VST_R_I_08 Innsbrucker Kirchengeschichte ======================================== V E R Ö F F E N T L I C H U N G E N A U S DEM S T A D T A R C H I V I N N S B R U C K H erausgeber: KarlSchadelbauer NR. 8 BEITRÄGE ZUR INNSBRUCKER KIRCHENGESCHICHTE ZUM / 70. GEBURTSTAG PROPST DR . J O S . W E I N G A R T N E R S I N N S B R U C K 1 9 5 4 IM S E L B S T V E R L A G DES S T A D T M A G I S T R A T E S Von den VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK sind bereits erschienen Nr . 1 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jah re 1950 (1. T eil: 1 — 2000) von W ilhelm Eppacher und K a rl Schadelbauer. 1950. N r. 2 Innsbrucker Urkunden aus dem Stiftsarchiv W üten (1238— 1350) von K a rl Schadelbauer. 1951. N r. 3 Die W ohltäter der Landeshauptstadt Innsbruck von W ilhelm Eppacher. 1951. N r. 4 Briefe aus Alt-Innsbruck (1 4 6 1— 1873) von K a rl Schadelbauer. 1952. Nr. 5 Innsbrucker Geschichtsblätter (1. Folge) von K a rl Schadelbauer. 1952. N r. 6 Verzeichnis der U rkunden des Stiftsarchives W ilten von 113 8 — 1299 von K arl Schadel­ bauer. 1953. Nr. 7 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 (2. T eil: N r. 2 0 0 1 —4770) von K arl Schadelbauer. 1953. Druck: Tyrolia, Innsbruck 4222 54 V E R Ö F F E N T L I C H U N G E N A US DEM S T A D T A R C H I V I N N S B R U C K H e ra u s g e b e r: Kar 1 S ch a d elb a u er NR. 8 BEITRÄGE ZUR INNSBRUCKER KIRCHENGESCHICHTE ZUM 70. G EB URTS TAG PROPST DR. J O S . W E I N G A R T N E R S I N N S B R U C K 1 9 5 4 IM S E L B S T V E R L A G DES S T A D T M A G I S T R A T E S Der Propst der Innsbrucker St.-Jakobs-Stadtpfarrkirche, Dr. Josef W e i n g a r t n e r , vollendet am 10. Februar 1955 sein 7 0 .Lebensjahr. Als weit über die Grenzen des Landes bekannter Kunsthistoriker hat er etwa zwanzig Aufsätze auch über die Innsbrucker Kirchen ver­ öffentlicht. W eit verbreitet ist sein bereits in zweiter Auflage er­ schienenes Buch „Die Kirchen Innsbrucks”. Aus den angeführten Gründen ist es nicht mehr als recht und billig, auch ein Heft der „Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Innsbruck” mit Abhand­ lungen zur Innsbrucker Kirchengeschichte dem verdienten Jubilar als bescheidenen Dank zu widmen. Dr. Franz G r e i t e r, Bürgermeister Inhal t Seite H ans (Hermann) Lentze: Pitanz und Pfründe im m ittelalterlichen W ilten ......................................................................................... ...................... 5 Fritz Steinegger: Die Anfänge der M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft (vnnser lieben Frawen grosse Bruderschaft) zu St. Jakob in Inns­ bruck und ihr ältestes Bruderschaftsbuch . . . : ........................................... 16 Fritz Steinegger: Das U rbar der „vnnser lieben Frawen großen Bru(o)der- schafft“ von 1525 ................................................................... ...................... 39 K a rl Schadelbauer: Akten zur Baugeschichte der St.-Jakobs-Pfarrkirche (1717— 1727) ........................................................................................................... 49 Pitanz und Pfründe im mittelalterlichen W ilten Hans (Hermann) Lentze Die Struktur des spätm ittelalterlichen Klosters w ird durch die Begriffe der „Pfründe“ und „P itan z“ bestimmt. Es muß einer umfassenden Untersuchung Vorbehalten bleiben, die Rechtsnatur der beiden Begriffe für den gesamten deutschen Raum herauszuarbeiten. In der vorliegenden Untersuchung soll der Versuch gemacht werden, für ein einzelnes Kloster, das Präm onstratenser-Chorherrenstift W ilten, das Wesen von P itanz und Pfründe zu bestimmen, wobei die Verhältnisse in anderen österreichischen Klöstern zum Vergleich herangezogen werden sollen. Für das m ittelalterliche Sp ital hat Reicke 1 den Verpfründungsprozeß im Zuge der Verbürgerlichung des Spitals dargestellt. M it dem Ü bergang der Spitäler in die H and der Stadtgem einden bildete sich im Laufe des 13. Jahrhunderts das Pfründenwesen allenthalben aus. „Die G rundlage aller von den Spitälern ausgehenden H ilfeleistungen bildete die prebenda, die Pfründe, als der Inbegriff der den Aufgenommenen von der A nstalt regelm äßig auf D auer gewährten Reichnisse in W ohnung und U n te rh alt2.“ Dabei richtete sich der Begriff der Pfründe auf die Regelm äßigkeit der Leistungen, sei es auf einen bestimmten Zeitraum , z. B. bis zur Genesung, sei es auf Lebenszeit, wobei die ewige Pfründe mit G ewährung des lebenslänglichen U nterhalts durchaus im V order­ grund stand 3. Das Recht auf die Pfründe wurde durch einen V erpfründungsvertrag erw o rb en 4. Den Spitalverpfründungsverträgen, die seit der M itte des 13. Jahrhunderts zahlreich auftreten, gehen die K losterverpfründungsverträge 5 voraus, denen w ir schon im frühesten germanischen M ittelalter begegnen. Die letzteren haben die Verpfründungen von Laien an Klöster zum Gegenstand mit oder ohne ausdrückliche Begebung in die Munt des Klosters. Der Pfründnehmer lebte meist in einem gesonderten Raum e inner­ halb des Klosterbereiches und empfing seine Verpflegung nach M aßgabe der den Kon- ventualen zustehenden Reichnisse, ohne die Gelübde abzulegen. Das spätere M ittelalter bezeichnete diese Klosterverpfründungsverträge als H erren p frün den 6. Solche H erren­ pfründen finden w ir auch in W ilten, sie sollen an anderer Stelle behandelt werden. Bei der K losterverpfründung, bei der H errenpfründe, w ird bereits im A nfang des 12. Jahrhunderts (vor 1106) ausgemacht, daß den Pfründnern die gleiche Portion an Essen gegeben werde sowie alles Sonstige, w orauf ein Konventuale Anspruch habe (ut eadem mensura cotidiani victus ceterorumque ad id juris respicientium, quae ceteris fratribus inibi deo servientibus adm inistratur, nobis sine molestia et absque ullo im- 1 Reicke, Das deutsche Spital und sein Recht im M ittelalter, Kirchenrechtliche Abhandlungen, herausgeg. von U. Stutz, Bd. I, H. 111/2, 1932, S. 285 ff; Bd. II, H. 113/4, 1932, S. 187 ff. 2 Reicke a. a. O. Bd. II, S. 187, dort auch über die Geschichte der Bezeichnung praebenda fü r regelmäßige Unterhaltsleistungen an Arm e und K ranke. 3 Reicke a. a. O. Bd. II, S. 188. 4 Der Spitalsverpfründungsvertrag ist eingehend behandelt bei Reicke a. a. O. Bd. II, S. 192 ff. Die L iteratur über den Verpfründungsvertrag ist zusammengestellt bei Reicke a. a. O. Bd. II, S. 189 Anm. 2. 5 Uber diese s. Reicke a. a. O. Bd. II, S. 189 ff. 6 Vgl. dazu Reicke a. a. O. Bd. II, S. 192 Anm. 3. 5 pedimento donetur) 7. H ier tritt uns die klösterliche „Pfründe“ bereits deutlich entgegen, sie gew ährt dem Konventualen den Anspruch auf ein gewisses M aß an Speise und T rank, das genau festgelegt ist. Jeder K onventuale hat den Anspruch auf die gleiche Portion ohne Rücksicht auf den individuellen Bedarf. Dazu kommt das Recht auf Gewährung der W ohnung. W ie die Spitalspfründe dem Spitalspfründner den Anspruch auf W oh­ nung und auf V erpflegung in einem genau festgelegten Ausmaß gibt 8, so gibt die K lo­ sterpfründe dem Konventualen den gleichen Anspruch, ihr ist dann die H errenpfründe für Laien nachgebildet. Bei Frauenklöstern kann man von einer Frauenpfründe für Laien sprechen 9. Das kommt in den W iltener Urkunden sehr schön zum Ausdruck: „W olt aver daz selb dannocht lebt ayn herrenphrunt ze W iltein in dem chloster für die obgenant vodrung nemen, wein und chost, als sey der herren ayner tagleich auz dem convent hat, die sullen w ir im geben an alliu Widerrede hincz an seinen tod 10.“ „Also daz sy mir meine leptag geben sullen ein herren phrunt als ainem conventiner daselben an gefar u .“ Der Begriff der Pfründe w ird in anderen österreichischen Klöstern in der gleichen Weise umschrieben. So heißt es etw a in Seitenstetten: . . ain gancze herrn chloster pfrunt . . . in aller der mazze und weis, als si von alter her und auch yeczund unser ainem convent priester ge- raicht ist worden 12.“ Seitenstetten, N eustift, St. Florian und Klosterneuburg unterschie­ den die H errenpfründen für die Stiftspriester von den Jungherrenpfründen für die K le­ riker 13. So heißt es etw a: „Sy schullen ouch meinem sun Georien, der in dem orden ist, alle iar geben ein phunt W ienner phenning als lang, untzen er ein herren pfrunt ge­ winnet 14.“ Die Portion der Jungherrenpfründe w ar kleiner als die der H errenpfründe, wie sich aus den Aufzeichnungen des stiftlichen Pfisteram tes zu Klosterneuburg e rg ib t15. Auch unterschied man in N eustift Jungherrenbrote und H errenbrote 16. Laienbrüderpfründen werden nur in N eustift e rw ä h n t17. Auch ihre Pfründe w ar natürlich geringer bemessen als die der Stiftspriester. W ie die Lage der wenigen Laien­ brüder im m ittelalterlichen W ilten w ar, läß t sich nicht feststellen. In M änner- und Frauenklöstern Österreichs w ird das W ort „Pfründe“ in der oben angegebenen Bedeutung gebraucht18. 7 Annalen des Historischen Vereins fü r den Niederrhein, Bd. 75, 1903, S. 11 0 f. 8 Reicke a. a. O. Bd. II, S. 206 ff. 9 O. ö . U. B., Bd. 10, N r. 588, 1387, Zisterzienserinnenkloster Schlierbach. 10 Kopialbuch, f. 74 v, 1370 A p ril 4. 11 Kopialbuch, f. 3 18 v , 3 19 v , 14 13 Juni 8. 12 F R A 11/33, N r. 308, 1395. 13 Jungherrenpfründen: Seitenstetten FRA/33, N r. 113, ca. 1300, 176, 1332; 257, 1380; Neu­ stift F R A 11/34, N r. 727, 14 28; Klosterneuburg FR A 11/28, S. 201. St. Florian O. ö . U. B. Bd. 6, Nr. 79 und 89, 1333. 14 FR A 11/33, N r. 176, 1332. 15 F R A 11/28, S. 201. 16 F R A 11/34, N r. 727, 1428. 17 FR A 11/34, N r. 735, 1429. 18 G öttw eig: F R A 11/51, N r. 245, 1308; 248, 1309; 258, 1 3 1 1 ; 260, 13 12 ; 338, 1326; 347, 1327; 349, 13 27; 396, 13 37; 437, 1343; 439, 1343; 469, 13 47; 537, 1355; 639, 1367; 671, 1370; 2229, 13 12 (M änner- und Frauenkloster); Schlierbach: O. ö . U. B., Bd. 10, N r. 588, 1387; Garsten: O. ö . U. B., Bd. 10, N r. 123, 13 82; Kremsmünster: O. ö . U. B., Bd. 11, Nr. 169, 1393; 246, 13 93; Klosterneuburg: F R A 11/10, N r. 484, 1377; N eustift; FR A 11/34, Nr. 531, 1360; 534, 13 6 1; 727, 14 28; H eiligenkreuz: FR A 11/16, N r. 123, 1329; 125, 1330; 136, 1330; 156, 1334; 305, 13 82; Schottenstift W ien : FR A 11/18, N r. 1 1 1 , 13 10 ; 122, 13 13 ; 166, 1330; 167, 13 3 0 ; 225, 1346; 234, 13 50; Herzogenburg: Faigl, Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes H erzogen- 6 Die Verpflegung, die den Konventualen zustand, wurde durch zahlreiche Stiftungen aufgebessert. Es sind das die sogenannten Pitanzen. Königer 19 hat schon mit Recht fest­ gestellt, daß der Ausdruck Pitanz (p itan tia, pictantia) eine mehrfache Bedeutung haben kann. In T irol und in Österreich findet sich eine zweifache Bedeutung. Als Pitanzen w er­ den die Reichnisse an die Konventualen bei Seelämtern und Jahrtagen bezeichnet, meist in Zubesserungen zur Kost bestehend, vereinzelt auch in Geld. Dann w ird das Kloster­ am t, das das Stiftungsgut zu verw alten hat, aus dem die Reichnisse gegeben werden, Pitanz genannt. Es hat auch für die Verabreichung der Reichnisse zu sorgen. In anderen Gegenden w ird Pitanz in der gleichen Bedeutung gebraucht wie in Österreich Pfründe, d. h., es w ird dam it die den einzelnen K onventualen zustehende Portion an Speise und T ran k bezeichnet. Bei Jahrtagsstiftungen an einer Klosterkirche w ar es üblich, für den Jah rtag eine V er­ besserung des klösterlichen Mahles durch Verabreichung von Sondergerichten und einer Sonderportion W ein in den Stiftungsbedingungen anzuordnen 20. M an kann geradezu von einem bestimmten T yp von Jahrtagsstiftungen sprechen, der diese Nebenleistungen vorsieht. Das W iltener Jahrtagsverzeichnis von 1317 zählt nur Jahrtagsstiftungen auf, die m it solchen Pitanzen verbunden sind. Es begnügt sich mit kurzen Andeutungen, es heißt etw a: de quo m inistratur conventui in prandio et in cena 21. Der C h arakter dieser Pitanzen als Aufbesserung der Pfründe kommt in folgenden Bestimmungen am deut­ lichsten zum Ausdruck: . . des selben tages sol ir chelner dem convent ein urn weines potzner maz geben auz irm chaeller des pesten, des si habent, ze pezzerung zu irr phrunte 22.“ . . sullen w ir unserm convent da selben ein patzeiden weins geben über den tisch zu ir p fru n d en 23.“ „ . . . fünf phunt dem convent zu meiner jarzeit, daz si mor­ gens und abents ir m al dam it pezzern 24.“ Eine jährliche Gülte von 20 Pf. soll zur V er­ abreichung von Eiern verw andt w erd en 25. Mehrmals w ird geradezu die Ausrichtung eines besseren Mahles angeordnet (den herren abendes und morgendes an dem saelben tag geben zw ai v o lliv m a l) 26. Da die K onventualen einen Anspruch auf die Verabreichung der ihnen als Pfründe zustehenden Portion an Speise und T ran k zu haben meinten, stieß jede Herabsetzung bürg (1244— 1450), W ien 1886, N r. 36, 1307; 132, 13 37; 138, 13 40; 164, 1346; 182, 1353; 203, 1357; 242, 13 77; 243, 13 77; 244, 13 78; 362, 1 4 4 1; Lambach: O. ö . U. B., Bd. 7, N r. 646, 1359; St. Florian: O. ö . U. B., Bd. 4, Nr. 4 1 1 , 13 0 1; Bd. 6, N r. 19 1, 1336; Bd. 7, N r. 215, ca. 1350; 697, 13 60; W ilhering: O. ö . U. B., Bd. 5, N r. 117, 13 13 ; Bd. 7, N r. 47, 1348; 189, 1350; 332, 1353; Schlägl: O. ö . U. B., Bd. 5, N r. 170, 13 16 ; Baumgartenberg: O. ö . U. B., Bd. 5, N r. 197, 13 17 ; Bd. 7, N r. 308, 13 53; St. Pölten: O. ö . U. B., Bd. 5, Nr. 489, 1327; Mondsee: O. ö . U. B„ Bd. 7, N r. 524, 1357; Reichersberg: O. ö . U. B„ Bd. 6, N r. 44, 13 32; Bd. 8, N r. 667, 1373; Pulgarn: O. ö . U. B., Bd. 6, N r.464, 1344; W aldhausen: O. ö . U. B., Bd. 6, N r. 48 1, 1344; Bd. 7, N r. 57, 13 48; Georgenberg: T iroler Urkundenbuch, Bd. II, N r. 846, 1225— 1240. 19 Königer, Lexikon fü r Theologie und Kirche, herausgeg. von Buchberger, Bd. V III, S. 298; Du Cange, Glossarium mediae et infimae latinitatis, Bd. V I, N iort 1886, S. 313 ff. m it zahl­ reichen Belegen. 20 Lentze, Begräbnis und Jah rtag im m ittelalterlichen W ien, Z. R. G., K an. A bt., Bd. 36, 1950, S. 351. 21 Schadelbauer, Das W ilten er Jahrtagsverzeichnis vom J. 1317, T iroler Heirrjat, Bd. IV , 1931, S. 72 ff. 22 A. W ilten N r. 17 G 1 b, 1307, ähnlich Kopialbuch f. 167v, 1309. 23 Kopialbuch f. 36 1r, 1 4 2 1; A . W ilten N r. 17 G G , 1437; 18 N, 15 02; 17 K K , 1554. 24 A . W ilten , N r. 17 F 4, 1329. 25 A. W ilten, N r. 17 F 4, 1329. 26 A . W ilten, N r. 17 F 2, 13 13 ; ähnlich Kopialbuch f. 298r, 13 04; A . W ilten, N r. 17 G 1, 1302; N r. 17 G 2, 13 07; 17 H 1, 13 14 ; 17 H 2, 1324; 17 M, 1326; 17 P, 1344. 7 dieser Portion auf W iderstand. So w ird ein Beschluß des G eneralkapitels des Prämon- stratenserordens von 1307 verständlich, der für dieses H ungerjahr eine Herabsetzung der Portionen anordnete und etw aigen W iderstand m it schärfsten Strafen bedrohte 27. Da die Portion bei allen gleich groß w ar ohne Rücksicht auf die individuellen Bedürf­ nisse, hatten die Konventualen das Recht, den Rest ihrer Portion, den sie beim M ahl im Refektorium übriggelassen hatten, m it sich in das Dormitorium zu nehmen. Brot und W ein wurden von den Konventualen verkauft, soweit sie daran Überfluß hatten. Das können w ir aus einer Bestimmung der landesfürstlichen Reform ordnung für das Stift W ilten von 1585 ersehen, die die M itnahme von Brot und W ein und deren V erkauf verbot 28. Jede Ordensreform, die die spätm ittelalterliche Struktur eines Klosters durch eine v ita communis ersetzen w ollte, brachte darum das Verbot, Speise und T ran k aus dem Refektorium m it sich zu nehmen. Über diese Portion an Speise und T ran k unterrichtet uns ein V ertrag von 1423 (Nov. 20) über die V ergabung einer H errenpfründe an einen Laien 29. Der m ittelalter­ lichen Sitte gemäß kannte man zwei H auptm ahlzeiten, eine M orgenm ahlzeit und eine Abendm ahlzeit (prandium und co en a)30. An Fleischtagen soll man dem H errenpfründ­ ner zum Morgenmahl vier Gerichte geben, „ain unteressen“ mit zwei Stück Fleisch, wohl eine Brühe m it Fleisch, ein Gebratenes und ein Gemüse oder dergleichen. Zum Nacht­ m ahl sollen drei Gerichte gegeben werden, ein Suppenfleisch, ein K raut mit zwei Stück Schweinefleisch darauf, ein Gebratenes und ein Gerstenbrei oder dergleichen. An den Abstinenztagen, an denen nur der Fleischgenuß untersagt ist, d. h. an den Freitagen, Samstagen, im A dvent oder an anderen Tagen, an denen durch die Ordensvorschriften das Fleischessen verboten ist, soll er zum M orgenmahl vier Gerichte erhalten, eine Käse­ brühe (wohl die heutige Ziegersuppe) oder dergleichen, ein K raut m it Käse darauf, ein Gebackenes und ein Gericht von Fischen oder Eiern, zum Nachtmahl drei Gerichte, ein Gebackenes, ein Gericht von Eiern oder Fischen und ein Gemüse. An den T agen mit Abbruchfasten, dem jejunium , erhält der Pfründner, wenn er nicht ganz fasten w ill, zum Morgenmahl das M ahl der fleischlosen T age, zur Nacht aber nur eine Suppe oder der­ gleichen. Ferner soll der Pfründner täglich sechs Herrenbrote 31 erhalten, wie man sie dem P rälaten zu seinem Tische gibt. Es w ar dies der Speisezettel der äbtlichen T afel, also die Pfründe des Abtes, denn es heißt, daß man die Speisen aus des P rälaten „hafen“ nehmen solle, aus dem man sie für den Prälatentisch rich tet32. Der Speisezettel für den Konvent dürfte etwas einfacher gewesen sein, sich aber wohl nicht allzu sehr unterschie­ den h ab en 33. W enn man die Speisenfolge der äbtlichen T afel mit dem einfachen Speise­ 27 Saulnier, Statuta candidi et canonici ordinis Praemonstratensis, ed. sec., Stivagii (Etival) 1725, S. 76. Die Herabsetzung der Pfründe der K onventualen ist in Seitenstetten (FR A 11/33, N r. 308, 1395), Reichersberg O. ö . B- Bd. 6, N r. 44, 1332 und St. Florian (O. ö . U. B. Bd., 5, Nr. 187, 1317) vorgesehen. 28 Szanto, Das Leben im Stift W ilten vom Spätm ittelalter bis in die Barockzeit, Diss. phil. Innsbruck 1954 (Maschinenschrift), Textband, S. 11 1. 29 Kopialbuch f. 3 7 1 r— 373r. 30 K ra ft, Schlern-Schriften, Bd. III, Innsbruck 1923, S. 54 (Ordnung im Spital zu Bozen); Grube, Des Augustinerpropstes Johannes Busch Chronicon Windeshemense und Liber de refor- matione monasteriorum, Geschichtsquellen der P rovinz Sachsen, Bd. 19, H alle 1886, S. X X I II (Essensordnung fü r Windesheim). Im W iltener Jahrtagsverzeichnis von 13 17 werden die zwei Hauptm ahlzeiten als prandium und cena bezeichnet, Schadelbauer a. a. O. S. 73 ff. 31 Die H errenbrote werden in W ilten von den Knechtsbroten unterschieden: Kopialbuch f. 344r, 347r. 32 Eine solche H errenpfründe mit Prälatenkost: O. ö . U. B., Bd. 11, Nr. 169, 1393. 33 Den Speisezettel eines K onvents bringen H errenpfründe-V erträge aus Garsten (O. ö . U. zettel des Bozner Spitals aus der gleichen Zeit 34 vergleicht, so ersieht man, daß es sich wirklich um eine gehobene Lebenshaltung handelt. Der Pfründner soll auch einige Zu­ wendungen erhalten, wie sie jedem Konventualen zustehen, allwöchentlich einen Käse und täglich drei Seidel W ein.' Stift W ilten hatte in dieser Zeit also bereits das Fleischessen eingeführt, während ur­ sprünglich im Präm onstratenserorden der Fleischgenuß verboten w a r 35. Im 15. Ja h r­ hundert hatte sich der Fleischgenuß im ganzen Orden durchgesetzt, dam it w ar eine Ent­ wicklung zum Abschluß gekommen, die im 13. Jahrhundert begonnen hatte. O ffizielle Anerkennung fand der Fleischgenuß im Orden durch ein P rivileg Pius’ II. von 146 0 36, das die Abstinenz von Fleischspeisen für Mittwoch und Sam stag jeder Woche und für die Zeit vom ersten Adventssonntag bis Weihnachten und von Sonntag Septuagesimae bis Ostersonntag vorschrieb; dazu kamen noch zahlreiche V igilien von Festen als Fast­ tage. Abbruchfasten (jejunium ) w ar für alle Freitage des Jahres vorgeschrieben 37. Stift W ilten beobachtete also im wesentlichen im A nfang des 15. Jahrhunderts die im Orden übliche Fastenobservanz, nur w ird die Abstinenz am Mittwoch nicht erwähnt. Stift W ilten kannte keine Jungherrenpfründen, w ie es sie anderw ärts gab. In Seiten­ stetten wurde bei der Aufnahme geradezu ein V erpfründungsvertrag mit dem Stifte geschlossen, wobei als Gegengabe für die G ewährung der Jungherrenpfründe dem Stifte ein W eingarten übergeben wurde 38. Bei der Aufnahme eines N ovizen in W ilten w urde mit ihm oder seinen Eltern ein V ertrag geschlossen, der in vielem einem V erpfründungsvertrag ähnlich w a r 39. Ein sol­ cher V ertrag ist uns aus dem Jahre 1416 (M ärz 29) e rh alten 40; er wurde zwischen dem Abte und der M utter des K andidaten K aspar, B arbara von Telfs, geschlossen. Kaspar brachte sichtlich keine M itgift m it, darum fehlt die Gabe des Pfründnehmers, die für den V erpfründungsvertrag ein wesentliches Erfordernis w ar 41. Der Abt verspricht den Kaspar aufzunehmen „also w annczeit unnd welhes jars iren sun K asparn got ermant und w il in unser gotshaws chomen unnd den orden anlegen“. W enn er nicht eintreten w ill, hat das Stift weder dem K andidaten noch dessen M utter gegenüber irgend welche Verpflichtun­ gen. W ährend seiner Studienzeit an der Schule des Stiftes 42 gew ährt ihm das Stift den vollen Lebensunterhalt einschließlich der Gestellung von Gewand und Schuhen, wie es auch bei den anderen K lerikern und Schülern rechtens w ar. Nach der Priesterweihe, d. h. nach der Erlangung der H errenpfründe, gibt ihm das Stift nur mehr W ohnung und V er­ B., Bd. 10, N r. 123, 1382) und Neustift (FR A 11/34, 727, 1428) und eine Speiseordnung von St. Florian von ca. 1350 (O. ö . U. B., Bd. 7, N r. 215). 34 K ra ft a. a. O. S. 54; über weitere Speiseordnungen in Spitälern s. Reicke a. a. O. Bd. II, S. 208 Anm. 4. 35 Saulnier a. a. O. S. 68 ff; Le Paige, Bibliotheca Praemonstratensis ordinis, Paris 1633, S. 210 ff; Petit, La spiritualite des Premontres au X lle et XITIe siecles, Paris 1947, S. 2 6 1; Lam y, L’abbaye de Tongerloo depuis sa fondation jusqu’en 1263, Louvain-Paris o. J. (1914), S. 281 ff. 36 Auszug bei Le Paige a. a. O. S. 211 f. 37 Diese Regelung wurde im wesentlichen von einem Privileg Julius’ II. von 1503 übernom­ men, das die definitive Regelung der Fastenvorschriften fü r den Prämonstratenserorden brachte, s. dazu Le Paige a. a. O. S. 2 12 ; Saulnier a. a. O. S. 72. 38 F R A 11/33, N r. 113, ca. 1300. 39 Vgl. dazu Reicke a. a. O. Bd. II, S. 192. 40 Kopialbuch f. 3 6 1 r— v vgl. dazu O. ö . U. B., Bl. 7, Nr. 332, 1353 (W ilhering) und Nr. 524, 1357 (Mondsee). 41 Reicke a. a. O. Bd. II, S. 193 ff. 42 Uber diese s. Lentze, Stadt und Kirche im m ittelalterlichen Innsbruck, ö ste rr. Archiv fü r Kirchenrecht, Bd. IV , 1953, S. 240. 9 pflegung, für alle sonstigen Lebensbedürfnisse und das Gewand hat er wie alle Stifts­ priester aufzukommen 43. H ier sehen w ir es deutlich, daß die Pfründe dem Stiftspriester nur Anspruch auf W ohnung und Verpflegung gab. Zur Bestreitung der übrigen Lebensbedürfnisse w ar der Stiftspriester auf sein Pecu- lium 44 angewiesen, das sich aus Einnahmen verschiedener A rt zusammensetzte. Das Pecu- lium kann dem einzelnen von der K losteradm inistration in N aturalien oder in Geld aus­ geworfen werden oder aber in der Belassung von Leistungen dritter Personen, Renten, Gehalte und ähnlichem bestehen 45. Zunächst kamen die Einnahmen aus eingebrachtem Vermögen und aus Vermächtnissen in Betracht, denn es w ar üblich, ein im Kloster leben­ des Kind im Testaftient zu bedenken 46. Stammte ein K andidat aus vermögender Fam ilie mit Grundbesitz, so wurden die vermögensrechtlichen Fragen bei der Aufnahme geregelt. Rudolf Pön schließt 1379 (Nov. 23) 47 m it seinem Bruder N ikolaus einen Erbvertrag, wobei die Zustimmung der M utter, des Stiefvaters und aller V erw andten (frewnd) so­ w ie die des Abtes hervorgehoben w ird. Auch hier waren Verhandlungen m it der Fam i­ lie vorausgegangen, denn es w ird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Aufnahme auf die Bitte der ganzen Fam ilie hin erfolgt sei. Von einer Ablegung der Profeß w ird nichts erw ähnt, scheinbar wurde der Erbvertrag nach der Einkleidung geschlossen. R udolf Pön behält sich auf Lebenszeit den Nutzgenuß an seinem väterlichen Erbe vor, er darf aber nichts verkaufen oder verpfänden. Stirbt er vor seinem Bruder N ikolaus, so fä llt ein D rittel seines Erbteils Stift W ilten zu, zwei D rittel seinem Bruder N ikolaus. N ikolaus seinerseits setzt für den Fall, daß er vor seinem geistlichen Bruder R udolf sterben sollte, fest, daß diesem auch sein Erbteil, also das gesamte väterliche Vermögen, zufallen solle, wobei die gleichen Verfügungsbeschränkungen verordnet werden. Nach Rudolfs Tode soll dann ein D rittel des gesamten väterlichen Vermögens an Stift W ilten fallen, zwei D rittel an die nächsten Erben (an mein nächsten erben und frewnd und an den rechten stam nach landsrecht). Man w ird hier R udolf Pön Eigentum m it Veräußerungsverbot an seinem väterlichen Erbteil zusprechen müssen. R udolf Pön hat sichtlich seinen Bruder überlebt, im Jahre 1391 (M ärz 26) 48 errichtet er m it seinem Vermögen eine Jahrtags- stiftung in der Stiftskirche. Er sagt, daß das Stiftungsgut ihm „ze rechtem erb tail“ ange­ fallen sei, und daß er sich m it seinen V erw andten auseinandergesetzt habe. Er hatte sichtlich gegen den Verzicht auf den Nutzgenuß am gesamten väterlichen Erbe von den V erw andten einen T eil, wahrscheinlich das im Erbvertrag vorgesehene D rittel, als freies Eigentum erhalten. Es waren ihm mehrere Liegenschaften zugefallen, die er dem Abt und Konvent zu W ilten in der Form der Schenkungsstiftung unter A uflage, d. h. m it der Verpflichtung, einen Jah rtag zu begehen, überträgt. Es w ar das ja die übliche Rechtsform für Jahrtagsstiftungen 49. Bezeichnenderweise fehlt auch hier die V erfallsklausel 50 für 43 So sal er sich danne haben und halten alz ander unserr priester und conventiner tun mit gewant, mit geschuhe und mit allen ändern sachen. Unnd w ir sein ym dann w id r gewant noch geschuhe nicht schuldig nach gepunten ze geben furbas als peschriben stet. 44 Uber das Peculium s. Scherer, Handbuch des Kirchenrechts, Bd. II, 2. A u fl. G raz und Leip­ zig 1898, S. 825 ff; Schönsteiner, G rundriß des Ordensrechts, W ien-D onauwörth-Basel 1930, S. 825 ff; Kober, De peculio religiosorum, Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner- und Zisterzienserorden, Bd. 28, 1907, S. 3 ff. 45 Scherer a. a. O. S. 826. 46 Lentze, Das W iener Testamentsrecht des M ittelalters, Z.R.G., Germ .Abt., Bd. 69, 1952, S 152 ff. 47 Kopialbuch f. 99 r— v. 48 Kopialbuch f. 106r. 49 Lentze, Z.R.G., Kan. A bt., Bd. 36, 1950, S. 358 ff, Literaturangaben daselbst S. 359, Anm. 163. 50 Über diese s. Pleimes, Weltliches Stiftungsrecht, Forschungen zum Deutschen Recht, Bd. III/3, W eim ar 1938, S. 40 ff; Lentze a. a. O. S. 359 f. 10 den Fall der Nichteinhaltung der Stiftungsverbindlichkeiten nicht, so daß selbst der Kon- ventuale ein M ißtrauen gegen sein Stift gehabt zu haben scheint. Bei N ichteinhaltung der Verpflichtungen sollen 10 Pf. an das Sp ital in Innsbruck fallen, die der Spitalspfleger einzuziehen hat. Den Nießbrauch am Stiftungsgut dürfte er sich für seine Lebenszeit Vorbehalten haben. Auch andere Konventualen brachten ihr väterliches Erbe ein und errichteten m it die­ sem Jahrtagsstiftungen. Ein bedeutendes Vermögen muß Michael Ausse 51 besessen haben, sichtlich ein M ann von Format, der es bis zum Prior (1426, 1427) und P farrer von Am- paß (1430, 1433) brachte (gest. 1443). Er schließt einen Bestandsvertrag mit einem neuen Baumann in einem H of zu Lans im Namen seiner M utter und deren Schwester ab 52 und kauft 1427 sogar ein H aus in H all 53. Auch er hatte ursprünglich nur Nießbrauch an sei­ nem väterlichen Erbe und setzte sich dann m it den V erw andten auseinander, um einen T eil des väterlichen Erbes gegen den Verzicht auf Nutzgenuß am ganzen väterlichen Erbe zu freiem Eigen zu erhalten 54. Im Jah re 1426 errichtete er gemeinsam m it seiner M utter eine Jahrtagsstiftung, die m it Gülten zu H all und Lans dotiert wurde 55. Ein anderer W iltener K onventuale, Jakob Rotfüchsel, Spitalskaplan zu Innsbruck, errichtet 1434 gemeinsam mit seinem Bruder eine Jahrtagsstiftung an der Stiftskirche, die mit Gülten zu Innsbruck dotiert wurde 56. Es scheint also in W ilten üblich gewesen zu sein, daß die Konventualen m it ihren V er­ wandten Erbverträge abschlossen, in denen sie sich Eigentum m it Veräußerungsverbot an ihrem Erbteil vorbehielten und gleichzeitig die Erbfolge regelten. Ein T eil, wohl meist ein D rittel, sollte nach ihrem Tode an das Stift fallen, der Rest an die V erwandten. Nach einer Auseinandersetzung m it den V erw andten w urde ihnen dann später der für das Stift vorgesehene T eil gegen Abtretung des für die V erw andten bestimmten Teiles frei­ gegeben, dam it sie noch bei Lebzeiten eine Jahrtagsstiftung für die Fam ilie machen konn­ ten, an der sich die V erw andten sichtlich noch meist beteiligten, da sie auch ihrem See­ lenheil zugute kam. Das T iroler Recht dieser Zeit kannte also den Klostertod des deut­ schen Rechtes nicht, bei dem mit dem E intritt in einen Mönchs- oder Nonnenorden der V erlust des Land- und Lehnrechts, insbesondere der der V erm ögensfähigkeit, verbunden w ar 57. Jahrtagsstiftungen von Konventualen an der Kirche ihres Stiftes sind übrigens auch sonst bezeugt 58, dem Denken der Zeit w ar es nicht anstößig, daß Konventualen dabei mit ihrem eigenen Stift Rechtsgeschäfte über Grundstücke abschlossen. 51 Uber ihn s. Schüler, Die Stiftskirche des hl. Laurentius zu W ilten, Innsbruck 1920, S. 13 Anm. 26; Schadelbauer, Zur mittelalterlichen Geistesgeschichte des Stiftes W ilten, T iroler H ei­ m atblätter, Bd. 12, 1934, S. 86; W imm er, Verzeichnis der W iltener Konventualen, Ms. im Stifts­ archiv W ilten. 52 A. W ilten, Nr. LIII, 1416. 53 A . W ilten, N r. X I. 54 A . W ilten, N r. LIII A 3, 1430; LIII A 5, 1433. 55 A. W ilten, N r. L. 56 A . W ilten, N r. 17 BB. 57 Planitz, Deutsches Privatrecht, 3. A u fl. W ien 1948, S. 32; Hübner, Grundzüge des D eut­ schen Privatrechts, 5. A u fl., Leipzig 1930, S. 57 f; v. Schwerin, Grundzüge des Deutschen P riv a t­ rechts, 2. A u fl., Berlin und Leipzig 1928, S. 18. 58 Uber diese Jahrtage von K onventualen in der belgischen Praemonstratenserabtei Averbode s. Lefevre, L ’abbaye N orbertine d’Averbode pendant l’epoque moderne (1591 — 1797), Louvain 1924, S. 16 3; in der Abtei Parc s. Jansen, L ’abbaye N orbertine du Parc-le Duc, Malines 1929, S. 35. 11 Neben den Einnahmen aus eingebrachtem Vermögen und Vermächtnissen stehen die Einnahmen aus Meßstipendien und seelsorglicher Aushilfe, weiterhin die Einnahmen, wie sie die Pfarrer und Kooperatoren der inkorporierten Pfarreien bezogen. Einige Konven­ tualen w aren als Pfarrer und Kooperatoren in Ampaß und Patsch exponiert, andere Posten wurden excurrendo vom Stift aus versehen 59. Ein Konventual lebte meist in Südtirol als V erw alter der dortigen Besitzungen. Dabei w ar die finanzielle Situation der exponierten Konventualen von der der im Stifte lebenden ganz verschieden, da sie auf die Pfründe im Stift keinen Anspruch hatten. M it jeder T ätigkeit in der Seelsorge und m it jedem Amte im Stift waren bestimmte Einkünfte verbunden. Bereits im Jahre 1270 w ird in einer Stiftung für den zelebrierenden Priester als Ent­ gelt eine erhöhte Portion an Speise und T ran k festgesetzt60. Im 15. Jahrhundert hatte sich die A uszahlung der Meßstipendien in Geld durchgesetzt, wie w ir aus einer Wochen­ messen- und Jahrtagsstiftung von 1401 (Ju li 22) ersehen kö n n en 61. Bei Lebzeiten des Stifterpaares soll eine Wochenmesse gelesen werden, für die der Pitanzer dem zelebrie­ renden Priester drei Kreuzer auszuzahlen hat. Nach ihrem Tode sollen zwei Jah rtage mit gesungenem Seelamt und drei stillen Beimessen gehalten werden, wobei der Zelebrans des Requiems 6 Kreuzer und die Zelebranten der Beimessen 4 Kreuzer aus der Pitanz erhalten sollen 62. Auch werden bei Stiftungen Geldverteilungen unter die Konventualen angeordnet 63, z. B. in einer Jahrtagsstiftung von 1396 (Jun i 7) 64, die mit einer offenen Spende, d. h. m it der V erteilung von Brot, Fleisch und W ein an Arme und Spitalsinsassen 65, verbun­ den w ar. Bleibt ein Überschuß nach Ausrichtung der offenen Spende übrig, so soll er unter die Konventualen verteilt werden. W er nur auf diese G eldverteilungen, die M eßstipendien und Aushilfen, angewiesen w ar, stand sich finanziell schlecht, wenn er kein väterliches Erbe zur N utznießung hatte oder nicht von den V erw andten unterstützt wurde. Die Stiftsvorstehung zahlte von sich aus kein Peculium. Ein solches w urde dagegen in Klosterneuburg gegeben, die soge­ nannten „phruntphennige“ (und sullen mier geben summergwant und w intergw ant und phruntphennige, als man anderen chorherren g e it)66. So w ar das Problem der „armen H erren“ gegeben, die keine Pfarre und kein Amt (Prior, Subprior, Kastner-Provisor, K ellerm eister-Pitanzer-Cellarius, Custos-Sakristan) hatten. Der N ot der armen Herren suchten Stiftungen abzuhelfen. In einer Jahrtagsstiftung von 1376 (Febr. 6 ) 67'werden dem Konvent als Stiftungsgut 10 Pf. Gülten für die Pitanz gegeben, weiterhin 47 Pf. Gülten, von denen alljährlich G ewand für den Konvent besorgt werden soll, endlich 6 Pf. Gülten, für die alljährlich den vier bedürftigsten Konventualen Polsterschuhe angeschafft werden sollen. Auch hier findet sich die V erfallsklausel, bei N ichteinhaltung der Stiftung fallen 59 Uber die P farreien und die Seelsorgstätigkeit des Stiftes in dieser Zeit s. Lentze, Nikolaus von Cues und die R eform des Stiftes W ilten, Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum Bd. 31, Innsbruck 1951, S. 503 f. 60 A . W ilten, N r. 17 D. 61 A. W ilten, N r. 17 Y. 62 Vgl. dazu fü r W ien: Lentze, Die Rechtsform der A ltarpfründen im m ittelalterlichen Wien, Z. R. G., K an. A bt., Bd. 37, 1951, S. 224 f. 63 Vgl. dazu Lentze, Z. R. G., K an. Abt., Bd. 36, 1950, S. 349. 64 A . W ilten, N r. 17 X I. 65 Uber den Begriff der offenen Spende s. Lentze, ö s te rr. Archiv fü r Kirchenrecht, Bd. IV , 1953, S. 231. 68 FRA/10, N r. 484, 1377. 67 A . W ilten, N r. 17 V. vgl. dazu O. ö . U. B., Bd. 7, N r. 308, 1353 (Baumgartenberg). 12 I die 6 Pf. Gülte dem Innsbrucker Sp ital zu. Im Jah re 1396 (Jun i 7) 68 w ird eine ähn­ liche Stiftung gemacht; es handelt sich wieder um eine Jahrtagsstiftung, die m it der großen W iese zu Rans oberhalb A ldrans dotiert w ird, die 19 Pf. an Grundzinsen dient. Von diesen 19 Pf. hat alljährlich die Pitanz den armen H erren, die kein Amt und keine Pfarre haben, Gewand zu liefern. Auch die Stiftsvorstehung traf nun im gleichen Jahre A nstalten, um der Not der armen H erren abzuhelfen. Wahrscheinlich machte der V ater­ abt, Abt Johann I. Barner von Rot (1391— 1397) 69, anläßlich einer V isitation den W il­ tener Abt darauf aufm erksam , daß er etwas für die armen H erren tun müsse. Abt Jo ­ hann von Rot und Abt Jakob I. (1382— 1397) von W ilten übergaben dem Konvent im Jah re 1396 (M ärz 25) 30 Pf. Gülten, die auf zwei Huben in Oberperfuß lagen. Davon sollen die H erren, die weder Amt noch Pfarre haben, mit Gewand ausgestattet werden 70. Der Abt w ar dazu in der Lage, w eil er im Jahre 1396 nach dem Siege in dem Rechts­ streit um die Messenstiftung der Anastasia von Hohenklingen das Stiftungsgut von der Stadt Innsbruck erhalten hatte 71. Aus diesem Stiftungsgut der Messestiftung der A na­ stasia von Hohenklingen wurden die 30 Pf. Gülte genommen. Interessant ist es, daß dem Konvent eine Gewährschaft von seiten des Abtes gegeben w ird, daß bei A usfall von Grundzinsen, etw a durch Mißwachs oder bei Zahlungsunfähigkeit des Baumanns, der fehlende Betrag durch die Kasse des Abtes ersetzt werden muß, wobei die Formel der Bestellung einer G eneralhypothek ähnlich ist 72. Genauer muß noch das Wesen des Pitanzam tes untersucht werden. Bei der P itanz w ird man besser von einem Amte als von einer Kasse sprechen, wie dies Königer 73 tut. Die P itanz hatte nämlich Rechtspersönlichkeit, ihr V erw alter, der Pitanzer oder pitancia- rius, konnte V erträge schließen. Zum Wesen des Pitanzam tes gehörte es, daß es der V er­ fügung des Abtes entzogen ist. Im Spätm ittelalter setzte sich auch in den Präm onstratenserklöstern die Trennung zwischen den Gütern des Abtes und des Konventes, zwischen der mensa abbatialis und conventualis, durch 74. Ursprünglich hatte der Provisor exteriorum das gesamte Stifts­ vermögen zu verw alten 75. Neben ihm stand der Kellermeister (cellarius oder cellelarius), der den K eller, die Küche, die Bäckerei, den Garten und ähnliche W irtschaftsbetriebe zu verw alten hatte. Der Provisor stellte ihm alles zur Verfügung, was zur Verköstigung des Konventes notwendig w a r 76. Nach der Trennung der Mensa abbatialis von der 68 . . . in die pytantz des gotshaws ze W iltein zu dem gewant den armen herrn daselbs in dem genanten gotshaws, die da nicht ampter noch pharrn haben, damit sy desterpaz pegewentet werden und desterpaz ze chore peleiben mugen, und das der gotsdienst in dem vorgenanten gotshaws volpracht werde. A . W ilten, N r. 17 X 2. 69 Backmund, Monasticon Praemonstratense, Bd. I, Straubing 1949, S. 80. 70 A . W ilten, N r. 28 F. vgl. dazu O. ö . U. B., Bd. 6, N r. 29, 1331 (W aldhausen); O. ö . U. B., Bd. 5, N r. 202, 13 17 (Gleink). 71 Lentze, Die klösterlichen Messenstiftungen an der St. Jakobskirche in Innsbruck, T iroler H eimat, Bd. 15, 19 51, S. 39; Schadelbauer, Beiträge zur Geschichte der S t.-Jakob s-P farre in Innsbruck, Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum, Bd. V I, Innsbruck 1927, S. 270, 281 f. 72 . . . daz sullent sy haben auf ändern unsern gutem und sullent sich dezselben dann under- winden pis auf volle werung der obgenanten dreyzzich phunt gelcz, da sullen w ir sey daran weder irren noch engen in chaynerlay weis. Über ähnliche Formeln s. Lentze, T iroler Heimat, Bd. 15, 1951, S. 36. 73 a. a. O. S. 298. 74 Lam y a. a. O. S. 240 ff; Jansen a. a. O. S. 35 f. 75 Lam y a. a. O. S. 247, w o in Anm. 7 die verschiedenen Redaktionen der Statuten angeführt werden. 76 Lam y a. a. O. S. 249, wo in Anm. 2 die verschiedenen Redaktionen der Statuten angeführt werden. IS mensa conventualis w urde der Kellermeister der V erw alter der mensa conventualis, w äh ­ rend der Provisor der V erw alter der mensa abbatialis wurde 77. Nun hatte der K eller­ meister von dem Konventsvermögen für den Tisch des Konvents zu sorgen. In W ilten tritt im 14. Jahrhundert sowohl der Kästner (Provisor) wie der Kellermeister (cellarius) auf 78. ■• * ( » ! - j Das Stiftungsgut der Stiftungen, m it denen die Verabreichung von Pitanzen verbun­ den w ar, bildete eine besondere Vermögensmasse, für die eine gesonderte V erw altung eingerichtet wurde, das Pitanzam t. Die V erw altung führte ein eigener Funktionär, der p itantiarius oder Pitanzer, wie er auch in W ilten genannt w ird. Der Pitanzer hatte für die ordnungsgemäße A bhaltung der Jah rtage und die Erfüllung der sonstigen Stiftungs­ bedingungen zu sorgen; dazu gehörte ja auch die Verabreichung der Pitanzen. Das V er­ mögen der Pitanz und das sonstige Stiftungsgut w ird deutlich von dem übrigen Stifts­ vermögen getrennt. So w ird in einem Leibrentenvertrag zur Sicherung eine G eneral­ hypothek an allen Gütern und Gülten des Stiftes in der Pfarre M atrei bestellt, wobei alle diejenigen ausgenommen werden, „die in die pytancz und in die spente gehörent“. Zur Sicherheit werden diese einzeln a u fg e z ä h lt79. Manche Stifter vertrauten nämlich die V erw altung des Stiftungsgutes nicht dem Pitanzam t und dem Pitanzer an, sondern tra­ fen Sonderregelungen. So setzte eine Stifterin fest, daß das Vermögen einer Jah rtags­ stiftung m it offener Spende von dem Prior und den drei ältesten Priestern des Konvents zu verw alten sei, die auch für die Abhaltung des Jah rtags zu sorgen haben 80. Das Jahrtagsverzeichnis von 1317 81 erw ähnt die P itanz noch nicht, es bringt aber eine Aufstellung der Stiftungen, m it denen Pitanzleistungen an den Konvent verbunden waren. Diese Pitanzleistungen sollen dem Konvent verabreicht werden a provisoribus seu officialibus nostre ecclesie, qui tune pro tempore fuerint instituti. Dem Konvent w ird vom Abt feierlich die Leistung dieser Pitanzen zugesichert. Es wurde sichtlich zw i­ schen dem Abte und dem Konvente ein V ertrag geschlossen, durch den möglicherweise die P itanz geschaffen wurde. Als besonderer Vertrauensm ann des Konventes wurde der Pitanzer nicht vom Abte ernannt, sondern vom Konvente gew ählt. Eine Stiftung erwähnt es ausdrücklich, daß der V erw alter des Stiftungsgutes vom Konvente gew ählt werden solle 82. Den Abschluß der Entwicklung bildete die Vereinigung der Ämter des Pitanzers und Kellermeisters, wie sie sich auch in den belgischen Präm onstratenserklöstern, z. B. in Tongerlo, fin d et83. Auch in W ilten dürften die beiden Ämter vereinigt gewesen sein, obwohl sich dafür bei dem spärlichen M aterial ein sicherer Beweis nicht erbringen läßt. W ar der Pitanzer zu­ gleich Kellermeister, so hatte er für die „Pfründe“ und für die stiftungsgemäß festgeleg­ ten Sonderleistungen an die Konventualen, d. h. für die Pitanzen, die G eldverteilungen, und bei den armen H erren für die Zuteilungen an Gewand und Polsterschuhen zu sorgen. W ie w eit die Selbständigkeit der Pitanz gegenüber dem Abte ging, zeigt ein V ertrag, den der Pitanzer im Namen des Konventes m it Abt Jodocus Kurz (1401—1413) im 77 Lamy a. a. O S. 250. 78 W imm er, Verzeichnis der W iltener K onventualen. 79 Kopialbuch f. 323v, 1405, Mai 28. 80 A. W ilten, N r. 17 X , 1396, Juni 7. 81 Schadelbauer, T iroler Heimat, Bd. IV , 19 31, S. 72 ff; vgl. dazu O. ö . U. B., Bd. 4, N r. 353 und 363, 1300 (Rainshofen). 82 A. W ilten, N r. 17 V , 1376, Febr. 6. 83 Lam y a. a. O. S. 250; über die Pitanz in den belgischen Klöstern, s. noch Jansen, a. a. O., S. 35, L efevre a. a. O. S. 131. 14 Jahre 1412 (Dez. 13) schloß 84. Der Abt lieh von der Pitanz 15 M ark, dafür verpfändete er dem Konvent eine Gülte von 15 Pf. aus einer Hube zu Tulfes. Der Pitanzer gestand dabei dem Abt das Recht zu, die verpfändete Gülte jederzeit gegen Rückzahlung der 15 M ark zwischen Weihnachten und Lichtmeß an die Pitanz des Konventes einzulösen. Auch ist hier auf die oben behandelte G arantie des Abtes von 1396 bei der Ü bertragung der 30 Pf. Gülte zur Ausstattung der armen H erren zu verweisen. Die Reform des K ardinals N ikolaus von Cues in den Jahren 1452— 1460 suchte die ganze Struktur des Stiftes von Grund aus zu ändern. Die M agdeburger Reform im P rä­ monstratenserorden, die durch den Geist der W indesheimer Chorherren geprägt w ar, legte besonderen W ert auf die W iederherstellung der v ita communis 85 im Geiste der ursprünglichen O rdensdisziplin, deren W iederherstellung ein besonderes Anliegen des K ardinals w ar. N ur in einem Punkte w ollte N ikolaus von Cues der dam aligen Obser­ vanz ein Zugeständnis machen, er gestattete den Fleischgenuß. In der päpstlichen Bulle vom 12. M ai 1453, die ihn mit der Reform der T iroler Klöster beauftragte, w ird für W ilten der Fleischgenuß an drei Wochentagen gestattet, sofern ihm nicht überhaupt kirchliche Fastenvorschriften entgegenstehen 86. So w ird der W iderstand verständlich, den die Reform in W ilten fan d ; m it dem Tode des K ardinals w ar das Ende der Reform ge­ geben 87, die frühere Struktur w urde wiederhergestellt. Sie erhielt sich bis zur großen Reform des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts, die die endgültige Über­ windung der m ittelalterlichen Struktur durch den Geist der tridentinischen Reform b rach te88. Den W endepunkt bildete die landesfürstliche V isitation von 15 8 5 89. Die Impulse zur Reform gingen von den westeuropäischen Zentren des Ordens aus. Den Abschluß der Reform bildete die V isitation des berühmten Servatius de L airvelz, Abt des Klosters S. M aria in Nemore in Lothringen, das er später nach Pont a Mousson verlegte 90. Im A ufträge des Generalabtes und des G eneralkapitels hielt er im M ai des Jahres 1606 eine V isitation in W ilten. In den Visitationsdekreten wurde die strenge Einhaltung der v ita communis und der Paupertät festgelegt und das Peculium und die Sondervergütungen für die O ffizialen im Stift ausdrücklich abgeschafft91. Zur Durch­ führung der v ita communis w urde ein V estiarium eingerichtet, aus dem jetzt alle Kon­ ventualen mit K leidung versorgt wurden. M it dieser V isitation hatte sich der neue Geist endgültig durchgesetzt, das Spätm ittelalter w ar überwunden. Bei der tridentinischen Reform wurde überall die Pitanz abgeschafft92. Die N eu­ ordnung der V erw altung des Klostervermögens durch die tridentinische Reform muß für W ilten noch genauer untersucht werden. 84 Kopialbuch f. 3 1 6 v ; vgl. dazu O. ö . U. B. Bd. 7, N r. 76, 1348 (W aldhausen). 85 Grube a. a. O. S. 505 ff., X X X X V I I . 88 Veröffentlicht von H. M artini, Tübinger theologische Quartalschrift, Jg. 1830, S. 802 ff. 87 Lentze, Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum, Bd. 31, S. 512 f¥. 88 Szanto a. a. O. S 12 ff. 89 Szanto a. a. O. S 17 ff., Textband S. 106 ff. 90 Über ihn s. M artin, Servais de L airvelz, N ancy 1893. 91 Szanto a. a. O. S. 36 ff.; Textband S. 1 ff. 92 Vgl. dazu fü r Averbode: L efevre a. a. O. S. 131. Abkürzungen: A. W ilten Stiftsarchiv W ilten FR A Fontes rerum Austriacarum Kopialbuch W iltener Kopialbuch aus dem 15. Jahrhundert, Stiftsarchiv W ilten O. ö . U. B. Oberösterreichisches Urkundenbuch Z.R.G. Zeitschrift der Savigny-Stiftung fü r Rechtsgeschichte 15 Die Anfänge der M aria-H im m elfahrts-B ruderschaft (vnnser lieben Frawen grosse Bruderschaft) zu St. Jakob in Innsbruck und ihr ältestes Bruderschaftsbuch V on F ritz Steinegger Der m ittelalterliche und auch der spätm ittelalterliche Mensch, dessen Leben durch die Lehre des Christentums auf den Jenseitsgedanken ausgerichtet w ar, betrachtete die mei­ sten über ihn hereingebrochenen N aturkatastrophen und plötzlichen politischen U m w äl­ zungen als Strafe Gottes für die Verderbtheit des Menschen auf dieser W elt. Es nimmt daher nicht W under, daß gerade diese m ittelalterliche Anschauung von der übernatür­ lichen W eltordnung viele in der verzw eifelten Angst um ihr künftiges Seelenheil schon zu Lebzeiten dazu veranlaßte, eine V erkürzung ihrer Sündenstrafe nach dem Tode oder eine gänzliche Versöhnung m it Gott zu erreichen. Neben dem eigenen Gebet und zah l­ reichen Stiftungen und Schenkungen für fromme Zwecke versicherten sie sich der Gebets­ verrichtungen und religiöser Übungen der Mitmenschen, insbesondere der K leriker. Die Folge waren eine Unmenge von Gebetsverbrüderungen und die Gründung von Bruder­ schaften, die über den Tod des einzelnen hinaus w eiter w irken sollten 1. Das religiöse Leben im spätm ittelalterlichen Innsbruck unterschied sich kaum von jenem in anderen deutschen Städten dieser Zeit und bietet gerade in dieser Hinsicht besonders w ertvolle Einblicke in städtische und kirchliche Verhältnisse 2. Als um die M itte des 14. Jahrhunderts in Innsbruck die ersten Zunftbruderschaften aufkam en, bestanden bereits seit 1338 zw ei Bruderschaften, die rein religiöse Aufgaben erfüllten. Ihr Bestehen und das Interesse für sie w ar aber nur von kurzer Dauer, denn schon 1350 w ird das gesamte Vermögen beider Bruderschaften, über die w ir lediglich aus drei Urkunden überhaupt nur sehr wenig wissen, dem Stadtspital übertragen 3. Erst 1 Über die von den Fachgelehrten vertretenen vier Theorien über die Ursprünge der m ittel­ alterlichen Bruderschaften vgl. H anna Link, Die geistlichen Bruderschaften des deutschen M ittel­ alters, insbesondere die Lübecker Antoniusbruderschaft, Zeitschrift des Vereines fü r Lübeckische Geschichte und Altertum skunde, Bd. X X , Lübeck 1920, S. 1 8 1 — 269, und Gebhard Rath, Das Bruderschaftsbuch der Liebfrauenzeche zu St. Stephan in W ien, Mitteilungen des österreichischen Staatsarchivs, 7. Bd., W ien 1954, S. 33 6— 337. Zahlreiche Urkunden fü r T irol (LRA), S tad t­ archiv Innsbruck (Stadtarchivregesten von Petrovitsch-Schadelbauer = Sta. Reg.) und in den Archiven der Stifte W ilten (ST .W .), St. Georgenberg und Stams. 2 Hans Lentze, Stadt und Kirche im mittelalterlichen Innsbruck, österreichisches Archiv für Kirchenrecht, Bd. IV , 1953, Heft 2, S. 2 1 2 — 268, und Heinrich Schüler, Die Gebetsverbrüderungen des Prämonstratenserstiftes W ilten, V eröff. d. Museum Ferdinandeum, 8. Bd., 1928, S. 543— 556. 3 Lentze a. a. O., S. 241 ff. und Agathe Gaisböck, Zur Geschichte der Zünfte in T irol, vor allem in Innsbruck, T iroler Heimat, Bd. V II/V III, 1934/1935, S. 120 u. 161. Gaisböck v e rtritt auf S. 161 die Ansicht, daß eine der beiden Bruderschaften an der St.-Jakobs-Pfarrkirche die Bruderschaft der Schneiderzunft ist und beruft sich dabei auf die Stadtarchivurkunde vom 22. V III. 1338, N r. 64. Diese Annahme ist jedoch nicht richtig, da erstens in der Urkunde von der Schneiderbruderschaft nie die Rede ist, und zweitens die beiden genannten Bruderschaften keinen zunftmäßigen C harakter aufweisen, wie dies von H. Lentze festgestellt werden konnte. Da der einen Bruderschaft auch ein Schneider angehörte, so folgerte vermutlich Gaisböck irrtüm ­ lich daraus, daß es sich bei dieser Bruderschaft um die der Schneider handle, obzw ar sie selbst auf S. 120 das Zunftbuch der Schneider (H auptlade zu Innsbruck, fol. 1) zitiert, nach dem die Schneiderzunft und die Bruderschaft 1340 gegründet wurde. vierzig Jah re später kam es erneut zu einer dritten Bruderschaftsgründung, die als ein­ zige kirchliche Bruderschaft trotz der religiösen W irren im 16. Jahrhundert 392 Jahre lang bestehen konnte und zum Allgem einwohl der Stadt auf kirchlichem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet maßgeblichen Einfluß nahm. Den geschichtlichen W erde­ gang dieser Bruderschaft, der erst jüngst von der Kirchengeschichtsforschung kurz ange­ deutet w urde 4, eingehender darzustellen, erscheint um so gerechtfertigter zu sein, erwarb sich doch der Ju b ilar in seiner Eigenschaft als Präses um die H erren- und Bürgerkongre­ gation in Innsbruck, einer unserer Bruderschaft geistig sehr nahestehenden religiösen Vereinigung, ungeschmälerte Verdienste, dem dam it wenigstens ein bescheidener D ank abgestattet sei. Noch ganz unter dem Eindruck der Schrecken des verheerenden großen Brandes vom Jah re 1390 5 gründete im denkwürdigen Jahre 1391 der V ik ar zu Innsbruck, W olfhardt Esel, der früher P farrer von Taisten gewesen, gemeinsam m it acht anderen Geistlichen und fünf Innsbrucker Bürgern die „vnnser lieben Frawen große Bruederschafft“ an der St.-Jakobs-Pfarrkirche zu Innsbruck, die auch die Bezeichnung „Priester- und Laien­ bruderschaft“ und „M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft“ führte. Von der Geistlichkeit aus der Diözese Brixen beteiligten sich N iclaus A w er, P farrer zu Am paß, Jacob Meut- tinger, P farrer zu T haur, Christan Zaysinger, P farrer zu H all, H anns von St. Georgen­ berg, V ik ar zu Axams, und H ainrich Lindbüchler, V ik ar zu Münster 6. Aus fremden Diözesen stammten: Vlrich R enhärdt, Priester des Bistums Freising, und W oleslaus, be­ zeichnet als M eister der Künste von der Diözese Prag. Die Beteiligung angesehener Bür­ ger, von denen einige wichtigen Ämtern der Stadtverw altung vorstanden, förderte das Aufblühen dieser neuen Bruderschaft. Da von der Innsbrucker Stadtgeschichte des aus­ gehenden 14. Jahrhunderts infolge der schwierigen Q uellenlage eine ausreichende D ar­ stellung kaum möglich ist und vieles bisher noch unbekannt w ar, so verdient es das Leben dieser Bürger im einzelnen etwas näher zu betrachten, denn die Aufschlüsse, die man über die Vermögenslage jener Persönlichkeiten gewinnt, offenbaren, welche Lebens­ verhältnisse dam als in Innsbruck herrschten. Von Christan Poldt ist nichts Näheres be­ kannt. N iclaus Paumbkircher w ar Bürger und tritt von 1380— 1460 in 19 Urkunden mehr­ fach als Siegler und Zeuge auf. Paumbkircher (auch Baumkircher geschrieben) bekleidete ab 1393— 1406 das Stadtrichteram t. Über seine Fam ilienverhältnisse fehlen jedoch jeg­ liche Nachrichten 7. Christan Prost (Praust) erscheint 1371 als Pfleger des Spitals zu Innsbruck. Finan­ ziell gut gestellt, übernimmt er zw eim al m it anderen wohlhabenden Bürgern für Schul­ den der Stadt Innsbruck die Bürgschaft, am 24. Dezember 1374 für den Betrag von 796 M ark und 7 Zw anziger Zahlberner und am 5. M ai 1383 für 100 M ark Berner. Von sei­ 4 Lentze a. a. O. S. 24 4— 245. 5 Herzog Albrecht III. von Österreich unterstützte die vom Unglück heimgesuchte Bürger­ schaft bis zu seinem Tode 1395 laufend mit ansehnlichen Geldbeträgen. Vgl. Josef Egger, Geschichte Tirols, I. Bd., Innsbruck 1872, S. 445. 8 L R A , Sammelakten (S.A.), Reihe A , A bt. X X , Lage 1, N r. 12. fol. 1. Bei Josef W eingartner, Die P farre und die P farrkirche von St. Jakob, Innsbruck 1924, S. 53, w ird Esel unter den P fa rr- vikaren nicht erwähnt. Jacob M euttinger (Muntinger) w a r öffentlicher N otar. Näheres darüber siehe bei K a rl Schadelbauer, Die ältesten P farrvik a re von St. Jakob, P fa rrb la tt f. Innsbruck, 11. Jg., M ai 1930, N r. 8, S. 5. 7 ST .W ., Lade L X X X I A4, Les, 29 A , X III As, 17 X i u. 2 u. L X X X I D i; Sta., Reg. 206, 219, 226, 229, 234, 242, 249, 250, 254, 257 u. 258. 17 ner religiösen Einstellung und seiner Fröm m igkeit wissen w ir folgendes: Vor dem Jahre 1392 stiftete er in der Frauenkirche zu W ilten auf der rechten Seite den St.-M atheis- und St.-B arb ara-A ltar sowie den St.-E rasm en-A ltar in der St.-Jakobs-K irche zu Innsbruck. Am 24. A p ril 1392 übergibt Prost dem A bt Jacob von W ilten 100 M ark Zahlberner unter der Bedingung, daß täglich eine Messe auf den beiden vorgenannten A ltären in W ilten gelesen werde, außer am Laurentius-, Stephans- und Kirchweihtag und zu Weihnachten. Gleichzeitig gibt er die Zugehörigkeit zur Bruderschaft zu, indem er die D arbingung eines weiteren Meßopfers für ihn am T age seines Bruderschaftbegräbnisses verlangt. Für den F all, daß die Messenstiftung in W ilten unmöglich zu halten w äre, so sollte sie unter den gleichen Bedingungen in der St.-Jakobs-K irche auf dem St.-Sigm unds­ und St.-E rasm en-A ltar erfüllt werden. Für jede nichtgelesene Messe bestimmte Prost für das Sp ital zu Innsbruck zur Besserung der Krankenkost für W ein, W eißbrot und grünes Fleisch 30 Pfund Berner. Um 8 M ark mußte das Stift W ilten ein Ewiges Licht unterhal­ ten und 40 Pfund Berner gab Prost für den W ein, den der meßlesende Priester zu er­ halten hatte. Zum D ank für diese Stiftung verlieh der Abt des Klosters am darauffolgen­ den Tage dem Christan Prost und seiner F rauA lh aiden den dem Stift gehörigen Zehent im Stubaital. Schon 1393 September 23. überließ Prost aus nicht näher bekannten Grün­ den diesen Zehent auf fünf Jahre dem Heinrich Mon von Telfes. Zuvor schenkte er am 10. August 1393 dem Stift W ilten sein Gut im Stubaital im „Chäm polsw ald“. Seine rege Anteilnahm e am öffentlichen Leben ist uns mehrfach bezeugt: Im Jahre 1376 wurde er auf die Dauer eines Jahres zum Stadtrichter b estellt8 und seit 1395 gehörte er ununter­ brochen dem Stadtrate an. In Rechtsgeschäften fremder Sachen besitzt sein Siegel G laub­ w ürdigkeit und Rechtskraft. In Innsbruck gehörte ihm ein H aus am Platz beim Spital, das an das H aus des K aspar Nesius angrenzte. 1406 Ju li 30. w ird Prost schon als ver­ storben gemeldet 9. Vlrich Schennckh tritt uns erst 1393 als Ratsbürger in einer Zeugenreihe entgegen. Nach dem unglückseligen Stadtbrand 1394 zum Bürgermeister berufen, leitete er klug die Geschicke der Stadt. Nach seinem Tode macht im Jahre 1400 seine Frau Agnes zu Gunsten des Stadtspitales eine G rundstiftung in der Stadt, w ofür unter anderem am Jah rtag ihres Mannes eine Messe zu lesen w ar 10. Auch C onradt Täschler bürgt 1374 für die Schuld der Stadt Innsbruck an die Gebrü­ der Botsch von Florenz. Von 1386— 1394 ist er Pfleger der St.-Jakobs-K irche zu Inns­ bruck und verw altete deren Vermögen. Im Jah re 1395 wurde er in den Stad trat auf­ genommen und beteiligte sich seither ak tiv an der G em eindeverwaltung. Bei 17 Beurkun­ dungen ist er unter den Zeugen zu finden. Das Todesjahr von ihm ist unbekannt, 1402 w ar er jedenfalls noch am Leben n . Der gute R uf dieser Innsbrucker Bürger genügte der kirchlichen Behörde als Sicherung, daß die eingereichten Statuten und die auf sich genommenen Verpflichtungen von den M itgliedern auch tatsächlich eingehalten würden. So bestätigte der Bischof von Brixen, Friedrich von Erdingen, die Gründung der „Lieb Frauenbruderschaft“ und deren erste 8 K a rl K laar, Alt-Innsbruck und seine Umgebung, Innsbruck o. J., S. 6, enthält ihn nicht in seinem Stadtrichterverzeichnis. 9 Sta., Reg. 172, 18 1, 185, 187, 188, 195, 206, 212, 216 , 217, 219, 222, 223, 22 6— 229, 234, 2 4 1— 243, 245, 246, 250, 254, 263 u. 2 7 1; S t.W . Lade 58 B, 18 C, 58 C, L X X V III Ga, 74 Di, 43 Bi, Lse, L57, L X X X I A4. 10 Sta., Reg. 226, 228 u. 245. 11 Sta., Reg. 18 1, 189, 206, 208, 212, 219, 221, 22 3— 226, 228, 229, 234, 243, 245, 250, 252 u 254; S T .W . Lade L X X V III Gs, L X X X I D i, L»6,L,57, 17 V u. Le*. 18 Statuten am 25. August 1391 in einer feierlichen U rkunde. Zugleich wurde die kirchliche Erlaubnis zur Ausübung der Bruderschaftstätigkeit e r te ilt12. Die ausführliche Satzung ermöglicht uns, m annigfaltige Rückschlüsse auf die innere O rganisation dieser religiösen Genossenschaft zu ziehen. D araus ergibt sich, daß die Zugehörigkeit zur großen „lieben Frauenbruderschaft“ sich nicht auf einen ganz bestimm­ ten Personenkreis beschränkte, obwohl in der Anfangszeit die M itgliedschaft A deliger (ausgenommen davon die T iroler Landesfürsten) urkundlich nicht zu belegen ist. Der Z utritt stand sohin Frauen und M ännern, Geistlichen und Laien in gleicher W eise offen. Für den E intritt eines Aufnahmewerbers blieb es gleichgültig, ob dieser in Innsbruck, am Sitz der Bruderschaft, oder auswärts wohnte. Auch der W irkungsbereich ihrer religiösen T ätigkeit erstreckte sich nicht allein ausschließlich auf das Gebiet innerhalb der Grenzen Tirols und der Diözese Brixen, denn jedes M itglied, welches das Kirchengebiet von Bri- xen verließ, mußte weiterhin an die Bruderschaftskasse die bestimmten Zahlungen lei­ sten, w eil dieser w ährend seiner Abwesenheit die M itgliedschaft nicht verlor. Die Zusammenkünfte, die A bhaltung der religiösen Übungen und die Begehung hoher Bruderschaftsfeste fanden zu festgelegten Terminen in der St.-Jakobs-K irche zu Inns­ bruck statt, w ie überhaupt im ausgehenden M ittelalter die Kirche Versammlungsort zu verschiedentlichsten Anlässen w ar. Starb ein Angehöriger der Bruderschaft, so hatten alle Priester 30 T age lang hintereinander für den Verstorbenen eine Seelenmesse zu lesen und die T otenvigil zu beten. W aren sie an einem T age aus zwingenden Gründen zeitlich nicht in der Lage das Totengebet zu verrichten, so w aren die Geistlichen dazu verpflichtet, an diesem T age wenigstens ein „C olert“ einzulegen. H ingegen w ar es ihnen erlaubt, m it dem Beten der T otenvigil einen anderen Geistlichen zu betrauen. Die Laienm itglieder (Frauen und M änner) mußten, nachdem ihnen der Todesfall durch einen Boten verkündet wurde, zunächst eine hl. Messe lesen lassen. Ferner traf es sie an 30 aufeinanderfolgenden T agen, an jedem derselben 50 Pater noster und 50 Ave M aria 13 zur R ettung der Seele des Verstorbenen zu beten oder w ar gezwungen, eine andere Per­ son dazu zu bitten. Jedes M itglied hatte sich jährlich am Bartholom äustag (24. August) zum allgemeinen Bruderschaftsjahrtag in der St.-Jakobs-K irche einzufinden oder im Verhinderungsfälle bei Strafe von 5 Pfund Berner einen V ertreter dahin zu entsenden. Die weiblichen Bru­ derschaftsangehörigen, die außerhalb Innsbrucks wohnten, durften die vorgeschriebenen Gebete in der Pfarrkirche ihres W ohnortes oder zu Hause sprechen. Starb ein Bruder oder eine Schwester, so sollte vom P farrer und von seinem Gesellen in der St.-Jakobs-K irche eine V igil, ein Seel- und Lobamt gehalten werden. W er in die Bruderschaft eintreten w ollte, hatte eine einm alige Einschreibgebühr von 1 Fl. rh. zu entrichten. Darüber hinaus gehörte es für alle M itglieder zu den Pflichten, zur Deckung der ständigen Auslagen und Bedürfnisse zu Lebzeiten jährlich 1 Pfund Ber­ ner und zu den Quatemberzeiten 3 Kreuzer an die Bruderschaft zu zahlen. M it einer Strafe von 5 Pfund Berner ging man gegen Zahlungssäumige vor. Von den Zahlungen konnte derjenige befreit werden, der dafür einen jährlichen fälligen Zins der Bruder­ schaft übergab. Die M itglieder sollten ferner die Bruderschaft nach ihren K räften allzeit 12 L R A , S. A ., A , A bt. XX, Lage 1, N r. 12, fol. 2. Das O riginal der Gründungsurkunde ist nicht auffindbar. K on rad Fischnaler, Innsbrucker Chronik V , Innsbruck 1934, S. 332, bringt diese Nachricht, ohne eine Quelle anzugeben. 13 Die von Lentze a. a. O., S. 244, erwähnten 700 Pater noster und A v e M aria, die zu beten die Bruderschaftsmitglieder verpflichtet waren, wurden erst im 15. Jahrhundert auf dieses Aus­ maß herabgesetzt. 19 unterstützen und fördern sowie im Testam ent einen A nteil für sie bestimmen. Von sol­ chen stiftungsm äßigen Zuwendungen und Zinsschenkungen an die Bruderschaft ist aber im 14. Jahrhundert nichts bekannt und sie dürften auch im 15. Jahrhundert w enig ge- handhabt worden sein, denn einerseits sind in zeitgenössischen Urkunden nur vier Nach­ richten über die urbariellen Einkünfte der Bruderschaft zu finden und andererseits feh­ len jegliche schriftlichen Aufzeichnungen über das Barvermögen und den Grundbesitz derselben in diesem Z eitabschnitt14. Bemerkenswert und zugleich eigentümlich ist, daß die ersten Bruderschaftsstatuten keine Bestimmungen von der Ausrichtung des Bruderschaftsbegräbnisses beinhalten, ob­ wohl der Stifter vom Jah re 1392 ausdrücklich darauf Bezug n im m t15. Der M itgliederstand zur Gründungszeit ist nur sehr schwer anzugeben. Nach den Bruderschaftsbüchern des 15. und 16. Jahrhunderts, die die Namen der M itglieder von der Gründung an unvollständig und zum T eil sogar falsch auf zählen, belief er sich un­ gefähr auf 30 Personen. Davon w aren zehn Geistliche, alle übrigen Laien 16. Um das Jah r 1409 lebten von den Gründern noch die Geistlichen Jacob M euttinger, H anns von St. Georgenberg 17, H ainrich Lindbüchler und Vlrich R enhärdt und von den Laien nur mehr die beiden Innsbrucker Bürger N iclaus Paumbkircher und Conradt Täschler. Sie änderten gemeinsam m it den nach der ersten Bruderschaftsordnung eingetretenen elf Brüdern 18 einzelne Punkte von der Satzung, die sie als zu beschwerlich angesehen hatten, w eil sie von den meisten Bruderschaftsangehörigen nicht mehr eingehalten w ur­ den. Danach brauchten die Priester nur mehr sieben Seelenmessen und sieben Toten­ vigilien innerhalb 30 T agen für ein verstorbenes M itglied zu halten. Die Laien m uß­ ten im gleichen Zeitraum lediglich eine Messe lesen lassen, dazu 700 Pater noster und Ave M aria beten oder diese gegen Bezahlung beten lassen 19. Die A nkündigung des Ablebens eines M itbruders durch eigene Boten wurde abgeschafft. An Stelle dessen er­ fuhren die M itglieder Todesnachrichten durch gelegentlich abgesandte Boten. Da w ah r­ scheinlich die Bruderschaftsgelder nicht im gewünschten Umfange einliefen, so wurde verfügt, daß die ausständigen Gelder auf die 20 Pfund Berner, die von den M itglie­ 14 Der Innsbrucker Bürger C ünrat G ünther und seine Frau C lara vermachten am 25. V. 1455 der Bruderschaft 3 Pfund Berner jährliches Geld aus ihrer Mühle zu Kematen. (Sta. Reg. 334.) Durch K a u f erwarb die M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft 1457 V III. 28. von ihrem M itglied und Innsbrucker Ratsbürger O swald Steger den ablöslichen jährlichen Zins von 6 Pfund Berner aus dem Hause des Jörg Zeindler zu Innsbruck (Sta. Reg. 354) und 1467 V I. 2. vom Inns­ brucker Bürger K ristan K elhaym er und dessen Frau B arbara 4 P fund ewige Zinsgülte aus seinem Haus zu Innsbruck am Burggraben (Sta. Reg. 405). 1482 IV . 13. überließ Ludwig See­ los der „vnnser lieben Frauenbruderschaft“ geschenksweise eine Gülte. (K onrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik, IV , Innsbruck 1930, S. 262.) 15 Sta. Reg. 222. 16 T iroler Landesmuseum (TLM ), FB 3079 und FB 2979. Von den Mängeln der M itglieder­ listen w ird später bei Behandlung der Bruderschaftsbücher ausführlicher gehandelt. 17 A ls P farrer von Axam s w ird er unter den Zeugen der Urkunde von 1393 V II. 22. an­ geführt. L R A , I 4548. 18 Es waren dies: Rüdiger Schnabel und Hainrich Korg, beides Priester zu S ilz; Niclaus Pfister, P fa rre r zu K olsaß; Vlrich Zutsel und StefTan Stahel, beides Geistliche, und die Laien Vlrich K olb, Hainrich P oxdorffer, Caspar und Melchior Nesius, Niclaus Esel und M arquardt Oder. 19 TLM , FB 3079 fol. 1 — 2; LR A, S. A ., A , A bt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 2 — 3. Diese Satzungsänderung w a r in ein vierblättriges Pergamentregister eingetragen, das noch im 17. Ja h r­ hundert vorhanden w ar. Lentze, a. a. Ö., S. 244 behandelt die Pflichten der Priesterm itglieder nicht. 20 dern zu Lebzeiten erlegt werden sollten, nach deren Tod von dessen Erben an die Bru­ derschaft zu bezahlen seien. Die merklichen Erleichterungen der geistlichen Verpflichtungen w irkten sich auf die innere Festigkeit vorübergehend günstig aus und die M itgliederzahl stieg um die W ende des 14. Jahrhunderts zusehends an. In diesem Zusammenhang stattete die „vnnser lie­ ben Fraw en grosse Bruederschaft“ zum U nterhalt zw eier Benefiziaten m it Bew illigung des Bischofs von Brixen die M arien-D orothea-K apelle im Friedhof zu Innsbruck, w ie es in der Bestätigungsurkunde des Papstes Johann X X III. vom 21. November 1414 aus­ drücklich heißt, „von neuen“ m it Gütern aus 20. Diese Stiftung ließ sie sich zur Sicherheit nochmals von Papst P aul II. in der Bulle vom 17. M ai 1470 bestätigen, aus der her­ vorgeht, daß sie außerdem in der Pfarrkirche den H eiligkreu zaltar innehatte, auf dem der Bruderschaftskaplan m it Bew illigung des O rtsordinarius täglich die Frühmesse zelebrierte 21. Doch gerade die N ichteinhaltung der finanziellen Forderungen von seiten der M itglie­ der gab oftmals A nlaß zu argen M ißständen. Dagegen führte die Bruderschaftsvorste- hung w iederholt K lage, ohne jedoch einen sichtbaren Erfolg zu haben. U nter der R egie­ rung H erzog Sigmunds w ar die Bruderschaft deshalb gezwungen, die finanziellen Lasten der M itglieder etwas zu senken, die Satzungen abermals abzuändern und zum allgem ei­ nen besseren Verständnis einige unklare und sogar strittige Punkte näher zu erläutern 22. Bei der Aufnahme in die Bruderschaft sollte jeder den geringeren Betrag von 3 Pfund Berner gleich erlegen und jährlich 1 Pfund Berner B eitrag leisten bis die Zahlung der vorgeschriebenen 20 Pfund, auf deren Einhebung man jedoch nicht verzichtete, erfüllt w ar. H atten M itglieder bei ihrem Tode noch Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Bruderschaft, so gingen diese auf dessen Erben über. W er sich aber weigerte, die 20 Pfund überhaupt zu geben, dem w ar die Bruderschaft nicht verpflichtet, das Begräbnis und die Sterbegebete auszurichten. Ferner beschloß die Bruderschaft, den allgem einen Jah rtag künftig am Abend des Bartholom äustages m it einer V igil einzuleiten und am darauffolgenden T age ein Am t m it der Messe M aria assumptionis feierlich zu gestalten. Für alle Brüder bestand Pflicht, am Bruderschaftsjahrtag teilzunehmen oder sie mußten einen V ertreter dazu entsenden. Den auf dem Lande wohnenden adeligen und unadeligen Frauen w ar es dagegen erlaubt, sofern sie nicht zum Jah rtag kommen konnten, die Messe zu H ause zu beten. W eil die Entlohnung der M itw irkenden bei religiösen Feierlichkeiten früher keine Regelung er­ fuhr, so einigte man sich dahingehend, daß bei V igilien, Messen, Seel- und Lobämtern für Verstorbene von der Bruderschaft dem P farrer und dem Schulmeister je 1 Pfund Berner, dem Mesner, dem „Junckhm aister“ und ebenfalls dem Bruderschaftskaplan je 6 K reuzer und den Schülern 3 Kreuzer als Ehrung zu geben sind. Der Anbruch der N euzeit brachte in T iro l einen unerhörten Aufschwung und ließ H andel und V erkehr zu neuer Blüte gelangen. Nicht w eniger verschob der entdeckte reiche Bergsegen, m it dem das G ebirgsland von N atur aus bedacht w ar, die w irtschaft­ lichen und sozialen Verhältnisse. Demgemäß wickelte sich auch das geschäftliche und gesellschaftliche Leben viel rascher ab, und die geistige Entwicklung führte unm ittelbar 20 K a rl Schadelbauer, Innsbrucker Geschichtsalmanach, 1949, S. 43, und Lentze a. a. O., S. 24 4— 245. 21 L R A , S. A ., A , A bt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 8, 12. 22 L R A , S .A ., A , A bt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 3 ’— 4; im Bruderschaftsbuch des 15. Ja h r­ hunderts im TLM , FB 3079, ist der gesamte W o rtlau t der Bruderschaftsordnung auf fol. 2, 3 ’— 4 wiedergegeben. 21 zu W andlungen in der Denkungsart des Menschen an der Zeitenwende. Infolge der er­ höhten Anforderungen im Beruf und A lltag konnten die Bruderschaftsmitglieder ihren geistlichen Pflichten nicht mehr entsprechend nachkommen. Am Ende des 15. Ja h r­ hunderts schaffte die Bruderschaft das allen Brüdern auferlegte Gebet für immer ab und besorgte, der Zeit entsprechend, eine gründliche Reform ihrer Statuten. Für jeden T ag verordnete sie zwei Messen, die Frühmesse in der St.-Jakobs-Pfarrkirche und die Messe in der der Bruderschaft gehörigen Frauenkapelle 23. Die Priester für diese Mes­ sen, denen jährlich 40 Fl. rh. zu reichen waren, bestellte der Brudermeister im Einver­ nehmen mit der ganzen Bruderschaftsgemeinde. Das Einkaufsgeld in die Bruderschaft w urde auf 6 Fl. 3 Pfund Berner neu festgesetzt, dafür w aren die M itglieder von nun an zu nichts weiterem mehr verpflichtet. Anläßlich eines Bruderschaftsbegräbnisses und am allgem einen Bruderschaftsjahrtag hatten die anwesenden M itglieder am Vorabend an der V igil und am Um gang teilzunehmen und am nächsten T ag zum Gottesdienst zu erscheinen. Im Gegensatz zu den bisher gültigen Bruderschaftsordnungen bringt diese Neufassung als neuen Punkt die Richtlinien für die Abhaltung des Bruderschaftsbegräb­ nisses, wie sie im 15. Jahrhundert in Innsbruck der Brauch waren. Die Bruderschaft sorgte für die gewissenhafte und w ürdige G estaltung des Begräbnisses ihrer Verstor­ benen, das unter Geläute aller Glocken stattfinden mußte 24. Die Begräbnisfeierlichkeiten begannen am Vorabend m it einer gesungenen V igil. Am Morgen sangen die Schüler ein Seel- und Lobamt, w ährend dem der P farrer auf der K anzel des Verstorbenen nament­ lich gedachte und für ihn betete. Fand die Beerdigung in Innsbruck statt, so zogen die G läubigen andächtig in einer geschlossenen Prozession auf den Friedhof an die betref­ fende Grabstätte. Sollte aber das Begräbnis irgendwo anders, also auswärts vorgenom­ men werden, so verlangte es die Ordnung, daß sich die Prozession auf den Friedhof zur oberen K apelle begab und dort ein „Placebo“ sprach. Die T axen, welche die Bruder-: schaft dafür an den P farrer, Schulmeister, Mesner und an die armen Schüler zahlen mußte, veränderte sie nicht. N ur der „ Junckhm aister“ kam m it 3 Kreuzern bedeutend schlechter weg. A llerdings beteilte dafür die Bruderschaft noch einen Gesellen mit 2 Kreuzern und jeden K aplan im Pfarrhof, sooft ein Leichenbegängnis stattfand, m it je 2 Kreuzern 25. Nach den Bruderschaftsstatuten mußten Priester und Frauen, die von der Stadt auf das Land zu ziehen beabsichtigten, vor den Obersten der Bruderschaft erscheinen, die ihnen die geistlichen Verpflichtungen genau vorschrieben. Die bereits früher erlassenen Weisungen bezüglich Zuwendungen an die Bruderschaft im Testam ent erhielten fo l­ gende Ergänzung: Ans Siechbett gefesselte Personen konnten über Verschreibungen an die Bruderschaft nach ihrem Gewissen frei bestimmen 26. Erzherzog Sigm und der Münzreiche, von dessen frommem Sinn verschiedene M ei­ nungen verbreitet sind, w ar, wie w ir noch später sehen werden, auch M itglied der Prie- ster- und Laienbruderschaft und stiftete 1469 an der St.-Jakobs-Pfarrkirche zu Inns­ bruck das sogenannte M aria-H im m elfahrts-Benefizium . Sigmund bedingte sich zwei 23 Welche K apelle damit gemeint sein kann, ist fraglich. Es könnte die bereits erwähnte Friedhofskapelle sein, oder es bestünde die Möglichkeit, daß sich die Bezeichnung der Kapelle nur auf den einstigen M arienaltar auf der linken Seite in der St.-Jakobs-Pfarrkirche bezog. 24 Über das Läuten der Glocken bei Leichenbegängnissen im 16. Jahrhundert berichtet aus­ führlich K a rl K laar, Die alten Glocken von St. Jakob in Innsbruck, T iroler Anzeiger, 1924. N r. 78, S. 1— 2, und N r. 79, S. 1 — 3. 25 TLM , FB 3079, fol. 2’— 3 ’; ebenda FB 2979, fol. 5— 6 und L R A , S. A ., A, Abt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 4— 5. 26 TLM , FB 3079, fol. 4— 4’. 22 Wochenmessen aus und die Einhaltung der sonn- und feiertäglichen 11-Uhr-Messe in der St.-Jakobs-Pfarrkirche. A uf dieser Stiftung lasteten noch im Jahre 1905 365 Stiftsmes­ sen, die das O rdinariat in Brixen am 12. Ju li 1905 auf die D auer von drei Jahren auf 121 red u zierte27. Doch schon am Ende der zw anziger Jah re des 16. Jahrhunderts (und nicht Ende des 15. Jahrhunderts!), als sich in T iro l, gestützt auf die Bibel und den Bauern und K nap­ pen zuträglichen neuen Forderungen, die lutherische Lehre ausbreitete, die in ihrer reli­ giösen Erlebnissucht aufgewühlten Menschen gerne dem Aberglauben, Teufelsglauben und H exenw ahn anhingen und allerorts die schwärmerischen Sekten — w ie das W ieder- täufertum — aufkam en, verlor die M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft sehr an Bedeu­ tung 28. Noch kaum jem and w ollte etwas von religiösen Bruderschaften wissen. V iele hielten sich von ihnen fern, da einm al die neuen Glaubensboten alle kirchlichen Ein­ richtungen der katholischen R eligion, so sie nicht m it dem W o rtlaut der Bibel verein­ b ar w aren, verw arfen und ihnen den sicheren Glauben an die W irksam keit dieser A rt von Gebetsverbrüderungen raubte. Eine weitere Ursache in der Abkehr von den Bruder­ schaften ist wohl darin begründet, daß durch die hohen Einkaufsgelder und B ruder­ schaftsbeiträge der großen Masse der ärmeren Bevölkerung bereits von vorneherein der Z utritt verw ehrt blieb und ein T eil der reichen Bürger nunmehr um des persönlichen Vorteiles w illen in Anbetracht der sich anbahnenden kritischen religiösen und politischen Auseinandersetzungen in T irol bevorzugten, davon fernzubleiben. Freilich ließen es die St.-Sebastians-Bruderschaft29 und die erst 1507 gegründete St.-Barbara-Bruderschaft nicht fehlen, durch niederes E inkaufsgeld unserer Bruderschaft den R ang abzulaufen. Die St.-Barbara-Bruderschaft ging aus den Bruderschaften der M aler und Goldschmiede hervor, die am Ende des 15. Jahrhunderts selbst wenig M itglieder hatten. Sie konnte diese gefährliche Krisenzeit nur dadurch überwinden, indem sie zunächst die Gesell­ schaft der „Trum eter“ und die der M etzger in den Bruderschaftsverband aufnahm . Ihre endgültige V orrangstellung sicherte sie sich letztlich erst 1508, als sie ihre Reihen m it der Zunft der Hufschmiede verstärkte. Sie begnügte sich auch m it einem Einkaufsgeld von 12 Kreuzer oder 1 Pfund W ach s30. Im jüngerem Bruderschaftsbuch w ird auf fol. 6’ der M itgliederrückgang ausdrücklich auf das Uberhandnehmen der Sekten zurückgeführt31. Um E intrittsw illigen einen ge­ wissen A nreiz zu bieten, erm äßigte aus diesem Grunde die Bruderschaft zwischen 1530 und 1534 das Einkaufsgeld auf 3 Fl. pro P erso n 32. Im Bemühen, die Bürger und Einwohner der Stadt Innsbruck für den Bruderschafts­ gedanken wiederzugewinnen, erklärte sich die U .-L.-Frauen-Bruderschaft bereit, auch N ichtm itgliedern, wenn es begehrt wurde, das Begräbnis m it dem Bruderschaftstuch zu erlauben. Doch dabei die großen B ruderschafts-„Stallkerzen“ m itzutragen, w ar ihnen 27 P farrarch iv St. Jakob Innsbruck, Akten V 287 und L R A , S .A ., A , Abt. X X , Lage 1, N r. 10, (Auszug 1613). 28 Die nachteiligen Einflüsse der R eform ation und ihrer Folgeerscheinungen auf das religiöse Bruderschaftswesen im 16. Jahrhundert sind von der Forschung bisher kaum berücksichtigt worden. Lentze a. a. O., S. 245. 29 Lentze a. a. O. S. 245, und Gaisböck a. a. O. S. 161 u. 166. 30 Vgl. K onrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik IV , Innsbruck 1930, S. 262. Ferner Gaisböck a a. O. S. 161. 31 TLM , FB 2979. 32 Laut Abschrift aus dem 17. Jahrhundert. LR A, S. A ., A , Abt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 5. Im Bruderschaftsbuch des 16. Jahrhunderts, TLM , FB 2979, fol. 6 ’ ist die Zahl, welche die Höhe des Einkaufsgeldes angeben soll, rad iert worden. 23 versagt; dieses Vorrecht gewährte die Bruderschaft nämlich nur ihren ordentlichen M it­ gliedern bei Begräbnissen. D afür stellte sie den N ichtm itgliedern, die keiner Zunftbru­ derschaft angehörten, die A bhaltung einer V igil m it großer Beleuchtung in Aussicht. Durch den vorangegangenen Bauernkrieg (1525) und die T ürkeneinfälle (seit 1527), die zu Erhöhung der Steuerleistungen führten, geriet die Bevölkerung in eine finan­ zielle Bedrückung. Das Einkommen des Pfarrers und Mesners zu Innsbruck w ar daher dam als ebenfalls schmal und die Bruderschaft gestand ihnen nach mehrfachen Bitten eine Aufbesserung von 20 Kreuzern bis auf W iderruf zu 33. Die Satzungen und alle Abänderungen derselben w aren in den Bruderschaftsbüchern wörtlich niedergeschrieben. Sie dienten dem Brudermeister als Stütze, dem die Aufgabe zukam , die Einhaltung der religiösen Pflichten der M itglieder zu überwachen und Ü ber­ tretungen der Ordnung m it den Obersten der Bruderschaft zu bestrafen. Die Bruder­ schaftsbücher aus der Gründungszeit, die gerade kulturgeschichtlich hoch interessant wären, sind nicht erhalten. Zu den ältesten Stücken dürfte das vierblättrige Pergam entregister gehört haben, das im 17. Jahrhundert noch vorhanden w a r 34. Das älteste überlieferte Bruderschaftsbuch soll im folgenden näher besprochen und die darin auf gezeichneten Namen der M itglieder in gekürzter Form ediert werden. Dem Sammelband FB 3079 des T iroler Landesmuseums ist dieses vorliegende, aus zw ei Lagen zu je acht E inzelblätter bestehende Bruderschaftsbuch beigebunden. In der ersten Lage ist zwischen fol. 6 und 8 ein E inzelblatt eingeschoben. Ob es sich früher aus mehr als zw ei Lagen zusammensetzte, läß t sich heute nicht mehr sagen. Der Codex be­ fand sich ursprünglich in einem H olzdeckeleinband, der mit rotem Leder überzogen und m it einer Messingschließe versehen w ar 35. Nach der Aufhebung der Bruderschaft gelangte er Ende des 18. Jahrhunderts in Privatbesitz. Von einem gewissen Kick erwarb ihn das Ferdinandeum ohne Einband am 30. M ai 1903 um 40 Kronen. Beim Beschreibstoff handelt es sich um 17 B lätter nördlichen Pergaments im For­ m at 19,2X 14,2 cm (Höhe X B reite), deren Erhaltungszustand zufriedenstellend ist. N ur im oberen D rittel der fol. 9 ist, 3,2 cm vom rechten R and entfernt, schon vor der Be­ schriftung im Pergam ent ein 2,9X 1 cm großes Loch gewesen. Eine Zeitlang w ar es zu­ genäht. Die einzelnen B lätter sind an den Rändern zw ar gerade, aber untereinander ungleichmäßig beschnitten. Ein richtiges Linienschema wurde vom Schreiber nicht vor­ gezeichnet. Zur Einteilung der Zeilenanfänge und -enden zog er sich bloß drei m it Tinte ausgeführte R andlinien, rechts, links und oben, durchschnittlich 2,7 cm vom Pergam ent­ rand weg, vor. Die A nlage des Bruderschaftsbuches und die Flaupteintragungen stammen von einer einzigen H and, die w ir als H aupthand A bezeichnen wollen. W eitere 13 H ände haben zwischen 1463 und ca. 1508 darinnen zahlreiche Radierungen und N achtragungen vor­ genommen. Die fast senkrechte Schrift der H and A ist die gotische M inuskelkursive des 15. Jahrhunderts, die durch die schwungvoll nach links gebogenen U nterlängen des g besonders charakterisiert w ird. Von den einzelnen Kleinbuchstaben w ären die beiden d-Formen (mit und ohne Schaftum biegung!), das lange s m it dem tief unter die G rund­ zeile herabreichenden Schaft und das mehr breite als lange p hervorzuheben. U nter den Großbuchstaben ist das A auffallend, für das der Schreiber zw ei Schriftzeichen verw en­ det. Der Schreibstoff ist eine gleichmäßig geschriebene lichtbraune Tinte. Die Anfangs- 33 TLM , FB 2979, fol. 6 7 und L R A , S. A ., A , Abt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 5’. 34 LR A, S. A ., A bt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 3. 35 Ebenda fol. 4. 24 buchstaben aller Absätze der fol. 1’—4 und die Kapitelüberschriften sind in roter T inte ausgeführt. Ab fol. 5 sind der erste Buchstabe jedes Zeilenanfanges sowie einzelne An- fangsbuchtsaben von W örtern, die dem Schreiber wichtig erschienen, durch rote, senk­ rechte Zierstriche vom übrigen T ext abgehoben. Gegenüber den früheren D atierungen kann jetzt die Entstehung des Bruderschafts­ buches an H and der darin genannten M itglieder auf die Zeit von 1452—1463 ein­ gegrenzt werden 36. Dies ergibt sich aus nachstehenden Tatsachen: Die Liste der leben­ den Laien beginnt mit Friedrich V. von Österreich. Der Verfasser nennt ihn bereits mit dem K aisertitel. Die W ahl Friedrichs zum deutschen Kaiser erfolgte am 19. M ärz 1452. So konnte das Bruderschaftsbuch frühestens im Jah re 1452 begonnen worden sein, denn sonst-hätte ihn der Schreiber noch als König bezeichnen müssen. Die letzte Eintragung der H aupthand A ist auf fol. 17 unter den verstorbenen Laien der Tod des Dionisius H aidelberger, den er mit dem Jahre 1463 verm erkt. Somit steht auch der terminus post fest- , - vä M W ie schon erw ähnt, verwendete die Bruderschaft dieses Amtsbuch noch bis zum A n­ fang des 16. Jahrhunderts, das uns folgende Aufzeichnungen belegen: Erzherzog Sig­ mund w ar bekanntlich zw eim al verheiratet. Seine erste Gemahlin Eleonore von Schott­ land w ar, so lange sie lebte, im Verzeichnis der lebenden M itglieder bei ihrem Gatten eingetragen. Nach ihrem Tode, sie starb am 20. November 1480, wurde ihr Name im Lebendenverzeichnis von späterer H and getilgt und von dieser im Verzeichnis der V er­ storbenen nachgetragen. Im Lebendenverzeichnis setzte der Schreiber an ihre Stelle den Namen der K atharina von Sachsen, Erzherzog Sigmunds zweite Frau, die er erst 1484 heiratete. Ferner spricht für die spätere W eiterverwendung, daß auf fol. 8 der E intritt des W ilhalm Iphoffer in die Bruderschaft mit dem Jah re 1508 und auf fol. 11 der Tod des Peter von Speir, P farrer im Sp ital, m it dem Jahre 1507 angegeben wird. Die Durchsicht der Liste von den ältesten Bruderschaftsangehörigen führte zum Er­ gebnis, daß der Kom pilator unserer Ü berlieferung die Namen entweder einer ihm zu­ gänglichen, uns aber nicht näher bekannten V orlage entnahm oder vermutlich wenigstens zum T eil in seinem eigenen Gedächtnis rekonstruierte, wenn nicht die gesamte Anlage des Bruderschaftsbuches das W erk einer dritten Person, eines sogenannten D iktators, ist. So gibt der Schreiber A beispielsweise ohne Bedenken unter den verstorbenen Herzogen von Österreich den H erzog M einhard mit seinem Sohn König Heinrich von Böhmen und dessen Erbtochter M argarete an. Daß diese Sprossen der tirolischen Linie der Mein- hardiner entstammten, geriet offenbar bereits nach 100 Jahren in Vergessenheit; für ihn oder für seine Quelle w aren sie einfach die Landesfürsten von T iro l schlechthin. Ihre Zugehörigkeit zur Bruderschaft ist aber insofern ausgeschlossen, da H erzog M einhard von Kärnten schon 1295, König Heinrich von Böhmen 1335 und M argarete Maultasch 1369 starben, die U .-L.-Frauen-Bruderschaft jedoch erst 1391 ihren A nfang nahm. Gleichfalls unrichtig ist die Aufnahme in das Bruderschaftsverzeichnis des M arkgrafen Ludwigs von Brandenburg, des zweiten Gemahls der M argarete M aultasch, der ja seine Frau nicht überlebte. Schon auf Grund dieser Tatsachen müssen für geschichtliche Aus­ wertungen die auf gezeichneten Namen der ältesten Brüder und Schwestern m it V or­ behalt und größter Vorsicht herangezogen werden. Zudem sind, soweit festgestellt, im Bruderschaftsbuch über 142 Namen gänzlich ausradiert worden. N ur ein Bruchteil da­ von wurde durch die Namen anderer M itglieder ersetzt. Heute enthält es 407 Namen. 36 Gaisböck a. a. O. S. 161, Anmerkung 189 nimmt ohne kritische Untersuchung die Ent­ stehungszeit mit zirka 1470— 80 an. 25 Allein 273 Namen stammen von der H aupthand A, w ährend dagegen 134 spätere H ände m it einer schwärzlichen Tinte nachtrugen. Von den an uns überlieferten Eintra­ gungen ist bloß eine durchgestrichen. Die H andschrift beinhaltet: Fol. 1’—4 Die Bruderschaftsordnung aus der M itte des 15. Jahrhunderts (ca. 1440— 1450). Fol. 4—4’ Ergänzungen der Statuten. Fol. 5— 17’ Verzeichnis der Brüder und Schwestern der Bruderschaft gegliedert nach diesen Ge­ sichtspunkten: Fol. 5—5’ Lebende geistliche Brüder. Fol. 6—9 Lebende Herzöge von Österreich etc. und übrige Laien. Fol. 9’— 11 Verstorbene Priester. Fol. 11’— 12 V er­ storbene H erzöge von Österreich etc.. Fol. 12’— 17’ Verstorbene Laien. Nach der ständischen H erkunft zerfallen die M itglieder in 1. Bischöfe und Priester, 2. österreichsiche und tirolische Landesfürsten, sowie V erw andte derselben aus anderen D ynastien, 3. A delige, 4. Nichtadelige (Bürger, Hofbedienstete e tc .)37. M it Rücksicht auf die knappen Raum verhältnisse werden die T itel „H err“ und „Frau“, die bei den meisten N amenseintragungen wiederkehren, und bei Frauennamen die sinnlose „in“-Endung weggelassen. T ext: Nomina sacerdotum viuorum 38 (R) Benedict Wegmacher, pfarrer zw T y ro ll (R ). M aister K unrad R eychartt, beych- bischoue zw Brixen (R, sp. H .). W arbara K unigl, epptessin zu Sunenburg, im 83 (R , sp. H .). M aister Ludw ig R ad (R, sp. H .). Konbart Kauser, p farrer zw R ietzin (R ). Michel von N aters, fruemesser zu Insprugk (R, sp. H . — 3 R ). Augustin Scharrantt, meines gnädigen herrn cappellan (R, sp. H .). Hanns Räem , pharrer ze Augsam (R, sp. H. — R ). Jo rg Fabri von M atreii (R , sp. H. — R ). Peter W e y ss39. Jo rg Schrueff, vnser kapelan zu vnsser frauen (R, sp. H .). N omina ducorum austrie etc, et aliorum laicorum viuorum. Kaiser Fridrich von Österreich. H erzog Sigmund von Österreich, K atherina sein ge- machel (R, sp. H .). Vlrich Frewntsperger, ritter. Barbara 40 Frewntsperger sein gemahel. B arbara Gösch, w ittib (R, sp. H .). Bartolome von Lyechttenstain, ritter (R , sp. H .). Gaudenz Wotsch, rytter (R, sp. H. — 2 R ). Agnes, H ilp ran t W einek w itib (R, sp. H. — R ). Benigna W elsperger. W alth asar W elfsperger, K atherina vxor eius (R, sp. H. — R ). K atherina Tummer, Leonhard von Weineck w itib 41. Vlreich Schlandersperger (R , sp. H. — 3 R ). Caspar Aspach, ritter (R, sp. H .). Jo rig Fyrm ianer von Mod (R, sp. H . — R .). Reichart Klieber, Anue vxoris 42. Caspar Fra(e)ch, M agdalena sein hausfrau (R , sp. H . — R ). W ilhelm P ald auff (R , sp. H . — 2 R ). M argret Klam er, 82 ja r (R, sp. H. — 2 R ). Benedickt Kästner (R, sp. H .). M arquart von Schellenberg (R, sp. H .). A n­ 37 Gaisböck a. a. O. S. 161, berücksichtigte den Personenkreis der Bürger und Hofbediensteten nicht. 38 Zur Vermeidung von W iederholungen finden folgende Abkürzungen Verwendung: (R) — eine einzelne Rasurstelle folgt auf eine Eintragung. H andelt es sich jedoch um mehrere Rasuren, so werden sie durch Voraussetzung von Zahlen, z. B. (4 R) = 4 Rasuren folgen, kenntlich gemacht. Nachträge von späterer H and auf Rasuren = (R, sp. H.). Häufig sind hier die Fälle, daß an­ schließend an Nachträgen von späteren Schreibern auf getilgten Stellen Rasuren auftreten. Für sie gilt das Zeichen (R, sp. H .-R). 39 Von späterer H and; die sechs nachfolgenden Zeilen sind getilgt. 40 Steht auf Rasur. 41 Leonhard von Weineck witib später eingefügt; die folgende Zeile ausradiert. 42 Anne vxoris auf Rasur von anderer H and nachgetragen; die zwei nächsten Eintragungen sind getilgt. 26 dres von Schellenberg (R , sp. H .). C onradt von R iethaym (R, sp. H. — 2 R ). Sigmund N eydecker (R , sp. H .). Anna Spiess, w ittib (R, sp. H .) 43. Ju lian a Kreutt, meiner gnädi­ gen fraw en hoffjunchfraw (R, sp. H .). H ild gart von Gu(e)ssenberg, Laurenzen T raw tsan w y tty w ( R ) 44. Andere N erüffrer (R, sp. H. — R ). Caspar von Laubenberck, ritter vnd marschalchk dye zeytt im LX V (R, sp. H .). H ainreich H arbber (R, sp. H .). W olffgang W indeck (R, sp. H .). Jorg Krauzer (R, sp. H .). Jö rg P urgkgraff (R, sp. H .). Hanns von A ltspaw r, anno 67. in die C alix ti (R ). A delhaid D yepolzkircher, W artolom äus, im 83. jar (R , sp. H. — R ). W olfgang Summer, Elspet sein hausfraw (R , sp. H .). W ilhalm Costenntzer (R, sp. H .) 45. Leonhardt Protlieb (R. sp. H .). Anna Puecher, w itib (R, sp. H .). Doctor Burckhard von Horeneck, ayn lerer in der erzney (R, sp. H. — R). Burckhart Zimerman von Stockhach, Anna seine haw sfraw (R , sp. H . — R ). M argreth Kanacher (R , sp. H. — R ). Hanns Yseregker, perkm aister (R, sp. H . — R ). Lienhart Perginger, meines gnädigen herrn zyagm aister vnd Thorotea sein hausfraw , im 89. jar (R, sp. H .). Caspar Laxenfelder (R, sp. H .). C ristan T än zl, Anna vxor eius (R, sp. H .) 46. Hanns H elgrueber von Pozen (R, sp. H . — 2 R ). Chunrad R atuelder den man nennt Günther, K lara sein gemahel 47. Beningna R andorffer, bitib (R, sp. H .). H ainreich Men- telberger, Dorothea sein hausfraw (R , sp. H .) 48. Hanns T einiger (R , sp. H .) 49. W ilhalm Jphoffer, M adalena sein hausfraw , im 8. jar (R, sp. H. — 8 R ) 50 Caspar W alzenburger 43 Uber das Ränkespiel der Anna von Spieß am H of Erzherzog Sigmunds vgl. M ax Straganz, H all in T irol, Innsbruck 1903, S. 1 2 1 — 122, und M argarete O rtw ein, Der Innsbrucker H of zur Zeit Erzherzog Sigmunds des Münzreichen, Innsbruck, ungedr. phil. Diss. 1936, S. 132— 133. 44 w y tty w auf Rasur. 45 D er Verm erk „vnnd sein H aw sfraw “ getilgt. 46 Bürger zu Innsbruck, und siegelt den Stiftsbrief von 1471 X II 4. (Sta. Reg. 423). 47 In der Zeit von 14 27— 1489 kommt Günther 46m al in Urkunden vor. Er ist Bürger von Innsbruck und bebaute 1439 das Tenntzleingut auf der Ulfiswiese. 14 42— 1446, 1466/67 und 1478 bekleidete er den Bürgermeisterposten. Seit 1467 zählt er zu den Räten der Stadt. Das Richter­ amt versieht er von 1455 auf 1456 und 1484. Von 14 59— 1461 ist er Kirchpropst der St.-Jakobs- Pfarrkirche, und ab 1467 ist er Brudermeister unserer Bruderschaft. 1482 w ird noch erwähnt, daß er dieses A m t inne hatte. In Innsbruck besaß er mehrere Grundstücke und in Rum einen ewigen Zins. 1466 V II. 25. stiftet er sogar ein Pfund Berner ewige Zinsgülte aus dem Haus des Ja(e)ckl P a yr zu Innsbruck an die Suntig-Vigili-Bruderschaft in der St.-Jakobs-Pfarrkirche. (Vgl. Namensindex Sta. Reg. und vgl. S. 20, Anm erk. 14.) 48 Seiner Ehe mit Dorothea Eppanner entsproßten die K inder W olfgang, M artein und K ath a­ rina, die Gabriel Gunderichinger zu Gunderichingen, den Stadt- und Landrichter zu Kufstein, heiratete. 1471/72 ist Mentelberger Kirchpropst zu St. Jakob in Innsbruck, 1479 w ird er u r­ kundlich als Oberpfleger des Spitals erwähnt, 1482 erscheint er im Stad trat und schon bald darau f begegnet er uns 1484 und 1497 als Bürgermeister. 1489 und 1494 fiel die W ahl des Stadtrichters auf ihn. 1492 tauscht M entelberger mit dem Spital zu Innsbruck zwei Äcker da­ selbst gegen den Spitalsacker am Innrain ein. Nach der Erwerbung eines Zehentes zu Am ras (1498) verkau fte er am 3. V II. 1501 sein Haus samt Zubehör in Innsbruck in der Kugelgasse um 240 M ark Berner dem Innsbrucker H ofarzt Dr. N ikolaus Pol. Schon 1509 w ird M entel­ berger totgemeldet. (Vgl. Namensindex Sta. Reg. und L R A , K 572 und 573). 49 D er Name seiner Frau Barbara, die uns urkundlich mehrfach bezeugt ist, wurde wieder getilgt. In der Gem eindeverwaltung betätigte sich Teini(n)ger sdieinbar weniger, wenn er auch schon 1472 Ratsbürger ist. M it seiner Frau kaufte er von dem Innsbrucker Bürger Ulrich Gasler und dessen Frau A nna eine Behausung, H ofstatt, H of und Stallung zu Innsbruck in der Kirch- gasse. A u f diesem Hause lag ein jährlicher Zins, welcher nach der U rkunde von 1509 X I. 20. (Sta. Reg. 614), der M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft gehörte. Seine K in der hießen Barbara und Lienhart. (Sta. Reg. 436, 425, 467, 478, 479, 495, 525, 530, 614 und 691.) 30 Nicht weniger bedeutend w ar Iphoffer, denn 1467 stand er der Stadt Innsbruck als Bürger­ meister vor. K urze Zeit darauf, 1469 und 1479, versah er das Am t des Stadtrichters und ge­ hörte 1478 vorübergehend dem Stad trat an. 1483 V III. 30. vermachte er mit seiner Frau der St.-Sebastians-Bruderschaft zu Innsbruck ein Pfund Berner jährlichen Zins aus seinem Mahd (R ). Caspar Rieder, harnaschmaister zu M ulein (10 R ) 51. W arbara Phfluegl, im 89. jar (R , sp. H. — 3 R ). H ainreich H ering, meines gnädigen herrn schengk, 83. jar Katerine (R, sp. H . — R ) 52. H ainz Tum erzhawser (R , sp. H .). M atheys Salhapart, meins gnä­ digen herrn silberkam rer (R , sp. H. — R ). M argaretha R aduelder LX X I. (R ). Klaus R eynner (R, sp. H . — 2 R ). Ludw ig Selos 81 (R, sp. H .). Jörg H aller 83 (R. sp. H .) 53. N omina sacerdotum mortuorum. Johannis H inderpach, pischoffe ze T r y e n d t54. Vlrich, bischof zu Brixen. Jorg, bischoue zu Brixen. Leonhard, bischoue zu Kchur. N iklaw s, pharrer zu Ampons. W olf hart Esel. C ristan Zaisringer. Bartholme Füller. Hanns H äm erl. H ainrich, pharrer zu Vmbst. Berchtold D iepurger. N iklas Phister. Jacob M awtinger. Hanns, pharrer zu Auxams. C hunrad Enzpenger. N iklas N ew farer. H ainrich von Münster. Chunrad Hueber. Chun- rad T ulfer. H ainrich Gredner. H ainrich K arg. Simon Sächerl. M aister W enz- law . Ruedinger Snabel. Vlrich von Seeueld. Vlrich Zuttel von Vlm . Seifrid von Gmunden. Peter Stüchs. K ristan Gundel. Hanns Vedrer. Vlrich Fullensakch. Ste­ phan Stökchl. M aister Stephan Keerner. Albrecht W einkern(er). O swald W einsland. Leonhard H ew stadel, pharrer zu Vmbst. Hainrich Frewntsperger, pharrer zu Kolsazz. Peter- Grösschoph, pharrer in Stubay. Stephan von Ebersperg. Andre Kussenphenning. Hanns Saw r, pharrer in T aw fers. M artein Techtel, pharrer zu F law rling. Bartholme, pharrer zu V ilanders. Chunrad, pharrer zu Zams. M aister H anns, pharrer zu Telfs. Chunrad Grensel von Tegernsee. Andre, weichpischof zu Brixen. W ilhelm T raw tinger. Vlreich Vögel 35. Hanns Grezer. Hanns W estendorffer, pharrer zu Auxams. Cristoff H önigler. Michel Straw sdorffer. N iklaw s Seidenhofer. Vlreich K arg, p ffarrer zu Silz 56. Peter Polner. Hanns Stadelbiser, p ffarrer zu Telfs ist gewesen. Colman Tolber von H a ll57. Ludweig Steger, pfarer auf dem Seeueld gebesen ist. A lex Klewber, pharrer zu N aters. M aister Jerom ig Saw rw ein, pfarrer zu Potzen. Erhart Prews, p farrer ze Par- zinsz. Peter von Speyr, p farrer im spital ist gewesen, obiit sexta feria post Lucie, 7. Hanns Pogner, pfarrer von Stilfs. M artein M arquardi. Vlreich Slaner, phfarer hye im sp ittall ist gewesen. Hans M ader, phfarrer zw Schenaw ist gebessen. Petter Kolholcz, phfarrer zw Auxams ist gebessen. M arttein Püschly, phfarrer zu Sylz. Nomina ducorum austrie etc. mortuorum. H erzog M einhart. Künig H ainrich sein sun. M argret sein tochter. M arkgraf Ludwig von Prandenburg. H erzog Ruedolf von M ailand. Herzog M einhart sein sun. H erzog Albrecht der elter. H erzog Leopold, Herzog Rudolfs prueder. Albrecht ir prueder. Elspet, herzog Leopold tochter. Herzog Albrecht, herzog Albrechts von Osterrich sun. in der Au am Gießen fü r eine Jahrtagsmesse in St. Jakob. Neben Grundstücken am Innrain und in der Stadt besaß er Äcker im H öttinger Feld. 1500 w ird er noch in Urkunden genannt. 51 K urze Biographie siehe K on rad Fischnaler, Innsbrucker Chronik V , Innsbruck 1934, S. 188. 52 Schon unter Erzherzog Sigmund im H of dienst stehend, übernimmt ihn nach dessen Tod König M axim ilian als Hofschenk. In Innsbruck besaß er in der Saggengasse einen Garten. A ls Bürger der Stadt ist er in der Zeit von 14 9 1— 15 11 mehrmals Zeuge und Siegler in Urkunden. (Sta. Reg. 516, 525, 537, 586, 624, 635, 644 u. 656.) 53 Ob er mit dem Stadtspitalspfründner Jorg H aller, der in der Urkunde von 1478 II. 4. unter den Zeugen zu finden ist, identisch ist, steht in Zweifel. (St. Reg. 438.) 54 Von späterer H and nachgetragen. 55 Die Identität mit dem P farrer zu Innsbruck und P rokurator der Vigili-Bruderschaft in der St.-Jakobs-Pfarrkirche, dessen Am tszeit in das Ja h r 1437 fä llt, wäre möglich. (Vgl. Sta. Reg. 286 Schadelbauer a. a. O., S. 6 und W eingartner a. a. O. S. 53) 56 Von hier ab bis einschließlich M arttein Püschly sind alles Nachträge. 57 Durchgestrichen. 28 H erzog Fridreich von Österreich. H erzog Leopold, herzog W ilhelm , herzog Ernnst sei­ ner prüeder. Fraw Gruen, herzog Fridrichs mueter 58. Elspet von H aidelberg. Anna von Prawnsbeig, herzog Fridrichs gemahelin. Elienor, kunigin auss Schotten, die vnnsers ge- nadigen herren gemachl ist gewesen 59. Kunig Albrechts seel kunig ze H ungern vnd Be- heim, herzog ze Österreich (sp. H .). Kunig Laslaus sein sun (sp. H .). Erzherzog Albrecht von Osterrich (sp. H .). Künig Jacob von Schotten. Künigin Johanna sein gemahel. Künig A llexander ir paider sun. K ünigin M argareta. Künigin K atherina Telphinin. H erzog Ott von Brawnsbeig. H erzog Fridrich von Brawnsbeig. Herzog H ainrich von Brawns- beig. Nomina laicorum mortuorum. Hanns von Frewntsperg, ritter. Dorothea sein gemahel. W olfgang Frewntsperger, ritter. Dorothea Slandersperger. H ainrich Slandersperger, ritter. Jö rg sein diener. Anna von Liechtenstain. H ainrich Fuchs. Berchtord Rosenberger. C iprian Lemburger, ritter. M agaret Liechtenstainer. M artha Liechtenstainer. Cristan Polt von Kemnaten. W ernher von C irl. Elspet Poxdorffer. K athrein Günther 60. Vlreich Schenkch 61. N iclaw s Nus- dorffer. C ristan Präst 62. Caspar Nesius, Dorothea sein gemahel 63. Chunrad Täschler 64. Anna Schaidler. N iclaus V egler, Anna sein w irtin . N iclaw s Esel, Sigaw n sein gemahel. M arquard ö d er. K athrein Räm . Barbara Nusdorffer. H erm an Aher. P ittro lf Västel. M argaret Wäch. M agdalen Iphouer 65. N iklaw s Pawm kircher. Agnes R atuelder. M ar­ garet Gässler. Jobs Pekch, Agnes sein gemahel. K atherina Puecher. Sabina Dorn. Lud­ w ig M aurer, Irm gart sein gemahel. H ainrich Sneider 66. Chunrad Freisinger. Dietreich Snekg, Anna sein gemahel. Vlrich R atuelder 67. A lh ait Gelter 68. Malchus Ratensdorffer. Jö rg Terchinger. A kerl, türhueter. Lucas Glaner 69. Augustin Sumhawser. H ainrich Pox­ dorffer 70. M atheis K ram er, C ristina sein gem ah el71. Elspet Hertenberger. M artein M äminger. Zacharias W elfsperger. Ewstachius Esel, A gatha sein gemahel. B arbara Wäch von H all. Sigmund Erber. Hanns M aler. Caspar Dorn. Elspet Kekch. Jobs Schenkch. 58 Viridis Visconti, Gemahlin Herzog Leopolds III. 59 A u f fol. 12 später nachgetragen. 60 Vgl. Anm erkung 92. 61 Vgl. S. 18. 62 Präst == Propst, vgl. S. 17— 18. 63 In der Zeit von 13 7 5 — 1392 nimmt er mehrfache Veränderungen seines großen G rund­ besitzes vor, indem er zum Teil Äcker in Innsbruck verkaufte und zum Teil neue Äcker dazu erwarb. Von 13 76— 1377 ist er als Stadtrichter bezeugt. Als Pfleger des Spitals w ird er 1373, 1399, 14 0 0 — 1403 urkundlich genannt. Sein Haus in Innsbruck w ird 1406 als Grenze angeführt. (Vgl. K a rl K laar, Alt-Innsbruck und seine Umgebung, Innsbruck o. J., S. 6 u. Namensindex Sta. Reg.) 64 Vgl. S. 18. 65 Vgl. S. 27, Anm erk. 50. 66 V on ihm wissen w ir nur, daß er in Innsbruck in der Neustadt einen K eller, eine H ofstatt und einen G arten, die an die Badstube des Innsbrucker Bürgers Ulrich Pader und an eine H o f­ statt samt Garten des Stiftes W ilten grenzten, besaß. (Sta. Reg. 226.) 67 Er ist Bürger von Innsbruck, kommt aber zwischen 1408 und 1442 nur dreimal in Urkunden vor. (Sta. Reg. 267, 271 u. 296.) 68 Sie stiftet 1395 X I. 14. dem Spital zu Innsbruck ihr Haus samt H ofstatt und G arten in der Neustadt daselbst mit der Bedingung, im Falle des Siechwerdens eine Pfründe im Stadtspital zu erhalten. (Sta. Reg. 235.) 69 Bürger zu Innsbruck; zu Beginn des 15. Jahrhunderts (14 11 und .1412) Zeuge bei zwei Rechtsgeschäften. (Sta. Reg. 271 und 272.) 70 Seit 1393 urkundlich nachweisbar, w ird er um 1400 mit Landrichter in Urkunden bezeichnet. 71 Über sein Haus berichten die Stadtarchivurkunden von 1401 X II. 12., Reg. 252 und 253. 29 Elspet Geber. Sigm und Räm 72. Elspet Smurner. Caspar Schebel. Hanns Seger. M argaret Strasser. K laws von Esslingen. Chunrad Scher. B arbara Dorn. Hanns Gessler 73. Caspar Räsner. Fridrich Jäg er von M attray. Vlrich Grembs von H all. Paul R aw tter von Vlm . Melchior N esius74. Thoman Messersmid. Hennsei des Fuchs knecht. Chunrad Pukker. Degen von Rüdberg. Hanns H ertenberger 75. H anns Glasinger. B arbara Pawm kircher. Dorothea Degn. Hanns Alber, K athrein sein w irtin ~6. Hanns Goltsmid, Dorothea sein gemahel. Ju lian a, kuechellmaisterin. M artein Rottenpekch. Vlreich Kümmerl. K athrein die W olfgang. Sigmund Vegler, M argaret sein gemahel. Vlrich Veigenstain. Hanns Dorn, Anna sein gemahel 77. Dietreich Sneider. Fridrich Smicher. Sigm und Seng. M arga­ ret Wäch. Dorothea W elfsperger. Peter aus der Pettnaw . Thoman Schaidler. Caspar M argreider. Vlrich Kolb 78. Chunrad V instertal. C lara sein swiger. Anna W äh. Wäch von H all. Matheis Furtter, M argret sein gemahel. Berchtold Paer. Stephan Kürsner, A nna sein gemahel. M argaret M äntelberger. Hanns Lam parter. Dorothea Frewntsper­ ger. Michael, Zöllner von T riendt. Andre P art, huefsmid. K law s Klemphel. O swald Sengel, Anna sein gemahel. Chunrad Werchslacher. Espet, H ainrich Dorn. H ainrich P air von Tram inn. Vlrich Sechkel von A rzell. V erena von W ernberg. M aister Chunrad, huef­ smid, B arbara sein gemahel. Hanns der allt goltsmid. Hanns Nokch von Sterzing. Anna ö lko p h . Ruedolf Jaw fn er. A lhait des goltsmids diern. Chunrad Ip h o uer79. Stephan E ppanär von Sterzing. N iklaw s Posch, M argaret sein gemahel 80. Hanns Stankch. Hanns 72 Ratsherr zu Innsbruck, zwischen 1401 und 1406 erscheint er nur zweim al als Zeuge in Urkunden. (Sta. Reg. 252 und 258.) 73 Vermutlich um 1350 geboren, heiratete er möglicherweise noch v o r dem Jahre 1370 seine Frau Diemut, deren Familienname nicht feststellbar ist. In Innsbruck gehörte ihm an der Kirch- gasse ein Haus und eine H ofstatt, die er 1370 II. 6. gemeinsam mit seiner Frau dem Hans von Dyczzen, Schuster und Bürger zu Innsbruck, verkaufte. 1391 und 1392 Pfleger des Stadtspitals; daraufhin enthielt er sich mehrere Jahre lang aller öffentlichen Tätigkeit. Nachweislich nahm er an 13 Rechtsgeschäften a k tiv und passiv teil. 1401 zeigte er w ieder reges Interesse fü r die Gem eindeverwaltung und ließ sich in den Stad trat aufnehmen. Seit 1405 finden w ir ihn bis zu seinem Tode als Pfleger der Allerheiligenkapelle zu Hötting. 1446 w ird er bereits totgemeldet. (St. W ., Lade 29 A , L 76 , L 07 und vgl. Namensindex Sta. Reg.) 74 V on seinen Familien Verhältnissen ist nur das eine sicher: Die Frau hieß Osmen, der Sohn Quirin und die Tochter M argreth, welche m it Hans K rip p verheiratet w ar. Er lebte zirka von 13 95— 1450 (Sta. Reg. 272 und 296). 75 N ur in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1393 versah er das A m t des Bürgermeisters in Innsbruck. Bis 1427 urkundete er selbst einmal, während er in der gleichen Zeit zehnmal zur Zeugschaft in Rechtsangelegenheiten angerufen wurde. 1395 ist er unter den Ratsbürgern. (Namensindex Sta. Reg.) 76 Bürger zu Innsbruck und Propst der St.-Jakobs-Pfarrkirche, urkundet 1422 I. 30., Sta, Reg. 279. 77 Im Jahre 1401 Bürgermeister von Innsbruck; 1402 mußte er sich mit einem Ratssitz in der Gemeindestube begnügen. 1418 IX . 22. verkau fte er um 10 M ark Berner sein Gut zu A rzl, das die Pyenin zu A rz l bebaute, an die Bruderschaft zu Innsbruck. 1427 w ird er urkundlich zum letztenmal genannt. Sein Sohn Hainrich Dorn, der zweimal verheiratet w ar, spielte im öffent­ lichen Leben Innsbrucks eine größere Rolle als sein V ater. Ein V etter von ihm ist Hans Dorn zu H ötting, der der Sohn des Jörg D orn ist. (Namensindex Sta. Reg. und L R A K 207, 529, 660 u. 661.) 78 Er ist der Sohn des Sighart und der M argarete K olb. M it seinem Bruder Sighart schenkte er dem Stifte W ilten ihr Gut in der Am raser A u, welches N ikkei Wach, Bürger zu H all, inne­ hatte, w o fü r sich das Stift verpflichtete, den Jah rtag ihrer Eltern ewig zu halten. In Innsbruck nannte er ein Haus an der Ringmauer, das an ein Haus grenzte, welches der Frauenkirche zu W ilten mit ein Pfund Berner zinspflichtig w ar, sein eigen. 14 13 ist dieses Haus noch in seinem Besitz. (ST .W ., Lade 17 W , 17 X 2 , 17 X i, 17 T, 17 V , L X X X I A 4 u. Sta. Reg. 254, 272 u. 273.) 79 Bürger zu Innsbruck (Namensindex Sta. Reg.). 80 D er Innsbrucker Bürger Niclas Posch konnte in Urkunden von 14 22— 1446 nur als Zeuge nachgewiesen werden. (Sta. Reg. 279, 286, 288 u. 308.) 30 Wach. N iklaw s Wach. Simon Wach. Jörg Wach. Vlrich R atuelder. Peter Kazpekch vnd sein w irtin. Barbara Lainberger. Jörg Schönperger. Elspet Painkircher. Hanns Eben- hawser. Gabriel Painkircher der ju n g e r81. N iclaw s Schuester82. C ristoff Painkircher. N iclaw s Iphouer 83. Andre H aller 84. M argret Sm alzl. Gabriel Painkircher der elter 85. M argret meinr gnedigen fraw kam erfraw . Anna Lärzer. H ainrich Spies vom Spies. V rsula Schintler. M aister Peter von Brixen. Ott Tenzel. H ainrich von Liechtenstain. Anna N ater. W olfgang Krumpacher, V rsula sein haw sfraw . Dorothea, Caspar Nesius gem ah el86. M argaret T urner, Cristoff Gotsch gemahel. Purkhart W olf von M areid. Peter Stankch von C irl. Agnes R atuelder. Dorothea K ripp. H ainrich V e n d t87. Dionisius H aidelberger, anno 1463. Elspet T enzl, obiit feria 4a in nocte ante palm arum L X III 88. Thoman H önigler. Jacob Steirer, der herrn H ylp ran t Fuchs dinener gewesen ist. Jö rg Schneider 89. Hanns Kripp. Ernnst Rietenburger. Anna Lesinger von Schwaz. Fridrich der des Ypphouers knecht ist gewesen. Ott Satler 90. G erdrawt, Degen Fuchs. M atheys Prew(e)ss. Hanns R atuelder 91. Augusting Purckel der hye ist schu(e)lmayster gewesen. Hanns Layenfelder (R ). H ainreich M aurer. Antoni alt Guther 92. Dorothea des Jeoe 81 Er ist Pfleger der vnnser lieben Frauenbruderschaft zu Innsbruck. Zwischen 1437 und 1474 nahm er auf die Sicherstellung seines Besitzes um Innsbruck herum Bedacht und verkau fte 1444 III. 12. aus seinem H of zwischen Rinn und Tulfes einen jährlichen Zins von 26 Pfund Berner dem Spital zu Innsbruck. 1452 w ird er als Ratsbürger gemeldet und 1460 heißt es von ihm, daß er schon verstorben sei. (Namensindex Sta. Reg.) 82 Bürger zu Innsbruck. U rkundet 1393 und 1427, zuletzt als Kirchpropst der Allerheiligen­ kapelle zu Hötting. (Sta. Reg. 227 u. 284.) 83 In Innsbruck begütert, übte er auch in seiner Stellung als Ratsbürger in der Gemeinde 1452 u. 1456 einen Einfluß aus. Nach der Erlangung der K irchpropstwürde an der St.-Jakobs- Pfarrkirche zu Innsbruck 1455 erreichte er den H öhepunkt seiner K arriere, indem er 1457 Bürgermeister der Stadt Innsbruck wurde. (Namensindex Sta. Reg., und L R A , 1455 X I. 19. — K 529.) 84 1427 als Bürger erstmals in einer Zeugenreihe aufgeführt. 1433 u. 1437 versah er das S tad t­ richteramt. 1448 V I. 3. beteiligte sich H aller an der Streitschlichtung zwischen den Leuten des Gerichtes Thaur und Rettenberg wegen gegenseitiger H ilfe. 1449 Bürgermeister zu Innsbruck und Propst der St.-Jakobs-Pfarrkirche daselbst. Von 14 52— 1456 gehörte er ununterbrochen dem Stadtrate an. 85 V ater des in Anm erkung 81 Genannten. 86 Vgl. S. 29, Anm erkung 63. 87 Bürger zu Innsbruck, erscheint nur 1437 und 1450 unter Zeugen. (Sta. Reg. 290 u. 322.) 88 Von hier an beginnen die Nachträge. 89 Er w ird auch Slechter genannt, seine Frau hieß Anna. In der Urkunde 1447 I. 14. ist er Zeuge. In Innsbruck besaß er das Bürgerrecht. (Sta. Reg. 314.) 90 Von 1439— 1457 w ird der Bürger Innsbrucks sechsmal urkundlich erwähnt. (Sta. Reg. 291, 299, 321, 322, 332 u. 353.) 91 Vermutlich hieß schon sein V ater wie auch er Hanns. Um 1442 im Besitze des Mordackers in der Klause in Hötting. Zunächst 1446 Pfleger der Allerheiligenkapelle zu Hötting, 1451 — 1452 Oberpfleger des Spitals zu Innsbruck und 14 55— 1456 Ratsbürger zu Innsbruck, 1454 III. 17. v e r­ macht er und seine Frau Agnes dem Spital und der Spitalskirche zu Innsbruck fü r einen ewigen Jah rtag und fü r den K ranken fü r W ein und weißes Brot einen Acker am Innrain. Seine W o h l­ habenheit geht noch aus anderen Urkunden hervor, in denen ihm gehörige Grundstücke in Inns­ bruck auf gezählt werden. Im Jahre 1502 w a r er noch einmal Oberpfleger des Spitals und R ats­ bürger bis 1518. (Sta. Reg. Namensindex u. L R A , K 529.) 92 Ratsbürger von Innsbruck 1455, 1456 u. 1460. 1457 übernahm er kurze Zeit das Kirch- propstamt der St.-Jakobs-Pfarrkirche. In Innsbruck besaß er eine H ofstatt und G arten in der Vorstadt, die er in Erbpacht dem Innsbrucker Peter Lebzelter 1453 vergab. In Silz hatte er ein Gut, von dem er dem Spital zu Innsbruck einen jährlichen Zins von 13 Pfund Berner und eine Gans um 33 M ark 8 Pfund Berner verkaufte. Seine Tochter K atharina w a r mit dem Brunecker 31 pader hausfraw ist gewesen. Agnes pirm ian, dye des alten kuchenmayster hausfraw ist gebesen, obyt anno Domini M C C C C 0 LXV° feria quarta post festum conuersio sancti apostoli P auli de mane hora 7ma. Leonhart Vinsterl von Ryenn. H appe Hoche 92a. Michel Iaufer von Silz. H erm an Grebinger. Cristoff H aydfalck 93. Asem Gelter. Dorothea die ald Günther. K atherina M a(e)ringer. M aister Konrad K offler. Elspet dy alt goldschmid. M ayster K unrad von M ulein, obyt anno 67° ad festum Michaelis. Sigmund von Stänns. R ulant Schlandersperger. Sygaw n H aller. W olfgang Stumbeck. Peter Perger von Zirl. Liennhard von Velsegk. H ilpranndt von W einegk. B arbara appoteckerin, 7°. A lle diese Namen sind auch im jüngeren Bruderschaftsbuch, dem Codex FB 2979 des T iroler Landesmuseums, aufgenommen, das uns fast unversehrt erhalten blieb. Es kam 1898 m it der D r.-Fr.-W erner-Bibliothek an das Museum. Der Einband im Format 21,7X 16,3 cm besteht aus zwei Holzdeckeln, die mit rotbraunem, reich verziertem Preßleder überzogen sind, und aus je einer Messingschließe oben und unten. A uf der Innenseite des Vorderdeckels ist ein T eil eines Papierblattes auf geklebt, auf das der A n­ fang einer U rkunde Kaiser M axim ilians geschrieben w ar. Dagegen ist auf der Innen­ seite des rückwärtigen Einbanddeckels das letzte Pergam entblatt der vierten Lage auf­ gezogen. In vier Lagen sind 46 19,2X 15,6 cm große nördliche Pergam entblätter zusam­ mengefaßt, denen drei P apierblätter als V orsatzblätter vorgebunden sind (Lage 1 = 3 D oppelblätter, Lage 2 = 8 D oppelblätter, Lage 3 = 8 D oppelblätter, das letzte B latt davon ist herausgeschnitten, Lage 4 = 5 D oppelblätter). Dieser Schreiber verzichtete vollständig auf das Vorzeichnen von Linien. Das einzige H ilfsm ittel, dessen er sich zur Schrifteinteilung bediente, ist, daß er die rechten R änder vom Pergam ent etw a 2,5—4 cm einwärts einfaltete. Eine Foliierung der B lätter ist hier w ie im älteren Bruderschaftsbuch unterblieben. Der G roßteil der Namen des Bruderschaftsbuches Wurden in einem Zuge von einem einzigen Verfasser geschrieben. Seine Schrift ist die sogenannte deutsche Schrift, die um 1500 unter Einfluß K aiser M axim ilians I. und Albrecht Dürers aus der gotischen K ur­ sive hervorging. In ihrer Gesamtheit macht sie m it ihren unregelm äßigen Oberlängen und langen, bisweilen über drei Zeilen hinabreichenden U nterlängen von f, p und s einen ungünstigen Eindruck und verrät schließlich die Flüchtigkeit, mit der bei der Abfassung vorgegangen wurde. An charakteristischen Großbuchstaben wären zu nennen das A, B, R und W , deren kräftige Anstrichbögen schwungvoll von links oben herabgezogen sind. Dem Flüchtigkeitsgrad entsprechend, werden die umgebogenen U nterlängen von h und g bald mehr oder bald weniger schwungvoll ausgeführt, wobei die g-Schlinge manchmal offen bleibt. Der Hauptschreiber unterscheidet sich von anderen H änden durch die aus­ schließlich verwendete lichtbraune Tinte. Von seiner H and stammt auch die reformierte Bürger Anndree Püdinger verm ählt. Günther verlieh noch v o r seinem Tode (in der Urkunde 1468 X . 26. — K 416 w ird er bereits als tot gemeldet) aus seinem großen Grund vor dem Saggen- tor nächst der Kugelgasse ein Stück einer Peunte dem Innsbrucker Goldschmied Hanns Singls- perger. (Namensindex Sta. Reg. u. LR A, K 415, 416, 529 u. K 638.) 92a Hoche (Hack), der Bruder des T rienter Bischofs Georg Hack von Themeswald (1446— 1465), w a r Pfle'ger von Salurn. Sein roter Marmorgrabstein aus der Kirche von Salurn, auf dem H appe’s Todesjahr mit 1462 angegeben ist, befindet sich im TLM (Inventar N r. P 555). Für freundlichen Hinweis sei H errn Dr. K arl Schadelbauer bestens gedankt. 93 Bürger zu Innsbruck. In der kurzen Zeit von 14 47— 1465 beurkundet er 12 Rechtsgeschäfte in frem der Sache und scheint ebenso oft unter den Zeugen in Urkunden auf. In der Gemeinde­ verw altung übte er folgende Funktionen aus: Stadtrichter 1452, Bürgermeister 1455, 1556 u. 1461 und Ratsbürger 1460. H aidfalk w a r nicht unbemittelt, denn in der Urkunde von 1460 IX . 4. w ird sein Garten am Innrain als Grenze festgehalten. 32 Bruderschaftsordnung des ausgehenden 15. Jahrhunderts (fol. 5—6). Eine andere H and schrieb die letzten Statutenänderungen und zeigt eine gewisse Verwandtschaft in den Buchstaben d, g und r m it dem Schreiber der landesfürstlichen K anzlei, von dem in den „Missiven an H o f“ 1530 fol. 3’—4 die Eintragung vom 27. Dezember ist. An eine Iden­ tität beider H ände ist aber nicht zu denken. Darüber hinaus haben von ca. 1514— 1538 noch sieben Schreiber die Eintragungen der M itglieder fortgeführt. Von diesen schrieben allerdings drei wiederum nur einen einzigen Namen 94. Diesmal erweisen innere und äußere M erkm ale den Entstehungszeitpunkt der H an d­ schrift. An der Spitze des Mitgliederverzeichnisses der Lebenden steht W we. Erzherzogin K atherina von Sachsen. Ihr Tod erfolgte am 10. Februar 1524. Somit w äre der letzt­ mögliche Term in für die Anlage das Jah r 1524. Doch setzen die Nachträge bereits frü ­ her ein. Sie beginnen m it dem P farrer von Innsbruck, Linhart Othrer, bei dem ausdrück­ lich die N otiz angebracht ist, daß er aus Axams kommt. Da er von 1514— 1518 die P far­ rerstelle in Innsbruck erhielt, danach aber nach Flaurling kam , wo er 1569 starb, so müßte seine Aufnahme in die Bruderschaft in der Zeit seines Aufenthaltes in Innsbruck geschehen sein. W äre er nämlich nach der Übernahme der Pfarre F laurling zur Bruder­ schaft gekommen, so hätte der Schreiber es gewiß — so w ie er dies bei den anderen M it­ gliedern zu tun pflegte — eigens angezeigt 95. M it Sicherheit kann gesagt werden: Die H aupthand schloß entweder spätestens 1514 die A nlage des Bruderschaftsbuches ab oder sie schrieb darin zuletzt im Jah re 1518. Ein anderer Umstand ist der: U nter den ersten lebenden Priestern ist der E intritt des Pfarrers von Seefeld, Anndre Grauendorffer, m it dem 28. Oktober angegeben. Das Bruderschaftsbuch kann daher im günstigsten Fall kurz vor dem Jahre 1510 oder bald darauf begonnen worden sein. Die ganze Anordnung der Pergam entlagen läß t zumindestens darauf schließen, daß es schon vor dem Gebrauch, also im unbeschriebenen Zustand, gebunden wurde. Gleichfalls bietet das zum Einband verwendete Papier der landesfürstlichen K anzlei mit der vor­ geschriebenen ersten Zeile einer Kaiserurkunde „W ir M axim ilian von gots genaden er- welter römischer kayser“ etc. A nhaltspunkte für die D atierung. Berücksichtigt man, daß M axim ilian I. am 10. Februar 1508 zum römischen Kaiser erw ählt wurde, so ist zw in ­ gend daraus zu folgern: Der Buchbinder konnte in Besitz solchen vermutlichen A bfall- papieres erst nach dem A blauf dieses Ereignisses gelangen, wodurch für die Durchfüh­ rung der Bindearbeiten die Zeit zwischen 1508 und 1510 am wahrscheinlichsten in Be­ tracht käme. H ingegen bleibt unbeantwortet die Frage, ob das Bruderschaftsbuch in einer privaten Buchbinderei, die für die landesfürstliche K anzlei arbeitete, oder irgendwo anders gebunden w urde 9(i. Nichtsdestoweniger darf trotz mancher V orbehalte die Ent­ stehung des jüngeren Bruderschaftsbuches zwischen 1508 und 1510 angesetzt werden. Im 16. Jahrhundert bekannten sich eine Reihe von bedeutenderen Persönlichkeiten zum Bruderschaftsverbande. So der in Innsbruck erfolgreich tätige A rzt Dr. Burckhart; die berüchtigte Anna Spieß, deren Mann Leopold Spieß 1485 zu Innsbruck in der H er- zog-Friedrich-Straße das jetzige H aus N r. 31 besaß, und die dam als noch lebte; der im Dienste König M axim ilians stehende Dr. Berchtold G raw von Nürnberg (er starb laut 94 Als letzte wurden in die Bruderschaft der Innsbrucker Stadtschreiber Hanns W iser und seine Frau Richilla K otm air am 28. Dezember 1538 aufgenommen. W iser mußte sich verpflichten, den Brudermeister in seiner Tätigkeit zu unterstützen und behilflich zu sein, w ofü r ihm und seiner Frau das Brudergeld erlassen wurde. 95 W eingartner, a. a. O., S. 55. 96 L R A , Raitbuch 1509. Der o. ö. Kanzleischreiber Stephan Grün legte der o. ö. Raitkam mer Rechnungen über bezahlte Buchbinderlöhne vor. 33 Bruderschaftsbuch am 15. Dezember 1527). Von den Künstlern und Kunsthandwerkern w aren u. a. dabei: Der Harnischmeister und V erw alter der Innsbrucker H ofplattnerei, Konrad Seusenhofer 97, der für den erzherzoglichen H of, die Stadt H all und Kloster­ neuburg arbeitende Siegelstecher und Goldschmied Benedikt B u rk h art98 und die Gold­ schmiede H erm an Thum und Konrad M ang In das Privatleben ihrer M itglieder mischte sich die Bruderschaft nicht ein. Sie duldete und förderte sogar die religiöse Betätigung außerhalb der Bruderschaft und nahm die M itgliedschaft oder die Übernahme leitender Stellen bei anderen religiösen Bruderschaf­ ten, die in ihren Bestrebungen dieselben Ziele verfolgten, m it Befriedigung zur Kenntnis. Bei der St.-Barbara-Bruderschaft waren z. B. auch die Künstler Konrad M ang, H erm an Thum und Konrad Seusenhofer. Berufungen von M itgliedern zu Ehrenstellen vermehrte ihr Ansehen nach außen hin. Dies gilt besonders für die Prokuratoren der „Suntig- Vigili-Bruderschaft“, Ulreich Vögele (1433), P farrer von Innsbruck, und Jakob T än zl, für die Brüdermeister und Bevollmächtigten der St.-Sebastians-Bruderschaft Claus Kirch- m air (1501 — 1502), Conrad Schennkh (1506), Hanns Schrävogel (1533) und Hanns Greymold (1533) und für den Brudermeister der Allergläubigen-Seelenbruderschaft Hanns G reymold (1515, 1517, 1528, 1533). Gegenüber der oberösterreichischen Regierung w ar die M aria-H im m elfahrts-B ruder- schaft eine öffentliche Körperschaft, die gemäß dem tirolischen Landrecht als Rechts­ person galt und daher beliebig Vermögen besitzen, erwerben bzw. veräußern konnte. Den Grundstock ihres Vermögens bildeten die U rbareinkünfte aus Häusern und G rund­ stücken in Innsbruck und Umgebung, im W ipp tal und im O berinntal. Eine gute Übersicht vom urbariellen Besitzstand der Bruderschaft verm ittelt das 1525 angelegte Bruder­ schaftsurbar 10°. Für die Jahrhundertw ende kann das Vorhandensein des Urbarbesitzes und einiger G rundzinskäufe und Stiftungen urkundlich belegt werden. Um das Jah r 1476 w ar das H aus des Bäckers Zacharias G arsar an der Anbruggen der Bruderschaft m it 6 Pfund Berner jährlich zinspflichtig 101. 1503 Dezember 2. kaufte sie um 12 M ark und 5 Pfund Berner vom Innsbrucker Bürger und M aler M arx Donauer und von dessen Frau Anna 5 Pfund ewigen Zins aus deren H aus in Innsbruck an der oberen Anbruggen 102. Vom Innsbrucker Bürger Hanns T eyninger erwarb die Bruderschaft am 20. November 1505 für 25 Gulden den jährlichen Zins von 5 Pfund Berner aus dessen H aus und H of­ statt in In nsb ruck103. Aus dem 1530 dem Stadtspital vermachten H aus des Jö rg M air- hofer, welches am Stad tp latz stand, bezog die „vnnser lieben Frauenbruderschaft“ einen jährlichen Zins von 2 Pfund Berner 104. Eine weitere wichtige Einnahmsquelle stellen das Einkaufs- und Brudergeld und die Gebühren für die Begräbniskosten, welch letztere unter „T raggeld“ verrechnet wurden, dar. Die Ausgaben setzten sich hauptsächlich aus Beträgen für dargebrachte Gottes­ dienste, Begräbnisse, Kerzen, Bezahlung des Frühmessers, des Pfarrers und Mesners zu­ sammen. D arinnen inbegriffen sind natürlich auch alle Aufwendungen für abgelöste 97 Fischnaler, a. a. O., V , S. 2 1 2 — 213. 98 Ebenda, S. 54— 55. 99 Ebenda, S. 150. Seine Frau Barbara w ar ebenfalls M itglied der Bruderschaft. Über Thum ebenda, S. 233. 100 Unsignierte Flandschrift im Archiv der St.-Jakobs-Pfarrkirche in Innsbruck. 101 Sta. Reg. 434. 102 Sta. Reg. 600. 103 Sta. Reg. 614. 104 Sta. Reg. 785. 34 und erkaufte Zinse und die M ittel zur Erhaltung der im Eigentum der Bruderschaft be­ findlichen Gebäude. Von den Bruderschaftsraitbüchern 1595—1611 und 1618— 1621 lie­ gen Auszüge vor, die Rechenschaft von der Geldgebarung geben. Die Früchte der von Kaiser Ferdinand I. begonnenen groß angelegten Gegenrefor­ mation der Jesuiten in T irol und in Innsbruck erntete nicht, wie man annehmen möchte, unsere Bruderschaft. A uf Grund der jährlich eingezahlten Einkaufsgelder, die ungefähr zwischen 10 und 30 Fl. liegen, dürften in den vorerwähnten Zeiträumen durchschnittlich drei bis zehn N eum itglieder der Bruderschaft beigetreten sein. Im Jah re 1621 traten aus­ nahmsweise etw a 33 Personen ein. W enn auch der M itgliederstand relativ klein gewesen sein mochte, so erlitt die religiöse Gemeinschaft durch die wenigen T odesfälle in diesen Jahren keine entscheidenden Verluste 105. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts sang der Bruderschaftsbenefiziat jeden Sonntag die Marienmesse und hielt am M ontag ein Requiem am St.-B arb ara-A ltar in der St.-Jakobs- Pfarrkirche. D afür bekam die M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft vom P farrer wöchent­ lich etliche Kreuzer. Nach dem Ableben von Brüdern und Schwestern zelebrierte man zwei Hochämter und brannte vor dem K atafalk Kerzen ab, doch die Lesung der an­ geordneten täglichen zw ei Messen unterblieb. An Stelle dessen bekam der Benefiziat den A uftrag, für jedes verstorbene M itglied acht T age lang in der Frühmesse ein eigenes Gebet zu verrichten. Bei Begräbnissen trugen die Kerzen- und Stangenträger einheitliche Röcke, die die Bruderschaft zu diesem Zweck anfertigen ließ. Der uneinheitlichen Fußbekleidung — ein T eil derselben w ar m it Schuhen bekleidet und ein T eil nahm barfuß an Funeralien teil — versuchte sie w irksam zu begegnen. M it der Schneiderzunft und m it anderen H an d­ werkergruppen verhandelte die Bruderschaftsvorstehung, um für das Kerzen- und Stan­ gentragen gut angezogene Lehrjungen zu bekommen, denen die gleiche Bezahlung wie anderen Personen zugesichert wurde. In welchem Sinne diese Bestrebungen verw irklicht wurden, ist nicht feststellbar. Nach eingehenden Beratungen faßte am 7. Ju li 1610 die Bruderschaft vier wichtige Beschlüsse, daß 1. ein Bruderschaftsurbar angelegt werden soll, in das der gesamte, der Bruderschaft ge­ hörige Grundbesitz und Gülten aufzunehmen seien; 2. von den Urkunden und G ewährbriefen für die Bruderschaft ein Inventar angelegt werde; 3. Ausgaben und Einnahmen künftig genau zu verrechnen sind; 4. Angestellte bei der o. ö. Regierung auf V erlangen nach Erlegung des Einkaufsgeldes in die Bruderschaft einzuschreiben sind. Für ihre Archivalien ließ sich die Bruderschaft einen neuen Schrank m it unterschied­ lichen Schubladen anfertigen, in dem die U rkunden über den Grundbesitz nach Gerich­ ten getrennt eingeordnet waren. W ichtige und w ertvolle Dokumente befanden sich in einer versperrbaren Lade, zu der nur der U rbaram tm ann oder ein Brudermeister den Schlüssel aufbew ahren durfte 106. Der Bruderschaftsarchivar w ar der jew eilige U rbar­ amtmann. Das Archiv ist uns in seinem alten Bestand nicht erhalten. Nach Aufhebung 105 L R A , S. A ., A , Abt. X X , Lage 1 N r. 12. fol. 9 — 11 und 17. Nach A b lau f der Am tsperiode des Brudermeisters Balthasar Fröhlichs (1 6 18 — 1621) überprüften 1622 die zwei bestellten K om ­ missäre, der H ofkanzler Friedrich A ltstett zu Kaltenburg und Ferdinand Füeger zu Hirschberg, dessen Geschäftsführung und Rechnungslegung. 106 L R A , S. A., A , Abt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 13, 15 und 15 ’. 35 der Bruderschaft (1783) gelangte es zunächst in Privatbesitz. Einzelne Bestandteile des­ selben gerieten verständlicherweise ins Pfarrarchiv St. Jakob, andere wieder wurden im Zuge der Sicherstellung vor Zugriffen der staatlichen G ewalt an besonders vertrauens­ würdige M itglieder aufgeteilt. Im Bruderschaftshaus am P farrp latz N r. 7 107 bewohnte 1622 Hanns Kopp zwei größere Zimmer, für die er jährlich 3 Fl. 12 Kr. Mietzins leistete. Die Räumlichkeiten bewohnte er nicht ständig, sondern überließ sie trotz Verbot auch zeitw eilig anderen, der Bruderschaft nicht genehmen Personen gegen 15 Fl. zur Untermiete. Die Bruder­ schaft nahm von diesem unerhörten Wucher des Kopps Kenntnis und kündigte ihm mit Jahresfrist das bestehende M ietverhältnis auf. Diese W ohnung erhielt der Bruder­ schaftskaplan, der die Erlaubnis bekam, seine M utter zu sich zu nehmen und als Ge­ genleistung wöchentlich fünf Messen (nämlich am Sonntag, M ontag, Dienstag, Mittwoch und Freitag) auf dem K reuzaltar und die Samstagsmesse in der Bruderschaftskapelle zu feiern. Der Ausbruch des D reißigjährigen Krieges, der H andel und Landwirtschaft schwer erschütterte, w ar ausschließlich daran schuld, daß die beständig scheinenden W ährungs­ systeme plötzlich zusammenbrachen und die Staaten in diesen W irren ohnmächtig Z u ­ sehen mußten, w ie die Dinge ihren Lauf nahmen. Durch die G eldentwertungen geriet vor allem das Lohn- und Preisgefüge ins W anken und es mußte in kürzeren Zeitabstän­ den wiederholt zu neuen W ertansätzen kommen. U nter diesen relevanten Veränderun­ gen litten die Bruderschaften stark. N aturgem äß em pfahlen in erster Linie die Rech­ nungsprüfer Friedrich A ltstetter und Ferdinand Füeger 1622 dem Brudermeister zur Sanierung der laufenden Finanzgebarung die Erhöhung des Einkaufsgeldes auf 6 Fl. 108, dem er auch widerspruchslos nachkam. Eine zweite Sicherung der K apitalien erwartete sich die M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft vom neuen, auf ein Jah r bestellten Bruder­ schaftsurbaramtmann Balthasar Fröhlich, der als landschaftlicher Steuereinnehmer im O berinntal m it allen Finanzfragen vertraut w ar. Ihm wurde ein Jahressold von 26 Fl. gewährt. Zu seinem Aufgabenkreis gehörte es, ständig darauf zu achten, inw ie­ w eit der Bruderschaftskaplan seine priesterlichen Pflichten gegenüber der Bruderschaft einhielt. Auch hatte er eine Namensliste der M itglieder zu führen, an welche der Stad t­ mesner die M itteilung von den gerade stattfindenden Jahrtagen geben sollte. Ferner trug der U rbaram tm ann für die ordentliche V erw ahrung und die im B edarfsfall dringende Erneuerung der bruderschaftseigenen M eßgewänder und der Kirchenzierate die V er­ antw ortung, sowie er die V erw altung des Bruderschaftshauses besorgte. Im A ufträge der Bruderschaft durfte der Amtmann V erträge über Besitzveränderungen und Zinsver­ käufe gegen das übliche Schreiber- und Siegelgeld ausfertigen 109. Die U.-L.-Frauen-Bruderschaft an der St.-Jakobs-Pfarrkirche stand nicht unter städ­ tischer oder landesfürstlicher Aufsicht. Am 8. Dezember 1575 berichteten der Bürger­ meister und der Stad trat von Innsbruck an die Regierung, daß sie deren Einkommen und Vermögen nicht wissen, w eil die Stadt mit ihr nichts zu tun habe u0. Im 18. Jahrhundert, der barocken kirchlichen Erneuerung und der höchsten Blütezeit der Bruderschaften, fand sie wieder bei der Innsbrucker Bevölkerung einen großen A n­ 107 Fischnaler, a. a. O., IV , S. 78. 108 L R A , S. A., A , Abt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 18 — 19 ’. 109 L R A , S. A ., A , Abt. X X , Lage 1, N r. 12, fol. 2 1 — 25 u. 3 1 — 33. O riginal und K onzept der Bestellung. Bereits von 16 13 — 1615 w a r Balthasar Fröhlich und Caspar Schluderbacher Bru­ derschaftsamtmann. (Ebenda fol. 28— 29.) 110 LR A, S. A., A., Abt. X V , Lage 1, N r. 13, fol. 16. 36 klang. Beim Tode des Stadtoberbaumeisters K arl Span (22. M ai 1699) veranstaltete sie ein prunkvolles Begräbnis. 1724 suchte der Goldschmied Johann Georg Schallinger um die Aufnahme in die Bruderschaft an und der Hofkam m erbaum eister Georg Anton Gumpp widm ete ihr 1754 12 Fl. m . Neben ihren inneren Aufgaben der Seelenführung und der ethischen Erziehung w irkte sie intensiv an der äußeren Lebensgestaltung mit. In sozialen Belangen trat sie als Arbeitgeberin für das heimische K unsthandwerk auf und schuf durch die m annigfaltigen A ufträge viele kultur- und kunstgeschichtliche W erke, die von der stark verw urzelten R eligiosität und dem ausgeprägten Kunstsinn unserer V orfahren beredtes Zeugnis ab- legen U2. So beschäftigte sie 1633 den Stadtm aurer und Steinmetz Jacob M air. Unter der fachkundigen Leitung des Flofbaumeisters und Steinmetzes G ail A ppeller ließ sie zwischen 1692 und 1694 das Gewölbe der Bruderschaftskapelle in der St.-Jako b s-P farr­ kirche erhöhen und m it einem Goldknopf abschließen und betraute die Tischler Johann und M artin Linderm ayr mit der H erstellung eines modernen, von zwei gewundenen Säulen getragenen Altarbaues. Die A rchitektur des vergoldeten A ltars schmückte und belebte gediegenes Schnitzwerk der Künstler Konstantin Reiser, Ferdinand Frieß und Franz Fröhlich. Egid Schor m alte das A ltarb latt, das Gewölbe und die Bordüren der W andverkleidung der G nadenkapelle. 1695 erneuerte der M aler H ans Simon M ühl- dorfer von Straubing die „Stachlkerzen“, der Faßm aler M atthias Reiser vergoldete die Lanzenspitze der Bruderschaftsfahne und eine Reihe kleinere Arbeiten führte der Inns­ brucker Goldschmied Thomas H örtnagl aus. 1726 lieferte der Tischler Michael H olzer ein neues A ltargitter und schnitzte 1735 den Rahmen der von A drian Leonhard Appeller geschnitzten und bemalten Geheimnistafeln, die der Goldschmied K uprian der Bruder­ schaft verehrte. 1728 bezog sie sechs schöne silberne Leuchter von Augsburg. Der an­ gesehene Barockbildhauer N ikolaus M oll stellte 1733 auf Kosten der Priester- und Laien­ bruderschaft die Kanzelschnitzerei in der Pfarrkirche her. 1734 bestellte sie von dem in Innsbruck am 4. Februar 1687 geborenen Tischler M atthias Vögele zwei H olzgitter für den St.-N ikolaus- und St.-Sebastians-A ltar 113. Der M aler Michael Ignaz M ildorfer fer­ tigte 1731 Entwürfe für einen T abernakel an und malte 1736 drei Bilder auf Kupfer, von denen zwei für das Bruderschaftsbahrtuch und eines für das Altartuch am Bruder­ schaftsjahrtag bestimmt waren 114. Die Bruderschaftsstatuten gab D aniel Paur 1610 gedruckt heraus. Ein Nachdruck w ar aber 1766 bei Michael Anton W agners W itw e notwendig geworden, w eil inzwischen die Bruderschaft m it Indulten ausgestattet w urde und sie selbst die religiösen Übungen auf mehrere Feste ausdehnte. Am Lieben-Frauen-A ltar in der St.-Jakobs-Pfarrkirche hielt man an allen Vorabenden von M arienfesten und an diesen selbst sowie auch an Sams­ tagen eine musikalische Litanei. Die Teilnahm e w ar den M itgliedern jedoch freigestellt. Zu den verschiedensten Anlässen konnten die M itglieder Gnaden und Ablässe ge­ winnen. Jedes M itglied, das bei seinem E intritt in die Bruderschaft gebeichtet hatte und die Kommunion empfing, wurde eines vollkommenen Ablasses teilhaftig. Unter den gleichen Bedingungen konnten sterbende Brüder einen vollkommenen A blaß erwerben. 111 Lentze, a. a. O., S. 245, u. Fischnaler, a. a. O., V , S. 217. 194 u. 97. 112 Rath, a. a. O., S. 337. Ob unsere Bruderschaft eine Büchersammlung besaß, wie dies Franz Probst fü r Oedenburger Bruderschaften nachweisen konnte, ist nicht zu erm itteln (Franz Probst, Oedenburger Privatbibliotheken im 15. u. 16. Jahrhundert, Burgenländische H eim atblätter, 16. Jg., 1954, S. 136). 113 Fischnaler, a. a. O., V , S. 23, 47, 108, 1 1 1, 141, 148, 153, 157, 169, 185, 186, 239 u. 246. 114 Geboren am 15. I. 1690 in Innsbruck. Sein V ater w ar Simon M ild orfer und seine Frau Anna M aria Freiseisen (Taufbuch St. Jakob X V , fol. 68 u. Fischnaler, a. a. O., V , S. 154). 37 Ferner wurde ein vollkommener A blaß am Fest M ariä H im m elfahrt allen jenen ge­ w ährt, die nach Beichte und Kommunionempfang von der ersten Vesperzeit an bis Sonnenuntergang die St.-Jakobs-Pfarrkirche zu Innsbruck oder die K apelle oder das Oratorium dieser Bruderschaft andächtig besuchten und dort um Einigkeit der christ­ lichen Fürsten und um Ausrottung der Ketzerei beteten. Ein siebenjähriger A blaß und so viele Q uadragenen konnten an den Festen M ariä Geburt, M ariä Empfängnis, M ariä V erkündigung und M ariä Reinigung nach guter Beichte und Kommunionempfang in den vorgenannten Gotteshäusern erlangt werden. Die Erlangung eines vierzigtägigen Ablasses und die Erlassung auferlegter Sündenstrafen w ar möglich bei Erfüllung guter W erke. Für die Erforschung der Gebetsliteratur bietet die im Anhang an die Statuten auf Seite 23—96 beigegebene A uswahl von Bruderschaftsgebeten und Litaneien eine wahre Fundgrube 115. Die neuverlegte Ordnung verfaßte der A dm inistrator der Bruderschaft Franz Ignaz Stadler. Einen besonderen Schutz und den Zweck der Bruderschaft zu fördern, sicherten der Erblandhofmeister von T irol, G raf Joseph Sigmund O swald T rapp, der P farrer von Innsbruck, Joseph Obinger, und die Bruderschaftsräte Joseph Anton von Schnell und K arl Leopold Püchler von Rungg, beides Regim entsräte, zu. Seit der M itte des 18. Ja h r­ hunderts zeigte auch die Stadt Innsbruck an der M aria-H im m elfahrts-Bruderschaft ein reges Interesse. Der Stad trat w ar durch den Simon Thaddäus N iderkircher in der Bru­ derschaft vertreten. Der von der A ufklärung durchdrungene Joseph II., der einschneidende Maßnahmen gegen die katholische Kirche traf, verordnete am 24. November 1783 die Aufhebung der geistlichen Bruderschaften 116. Das Gubernium verfügte an alle Kreisäm ter, daß mit 1. Jänner 1784 alle Bruderschaften in T irol aufzuhören haben, die Besitztümer zu inven­ tarisieren sind und in Innsbruck für die Durchführung des Erlasses bei den exemten Bru­ derschaften der G ubernialsekretär Zimmermann verantwortlich ist. Für die nicht- exemten Bruderschaften erging diese W eisung an das Stadtm agistrat. Gleichzeitig w ur­ den die beschöflichen O rdinariate hievon in Kenntnis gesetzt. D am it hörte die U .-L.- Frauen-Bruderschaft auf zu bestehen117. Kaiser Leopold (1790— 1792) zog nach seinem R egierungsantritt alle Reformen Josephs II. wieder zurück und stellte den früheren Rechtszustand w ieder her. Gegen die Rekonstituierung der Bruderschaft gab es keine ge­ setzlichen Hindernisse mehr. Doch kam es nicht mehr dazu, w eil unter dem Einfluß der A ufklärung bei der Bevölkerung das Verständnis für diese Form der Gebetsverbrüderung verlorenging. Eine lückenlose Liste der Brudermeister, denen die Leitung oblag, läß t sich wegen des Fehlens der einschlägigen Quellen nicht zusammenstellen. Aus U rkunden und erhaltenen Schriftstücken der Bruderschaft sind folgende Brudermeister zu belegen: Gabriel Pawm - kircher 1418, O swald Steger 1455, Ulrich Glaner 1547, (Prokurator) Counrad Gu(e)nther, genannt R atuelder, 1467 und 1482, Sixt Furter 1495 und 1505, W enndl Ypphofer 1512 und 1517, W olfgang Prenner 1522, Hanns W iser 1542 und 1545, Peter Kürchpüchler 1555, 1559, 1563, 1564 und 1567, Ambrosi Saurwein 1559, Ferdinand Fröhlich 1639 und Georg Kiechl 1717 (Prokurator der Bruderschaft 1722 und 1724). 115 Lentze, a. a. O., S. 245, Anmerkung 245 und TLM, FB 2780/IV u. ebenda Dip. 37/V. Fischnaler, a. a. O., IV, S. 262. 116 LRA, Kopialbuch Hofresolutionen 1783, fol. 648—648’. Fischnaler, a, a, O., IV. S. 268 gibt irrig den Erlaß des Ediktes mit 29. Dezember 1783 an. 117 LRA, Geistliche Kommissionsprotokolle 1783, fol. 917—917’ Nr. 2902. 38 Das U rbar der „vnnser lieben Frawen großen Bru(o)derschafft” von 1525 . Von Fritz S t e i n e g g e r Die besorgniserregenden Beschlüsse des Innsbrucker Landtages von 1525 über die be­ vorstehende Besteuerung und die V erm inderung des kirchlichen Besitzes, die einerseits zur Beschwichtigung und andererseits zur N iederwerfung der rebellierenden T iroler Bauern gefaßt wurden, w aren wohl die äußere Ursache für eine Neuaufschreibung des Bruderschaftsgrundbesitzes1. Die geltenden Rechte zu wahren kam der Bruderschaft dann um so mehr recht gelegen, als man wußte, daß Erzherzog Ferdinand alles in seiner Macht stehende aufbieten werde, um eine praktische Durchführung dieser Beschlüsse zu verhindern. In der T at kam es nur vorübergehend zu Einschränkungen, die aber die Bruderschaft in keiner Weise betrafen. Durch die Festigung der Macht des T iroler L an­ desherrn wurden 1532 die alten Zustände wiederhergestellt. Das von einer H and des 16. Jahrhunderts in gleichmäßiger deutscher Schrift und Sprache angelegte U rbar 2 um faßt 16 32,5 X 24,5 cm große, regelm äßig beschnittene nördliche Pergam entblätter und ist in einem mit braunem, reich verzierten Preßleder überzogenen H olzdeckel eingebunden. Der U rbartitel (fol. 2), wovon das W ort „Vrbar- pu(o)echl“ in Gold- und alles übrige in roter Schrift ausgeführt ist, w ird von einem Blumen- und Rankenornam ent in Gelb, Rot, Grün, Dunkelgelb, V iolett und Blau um­ rahm t. Die Orte, auf denen sich der Grundbesitz der U .-L.-Frauen -Bruderschaft verteilte, sind m it Ausnahme Innsbrucks, das m it goldenen Schriftzeichen besonders hervorgehoben wurde, m it roter T inte geschrieben. Für den ganzen übrigen T ext wurde eine schwarze T inte verwendet. Nach der äußeren kunstvollen Aufmachung ist zu vermuten, daß das U rbar anfangs nicht für den laufenden täglichen Gebrauch bestimmt w ar, sondern eine Prunkausgabe darstellte. Doch schon wenige Jahre nach der Entstehung hielt man es wahrscheinlich wegen der noch anhaltenden religiösen Umtriebe der W iedertäufer aus besitzrechtlichen Gründen für notwendig, jegliche Grundbesitzveränderung und das Auftreten neuer U rbarzinsinhaber darin zu vermerken. In der Zeit von 1528—1578 nahmen im U rbar acht weitere H ände 29 N achtragungen und Ausbesserungen vor. Von diesen schrieben die Schreiber b (1528), c (1530), e (1535), h (1578) und i jeweils nur eine einzige N otiz, während von den H änden d (1531/32) drei, f (1537) 25 und g (1538— 1540) 7 herrühren. Für diese Ausfertigung bildeten verlorengegangene ältere U rbare und Urkunden der Bruderschaft die G rundlage 3. Inw iew eit die Einteilung bei der Aufzeichnung des Grund­ besitzes den V orlagen entsprach, kann heute mit Sicherheit nicht mehr beurteilt werden. Jährlich hob unsere Bruderschaft um die M itte des 16. Jahrhunderts 521 Pfund 2 M ark 29 Gulden rh. und 41 Kreuzer U rbarzins ein, das für den seinerzeitigen G eldwert eine 1 Vgl. die Ordnung fü r die Kirche bei Josef Egger, Geschichte Tirols, II. Bd., Innsbruck 1876, Seite 109. 2 O riginal unsigniert im Archiv St.-Jakobs-Pfarrkirche in Innsbruck. Für die Erteilung der Erlaubnis zur Veröffentlichung dieses Urbares erlaube ich m ir H. H. Dr. S tark meinen verbind­ lichsten Dank auszusprechen. 3 O riginal fol. 2. 39 schöne Summe w ar. N ahezu die H älfte davon entfiel auf Innsbruck, wie aus der nach­ stehenden T abelle zu ersehen ist. Größere Einkünfte lieferte ferner noch der Grund­ besitz in Zirl, O berperfuß-Kematen, A rzl-R um und Thaur. Die Übersicht ergibt dieses B ild: Innsbruck 240 Pfund 18 fl. rh. 52 Kr. H ötting 20 Pfund 12 Kr. Zirl 81 Pfund 13 Kr. A rzl, Rum, T haur 42 Pfund Ambras 13 Pfund 5 fl. 24 Kr. Sonnenburg (Gericht) 13 Pfund N avis 22 Pfund M atrei 10 Pfund Oberperfuß — Kematen 55 Pfund Telfs 25 Pfund Pettneu 2 M ark 5 fl. Für die Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen H äuser, Höfe und Güter bietet vorliegendes U rbar fast nichts, w eil die Abgaben ausschließlich in Geldzinse bestehen, die in den dam als gebräuchlichsten Rechnungs- und W ährungseinheiten (M ark, Pfund, Berner, Gulden und Kreuzer) angegeben sind 4. Jedoch die Nachrichten von Inns­ brucker Häusern liefern einen interessanten Beitrag zu deren Besitzgeschichte, einer Frage, die von der Forschung noch immer nicht ausreichend untersucht wurde. Die Aufsicht über die Zinseinnahmen hatte der Bruderschaftsurbaramtmann, von dem oder in dessen A uftrag die U rbarzinse schriftlich aufgezeichnet wurden 5. Leider sind von den Namen der U rbaram tm änner des 16. Jahrhunderts quellenm äßig nur der des Ambrosi Saurw ein, 1576, überliefert. Somit ist auch der Urbarschreiber namentlich nicht faßbar, da der ebenfalls vorgenommene Schriftvergleich zu keinem positiven Ergebnis führte. Für das 17. Jahrhundert lassen sich Balthasar Fröhlich, 1613— 1615 u. 1618 bis 1621, Ferdinand Fröhlich, 1632, 1637, 1657, 1665, 1667, 1680 u. 1681, und Franz Kolb, 1699 u. 1708/9, als U rbaram tm änner nachweisen. D er U r b a r t e x t : (Die Nachtragungen der späteren H ände sind im Druck in der Weise kenntlich ge­ macht : Hand b : g e s p e r r t , H and c : Kursiv, H and d : Kursiv, H and e: g e s p e r r t , H and f : Kursiv, Hand g : g e s p e r r t , H and h : Kursiv^ und H and i: g e s p e r r t . Das Zeilenende ist durch diagonale Striche angedeutet.) Unbeschrieben. fol.. 1, 1’ Vrbarpu(o)echl vnnser lieben fraw en grossen bru(o)eder- fol. 2 schafft zu Ynnsprugg järlichen gülten anno X V C / vnnd im fünffunndzw aintzigisten aus / den alten vrbarn vnnd brie- fen gezogen, etc. Zu(o) vnnd vmb Ynsprugk. fol. 3 4 Vgl. Fischnaler, a. a. O., V , S. 309 und A lfre d Franz Pribram , M aterialien zur Geschichte der Preise und Löhne in Österreich, I. Bd., W ien 1938. 5 Vgl. hier S. 36. 40 W enndl Ypphofers erben zinnsen von irem haws bey / dem Pickennthor (i gelegen järlich I lb perner. Aber zinnsen obbemelte erben von der alten Ypphoferin / haws bei dem Pickennthor gelegen I lb perner. Hannsen R atfelders kürschners erben zinsen von irem / haws vnnd hat jezo innen herr Jacob Frannckfurter 7 III lb perner. Hannsen Teyningers erben zinnsen järlich von irem / haws fol. 3’ in der statt, hat jezo innen Ludw ig Stecher X X X lb. D aran hat Stecher für ain guldin jerlichs zinns, so au f / des Theiningers seins schwehers haus gelihen vnnd / wider zu ablösen gewesen am 29. tag Jan u ari / anno 1531, bezalt 25 fl. M e r h a t e r S t e c h e r d i e o b b e r n e n t e n 25 fl. z w is c h e n w e i n e c h t vnd / l i e c h t m e s mit hundert gu ldin abgelest nach laut seins l o s b r i e f s / d e s 3 5. j a r s 8. Stainprecherin haws in der statt, auch stadl vnd gar/ten aufm Y nrain, so jezo Connradt Lehner innhat, / zinnsen I lb. Jö rg Strasgut, appotegger, hat verkaufft auf seiner behaus / ung gelegen am p latz 9 grundzins guldin r h. Di s er z y n n s ist durch b e m e l t e n S t r a s g u e t laut ains losbrief abgelöst / worden mit h u n d e r t f ü n f f z i g gülden, dem M at he s Kot- mair gelihen auf / fünff jar zinst ytzt d a ­ von järl ich V I I >2 g u l d i n r h. D a t u m J o r i i m 3 9 ten j a r . Hannsen Kannz erben zinnsen von irem haws in / der stat, herrurennd von W ilhalm en Costennzer 10, V I lb / vnnd von aim garten in der sackenngassen gelegen / V lb ; thuet V lb. Darunder sein die sechs phundt auf dem haus ligenndt / durch Hannsen Nesslinger, bürger zu H all, als / gerhab weylenndt Johannsen Kannzen kinds am / 26. tag Januari anno 1532 abgelöst. Petern Leytgeben schneiders erben zinnsen von irer / be- fol. 4 hawsung in der statt gelegen, so yezo Hannsen / Veln, gold- schmids erben innhaben järlich V III lb. 6 Ist das Haus Seilergasse N r. 10 ; Näheres siehe bei Fischnaler, a. a. O., IV , S. 83. 7 Haus Kiebachgasse N r. 4; Fischnaler, a. a. O., V , S. 288 weist allerdings Jacob Frannck­ fu rter nicht als Besitzer im Jah re 1525 aus. 8 Von „Hannsen Teyningers — des 35. jars“ offenbar getilgt von H and e. Ist das Haus K ie­ bachgasse N r. 7, das Ludwig Stecher seit 1525 (und nicht 1536!) besitzt. Vgl. Fischnaler, a. a. CX, IV , S. 58. 9 Haus H erzog-Friedrich-Straße N r. 25; vgl. Fischnaler, a. a. O., IV , S. 46. 10 Haus H erzog-Friedrich-Straße N r. 24; vgl. Fischnaler, a. a. O., IV , S. 46. 41 Jacoben Zellers behawsung herrürend von Jörgen Hal/ler zu Ynsprugg bey Newenhof 11 gelegen zinst järlich V lb. Di se V lb sei n d u r c h J a c o b Z e l l e r in a n n o 152 8 abgelöst vnnd / durch Lauberman veraitt w o r d e n 12. Sannt N iclas altars in sant Jacobs pharrkirchen / capplan zinnst von seiner wonung, so er in der Brue/derschafft frue- mess h a w s 13 hat, järlich X V I lb. Hannsen Webers genannt von behawsung in der statt / zu fol. 4’ Ynnsprugg gelegen, die yezo Connradten Schenckh / kürsch- ners erben innhaben vnnd gibt yezo Michel / Schennckh. Zinnst järlich X lb. Gibt yezo Jacob Schennckh des Michel Schennckh / brueder Connradt H albhirn zinnst von ainer jauch m ad /' im Sacken vom Eberlin herrürennd järlich X lb. Philipp Offingers erben zinnsen von irem haws / in der statt gelegen, herrürennd von V(o)lrichen Schue/ster vnnd hat yezo innen Jo rg M ayrhofer 14 II lb. Zinnst yezo der H eilig Geist oder spital zu Ynnsprugg. Connradten M ürringers haws in der s t a t t 15 gelegen, so / fol. 5 yezo Jö rg H ultzensaw er innhat, zinnst järlich II lb. W alth er Zeller zinnst järlich von ainer jawch mad / im Sacken, herrürennd von Cristan Kölderer, schaf/fer etc. V I lb. Anthonien Zellers erben zinnsen von irem haws 16 in der / statt, das yezo Hanns Zannger innhat X V I lb. Steffan H am ershaitzers haws in der Silbergassen, so / yezo fol. 5’ innhat V altin Pausch zinnst järlich VI lb. Symon Kolb, kessler vnnd V eit Schlosser zinsen von / irem haws in der newennstatt gelegen, herrürennd / vom Steffan H elbling III Ib.,17 Zinnsen yezo Symon Kolb, kessler, / X V III kreuzer vnnd Veit [ Schlossers ayden genannt Loy Sporer auch X V III Kreu- zer. Loy Sporer hat die 18 Kreuzer abgelösst. Tuet noch 1 Fl, V I Kr. Von der herrschafft plattnerey behawsung, hofstatt / vnnd garten 18, herrürennd von Jörgen H ochwart, jär/licher zinns X lb. Des H eiligen Geist spital zu Ynnsprugg zinnst (sol / nit genug sein) järlich I lb. 11 D ürfte das Haus Hofgasse N r. 4 sein (Fischnaler, a. a. O., IV , S. 52). 12 V on „Jacoben Zeller — w ord en “ durchgestrichen von H and e. 13 Vgl. hier S. 36. _ 14 Haus H erzog-Friedrich-Straße N r. 24; vgl. Fischnaler, a. a. O., IV , S. 46. 15 Haus H erzog-Friedrich-Straße N r. 38 (Schlossergasse 1), vgl. ebenda IV, S. 49. 16 Haus H erzog-Friedrich-Straße N r. 36; vgl. ebenda IV , S. 48. 17 III lb. gestrichen von H and c. 18 Die Plattnerei befand sich an der S ill; Fischnaler, a. a. O., V, S. 212. 42 W olfganng Staindorffer, platner, burger zu Ynns/prugg, zynnst jerlich von seinem haus, hofstatt vnd / garten vor vnd an sannd Jörgenthor gelegen X lb. V nd verfellt sich der erst zynns auf sannd Jörgentag / des X V C X X X IIIIten jars. Thom an Kienast an der Ynpruggen zinnst järlich / von seinem haws daselbs gelegen herrürennd von Mar/grethen H äcklin V lb. Zynnsen Fridrich pesenpindters erben. P aw ln Webers haws an der Ynprugken herrürend, vom / Recheisen, hat yezo innen Vele, peckh, zinnst järlich Hannsen Humels haws an der Ynprugken, herürend / von Cristan Kölderer, schaffer, so yezo Hanns Agser zu / H et- tingen innhat, zinnst järlich II lb. III Kr. Zinnst yezo Leonnhart Dennawer, pöckh an der An/pruggen. Jacoben Pairs an der Ynprugken erben zinnsen järlich / von irem haws vnnd von aim acker in H ettingerveld / gelegen, so yezo Anthoni metzger innhat. I lb. VI Kr. Zacharias pecken erben an der Ynprugken zinsen jär/lich von irer behawsung, hofstatt, höfl vnnd Stallung / darhinder gelegen, so yezo Cristan M erner, peckh, innhat / von altens V I lb. vnd new erkaw fft zinns X V lb. thuet X X I lb. Zynnst yetzo Hanns H as zu Wilthan. y t z t S t a c h i u s M a n n g 19. I s t d u r c h M i c h l / P ö c h t a l l s i n n / h a b e r des haus ab/glöst 1 5 4 0. Jö rg Lanndsperger, hueter, zinnst von seinem haws / an der fol. 7 Ynpruggen gelegen, herrürend von M arxen / Tonaw er, m aler 20. V lb. Zynnst yezo herr C ristoff Lanndsperger sein sun. Fritzen Jägers erben zinnsen von irem haws an der / Ynpruggen gelegen, herrürennd vom Peter V alckner, / so yezo Fritz Jägerin ynnhat. III lb. V I Kr. Zynnst yetzo Veyt H ag. Cristan N ewgadners erben zinsen järlich von irem haus / an der Ynpruggen, so yetzo Peter Schlaicher innhat IIII lb. M artin Fritzen vischmaisters erben zinnsen von irem / haws in H ettingergassen gelegen, so yezo A lex Enndorf/fer, puchenmaister, innhat. II lb. Zynnst Berchtold Neschgart. Den 13. Jan uari anno 1578 hab ich Ambrosi Saurwein als 19 „Von Zacharias pecken — Stachius M anng“ getilgt durch H and g. 20 Fischnaler, a. a. O., V , S. 231. 43 Ambtman / die jezig Inhaberin dis haus N'dtschgartin dem 2 lb. perner / halben vor dem statgericht Insprugg für citiert, da hat si sich verob/ligiert den zins fürter ordenlich zuraichen. Ist im statgerichtpuech prothocoliert. Doctor Jörgen Praittnaw ers haws an der Ynprugken, / her­ rürennd von Jörgen A staller, so yezo Berchtoldt Näsch/gart innehat zinnst järlich X lb. Zynnst yetzo Michel Hueber vnd Hanns Zannger. Joseph Treuz, camerpot, zynnst von seiner behausung, / hofstat, garten vnnd stuckh genant V alp ach, alles an/einann- der an demselben Valpach vnnder sanndt Niclausen / capei­ len zu Innsprugg an der vnndern Ynpruggen etc. / jerlich X X lb. Vnnd verfeilt sich der erst zynns au f Gally des 37 jars. Anthoni Kürschner zinnst von weilennd Vlrichen / Prunnen- machers haws an der Ynpruggen gelegen, / so yezo die alt Gerberin innhat V lb. Gibt yezo Connrad H afn, ku. Mt. jeger, yezo seine erben. Ytzt Basti Phanzelter. Leopolden Zimermans haws sambt der pewnten vnnd / aim garten an der Ynpruggen gelegen, herrürenndt / von Er- hardten Kessler etc. Zinnst järlich V lb. Zynnst yezo G rätz Reinhart. Achatien Puchlingers stadl vnnd garten darhinnder / ge­ legen 21, so yezo der bischoff von Brichsen innhat, von / Hannsen Lawberm an vnnd K atherina seiner haus/frawen herrürennd zinnst järlich II lb. Marthin Tenngen haus in der Pixengassen in der stat / Inns­ prugg zinnst jerlichen grundtzinns, so durch den / Lauber- man am erchtag nach sannd Jacobstag /anno 1531 in fün ff jarn wider umben abzu/lösen oder darnach vnablöslich erkhaufft worden sein pro 50 fl. vnnd hat sich der erst zinns auf Jeori / anno 1532 verfallen II gülden. Zynnst yezo Thom an Herman. H ettinngen. fol. 8’ M artin Kleiber zu Vels zinnst von seinen guetern zu / H et­ tinngen gelegen, herrürend von Petern Kleiber IIII lb. M arx Kappeler zinnst von seinen lehen vnd guettern / zu H ettingen; gibt yezo H aintz K appeler VI lb. Zynnst yezo Vllrich Grimm. 21 Befand sich in der Kugelgasse. D er Garten ist 15 17 II 7 (LRA, K 422 und K 487) noch im Besitz des Innsbrucker Bürgers Hanns Laubermann. 44 Hanns Agser zinnst von seinem guet zu H ettingen / an gelt X X X kreuzer vnnd ain gans oder darfür V III Kreuzer / facit III lb. II Kr. Christan H ohl zinnst järlich von seinem guet zu / Hetinngen, fol. 9 herrürennd von Fridrichen Jäger von / M atray I lb. II'K r. Gibt yezo Veyt H ag des handlpeckhen sun. Liennhardt Scheffler zinnst von seinem haws vnnd / hofstatt in Hettinngergassen gelegen, herrürennd / von Jörgen W o l­ fen etc. VI lb. Zierl. fol. 9’ Joachim Stannckhen erben zu Zierl zinnsen von / irem haws vnnd guettern daselbs, herruerennd / von Petern vnnd Hannsen Stannckhen den gebrue/dern, hat yezo innen Schuester Stannckh. II lb. Zynnst yezo Anndre Pockh. Jacob Stannckh zu Zierl zinnst von ainer behawsung, / hof­ stat vnnd garten daselbs, so yezo M artin Veichter / innhat. III lb. V IIII Kr. Steffan Rawscher zinst ab seiner behawsung vnd hof/stat daselbs sambt stadl vnd garten alles aneinander / gelegen, hat yetzo C aspar Päder innen X lb. Jos Nickh zu Zierl zinnst von des Vien Pewgei;s / guetter fol. 10 vnnd Gerolts haws daselbs, so yezo innhat / C ristan Schue­ ster VI lb. II Kr. Cristan Hu(o)eber zu Zierl zinnst von zw ayen anngern / vnnderm dorff daselbs gelegen, herrüerennd vom Bal/thassar Hueber. Sol nit genug se in 22. Ist genug ge/macht vnd X lb. zinnst yezo Michel Hueber. Darüber / ain spruchbrieff ver- hannden des datum steet am monltag nach Sebastiani 1530. Michel Tuckl zu Zierl zinnst von seiner behawsung / sambt dem klainen hewslin daselbs gelegen vnnd al/len stücken mädern vnnd garten, herrüerend vnnd / genannt Nunnen- feindtsguet etc. L lb. Gibt yez C aspar Treuz des Michels Tückhl ayden. Zynnst yezo 1B enedict Pranntner. A rtzell, Rum vnd T haw r. fol. 10’ Puens erben zu A rzel zinnsen von irem guet daselbs / gele­ gen, herrüerenndt von Hannsen Dorn, bürger zu / Ynns­ prugg V lb. Zynnst yezo Hanns Puen. 22 „Sol nit genug sein“ ausgestrichen von Hand c. 45 W eniger zu Rum zinnst von sein guet daselbs, hat / yezo Vlrich Absetzer inn. Sol genug sein. X V lb. Für dise X V lb zinns geben Vlrich Werndle vnd / Vrsula sein hausfraw aus iren aigen stuckhn / laut ains spruchbrieffs doch auf beder partheyn / erkundigung vnnd Vorbehalt X lb. Zynnst yezo Augustin Werndle sein son. Sp ital zu H all zinnst von aim zehennd in H aller / veld her­ rürend vom Lienhardt abm R ain IIII lb. Jörg Putschman zu T h aw r zinnst von seinen guet/tern fol. 11 daselbs. Zinnst yzo Sigmundt Rott V III lb. Ombras. Michel M etzger zun Hewsern 23 in der prabstey zinst / von ainem ackher, herruerennd von der Preglin. Haben / des Micheln erben inne. VI Kr. Diser Zynns ist abgelöst vnnd gilt nicht mer. Item Martin P a n p a l 24 z y n n s t von seinem guet dem Sautner / zu A l l r a n n s 25 g r u n t - zinsper, järlich laut kauf/briefs Vgulden. Ist fünf jar den negsten losung darzue d a t u m / i m 38 j ar . Cristan Wach zinnst von aim cam erlannd zu Om/bras ge­ fol. 11’ legen, herruerennd von K atherinen Preglin. Gibt yezo O ttm air d aselb s26. V II lb. V I Kr. O ttm är zu Ombras zinst von aim halben cam erlannd / da­ selbs, auch von obbemelter Preglin herrürend III lb. V IIII Kr. Zynnst Hanns Fuchs sein son. Hanns K noll zu Ombras zinnst auch von aim halben / cam erlannd von der Preglin herrüerennd. Gibt yezo / O tt­ m är zu Ombras. III lb. V IIII Kr. Zynnst Hanns Fuchs sein son. Lanndgericht Sonenburg. fol. 12 Michel Toldus guet zu V ill zinnst järlich, so yezo / Saw r- wein ynnehat, ruert her von Dorotheen Goldegke/rin. Gibt des Micheln Toldn sun. VI lb. C ristan Loers guet zu N aters, so yezo Jacob Saw rw ein / ynnhat, zinnst järlich V II lb. 23 Häusern, W eiler bei Am paß. D er T ext von „Michel Metzger — erben inne“ getilgt von Hand f. 24 Panpal stand am linken Rand. 25 Aldrans. 26 „Gibt yezo O ttm air dasselbs“ ebenfalls von Hand f durchgestrichen. 46 N auis. fol. 12’ Dietrich Zager vnnd seine nachpawren zinnsen jär/lich von dem Kopfenhof in N auis gelegen. Geben yezo / Vlrich Zagerler X I lb vnnd C ristl M air zu T erz n s27 / X I lb. Facit X X II lb. M atray. fol. 13 Frannciss Flieser von M atray zinnst järlich vom / sein haws, hofstat vnnd garten daselbs gelegen, herrue/rennd vom Matheus Schochner X lb. Diser zinns ist der Yphouerin zuegestelt hinfuro / einzu- nemen. Dagegen hat sy der bruederschafft / auf dem heusl am Pickhenthor gelegen verwüsen die X lb jerlich einzu- nemen laut ains kauff/brieffs. Z y n n s t ytzt Hanns Ecklstain, s c h l o s s e r. Oberperfes, Kematen. fol. 13’ Von Hannsen von Am ptz kaw fft seinen m airhof / zu Ober­ perfes gelegen des vier cam erlannd oder mair/hof sein vnnd haben yezo innen, nemlichen Hans / M oll; das erst zinnst järlich X III lb. V eit P erfelder; das annder zinst auch järlich X III lb. C ristan vnd V 11 r i c h Schaller; das dritt cam erlannd zinnst auch / järlich X III lb. Thoman Schaller; das vierdt zinnst auch järlich X III lb. fol. 14 Zynnst yezo H ilpranndt K öldrer vnd Herman Lynndacher Gadners mül zu Kematen, so yezo O swald G eyr von / A lfanns ynnhat, herrürt von Connradten Günther, / zinnst järlich vnnd hat yezo ynnen Liennhardt Mül/ner III lb. Telphs. fol. 14’ Von Bernnhardten G rezing durch weilennd Wen/dein Ypp- hofer die nachgeschriben gulten erkaufft: Nemlichen auf Hanns Hessen haws vnnd hofstat zu Telphs gelegen, die Augustin Siber innhat vnnd zinnst IIII lb. Hannsen H albm air haws, hofstat, paum garten vnd / ackher von Thoman Vasser herrürennd V II lb. Hannsen Huebers haws, hofstat vnnd garten von / O sw al­ den Koppen herrürennd IIII lb. Casparn Vnderschmids behawsung vnnd hofstat IIII lb. fol. 15 Hannsen Webers erben stadl, hofstat, vnnd garten / anein- annder gelegen. H at yezo innen Hanns Grezing IIII lb. 27 Terzns = Tienzens. 47 Auf ainem aigen ackher genannt der Kreizackher in / sannt Georgen veld gelegen vnnd in des Geislers hof / gehörend, von Paulsen Piser herruerennd. Sol / genug sein II lb. Summa diser sechs possten von Bernnharden Grezing / her- ruerend bringen V gülden. Dise V gülden sein der / Yphoue- rin zuegestellt hinfüro einzunemen. / Dagegen hat sy die bruederschafft vmb obgeschribne V gülden / auf das Heusl am Pickhenthor 28 gelegen verwisen / laut ains kaujfbrieffs, jerlich einzunemen. Zinst yt z t Hanns Ecklstain, schlosser V gülden. P e t n a w. fol. 15 Casper Mader in der Petnaw zinst von seinem guet dem closter / W i l t h a i n n grünt- zinsper kauft i m 4 0 ten j a r . II m a r k V Fl. Unbeschrieben fol. 16 Unbeschrieben fol. 16’ 28 Haus M arktgraben N r. 1; Fischnaler, a. a. O., IV , S. 72. 48 A kten zur Baugeschichte der St.-Jakobs-Pfarrkirche (1 7 17 — 1727) Karl Schadelbauer Propst Dr. Josef W eingartner hat im Jahre 1924 die Festschrift „Die P farrei und die Pfarrkirche von St. Jak o b “ herausgegeben. D arin hat er selbst auch den (6.) Abschnitt über „Die neue Pfarrkirche“ verfaßt. Andere Stadtgeschichtsforscher, w ie Heinrich H am ­ mer und H ans H örtnagl, haben jenen Neubau der Pfarrkirche am A nfang des 18. Ja h r­ hunderts eingehend untersucht. Das A ktenm aterial hierüber, das im Stadtarchiv ver­ w ahrt wurde, konnte beim Archivbrande im Anschluß an den Bombenangriff vom 16. De­ zember 1944, bei dem auch die St.-Jakobs-K irche zerstört wurde, wenigstens teilweise gerettet werden. Von den festen Schachteln, in denen die Akten verw ahrt w aren, die aber vom Löschwasser durchnäßt zerfielen, gelang es noch, nachdem der Archivraum be­ reits einige Tage brannte, mehrere unversehrt zu bergen. Die inhaltsreichsten Stücke dar­ aus sollen nun — zugleich zu ihrer endgültigen Sicherung — in den folgenden Seiten im W o rtlaut m itgeteilt werden. Die Abschrift der Akten w urde ziemlich buchtsabengetreu durchgeführt, um die Eigen­ art der Schreibenden, besonders der Künstler, aufzuzeigen. Unnötige Doppelbuchstaben oder „h“, besonders bei „kh“, wurden ausgelassen; bei den Stücken, die von einer K anz­ lei, z. B. dem Stadtschreiber, ausgingen, wurden stärkere Verbesserungen vorgenommen. 1. Die Baumeister betreffende Akten 1. Entwurf eines Bittschreibens der Stadtobrigkeit an die H ofkam m er vom 1. Juni 1717. „Untertenig gehorsames Supplicieren von N. Bürgerm aister und R at, als Vorsteern St. Jacobs Pfarrkirchen zu Yhnsprugg. An hochlöbl. O. ö . H ofcamer. — Excell(enzen), hochgeborn, hoch- und wolgeboren, gnädig hochgebietende H errn, H errn etc. Nachdem allererst verschinen Erchtag und Mitwoch (25. und 26. M ai) der berüemte Paum aister Herkhomber von Fiessen sich persönlich alhier eingefunden und wegen des bevorhabenden Pfarrkirchenpau den benetigten Augenschein eingenomen, hat sich unter ändern geeissert unumgänglich notwendig zu sein, daß ohne Zeitverlierung zu Legung des Grunds der Kirchen und Turm über die vorhandene, noch eine nam hafte Q uantitet Stain gebrochen und gelifert werden sollen und miessen, und ob w ir zw ar die Bewirkung, sovil sich imer tuen lasset, in Statt-Stainpruch angeordnet, so scheinet doch fast unmeglich zu sein, daß man daselbs den velligen Behuef auf insteendes Jah r gewinen werde kennen. Sind also getrungen Euer E(xcellenzen) und Gnaden etc. in U ntertenigkeit zu erbiten selbe geruhen gnädig zu verw illigen, w eil dem sicher(en) V erlaut nach dermalen ohne- daskeine hochherrschaftlichen Gebei obhanden, daß zugleich auch in dero Hofstainpruch w ir die N otturft Stain brechen lassen kinnen ( = könnten) und migen. Zur gnädigen Gewehr uns untertenig gehorsam empfehlend, Eur Excell. und Gnaden . . . (ohne U nter­ schrift).“ Am Rande der K anzleiverm erk: „Expediert den 1. Jun i 1717.“ 49 2. Q uittung des Paliers Hans Georg Fischer vom 25. Jun i 1717. „H err Johan Petter, Stattschreiber und besteiter Ober-Cassier über der Pfarkirch Pauwesen, w olle des H errn Paumaisters H errkhom er etc. seinen P allier, H errn Hans Jerg Fischer, die ime him it dato von ersamen S tattrat in Abschlag seiner Verrichtung verw illigten zw aihundert (fehlt „Gulden“) bezalen und ausvolgen lassen. Datum Inns- prugg den 25. Jun i anno 1717. Per 200 fl. — (U nterschrift:) C laudi Deleuo, Am tsbürgerm aister.“ D arunter schrieb Fischer eigenhändig: „Aus H änden des H errn Johan Peter, Stattschreiber, bar empfangen — 200 fl. — hie­ bei bezaigt mein eigen H and- und Underschrift. Adi den 25. Jun i anno 1717. Hans Jörg Fischer, Bürger und B alier in der Stat Fiessen.“ Baumeister-Rechnungen Von den Rechnungen des Baumeisters Joh. Georg Fischer sind 16 Stück, d. s. wohl alle, erhalten. Die am 4. November 1718 quittierte Rechnung betrifft Fischers V er­ dienst für das Jah r 1717, in dem er noch unter Herkommer arbeitete, und für seine Reise nach Innsbruck im Februar 1718, als er zu dessen Nachfolger als Baumeister er­ nannt wurde. Dieses Stück wurde von K. Fischnaler, Heinrich Ham m er und Hans H ört- nagl besonders genau studiert. Die übrigen 15 Rechnungen — „Verzaichnus“ oder „Conto“ betitelt — enthalten dann in zeitlicher Folge jeweils die Abrechnung für einige M onate, und zw ar: 1. 20. A pril — 4. Juni 104 Gulden 1718 2. 5. Juni — 5. August 78 3. 6. August — 5. November 108 4. 2. M ärz — 2. Juni 120 1719 5. 13. Juni — 22. November 221 6. 8. M ärz — 18. M ai 74 1720 7. 19. M ai — 24. Ju li 83 8. 25. Ju li — 6. November 141 9. 19. A pril — 22. Jun i 106 1721 10. 24. Juni — 1. August 53 11. 2. August — 17. September 63 12. 18. September — 25. Oktober 50 13. 5. Februar — 4. M ai 85 1722 14. 5. M ai — 22. Juni 83 15. 23. Juni — 20. Setpember 106 Von den ziemlich gleichlautenden Rechnungen werden nur jene für 1717 und die erste des Jahres 1718 abgedruckt: 1. Rückseite: „Conto von H errn Paum aister Johann Georg Fischer — daran zalt 210 fl.“ T ext: „Verzaichnus, was ich zu End Ernenter in Namen des im Leben gewesten Pau­ maisters, H errn Herkhomers sel. verrichtet, darauf aber a Conto 200 fl. empfangen, welche ich demselben baar eingehändiget, m ithin vor mich nichts empfangen und also noch zu praetendieren habe, wie volgt: 50 Von 7. bis 21. A pril anno 1717, worunter 4 T ag die Aus- und Einrais begriffen, also nur 11 T ag per 1 fl. zu rechnen, id e s t ................................ 11 fl. die 4 T ag R aisgelt ........................................................................................................ 12 fl. von 1. bis incl. 15. M ay mehrmahln 11 T ag a 1 fl............................................. 11 fl. und die 4 T ag Ein- und A usraisgelt ....................................................................... 12 fl. von 19. bis 27. dito 4 T ag Aus- und E in ra isg e lt............................................ .. 12 fl. und 5 T ag a 1 fl.................................................................................................................. 5 fl. von 17. bis 25. Octobris 5 T ag a 1 fl........................................................................... 5 fl. und 4 T ag R aisgelt .......................................................................................................... 12 fl. von 16. bis 23. Febr. anno 1718, da ich als Paum aister aufgenommen worden, 4 T ag a per 1 fl............................................................................................ 4 fl. 4 T ag die Ein- und A u s r a is ........................................................................................... 12 fl. dann habe einen aignen Poten mit denen Rißen herein geschickt, auf 10 T ag a per 45 kr. bezahlt m i t .................................................................. 7 fl. 30 kr. vor die guete, wohl anständige R iß, so auch acceptiert und der Pau dor- nach eingericht und geführet worden, so ich den W inter hindurch ver- förtigt, wäre zw ar ein mehrers zu praetendieren, weillen aber dises der erste Pau und dodurch weithers recommendirt zu werden verhoffe, als setze hier nur .............................................................................................................. 150 fl. Summa: 253 fl. 30 kr. D arunter steht die eigenhändige Empfangsbestätigung: „Anno 1718 den 4. November empfang ich an obigen Conto von H errn Johan Beter, H errn Stadtschreiber und Ober Casier der löblichen St. Jacobs Pfarchirchen . . . 210 fl. — Johan Georg Fischer und bal. (B alier?).“ 2. „Verzaichnus, was H errn Johann Georg Vischer, Paumaistern bei der St. Jacobs Pfarrkirchen alhier, vermig zwischen ainem löbl. Statt-M agistrat und demselben ge­ schlossenen Contracts ist bezahlt worden, als: Erstlichen für dessen H erein-R ais laut C o n tr a c t............................................... 6 fl. Den 20. A prili 1718 hat H . Paumaister angefangen bei der Kirchen mit Anlegung der Stück das W erk fortzuführen. Von dato an bis Einschluß 4. Jun i 1718 hat selber alhier 46 T ag zugebracht, jeden laut Contract per 2 fl................................................................................................................................. 92 fl. Für sein H inaus-Rais ist mehrmaln sag C o n tr a c t............................................... 6 fl. Sum m a: 104 fl. Eigenhändige Bestätigung: „Obiger Conto ist mit Dank bezahlt — Johan Georg Fischer, Baum aister.“ Die übrigen 14 Rechnungen sind ganz ähnlich. N ur erhält Fischer seit Juni 1718 nur mehr ein T aggeld von einem Gulden. Für jeden Reisetag — es werden immer zwei an­ gerechnet — werden auch weiterhin 3 Gulden eingesetzt; dam it w ar auch das Pferd zu versorgen. In diesen Rechnungsbeträgen finden sich nur mehr folgende den B auverlauf betreffende N otizen: (4.) 2. M ärz — 2. Juni 1719: „Den 3. A pril anno 1719 hat man bei der Kirchen ange­ fangen zu m auren.“ „Den 20. bis 31. M ai bin ich 12 T ag hier verpliben, ain und andere Anstalt zum K ir­ chenbau gemacht, des Tags samt Pferd 3 fl. . . . 36 fl.“ Fischer erhielt also in diesen 12 Tagen ausnahmsweise ein T aggeld von 3 Gulden; da er dabei auch das Pferd ge­ 51 braucht zu haben scheint, dürfte er wohl bezüglich der Beschaffung des Baum aterials nachsehen haben müssen (z. B. im Marmorbruch zu Kramsach). (13.) 5. Februar — 4. M ai 1722: „33 (Pfund?) Pollizen gelifert, jedes a 30 kr. . . . 16 fl. 30 kr. „Vor das Fuehrlohn von Augspurg bis Innsprugg . . . 1 fl. 30 k r.“ 3. Eine Rechnung des Paliers Joseph Jäger von Ende November 1719: „Conto von anno 1717. Jah r. — W as ich Endsbenanter zur St. Jacobs Pfarrkirchen Gebei an R aisgelt auch Zörung und Tagschichten zu begehren habe, als Anno 1717: Das erste M al den 30. A pril von Augspurg nacher Insprugg geraist und verzört h a b ....................................................................... 12 fl. Den 19. Ju li aber von Augspurg nacher Innsprugg geraist und v e r z ö r t ................................................................................................ 12 fl. 12 kr. Von 4. M ai bis 27. deto hier verbliben, so 3 Wochen und 3 T ag, betrifft die Woche per 8 fl.................................................. 27 fl. Von obigen zw ai Raisen vor T a g g e lt .......................................... 11 fl. Das erste Jah r bin ich 16 Wochen hier verbliben, aber mir nit mehr vor die Wochen als 7 fl. gegeben worden, also ist mir noch 16 fl. a u s s te n d ig .................................................................. 16 fl. Anno 1718: Von ainer H inausrais ....................................................................... 6 fl. Anno 1719: Von ainer H erein- und H inausrais ............................................... 12 fl. 96 fl. 12 kr. a Conto empfangen 24 fl. restiert 72 fl. 12 kr. D arunter: „Den 29. November 1719 von H. Stattschreiber Johann Peter 50 fl. emp­ fangen — Joseph Jäger, B al(ier).“ 2. Die Künstler-Brüder Asam betreffende Akten Hans H örtnagl veröffentlichte in seinem Buch „Ynnsprugg“ eine Abhandlung „Der churfürstliche H ofm aler Cosmas D amian Asam von München und seine Beziehungen zu Innsbruck“. Im „Am tsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck“ vom Ju li 1950 wurden „Der V ertrag der Stadt Innsbruck m it den Künstler-Brüdern Asam “ vom 8. August 1722 abgedruckt und zw ei schöne Quittungen abgebildet. Einige Schreiben, die sich hauptsächlich auf die Berufung und Anstellung der Brüder Asam beziehen, werden an­ schließend m itgeteilt: 1. Schreiben des Franz Anton Mörl von Mohrenstein, Schwiegervaters des H ofm alers Cosmas D amian Asam, an den Innsbrucker Stadtschreiber Joh. Paul Peter von Mün­ chen, 19. Oktober 1721. „W ohledl gestrenger und hochgelehrter, hochwertister Patron. Meinen H errn Tochtermann Cos. D amian Asam, churfürstlichen H ofm alern, hat mein geistlicher H err Sohn veranlasset, daß auf dessen bei einen löbl. wohlweisen Stattm agistrat beschehne, gehorsame Instanz, um er vor ändern M alern zu der neuen Kirche in fresco zu malen angesehen werden mechte, sovil pro resolutione ausgefallen sein solle, daß man seiner ohne weiters gedenken werde, dafür ich mit eingangs berührten meinen Toch­ termann darum allschuldigsten Dank meinem hochwertisten Patron erstatten wohlerwo­ gen derselbe ad hunc passum den besten B eitrag erwisen. Nun komt es auf dises an, daß H. Asam heur noch, und zw ar inner ersten 14 T agen sich ad locum hinein zu begeben, den Augenschein einzenemmen und in eventum — wies m it ihm anderw ertig practicabl 52 — zu contrahieren begihnet, zemalen er aber keine addresse ad quid et ad quem dato nit hat, als beschicht an meinen hochwertisten Patron mein gehorsam angeleginstes An- suechen, mich unschwer zu avisieren zu belieben, ob es obverstandner massen m it diser bevorstehunten Arbeit mit ihm sein Richtiges, und er anheur noch seine H ineinrais zu angezognen Ende vornemen, auch an wen sich immediate addressieren kunte. Dise erzeigente große propension werde nit allein ich, sondern mehr erwendter H. Tochter­ mann cum tota fam ilia zeitlebens best eifrigist zu verschulden geflissen sein, et paucis m ulta, das W erk würde, wie noch überall 1. zu Kloster W eingarten, 2. bei H. Grafen von W olfsegg, 3. Regenspurg, 4. Amberg, 5. Benedictiner Klöster achte, fürs 6. hiesige hl. D reifaltigkeit, 7. K häuffinger Gasse raptus Sabinarum , 8. Schleissheim, 9. Seefeld und 10. aller Orten den M aister loben; der Eifer aber zu diser Kirche ist darum vehe­ ment, daß er m it H indansezung aller in procinctu angefrim ten anderen Arbeit wegen meinen in T h yroll gemachten M eriten die seine auch mitls seines Pemsels zu attribuieren suechet. In Erwartung einer unschwer beliebigen förderlichen A ntw ort mich mit den Meinigen a rivederci conlui gehorsam empfilche. München den 19. Octobris 1721. Meines hochwertisten Patrons gehorsamer Diener Franz Antoni Mörl von Mohrnstein, Kais. A ctuar in T y ro ll.“ Adresse auf der 4. Seite: „Dem wohledl gestrengen und hochgelehrten H errn Joh. P aul Peter, best m eritierter H errn Stattschreiber, zu Ynnsprugg J(uris) V (triusque) D(octor), meinem wertisten Patron — Ynnsprugg.“ Daneben rote Petschaft aufgedrückt und V erm erk: „Den 4. Nov. 1721 beantw ort.“ 2. Schreiben des Priesters Franc. Christ. M örl — der im 1. Schreiben genannte geist­ liche H err Sohn — an den Innsbrucker Stadtschreiber Joh. Paul Peter, von München, 30. October 1721. „W oledler, gestrenger, wolweiser, hochgeertister H err, H err. H offe, es werde meines H. Vaters vor etlichen Tagen abgesantes Schreiben Ihro ge­ streng meinem hochwertisten H errn zu rechts überlifert sein worden, auch daraus ver- nomen worden sein, wie daß mein H err Schwager Cosmas Asam, churfürst. H ofm aler, seine, auf die neue Innspruggerische Pfarrkirche gemachte, schon durch mein Memorial und A nfrag, bewußte Intention im vorderen Brief um so vil mehr insinuiere, weilen bei behent einrückendem W inter auf kom pftige Früelingszeit ehstens vortgeenten Arbeit die Scizen und R iß zu ferfertigen, auch von Architectur und Heche und W eite des Gebaues der beste Augenschein zu nemen anoch rechtens an der Zeit ist. W an H err Asam nur in soweit versichert w äre, daß er nit ohnverichter Sachen hinein reisete, werde ohne alle Spesen der hochlöblichen Pfarkirche gleich bei negster Beantwortung dises Briefs er sich selbst hinein verfiegen und seiner Kunst und M alerei noch ein Anzeigen machen, dahero in grester Zueversicht. D am it er in sondriger anderer Arbeit kein A ntrag für kümpftiges J a r mache, sonder dis Gottshaus in Insprugg schieinig in gewinschten Effect bringe, um eine schriftliche H andzeilen bei meinem hochgeehrtisten H errn gehorsamlich suppliciere. M an lebet Asamischer Seiten in getrester Hofnung, es werde mein guetmeinendes M em orial um so v il mehrers angesehen werden, um w ievil zu Nuz und Ehr des löblichen Gottshaus der bekante Asamische Pemsel suechet und w il laborieren. Dahero dises negotium bitte instendig recommendiert zu sein lassen, auch mich samt H errn Asam Ihro gestreng gehorsamlich empfelche. Euer gestreng gehorsamer Diener Franc. Christ. Mörl, Priester. — V ertatur. — (Auf der Rückseite:) PS. Von H. Asam einen gehorsamen Be- felch an Ihro gestreng, er w ird sich gewiß in disem Negotio wegen gehabter Müeche- w altung dankbarist einstellen.“ 53 Umschlag mit fast gleicher Adresse wie bei No. 1, nur beigefügt: „Cito, cito“. Schöne, rote Petschaft aufgedrückt. 3. Quittung von Innsbruck, 30. Dezember 1721. Egidius Quirinus Asam bestätigt eigenhändig vom Stadtschreiber Joh. Peter, „als bei Erpauung der würdigen St. Jacobs Pfarrkirche zu Yhnsprugg verordneten Ober Cas- sierer“, 75 Gulden, „welche mir von ainer löbl. D eputation pro recompens geschöpfet w orden“, empfangen zu haben. (Ohne Petschaft.) 4. Q uittung von Innsbruck, 17. Jun i 1722. Cosmas D am ian Asam bestätigt, von dem Innsbrucker Amtsbürgermeister Ulrich Sprenger anstatt des Stadtschreibers Joh. Peter 75 Gulden erhalten zu haben. Anschlie­ ßend quittiert am 13. Ju li 1722 der gen. Bürgermeister die Rückerstattung jenes B etra­ ges durch Joh. Peter. 5. Entwurf eines Schreibens an die Gebrüder Asam von Innsbruck, 20. Jun i 1722. „Denen wohledl und kunstreichen Casmas Dominianus und Egidi Gebriedern, denen Asamb, hochberiembten M ahler und Stuckhator Arbeitern zu Minichen zu sonders vil- geehrten H änden. — Minichen.“ D arunter am R and: „Cito, cito.“ „W oledle, kunstreiche sonders vilgeehrte Herren. Berichten dieselben, daß gleich in dieser Stund, Nachm ittag um 5 Uhr, eine hoch­ ansehnliche geheime R ats, Regiments und H of C am erral D eputation unter anderen haubtsächlich auch wegen der M alerei und Stuckhator A rbeit abgehalten, und dabei end- und haubtsächlich geschlossen worden sein, daß es wegen M alung der 4 Kupplen bei demjenigen zu bewenden haben solle, was m it dem alhier gestandenen H errn M ahler ab- gerödt und veranlaßt worden. Sovil aber die Stuckator Arbeit concernieret, soll und w olle man dessen H errn Brüdern doch ausser der bereits in W erkbegriffenen Gsimbser für die Stuckator Arbeit gegen dem, daß solche recht sehen und zierlicher verfertigt werde, in allem benenntlich 2000 fl. geben, und da dise Arbeit in recht perfecten Stand verfer­ tigt sind, sich m it einem recompens von ungefehr 150 fl. finden lassen werde. Und weilen jem and wirklich verhanden, welcher sotane Stuckator Arbeit um ain v il geringers in recht perfecten Stand stöllen zu kennen sich obligieret hat, als w ill man von beden Asa- mischen H errn Gebriedern und sonderheitlich von dem letztem als Stuckator Arbeiter bei disen aigens abgeschickten Poten das entliehe Erclern gew ärtig sein, ob diser Letztere die Arbeit um 2000 fl. und allenfahls offerierten recompens ja oder nit anzunemen ge­ denke, auch wie pald sowohl ainer als anderer aus inen H. Gebriedern mit diser Arbeit den A nfang zu machen gedacht seien und sich obligieren kennden, weilen es keinen len- gern Anstand mehr leiden w ill. Andernfahls man m it dem sich hervorgetanen Stuckator Arbeiter ohne weiters schlüssig werden und m it der A rbeit den wirklichen A nfang machen lassen würde. Verbleiben m ithin nebst göttlicher Empfelchung in dato Yhns­ prugg den 20. Jun i 1722. Unserer sonders vilgeehrten Herrn . . . (Unterschriften fehlen).“ 6. Schreiben des H ofm alers Cos. Dam. Asam an den Bürgermeister und R at der Stadt Innsbruck von München, 23. Jun i 1722. „W olledle, wohlweise, fürsichtige, ersame und großgünstige H erren, Bürgermaister und Räte. A uf das von ainem wohledlen M agistrat an mich aigens großgünstig Abgelassenes füege zu Verlessig(ungP) an, daß es bei meinen abgegebenen W ort allerdings sein Rich­ tiges, und an mir zu Befürderung diser gottgefälligen Andachtsarbeit an der Zeit mit 54 nichten den geringsten Anstand haben solle, gestalten nach entworfener Visierung un- gefehr inner 14 Tegen den A nfang ze machen begine. Belangend die Stuckator Arbeit habe bei meiner alhieher Ankonft meinen Brueder sogleich berichtet, was wegen seiner Arbeit in meinen D arinsein gegen mir mündlichen resolviret worden, nemlich 2500 fl., auf welches er sich wegen meiner Arbeit unzweiflich einverstehen würdet, und gibet das W erk von selbsten zu seiner Zeit das Lob, ob er einen Recompens verdienet hat, oder nit, in der Hauptsach hat es m it m ir sein Richtiges und bleibt es bei dem Schlaag der 2500 fl. für meinen Brueder, so w ill ich die Stuckator Arbeiter selbsten mitbringen oder vorausschicken, betreffend nun die Gelt Erlaag, w eilen dises ganze C ap ital kein so nam­ haftes ausmachen tuet, es auch an dem E rlaag kein sondern Anstand oder Sollicitieren bederfen würde, in Erwartung ainer beliebigen, ehebaldigen, großgünstigen A ntw ort mich gehorsam empfilche. München, den 23. Ju n i 1722. Eines woledlen und wohlweisen M agistrats gehorsamer Diener Cosmas D am ian Asam, H ofm aler.“ Adresse auf der 4. Seite: „Denen wohledlen, edlvösten, wohlvornemen, fürsichtigen, ersamen, wohlweisen Bürgerm aister und R at der Kais. H aubt- und R esidenz-Statt Ins- prugg, meinen besonders hochwertisten, großgünstigen H erren, H erren — Ynnsprugg.“ 7. Schreiben des H ofm alers Cosm. Dam. Asam an den Stadtschreiber Joh. Paul Peter aus München, 23. Jun i 1722. „W oledler gestreng hochgelehrter, hochwertister Patron. Es solle mich nit unbillich befremden, daß mir ein löbl. Stattm agistrat per aignen mich zu befragen begihret, ob mein Brueder für die Stuckatorei anstatt der gegen mir münd­ lich ausgeworfnen 2500 fl., in disen Schreiben herkommen lasset, daß ihm nur 2000 fl. und endlichen 150 fl. Recompens entrichtet werden sollen. Nun weiß mein hochwertister Patron von selbsten, daß das ganz C ap ital von so großer Im portanz lang nit in Con- form itet diser großen Arbeit ist, m it welcher w ür Gebrüder der ganzen Statt und Land eine sondere Ehre zu stüften suchen, und es nur um Abbruch 250 fl. zetun ist, da ich doch gleich nach meiner A nkonft meinen Bruder zu dem mündlich Ausgesprochnen avisiert und zu meiner angelegen habenten Arbeit persuadiert, dahero nit gleich finden kan, wie ich ihn zu einen Abstoß von dem ermelt Ausgesprochnen ablaiten köne; welches eingangs wolerwenten M agistrat in A ntw ort bei Iberbringern dis berichten, meinen hochwertisten Patron aber dahin geflissen erbitten wollen, die Sach in der in meinen gegenwertigen D arinsein abgeredtermassen bewendet sein zlassen, vermögen w ir dann bei unser lengst inner 14 T agen bevorstehenden A nfang diser A rbeit auch zaigen werden, gegen mein hochwertisten Patron in Effect dankbar zu sein nebst meiner gehorsamen Empfelchung. Minichen, den 23. Jun i 1722. Meines hochwertisten H errn Patrons gehorsamer, geflissener Cosmas D am ian Asam, H ofm aler.“ Adresse auf der 4. Seite: „Dem wohledlgestrengen und hochgelehrten H errn Johann Paul Peter, der Kais. H aubt. und Residenzstatt Ynnsprugg ansehnlichen H errn S tatt­ schreibern J(uris)U (triusque)D (octor), meinen hochwertisten Patron — Ynnsprugg.“ 8. Schreiben — möglicherweise nur Entwurf, aber unterschrieben — des Amtsbürger­ meisters Ulrich Sprenger ohne Anschrift, aber an Asam gerichtet, von Innsbruck, den 30. Jun i 1722. „Edl kunstreicher, sonders vilgeehrter H err. A uf dessen untern 23. dis sowohl an uns, als unseren Stattschreiber zw ai erlassene 55 Antwortschreiben, so w ür bei dem aigens abgeschickten Poten rechts erhalten haben, rescribieren verlangtermassen endlichen catigorisch hiem it sovil, daß es wegen des H errn bei denen alhier jüngsthin abgeredt und beschlossenen 3400 fl. und zw ar dergestalten, daß hieraus 200 fl. fir dessen Frau Ehegeliebste und überige 200 fl. auf ainen hoffentlich wohlverdienenten Recompens, und also fir alles und jedes gemain und disfahls kein w ei­ ters Begehren zu erdenken oder zu ersinen sein solle. Sovil nun aber dessen H errn Brue­ der als Stucktor Arbeiter anbelangt, hete man zw ar disseits geglaubt, daß derselbe sich fir seine A rbeit und Verdienst ebenfahls fir alles und jedes m it denen anofferierten 2150 fl. inclusive des Recompens umso mehrers hete vergniegen lassen sollen und kenn- den, als überschribnermassen sich alhier eben in diser Kunst wohlerfahrner bei uns angemeldet, und es um ain geringers in perfecten Stand und ohne alle C lag zu sözen und zu stöllen sich offeriert und obligieret haben ohngeacht alles dessen aber, und dam it baide Asambische H errn Gebriedern, deren Kunst und Arbeit ohne alle ersinnliche künf­ tige Ausflicht oder Entschuldigungen vornemen und also deren Kunst desto tröfflicher zaigen und erweisen kennden, wohlen w ür uns hiemit unangesöchen die hochlöbl. Depu­ tation dermalen nicht zu versamlen gewest, hiemit (in — ? je) gleichen fir alles und jedes und also ohne Recompens auf 2400 fl. anerclert und beeden H errn Gebriedern allein noch die vorgeschribne Zeit der Alherokonft zuegelassen, ander- und widerigenfals aber daran nicht gepunden zu sein austruckenlichen reserviert und Vorbehalten haben. V er­ bleiben m ithin negst göttlicher Empfelchung, Yhnnsprugg den letsten Jun i 1722, unsers vilgeehrten H errn beflissener Diener Ulrich Sprennger, derzeit A m tspurgerm aister.“ 9. Am 10. Ju li 1722 quittiert Cos. Dam. Asam den Empfang von 200 Gulden nur mit wenigen W orten. Dabei steht: „Vorstehende 200 fl., so ich ainstm aln den H errn Asam, Kunstmalern, anticipiert, sint mir von H errn Joh. Peter, Haubtcassiern, anw ider par zalt worden. Innsprugg den 23. Ju li 1722 — Stephan D orn.“ 10. Von dem V ertrag, den die Stadt Innsbruck mit dem K ünstlerpaar Asam am 8. August 1722 abschloß, wurden zwei Ausfertigungen hergestellt; erhalten hat sich lediglich ein Exemplar, das auf seiner Rückseite als „Accords Abschrift“ bezeichnet w urde, und eine Kopie des von den Vertretern der Stadt Unterzeichneten und an die Gebrüder Asam übergebenen O riginales darstellt. Dessen bereits im „Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck“ No. 7. vom Ju li 1950 m itgeteilter T ext sei der V ollstän­ digkeit wegen hier nochmals abgedruckt: „Zu wissen, daß zw ar entzwischen einem wolweisen Stadt M agistrat als Conservatorn und Vorstehern der lobwürdigen St. Jacobs Pfarrkirchen alhier zu Yhnsprugg an einem und denen edl kunstreichen Herren Cosmas D am nian(!) und Egidi Q uirian Gebrüdern denen Asam berümt und kunstreichen respective M aler und Stuckator Arbeiteren von Minichen am anderen T eil um w illen M alung der H aupt- und drei vertruckten (d. s. die Scheingewölbe) zusammen vier Kupplen, auch allen darzue gehörigen Schilden in der Kirchen keine darvon ausgenomen, und Aussterzung der Stuckator in w olerdeiter neu er­ bauten S. Jacobs Pfarrkirchen, sowol verm itlst mündlicher Abred, als durch gepflogene Corespontenz ein Accord dahin beschlossen worden, daß bemelten H errn Cosmas Dam- nian für obangezogene M alerei der vier Kupplen und Schilden mit Einschluß 200 fl. ( = Gulden) für dessen Ehefrau gemeinten Leitkauf, und 300 fl. hoffentlich w ohlver­ dienten Recompens, also zusammen 3500 fl. und dessen H errn Brueder Egidi Q uirin in­ clusive des Recompens 2400 fl., und also in beiden Hauptsummen benentlichen fünftau­ sendneunhundert Gulden bar entrichtet und abgefürt werden sollen. Allerm aßen dann 56 darüberhin sie Asamische H errn Gebrüder und sonderheitlich der M aler dem W erk bereits einen A nfang gemacht und die erste Kuppl allerdings verfertiget, zum alen aber disfalls kein wirklich schriftlicher Accord aufgericht oder ausgefertiget worden und diser allerdings notwendig zu sein anscheinen wollen, daß man hierauf solichen anheut zu entsteenden dato nachfolgendermaßen wirklichen zu Papier gebracht und von beiden Teilen verfertiget h at: Nemlichen und erstens geloben, zuesagen und versprechen widererholte Asamische H errn Gebrüder hiemit wissentlich und in K raft dis, dasselbe und zw ar jeder nach seiner Kunst vorangezogene M alerei und Stukator und zw ar jene in perspectiv ihrer berümten Kunst nach und sovil ihnen hierinfals immer möglichen ist und sein w ird noch dises inste(h)ende 1722, und zuekonftiges 1723zigiste J a r in perfecten Stand sowohl zu disei- tig und menigelichen Contento als ihrn eignen noch mehreren Ruem und Lob wirklichen verfertigen sollen und wollen. Dargegen zum Ändern hat wolgedachter Stadt M agistrat durch hierzue angeordnete Deputierte sich gleichfals in K raft dis obligiert ihnen widererholten Asamischen H errn Gebrüdern für vorangezogene übernomene Kunstarbeit, samt was darbei berürt und immer Namen haben mag, nichts darvon ausgenomen, wie bereits hievor Anregung be- schehen, und zw ar dem H errn Cosmas Dam nian 3500 und dem H errn Egidi Quirin 2400 und also zusamen vorangezogenermaßen fünftausendneunhundert Gulden succes- sive in Zeit w ä(h)render Arbeit und den endlichen Rest bei w irklicher V erfertigung solcher A rbeit richtig und gw iß par abzufürn und zu bezalen, w ie dann oftbemelter H err Cosmas Dam nian a conto seines bisherigen Verdienstes verm ig zweier abgebner Interims Bescheinungen fünfhundert Gulden bereits w irklich empfenklich worden, und sie H errn Gebrüder sich der weiteren Bezalung halber ganz sicherlich zu verlassen und zu getresten haben. U nd sind, wie bereits hievor Anregung beschehen, zwei gleichlautende Accord aus­ geschrieben und der einte, so für die Asamische H errn Gebrüder geherig, durch H errn Amtsbürgermeister Ulrich Sprenger, H errn Stephan Dorn und H errn Johann Kerer, auch dem Stadtschreiber und H aubtcassier H errn Johann Peter, als samentlichen Depu­ tierten, der änderte aber, so dem Stadtm agistrat in H änden zu verbleiben durch letzt- bemelten H errn Cosmas Dam nian für sich selbs und anstat auch in Versprechung dessen H errn Brueder Egidi Q uirin fürgestelten eignen H andschriften und Petschaften verfer­ tiget worden. Actum Insprugg den achten T ag Monats Augusti anno 1722. Ulrich Sprennger derzeit Amtsbürgermeister Stephan Dorn als Stadtpfarrkirchenbaus Deputierter Johann Kerer als Deputierter Johannes Peter als H auptcassier.“ (Links von den Unterschriften w ar jeweils ein P latz für die Petschaft frei.) Am Rande steht noch: Idest fünftausendneunhundert Gulden. 11. Q uittung des M alers Cos. Dam. Asam von Innsbruck den 8. August 1722. „Das Ich Enntsbenanter a Conto meines zu begern habenden Verdiensts vor die zu machen habende M allerey in der alhieg Statt Pfarrkhirchen aberm alln dreyhundert guldn von dem H errn Pau Cassiern Johannes Peter etc. zu meinen Hennden par emp­ fangen habe, w irdet hiem it bescheint. Ynnsprugg den 8. Augusti 1722. pro fl. 300: — cor. Cosmas D am ian A sam .“ 57 12. Q uittung des Egid. Quir. Asam von Innsbruck den 12 (Dezember?) 1722. „Das Ich Endts Unterschribner von dem edl vesten H errn Johann Peter Stattschrei­ ber etc. auch bei lobel(icher) Jacobs Pfahrr Kirchen D epudierter unnd ober Cassier a Conto der Accordirtn Stukador arbeith 200 fl., sag zw ey hundert guldten zu meinen handten empfangen habe, dis pezeigt mein eigen Underschrift unnd Pöttschafft. Datum Innsprug den 12ten (Decembris?) anno 1722. Egidius Quirinus A sam .“ Die vorstehenden Q uittungen No. 11 und 12 sind im „A m tsblatt“ 1. c. abgebildet. 13. Franz Stockher, Bürger und W irt, bestätigt von Stephan Dorn, Bürgermeister und vornehmen H andelsmann, auf Anschaffung des churfürstl. bayrischen H ofm alers Cos. Dam. Asamb jene 55 fl. erhalten zu haben, „so wohl ermelter H err Asamb wegen seines geistlichen H errn Schwägern, H errn Franz Christoph M örl, übernumen und mir zu bezahlen versprochen“ hat. 22. Jänner 1723. 14. Q uittung des Egid. Quir. Asam vom 23. Jänner 1723. „Das ich Endsgesetz(t)er von den edlvösten H errn Joh. Peter, Stattschreiwer, auch bei löbl. S. Jacobs Pfahrkirchen Depudierter und Obercassier, a Conto der accordierten Stukadorarbeit 300 fl. zu meinen H änden par empfangen habe, dis bezeigt mein eigene Unterschrift und Pötschaft. Datum Innsprugg, 23. Jan u ari anno 1723 — Egidius Q uirin Assam, Stokador.“ Petschaft aufgedrückt. 15. Specification für 2 Raucharbeiter vom 4. Februar 1723. „Specification, was die 2 Raucharbeiter, Augustin Gigl und Thomas H ebfelm ayr, an Tagschichten verdient und denen selben annoch zu bezahlen in Ausstand haftet, als: Der Augustin Gigl hat von 20. October 1722 bis inclusive 4. Februar 1723 ins V er­ dienen gebracht 74 T äg a 15 kr. . . . 18 fl. 30 kr. Franz Thomas H epfelm ayr hat den 16. Ju li verwichnes Jah r angefangen zu arbeiten, und ist von H errn Pauinspector Delevo bis 4. Dezember bezahlt. Von dannen er w ei­ ters ein Verdienen gebracht bis inclusive 4. Februar; vom alten und disem Jah r 33 T äg a 15 kr. . . . 8 fl. 15 kr. Summa: 26 fl. 45 — Egidius Q uirin Asam — Diser Konto ist mit D ank pezalt Wor­ ten.“ Daneben steht: „Das mirs Endsunterschribenen obstehende 26 fl. 45 kr. von Herrn Stattschreiber Joh. Peter, als Haubtcassieren, am dato richtig bezalt worden, w ird chraft dis bescheint und quittiert. Datum den 4. Febr. anno 1723. Augustin Gigl fir mich selbs und in Namen Franz Thomas H öbfelm air.“ A uf der Rückseite steht noch: „Den 3. Febr. 1723 habe ich auf Intercession Ihre Excell. H . H. Regim entspraesitenten dise 26 fl. 45 kr. unvergriffen z a lt.“ 16. Schreiben des Cos. Dam. Asam an Bürgermeister Stephan Dorn aus München, den 1. A pril 1723. „Hochwertister Patron. Berichte, daß gliebts Gott in dem M onat M ai zu der bevorstehunden Arbeit mich widerumben einfinden werde, m ithin die erwintschte Ehre habe meinen hochwertisten Patron zu Ynnsprugg meiner Obligenheit nach zu bedienen. Inzwischen bitte aus seinen Ursachen darob zu sein, daß meines H errn Brueders Egidi darinen sich befindenden Stuckatorgesellen an Gelt nichts verabvolgt werde. Gutster (?) Obsorg alles und mich demselben samt den meinigen bestens empfelchend. Minichen, den 1. A pril 1723. Meines hochwertisten Patrons (ein W ort unleserlich) ergebister Cos. Dam. Asam, (churfürstl. ?) H ofm aler.“ 58 Adresse auf der 4. Seite: „A Monsieur, Monsieur Stephan Dorn, M aiestre du Bour- gois, Cons. de la V ille et Intendant d’Eclise de S. Jaques a Ynnsprugg.“ D arunter das Petschaft aufgedrückt. 17. Kurze Q uittung des Cos. Dam. Asam über 100 fl., die Bürgermeister Dorn be­ zahlte, vom 22. M ai 1723. 18. Specification über die Bezahlung der Stuckarbeiter vom 5. Jun i 1723. „Specification, was ich Endesbenanter an die Stockadorgesellen auf Anschaffen ihres H errn bezalt habe und anwiderum von H r. Joh. Peter, Sttattpfahrkürchen-Baucassier zuruck empfangen habe, als — (jetzt verkürzte W iedergabe) — 1 7 2 2, den 4. Septem­ ber lau t Schein 15 fl., den 5. Okt. 35, den 22. Okt. 10 und den 22. November 50, dann 1 7 2 3, den 3. A pril 5, den 11. d. M. 15 und den 22. d. M. w ieder 15, am 15. und 21. M ai je 15 und am 29. d. M. 14, insgesamt 189 fl. — Stephan Dorn. Dise obstehenden 189 fl. habe ich und meine Leit zu Recht embfangen. Egidius Q uirin A sam .“ V erm erk auf der Rückseite: „Den H errn Stucator und seine Gesöllen betreffend, so ich den 5. Jun i 1723 zu H änden H errn Bürgerm aister Stephan Dorn par vergniegt habe.“ 18. Specification — ähnlich wie No. 17 — über zwei Zahlungen für den M aler Cos. Dam. Asam vom 5. Jun i 1723. Stephan Dorn zahlte am 22. Jänner 1723 an H r. Franz Stockher auf Ordre des Asam 55 fl. und am 22. M ai nochmals 100 fl. 19. Q uittung des Eg. Qu. Asam über 200 fl. „a Conto der accordirten Stukadorarbeit“ vom 23. Ju n i 1723. — Schöne Petschaft. 20. Q uittung des Cos. Dam. Asam um 200 fl. „a Conto der accordirten M alerei“ vom 23. Jun i 1723. — Schöne Petschaft. 21. Q uittung des Cos. Dam. Asam über 566 fl. „per Abschlag der M alerarbeit“ von Innsbruck, den 7. August 1723. 22. Specification über einen Ausstand von 31 fl. 30 kr. für die Tagschichten der bei­ den Raucharbeiter Augustin Gigl und Franz H ebfelm ayr. Eg. Qu. Asam bestätigt den Empfang dieses Betrages am 7. August 1723. 3. Rechnungen für Tischler- und Schlosserarbeiten Von den 23 erhaltenen Rechnungen für Tischlerarbeiten stammen mehrere von dem Tischlermeister Michael M ayr, worüber in dem A ufsatz „Meister Michael M ayrs Tisch­ lerarbeiten für die St.-Jakobs-K irche (1717— 1722)“ im „Am tsblatt der Landeshaupt­ stadt Innsbruck“ No. 9 vom September 1952 zusammenfassend berichtet wurde. Einige Q uittungen des Tischlermeisters Michael H olzer (z. B. vom 17. Okt. 1719 über 20 Gl.) und des W iltener Tischlers C hristian Stippler sind ziemlich inhaltslos, andere Zahlungen betreffen w ieder Arbeiten für das Pfarrw idum . Eine lange Rechnung Michael H olzers vom 25. Oktober 1722 betrifft fast ausschließ­ lich die Lieferung von Brettern, Latten und Richtscheitern für die Steinmetze und M au­ rer. Einige Stellen daraus: „Um 2 Gesimspröter vor die Stainmezen, ausgeschniten von ihrigen H olz . . . . 6 kr. Mer vor die M aurer von ihrigen H olz 6 Gsimspröter p e r .......................................... 12 kr. M er 3 claine Rieht scheitlein und ain grosses W inklholz von hartem H olz per 15 kr. 59 Mer 2 grössere Richtscheiter, 5 Schuech lang und dem Messtab darauf geschniten per ................................................................................................................................................. 10 kr. Mer 4 Scheibenpretlen und 4 halbe deto, und in alle Knöpflen darein gemacht per ................................................................................................................................................. 12 kr. Mer ain neie Sözwag samt ein W inklholz von harten H olz p e r ........................... 20 k r.“ Eine undatierte (1724) Q uittung des „M. Anthani Fischer, Dischler allh ier“ über 13 Gulden, die er von C laudi D ellefi ( = Delevo) erhalten hatte: „Ich Entsunterschribner habe in die neue Pfarkirchen 2 A ltäre gemacht, den Creutz A ltar und den P fillip i N eri A ltar, ist fir ain 6 fl. . . . 12 fl. Mer zu dem Creuz A ltar ein neuen Plintram b ( = Rahmen) gemacht und ein Stab- ramb, darauf auch auf den P fillip i N eri auch ein Stabram b gemacht, ist fir alles . . . 1 fl.“ Q uittung des M athias Vogler, Tischlermaister auf der K ollstatt, vom 7. September 1724 über 24 fl., die er von C laudi Delevo für eine Rechnung über 27 fl. 30 kr. emp­ fangen hatte: „Zöchen nußbambene eingefasste Thürlen in die Kürchenstiel ( = Stühle) gemacht, fir a 2 fl. 45 kr. thuet zusamen 27 fl. 30 k r .“ Mehrere, offenbar in der städtischen K anzlei beschriebene B lätter, enthalten Abrech­ nungen über verschiedene Tischler- und auch Schlosserarbeiten. M an handelte den ein­ zelnen Meistern von ihren Rechnungen immer etwas ab. Von einer „Liquidation“ vom 15. Dezember 1724 ist eine zweite, verkürzte Fassung vorhanden, die im W o rtlaut folgt: „Nota, was die Tischlermaister w illen der aine zeithero zu der löbl. St. Jacobs P farr­ kirchen verrichtete Arbeit verdienet haben und denen selben passieret w urde: Dem M aister Joseph Vögele anstat der fir die gemachte, große oder H aubttir t ( = H aupttüre) und dabei befindlichen Pilthauerarbait praetendierten 102 fl. . . . 85 fl. Mer demselben fir die untere Sacristeitir anstat der geforderten 36 fl. . . . 30 fl. Michaeln H olzer fir die zwo grossen Seitentirn anstat der anbegehrten 120 fl. und dann w illen der gemachten zwo obern T irn in ganzem praetendierten 26 fl. zusamen . . . 110 fl. Fir die 4 Cappellentirn anstat der geforderten 128 fl. . . . 96 fl. Dem M aister Paum bgartner mer w illen der gemachten zwo oberen Sacristeitirn anstat der anbegerten 32 fl. . . . 26 fl. Jacoben Nockher fir die 4 Chorstiel anstat der praetendierten 100 fl. . . . 70. Fir die — Zahl fehlt — Kirchenstiel anstat der fir ainen begehrenden 12fl. . . . 7 fl.“ Am 13. M ärz 1725 wurde vom Bürgermeister Ulrich Sprenger im Beisein von Räten der Kirchpröpste und des ?Stadtschreibers Peter Lizi m it den H andw erkern eine „Aus­ gleichung“ getroffen. Aus dieser Abrechnung sind nur drei Notizen über die Arbeiten der Schlossermeister Peter und M athias H öllw öger m itteilenswert: „Peter H öllw öger Schlossermaister hat w illen der verenderten Sacristeigatter in der Pfarrkirche anbegehret und gefordert 205 fl., ist aber verglichen und von ihm H öllwöger angenomen worden, daß ihm anstat derselben guetgemacht und bonificieret werden sol- ten 130 fl. Und w illen der Beschlagung Capellen Porten und Sacristei, auch Chorstiegen T irn, auch gemachten Eisengatterle auf den Chor, anstat der verm ig des eingestelten Acto praetendierten 245 fl. 18 verglichnermassen 220 fl. M athias H öllw öger Schlossermaister ald a w ill haben verm ig seiner eingestelten zwo Conto wegen der zu obiger Pfarrkirche w illen beschlagener T irn und verrichten Arbeit 60 zu der Orgel 288 fl. 54 k r.; ist aber derentwillen mit demselben verm itlet und verglichen worden, daß demselben bonificieret werden solten 208 fl.“ Am 14. September 1727 quittert der Tischlermeister Michael H olzer den Empfang von 4 fl. 14 kr. für folgende Arbeiten in der „Quaterober“ = G uardaroba: „Als erstens 1726 in der alten Quaterober das Modell abgebrochen und hinüber helfen tragen und widerum aufgericht, dafir . . . 1 fl. Aberm al in die Quaterober die alten Kästen abgebrochen und von einander getailt, und ainen von disen in der Kirche aufgericht; dabei haben w ür unsere 3 zuepracht sovil als 3 T ag, tut . . . 2 fl. 30 kr. Item ain altes K astl ausgeflickt und 1 neues Stöllele hinein gmacht . . . 20 kr. Ferner fir die M aurer in die neue Q uaterober 6 Gsimspretlen gmacht, a per 4 kr. tut . . . 24 k r .“ 4. Für Marmorlieferungen Der für den Kirchenbau nötige Kramsacher M arm or wurde von der H agau (Brixlegg gegenüber) geliefert. Die Steine wurden auf Schiffen verladen und bis H all auf dem Inn transportiert. Von H all bis zur Baustelle in Innsbruck wurden sie dann m it W agen ge­ führt. Über die M ühlauer Brücke durften sie zollfrei gebracht werden. Von den erhal­ tenen Abrechnungen und Q uittungen seien nur drei Stücke m itgeteilt: 1. Schwaz, 1. Dezember 1717. „Quittung von Antoni N iclaus Creizweeger, Schifmaister zu Schwaz, um inverm elt bezalten Schiflohn per 133 Fl. Das durch den woledlen gebornen, gestrengen H errn C laudi Delevo, Amtsbürger- m aister, und der wohllöbl. neu zuerpauen angefangenen St. Jacob Gotteshaus, auch H aubt- und Pfarrkirchen zu Insprugg wolverordneten Amtscassiren, m ir Entsunter- schribnen um w illen zu dem selbigen Pau von der H agau negst ober B rixlegg auf dem W asser zu 13 M alen nacher H all gefiehrten 138 Stück M arm blstain, welche alsdort zu Insprugg nach den Schuechen ordentlichen ausgemessen und abgewogen worden, und zusammen verm ig abgebner Lista 622 % Schuech ausgemacht haben, auch ain Schuech 1 Cent. 75 Pfund gewogen und zusamen 1089 C. 80 Pf. betroffen haben, wovon das accordierte Schiflohn von Centen 7 kr., tuet fl. 127, 6 kr. Dann fir die Schifleit wegen Anlegung bemelter Stück fir aines deren — Bedenkung ainer so gefehrlichen Arbeit — 3 kr. gebreichiges D rinkgelt, macht 6 fl. 54 kr., und zusamen benentlichen 133 Gulden, par erlegt und bezalt worden. Bescheint dis mein aigne H andunterschrift und hiefir- gesteltes Petschaft. Beschechen Schwaz den ersten December anno 1717. Antoni N iclaus Creizw öger, Kais. Schifm aister.“ Petschaft — schreitender Löwe m it Kreuz in den Vorderpranken — auf gedrückt. Listen, in denen die Größen der einzelnen Steinblöcke aufgeschrieben sind, haben sich auch einige erhalten, sind aber wohl bedeutungslos. 2. Entwurf eines Schreibens an den Bürgermeister von H all wegen der Erlassung des Lendgeldes vom 18. M ärz 1721. „Denen w oledlvest, fürsichtig, wolweisen H erren N. N. Bürgerm aister und R at der S tatt H all, unseren hoch- und vilgeehrten Herrn. W olehrenvest, fürsichtig, wolweise respective hoch- und vilgeehrte H errn. Aus dero Beliebten von 12. dis und dessen Anschluss haben w ür zu ersehen gehabt, welchermassen durch den daselbstigen H errn Lendhieter Fäber an dem alhiesigen St. Jacobs Pfarrkürchen Pau um willen an selbiger Lend abgeladenen M ärm blstain 40 fl. Lendgelt angeforderet und die Bezahlung von unseren hoch- und vilgeehrten H erren 61 requirendo an uns belanget werde. Nun berichtet uns zw ar unser Stattschreiber, der­ selbe und der dam als m it ihn zu H all geweste unser M itratsverwohnte, H err C laudi Deleuo sel., die wirkliche Vertrestung erhalten zu haben, daß in Ansehung dises ohne das sehr costparn Kirchenpau man an Seitn H all von sotonen M ärm blstainen ainiches Lendgelt nicht fordern wolle. W eiln aber aniezto das Contrarium erscheinet und jenseits ebenfals Causa pia allegiert w ird, kenden w ürd uns hierinfals auch nit w iderig erzaigen, sondern wollen hiem it zue- und nachgeben haben. Dis obige 40 fl. Lendgelt, an denen in der A nlag begrüffnen richtigen 232 fl. 42 kr. abgezochen werden migen, wie w ür dann die darauf noch Testierende 192 fl. 42 kr. nebst ainer Quitung um solche 40 fl. bei Über- bringeren dis aigens abgeschickten unvelpar gewertig sein und darentgegen diser um die 232 fl. 42 kr. hinwiderum die H aubtquitung zu extradiern bevelchet ist. Verbleiben m it­ hin nägst schenister Empfehlung. Yhnsprugg, den 18. M artii anni 1721. Unserer hoch- und vilgeehrter H errn . . . (ohne U nterschrift).“ 3. Q uittung des Michael W aldner, Zolleinnehmers zu M ühlau, vom 14. Februar 1722. „Daß ich Endsunterschribner von dem edlvest- und wohlweisen H errn Johann Peter, Stattschreiber zu Insprugg, zufolge aines von hochlöbl. O. ö . H ofcam er ergangenen gnedigen Bschaids wegen m it verschidenen M aterialien zu Erpauung der neuen P farr­ kirchen daselbsten zu Insprugg über die M illinger Pruggen das ganze Jah r hindurch be- schehenen vilfeltigen Fuhren, benantlichen sechs Gulden, sage 6 fl. für das verwichne 1721. Jah r par eingenomen und empfangen habe, bezeigt dise m it aigner H andunter­ schrift und Petschaft gefertigte Quitung. Actum den 14. Februar anno 1722. D arunter steht: „Daß die M arm blfuhren von H oll bis hier zum Kirchenpau gehörig alle über die M üllinger Pruggen ohne Zohl gangen bezeigt dis C laudi Deleuo.“ Daneben: „ Ja : Michael W aldner, Zoll- und Wöglohneinnemer zu M ila.“ Petschaft aufgedrückt. 5. Vom Fahnengewölbe Im Jahre 1679 ließ die Pfarrkirche „aus irn M itlen ain aigenes Zimer zuerichten“, in dem die Fahnen der H andw erks-Zünfte aufbewahrt werden sollten. Die Zünfte mußten dafür „zu H ilf dessen der Pfarrkirchen jerlich zu G alli ( = 16. Oktober) was zugeben, m it A nfang G alli anno 1679“. In einer Liste w urde dann aufgeschrieben, wie viele Fahnen jede Zunft hatte und welchen Betrag sie dafür zahlen sollte; leider ist nur bei 5 die Zahl und Geldsumme ein­ gesetzt, nämlich: die W irtsbruederschaft, so zween Fahnen haben, 2 fl. 30 kr. die Päckn und M iller, so drei Fahnen haben, 3 fl. die M özger, so 2 Fahn haben, die Schneider, weliche 3 Fahnen haben, 2 fl. 30 kr. die W öber von 2 Fahnen 2 fl. 30 kr. An letzter Stelle steht „Unser Frauen grosse Bruederschaft wegen eines Fahn“, eben­ falls ohne Angabe des Betrages. Nicht eingetragen sind die Fahnen der Goltschmid, M aler, Pildhauer, Glaser, W ax- macher (?), Portenmacher, der Schuechmacher, der Tischler, der Schlosser, der Schmid und Rädermacher, der M aurer, der Zim erleit und der Porbierer. Nach Vollendung des Pfarrkirchen-N eubaues sollte nun dahinter ein G uardaroba-Bau und ein neues Fahnengewölbe errichtet werden. Darüber handeln die folgenden vier Schreiben: 62 1. Schreiben der H ofkam m er an den Stadtm agistrat vom 12. Ju li 1726. „Der O(ber) ö (sterr.) Geheime R at h at aus dem sub 18. passato dahin erstatteten C am eral Parere des mehreren ersechen, wasgestalten auf dero Verordnung, daß denen allhiesigen S. Jacobs Pfarrkirchen Vorstehern hinter dem Gotteshaus daselbst neu auf­ führende Gepeu jüngsthin in Augenschein genommen worden, und die O. ö . Hofcam er in Conform ität des darüber abgefaßten Prothocoli den aigentlichen Befund nebst dero M ainung dahin eröffnet habe, daß es bei disem so vorhabenden Pau jedoch gegen dem sein unbedenkliches Verbleiben haben könte, w ann gegen der H ofburg anstatt den einst­ m alen nachgegebenen 5 und 7 Schuech, nunmehro vornenbei an dem Turn um 14 und hinten um 12 Schuech gewichen und sothaner P laz zwischen disen und der H ofburg not- türftiglich geschlossen w ürde. W arüber nun von gedachten O. ö . Geh. R at sub. 6. curren- tis rescribendo auch kein Bedenken getragen w ird, daß m it so angefangnen Pauw erk in allw eg fürgefahren, jedoch aber, um sich ausser a ll künftiger ansonsten etwo besorgen mögender V erantw ortung zu sezen, denen Pauführern fürdersam aufgetragen werde, daß zu denen beraits ausgestöckten 12 und respective 14 Schuechen noch um ein kleines, in allen wenigst 18 bis 20 Schuech ausmachendes Spatium zurugg gewichen, disem P laz die H ofburg eingeratenermassen angeschlossen und anbei vorderist zu Verhüetung Feuersgefahr, die von dem H ofpaum aister Gumpp anhand gegebene Praecautelen ge­ brauchet, disem letsteren zumalen, dam it so ein, als anderes auf iezt gedachte W eis be- w ürket und genau bevolget werde, die verrers fleißige Inspection aufgetragen werden solle. W ornach dann dises allhero gelangte H ofrescript Bürgerm aister und R at der Statt Innsprugg als Vorstehern gedachter St. Jacobs Pfarrkirchen zu dem Ende hiem it an­ gedeutet w ird, dam it selbe hiernach ein so anders beobachten und bewerkstelligen lassen sollen, massen das hierunter Anbefohlene unter ainstens auch dem H ofpaum aister Gumppen zu wüssen gemacht worden. Actum Yhnnsprugg den 12. Ju li anno 1726. H ofcam er. — J. A. von Coreth — Ferd. Franz Aman — (in der Ecke) Jos. Ant. P az .“ 2. Antwortschreiben an den Geh. R at vom (19.?) Ju li 1726. „An ainen hochansechlich O. ö . Gehaimben R at. Excell(enzen), Excell., Hochgeborn, hoch gnädig, hochgepietende H erren, Herren. Es hat eine hochlöbliche O. ö . Hofcam er uns untertenig gehorsamen Supplicanten an- gestern — (das 1. Schreiben trägt den V erm erk: praesentiert 18. J u li 1726) — die hoch­ gnädige Intention und Verordnung aines hochansechenlichen O. ö . Geh. R ats intim iert, daß m it dem hinter der löbl. St. Jacobs Kirchen neu vorhabenden Q uadrobapau 18 bis 20 Schuech von der H ofburg und daselbs befindlichen Turm zurugs gefahren werden solte. Zumalen w ür aber der untertänigen H offnung gestanden, es würde bei der M ainung ainer hochlöbl. O. ö . H ofcam er und des H errn Paum aister Gumps sein Bewenden haben und genueg sein, da vornenbei an Turm um 14 und hinten um 12 Schuech gewichen wurde, volgsam hiernach bereits der R iß und die A ustailung gemacht, der Grund durch­ aus gelegt, bereits das Gemeir zimlich in die Heche gebracht, und m ithin etlich hundert Gulden aufgewendet worden, also zw ar, daß, wofern derentwillen eine Enderung vor- genomen werden solte, gedacht löbl. St. Jacobs Pfarrkirchen nit nur in einen über- grossen Schaden sinken, sondern auch das Spatium zu dem vorhabenden Pau also zu eng und klein sein würde, zugeschweigen das Gemeir durchaus geendert und widerum en m it grossen Kosten würde miessen abgebrochen werden. Dahero unser untertänig gehorsames Anlangen ist, es bei der von einer hochlöbl. O. ö . H ofcam er abgegebenen M ainung in 63 Gnaden bewenden und m it sotanen Pau, wie selber angefangen, hochgnädig continuie- ren zu lassen. Dahin w ür uns untertänig gehorsam empfelchen. Eur Excell., Excell. untertänig gehorsame N. Bürgerm aister und R at der Statt Yhns- prugg.“ Dabei liegt ein Zettel m it folgendem T ext: „Supplicierenden Bürgermeister und S tattrat allhier m it dem zurukzustellen, daß, ob sich zw ar in allw eg gebühret hette, wegen inverm elten Gebäus disseitig weiterer V er­ ordnung gehorsamst abzuw arten, man gleichwohlen es nunmehro bei dem von der O. ö . H ofcam er nach genomenen Augenschein allhero eröffneten Befund, daß nemlichen vornenbei an dem Turn um 14 und hinden um 12 Schuech ohnmanglbar gewichen werde, jedoch gegen dem w olle bewenden lassen, daß das disem Gebäu ansezende Fah- nengewölb höcher nicht als 24 bis mehrist 25 Schuech hoch aufgeführet, der neue Plaz zwischen disem Gewölb und der H ofburg nottürftiglich geschlossen, und im Übrigen wegen Feuersgefahr, die von dem H ofbaum aister Gumppen an H änden gebende Prae- cautelen gebraucht werden sollen. Signiert den 19. Ju li 1726. — Ant. Franz Tschiderer.“ 3. Schreiben der H ofkam m er an den Stadtm agistrat vom 29. August 1727. „Der O. ö . H ofcam mer ist zu vernemen kommen, sam ( = wie) wurde von Bürger­ m aister und R at der Statt Yhnsprugg das neue Fahnengewölb bei G uardaroba Behausung zw ar in der fürgeschribenen Distanz errichtet, hinentgegen aber zuw ider der in Sachen ergangenen H ofverordnung die Praecaution der M antlm aur ausser gelassen und die Be­ dachung glatt über das Gemeur geführt, nechst dem sogar ain T ür oder Zug gegn dem Schazgewölb aufgeführet. W orauf dann man disorts veranlasset w ird, ermelten Bürger­ m aister und R at der Statt Yhnsprugg hiemit gemessen einzubünden, daß hierunter oballegierter H ofverordnung genaue Folge gelaistet, m ithin alle, w idrigenfals sich erge­ bende V erantw ortung vermiden werde. Actum den 29. Augusti anno 1727. H ofcammer. — (Ja . G raf ?) K üigl (!) — Ferd. Franz Aman — Fel. v. G raben.“ 4. M itteilung der H ofkam m er an die Vorsteher der St.-Jakobs-Pfarrkirche. Dieses Schreiben ging vom Geh. R at an die H ofkam m er — Verm erk auf der Rück­ seite: Zu H änden O. ö . Hofcam er — und von dieser an die Kirchenvorstehung: „Denen Vorstehern der alhiesigen St. Jacobs Pfarrkirchen ad notitiam und m it dem zu bestellen, daß hierunter bereits das Behörige an den O. ö . H ofpaum aister Gumppen sub hodierno erlassen worden sei. Decretum den 28. Novembris 1727. Hofcammer. — Ja . Gr. K üigl — Ferd. Franz Aman — Gf. End • . . ( ? ) Der O. ö . Geh. R at hat des mehreren vernomn, was die O. ö . Hofcam er über dis­ seitige Verordnung nach dem ehevor angehörden O. ö . H ofpaum eister Gumpp puncto des hinter alhiesigen Pfarrkirchen angelegten Fahnengewölbs m itist Communicierung der von dem Bürgerm aister und R at alhero eingestelten Sinceration untern 20. passato guetächtlich anhero berichtet. W orüber dan deroselben hiem it rescribendo angefiegt w ird, nochweilen darauf zu sechn, dam it das von erdeiten Paumeister Gumpp Ohnerin- nerte ohnfehlbar vollzochen werde. Actum Ynnsprugg den 18. November 1727. Der Röm. Kais, und König. Cathol. M ajestät O. ö . Geh. R äte. — Johan W erner A m an.“