VST_R_I_12_Lentze St. Jakobskirche ================================== VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK Herausgeber: Karl Schadelbauer Nr. 12 Die St. Jakobskirche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichte von Universitätsprofessor Dr. Hans Lentze Urkundenanhang von Dr. Fritz Steinegger INNSBRUCK 1957 IM SELBSTVERLAG DES S T A D T M A G I S T R A T E S Von den VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK sind bereits erschienen: Nr. 1 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 (1. Teil: 1—2000) von Wilhelm Eppacher und Karl Schadelbauer. 1950. Nr. 2 Innsbrucker Urkunden aus dem Stiftsarchiv Wilten (1238—1350) von Karl Schädel- bauer. 1951. Nr. 3 Die Wohltäter der Landeshauptstadt Innsbruck von Wilhelm Eppacher. 1951. Nr. 4 Briefe aus Alt-Innsbruck (1461—1873) von Karl Schadelbauer. 1952. Nr. 5 Innsbrucker Geschichtsblätter (1. Folge) von Karl Schadelbauer. 1952. Nr. 6 Verzeichnis der Urkunden des Stiftsarchives Wilten von 1138—1299 von Karl Schadel­ bauer. 1953. Nr. 7 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 (2. Teil: Nr. 2001—4770). 1953. Nr. 8 Beiträge zur Innsbrucker Kirchengeschichte für Propst Dr. Josef Weingartner. 1954. Nr. 9 Lesebuch aus Innsbrucker Stadtgeschichtsquellen. 1955. Nr. 10 Die gefälschten Urkunden des Bischofs Reginbert von Brixen für das Kloster Wilten von Dr. Fritz Steinegger. 1956. Nr. 11 Innsbrucker Geschichtsblätter (2. Folge). 1956. Druds: Tyrolia Innsbruck msi 57 VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK Herausgeber: Karl Schadelbauer Die St. Jakobskirche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichte Universitätsprofessor Dr. Hans Lentze Urkundenanhang von Dr. Fritz Steinegger INNSBRUCK 1957 IM SELBSTVERLAG DES S T A D T M A G I S T R A T E S / J ie vorliegende Arbeit geht auf einen Wunsch Bürgermeister Dr. Fr. Greiters zu­ rück, die Frage des Patronates der St.-Jakobs-Pfarrkirche einmal gründlich von einem berufenen Fachmann untersuchen und klären zu lassen. Univ.-Prof. Dr. H. Lentze, Ordinarius für Rechtsgeschichte an der Universität Wien und Chorherr des Stiftes Wil- ten, das ja in der Frage der Errichtung der St.-Jakobs-Pfarre durch Jahrhunderte der Gegenspieler der Stadt Innsbruck war, hat es freundlicherweise übernommen, diese Studie auszuarbeiten, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Die Abschriften der einschlägigen Originalurkunden besorgten dankenswerterweise der Brixner Diözesanarchivar Dr. K. Wolfsgruber und der Innsbrucker Landes- wie Wiltener Stiftsarchivar, Dr. Fr. Steinegger. Diese Veröffentlichung sei zugleich eine bescheidene Morgengabe des Stadtarchives an den neuen Propst von St. Jakob, Msgr. Prof. Dr. Heinz Huber, den Sohn eines bedeu­ tenden österreichischen Historikers. DER BÜRGERMEISTER: Dr. Alois Lugger Die St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichte Hans Lentze, Wien Einleitung Unsere großen Kirchen, die wir als Kunstwerke bewundern, haben auch dem Rechts­ historiker etwas zu sagen. Zahlreiche rechtliche Probleme ergeben sich allein daraus, daß der Bau der Kirche finanziert werden mußte, auch erforderte ihre Erhaltung die Aufbringung erheblicher Geldmittel. Der große Rechtshistoriker Ulrich Stutz1 hat mit einer klassischen Abhandlung über das Freiburger Münster das Vorbild für Arbeiten geschaffen, die die rechtlichen Probleme um eine Kirche behandeln. Bei Stadtkirchen muß dabei das Verhältnis der Stadtgemeinde zu der betreffenden Kirche behandelt werden. Das Problem „Stadt­ gemeinde und Kirche“ hat die Forschung immer wieder beschäftigt 2; die großen Linien der Entwicklung sind längst herausgearbeitet worden, es handelt sich jetzt darum, die Ergebnisse der lokalgeschichtlichen Forschung in den großen Rahmen einzuordnen. Bisher sind gerade in Österreich nur wenige Arbeiten über dieses Problem veröffent­ licht worden 3. Das Verhältnis von Stadtgemeinde und Kirche im mittelalterlichen Innsbruck habe ich bereits behandelt4. Für Einzelfragen muß immer wieder im folgenden auf diese Abhandlung verwiesen werden. Die Ergebnisse fügen sich wie ein Steinchen in das große Mosaik des Gesamtbildes der Entwicklung im gesamten deutschen Raum ein. Meiner Arbeit konnte ich keinen Urkundenanhang beigeben. Nun sollen im zweiten Teil dieses Heftes die wichtigsten Urkunden, die die Rechtsverhältnisse der St.-Jakobs- Kirche beleuchten, durch Dr. Fritz Steinegger und Dr. Karl Wolfsgruber veröffentlicht werden. Die Forschung braucht ja die Quellen, um Weiterarbeiten zu können. 1 Das Münster zu Freiburg i .Br. im Lichte rechtsgeschichtlicher Betrachtung, Tübingen und Leipzig 1901. 2 Sdhultze, Stadtgemeinde und Kirche, Festgabe für Rudolph Sohm, München und Leipzig 1914, S. 105 ff.; ders., Stadtgemeinde und Reformation, Recht und Staat in Geschichte und Gegenwart, H. 11, Tübingen 1918; Frölich, Kirche und städtisches Verfassungsleben im Mittelalter, Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Kan. Abt., Bd. 22, 1933, S. 188 ff.; Werming- hoff, Verfassungsgeschichte der deutschen Kirche im Mittelalter, 2. Aufl., Leipzig-Berlin 1913, S. 97 ff.; Feine, Kirchliche Rechtsgeschichte, Bd. I, 3. Aufl., Weimar 1955, S. 366 ff. 3 Vgl. dazu Feine, a. a. O., S. 375 ff. 4 Stadt und Kirche im mittelalterlichen Innsbruck, österr. Archiv für Kirchenrecht, Bd. 4, 1953, S. 212 ff. 3 Die Ausbildung der städtischen Kirchenhoheit in Innsbruck Wer sich über die Rechtsverhältnisse der St.-Jakobs-Kirche klarwerden will, muß zunächst die städtische Kirchenhoheit des Mittelalters verstehen. Ihr Wesen und Wer­ den hat Alfred Schultze5 in einer meisterhaften Skizze beschrieben, die jeder heran­ ziehen wird, der sich in Kürze informieren will. Der Stadtrat, der die Verwaltung der Stadt führte, suchte nach Möglichkeit den Weltklerus in der Stadt von sich abhängig zu machen. Demgemäß suchte der Stadtrat das Patronatsrecht und damit das Präsentationsrecht, das bindende Vorschlagsrecht, für die Pfarramtsstellen zu erwerben, entweder durch eigenen städtischen Kirchenbau oder durch Verhandlungen mit den bisherigen Patronen. Das Mittelalter liebte die Stiftung von Altarpfründen 6, deren Kapläne nur nach der Intention des Stifters die Messe zu zelebrieren hatten, ohne eine Seelsorgstätigkeit auszuüben. Der Rat suchte nun, die Kapläne der Altarpfründen unter seine Aufsicht zu bringen und sich das Recht zur Ernennung der Kapläne zu sichern. Hand in Hand mit diesen Bemühungen ging das Bestreben, auch den Ordensklerus in der Stadt der Kontrolle des Stadtrates zu unter­ werfen. Der Stadtrat erklärte sich als Klostervogt, der auch in disziplinären Fragen die Ordensleute zu beaufsichtigen habe. So wirkte der Stadtrat eifrig bei Klosterreformen mit und wußte sich einen Anteil an der Verwaltung der Klostergüter zu sichern. Durch die Kirchenpfleger verwaltete er die sogenannten Kirchenfabriken, d. h. die Fonds, die dem Unterhalt der Kirchengebäude und der Bestreitung der Bedürfnisse des Kultus dienten. Schließlich übte der Rat auch die Kirchenzucht über die Bürger aus und machte der Geistlichkeit Vorschriften über ihre Amtsführung, die wir heute als be­ fremdend empfinden. Auch Aufgabengebiete, die bisher ausschließlich der Kirche Vor­ behalten waren, zog der Rat in den Bereich seiner Tätigkeit, er suchte das Armen­ wesen zu regeln und die Spitäler zu verbürgerlichen, so daß sie zu städtischen An­ stalten wurden. Neben die geistlichen Schulen traten städtische, für deren Unterhalt der Rat Sorge traf. Innsbruck hatte einen schweren Kampf zu führen, ehe es die Kirchenhoheit erringen konnte. Bei der Verlegung des Marktes auf das rechte Ufer des Inn im Jahre 1180 wurde Innsbruck nicht mit einer eigenen Pfarrei ausgestattet, sondern im Verbände der Pfarre Wilten belassen. Die Verlegung erfolgte auf Grund eines Vertrages, den Graf Berthold von Andechs mit dem Stifte Wilten schloß, dem der Grund auf dem rechten Innufer gehörte. So mußte der Graf dem Stifte große Zugeständnisse machen. Besonderen Wert legte das Stift darauf, daß ihm die Kirche des Marktes überlassen wurde. Wahrscheinlich wurde sie damals gebaut und dem heiligen Jakobus geweiht. Berthold von Andechs stattete sie dazu mit einer halben Hufe aus. Der Gründer der Marktkirche verzichtete also trotz der Ausstattung mit Grundbesitz, einer dos, auf die Abtrennung der Marktgemeinde von dem Verbände der alten großen Pfarre Wilten und auf jegliche Ansprüche auf die Kirche. Die St.-Jakobs-Kirche von Innsbruck blieb vorläufig eine einfache Filiale von Wilten, die vom Stifte aus versorgt wurde. Innerhalb des Pfarrsprengels galt der Pfarrzwang, der damals weithin als eine nutzbare 5 Stadtgemeinde und Reformation, S. 9 ff. 6 Uber die Altarpfründen siehe Lentze, Die Rechtsform der Altarpfründen im mittelalter­ lichen Wien, Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Kan. Abt., Bd. 37, 1951, S. 221 ff.; Frölich, Die Rechtsformen der mittelalterlichen Altarpfründen, Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Kan. Abt., Bd. 20, 1931, S. 457 ff. 4 Gerechtigkeit nach Art der mittelalterlichen Zwangs- und Bannrechte aufgefaßt wurde. Die Gläubigen der Pfarrei konnten nur in der Pfarrkirche die Osterkommunion emp­ fangen und nur hier ihrer Sonntagspflicht durch Besuch des sonntäglichen Pfarrgottes- dienstes nachkommen. Die Taufe durfte nur in der Pfarrkirche gespendet werden, wie auch das Begräbnis der Pfarrangehörigen auf dem Friedhof der Pfarrkirche stattfinden mußte. Als Inhaber der Pfarre Wilten, die es durch einen Konventualen besorgen ließ, bezog Stift Wilten die Stolgebühren der Innsbrucker, die dem Pfarrzwang unterworfen waren, und den Zehent; als Eigentümer der St.-Jakobs-Kirche im Markte Innsbruck beanspruchte Stift Wilten auch alle Opfer, die dort gespendet wurden. Der feierliche Pfarrgottesdienst, zu dessen Besuch die Pfarrangehörigen verpflichtet waren, fand im 12. und 13. Jahrhundert nur in der Pfarrkirche Wilten statt, in der St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck wurden nur Messen an Werktagen und zu besonderen Festen gelesen. Quellenmäßig läßt sich für diese Zeit über die Besorgung der Sankt- Jakobs-Kirche nichts sagen 7. In Tirol, wie überhaupt in Süddeutschland, beließ man in der Regel die neuge­ gründete Stadt im Verbände der Landpfarrei, in deren Gebiet die Stadt entstand8, so daß also Innsbruck keinen Ausnahmefall bildet. Mußte sich doch sogar Nürnberg kirchlich von der Mutterpfarre Poppenreuth lösen9. Hanau 10, Buchhorn (Friedrichs­ hafen) 11 und Stadtschwarzach12 bieten uns Beispiele, wie sich eine mittelalterliche Kleinstadt ihre Stadtpfarrkirche gegenüber der ländlichen Mutterpfarre zu erringen wußte. Buchhorn und Stadtschwarzach hatten genauso wie Innsbruck ein Kloster als Inhaber der Mutterpfarre als Gegenspieler. Stadtschwarzach gehörte zur Klosterpfarrei Münsterschwarzach, Buchhorn mußte sich gegen das mächtige Kloster Weingarten als Inhaber der Propstei von Hofen-Buchhorn durchsetzen. Mit Zähigkeit hat die Stadtgemeinde Innsbruck in einem jahrhundertelangen Ringen ihr Ziel erreicht, die Erhebung der St.-Jakobs-Kirche zu einer mit Weltpriestern ver­ sehenen Pfarrkirche. Der Gegensatz zum Stifte Wilten wurde noch dadurch verschärft, daß die Stadt Innsbruck mancherlei Konflikte mit dem Stifte als Grundherrschaft hatte. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts machte die Stadt den Versuch, für St. Jakob die Anstellung eines eigenen, dort wohnenden Priesters zu erreichen. Den dadurch ent­ standenen Streit zwischen dem Stifte und der Stadt entschied Bischof Bruno von Kirch- berg von Brixen auf einem Rechtstage zu Säben am 6. Februar 1261, wobei er die Innsbrucker mit ihrer Klage abwies13. Wahrscheinlich dürften bei dieser Gelegenheit im Stifte die gefälschten Urkunden des Bischofs Reginbert von Brixen angefertigt wor­ den sein, um die Rechte des Stiftes zu beweisen 14. 7 Lentze, Stadt und Kirche, S. 213 ff.; Sterner-Rainer, Erläuterungen zum historischen Atlas der deutschen Alpenländer II/5, Wien 1954, S. 83 f., leider mit falschen Angaben. 8 Lentze, Stadt und Kirche, S. 213. 9 Reicke, Stadtgemeinde und Stadtpfarrkirchen der Reichsstadt Nürnberg im 14. Jahrhun­ dert, Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd. 26, 1926, S. 8 ff. 10 Heck, Das Kirchenwesen der Stadt Hanau im Mittelalter, Zeitschrift des Vereines für hessische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 46, 1912, S. 7 ff. 11 Baur, Geschichte des kirchlichen Pfründewesens in der Reichsstadt Buchhorn, Freiburger Diözesan-Archiv, N.F., Bd. 26, 1925, S. 180 ff. 12 Merzbacher, Die spätmittelalterliche Pfarrei Stadtschwarzach, Würzburger Diözesan- geschichtsblätter, Bd. 13, 1951, S. 82 ff. 13 Lentze, Stadt und Kirche, S. 216 f. 14 Steinegger, Die gefälschten Urkunden des Bischofs Reginbert von Brixen für das Kloster Wilten, Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck, H. 10, 1956, S. 20 f. Das Stift mußte aber doch bald den Wünschen der Innsbrucker entgegenkommen. Im Jahre 1286 ist ein eigener Vikar bei der St.-Jakobs-Pfarrkirche nachweisbar, den der Abt nach einem damals häufigen Brauche anstellte, ohne daß dabei eine bischöfliche Bestätigung notwendig gewesen wäre. Dieser Vikar scheint schon damals in der Regel ein Weltpriester gewesen zu sein. Das Stift stellte dem Vikar auch ein Haus als Woh­ nung zur Verfügung, das im Eigentum des Stiftes verblieb. Von seinen Pfarrechten opferte das Stift dabei nichts, der Vikar blieb ein einfacher Benefiziat; es war jetzt aber für die Stadt Innsbruck wenigstens die tägliche Messe, die zur Lebensordnung des mit­ telalterlichen Städters gehörte, gesichert15. Am Anfang des 14. Jahrhunderts kam es zwischen dem Stifte und der Stadt wegen des Stadtspitals zu einem schweren Konflikte 16. 1320 erschien der Brixner Domdekan Giselbert, um als delegierter päpstlicher Richter den Streit in Innsbruck zu entscheiden. Er sah jedoch von einer Entscheidung ab und begnügte sich damit, einen Schiedsvertrag zwischen beiden Parteien zu vermitteln. Am 19. Dezember 1320 übertrugen die Parteien die Entscheidung einer Kommission, die aus Priestern und Laien bestand; sie fällte ihren Spruch am 20. Dezember 1320 17. Auch dieser Schiedsspruch brachte noch keine endgültige Lösung, die erst das Eingreifen des Landesfürsten, König Heinrichs, im Jahre 1328 brachte. Er ernannte eine Kommission von 6 Mitgliedern, 3 Geistlichen und 3 Laien, mit der er den Streitfall durch einen Spruch vom 4. Juni 1328 18 entschied. Stift Wüten behauptete die Spitalsseelsorge, der Abt erhielt das Recht, einen beliebigen Konventua- len des Stiftes nach seinem Ermessen zum Spitalskaplan zu bestellen. Dagegen mußte das Stift die Verwaltung des Spitals der Stadt überlassen, sie wurde durch einen Spitals­ pfleger geführt. Der Rat hatte dem Abte von Wilten einen Dreiervorschlag vorzulegen, aus dem dieser einen der Vorgeschlagenen auszuwählen hatte. Der Spitalspfleger hatte alljährlich vor dem Abte und dem Rate über seine Amtsführung Rechenschaft abzu­ legen. Eingehend wurde das Begräbnisrecht im Spital geregelt. Das zu Anfang des 14. Jahrhunderts errichtete Leprosenhaus für die Aussätzigen stand stets unter städtischer Verwaltung, es wird in den Konflikten zwischen Stadt und Stift nie als Streitgegenstand genannt19. Am Anfang des 14. Jahrhunderts errichtete die Stadt eine Stadtschule. Stift Wilten setzte dem keinen Widerstand entgegen, während es in anderen Städten anläßlich der Errichtung städtischer Schulen zu heftigen Kämpfen mit der Kirche kam. Die Schüler der Stadtschule bildeten den Gesangschor beim feierlichen Gottesdienst in der Sankt- Jakobs-Kirche, die Kantorei; der Schulmeister fungierte als Kantor. Erst jetzt konnte sich ein reicheres liturgisches Leben in St. Jakob entfalten 20. Friedhöfe entstanden bei der St.-Jakobs-Kirche21 und beim Spital22. Letzterer muß eine besondere Bedeutung gehabt haben, da Stift Wilten seine Rechte hier nachdrücklich zu sichern wußte. Unter dem energischen Abte Conrad IV. Speiser von Friedberg (1338—1368 oder 1369) kam es zu einem Konflikt zwischen der Stadt Innsbruck und dem Stifte, der im 15 Lentze, Stadt und Kirche, S. 217 f. 16 Lentze, Stadt und Kirche, S. 218 ft. 17 Abgedruckt unten S. 19—22. 18 Abgedruckt unten S. 22—24. 19 Lentze, Stadt und Kirche, S. 232 f. 20 Lentze, Stadt und Kirche, S. 239 ft. 21 Lentze, Stadt und Kirche, S. 241. 22 Lentze, Stadt und Kirche, S. 223 ft. 6 Jahre 1357 seinen Höhepunkt erreichte23. Einer der Streitpunkte war die Beeinträch­ tigung der pfarrlichen Rechte Wiltens durch die St.-Jakobs-Kirche. In St. Jakob war auch an Feiertagen und Sonntagen feierlicher Gottesdienst gehalten worden, auch scheint der Vikar zu St. Jakob die Osterkommunion gespendet zu haben. Das wider­ sprach dem damaligen kanonischen Rechte, das noch den Pfarrzwang in seiner vollen Stärke bewahrt hatte. Wiederum griff der Landesfürst, Ludwig der Brandenburger, ein, auf dessen Initia­ tive hin eine Kommission von Schiedsleuten eingesetzt wurde, die ihren Schiedsspruch am 16. März 1358 fällte24. Für die Stadt Innsbruck war es ein großer Erfolg, daß die Kommission dem Vikar von St. Jakob das Recht zuerkannte, an Sonn- und Feier­ tagen feierlichen Gottesdienst mit Predigt zu halten. Der Pfarrkirche zu Wüten blieb dagegen das Recht gewahrt, daß die Innsbrucker die österliche Pflichtkommunion nur dort empfangen durften. Nur alte Leute, Kranke und schwangere Frauen durften die Pflichtkommunion in St. Jakob empfangen. Die Osterbeichte konnten die Innsbrucker dagegen in St. Jakob ablegen. Der Wiltener Abt sandte zwei seiner Konventualen in der Fastenzeit nach St. Jakob zum Beichthören; dafür fiel das Beichtopfer an das Stift. Gewahrt blieb der Pfarre Wilten auch das Tauf recht, das damals Innsbruck noch nicht für St. Jakob in Anspruch nahm. Genau wird die Bestellung des Vikars von St. Jakob geregelt, der bereits nach dem mittelalterlichen Sprachgebrauch als Pfarrer bezeichnet wird. Das Recht der alljähr­ lichen Neubestellung verblieb dem Abte von Wilten, der einen Weltpriester zum Vikar ernennen mußte. Er sollte auch der Stadt genehm sein, was auf ein gewisses Mitsprache­ recht des Rates hindeutet. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatte die Stadt jedenfalls ein Präsentationsrecht; allerdings konnte der Abt von Wilten ohne Begrün­ dung die Bestätigung des Präsentierten verweigern und einen neuen Vorschlag ein­ fordern. Die finanziellen Leistungen der St.-Jakobs-Kirche und die nach Wilten abzuführen­ den Opfer werden im einzelnen festgesetzt. Im wesentlichen blieben die Bestimmungen des Schiedsspruchs von 1358 ungefähr ein Jahrhundert lang bis 1453 in Geltung, er war also eine für beide Teile tragbare Lösung. In der Stille arbeitete der Rat weiter an der Ausgestaltung der Seelsorge an St. Jakob, unterstützt von der Innsbrucker Bürgerschaft. 1402 errichtete eine Innsbrucker Bür­ gerin eine Stiftung, durch die die tägliche feierliche Vesper in der St.-Jakobs-Kirche dotiert wurde. Damit war ein weiterer Schritt zur Ausgestaltung eines feierlichen litur­ gischen Lebens in St. Jakob getan, denn bisher war die Vesper nicht täglich gesungen worden25. Für das 15. Jahrhundert ist auch ein Gesellpriester, ein Kooperator, des Vikars von St. Jakob bezeugt26. Ein Problem, das in diesem Zeitraum immer mehr in den Vordergrund trat, war der Kampf um die klösterlichen Messenstiftungen in St. Jakob. Stift Wilten hielt daran fest, daß in St. Jakob keine eigentlichen Altarpfründen mit einem Weltpriester-Bene- fiziaten gestiftet werden durften. Es ließ nur klösterliche Messenstiftungen zu, jeden Tag gingen mehrere Wiltener Konventualen vom Stifte zur St.-Jakobs-Kirche, um die 23 Lentze, Stadt und Kirche, S. 250 ff. 24 Abgedruckt unten S. 24—27. 25 Lentze, Stadt und Kirche, S. 259. 26 Lentze, Stadt und Kirche, S. 256. 7 Stiftungsmessen zu lesen. Am Ende des 14. Jahrhunderts machte die Stadt den Ver­ such, die Stiftung einer richtigen Altarpfründe mit einem Weltpriester-Benefiziaten durchzusetzen. Es kam zu einem Rechtsstreit mit dem Stifte, der durch die "Wiener Universität zuungunsten der Stadt entschieden wurde, so daß die Stadt das Stiftungsgut 1396 dem Stifte ausliefern und mit ihm einen Vertrag über die Errichtung einer klö­ sterlichen Messenstiftung der bisherigen Art schließen mußte 27. Die ersten Altarpfrün­ den mit Weltpriester-Benefiziaten wurden 1414 von der U.-L.-Frauen-Bruderschaft ge­ stiftet, wie überhaupt die Bruderschaften im kirchlichen Leben Innsbrucks immer mehr hervortraten 28. Um das Jahr 1430 begann ein Konflikt um die klösterlichen Messenstiftungen zu der St.-Jakobs-Kirche. Stift Wilten konnte wegen der zu geringen Zahl der Stiftsprie­ ster nicht mehr die Zelebranten für die Stiftsmessen in der St.-Jakobs-Kirche aufbrin­ gen. Der Rat erkannte die Chance, die Stiftungsfrage zum Anlaß zu nehmen, um das ganze Verhältnis zwischen Stadt und Kirche auf neuen Grundlagen zu ordnen 29. Mitt­ lerweile hatte sich allenthalben in Tirol die Struktur der alten Großpfarreien grund­ legend geändert; es bildeten sich die sogenannten Kuratien heraus, die sich in der Bri- xener Diözese bis zum Jahre 1891 erhalten haben30. Der Benefiziat einer Filialkirche erhielt dabei die pfarrlichen Rechte, ohne daß die Erhebung zur Pfarre erfolgt wäre, der Benefiziat der Filialkirche wurde damit zum Kuraten (capellanus curatus), der die Seelsorge (cura) erhielt. Der Innsbrucker Rat strebte nun die Erhebung der St.-Jakobs- Kirche zur Kuratie an. Die Entscheidung im Messenstreit brachte das Eingreifen des Kardinals Nikolaus von Cues, der damals Bischof von Brixen war. Er wollte Wilten zu einem Reformzentrum für die süddeutschen Prämonstratenserklöster ausgestalten. Die Voraussetzung der Reform war aber eine Befreiung des Stiftes von den untragbaren Lasten, die ihm die Zelebration der Stiftmessen an der St.-Jakobs-Kirche auf erlegte. Der Landesfürst, Her­ zog Sigismund der Münzreiche, bewog jetzt die beiden Parteien, sich dem Schiedsspruch einer von ihm bestellten Kommission zu unterwerfen. Am 7. Jänner 1453 fällte die Kommission ihren Spruch31, der am 13. August 1453 von Nikolaus von Cues bestätigt wurde. Eingehend wurde die Frage der Messenstiftungen geregelt, wobei man die finanziellen Interessen des Stiftes zu schonen juchte. Die klösterlichen Messenstiftungen wurden liquidiert, die Stadt errichtete hier Lohnpriesterstellen, deren Kapläne vom Kirchpropst mit "Willen des Rates bestellt wurden. Sie wurden vom Kirchpropst besoldet und hat­ ten Wohnung und Kost im "Widum bei St. Jakob. Nach dem Schiedsspruch von 1453 stand der Stiftung von eigentlichen Altarpfründen nichts mehr im Wege, in der zwei­ 27 Lentze, Stadt und Kirche, S. 250, 258 f.; ders., Die klösterlichen Messenstiftungen an der St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck, Tiroler Heimat, Bd. 15, 1951, S. 31 ff.; Schadelbauer, Beiträge zur Geschichte der St.-Jakobs-Pfarre in Innsbruck, Veröffentlichungen des Museums Ferdinan­ deum in Innsbruck, Bd. 6, 1927, S. 270 f., 278. 28 Lentze, Stadt und Kirche, S. 241 ff.; Steinegger, Die Anfänge der Mariä-Himmelfahrts- Bruderschaft (vnnser lieben Frawen große Bruderschaft) zu St. Jakob in Innsbruck und ihr ältestes Bruderschaftsbuch, Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck, H. 8, 1954, S. 16 ff. 29 Lentze, Stadt und Kirche, S. 259 ff. 30 Mayer, Pfarrei, Vikariat, Kuratie, Kaplanei — rechtlich und geschichtlich, Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer II/5, Wien 1954, S. 14 ff. 31 Abgedruckt unten S. 27—31. 8 ten Hälfte des 15. und in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts wurden auch mehrere Benefizien gestiftet32, deren Kapläne aber keine Seelsorge ausübten. Im Schiedsspruch von 1453 wurde der St.-Jakobs-Kirche das Recht verliehen, daß hier die Taufe gespendet und die Taufwasserweihe gehalten werden konnte. Die Geist­ lichkeit von St. Jakob sollte ferner das Recht haben, die Beichten der Innsbrucker zu hören; damit war auch das Recht des Stiftes gefallen, in der Fastenzeit zwei Konven- tualen zum Beichthören nach St. Jakob zu senden. Nun fiel endlich die Bestimmung, daß die Innsbrucker die pflichtmäßige Osterkommunion in der Wiltener Pfarrkirche empfangen mußten, die Osterkommunion durfte in St. Jakob gespendet werden. Allerdings blieb es für die Innsbrucker erlaubt, die Osterkommunion in der Pfarr­ kirche Wüten zu empfangen, wodurch der Mutterkirche ihre Stellung gewahrt wurde. Damit war es zur Ausbildung einer Kuratie gekommen, der Vikar zu St. Jakob erhielt die Rechte eines Pfarrers, er wurde zum Kuraten. Die Stellung des Kuraten wurde dahin geregelt, daß er, wie bisher, alljährlich neu bestellt werden sollte. Dabei sollte er vom Rate der Stadt bestimmt und dem Abte von Wilten präsentiert werden. Es bildete sich die Praxis aus, daß der Abt von Wilten den Präsentierten ohne Widerrede bestätigte. Um das Einkommen des Kuraten zu erhöhen, sollten die bisher vom Stifte beanspruchten Opfer gegen eine Ablösungs­ summe an den Kuraten fallen. Ausdrücklich wurde im Schiedsspruch anerkannt, daß, wie bisher, an das Stift Wilten der Rekognitionszins von 30 Pfund, der Dukaten zu Weihnachten, die 6 Pfund Aderlaßgeld und die Patzeide Wein zu Allerseelen zu leisten seien. Die Rechtslage des Spitals wurde in einschneidender Weise neu geregelt. Stift Wilten mußte auf das Benefizium der Spitalskaplanei verzichten. Der Stadt wurde das Recht übertragen, die Spitalskaplanei mit einem Weltpriester zu besetzen, dem die Cura animarum vom Kuraten zu St. Jakob übertragen werden sollte. Auch mußte das Stift auf alle Seelgeräts- und Jahrtagsstiftungen im Spital verzichten, auch auf alle Opfer in der Spitalskirche und auf die kanonische Quart bei den Vermächtnissen an das Spital. Der Spitalspfleger sollte vom Rate allein ernannt werden, dem Abte von Wilten verblieb nur das Recht, an der alljährlichen Rechnungslegung des Spitalspflegers teil­ zunehmen. Von einer Umschreibung des Sprengels von St. Jakob sah man damals ab, da man es als selbstverständlich ansah, daß seine Grenzen mit denen des Stadtgebietes identisch waren. Im Vollbewußtsein seiner Autorität erließ nun der Innsbrucker Rat im Jahre 1454 eine Pfarrordnung, in der die Rechtsstellung des Kuraten, sein Einkommen und seine Verpflichtungen genau bestimmt werden 33. Mit dieser Pfarrordnung hat der Prozeß der Verbürgerlichung seinen Höhepunkt erreicht. Der Rat regelte alle kirchlichen Angelegenheiten bis zur Gestaltung des Sonntagsgottesdienstes. Der Kurat war nur ein willenloses Werkzeug des Rates, da er gewärtigen mußte, daß sich der Rat für den nächsten Lichtmeßtag einen gefügigeren Kuraten suchte. Damit war die Stadt Inns­ bruck zufriedengestellt, von da an herrschte zwischen der Stadt und dem Stifte Wilten ein gutes Verhältnis. Innsbruck blieb im Mittelalter eine Stadt ohne Klöster, eifersüchtig wachte Stift Wilten darüber, daß sich in Innsbruck keine Orden ansiedelten, wie es sich auch gegen die Errichtung von Kapellen im Stadtgebiet wehrte. So konnte der Innsbrucker Rat 32 Lentze, Die klösterlichen Messenstiftungen, S. 42 f. 33 Abgedruckt: Schadelbauer, Beiträge, S. 282 ff. 9 keine Klosterhoheit ausbilden. Erst in der Zeit der katholischen Reform im 16. Jahr­ hundert kam es bei der damaligen Welle von Klostergründungen zur Errichtung mehrerer Klöster 34. In den mittelalterlichen Städten wurden die Kirchen für Gerichtssitzungen und Versammlungen der Bürgerschaft in Anspruch genommen. Die Innsbrucker Urkunden müssen noch daraufhin untersucht werden, inwieweit das bei St. Jakob der Fall war. Der Schiedsspruch vom 20. Dezember 1320 ist jedenfalls in der St.-Jakobs-Kirche ge­ fällt worden 35. Auch fanden die Zusammenkünfte der U.-L.-Frauen-Bruderschaft in der St.-Jakobs-Kirche statt36. Die St.-Jakobs-Kirche in der Neuzeit So reich die Literatur über die Ausbildung der Kirchenhoheit des Rates in den deutschen Städten des Mittelalters ist, so dürftig ist sie über den Ausklang der Ent­ wicklung in den katholisch gebliebenen Städten. Die meisten Arbeiten behandeln die mittelalterliche Entwicklung als Vorstufe der Kirchenhoheit in der evangelischen Stadt 37. Nur für Andernach haben wir eine interessante Studie, die die Kirchenhoheit des Rates in einer katholisch gebliebenen Stadt bis zum Ende des 18. Jahrhunderts be­ handelt 38. Auch für Innsbruck muß das Verhältnis von Stadt und Kirche seit dem Ausgang des Mittelalters noch methodisch untersucht werden, es ist eines der wich­ tigsten Probleme der Innsbrucker Stadtgeschichtsforschung, die noch der Behandlung harren. So kann hier die Entwicklung in der Neuzeit nur kurz skizziert werden. Die Lösung von 1453, die dem Rate die volle Kirchenhoheit gab und den Kuraten in eine unwürdige Abhängigkeit vom Rate brachte, entsprach nicht den Prinzipien des kanonischen Rechtes. Erst in der Zeit der katholischen Reform im 16. Jahrhundert wurde man sich dieser Mißstände bewußt. Der Brixener Generalvikar Otto Fliero- nymus Agricola (Bauer), der von 1601 bis 1620 als Generalvikar amtierte, kannte als gebürtiger Innsbrucker die mit der bisherigen Übung verbundenen Mißstände und suchte darum Abhilfe zu schaffen. Insbesondere drang er darauf, daß der Kurat auf Lebenszeit eingesetzt und nicht mehr alljährlich bestätigt werde. Auch verlangte er, daß der Diözesanbischof auf die Besetzung dieses wichtigen Seelsorgepostens Einfluß nehmen müsse. Es entspann sich nun ein jahrzehntelanger Rechtsstreit, der erst 1643 durch die Erhebung von St. Jakob zur Pfarrei beendigt wurde 39. Der Streit begann im Jahre 1603, als Agricola an den Innsbrucker Stadtrat schrieb, daß er die städtischen Benefiziaten erst dann anstellen dürfe, wenn sie in Brixen ge­ prüft und für tauglich befunden würden. Da der Stadtrat nicht gewillt war, vom bis­ herigen Anstellungsmodus abzugehen, verbot der Generalvikar dem Kuraten und 34 Lentze, Stadt und Kirche, S. 221 f. 35 Stadtarchiv Innsbruck Nr. 28, unten S. 20—22. 36 Steinegger, Die Anfänge der Mariä-Himmelfahrts-Bruderschaft, S. 19. 37 Als typisches Beispiel sei genannt: Schoeffel, Die Kirchenhoheit der Reichsstadt Schwein- furt, Quellen und Forschungen zur bayerischen Kirchengeschichte, Bd. 3, 1918. 38 Schwab, Die Pfarre Andernach in rechtsgeschichtlicher Entwicklung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Diss. iur. Köln, 1931, S. 85 ff. 39 Weingartner, Die Pfarrei und die Pfarrkirche von St. Jakob, Innsbruck 1924, S. 16 ff.; Tinkhauser-Rapp, Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diözese Brixen, Bd. II, Brixen 1879, S. 92 ff. 10 dem Benefiziaten, beim Stadtrat um die alljährliche Neubestellung einzukommen. Von nun an erschienen Kurat und Benefiziaten nicht mehr persönlich vor dem Stadtrat, sondern suchten schriftlich um Wiederbestellung an. Im Jahre 1614 trug Agricola dem Magistrat und im nächsten Jahre auch dem Abte von Wilten auf, den damaligen Kuraten Marksteiner nicht mehr weiter zu präsentieren und zu bestätigen. Obwohl der Stadtrat und der Abt von Wilten dieser Forderung entsprechen wollten, benützte Agricola den Anlaß, um auch die prinzipielle Seite der Frage aufzurollen. Er forderte, daß die jährliche Neubestellung des Kuraten in Zukunft überhaupt wegfallen solle. Dem neuernannten Kuraten verbot Agricola, um die jährliche Bestätigung irgendwie nachzusuchen. Nun bestand auch Stift Wilten auf seinem Rechte, so daß von nun an der Rechtsstreit im wesentlichen zwischen dem Stifte Wilten und dem Brixner Ordi­ nariat geführt wurde, während die Stellung des Innsbrucker Stadtrates schwankend war. Das Konsistorium in Brixen entschied im Jahre 1619, der Kurat solle, wie bisher, vom Stadtrat gewählt und hierauf vom Abte von Wilten zur Prüfung nach Brixen geschickt, dann aber ein für allemal eingesetzt werden. Der Wiltener Abt gab nicht nach, ja er unterschrieb sich sogar gelegentlich als „Abt und Pfarrer zu Innsbruck“, um seine Rechte auf die St.-Jakobs-Kirche zu betonen. Wilten dachte sogar wiederholt daran, einen eigenen Konventualen als Kuraten von Innsbruck einzusetzen. Das fb. Consistorium zu Brixen erließ am 30. Jänner 163 1 39a einen förmlichen Rechts­ spruch, St. Jakob zu Innsbruck sei eine selbständige Pfarrei und der Pfarrer sei auf Lebenszeit zu bestellen. Daraufhin appellierte Wilten an das erzbischöfliche Gericht in Salzburg, das. nach zehn Jahren, am 11. Dezember 1641 39b, den Spruch des Brixner Ordi­ nariats verwarf und entschied, Innsbruck sei bisher keine selbständige Pfarrei gewesen und die jahrweise Anstellung des Kuraten bestehe zu Recht, es bleibe aber nach dem Tridentinum dem Bischof unbenommen, St. Jakob für die Zukunft zur selbständigen Pfarrei zu erheben. Beide Parteien nahmen den für sie günstigen Teil des Urteils an, appellierten aber im übrigen an Rom. Brixen verfolgte jedoch diese Appellation nicht weiter, sondern zog es vor, den von Salzburg angedeuteten Weg zu beschreiten. An­ läßlich einer Visitation erklärte Weihbischof Jesse Perkhofer von Brixen St. Jakob als eine eigene, dem Stifte Wilten zwar inkorporierte, aber sonst von ihm nicht ab­ hängige Pfarrei und den Pfarrer als vicarius perpetuus. Der Pfarrer müsse vom Inns­ brucker Stadtrat gewählt, vom Prälaten von Wilten dem Bischof von Brixen präsen­ tiert und dann vom Bischof ein für allemal eingesetzt werden. Über die Pfarrerhebung wurde ein Dekret vom 7. Mai 1643 ausgefertigt40. Der Innsbrucker Rat war damit einverstanden, Stift Wilten legte Protest ein, hat sich aber doch damit abgefunden. Dieses Dekret ist heute noch in Rechtskraft. Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der katholischen Reform, wurde die Kirchenhoheit des Rates durch die Regierung eingeschränkt, die den Rat zu Maßnahmen zum Schutze des katholischen Glaubens veranlaßte. Der Rat übte an sich auch weiterhin die Kirchenhoheit und die Kirchenzucht aus, so mußten bei der Mittwoch- und Freitag­ prozession auf wiederholten Befehl des Rates von jedem Hause ein oder zwei Personen teilnehmen. Eine Innsbrucker Kirchenordnung von cirka 1586 zeigt, wie nachdrücklich der Rat seine Kirchenhoheit ausübte und für Ordnung in der Sakristei und auf dem Chore sorgte41. Zur Fürsorge der Regierung kam um die Wende vom 16. zum 39a Abgedruckt unten S. 31—33. 30b Abgedruckt unten S. 33. 40 Abgedruckt unten S. 33—35. 41 Abgedruckt bei Franz Graß, Pfarrei und Gemeinde im Spiegel der Weistümer Tirols, Innsbruck o. J. (1950), S. 182 f. 11 17. Jahrhundert endlich auch eine erhöhte Reformtätigkeit der geistlichen Diözesan- behörde, so daß zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Sieg der katholischen Reform entschieden war. Wie weit in dieser Zeit des Staatskirchentums die Sorge der Regierung um rein kirchliche Dinge ging, läßt sich daraus ersehen, daß im Jahre 1608 die Re­ gierung vom Magistrate größere Feierlichkeit bei Versehgängen und eine weitere Aus­ gestaltung der zu Ehren des Allerheiligsten gehaltenen Pfinstagsämter am Donnerstag wünschte und Bericht über die bisher üblichen Zeremonien forderte 42. In der späteren Zeit Maria Theresias und vor allem unter Joseph II. *stellte sich die Staatsgewalt nicht mehr in den Dienst der Barockfrömmigkeit, sie war von der Auf­ klärung her bestimmt. Die Reformen Josephs II. gewannen auch für die St.-Jakobs- Kirche Bedeutung durch die Aufhebung der Bruderschaften und die Umwandlung von Benefizio-n ohne Seelsorge in Kooperatur-Benefizien. Im Jahre 1786 wurde die Zahl der Kooperatoren auf sechs festgesetzt, während es früher nur einen Kooperator gab 43. Die Größe der Pfarrei St. Jakob, bei der Stadtgemeinde und Pfarrgemeinde territorial im wesentlichen stets zusammenfielen, bedingte bei den Grundsätzen der josephinischen Pfarregulierung eine Teilung der Pfarrei. Die Schwierigkeit der Teilung des Pfarrgebietes war aber dadurch gegeben, daß Innsbruck noch eine Einheit bildete. Im Jahre 1785 wurden zwei Lokalkaplaneien zu St. Nikolaus und Mariahilf unter Verwendung bereits vorhandener Kirchen und Benefizien von St. Jakob völlig abge­ trennt und in Dreiheiligen und in St. Johannes am Innrain zwei förmliche Exposituren errichtet. Dazu wurde eine neue Pfarrei in der heutigen Jesuitenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit geschaffen. Zwei Jahre später, im Jahre 1787, wurde statt der Drei­ faltigkeitskirche die Servitenkirche St. Josef als zweite Pfarrkirche für Innsbruck be­ stimmt. Der zweiten Stadtpfarre war auch in ihrer neuen Form keine lange Dauer beschieden, die Aufspaltung in zwei Pfarreien war damals noch nicht gerechtfertigt, weil Innsbruck noch eine Einheit bildete. Im Jahre 1796 wurde die St.-Josefs-Pfarre aufgelöst und ihr Gebiet wieder der Pfarre St. Jakob einverleibt. St. Josef wurde zu einer einfachen Expositur herabgedrückt44. Mit dem Ende des Staatskirchentums seit der großen Wende im Jahre 1848 war auch das Ende der Kirchenhoheit des Magistrats und der Regierung gegeben45. Die Kirche konnte in Freiheit ihre eigenen Angelegenheiten regeln. Das stürmische Wachstum Innsbrucks machte im 20. Jahrhundert eine Pfarregulie­ rung nötig, die zur Verkleinerung des Sprengels der St.-Jakobs-Pfarre führte. Im Jahre 1929 wurde die Expositur Dreiheiligen gänzlich von der St.-Jakobs-Pfarre abge­ trennt und zur Pfarrei erhoben. Innsbruck-Saggen wurde im Jahre 1940 als Pfarr- vikariat von St. Jakob abgezweigt und mit 1. Jänner 1949 zur Pfarre erhoben. An der Kirche des Servitenklosters St. Josef wurde ein eigenes Pfarrvikariat am 1. Oktober 1947 errichtet, an der Kirche des Redemptoristenklosters zum heiligsten Herzen Jesu ein eigenes Pfarrvikariat am 26. September 1950. Der Wandel der staatskirchlichen Systeme zeigt sich deutlich darin, daß die josephinische Pfarregulierung durch Hof­ dekrete durchgeführt wurde, die Pfarregulierung seit 1940 durch Dekrete des Ordi­ nariates. 42 Weingartner, a. a. O., S. 26 ft. 43 Tinkhauser-Rapp, a. a. O., S. 97 f., 108 ft. 44 Fridolin Dörrer, Zur ersten Teilung Innsbrucks (M. Perathoners Stadtplan), Der Schiern, Bd. 29, 1955, S. 130 ft. 45 Hellbling, österreichische Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, Wien 1956, S. 371 f. 12 Seit dem 15. Jahrhundert tauchte immer wieder der Plan auf, ein Kollegiatstift, eine Propstei, an der St.-Jakobs-Kirche zu errichten. Im 19. Jahrhundert machte man wieder den Versuch zur Errichtung eines Kollegiatstiftes, der aber erfolglos blieb. Ohne daß es zur Errichtung eines Kollegiatstiftes gekommen wäre, wurde wenigstens eine Rangerhöhung des Stadtpfarrers von St. Jakob durchgeführt. Im Jahre 1904 wurde die Haupt-Stadtpfarrkirche St. Jakob zur Propstei erhoben, deren Inhaber die Würde eines infulierten Protonotarius apostolicus bekleidet 45a. Im Laufe der Entwicklung hat man mehrmals die Errichtung eines Bistums in Inns­ bruck ins Auge gefaßt, was für St. Jakob die Erhebung zur Domkirche bedeutet hätte. Bereits im 16. Jahrhundert wurden Verhandlungen zwischen Erzherzog Ferdinand II. und Papst Pius V. über eine Bistumsgründung in Innsbruck geführt 46. Joseph II. dachte wiederum im Jahre 1782 an ein Bistum in Innsbruck47, auch in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts tauchte in der Diskussion um eine Revision der wenig glück­ lichen Bistumseinteilung von 1818 wieder der Gedanke an ein Bistum Innsbruck für Nordtirol und Vorarlberg auf48. Nach dem ersten Weltkrieg änderte sich mit der Losreißung Südtirols und der damit gegebenen Trennung Nordtirols vom Brixner Bischofsitz die Situation grundlegend. Es mußte zunächst am 15. Dezember 1918 eine Filiale des Ordinariates Brixen in Innsbruck errichtet werden. Am 12. Dezember 1925 wurde die Abtrennung des österreichisch gebliebenen Teiles der Diözese Brixen vom Mutterbistum verfügt und somit ein neues selbständiges Kirchengebiet, die Aposto­ lische Administratur Innsbruck-Feldkirch, geschaffen, wobei dem Apostolischen Ad­ ministrator die Rechte, Vollmachten und Pflichten eines Residentialbischofs übertragen wurden49. Im österreichischen Konkordat vom 5. Juni 1933 wurde in Artikel III, § 2, die Erhebung dieser Administratur zu einem Bistum Innsbruck-Feldkirch mit dem Sitze in Innsbruck vorgesehen. Die Ereignisse des Jahres 1938 ließen es nicht zu einer Ausführung dieses Konkordatsartikels kommen, erst in der letzten Zeit ist die Inns­ brucker Bistumsfrage wieder aktuell geworden 50. Die Baulast an der St.-Jakobs-Kirche Die Kirchenhoheit des Rates wirkte sich auch in finanzieller Beziehung aus; der Rat brachte die Verwaltung des Fabriksvermögens der St.-Jakobs-Kirche in seine Hand und trug die Baulast an der St.-Jakobs-Kirche. Das ursprünglich einheitliche Kirchenvermögen spaltete sich im Mittelalter in das Benefizial- oder Pfründegut, das dem Unterhalt des Seelsorgsgeistlichen diente, und das Fabriksgut oder Kirchenstiftungsgut, das für den Unterhalt und die Ausschmückung der Kirche sowie für die Bestreitung der Kosten des Gottesdienstes aufkommen 45a Weingartner, a. a. O., S. 21 f. 46 Die Literatur darüber ist zusammengestellt bei Fridolin Dörrer, Bistumsfragen Tirols nach der Grenzziehung von 1918, Schlern-Schriften, Bd. 140, 1955, S. 56, Anm. 35. 47 Fridolin Dörrer, Bistumsfragen, S. 56 f. 48 Fridolin Dörrer, Bistumsfragen, S. 67. 49 Wechner, Die apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch, österreichisches Archiv für Kirchenrecht, Bd. 3, 1952, S. 70. 50 Fridolin Dörrer, Bistumsfragen, S. 80 f. 13 mußte51. Benefizialgut und Fabriksgut haben wir auch bei St. Jakob. Der Vikar und spätere Kurat von St. Jakob hatte ein verhältnismäßig kleines Benefizialgut52. Daneben steht das Fabriksgut, das sich durch Stiftungen der Bürgerschaft ständig vermehrte 53. Während die Verwaltung des Benefizialgutes dem Inhaber des Benefiziums zustand, kam die Verwaltung des Fabriksvermögens in Laienhände. Es bildete sich die soge­ nannte Kirchenpflegschaft heraus, das Amt des Kirchpropstes, wie man den Kirchen­ pfleger in Tirol meist nannte54. Die Einsetzung von Pflegern ermöglichte erst die Verselbständigung des Fabriksvermögens, sie war das Mittel, seine Trennung vom Benefizialvermögen durchzusetzen 55. Über die Entstehung der Kirchenpflegschaft versuchen verschiedene Theorien Auf­ schluß zu geben 56. Nach Schröcker 57 ist die Kirchenpflegschaft aus dem Bestreben ent­ standen, Stiftungen und Opfergaben, die für die Erhaltung der Kirche und des Gottes­ dienstes bestimmt waren, vor dem Zugriff des Pfründeninhabers sicherzustellen und zu erreichen, daß sie ausschließlich für den Zweck verwendet wurden, für den sie ge- gegeben waren. War die Kirche inkorporiert, dann sollten Stiftungen und Opfergaben vor dem Zugriff des Eigentümers der Kirche sichergestellt werden. Der Weg, der zu diesem Ziele führen sollte, war nun die Übertragung an einen Treuhänder. Treuhänder kirchlicher Stiftungen waren seit dem 13. Jahrhundert in der Regel die Gemeinde und deren Organ, der Rat. Der Treuhänder setzte für die Verwaltung des ihm anvertrauten kirchlichen Stiftungsvermögens Pfleger ein. In den Städten wurden die Kirchenpfleger in der Regel von der Stadtgemeinde bzw. dem Rate eingesetzt. Heinrich Felix Schmid 58 führt die Entstehung der laikalen Kirchenvermögensverwaltung einfach auf den Verfügungsanspruch der Leistenden bzw. Spendenden zurück. Das waren die Gemeindemitglieder, die für die bauliche Instandhaltung und Beleuchtung der Kirchen und ihre Versorgung mit den Erfordernissen des Gottesdienstes vielfach verantwortlich waren. Die Verwaltung des Kirchenstiftungsvermögens wurde so in den Städten des Mittel­ alters als eine Angelegenheit der Gemeinde betrachtet. In den Städten waren die Kirchenpfleger Bürger, die aus der Gemeinde bzw. aus dem Rate oder dem Stadtgericht gewählt wurden und der Aufsicht des Rates unterstanden. Man kann insoferne von einer Kommunalisierung des städtischen Kirchenvermögens sprechen. Die Städte be­ trachteten das Vermögen ihrer Kirchen zwar nicht als Gemeindeeigentum, die Ver- 51 Über die Entstehung der Kirchenfabrik s. Schröcker, Die Kirchenpflegschaft, Veröffent­ lichungen der Sektion für Rechts- und Staatswissenschaft der Görres-Gesellschaft, H. 67, 1934, S. 70 ff. 52 Für die Mitte des 15. Jahrhunderts s. Lentze, Stadt und Kirche, S. 266. 53 Lentze, Stadt und Kirche, S. 233 ff. 54 Über das Amt des Kirchpropstes in Tirol s. Franz Graß, a. a. O., S. 115 ff., mit reichen Literaturangaben. 55 Schröcker, Die Kirchenpflegschaft, S. 71. 56 Vgl. dazu den Überblick bei Schröcker, Die Kirchenpflegschaft, S. 28 ff. 57 Die Kirchenpflegschaft, S. 92 ff. 58 Das Recht der Gründung und Ausstattung von Kirchen im kolonialen Teile der Magdebur­ ger Kirchenprovinz während des Mittelalters, Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Kan. Abt., Bd. 13, 1924, S. 177 ff.; ders., österreichisches Archiv für Kirchenrecht, Bd. 2, 1951, S. 143. So auch Suhr, Die Lübecker Kirche im Mittelalter, Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck, Bd. 13, 1938, S. 85 f. 14 waltung des kirchlichen Stiftungsvermögens war aber ganz in die gemeindliche Selbst­ verwaltungsorganisation eingebaut59. Im deutschen Raum begann sich die Verwaltung des Fabriksgutes durch Pfleger der Gemeinde seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts allmählich einzubürgern, am An­ fang des 14. Jahrhunderts war die Kirchenpflegschaft schon voll entwickelt. Um diese Zeit tritt die Kirchenpflegschaft in Tirol, und zwar zuerst in Innsbruck im Jahre 1322 auf. In dieser Urkunde von 1322 wird übrigens auch der Mesner erwähnt60. Die Hauptaufgabe eines Kirchpropstes in Tirol61 bildete die getreue Verwaltung des Fabriksgutes. Er hatte auch die Einhaltung aller Stiftungen zu überwachen, ausständige Zinsen und Schulden hatte er einzutreiben. Dem Kirchpropst oblag ferner die Pflicht, die kirchlichen Wertgegenstände in ein Inventar aufzunehmen. Alle Gelder, Kleinodien, Urkunden und dergleichen waren in einer wohlverwahrten Truhe am sicheren Auf­ bewahrungsort zu hinterlegen. Bei wichtigen Verwaltungsmaßnahmen, insbesondere bei Verfügungen über Liegenschaften, mußte der Kirchpropst vorher die Einwilligung der weltlichen, öfters auch der geistlichen Obrigkeit einholen. In Innsbrucker Stiftungs­ urkunden des 14. Jahrhunderts werden die Befugnisse des Kirchpropstes bezüglich der Verwaltung des Stiftungsgutes eindeutig umschrieben62. In den meisten Städten stand die Bestellung der Kirchenpfleger dem Rate zu, der auch die Kontrolle über ihre Amtsführung ausübte. Ihm allein waren sie zur Rechnungs­ legung verpflichtet 63. Abweichungen von dem üblichen Typus der gemeindlichen Kir­ chenvermögensverwaltung gab es dann, wenn eine Kirche inkorporiert war oder wenn ein geistliches Patronat bestand 64. So war es auch bei St. Jakob in Innsbruck, wo Stift Wilten seine Rechte zu wahren wußte. Die Bestellung des Kirchpropstes erfolgte ana­ log der des Spitalspflegers. Da der Bestellungsmodus genau mit dem für den Spitalspfle­ ger im Spruch vom 20. Dezember 1320 festgelegten übereinstimmt, ist anzunehmen, daß er um die gleiche Zeit zwischen der Stadt und dem Stifte im Wege gütlicher Vereinbarung festgelegt worden ist. Der Rat hatte dem Abte von Wilten drei Kandidaten zu präsen­ tieren, aus denen dieser den Kirchpropst zu ernennen hatte. Alljährlich sollte der Kirchpropst dem Abte und dem Rate im Widum, dem Benefiziatenhause bei St. Jakob, über seine Amtsführung und Geldgebarung Rechnung legen 65. Die Dauer der Amts­ führung des Kirchpropstes ist nicht näher geregelt worden. Wieweit die Verselbständigung des Kirchenvermögens der St.-Jakobs-Kirche schon am Anfang des 14. Jahrhunderts gediehen war, ersieht man aus einem Schiedsspruch vom 3. Februar 1329 über einen Garten, den die Stadt für die St.-Jakobs-Kirche bean­ spruchte. Hieraus geht deutlich hervor, daß die Stadt die Verwaltung des Fabriksgutes der St.-Jakobs-Kirche führte, ja sich als Treuhandeigentümer des Fabriksgutes be­ trachtete 66. Daraus ergibt sich aber die Folgerung, daß die Stadt die Baulast an der St.-Jakobs- Kirche zu tragen hatte. Allenthalben haben im deutschen Raum die Städte die Baulast an ihren Stadtpfarrkirchen getragen, auch wenn die Kirche inkorporiert oder die 59 Schröcker, Die Kirchenpflegschaft, S. 107 f. Über das Kirchenpflegeramt in den Stadt­ gemeinden des Mittelalters im allgemeinen s. Schröcker, Die Kirchenpflegschaft, S. 95 ff. 60 Lentze, Stadt und Kirche, S. 234 f. 61 Franz Graß, a. a. O., S. 127 ff. 62 Lentze, Stadt und Kirche, S. 235 f. 63 Schröcker, Die Kirchenpflegschaft, S. 97. 64 Schröcker, Die Kirchenpflegschaft, S. 104 ff., 135 ff. 65 Lentze, Stadt und Kirche, S. 236. 66 Lentze, Stadt und Kirche, S. 237 f. 15 Kirche eines Kapitels war 67. Es war eine Ausnahme, wenn der Trierer Erzbischof als Patron der Andernacher Pfarrkirche diese gebaut und die Kosten für Ausbesserungen getragen hat68. Daß auch in Innsbruck die Stadtgemeinde die Baulast an der St.-Jakobs- Kirche von Anfang an getragen hat, steht außer Zweifel. Nichts deutet darauf hin, daß das Stift Wüten irgendwie zu Leistungen bei Neubauten, Umbauten oder Repara­ turen an der St.-Jakobs-Kirche herangezogen worden ist. Das Stift hatte ja gar kein Interesse an der St.-Jakobs-Kirche, für die der Rat erst in langem Kampfe die pfarr- lichen Rechte erobern mußte 69. Die Finanzierung der Neubauten und Reparaturen an der St.-Jakobs-Kirche erfolgte zu einem großen Teil durch Spenden und Vermächtnisse70, wie dies im Mittelalter üblich war71. Einen Anreiz zum Spenden gaben die Ablaßverleihungen; zahlreiche Ablässe wurden der St.-Jakobs-Kirche verliehen. So zeigt uns gerade ein Ablaßbrief von 1449, daß die Stadt Innsbruck, nicht etwa das Stift Wilten den Aufbau der Sankt- Jakobs-Kirche durchführte72. Mochten aber auch die Mittel für Neubauten und Repa­ raturen durch Spenden und Vermächtnisse aufgebracht werden, so hatte die Stadt immer die Leitung der Bauten und die Verwaltung der Gelder. Der Rat der Städte hat allenthalben im deutschen Raum gemeinsam mit den Baumeistern die Pläne für die herrlichen Kirchen des Mittelalters entworfen und die Bauführung durch seine Funktionäre, besonders durch die Kirchenpfleger, leiten lassen. Der Schiedsspruch vom 7. Jänner 1453 brauchte über die St.-Jakobs-Kirche und über die Baulast an ihr keine Regelung zu treffen, da es schon seit langem feststand, daß die Stadt die Baulast an der St.-Jakobs-Kirche zu tragen habe73. Dagegen brachte der Schiedsspruch eine Neuregelung für das Haus des Kuraten bei St. Jakob, das bisher im Eigentum des Stiftes Wilten verblieben war74. Dieser Widum bei St. Jakob wurde an die Stadt abgetreten, die dafür die Baulast zu übernehmen hatte. Dem Abte von Wilten blieb nur das Recht der Einkehr gewahrt, doch sollte er bei einem Besuche dem Kuraten nicht lästig fallen 75. Die Pfarrhäuser und Benefiziatenhäuser gehörten an sich zum Benefizialgut, wurden aber bei Stadtpfarren öfter als Eigentum der Stadt angesehen, wobei die Stadt auch für die bauliche Erhaltung sorgte 76. Im Schiedsspruch von 1453 wird nur die Bestellung des Spitalspflegers neu geregelt, der vom Rate allein ernannt werden sollte. Die Ernennung des Kirchpropstes dürfte damals bereits allein durch den Rat erfolgt sein. Die Verwaltung des Fabriksvermögens der St.-Jakobs-Kirche in der Neuzeit muß noch genauer untersucht werden. Doch zeigen uns allein die Akten zur Baugeschichte der St.-Jakobs-Kirche in den Jahren 1717 bis 1727, die Schadelbauer 77 veröffentlicht 67 Suhr, a. a. O., S. 80 ff.; Schoeffel, a. a. O., S. 98 ff.; Gunzert, Das Hagenauer Kirchenleben im ausgehenden Mittelalter, Frankfurt a. M. 1936, S. 19 ff., 29 ff.; Stutz, a. a. O., S. 18 ff.; Uhlirz, Die Rechnungen des Kirchmeisteramtes von St. Stephan, Wien 1902, S. XI ff.; Reicke, a. a. O., S. 53 ff. 68 Schwab, a. a. O., S. 21 ff. 69 Lentze, Stadt und Kirche, S. 238 f. 70 Spenden für den Bau vonSt. Jakob: Lentze,Stadt und Kirche, S.238. 71 Lentze, Stadt und Kirche, S. 238, Anm. 195; Suhr,a. a. O., S. 93; Reicke, a. a. O., S. 55. 72 Lentze, Stadt und Kirche, S. 239. 73 Lentze, Stadt und Kirche, S. 263. 74 Lentze, Stadt und Kirche, S. 218, 238. 75 Lentze, Stadt und Kirche, S. 263. 76 Schoeffel, a. a. O., S. 100. 77 Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck, H. 8, 1954, S. 49 ff. 16 hat, daß die Kontinuität der Entwicklung gewahrt blieb. Bürgermeister und Rat führen die Verhandlungen mit dem Baumeister, mit Künstlern und Handwerkern, sie zahlen die Löhne aus und bestreiten die Kosten der Baumaterialien, sie bringen die Mittel auf, wobei die Regierung allerdings einen erheblichen Beitrag leistet78. Man kann also wirklich die herrliche Barockkirche als das Werk der Stadt bezeichnen. Auch die großen Reparaturen und Neuanschaffungen im 19. Jahrhundert führte der Magistrat unter Heranziehung des Kirchenvermögens durch. Auch hier trugen die Pfarrangehörigen durch freiwillige Gaben zur Aufbringung der erforderlichen Mittel bei79. In den Jahren 1836 bis 1838 wurden die Türme der Pfarrkirche mit Uhren versehen80, dann wurden bald darauf, um das Jahr 1840, neue Glocken angeschafft und für diese der Glockenstuhl umgebaut81. Kirchpropst und Magistrat forderten die Kostenanschläge ein, schlossen die Verträge mit den Handwerkern und zahlten diesen ihre Vergütung aus. Der Stadtpfarrer von St. Jakob wurde jeweils von den Kosten­ anschlägen verständigt und um seine gutachtliche Äußerung gebeten. So schrieb der Stadtmagistrat am 14. Juli 1836 an den Stadtpfarrer82: „Der Kirchpropst Matthias Ettel hat an den Stadtmagistrat den beiliegenden Kostenanschlag zum Behufe der Herstellung einer Uhr an den Türmen der hierortigen Stadtpfarrkirche vorgelegt und gebeten, daß die Herstellung dieser Uhr auf Kosten des Kirchenfonds geschehen soll. Es wolle gefällig sein, sich über diesen Antrag zu äußern und zugleich bekannt zu geben, ob im Falle der Ausführung dieses Projektes sich nicht auch auf einige Privat­ beiträge rechnen ließe.“ Sehr schön bringt die Rechtslage ein Antrag des Dekans Duille an den Stadtmagistrat vom 26. Jänner 1844, betreffend Reinigung und Renovierung der St.-Jakobs-Kirche, zum Ausdruck, in dem es heißt: „Der löbliche Stadtmagistrat wolle diesem Anträge gefälligst beistimmen, die zweckmäßigen Vorschläge zur Reali­ sierung des Antrages entwerfen lassen und die gnädigste Genehmigung der hohen Landesstelle zur Ausführung desselben zu erwirken suchen 83.“ Am 17. Oktober 1907 beschloß der Innsbrucker Gemeinderat, daß die notwendig gewordene Eindeckung des Daches der St.-Jakobs-Kirche aus Gemeindemitteln erfolge; zur Ausführung der Arbeiten für das Jahr 1907 wurde ein Kredit in Höhe von 6000 Kronen bewilligt 84. Im Zuge des Abbaues des Staatkirchentums konnte die Kirche allmählich daran denken, ihre Forderung durchzusetzen, daß Laienpfleger von der geistlichen Obrigkeit eingesetzt oder doch wenigstens nur mit ihrer Zustimmung ernannt werden sollten. Der Artikel XXX des Konkordates vom 18. August 1855 sprach der katholischen Kirche das Recht zu, ihr Vermögen frei nach den kirchlichen Vorschriften zu ver­ walten. In Ausführung dieses Artikels erschien am 3. Oktober 1858 eine kaiserliche Entschließung, welche Weisungen über die Verwaltung des Kirchen Vermögens den Landesstellen zukommen ließ. In der Diözese Brixen wurde am 2. Dezember 1860 vom Fürstbischof eine Vorschrift über die Verwaltung des Kirchen- und Pfründen­ vermögens erlassen, doch vermied man einen radikalen Bruch mit der bisherigen Ent­ wicklung. Der Theorie nach sind die Kirchpröpste selbst kirchliche Organe geworden, 78 Über die Finanzierung des Baues s. Weingartner, a. a. O., S. 135 ff. 79 Pfarrarchiv St. Jakob, Fase. III/17, III/19, III/31. 80 Pfarrarchiv St. Jakob, Fase. III/19. 81 Pfarrarchiv St. Jakob, Fase. III/17. 82 Pfarrarchiv St. Jakob, Fase. III/19. 83 Pfarrarchiv St. Jakob, Fase. III/31. 84 Pfarrarchiv St. Jakob, Fase. III/87. 17 die vom geistlichen Kirchenvorsteher mit Rücksicht auf die begründeten Wünsche der Kirchengemeinde vorgeschlagen und vom Bischof bzw. Dechanten bestätigt wurden 85. Der radikale Bruch mit der bisherigen Entwicklung kam dann in der national­ sozialistischen Ära. Der § 5 des Gesetzes über die Erhebung von Kirchenbeiträgen im Lande Österreich vom 1. Mai 1939 (Gesetzblatt für das Land Österreich, Jahrgang 1939, Nr. 543) sah die Aufhebung der öffentlichen Patronate vor. Die Kirche wurde andererseits in diesem Gesetz ermächtigt, zur Deckung ihres Personal- und Sach- bedarfes Kirchenbeiträge zu erheben. Zur Besorgung der kirchlichen Vermögensver­ waltung sowie zur Mitwirkung bei der Erhebung der Kirchenbeiträge wurden die Pfarrkirchenräte geschaffen 86. Höslinger 87 hat nun den Nachweis geführt, daß von dieser Aufhebung nur wirklich öffentliche Patronate betroffen sind, bei denen der Entstehungsgrund des Patronats in einem staatlichen Hoheitsakt liegt. Aus dieser Feststellung ergibt sich für die Praxis die Lösung, daß Patronate von Gemeinden als private Patronate anzusehen sind, wenn sie nicht durch einen staatlichen Hoheitsakt begründet worden sind. Die Verpflich­ tungen der Stadt Innsbruck gegenüber der St.-Jakobs-Kirche beruhen nicht auf einem staatlichen Hoheitsakt, sie sind das Produkt einer komplizierten historischen Entwick­ lung. 85 Franz Graß, a. a. O., S. 152 f.; Schröcker, Die Verwaltung des Ortskirchenvermögens nach kirchlichem und staatlichem Recht, Veröffentlichungen der Sektion für Rechts- und Staats­ wissenschaff der Görres-Gesellschaft, H. 70, 1935, S. 213 ff. 86 Ritter, Die kirchliche Vermögensverwaltung in Österreich, Salzburg 1954, S. 123 ff. 87 Die Verpflichtungen der öffentlichen Hand zu Leistungen für Kultuszwecke, österreichi­ sche Juristen-Zeitung, Bd. 5, 1950, S. 561 f.; ders., Das private Patronat des gegenwärtigen österreichischen Staatskirchenrechts, österreichische Juristen-Zeitung, Bd. 3, 1948, S. 128 ff. 18 Urkunden zur Rechtsgeschichte der St.-Jakobs-Kirche Von Fritz Steinegger Aus dem umfangreichen und zugleich interessanten Quellenmaterial zur Geschichte der St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck sollen hier neun wichtige Urkunden, die in der rechts­ geschichtlichen Entwicklung dieses Gotteshauses grundlegende Marksteine bilden, in vollem Wortlaut abgedruckt werden. Von den Urkunden Nr. 6 bis 9 besorgte in ent­ gegenkommender Weise Dr. Karl Wolfsgruber, Diözesanarchivar von Brixen, die hier wiedergegebenen beglaubigten Abschriften. Zum besseren Verständnis für den Leser wurden nachfolgende Editionsgrundsätze an­ gewandt: Zerstörte Stellen im Text, die ergänzt werden konnten, sind im Druck mit eckigen Klammern [], aufgelöste Abkürzungen und übergeschriebene Buchstaben, die aus drucktechnischen Gründen den vorhergehenden Buchstaben nachgesetzt werden mußten, mit runden Klammern () gekennzeichnet. In allen Fällen, in denen v als u, u als v, w als u und u als v augesprochen wird, ist u, v, u und v geschrieben worden. Die Zeilenenden sind durch „/* angemerkt. Die in den Urkunden Nr. 1 bis 5 mit Namen angeführten Schiedsrichter entstammen angesehenen Familien aus Innsbruck, Hall und Umgebung. TEXT : Nr. 1 1320 XII 19. feria sexta ante festum beati Thome apostoli. Eber(hart) x, Richter und Rat zu Innsbruck, und die Stadtgemeinde Innsbruck geben bekannt, daß zur Beilegung des Streites mit dem Abt Wernher und dem Konvent des Klosters Wilten, der um den Zehent und die Spitalskapelle herrschte, unter dem Vor­ sitz des vom apostolischen Stuhle delegierten Richters Giselbert, Dekan von Brixen, Jakob, Kanoniker zu Brixen, und Konrad Helbling von Strassfried zu freiwilligen Schiedsrichtern auf gestellt wurden. Siegler: Eberhart Plonschilt und Stadt Innsbruck. Or. n. Perg. 12/26 cm mit Plica und an Pergamentpressei 2 anhang. runde natur­ farbene Siegel. Überlieferungen: A: Stadtarchiv Innsbruck (abgekürzt: St. A.), Urk. Nr. 27; B: Stifts­ archiv Wilten (abgekürzt: St. W.), Kopialbuch Fol. 10. Regest: Ludwig Petrowitsch —■ Karl Schadelbauer, Stadtarchiv Innsbruck, Urkunden- Regesten vom Jahre 1180—1497, angelegt ca. 1930, Nr. 27 (abgekürzt: Petrowitsch- Schadelbauer). Erwähnungen und Auszüge in der Literatur: Karl Moeser, Stand dem Stadtgerichte Innsbruck auch die hohe Gerichtsbarkeit zu?, Forschungen u. Mitteilungen zur Geschichte Tirols u. Vorarlbergs, XVI. u. XVII. Jg., Innsbruck 1920, S. 195, u. Hans Lentze, Stadt 19 und Kirche im mittelalterlichen Innsbruck, österr. Archiv f. Kirchenrecht, IV. Bd., Wien 1953, S. 222. Nos, Eberh(artus)12 1 1judex et consules communitasque civium in Insprvk, notum facimus presentium inspectoribus universis, quod / super controversus et litibus inter dominum nostrum Wernherum abbatem totumque conventum monasterii Wiltinen(sis) ex una et nos ex / parte altera dudum habitis ac coram venerabili viro domino Gysel- berto, decano ecclesie Brixinen(sis), judice unico a sede / apostolica delegato ordine iudiciario diutius hinc et in ventilatis ob spem pacis et concordie, ut lites reprimere / valeant et conquiescere in duos arbitratores seu amicabiles compositores videlicet domi­ num Jacobum honorabilem ec/clesie Brixinensis canonicum et dominum Chv(o)nradum, dictum Helblinch de Strazfrit, non coacti, sed spontanea compromisimus / voluntate et si praedicti arbit(ri)o concordare non valerent vel ab arbit(ri)o ambo vel unus eorum recedere vellent, / aliis seu alio seu loco ipsorum substituendis seu substituendo hominis plenariam potestatem per tantem ratum et gratum habituri. / Quidquid per praenomina- tos seu abstitutos super litem decimarum et capeile, quam ipsi hospitali est contingua, fuerit / pronunciatum. Et quaecumque partium arbitratorum ordinationi pronunciationi et arbitrio non staret, quos elegit vel adhunc ele/gerit a tota sua ca(usa), funditus cadat et parti alteri arbitrium suscipienti et servanti in ducentis marcis argenti de/bite con- dempnetur. In cuius rei testimonium presentes sigilorum nostrorum robore duximus consignandas. Datum et actum anno Domini M(o) CCC(o) XX feria sexta ante festum beati Thome apostoli. Nr. 2 1320 XII 20. in vigilia beati Thome apostoli. Innsbruck. Giselbertus, Dekan der Kirche Brixen, fällt mit noch anderen angesehenen Männern im Streite zwischen der Stadt Innsbruck und dem Abt und dem Konvent des Klosters Wüten wegen der Erhöhung des Graszehentes von 2 auf 3 Denare und wegen Ver­ pflichtungen gegenüber der Spitalskapelle zu Innsbruck einen Schiedsspruch. So dotieren die Bürger der Stadt die Kaplanei mit 10 Mark. Der Abt bestellt einen Konventualen zum Lesen der täglichen Messe mit Ausnahme eines freien Tages in der Woche. Das Spital erhält das freie Begräbnisrecht ohne den Stolgebühren, die weiterhin dem Stifte Wilten zufallen. Von allen Vermächtnissen und Almosen an das Spital, die den Betrag von 1 Pfund übersteigen, bekommt das Stift ein Viertel; nur Bettzeug und Lebensmittel kommen den Siechen im Spital allein zugute. Wenn ein Reisender ein krankes Pferd dem Spital schenkt, so darf das Stift davon keine Ansprüche erheben. Das Spital soll eine Glocke haben. Den Spitalspfleger bestellt der Abt aus einem Dreiervorschlag der Stadt. Siegler: Bischof Johann von Brixen, König Heinrich von Böhmen, Giselbertus, Dekan der Kirche Brixen, Jacobus, Kanoniker in Brixen, Pfarrer in Thaur, Petrus, Pfarrer in Stubai, Konrad Helbling, Arnold von Vellenberg u. die Stadt Innsbruck. Or. n. Perg. 34,7/47 cm mit Plica und an Pergamentpressei 6 anhang. naturfarbene Siegel; davon 5 runde und 1 spitzovales. Drei Siegel fehlen. Überlieferungen: A: St. A., Urk. Nr. 28. Regest: Petrowitsch-Schadelbauer Nr. 28. Erwähnungen und Auszüge in der Literatur: Karl Schadelbauer, Beiträge zur Ge­ schichte der St.-Jakobs-Pfarre in Innsbruck, Veröffentlichungen d. Mus. Ferdinandeum, 1 und 2 Zu ergänzen: Plonschilt, der von 1317—1320 das Stadtrichteramt bekleidete; vgl. Karl Klaar, Alt-Innsbruck und seine Umgebung, Innsbruck o. J., I. Bd., S. 5. 20 Heft 6, Innsbruck 1927, S. 268 (abgekürzt: Schadelbauer, Beiträge), u. Lentze, a. a. O., S. 222. In nomine Domini amen. Universis ad quos presentes littere pervenerint. Nos, judex, consules et Universitas civium in Inspruk, notum facimus tenore presentium publice protestando, quod in causa, que vertebatur / inter nos ex parte una et abbatem et con- ventum monasterii Wiltinensis ex parte altera super decimas et officiacione capelle extra muros porte civitatis contigue, qua itur versus Wiltinam coram honorabili / viro domino Giselberto, decano ecclesie Brixinensis, judice unico a sede apostolica deputato, quod a) compromisimus in viros discretos et honestos tamquam in arbitros, arbitratores seu amicabiles compositores de voluntate / et consensu judicis supra dicti, videlicet in dominos Jacobum, canonicum ecclesie Brixinensis, plebanum in Tawr, Petrum, ple- banum in Stubay, sacerdotes, et nobiles viros, dominum (Chu(o)nradum dictum Helb- linch, militem, et Arnoldum de / Vellenberch, judicem provincialem, sub pena ducen- tarum marcarum parti observanti arbitrium solvendarum, prout in instrumento super compromisso confecto plenius continetur. Qui pronunciaverunt et pronunciando dixerunt, quod pro decima herbarum / in ortis crescencium, ubi prius duo denarii dati fuerint a modo tres denarii persolvantur. Alie vero decime seu res decimande, prout collecte fuerint, integre persolvantur. Dictum est etiam super capella hospitalis, quod eandem ipsi cives cum / redditibus decem marcarum veronensis dotare tenentur et ipse dominus abbas per suos continue in officiabit eandem excepto die unico in septimana dolo et fraude penitus exclusis. Arbitratum est etiam, quod corpora pauperum mor- tuorum in ibi degentium / ibidem sepeliantur. Et si aliquis civium vel nobilium, notus vel ignotus, hospes vel peregrinus, apud dictum hospitale sepulturam elegerit, omnes obventiones remedia et emolumenta eiusdem funeris quocumque nomine censeantur ad / abbatem et monasterium predictam sine contradictione qualibit deriventur. Similiter si clericus vel laicus aut alius homo quacumque pro remedio anime sue dicto hospitali quitquam legaverit, donaverit vel ordinaverit, tacite vel expresse / quarta pars eiusdem exceptis lectisterniis et victualibus cottidianis, que pro infirmorum commodis reserven- tur, ipsi domino abbati et monasterio cedere debebit. Pronunciatum est etiam, quod si a transeuntibus dictis infirmis ultra unam libram / veronensis pro elemosina quitquam a singularibus personis daretur. Ipse dominus abbas et monasterium de hoc suam recipiant portionem nisi forte ab aliquo extraneo equus debilis seu defectivus pro consolatione pauperum contingeret elargiri. In ipso / etiam hospitali una campana tantum modo habeatur. Est etiam adiectum, quod predicti cives tres viros fide dignos domino abbati et monasterio pro ipsius hospitalis procuratoribus presentabunt. Ex quibus dominus abbas utiliorem eligat et in / dicto hospitali pro procuratore constituat. Atque ab eodem singulis annis una cum civibus rationem exigat et requirat. Quam pronunciationem dictorum arbitrorum seu arbitratorum ratam et gratam prehabita deliberatione haben- tes promittimus / pro nobis et nostris successoribus a dicta pronunciatione numquam ullo tempore resilire et inviolabiter observare. Renunciamus etiam omnibus exceptionibus tarn iuris canonici quam civilis, que contra huiusmodi pronunciationem possent nobis / in posterum suffragari. In cuius rei testimonium presentes literas sigillis nostris videlicet judicis et universitatis nostre civitatis unam cum sigillis reverendi patris nostri domini Johannis Brixinensis episcopi et illustris principis domini Hainrici, regis / Bohemie, ducis Karinthie, comitis Tirolensis et Goricie, ac honorabilium virorum dominorum Gyselberti, decani ecclesie Brixinensis, Jacobi, canonici eiusdem ecclesie, Petri, plebani in Stubay, Chu(o)nradi, dicti Helblinch, Arnoldi de Vellenberch / rogavimus com- a „Quod“ durchgestrichen, dann Streichung wieder getilgt. 21 muniri. Et nos Johannis, dei gratia episcopus Brixiniensis, Hainricus, rex Bohemie, dux Karinthie, comes Tyrolis et Goricie, Gyselbertus, decanus Brixinensis, Jacobus, canoni- cus ibidem, plebanus in Tawr, Petrus, plebanus in Stubay, Chu(o)nradus, / dictus Helblinch, et Arnoldus, dictus Vellenberger, judex provincialis, ad petitionem et rogatum predictorum judicis et universitatis civium de Inspruk sigilla nostra apposuimus huic scripto in testimonium omnium premissorum. / Actum et pronunciatum in capella sancte Jacobi in Insprukka infra muros in vigilia beati Thome apostoli. Anno Domini millesimo trecentesimo vicesimo. / Nr. 3 1328 VI 4. des na(e)chsten samtztags nah sand Erasmstag. König Heinrich von Böhmen etc. fällt mit noch anderen angesehenen Männern im Streite zwischen der Stadt Innsbruck und dem Abt Wernher und dem Konvent des Klosters Wüten wegen des Krautzehenten vom Garten der Stadt und wegen anderen Verpflichtungen gegenüber der Spitalskapelle zu Innsbruck einen Schiedsspruch. So er­ hält das Spital das freie Begräbnisrecht. Von allen Seelgerät- und Messenstiftungen, Opfergaben und Almosen an das Spital, die den Betrag von 1 Pfund Perner überstei­ gen, bekommt das Stift ein Viertel; nur Bettzeug und Lebensmittel kommen den Siechen im Spital allein zugute. Schenkt man den Siechen ein sieches Pferd, so darf das Stift davon keine Ansprüche erheben. Von den Einkünften bei Wallfahrten und Wundern fallen dem Spital drei Viertel und dem Stifte ein Viertel zu. Den Spitalspfleger bestellt der Abt aus einem Dreiervorschlag der Stadt. Der Abt bestellt ferner einen Konven- tualen zum Lesen der täglichen Messe in der Spitalskapelle mit Ausnahme eines freien Tages in der Woche. Ferner soll das Spital eine Glocke haben. Siegler: Bischof Albrecht von Brixen, König Heinrich von Böhmen, Seifrid von Rot- tenburch u. die Stadt Innsbruck. Or. n. Perg. 33,7/52 cm mit Plica und an Pergamentpressei 4 anhang. Siegel; davon ein spitzovales rotes Siegel, ein rundes grünes Schalensiegel und zwei runde naturfar­ bene Flachsiegel. Überlieferungen: A: St. A. Urk. Nr. 38. B: St. W., Kopialbuch, Fol. 4—5. Erwähnungen und Auszüge in der Literatur: Carl Unterkircher, Chronik von Inns­ bruck, Innsbruck 1897, S. 9, Nr. 83, u. Lentze, a. a. O., S. 224 ff. Wir, Hainr(ich) von Gots gnaden, chu(e)nich ze Behaym und ze Polan, hertzog ze Cha(e)rnden und grave ze Tyrol und ze Go(e)rtze, veriehen offenlich und tu(e)n chunt allen den, di disen brief ansehent, ho(e)rent oder lesent, / daz ein grozzer chriech und mishellung fu(e)r uns chome, die waren zwischen der geystlichen und erwarn herren des wirdigen abbt Wernhers und des convents des gotshaus ze Willenteyn von aim tayl und zwischen / der gesworen und der gmayn der purger unsrer stat ze Inspruk von dem andern tail. Und der chriech was na(e)mlich umb den chrautzehent von den garten der­ selben stat und umb ein messe und Verwesung der chapellen / des spital ze Inspruk bei dem obern to(e)re, da man auzget gen Willenteyn, und auch umb ander chrieg, die vor­ malen verschiden und versriben waren, zwischen in und auch an ettlicher stat u(e)ber varen waren. Der/selben chrieg und auflau(e)ff sint si paidenthalben hinder uns gegan­ gen mit verdahtem mu(e)t, daz wir gwalt haben zu(e) uns ze nemen, wen wir wellen, der gu(o)t dar zu(o) ist, und waz wir zwischen in dar über erfinden und / gesprechen mit minn oder mit rehte, daz si daz paidenthalben sta(e)t und vest schu(e)len, behalten und da wider niht ze tu(e)n bei sogetanen pu(e)nden und penen, als si her nah gescriben stent. Do namen wir zu(o) uns die erwern / herren, hern Frid(reich), den tu(o)mprobst 22 ze Brixen, hern Jacob den Cholben und hern Johans den Weizzen, Chorherren daselben, und darzu(o) unser getreue Wilhalm von Ga(e)rrenstain, Chv(o)nr(ad) den Helblinch von Straz/friden und Ta(o)gen von Vilanders und verho(e)rten ir fu(e)rgabe ze paiden seyten, und do wir ez do von in reht verhörten und ingenomen heten, do sprachen und beschiden wir des aller ersten mit gmaim rat also, daz / si über all ir chrieg und auf- lau(e)ff gu(o)t friund schu(e)len sein fu(e)rbaz immer mer ane geva(e)rd. Wir haben auch gesprochen umb den zehenten von den garten bei der vorgenanten stat, wer der ist, der garten hat ainen oder mer, / daz der von denselben garten all jar gebe seinen chrautzehent nah dem Stangen mazz, je diu zehent Stange waz daz bringen mach, und schol auch daz auf dem acher ligen lazzen. Und wer der ist, der seinen zehent / all jar niht geit als vorgescriben stet, den mugen und schulen der abbt und der convent von Willenteyn darumb ansprechen und beno(e)ten mit geystlichen rehten als umb ander ir zehent. Wir haben auch gespro/chen, waz die purger andrer sache und anders irs gu(o)ts zehenten schu(e)len, denselben zehent schulen si geben als von alter und mit rehte her chomen ist. Wer das niht ta(e)t, den schol und mach daz vorgenante gotshaus / und der convent daselben mit geystlichem rehte und anders niht darzu(o) beno(e)ten und bringen, daz er in geb als er in pilleich und durich reht geben schol. Wir haben auch gesprochen, wer der ist, der gu(o)t von dem / vorgenannten gotshaus hat umb einen benanten eins, ez sein hau(e)s, hofstet, a(e)cher, wisen oder weliher lay gu(e)t ez ist, daz urbor haizzt, und wa sich daz ervindet mit dem rehten, daz er desselben urbors daz minnor / oder daz meror ist anworden ane desselben gotshaus und des convents daselben hant und wizzen und hat den eins auf daz ander geleit, wa sich daz ervindet, da schol man auf daz, daz er anworden / ist, einen zeitlichen eins legen, dem gotshaus ze pezze- rung all jar auf daz jeuch achers drey zwaintziger und aber dar nah als muglich und zeitlich sei, daz man doh wizze, daz ez dem gotshaus mit aigen/scha(e)fft zu(o) geho(e)r und daz ez auch ane sein hant und wizzen niemand schu(o)l noh mug anwerden. Wir haben auch gesprochen umb daz vorgenant spital. Aller erst: Daz man die siechen, die da sterbent, all da begraben schol. / Wir haben auch gesprochen, ob ein purger oder ein ander man, edel oder unedel, pilgreim, gast oder lantman begert und erwelt begreb- nu(e)sse, datz dem vorgenanten spital waz danne von selgera(e)t, von messefru(e)m, von oppfer, / oder von welihen Sachen daz ist, von derselben leyhe chomt, daz schol dem gotshaus und dem convent daselben gar und gantzlich gevallen. Und ob pfaffe oder lay, man oder fraue durich ir sei willen demselben spital icht / schu(e)ffe, das sei vil oder wenich, da schol dem vorgenanten gotshaus und dem convent daselben daz viertayl auz gevallen ane pettegwant und chost alain, waz des ist, daz schol dem spital und den sie­ chen da beleihen. / Und waz man auf daz selbe spital schaffet über ein pfunt perner ze almu(o)sen, da schol der abbt und der convent seinen vierden tail auch auznemen, ez sei dann, daß man den siechen ein siechez ros schaffe, da / hat daz gotshaus und der con­ vent nihts mit ze schaffen. Wir haben auch gesprochen, ob Got ze demselben spital solich gnad ta(e)t, daz zaichen da geschehent und daz ein vart und ein lauf da hin wurde, waz / danne da gevellt vor oder nah der messe von andaht oder wie daz gevellt, an chost und pettegwant alain, da schol der abbt und der convent daz viertayl auz­ nemen und anders niht und daz spital diu driu tail, / und waz daz spital mit seinen drein tailen chauft, urbor oder waz ez chauft, da schol der abbt und der convent chain ansprache fu(o)rbaz nimmer mer haben nah noh gewinnen. Wir haben auch gesprochen, wenne / man dem spital einen schaffer setzen wil, so schu(o)len die pu(e)rger dem abbt zu(o) bringen drey erwer man und auz denselben drein hat der abbt dann gwalt in den pesten ze geben zu schaffer auf daz selb spital. / Und schol auch der abbt mit samt den 23 purgern von demselben all jar raytung vo(r)derna und nemen umb allz des spital gu(o)t und gelt und schol auch derselbe schaffer da sein, die weil und er dem abbt und den purgern fu(e)gt. / Und wenn er in nimer fu(e)gt, so schol man in vercheren und schulen, si aber mit gmayn rat und als vorgescriben stet, einen andern da hin setzen. Wir haben auch mehr gesprochen, daz der abbt gwalt hat einen chapelan ze geben hintz / dem selben spital auz seim convent nah seinen treuen und eren, wen er will, der dem spital und der stat nützlich und fu(e)glich sei und dem orden erlich und schol der alle tag in der wochen messe sprechen, wan ainen tach mag / er rasten. Er schol auch messe sprechen ze einer sogetanen zeit in dem tag, als in die purger nah rat ervindent und aufsetzent. Und schol auch mit der pfarr nihts ze schaffen haben, weder geistlich noh wertlich b, wan / mit des pfarrer willen und gescha(e)ffe. Er schol auch einen be- sundern gmah und wesen da haben. Und schol auch mit dem spital nihts ze schaffen haben, wan mit den siechen und mit geistlichen Sachen alain, er schol / auch wan ain da sein und schol auch wan ain gloken da haben. Und wenn er dem abbt oder den purgern nimer da fu(e)gt von solihen Sachen, die redlich sint und auch redlich fu(e)rbracht wer- dent, so schol in der abbt / vercheren und schol einen andern dar setzen und geben in allen ren rehten als vor ist beschaiden. Wir haben auch gesprochen, daz si ze paiden seiten dise vorgescriben Sachen alle also schu(e)len sta(e)t behalten und volfu(e)ren / bei iren treuen und bei einer pen zwayer hundert march zalperner, wedrer tail da wider icht tu(o)t, daz sich mit der warhait ervinden mach, daz derselbe der vorgenanten pen gantzlich gevallen sei dem andern tail. Unde / dar über ze eim urchu(e)nd der warhait geben wir die gesworen und diu gmain der purger der stat ze Inspruk disen brief ge- vestent mit des hohwirdigen pisschof Albrechts ze Brixen und mit unsers / gnedigen herren, des edeln chu(e)nich Hainr(ich) ze Behaym und ze Polan, hertzogen ze Cha(e)rnden und graven ze Tyrol, und mit hern Seyfr(i)d von Rotenb(urch), unsers pfleger, und mit unser selbs hangenden insigeln. / Daz ist geschehen do von Christes gepurt vergangen waren, driutzehen hundert jar und dar in dem acht und zwaintzgisten jar, des na(e)chsten samtztags nah sand Erasms tag. Nr. 4 1358 III 16. an sand Gedräuten abent. Abt Konrad und der Konvent des Klosters Wüten verpflichten sich gegenüber den Bürgern der Stadt Innsbruck den Schiedsspruch wegen der Gerichtsbarkeit über die Untersassen des Klosters, kirchlicher Angelegenheiten, so der Rechte des Pfarrers, Bestel­ lung desselben und der Ernennung seines Stellvertreters, einzuhalten. Ferner u. a. wegen der Kreuzverehrung am Karfreitag und der Osterkommunion von schwangeren Frauen, Kranken und Alten zu Innsbruck, der Zinse an das Stift, der Pachtzinseinhebung, der Zehentleistungen, des Rinderzehents, der Rechnungslegung des Kirchmairs zu St. Jacob und wegen der ausschließlichen Benützung der Stiftsmühle. Siegler: Abt Konrad und der Konvent von Wilten. Or. n. Perg. 30,5/51,7 cm mit Plica und an Pergamentpressei anhang. spitzovales naturfarbenes und rundes grünes Siegel. Überlieferungen: A: St. A., Urk. Nr. 120. B: Kopie von Notar Jacob Muttinger (ca. 1400), St. W. Lade 85 E. C: St. W. Kopialbuch, Fol. 2—3. Regesten: Petrowitsch-Schadelbauer Nr. 120, Fritz Steinegger, Regesten der Urkun­ den des Stiffsarchives Wilten, St. W. und Landesregierungsarchiv f. Tirol. a Geschrieben „vodern“. b Soll „weltlich“ heißen. 24 Erwähnungen und Auszüge in der Literatur: Franz Anton Sinnacher, Beiträge zur Geschichte der bischöflichen Kirche Saeben und Brixen in Tyrol, V. Bd., Brixen 1827, S. 363—364. Tinkhauser-Rapp, Topographisch-statistische Beschreibung der Diözese Brixen, 2. Bd., Brixen 1879, S, 90. Carl Unterkircher, a. a. O., S. 11, Nr. 110. Johann Zöchbaur, Zur Kirchengeschichte Wiltens und Innsbrucks aus der Zeit des Bruches zwi­ schen Eugen IV. und dem Baseler Konzil, Forschungen u. Mitteilungen zur Geschichte Tirols u. Vorarlbergs, IV. Jg., Innsbruck 1907, S. 259. Josef Weingartner, Die Pfarrei und die Pfarrkirche St. Jakob, Innsbruck 1924, S. 11. Schadelbauer, Beiträge, S. 269 ff., Hans Lentze, Die klösterlichen Messenstiftungen an der St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck, Tiroler Heimat, XV. Bd., 1951, Innsbruck 1952, S. 42, u. Hans Lentze, a. a. O., S. 251 ff. — Das Original der Gegenurkunde, die von der Stadt Innsbruck dem Stifte Wilten aus­ gestellt wurde, befindet sich im Pfarrarchiv von St. Jakob. Regest gedruckt in Archiv­ berichte aus Tirol II, S. 249, Nr. 1187. Chunt sei getan allen den, die disen brief sehent, ho(e)rent oder lesent, daz etleich chrieg, misshelung und ansprache warn zwischen der erbern gaystleichen herren, dez wirdigen abbt Chu(o)nrats von Willtein und seins convents / ze ainem tail und der erbern laeut gemainleich der purger ze Insprukk zem andern tail umb mangerlay ansto(e)zze und gebresten, die si gegeneinander hintz auf disen hiutigen tach heten und auch maeldeten als si hernach / an dem auspruche belaeutert werden und benennet. Der selben chrieg und ansprach giengen si mit verdachtem mu(o)t ze paiden seiten hinder uens die nachgeschriben schidlaeut und sprechaer Jacoben den Narrenholtzer, / Sigharten den Cholben, Velreich den Helblinch von Strazfrid, Awten von Mattray, Alberten den Sailer, halschreiber ze Halle, Hainr(ich) den Chrippen, Chu(e)nrat den Chirchmayer von Halle, Christan den Fu(e)gaer und / hinder mich Hansen den Schaller von Ins­ prukk. Und wi(e)r haben si also mit einander bericht mit ainer friuntleichen minne, die wi(e)r von u(e)nsern treuen ervunden und auzgesprochen haben mit paider tail wille und / die si lobten staet ze halten und habent, daz auch mit disem brief bestaet und ver­ sichert und derselben minne ist: Also zem ersten, daz der vorbenant abbt Chu(e)nr(at), sein convent und ir nachchomen nindert recht / tu(o)n su(e)llent, wan ze Brichsen vor gaistleichem recht oder wa si ez durch recht tu(e)n su(e)llent, aber ir undersaezzen ze Willtein su(e)llent den purgern recht tu(o)n vor dem abbt ze Willtein oder vor seinem richter da saelben. / So su(o)llent in die purger hin wider recht tu(o)n vor dem stat richter ze Insprukk. Ez sol auch weder der abbt, noch der convent, noch ir nachchomen chain pfarrer ze Insprukk, der ietz ist und noch wirt, weder singen / noch losen a ver- pieten, noch auf den pfarrer, noch auf die purger ze Insprukk, noch auf ir nachchomen chainen pan nicht legen, si pringen ez ere b auz ze Brichsen mit dem rechten vor dem pischof oder vor seinem / vikarien. Ez sol auch ze Insprukk an dem chorfreitag chain chraeutz fu(e)r gelaiet werden. Aver weih mensch durch andacht auf daz chraeutz, daz man da selben in der chirchen niderlegt, icht opfert, daz beleibt / dem mesnaer ze Ins­ prukk. Und weih mensch auz der vorbenanten stat oder vorsteten von chranchait, von alter und chranche, swanger frauen und von ehafter not ze Gots tische nicht chomen maechten gen / Willtein die drei tag, an dem weihen phintztag, am chorfreitag und an dem ostertag, den sol man Gots leichnamen die selben tag in der stat geben. Und umb die zil und march dez gerichts und purchfrides / ze Insprukk und umb ander u(e)nsrer lieben herschaff recht ist gesprochen, daz diu herrschaff daran pei iren rechten peleiben a Soll „lesen“ heißen; geschrieben als „losen“. b Wohl „eer“. 25 sol und daz gotshaus pei seinen rechten. Ez su(e)lent auch die messe, die sa(e)lig Plon- schilt, / Eberhart Sneider und Fritz Sneider ze Insprukk gestifft habent, gesprochen wer­ den nach der brief sag, die daru(e)ber geben sint, und daz fronampt, als von alter her chomen ist. Und die selben messe su(o)llent weder der abbt, / noch der convent nicht verpieten ze singen, noch ze lesen, si pringen ez ere auz ze Brixen mit dem rechten ob si darwider icht ze reden hieten. Ez su(e)llent auch die herren von Willtein diu stat be­ sorgen iaerichleich mit ainem / erbern laypfaffen ze pfarrer, der in und den purgern ze Insprukk erleich und fu(o)chleich. Paeten aber die purger umb ainen pfarrer, der Willtnaer ordens waer, den soll in der abbt dargeben ze pfarrer. Und ob ain pfarrer / von Insprukk von notgeschaeft wegen viertzehen tag oder ainen manod von der stat reiten wolt, so sol im der abbt oder wer an seiner stat ist, ob er dahaim nicht waer, ainen prieste'r vonWilltein leihen, der in die weile / verwese. Waeren aber die herren von Willtein nicht mu(e)zzich, daz ir chainer hin ab wolt oder maecht, so mag der pfarrer ainen laypfaffen die weil an sein stat nemen, doch mit dez abbts willen und wizzen oder / seins verwesaers, ob er daheim, nicht ist. Ez ist auch diu messe ab ge- nomen mit willen des abbts und der purger, diu gestifb waz von dez Schallers gu(o)t und von des Ansmaltzs gu(o)t, wan si ainem iegleichen erbern / pfarrer ze Insprukk schedleich gewesen waer und ist geschikhet in ander almu(o)sen und gu(o)ttaet also be- schaidenleich, wan diu chirche ze Insprukk vormalen jaerichleich gen Willtein di(e)nte ze zinse naeun march / perner und ander recht als mit gewonhait her chomen ist. Der saelben naeun march gelts sint sechs march gelts abgesprochen und ab geschlagen ewich- leich fu(e)r die hundert march perner, die dem gotshaus von Willtein / worden sint umb die obgeschriben messe, und daz diu chirche ze Insprukk nu fu(o)rbaz ebichleich nicht mer gen Willtein di(e)nt, noch dienen sol wan drei march perner und ander gewon- leicher opfer-mal und ader/laz wein. Und sol auch der selb zins nicht gemert, noch ge- höhert werden in dchainer weis. Auch su(e)llent die herren von Willtein dez Schallers und dez Ansmalts namen in ir totenpu(o)ch schreiben und auf ainen tachk als si noch / mit den purgern u(o)berain werdent iren iartakch iaerichleich begen mit vigilie und messe als gewonleich ist. Auch sol der abbt und die purger sich erdenchen einer ewigen memorie und gehu(e)gnu(e)sse c den selben zwain seien / jaerichleich oder wo(e)chich- leich ze tu(o)n ze Insprukk, die ewichleich were, und wie si daz ervindent, daz sol ain pfarrer voltfu(e)ren, wan der abchauf dez gelts als oben benant ist ainem pfarrer da selben ze nutz chunt. Ez su(e)llent / auch der abbt und die purger die Su(e)lle laiten und fu(e)ren nach irer brief sag. Und wer dem obgenanten gotshaus seinen zehenten nicht geben hiet oder, noch nicht gaeb, den mu(e)gent die herren von Willtein darumb be- no(e)/ten mit gaistleichen rechten als recht ist. Und welher purger aekcher, wismat oder garten an worden waer, oder noch an wurd an dez abbts willen und wizzen, die er von dem gotshaus ze lehen hat, oder ob er von / ainem auf daz ander zins gelet hiet auch an dez abbts willen, den sol der abbt und der convent nach gen nach irer brief sag. Auch ist gesprochen, wer rinder hat in der stat oder vorsteten, daz man dem gotshause ze / Willtein iaerichleich fu(o)r den vihzehenten, von ie dem rind ain schillinch perner, geben sol. Und sol man si von dem gotshaus behalten und besorgen mit zwain stieren iaerichleich, winter und sumer, daz ire rinder ungesäumt sein. / Wie man aber die selben stier pfru(o)nt, dez su(o)llent si noch u(e)berain werden. Ez sol ein iegleich sand Jacobs chirchmayer ze Insprukk in dem pfarrhof dem abbt und den purgern jaerichleich ver- raiten von der selben chirchen gu(o)t. / Ez su(e)llent auch die purger und ir nachchomen chainen der daz gotshaus ze Willtein mit aygenschaft zu(e) geho(e)ret ze purger nicht c gehu(e)gnu(e)sse = Gedächtnis, Erinnerung. 26 nemen an ains abbts daselben wille und wort. Ez sint auch zwischen in abgesprochen / hintz auf disen hiutigen tach alle chrieg, aller schad, alle pen, aller Unwille wie sich die gehandelt haben hintz her mit Worten oder mit waerchen, der sint si gu(o)t friund wor­ den an allez gevaerd. Und wer daz oder / disen sprukh als er vor belaeutert ist u(e)ber- fu(e)r merchkleich, weder tail daz waer, der ist dem andern fu(e)nftzich march perner verfallen ze pen. Ez su(e)llent auch die purger, die in der stat und niuenstat gesezzen sind, nu fu(e)r / baz ewichleich malen daz dez gotshaus mu(e)len und anderswa nicht, als auch dez selben gotshaus von Willtein brief sagen. Und wer daz u(e)berfu(e)r, der ist vervallen dez chorns oder mels. Damit er u(e)bervert, dez sol sich / der abbt oder sein poten underwinden an alle widerred, wa si daz an choment. Auch su(e)llent die mu(e)len geng sein und daz die laeut ungesäumt sein. Wenne daz awer nicht waer, so mu(e)gent si die weil anderswa / malen hintz daz des gotshaus mu(e)len wider geng werden. Ez su(e)llent auch die mu(e)lner den laeuten redleich mit gevaren. Weiher dez nicht taet, daz sol man den abbt wizzen lan und der sol ez wenden an gever. Und swaz vor / geschriben stet, daz loben wir, der abbt von Willtein und wir der convent da selben fu(e)r u(e)ns und fu(e)r u(e)nser nachchomen den vorbenanten purgern ze Ins- prukk und iren nachchomen staet ze halten ewichleich und / getreuleich an gevert pei u(e)nsern treuen. Mit urchu(e)nd dises briefs, den wir in daru(e)ber geben mit u(o)nsern insigeln versigelten ze einem ewigen urchu(e)nd der warhait ze behalten, dannocht aller u(e)nser brief und hantfest die / daz gotshaus und si gegeneinander haben. Daz ist ge­ schehen nach Christs gebürt driuzehen hundert jar und danach in dem acht und fu(e)ntzigisten jar an sand Gedräuten abent. Nr. 5 1453 I 7. des suntags nach des heiligen Dreykuenigtag. Bürgermeister, Rat und die ganze Gemeinde von Innsbruck verpflichten sich gegen­ über dem Kloster Wilten den Schiedsspruch im Streit um nachgenannte Rechte der St.-Jakobs-Kirche und des Spitals zu Innsbruck einzuhalten. Der St.-Jakobs-Kirche und dem Pfarrer wird u. a. zugesprochen: Die Lesung der täglichen Messe, der Wochen­ messe und Stiftsmessen und dafür die Gülten von 36 Mark; ferner das Recht das ganze Jahr die Taufe und Osterkommunion zu spenden und die Beichten der Innsbrucker zu hören. Der Pfarrer ist jährlich neu zu bestellen, er wird vom Stadtrat bestimmt und vom Abte bestätigt. Der Pfarrer löst das jährliche Opfer am Weihnachtstag, Karfreitag und Kirchweihtag dem Stifte Wilten mit jährlich 15 Pfd Berner ab. Ausgenommen davon ist der Zins von 30 Pfd Perner, der Dukaten zu Weihnachten, die 6 Pfd Perner Aderlaßgeld und die Patseide Wein zu Allerseelen, die weiterhin an das Stift zu leisten sind. Das Widumshaus bei der St.-Jakobs-Kirche wird der Stadt abgetreten, die die Baulast dafür übernimmt. Die Stadt bestellt den Priester für die Seelsorge des Spitals. Die Einkünfte aus Seelgerätstiftungen, Opfer, Jahrtagen, Almosen und Wallfahrten ste­ hen dem Spital allein zu. Den Spitalsmeister wählt nur mehr der Stadtrat, doch darf der Abt an seiner jährlichen Rechnungslegung teilnehmen. Siegler: Stadt Innsbruck. Or. n. Perg. 41,4/60,9 cm mit Plica und an Pergamentpressei anhang. rundes grünes Schalensiegel mit rückwärts auf gedrücktem Sekretsiegel. Überlieferungen: A: St. W., Lade 28 H Nr. 1. B: Auszug ebenda, Lade 28 H Nr. 5 (ca. 18. Jh., Pap. 3 Blatt). C: Ebenda, Lade 28 H Nr. 2, Insert in Bestätigungsurkunde von Kardinal Nikolaus Cues 1453 VIII 13., Or. n. Perg. 42,3/60,3 cm mit Plica, an­ hang. Siegel fehlt, und Brixen Consistorialarchiv, Abt. Stadtpfarre St. Jakob Innsbruck. 27 Insert gedruckt bei: Friedrich Hausmann, Das Brixner Briefbuch des Kardinals Nikolaus von Kues, Heidelberg 1952, Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissen­ schaften, phil.-histor. Klasse, 2. Abh., S. 56, Nr. 79, und Kopie Landesregierungsarchiv f. Tirol, Sammelakten Abt. XV, Lage 1, Nr. 13. Regest: Unterkircher, a. a. O., S. 20, Nr. 195. Erwähnungen und Auszüge in der Literatur: Sinnacher, a. a. O., VI, Brixen 1828, S. 383, Tinkhauser, a. a. O., II, S. 92, Albert Jäger, Regesten und urkundliche Daten über das Verhältnis des Cardinais Nicolaus von Cusa, als Bischof von Brixen, zum Herzoge Sigmund von Österreich und zu dem Lande Tirol von 1459 und 1460, Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen, 1. Bd., Wien 1850, S. 303, Nr. 59, Weingartner, a. a. O., S. 13, Schadelbauer, Beiträge, S. 273, und Insert Auszug ebenda Anmerkung 3, Zöchbaur, a. a. O., S. 271, Konrad Fischnaler, a. a. O., V, S. 19, Hans Lentze, Nikolaus von Cues und die Reform des Stiftes Wilten, Veröffentlichungen d. Mus. Ferdinandeum, Bd. 31, Innsbruck 1951, S. 509, u. derselbe, Die klösterlichen Messenstiftungen, S. 38 und 42. [W]ir, der burgermaister, rat und die ganntz gemaynde, gemainkleich der stat ze Insprukg, bekennen für uns und all unser erben und unser nachkomen derselben stat und tu(e)n kunt offennlich mit dem brieve allen, den er furkumpt. Als dann ein yeder erwirdiger / abbt, sein convent und das gotshaus zu Wiltein nach Verschreibung irer vorvaren daselbs uns, unsern erben und nachkomen verpunnden gewesen sindt, tegleich fünf messen und ein wochen mesz durch die conventpru(e)der zu Wiltein in unserer kirchen zu sannd / Jacob zu Insprukg zu halten (dieselb sannd Jacobskirchen mit pfarr- lichen rechten dem vorgenanten gotshaus zu Wiltein zugefügt ist a) und die vorgemelten messen von unsern vorvordern hie zu Insprukg und andern auf das bemelt gotshaus gestifft ist worden. / Und wan aber der hochwirdig in Got vater, her Niclas der heiligen ro(e)mischen kirchen Cardinal, des titls sannd Peters ad Vincula, bischof zu Brichsen, unser gnediger herr, nach bevelhnu(e)s unsers heiligen vaters, des papst, si ermant und so ernstleich / angehalten hat, ir convent pru(e)der in irem gotshaus und solh Ordnung nach ausweysung irer regl zu halten, als sich dann das nach aufsatzung irs Ordens und stannds gepiert und, sy aber solhs von der egenanten messen und ausgangs wegen irer conventpru(e)der /nicht füglich mo(e)chten getu(e)n und haben dadurch den durchleuchtigen hochgeborn fürsten, hertzog Sigmunden, hertzogen ze 0(e)sterreich etc. unsern gnedigen herren, mit diemu(e)tiger bete angelanngt, solh mitl zwischen unser und dem vorgenanten abbt und convent / des gotshaus zu Wiltein für zu nemen, damit die benanten messen in ander weg erstatet und ir conventbruder solichs ausgangs aus ihrem gotshaus enpun- den wirden, darz(u) sein gnad sich gnedigklich gewilligt und die nachgeschriben mit namen hern Linharten / Wismair, pharrer zu Tirol, yetz sein saltzmair zu Hall, Jor­ gen Diepperskircher, sein phleger zu Vmbst, Hannsen Krippen, sein kuchenmaister und pfleger zu Tawr, Kristoffen Sigwein und Hannsen Fuger, burger zu Hall, geordent und mit seinem brief geschafft hat, uns und die / vorgenanten von Wiltein auf ain be- nante zeit geneinander und die vorgenante sach zuverhorn und versuchen, über ain zu­ bringen, daz si also getan und all unser notdurfft und furbringen, so wir dann der bemelten Sachen halben zu bederseit für sy bracht haben, verhört und uns mit / unser bedertail willen und wissen uberain bracht und ain solh richtung und auffundikait zwischen unser gemacht haben, als hernach geschriben stet, und die wir auch mit zeitigem rats williklich, wolbedechtiklich und unwiderruffenlichen zu halten aufgenomen und uns / darinn gegeben haben in der beschaidenhait und mit solher versorgnus bestettung, peen und ander sicherhait, als das alles hernach begriffen ist. Von erst, das der vor­ genante abbt und convent, auch das gotshaus zu Wiltein uns der stat und sannd Jacobs 28 kirchen zu / Insprukg sullen geben und antwurten in unser gewalt, nutz und gewer für die vorgenanten fünf teglich messen und ain wochenmesz sechsunddreissig markch gelts gu(o)ter ewiger gülte und in denselben sechsunddreissig markchen gelts sullen gegeben werden mit ausz/genomen und bestymbten Worten die gult und gu(e)ter, die im Sakgen und umb die stat Insprukg gelegen sind, darauf si und ir gotshaus zu Wiltein lehen­ schafft, zinsz und vellikait gehabt haben alsvil, der ist kains ausgenomen mit sambt der herlichait, vellikait, / brieven und gerechtikaiten, so das gotshaus zu Wiltein darüber gehabt hat. Und zu der vorgeschriben gult und gutem, so vil aignez gült und giiter, damit das in ainer sum bringt sechsunddreissig markch gelts, guter und ga(e)ber meraner muns, das die gnugsamlich / da sein und sullen auch si und ir nachkomen, noch b das gotshaus Wiltein zu den vorgenanten gutem dhainerlay Zuspruch noch vordrung, weder von vellikait, lehenschafft oder in dhain ander weg, die yeman erdenkchen mag, nymer mer haben, noch gewynnen in [dhain weys] / zu ewiger furzicht (doch in und iren nachkomen Vorbehalten irs zehenten, den sy da haben c). Und zu ainer pessrung und er- stattung des gotsdienst zu Insprukg habent der vorgenante abbt und convent für sich und all ir nachkomen und für das gotshaus zu / Wiltein zu ewigen Zeiten verzigen, begeben und verwilligt: Der tauff zu Insprukg. Also, das die tauff furbazz durch das ganntz jar zu Insprugk in sannd Jacobs kirchen gehalten sull werden, und si haben gebeten, den obgenanten, unsern gnedigen herren den Cardinal, das sein / gnad uns und sannd Jacobs kirchen das vergunnet und gegeben hat als ain bischof zu Brichsen, des sich sein gnad also gewilligt und begeben hat. Item wir sullen auch furbaz unsern lay- priestern peichten. Und dieselben haben uns gewalt zuverhorn, an ir und irer / nach­ komen und gotshaus irrung und hindernusz. Item wir mugen auch an dem weyhen- phintztag, karfreytag und am oestertag hie haym zu Insprukg mit dem heiligen sacra- ment communnciern und nicht gepunden sein daselbst zu Wiltein das sacrament ze nemen, / dann wer das gern tun welle. Item von ains pharrer wegen zu Insprukg sul­ len wir ainen erbern, gelerten priester jerlichf urnemen und den ainem abbt zu Wiltein antwurten und in bitten, uns denselben das jar zubesteten. Dasselb sol ain yeder abbt also tu(e)n, es we(a)r dann, daz / er nicht tauglich darzu we(a)r, so sollen wir ain andern, der darzu fugleich ist, furnemen und also antwurten. Und derselb pharrer sol den gewalt haben und die seelsorg erwerben, alle pharrliche recht zu halten und tu(e)n, als dann geistlich Ordnung und gesazt ausweysen. Item / von des oppfers wegen, so ain abbt und das gotshaus zu Wiltein in sannd Jacobs kirchen zu Insprukg gehabt haben zu der kristmesz, am karfreytag und am kirchweychtag, auch das ain pharrer zu Insprukg dem abbt von Wiltein alle jar ain mal geben solt, ist gesprochen, das für / die ob­ genanten dreu Opfer und das mal ain yeder pharer ainem abbt und convent zu Wiltein alle jar geben sol, des nächsten tags nach dem heiligen weyhene(a)chttag siben phunt perner meraner muns und am 0(e)sterabent auch siben phunt perner güter meraner muns, doch vorbe/halten dem abbt und convent und iren nachkomen der dreyssig phunt perner zinsz, des ducaten zu weyhna(e)chten und der sechs phunt perner aderlas gelt mit sambt der pazeyden wein, die an aller seelen tag gevellet. Das in das also furbazzer gegeben und geraichet werden sol, wie das mit alter gewonhait herchomen ist. Item auch sol das widemhaus, da der pharrer zu Insprukg ynne ist, der stat und sannd Jacobs kirchen daselbs zusteen, doch wenn ein abbt von Wiltein sein zuvart darjnn haben wil ungevarlich, das sol im Vorbehalten sein, doch / das der pharrer und sein ge- aundc Diese Urkundenteile wurden vom Urkundenschreiber selbst in runde Klammern gesetzt. b „Noch“ ist mit dunklerer Tinte von anderer Hand darübergeschrieben worden. 29 seilen dadurch geverlich nicht beswe(a)rt wurden. Wir sullen auch daselb haus furbazzer mit dach und andern pau versorgen, als wir des getrauen zugenyessen. [Item] für die vorgeschriben stukch und artikl ist gesprochen, daz wir burger zu Insprukch sullen yetz / halten und stifften vier ewig te(a)gleich messen in sannd Jacobs kirchen daselbs, die furbazzer te(a)glich gehalten werden an abgang und unsern vleisz darynn tu(e)n, damit sy zu ewigen Zeiten gestifftet werden. Item von des spitals wegen zu Insprukg ist ge­ sprochen, daz wir furbazz dasselb spital mit / ainem erbern priester besetzen sullen. Dem selben priester sol die seelsorg von dem pharrer zu Insprukg, wenn er die als oben stet erworben hat, bevolhen werden und sol auch mit volgen die gult und gu(e)ter von kunig Hainreichen gestifftet, alsvil der vorhannden sein und der brief dar/über lautend, der stat zu Insprukg zu unsern hannden geantwurt werden, anverziehen. Demselben priester sol auch mit volgen seelgera(e)t, opfer und jarteg, die in dem selben spital gevallen und gestifftet sein, damit doch die mesz daselbs volbracht werde. Item, als dann der abbt und / sein convent vermaynten zu haben, was man dem spital schuff ausserhalb kost und pettgewannt, daz sy darjnn ain vierden tail haben solten, und ob ain kirch- vart dahin wurde und was zu dem selben spital über ain phunt perner zu almüsen geben wurde, darin iren vierden / tail zu haben. Um die yetzgenanten drey artikchel ist gesprochen, das die ab sein sullen furbazz dem spital allain zu steen. Item von eins spitalmaister wegen, das man in und iren nachkomen den järlich presentiern sol, haben sich der abbt und sein convent für sy und ir / nachkomen begeben und zu ewigen Zei­ ten verwilligt, daz wir des furan hin vertragen sullen sein und mugen, selbs ainen erbergen man zu ainem spitalmaister welen und nemen, der dem spital nutz, gut und füglich ist. Sy haben auch diemu(e)tiklich gebetten, unsern vor/genanten gnedigen her- ren, den Cardinal und bischof zu Brichsen, das sein gnad sich des auch begeben gewilligt und conformirt hat. Item von der raytung wegen des spitals ist gesprochen, wan man mit dem spitalmaister raytung tu(e)n will, sol man ainen yeden abbt zu solher / rayt- tung wissen lassen. Der mag sich darzu selbs fügen oder ainen an seiner stat darzu sennden, treulich und ungevarlich und die vorgeschriben ainikait, ausspruch und rich- tung und alles, das vor und nach in disem brief geschriben stet, und uns rat und gemaynn und unser erben, / auch unser kirchen zu sannd Jacobs und das spital zu Insprukg berirt geloben, versprechen und verhayssen wir für uns, unser erben und nachkomen, so wir ho(e)chst mugen und sullen, bey unsern treu(e)n an aydstat und in krafft des briefs und wie das in allen rechten, geistlichen / und weltleichen aller pest krafft und macht haben sol und mag, in allen stukchen, aertiklen, begreiffungen, may- nungen und underschaiden allen gemaynnklich und yegleichen in sonderhait genu(e)tz- lich und unwiderruffenlich und an all auszug die yemand finnden, erdennkchen oder fur/nemen möcht zu halten und zuvolfuren, noch auch darwider nymer mer zu sein, zu reden, noch zu tu(e)n durch uns selbs, noch yemand andern, von unsern wegen alles getreulich und ungeverd darzu bey ainer peen hundert markch perner meraner mu(e)ns. Also welher unser / obgenanten pedertail disen spruch und Verschreibung nicht stet hielt und die geve(a)rlich uberfuere in ain oder mengern stukchen, daz sich mit war- hait erfunde, der sol derselben peen dem gotshaus auf dem andern tail, der das stet hiet, vervallen sein. Und ob die peen unsers tails / verval, so sol die dem gotshaus zu Wiltein gevallen sein und geben werden. Desgleichen, ob der abbt und sein convent irs tails die peen vervalen, so sol dieselb peen unsern kirchen sannd Jacoben und dem spital vervallen sein und gegeben werden. Die peen gevall oder / nicht, so sol dennoch diser spruch ewigkleich von uns, unsern erben und nachkomen stet vest und unzebrochen gehalten und volfu(e)rt werden an all aufsatz, arglist und geverde. Und des alles zu 30 waren urkund und ewiger getzeugnuss der vorgeschriben Sachen aller, so haben / wir obgenante, burgermaister, rat und gemaynde gemainnikleich der stat ze Insprukg für uns, unser erben und all unser nachkomen und für unser gotshauser sannd Jacobs kir- chen und das spital hie zu Insprukg derselben stat Insprukg insigel an disen brief ge- hanngen, den wir / den vorgenanten abbt, prior und convent zu Wiltein und dem gots- haus daselbs und allen iren nachkomen geben, in solher maynung und laut wir auch ain solhen brief widerumb von in haben. Und der brief ist geben des suntags nach der hei­ ligen drey ku(e)nig tag / nach Krists gepurdt tausent vierhundert und in den dreu und fu(e)nftzigisten jare. Nr. 6 1631 I 30. Brixen. Urteilsspruch des Konsistoriums von Brixen, in welchem es bestimmt, daß der Pfarrer von St. Jakob zu Innsbruck künftig vom Stadtrat zu ernennen, vom Abt des Stiftes Wilten zu präsentieren und vom Bischof von Brixen zu bestätigen ist. Überlieferung: B: Brixen, Consistorialarchiv, Abt. Stadtpfarre St. Jakob, Innsbruck. Erwähnungen und Auszug in der Literatur: Tinkhauser, a. a. O., II, S. 93; Weingart­ ner, a. a. O., S. 18. In Christi nomine. Amen. GUILIELMUS Dei et Apostolicae Sedis gratia Episcopus Brixinensis. Expedientes causam seu controversiam vertentem coram episcopali nostro Consistorio ex officio contra ac inter Nobis in Christo sincere dilectum Andream Abbatem Wiltinensem nomine eiusdem monasterii Wiltinensis cum interventu et presen- tia deputatorum a senatu civico Oenipontano pro interesse dicti senatus occasione annuae cuiusdam praesentationis, quam dictus Abbas virtute transactionis inter monaste- rium Wiltinense et senatum praedictae civitatis Oenipontanae sub anno millesimo quadringentesimo quinquagesimo tertio erectae et a quondam Ill.mo et Rev.mo Car- dinale Dno Nicolao Cusano Episcopo Brixinensi tanquam Ordinario confirmatae prae- tendebat videlicet quod Senatus Oenipontanus (cui ex vi praefatae transactionis ius est saecularem Presbyterum idoneum pro ecclesia Sancti Jacobi Oeniponti curam animarum et functiones parochiales ibidem obiturum ipsi Abbati pro tempore existenti in singulos annos pro confirmatione nominare) teneatur ei Abbati singulis annis praesen- tare, Abbati vero liberum esse nominatum confirmare vel ad libitum quoquo anno amovere, ex quo ante praecitatam transactionem locus ubi civitas Oeniponti ex Ecclesia S. Jacobi memorata sita est intra confmes S. Mariae Wiltinensis Fundatore sub anno millesimo centesimo quadragesimo et anno millesimo centesimo quadragesimo primo libere eidem Monasterio ad usus perpetuos donatae et confinibus descriptae continetur, quam ob causam eandem ecclesiam Sancti Jacobi filialem solum dictae parochiae Wil- tinensi esse atque ius rectoriae in eadem penes Monasterium consistere, in eoque a die transactionis praefactae usque ad annum millesimum sexcentesimum decimum quintum (quo anno a Seren.mo et Rev.mo praedecessore nostro Carolo Archiduce Austriae tune temporis Episcopo Brixinensi tanquam ordinario ut aiebat praesentatio iam dicta in- hibita fuit), pacifice in quasi possessione illius iuris Monasterium fuisse asserebat. Re- gulae eorum invigilare possint transtulisse nec non proprium fontem baptismalem in- posterum habendi in praefata ecclesia S. Jacobi ius in perpetuum cessisse (quemad- modum in ipsa scriptura transactionis Presbyter ille a Senatu nominandus semper Parochus dicitur seu intitulatur, qui alias iuxta Abbatis petitionem Vicarius fuisset nun- cupandus, sicut et ipsa ecclesia S. Jacobi parochia appellatur) reservato eidem Monaste- 31 rio iure decimandi seu percipiendi decimas etiam Oeniponti et praedicta annua Presby- teri praesentatione uti etiam alia quadam annua pensione Abbati persolvenda, attento maxime quod in eadem transactione Presbyter saecularis nominatus obligatur curam animarum et facultatem munia parochialia peragendi prout iuris est a Rev.mo Episcopo Brixinensi uti Ordinario impetrare ut latius in ipsa transactione continetur. Perlectis literis ab Ill.mo et Rev.mo quandam Domino Daniele Episcopo Brixninensi proximo antecessore nostro de anno millesimo sexcentesimo vigesimo octavo ad Senatum Oenipontanum super hoc negotio emanatis atque aliis nonnullis scripturis ex parte Abbatis productis et sumariter dictis et deductis. Considerantes saepedictum presbyterum et parochum simul ad nutum Abbatis amovi- bilem esse iuri non convenire nec simul Stare posse ipsosque conventuales Wiltinenses nullumque alium ad officia parochialia seu curata absque approbatione et admissione nostra tanquam Ordinarii et Sedis Apostolicae Delegati seundum dispositionen SS. Con- cilii Tridentini ac Summorum Pontificum sanctione et decreta admitti nec illa exercere valere. Perpendentes etiam tarn numerosum populum, qui in ea Archiducali Civitate et residentia Oeniponti reperitur, qui et ad multa millia animarum sese ut notorium est extendit, cum e contra tempore donationis de parochiali ecclesia S. Mariae Wiltinensis ab Episcopo Reinberto erectae Oenipontum locus esset tarn exigui populi, ut illis filialis ecclesia sufficeret et sacramenta in parochiali Wiltinensi percipere ut tenebatur comode poterat ut ex ipsis praedictis scripturis antiquis constat, per sacerdotem quantumvis idoneum ad nutum, ut Abbas et Conventus praetendit, amovibilem, regi non debere, imo libere ob periculum amotionis .curam animarum exercere nec Pastoris officio defungi posse aut expedire quin etiam quatenus ecclesia S. Jacobi dicta parochialis non esset, iuxta Decreta SS. Concilii Tridentini non obstantibus quibuscunque privilegiis et con- suetudinibus etiam immemorabilibus ut habetur cap. 13. Sess. 24 De Reform, et cap. 9 Sess. 14 De Reform.; iuxta Bulla Pii IV. lata XIII Kal. Martii anno millesimo quingen- tesimo sexagesimo quinto illam in parochialem erigendam fore. Antedictam igitur transactionem in ea parte quae iuri et rationi refragatur, tollentes et emendantes Christi nomine repetito dicimus, sententiam pronunciamus et declaramus, Abbatem Monasterii Wiltinensis praedicti vacante canonice ipsa ecclesia S. Jacobi Oeni­ ponti Presbyterum saecularem a Senatu Civium Oeniponti eidem Abbati nominandum, eique pro idonea visum ad Nos veluti Ordinarium ad examen pro cura animarum pro approbatione ad officium parochiale ac institutione ad parochiam ecclesiae S. Jacobi Oeniponti (quam parochialem pronunciamus et pro parochiali haberi volumus) huc Brixinam canonice praesentare posse, qui praesentatus postquam fuerit, a Nobis tam- quam Ordinario institutus et ad curam animarum approbatus et ad officium parochia­ lem admissus et investitus de caetero se Abbati nec per se nec per dictum Senatum prae­ sentare sese teneatur, obligatus tarnen sit pensionem in dicta transactione, quam in Omnibus et singulis aliis articulis in suo robore relinquimus contentam et quidquid de proximis praeteritis annis de illa debetur, ipsi Abbati in singulos annos persolvere, iurisdictione in ipsum parochum et parochiam S. Jacobi praedicti Nobis Ordinario prout iuris est semper reservata, unde his statibus Honorabilem dilectum M. Joannem Mayr antehac in dicta ecclesia S. Jacobi a praedecessoribus nostris institutum admissum admissum et approbatum denua in parochum ecclesiae antedictae S. Jacobi confirmamus. Et ita dicimus et sententiamus omni meliori modo lata lecta et publicata in Con- sistorio Ecclesiastico voce intelligibili nomine Ill.mi et Rev.mi Dni Dni Guilielmi Episcopi Brixinensis praesentibus Dominis Consistorialibus Christophoro Samuele See- 32 man a Mangern Vicario Generali tanquam Praeside Consistorii, Jacobo Migazzio SS. Thel. et I. V. Doctore, Baltasaro Recordin a Nein ambobus Canonicis Brixninen- sibus, Janne Bapt. de Thono Canonico S. Mariae in Ambitu Brixinense et nobili Excel- lentissimo Dno Balthasaro Baldeser I. V. D. Consiliario et Cancellario ibidem aulico. — Trigesima Januarij Anno millesimo sexcentesimo trigesimo primo. Nr. 7 1641 XII 11. Salzburg. Der Erzbischof von Salzburg hebt den Urteilsspruch des Konsistoriums von Brixen, betreffend die Ernennung, Präsentation und Bestätigung des Pfarrers an der St.-Jakobs- Kirche zu Innsbruck, auf. Überlieferung: B: Brixen, Konsistorialarchiv, Abt. Stadtpfarre St. Jakob, Innsbruck. Erwähnungen und Auszüge in der Literatur: Tinkhauser, a. a. O., II, S. 93 ff.; Wein­ gartner, a. a. O., S. 18. In causa interposita Appellationis inter plurimum Rev.m dnm. Abbatem Monasterii Wiltinensis Ordinis Praemostratensis eiusque Conventum partem appellantem ex una contra Venerabile Consistorium Brixinense partem appellatam altera ex partibus ob Sententiam a praefato Brixinensi Consistorio ex Officio latam et publicatam in puncto adiudicati Iuris Parochialis apud ecclesiam S. Jacobi Oeniponti et abrogatae annuae praesentationis, Nos Archiepiscopalis Consistorii Salisburgensis in spiritualibus causis Praeses, Consiliarii et Iudices ecclesiastici, Visis tarn huius quam primae instantiae actis et actitatis nec non instrumentis, documentis et aliis scripturis in vim iudicialis proba- tionis productis iisque maturo iudicio ponderatis et discussis insuper conclusione et sub- missione utrimque iudicialiter facta per hanc nostram definitivam sententiam pronun- ciamus decleramus et decernimus bene appellatum et in prima instantia male iudicatam proindeque sententiam a praenominato Brixinensi Consistorio die 30. Januarij 1631 sub nomine Ill.mi et R.mi Dni Dni Guilielmi Episcopi Brixinensis piissimae memoriae ex Officio latam et pubblicatam sicut lata et pubblicata est reformandam esse prout eam per hanc nostram sententiam reformamus declaramus et dicimus ecclesiam S. Jacobi Oeniponti vi transactionis Anno 1453 inter Eberhardum quondam Abbatem Wiltinen- sem et Civitatem Oenipontanam initae in parochialem non fuisse erectam, sed dictam transactionem legitime ab Ordinario Episcopo Brixinensi confirmatam in suo vigore et hactenus observato usu atque exinde Abbatem Wiltinensem eiusque Conventum in eius possessione vel quasi in qua a tempore praefatae transactionis initae usque ad annum 1615 seu 1616 pacifice fuit relinquendum ac manutenendum esse. Econtra vero Vicarios Oenipontanos pro approbatione ad curam animarum Ordinario Brixinensi data muta- tione personarum sistendos esse jure tarnen Concilii Tridentini, vi cuius, si Episcopus Brixinensis tanquam Ordinarius in praenominata ecclesia S. Jacobi novam et distinctam parochiam aut Vicariatum perpetuum servatis tarnen servandis adhuc erigendam esse iudicaverit, semper salvo cui per hanc nostram sententiam nil derogamus neque deroga- tum volumus, compensatis expensis utrinque in hac causa factis. Idque in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Amen. Lata, lecta et pubblicata in Consistorio 11. Decembris (1641). L. S. Nr. 8 1643 V 7. Innsbruck. Bischof Johann Platzgummer von Brixen erhebt die dem Stifte Wilten inkorporierte St.-Jakobs-Kirche zu Innsbruck zu einem selbständigen Pfarrvikariat. Siegler: Konsistorium in Brixen. 33 Unterschriften: Jesse Perchofer, vic(arius) episcopalis, u. Michael Stainer, not(arius). Überlieferung: B: Brixen Consistorialarchiv, Abt. Stadtpfarre St. Jakob, Innsbruck. Erwähnungen und Auszüge in der Literatur: Sinnacher, a. a. O., VIII, Brixen 1832, S. 555, Tinkhauser, a. a. O., II, S. 94, Lentze, a. a. O., S. 268, und Weingartner, a. a. O., S. 19. Jesse Perchofer SS. Theol. Doctor Cathedralis Ecclesiae Brixinensis Decanus, Vicarius et Visitator generalis per Diocesim Brixinensem. Alias de anno 1141 quondam Ill.mus et Rev.mus Dns Reginbertus Brixinensis Episcopus uti Ordinarius loci zelo pietatis ductus Monasterio Wilthinensi Ordinis Praemonstratensium Brixinensis Diocesis parochialem ecclesiam Sanctae Mariae Wilthinae et Ecclesiam Sancti Jacobi civitatis'Oeniponti Diocesis eiusdem cum omnibus iuribus et pertinentibus suis donavit. Cum autem ob distantiam dictorum Monasterii et parochialis Wilthinensis aliasque incommoditates Abbati et Conventus eiusdem monasterii regimen ipsius ecclesiae S. Jacobi et administratio curae animarum civitatis Oeniponti gravis difficilisque accideret ex, eo ut maxime quod Em.us et Rev.mus Dns D. Nicolaus Cusanus S. R. E. Cardinalis, per Germaniam Legatus de latere, Episcopus Brixinensis ex speciali commissione S. Dni nostri Papae Wilthinen- sium excursiones evitari et eos ad religionis eiusdemque regularum accuratam observan- tiam monasterio contineri mandasset aliisque rationabilibus de causis inter praefatos Abbatem et Conventum Wilthinensem ex una atque Senatum civium Oenipontanum ex altera partibus ad concordiam seu transactionem ab eodem et Em.mo et Rev.mo Dno Cardinali Nicolao Cusano confirmatam, temporis successu deventum esset, vigore cuius Abbatis et Conventus nec non Senatus civici ante nominatorum mutuo ac reciproco in- terveniente consensu et voluntate regimen eiusdem ecclesiae S. Jacobi et administratio curae animarum in districtu civitatis Oeniponti cum erectione propriae fontis baptis- malis in dicta ecclesia et exercitio curae animarum translata fuerunt, regenda et exer- cenda et gubernanda per presbyterum et sacerdotem saecularem a senatu civico Oeni- pontano eidem Abbati Wilthinensi annuatim nominandum, qui curam plebis ab 111.mo et Rev.mo Dno Episcopo et Ordinario Brixinensi reciperet, prout latius constat in instrumento publico anno 1453 erecto. Econtra vero in SS. Concilio Tridentino Sess. 24 cap. 13 cautum, dispositum et ordinatum fuerit, ut Ordinarii in iis civitatibus ac locis, ubi nullae sint parochiales, quamprimum fieri curent non obstantibus quibuscunque privilegiis et consuetudinibus etiam immemorabilibus et Sess. 7 cap. 7 in eodem concilio prout sequitur: quod beneficia curata ecclesiastica, quae monasteriis ac piis locis qui­ buscunque perpetuo unita et annexa reperiantur, ab Ordinariis locorum singulis annis visitentur, qui sollicite provideant, ut per idoneos vicarios etiam perpetuos nisi ipsis Or­ dinariis pro bono ecclesiarum regimine aliter expedire videbitur cum tertia parte fructu- um aut maiori aut minori arbitrio eorundem ordinariorum portione etiam super certa re assignanda, in dictis sic unitis ecclesiis deputandos animarum cura laudabiliter exerceatur, appellationibus, privilegiis, exemptionibus etiam cum iudicum depuatione et illorum inhibitione quibuscunque in praemissis minime suffragantibus, sed etiam quod Ill.mus et Rev.mus Orinarius et Episcopus Brixinensis providere considerans pro ecclesia S. Jacobi et populi civitatis Oeniponti animarum salute utilius tutiusque fore, ut ibidem propria et distincta parochia constituatur eisque per proprium idoneum et perpetuum vicarium potius quam per capellanum seu vicarium amovibilem ut supra deserviretur desuper trigesima die Januarii anno 1631 sententiam tuluit, eius Abbas et Conventus dicti non acquiescentes ab illa reclamaverint praetendentes amovibilit tem vicarii in ipsa transactione expressam, in dictam perpetuitatem de iure redigi et ecclesiam S. Jacobi in distinctam parochiam erigi non posse ac desuper litem ac causam in metro- politano auditorio Reverendissimi Consistorio Salisburgensis intentarint, ibique pro- 34 cessu utrinque instructo et negotio mature discusso praeviae reformatione sententiae Brixinenses praeallegato praedicto episcopo Brixninensi tamquam Ordinario loci ius Concilii Tridentini vi cuius, si ita expedire iudicaverit in praenominata ecclesia divi Jacobi novam et distinctam parochiam et vicariatum perpetuum servatis servandis etc. erigere possit et valeat, reservatum fuerit, prout videre est in sententia lata et lecta Salisburgi 11. Decembris 1641 atque hanc Dominus Abbas et Conventus ultio accep- taverit, Rev.mus et Ill.mus D. Dominus Episcopus Brixinensis vero licet ab ea in praeiudicialibus immediate provocaverit et appellaverit, tracta tarnen temporis appel- lationi huiusmodi eidem non insistendo renunciaverit reservatione praedicta Concilii Tridentini contentus. Volentes propterea nomine et mandato Ill.mi et Rev.mi D. D. Joannis moderni episcopi principis Brixinensis et Domini ordinarii nostri clementissimi uti facultatis per antedictum Concilium et sententiam Salisburgensem sibi data et reservata atque alias omni meliori modo via et forma quibus melius et efficacius et validius fieri potuit ac potest ad erectionem novae et distinctae parochiae et vicariatus perpetui in praenominata ecclesia D. Jacobi procedere, citatis prius Dno Abbate et Conventu Wilthinensi atque Senatu civico Oenipontano ad dicendum, cur ad erectionem huiusmodi deveniri non debeatur, iisque auditis omnibus et singulis nec non post maturam deliberationem velut in re iusta necessaria et ad cultum divinum utilitatemque redundantem tandem ad dictam erectionem consensum praebentibus in actu visitationis constituti, in praedicta ecclesia Sancti Jacobi civitatis Oenipontanae Brixinensis diocesis, attentis quod eadem civitas Serenissimorum Archiducum Austriae in provincia Tyrolis primaria residentia in eaque ingens multitudo populi christiani magna quoque distantia a parochiali ecclesia Wilthinensi existat, tollentes annuam presbyteri curam animarum ibidem exercentis electionem et praesentationem, in transactione supra dicta contentam, titulum novae parochiae distinctae ac perpetui vicariatus, cui per presbyterum saecularem uti vicarium perpetuum in officio ecclesiastico pro cura animarum et institutione recipienda ab iis quibus competit infra tempora de iure praescripta nominandum et praesentandum deser- viatur, erigendum fore et esse dicimus, presentiumque tenore decernimus et erigimus talemque pronunciamus et declaramus pro eiusdem certis finibus et popula parochiali districtum et populum civitatis Oeniponti cum pertinentiis suis universis nec non pro vitae sustentatione ac portione congrua dicti vicariatus perpetui illos redditus et pro- ventus quos vigore contractus seu transactionis superius allegatae et ex antiqua con- suetudine vividique observantia rector eiusdem ecclesiae S. Jacobi hactenus percepit ac denique eidem domum ipsi ecclesiae propinquam quam antea incoluit pro habitatione sine ullo onere in perpetuum et perpetuis futuris temporibus assignantes applicantes et appropriantes, salvis tarnen incorporatione eiusdem ecclesiae Wilthinensis Monasterio facta ac reliquis omnibus et singulis, quae praemissis non repugnant et in vividi obser- vatione existunt in saepedicto transactionis contractu contenti nec aliter non obstantibus quibuscunque privilegiis et consuetudinibus etiam immemorabilibus aliisque contrariis quibuscunque. Datum et decretum Oeniponti in actu visitationis die septima mensis May anno Dni 1643 praesentibus personaliter D. Andrea Abbate et deputatis a Conventu Wilthinensi necnon a Senatu civico Oenipontano prout in actis praesentibus etiam venerabilibus D. D. Henrico Seirero praesbytero diocesis Coloniensis et Joanne Wiser civitatis Oeniponti clericis, diocesis Brixinenis, testibus idoneis notis ad publicationem praeinserti decreti specialiter habitis et rogatis. Jesse Perchhofer Vic. Eplis mp. Michael Stainer not. L. S. Consistorii eccles, Curiae Brixinensis. 35 i Nr. 9 1904 VII 4. Rom. Verleihung der Würde eines Apostolischen Protonotars ad instar participantium mit dem Rechte der'Pontifikalien an den Stadtpfarrer von St. Jakob. Siegler: Papst Pius X. Überlieferungen: A: Nach freundlicher Mitteilung Sr. Gnaden Propst Dr. Heinz Huber verloren. B: Brixen, Diözesanarchiv. Erwähnung in der Literatur: Weingartner, a. a. O., S. 77. PIUS PP. X. Ad perpetuam rei memoriam. Viros ecclesiasticos, qui in templis antiqua christianae plebis veneratione celebribus sacri Ministern implent officia, Romanorum Pontificum Decessorum Nostrorum vestigiis haerentes, peculiarium insignium ornamento pro re ac tempore cohonestare solemus. Hoc consilio cum venerabilis frater hodiernus Episcopus Brixinensis enixas Nobis humiliter praeces adhibuerit, ut Archipresbytero pro tempore existenti maioris curialis templi Oenipontensis sub invocatione S. Jacobi Apostoli titulum ac privilegium Protonotariorum Apostolicorum ad instar Participan­ tium largiri de Nostra benignitate dignaremur: Nos id quam maxime cessurum rati ad augendum atque amplificandum tum Sacrorum Rituum splendorem, cum insignis ipsius templi decus, votis hisce annuendum libenti quidem animo existimavimus. Quae cum ita sint, omnes et singulos, quibus Nostrae hae literae favent peculiari benevolentia complectentes et a quibusvis excommunicationis et interdicti aliisque ecclesiasticis sen- tentiis, censuris et poenis, si quas forte incurrerint, huius tantum rei gratia absolventes et absolutos fore censentes, nunc et pro tempore existentem Archipresbyterum maioris curialis templi Oenipontensis sub invocatione S. Jacobi Apostoli, Dioecesis Brixinensis intra fines, legitime hoc futurisque temporibus institutum Protonotarium Apostolicum ad instar Participantium sed non e numero Participantium auctoritate Nostra Aposto- lica harum literarum vi eligimus et renuntiamus. Proinae hodierno Oenepontensis maioris curialis templi S. Jacobi Apostoli Archipresbytero ejusque hoc in munere succes- soribus auctoritate legitima institutis omnia et singula deferimus atque impertimur jura, honores, privilegia, indulta, quibus ceteri honorificentissime hoc munere insigniti viri ecclesiastici ex Apostolica Constitutione de Protonotariorum Colegio edita pollent, cuius typis editum exemplar ad ipsos de more transmittitur. Praecipimus vero, ut cum hodiernus Archipresbyter, tum in posterum successores eiusdem, priusquam huiusmodi concessionis beneficio perfrui incipiant, coram Decano Protonotariorum Apostolicorum Participantium, si Romae adsint per se, sive per uniuscuiusque eorum legitimum pro- curatorem fidei professionem emittant juxta articulos ab hac S. Sede propositos, debitum praestent in forma solita juramentum, aliaque respective servent, quae praescribuntur. Decernentes has literas firmas, validas et efficaces esistere et fore suosque plenarios et integros effectus sortiri et obtinere, illisque ad quos spectat et spectare poterit in omnibus et per omnia plenissime suffragari, sicque in praemissis per quoscunque Judices ordinarios et delegators judicari et definiri debere, atque irritum et inane si secus super his a quoquam quavis auctoritate scienter vel ignoranter contigerit attentari. Non obstantibus Constitutionibus et Ordinationibus Apostolicis ceterisque licet spe- ciali atque individua mentione ac derogatione dignis in contrarium facientibus qui- buscumque. Datum Romae apud S. Petrum sub anulo Piscatoris die IV Julii MDCCCCIV Pontiftcatus Nostri Anno Primo. L. S. Alois. Card. Macchi (m. p.) 36 V