Briefe aus Alt-Innsbruck (1461–1873) ==================================== VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK Herausgeber: Karl Schadelbauer NR. 4 BRIEFE AUS ALT INNSBRUCK (1461-1873) VON KARL SCHADELBAUER INNSBRUCK 1952 IM SELBSTVERLAG DES STADT MAGISTRATES VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK Herausgeber: Karl Schadelbauer NR. 4 BRIEFE AUS ALT INNSBRUCK - (1461-1873) VON KARL SCHADELBAUER INNSBRUCK 1952 IM SELBSTVERLAG DES STADT MAGISTRATES Zu den Geschichtsquellen, die in das tägliche Leben ihrer Zeit offensten Einblick gewähren, gehören die Briefe. Während die Urkunden und Akten meist nur über außer- gewöhnliche Ereignisse und Rechtsgeschäfte berichten, erzählen jene auch von den jahrein jahraus gleichbleibenden und daher unbedeutend erscheinenden Vorkommnissen des Alltags, wie sie eben der Schreiber des Briefes und sein Empfänger kennen und erleben. Briefe, besonders einfacherer Leute, sind für die ältere Zeit selten. Nicht nur, daß über- haupt unvergleichlich weniger geschrieben wurden als etwa heute, sie wurden auch, da sie gewöhnlich nur unwichtige Aufträge, Wünsche oder Anfragen enthaltend, nach ihrer Kenntnisnahme schon ihren Wert verloren hatten, achtlos aufbewahrt und meist früher oder später vernichtet. Letzteres gilt in erhöhtem Maße für solche intime Schreiben, die nur für die Person des Empfängers bestimmt waren, wie z. B. Liebesbriefe. Eine Samm- lung alter Briefe, hauptsächlich einfacherer Leute, ist also gar nicht so leicht zusammen- zubringen. Für die Zusammenstellung der vorliegenden kleinen Sammlung wurde daher insofern eine Erweiterung des Begriffes „Brief" vorgenommen, als auch briefartige Schreiben mit Berichten, Gesuche und Beschwerden an den Stadtmagistrat oder dessen obersten Vertreter, den Bürgermeister, aufgenommen wurden, wenn sie nicht eine aus- gesprochen kanzleimäßige Form und Sprache zeigten. Was die bisherige Erforschung des Privatbriefes betrifft, so hat sich ihr der bekannte Kulturhistoriker Georg Steinhausen in hervorragendem Maße gewidmet. Nachdem er eine „Geschichte des deutschen Briefes" verfaßt hatte, gab er in seinen „,Denkmälern der deutschen Kulturgeschichte" in zwei Bänden (1899 und 1907) „Deutsche Privatbriefe des Mittelalters" heraus; der 1. Band enthält 590 Briefe von Fürsten und Adeligen - dar- unter den ältesten in deutscher Sprache von zirka 1305 der zweite 125 von Geist- lichen und 61 von Bürgern. Mehrere Briefe des 1. Bandes beziehen sich auch auf Tirol, so z. B. eine Reihe aus dem Wolkenstein-Archiv im Germanischen National-Museum zu Nürnberg. - Steinhausen war bemüht, den Brief als Spiegel für die Lebensgeschichte" des deut- schen Volkes zu benützen, und erklärte, daß jene privaten Briefe, die die politische und Literaturgeschichte nicht interessieren, eine vortreffliche Quelle für die deutsche Kultur- geschichte darstellen. Schreiben von Privatleuten an den Rat oder die Bürgermeister, sowie Bittschreiben an Fürsten hat Steinhausen bei seiner Briefsammlung ausgelassen, obwohl er zugibt, daß unter diesen Bitt-, Klage- und Beschwerdebriefen nicht selten sehr charakteristische und interessante Briefe" vorkommen. Die Wiedergabe der vorliegenden Briefe erfolgt möglichst wortgetreu, um sie so in ihrer ganzen Ursprünglichkeit wirken zu lassen. Nur unbedeutende Verbesserungen wur- den angebracht und Satzzeichen eingesetzt. Die Raumverteilung des Textes wurde aus Gründen der Platzersparnis kaum berücksichtigt. Zum besseren Verständnis der einzel- nen Stücke wurde jeweils eine erklärende Inhaltsangabe vorausgeschickt. Zu einzelnen alten Ausdrücken, Namen usw. wurden auch Erläuterungen in Klammern beigesetzt. Für jene Leser, die keine Übung im Lesen älterer Texte haben, sei überdies bemerkt, daß die 3 meisten, scheinbar unverständlichen Worte nur durch eine geänderte Schreibweise fremd erscheinen und die Sätze alsbald verständlich werden, wenn man die einzelnen Worte richtig erkennt. Zwischen der früheren und heutigen Schreibweise bestehen so zum Bei- spiel Unterschiede im Gebrauch der Buchstaben b und p oder d und t, wie in Dienst- poten, Prot, Statt (Stadt) usw.; nach m wurde ein b eingesetzt, wie bei frembd, sambt, zimblich (ziemlich); einfaches h wurde als ch geschrieben, wie entziechen, und v für f verwendet, wie Bevelch (Befehl), volglich usw. Ein vorheriges Lesen jüngerer Briefe dürfte auch das Verständnis der älteren erleichtern. Alle Briefe sind mit Ausnahme des ersten, pergamentenen, auf Papier geschrieben. Von den Originalen gehörten die meisten den Beständen des Innsbrucker Stadtarchives an, sind jedoch beim Brande des Archives nach dem Bombenangriff vom 16. Dezember 1944 vernichtet worden. Aus den Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinan- deum stammen die Stücke Nr. 19, 20, 23, 29 und 42; dem dort hinterlegten Briefnachlaß der bekannten Professorenfamilie Zingerle konnte mit gütiger Erlaubnis der Familie das Stück Nr. 41 entnommen werden. Die Briefe Nr. 30-32, 35, 36, 38 und 39 stellte mir Univ.-Bibl. Dr. H. v. Wieser, dem ich für seine Mithilfe bestens danke, aus seinem Familienbesitz zur Verfügung, den Brief Nr. 33 in gleicher Weise Univ.-Bibl. Doktor H. Hochenegg. Nr. 1 1461, Juni 20. Augsburg. Den Augsburger Kaufleuten Jörg Arb und Paul Müller war in Innsbruck Handels- ware, die sie aus Venedig gebracht hatten, mit der Begründung beschlagnahmt worden, daß sie keine Augsburger Bürger seien. Der Rat der Stadt Augsburg schreibt daraufhin an den Bürgermeister und Rat von Innsbruck, bestätigt die angezweifelte Zugehörigkeit der beiden Kaufmänner und bittet um die Freigabe der Waren. Dieses dem ausgehenden Mittelalter angehörige Schreiben wurde auf Pergament ausgestellt. Als Verschluß wurde durch das zusammengefaltete Stück ein Streifen gezogen und das Siegel daraufgedrückt. Adresse auf der Rückseite: „Den ersamen und wysen (weisen) burgermaister und raut (Rat) der statt Insprugk, unsern besondern guten frunden (Freunden)." Text: "Den ersamen und wysen burgermaister und raut der statt Insprugk unsern besondern guten frunden empieten wir die rautgeben der statt Augspurg unser fruntlich, willig dinst bevor. Lieben frund, unser burger Jörig Arb, der kaufman, hat uns erzelt, wie er kürzlich etlich kaufmanschaft zu Venedig, im und aim unserm burger genannt Pauls Müller zugehörn, erkauft und die mainung anhaim zu füren, bis in euer statt gebracht habe, alda im die durch eurer ersamkeit uf mainung, das er nicht unser burger sein sol, aufgehalten sei und uns umb fürdrung (Förderung, Fürsprache) an euch ange- ruft. Wann nun der benannt Jörig Arb, ouch Pauls Müller, baid unser burger, und solich kaufmannschaft yement anderer, dann allain in, als si uns so hoch und teur si, ain warhait sagen sollen, gesagt haben, zugehöret, hierumb wir eurer ersamen wyshait mit allem vlyß (Fleiß) und ernste fruntlich bitten, ir wöllent den vermelten unsern burgern solich ir aufgehalten kaufmanschaft, by euch unverhindert gütlich ervolgen, ledig zelen und sie inmaßen ander unser mitburger und kaufleut pleiben laußen (lassen), als wir denn oun (ohne) zweyfel und in ganzem vertrauen sten (stehen), euer ersamkeit nach gestalt der sach billich wesen und ze tun wol genaigt sein werd, wan wir das umb eurer wyshait und die euern in der gleich merern (mehreren) und minderen sachen verdienen und verschulden können, wollen wir willig und unverdrießlich erfunden werden. Geben uf Sambstag nach sant Veits tag anno etc. LXImo (= 1461)." 4 Nr. 2 1478, Oktober 10. Bregenz. Einer Mode ihrer Zeit folgend, sammelte Eleonora von Schottland (gest. Innsbruck, Nov. 1480), die erste Frau Erzherzog Sigmunds, ähnlich wie der bekannte Ritter Florian v. Waldauf, Heiltümer, d. h. Reliquien. Im Herbst 1478 besuchte der Kaplan Christmann Mutterstatt eine Reihe von Klöstern in den Vorlanden und bat um die Über- lassung von Heiltümern aus dem jeweiligen Reliquienschatz, wofür er Geschenke seiner hohen Frau überbrachte; in Einsiedeln gab er zum Beispiel ein samtenes Meßgewand mit aufgenähtem goldenem Kreuz ab und erhielt dafür ein Dutzend Heiltümer. Die Spender dieser Heiltümer, zumeist Abte, gaben auch Briefe an die Erzherzogin mit, deren sich mehrere erhalten haben. Als ein Beispiel sei der kurze des Abt Johannes von Bregenz mitgeteilt: Adresse auf der Rückseite: „Der durchluchtigen, hohgebornen furstin und frouen, frou Elieinor, ertzhertzogin zu Österriche etc. miner genadigen frouen." Text: "Durchluchtige, hohgeborne furstin und gnadige frou. Min diemütig gebet und was ich liebz und gutz vermag mit aller erbietung (Ehrerbietung) sye (sei) euer gnaden zuvor berait. Gnädige frou, alz dann eurer furstlich gnad den ersamen hern Cristman Mutterstatt zu mir gesandt haben etlich hailtumb mitzutailen, demnach hab ich in eurer gnaden zu gefallen über alles hailtumb gelassen und etlich species und artigkel mit im getailt, alz er die gar aigenlich ingeschrift hant (d. h. die er eigens bezeichnet hat). Denn w(a)z ich des und anders hett, das eurer gnaden gefellig wär, wellt ich zu der billichait gern mit euren gnaden tailen und bitt eurer fürstlich (gnaden) och mich und min gotzhus (=Gotteshaus) lassen bevolhen (= befohlen sein). Dez wil ich in minem pet (= Gebet) gegen gott und in zit (= Zeit) umb euer fürstlich gnad verdienen. Geben uf Samstag vor sant Gallen tag anno domini etc. LXXVIII. (= 1478). Eurer fürstlichen gnaden undertaniger, williger caplan, Johannes abbt zu Bregenntz." Nr. 3 1538, Mai 21. Schloß Friedberg b. Hall. Die Gebrüder Caspar, Balthasar und Christoph, die Füger von Friedberg, richten an den Richter, Bürgermeister und Rat der Stadt Innsbruck folgendes Empfehlungsschrei- ben, in dem sie bitten, den Überbringer desselben, einen Weber Andre Kraus, als In- wohner (d. i. eine Vorstufe des Bürgers) aufnehmen zu wollen: Adresse auf der Rückseite: „Den ersamen, weisen N. Richter, Burgermaister und Rat der Statt Ynsprugg etc." Text: „Ersam, weis, freuntlich, günstig, lieb Herren etc. Es ist an heut dato Andre Kraws, Zaiger ditz Priefs zu uns kumben und gebeten ime (ihm) eine Furschrift (d. i. ein Empfehlungsschreiben) ze geben an Eur aller Weishait mit Anzaigung, wie er willens hinfuran bei dem Weber Handwerch zu beleiben und das ze arbaiten, auch sover (sofern) in (ihn) E(ur) W(eisheit) in Gnaden wolltet bedenken und zu ainem Inboner (Inwohner) aufnemen, sich alda bei der Statt Ynsprugg niderlassen und enthalten dargegen alles das tuen und lassen, das ainem eerlichen Inboner und Landman eerlichen wol anstet und ze tuen geburt. Dieweil er dan solliches eerlichen Furnemens (Vornehmens) und sich ain Zeit her pei uns mit Diensten in Kriegen und anhaimb (d. h. zu Hause) eerlichen, frumbklichen (fromm) und wolgehalten, ist derhalben unser freuntlich Pit und Begeren an Eur aller Weishait, ir weltet im von unserent wegen genedigen, günstigen Willen erzaigen, auch unser Furschreiben geniessen lassen, wellen wir Gebrueder umb Eur aller Weishait zu verdienen geflissen sein. Actum Fridberg am Erichtag nach dem Suntag Cantate anno etc. 1538. Guetwillige Caspar, Balthauser und Cristoff die Fueger, Gebrueder zu Fridberg." 5 Nr. 4 1543, September 16. Simmering. Der Innsbrucker Bürger Hans Altenstaig war mit 32 Knechten der Stadt und Bürger- schaft ,,zu Widerstand dem Türken" nach Ungarn geschickt worden, wo sie dem Fähn- lein des Ritters Arbogast von Annenberg, der Obrister und Hauptmann des gesamten tirolischen Kriegsvolkes in Ungarn war, unterstellt wurden. Zwei kulturhistorisch wert- volle Berichte, die Hans Altenstaig im September 1543 aus dem Feldlager an den Bür- germeister und Rat der Stadt Innsbruck sandte, haben sich im Stadtarchiv erhalten. Mitte Oktober 1543 schickt sich die Innsbrucker Mannschaft zur Heimreise an und erhält von ihrem Obristen das Zeugnis, daß sich alle sunder und samentlich, wie frummen, erlichen Kriegsleuten gebürt, die Zeit ihres Dienst wolgehalten haben". Der Goldschmied Hans Altenstaig aus Ulm erhielt nach K. Fischnalers Innsbrucker Chronik, V, 44 - 1531 das Bürgerrecht, 1550 den Hofgoldschmiedtitel, war 1549 Bürgermeister und in den Hofkreisen bis zu seinem um 1561 erfolgten Tode vielfach beschäftigt. Sein erster Bericht aus Simmering lautet: - Adresse auf der Rückseite: „Den vesten, furnemen, ersamen und weisen N. Burger- maister und Rat der Statt Ynnsprug meinen günstigen, lieben Herren und Freunden Ynnsprugg." Text: »Vest, furnem, ersam, weis gebietend Herrn und Freunt. E(uer) E(rsam) W(eis) tue ich mit Reverenz zu vernemen, daß wir am Freitag (14. Sept.) um die zwai Ur zu Wien mit Freidn, glücklich und wol, Got hab Lob, ankomen sein, alda von stundan (d. h. sogleich) E. E. W. Bevelh (Befehl) nach zu dem Herren von Vels samt dem Schreibn verfügt, mit Überantwurtung desselben erzaigt, darauf uns sein Gnad zu furiern (d. h. Quartier zu nehmen) befohln, mit disem Beschaid in den Losamentn (d. h. Wohnungen) zu wartn, bis daß das Vendl (Fähnlein) kome, das dann erst am Samstag (15. Sept.) um zwai Ur ungeverlich (d. h. ungefähr) zu Wien ankomen, alsdan under dasselb zu stossen. Das beschechen und noch den selbn Abent vort ain Meil Wegs fur (vor) Wien aus in ain Dorf zu Simerynng genannt, samt dem Vendle verrückt; alda lign mier bis auf weitern der Kn. (Königlichen) Mt. (Majestät) Beschaid etc., dann es ist gwiẞ die Sag Kn. Mt. werde am nechsten Erchtag (d. h. Dienstag) perschöndlich mit allem Hör (Heer) und Kriegs Rüstung, des dann schon alls in Ordnung ist, von Wien verrückn. Wo aus oder was werdn wirt, ist mier nit Wissen, wiewol die gmain Sag sei, die Kn. Mt. werde samt den Beham (Böhmen), Schlessiern und Marchern (Märkern), deren in die achtzig tausend Man sein auf Preßburg und Altnburg zue, daselbst zwo Leger (Lager) zu schlachn. Was aber werdn wirt, das welln wier Got beveln. Die Hungern (Ungarn) solln gwiß in die sechzig tausent stark zu Altenburg lign und Kn. Mt. Ankunft wartn. Die Telliener (wohl Italiener) seien an gestern aus dem Fleckn, so um Wien gelegn allenthalbn auf Breßburg zu verrückt. Dan das Gelz halbn (des Geldes wegen), so auf unser Parteien gehörn, wirt, wie mier E. E. W. nacher zu schickn zuegesagt. Ist derhalbn mein fleissig Begern E. E. W. welle mich auf die Zeit der Bezalung nit seimig (säumig) sein, dann mier habn gar schlechte Mal (Mahlzeiten) um zechn und zwelf Kreizer bezaln müessen und nichts guets zu trinkn auch. Erger Trank nie als zu Wien durchaus getrunkn. Das zu besorgn, die gemain Pursch (Burschen) werdn mit der Besoldung pald an Poden komen und des Monats hart erwartn, aber die Thuenau (Donau) tuet vil guets an uns. Nun aber hab ich mit dem Postmaister alhie, Paul Wolzogen, hinder sant Michel ge- sessen, geret (geredet), wo im was von Insprugg an mich, der mein Namen aufgezaichnet hat, zu kemen, das ers miers zueschicket, ders dann aller past (allerbestens) tuen kann, ist auch gesessen und stathaft, daß nicht in solhm Vall was zu besorgn; gebetn, daß er mier zu tuen in Beiwesen (im Beisein) Jörgn Seyssenhoffers (es war dies der bekannte 6 - Innsbrucker Harnischmeister) zuegesagt hat. Derhalbn, wo E. E. W., der ich in dem Vall kain Ordnung gebn will, andere Weg etc. nit habn kundn (könnten) das Gelt daher zu ordnen, dabei versich ich mich des gwislich (gewiß) habhaft zu werdn. Die Pursch halt si wol etc. E. E. W. will ich mich bevolhn habn. Datum Symering den XVI. Tag Septemberis anno etc. 1543. Jar. E. E. W. guetwilliger Hans Allttenstaig." Nr. 5 - 1543, September 25. Im Lager vor Preẞburg. Zweiter Bericht des Hans Altenstaig aus dem Türkenfeldzug siehe Nr. 4. Nach einer Schilderung der Ereignisse seit dem ersten Schreiben bittet er auch hier wieder, der Rat möge mit der Nachsendung des Soldes ja nicht säumig sein. „V(est), furnem, e(rsam), w(eise), günstig, lieb Herren und Freund, mein ganz guet willig Dienst zuvor. E. E. W. habe ich verschiner (vergangener) Tage von Simeringen aus, wie E. E. W. ungezweiflter Hoffnung vernomen, was die gemain Sag gewest, ge- schriben. Nun sein mir samt dem tirolischen Ve(n)dl (Fähnlein), darunter wir gestoßen, desselben tags und den negsten auf Bresspurg zue verrückt und den 19. Tag Sebtembris gegen Bressburg über auf der Saiten herdishalb der Thuenau (Donau) als die ersten glücklich und mit gueten Wetter, Gott sei Lob, ankomen und bis auf heut daselbst das Leger, daran man noch ligt, geschlagen und bis auf heut dato 14 Vendlen teutsche Knecht ankomen; so sind bei 2000 Geraisigen an die Ostereicher, Steirer und Kerner (Kärntner), auch Mercher, die in die 40000 stark und im Anzug sein; so sein die Pechaim (Böhmen) 50000 stark zu Bresburg ankomen. Die Telianer (wohl Italiener) der 14 Vendl sind auch in unserem Leger. Die Kön. Majestät ist den 20. Tag perschendlich zu Brespurg an komen und seiner Majestät Gezelt ist in unserem Leger schon aufgeschlagen, vermaint alltag samt dem anderen Kriegsvolk sich herab zu legeren, was alstan daraus werden oder wo man hin ziechen wirt, ist noch in der Veder (?), wiewol die gemain Sag ist, der Thurgg (Türke) sei über die Tauenau (Donau), wart unser hart, auch von Offen (Ofen) bis gen Best (Pest) brugt (wohl: Brücken schlägt) und 3 stark Haufen gemacht, darzue die Flecken Gran, Offen, Best, Weissenwurg, Fünffkirchen samt anderen, so er eingenomen hat, stark besetzt und wider vervestnet (befestigt), das nit wol miglich (möglich) ist an die Hilf Gottes, was wider zu eroberen aber nicht dest weniger soll die Kön. Majestät, im dem Turgen under Augen ziechen und mit im schlagen; wo er aber nit bleibt fur Gran und da selbst zu stürmen und wider zu er holen Fürnemens ist (sich vorgenommen hat). Gott verleich uns allen Gnad und Barmherzigkait. Es ist auch die Sag die Kön. Maj. samt dem ganzen Legr werde in acht Tagen noch tato (= dato, d. h. von heute an) aus dem Leger auf Gamoren (Komorn) zue verrücken und nachmals hinab gen Gran. Gott woll uns Glück und Hail zu der Rais verleichen. Dan der Bezalung halben will ich E. E. W. gar freundlich beten haben, wellet nit semig (säumig) damit sein, dan das Gesünd (Gesinde) schart waidlich am Poten und komen auch vir (für) und vir um Lechen (d. h. Anleihen); tue auch imerzue das Best, als langs werden mag, wo es aber nit beschechen wirt, ich mit samt inen in Nachtail komen. Wir haben uns habt verzört und verzogen, aber jezt get es hin, is Profant (Proviant) gnueg auch um ain zimlichen (d. h. billigen) Pfening verhanden. Will mich hiemit E. E. W. in pesten bevolchen haben. Datum im Leger gegen Bresspurg über den 25. Sebtembris anno etc. XLIII. E. E. W. ganz guetwilliger Hans Altenstaig." 7 Nr. 6 - 1584, Jänner. Innsbruck. Der Maler Hans Vogler aus Zürich, ein Sohn jenes Hans Vogler, der das Münzwerk zu Hall aufrichtete, sollte als Fremder binnen 6 Wochen den Burgfrieden der Stadt Inns- bruck verlassen. Er wendet sich nun an Kardinal Andreas von Österreich, den Sohn Erzherzog Ferdinands II., dem er eine hl. Katharina gemalt hatte, mit der Bitte um eine weitere Aufenthaltsbewilligung, da er erst geheiratet habe nach K. Fischnalers Inns- brucker Chronik V, 246, heiratete er 1583 die Judit Widmann - und ihm Herr Schrenk (von Notzing) wie auch der fürstliche Leibbarbier Arbeit gegeben hätten. Der Hof- maler Baptista Fontana (aus Ala, gest. 1587) habe ihm unter dem Versprechen einer anderen Arbeit befohlen, diese Aufträge bleiben zu lassen. Arbeit habe er zwar dann keine erhalten, dafür sei aber dem Erzherzog vorgelogen worden, daß er keine Lust habe, für ihn zu arbeiten. Vogler erhielt am 9. Februar 1584 die Bewilligung, bis Georgi, d. i. zum 23. April, in Innsbruck bleiben zu dürfen. Auf ein früheres Gesuch an den Erzherzog hatte er keine Antwort erhalten. "Hochwirdigister, durchleuchtiger, hochgeborner, gnedigister Fürst und Herr. Als ich hievor der Fürstlichen) D(urchlauch)t etc. eur hochwirdigist F. G(naden) gnedigisten, geliebtisten Herrn Vatern undertenigist clagend fürgebracht, wie daß mir durch Bürger- maister und Rat alhie zu Ynsprugg, inmassen dann gegen andere herkomne Personen mer beschehen, auferlegt worden, in sechs Wochen aus dem Burgfriden zu ziehen, und daneben untertenigist gebeten, mir, als aim jungen Haushaber, der sich alhie neulicher Zeit verheirat, Hofarbeit gnedigist ervolgen oder mir noch ain Zeit lang, bis ich meine Sachen in ander Weg richte und mich samt Weib und Kind mit Frumbkait (Frömmig- keit) und Eern (Ehren) ernörn müge (ernähren möge), alhie sein zu lassen, gnedigist zu bewilligen etc., ist mir darüber noch bisher kain Beschaid ervolgt. In mitler Weil ist mir durch den Herrn Schrennckhen und Irer Dt. Leibparbierer bevolhen worden, die Tüecher im Beheimischen Haus malen zu helfen. Dem hab ich gehorsamlichen nachkom- men wellen; wie ich dann derselben schon zwai angefangen zu untermalen, des der Herr Schrenckh gesehen, und als er aber darvon wider weg gangen, hat Irer F. Dt. Hof- maler Baptista Fontäni mir bevolhen die Tüecher bleiben zu lassen und er well mir sonst seiner Arbait aine geben. Dardurch bin ich von der Arbait kommen und er, Fon- täni, hat mir auch kaine geben. Nach solchem ist mir fürkommen, wie daß Irer Dt. an- gezaigt worden sei, ich habe vermelt, es lust (gelüste) mich nit Irer Dt. zu arbaiten. Das ist mir in meine Gedanken nie kommen, sondern hab mit göttlicher Warhait zu melden jeder Zeit Lust und Liebe darzue gehabt und derselben zu mermaln undertenigist be- geret, wie dann noch mein undertenigists Biten ist und derwegen Irer Dt. ain Stückl von sant Katharina, darob Ir Dt. ain gnedigists Wolgefallen gehabt, ausgemacht und gehor- samist vereert. Und da mich nun der Fantäni die zwai angefangnen Tüecher im Behei- mischen Haus ausmachen het lassen, würde die F. Dt. alsdann gnedigist gesehen haben, was mein Arbait gewesn wäre. Und so die nit recht gwest, würde es Irer Dt. nit vil Schaden gebracht haben, het mir auch nit dürfen bezalt werden. Demnach ist mein durch Gott ganz undertenigist Anruefen und Biten, eur hochwirdigist F. Gn. wellen mich gegen der mer hochgedachten F. Dt. gnedigist entschuldigen, dann ich solcher Reden, die mir aus unverschuld(e)tem Haß meiner Mißgünner mit Ungrund zu Nachtail erdicht und fürgeben worden, mit göttlicher Warhait zu melden nie gedacht, geschweige dann gered. Daneben auch ain gnedigiste Fürbitt tuen, daß mir Ir F. Dt. ain Hofarbeit gne- digist verschaffen oder da solches, des ich mich doch in Undertenigkait nit versich, nit Fueg haben mechte, alsdann gnedigist bewilligen und Verordnung tuen wellen, daß ich noch ain Zeit lang mein Gewinnet, so lang, bis ich (an) andern Orten mit Arbait under- 8 kommen kan, alhie haben und mich samt Weib und Kind mitler Weil vor Hungersnot erretten müge. Daran erweisen E. Hochw. F. Gn. auch zufedrist (zuvorderst) die F. Dt. Gott dem Allmechtigen ein wolgefelligs Werk der Barmherzigkait, der es auch hie und dort reichlich vergelten wird. Tue mich damit E. Hochw. F. Gn., auch Irer F. Dt. zu gnedigister Bedenkung meiner obligenden Not und daß auch mein Vater, weiland Hans Vogler selig, das löblich, nützlich Müntzwerch zu Hall aufgericht, undertenigist zu Gnaden bevelhen. E. Hochw. F. Gn. underthenigister Hans Vogler, Maler." Nr. 7 1598, Jänner 12. Hall. Als die Stadt Augsburg daranging, die Apothekenordnung zu reformieren und eine neue durch den Dr. med. Martin Holzapfel in Druck legen zu lassen, da erkannte die Innsbrucker Regierung, daß auch für die tirolischen Apotheken eine bessere Ordnung dringend notwendig sei, und berief verschiedene Doktoren zu einer Beratung darüber. Auch der Haller Damenstifts- und Stadt-Arzt Dr. Andreas Scholl wurde aufgefordert, am 14. Jänner um 7 Uhr früh hiezu zu erscheinen. Nach der abschriftlich erhaltenen Antwort bestätigte er umgehend den Empfang der Einladung am 10. Jänner mit der Beifügung, daß er ihr „von Herzen gern" nachkommen will. Zwei Tage nachher sandte er an den Innsbrucker Bürgermeister jedoch den folgenden Absagebrief: ,,Ernvester, fürsichtiger und weiser, lieber Herr Bürgermaister. Dem Herrn sei mein geflissen, willig Dienst und Grues, hechster Fleiß zuvoran. Der Herrn an mich getanes Schreiben, in dem sie mich auf den 14. Tag dis laufenden Monats umb 7 Uhr vor Mittag zu inen in den Rat zu erscheinen begern, hab ich empfangen, füeg darauf Euch Herrn zu vernemen, daß mir in der Warhait nichts liebers, dan das ich gedachtem Schreiben gemeẞ erscheinen kündte (d. h. könnte). So bin ich aber noch dermassen mit Leibes Schwachait beladen, daß ich mich gar nit von Haus zu raisen getraue. Bit ganz freund- lich mich deswegen für entschuldigt zu halten, mich daneben den Herren und uns alle dem lieben Gott bevelchend. Hall, den 12. Tag Januari 1598. - D(er) H(erren) dienst- und guetwilliger Andreas Scholl, Medicinae Doctor." Nr. 8 1677, August 24. Wilten. Der Abt des Prämonstratenserstiftes Wilten, Dominikus Löhr (geb. Mutters, 1601, gewählt 9. Jänner 1651, gest. 11. Mai 1687), der Erbauer der Stiftskirche in ihrer heuti- gen Gestalt, ladet den Bürgermeister und Rat von Innsbruck zu seinem goldenen Prie- sterjubiläum ein. Adresse auf der Rückseite: „Denen edl, ernvest, weisen Herren N. N. Purgermaister und Rat der löbl. erzfürstl. Residenz Statt Ynnsprugg etc., meinen geehrt gliebten Herren." Text: "Edl, ernvest, weise, großgünstige, gliebte Herrn etc. Demnach ich anno 1627 den 6. Juni mein erste Primitias oder h. Möss gehalten, nun aber durch absonderliche Gnaden Gottes mit dem erraichten 1677. die 50 Jahr meines Priestertums volendet, und weilen ein uralter Gebrauch in der christlichen Kirchen, daß wann ein Priester soliche Jahr erraicht, man widrumben mit ainer Solemnitet die ander, wie mans pflegt zu nenen Primitias zu holten. Weilen dan auf allergnädigstes Gefallen unsers allergnädigsten Kaisers dise Solemnitet der h. Jubilaei Möss auf den 5ten Tag, 9 als den ersten Sonntag negsten Monats Septembris angestelt, derowegen habe ich Nacht- paurschaft (Nachbarschaft) halben und anderen Corespondenzen, so das Gotshaus Wil- tau und löbl. Stattrat vilmalen mit einander haben, nit wollen unterlassen selbigen auch freindlich hierzue einzuladen, erstlich um 8 Uhr die Predig, alsdann das h. Amt der Möss beizuwohnen; nach Vollendung desselben mit ainer Suppen bei unserm Wirt im Leithaus mit andern Herren, so gut mans wirt haben, Verlieb zu nemen. Solicher Favor (Gunstbezeigung) stet mir zu begebenter Zeit zu erwidern und zu ersezen. Verbleibe anbei meiner geehrt, gliebten Herren dienstbiflissner Dominicus Abt. Closter Wiltau, 24. Augusti anno 1677." Nr. 9 1678, Anfang März. Innsbruck. Der Post-Briefausträger Michael Prantl schildert in einem Schreiben an die geheimen Hofräte seine mageren Einkünfte aus dem Postbetriebe und bittet, damit er seine Familie leichter erhalten und sich eine Wohnung in der Nähe der Post mieten könne, um die Bewilligung, nebenbei das Kramergewerbe ausüben zu dürfen. Adresse auf der Rückseite: „An der Röm. Kais. und Kön. Majestät denen hoch- und wolgebornen Herrn, Herrn gehaim und Deputierten Hofrät der Ober- und Vorder Österreichischen Lande etc. untertenig, gehorsames Anbringen und Bitten von Michael Prantl, Post Briefaustrager alhie zu Insprug." Text: "Hoch- und Wolgeborn, wolgeborn, genedig, hochgebietende Herrn, Herrn etc. Eur Ex(cellenzien) und Gnaden etc. gehorsamlich zu hinterbringen ursachet, dieweilen bei alhieig Kais. Postamt wissent, daß ich nit allein anvorhero 12 Jar lang reitender Postknecht, sondern auch anjezt andere 12 Jar für ainen Post-Briefaustrager bei Tag und Nacht untertenig und gehorsamlich gebraucht werde und kuntpar (verkündbar), daß derentwill von löbl. OO. (Ober-österr.) Hof-Camer etc. ich für das ganze Jar nit mehr als ainen Gulden Ergözligkeit (d. h. Vergütung) habe, welche mir aber nur allainig von wegen der Reichs- und welschen Postversöchung ertailt wird, und um Willen der jüngst neu aufkumenen Wiener Post, die mir Gott wais, vil Miehe und Arbeit samt grosser Sorg ursachet, des ganzen Jars nit ainen Kreizer von gnädigster Herrschaft Nuzung hab, obwolen ich in jetwederer Wochen selbervolgente Post frue und spat, zu Zeit halb und ganze Nächt, darauf wachtpar zuewarten mues, damit jene Brief jetsmal schleinig an die Gehör (d. h. dorthin, wohin sie gehören) eingelifert werden, wie ich dan ganz obbemelte Zeit hoffentlich allmalig schuldig untertänig, gehorsamlich, unclag- bar eingeraicht habe und noch also des untertänigen, gehorsamlichen Erpietens bin, wann aber, gnädig und hochgebietende Herrn, ich, Gott waiß, bei so gar klainer Nuzung mich samt Weib und Kind gleichsam nit mehr zu erhalten oder hindurch bringen kan, in- massen solich meine Kinderl nach und nach erwaxen und was mehrers brauchen, die ich auch in etwas erlernen lassen solle, damit sie heut oder morgen auch ir notwendiges Stickl Brot in Ehrn gebür (gebührend) ergwinen möchten. Von welich obernent mein zu wenigen Gewingnus (Gewinn, Einkünfte) mir zu schwer fallen will, und von selbsten ebenfals nit bemitlet, daß ich mich alhier mit bürgerlichen Recht einverleiben könte, daß mitlst solchen ich ain weniges Gwerbl mich unterfangen gedörfte, warvon ich ausser der Posttäg zu mein und der meinigen Erhalt, einen was mehr verhilflichen Nuzen suchen könte, allweilen zu eiferiger Verrichtung meines Diensts ich nachent (nahe) bei der Post haushäblich sein (die Haushaltung haben) mueß, damit meniglich wegen Nachfragung der Brief, von mir, was fürderlich gewilfehrigt werde, und aber derentwill ich mich was hoch an Zinsen, aus Mangel ainich in der Nechne habente Gelegenheit, einschlagen 10 miessen, so mir aber unausbringlich fallet, allweilen auch dise Neuerung nit unlengst aufkumen, daß, was im Land die Brief zu verbleiben, ohne Zahlung expediert neben anderen der Menig (Menge) einlaufenten Particular Briefen, die auch nit bezalt werden, ich um vil desto wenigere Nuzung habe, als was andere Brieftrager gehabt, und also gleichsam benötigt wegen des mir zu hoch unerschwinglichen Zins mich vor die Statt hinaus in ein schlecht und geringes Hörberig (Herberge) nothalber zu begeben, welches aber der Post oder denen, die sich solcher stets bedienen nit wol fueglich sein würde. Also langt solchemnach Eur Excellenzien und Gnaden mein untertänig gehorsames Bitten, die geruchen in Gnaden mit dero hochen Authoritet bei der löbl. Bürgerschaft sovil zu vermitlen, daß mir neben meines Diensts zu desto leichter Weib und Kints Erhaltung ain weniges Cramer Gwerbl verginstiget und zuegelassen werde, damit ich mich fürdershin annoch zur eiferigen Postsbedienung alda in der Nöchne mit der Woh- nung aufhalten und nit notwendig verer (ferner) davon begöben gedörfte. Zu welich hochgnädiger Gewehr (Gewährung) mich untertänig gehorsamlich empfilhe. Eur Excel- lenzien und Gnaden untertänig gehorsamer Michl Präntl, Post-Priefaustrager." Nr. 10 1692, Juni. Innsbruck. Der Goldschmiedgeselle Georg Zeller, ein Innsbrucker Bürgersohn, kehrt in die Stadt zurück und bittet die Stadtobrigkeit, einen eigenen Laden aufmachen zu dürfen, da ihn die übrigen Gold- und Silberschmiede nur in einem der ihrigen arbeiten lassen wollten. Er habe sein Meisterstück schon vor fünf Jahren gemacht und sei zwölf Jahre in der Fremde gewesen. Die Zunft erklärte darauf, daß Zeller als ledigen Standes" einen eigenen Laden führen wolle, sei „schnurgerad" gegen das Privilegium, nach dem jeder, der als Meister anfangen will, „ein ehrlich Weib haben (soll), also daß er ehrlich zu Haus sei oder ein Wittiber". Der Brief ist von einem Schreiber sehr sauber geschrieben und trägt nur Zellers eigenhändige Unterschrift. Adresse auf der Rückseite: »N. Bürgermaister und Rat löbler. Statt Ynnsprugg ge- horsames Memoriale von mir Georgen Zeller, Goldschmidgesöllen." Text: ,,Wohlehrnveste, wohlweise, großgünstige, gebietende Herren. Demnach ich mich bei meiner vor ungefehr 3 Wochen, Gott Lob, glicklich erfolgter Wideralherokunft bei alhiesigen Herren Gold- und Silber-Schmiden um ain Arbeit gebihrend angemeldet, von denen selben aber, weilen sie bereits mit Gesöllen genuegsam vorgesechen waren, dermalen nichts erhalten könen, habe ich besagte Herren Gold- und Silber-Schmid auf Guetbefinden meines lieben Vatern gebeten, bei solcher Beschaffenheit mir gleichwohlen zu verwilligen, daß ich auf ainiche Zeit alhier mein Arbeit in ainich bestellenden Laden fir mich selbsten verrichten dörfte, woriber sie zwar kein Bedenken gehabt, jedoch daß ich in einem ihrigen Laden neben anderen arbeiten solle. Gleichwie aber großgünstige, gebietende Herren mir mit solcher Condition gar nit gedient were, son- dern ich einer apart Werkstatt fir mich allein zu arbeiten verlangete, also nim zu Euer Vöst- und Weisheit mein gehorsame Zueflucht und Bite, großgünstig zu geruchen und zu verwilligen, sintemalen ain solches sowol jenigen, so in dieser Kunst begriffen, als anderen verstatet wird, daß ich auf ainiche Zeit alhir, also lödigen Stands und bis ich mich nach meiner Gelegenheit verehelichen möchte, in einem bestellenden Laden mein Arbeit allein machen dörfe, allermassen ich mich dann großgünstiger Wilferigkeit umso mehrers getröste, aldieweilen ich nit nur allein ein Bürgers Kind und mich jeder Zeit aufrecht und rödlich verhalten, auch mich schon 12 ganze Jahr lang in der Fremde auf- gehalten, zumalen vor 5 Jahren alhier bekantermassen das Maisterstück gemacht, Euer 11 Vöst- und Weisheit und mehrerholten Herren Goldarbeitern alhier vorgelegt, welches daraufhin von denenselben allerseits approbiert und fir angenem gehalten worden. Mich mithin, wie alle Zeit, Euer Vöst- und Weisheit gehorsamlich empfelhend und ver- bleibend, Euer Vöst- und Weisheit untertenig gehorsamer Georg Zeller, Goltschmit Gesel." Nr. 11 1718, August Ende, Innsbruck. Der Schuhmacher Jacob Schirpf bittet seines Alters wegen einen Gesellen halten zu dürfen, was ihm die Zunft verweigern möchte, weil er nicht darin eingekauft sei: Wohl edl geborne, edl veste, wohl weise, großgnädige, gebietende Herrn, Herrn. Eur Vöst und Weisheit etc. werde clagend vorzustöllen bemießet, wie daß mir die alhieige Stattmaister des Schuechmacher Handwerchs dem Vernemben nach meinen in der Arbeit habenden Gesöllen nit mehr gedulten, sondern solichen aus Ursach, daß ich in dem Handwerk nit eingekauft, abschaffen und mir andurch als einen 68 jehrigen, paufölligen Mann mein Stück Prot entnemben wollen. Wann nun Eur Vöst und Weis- heit etc. schon in die etlich und 40 Jahr dise Profession alhier getriben und mir nihe- mahlen (niemals) einiche Hinterung beschöchen, ohngeacht ich schon vormohls einen Gesöllen gehalten. Derohalben so gelanget an Eur Vöst und Weisheit mein gehorsambes Bitten, die geruhen nit nur allein in Ansöchung, daß ich schon bei 5 Pfarrmößmayrn alhier in dem Pfinztag (Donnerstag) Ambt ged(i)enet, sondern auch, daß weilen ich ein so alt erlöbter paufölliger Mann mein Stück Prot ohne haltenden Gesöllen nit mehr verdienen kann, auch vorderist, daß weilen in so lang angestandner Zeit nihemahlen nit das Geringste movieret (beanständet) worden, mir zu verwilligen, daß ich meinen habenden Gesöllen halten möge, und da etwann disfahls wögen den Einkaufgelt einiches Bedenken, ohngeacht solches von mir nihemahlen verlanget worden, obhanden sein solte, so obligiere (verpflichte) mich solches nach Verlangen zu erlögen. Zu hocher Bit Gewehr mich gehorsambst empfile. Eur Vöst und Weisheit etc. gehorsamber Jacob Schirpf, Schuchmacher alhier." Nr. 11 1718, August Ende. Innsbruck. Als im Mai 1717 der Gubernator Herzog Karl Philipp von Pfalz-Neuburg Innsbruck verließ, wobei er angeblich den bekannten Zwerg Perkeo nach Heidelberg mitgenommen haben soll, ging man gerade daran, die alte Pfarrkirche gänzlich abzubrechen, um den heutigen Bau aufzuführen. Das Gnadenbild wurde für die Zeit des Neubaues in die Spitalskirche gebracht. Für die feierliche Einweihung der neuen Kirche und die Rück- lieferung des Bildes am 9. und 10. September 1724 war nun auch der ehemalige Guber- nator eingeladen worden. Er entschuldigt aber sein Fernbleiben mit der Anwesenheit und der bevorstehenden Ankunft hoher Gäste von seinem, durch den im Versailler Stil angelegten Garten berühmten Schloß Schwetzingen (bei Mannheim) aus durch folgendes Schreiben: Adresse auf der Rückseite: „Denen würdig und hochgelehrten, auch ehrsamen, unseren, lieben, besonderen N. N. geist- und weltlichen Vorsteheren der St. Jacobs Pfarrkirchen zu Insprugg. Insprugg." - Text: "Von Gottes Gnaden Carl Philipp Pfalzgraf bei Rhein, des heil. Röm. Reichs Erzschatzmeister und Churfürst in Bayern, zu Jülich, Cleve und Berg Herzog, Fürst zu Mörs, Graf zu Veldentz, Sponheim, der Marck und Ravensperg, Herr zu Raven- stein, etc. 12 Unseren gnädigsten Gruß zuvor, würdig und Hochgelehrter, auch Ehrsame, liebe besondere! Uns ist aus Euerem Schreiben vom 1. dieses sonderbar (d. i. im Sinne von ,besonders') lieb zu vernehmen gewesen, wasmaßen daige St. Jacobs Pfarr Kirch wieder neu aufgebauet und soweit zum Stand gebracht worden, daß nicht allein nechstens der Gottesdienst darin gehalten, sondern auch am 10. künftigen Monats Septembris das Gnadenbild Maria-Hülf aus der Spitalkirchen processionaliter wieder dahin gebracht werden solle. Nun erstatten wir Euch für die uns hierab gegebene Nachricht gnädigsten Dank und würde uns nichts Liebers gewesen sein, als wann wir sothaner Procession und Begleitung gedachten Gnadenbilds hetten beiwohnen mögen. Gleichwie wir aber teils wegen einiger dermalen allhier anwesender und teils noch erwartender hocher Herren Gästen und fürstlichen Personen daran verhindert werden, also haben es Euch in gnä- digster Antwort hiemit nicht verhalten wollen und verbleiben Euch anbei mit Gnaden wohlbeigetan. Schwetzingen den 21. August 1724. Carl Philipp (eigenhändige Unter- schrift)." - Nr. 13 1787, April 14. Wien. Der Stadtspitalskaplan Ignaz Schwaigkhofer ist im Juli 1786 aus seinem Amte aus- getreten. Die Neubesetzung der Spitalskaplanei bereitete dem Magistrat offenbar im Zusammenhang mit den von Kaiser Josef II. verfügten Änderungen in der Pfarreintei- lung Schwierigkeiten. Um nun sein Patronatsrecht zu bewahren und einen gewissen Ambros Maria Voglsanger, den Sohn einer verdienten Bürgersfamilie, auf den Posten zu bringen, bediente sich der Magistrat eines Agenten in Wien namens Joh. Christian von Müller, der höheren Ortes die Sache des Magistrats zu fördern hatte. Aus der Zeit von April 1786 bis April 1787 sind 13 Briefe erhalten, in denen der gen. Müller einer- seits den Empfang der Schreiben des Magistrats bestätigt, andererseits über den Fortgang der Verhandlungen berichtet. Der letzte dieser Briefe, die jeweils von einem Schreiber sauber geschrieben und von Müller nur unterschrieben wurden, an den Bürgermeister Schwaighofer gerichtet, lautet: "A Monsieur Monsieur de Schweighoffer, Bourgmaitre de la Ville d'Innsprugg a Innsprugg. Hochedelgebohrner, hochgeehrtester Herr! Da der Hof über meine letzte im Nahmen des löbl. Magistrats gemachte Vorstellung dem Gubernio aufgetragen hat, daß die Resolution wegen fernerer Beilassung des Patronatsrechts auf das Spitalsbeneficium curatum demselben intimirt werden solle, so wünschte ich hievon eine Abschrift zu haben. Die Beendigung der ganzen Sache hangt noch an deme ab, ob man die Zahl der Kapläne reduciren wolle oder nicht, indessen wird immer der Stadt frei bleiben dieses oder jenes Subjectum hierzu in Vorschlag zu bringen. Ich bin mit aller Hochachtung Euer Hoch- edelgebohrn gehorsamer Diener Müller. Wienn den 14. April 1787." Nr. 14 1790, Jänner 7. Sterzing. Im Oktober 1780 bewilligt das Gubernium dem Anton Pauer, durch die Kaiserin Maria Theresia privilegierten Loden Fabrikanten zu Sterzing, seine eigenen Fabrikate, wie „Flanel, Fries, Moldon, Loden und Kühre (eine Art Paletot) oder Ehrnlinger Mantl Tuch" in seinem Handelsgewölbe am Neumarkt öffentlich zu verkaufen. Anton Baur zieht sich später wieder nach Sterzing zurück und übergibt seinem Sohne Michael das Innsbrucker Geschäft mit folgendem Schreiben, das zugleich Glückwünsche zum neuen 13 Jahr und die Einwilligung zu dessen bevorstehender Verehelichung mit Ursula, einer Tochter des Torstehers am k. k. Lyceum, Johann Kastner, enthält: - Hern Adresse auf der Rückseite: "Von Störzing in Insprukh, wonhaft bei dem Weißgarber Schnardel." - Hern Michael Bauer, Lodner Text: „Störzingen den 7. Jenner 1790. Lieber Michael. Dein Schreiben habe erhalten und danke vor (für) den neien Jahr Wunsch. In Er- widerung wünsche ich dir nit nur ein gleiches glikseliges, neies Jahr, sondern daß du zu der Enderung deines beforhabenten Stands, so die Jahr, als du darin lebest, Glik und Segen habest. Was mich belanget, so bin ich keineswegs in gegen (dagegen), sondern ich raume dir das Recht ein, so ich in Insprukh habe und trit es dir genzlich ab. Der liebe Gott begleite meinen Wunsch und deine Geschwisteret winschen dir auch vil Glik. Ich beschliesse nebst schönster Begrüssung mein Schreiben under Entpföllung (Emp- fehlung) göttlichen Schuz und Segen. Dein williger Vater Anton Baur." - Nr. 15 1797, März 13. Mieders. Die Innsbrucker Schützen nahmen an dem in der Geschichte Tirols so bekannten Ge- fechte bei Spinges verdienstvollst teil. Das Eintreffen der Stubaier Schützen in Inns- bruck zum gemeinsamen Ausmarsch gegen den von den Franzosen bedrohten Süden des Landes kündigt der Unterleutnant Franz Lener dem Hauptmann der bürgerlichen Schützen-Companie Joh. Attlmayr mit folgendem Schreiben an: ,,An dem wohledlen Herr Johann Atlmayr best bestelten Haubtmann der pürger- lichen Schützen-Compagnie in Innsbruk. - Euer wohledl hochzuverehrender Herr Haubtmann! Ich habe nun die Ehre gemeẞ meines Versprechen das bei der Zusamenkomft der samentlichen Schüzsen über die mir erteilten Bericht in Betref des Auszugs nach Innsbruk, als auch der hiesigen Musik die verleßliche Nachricht zu geben, daß die hiesige Schüzen Conpagnie dem Mittwoch auf dem Abent (d. i. 15.) mit der Musik aldort eintrefen werden. Wehre uns auch lieb, wann Euer Wohledl bis Wiltau entgegen komenten, um uns die Ordere zu geben, wie und wohin unser Einzug zu machen seie. Weiters habe auch berichten wollen, das wegen der Trönsbortierung (Transportierung) der Lebensmitl und anderen notwendigen Gebök auf 3 oder 4 Wegen (Wägen) der Antrag zu machen ist. Beineben haben wir auch bitten wollen, daß denen Schüzen die nötigen Seiten Ge- wöhr nebst einigen Mäschen auf Wiltau bestellen lassen, damit wir mit Anstand ein- ziehen kennen, auch die Quatier vor 50 Mann bestens zu besorgen. Ingegen sicht dessen empfehle mich in dero Gewogenheit und hare in aller Hochachtung Euer wohledl unter- tenigster dr (?) Franz Lener, Unterleitenant. Mieders den 13. März 1797. BS. Bitte dem Überbringer dies mit einen Stuzen verhilflich zu sein, weil er hier keinen aufzubringen gewust. Wann Sie annoch was nötiges zu bestellen haben, so lassen Sie mir solches durch diesen zu wissen machen." 14 Nr. 16 1797. In dem bekannten Gefecht bei Spinges vom 2. April 1797 war mit anderen Inns- brucker Schützen auch der Hofglasermeister Karl Phil. Appeller in die französische Gefangenschaft geraten, aus der sie, wie sie Mitte Mai in Innsbruck berichten, „mit Schläg und Stöße, Hunger und Durst mit stündlicher Betrohung des Dots, auch dausen- terlei Beschimpfungen abgemardert und so acht Tage lang bis nach Lienz mitgeschlept und alldorten, weilen sie mit uns keinen Ausweg fanden, folgsam denselben mehr be- schwärlich als vorteilhaft wahren mit einer aufgeblenten Großmut" entlassen wurden. Appellers Frau dürfte inzwischen gerüchteweise erfahren haben, daß ihr Mann gefallen sei, und schrieb folgenden Brief an den Hauptmann der Innsbrucker Schützen, Johann Attlmayr: ,,An den hochschätzbaristen Herrn, Herrn Atlmayr Titl. Hauptmann bei der Ins- prukerischen Stadtschützen Compagnie in Störzing. Hochschätzbarister Herr Atlmeyr! Ich habe vernomben, das mein Mann der Carl Appeller solte dot geschossen sein, über welches ich und die Kinder viel hundert Zäher vergossen haben. Bitte also mir wissen zu lassen, ob es wahr oder ob er wohl bei der Compagnie ist. Solte er erschossen sein, so miessen wir uns halt in den Willen Gottes schüken. Bitte also noch einmahl mir es wissen zu lassen, solte er aber bei Leben sein, so ist er von uns allen gegrüßt. Ich bitte also um eine baldige Antwort und empfehle mich ihnen höflichst in aller Eil. Maria Anna Appellerin, Hofglaser Meisterin." Nr. 17 1797, Dezember 9. Innsbruck. Der Hofbildhauer Urban Klieber von Telfs, dessen Leben und Arbeiten schon in Lemmens Künstlerlexikon angegeben sind, erhielt im Jahre 1796 vom Verwalter des Innsbrucker Stadtspitals, Peter Ongania, den Auftrag, einen neuen Tabernakel für die Spitalskirche zu entwerfen. Klieber lieferte Ende Dezember 1796 drei Zeichnungen ab, erhält jedoch keinen Auftrag, ja nicht einmal eine Auskunft, ob die Arbeit durchgeführt wird oder nicht. Nachdem er ein Jahr zugewartet hatte, beschwerte er sich beim Stadt- magistrat mit dem folgenden Schreiben. Der Magistrat ließ ihm antworten, daß die Arbeit, wenn sie überhaupt jemals zur Ausführung kommen sollte, nur ihm anvertraut werden würde, er sich bis dahin jedoch zu gedulden habe: ,,Hoch Löblicher Statt Magistrat! Do nun ein ganzes Johr verflossen, dos mir Endesunterschribenen eine Zeichnung zu einer Tabernakl in die hiesige Stattspitalkirche von dem H. Peter Ongonia als dessen Verwalter ist angegeben worden und ich soliche verfertigt und den 28. Dezember 1796 ich eingestelt habe, auch dabei den Breis under- zeichnet, indessen ich mich zu mehrmahligen Zeiten mich angefragt, wie es mit der Arbeit stett, ob sie gemacht wird oder nicht, da ich aber mit groben Worten von dem Wirt angfohren wurde, so gedultete ich bis nun ein ganzes Jahr verflossen. Bitte also, ob die Arbeit gemacht wird oder es sollen mir meine 3 Zeichnungen bezalt werden, fir die ich auch mindestens auf bilichermassen zwei Dugaten verdiente. Insprug den 9. December 1797 - von Urbanus Klieber, K. König. Hof Bilthauer." 15 Nr. 18 1800, Februar 19. Würzburg. Der kön. sardinische Oberst und Generaladjutant Baron O Cahill, Commandeur des Phönixordens, übersendet dem Stadtmagistrat die von ihm herausgegebene Schrift "Oesterreich Erretter vieler Staaten" und erwartet dafür eine Spende. Als Probe aus dieser inhaltslosen Lobhudelei mögen die folgenden Sätze aus dem Schlußabsatze des 16 Seiten starken Heftchens genügen: „Deutschland und Italien sind schon sehr oft durch Österreich geholfen und gerettet worden. Seit einigen Jahrhunderten wurden diese Län- der wechselseitig bald von Frankreich, bald von Spanien bedroht, einzelne von ihren Staaten zu verlieren, und immer wurden sie durch Österreichs Hilfe von ihrem Unter- gange gerettet. Doch war nie die Gefahr so groß und der Untergang wirklich so nah, als wie jetzt bei Frankreichs grenzenloser Habsucht, welche die ganze Welt erobern will. Nie war aber auch Österreichs Hilfe schneller, tätiger und kräftiger als wie jetzt. Nie waren Österreichs Heere so zahlreich, so geübt und so sieghaft, als wie jetzt. Nie hatte Österreich ein so großes Heer von Helden, geschickter Officiers und tapferer Krieger, als wie jetzt, und nie ward Österreich beglückter und weiser regiert, als wie jetzt durch Franz II. dem Erretter Deutschlands und Italiens und dem wirklichen Überwinder Frankreichs." Als der Magistrat keine Antwort schickte, schrieb der Oberst am 28. Mai neuerdings, dringender, um einen Druckkostenbeitrag bittend. Nun ersuchte der Magistrat den Ver- fasser, über die zugesandten Exemplare disponieren zu wollen, „da man diesorts schon ehevor in der Geschichte des gegenwärtigen Krieges, worüber das vortrefflich bearbeitete Werkchen das erforderliche Licht verbreitet, genugsam bewandert ist." Das erste Schreiben lautet: - Hochlöblicher, hochweiser Magistrat! Einem hochzugebietenden Magistrat habe ich die Ehre hier meine vaterländische Schrift, die das wahre und ungeheuchelte Lob von Österreich enthält, gehorsamst zu übersenden. Sollte ich so glücklich sein und den gelehrten Beifall von einem hochweisen Magistrat erhalten, so wird dieses nicht nur meine Arbeit belohnen, als ich auch jedes Merkmal und Zeichen der Belohnung umso- mehr mit dem gehorsamsten Dank erkennen werde, da ich große Unkosten mit dem Druck dieser Schrift gehabt habe. In Erbittung einer gütigen Antwort habe ich die Ehre mit der vollkommensten Hochachtung und in der größten Verehrung zu sein eines hoch- zugebietenden Magistrats ganz gehorsamster Diener Baron O Cahill König. Sardinischer Oberst. Würtzburg den 19. Hornung 1800." Nr. 19 1802, Jänner 11. Regensburg. Der folgende Brief stammt aus einem Briefpaket, das aus dem Nachlasse des Inns- brucker Universitätsprofessors der Mathematik, Technologie und Forstwissenschaft Josef Stapf (geb. 23. Jänner 1762 zu Perjen bei Landeck, gest. 16. Oktober 1809) an das Landesmuseum Ferdinandeum kam. Der Schreiber dieser Briefe war ein Josef Freiherr von im-Hoff (Imhof), ein Mitglied der bekannten bayrischen Familie, der sich als Stapfs Schüler und Freund bezeichnet. Während in den meisten Briefen auch wissenschaftliche Fragen behandelt werden, ist der vorliegende fast ausschließlich persönlich gehalten: „Regensbourg den 11. I. 1802. - Verehrungswürdigster Lehrer und Freund! Das ist ein rechter Plagegeist, werden Sie bei Ansicht meines Briefes denken oder ausrufen allein nach wenig Zeilen werden Sie Mitleiden mit mir tragen und gewiß mir die Er- laubnis erteilen noch öfter Sie mit meinen Zuschriften zu incomodieren. So wissen Sie nun, daß ich schon seit 12 Tagen an dem vermaledeiten Hexenschuß leide und wie ehe- 16 - mals in Innspruk halb contrackt das Zimmer hüte. Die Galle hat sich wieder, Gott weis aus welcher Veranlassung, in alle Glieder ergossen und ich sitze wie eingeschraubt in einem Großvaterstuhl da und lese, schreibe, fluche, lache, wie es Zeit, Gelegenheit und Besuch veranlaßt. Theologus Glatz könnte mir wohl einen Auszug aus allen päpstlichen Bannflüchen, Interdicten, Inquisitions Urteln und was dergleichen fluchende Expeditionen der sanften Kirche Jesu mehr sind, eine Auswahl und Sammlung der kräftigsten, schreck- lichsten Flüche machen, damit ich diese verteufelte Hexen Geschichte mir vom Leib fluchen kann. Sie werden wohl in Innspruck einen recht glänzenden Carneval halten. Hier tanzt man an allen 32 Ecken. Ich muß natürlich, als bei der unbeweglichen Reserve Engagierter, im Lehnstuhl meine Ach und Weh seufzen. Der Hr. Freudenjäger und dessen exspectionirter Adjunct (Gasteiger und Hörmann) werden wohl Ihre transcendentale Augen mit Ihrem ärgerlichen sublunarischen Anzug beleidigen und jedesmal vor dem Abmarsch in den höllischen Saal (des Teufels Seelen Wacht) bei Ihnen die Revue passieren, um, nicht zufrieden sich in den fleischlichen Wollüsten herumzuwälzen, auch noch die moralische Notzucht zu verüben. Ihre wohl- meinende Lehren über Enthaltsamkeit anhören und verlachen zu können. Herburger hat mir von Schemnitz aus geschrieben und dabei gemeldet, daß er Ihnen durch den jungen Ployer eine Zeichnung von einem Kolben und der archimedischen Schale (?) für mich zugeschickt habe. Diese bitte ich daher nebst dem bei Ihnen schon früher hinterlegten Verzeichnis seiner Erfindungen mir baldest zu übersenden. Ich er- warte sehnlich bald ein Schreiben von Ihnen, wodurch ich mit dem dermaligen Stand der Sachen in Innspruck näher unterrichtet werde. Was tut Bissing (wohl der Landes- gouverneur Ernst Graf von Bissingen) in Wien? Was macht das neue Jäger Regiment, die Offiziersschule, die Etschaustrocknung, der Archenbau, das Bauamt, die Universität, der zweite Kurs???!!! Empfehlen Sie mich sämtlichen Bekannten und Freunden, die sich meiner erinnern wollen, und haben Sie die Güte bei allenfalsiger Beantwortung dieses meine frühern noch nicht beantworteten Briefe nachzulesen. Ich erharre mit vorzüglicher, innigster Hochachtung Ihr gehorsamster Diener, Schüler und Freund Jos(ef) im-Hoff. Meinen Vettern alles liebe und freundliche. Wie sind Sie zufrieden? Wenn Sie allen- falls zu überschickende Sachen, Schriften, Horatien, Remittenda, Comunicanda etc. nicht durch den angezeigten Weg mittelst Andree übermachen wollen, so übergeben Sie das Paquet unter dem Couvert Titl. Herrn Postofficial Vorhölzer in Augsburg zu dem Kornelli an Conducteur Hallgött oder Meẞmer." Nr. 20 1809, April 14. Heidelberg. Dr. Gottfried Primisser, ein Sohn des königl. Archivars Friedrich Primisser, war am 8. Oktober 1785 zu Innsbruck geboren. Nach Erwerbung des Doktorgrades im Jahre 1807 widmete er sich eifrigst der Geschichtsforschung und verfaßte für den „Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol" zwei Abhandlungen, eine über den Venetianer- krieg von 1487 und die zweite über Heinrich von Rottenburg. Wegen seiner Fähigkeiten wurde er von der bayrischen Regierung mit einem Stipendium zur weiteren Ausbildung nach Göttingen gesandt. Nach seiner Rückkehr wurde er am tirolischen Landesarchiv beschäftigt, im Mai 1812 jedoch zum Adjunkten beim Reichsarchiv in München ernannt. Dort wurde er bereits nach wenigen Wochen von einem Darmleiden ergriffen, dem er 17 am 26. September erlag. Anfangs 1812 war noch sein Büchlein Denkmale der Kunst und des Altertums in der Kirche zum hl. Kreuz zu Innsbruck" erschienen, der zweite von Primisser nur mehr angefangene und einem seiner Freunde (wohl di Pauli) voll- endete Teil kam im folgenden Jahre heraus. Primissers Freunde setzten ihm 1813 ein Denkmal auf dem Innsbrucker Friedhof mit einer längeren Inschrift. Ein besonderer Gönner und Freund Primissers war der Appellationsrat Al. Andr. di Pauli, mit dem er in einem regen Briefwechsel stand. Di Pauli hat im 238. Bande (neue Nr. 601) seiner „Bibliotheca Tirolensis" 14 Briefe Primissers aus Heidelberg, Göt- tingen und München aufbewahrt. Den nachstehenden, ersten der vorhandenen, schrieb Primisser auf der Reise nach Göttingen aus Heidelberg, wo er sich einige Zeit aufhielt. Sein Begleiter Serafini war der Sohn eines wohlhabenden Seidenzüchters aus Preore (bei Tione): „Hochedelgeborner, verehrterster Herr Appellationsrath! - Einem Aufsatze über den Gang der wissenschäftlichen Kultur dahier Resultat meiner Unterredungen mit mehrern hiesigen Professoren und der Beobachtungen über das öffentliche und privat(e) Leben der Studierenden teils zur Rechtfertigung meines Treibens in Heidelberg, teils ad usum Delphinorum zu Innsbruck bestimmt, mußte ich das Expediatur versagen: er sollte eine Epistel an Sie, Verehrtester! werden, drohte aber in Buchform auszuarten. Warum denn noch in Heidelberg? einmal, weil der neu hereingebrochene Winter das Reisen wenig vorteilhaft machte, und dann, weil die Vor- lesungen zu Göttingen erst gegen das Ende dieses Monats beginnen. Gerne würde ich noch eine dritte Ursache beifügen, wenn sie nicht so leicht mißgedeutet werden könnte die reizenden Umgebungen Heidelbergs und die Geselligkeit, die hier in den guten Häusern herrscht. Wenn ich doch im Stande wäre Ihnen die herablassende Güte zu schildern, mit der ich im Hause des Herrn Geheimrats von Ming aufgenommen wurde! Unter den Professoren, die ich kennen lernte, besuche ich mit Serafini am öftesten den Professor der Staatswissenschaften Reinhard und den Historiker Wilken. Ganz vor- züglich freut es mich mehrere Landsleute hier getroffen zu haben, die unserm Vater- lande durch litterärische Arbeiten wahrhaft Ehre machen können: Dr. Dresch von Bam- berg, gegenwärtig Privatdocent dahier, Dr. Mittermair von München, Moser aus Ulm und Unterholzner. Die drei erstgenannten haben sich bereits durch juridische und philo- logische Schriften dem größeren Publikum bekannt gemacht. Unterholzner bezieht von der Regierung ein Stipendium von 1200 fl. Unser Sammler wird von den hiesigen Ge- lehrten sehr gelobt. Haben Sie unter meinen Manuscripten noch nichts brauchbares gefunden? sammelt Röggl noch und was treibt die Archivs-Kommission? O hätten wir nur einen Verleger, wie es deren zu Manheim, Giesen oder Heidelberg gibt! Wir treten am 16. d. M. unsere Reise nach Göttingen an, ich behalte mir die Freiheit vor Ihnen von dort aus wieder zu schreiben: inzwischen haben wir keine angelegenere Bitte an Sie, als daß Sie uns der gütigen Erinnerung des Herrn Directors von Ming empfehlen, daß Sie uns von Ihrem und Ihrer Herrn Söhne Wohlbefinden Nachricht erteilen oder er- teilen lassen, sowie auch über den Umstand, ob und allenfalls auch wann wir auf die zweite Hälfte des Reisestipendiums Rechnung machen dürften, uns in tröstliche Kennt- nis setzen wollen. Indem ich Sie um die wohltätige Fortdauer Ihres Wohlwollens bitte, versichere ich Sie meiner wahren Hochachtung und kindlichen Verehrung, mit der ich stets verharre Euer hochedelgeborn ganz ergebener Diener Primisser. Heidelberg am 14. April 1809." 18 Nr. 21 1810, Juni 22. Innsbruck. Maria Müller, geb. Glatz, die Witwe des Stadtzimmermeisters Müller, hörte, daß der Stadtmagistrat das Stadtzimmermeisterhäusl zu verkaufen beabsichtige, wodurch sie ihre Wohnung zu verlieren fürchtete. Sie richtete daher folgendes Bittschreiben um wei- tere Beibelassung des Häuschens an den Magistrat: ,,Innsbruck, 22. 6. 1810 - König. Baier. Stadtmagistrat. Unterzeichnete hat vernommen, daß das Stadt-Zimmermeister Häusl verkauft wer- den solle, und dadurch kömmt sie um das Quartier, ist somit als eine beinahe arme Witwe verunglückt. Daher waget sie die untertänigste Bitte, es wolle der k. Stadt- magistrat geruhen ihr dieses Quartier noch ferners zu belassen, in Erwägung, daß nicht nur ihr sel. Ehemann, sondern auch sein Vater und Großvater und vielleicht noch wei- tere Vorältern als Stadtzimmermeister dem Publikum vielen Nutzen geschaffen, und daß sein Vater dieses Häuschen auf seine Kosten erst wohnbar gemacht habe, daß folg- lich wohl der erste Grund der Billigkeit vorhanden sein dürfte, daß wenigst noch die Bittstellerin diese Wohnung genüssen oder wenigst auf eine andere Art entschädigt wer- den möchte. Untertänig gehorsame Maria Witwe Müller." Nr. 22 1812, März 12. Primör. Im Jahre 1806 begab sich die Tochter des verstorbenen Goldarbeiters Schallinger, namens Maria, von Innsbruck zu ihrem Onkel, den Oberwaldmeister Johann Franz Liebener, der sie an Kindes Statt annahm, nach Primör im Königreich Italien, Departe- ment Oberetsch. Als sie sich im Jahre 1812 mit dem dortigen Holzhändler Jakob Anton Stomfer vermählen will, benötigt sie zur Heirat, so wie heute, eine Reihe von Doku- menten. In einem italienischen Schreiben bittet nun Liebener seinen Freund Anton Sillo in Innsbruck um deren Beschaffung. Dieser Brief wurde zugleich mit einer deutschen Übersetzung und dem Gesuch um die Auswanderungsbewilligung dem Königl. baieri- schen Polizei-Commissariat vorgelegt. Seine Übersetzung lautet: „Primör, den 12. März 1812.- Freund! Ich weiß nicht, ob Ihr meinen Brief, den ich vor einigen Tagen an Euch geschrieben habe, richtig erhalten habt, in welchem Brief ich von der zukünftigen Heurat unserer Maria mit Herrn Jacob Anton Stomfer, Holzwarenhändler zu Primör, Euch benach- richtigte und Euch bat, Euch zu bemühen und mir einige nötige Papiere zu überschicken, um diese Heurat bewerkstelligen zu können. Jedoch falls Ihr diesen Brief nicht erhalten hättet und selber unterwegs in Verlust geraten wäre, so sehet Ihr hier jene Papiere vorge- merkt, die ich notwendig brauche, als: 1. den Taufschein obgedachter Maria Schallinger, 2. den Totenschein ihres Vaters, 3. die Einwilligung ihrer Mutter, in welcher sich selbe vor Gericht erkläret, daß sie vollkommen zur Heurat ihrer Tochter Maria mit Hr. J. Ant. Stomfer, Holzwarenhändler zu Primör, einwillige, 4. den Taufschein meiner Frau Nanette geborne Haider von Hall, 5. wenn dort auch ein Curator der Maria aufgestellt sein soll, so wäre es gut, wenn auch dieser mit ihrer Mutter vor Gericht erschiene und seine Einwilligung zur Heurat abgeben würde. Was alle diese Auslagen, welche zur Erhebung dieser Papiere und Documente, um die ich Euch ersuche, entstehen, betrifft, so hat meine Frau bereits an ihre zu Hall verheiratete Schwester Helena Knapp ge- schrieben, damit sie Euch alle diesfalls gemachten Auslagen bezahle. Bester Freund, ich 19 empfehle Euch dieses Geschäft, welches mich so sehr zum Besten der Maria interessirt. Was ihren Bräutigam anbetrifft, ist selber ein sehr rechtschaffener Mann und ein Mensch, der sein Glück noch machen kann. Ich weiß, daß ich Euch dadurch sehr lästig falle, jedoch schreibet Ihr es meiner innigen Freundschaft gegen Euch zu. Übrigens könnt Ihr die Mutter der Maria zu Euch berufen lassen und ihr auftragen, daß sie in Betreff der nötigen Papiere der Sache selbst nach- gehe, vor allem aber diesfalls sehr aufmerksam sei und ja keine Zeit verliere mir solche zu übersenden. Alle von meinem Hause lassen sowohl an Euch, als an Euere Gemahlin und der Frau Mutter ihr Compliment vermelden. Die beiden Schwägerinnen, Schallinger und Knapp lassen wir grüßen. Lebe wohl, teurer Freund. Liebet mich und glaubet mir, daß ich bin Euer Freund Johann Franz Liebener." Nr. 23. 1812, Juni 11. München. Dr. Gottfried Primisser schreibt nach Antritt seiner Stelle am Reichsarchiv in Mün- chen an den Appellationsrat Al. Andr. di Pauli (siehe die Einleitung zu Nr. 20 vom 14. April 1809): ,,München, den 11. Juni 1812. Der geheime Rat und Direktor des Reichsarchivs, Herr von Lang, ersucht Sie in eige- nem und Feuerbachs Namen um die Einsicht der gedruckten Malefizordnung, die K. Max I. für Tirol gegeben hat. Der Ruf von Ihrer Bibliotheca) Tirol(ensis) ist weit und breit erschollen wollten Sie das Büchlein wohlverpackt dem Registrator Röggl geben, der es an das allgemeine) Reichsarchiv quasi ex offo durch den Postwagen ein- senden würde? Sie würden es auf demselben Weg wieder zurückerhalten. Wenn Sie die literae annuae Soc(ietatis) Jesu vom Agricola (NB. nicht die Hist(oria) Soc. Jesu) ge- druck in Fol(io) um 1727-29 auftreiben könnten, etwa auf der Bibliothek, so möchten Sie die Güte haben, auch dieses Werk gegen Restitution mitzuschicken. Wohlgeborner Herr, Herr Appellationsrath! Die Redaktion (silicet) des Artikels vom Gottesacker habe ich angefangen, ich bitte aber um Geduld; denn meine Zeit ist kurz! Nichts macht mich so verdrüßlich, als daß ich täglich etwas Zeit auf meine oeconomica wenden muß, da ich in Innsbruck dieser Sekatur gänzlich enthoben war: ich der ich in meinem Leben (Göttingen ausgenommen) nicht gewußt, wie viel Hemden etc. ich habe, muß nun alle Wochen Revue über meine Wäsche halten etc. etc. Wie machen wir's denn künftig mit unsern Civitatensibus von Innsbruck? Ich bin gänzlich außer Stande, irgend etwas mehr beizutragen, ich cedire förmlich honore et honorario, worauf ich ohnehin nie mit gutem Gewissen Anspruch machen konnte. Der 2. Teil von Hormayrs Geschichte von T(irol) ist in meiner Biblio- thek zurück geblieben, Sie können ihn durch einen Ihrer Söhne erheben lassen. Ich mona- cesco nun immer mehr und mehr, etwas schwermütiger Laune ja, das war ich in Innsbruck auch. Wenn's hier nur nicht so infam kalt wäre! Ich kann noch immer nicht einig werden mit mir selbst über einen bestimmten Plan einer gelehrten Arbeit, denn ich fühle zu gut, wie viel mir überall noch abgeht, um etwas mehr, als analecta, zu liefern. Indessen vergeht keine Stunde, wo ich nicht etwas neues lerne, mein Direktor, mir mit vorzüglicher Güte zugetan, ist auch Direktor meiner Lectüre und mein Professor. Ich bitte Sie, Herr Appellationsrat, laßen Sie mich noch ferner und immer Ihrer alt- bewährten Gewogenheit empfohlen sein; ich küße der gnädigen Frau die Hände und grüße das ganze Haus. Euer Wohlgebornen gehorsamster Diener Primisser." 20 Nr. 24 1813, August 12. Innsbruck. Der Innsbrucker Bürger Johann Miller erbittet vom kön. bayer. Polizei-Kommissariat die Stadtratsdienerstelle, die sich sein Bruder ungerechterweise angeeignet haben soll. Dieses Schreiben aus der letzten Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol ist zugleich ein Zeugnis für die damals bestehende Notlage und überdies wegen des Durcheinanders der Sätze bemerkenswert. Die Ratsdienerstelle wurde dem Bruder belassen und der obige Bittsteller abgewiesen: Wohllöbliche König. Beuer. Polizei-Commission. Untertänigst treu gehorsamste Unterzeichnete bittet demütigst und in seiner Not ge- zwungen, indem mein Bruder Karl Miller, der schon eine geraume Zeit meinen Dienst als Stattratsdiener ungerechter Weise und auf eine verläumderische und heuchlerische Weise mir abgestohlen hat, wodurch ich, meine Ehegattin und Kinder in eine traurige Lage und größten Armut versetzt wurden. In Gegenteil aber mein Bruder ein Schneider- meister und zugleich auch ein Däntler (Tandler) ist, welche beide Gegenstände ein erträg- licher Nahrungszweig ist und überdas noch auch das Freiquartier, Holz, 200 fl. Besol- dung und nebst diesem auch noch die Blatz Kreutzer zu genüßen hat. Da er also nur ein einziges Kind, nemlich ein Mädel zu Hause hat, die übrigen aber schon versorgt sind, keine Lasten und Ungemache zu tragen hat. In Gegenteil aber der Unterzeichnete weit ärmer und einer Unterstützung würdigere, da er schon bereits zwei Kinder beim Militair hatte und einen kranken Sohn zu Hause hat, viel Ungemach erlitten, auch bei 30 Jahre dem Staate unklagbar gedienet, bei 22 Feuersbrünsten alle mögliche Hilfe leistete und besonders bei verschiedenen Vorfallenheiten des Krieges und Zerrittungen, wovon ihm bereits die ganze Bürgerschaft auch andere öffentliche Beamten das Zeugnis der Wahr- heit erteilen würden, folglich also ein großes Verhältnis zwischen dem Unterzeichneten und seinem Bruder obwaltet und daher seine Bitte an dero löbliche Polizei Commission wendet, daß selbe die gnädigste Verfügung treffen wolle, daß ihm armen Mann mit seiner Familie doch wenigstens durch die Platzkreutzer, die sein Bruder unrechtmässiger Weise besitzet, geholfen werde, wodurch er also doch wenigstens der größten Armut entrissen wird und ausser dieser Mitteilung dem Staate bald zur Last fallen würde. Da er zum öftern bei dem Herrn Bürgermeister seine ebenfallsige Bitte dahin wendete, so gab ihm selber zur Antwort, er habe nichts mehr zu befehlen, und möchte mich also an die löbl. Polizei Commission wenden. Mithin bittet also der Untertänigste, daß ihm diese seine Bitte nicht abgeschlagen werden wolle und löbl. Commission nach deren Gut- befinden ihm unterstützen wolle und vor dem langsamen Hungertot zu schützen. Die weitern Unglücksfälle weiß die wohllöbl. Polizei Commission ohnedem. Er verharret also in aller Hochachtung und Untertänigkeit einer löbl. Pol. Commission untertänig gehorsamster Johan Miller, Birger alda. Innsbruck den 12ten August 1813." Nr. 25 1815, April 8. Wien. Im Sommer des Jahres 1814 fand die Wiedervereinigung Tirols mit Österreich statt. Anfangs 1815 luden die südlichen Städte des Landes den Innsbrucker Stadtmagistrat ein, gemeinsam mit ihnen Abgeordnete nach Wien zu entsenden, um dort möglichst vor- teilhafte Handelsverhältnisse zu erreichen. Die Stadt Innsbruck, infolge der vielen Kriegsjahre in sehr mißlicher finanzieller Lage, beschloß, den Magistratsrat Felix von Riccabona, der im folgenden Mai der erste, neue, österreichische Bürgermeister wurde, 21 zu entsenden. Der Magistrat beauftragte ihn, bei seinem Aufenthalte in Wien vorzüg- lich dafür zu arbeiten, daß die Universität wiederhergestellt werde, der Kaiser die Stadt finanziell begünstige, indirekte Auflagen bewilligt würden, damit die Stadt, deren Kredit,,als Schuldnerin wegen der getragenen enormen Kriegsauslagen und wegen der Unmöglichkeit, die versprochenen Zahlungen zu leisten, so tief herabgesunken ist", ihre Schulden tilgen könne, und daß ihr auch andere Vorteile gewährt würden, wie z. B. die Anwesenheit eines Hofes und der Zentralstellen. Riccabona reiste am 30. März 1815 von Innsbruck ab und sandte von Wien zwei Berichte, die auch für die Geschichte der Stadt im allgemeinen von Wert sind. Der erste vom 8. April lautet: „Löblicher k. k. prov(isorischer) Stadtmagistrat. (kam als Ich erachte es meiner Obliegenheit zu sein, einem löbl. k. k. Stadtmagistrate eine Relation über meine Sendung nach Wien zu übergeben. Ich reiste verflossenen Donners- tag über acht Tage den 30ten März d. J. - von Innsbruck in Gesellschaft des Herrn v. Mayr ab und setzte meine Reise bis Salzburg unausgesetzt fort. Dort übernachtete ich am Freitag. Am Samstag reiste ich ab und kam am Sonnabend spät in Wels an, wo ich die Nacht zubrachte. Am Sonntag setzte ich die Reise bis Linz fort, wo ich den übrigen Teil des Tages zubrachte. Am Montage wurde die Reise bis Wien unausgesetzt fortgesetzt, wo wir am Dienstag, den 4ten April, Vormittag ankamen. Die anderen Tyroler aus Botzen, Trient und Roveredo kamen 2 Täge vor mir in Wien an. Die Reise bis hieher war mit Ausnahme eines heftigen Kreutzschmerzen, der von einer Ver- renkung veranlaßt wurde und der mich bis auf diese Stunde nicht verlasssen hat, ange- nehm und glücklich. Am Dienstag besuchten Hr. v. Mayr und ich die übrigen Reise- gefährten. Am Mittwoch verabredeten wir den Plan unserer Operationen, welchem zufolge wir S. K. Hoheit dem Erzherzog Johann, dem Grafen von Bissing neuer Gouverneur am 21. Apr. 1815 in Innsbruck an) Exzellenz, dem Hr. Hofrate Rina, der das Referat in der Angelegenheit unsern Mautverband betreffend hat, dem Hr. Hofrate v. Eiberg und dem Hr. Hofsekretär unsere Aufwartung und Visite machten. Des Erzherzogs K. Hoheit, zu welchem wir uns in einer Abteilung von 6 Personen ver- fügten, nahm uns sehr gut auf. Er zeigte von unsern Angelegenheiten sehr genau unter- richtet zu sein. Er sagte uns, daß man allerdings geneigt sei dem Lande Tyrol, soviel möglich ist, Erholung zukommen zu lassen. Graf Bissing nahm uns ebenfalls gut auf, sowie auch die obbesagten Hofräte. Rücksichtlich der Angelegenheit den Handel betref- fend sagte man uns, daß man noch nicht wisse, wohin eigentlich unser Petitum abziele, und wir möchten uns in einem Promemoria bestimmt erklären, indem das in Mailand verfaßte Protokoll diesfalls Zweifel übrig ließe. Man hat von unserer Seite vorzüglich darauf gedrungen, daß über diese Angelegenheit keine Hofresolution erlassen, sondern mit selber abgewartet und das Gutachten des Guberniums auf die Vorstellung des Landes, welche die Landschaft Tyrol nach ihrer Begründung diesfalls übergeben wird, vorläufig eingeholt werden wolle; welches man uns zusicherte. Für uns ist jede diesfallsige Suspension ein Gewinn: Das Land Tyrol ist hier nicht bestens angeschrieben; man will sich daher nicht vollkommen von der Wahrheit seiner Behauptungen, wenn sich schon selbe auf Tatsachen gründen, vollkommen überzeugen lassen. Ich sage Ihnen nur eines, was man von dem Lande Tyrol hier Nachteiliges bei den hohen Behörden angebracht hat, daß nämlich das Land Tyrol reich und voll Wohlstandes sei. Der diese Lüge geltend zu machen trachtete, muß wahrlich das Land Tyrol entweder in seiner wahren Lage nicht gekannt haben oder ein böses Herz besitzen. Daraus erklärt man sich den Grund auf, warum sich hier schwerlich von unsern Angelegenheiten etwas schon jetzt definitiv wird durchsetzen lassen. Das Gubernium in Tyrol, welches des ehestens in Aktivität treten wird Graf Bissingen erhielt den Auftrag unverzüglich an seine Be- 22 22 stimmung abzureisen - wird aus eigener Überzeugung die Tatsachen, auf welche wir unsere Petita gründen, bewähren und dann läßt sich bei der Geneigtheit uns die mög- lichsten Erleichterungen zuzuwenden, ein erwünschtes Resultat erwarten. Unsere Be- schäftigung beschränkt sich bei der gegenwärtigen Lage der Dinge auf Bearbeitung der- jenigen, die große Stimme im Kapitel haben, und darauf die Wege, soviel möglich ist, eben zu machen und die Hügel zu vermindern, die uns als Hindernisse im Wege gelegt sind. Wir hoffen bei solchem Bewandtnusse der Sachen unsere Rückreise ins Vaterland in Bälde antreten zu können. S. Majestät der Kaiser hat uns noch nicht den Tag zur Audienz bestimmt. Wir be- reiten uns zur selben vor, um auf jeden Wink schlagfertig zu sein. Sobald ich etwas Bestimmtes rücksichtlich unserer Angelegenheiten werde schreiben können, werde ich nicht ermangeln Bericht zu erstatten. Ich schließe für heute bloß mit der Nachricht, daß Graf Bissing uns sagte, am künftigen Montag, den 10ten d. M., von hier nach Gratz abreisen zu wollen, wo er seine Gouvernements Geschäfte dem Hr. Grafen v. Aichold übergeben wird; er denkt am 22ten bis 23ten April in Innsbruck eintreffen zu können. Wien, den 8ten April 1815 - Felix v. Riccabona." Nr. 26 1815, April 12. Wien. Zweiter Bericht des Abgeordneten der Stadt Innsbruck, Felix v. Riccabona, aus Wien. Siehe Einleitung zu Nr. 25: ,,Löblicher k. k. prov. Stadtmagistrat. Gestern hatten die gesamten Tyroler Deputirten als solche die Ehre S. Majestät die Aufwartung zu machen. Wir wurden von höchstselber sehr gnädig aufgenommen und erhielten nach unserm Petito die Zusicherung, daß in Betreff der Handelsverhältnisse keine Resolution erfolgen werde, bis nicht von den betreffenden Stellen die erschöpfen- den Begutachtungen eingegangen sein werden. S. Majestät sagte uns, man wird halt etwas ausfindig machen müßen, wodurch ihr und die Italiener möglichst zufrieden gestellt werden. Es war hier keine Gelegenheit von andern Gegenständen zu sprechen, weil Staatsmänner und Militäristen von hohem Range auf Audienz warteten. Bei dem Umstande, wo für die Universität die kräftigsten Vorstellungen gemacht worden sind und wo die Sache bloß davon abhängt, daß die erforderlichen Fonds ausgewiesen wer- den, glaubten einsichtsvolle Freunde mir raten zu sollen, wegen der Universität und den übrigen Angelegenheiten der Stadt Innsbruck umso minder um eine Privat Audienz bei S. Majestät anlangen zu sollen, als die Angelegenheit in Betreff der Universität, der Zurücksetzung der landschaftlichen Obligationen auf den Nominalwert, der Einführung einer allgemeinen Landes Konkurrenz ungleich mehr gewinnen, wenn sie von den Stän- den Tyrols, die nächstens in Tätigkeit eintreten werden, bei gemeinschäftlichen Berat- schlagungen behandelt werden. Man erhält überall zur Antwort, dies wären Gegenstände, die ohnehin das neu eintretende Gubernium und die Stände vor allem beschäftigen wer- den. Ebenso erhält man zur Antwort, daß auch die privat städtischen Angelegenheiten, als die Erwirkung eines Anlehens und die Bewilligung verschiedener Fonds zur Tilgung der städtischen Schulden bei dem neuen Gubernio, ohne dessen Begutachtung von da aus keine Resolution erfolgen wird, angebracht werden müßen. Meine Beschäftigung be- schränkt sich daher insolange, bis ich nicht vom löblichen Magistrate eine andere Wei- sung erhalten werde, bloß darauf die betreffenden Referenten für die städtischen Ange- legenheiten empfänglich zu machen und mit Gründen zu Gunsten der Stadt zu über- zeugen. Sollte ich nicht mit laufender Post von einem löbl. Stadtmagistrate eine ander- 23 weite Weisung, die ich bei Hr. Dr. Rapp in der großen Schullerstraße No 874 abzugeben zu addressiren bitte, erhalten, so trage ich längstens in 14 Tägen von hier abzureisen an. Was das freiwillige und forcirte Anlehen anbelangt, hat mich Herr Magistratsrat Habtmann zu meinem nicht geringen Verdruß abscheulich angesetzt. In Linz übergab er mir das Recepisse des Hrn. v. Thomann zum Behufe der Erhebung der bei ihm deposi- tirten Obligationen des forcirten und freiwilligen Anlehens mit der Zusicherung mir entweder persönlich einen Avviso Brief an Hrn. Thoman mitgeben oder selben mit der Post unmittelbar mit der Weisung an ihn einsenden zu wollen, daß er im Notfalle die befraglichen Obligationen mir aushändigen wolle. Statt solcher Versicherung zu folgen die obgedachte Weisung dem Hrn. Thoman zu geben, schrieb Hr. Habtmann an diesen am 3ten April, am Tage unserer Abreise von Linz, daß er die Obligationen bis auf weitere Weisung nicht aus Handen gebe und unterstrich noch diese Formalien. Als ich mich zu Thoman begab, wies er mir den Original Brief des Hrn. Habtmann vor, was mich nicht wenig befremden mußte, meine Person auf eine solche Art kompromittirt zu sehen. Ich überlasse es dem löbl. Magistrate, was diesfalls verfügt werden wolle. Die Organisation der politischen Stellen in Tyrol ist herabgelangt. Man nennt als Guber- nialräte: Hrn. v. Martini, v. Röggla, v. Hauer, v. Laicharding und Käßbacher als Proto- medikus. Die andern 3 habe ich noch nicht erfahren können. Wien den 12ten April 1815 - Felix v. Riccabona, Deputirter der Stadt Innsbruck." Nr. 27 1816, August 8. Weiherburg. Der Besitzer des Schlosses Weiherburg, Philipp von Woerndl, beschwert sich über unvorsichtiges Steinsprengen im großen städtischen Steinbruch über seinem Schlosse: Wohllöblicher kais. könig. Stadtmagistrat! " Ein Steinmetz von Hötting, insgemein Mutter genannt, gibt vor von dem wohllöbl. k. k. Magistrat die Bewilligung erhalten zu haben in dem Stadtsteinbruche der Oblei Hötting zu sprengen. Er hat wirklich schon mehrere Schüsse vollbracht, auch Steine aus dem Bachbette herausgegraben. Hiedurch wird nicht nur die öffentliche Sicherheit des Fahrweges gestöret, sondern auch die Brücke, das hofbauamtliche Brunnengeleite, die Landstraße diesseits des Inns und mein Haus und Hof zu Weierburg in Gefahr gesezet, wie dann erst jüngsthin eine Muhre losgegangen ist, welche kümmerlich unter der Brücke durch geleitet werden konnte. Auch andere mir unbewußte Private versuchen auf der andern Seite des dortigen Berges nächst ober dem Schlosse grosse Steine aus ihrem Lager los zu machen, wovon einer in der Größe von 3 Cubic Schuhen vor zwei Wochen durch die Schranken des Tiergartens eingedrungen ist und zum Glück vor der Öffnung des Milchkellers liegen blieb. Ich bitte auf dem Falle, daß die angebliche Bewilligung erteilet worden ist, dieselbe zurück zu nehmen, auch keine weitere an Private zu erteilen. Weierburg den 8ten August, 1816 - Philipp v. Woerndl." Nr. 28 1817, Okt. 12. Innsbruck. Der Müllermeister Johann Tschavon aus der Kohlstatt ersucht um den Aufsichtsposten über den Stadt-Saggen. Die Stelle des Eschenheu (d. h. Flurwächters) wird ihm gegen einen zweiten Bewerber, den Viertelmeister auf der Kohlstatt, Mathias Fritz, übertragen. ,,Löblicher Kais. Königl. Stadtmagistrat. Der treugehorsamst Unterzeichnete bittet alleruntertänigst, womit ihm die Aufsichts- Bedienstung über den sogenannten Stadt-Saggen, welche bisher der in der Kohlstadt wohnhaften Helena Kernin anvertraut war, gnädigst übertragen werden wolle. Er 24 glaubt zur Unterstützung seiner Bitte anführen zu dörfen und zwar: 1.) dörfte gedachte Helena Kernin teils Alters-Schwächen halber, teils anderer Umstände wegen nicht mehr dieser angezeigten Aufsichts-Bedienstung länger noch vorzustehen im Stande sein. 2.) ist ihm bereits schon diesfällige Aufsichts-Bedienstung durch Hr. Simon Tschurt- schenthaler, eines Mitglieds des löbl. k. k. Stadtmagistrats mündlich angeboten worden. 3.) erbietet er sich im Falle gnädiger Bittes Gewährung gedachter Helena Kernin lebenslänglich einen Teil des diesfälligen Dienstertrages der Billigkeit gemäß abzutreten, und überläßt es lediglich dem weisen Selbst-Ermessen, was oder wieviel derselben jähr- lich in Form einer Provision gnädigst zuerkannt werden wolle. 4.) glaubt er des Zutrauens des löbl. k. k. Stadtmagistrats umso würdiger zu sein, als er durch die erlebten frühern Kriegsereignisse und durch die Unbilden der Zeit be- kanntermassen einen großen Teil seines Vermögens und seiner Habe verloren und ein- gebüẞt hat. Innsbruck, den 12. Oktober 1817 - Johan Tschavon." Nr. 29 - 1820, Jänner 9. Innsbruck. Eine Zierde der Innsbrucker Universität war der Professor für Mathematik und Physik, Franz v. Zallinger zum Thurn (geb. 1743 zu Bozen, gest. 1828 zu Innsbruck). Bei seinem Tode hinterließ er nach Probst's "Geschichte der Universität Innsbruck", S. 319 - 107 physikalisch-mathematische und 44 theologische Abhandlungen, sowie 1238 Predigten. Durch 50 Jahre hat er genaue meteorologische Beobachtungen ange- stellt. Einen „Auszug meteorol. Beobachtungen von 30 Jahren zu Innsbruck" veröffent- lichte er 1808 im 4. Bande des „Sammlers für Geschichte und Statistik von Tirol". Die Ergebnisse der Beobachtungen bis 1820 hat er in einer handschriftlichen Arbeit nieder- gelegt, die sich im 491. Bande der „Biblioteca Dipauliana" findet. Ihr ist der folgende Brief an einen leider nicht näher genannten Vetter vorangestellt: Wohlgebohrner, hochzuverehrender Herr Vetter! Gemäß meines Versprechen machte ich mich gleich anfangs des neuen Jahrs über die Berechnung meiner Tafeln von der Wärme und Witterung von Innsbruck, wo ich zu den vorigen 30jährigen Beob- achtungen noch jene von den letzten 13 Jahren hinzusetzte und also ein Mittel von 43 Jahren erhielt. Die Barometer-Beobachtungen habe ich zwar auch bis itzt immer fortgesetzt, ich bin aber indessen immer mehr von der Ungewißheit der absoluten Baro- meterhöhen überzeugt worden, wenn die Barometer von verschiedenen Künstlern und auf verschiedene Art verfertigt wurden, wie ich schon in meinem Auszuge 16. Seite bemerkt habe. Der Hr. Graf von Reischach verteilte zur Beobachtung mehrere Baro- meter in Tyrol, mit welchen das meinige nicht übereinskömmt. Das Neuejahrwünschen ist heuer durch die Entschuldigungs-Charten hier abgekommen, ich stehe aber in Sorgen, daß noch manches anderes, so doch gut wäre, abkomme. Ich kann Ihnen, Hr. Vetter, als einem eifrigen Marianischen Sodalis nicht ohne Schmerzen berichten, daß man in dem gedruckten Verzeichnissse der verstorbenen Sodalen des vorigen Jahrs nicht mehr den Name der Congregation von Mariä Reinigung oder Ver- kündigung, sondern dafür den Namen von der Bruderschaft der tätigen Nächstenliebe setzen durfte. Ich fürchte, daß diese Änderung unter den Sodalen eine Unruhe mache; auch könnten manche ein Bedenken tragen, ob sie noch der Ablässen der Congregation teilhaftig werden. Mir ist zwar kein Dekret zugekommen. Ich werde also das Amt eines Präses der Congregation wie zuvor fortsetzen, solange man es mir gestattet. Ich empfehle mich demütigst dem Hr. Vetter und Ihrer wertesten Frau und verharre in aller Hoch- achtung verbündlichster Diener Franz v. Zallinger. - Innsbruck, 9. Jänner 1820." 25 Nr. 30 1830, Juli 25. Innsbruck. Der k. k. Appellationsrat Joh. Georg Berreitter (geb. 17. Jänner 1775 zu Buch im Bregenzerwald) schreibt seiner Tochter Anna, die bei der Mutter seiner Frau Franziska Streicher, der Witwe Anna Streicher geb. Lorünser, der Besitzerin des Schwefelbades Ems in Vorarlberg, weilte, zum Namenstag: ,,Insbruk den 25ten Juli 1830. - Liebe Nanni! - Auch Dir will ich zu deinem Namenstage unsere älterliche Glückwünsche schriftlich abstatten. Daß ich dir mit väterlicher Liebe alles mögliche Gute wünsche wird wohl keiner Worte bedürfen. Es ist mir aber auch nicht unbekannt, daß du auch ein bischen einen handgreiflichen Wunsch möchtest oder zu deutsch, daß auch Namenstagsgeschenke in Mode wären. - Je nun, auch an eine solche Kleinigkeit bin ich nicht gebunden, wenn du nur in jeder Hinsicht recht brav bist. Wenn du bald zurückkommst, wird dir schon einfallen, was du etwa möchtest. Ich will mich nur vor Kosten über 1/4 fl. verwahren, sonst komme ich an deinen Wunsch. Es scheinet, daß dir die Nachricht nicht unangenehm sein wird, daß sich die Mama, da die Minet (Anm. eine Schwester der Adressatin) wie- der besser ist, bald durch Wasch(en) etc. zur Reise dich abzuholen vorbereiten wird. Der Sontag wird euch sagen, daß er bald nach Botzen fährt. Auf der Rückreise wird er hier wahrscheinlich die Mama und Stephanine (Anm. eine zweite Schwester siehe Brief Nr. 35!) mitnehmen. So beiläufig in 10 Tagen nachdem Sontag durch Ems durch- fahrt, wird also die Mama kommen. Der Sontag wird es dann bestimmt sagen. Es ver- steht sich doch, daß dies ein Geheimnis bleibt, weil die Mama überraschen will. Lebe wohl! Dein dich herzlich liebender Vater Joh. Berreitter." Nr. 31 - 1833, Jänner 18. Innsbruck. Der k. k. Appellationsrat Joh. Georg Berreiter schreibt seiner Tochter Anna, wie Brief Nr. 30: ,,An die Fräule Nette Berreitter in Ems. Innsbruk, 18. Jänner 1833. - Liebe Nette! Aus dem lezten Schreiben habe ich gesehen, daß du dir von der in Ems grassirenden Krankheit fürchtest, indem du sie für ansteckend hältst. Liebes Kind, dieses ist gewief nur Vorurteil. Ich weiß aus Erfahrung und kenne viele Leute, die zu den mit heftigsten Nerfenfieber (d. i. Typhus) Befallenen in das nämliche Bett gelegen sind ohne mindesten Nachteil. Kurz fürchte nichts, so geschieht dir nichts. Die Furcht vor einer Krankheit ist aber schon selbst wenigstens Gemütskrankheit. Gestern abends wurde mein Geburtsfest gefeiert. Deine Geschwiestern spielten mit den Bekannten, die täglich zu uns kommen 2 kleine Lustspiele. Es wurde auch ein Tableau gemacht. Alles werden deine Geschwiester schreiben, die sich, besonders Johan sehr viele Mühe gaben. Es freute mich sehr. Deine Ball etc. Sachen werden bestens besorgt werden. Von Hausbällen hört man dies Jahr gar nichts. Wir alle grüßen dich. Ich bleibe mit väterlicher Liebe Joh. Berreitter." Nr. 32 1833, September 1. Innsbruck. Der k. k. Appellationsrat Joh. Georg Berreitter (siehe Brief Nr. 30), der am 21. No- vember 1833 in der Ratssitzung vom Schlage getroffen starb, schreibt seiner Schwieger- mutter Maria Anna Streicher in Bad (Hohen-)Ems in Vorarlberg und kündigt ihr seine glückliche Heimkehr nach Innsbruck von seinem Besuche bei ihr an, wobei er den Ver- lauf der Reise schildert: 26 ,,Innsbruk den 1. September 1833. Liebste, teuerste Frau Mutter! Gestern abends 7 Uhr sind wir sehr glücklich hier angekommen und haben alle Unsri- gen sehr wohl angetroffen. Auserordentlich war die Freude des Wiedersehens allseitig. Insbesondere erfreute die 1. Frau (Anm. Franziska Streicher), Minet und Senze (Anm. zwei Töchter) die von uns mitgebrachte Nachricht, daß sich auch die Frau Mutter so gut, als es das Alter und die seit längerer Zeit gehabten reumatischen Schmerzen immer erlauben, wohl und munter befinde. Hundert Glücks und fernere Segenswünsche spra- chen sich laut aus und die Rührung der Freude ging bis zu Tränen. Dabei wurde die Nette (Anm. Tochter Anna siehe Briefe Nr. 30 und 31) nicht vergessen. - Nun seien die ersten Zeilen, die ich in Insbruk wieder schreibe, dem Danke gewied- met. Noch einmal wiederholen ich, Stephanini (Anm. Tochter siehe Brief Nr. 35) und Johann (Anm. Sohn) unsern herzlichst innigsten Dank für alle Ihre mit uns während des so angenehmen Aufenthalts gehabte Güte und viele Kosten. Ich vermag wirklich nicht den Dank durch Worte auszudrücken. Auch die Frau, Minet und Senze machen ihre herzliche Danksagung für die mitgebrachten Geschenke. Alle bitten und beschwören Sie, daß Sie sich doch nichts abgehen lassen und recht schonen sollen. Nun noch kurz etwas von unserer Reise, die dann die Stephanini, die jezt noch im tiefen Schlafe begriffen ist, näher beschreiben wird. Um 7% Uhr kamen wir von Feld- kirch nach Bludenz. Am Freitag um 4 Uhr früh wurde aufgebrochen, in Dalos (= Da- laas) Frühstück genommen und bei sehr großer Hitze auf den Arlberg gereist, wo wir nach Mittag 1½ Uhr ankamen, etwas als Mitagmal nahmen, dann bei großem Staub nach Landek fuhren, wo wir um 7% Uhr ankommen. Dort logirte im nämlichen Gast- hause Fürst und Minister Collowrat auf seiner Reise nach Mailand. Wir bekamen dem- ungeacht gute Unterkunft. Wieder um 4 Uhr wurde bei sehr zweifelhaftem Wetter und da es in der Nacht geregnet hatte aufgebrochen, um 8 Uhr in Imst Frühstük und um 12 Uhr in Silz Mitagmal genommen. Um 3½ Uhr auf der Post in Platten (Anm. der Weiler Platten, 1 Stunde östlich von Telfs, war früher Poststation) angelangt kam uns Berreitter entgegen. Der Wagen stand da, in welchem meine Frau, Minet und Senze uns entgegen gefahren und in der eine leichte Viertel Stund entfernten Petnau bei H. Baron Sternbach uns warteten. V(on) Schmid kam auch auf die Platte, dann bald Minet und Senze uns dorthin entgegen. Nach kurzem Aufenthalt gingen wir in die Petnau, weil aber der Regen auf allen Seiten drohte, wurde die Reise bald fortgesetzt. Die Freude an der Platten, dann in Petnau beim Empfange kann ich nicht beschreiben. Außer Kranewitt kam der Regen doch nicht stark bis wir gegen die Schießstadt kommen, von da an hat es aber gegossen. Ich war wirklich sehr überrascht, als ich unsere Woh- nung nicht nur wie vollkommen neu hergestellet, sondern auch manche sehr zweck- mäßige Veränderungen sah. Wie viele Mühe dieses die 1. Frau und Minet gekostet, läßt sich denken. Desto angenehmer wohnt man jezt. Nach langem Erzählen von Ihnen etc. wurde schlafen gegangen. Es war eine stürmische Nacht und in der Früh war der Schnee bis im Mittelgebirge. Noch nie habe ich den Unter- schied des Klima so wahr genommen und noch nie fühlte ich den Druck der Gebirge so auf mir. Dieses unangenehme Gefühl wird sich bald wieder geben. Unser Reise- gefährt ist ein guter Gesellschafter. Alles Gepäck ist vollkommen gut angekommen. Neues hörte ich bisher gar nichts. Die Stephanini, die während ich dieses schrieb, schon aufgestanden ist, und Johann werden nächstens selbst schreiben, indem Sie jezt das Wesentliche unserer Reise und Ankunft schon aus diesem Schreiben sehen. Wir alle grüßen Sie, liebste Frau Mutter, auch die Nette und alle Unsrige in der Schweiz, herz- lichst milionenmal, Ihre dankbarsten, Sie von Herzen liebenden Kinder und Enkel Joh. Berreitter." 27 Nr. 33 (c. 1840) Jänner 7. Innsbruck. Der Sohn Gebhard (geb. 3. Nov. 1825, gest. 17. Okt. 1869, Innsbruck) des Groß- grundbesitzers und Hauptmanns der Kaiserjäger, Kaspar von Ingram zu Liebenrain und Fragburg (geb. 1784, Bozen, gest. 1. Sept. 1850, Innsbruck) schreibt an seinen um ein Jahr älteren Bruder Anton (geb. 24. Mai 1824), der am Gymnasium in Trient studierte: ,,Liebster Bruder! - Innsbruck, am 7. Jenner. Ich staunte durch die Post einen Brief zu erhalten indessen war ich froh, daß die Mutter nichts merkte, weil sie sich sonst Kummer gemacht hätte. Ich sage Dir nur so viel, daß ich Dich recht oft beneude, und wünschte an Deiner Stelle in Trient zu sein, und daß ich Mungenast seiner Freiheit und Herrlichkeit (fehlt: wegen) mehr bedaure, denn wir werden sehen, daß es gewiß nicht zu seinem Glücke ist. Wie gehts Dir sonst? Wieviel hast Du Vögel? Ich habe jetzt einen schönen Rotkropf geschenkt bekommen, welcher aber noch nicht singt. Der Seppel hatte jetzt ein Koalbele und einen Jahrling gekauft und überdies ziegelt er noch ein schönes Kalbele von der Weichsel. Dein Meisel ist sehr zahm und singt brav. Gibt es hier keine Meislen? Ich habe jetzt immer Schlitt- schuh geschliffen (d. h. gelaufen), was ich so ziemlich kann. Wir haben noch fast gar keinen Schnee, und jetzt geht ein so warmer Wind, daß es ganz aper (d. h. schneefrei) zu werden anfängt.. Dein Bruder Gebhard. - Der Buthilier und Kuohn Pepi grüßen Dich, auch der Eduard, dieser Hauptlump." Nr. 34 1842, September 24. Wilten. Der Sohn Johann des Stadtchronisten Gottfried Pusch schreibt als Novize im Prä- monstratenserstift Wilten seinen Eltern folgenden Brief: ,,An den Hr. Hr. Gottfried Pusch k. k. Gubernial Registrant wohnt im III. Stock beim Hof-Glaser No. 29. Wilten den 24. September 1842. Selten findet sich ein so geistiger Mensch, der von allem entblößt wäre. Thomas von Kempis, II. Buch, 11. Kapitel, 4. Stroph. Liebste Eltern! Sie werden sich wundern, daß ich Sie jetzt schon mit einem Schrei- ben belästige, doch es ist der Mühe wert, denn es handelt sich um nichts geringeres als um ein kleines Anleihen. Sintemalen und alltiweilen ich also heute mit Gottes Hülfe das zwanzigste Jahr erreicht habe, so bitte ich um ein Erinnerungszeichen an diesen Tag, denn meine Cassa ist sehr schlecht dotirt, indem ich vorgestern den Hausknecht für seine durch 21 Tage geleisteten Dienste einen Zwanziger verabfolgte. Ich bitte mir aber aus, daß ich dies nicht in wirklichen Ersatz wünsche, sondern daß Sie die Güte haben woll- ten, mir hölzerne Schachspiel Figuren beim Krismer gefälligst kaufen zu wollen. Wenn ich mich nicht irre, so bekömmt man auch ein Spiel um 18 kr. Das Brett bitte ich ge- fälligst in Pappendekel zu verwandeln, den, wenn Sie in meinem Namen den Karl ersuchen würden, Sie gewiß erhalten werden. Ihnen, Frau Mutter, hab ich zu berichten, daß mir eine neue Winter Hosen nach Ungarn Art angemessen wird. O wie schön werd ich darin erst sein! Sonst weiß ich Ihnen nichts zu schreiben, als daß ich in meinem Ely- sium bin, und möge der allmächtige Gott nur dies mir gewähren, um was ich alle Tage bitte, recht lang das Glück zu haben meine Eltern und Verwandten zu besitzen. Ihnen, Herr Vater, hoff ich, wenn nicht künftigen Sonntag, doch am Dienstag gewiß nach der Vesper in meinem Zimmer zu sehen die Sonntag Vesper und Werktag Vesper ist 28 - et Novitius junior. - - jetzt immer um 23 Uhr. Grüßen Sie mir alle meine Verwandten und Geschwister und verbleibe salve mi Antonii Ihr dankschuldigster Sohn Johann frater Joannes An Hr. Onkel und Frau Tante eine schöne Empfehlung. PS. Ich ersuche die Frau Mutter auch mir beim Klein eine Fleck Putz Seife zu kaufen, der weiße Habit ist schwer schön zu erhalten. Verzeihen Sie mir die schlechte Schrift, beim Licht geschrieben." Nr. 35 1845, Februar 25. Innsbruck. Der k. k. Appellationsrat Dr. Josef, Franz Wieser (geb. Meran, 5. Sept. 1764, gest. Innsbruck, 29. Okt. 1846) gibt seinem Sohne, Dr. med. et chir. Alois Wieser (geb. Inns- bruck, 3. Apr. 1818, gest. Kufstein, 15. Feb. 1852), Stadtphysikus zu Kufstein, die Ein- willigung zu dessen Vermählung mit Stefanie Berreiter, einer Base Hermann von Gilms, der die im „Bergland-Kalender, 1927" besprochenen „Stephanie-Taschenbücher" ge- widmet waren. Stefanie Berreiter (geb. Bezau, 26. Dez. 1813, gest. St. Martin im Gna- denwald, 26. Aug. 1899) war die Tochter des Joh. Georg Berreiter und der Franziska Streicher (siehe Nr. 30): ,,Dem Herrn Alois Wieser, Doctor der Medicin und Chirurgie und Stadtphisikus, Wohlgeborn zu Kufstein. Lieber Alois! Innsbruck, den 25ten Februar, 1845. Dein liebes Schreiben vom 20ten d. M. habe ich richtig erhalten. Die in demselben mir erteilte Nachricht, daß Du ungeacht der vielen und schweren mit Deinem Amt als Arzt verbundenen Arbeiten und Verrichtungen bei dieser kalten und rauhen Witterung doch immer noch gesund geblieben seiest und Dich gut befindest, war mir sehr angenehm zu vernehmen und hat uns alle ungemein erfreuet. Gib acht, daß Du durch die Fortsetzung dieser harten Arbeiten Deiner Gesundheit nicht etwa schadest! Der Mensch ist nicht von Eisen, und es ist weit leichter einer Krankheit vorzubeugen, als wenn man einmal damit behaftet ist, sich davon loszumachen. Soviel es uns betrifft leben wir alle bis auf meine Dir bekannten 2 Gebrechen sonst in guter Gesundheit. Meine Gebrechen am Unterleib haben sich seit einem Jahr um ein Merkliches verbessert. Hingegen scheint die Schwäche meiner Augen zwar sehr langsam, jedoch allmählig zuzunehmen, was mich für die Zukunft sehr beunruhiget. Da die Ankunft des Frühlings nicht mehr sehr weit entfernet ist, so wäre wohl die Frage, ob bei anhaltender guter Witterung wohl nicht vielleicht die Vornehmung einer Operation in meinem kranken, linken Aug bei meiner sonst sehr guten und festen Gesundheit anwendbar und rätlich sein dürfte; worüber Du mir nach Überlegung aller Umstände Deine endliche Meinung gelegentlich mitteilen wirst. Hin- sichtlich Deines mir gemachten Gesuchs Dir meine Einwilligung zu Deiner vorhabenden Verehelichung mit Freile Stephanien Bereiter zu erteilen, melde ich Dir, daß ich diese verlangte Einwilligung um so lieber Dir erteile, als die besagte Freile ein Frauenzimmer ist, die mit allen guten Eigenschaften ihren Gatten glücklich zu machen hinreichend versehen ist und in dieser Gegend allgemein geschätzt wird. Es wird mich sehr freuen, wenn ich bald eine Schwiegertochter bekomme und ich wünsche Dir zu dieser Verehlichung Glück und Segen vom Himmel, den ich um die Gewährung dieser Bitte täglich anflehe. Du wirst gut tun, wenn Du diese von Dir beschloßene Verehlichung nicht lange mehr verschiebst, da Du als Arzt eine Frau sehr benötigest und Dir dieses auch Credit bei den Leuten verschafft. Wenn ich Dir in dieser Angelegenheit was Ge- fälliges erweisen (kann) wird mir dieses zum Vergnügen gereichen. Wenn Du ein Geld brauchst, darfst Du mir es nur zu melden und ich werde Dir, soviel Du verlangst, gleich 29 schicken, da ich Dir ohnehin von dem mütterlichen Vermögen ein verzinsliches Kapital von 400 fl. (d. h. Gulden) schuldig bin. Deine 2 Schwestern, die Dich grüßen, werden Dir selbst schreiben. Lebe wohl lieber Alois! und sei versichert, daß ich Dich liebe und immer bleiben werde Dein für Dich besorgter Vater Wieser." Nr. 36 1845, März 29. Innsbruck. Kreszenz Wieser (geb. 1813, gest. 1850, Innsbruck) schreibt ihrem Bruder Dr. Alois Wieser über die Vorbereitungen zu seiner Hochzeit (siehe Nr. 35): ,,Lieber Luis! - den 29. März 1845. - Ich beeile mich Dein liebes Schreiben zu beantworten. Das Brautkleid ist vorgestern gekauft und gestern Stephaninen überreicht worden. Ich hoffe es wird auch Deinen Bei- fall haben. Es kostet 35 Gl. Es ist ein schwerer Seidenstoff von grünlicher Farbe und sieht wie Silber aus. Ich weiß wohl, daß Du dieser Farbe nicht ganz gewogen bist, dessenungeacht hoffen wir, daß Du damit zufrieden sein wirst. Man hat es uns allgemein geraten, denn einmal schön ist es, und mit einer blauen oder roten Farbe hätte die Fefferl (d. i. Stephanie) sonst nicht viel machen können, hätte es in Kufstein nie tragen können, und mit diesem kann sie recht Galla machen. Es ist kurz sehr nobel und ihr gefällt es auch. Das Geld habe ich von Deinen Zinsen zusammen gebracht. Einen Braut- schleier und Brautkranz muß sie auch von Dir aus bekommen. Wir werden alles be- sorgen. Die Brautringe muß sie besorgen. Man gibt nur kleine Reiflen mit den Namen eingegraben, und dies geht die Braut an. Gestern haben wir bei Tischler Geyer (das ist der bekannte Möbeltischler) die Bettstätten und Nachtkastlen angefrümt (d. h. be- stellt), von Nußbaumholz; sei wieder das Neueste. Kostet alles mitsammen ungefähr 48 Gl. Die Einrichtung bei Echeli, auf welche wir spekulieren, ist vor einigen Jahren in Wien gemacht worden, ganz mit Roßhaar gefüllt und vor ein paar Monaten neu überzogen worden. Auf diese Art wäre es recht gut, wenn wir sie erhalten könnten, man glaubt auch nicht zu teuer, weil bald mehrere Licitationen sind. Einen Spiegel mit goldenen Rahmen mußt Du auch haben, ebenso einen Toiletten Spiegel, Diwan, Arm- sessel und andere Sessel. Dein Zimmer werden wir auch zu schauen bekommen. Ich denke es wird nicht zu teuer kommen. Kücheneinrichtung muß die Zukünftige bringen. Am 2., 3., 4. April ist die Versteigerung bei Echeli, dann werden wir gleich Raport er- statten, wie alles ausgefallen ist. Lieber Aloisi! Was fällt Dir denn ein den Stot- ter (? Dr. med. Mich. St.) als Zeug hast denn niemand andern? Nimm den Herrn Vetter Bereiter (? med. Georg. B.) Du und die Fef soll den Gilm (d. i. der Dichter Herm. v. Gilm) oder den Johann von Imst (d. i. der ältere Bruder Johann, damals Kreis- kommissär zu Imst) (fehlt: nehmen). Die Fefferl und wir alle hätten auch eine recht große Freude, wenn der Große von Bozen (d. i. der älteste Bruder Josef, Koll. Ger. Advokat in Bozen) kommen würde. Du mußt also so gut sein, sowohl den Pepi, als den Johann zu ihrer persönlichen Erscheinung einladen. Wir werden das Unsrige schon tun. Die Feff hätte einen großen Verdruß. Es ist recht gescheid von Dir gewesen den Brautschmuck von Wien zu bestellen. Pracelet ist nicht notwendig. Wir haben aber einen andern Plan gehabt, den ich Dir sogleich mitteile. Es ist gebräuchlich, daß die nächsten Verwandten der Braut ein Geschenk machen, also trifft es jeden von uns etwas zu geben oder mehrere mitsammen was Größeres. Für den Wigl (d. i. der Bruder Lud- wig, der 1863 den erbl. Ritterstand erhielt und dem Landesmuseum das reiche Legat an Kunstwerken vermachte) haben wir in unsern Gedanken das Pracelet bestimmt. Wenn Du etwa glaubst, daß wir in Innsbruck kein ähnliches zum Schmuck bekommen, so sei 30 - so gut und bestelle eines noch nachträglich in Wien, ich werde es Dir dann in Wigl seinen Namen schon bezahlen. Den Ludwig wird es gewiß freuen und ich habe genug Geld von ihm in Händen, oder ich kann auch ein Pracelet in Innsbruck kaufen, man bekommt hier auch schöne Sachen, und daß Du es der Braut kaufen solltest, hast ganz und gar nicht notwendig. Ich würde mir schon die Freiheit nehmen es Dir zu sagen. Unsrige haben eines ungefähr 16 Gl. gekostet. Ich bitte mir aber bald zu wissen zu machen, ob Du es in Wien bestellst, oder ich es hier kaufen soll. Wegen den Vorhängen werden wir alles besorgen; sei so gut und schicke die Höhe und Breite der Fenster, auch die Höhe der Zimmer. Soeben ist die Nanni (d. i. die Schwester Maria Anna, ver- heiratet 1847 mit Anton Ritter von Lama) zum Platzele (d. i. Placidus Staffler, ein Sohn des bekannten Tiroler Topographen, der Geistlicher war) gegangen die Braut auf- führen und ihn zu bitten, daß er alles besorgen möchte. Platzele ist sehr erfreut, daß er die Ehre hat den Knopf zu machen (d. h. die Trauung vorzunehmen). Gestern haben die Nette (d. i. Anna Berreiter, eine Schwester der Braut, siehe Briefe Nr. 30 und 31), Nanni und ich uns schon die Kleidlen zur Hochzeit gekauft. Wir wollen uns schon recht zusammen putzen, daß wir Dir keine Schande machen. Zum künftigen 3. April meine untertänige Gratulation, ich weiß Du bist überzeugt, daß ich Dir von Herzen alles Gute wünsche und lege diesem Wunsch ein Paar Handschuh, die ich nicht zu verschmä- hen bitte, bei. Die Fefferl läßt auch alles erdenkliche Gute einstweilen wünschen und schickt Dir mitfolgendes Nädelein zu einem kleinen Gruß. Lieber Luis! Wie freue ich mich auf diesen Tag, wo Du ein Ehmannl wirst. Ich wünsche Glück, viel tausend Glück. In aller Eile küßt Dich Deine Cenzl." Nr. 37 - 1845, Mai 22. Innsbruck. - Vom 10. bis 19. Mai 1845 weilte Erzherzog Johann mit Gemahlin und Sohn in Innsbruck, wo er in der „Sonne" wohnte, um am 15. d. M. die feierliche Eröffnung des neuen Museumsgebäudes vorzunehmen, zu dem er vor drei Jahren den Grundstein ge- legt hatte. Schon am 12. fand als Auftakt zu dieser Feierlichkeit nach dem ausführ- lichen Bericht im Tiroler „Boten" vom 19. Mai ein Festball in dem schön dekorierten und glänzend erleuchteten Redoutensaal statt. Am 15. war dann die Generalversamm- lung des Ferdinandeums mit der Eröffnung des Neubaues. Um 2 Uhr nachmittags fand für die Mitglieder des Ferdinandeums, des geognostischen und landwirtschaftlichen Ver- eines im Riesensaale der Hofburg eine Festtafel mit 170 Gedecken statt, an der auch der Erzherzog und der Gouverneur des Landes, Clemens Wenzel Graf Brandis (1841-48), teilnahmen. Den Ball sowie das Mahl hatte der Innsbrucker Bürgermeister Dr. Hierony- mus v. Klebelsberg (1838-49) auf Aufforderung des Gouverneurs veranstaltet. Letzterer dankt dem Bürgermeister für seine Bemühungen mit folgendem Schreiben: ,,An Seine Wohlgeboren den Herrn Bürgermeister von Klebelsberg. Es ist eine mir angenehme Pflicht Ihnen meinen verbindlichsten Dank für die Bereit- willigkeit auszudrücken, mit welcher Sie über meine Aufforderung die Leitung der An- stalten zu dem großen Festmahle von 170 Gedecken und dem Festballe, die aus Anlaß der höchsten Anwesenheit Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Johann und der Eröffnung unseres Museums statt fanden, übernommen haben, und für den Eifer, mit welchen Sie sich die Sorge dafür angelegen sein ließen. Der Erfolg hat die glänzend- sten Erwartungen, die man sich hier bei so beschränkten Mitteln und Kräften machen konnte, weit übertroffen. Die höchste Zufriedenheit Seiner kais. Hoheit und der un- geteilte Beifall aller Anwesenden sind Ihnen schon in den ersten Momenten zu Teil 31 geworden. Empfangen Sie nun auch meine dankbare Anerkennung mit dem Wunsche, daß die Erinnerung an den sehr glücklichen Erfolg Sie für alle Mühe und Unannehmlich- keiten, denen Sie sich aussetzen mußten, entschädigen, und Ihnen einen eben so schönen, freundlichen Rückblick gewähren mögen, als jene, für welche Sie diese Mühe übernom- men haben. Innsbruck am 22. Mai 1845 C. Gf. Brandis, Gouverneur)." Nr. 38 1846, April 26. Innsbruck. Der zweiundachtzigjährige, fast blinde k. k. Appellationsrat Dr. Jos. Franz Wieser (siehe Nr. 35) läßt seinem Sohne Dr. Alois Wieser, Arzt in Kufstein, anläßlich der be- vorstehenden Entbindung dessen Frau Stephanie, geb. Berreiter, durch die Hand seiner Tochter Anna (1847 mit Anton Ritter von Lama verheiratet) schreiben. Letztere fügt noch einige Sätze bei, in denen sie über das schlechte Befinden ihres ältesten, lungen- leidenden Bruders Pepi (Kollegialgerichts-Advokat in Bozen), den seine Schwester Zenzi (siehe Nr. 36) pflegte, berichtet; sie selbst hatte es mit der Betreuung ihres alten Vaters, des „Herrn Gnaden", auch nicht leicht: ,,Innsbruck den 26. 4. 1846- Lieber Allois! Der Tag der Entbindung Deiner Gattin, die ich herzlich grüße, nähert sich immer mehr. Ich hoffe, daß derselbe ein Tag der Freude für Euch und frei von allen widrigen Ereignißen sein werde. Ich hätte gewunschen zur Taufe selbst nach Kufstein kommen zu können. Da nun aber dieses nicht sein kann, so mußt Du, wenn nicht Deine Schwester Anna hinunter kommt, wie ich Dir schon geschrieben habe, jemand ersuchen, der das Kind hebt. Beiliegendes Geld hast Du, versteht sich selbsten, zu vertei- len, folgendermaßen: den Sooveren d'or (d. i. Sovereign, eine Goldmünze) dem Kinde als Andenken, den Ducaten dem Geistlichen, 2 Napoleons Thaler der Hebamme, 1 Na- poleons Thaler dem Meßner und 1 Napoleons Thaler Deiner Magd J(ungfrau) Severl (Josephine). Der Pepi ist mit der Zenzi am 14. 4. in Botzen angekommen; mit seiner Genesung geht es sehr langsam, er ist noch immer sehr schwach und die Zenzi hat ihn bisher noch nie verlaßen können. Ich hoffe doch, daß sie bis Ende dieser Woche wieder nach Innsbruck kommen werde. Indem ich Dir und Deiner Frau zur bevorstehenden Entbindung Glück wünsche, schließe ich dieses Schreiben und versichere Dich nur noch, daß ich immer sein werde Dein für Dich besorgter Vater Wieser." (Nun folgt eine Nachschrift der Tochter Anna.) „Lieber Lui! Mit dem Pepi geht es sehr langsam, man weiß neuerdings gar nicht wie lange die Zenzi zu verbleiben hat, aber in der Länge kommt es mir wirklich zu hart; ich komme beinahe in keine Luft und bin voll Sorgen mit dem Herr Gnaden ganz allein und Widrigkeiten gibt es deren eine ganze Menge natürlicher Weise. Ich darf nur krank werden, wie gehts denn nachdem mir oder dem H. Gnaden. Und die Zenzi hats auch zu stark. Es wird noch ein Unglück. Endlich sind sie in Botzen. Das Kindl soll Pepi geheißen werden und Johann und Ludwig und Allois. Grüß mir die Stefanie. Sind die Pflanzen und Saamen hinunter gekommen?" 32 Nr. 39 1850, Dezember 11. Kufstein. Der Stadtphysikus von Kufstein, Dr. Alois Wieser (siehe Nr. 35), schreibt an seinen Schwager, Dr. d. R. Eduard v. Maurer zu Kronegg und Ungarshofen, der Beamter bei der k. k. Kammerprokuratur in Innsbruck war, hauptsächlich wegen einer ärztlichen Stelle, die er zu erreichen wünschte. Im zweiten Teil des Briefes wird bemerkenswerter- weise der Brauch des Christbaumes erwähnt. Der Schreiber möchte seiner Frau, Stefanie geb. Bereiter (siehe Nr. 37), einen Siegelstock mit den Buchstaben „St. W." (= Stefanie Wieser) oder „L. W." (= Alois Wieser), den ihm nun sein Schwager in Innsbruck be- sorgen soll, unter den Christbaum legen. Dr. Wieser hat als Amtsarzt die Leiche des berühmten Nationalökonomen Friedrich List, der in Kufstein durch Selbstmord endete, untersucht: ,,Kufstein 11. XII. 50. - Theuerster Schwager! Sei nicht böse, daß ich dich schon wieder plage. Die Vorschläge für die Besetzung der ärztlichen Stellen sind, wie ich höre, in Innsbruck bereits gemacht und nach Wien schon gegangen oder werden nächstens dorthin gelangen. Deine Schwestern schrieben mir, daß ich im Vorschlag gut bedacht worden sei, Näheres schrieben sie aber nicht. Ich habe vorzüglich um die Stelle in Kufstein kompetiert ohne jedoch die anderen auszuschliessen. Lieber als ganz durchfallen, würde ich jede Stelle annehmen. Ich wende mich nun an dich und bitte dich diese Angelegenheit, wenn es sein kann, soviel wie möglich zu unter- stützen. Du müßtest im Ministerium des Innern anklopfen, du kennst gewiß einen Beamten dort, aber Eile dürfte es haben. Auch bei Dr. Günthner ließe sich etwas aus- richten, weil dieser erste Medizinalperson ist, somit wahrscheinlich entscheidet. Wann du etwas erfährst, so sei so gut, es mir wissen zu machen, auch rücksichtlich der übrigen Be- setzungen z. B. der Sanitätsratsstellen. Bei dieser Gelegenheit kannst du mir noch eine Gefälligkeit erweisen; es wäre mir nämlich sehr angenehm zu erfahren, wie das neue Sanitätsgesetz ausfallen wird, namentlich bezüglich der chirurgischen Gewerbe. Im Inter- esse einer Chirurgenswitwe läge mir sehr daran bei Zeiten darüber etwas zu erfahren. Wie steht es mit dem gläsernen Siegelstöckl? Ich habe dich nämlich ersucht mir ein solches wo möglich ein färbiges - zu besorgen mit den Buchstaben St. W. oder L. W. Ich möchte es der Stefanine zum Christbaum geben. Sei also so gut mir ein solches noch vor dem Christabend zu schicken. - Wie geht es dir und der werthen Frau Schwägerin? seid ihr immer gesund? Uns geht es Gottlob recht gut. Auch ich bin wieder passabel fest. In Innsbruck ist auch alles wohl. Kommendes Jahr hoffen wir euch wieder zu sehen, da müßt ihr aber vorhinein antragen, daß ihr etwas länger in Kufstein bleiben könnt. Ich wiederhole meine obigen Bitten. Grüße mir vielmal deine Frau Gemahlin, Stefanine grüßt euch beide herzlich. Lebe wohl, es grüßt dich herzlich dein aufrichtiger Schwager A. Wieser." Nr. 40 1853, März 20. Innsbruck. Am 18. Februar 1853 versuchte der Ungar Joh. Libenyi den Kaiser Franz Josef wäh- rend eines Spazierganges in Wien durch einen Messerstich zu ermorden. In der Bürger- Ausschußsitzung vom 16. März 1853 stellte der Vizebürgermeister Dr. Jos. R. v. Peer den Antrag, von Seite der Landeshauptstadt Innsbruck Deputierte an den Kaiser zu ent- senden, die ihn zu seiner glücklichen Errettung und Wiedergenesung beglückwünschen sollten. Diese Deputation hatte sich der allgemeinen anzuschließen. Per Acclamationem wurde die Absendung des Vizebürgermeisters beschlossen, der sich einen zweiten Depu- 33 tierten frei wählen sollte. Er lud den Dekan Bart. Kometer dazu ein, der ursprünglich unter Hinweis auf die Schulvisitation abgelehnt zu haben scheint, aber dann den folgen- den Brief schrieb. Die Deputierten sollten dem Kaiser auch eine schriftliche Adresse überreichen, in der dem Kaiser die treue Gesinnung der Stadt Innsbruck ausgesprochen wird. „An S. Wohlgeboren des Herrn Jos. Ritter v. Peer, Doktor der Rechte und Vize- Bürgermeister hier. - - Eure Wohlgeboren!. - Da ich vernommen, daß das Eintreffen der Tiroler Deputirten in Wien schon auf den 2. April festgesetzt sei, bei welchem Umstande es mir möglich gemacht würde nach der Rückkehr von Wien die Schulvisitationen noch rechtzeitig vor- zunehmen, ferner da ich zuverlässig erfahren, daß die Deputirten der Landeshaupt- stadt sich an den ständischen Ausschuß anschließen werden, bin ich bereit die Herrn Deputirten von und für Innsbruck zu begleiten, wenn dieses noch gefällig sein sollte. Um gütige Äußerung bittet mit pflichtschuldiger Verehrung Euer Wohlgeboren ergeben- ster Diener Kometer, Dekan. Innsbruck den 20. März 1853." Nr. 41 - 1856, November 17. München. Der Hofmaler Kaiser Maximilians und Erbauer des Goldenen Dachls in seiner heuti- gen Form, Jörg Kölderer, ist heute eine der bekanntesten Künstlerpersönlichkeiten der Innsbrucker Stadtgeschichte. Im Jahre 1856 war er noch kaum dem Namen nach be- kannt. Was der Münchner Kunsthistoriker, Dr. G. K. Nagler, der Verfasser des viel- bändigen, 1852 erschienenen Künstlerlexikons und der 5 Bände „Monogrammisten", hierüber zu sagen wußte, zeigt der folgende Brief an den Innsbrucker Germanisten Univ.-Professor Dr. Ignaz Zingerle (v. Summersberg, geb. Meran, 1825, gest. Innsbruck, 1892). - Der erwähnte Hofmaler Hans Jörg Knoder erscheint nach K. Fischnalers Inns- brucker Chronik, V, 123 - im Gefolge K. Maximilians z. B. 1508 im Pustertal und war nur zeitweise in Innsbruck. Er schuf u. a. Skizzen für gemalte Glasscheiben, von denen drei im Salzburger Museum erhalten sind. Er soll auch an den „zottenden Mandln" zur „habsburgischen Genealogie" mitgearbeitet haben. 1522 ließ er sich in Pforzheim nieder. Das erwähnte Autograph ist in der Sammlung Wieser (jetzt im Ferdinandeum) nicht vorhanden: "Wohlgeborner Herr Professor! München den 17ten November 1856. - Auf Ihre gütige Zuschrift hin habe ich meine Collektaneen durchgesucht, um zu er- fahren, ob ich nicht irgend eine, wenn nur kurze Notiz über den fraglichen Jörg Khöl- derer eingetragen habe. Ich hatte vor etlichen Jahren die Erlaubnis im K. Reichs-Archivs- Conservatorium alle Akten einzusehen, welche sich auf Personalitäten der Künstler, auf Klöster, Kirchen, Schlösser usw. beziehen; meines Wissens findet sich aber nichts über den Runkelstein und die Malereien auf demselben. Jörg Khölderer ist mir ganz unbe- kannt. Ich kenne nur einen k. Hofmaler Hans Jörg Knoder, welcher von 1503-1512 von Maximilian I. beschäftiget wurde. Er sollte dem Kaiser die zottenden Männlein zeichnen, um sie in Holz schneiden zu lassen. Der k. k. Statthalterei-Sekretär Wieser in Innsbruck besitzt ein Autograph von ihm. Vielleicht stammt Knoder aus einem Orte in Tirol, dessen Namen im Worte Khölderer steckt. Ich weiß aber nicht, ob es ein Köldern gibt, kenne nur Kaltern. Dies ist Alles, was ich Ihnen benachrichten kann, aber zu dem Ihnen vorgesetzten Zweck soviel als nichts. Hochachtungsvollst unterzeichnet Eurer Wohlgeborn ergebenster Dr. G. K. Nagler." 34 Nr. 42 1858, Jänner 26. Nauders. In einem Hausbuch, das aus dem Schloß Weiherburg stammt, findet sich das folgende Schreiben des Amtsgehilfen Friedrich Hausenbüchler aus Nauders, das zweifellos an den Schloßherrn Attlmayr gerichtet war. Der Schreiber bedankt sich darin für die An- stellung, die seine Tochter im Hause des Empfängers gefunden hat, und kündigt deren Eintreffen in Innsbruck an. ,,Nauders am 26. Jänner 1858. Euer Wohlgeborn! Ihr mir sehr geehrtes Schreiben vom 16. d. M. erfreute mich unge- mein, und ich kann es mir nicht genug zur Ehre und Gnade schätzen, daß ich so glücklich bin, daß meine Ziehtochter Judith in Euer Gnaden Diensten die Ehre einzutretten hat. Ich würde gleich nach Empfang Ihres Schreibens mir die Freiheit genommen haben zu beantworten aber meine Geschäfte ließen es nicht zu, mir früher die Muse genommen zu haben Euer Gnaden Schreiben zu beantworten, aus welchen Grunde ich mich jetzt beeile diese freie Stunde zu benützen. - Mit Euer Gnaden Vorschlag und Wünsche sind sowohl ich, und mein gutes Weiberl als auch Judith vollkommen einverstanden, wie auch mit dem von Euer Gnaden aus- gesprochenen Liedlohn pr. 30 fl. k. W., und was die angebothenen Arbeiten anbelangen, so werden Euer Gnaden überzeugt seyn, daß unsere gute Judith Euer Gnaden gewiß in jeder Hinsicht Ihrer aufgegebenen Arbeiten sehr zufrieden stellen wird; für's erste kann sie sowohl Haus als Feldarbeit ist sehr willig, geduldig und fleißig, und fürs 2te hat sie eine sehr gute Aufführung, und ist wirklich noch ganz unschuldig, mit einem Worte ein braves sittsames und unverdorbenes Mädel, Euer Gnaden können sie biegen, wie Sie wollen; nur bitte ich mit ihr Anfangs geduldig sein zu wollen, bis sie ihr aufhabendes Geschäft einmahl kennt, und anzugreifen weiß. Euer Gnaden Ihrem Wunsche gemäß wird unsere Tochter in der Osterwoche nach Innsbruck kommen aus dem Grunde, weil selbe noch vor ihrem Abgehen ihre Kleidungs- stücke und Wäsche ordnen muß, und dann wird sie entweder mit dem Stellwagen von Landeck aus, oder von hier aus mit der Nauderer Böthin kommen, allwo sie nach An- kunft in Innsbruck des andern Tags sich in Ihrem Schloße bei Euer Gnaden melden wird. Umstände bringen es mit sich, daß mein Weib mit ihrer Tochter selbst nicht kommen kann, weil mir außer den übrigen Kindern noch ein viertel Jahr altes Kind zu Hause haben, und mein Weib vom Kinde unmöglich fort kann, und mir die Amtsgeschäfte zu dieser Zeit auch nicht erlauben weiter zu gehen. Sollte aber von uns beiden das eine oder andere im Sommer nach Innsbruck kommen können, dann werden wir uns die Freiheit nehmen Euer Gnaden zu besuchen, und uns zu überzeugen wie Euer Gnaden mit ihr zufrieden sind. Schlüßlich bitten wir Euer Gnaden inständigst unsere arme Tochter nachdrücklichst anempfohlen seyn zu laßen, wofür wir Euer Gnaden ewig dankbar seyn werden. Würden Euer Gnaden sie gegen Ende März sehr dringend benöthigen, so bitte ich nur um ein paar Zeilen, dann werden wir machen, daß selbe zu jener Zeit in Innsbruck eintreffen wird. An Jungfrau Anna und Maria bitt ich und mein Weib unsere Grüße gütigst aus- richten zu wollen. Wir beide küßen Euer Gnaden vielmahl die Hände, und habe die Ehre zu verbleiben mit größter Hochachtung Euer Wohlgeborn unterthänigster Diener Friedrich Hausenbüchler, Amtsghilf." - 35 Nr. 43. 1861, November 16. Siegmundslust. Der Verfasser des folgenden Briefes, Josef Partinger, ist vermutlich das unter dem Namen Bartinger-Seppl bekannte Alt-Innsbrucker Original. Jos. Bartinger, von Beruf Maler, war in der Kiebachgasse Nr. 9 daheim und schreibt seinem Nachbarn von Nr. 7. Bartinger, der vielleicht noch besser saufen als malen konnte, führte alle möglichen tollen Streiche auf. Um nur einen davon zu nennen, sei erwähnt, daß er, als er den Auftrag ausführte, die neue Volksküche mit Fresken zu schmücken, an einer Wand den ganzen Gemeinderat Armensuppe löffelnd darstellte. „Herrn Wohlgeboren Josef Kiebach, Privat in Innsbruck. Lieber H. Nachbar! ― Siegmundlust am 16. November 1861. Ich ersuche Sie recht inständig H. Maler Schneider das bewußte gegoßene Figurchen aufzugeben, ich bleibe noch eine Zeit lang im Schloße Rikabona und bitte daher recht sehr das Engele dem H. Schneider aufzugeben, ich werde, wenn ich hinauf komme, pünktlich zahlen, ich brauchet es so notwendig zu Licht und Schatten studieren. Ich grüße Sie vielmahls und wenn Sie es sonntags nicht gerichtet haben, so sagen Sie dem H. Schneider, wenn er es montags abhohlen soll. Schönsten Gruß Jos. Partinger." Nr. 44 1867, April 11. Innsbruck. Wahlen erregten immer wieder die Gemüter der Bürger. So auch die Ergänzungs- wahlen zum großen Innsbrucker Bürgerausschuß vom 1. bis 3. April 1867. Die Wahl- kommission des ersten Wahlkörpers hatte den Fehler begangen und war zwei verdienten Ehrenbürgern aus dem Magistratssaal bis zum Haustor entgegengegangen und hatte ihnen gleich dort den Stimmzettel abgenommen. Obwohl die Gültigkeit dieser zwei Stimmen keinen Einfluß auf das Wahlresultat hatte, forderte Dr. Josef Pembaur doch energisch ihre Ungültigkeitserklärung, weil der Wahlberechtigte nach dem § 47 des provisorischen Gemeindegesetzes der Landeshauptstadt vom 11. Juni 1850 verpflichtet sei, an dem bestimmten Orte persönlich zu erscheinen. Nach einer Aufklärung von Seite des Bürgermeisters schrieb Pembaur neuerdings den unten mitgeteilten Brief. Seine Be- schwerde wurde dann in der Bürgerausschußsitzung vom 15. April in längeren Ausein- andersetzungen behandelt und die zwei Stimmzettel wurden für ungültig erklärt. „Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Josef Ritter v. Peer, Bürgermeisters pl. T. hier. Euer Wohlgeboren! Auf Grund der von Euer Wohlgeboren mittelst geehrter Zu- schrift vom 11. d. M. bezüglich des Wahlvorganges im I. Wahlkörper gegebenen Auf- klärungen nehme ich keinen Anstand von der von mir eingebrachten Beschwerde, insoweit dieselbe die Giltigkeit des ganzen Wahlaktes in Zweifel zieht, zurückzutreten, verlange jedoch, daß jedenfalls der Vorgang der Wahlkommission des I. Wahlkörpers insoweit derselbe die Abnahme zweier Stimmen außerhalb des Wahllokales betrifft, ernstlich gerügt und die erwähnten zwei Stimmen als nicht abgegeben behandelt werden. - Mit vorzüglicher Hochachtung Euer Wohlgeboren ergebener Dr. Josef Pembaur - Innsbruck, am 11. April 1867." ― - 36 Nr. 45 1873, März. Gries bei Bozen. Der Ausschuß des tirolisch-vorarlbergischen Kunstvereines schreibt am 8. März 1873 einen Brief an „Franz Defferegger, Historienmaler zu Gries bei Bozen", in dem er die Bitte vorträgt, der Meister möge sein jüngst vollendetes Genrebild „Die Bettelsänger" für eine kurze Ausstellung im Ferdinandeum zur Verfügung stellen. Der Verein wollte dadurch den vielseitigen Wunsch dieses für die Wiener Weltausstellung bestimmte Werk zu sehen erfüllen und hatte dabei noch den wohltätigen Zweck im Auge, den Erlös aus dem Eintrittsgeld dem Maler Josef Arnold zuzuwenden, der, bereits 85 Jahre alt, in mißlichen Verhältnissen lebte. Die Spesen für den Transport des Bildes wollte der Ver- ein bestreiten. Defregger antwortete daraufhin mit folgendem Schreiben: ,,Euer Wohlgeboren! Bedaure das Bild, die Bettelsänger, nicht mehr in Innsbruck ausstellen zu können, da selbes an H. Humplman verkauft ist, der es jetzt nach Berlin geschickt hat, von wo aus es direkte nach Wien gesendet wird. Dagegen bin ich gerade daran ein zweites etwas größeres zu vollenden, ebenfalls noch für die Wiener Aus- stellung bestimmt, welches ich Ihnen auf 2 Tage zur Ausstellung von hier aus nach Innsbruck schicken kann. Die Darstellung dieses Bildes ist die Heimkehr eines Preis- pferdes und dürfte etwas günstiger sein als das andere. Ungefähr in 14 Tagen werden Sie es erhalten und will Ihnen die Ankunft desselben noch 2 Tage vorher melden. Hoch- achtungsvollst F. Defregger." 37 38 Namenweiser Die Zahlen beziehen sich auf die Nummern der Briefe. Appeller Karl 16 A Maria Anna 16. Attlmayr 42 Johann 15, 16 Aichold, Graf v. 25 Altenburg 4 Altenstaig Hans 4, 5 Andreas v. Österreich 6 Annenberg Arbogast v. 4 Arb Jörg 1 Arlberg 32 Arnold Josef, Maler 45 Augsburg 1, 19 Bamberg 20 B und P Partinger Josef 43 Pauer Anton 14 Michael 14 Pauli Al. Andreas di 20, 23 Petnau 32 Peer Dr. Josef R. v. 40, 44 Pembaur Dr. Josef 44 Berlin 45 Berreiter Anna 30, 31 Dr. med. Georg 36 Johann 31, 36 Joh. Georg 30, 31 Stefanie 35, 38, 39 Josef 36 Pest 5 Bissingen Graf v. 19, 25 Platten bei Telfs 32 C und K O Cahill, Baron 18 Karl Philipp v. d. Pfalz 12 Käßbacher, Protomedicus 26 Kastner Johann 14 Ursula 14 Kern Helena 28 Chemnitz 19 Kiebach Josef 43 Klebelsberg Dr. Hieronymus v. 37 Klein 34 Klieber Urban 17 Knapp Helena 22 Knoder Hans Jörg 41 Kölderer Jörg 41 Collowrat, Fürst 32 Kometer Bartol. 40 Komorn (Gomoren) 5 Kornelli 19 Kraws Andre 3 Krismer 34 Kufstein 35, 36, 39 Kuohn Pepi 33 Dalaas 32 D und T Defregger Franz 45 v. Thomann 26 Dominicus (Löhr), Abt 8 Donau 4, 5 Dresch Dr., Privatdozent 20 Trient 25, 33 Tschavon Joh., Müller 28 Tschurtschenthaler Simon 28 Ployer 19 Bludenz 32 E Bozen 25, 38 Brandis Clemens Wenzel Graf 37 Prantl Michael 9 Bregenz 2 Preore bei Tione 20 Preßburg 4, 5 Primisser Dr. Gottfried 20, 23 Primör (Primiero) 22 Buthilier 33 Pusch Gottfried 34 - Johann 34 Echeli 36 v. Eiberg, Hofrat 25 Einsiedeln 2 Eleonore von Schottland 2 Ems in Vorarlberg, Bad 30, 32 Feldkirch 32 v. Vels 4 Venedig 1 Feuerbach 23 F und V Vogler Hans 6 Voglsanger Ambros Maria 13 Fontana Baptista 6 Vorhölzer 19 Freudenjäger 19 Friedberg 3 Füger Balthauser 3 Caspar 3 Cristof 3 Fünfkirchen 5 Gasteiger 19 G Geyer, Tischler 36 Gießen 20 Gilm Hermann v. 36. Glatz, Theologe 19 Göttingen 20 Graz 25 Gries bei Bozen 45 Günther Dr. 39 H Habtmann, Magistratsrat 26 Hallgött 19 v. Hauer 26 Hausenbüchler Friedrich 42 Heidelberg 20 Herburger 19 Hötting 27 Hörmann 19 Humplman 45 I und J Imhof (im Hoff) Josef 19 Imst 32 v. Ingram Anton 33 Kaspar 33 Gebhard 33 Johann, Erzherzog 25, 37 Johann, Abt zu Bregenz 2 v. Laicharding 26 Landeck 32, 42 L v. Lang, Archivdirektor 23 Lener Franz 15 Libenyi Johann 40 Liebener Joh. Franz 22 Linz 25, 26 Löhr Domin., Abt von Wilten 8 Mailand 25, 32 v. Mayr 25 v. Martini 26 Mannheim 20 M Maurer Dr. Eduard v. 39 Meẞmer 19 St. Michael bei Wien 4 Mittermair Dr. 20 Mieders 15 Miller Johann 24 Karl 24 v. Ming, Geheimrat 20 Moser 20 Mutter, Steinmetz 27 Mutterstatt Cristman 2 Müller Paul 1 Joh. Christian v. 13 Maria 21 München 20, 23 Mungenast 33 N Nagler Dr. G. K. 41 Nauders 42 Ofen 5 O Ongonia Peter 17 Rapp Dr. 26 Regensburg 19 Reinhard 20 R Reischach, Graf v. 29 Riccabona Felix v. 25, 26 Rina, Hofrat 25 Röggl 20, 23 v. Röggla 26 Rovereto 25 Runkelstein 41 Salzburg 25 S Schallinger Maria 22 Schirpf Jacob 11 v. Schmid 32 Schnardel, Weißgärber 14 Schneider, Maler 43 Scholl Andreas Dr. med. 7 Schrenk (v. Notzing) 6 Schwetzingen 12 Schweighoffer, Bürgermeister 13 Schweigkhofer Ign., Spitalskaplan 13 Staffler Placidus 36 39 Sternbach, Baron 32 Sterzing 14, 16 Stotter Dr. Michael 36 Stomfer Jacob Anton 22 Streicher Franziska 30, 32 - Maria Anna 30, 32 Seyssenhofer Jörg 4 Serafini 20 Siegmundslust 43 Sillo Anton 22 Silz 32 Simmering (Symering) 4, 5 Sontag 30 U Wels 25 Wien 4, 13, 25, 26, 45 Wieser Dr. Alois 35, 36, 38, 39 - Anna 38 Josef 38 Dr. Jos. Franz 35, 38 Kreszenz 36, 38 Ludwig 36, 41 Wilken 20 Wilten 8, 15, 34 Woerndl Philipp v. 27 Wolzogen Paul 4 Würzburg 18 Ulm 20 Unterholzner 20 W Weiherburg 27, 42 Weißenburg 5 Z Zallinger Franz v. 29 Zeller Georg 10 Zingerle Dr. Ignaz 41 Von den VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK sind bereits erschienen Nr. 1 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jahre 1950 (1. Teil: Nr. 1-2000) von Wil- helm Eppacher und Karl Schadelbauer. 1950. Nr. 2 Innsbrucker Urkunden aus dem Stiftsarchiv Wilten 1238-1350 von Karl Schadelbauer. 1951. Nr. 3 Die Wohltäter der Landeshauptstadt Innsbruck von Wilhelm Eppacher. Tyroliadruck 8976 52