Männern der Freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr Inns- brucks, die sich für die Organisation und Durchführung der Festlichkeiten der 100-Jahr-Feier selbstlos einsetzten, vor allem Brandmeister Roman Steinkelderer, Schriftwart Josef Steiger und Kassier Karl Zimmermann. HANS KUEN Feuerwehrbezirkskommandant Gesamtherstellung: Wagner'sche Univ.-Buchdruckerei, Innsbruck FRANZ THURNER Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck GELEITWORTE Innsbrucks Feuerlöschwesen ist beinahe gleich alt wie die Stadt selbst. Wenn man von den verheerenden Bränden aus der ältesten Zeit der Stadt liest - es sei erinnert an den Brand von 1292, der fast die ganze Stadt zerstörte, oder an jenen von 1432, dem die gesamten Klostergebäude von Wilten zum Opfer fielen -, kommt einem die Wichtigkeit und der Segen einer technisch hochstehenden, wohl- ausgerüsteten und stets einsatzbereiten Feuerwehr erst richtig zum Bewußtsein. Angesichts des hochentwickelten modernen Feuerlöschwesens zeigt sich die fast völlige Hilflosigkeit früherer Jahrhunderte dem Wüten des feurigen Elementes gegenüber, und die Verordnung des Jahres 1543, derzufolge jeder neu aufgenom- mene Bürger einen ledernen Feuerlöschkübel beizustellen habe, dokumentiert diese Hilflosigkeit in selten eindringlicher Deutlichkeit. Das Geburtsjahr der Innsbrucker Freiwilligen Feuerwehr, der drittältesten in der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und der ältesten im heu- tigen Bundesstaate Österreich, war das Jahr 1857. Ihr Begründer, der akademische Turnlehrer Franz Thurner, hatte es jedoch nicht leicht, seine weitblickenden, ver- dienstvollen Absichten und Pläne in die Tat umzusetzen. Beinahe hätte Thurner die in Mainz bestellten, ohnehin sehr bescheidenen Feuerwehrgeräte aus der eige- nen Tasche bezahlen müssen. Welcher Wandel vollzog sich doch seit den ersten Anfängen einer organisier- ten Feuerbekämpfung. War ursprünglich der lederne Wasserkübel fast das ein- zige Brandbekämpfungsmittel, steht heute eine stattliche Anzahl nach den neuesten Erfahrungen konstruierter, technisch vollkommener Motorfahrzeuge nebst allen erforderlichen Geräten und Zubehör zur Verfügung, mit deren Hilfe es möglich ist, jeden Brand in kürzester Zeit erfolgreich zu bekämpfen. Die Mitwirkung unse- rer Feuerwehren an der vorbeugenden Brand- und Katastrophenverhütung ist weitgehend gewährleistet. Doch das beste Gerät wäre nutzlos, stünden nicht zu jeder Tages- und Nacht- stunde einsatzbereite, pflichtgetreue Männer bereit, zu helfen, wenn der Notruf an sie ertönt. Und diese Pflichttreue ist es, die die Bürger von Innsbruck berechtigt, sich in Sicherheit zu wiegen und ruhig schlafen zu können. Unsere Freiwilligen Feuerwehren im gesamten Stadtbereich und die hochqualifizierte Berufsfeuerwehr beseelt bester Geist echter Hilfsbereitschaft. So möchte ich die Jahrhundertfeier der Innsbrucker Feuerwehr zum will- kommenen Anlaß nehmen, um allen ihren wackeren Männern der Landeshaupt- stadt Innsbruck und meinen persönlichen aufrichtigsten Dank auszusprechen und ihnen volle Anerkennung zu zollen für ihre schwere und verantwortungsvolle Arbeit im Dienste des Nächsten. Mögen die Innsbrucker Feuerwehrmänner auch in Zukunft Leben, Gesund- heit und Eigentum ihrer Mitbürger in so hervorragender, selbstloser Weise wie bisher schützen, und möge unser Herrgott ihr Wirken segnen! Luiggen Bürgermeister der Landeshauptstadt Innsbruck 60 Jahre besteht die Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt Innsbruck, die Freiwillige Feuerwehr bereits 100 Jahre. Das Doppeljubiläum sollte im Jahre 1957 festlich begangen, mußte aber auf das Frühjahr 1958 verlegt werden. Den Anlaß zu dieser Verschiebung gab das unerwartete Ableben des allseits geschätzten und beliebten Feuerwehr-Bezirkskommandanten, Gemeinderat Hans Geyr. Der Verstorbene stand sowohl bei der Berufs- als auch bei der Freiwilligen Feuer- wehr in großem Ansehen, wir bedauern seinen tragischen Abgang sehr. Sein stets ausgleichendes Wesen hatte zwischen den beiden Feuerwehren ein ausgezeichnetes Verhältnis geschaffen. Zu seinem Nachfolger wurde Hans Kuen gewählt. So weit ich den,,Neuen" kennengelernt habe, haben die Feuerwehr-Kommandanten eine gute Wahl getroffen. Als Verantwortlicher für das Feuerwehrwesen in Innsbruck kann ich es mir ersparen, auf die Leistungen der Feuerwehren besonders hinzuweisen, die diese seit ihrem Bestehen erbracht haben. Dies geschieht sicherlich aus berufenerem Munde. Auf Grund meiner zwölfjährigen Funktion als Vizebürgermeister der Landeshauptstadt Innsbruck hatte ich reichlich Gelegenheit, an der Tätigkeit der Berufs- als auch der Freiwilligen Feuerwehren Anteil zu nehmen. Ich habe große Achtung vor den vielen jungen freiwilligen Feuerwehrmännern, die die Mühen der Schulung nicht scheuen, um im Falle eines Brandes oder einer Brandgefahr, manchmal unter Einsatz ihres Lebens, ihre Pflicht zu tun. Ich habe aber noch größere Achtung vor den Älteren, die bereits Jahrzehnte im Dienste der Feuer- wehren stehen und heute noch Vorbild für die Jüngeren sind. Es ist mir immer eine besondere Genugtuung, wenn ich einem alten Feuerwehrmann die wohlver- diente Medaille an die Brust heften und ihm mit einem Händedruck für seine Opferbereitschaft aufrichtig danken kann. Seit der Gründung der Feuerwehren bis zum heutigen Tage hat sich auf technischem Gebiete viel verändert und damit selbstverständlich auch auf dem Gebiete der Brandbekämpfung. Es war unausbleiblich, daß sich durch die Ent- wicklung der Stadt Innsbruck und der damit bedingten Erhöhung der Brand- gefahren, aus den Freiwilligen Feuerwehren eine Berufsfeuerwehr entwickeln mußte. Diese steht immer noch in ihrer Entwicklung. Für eine 100.000-Einwohner-Stadt, wie sie Innsbruck darstellt, ist dieses Korps mit seinen 60 Männern zu klein. Dadurch kommt jeder einzelne Feuer- wehrmann auf eine Dienstzeit von 84 Stunden pro Woche - ohne Rücksicht auf Sonn- oder Feiertage. Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Innsbruck hat für die Belange der Feuerwehren stets volles Verständnis gezeigt, doch bedarf die ungenügende Stärke der Berufsfeuerwehr dringender Abhilfe. Durch die erhöhte Einsatzbereitschaft jedes einzelnen Mannes war die Berufsfeuerwehr bisher nach erfolgtem Alarm immer raschest auf dem Brandplatz im Einsatz; ihre Leistungen wurden auch allseits anerkannt. Dazu kommt, daß der Dienst nicht nur schwer, sondern auch mit großen Gefahren verbunden ist. Die Feuerwehr ist neben ihrer hervorragenden Arbeit für die Brandbekämp- fung auch sonst in allen Nöten hilfsbereit und ist bekanntermaßen das Mädchen für alles". Mit meinem Dank an die 60 Berufs- und 400 freiwilligen Feuerwehrmänner verbinde ich die Bitte, so wie bisher auch weiterhin in kameradschaftlicher Ver- bundenheit ihre Pflicht zu tun und damit Leben, Gesundheit, Hab und Gut ihrer Mitmenschen zu schützen. HANS FLOCKINGER 1. Vizebürgermeister der Landeshauptstadt Innsbruck Wenn die Feuerwehr Innsbrucks in diesen Tagen ihren 100jährigen Bestand feierlich begeht, so ist dies für die Tiroler Landesregierung ein willkommener An- laẞ, an diesem Fest glückwünschend teilzunehmen. Die Männer einer Freiwilligen Feuerwehr zeigen immer, daß sie noch Ideale besitzen und daß sie die Kamerad- schaft und Hilfe für den Nächsten hochhalten. Die Feuerwehrmänner Innsbrucks haben, sooft der Notruf an sie erging, ihren Einsatz in Brand- und Katastrophen- fällen unzählige Male auch auf die nähere und weitere Umgebung von Innsbruck ausgedehnt. Einem Jahrhundert selbstloser, opferbereiter und werktätiger Nächstenliebe zum Schutz des Lebens und Eigentums gegen die zerstörende Macht der Elemente gebührt Anerkennung und Dank des ganzen Landes, den ich mit dem Glückwunsch und der Hoffnung verbinde, die Feuerwehr der Stadt Innsbruck möge auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestandes und ihres Wirkens ihre segensreiche Bestim- mung erfüllen, Gott und sich selbst zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr! DR. HANS TSCHIGGFREY Landeshauptmann von Tirol Es ist ein Glück, wenn wir Mitglieder einer Feuerwehr sein dürfen, wenn wir für eine mit so großen und schönen Aufgaben betraute Organisation arbeiten kön- nen. Die ehrliche Ausübung dieser Tätigkeit ist dem Feuerwehrmann Erfüllung und Genugtuung seiner Lebensanschauung. Ein aufrechter Mann, der gewillt ist, für die Gemeinschaft des Nächsten etwas zu tun, wird hiefür auch dann noch Zeit finden, wenn er auch noch so viel in seinem Beruf beschäftigt ist; denn hiezu be- rufen sind gerade die Tüchtigen, Fleißigen und Treuesten. Eine große Feuerwehr feiert den hundertjährigen Bestand. Für dieses Fest besteht im ganzen Land größtes Interesse und freudigste Zustimmung. Und warum sollen wir uns nicht freuen, wenn eine brave Feuerwehr auf 100 Jahre erfolgreicher Tätigkeit und treuer Pflichterfüllung zurückblicken kann. Ich selbst gedenke in Dankbarkeit der großen Pionierarbeit der Feuerwehr Innsbruck, der zahlreichen Einsätze und Hilfeleistungen im Land und der jeder- zeitigen kameradschaftlichen Hilfsbereitschaft für alle Bedürfnisse der Feuerweh- ren Tirols. DIPL.-ING. ANTON ORGLER Landes-Feuerwehrkommandant Die Feuerwehren Österreichs bilden eine große Familie, die durch ihre ge- meinsame Aufgabe, Leben und Eigentum ihrer Mitmenschen zu schützen, zur ein- trächtigen Zusammenarbeit verbunden ist. Es ist deshalb selbstverständlich, daß alle Anteil nehmen an dem, was einzelne bewegt. Die Feier des 100jährigen Bestandes der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck und des 60jährigen Bestandes der Städtischen Berufsfeuerwehr Innsbruck ist daher ein Ereignis, das seine lokale Bedeutung überragt. An diesem Festtage sind alle österreichischen Feuerwehrmänner im Gedanken bei ihren Kameraden in der schö- nen Landeshauptstadt Tirols. Sie freuen sich mit ihnen und gedenken mit ihnen auch jener Männer, die vor 100 Jahren weitblickend die Notwendigkeit erkannt haben, dem zerstörenden Element Feuer ein organisiertes Feuerwehrwesen ent- gegenzustellen. Diese Männer haben dem Innsbrucker Feuerwehrwesen die Grund- lage für ihr hundertjähriges erfolgreiches Wirken zum Wohle der Allgemeinheit geschaffen. Unsere Freunde in Innsbruck können mit stolzer Genugtuung auf die lange Zeit des Bestandes ihrer Feuerwehr zurückblicken, deren Chronik viele Großtaten aufzuweisen hat, aber auch das Streben zur Fortentwicklung und Vervollkomm- nung erkennen läßt, von dem die in den einzelnen Zeitabschnitten wirkenden Männer beseelt waren. Der heutigen Generation obliegt die Verpflichtung, das stolze Erbe der Väter zu bewahren und auszugestalten. Sie hat wohl die besseren technischen Mittel zur Hand, die ihr die Aufgabe erleichtern, doch sind die charak- terlichen Voraussetzungen für einen guten Feuerwehrmann - Nächstenliebe, Opferbereitschaft und Pflichttreue - nach wie vor die Grundpfeiler für ein erfolg- reiches Wirken im Feuerwehrdienst. Ich wünsche den Innsbrucker Feuerwehrkameraden zu ihrem Ehrentag, daß diese Voraussetzungen - ebenso wie in der Vergangenheit und Gegenwart - in ihren Reihen auch in aller Zukunft vorherrschen mögen, damit diesem denk- würdigen Tage noch viele andere folgen. JOSEF HOLAU BEK Polizeipräsident und Präsident des Österreichischen Bundes-Feuerwehrverbandes EHREN TAFELN ZUM GEDACHTNIS DER GEFALLENEN FEUERWEHRKAMERADEN + + Basetti Peter Bauer Josef Baumgartner Adolf Degan Josef Dietrich Franz Dinkhauser Julius Fischnaller Robert Gaim Karl Im Weltkrieg 1914-1918 Jäger Ferdinand Jargo Josef Kien Gustav Kofler Andreas Krecmar Thomas Lener Josef Mayer Ernst Seidler Friedrich Slamik Viktor Stampfl Johann Steger Josef Steiner Hermann Stolz Dionysius Streli Gottfried Suen Gabriel Thaler Franz Tonon Josef Trager Josef Tschon Nikolaus Plattner Max Gschwandauer Johann Pöschl Matthias Gstöttner Ferdinand Hampl Karl Praty Josef Reisch Josef Happ Johann Ried Josef Hechenblaikner Johann Sailer Josef Heinz Josef Schauer Josef Vinazzer Anton Hörtnag Anton Schnaitter Engelbert Wanner Ludwig Tusch Franz Josef Opfer der Nächstenliebe Im Einsatz tödlich verunglückte Wehrmänner: 1873 April, 19.: Kommandant Aegid Pegger verunglückte mit einer von ihm selbst konstruierten Leiter. 1931 1942 März, 9. Josef Henschitz beim Brand in St. Bartlmä am 9. März 1931 (Berufsfeuerwehr). Otto Mayr bei einer Schauübung am Rathaus (Berufs- feuerwehr). Im zweiten Weltkrieg 1939-1945 Angerer Anton Arnold Alois Benner Johann Blaas Andrä Durchner Fritz Eisendle Herbert Falschlunger Karl Fischler Erwin Flory Alfons Friebe Johann Gallo Josef Ganahl Konrad Gatt Walter Giacomuzzi Walter Graf Herbert Hager Hans Himberger Herbert Holzbauer Hubert Hölzl Anton Huber Anton Jarmer Anton Kaufmann Franz Kitzler August Klier Wilhelm Knapp Josef Kratzer Leonhard Kritzinger Franz Larese Rudolf Lenz Franz Lindenthaler Franz Lutteri Guido Magerle Alois Mayr Arthur Moser Johann Moser Josef Moser Wilhelm Peer Josef Plattner Ernst Plattner Josef Ried Andrä Sagstätter Franz Schlenz Wilhelm Stecher Herbert Stigler Ernst Walter Siegfried Weichselbaumer Franz. Wieser Robert Wopfner Franz Vermiẞte: Eichler Eduard Klement Gustav Lener Karl Mader Ernst Mosheimer Ludwig Peer Herbert Posch Adolf Resch Johann Wieser Georg Am 17. September 1922 erfolgte die feierliche Enthüllung einer Bronze- Gedenktafel am Innsbrucker Stadtturm mit den. Namen der im ersten Weltkrieg gefallenen Feuerwehrkameraden. Anläßlich des 100-Jahr-Jubiläums wird diese Tafel in der Hauptfeuerwache aufbewahrt und durch eine neue Gedenktafel ersetzt mit folgender Inschrift: ,,Die Feuerwehr der Stadt Innsbruck widmet anläßlich ihres 100jährigen Bestandes 1857-1957 diese Gedenktafel ihren in beiden Weltkriegen 1914-1918, 1939-1945 gefallenen und vermißten Kameraden." 10 10 11 Wohltätig ist des Feuers Macht, Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht; Und was er bildet, was er schafft, Verdankt er dieser Himmelskraft. Doch furchtbar wird die Himmelskraft, Wenn sie der Fessel sich entrafft, Einhertritt auf der eignen Spur, Die freie Tochter der Natur. In seinem herrlichen,,Lied von der Glocke" hat Friedrich Schiller die Doppelnatur des Feuers, seine schöpferische, aufbauende und seine zerstörende, vernichtende, in klas- sischen Versen gekennzeichnet. Beide Eigenschaften bestimmen schicksalhaft das mensch- liche Leben; gegen die dämonische Gewalt des entfesselten Elementes kämpft der Mensch aller Zeiten und Zonen seit Urbeginn. Schon die Völker des Altertums, Ägypter, Phönizier, kannten primitive Feuer- bekämpfungsarten. Tirol, seit dem Jahre 15 v. Chr. als Teil der Provinz Rätien dem römischen Weltreich angehörend, übernahm von den Legionen die ursprünglichen Lösch- geräte, kleine tragbare Druckpumpen, Leitern, Feuerhaken, lederne Wassereimer, mit denen das von Kaiser Augustus zu Beginn unserer Zeitrechnung aufgestellte militärische Feuerwehrkorps ausgestattet war. In den Stürmen der Völkerwanderung gerieten diese ersten Methoden der Brand- bekämpfung in Vergessenheit; die folgenden Jahrhunderte des Mittelalters erforderten zum Schutz der gefährdeten Siedlungen wirksamere Einrichtungen und in gemeinsamer Not und Gefahr die gemeinsame Mithilfe der Obrigkeit und der gesamten Einwohner- schaft. Denn die zumeist aus Holz erbauten, mit Schindeln gedeckten Häuser in engen Gassen ohne ausreichende Wasserzufuhr waren ausbrechenden Bränden besonders aus- gesetzt. Daher berichten mittelalterliche Chroniken von verheerenden Feuerkatastro- phen, denen viele Städte ganz oder teilweise, oft wiederholt, zum Opfer fielen. Auch unsere Landeshauptstadt Innsbruck teilte dieses Schicksal. Über Brände in ältester Zeit liegen nur spärliche Nachrichten vor, denn die Rait- und Rechnungs- bücher der Stadt und die Ratsprotokolle geben erst seit dem 16. Jahrhundert nähere Aus- kunft über die Geschehnisse im Stadtbereich. Daher entnehmen wir die folgenden Daten zumeist der verdienstvollen Zusammenstellung, die der Innsbrucker Arzt Dr. Franz Waldner im Jahre 1882 der Festschrift beifügte, die damals anläßlich des 25jährigen Bestandsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck erschienen ist. Der älteste uns bekannte Unglückstag war der 5. April 1292, an dem fast die ganze damalige Stadt niederbrannte. Wenige Jahrzehnte später, am 13. September 1340, brachte ein Riesenbrand die Pfarrkirche und die Befestigungstürme zum Einsturz, wobei 60 Menschen den Flammentod fanden. Zehn Jahre vorher, 1330, waren alle Häuser des linken Innufers eingeäschert worden. Am 17. März 1390 vernichtete das Feuer wiederum den Kern der Innenstadt, im Mai 1432 sanken Kirche und Kloster Wilten in Schutt und Asche. Feuerbekämpfung im alten Innsbruck Solche Katastrophen und die Gefahr ihrer Wiederholung zwangen die Regierung zu möglichst ausreichenden Abwehrmaßnahmen. Schon nach dem Brand von 1292 lieẞ Graf Meinhard einen Arm der Sill in die Stadt leiten, die in mehreren Ritschen, offenen Kanälen, die Gassen durchfloß und das feuerfeindliche Element in die Nähe der Häu- ser brachte. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts erließ der damalige Tiroler Landesfürst Herzog Sigmund eine ausführliche Feuerlöschordnung für die Städte Innsbruck, Bozen, Meran. Diese Mandate zur Regelung der Feuerbekämpfung wurden von den späteren Regenten Kaiser Maximilian I., Erzherzog Ferdinand II., Erzherzog Maximilian dem Deutsch- meister, Erzherzog Leopold V., Erzherzogin Claudia den Zeitumständen entsprechend erneuert und ergänzt. In erster Linie galt es, dem Ausbruch eines Schadenfeuers möglichst vorzubeugen. Daher war bei der Benützung offenen Lichtes in Küchen, Ställen und Scheunen größte Vorsicht geboten, auch auf den Straßen und Gassen, die damals keine öffentliche Beleuchtung trugen, so daß die Passanten zu nächtlicher Zeit mit Laternen und Windlichtern versehen sein mußten, galten zur Nachtzeit strengste Vorschriften. War ein Brand ausgebrochen, so mußte die Stadt so schnell wie möglich alar- miert werden. Der Turmwächter auf dem Stadtturm war verpflichtet, die ganze Nacht hindurch abwechselnd mit Turmknechten Feuerwache zu halten. Hatte er verdächtigen Rauch oder Feuerschein bemerkt, so schrie er vom Turm in die Tiefe sein unheimliches ,,Feurio!", die Feuerglocke durfte er erst nach eingeholter Erlaubnis vom Bürgermeister anschlagen. Inzwischen hatten sich Bürger und Inwohner bereits zur Bekämpfung des Brandes eingefunden. Jedem von ihnen war eine besondere Aufgabe zugewiesen. Die für jeden Stadtteil bestimmten Viertelmeister öffneten die in der Nähe des Rathauses befindlichen Magazine, aus denen die Löschmannschaften Geräte, Leitern, Mauerhaken, Wasserkübel, zum Brandplatz schleppten und dort nach den Anordnungen eines von der Stadt- gemeinde aufgestellten Kommandanten die Löscharbeiten begannen. ,,Durch der Hände lange Kette um die Wette fliegt der Eimer", aus den Ritschen mit Wasser gefüllt, das in hohem Bogen in die Flammen rauschte. Feuerspritzen kamen erst im 17. Jahrhundert auf, bis dahin blieb die Feuerbekämpfung recht primitiv. Das Weitergreifen des Brandes war oft nur durch Einreißen der angrenzenden Gebäude zu verhindern. Eine eigene Bürgerpolizei im Harnisch drängte die neugierige Menge zurück und bewachte die Tore, um Unfug und Diebstahl zu verhüten. Um die Gassen für die Lösch- aktion frei zu machen, mußten beladene Fuhrwerke, die oft vor den Gasthäusern stan- den, abgeschleppt werden; die Pferde hiezu stellte der Gasthof,,Roter Adler". Vor dem Rathaus überwachte der Bürgermeister mit dem ehrsamen Rat der Stadt das Lösch- und Rettungswerk. Die geborgenen Einrichtungsgegenstände fanden vor- läufig im Rathaushof Unterstand; schwerste Strafen drohten jenen, die sich am Eigen- tum der Abbrändler vergriffen, aber auch Bürger, die sich ihrer Pflicht, zu helfen, ent- zogen, blieben nicht ungeahndet. Streng wurden die Vorkehrungen zur Brandverhütung gehandhabt. Zur Bekämpfung der,,schröcklichen leuff des feurs" mußte um 1563 die Bürger- und Inwoh- nerschaft im Verein mit den ständigen Nachtwächtern jede Nacht an der „,Innbruggen" vier, in der Innenstadt, Vorstadt (Maria-Theresien-Straße) und in der Silbergasse (Uni- 12 13 versitätsstraße) je zwei Wächter stellen, die auf jedes Feuerzeichen sorglich achteten. Brach jenseits der Innbrücke, in der ,,Anbruggen", ein Brand aus, so wurde der Höttin- ger Bach herangezogen und durch die Höttinger Gasse zum Brandherd geleitet. Die Instandhaltung der Kamine bzw. ihre Reinigung von feuergefährlichem Ruẞ wurde strengstens anbefohlen, ständige Feuerbeschau suchte die schlimmsten Ge- fahrenherde auszuschalten. Diese Aufgabe fiel eigens dazu bestellten Kaminkehrern zu, denen die Hausbesitzer alle nötige Beihilfe leisten sollten. Jedes Haus mußte eine ent- sprechende Anzahl von ledernen Wasserkübeln, Feuerhaken usw. bereithalten, auf den offenen Herden und beim „,Sechteln" (Aschenlaugekochen zu Waschzwecken) durfte nur bei Tag und mit größter Vorsicht gearbeitet werden. An hohen Dächern mußten sogenannte Feuergänge mit gefüllten Wasserbottichen angebracht werden, man kann sie da und dort heute noch an alten Bauten sehen. In der Innsbrucker Altstadt wurden die meisten Häuser mit schützenden Mantelmauern ver- sehen, die über die Dächer hinausragten; ihnen war es wohl hauptsächlich zu verdanken, daß Alt-Innsbruck vom 15. Jahrhundert an von verheerenden Großbränden verschont geblieben ist. 22 Solche und ähnliche Vorkehrungen mußten jahrhundertelang genügen, um unsere Stadt vor dem Schlimmsten zu bewahren. Schon 1643 verfertigte der Messerschmied Jakob Senner fünf allerdings wenig verwendbare Feuerspritzen. Den ersten bedeuten- den Fortschritt in der Feuerbekämpfung brachte die Feuerordnung von 1683, denn sie verwies zum erstenmal auf die Anschaffung einer großen Feuerspritze, die nach dem Muster reichsdeutscher Städte auf Rädern oder Schleifen zum Brandplatz heran- gebracht werden konnte. Die erste Feuerspritze in Innsbruck dürfte wohl bald nach- her angeschafft worden sein, urkundlich ist ihr Gebrauch erst im Jahre 1701 erwähnt. Zu jener Zeit mußten, um jeder Gefahr im vollbesetzten Haus zu begegnen, vor dem Theatergebäude (heute Dogana-Ruine) während der Vorstellungen zwei Feuerspritzen einsatzbereit stehen, während im Inneren des Komödienhauses sechs Handspritzen bereitstanden. Denn Feuersnot bedrohte nach wie vor die Stadt am Inn. 1534 am 9. Juni war ein Brand in der Landesfürstlichen Burg ausgebrochen, der den Goldenen Saal und die Para- deisstuben neben dem Wappenturm zerstörte und die Familie des Königs Ferdinand zu schleunigster Flucht zwang. Am Palmsonntag 1620 brach im Gasthaus,,Krone" ober dem Georgentor in der Vorstadt Feuer aus, das auf das Servitenkloster und die fürstliche Plattnerei (heute Landhaus) übergriff und das ganze angrenzende Gebiet in Asche legte. Der die Platt- nerei krönende Turm mußte wegen Einsturzgefahr abgebrochen werden. Durch die Explosion der Pulvermühle an der Sill in der Kohlstatt (heute Dreiheili- gen) entstand am 17. April 1636 ein furchtbares Brandunglück. Der herrschende Südwind trieb die Feuergarben gegen den Hofgarten, sie erfaßten die erzfürstliche Residenz ,,Ruhelust", die Erzherzog Ferdinand II. erbaut und mit kostbaren Kunstschätzen aus- gestattet hatte und in der die Landesregentin Erzherzogin Claudia mit ihren Kindern wohnte. In kürzester Zeit wurde die,,Ruhelust" mit der gesamten Einrichtung ein Raub der Flammen; die Fürstin konnte nur mit Mühe sich, ihre Kinder und den Sarg mit dem Leichnam ihres Gemahls Erzherzog Leopold, der in der angrenzenden Leopoldskapelle stand, retten. Dann raste das Feuer gegen Norden, äscherte das Löwenhaus mit den darin befindlichen Raubtieren ein und vernichtete sogar am Innufer die Schiffshütte mit dem fürstlichen Leibschiff. In der Kirschentalgasse der Vorstadt Mariahilf loderten am Sonntag, den 28. April 1641, während die Bewohner die Frühmesse anhörten, Flammen auf, die sich so schnell Der Brand der erzfürstlichen Residenz „Ruhelust" am 17. April 1636 Nach einem zeitgenössischen Gemälde im Tiroler Landesmuseum. ausbreiteten, daß zehn Häuser Ruinen wurden und auch Menschen und Haustiere verbrannten. Ein Jahrhundert nach der großen Katastrophe von 1636 wurde die quer über den Rennweg neuerbaute, größtenteils hölzerne Ruhelust zwischen dem Hofgarten und der Hofburg am 25. März 1728 neuerdings ein Raub des entfesselten Elementes. Das Feuer brach so rasch aus, daß die Bewohner nur mit Mühe das nackte Leben retten konn- ten; die ganze kostbare Einrichtung, auch das Hofsilber, wurde vernichtet. Die alte Hofburg sowie die erst neuerbaute St.-Jakobs-Pfarrkirche waren in größter Gefahr, zumal die Brandbekämpfung in der Verwirrung nicht voll einsetzen konnte. Die Lösch- mannschaften kamen zu spät, die große Feuerspritze versagte nach kurzer Zeit, die kleineren Spritzen erreichten die Dächer nicht, so daß die Innsbrucker froh sein konn- ten, daß der Brand nicht noch weitergriff. Diese und manch andere schwere Heimsuchung durch das Feuer hatten die wei- tere Ausgestaltung und Verbesserung der Brandbekämpfung in Innsbruck zur Folge, neue Feuerordnungen wurden erlassen und ihre Einhaltung immer strenger überwacht. Die Vorteile der Feuerspritzen setzten sich mehr und mehr durch; schon Mitte des 18. Jahrhunderts erklärte sich die Regierung bereit, drei große und zwei kleine Spritzen anzuschaffen, falls die Stadtverwaltung sich ebenfalls dazu entschließe. Als Aufbewah- 14 15 rungsstätten für die Spritzen und übrigen Feuerlöschgeräte dienten der alte Hof im Regierungsgebäude (Goldenes Dachl), das Städtische Bauamt am Innrain, die Reitschule am Rennweg und das Stadtspital am Marktgraben. Feuerbeschauen wurden regelmäßig durchgeführt, auch ordnete die Stadt periodi- sche Übungen im Feuerlöschwesen an. Seit 1784 standen in der Stadt Innsbruck Feuer- spritzen,,mit beständigem Stoße", wohl eine Art Windkessel, in Gebrauch. Ofen- türchen in Zimmern und Stuben wurden verboten und nur in Hausgängen geduldet, Strohdächer waren untersagt, Schindeldächer blieben aber weiterhin mangels anderen Deckmaterials üblich. Besonders wurde darauf geachtet, daß die neuerbauten Häuser mit Mantelmauern versehen waren, auf den Feuergängen der Dächer mußten wasser- gefüllte Bottiche aufgestellt werden, über den offenen Herden fing ein Rauchmantel die Glut auf, Kamine sollten fünf Schuh über die Dächer reichen usw. Bewegliche eiserne Heizöfen durften nur mit Bewilligung der Behörde in Gebrauch genommen werden, krumme Ofenröhren, sogenannte Ofenknie, nur mit größter Vorsicht verwen- det werden. Um das Einfrieren der Spritzen im Winter zu vermeiden, erhielten die Brauereien der Stadt den Auftrag, im Brandfall sofort in den riesigen Sudpfannen Wasser zu erwärmen und es in großen Fässern an die Brandstelle zu bringen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verdichteten sich die behördlichen Vorkehrungen zum Schutz gegen Feuergefahr. 1826 erließ das Gubernium, die damalige Landes- regierung, eine Verordnung, die besonders die Innsbrucker Kaufmannschaft in den Lösch- und Rettungsdienst eingliederte. Es wurde eine eigene Rettungsabteilung gebil- det, zu der auch die beiden Ärzte des Stadtphysikates und das Gremium der Wund- ärzte gehörten. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Innsbrucker Löschwesen schon neuzeitlich organisiert. Das Direktorium des Löschdienstes bestand aus dem Landes- baudirektor, einem Ingenieur, dem Bürgermeister, einem städtischen Bau-Inspizienten, dem Polizeidirektor, einem Polizeikommissär, dem Militärkommandanten und dem Genie-Major. Diese alle waren berechtigt, das Kommando zu führen, ihnen allen mußte Folge geleistet werden. Anläßlich einer diesbezüglichen Besprechung im Polizeidirektionsgebäude erklärte unser Gründer Franz Thurner, er kenne auf dem Brandplatze nur einen Kommandan- ten. Zuerst trat das Militär auf seine Seite, dann die Polizei, schließlich zuletzt, und zwar sehr ungerne, die Baudirektion. Damit war der neugegründeten Feuerwehr im Brandfalle das Eingreifen nach eigenem Ermessen ermöglicht. Die Stadt verfügte über fünf große Feuerspritzen und vier kleine Tragspritzen, zu deren Kommando und Bedienung die Innsbrucker Gewerbetreibenden bestimmt wur- den. Außerdem standen 50 Feuerleitern und 23 Feuerhaken einsatzbereit. Zur Rettungsabteilung gehörten ein eigener Wagen mit drei ,,unverbrennbaren" Kleidern und drei Rettungsleitern; sie war der Vorläufer der späteren Rettungsabtei- lung der Freiwilligen Feuerwehr. Es war also schon ein stattlicher, vielgliedriger Körper, der um 1850 unsere Stadt vor Feuersgefahren zu schützen Pflicht und Aufgabe hatte. Der Boden war bereitet zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck, die bald darauf ihre segensreiche, nun auf ein Jahrhundert zurückreichende Tätigkeit begann. Die Berg-Isel-Schlacht am 13. August 1809 mit brennenden Gehöften Ausschnitt aus dem Aquarell von Jakob Placidus Altmutter Original im Tiroler Landesmuseum Wie es zur Gründung der Innsbrucker Feuerwehr kam Wie jede große gemeinnützige Einrichtung auf die Tatkraft und Initiative einer schöpferischen Persönlichkeit zurückzuführen ist, so auch das Entstehen der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck. Die Keimzelle der Feuerwehren Mitteleuropas im 19. Jahrhundert war das Tur- nen, von Friedrich Ludwig Jahn zur Ertüchtigung des deutschen Volkes schon zur Zeit der Befreiungskriege vor 1813 begründet. Aus den Reihen der Turner kamen die ersten Steiger, kräftige, kühne, junge Männer, die in Stunden der Gefahr ihr Leben für den Nächsten und sein Hab und Gut einzusetzen bereit waren. Für Innsbruck erstand in FRANZ THURNER ein Mann, der sowohl das Turnen wie das Feuerwehrwesen in der Landeshauptstadt, vorbildlich für das ganze Land, vorbereitete und organisierte. Als Sohn eines Seiler- 16 17 1 meisters am 25. Oktober 1828 in Innsbruck geboren, erlernte Franz Thurner das väter- liche Gewerbe und durchzog als Wanderbursche 1845 und 1846 ganz Deutschland. Dem aufgeweckten, kraftvoll gebauten jungen Tiroler fiel das aufblühende Turnwesen im Reich ebenso auf wie das um jene Zeit sich entwickelnde moderne Feuerlöschverfahren. 1846 in die Heimat zurückgekehrt, führte Thurner als Meister die Seilerei seines Vaters, übte sich aber in seiner Freizeit so eifrig und erfolgreich in der Turnkunst, daß er die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich lenkte und im November 1855 vom Prä- sidium des Tiroler Landtages zum akademischen Turnlehrer ernannt wurde, so daß er sein Handwerk aufgeben und fortan das Turnen als Hauptberuf ausüben und lehren konnte. Doch Franz Thurners Tatwille begnügte sich nicht mit der Turnkunst, er strebte danach, auch die Brandbekämpfung in seiner Vaterstadt neuzeitlich auszugestal- ten. Diesem Zweck diente hauptsächlich seine zweite Deutschlandreise, die ihn im Jahre 1856 nach München, Ulm, Stuttgart, Frankfurt a. M., Mainz, Karlsruhe, Mannheim und Straßburg führte. In allen diesen Städten beobachtete und studierte Thurner die neuen Einrichtungen des Feuerlöschwesens und trat, in dem Bestreben, auch das Prak- tische zu erlernen, selbst in die Reihen der freiwilligen Wehrmänner. In einem ausführlichen Brief an einen seiner Innsbrucker Freunde schilderte Franz Thurner seine Erlebnisse bei einer Feuerwehrübung in Stuttgart, die er zum ersten- mal als Steiger mitmachte. Er schreibt u. a.:,,So kam ich auf der Hakenleiter wohl- behalten im dritten Stock an, hätte gerne gerastet, doch noch war ich nicht am Ziele. Hinaus auf den Mauerbock, die linke Hand an der Leiter, die rechte frei-frei zwischen Himmel und Erde, ein schmales Brettchen trug mein junges, mir so liebes Leben -; einen Moment, ich gestehe es, erbebte ich. In diesem Moment verfluchte ich, etwas be- gonnen zu haben, was das Leben sosehr gefährdet, in diesem Moment verwünschte ich alle Feuerwehren der Welt. - Ich sagte einen Moment, es war nicht mehr, denn schon setzte mein nachsteigender Hintermann Nr. 4 das Knie aufs Fensterbrett, und ein kräf- tiges, Vorwärts!' sagte mir, daß ich noch nicht am Ziele sei. Dieses, Vorwärts!' vergesse ich in meinem Leben nie für alle Zeiten und Fälle, die ich bis jetzt erlebt, tönte mir immer, wo Zweifel waren, das Stuttgarter, Vorwärts!' in die Ohren, und deswegen kam ich nie zum Rückgang." In Mainz traf Thurner eine bezahlte Berufsfeuerwehr, machte mit ihr eine Nacht- übung mit und eignete sich dabei viel Praktisches für seine künftige Wirksamkeit an. In Mainz bestellte er kurz entschlossen auf eigenes Risiko für Innsbruck mehrere damals neue Geräte, drei Hakenleitern, einen Mauerbock mit Leiter, zwei Dachleitern, eine Steckleiter, Rettungsschlauch, Sprungtuch u. a. m. Auf seiner Heimfahrt hörte er in Zürich, daß zwei Innsbrucker, die Herren Graf Künigl und Statthaltereirat von Strele, erst kürzlich bei einem Hotelbrand nur durch die Energie des Feuerwehrkommandanten aus dem vierten Stock hätten gerettet wer- den können. Dieser Vorfall erhöhte das Interesse des Innsbrucker Bürgermeisters an Franz Thurner, der nach seiner Rückkehr eingehend über seine Erlebnisse und Erfahrungen berichten mußte. Wenn auch das Stadtoberhaupt zunächst über,,Voreiligkeit und Eigen- mächtigkeit" Thurners bei der Gerätebestellung in Mainz brummte, so beschloß der Bürgerausschuß schließlich doch in der Überzeugung von der Notwendigkeit eines aus- reichenden Feuerschutzes die Anschaffung und Bezahlung der Geräte. Nun schritt Franz Thurner Ende September 1856 unverzüglich an die Verwirk- lichung seiner Idee, eine Freiwillige Feuerwehr für Innsbruck zu gründen. Bald gelang es ihm, aus Turner- und Bürgerkreisen 18 Männer für seinen Plan zu gewinnen. Fol- gende Innsbrucker bildeten als Mitbegründer die erste Freiwillige Feuerwehr Innsbrucks: Karl Adam, Kaufmann, Josef Daum, Gymnasialprofessor, Franz Johann Anton Greil, Schneidermeister (Vater des um Inns- bruck hochverdienten Ehrenbürgermeisters Wilhelm Greil), Johann Gürtler, Schmied, Josef Hagspiel, Gürtlermeister, Josef Höfel, Goldarbeiter, Josef Hueber, Handlungskommis, Andrä Kralinger, Zimmermann, Alois Mages, Handschuhfabrikant, Ferdinand Metz, Staatsbuchhaltungs-Akzessist, Rudolf Rhomberg, Fabrikdirektor, Johann Riegl, Wildbrethändler, Anton Schiest 1, Schneidermeister, Franz Schiestl, Schlossermeister, Alois Spielmann, Kaminfeger, Johann Todtenmoser, Zimmermann, Wilhelm Walde, Seifensieder, Johann Weyrer, Tuchmacher. Österreichs erste Freiwillige Feuerwehr wurde 1851 in Reichstadt in Böhmen ge- gründet, es folgte 1856 die von Böhmisch-Kamnitz und im gleichen Jahr als dritte Feuerwehr im damaligen österreichischen Staatsverband Franz Thurners Gründung. Damit ist Innsbrucks Freiw. Feuerwehr die erste und älteste Tirols und der österreichischen Alpenländer. Wie man sieht, haben sich einsatzbereite Innsbrucker aus allen Kreisen, vom Ka- minfeger und Kommis bis zum Fabrikdirektor und Gymnasialprofessor, zu gemein- nützigem Zweck Franz Thurner unterstellt. Freilich, im Anfang ging's nicht ohne Schwierigkeiten, die ehrsamen Bürger und selbständigen Gewerbetreibenden hielten bei aller Bereitwilligkeit das eigene Handanlegen unter ihrer Würde. Thurner erzählt davon ergötzlich einem Freund: ,,Siehst Du, lieber Freund, was heute selbstverständlich erscheint, an dem wäre das Ganze dazumal bald in Stücke gegangen. Wie ich meinen Steigern kundtat, daß es unsere Aufgabe sei, den Transport der Geräte selbst zu besorgen, da hättest Du hören sollen, wie das losging:,Wir wollen Feuerwehrleute sein, aber keine Karrenzieher; lieber tre- ten wir gleich aus!' u. dgl. Ich beschwichtigte, so gut es ging, blieb aber dabei. Es kam Sonntag, wir sammelten uns wie gewöhnlich am Spritzenmagazin, dort stand der Gerätekarren. Lange Gesichter! Ich kommandierte: Antreten! Der Zug ord- nete sich freiwillig an dem Karren; ich täuschte mich nicht, im Nu stand Rhomberg an meiner Seite, Herr Adam und Professor Daum legten die Hände an zum Schieben. Kommando: Links um, vorwärts! Und so ging's am hellen Sonntagsmorgen dahin, wir frisch voraus, die Schreier belehrt und beschämt hinterher. Es wäre jedoch unrichtig zu glauben, daß alle andern sich geweigert hätten, an den Karren zu gehen, weit entfernt, es waren nur einige, aber in einem solchen Falle ist einer 18 19 AEGID PEGGER Kommandant 1871-1873 VIKTOR FREIHERR VON GRAFF Kommandant und Branddirektor 1882-1912 MAX KLAMMER Kommandant und Branddirektor 1912-1914 JOSEF MELZER Kommandant 1873-1881 DR. OTTO STOLZ Gauobmann der Feuerwehren Tirols, Gründer des Feuerwehr-Bezirksverbandes Innsbruck 1882 schon zuviel. Die Leute blieben freilich auf der Straße stehen, und die Bekannten dieser Herren schlugen dabei völlig die Hände über dem Kopf zusammen, was tat's? Das Eis war gebrochen für alle Zeit dadurch, daß gerade diese Persönlichkeiten als die ersten freiwillig sich in den Zug stellten. Obwohl wir alle die Unzulänglichkeit dieser kleinen Abteilung sahen, so war vom Herrn Bürgermeister auch kein Kreuzer für weitere Ausrüstung von zehn Mann zu er- ringen. Um so mehr hielten wir aber zusammen, da alle wohl einsahen, daß einer auf den anderen angewiesen sei. Es fehlte somit auch nie jemand bei den Übungen." Ihre Feuertaufe erhielt die junge Innsbrucker Wehr bei einem Großbrand am 12. August 1858; sie bewährte sich dabei so vorzüglich, daß sich die Stadtgemeinde nun doch zu einer großzügigeren Förderung der gemeinnützigen Institution entschloß. Die Abteilung wurde um 20 Mann verstärkt und zählte nun 40 aktive Mitglieder. Thurner erzählt auch u. a. von einem Zusammenstoß zwischen der alten bisherigen Innsbrucker Feuerwehr und der jungen Garde gelegentlich oberwähnten Großbrandes: ,,Wir ersuchten um einen Schlauch mit Wasser und dafür die Einstellung des Spritzens mit dem Standrohr. Dies wurde uns von dem alten Kommandanten natürlich verwei- gert. Da brach Rhomberg die Geduld, und er donnerte den auf der Spritze stehenden ,Herrgott' an:,Sie stehen nun schon zwei Stunden da oben, ohne das Geringste ausgerich- tet zu haben. Machen Sie wenigstens mit dem alten Kasten Platz, daß man da hergehen kann! Dies dem Standrohrlenker der berühmten Standspritze Nr. 1 ins Gesicht gesagt vor dem ganzen Publikum, welches auch so unverschämt war, letzterer Rede zuzu- jubeln, das war mehr, als ein alter Spieß ertragen konnte. Die Kluft war gesprengt, um nie wieder ausgefüllt zu werden. -" Bessere Zeiten für die Innsbrucker Wehr brachen an, als im Jänner 1861 eines ihrer Gründungsmitglieder, Kaufmann Karl Adam, zum ersten konstitutionellen Bürgermei- ster gewählt wurde; er blieb bis 1864 im Amt. Unter ihm wurde die Feuerwehr der neuen Zeit entsprechend ausgestaltet. Nach Thurners Plänen und Vorschlägen geneh- migte der Stadtmagistrat am 12. Mai 1864 eine neue Feuerlöschordnung und ernannte nach einstimmigem Vorschlag des Bürgerausschusses Franz Thurner am 21. Juni 1864 offiziell zum Feuerwehrkommandanten der Landeshauptstadt. Die Feuerlöschordnung von 1864 schuf die erste moderne Organisation des Feuer- wehrwesens, begründete eine Löschdirektion, regelte die Befugnisse des Kommandanten, die Bedingungen für die Aufnahme der Mitglieder und ihre Pflichten und rief auch schon eine Unterstützungskasse für verunglückte Feuerwehrmänner ins Leben. Die Mannschaft wurde in vier Gruppen eingeteilt: 1. Steiger und Retter, 2. Löscher, Spritzen- und Zubringermannschaft, 3. Berger und Ordnungsmänner, 4. Werkleute, Einreißer, Aufräumer und Leiterträger. Auch ein Stadt- und ein Wundarzt waren dem Löschkörper beigegeben. Franz Thurner blieb bis September 1871 als Kommandant an der Spitze der von ihm gegründeten Innsbrucker Feuerwehr. Nach seinem Rücktritt, der unter kränkenden Umständen erfolgte, berief Bürgermeister Dr. Tschurtschenthaler seinen Studienfreund Bauadjunkten AEGID PEGGER als neuen Feuerwehrkommandanten, der im Geist Thurners seine Leute führte und die nun schon auf 400 Mann angewachsene Wehr in drei Löschzüge einteilte. Pegger, der ein erfolgreicher Konstrukteur eigener Feuerwehrleitern war, wurde schon zu Ostern 1873, erst 46 Jahre alt, bei Erprobung einer neuen Leiter durch einen tödlichen Unfall ein Opfer seines Berufes. Er starb am 19. April 1873 und wurde unter außerordent- licher Beteiligung in den Ehrenarkaden des Westfriedhofes bestattet. 21 Nach Peggers Tod übernahm Tapezierermeister JOSEF MELZER das Kommando, das er fast ein Jahrzehnt führte, die Innsbrucker Feuerwehr weiter entwickelte und erst nach dem Großbrand, der am 15. Mai 1881 die Baumwollspinnerei Herrburger & Rhomberg am Ostende der Museumstraße einäscherte, seine Stelle nieder- legte. Die Fabrik wurde ein zweites Mal durch Bombenangriff und Brand im zweiten Weltkrieg 1944 zerstört. Melzer starb am 29. Mai 1897 im 64. Lebensjahr. Der erste Kommandant, Franz Thurner, war im besten Mannesalter von erst 51 Jahren durch eine tödliche Lungenentzündung am 17. Juni 1879 seinem Schaffen ent- rissen worden. Die Verdienste des seltenen Mannes, des Begründers des Turn- und Feuerwehrwesens in Innsbruck, sind in der Geschichte der Landeshauptstadt nieder- gelegt, sein Andenken bewahrt für die Nachwelt das schöne Denkmal im Innpark nächst der Innbrücke, das auf Anregung und mit finanzieller Unterstützung der Kommandant- schaft der Freiwilligen Feuerwehr vom Bildhauer Norbert Pfretschner geschaffen und am 24. September 1905 feierlich enthüllt wurde. Eine lange Periode fruchtbarer Arbeit begann mit der am 31. Jänner 1882 erfolg- ten einstimmigen Wahl des akademischen Turnlehrers VIKTOR FREIHERR VON GRAFF zum Kommandanten der Innsbrucker Freiwilligen Feuerwehr. Ebenso wie Franz Thur- ner war Baron Graff aus der edlen Turnkunst hervorgegangen, in die er Generationen von jungen Innsbruckern vorbildlich einführte, ein neues Beispiel für die ideale Verbin- dung von Turn- und Feuerwehrwesen, welche beide die gleichen Mannestugenden wek- ken und fördern, die den selbstlosen Einsatz für den Nächsten in Stunden der Gefahr erst ermöglichen. Baron Graffs Kommandoführung war die bisher längste in der Geschichte unserer Feuerwehr; er stand von 1882 bis 1912, volle dreißig Jahre, an ihrer Spitze und wurde ihr erster Branddirektor. Unter ihm erreichte die Innsbrucker Feuerwehr ihre neuzeit- liche Organisation, sie erweiterte ihren Stand von vier Kompanien nach der Eingemein- dung der Vororte Wilten und Pradl am 1. Jänner 1904 auf sechs Kompanien, die je ein Hauptmann kommandierte. Innsbrucks Löschwesen wurde auf eine moderne Grundlage gestellt seit dem 1890 begonnenen Ausbau der neuen Hochdruck wasserleitung, die allmählich das ganze Stadt- gebiet umfaßte und dadurch in allen Stadtteilen die Möglichkeit rascher und wirksamer Brandbekämpfung durch schnellste und ergiebigste Wasserzufuhr schuf. Graffs eifrigstes Bestreben galt der Ausstattung der Innsbrucker Wehr mit den neuesten Löschgeräten. Die im Jänner 1883 angeschaffte Dampfspritze aus München bewährte sich schon beim Großbrand des Huterschen Sägewerkes in Wilten am 18. No- vember des gleichen Jahres. 1890 erhielt die erste Kompanie die erste Magirusleiter, im Laufe der Zeit wurden auch alle übrigen Kompanien mit Magirusleitern ausgestattet. Zum 70. Wiegenfest der Wehr im Jahre 1927 widmete der Gemeinderat der ersten Kom- panie zum Ersatz der ältesten Magirusleiter ein modernstes, 26 Meter hohes Gerät die- ser Art. Am 3. Juni 1891 fand die erste große Hydrantenprobe statt. Unter Baron Graff trat auch schon 1882, wohl in Nachwirkung des furchtbaren, opferreichen Brandes des Wiener Ringtheaters am 8. Dezember 1881, eine eigene Sa - nitätsabteilung ins Leben, die von Obmann Alois Witting geleitet wurde. Der Rettungsgedanke wurzelte schon von alters her in den Reihen der Innsbrucker Wehr- leute. In den vierziger Jahren bestand im Rahmen der damaligen noch primitiveren KOMMERZIALRAT FRANZ INNERHOFER Branddirektor 1914-1936 TIRO 22 22 JOSEF SAILER Branddirektor 1936-1956 ROMAN SCHERAN Kommandant des Feuerwehr-Bezirksverbandes Nr. 4 Innsbruck 1924-1938 Organisation, wie schon erwähnt, eine Rettungsabteilung, der ein eigener Wagen mit drei Rettungsleitern und drei,,unverbrennbaren Kleidern", wahrscheinlich aus Asbest, zugewiesen war. Am 12. Oktober 1857 fand die erste Übung der Rettungsmannschaft der neugegründeten Feuerwehr in der Klosterkaserne statt. In der Feuerlöschordnung von 1864 war eine eigene Abteilung:,,Retter und Steiger" vorgesehen. 1892 stellte der Innsbrucker Turnverein auf Anregung Baron Graffs die gesamte Steigermannschaft der 1. Kompanie der Freiwilligen Feuerwehr, die dann im Jahre 1897 anläßlich des 40-Jahr-Jubiläums der Feuerwehr in die Sanitätsabteilung unter dem Ob- mann Gustav Riegl übertrat. Gründlich geschult vom ersten Korpsarzt Dr. Otto Köl- ner, konstituierte sich zehn Jahre später, am 12. April 1907, unter Leo Stainers Leitung die Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Inns- bruck, die bis zum Jahre 1925, in welchem sie selbständig wurde, ein wichtiges Glied des gemeinsamen Körpers bildete. Im gleichen Jahr, 1957, in dem die Innsbrucker Feuerwehr 100 Jahre bestand, konnte die aus ihr hervorgegangene Rettungsabteilung, die heutige Freiwillige Rettungs- gesellschaft des Roten Kreuzes in Innsbruck, ihr 50-Jahr-Jubiläum begehen. Den wachsenden Anforderungen der sich immer weiter ausdehnenden Landeshaupt- stadt entsprechend, wurde 1897 die Innsbrucker Berufs- Feuerwehr gegründet. Sie hat, gewissermaßen als Vorhut der Freiwilligen Feuerwehr, im Brandfall sofort auszurücken und einzugreifen, ihr obliegt die Vorsorge für Geräte und Hydran- ten, sie stellt die Brandwachen bei Großveranstaltungen usw. und besorgt den Sofort- einsatz im ganz modern ausgestalteten Feuermeldedienst. Vom ursprünglichen Stand von 7 Mann erhöhte sich bis heute der Körper der Innsbrucker Berufsfeuerwehr auf 60 Mann. Näheres darüber in einem eigenen Abschnitt unserer Festschrift. Nach dreißigjähriger außerordentlich erfolgreicher Tätigkeit trat Branddirektor Viktor Baron Graff 1912 aus Altersrücksichten vom Kommando der Freiwilligen Feuer- wehr zurück, die ihn in dankbarer Würdigung seiner Verdienste schon 1900 zum Ehren- mitglied ernannt hatte. Baron Graff starb im Alter von 77 Jahren am 12. Mai 1930. Sein Nachfolger wurde der langjährige Hauptmann der ersten Kompanie MAX KLAMMER, der sich auch als Löschinspektor des politischen Bezirkes Innsbruck-Land gründliche Kenntnisse und Erfahrungen im Löschwesen angeeignet hatte. Leider wurde Branddirek- tor Klammer schon am 23. Juli 1914, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, im 65. Lebensjahr vom Tod ereilt. In schwerer Zeit übernahm sein Stellvertreter, der Hauptmann der vierten Kom- panie, Hotelier zum,,Grauen Bär" FRANZ INNERHOFER die Branddirektion, die er 22 Jahre lang, bis zu seinem Tode am 15. Juli 1936 im 62. Lebensjahr, mit größtem Eifer und unermüdlicher Tatkraft führte. Während seiner Frontdienstleistung im ersten Weltkrieg übernahm sein Stellvertreter, Josef Andreis, und als auch dieser einrücken mußte, der 2. Branddirektorstellvertreter, Hauptmann der sechsten Kompanie, JOSEF SAILER das Kommando. Er wirkte nach Innerhofers Hinscheiden bis zu seinem eigenen Ableben am 15. Oktober 1956 im 83. Lebensjahr vorbildlich in seiner führenden Stellung. Feuerwehr-Hauptübung vor der Innsbrucker Hofburg 1919 Berufsfeuerwehr Innsbruck 1899 24 +4 FRITZ SCHWAB Kommandant der 2. Kompanie JULIUS PITSCHEIDER Kommandant der 1. Kompanie JOSEF KNAPP Kommandant der 3. Kompanie KARL MÜLLER Kommandant der 5. Kompanie JOSEF MINATTI Kommandant der 6. Kompanie Bezirkskommandant Innsbruck-Land Kommandanten der Freiw. Feuerwehr Innsbruck 1. Komp. 1890 1914 Klammer Max Haller Franz 1918 Warasin Josef 1920 Gasteiger Josef Pitscheider Julius 1923 2. Komp. 1890 Kerber Franz 1907 Andreis Josef 1918 Seelos Hans 1920 Scheran Roman 4. Komp. 1878 Scheiring Hans 1890 1892 Nußbaumer Anton Halbeis Anton 1900 Schafferer Max 1904 Innerhofer Franz 1915 Ortler Siegfried 1923 Sailer Philipp 1931 Sperl Florian 5. Komp. 1904 Vögele Andreas 1938 Schwab Fritz 1907 Müller Josef 1910 Kirchebner Josef 3. Komp. 1871 Riegl Hans 1931 Müller Heinrich 1890 Epp Alois 1939 Müller Karl 1892 Dietrich Georg 1900 Riegl Hans 6. Komp. 1911 1908 Dietrich Franz Fritz Anton 1912 Müßiggang Sebastian 1915 Dietrich Karl 1931 Knapp Josef 1915 Sailer Josef 1919 Gaim Anton 1921 Sailer Josef 1937 Minatti Josef FLORIAN SPERL Kommandant der 4. Kompanie Ehrenmitglieder der Freiw. Feuerwehr Innsbruck Franz Thurner, akademischer Turnlehrer, Gründer der Feuerwehr und erster Oberkommandant, ernannt 30. Juni 1876, gest. 16. Juni 1879. Dr. Otto Stolz, Bürgermeister von Hall, Gauobmann der Feuerwehren Tirols, Gründer des Bezirksverbandes Innsbruck 1882, ernannt 20. Juni 1877, gest. 26. Juni 1889. Dr. Johann Tschurtschenthaler, Sparkassedirektor und Altbürgermeister von Innsbruck, großer Freund und Förderer der Feuerwehr, ernannt 20. Juni 1877, gest. 27.,September 1893. Hans Riegl, Privat, Hausbesitzer, erster Hauptmann der 3. Kompanie, ernannt 14. Februar 1880, gest. 3. September 1904. Josef Melzer, Tapezierermeister, Mitglied seit 1862, Träger des goldenen Ver- dienstkreuzes mit der Krone für Verdienste um die Feuerwehren, ernannt, nach- dem er acht Jahre als Oberkommandant fungiert hatte, 31. Jänner 1882, gest. 29. Mai 1897. 27 Karl Adam, Altbürgermeister, Gründungsmitglied und Altkommandant, ernannt 14. April 1888, gest. 14. Jänner 1898. Dr. Heinrich Falk, Sparkassedirektor und Altbürgermeister, großer Gönner der Feuerwehr, ernannt 23. Mai 1892, gest. 22. August 1917. Hermann Hueber, Zollagent, Ordnungsobmann und Unterstützungskassier, Mit- glied seit 1870, ernannt 16. März 1896, gest. 1. März 1908. Viktor Baron Graff, Turnlehrer und Branddirektor, Mitglied seit 1876, Träger des Franz-Josef-Ordens für Verdienste um die Feuerwehren, ernannt 7. Mai 1900, gest. 12. Mai 1930. Josef Jörg, Privat, Mitglied seit 1872, Altobmann der Ordnungsmannschaft und Führer der Unterstützungskasse, ernannt 7. Mai 1900, gest. 2. Juli 1925. Dr. Otto Kölner, prakt. Arzt, ehemals Korpsarzt der Freiwilligen Feuerwehr, verdient auch um die Errichtung und Schulung der Sanitätsabteilung, ernannt 6. Mai 1905, gest. in Mils 29. Februar 1919. Anton Gratl, Privat, Obmannstellvertreter der Ordnungsmannschaft, Mitglied seit 1863, ernannt 11. September 1905, gest. 24. April 1915. Josef Brix, Kaufmann, Mitglied seit 1873, von 1882 bis 1905 Magazinsverwalter, ernannt 18. Februar 1907, gest. 24. Juli 1908. Franz Kerber,,,Stebele"-Wirt in Mariahilf, ehemals Branddirektorstellvertreter und Hauptmann der 2. Kompanie, Mitglied seit 1872, ernannt 18. Februar 1907, gest. 13. Februar 1916. Anton Obholzer, Kürschnermeister, Mitglied seit 1863, ehemals Hauptmann- stellvertreter der 1. Kompanie und Spritzenkommandant, ernannt 18. Februar 1907, gest. 17. Oktober 1914. Andreas Vögele, Tischlermeister, ehemals Hauptmann der 5. Kompanie, Mit- glied seit 1863, ernannt 6. Mai 1907, nachdem ihm die Pradler Feuerwehr bereits am 18. Mai 1898 das Ehrenmitgliedsdiplom überreicht hatte, gest. 28. März 1919. Wilhelm Greil, Kaufmann und Bürgermeister, großer Freund und Förderer der Feuerwehr, ernannt 17. Dezember 1909, gest. 13. Mai 1928. Josef Sattleder, Universitäts-Oberoffizial i. R., Mitglied seit 1880. Adjutant und 1. Schriftführer, Mitglied des deutschtirolischen Landesverbandsausschusses, ernannt 14. Oktober 1918, gest. 30. November 1922 in Rattenberg. Leo Stainer, Kaufmann, Mitglied seit 1892, Obmann der Rettungsabteilung, er- nannt 29. Dezember 1925. Der 88jährige Leo Stainer, seit 65 Jahren der Freiwil- ligen Feuerwehr angehörend, ist gegenwärtig das einzige lebende Ehrenmitglied. Franz Innerhofer, Hotelier zum Grauen Bären", Kommerzialrat und Ge- meinderat, Branddirektor und Ehrenobmann des Feuerwehr-Landesverbandes, er- nannt 1934, gest. 15. Juli 1936. Amadeus Sim ath, Hofrat und Magistrats-Präsidialvorstand a. D., Mitglied seit 1897, Adjutant des Branddirektors und Führer der ehemaligen Sanitätsabteilung, ernannt 1934, gest. 4. Februar 1944. Hans Hörtnag 1, Gutsbesitzer, Ehrenbürger von Innsbruck, Mitglied seit 1892, als Förderer, Geldwart und Abteilungsführer-Stellvertreter überaus verdient, er- nannt 1934, gest. 16. August 1944. 60 Jahre Berufsfeuerwehr Innsbruck Vom ehemaligen Kommandanten Anton Thurner Zur gleichen Zeit, da sich das erste Jahrhundert der Freiwilligen Feuerwehr Inns- bruck rundet, kann auch unsere Berufsfeuerwehr ein Jubiläum, ihren 60jäh- igen Bestand, feiern. Den ersten Versuch, bezahlte Mannschaft in den Feuerwehrdienst einzustellen, hatte schon Kommandant Aegid Pegger in den siebziger Jahren gemacht, indem er eine ca. 100 Mann starke Abteilung organisierte, die als Brandwache, Einreißer, Pioniere und Aufräumer wirken sollte. Da sich aber die Unzuverlässigkeit der Leute heraus- stellte, wurde diese Einrichtung bald wieder aufgelassen und ihr Dienst den freiwilligen Helfern übertragen. Als die Freiwillige Feuerwehr Innsbruck nach 40jähriger selbstloser Tätigkeit sich der Jahrhundertwende näherte, dehnte sich die zur Gründungszeit dem Umfang nach noch kleine Landeshauptstadt unter dem Einfluß wirtschaftlicher Blüte und des stei- genden Fremdenverkehrs zur modernen Großstadt aus. Damit stieg aber auch die Mög- lichkeit und die Gefahr von Bränden, deren rascheste Bekämpfung zur Notwendig- keit wurde. Da die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr alle im Berufsleben standen und im Alarmfall erst von ihren Arbeitsstätten zum Brandplatz eilen mußten, was mit unvermeidlichem Zeitverlust verbunden war, wurde im Jahre 1897 der Kern einer ständigen Berufsfeuerwehr durch Einstellung von sechs besoldeten Männern als Feuer- wache gebildet, die unter dem ersten Kommandanten Franz Kondle zunächst in der Stainerstraße (heute Bundesrealschule) ihren Dienst aufnahmen. Die Ausrüstung der Berufsfeuerwehr war anfänglich primitiv; sie bestand zunächst aus einem Schlauchkarren, der erst um die Jahrhundertwende von Pferden gezogen wurde und durch einen ebenfalls von Pferden gezogenen Rüstwagen ergänzt wurde. 1906 bestand die Berufsfeuerwehr aus zwölf Mann, die nun mit einer 18 Meter hohen drehbaren Magirusleiter arbeiten konnten. 1907 übernahm Julius Miller das Kom- mando der Berufsfeuerwehr, das er bis 1921 führte und dann mit einem Stand von 17 Mann an Franz Xaver Held übergab. Held leitete die Berufsfeuerwehr, bis sie 1940 unter der deutschen Ära in eine Feuerschutzpolizei umgewandelt wurde. Sowohl die Freiwillige Feuerwehr wie die Berufsfeuerwehr wurden mit 1. September 1939 unter das Kommando der Polizei gestellt und dem SHD (Sicherheits- und Hilfsdienst) zu- geteilt. Die gesamten Feuerwehreinheiten wurden kaserniert und technisch ausgebildet. Nach dem Zusammenbruch im Mai 1945 war der damalige mit der Leitung des gesamten Feuerlöschwesens beauftragte Major der Feuerschutzpolizei Luzian Stoltz, ein Elsässer, gezwungen, zufolge der Rückgliederung Elsaß-Lothringens an Frankreich Innsbruck zu verlassen. Die Berufsfeuerwehr war von 28 auf 16 Mann zusammen- geschmolzen; erst als sich der amerikanische Captain Brown von den Besatzungstrup- pen, selbst Feuerwehroffizier in New York, für den Feuerschutz Innsbrucks tatkräftig interessierte, konnten der Mannschaftsstand allmählich auf 50 Mann erhöht und ge- ordnete Verhältnisse wiederhergestellt werden. Innsbrucks Bürgermeister Dr. Anton Melzer betraute am 7. Juni 1945 den städ- tischen Oberinspektor Anton Thurner mit dem provisorischen Kommando und dem Wiederaufbau der Berufsfeuerwehr. Da das ständige Heim der Berufsfeuerwehr im Rathaushof am 16. Dezember 1944 durch Bomben zerstört worden war, galt es zu- 28 29 erst, diese Räume wieder bezugsreif zu machen, was unter unvorstellbaren Schwierig- keiten und vollem Einsatz der gesamten Mannschaft geschah. Ein in der Rückschau fast heiteres Kapitel bildeten die Uniformen bzw. ihre Farbe. Bis 1938 trug die Berufs- feuerwehr die üblichen Uniformen aus grauem Loden, die im ,,Dritten Reich" dem Polizeigrün weichen mußten. Nach 1945 verpönten die Amerikaner begreiflicherweise diese Uniformen, so daß die Wehrmänner in Zivil ihren Dienst tun mußten. Dann wur- den die grünen Dienstkleider zwar wieder zur Benützung freigegeben, mußten aber umgefärbt werden, was nur in Braun oder Schwarz möglich war. Trotz der grundsätz- lichen Scheu vor dem berüchtigten Braun gestatteten die Amerikaner schließlich die Um- färbung auf Braun, wodurch aber die Uniformen derart eingingen, daß ein guter Teil nicht mehr verwendbar war. Endlich Ende 1947 konnte die nötige Menge grauer Loden in Österreich wieder beschafft werden, so daß das vor 1938 gewohnte Grau als Uniform- farbe wieder zu Ehren kam. Die Wirksamkeit der Berufsfeuerwehr fällt im wesentlichen mit dem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr zusammen, nur erreicht sie zahlenmäßig ein Mehrfaches, da die Berufsfeuerwehr stets als allererste sofort eingesetzt wird und in vielen Fällen schon so rasch und erfolgreich arbeitet, daß die Freiwillige Feuerwehr nicht mehr ein- zugreifen braucht. Einen Begriff vom Einsatz der Berufsfeuerwehr Innsbruck geben statistische Zahlen aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg: Ausrückungen im Jahr zu Großbränden mittleren Bränden Kleinbränden 1946 6 33 63 1947 8 26 57 1948 4 16 57 1949 5 23 69 1950 3 19 64 1951 3 19 74 1952 9 12 80 1953 4 17 112 1954 2 18 84 1955 7 15 94 1956 8 26 119 Die Ausrückungen der Berufsfeuerwehr zu Hilfeleistungen aller Art, Hochwasser- katastrophen, blinde Alarme .usw. betrug alljährlich ein Mehrfaches des Einsatzes in Brandfällen. Während des zweiten Weltkrieges ist die Innsbrucker Berufsfeuerwehr bei 118 Bombeneinschlägen mit Brandwirkung ausgerückt. Der Mannschaftsstand der Berufsfeuerwehr Innsbruck umfaßte im Jahre 1956 ins- gesamt 60 Mann, an deren Spitze Anton Thurner, Brandoberinspektor, vom Mai 1945 bis 31. Jänner 1956 stand. Am 1. Februar 1956 wurde Brandrat Ing. Anton Stolz mit der Führung des Kom- mandos der Feuerwehr der Stadt Innsbruck betraut. Die Freiwillige Feuerwehr Innsbruck in der Luftschutzpolizei Schwerste Einsätze während der Bombenzeit 1943-1945 Schon im Jahre 1938 wurde aus den Reihen der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr Innsbrucks die Organisation des Feuerlösch- und Entgiftungsdien - stes im Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD), später Luftschutzpolizei, durch die örtliche Luftschutzleitung aufgestellt. So bildeten die Berufs- und freiwilligen Feuer- wehrmänner, die Führer und Mannschaften des Feuerlösch- und Entgiftungsdienstes den Grundstock der Luftschutzpolizei. Zu dieser Zeit begann die intensive Ausbildung dieser vom Wehrbezirkskommando uk.-gestellten Feuerwehrmänner, die in der luft- angriffsfreien Zeit bis Kriegsende fortgeführt wurden. Vom Luftgaukommando wurden laufend die genormten leichten und schweren Löschfahrzeuge, Tankwagen sowie meh- rere mechanische Kraftleitern, Schlauchmaterial zur Ausrüstung der Löscheinheiten zu- geteilt. Dies war um so wichtiger, weil ein Großteil der Löschfahrzeuge veraltet war und den Anforderungen im Kriegsdienst niemals hätte standhalten können. Die Aufstellung und Führung des Feuerlösch- und Entgiftungsdienstes in der Luftschutzpolizei hatte seit 1938 der damalige Landesfeuerwehrkommandant Viktor Freiherr von Graff jun. inne. Mit dem 1. September 1939 wurde um 6 Uhr 45 Minuten mittels Rundfunks der SHD aufgerufen und zum Einsatz in die bereitgestellten Mob.-Lokale befohlen. Im Auf- trage der örtlichen Luftschutzleitung waren der Feuerlösch- und Entgiftungsdienst (FE- Dienst), Instandsetzungsdienst (I-Dienst), Sanitätsdienst (San-Dienst) und Veterinär- dienst die vier Einheiten, die für den direkten Einsatz zur Verfügung standen. Desglei- chen wurden Werksfeuerwehren, Löscheinheiten der Wehrmacht, Reichsbahn u. v. a. aufgestellt. Am 3. September 1939 fand die erste Inspektion durch den Kommandeur der Ordnungspolizei statt. Sämtliche Einheiten standen durch den Bereitschaftsgrad 1 im Dienst, und damit wurde von seiten der ÖLL die Gemeinschaftsverpflegung eingeführt. Am 5. Oktober 1939 wurde der Bereitschaftsgrad 4 befohlen, das bedeutete, daß nur ein Teil dauernd im Dienst stand, so daß der Großteil der übrigen Mannschaften wieder der Wirtschaft zur Verfügung gestellt wurde. Zur Ausbildung, die große Anforde- rungen stellte und sehr vielseitig war, wurde ein vierwöchentlicher Wechseldienst, jeweils am 21. 1. M., eingeführt. Aus organisatorischen Gründen übernahm am 12. März 1940 Julius Pitscheider, Feuerwehrhauptmann der 1. Kompanie, die Führung des FE-Dienstes und in weiterer Folge der inzwischen uk.-gestellte Oberleutnant der Luft- waffe Dipl.-Ing. Hubert Biedermann, Hauptmann-Stellvertreter der 1. Kompanie. Der erste Fliegeralarm in Innsbruck fiel auf den 2. September 1940 um 1 Uhr 12 Minuten, der ohne Angriff endete und bei dem 210 Mann im Bereitschaftsdienst stan- den. Laufend wurden die Einheiten einer straffen luftschutztechnischen und militäri- schen Ausbildung unterzogen, wobei zu verschiedenen Führer- und Unterführerlehr- gängen in Berlin, Eberswalde, München und Wien Dienstgrade abgeordnet wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es 30 Fliegeralarme ohne feindlichen Angriff. In diese Zeit fielen verschiedene Einsätze zur friedensmäßigen Brandbekämpfung, zu technischen Hilfeleistungen und zu Bahnsicherungsdiensten zur Unterstützung der Ordnungspolizei. 30 31 Erster Bombenangriff auf Innsbruck am 15. Dezember 1943 ser Speckbacherstraße 40, 53 und 63, Lodenbaur, Café Weiß, Dampfbad, Haus Andreas- Hofer-Straße 53. Bei diesem Angriff standen 382 Männer des FE-Dienstes und des Kreises Innsbruck im Einsatzdienst. Der zweite Angriff erfolgte schon am 19. Dezember 1943 um 11 Uhr 22 Minuten, bei dem 74 Feindflugzeuge etwa 500 Sprengbomben über Innsbruck abwarfen. Eine Jagdstaffel der deutschen Luftwaffe aus München wurde diesen Angriffswellen entgegen- geworfen, die 19 Feindflugzeuge abschoß. Die Brände des Angriffes vom 15. Dezember 1943 waren noch nicht ganz bekämpft, und die vielen neuen Brände stellten daher an die Einsatzkräfte die größten Anforderungen. Es darf dabei nicht vergessen werden, daß die Männer des FE-Dienstes zum überwiegenden Teil ältere Jahrgänge (bis zu 70 Jahren) waren, weil die jüngeren Feuerwehrmänner bereits zur Wehrmacht ein- berufen worden waren. Einen der größten Einsätze brachten die Angriffe am 20. und 26. Oktober 1944, bei denen 234 Sprengbomben und etwa 3000 Stabbrandbomben über Innsbruck abgewor- fen wurden. Bei diesen beiden Angriffen reichten die Einsatzkräfte des FE-Dienstes von Innsbruck bei weitem nicht aus, und es wurden die bereits zur Verstärkung vorgesehenen Bereitschaften der Freiwilligen Feuerwehr aller Kreise Tirols sowie eine motorisierte Luftschutzbereitschaft von München angefordert. Die Wasserversorgung für die Bekämp- fung der vielen Klein-, Mittel- und Großbrände war dadurch äußerst erschwert, weil fast durchweg die Hydrantenanlage, die Löschwasserbecken sowie der damals sehr wich- tige Sillkanal durch Sprengbombeneinschläge ausfielen. So mußte zum Beispiel Lösch- An den Veranstaltungen zum Tag der Deutschen Polizei wurde der FE-Dienst mehr- fach zu löschtechnischen Vorführungen für die Bevölkerung herangezogen. Am 15. Dezember 1943 um 12 Uhr 35 Minuten gingen wieder die Sirenen, aber die Bevölkerung nahm die Warnung wie alle vorhergehenden Alarme nicht ernst. Jedoch bereits um 12 Uhr 45 Minuten erfolgte der Anflug aus Westen von 48 feindlichen Flug- zeugen, die auf Innsbruck etwa 300 Sprengbomben, teilweise schwersten Kalibers (bis zu 500 kg), abwarfen. Der Großteil der Einwohner hatte sich nicht rechtzeitg in die Luftschutzräume begeben, es sind daher durch diesen überraschenden Luftangriff große Verluste entstanden und größte Zerstörungen im Stadtgebiet verursacht worden. Bei diesem ersten Angriff waren 281 Gefallene, 469 Verwundete, 1627 Obdachlose, 203 leichte, 41 mittelschwere, 51 schwere Gebäudeschäden sowie 45 total zerstörte Gebäude zu verzeichnen. Viele Schwierigkeiten im Einlangen der Schadensmeldungen und in der Ausgabe der Einsatzbefehle ergaben sich dadurch, weil fast die gesamte Fernsprechanlage ausfiel und durch Melder ersetzt werden mußte. Jedoch nach Feststellung der einzelnen Schadens- stellen, insbesondere der Brände, wurden die Meldungen großteils durch die Polizei- reviere und Luftschutzwarte gegeben, wodurch ein vollkommener Einsatz sämtlicher Einheiten des FE-Dienstes möglich war. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß diese Kräfte nicht ausreichten, und deshalb wurden Verstärkungen anderer Löscheinheiten des Kreises Innsbruck alarmiert und eingesetzt. Bei diesem ersten Angriff liefen nach Überwindung dieser Schwierigkeiten überstürzt die Meldungen der großen Brände und Schadensstellen wie folgt ein: Rhombergfabrik, Hotel Viktoria, Haus Innstraße 10, Kaufhaus Kraus, Apotheke Winkler, Haus Erlerstraße 16, Überschwemmung des Sill- kanals, Gaswerk, Frachtenbahnhof, Haus Brixner Straße 4, Haus Riesengasse 3, Häu- Die Maria-Theresien-Straße nach einem schweren Bombenangriff 32 Tapeten Dolftermol Borhan Ludwig He PELEL 33 wasser aus dem Inn von der Neuen Universität bis zur Triumphpforte durch Zwischen- schaltung von Motorspritzen gefördert werden. Bei den letzten Angriffen waren die Ein- sätze sämtlicher Einheiten wegen der abgeworfenen Sprengbomben mit Langzeitzünder sehr gefährlich. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Luftangriffe auf die Landeshauptstadt Innsbruck: Geworfene Bomben Angriff Angriffstag Zahl der Flugzeuge Alarm- dauer Abgeschossene Feind- flugzeuge Spreng- bomben Blind- gänger/Lang- zeitzünder Stoltz Luzian Biedermann H., Dipl.-Ing. Teuber Wilhelm Held Xaver Schwab Fritz Müller Karl Mair Wilhelm Pitscheider Julius Steinmüller Hans. Glanzl Heinrich Mair Franz Major d. FSchPol Abteilungsführer Bereitschaftsführer (1. Kompanie FFI) Obltn. d. FSchPol Kommandant der Berufsfeuerwehr (2. Kompanie FFI) (5. Kompanie FFI) Oberzugführer (6. Kompanie FFI) (1. Kompanie FFI) (LSPol) Zugführer (Leutnant d. FSchPol) (FSchPol) (FSchPol) 1. 15. 12. 1943 48 1 Std. 3 Min. - 300 2. 19. 12. 1943 74 3. 13. 6. 1944 26 22 " » 4. 20. 10. 1944 60 3 " 5. 26. 10. 1944 3-5 1 15 6. 15.11. 1944 17-20 7. 16. 11. 1944 72 3 "15 8. 25. 11. 1944 1 1 » 26 9. 30. 11. 1944 2 1 " 10. 3. 12. 1944 2 1 24059523 19 500 2 153 10 204 30 186 80-100 500 9 10 15 8 11. 7.12.1944 3 1 42 " 18 12. 15. 12. 1944 40 1 52 320 13. 16. 12. 1944. 120 3 "34 600 14. 19. 12. 1944 20 1 "32 120 15. 25. 12. 1944 105 ? 500-600 16. 29. 12. 1944 70 3 „1C 17. 14. 2. 1945. 4 18. 16. 2. 1945 110 2 33 19. 27. 2. 1945 3 3 "26 20. 7. 4. 1945. 15-17 3 15 94365 400-500 7 " 500-700 20 " 68 2222222 24 40 5 64 - 15 4 3 55 30 40 20 1 63 21 21. 10. 4. 1945 80-100 ? 310 51 22. 20. 4. 1945. 7 4 6 42 5 19 Angriffe erfolgten bei Tage, 3, davon 1 großer, bei Nacht, 5624 Sprengbomben, zum großen Teil der schwersten Kaliber (bis 1000 kg), 1200 Splitterbomben, 672 Blind- gänger und rund 10.000 Stab- und Brandbomben, zusammen zirka 17.500 Bomben, fielen bei allen Angriffen auf die Stadt. Die Anzahl der Fliegeralarme mit und ohne Angriff war 168. Bei den 22 Luftangriffen auf Innsbruck waren 562 Gefallene, 980 Ver- wundete, 9 Vermißte, 10.470 Obdachlose, 1199 leichte, 342 mittelschwere, 421 schwere Gebäudeschäden und 489 total zerstörte Gebäude zu verzeichnen. Unter der Berücksichtigung der schweren Luftangriffe auf Innsbruck und der damit verbundenen umfangreichen Einsatztätigkeit sowie des hohen Durchschnittsalters der Männer des FE-Dienstes muß diesen besondere Anerkennung gezollt werden. Dies kam dadurch zum Ausdruck, daß zahlreiche Auszeichnungen an diese Feuerwehrmänner ver- liehen wurden. Aus dem Kriegstagebuch des FE-Dienstes der LS-Polizei kann ent- nommen werden, daß seit 1. September 1939 bis Kriegsende etwa 313.000 Einsatzstun- den geleistet wurden. Der Mannschaftsstand des FE-Dienstes im Jahre 1945, eingeteilt in 3 Bereitschaften, umfaßte 310 Männer. Die Führer der Einheiten waren: 34 Thurner Anton Dinkhauser Franz 35 (1. Kompanie FFI) Haberfellner Fritz 35 (2. Kompanie FFI) Huck Ernst 35 (1. Kompanie FFI) Kirschner Franz " (1. Kompanie FFI) Probst Max " (3. Kompanie FFI) 33 " Sperl Florian Strobel Franz Zawadil Josef Außerhalb der Luftschutzpolizei wurde 1942 aus den noch nicht erfaßten Kamera- den der sechs Stadtkompanien ein Bereitschaftszug gebildet, bei welchem auch die ge- (4. Kompanie FFI) (1. Kompanie FFI) (E-Dienst) Das Goldene Dachl mit Splitterschutz 35 setzlich zum Feuerlöschdienst verpflichteten Kaminkehrermeister und Gesellen ein- geteilt waren. Um die in den Randgemeinden und Siedlungen gelegenen Einheiten der Freiwil- ligen Feuerwehr schlagfertiger zu gestalten, wurden diese im Lauf der Zeit restlos motorisiert und zu einer Bereitschaft der „Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck" zu- sammengeschlossen; die Führung hatte Hauptmann der 1. Kompanie Julius Pitscheider. Diese Bereitschaft war am 9. November 1943, als der gesamte Feuerlöschdienst zur Inspizierung durch den General der Feuerschutzpolizei, Rumpf, im großen Hof der Klosterkaserne gestellt war, erstmalig angetreten. Der Stand der Bereitschaft betrug bis Kriegsende 14 Löschgruppen und mehrere Reservegruppen. Vierzehn motorisierte Löschfahrzeuge mit 20 Kraftspritzen bildeten den Gerätepark, außerdem eine Reihe von Handzuggeräten für die Reserve. Die Mit- glieder dieser Bereitschaft konnten ihren Zivilberuf ausüben, hatten sich aber bei Flie- geralarm schnellstens auf dem zugewiesenen Sammelplatz einzufinden, um dort wei- tere Befehle abzuwarten. Alle diese Gruppen haben bei den Einsätzen nach Fliegerangriffen ihr Möglichstes geleistet und dazu beigetragen, noch größere Brandschäden zu vermeiden. Mit dem Einzug der amerikanischen Besatzung war die Tätigkeit auch dieser Bereitschaft beendet. DIPL.-ING. HUBERT BIEDERMANN Abteilungsführer des FE-Dienstes Hauptmann-Stellvertreter der I. Kompanie JOSEF MADER Alt-Magazinverwalter Die Freiwilligen Feuerwehren Groß-Innsbrucks seit 1945 Einige Zeit nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 wurde Branddirektor Sailer von Bürgermeister Dr. Melzer beauftragt, die ehemaligen sechs Kompanien der Frei- willigen Feuerwehr Innsbruck wieder zu erstellen. Sailer berief hierauf einige spärlich besuchte Sitzungen ein, mußte aber Ende 1945 dem Bürgermeister melden, daß sein Vor- haben, die Innsbrucker Einheiten betreffend, gescheitert sei. Erst Ende 1946 konnte aus den sechs Kompanien ein sogenannter Einsatzzug von ca. 50 Mann unter dem Kom- mando von Fritz Schwab aufgestellt werden. Dieser Einsatzzug bildet den alten Bestand, den eigentlichen Kern der Freiwilligen Feuerwehr der Landeshauptstadt Innsbruck. Diese Einheit besteht heute noch, zwar nicht mehr aktiv, aber im traditionellen kameradschaftlichen Zusammenhalt. Um die Schlagkraft der durch den Krieg geschwächten Feuerwehr der Stadt Inns- bruck zu erhöhen, wurden die Feuerwehren der eingemeindeten Randgebiete eingeglie- dert. Den Kommandanten dieser Einheiten ist es zu danken, daß schon Ende 1945 dem Bürgermeister der Bestand von sieben Einheiten - die achte Einheit, Sieglanger, wurde später erstellt mit ca. 200 Mann, mit Fahrzeugen und Geräten reichlich ausgerüstet, gemeldet werden konnte. Die Uniformfrage bereitete ebenfalls wieder große Schwierigkeiten. Erst 1948 ge- lang es, als erste die Einheit Mühlau wieder mit braunen Uniformen nach dem Muster vor 1938 einzukleiden. Bis zum Jahre 1955 konnten dann alle acht Einheiten und die 1947 wieder erstellte traditionsgebundene Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck neu uniformiert werden. Nach dem Inkrafttreten des Landesfeuerwehrgesetzes vom 14. November 1947, LGBI. 3/48, mußte gemäß § 13, lit. 1, der Bezirks-Feuerwehrverband Innsbruck-Stadt erstellt werden. Bei diesen Vorarbeiten hat sich der seither verstorbene Ökonomierat Hans Geyr unvergängliche Verdienste erworben. Nicht nur, daß er infolge seiner menschenfreundlichen und kameradschaftlichen Art imstande war, die Freiwillige Feuer- wehr der Landeshauptstadt Innsbruck im Verbande zu einem Gesamtkörper zu ver- schmelzen, sondern daß er sich bereit erklärte, die Stelle eines Bezirks-Feuerwehrkom- mandanten für die erste Funktionsperiode zu übernehmen. Hans Geyr wurde im Jahre 1953 auch für die zweite Funktionsperiode wiederum einstimmig gewählt. Nun hat ein unerbittliches Schicksal am 3. Juni 1957 durch einen tödlichen Ver- kehrsunfall mit Hans Geyr einen einmaligen Menschen, Feuerwehrmann und Kameraden aus seinem unermüdlichen Schaffen gerissen. Die Randgemeinden, die heute zu Groß-Innsbruck gehören, besitzen, zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten, eigene Freiwillige Feuerwehren, die sich seit ihrem Be- stand in allen Bedarfsfällen vorzüglich bewährt haben. Wir nennen im folgenden die Randgemeinden, das Gründungsjahr ihrer Freiwilli- gen Feuerwehren und die gegenwärtig an deren Spitze stehenden Kommandanten: Bezirkskommandant ist seit 8. September 1957 Hans Kuen, Gast- wirt zum,,Koreth". Amras: Gründungsjahr 1883 Arzl: 1889 " Kommandant Karl Zimmermann, Land- wirt, seit 10. September 1943 Kommandant Albert Tusch, Landwirt, seit 1945 36 37 Hötting: Gründungsjahr 1874 Igls: 1896 Mühlau : 1874 Neu Arzl: 1934 Sieglanger: 1936 Vill: 1904 Feuerwehr - Musik: Gründungsjahre 1871 und 1947 Kommandant Josef Angermair, Bezirks- kaminfegermeister, seit 11. Oktober 1945 Kommandant Erich Diechtl, Hotelier, seit 10. März 1953 Kommandant Heinrich Gstir, Kaufmann, seit 12. März 1958 Kommandant Helmut Thurner, Kaufmann, seit 11. Juni 1951 Kommandant Anton Stimniker, Tischler- meister, seit 26. April 1948 Kommandant Josef Feller, Schneidermei- ster, seit 15. November 1952 Obmann Albert Sembenotti, BB-Pensionist, seit 1929 Aus der Chronik der Feuerwehrmusik Innsbruck Die Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck besteht seit dem Jahre 1871, seit 1875 liegen Jahresberichte vor, aus denen u. a. zu ersehen ist, daß 1876 Franz Winkler als Kapellmeister und Franz Schoberman nannte damals die Kapelle,,Mu- sikbande" als Bandenführer die Feuerwehrmusik leiteten, die in jenen Jahren 28 Mann zählte. Mitte der achtziger Jahre wurde die Kapelle aufgelöst, es folgten dann,,unmusika- lische" Jahre, bis nach der Jahrhundertwende die Wiltener Musik als Feuerwehrkapelle fungierte. Nach dem ersten Weltkrieg formierten sich neuerdings musikbegeisterte Mitglieder, so daß Kapellmeister Anton Tutz im Jahre 1921 mit 40 Mann den Musikbetrieb wie- der aufnehmen konnte, den ab 1926 einige Jahre die Peter-Mayr-Bund-Musikkapelle führte. 1931 konstituierte sich wieder eine selbständige Musikkapelle als eigene Körper- schaft der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck. Als Kapellmeister wurde Franz Kotek, der schon seit 1926 als solcher tätig war, als Obmann (Kommandant) Albert Sem- benotti gewählt. Die Kapelle bestand aus 45 Musikern. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges konnte die Feuerwehrmusikkapelle, die 1938 aufgelöst worden war, im März 1947 unter dem bewährten Obmann Sem- benotti und Kapellmeister Kotek wieder erstehen. Die Stadtgemeinde Innsbruck förderte die Neugründung durch Überlassung von Uniformen usw. und eines Probelokals. 1950 wurde Franz Kotek, der aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegte, in Würdigung seiner Verdienste zum Ehrenkapellmeister ernannt. Die gleiche Ehrung wurde auch Herrn Wladimir Trdla zuteil, der heute das älteste aktive Mitglied der Feuerwehr- musikkapelle ist, in deren Reihen der 78jährige seit 1926 steht. Seit September 1951 waltet Engelbert Anker als Kapellmeister seines Amtes; die Kapelle zählt gegenwärtig ca. 50 Mann. Die Feuerwehrmusikkapelle hat folgende verdiente Persönlichkeiten zu Ehren- mitgliedern ernannt: Gastwirt Karl Janesch, Hans Komutzki, Franz Vollgruber, Franz Siller, Albert Sembenotti, seit 28 Jahren Kommandant der Musikkapelle, Ober- inspektor Anton Thurner, Polizeimajor Hans Ringer, Fabian Folladore, Baumeister Peter Fluckinger. OKONOMIERAT HANS GEYR Bezirksfeuerwehrkommandant Innsbruck-Stadt 1948-1957 38 Kommando der Feuerwehr Innsbruck 1957 Bekämpfte Großbrände in Innsbruck und Umgebung Im Verlauf ihres hundertjährigen Bestandes hat die Freiwillige Feuerwehr Inns- bruck eine Unzahl von Bränden bekämpft, darunter sehr viele Großbrände, die nach Ausdehnung und Schaden als solche zu bezeichnen sind. Wir haben schon in den vor- stehenden Abschnitten unserer Festschrift die wichtigsten dieser Großbrände in den ersten Jahren und Jahrzehnten erwähnt und wollen nun in folgender Aufstellung wei- tere Großbrände anführen, die seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts unsere wackeren Feuerwehrmänner zu ihrer hilfsbereiten Tätigkeit aufgerufen haben. Mangels fortlaufender statistischer Unterlagen nennen wir nur eine Anzahl der bedeutendsten Brandfälle in Innsbruck, seiner engeren und weiteren Umgebung, einzelne auch im übri- gen Landesgebiet, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. In die Liste eingestreut sind auch kleinere Brände, soweit sie chronistisch aufscheinen: 1883 August, 27.: 1884 November, 18.: Dezember, 13.: 1885 Dezember, 24.: 1887 Mai, 3.: 1888 Jänner, 12.: Jänner, 22.: Große Brandkatastrophe in Igls bei Innsbruck. In der Nacht vom 27. auf 28. August brach im Dorf Igls, wahrscheinlich durch einen Sommergast verursacht, der im Heu übernachtete und mit einer brennenden Kerze unvorsichtig hantierte, ein Brand aus, der sich auf die ganze Ortschaft ausdehnte und die Kirche samt dem Turm, 14 Wohnhäuser und 13 Wirtschafts- gebäude mit der eingebrachten Ernte einäscherte. Die Schaden- summe betrug 128.000 Gulden, der eine Versicherung von nur 30.000 Gulden gegenüberstand. Brand der Huterschen Dampfsäge in Wilten. Großbrand in St. Nikolaus, der die Häuser Nr. 3, 5, 7, 9 und 11 zerstörte. Brand des Petroleummagazins Epp und am 26. des Seeböck- Hauses in der Innstraße. Brand der Maschinenfabrik Köllensperger in Hötting. Brand der Schlosserei Kirschner in der Innsbrucker Altstadt. Brand der Buchdruckerei Wagner-Schumacher in der Pfarr- gasse. 1890 November, 20.: Brand des Ökonomiegebäudes der Barmherzigen Schwestern an der Kettenbrücke. 1891 September, 3.: 1892 März, 7.: 1893 Oktober, 7.: 1894. Juli, 16.: 1895 Juli, 8.: Brand des Traubenwirtshauses in der Innstraße. Brand der Oberlindoberschen Feigenkaffeefabrik in der Adam- gasse. Großbrand in Aldrans, durch den 26 Häuser und die Kirche eingeäschert wurden. Brand des Gasthofes Einhorn in der Innstraße. Großbrand in Hötting, durch den 12 Häuser in der Bachgasse zerstört wurden. Brand in der Rauchmühle. Großbrand in der Neurauthgasse in Wilten: Oberteggerhaus und Norersche Bau- und Möbelfabrik. 1896 November, 6.: 1898 Oktober, 29.: Feuerwehrmusikkapelle 1957 41 1898 November, 24.: 1899 Jänner, 11.: September, 23.: 1900 September, 8.: 1901 Oktober, 10.: Dezember, 11. 1902 August, 8.: Dezember, 14.: 1903 September, 21.: Oktober, 27.: November, 8.: 1906 Februar, 6.: April, 26.: 1907 Februar, 3.: Februar, 14.: Mai, 27.: Brand der Baurschen Lodenfabrik in der Sillgasse. Brand der Teigwarenfabrik in der Kohlstatt. Brand in der Kunsttischlerei Colli in Wilten. Brand des Gasthofes Hellensteiner in Wilten. Brand der Huterschen Baufabrik am Fürstenweg. Brand des Doppelhauses Huber & Mayers Erben in Amras. Brand der Plattenfabrik Melzer in Wilten. Brand der Häuser Nr. 32 und 33 im Höttinger Ried. Feuersbrunst in der Kirchgasse in St. Nikolaus, durch die die Dachgeschosse der Häuser Nr. 4, 6, 8 und 22 zerstört wurden. Gefährlicher Brand für ganz Hötting äscherte das Haus Kir- schentalgasse Nr. 1 ein. Feuerausbruch im Ökonomiegebäude des Tollinger-Anwesens, auch der Dachstuhl des angrenzenden Stolz-Anwesens wurde zerstört. Brand des Berg-Isel-Panorama-Gebäudes. Brand im Hörtnagl-Haus am Burggraben. Brand der Gärtnerei Fröhlich in der Maximilianstraße. Brand der Kunstanstalt Fuchs & Schammler in der Kloster- gasse. Brand der Dörrschen Dachpappenfabrik beim Städtischen Friedhof. November, 18. Brand der Hoffmanns-Drechslerei in der Herzog-Friedrich- Straße. 1908 April, 11.: Juni, 21.: Juli, 28.: 1909 Februar, 8.: April, 3.: April, 4.: November, 11.: November, 22. 1910 November, 14.: 1911 März, 20.: Mai, 27.: August, 11.: 1912 Oktober, 16.: Brand des Holzlagers der Münchner Firma Degginger in Wil- ten. Brandkatastrophe in Zirl, durch die fast die ganze Ortschaft, 190 Häuser, zerstört wurde. Brand des Eislaufpavillons. Brand der Wagner'schen Leihbibliothek. Brand der Dampfbäckerei des Beamtenkonsumvereins in der Mentlgasse. Bedrohlicher Waldbrand am Berg Isel. Explosion und Feuersbrunst am Südbahnhof. Brand der Salpetersäurefabrik an der Sill. Brand im Blindeninstitut in der Egerdachstraße. Großbrand in Völs bei Innsbruck. Brand in der Nervenklinik. Brandkatastrophe in Zams, der 45 Häuser mit Nebengebäuden und die Kirche zum Opfer fielen. Explosion und Brand der Norerschen Ziegelei in der Völser Straße. 42 42 Zirl nach der Brandkatastrophe am 21. Juni 1908 Die Rauchmühle in Mühlau nach dem Brand am 28. August 1919 1913 Mai, 11.: Oktober, 19. und 20.: November, 7.: 1914 1915 Jänner, 23.: Juni, 14.-21.: Dezember, 9.: 1916 März, 8.: Mai, 5.: 1917 Dezember, 4.: 1918 Oktober, 24.: 1919 Februar, 9.: April, 17.: August, 28.: 1920 März, 6.: 1921 März, 13.: Dezember, 2.: Mai, 29.: 1922 1924 Februar, 25.: Mai, 4.: Oktober, 27.: 1925 Jänner, 15.: Jänner, 21.: Juni, 8.: Dezember, 16.: Dezember, 29. 1926 März, 17.: März, 31.: Juli, 29.: Oktober, 4.: Oktober, 19.: Die brennende Kunsttischlerei Colli in Innsbruck-Wilten am 29. Mai 1922 1928 Jänner, 5.: Brand im Löwenhaus. Brände im Werkschaftsgebäude der Firma Köllensperger im Kirschental. Brand des Karwendelhofes am Höttinger Boden. Brand der Lodenfabrik Baur. Achttägiger Waldbrand bei und in der Kranebitter Klamm. Brand in der Druckerei Tyrolia. Werkstättenbrand in der Tischlerei-Produktivgenossenschaft am Innrain. Verheerende Brandkatastrophe in Matrei am Brenner, die den halben Markt einäscherte und unabschätzbaren Schaden ver- ursachte. Die Häuser Nr. 89 und 91 in der Innstraße durch Feuer zer- stört. Großbrand in der Huterschen Baufabrik und im Sägewerk. Brand in den Reichenauer Baracken. Filmbrand im Zentralkino in der Maria-Theresien-Straße. Großbrand in der Rauchmühle in Mühlau. Großer Waldbrand bei der Ochsenhütte am Höttingerberg. Mehrere große Waldbrände an der Nordkette. Brand im Kolosseum (Ausstellungshalle). Brandkatastrophe in der Kunsttischlerei Colli in Wilten, der das ganze Gebäude mit zahlreichen Möbeleinrichtungen und Kunstgegenständen zum Opfer fiel. Brand der Wiltener Lackfabrik in der Klostergasse. Großbrand vernichtet das Holzlager des Sägewerkes Fritz in Wilten; dabei erhält die neue Motorspritze der I. F. F. ihre Feuertaufe. Brand eines Maschinenhauses am Westbahnhof. Brand im Bahnhofpostamt. Explosionsbrand in einer Samenhandlung in Wilten (Andreas- Hofer-Straße). Brand eines großen Bretterlagers in Wilten. Brand im Gasthof Bierwastl. Schadenfeuer in der Alten Universität. Brand des Nicolits-Schwimmbades in der Adamgasse. Brand der Metallgießerei Knitel in der Karmelitergasse in Wilten. Brandkatastrophe in Rinn. 59 Stallbrand bei den Sillhöfen, Brand in Amras. Waldbrand am Berg Isel. Brand im Stationsgebäude Seegrube der Nordkettenbahn. 45 1928 März, 2.: 1929 September, 12.: September, 16.: 1930 April, 3.: Oktober, 12.: Dezember, 29.: 1931 Oktober, 21.: November, 9.: 1932 Mai, 6.: Juli, 6.: August, 31.. November, 7.: Dezember, 2.: Dezember, 22.: 1934 Jänner, 25.: April, 17.: 1935 Mai, 15.: September, 8.: Oktober, 12.: Grandhotel Iglerhof am 3. April 1930 Brandkatastrophe in Nassereith, durch die 15 Wohnhäuser eingeäschert wurden. Großbrand in Telfs. Großbrand in Ried im obersten Inntal. Feuersbrunst im Grand-Hotel Iglerhof. Großfeuer in Sellrain (Rothenbrunn). Brand des Hotels Mariabrunn auf der Hungerburg. Großbrand in Völs. Brand in Völs. Großfeuer im Hotel Sonnenburgerhof. Brand in Mühlau. Großbrand in Seefeld. Brand in Reith bei Seefeld. Großbrand in Fulpmes. Brand bei der Stefansbrücke. Brand der Papierhandlung Vieider am Marktgraben. Waldbrand am Höttingerberg. Großbrand am Reselehof. Brand des Gasthofes Koreth in Mühlau. Brand der Autogarage Geyr in der Südbahnstraße. 1936 Oktober, 22.: November, 17. November, 25. Dezember, 10. 1937 März, 19.: Mai, 19.: Juni, 26.: November, 6.: 1938 Februar, 11.: Februar, 12.: April, 30.: Mai, 29.: August, 17.: 1941 August, 3.: 1943 Oktober, 16.: Oktober, 30.: 1943-1945: 1944 März, 28.: 1945 August, 12.: September, 24. Mai, 4.: Mai, 14.: August, 28.: Oktober, 30.: November, 26. 1946 Jänner, 18.: Jänner, 21.: 1947 Jänner, 31.: Februar, 3.: Mai, 25.: Dezember, 13.: 1948 Jänner, 9.: Mai, 12.: Brand der Waldschenke auf der Hungerburg. Großbrand des Daxerhofes in Ampaẞ. Brand des Lagergebäudes Neumair in der Egger-Lienz-Straße. Stadelbrand in der Höttinger Au. Brand des Wirtschaftsgebäudes am Planötzenhof. Brand in Rum. Brand zweier Bauernanwesen in Neustift (Stubai). Großbrand im Wirtschaftsgebäude des Harterhofes in Krane- bitten. Brand im Divisionsgebäude am Innrain. Brand des Wirtschaftsgebäudes des Gasthofes Rimml in Krane- bitten. Brand in der Dachpappenfabrik Dörr in Neu-Arzl. Dachstuhlbrand infolge Flugzeugabsturzes am Südtiroler Platz. Brand des Posthotels St. Anton am Arlberg. Großbrand im städt. Gutshof Reichenau. Großbrand in Mutters. Brand im Retterschen Betonwerk in der Höttinger Au. Die durch Bombenangriffe entstandenen zahlreichen Groß- brände im Innsbrucker Stadtgebiet sind einzeln nicht regi- striert. Möbellagerbrand bei Fa. Reckziegel. Villenbrand in Lans. Brand mehrerer Schuppen und eines kleinen Wohngebäudes in der Egger-Lienz-Straße. Brand im Wehrmeldeamt (Ursulinenkloster). Stadelbrand in Hötting. Großbrand bei den Sillhöfen. Brand eines Wirtschaftsgebäudes in der Höttinger Au Nr. 76. Brandkatastrophe in Grins bei Landeck, durch die fast das ganze gotische Dorf zerstört wurde. Sägewerkbrand in Völs. Brand der Wetterstation auf dem Hafelekar. Großbrand im Absamer Eichat. Großbrand in der Pischlfabrik in Telfs. Brand durch Blitzschlag im Wirtschaftsgebäude des Grillhofes in Vill. Großbrand im bombenbeschädigten Peterlongo-Haus. Brand von fünf Häusern in Oberhofen bei Telfs. Brand der Möbelfabrik Kranebitter. 46 47 1948 September, 15.: 1949 Jänner, 6.: Jänner, 23.: März, 23.: April, 29.: 1950 März, 24.: 1952 Jänner, 16.: Februar, 26.: Juni, 6.: 1953 Jänner, 8.: April, 15.: 1954 April, 25.: 1955 Jänner, 6.: Februar, 21.: Februar, 23.: April, 27.: 1956 Jänner, 14.: Februar, 1.: Februar, 14.: April, 8.: August, 8.: September, 27. November, 19.: November, 29.: Dezember, 10.: 1957 Februar, 7.: August, 29.: September, 10.: Dezember, 11.: Dezember, 20.: Brand eines Wohnhauses in der Lohbachsiedlung. Dachstuhlbrand in der Gilmschule. Großbrand in den Wiesenhöfen, Aldrans. Brand von drei Häusern in Unterperfuß. Großbrand im Riggeranwesen in Arzl. Großbrand in der Kohlenhandlung Mößmer. Brand des Sägewerkes Steixner bei der Stefansbrücke. Brand der Eiẞengießerei Haslinger in Heiligkreuz bei Solbad Hall. Großbrand in Völs. Brand der Milser Kaserne bei Solbad Hall. Großbrand im Bucherhof in Kematen. Brand im Jehlehof am Wiltenberg. Brand eines Wirtschaftsgebäudes in Natters. Brand der Peer-Schottermühle bei Kranebitten. Brand des Maureranwesens in Arzl. Großbrand in Inzing (Wirtschaftsgebäude). Barackenbrand in Pradl. Brand im Dodlanwesen in Pradl. Brand eines in Holzbauweise erbauten Wohnhauses in Neu- Arzl. Brand eines Gasthauses in Völs. Brand eines Wohnhauses (Boltenhütte) bei Vill. Brand eines Wohnhauses in Gärberbach. Barackenbrand in der Reichenau. Brand eines Wohn- und Wirtschaftsgebäudes in Inzing. Kellerbrand in Wilten. Brand eines Wirtschaftsgebäudes in Natters. Lagerschuppenbrand in Wilten. Brand in der Dachpappenfabrik in Neu-Arzl. Zwei Großbrände in Solbad Hall im Föhnsturm: Montana- Baugesellschaft und Wirtschaftsgebäude der Heil- und Pflege- anstalt. Brand von fünf Wohn-, Arbeits- und Lagerbaracken in der Völser Straße. Feuerlöschgeräte in Innsbruck seit dem Jahre 1600 1600 Ledereimer 1624 Eine Handpumpe (Feuerspritze, Buttenspritze) ohne Saugschlauch (Wende- strahlrohr) 1847 Handspritze mit Saugschlauch 1880 Hanfschläuche 1885 Dampfspritze (Knaust) bis 1938 1890 Magirus-Leiter, 1. Kompanie 1894 Magirus-Wurfleiter, 2. Kompanie 1900 Gummierte Druckschläuche 1905 Magirus-Leiter, 18 m Magirus-Leiter, 24 m, 1. Kompanie 1908 Magirus-Leitern, 2., 4., 5. und 6. Kompanie 1910 Rauchhelm (König) 1912 Sprungtuch, Rutschtuch 1900 Berufsfeuerwehr: Milchkastenwagen als Rüstwagen mit Pferdezug bis 1920 1920 Rüstwagen (Fiat) für Berufsfeuerwehr 1923 Motorspritze, 1. Kompanie, Rosenbauer 1927 Jubiläums-Magirus-Leiter, 26 m, 1. Kompanie Rüstwagen, Büssing (Zugwagen für Magirus-Leiter, 26 m) LKW, Praga, Zugwagen für 2-Rad- und Anhängespritze, 1000/1 min. (2. Kompanie) Kommandowagen, 1. Kompanie (7 Steyrer) 1928 Rüstwagen, 6. Kompanie, mit tragbarer Spritze Fiat-Turin-Rüstwagen, 6. Kompanie 1929 Vorbaupumpe mit Tragspritze (modernstes Fahrzeug Österreichs) Rosenbauer, derzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Vill 1930 Generator für chemischen Schaum, Berufsfeuerwehr Bezirkswagen mit Lichtmaschine, 2. Kompanie 1931 1. und 5. Kompanie je eine tragbare Motorspritze Mühlau umschaltbare Motorpumpe (2 X 2-Stufen-Niederdruck, 1 × 4-Stu- fen-H-Druck, 26 atü), derzeit noch in Mühlau Durch die Indienststellung eines Spezialfahrzeuges für Katastrophenhilfe war es möglich, besonders den Landgemeinden bei Wassernot, Murbrüchen, Lawinenkatastrophen, aber auch bei Bränden durch Entsendung dieses Fahr- zeuges wertvolle Hilfe zu bringen 48 49 50 1932 Fernlöschzug, Gräf & Stift, mit Motorspritzen-Anhänger, 1. Kompanie 1933 Hebezug (Titan), Berufsfeuerwehr 1937 Rüstwagen, Gräf & Stift, mit tragbarer Motorspritze (Gugg), Berufs- feuerwehr 1938 bis 1945 vom Luftschutz zugeteilt: 1945 Pumpenwagen 8, Zugwagen für Anhänger mit tragbarer Spritze, Pumpen- wagen 15, Pumpenwagen 25, Tanklöschfahrzeug 15, Schlauchwagen 2 mechanische Drehleitern, 22 + 2 m, Magirus 1947 Kranwagen, 3,5 t, in den Werkstätten der Feuerwehr gebaut 1954 Hochdruck-Tanklöschwagen (Nebellöschverfahren), Type Graz, Sprungpolster 1955 Hochdruck-Tanklöschwagen (Nebellöschverfahren), Type Graz 1956 UKW-Sprechfunkanlage, 1 Fest- und 1 Mobilstation, VW-Tragkraftpumpe, RVW-75 1957 Erweiterung der UKW-Sprechfunkanlage um 1 Mobilstation, Kranwagen, 12 t, Gräf & Stift, Unimog mit Tankanhänger VW-Tragkraftpumpe, RVW-75, auf Anhänger, Wasserkanone auf Anhänger, Katastrophenwagen mit 2500-1/min-Einbaupumpe, 2 Preßluftatmer, Aga-Respirator Der gegenwärtige technische Stand im Feuerwehrwesen Von Brandrat Ing. Anton Stolz Wie der Name,,Feuerwehr“ schon eindeutig aussagt, wurden die Feuerwehren mit dem Anwachsen der Siedlungen zur Abwehr des sich aus seinen Fesseln befreiten Elementes,,Feuer" gegründet. Der ungeahnte Aufschwung der Technik, der Industrie, der Wirtschaft und des Verkehrs um die Mitte unseres Jahrhunderts vermehrte auch die der Öffentlichkeit drohenden Gefahren. Explosionen, Flüssigkeits- und Gasbrände, Giftgasausströmungen, Verkehrsunfälle und vielerlei andere Notstände und Unfälle zählen heute zum Tages- geschehen. Zudem nehmen die Anzahl und vor allem die Schadenssummen aller sonstigen Brände jährlich in einem bedenklichen Ausmaße zu. Die verschiedenartigsten technischen Einsätze und Hilfeleistungen haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Endlich obliegt es auch der Feuerwehr, bei den verschiedensten Naturkatastrophen schützend, helfend und rettend einzuspringen, so daß aus der Feuerwehr von einst,,Das Mädchen für alles" wurde. Wenn auch die Technik den Aufgabenbereich der Feuerwehr vervielfachte, wer- den gerade wiederum durch die Technik den Feuerwehren jene Mittel in die Hand gegeben, die eine erfolgreiche Bekämpfung bzw. Behebung dieser Gefahren und Not- stände gewährleisten. Somit sind die Feuerwehren auch in der Lage, die Fahrzeuge, Gerätschaften und Ausrüstungen ständig nach dem Stand der Technik zu verbessern bzw. zu erneuern und dieselben den jeweils auftretenden Gefahren anzupassen. In der Folge sollen jene technischen Errungenschaften angedeutet werden, die zur Bewältigung dieses mannigfachen Aufgabenbereiches in den Dienst der Feuerwehr gestellt wurden. Die baldmöglichste Kenntnis von einem ausgebrochenen Brande ist für dessen Bekämpfung von entscheidender Bedeutung. So vermag man in feuer- bzw. explosions- gefährdeten Betrieben und Werken selbsttätige Brandmeldeeinrichtungen einzubauen, die wiederum entweder selbsttätige Sprinkler- bzw. Regenbrausen in Betrieb setzen oder aber die Feuerwehr automatisch alarmieren. Bei den selbsttätigen Brandmeldern kann entweder die Temperatursteigerung benutzt werden, die mit dem Ausbruch eines Brandes stets verbunden ist, oder aber der Rauch, der praktisch in allen Fällen auftritt. Über die Bewährung von Sprinklern und sonstigen Überflutungsanlagen besagen die praktischen Erfahrungen nur Gutes. Um die Ausbreitung eines Brandes auf besonders gefährdete Objekte zu verhindern, wurden schon mit viel Erfolg Außensprinkler oder Drencheranlagen verwendet. Drencher bestehen aus verschiedenförmigen Brausen, die vor Fenstern, Türen und sonstigen Feuerbrücken angebracht und in der Regel von Hand in Betrieb gesetzt werden. Weiter sorgen das heute allerorts verbreitete Fernsprechnetz sowie sonstige Brandmeldeanlagen über Kabel und Funk für eine unverzügliche Alar- mierung der Feuerwehr. Die Verbindung innerhalb der eingesetzten Feuerwehrkräfte untereinander und mit den Befehlsstellen erfolgt bei allen modernen Feuerwehren über Sprechfunk. Zur Durchgabe von Befehlen bei umfangreichen Aktionsstellen werden wiederum Verstärkeranlagen verwendet. Bei großen Werkstätten und Industrieanlagen kann man produktionshindernde, zu Brandabschnitten ausgebaute Trennwände durch praktisch schon bewährte Regenwandanlagen ersetzen. Von entscheidender Bedeutung für das erfolgreiche Wirken der Feuerwehr ist die größtmögliche Herabsetzung der Einsatzfrist, d. h. Zeitspanne von der Alarmierung bis zum Einsatz. Dazu stehen den Feuerwehren die modernsten Motorfahrzeuge zur Verfügung, die, ständig auf die Betriebstemperatur vorgeheizt, einsatzbereit gehalten 51 werden. Die mit Vorrang gegenüber allen übrigen Verkehrsteilnehmern, mit optischen und akustischen Warngeräten ausgestatteten Feuerwehrfahrzeuge vermögen innerhalb kürzester Zeit jede Aktionsstelle ihres Einsatzbereiches anzufahren. Durch die Konstruktion und Verwendung von Feuerwehrfahrzeugen, die Lösch- mittel mitführen, wurde die Schlagkraft der Feuerwehr gewaltig erhöht. Statistiken beweisen, daß mit Tanklöschwagen ausgestattete Feuerwehren in der Lage sind, min- destens 95 Prozent aller ausgebrochenen Brände mit dem mitgeführten Löschwasser erfolgreich zu bekämpfen. Mit dem Einsatz von Tanklöschwagen fällt somit beim Großteil aller Brände die zeitraubende Herbeischaffung des Löschwassers weg, außer- dem können dadurch alle Kräfte zur unmittelbaren Brandbekämpfung herangezogen werden. Selbstverständlich kann bei den immer wieder vereinzelt auftretenden Groß- bränden oder bei Bränden, die infolge ihrer Eigenart besondere Brandbekämpfungs- methoden erfordern, auf eine ordnungsgemäß aufgebaute Löschwasserversorgung nicht verzichtet werden. Wasserwerfer 1957 feuerwehr Innsbruck Hochdruck-Tanklöschwagen 1954 Besonders wirksam haben sich die in Innsbruck seit dem Jahre 1954 und in anderen Städten Tirols auch in letzter Zeit verwendeten Hochdruck-Tanklöschwagen (Nebel- löschwagen) gezeigt. Diese Tanklöschwagen sind mit mehrstufigen kombinierten Hoch- und Mitteldruck-Kreiselpumpen ausgestattet, mit deren Hilfe man das Löschwasser unter einem Druck von 40 atü förmlich auf das Brandgut zu,,schießen" vermag. Der Rohrführer kann durch eine sinnvolle Einrichtung, je nach Art des Brandes, entweder mit Sprüh- (Nebel) oder mit Vollstrahl den Brand bekämpfen. Der Hochdruck-Nebel- strahl eignet sich u. a. zur Bekämpfung von kleineren Flüssigkeits-, Wachs- und Teer- bränden sowie zur Bekämpfung von Wohnungsbränden, weil der sonst unvermeidliche Wasserschaden dadurch praktisch ausbleibt. Zur Bekämpfung sonstiger Brände von festen Brandstoffen und auch von Gasbränden ist der Hochdruck-Vollstrahl hervorragend geeignet. Die große Löschwirkung des Hochdruck-Löschverfahrens beruht darauf, daß sich der mit einem Druck von 40 atü aus dem Strahlrohr austretende Löschstrahl schon unmittelbar nach der Düse zu zerlegen beginnt und sich nach dem Auftreffen auf das - Brandgut infolge der überaus großen Auftreffwucht in viele kleine Wassertröpfchen zerlegt. Diese zahllosen Wassertröpfchen bieten naturgemäß eine große Angriffsfläche für die bei jedem Brande entstehende Verbrennungswärme und werden daher unver- züglich in Wasserdampf umgewandelt. Nachdem bekanntlich bei der Verdampfung von Wasser aus einem Liter Wasser 1700 Liter Wasserdampf entstehen, legt sich der nicht mit den Brandgasen abgehende Wasserdampf auf den Brandstoff und verhindert damit den Zutritt des zu jeder Verbrennung erforderlichen Luftsauerstoffes zum Brandgut. Im Rahmen dieses Aufsatzes kann natürlich auf die Brandbedingungen und auf die vielfältigen komplizierten Effekte beim Löschvorgang nicht näher eingegangen werden. Neuerdings wird das Trockenlöschpulver als Löschmittel infolge seiner beinahe universellen Verwendungsmöglichkeit, wegen seiner Zuverlässigkeit in der Wirkung und durch eine Reihe noch anderer Vorzüge wieder häufig zur Bekämpfung von kleinen Bränden mit Vorliebe verwendet. Größere, im Bereich der neuzeitlichen Technik vorkommende, gefährliche Flüssig- keitsbrände, z. B. in Raffinerien und Tanklagern, können auch heute nur bei Verwen- dung von Schaum zuverlässig gelöscht werden. Kohlensäureschnee, Tetrachlorkohlenstoff und sonstige Halogenkohlenwasserstoffe finden in der Hauptsache in Handfeuerlöschern zur Bekämpfung von Entstehungs- und Kleinbränden Anwendung. Bei Kellerbränden, Lagerbränden und bei den meisten noch nicht nach außen durch- gebrochenen Bränden entstehen häufig infolge einer unvollständigen Verbrennung oder bei Mangel einer Abzugsmöglichkeit große Mengen von teilweise giftigen, explosiblen und die Sicht behindernden Brandgasen. In vielen Fällen wird dabei der Sauerstoff durch die Verbrennung so weit auf- gebraucht, daß selbst bei Verwendung von leichten Atemschutz- und Filtergeräten der Sauerstoffgehalt der Luft nicht mehr zum Atmen ausreichen würde. Anderseits kann ein wirkungsvoller und ein Löschwasserschaden verhindernder Löschangriff nur im ,,Innenangriff" vorgetragen werden. Die Löschmannschaft muß also, die vorhandenen Möglichkeiten ausnützend, in diese verqualmten Räumlichkeiten eindringen, um zum 52 52 53 Brandherd zu gelangen. Zur Durchführung dieser schweren Aufgabe werden die Feuer- wehren mit schweren Atemschutzgeräten ausgestattet, die den nötigen Sauerstoff bzw. die Atemluft in komprimierter Form in Stahlflaschen eingefüllt haben. Durch sinnvolle Einrichtungen wird der jeweilige Bedarf an Sauerstoff (je nach der verwendeten Geräte- type) dem Geräteträger zugeführt und dieser damit von der Außenluft unabhängig gemacht. Aber auch bei den verschiedenartigsten Gasausströmungen, Rettungs- und Wasserrettungsaktionen u. dgl. m. sind die schweren Atemschutzgeräte Voraussetzung für eine erfolgversprechende Durchführung. Feuerwehr der Stadt Jansbruck 12-Tonnen-Kranwagen 1957 Wegen ihrer Ausstattung mit Sonderfahrzeugen, Maschinen und sonstigen Spezial- geräten werden vor allem die Berufsfeuerwehren immer häufiger in der Industrie und Wirtschaft zu entgeltlichen technischen Hilfeleistungen sowie zur Beistellung von solchen Maschinen und Geräten herangezogen. Als Beispiel sei nur angeführt, daß in Tirol die schwierigen Autobergungen ausschließlich von der Berufsfeuerwehr Innsbruck durch- geführt werden. Der sprunghafte Anstieg der technischen Einsätze sowie die Vermeh- rung des Aufgabenbereiches kann am sinnfälligsten aus der folgenden Gegenüberstellung der Einsätze der Feuerwehr der Stadt Innsbruck vom Jahre 1951 und 1956, also über eine Zeitspanne von nur fünf Jahren, erkannt werden: Einsätze und Gerätebeistellungen Großbrände 54 im Jahre 1951 im Jahre 1956 3 8 Mittelbrände 19 26 Kleinbrände 74 119 Autobergungen 268 695 LKW-Beistellungen 143 214 Beistellung der mechanischen Drehleiter 43 139 Beistellungen von Tanklöschfahrzeugen 54 147 Beistellungen von Kraftpumpen Sonstige technische Hilfeleistungen 48 73 44 204 Die Feuerwehrschule des Landes Tirol Vom Leiter Landes-Feuerwehrinspektor Reg.-Rat Dipl.-Ing. Anton Huter Es wird heute von der breiten Masse als selbstverständlich empfunden, daß, wenn in einer Gemeinde die Alarmsirene ertönt, die Freiwillige Feuerwehr in Aktion tritt. Keiner aber denkt daran, daß es sich hier um eine Einrichtung handelt, die von jenen Männern getragen wird, die ihren Dienst aus sittlicher und bürgerlicher Verantwortung völlig freiwillig übernehmen. Verantwortungsbewußtsein, sittliche Grundhaltung der Nächstenliebe, die Freiwilligkeit des Dienstes und die Bereitwilligkeit der Unterord- nung unter einen selbstgewählten Kommandanten sind die Grundlagen des Feuer- wehrwesens. Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß die Freiwilligen Feuerwehren in ihrem Wollen, ihren Zielen über nun 100 Jahre hinweg gleich geblieben sind, und dies spricht für die Richtigkeit der Idee des freiwilligen Feuerwehrwesens, wenn sich dieses über den langen Zeitraum hinweg nicht nur lebensfähig erhalten, sondern entfaltet und weiter entwickelt hat. Zweifelsohne war ehedem der Löscherfolg bei einer sich auf Kraft und Gewandt- heit stützenden Massenorganisation ein bescheidener, entsprach nicht den Erwartungen und stand in keinem Verhältnis zu der Hilfsbereitschaft der zum Einsatz gelangenden freiwilligen Kräfte. Aus der Erkenntnis heraus, die Freiwilligen Feuerwehren in eine wirkungsvolle technische Einrichtung der öffentlichen Sicherheit umzuwandeln, die mit dem schnellen Fortschritt der Technik Schritt zu halten imstande ist, wurden bereits zwischen den beiden Weltkriegen systematisch Ausbildungslehrgänge für Dienstgrade abgehalten. Diese konnten jedoch mangels geeigneter Unterrichtsräumlichkeiten auf die Die Landes-Feuerwehrschule Innsbruck-Reichenau 55 Dauer nicht befriedigen, und es lag der Gedanke nahe, für die Feuerwehrmänner eine eigene Ausbildungsstätte zu schaffen. Der zweite Weltkrieg und die enorm gestiegene Forderung nach geschulten Ab- wehrkräften gegen die als überaus wirksame Zerstörungswaffe erkannte und dement- sprechend gehandhabte Brandbombe ließ diesen Gedanken unerwartet rasch Wirk- lichkeit werden. So entstand im Jahre 1942 die in Baracken untergebrachte Feuerwehr- schule in Innsbruck-Wilten. Durch Luftangriffe schwer beschädigt, wurde diese Schule Ende des Jahres 1943 in das östliche Mittelgebirge nach Judenstein bei Rinn verlegt. Als Provisorium gedacht und errichtet, konnte sie wohl während des Krieges ihrer Auf- gabe gerecht werden, nach Kriegsende wurde jedoch der Bau einer neuen geräumigen Schule ein dringendes Erfordernis. Nach dem Zusammenbruch war aber an eine andere Unterbringungsmöglichkeit vorerst nicht zu denken, und so wurde allen Schwierig- keiten zum Trotz es sei nur an die Frage der Verpflegung erinnert die alte Schule noch im Herbst 1945 wieder in Betrieb genommen. Zuerst handelte es sich darum, Aus- bildungslehrgänge für Maschinisten abzuhalten, eine Forderung, die um so dringlicher war, als kriegsbedingt die Wehren wohl mit Tragkraftspritzen ausgerüstet waren, aber ein großer Mangel an ausgebildeter Bedienungsmannschaft herrschte. Die für den Brandschutz im Lande verantwortlichen Männer waren sich jedoch darüber im klaren, daß der Bau einer geeigneten Schule baldmöglichst in Angriff ge- nommen werden mußte, um gerade die in den Nachkriegsjahren sehr schwierige, aber entscheidende Frage des Nachwuchses sicherzustellen. So wurde im Jahre 1949 der Plan für die Schule erstellt und nach einer überaus glücklichen Lösung der schwierigen Platzfrage im Sommer 1950 mit dem Bau begonnen, der im Frühjahr 1953 die Einweihung der Schule erfolgte am 18. April 1953 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Bereits in der Zeit der Bauperiode nach Auflassung der Schule in Judenstein Ende 1951 wurde improvisiert in den schon er- stellten Nebengebäuden der neuen Schule der Unterricht aufgenommen. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, um die Ausbildung der Feuerwehr- männer auf eine breite Basis zu stellen und die Landes-Feuerwehrschule zum Mittelpunkt des Feuerwehrlebens in unserem Lande zu machen. Selbstverständlich ist die wesentlichste Aufgabe einer Feuerwehrschule die Verbreitung der Brandschutz- lehre, und zwar sowohl die Ausbildung im gesamten Feuerwehrsektor als auch in der Brandverhütung. Neben diesem Hauptfaktor ist aber wichtiger und verbindender Bestandteil der gesamten Ausbildung die Pflege des Gedankengutes des Brandschutzes insbesondere der Freiwilligen Feuerwehren und die Förderung des inneren Zusammen- haltes im Freiwilligen Feuerwehrwesen überhaupt. Es handelt sich ja hier nicht um irgendeine Schule, sondern um eine Anstalt ganz besonderer Art. Hier wird nicht Fach- wissen vermittelt, das dem Schüler zur persönlichen Weiterbildung dient oder für ihn die Grundlage zur Schaffung einer Existenz bildet, hier erwirbt er sich keinen Berech- tigungsschein, der ihm persönlich nützen könnte, sondern dieser Schulung unterzieht er sich nur, um dem Nächsten wirklich tatkräftig helfen zu können. Der ethische und erzieherische Wert der Feuerwehrschule, in der die Pflege des Gemeinschaftswillens ohne Unterschied des Standes, des Alters, der Welt- anschauung und des politischen Denkens geübt wird, kann gerade in unserer Zeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Tirol mit seinen rund 15.000 aktiven freiwilligen Feuerwehrmännern ist in der glücklichen Lage, daß an der Landes-Feuerwehrschule nicht nur Lehrgänge für Chargen und für die Spezialausbildung abgehalten werden, sondern daß auch die Grundausbil- dung des Feuerwehrmannes im Löschdienst gemäß der Übungsvorschrift „Die Lösch- gruppe" durchgeführt werden kann. Dadurch werden die Feuerwehren auf dem Lande von der Aufgabe der Ausbildung wesentlich entlastet, dadurch ist die Gewähr so- wohl für die Einheitlichkeit in der Ausbildung als auch für die Gewißheit, daß im Laufe der Zeit jede Wehr über einen Stock von wirklich geschulten Feuerwehrmännern ver- fügt, gegeben. Daß dicser Gedankengang richtig ist, zeigt der Anklang, den gerade diese Grundlehrgänge finden, und vor allem auch der Erfolg, der sich allmählich an- zubahnen beginnt. Die zur Zeit bestehende jährliche Zahl der Lehrgangsteilnehmer beträgt 650 bis 750 Mann, das sind rund 4 bis 5 Prozent der Gesamtsollstärke. Durchschnittlich werden jetzt jährlich 25 Lehrgänge mit je 24 bis 36 Lehrgangsteilnehmern abgehalten. Die Zahl der zu diesen Lehrgängen einberufenen Feuerwehrmänner ist durch die der zur Ver- fügung stehenden hauptamtlichen Lehrkräfte bedingt. Die Schule beschäftigt derzeit drei hauptamtliche Lehrkräfte, daneben werden aber auch Feuerwehrfunktionäre - im besonderen für den theoretischen Unterricht verpflichtet. Es ist das Bestreben der Schulleitung, die Personalkosten möglichst niedrig zu halten und auch ehren- oder nebenamtliche Kräfte zu verpflichten. Für Feuerbeschaulehrgänge, den Unterricht bei Chargenlehrgängen, im besonderen auf dem Sektor Brandgefahren durch elektrischen Strom, bauliche Mängel und allgemeine Fragen der Brandverhütung, stellt die Tiroler Landesstelle für Brandverhütung der Schule Lehrkräfte zur Verfügung. Die Lehrgänge werden jeweils in der Zeit von September bis Ende Mai abgehalten. Der stärkste Andrang fällt begreiflicherweise in die ausgesprochenen Wintermonate November bis März, doch gibt es auch noch andere Umstände, welche die Besucherzahl schwanken lassen. Die Einberufung zu den Lehrgängen erfolgt über die Bezirks-Feuer- wehrkommanden. Diese erhalten jeweils eine bestimmte Anzahl von Plätzen zugeteilt, und zwar im allgemeinen 3 bis 4 pro Lehrgang, sie schwankt je nach der Größe bzw. nach der Sollstärke der Feuerwehren in den einzelnen Bezirken. Im August und im Dezember werden von der Schulleitung die Lehrpläne für das jeweilige Halbjahr allen Feuerwehren zugesandt, so daß den Kommandanten die Möglichkeit gegeben ist, ihre Wehrmänner rechtzeitig für den im gewünschten Zeitpunkt stattfindenden Lehrgang anzumelden. - Den Bezirks-Feuerwehrkommandanten obliegt dann die Aufgabe, die Zusammen- stellung der Lehrgangsteilnehmer auf Grund der zur Verfügung gestellten Plätze, der Anmeldungen, der jahreszeitlich und beruflich bedingten Umstände usw. jeweils vor- zunehmen, eine Aufgabe, die viel Zeit und Mühe erfordert. Es hat sich jedoch gezeigt, daß diese Art der Einberufung zu den Lehrgängen die zweckmäßigste ist. Die Lehrgänge mit Ausnahme von Speziallehrgängen, wie Feuerbeschau- und Gerätewartlehrgänge dauern jeweils eine Woche, beginnen mit der Anreise am Montag und enden mit der Zeugnisverteilung am Samstagvormittag. Infolge der Festi- gung der organisatorischen Voraussetzungen, der Anerkennung der Feuerwehren als Körperschaften öffentlichten Rechtes, der steten Entwicklung der Technik auf dem Sektor der Brandbekämpfung mußten auch Vorschriften über den erfolgreichen Besuch von Lehrgängen als Voraussetzung für die Erlangung von Dienststellungen und Dienst- graden innerhalb der Wehren erlassen werden. Die Lehrgangsteilnehmer werden während der Dauer des Lehrganges kaserniert. Ausgang kann in der dienstfreien Zeit nur an einem Abend der Woche gewährt werden. Es hat sich gezeigt, daß diese Maßnahme bei den Feuerwehrmännern durchaus Ver- 56 57 ständnis gefunden hat, dies um so mehr, als sie in der Schule, die ja ihr Heim sein soll, genug Gelegenheit haben, die Freizeit zu gestalten; es steht ihnen auch eine Kantine zur Verfügung. Fern von allem Drill und Zwang muß trotz der Freiwilligkeit Einordnung in die Erfordernisse des Schulbetriebes und Disziplin gefordert werden. Es ist infolge des großen Unterschiedes, bedingt durch Alter, soziale Stellung und Bildung, nicht immer einfach, die unerläßlichen Bedingungen für einen möglichst erfolgreichen Ablauf des jeweiligen Lehrganges zu stellen. Die gesunde Voraussetzung für das Wirken der Schule liegt im sogenannten Schulklima begründet, es kann mit Fug und Recht gesagt werden, daß dieses Klima gesund ist. Das Durchschnittsalter der in den letzten Jahren ausgebildeten Feuerwehrmännern betrug 27 Jahre und lag bei den Grundlehrgängen um zwei bis drei Jahre niedriger und bei den Gruppenkommandanten-Lehrgängen um zwei bis drei Jahre höher. Der jüngste Schüler zählte 14, der älteste 63 Jahre. Die durchschnittliche Altersschichtung muß als günstig bezeichnet werden und zeigt trotz der oft gegenteiligen Behauptung, daß nach Überwindung kriegsbedingter Folgeerscheinungen die heutige Generation, wenn man sie für eine Sache zu begeistern versteht, durchaus nicht abseits steht. Nach Berufsständen stammten in den letzten beiden Jahren rund 43 Prozent der Schüler aus der Land- und Forstwirtschaft, 30 Prozent aus Handel und Gewerbe, 20 Pro- zent waren Arbeiter und Angestellte. Der schnelle Fortschritt der Technik und die starke Betonung des Materiellen in unserer Zeit bringt es mit sich, daß man im allgemeinen dazu neigt, den Wert des Ge- rätes über die Person zu stellen. Es werden von den Gemeinden und vom Land zwar hohe Beiträge zur Beschaffung von Löschgeräten und Einrichtungen ausgegeben, die Aus- bildung der Mannschaft hat aber mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten und wurde nicht gleich bewertet. Bedienung und zweckmäßige Anwendung der technischen Hilfsmittel erfordern aber Spezialkenntnisse. Hier konnte den Gemeinden bzw. den Feuerwehren dadurch an die Hand gegangen werden, daß sie von der Verpflichtung der Übernahme der Ausbildungskosten für die Freiwilligen Feuerwehrmänner befreit und diese Kosten aus den für den Brandschutz bestimmten Mitteln gedeckt wurden. Es ist zu erwarten, daß sich im Laufe der Zeit die systematische Ausbildung auf dem Gebiete der Brandbekämpfung und der Brandverhütung im Interesse der Erhaltung unseres Volksvermögens und zum Wohle unseres Heimatlandes in jeder Hinsicht günstig auswirken wird. Tirols Vorsorge für den Abbrändler Von Hofrat Albert Breit, Direktor der Tiroler Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt W enn man die Verhältnisse und die bescheidenen wirtschaftlichen Ausmaße der alten Zeit berücksichtigt, so waren es sehr schwere und häufige Brandkatastrophen, die in den vergangenen Jahren die Städte und Dörfer des alten Tirol heimsuchten. Mit Feuerpolizeiordnungen, wie jene Kaiser Josefs II. vom Jahre 1787, versuchte man, dem Ausbruche und dem Umsichgreifen von Bränden zu steuern. Leider aber allzu häufig mit wenig Erfolg. Vergeblich hatten die einfachen Löschgeräte und die ungefügen Sprit- zen oft ihr allzu kümmerliches Werk getan. Was geschah nun damals mit jenen Bedauernswerten, von deren Hab und Gut nur mehr traurige Reste, geborstene Mauern und verkohltes Balkenwerk übriggeblieben waren? Man versuchte, durch Beiträge aus eingehobenen Steuergeldern, durch Steuer- begünstigungen und Zollprivilegien der Not der Abbrändler entgegenzutreten. In den Städten unterstützten Bruderschaften ihre Mitglieder aus der Lade, in den Dörfern suchte man sich mit Naturalien und Bauholz und durch Hand- und Spanndienste gegen- seitig zu helfen. Aber all dies konnte bei der Zahl und Größe der Brandunglücksfälle die Verarmung der Betroffenen nicht hintanhalten. Es schien nur mehr der eine Ausweg zu bleiben, die Nächstenliebe eines größeren Mitbürgerkreises anzurufen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein stellten die Behörden auch sogenannte „,Brandbriefe" aus, welche die Abbrändler zum Brandbettel berechtigten. Der Bettel bedeutete für den einen eine moralische Last, wäh- rend der andere darin eine Möglichkeit sah, den gutmütigen Mitbürger über Gebühr auszunützen. Es war lästig, und die Gaben verteilten sich planlos und ungerecht unter die Masse der Almosenheischenden. Dem Staate war durch diese Mittel die Sorge um die Notlage seiner Bürger nicht abgenommen, und außerdem hatte er ein bedeutendes Interesse an der Wiederherstellung der gesunkenen Kontributions- (Steuer-) Kraft der Brandgeschädigten. So begann man denn in den Kanzleien, angeregt durch Vorbilder, die unser nördlicher Nachbar damals schon bot, dem Gedanken der Versicherung, also des gesetzlich geregelten An- spruches auf Schadenersatz im Brandfalle, näherzutreten. Hofkammerpräsident Josef Graf Trapp entwarf im Jahre 1752 den Plan zur Bildung einer Konkurrenzkasse für Feuerschäden und Wasserschutzbauten. Doch diese gute, wenn auch in der Verbindung ,,Feuerschäden und Wasserbau" nicht gerade glücklich vorgebrachte Idee wurde vom engeren Ausschuß der Tiroler Landschaft als eine neue, untragbare Last für das not- leidende, durch Abgaben aller Art gedrückte Volk abgelehnt, und es blieb alles beim alten. Mehrere ähnliche Pläne im Laufe des nächsten Jahrzehnts erlitten dasselbe Schick- sal. Die bäuerliche und die städtische Bevölkerung standen dieser Neuerung mit Miẞ- trauen gegenüber, sahen nur die Last einer neuen Umlage und wollten den bedeutenden wirtschaftlichen Vorteil der vollen Sicherung in Unglücksfällen nicht erkennen. Selbst die im Jahre 1764 unter der Kaiserin Maria Theresia entworfene ausgezeich- nete,,Vorderösterreichische Feuersozietätsordnung", die sich weit vorausschauend den Gedanken der Brandverhütung bereits ganz zu eigen gemacht hatte und den Schaden- ersatz im modernen Sinne regelte, wurde von den damaligen Landesvertretern zurück- gewiesen. 58 59 Die kommende unruhevolle Zeit setzte all diesen Bestrebungen zunächst ein Ende. Immer wieder bedrohte der Feind die Grenzen unseres Landes und fiel in unsere Täler ein. Die Bauern formierten sich zu Schützenkompanien, die Sorge um Haus und Hof ihren Weibern überlassend. Kassen und Archive waren zur Verlagerung vorbereitet. Wer hätte in diesen schlimmen Zeiten es gewagt, Neuerungen einzuführen, für welche das Volk noch nicht reif war und die eine große organisatorische Vorarbeit erfordert hätten? Im Jahre 1806 fiel das ganze Land Tirol an Bayern. Dort gab es schon einige Brandassekuranzen. Da endlich entschlossen sich so manche Tiroler, ihre Häuser dort anzumelden, und lernten so das erstemal den Wert der Versicherung und den Vorteil derselben gegenüber der freiwilligen Hilfe, die in diesen unruhigen Tagen nur selten zu erhoffen war, kennen. Im Kampfgetümmel des Jahres 1809 gingen diese Ansätze der Versicherung wieder unter. Tirols Widerstand gegen die neue Herrschaft war vergeblich gewesen. Das Land wurde zerrissen, die südlichen Teile kamen zu Italien und Illyrien, der sogenannte Innkreis zu Bayern. Der bayrische König Maximilian Josef befaßte sich autoritär mit dem Versiche- rungswesen, löste die bestehenden Assekuranzen auf und schuf durch das Patent vom 23. Jänner 1811 eine einzige Brandversicherungsanstalt für ganz Bayern unter staat- lichem Polizeiregime. Bis zum Jahre 1814 wuchs deren Versicherungssumme für Nord- tirol (den sogenannten Innkreis) auf über fünf Millionen Gulden an. Durch die Wiedervereinigung Tirols mit Österreich trat auf lange Zeit ein völliger Stillstand im Versicherungsschutze ein, da der Versicherungsbestand in Nordtirol und Vorarlberg von der bayrischen Anstalt abgetrennt wurde. Aber der Versicherungsgedanke war doch nicht ganz erstorben. Vom Jahre 1820 an erfolgten verschiedene Versuche, Entwürfe und Anregungen der Tiroler Landstände zur Schaffung einer wechselseitigen Brandversicherungsanstalt unter Leitung und Ver- waltung der Stände. Aber erst im Februar 1825 begann die schließlich gegründete Tiro- lisch-vorarlbergische Feuer-Versicherungsanstalt, wie ihr Titel damals lautete, ihre Tätigkeit. Zur Jahrhundertwende umfaßte der Versicherungsbestand dieser Landesanstalt rund 160.000 Gebäude- und 50.000 Mobilienversicherungen. Bis dorthin waren von der Anstalt über 20,000.000 Friedenskronen an Brandentschädigungen geleistet worden. Der Zusammenbruch nach dem ersten Weltkrieg brachte den Verlust der Ver- sicherten Südtirols. Im Jahre 1927 erfolgte die Übertragung des Vorarlberger Ver- sicherungsstockes an die dort inzwischen neu gegründete Vorarlberger Landes-Feuer- versicherungs-Anstalt. Die Stürme des zweiten Weltkrieges und die Schwierigkeiten der Nachkriegszeit wurden von der Landesanstalt überwunden, so daß sie heute wiederum als führende Anstalt Tirols einen festen und starken Rückhalt der Tiroler Bevölkerung im Brandfall bildet. Außer der Landesanstalt arbeiten noch einige Versicherungsgesellschaften im Lande. Es gibt in Tirol wohl nur mehr sehr wenige Hausbesitzer, Landwirte und Gewerbe- treibende, die keine Feuerversicherung besäßen. Leider bestehen aber immer noch be- deutende Unterversicherungen, und die Versicherung der Wohnungseinrichtung ist nicht immer voll durchgedrungen. Einzelne bäuerliche Naturalvereine wirken in gewissen Orten, doch können die Leistungen dieser kleinen Vereinigungen kaum als wirklich schadendeckende Faktoren gewertet werden, sondern nur als eine Ergänzung der Ver- sicherungszahlungen durch nachbarliche Hilfeleistung in Form von Arbeitsschichten und Sachwerten. In letzter Zeit ist trotz der vorbildlichen und opfervollen Bemühungen unserer Feuerwehren ein Ansteigen der Schadensziffern zu beobachten. Dies ist wohl hauptsäch- lich auf die sich immer mehr verbreitende Motorisierung und Elektrifizierung zurück- zuführen, ein Umstand, der immer neue und erhöhte Gefahrenquellen erschließt. Die Brandverhütung wird deshalb sowohl von den Versicherungsanstalten als auch von allen zuständigen Stellen, wie Landesregierung, Gerichts- und Sicherheitsbehörden, Schulen, Innungen der Elektriker und Rauchfangkehrer, und natürlich auch besonders von der Feuerwehr selbst als eine dringliche wirtschaftliche Notwendigkeit betrachtet. Die Einwirkung auf den Menschen im Wege der Aufklärung in Wort, Schrift und Bild, die entsprechend gehandhabte Aufklärung der Jugend über die Gefahren des Feuers, der Elektrizität und explosiver Stoffe wird durch geeignete Maßnahmen gefördert. Den vom Objekt her stammenden Gefahrenquellen wird durch Unterstützung der Feuer- beschau durch geeignete Sachverständige (speziell aus dem Elektrofach) entgegenzuwir- ken versucht. Messungen der Heustocktemperaturen durch Heusonden, Beratungen in feuertechnischer Hinsicht sowie gründliche Untersuchungen der Brandursachen und die Auswertung genauer statistischer Unterlagen sollen dazu beitragen, der Feuerwehr in- sofern vorzuarbeiten, daß bereits der Ausbruch so manchen Schadenfeuers von vorn- herein verhindert wird. Alle diese Bestrebungen, die als wertvolle Ergänzung des Versicherungsschutzes zu gelten haben, finden ihre Zusammenfassung in der Tiroler Landeskommis- sion für Brandverhütung, deren ausübendes Organ die Tiroler Landes- stelle für Brandverhütung darstellt. Der beste Dank, der seitens der Versicherung unseren braven Feuerwehrleuten abgestattet werden kann, ist es, zu erträglichen Prämiensätzen besten Schadenersatz zu leisten und unsere Brandverhütung nach Kräften zu fördern. 60 #61 Wehrmannsgeist Der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck als Festgruß gewidmet Dem Nächsten alles, für sich selbst die Pflicht, die Gott in jedes Menschenherz geschrieben: Den Nächsten sollst Du wie Dich selber lieben! Das ist der Geist, dem Wehrmannstat entspricht. Nur dieser Geist kann sprengen jene Ketten, die Haß und Trug den Völkern angetan. Nur dieser Geist vermag die Welt zu retten aus dummen Stolzes ungerechtem Wahn. Nur dieser Geist das Eis vom Herzen bricht, auf daß es, wieder warm, auch wieder schlage nach seines Schöpfers Takt am Schöpfungstage. Fürwahr, so köstlich reich ist der Gehalt des Wehrmannsgeistes, wie ich ihn gefunden. In diesem Geist kann eine Zeit gesunden, und wär' sie noch so zank- und neidverkrallt. O Jubelwehr! Wieviel in all den Jahren hat Deine Vaterstadt, das ganze Land aus Deinem Geiste Segenstat erfahren, Was mich bewog, ja drängte mit Gewalt, Dir, Jubelwehr, ein feierndes Gedenken aus vollem Herzen dankbarfroh zu schenken in solcher Zeit, die zank- und neidverkrallt Nicht war's der Glanz all Deiner Segenstaten und nicht der nie verblichne stolze Ruhm, erwachsen Dir aus reich gestreuten Saaten in Deiner Vaterstadt und um und um: Der Geist der Wehr, ihr seelischer Gehalt, Das tat mir's an, ich durft' es tief ergründen. Und was ich fand, ich muß es allen künden: Ich aber fand, geformt von Gottes Hand, das Menschenherz, erfüllt von jener Güte, die ihm zu eignen sich der Schöpfer mühte als seiner Menschenliebe Unterpfand. Den Geist des Wehrmanns konnt' ich nun verstehen: Ihm gilt des Herzens göttliches Gebot! Er will im Menschen nur den Menschen sehen, er hilft dem Menschen, dem das Unglück droht. Wie sonst der Nachbar dachte, wo er stand und wer er sei - kein Wehrmann wird erst fragen. Ein Mensch in Not heißt: helfen, Höchstes wagen! Der Wehrmannsgeist hält Herzen schlacke frei und klar den Blick für wahre Menschenwürde. Nie fühlt er,,Du" als unbequeme Bürde, nie beugt das „Ich" ihn seiner Tyrannei. Aus freiem Willen wird die Tat geboren, wenn fremde Not ans Ohr des Wehrmanns dringt. Der Menschenliebe unbedingt verschworen wagt er die Tat, nur weil sie Hilfe bringt. Ob Dank, ob Undank ihm beschieden sei, nicht denkt er dran, ihn jagt ein einzig Sinnen: die Not besiegen, ihren Raub gewinnen! weil sich in Dir der Mensch zum Menschen fand. mich, allen, allen Deinen Geist zu künden: Und solches Wissen drängte mit Gewalt Mög' er in jedem Herzen heilsam zünden! Karl Ongania 62 63 Inhaltsverzeichnis Seite Geleitworte Ehrentafel zum Gedächtnis der gefallenen Feuerwehrkameraden in den beiden Weltkriegen Opfer der Nächstenliebe Chronik Kommandanten der Freiw. Feuerwehr Innsbruck Ehrenmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck 60 Jahre Berufsfeuerwehr Innsbruck Die Freiw. Feuerwehr Innsbruck in der Luftschutzpolizei Die Freiw. Feuerwehren Groß-Innsbrucks seit 1945 Aus der Chronik der Feuerwehrmusik Innsbruck Bekämpfte Großbrände in Innsbruck und Umgebung Feuerlöschgeräte in Innsbruck seit dem Jahre 1600 1 9 10 12 27 27 29 31 37 38 41 49 Der gegenwärtige technische Stand im Feuerwehrwesen 51 Die Feuerwehrschule des Landes Tirol Tirols Vorsorge für den Abbrändler Wehrmannsgeist 55 59 22 62 Photographen: Amos, Bopp, Gratl, Hofer, Ketzler, Kroiß, Müller, Pfannenschwarz, Siebler, Schär, Zech gegründet 1825 Tiroler Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt Direktion: Innsbruck, Wilhelm-Greil-Straße 10, Tel. 4413 das führende heimische Feuerversicherungsinstitut Übernahme sämtlicher Feuerversicherungen, Wohnungsversicherungen (Feuer-, Einbruch-, einfache Diebstahl-, Beraubungs- und Leitungswasser-Schäden in einer Polizze) Einfache Betriebs-Unterbrechungs-Versicherungen Kleine Elementar-Versicherungen Vertretungen in allen Gemeinden Tirols Chem 55 BROWN BOVERI UKW Sprechfunk Ortsfeste und mobile Stationen Frequenzen 30 bis 500 MHz Wechsel- und / oder Gegensprechen Spezialantennen Bedienungseinheiten f. Sonderzwecke VW-Feuerwehr-Kombi als Kleinlöschfahrzeug mit Einachs-Tragkraft- Spritzenanhänger VW-Industriemotor als Antriebsaggregat für Tragkraftspritzen KARL A. DUBSEK INNSBRUCK ID Andreas-Hofer-Straße 19, Tel. 71017 Erzeugung aller Blech-Blasinstrumente, sowie deren Bestandteile. Spezialist für Neueinstimmung und Umbau ganzer Kapellen. Signalhörner. . Spezialanfertigung aller Instrumente nach in- und ausländischen Modellen Eigene Reparaturabteilung Lieferant der Militär- und Blasmusikkapellen Tirols FÜR DIE FEUERWEHR $5.030 W PORSCHE KONSTRUKTIONEN K. G. SALZBURG-WIEN SALZBURG PORSCHEHOF POSTFACH 164 TELEPHON 72581. WIEN I, KÄRNTNERRING 6 TELEPHON 63 36 51 Die erste und älteste Schlauch- weberei Österreichs, das heimi- sche Tiroler Unternehmen M. J. ELSINGER & SÖHNE TELFS empfiehlt sich zum Bezuge der seit jeher bewährten Feuerwehr- Druckschläuche nach österr. Normen. 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