Das Stadtspital im Jahre 1839 ============================= V E R Ö F F E N T L I C H U N G E N AUS D E M S T A D T A R C H I V I N N S B R U C K H erau sgeb er: Karl Sch ad elb au er Nr. 18 Das Stadtspital im Jahre 1839 Die Beschreibung des Spitalsverwalters Fr. X. Honstetter von Dr. Karl Schadelbauer I N N S B R U C K 1958 IM S E L B S T V E R L A G DES S T A D T M A G I S T R A T E S V on den V ER Ö FFEN TLIC H U N G EN AUS DEM STADTARCHIV INNSBRUCK sind bereits erschienen: Nr . 1 Innsbrucks stadtgeschichtliches Schrifttum bis zum Jah re 1950 (1. T eil: N r. 1— 2000) von Wilhelm Eppacher und K arl Schadelbauer. 1950. N r. 2 Innsbrucker U rkunden aus dem Stiftsarchiv Wilten (1238— 1350) von K arl Schadelbauer. 1951. N r. 3 D ie W ohltäter der L andeshauptstadt Innsbruck von Wilhelm Eppacher. 1951. N r. 4 Briefe aus Alt-Innsbruck (1461— 1873) von K arl Schadelbauer. 1952. N r. 5 Innsbrucker Geschichtsblätter (1. Folge) von K arl Schadelbauer. 1952. N r. 6 Verzeichnis der U rkunden des Stiftsarchives Wilten von 1138— 1299 von K arl Schadel­ bauer. 1953. N r. 7 Innsbrucks stadtgeschichtliches Sdirifttum bis zum Jah re 1950 (2. T eil: N r. 2001— 4770). 1953. N r. 8 Beiträge zur Innsbrucker Kirchengeschichte für Propst D r. Jo se f W eingartner. 1954. N r. 9 Lesebuch aus Innsbrucker Stadtgeschichtsquellen. 1955. N r. 10 D ie gefälschten Urkunden des Bischofs Reginbert von Brixen für das K loster Wilten von D r. Fritz Steinegger. 1956. N r. 11 Innsbrucker Geschichtsblätter (2. Folge). 1956. N r. 12 D ie St.-Jakobs-K irche in Innsbruck im Lichte der Rechtsgeschichte von U niv.-Prof. D r. H . Lentze. N r. 13 Geschichte der Raum - und Grenzbildung der Stadtgem einde Innsbruck von O tto Stolz. N r. 14 D ie K leinstbände der „D ip au lian a“ — Ein Bücherverzeichnis (Band 1 bis 100) von K arl Schadelbauer. N r. 15 50 Jah re schulärztlicher D ienst in Volks- und Hauptschulen von Stadtphysikus D oktor Leopold Unterrichter. N r. 16 D rei Befehlshefte des Innsbrucker Platzkom m andos vom Jah re 1809 von K arl Schadel­ bauer. N r. 17 Die Kleinstbände der „Dipauliana“ — Ein Bücherverzeichnis (Band 101 bis 200) von Dr. Karl Schadelbauer. D ru ck : T yro lia Innsbruck 9683ss V E R Ö F F E N T L I C H U N G E N AUS DE M S T A D T A R C H I V I N N S B R U C K H e r a u sg e b e r : Karl S c h ad elb au er Nr. 18 Das Stadtspital im Jahre 1839 Die Beschreibung des Spitals Verwalters Fr. X. Honstetter von Dr. K arl Schadelbauer I N N S B R U C K 1958 IM S E L B S T V E R L A G DES S T A D T M A G I S T R A T E S * ' - . " ■ Das Stadtspital im Jahre 1839 Die Beschreibung des Spitalverw alters Fr. X . H onstetter Das Innsbrucker Stadtspital hatte von 1307 bis zur Eröffnung der neugebauten U n i­ versitätskliniken im O ktober 1888 ununterbrochen dem Wohle der Kranken wie der alten Pfründner gedient. Als gerade vor hundert Jahren der Wunsch nach der W ieder­ errichtung einer medizinischen Fakultät immer lauter und dringender wurde, galt das veraltete und in seinen Einrichtungen unzulängliche Stadtspital, an dem ja die M edizin­ studenten praktisch ausgebildet werden sollten, geradezu als ein Hemm nis. Es ist daher sehr wertvoll, ein genaues Bild über die im Spitale herrschenden Zustände jener Zeit zu erhalten. Der pflichteifrige Verwalter Franz X aver H onstetter hat es im Jahre 1839 in seiner „Beschreibung des Stadtspitals zu Innsbruck, seiner Entstehung und V er­ besserung in medicinischer und oekonomischer Hinsicht bis zum Schluß des Jahres 1838 bis in alle Einzelheiten dargestellt. Seine 106 Seiten (in Kanzleiform at) um fas­ sende Schrift wird in der Handschriftensammlung der Universitäts-Bibliothek als Codex 1019 aufbewahrt. H errn D irektor H ofrat Dr. H ofinger sei für die entgegenkommende Erleichterung ihrer Benützung herzlich gedankt. Aus dieser Beschreibung werden im folgenden e i n i g e besonders aufschlußreiche A b­ schnitte abgedruckt (meist wörtlich; unwesentliche Auslassungen, Zusammenziehungen oder Änderungen sind nicht eigens gekennzeichnet). H onstetter widmete sein W erk dem „k. k. H r. Gubernialrate, Med. D r., Landes-Protomedicus, D irektor des med.-chir. Studiums an der Leopold-Franzens-Universität zu Innsbruck, Mitglied mehrerer A k a­ demien und gelehrten Gesellschaften Johann N ep. Ehrhart Edler von Ehrhartstein“ 1 und dem Bürgerm eister der k. k. Provinzial-H auptstadt Innsbruck, Hieronim us von Klebelsberg zu Thum burg. Als M otto wählte der Verfasser: „A rm en, Hülfelosen und Erkrankten hilfreich entgegen zu kommen, ist Menschenpflicht! Wo kann man daher diese Menschenpflicht schöner ausüben, als in U nterstützung der W ohltätigkeitsanstalten und Krankenhäusern?“ In einem längeren Schreiben vom 3. Juli 1839 an Gubernialrat Ehrhart begründet H onstetter die Abfassung seiner Beschreibung und seine W idmung näher: „V o n der innigen Teilnahm e überzeugt, welche Euer Hochwohlgeboren gegen W ohltätigkeits­ und Krankenanstalten hegen, sowie die Liebe und den Eifer kennend, wom it Hochdie- selben seit so vielen Jahren über diese Anstalten wachten, und ihr Wohl m it großer A nstrengung und Aufopferung beförderten, finde ich mich aus Ehrfurcht und D ankbar­ keit aufgefordert, für die m ir so oft bewiesenen Gnaden einen, wenn auch nur geringen D ank dadurch abzustatten, wenn ich die Beschreibung des Innsbrucker Stadtspitales nach seiner Einteilung und Beschaffenheit überhaupt, als auch besonders von dem einzelnen W irken in ärztlicher, ökonomischer und seelsorglicher Beziehung in Ehrfurcht Euer Hochwohlgeboren widme und unterlege. Möge m ir hiebei das Glück zuteil werden, daß dieselbe gnädig aufgenommen und gewürdigt werde. 1 Jo h . N ep. E hrhart wurde am 16. Mai 1779 zu Renchen in Baden geboren und 1804 in Wien zum D r. med. prom oviert. E r kam dann als Assistent an die Salzburger Medizinische Fakultät zu Jo h . Ja k . H artenkeil und wurde 1808 ordentlicher Professor der theoretischen Medizin. 1820 übersiedelte E h rh art nach Innsbruck, wurde Landes-Protom edicus und 1824 geadelt. Von 1808 bis 1842 redigierte er H artenkeils bekannte medizinisch-chirurgische Zeitung. 1849 in den R uhestand getreten, starb er am 8. N ovem ber 1860 in Salzburg. (Nach dem Biographischen Lexikon der hervorragenden Ä rzte.) 3 Ein zweites Exem plar widmete ich dem H r. Bürgerm eister Dr. y. Klebelsberg aus folgendem Grunde: Die Dienstesverhältnisse zwischen dem Stadtm agistrate und der k. k. Spitalsdirektion stehen bezüglich auf den Spitalsdienst in enger Verbindung und sind von solch wesentlicher Beschaffenheit, daß dieselben nur gegenseitig in H arm onie ausgeführt dem Spitale von N utzen werden können. Jede Störung dieser H arm onie greift nachteilig in das W irken beider Stellen und raubt das auswärtige Vertrauen die­ ser so wohltätigen Anstalt. Es ist daher notwendig, daß der Stadtm agistrat eine genaue Kenntnis des Spitales in seiner Einteilung und Beschaffenheit überhaupt, als auch be­ sonders von dem einzelnen Wirken in ärztlicher, ökonomischer und seelsorglicher Be­ ziehung erhalte. W ird daher von Seite des H r. Bürgermeisters als V orstand des Stadt­ magistrates dieser Beschreibung ebenfalls eine W ürdigung geschenkt, so kann dieselbe in mannigfacher A rt dem Spitale nichts anderes als von N utzen werden. Denn diese Beschreibung enthaltet alles frei und oflen, wie ich es teils aus A kten gefunden, teils aus Erfahrung geschöpft habe. Kein Bestehen des W irkens und Handelns ist darin über­ gangen und die Verbindlichkeit des Spitales als W ohltätigkeits- und Krankenanstalt ist durch die darin aufgeführten Stiftungen und Verordnungen gehörig beleuchtet. Für allenfällig eingeschlichene, mir unbekannte Fehler bitte ich um gütige Nachsicht, denn unerfahren in der literarischen Kunst und mit zu wenig Fähigkeiten begabt, um den Sachgehalt dieses Gegenstandes nach schriftstellerischen Regeln bearbeiten zu können, bitte ich, in dieser Darstellung nicht eine kunstgerechte, sondern nur eine m it ange­ strengtem Fleiße, aber schwachen Kräften bearbeitete Beschreibung zu suchen und ihr jene huldgewohnte W ürdigung zu schenken, welche Euer Hochwohlgeboren gegen Untergebene zu eigen ist.“ In einer etwas weitschweifigen „Einleitung“ begründet H onstetter nun neuerdings den Zweck seiner A rbeit und beklagt sich über bösartige Gerüchte, die über das Stadt­ spital ausgestreut würden. E r schreibt: „D er Zweck dieser Beschreibung ist, die bisher den Menschenfreunden großenteils unbekannte Gründung des Stadtspitales anzuzeigen und sie mit dem Erfolge und Ge­ deihen dieser Gründung bekannt zu machen. Von dem G rundsätze ausgehend, daß W ohltun, Mitleid und Dankbarkeit die festen Bande sind, welche die Menschen in allen Verhältnissen aneinander knüpfen, getraue ich mir auch ungescheut zu sagen: daß unser Stadtspital von den vielen in Innsbruck bestehenden anderen wohltätigen Anstalten gewiß die erste Aufm erksam keit der Menschenfreunde verdient. Leider hört man be­ reits noch täglich die verschiedenartigsten Gerüchte und ebenso auch nur zu oft die verkehrtesten Urteile über unser Stadtspital, selbst von solchen, welche verm öge ihrer Stellung eine gründlichere Bekanntschaft mit dieser Anstalt haben sollten und deshalb auch ein gegründeteres U rteil von ihnen zu erwarten wäre. Fast dürfte man sagen, daß es sich so viele zum Zwecke gemacht zu haben scheinen, alles Übel unseres Spitales m it schändlicher Übertreibung zu verbreiten, und alles einer fehlerhaften Leitung, A n­ ordnung und Ausführung zuzuschreiben. Die Ursache dieses Mißkredits wird daher von vielen dort gesucht, wo sie eben andere wieder nicht zu finden glauben, daher auch die Quellen desselben bald da bald dort zu bekämpfen angeraten worden, ohne daß sich mancher Ratgeber selbst eines gewissen Schwankens nicht erwehren konnte.“ Schließlich dankte er allen Förderern des Spitales von seinem Stifter, König Heinrich, angefangen, besonders dem Landes-Gubernium und dem Stadtm agistrat. V on letz­ terem schreibt er: „Denn immer wirkte Wohlderselbe nach allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln w ohltätig für das Spital ein und widmete in den so schwierigen und gefahrvollen De- 4 fensions-Epochen ein besonderes Augenmerk auf die Gebahrung und Erhaltung der da­ zumal so oft in Gefahr geschwebten Fondsm ittel und der genauen Erfüllung der von den edlen Stiftern ausgesprochenen W illensmeinungen. Ein besonderer D ank gebührt W ohldemseiben für die so eifrig betriebene Verlängerung des Spitalgebäudes durch den im Jahre 1838 ausgeführten Spitalsbau.“ D er Abschnitt „G ründung des Stadtspitales und dessen Stiftungen“ wird ausgelassen, weil er hauptsächlich nur eine knappe Aufzählung der Vermächtnisse und Schenkungen enthält und die ältere Geschichte des Spitales ohnehin einmal an H and des U rkunden­ m aterials ausführlich dargestellt werden muß. Die letzten drei Eintragungen lauten: „D ie verstorbene Frau Schedler geb. Oberrauch schenkte m ittelst Testam ent dem Spi­ tale 25 Gulden m it dem Bedingnis, diesen Betrag an die Kranken zu verteilen. — Ein Ungenannter ließ im Jahre 1838 der Verw altung 20 Gl. zur Verteilung an die armen Kranken zuschicken. — H err H andelsm ann R aggl war bisher ein wesentlicher W ohl­ täter für das Spital durch Schenkungen von Bett- und Leibwäsche.“ N unm ehr folgt das-interessante K apitel: D as Spitalgebäude und seine Einteilung Soviel sich erheben ließ, war der Bau des Spitalgebäudes im Jahre 1329 nicht nur vollendet, sondern auch schon Arm e und H ilflose darin aufgenommen. Den Stiftungen nach zu urteilen, dürfte dasselbe schon zwischen den Jahren 1312 und 1315 vollendet gewesen sein. U nter welcher Leitung der Bau geführt und von welchem Baumeister derselbe bewerkstelligt worden ist, konnte leider nicht erhoben werden. Nach einer alten, hier wörtlich gegebenen Aufschreibung ohne D atum und Jahreszahl hatte dieses Gebäude folgende Einteilung (die vermutlich ungenaue Abschrift ist hier verbessert wiedergegeben): „Das erbaute Bürgerspital mit Ingebäuen, als da sind die Pfründner­ zimmer, die 2 Krankenzim m er m it (der) in der M itte stehenden, zum Meßlesen ein- geweihten Kapelle. D er ganze T ractus vom Eck m it der Spitalschmitten (heute Ecke Maria-Theresien-Straße—M arktgraben) bis zum Bruderhaus (Ecke Stainerstraße— Adolf-Pichler-Platz) enthielt zu ebener Erde die Keller, Speis- und Feuergewölbe, die Ehehalten-Stuben, das Milchstübele, ein Gemach zu Aufbehaltung von allerhand H aus­ fahrnissen, Zeug und Instrumenten, sodann den Pferdestall, die Kornbschitt, den Schweinestall, die H olzhütte und endlich die Schupfen, wo die Kutschen, Wägen und auch der Stadt Innsbruck Feuerspritzen stehen, den dazugehörigen Futterstadel, Tennen, Stallwerk zu Milch-Mast und Zigl (-Aufzucht) auch das Stiervieh: Ü ber der Ehehalten- Stuben eine Stiege (wohnt) der Capellanus und der Bauknecht als respektive T orw ärter.“ Dieses Spitalgebäude hatte daher ursprünglich nur ein Erdgeschoß und 2 Stockwerke. D er dritte Stock wurde erst viel später aufgebaut und harm oniert daher sowohl in der H öhe der Zim m er als auch in deren Einteilung mit den ändern zwei Stockwerken gar nicht. Nach dieser Einteilung verblieb das Spitalgebäude m it Ausnahme der N eben­ gebäude, worin Ehehalten untergebracht waren und eigene Regie geführt wurde, bis in die neuere Zeit ohne wesentliche Änderung. Im Jahre 1818 fing eigentlich erst die wahre Verbesserung des Spitales an, und zwar infolge einer von Seite des H r. Landes- Protom edicus v. Scherer vorgenommenen genauen Untersuchung aller in diesem Spitale eingerissener Gebrechen und Anzeige hierüber an die hohe k. k. Landesstelle. Hoch- dieselbe, das Resultat dieser Untersuchung genau prüfend und die N otw endigkeit einer schnellen Abhilfe der Vorgefundenen Gebrechen erachtend, hat sogleich (am 24. Mai 1818) dem Stadtm agistrate die Abhilfe dieser Gebrechen aufgetragen und dem Befunde 5 des H r. Landes-Protomedicus beigepflichtet, daß die schon früher im hiesigen Spitale bestandene innere Ordnung sich in den letzten Jahren allmählich aufgelöst habe, wo­ durch dasselbe in seinem doppelten Endzwecke als Krankenanstalt und als Klinikum immer weniger entsprechend geworden sei. Der löbl. Stadtm agistrat, die Notw endigkeit der Hebung dieser Gebrechen wohl erkennend und stets von dem Wunsche beseelt, die Verbesserung des Spitales nach Kräften zu befördern, hat diesem hohen A ufträge durch augenblickliche Vornahm e folgender Änderungen auch wirklich entsprochen, nämlich: 1.) D er 3. Stock war m it Pfründnern belegt. Dieselben mußten daher dieses Stock­ werk räumen und die chirurgische Abteilung wurde daselbst untergebracht. Das mittlere Zimm er dieser Abteilung wurde zum Vorlese- und Operationssaal bestimmt. 2.) Im 2. Stockwerke wurden die 2 an die Küche stoßenden Zim m er für venerische Kranke bestimm t und zur Abteilung des chirurgischen Professors gegeben. Die übrigen Zimmer dieses Stockwerkes erhielten die Bestim mung, für die medizinische M änner­ abteilung. 3.) Der 1. Stock wurde für die mediz. W eiberabteilung mit 2 Zimmern für die Ge­ bärabteilung bestimm t, welch letztere dem jeweiligen Professor der Geburtshilfe einge­ räum t wurden. 4.) Das im Erdgeschosse befindliche Leichenzimmer wurde in ein W ohnzim m er um ­ gewandelt und m it Pfründnern belegt; das neue Leichenzimmer aber außer dem w irk­ lichen Spitalsgebäude hergestellt. 5.) Der Spitalverw altung wurde die strenge Weisung gegeben, die innere Hauspolizei und Reinlichkeit mit mehr Sorgfalt zu handhaben und nie mehr zu vernachlässigen. 6.) Die mangelhafte Einrichtung mehrerer Zimm er wurde verbessert. 7.) Die Spitalhöfe, welche zum allgemeinen Gebrauche immer offen waren, erhielten eine Absperrung und die hintere, von der Kirche in den Spitalhof führende Türe mußte von nun an geschlossen bleiben. 8.) Die Beköstigung der Kranken wurde als unpassend erklärt und die Entwürfe einer neuen K ostordnung zu verfassen angeordnet. 9.) N ebst dem Irrenwärter mußte auch eine W ärterin für weibliche Irre angestellt werden. 10.) Die Anordnung, daß in den vorhandenen 5 Behältnissen der Irrenabteilung nie mehr als 20 Irre untergebracht werden dürfen. 11.) Die Erlassung einer bestimmten Vorschrift über die Aufnahm e der Irren. 12.) Die Einsetzung von Bäumen in die Spitalhöfe. 13.) Die Anstellung einer eigenen Spitalshebamme. Im Jahre 1830 wurde von der hohen k. k. Landesstelle eine neuerliche Kom m ission zur Untersuchung aller Gebrechen bestimm t, welche die Verbesserungsanträge p roto­ kollarisch aufnahm und hauptsächlich den schadhaften Zustand der Nebengebäude dar­ stellte. Das Spital selbst erhielt nur einige Verbesserungen in betreff der Wäsche und kleineren Einrichtungsstücke. D er Endzweck, welcher der Errichtung des Spitales zugrunde lag, war, um verarm ­ ten und hilfelosen Einwohnern der Stadt Innsbruck ein Unterkom m en oder eine V er­ sorgung als Pfründner zu geben, dann arme erkrankte Dienstboten und Einwohner der Stadt darin zu warten und zu pflegen. Jedoch wurden immer auch arme Fremde im Erkrankungsfalle jeden Alters, jeder N ation und jeder Religion aufgenommen. Arme, 6 der Stadt Innsbruck angehörige Kranke hatten von jeher und bis gegenwärtig, dem Willen der Stifter gemäß, unentgeltliche Verpflegung. Fremde aller Nationen, m it A us­ nahme des österreichischen Kaiserstaates, werden im Erkrankungsfalle im Spital unent­ geltlich verpflegt, wenn sie nicht eigenes Vermögen besitzen, die erlaufenen Kosten nach einer bestimmten, mäßigen T axe zu bezahlen. Hinsichtlich der Aufnahm e der Pfründ­ ner hing die Bestimmung hiezu vom Stadtm agistrat ab. Es haben besonders und fast allein nur verarm te Bürgersleute von Innsbruck oder lange bei Bürgern gearbeitete Dienstboten Anspruch zur Aufnahme. Dessenungeachtet wurden doch auch in früherer Zeit solche Personen als Pfründner aufgenommen, welche eine bestimmte Summe erleg­ ten. Die Aufnahm e bedingte sich daher nach dem Raum e, dann der erlegten Summen und auch nach sonstigen Empfehlungen. Seit der neuen Organisierung des Spitales je­ doch kann ein Pfründner nur mehr m it Bewilligung der hohen k. k. Landesstelle auf­ genommen werden. Eine weitere Bestim mung des Spitales war auch die Aufnahm e und Verpflegung von Findlingen und Waisenkindern, wovon die Rechnungen von den Ja h ­ ren 1790 bis 1796 den Beweis liefern. Späterhin schieden sich dann die Zwecke des Spitales mehr aus und nahmen eine mehr bestimm te N orm an. Die Verwaltung des Spitales führte bis zur neuen Organisierung der Stadtm agistrat und stellte zur Rech­ nungsführung ein Individuum mit dem Titel eines Verwalters auf. Im Jahre 1830 trat diese neue Organisierung ins Leben, welcher die Vorschriften fü r das Wiener Allgemeine Krankenhaus zum Grunde genommen wurden. Die A rt und Weise dieser neuen O rga­ nisierung ist das W erk des hochv. H r. Landesprotom edicus und k. k. Gubernialrates Ehrhart Edler v. Ehrhartsstein. D er Erfolg derselben beweist, m it welcher Sachkenntnis in allen Teilen hiebei von Hochdemselben zu W erke gegangen worden ist. Möge ihn für sein so schönes W irken der Lohn entschädigen, welcher jeder Edle in dem Danke der armen Menschheit findet. Durch diese neue Organisierung erhielt das Spital einen unentgeltlichen D irektor und einen eigenen Verwalter. Beide stehen unm ittelbar unter der hohen k. k. Landesstelle. Dem Stadtm agistrate blieb das Patronatsrecht und vollkom mene Einsicht aller Rech­ nungen; ebenso der weitere Einfluß auf ökonomische Gegenstände mit dem einzigen Unterschiede, daß über alles die hohe k. k. Landesstelle bestim m t und entscheidet. Die Hauptbestim m ungen dieser neuen Organisierung sind, als: 1. Eine Direktion, welche die Oberleitung sämtlicher Krankenhausgeschäfte führt. 2. Die Vorlage aller Berichte und Vorschläge an die h. k. k. Landesstelle, welche außer dem W irkungskreise der D irektion liegen. 3. Die Überwachung des Wohles der Kranken sowohl in ärztlicher als in ökonom i­ scher Beziehung. 4. Die Abhaltung monatlicher Konferenzen, um die von den Ärzten und dem V er­ walter beobachteten Gebrechen sowie andere Spitalsgegenstände sowohl in wissenschaft­ licher als auch in ökonomischer und disziplinärer Beziehung zu besprechen und zu be­ raten: dann die hierüber geführten Protokolle der h. k. k. Landesstelle zu unterlegen. 5. Die Vorlage von monatlichen Rapporten an die h. k. k. Landesstelle m it Nachwei­ sung der Aufgenommenen, Entlassenen, Verstorbenen und Verbleibenden nebst D ekla­ ration ihrer Krankheitarten. Weiters eigene Vorschriften über die Einteilung der verschiedenen Krankenabteilun­ gen, über die Aufnahm e der Kranken, Schwangeren und Irren, über die Verpflegsklas- sen, über ärztliche und wundärztliche Pflege, über Arzneien und Apotheke, über die 7 Naturalverpflegung der Kranken, über die Pflichten der W ärtersleute, über die E n t­ lassung der Kranken, Schwangeren und Irren, über Todesfälle und Beerdigung, für die Krankenhausverwaltung in Kanzlei-, Kassa- und Ökonomiegegenständen, über die Ein­ richtung der Krankenzim m er, über die H auspolizei und über geistliche Seelsorge und Kirchendienst. Obwohl aber diese neue Organisierung so vieles und Vorzügliches zur Verbesserung des Spitales beitrug, so sind nichtsdestoweniger doch so manche Lücken in der innern Organisation des Spitales offen, welche dem Spitalverständigen immerhin betrübend auffallen müssen, deren Hebung bei der neuen Organisierung leider außer der Macht des hochv. H r. Landesprotom edicus lag, indem sie nur durch gänzliche U m gestaltung des alten Gebäudes, woran dazumal und noch gegenwärtig gar nicht zu denken war und ist, entfernt werden können. U m meinem Grundsätze getreu zu bleiben, das Gute wie das Üble aufzudecken, erlaube ich mir, die noch vorhandenen wesentlichen Gebrechen hier anzuführen wie folgt: 1. Die Krankenzim m er sind wider alle Sanitätsvorschriften wegen Mangels an Raum m it zu vielen Kranken überlegt. 2. Keine Absonderung derjenigen Kranken, welche doch nach den Sanitätsvorschrif­ ten abgesondert sein sollten. Der Mangel an gehöriger Lokalität ließ bisher die A us­ führbarkeit dieser Absonderung nicht zu. 3. Keine Berücksichtigung des Scham- und Ehrgefühles bei den Schwängern und Wöchnerinnen, indem dieselben auf 2 kleine Zimm er beschränkt sind, in welchen die Schwangeren bis zu ihrer Entbindung wohnen, die Geburtsakte vorgenom men und die Wochenbette darin gehalten werden. (Den ad 2 und 3 berührten Übelständen ist nun durch den erfolgten Verlängerungsbau zum Teil abgeholfen.) 4. D er Übelstand, daß die chirurgische Abteilung im 3. Stockwerke untergebracht ist, denn das Unzukömmliche, Schwerverwundete oder Beschädigte in das 3. Stockwerk zu tragen, muß jedem auch nicht Kunstverständigen auffallen. 5. Die unzweckmäßige Unterbringung der unglücklichen Irren, denn die Lokalien derselben sind dum pf und feucht, zudem auch sparsam mit Licht versehen. Die W ohl­ tätigkeit des Sonnenlichtes bleibt für diese Lokalien wegen ihrer kleinen Fensterstöcke großenteils ohne W irkung. Die Irrenbehälter sind so enge beieinander, daß der ruhige Irre durch den Lärm des ändern unruhigen Irren leicht ein tobender Irrer werden kann. W ahn- und Irrsinnige, welche allmählich aus ihrem abnormen Geisteszustände erwachen, können beim richtigen Erkennen dieses ihres Aufenthaltsortes kaum etwas anderes als eine schädliche Gem ütseinwirkung erleiden. Jeder Menschenfreund, dem die Bauart dieser Lokalien bekannt ist, wird gewiß den Wunsch aussprechen, in denselben die Unterbringung solcher Unglücklicher soviel wie möglich zu beseitigen. Die W orte des H r. D r. H unter über Unterbringung und Versorgung der Irren dürften hier nicht am Unrechten Orte sein, der da sagt: „Es gibt der unvermeidlichen Gegenstände so viele, die den armen W ahnsinnigen oder dessen Anverwandten erschüttern, wenn sie sich einem Orte dieser A rt nähern, daß es wirklich eine heilige Pflicht sein sollte, alle w idri­ gen Eindrücke, die in unserer Macht stehen, zu entfernen. Hieher gehört gewiß vor allem eine ungewöhnliche oder abschreckende Bauart der Irrenhäuser.“ Im neuen Ver- längerungsbau sind leider keine Irrengemächer angebracht. Diese Unglücklichen bleiben daher auf gegenwärtige schlechte L okalität beschränkt, bis es Zeit und M ittel gestatten werden, die Um gestaltung des alten Gebäudes vorzunehmen. 6. Eine Vorrichtung zur Luftverbesserung mangelt ganz, was doch ein notwendiges Bedürfnis eines guten Spitales ist. Die A rt und Weise, wie eine Luftverbesserung er­ zweckt werden kann, liefert das so schöne und allgemein bewunderte Krankenhaus in München, in welchem zu diesem Behufe eigene Kanäle durch das ganze Gebäude laufen und dabei in Verbindung m it den Öfen stehen. H r. M ed.-Rat v. H äberl schrieb eine eigene Abhandlung über diese Luftverbesserungsmethode. Der wohltätige Einfluß einer gesunden reinen L uft ist in Spitälern gewiß unverkennbar, wo so vieles zusamm en­ w irkt, eine schädliche Luftverderbnis zu erzeugen. Schon die übelriechende Ausdünstung so vieler Kranker allein ist hinreichend, die L u ft eines Zimmers zu verpesten, um wie viel mehr noch wird diese Verpestung gesteigert durch den ganz unerträglichen Geruch bösartiger Geschwüre, Exkrem ente etc., m itunter auch durch den Geruch der Salben. Daher mag sich auch das Sprichwort „der Spitalgeruch“ schreiben. N u r durch die größt­ möglichste Reinlichkeit verm ag man bei dem Mangel einer Vorrichtung der L u ftver­ besserung diesen Geruch wohl zu vermindern, aber nie ganz zu heben. Selbst die Äiittel als: der Gebrauch des Wassers, der aromatischen Rauchwerke, die D äm pfe des kochen­ den Essigs, des Weingeistes, des Feuers selbst, verschiedener Säuren, auch der in neuester Zeit so anempfohlene C hlorkalk sind nicht hinreichend, den üblen Geruch ganz zu ver­ bessern. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß diese Mittel m it gutem Erfolge angewendet werden, aber immer bleibt ihnen der V orw urf, daß ihre W irkung nur eine tem poräre und deswegen eine unzureichende W irkung sei, denn nur wenn sie gebraucht werden, ist ihre W irkung fühlbar und von Einfluß, wird aber den Kranken lästig und oft auch schädlich. 7. D er Mangel an Lokalien für Kranke besseren Standes. Diesem großvermißten Be­ dürfnisse ist durch den erfolgten Neubau bereits abgeholfen worden. 8. Endlich sind in der Einrichtung der Krankenzim m er noch so manche Mängel und Gebrechen, welche einer Verbesserung bedürfen, aber bisher wegen Mangels an Fonds­ kräften unterbleiben mußten. Mit der Zeit und wachsenden Fondsm itteln werden auch diese Mängel und Gebrechen ihre Verbesserung erhalten, welches um so mehr zu erwar­ ten steht, als ein besonderes Augenm erk auf diese Verbesserung stets gerichtet ist. Dieses sind die bisherigen wesentlichen Gebrechen, getreu ihrem Bestehen nach ge­ schildert. Mögen dabei dem geehrten Leser dieser D arstellung aber auch die Bem ühun­ gen der Verbesserungen, wie selbe bei der neuen Organisierung angeführt sind, nicht flüchtig entgehen, sondern gewürdiget werden, dann wird manches falsche U rteil und Gerücht über unser Stadtspital seine triftigste W iderlegung finden. Denn H ierin liegt der Beweis, daß die noch vorhandenen Mängel und Gebrechen nicht in der Unkenntnis der Spitalsvorstehung und Spitalsärzte, auch nicht in ihrer U ntätigkeit liegen, sondern lediglich durch die unregelmäßige Bauart des alten Gebäudes und auch von den be­ schränkten Fondsm itteln herbeigeführt wurden. Vertrauen wir daher auf den löbl. Stadtm agistrat, welcher einmal die so schwierige Aufgabe des Erweiterungsbaues über­ nommen und bereits ausgeführt hat, daß er auch in betreff des Finanzzustandes noch erfolgreiche Leistungen machen und selbst noch weitere Ausführungen bewerkstelligen wird, welche vielleicht gegenwärtig so manche als unerreichbar finden. Dank sei daher wohldemselben für seine große, m it so vielen Schwierigkeiten verbundene Bemühung zur endlichen Bewerkstelligung des Verlängerungsbaues. Auch D ank sei der h. k. k. Landesstelle für die gnädige U nterstützung der magistratischen Anträge zur Erw irkung der Genehmigung von der h. k. k. Hofkanzlei. 9 Zur genauen Beurteilung des Spitalgebäudes in seiner Lage und Bauart folgt hier nun eine getreue Beschreibung m it H m zufügung seiner innern Beschaffenheit, und zwar nach seinem gegenwärtigen Bestehen. Das Spitalgebäude. Dasselbe liegt mit der H auptfront, in welcher sich die Krankenzim m er befinden, süd­ östlich, m it der hintern entgegengesetzten Front, welche durch die ganze Länge des Gebäudes vom Erdgeschosse bis im 3. Stocke gleichmäßig einen m it den Zimmern durch­ gängig parallel verlaufenden Gang enthält, westlich, der Stadt zugewendet. Das nörd­ liche Ende des Gebäudes grenzt an die Spitalkirche: an das südliche Ende desselben, ehe­ dem in den oberen Stockwerken freistehend, schließt sich nun der Yerlängerungsbau nach der ganzen H öhe an. Die Lage der Krankenzim m er und die daraus genießende Aussicht in Gärten und in das Freie ist wirklich sehr schön zu nennen. Das Spital­ gebäude enthält ein Erdgeschoß und 3 Stockwerke. Keller oder sonst unterirdische Be­ hältnisse sind unter demselben keine angebracht. Die Krankenzim m er aller 3 Stock­ werke sowie die Irren-Lokalien im Erdgeschosse befinden sich, wie schon gesagt, in der H au ptfront gegen Südost. Erdgeschoß. In demselben ist die Irrenabteilung untergebracht und enthält 12 L oka­ lien für Irre und 2 Zimmer für Pfründner. Von 10 solcher Irrenlokalien ist der R aum auf einen Irren beschränkt. Jedes derselben enthält eine festgemachte Schlafstätte und einen eingemauerten Leibstuhl. Je zwei und zwei solcher Lokalien haben ungefähr 8 Schuh (— ca. 240 cm) über dem Boden einen Fensterstock, welcher m it Eisenstangen versehen ist. Die Erwärm ung erhalten sie durch einen im Vorhause angebrachten irdenen Ofen, verm ittelst m it Stagetten versehenen Öffnungen ober den Türen. An den Türen sind wieder kleine, zum Verschließen gerichtete Öffnungen angebracht und haben den Zweck, die Irren beobachten zu können. Die Schlafstätten enthalten gewöhn­ lich einen Strohsack, ein Strohpolster, ein Federpolster, 2 Leintücher, eine wollene Decke, nach Bedürfnis aber auch ein U nterbett oder eine M atratze, ein Kopfkissen und eine mit Federn gefüllte Decke. Die ändern 2 Irrenlokalien enthalten einen R aum für 3 Irre und sind m it freien Bettstätten versehen. V on den 2 Pfründnerzim m ern ist das eine eher ein Gewölbe als ein Zimmer zu nennen. (Die Größenangaben der Zimmer werden ausgelassen!) Sie hatten Raum für 8 Betten. Durch den Verlängerungsbau erhielt dieses Erdgeschoß keine Verm ehrung an Irrengemächern, weil in dem Verlängerungsbau ebener Erde folgende Lokalien hergestellt wurden als: ein Speisgewölbe m it einem Fenster, die Ausspeiseküche mit 3 Fenstern und einem trefflichen, einzig schön gebauten Sparherd, 2 Badezimmer, wovon eines für Männer, das andere für Weiber bestimmt ist, beide heizbar mit einem Raum für 10 bis 12 Wannen, eine heizbare Leichenkammer, ein heizbares Sektionslokal, ein Zimmer für den Leichenwärter und eine Waschküche. Diese neuen Lokalien sind sehr bequem gebaut und haben ein freundliches Aussehen. 1. Stock. In diesem Stockwerke ist untergebracht a) die medizinische Weiberabteilung, bestehend aus 3 Zimmern, 2 Kabinetten und einer kleinen Küche und b) die G ebär­ abteilung mit 2 Zimmern. Die H öhe dieser Zimmer beträgt zwischen 12 und 13 Schuh (— ca 360 cm). Die Fensterstöcke haben eine angemessene Größe, stehen 4 Fuß über dem Fußboden und sind mit W interfenstern und grünen Rolletten versehen. Dem Raum e nach sollten diese Zimm er höchstens m it 21 Betten belegt sein, während sie gegenwärtig m it 30 bis 32 Betten belegt werden müssen. Die Eingangstüren sind im W inter m it V ortüren versehen. Die Fußböden sind von H olz. Die Beheizung geschieht 10 in gewöhnlichen irdenen Öfen. Bei dem Mangel einer Vorrichtung zur Luftverbesserung geschieht die Reinigung der Zim m erluft durch willkürliches öffn en der Fenster. Die Beleuchtung der Krankenzim m er geschieht durch Öllampen. Die Betten stehen frei ohne Zwischenwände. Die Entfernung eines Bettes von dem Ändern betragt kaum 2 Fuß. Ü ber jedem Bette ist an der W and eine schwarzlackierte Tafel angebracht, w orauf der N am e, Stand und A lter des Kranken, sein Eintrittstag, die Krankheit, die Speise- und Getränkportion, dann die Bettnum m er angezeigt ist. Zwischen den Betten stehen kleine, m it Silberfarbe angestrichene Tischgen, worauf die Medikamente zu stehen kommen. Dieselben haben eine untere gedeckte Abteilung, in welche die Spuckschalen, das U rin­ glas und andere notwendige Kleinigkeiten zu stehen kommen. Jeder Kranke hat bei seinem Bette Löffel, Gabel und Messer nebst einem Serviet. Bei der Nacht und selbst wenn es die N o t erfordert am Tage kom men gedeckte Leibstühle in die Krankenzim ­ mer. Die Gebärabteilung hat die gleiche Einrichtung, m it der einzigen Ausnahme, daß auf den Kopftafeln der N am e der Schwangeren nicht geschrieben, dafür aber die Geburt des Kindes darauf angezeigt wird. Durch den Verlängerungsbau erhielt dieses Stock­ werk noch 9 sehr freundliche Zimm er m ittlerer Größe. 2. Stockw erk. In diesem befindet sich die medizinische Männerabteilung und enthält 4 Krankenzim m er, 1 Kabinett, 1 Zimm er für die Spitalsköchin und eine kleine Küche. Die H öhe der Zimmer, die Einrichtung, die Fenster, Öfen, Fußböden etc. ist gleich wie im 1. Stockwerke. Der R aum dieser Lokalien gestattet der V orschrift gemäß die U nter­ bringung von 19 Betten, während daselbst im m er 30/31 Betten auf gestellt und belegt sind. Durch den Verlängerungsbau erhält dieses Stockwerk um 9 sehr freundliche Zim ­ mer und eine kleine Küche mehr. 3. Stockwerk. H ier ist die chirurgische Abteilung untergebracht, und enthält 5 Kran^ kenzimmer, 1 Vorlesezim mer, welches zugleich zum Operationssaale dient nebst einer kleinen Küche. Die H öhe der Zimmer ist kaum gegen 9 Schuh. Dieselben haben noch den Übelstand, daß die durchlaufenden Türen m it Schwellen versehen sind, wodurch die Transportierung der zu Operierenden oder Operierten in und aus dem O perations­ saal sehr erschwert wird. Die übrige Einrichtung, Fußböden, Öfen, Türen, sind wie in den anderen 2 Stockwerken m it Ausnahme der Fenster, welche kaum 3 Fuß über dem Fußboden stehen und bedeutend kleiner sind. Dem Raum e nach sollten die 5 Kranken­ zimm er höchstens m it 14 Betten belegt sein, während sie gegenwärtig m it 20 — 22 Bet­ ten belegt sind. Durch den Verlängerungsbau erhält dieses Stockwerk gleichfalls um 9 freundliche Zimmer und eine Küche mehr. Die Betten dieser 3 Abteilungen bestehen in einem Strohsack, einem Strohpolster, einer M atratze oder einem U nterbett, 2 Lein­ tüchern, einem Federpolster, einem Kopfkissen, einer wollenen Decke oder einem Feder­ bett. Die durch den Neubau gewonnenen Zimm er haben eine Höhe von wohl 13 Fuß, weiße runde irdene Öfen und große Fensterstöcke. Im H ofe. Daselbst befindet sich gegenwärtig: 1. die Ausspeiseküche m it einem Speisegewölbe und Keller. Dieselbe liegt tief, ist finster und wegen Mangel an L uft feucht. Das Speisegewölbe ist von gleicher Beschaffen­ heit. Der Keller ist schlecht und im Sommer wegen Grundwasser unbrauchbar. A n­ stoßend an diese Küche ist zum großen Übelstande 2. die Totenkam m er, zugleich Sektionslokal, ebenfalls tiefliegend, schlecht und finster, überhaupt zu diesem Gebrauche gar nicht geeignet; 3. ein Gewölbe als Kleiderm agazin, aber zu diesem Zwecke höchst ungeeignet, endlich 11 4. eine schlechte Waschküche und eine schlechte Tagesstube. Diese Lokalien werden daher vom 1. Mai 1839 an nicht mehr benützt, weil m it dieser Zeit die neuen Lokalien in Benützung genommen werden. Als Garten für Irre und Rekonvaleszente wurde der ehemalige alte Gottesacker hinter der Spitalskirche im Jahre 1837 angelegt und entspricht seinem Zwecke. Ärztliche Besorgung. Die Kranken sind nach Geschlechtern abgesondert. Diese Absonderung zerfällt aber wieder nach A rt der Krankheit in die medizinische, chirurgische, Irren- und geburtshilf­ liche Abteilung. Die ordinierenden Ärzte haben sich bezüglich der Ordination an die Pharmacopoea Austriaca, dann an die bestehende Speiseordnung zu halten. Die Prim ar­ ärzte haben keine W ohnung im Spitale, sind aber verbunden, in der Nähe desselben zu wohnen. Sie beziehen aus dem Spitalfonde einen jährlichen Gehalt von 150 Gl., mit welchem Gehalte auch die Pensionsfähigkeit verbunden ist. Die Sekundarärzte haben freie W ohnung im Spitale nebst freier Beheizung, letztere jedoch so, daß für den chir. Assistenten dieselbe zur H älfte vom Spitale, zur anderen H älfte aber vom Studien- fonde getragen wird. Für den mediz. Assistenten hat der Studienfond die ganze Behei­ zung zu tragen. Der Gehalt eines Assistenten ist 300 Gl., wovon der chir. Assistent die H älfte m it 150 Gl. aus dem Spitalfonde, die andere H älfte aber vom Studienfonde be­ zieht. Der mediz. Assistent dagegen bezieht seinen Gehalt aus dem Studienfonde allein. Die Anstellung der Assistenten ist auf die Dauer von 2 Jahren bestimmt, jedoch kann auch eine Verlängerung für weitere 2 Jahre stattfinden. Die Primär- und Sekundarärzte sind m it eigenen Instruktionen versehen und die genaue Erfüllung der darin enthal­ tenen Vorschriften ist ihnen zur strengen Pflicht gemacht. Erstere leisten einen Eid, Letztere legen ein Handgelübde ab. Die wesentlichsten Punkte der Instruktionen für die Primär- als auch Sekundarärzte sind folgende: 1. Gehörige Achtung gegen den Spitalsdirektor und die pünktlichste Folgeleistung in allen von demselben getroffenen Anordnungen. 2. Für das Wohl der A nstalt und der ihnen anvertrauten Kranken nach allen K räf­ ten und m it dem besten Willen zu wirken, ihre Heilung, oder in unheilbaren Fällen die ihnen erforderliche H ilfe nach Gewissen und unter der strengsten V erantw ortung zu leisten. 3. Entdeckte Gebrechen, welche zum Nachteile der Kranken oder des Krankenhauses sind, sind nach ihrem W irkungskreise entweder selbst sogleich abzustellen oder der D irektion zur Abstellung anzuzeigen. 4. Eine genaue Aufsicht, daß die Kranken von den W ärtersleuten nicht verwahrloset, nicht mißhandelt, nicht betrogen oder auf eine andere A rt nicht verkürzt werden. 5. D arauf zu sehen, daß auf den Krankenzim m ern die größte Sittlichkeit herrsche und das wundärztliche Personale die Kranken m it der gehörigen Schonung behandle, sich bei chir. Verrichtungen nicht roh benehme und jede öffentliche oder schamlose oder unnötige Entblößung vermieden werde. 6. Die Kranken, bevor sie die Geistesgegenwart verlieren, zur Erfüllung der Pflichten jener Religion, zu welcher sie sich bekennen, zu verhalten und bedacht sein, daß die Sterbenden von einem Priester getröstet, die Toten aber von den W ärtersleuten oder Totenträgern zum Abscheu der Lebendigen nicht mißhandelt werden. 12 7. Die Handhabung der größten Reinlichkeit in ihren Abteilungen und gehörige Sorgfalt auf die Lüftung der Krankenzim m er. 8. Die größte Vorsicht bei Transferierung der Kranken von einer Abteilung in die andere. 9. Die pünktliche A bhaltung der vor- und nachmittägigen Visiten und Ordinationen. 10. Die Verrichtung kleinerer Operationen an der Stelle und die wichtigeren V er­ bände sind vom Professor der Chirurgie selbst zu machen. 11. Das augenblickliche Erscheinen, wenn sie auf eine oder die andere Abteilung be­ rufen werden. 12. Der chir. Prim ararzt hat sich in Fällen, wo eine gleichzeitige wichtige Behandlung zur H erstellung des Kranken erforderlich ist, mit dem Prim ararzt der med. Abteil, zu beratschlagen und sich seinem Ausspruche zu überlassen. 13. Sie haben sich bei Verschreibung der Arzneien so viel möglich an das Haus-, form ular zu halten und insoweit es geschehen kann, die einfachsten und wohlfeilsten, zugleich aber immer die zweckmäßigsten Arzneien zu verschreiben. 14. Die Ersparung aller unnützen Auslagen dem Fonde des Instituts, jedoch ohne Nachteil der Kranken. 15. Die Sorgfalt auf K ost und N ahrung der Kranken. 16. In bedenklichen Krankheitsfällen und besonders bei einreißenden Epidemien hat der Prim ararzt sogleich dem D irektor die Anzeige hievon zu machen, w orüber dann zwischen dem D irektor und den Prim arärzten Konsultationen abgehalten werden. 17. D er Prim ar-W undarzt ist strenge verpflichtet, in schweren und zweifelhaften Fällen, wo es sich um eine bedeutende chirurgische Operation handelt, dem D irektor die Anzeige zu machen, welcher dann eine Konsultation anordnet, hiezu noch ein paar praktische geschickte W undärzte beizieht, wo dann die Stimmenmehrheit für oder gegen die Operation entscheidet. Kein Kranker darf wider seinen Willen zu einer Operation gezwungen werden. Die Prim arärzte sind gemäß einer am 26. Juni 1820 N r. 11652 erflossenen hohen Gubernialverordnung dafür verantwortlich gemacht, wenn sie mit ansteckenden K ran k­ heiten behaftete Individuen vor gänzlich wiederhergestellter Gesundheit und vor ge­ schehener Reinigung des Körpers und der Kleidung aus dem Spitale entlassen sollten. In Betreff der ärztlich notwendig erkannten Kunstbehandlung von im Spitale unent­ geltlich aufgenommenen Kranken besteht eine eigene H ofkanzlei-V erordnung vom 21. M ärz 1822 N r. 6953, welche zum Beweise ihres Wertes wegen hier wörtlich aufge­ führt wird; sie lautet: „Ü ber den aus Anlaß eines besonderen Falles gestellten Antrag, daß künftig sich jeder in ein Krankenhaus unentgeltlich aufgenommener Kranker der ärztlich notwendig erkannten Kunstbehandlung zu unterziehen oder im W eigerungs­ fälle aus der Anstalt zu entfernen hätte, wird folgende belehrende Entscheidung er­ lassen: Dem Antrage, die Renitenten gegen beschlossene Operationen aus dem Spitale zu entfernen, kann nicht unbedingt stattgegeben werden, hierüber müssen die jedes­ maligen Um stände entscheiden; denn so wie auf der einen Seite niemand zu einer O pe­ ration gezwungen werden kann, so können andererseits Verhältnisse eintreten, welche die augenblickliche Entfernung des Patienten aus dem Spitale auch im Weigerungsfälle nicht redlich machen und oft selbst mit dem Gefühle der Menschlichkeit nicht in Ein­ klang gebracht werden können. Als Regel läßt sich daher nur festsetzen, daß jene unent­ geltlich verpflegten Kranken, die sich weigern, an sich eine O peration vornehmen zu 13 lassen, aus dem Spitale zu entfernen seien, insoferne nicht besondere und von den Kunstverständigen zu bestimmende Um stände dagegen streiten.“ Die Anwendung gewaltsamer und schmerzhafter M ittel gegen Militärpflichtige beim Verdachte der Verstellung zur Erforschung des Daseins oder Nichtsdaseins angegebener Gebrechen wurde von der h. k. k. Landesstelle mit Verordnung von 26. N ov. 1835 N r. 26013 nur dann bewilligt, 1. wenn der A rzt die volle Überzeugung hat, daß dieselben unschädlich der Gesund­ heit angewendet werden können, und daß er 2. für jeden einzelnen Fall die Ermächtigung der k. k. Superarbitrierungs-Kom m ission sich hiezu erbitte, welche bei Erteilung dieser Bewilligung mit aller Vorsicht zu Werke gehen, insbesondere von dem Dasein wirklicher Verstellung sich Überzeugung ver­ schaffen und jedenfalls nur gestatten wird, daß bei Anwendung schmerzhafter Mittel immerhin die Probe m it den gelindem voraus angestellt und erst nach dem fruchtlosen Versuche dieser zur Anwendung der strengeren geschritten werden dürfe. Abhaltung der Krankenvisiten. Die Ordinationen werden von den Prim arärzten zweimal im Tage nach vorläufiger Lüftung und Reinigung der Krankenzim m er abgehalten, um 7 U hr morgens in der mediz., dann 9 U hr morgens in der chir. Abteilung und um 4 U hr nachmittags, wobei die Sekundarärzte und die W ärtersleute der betreffenden Krankenzim m er zu erscheinen haben. Der Prim ararzt verweilt bei jedem einzelnen Kranken, erforscht die Krankheit, läßt sich von dem Sekundararzt die zwischen den Ordinationen vorgefallenen K ran k­ heitserscheinungen erzählen, ordiniert sowohl die erforderliche Arznei und chir. Hilfe als auch die den Kranken nötigen Speiseportionen. Diese Ordination wird von dem Sekundarius sowohl auf die Kopftafel als auch in den eigens hiezu bestimmten O rdina­ tionszetteln eines jeden Kranken eingetragen und hiernach der M edikam enten-Extrakt verfaßt, von dem Prim ararzt unterzeichnet und in die Apotheke geschickt. Es wird sich hiebei nach der bestehenden M edikam enten-Norm benommen, doch steht es dem Pri- m ararzte frei, wenn es die Notw endigkeit erheischt, auch die teuren und selbst die teuersten H eilm ittel zu verordnen. Das Ordinieren mit chemischen Zeichen und Ziffern ist zur H intanhaltung aller Verirrungen und Hintergehungen verboten. Bei der Über^ nähme der Medikamente aus der Apotheke muß der Sekundararzt zugegen sein und die Arzneien prüfen, ob sie in Rücksicht der Q ualität und Menge nach der Verschreibung bereitet sind; deswegen muß in der Apotheke jedem H eilm ittel nebst der Zimmer- und Bettnum m er und der A rt des Gebrauches auf die Aufschrift die enthaltenen Ingredien­ zien und ihre Dosis beigefügt werden. Kaustische zum äußern Gebrauch bestimmte wie auch innerliche heroische M ittel werden zur Vermeidung jedes schädlichen Miß­ griffes versiegelt expediert und dürfen nur von dem Sekundararzt erbrochen werden; nur von ihm dürfen sie angewendet und dann zum weitern Gebrauche wieder sorgfältig verwahrt werden. Nach der Ordination verrichtet der Sekundararzt die ihm erteilten Aufträge, macht die Aderlässe, setzt die Vesikatoren, verbindet die Geschwüre etc. Der Sekundararzt muß in der Zwischenzeit, nämlich zwischen der einen und der ändern Ordination, genaue Nachsicht auf den Krankenzim mern halten, um zu sehen, daß die Kranken ihre Arzneien vorgeschriebenermaßen erhalten, daß die W ärtersleute ihre Pflicht tuen und daß besonders schwache Kranke auf das genaueste gepflegt und ihnen die etwa sonst 14 noch nötige H ilfe geleistet werde. Alle 3 Stunden bei T ag und einige Male in der Woche selbst bei der Nacht und auch öfters, wenn sich schwere Kranke vorfinden, muß von ihm Nachsicht auf jedem Krankenzim m er gepflogen werden, damit es an Inspek­ tion nicht gebreche und die Kranken nicht bloß der willkürlichen Pflege der W ärters­ leute überlassen bleiben. Selbst der Prim ararzt hat die Obliegenheit manchmal in der Zeit zwischen den Ordinationen und auch bei Nacht in den Krankenzim m ern nach­ zusehen. Es ist eine spezielle Pflicht des Primar-W undarztes die chir. Hilfe zu leiten, die Verrichtung der nötigen chir. Operationen sowie die Anlegung der Verbände in schweren Fällen selbst zu tuen, dann in leichtern Fällen die Leitung der Verbände und die kleinen chir. Verrichtungen des Sekundararztes zu führen, indem es strenge ver­ boten ist, daß W ärtersleute oder die Kranken selbst auch nur den einfachsten Verband besorgen. In früherer Zeit wählte immer der Stadtm agistrat einen M edizindoktor aus der Stadt Innsbruck zur Besorgung der ärztlichen Verrichtungen im Spitale und stellte ebenso einen Chirurgen zur Besorgung der wundärztlichen Verrichtungen an. Im Jahre 1817, als dem Zeitpunkte, wo die ordentliche Klinik ihre Einführung im Spitale erhielt, verlor der Stadtm agistrat diese Erwählung, indem von dieser Zeit an die h. k. k. Landesstelle immer den Professor der praktischen Medizin zum Prim ararzte und den Professor der Chirurgie zum Prim ar-W undarzte bestimmte. Ehrenvoll bleibt das W irken dieser vom M agistrate gewählten Ärzte im Spitale, wovon nicht nur die Akten den Beweis liefern, sondern auch selbst mündliche Traditionen erwähnen der Liebe und des Eifers, womit dieselben des Spitales sich annab men. Am meisten zeichneten sich hierin aus: Der gegen­ wärtige Prof. der A natom ie Dr. med. et chir. H r. Jos. T heodor Albaneder, der pen­ sionierte Kreisphysikus und gegenwärtige Spitalsdirektor D r. Ignaz v. H örm ann z. H o r­ bach, dann H r. Michael Hillhuber, gegenwärtiger Kreisw undarzt in Bozen. H ier ver­ dient auch im ökonomischen W irken der verstorbene H r. Anton Carnelli, damalieer M agistratsrat und Verwalter des Stadtspitales eine rühmliche Erwähnung. Es bleibt aber auch ebenso ehrenvoll für den Stadtm agistrat, daß er immer solche Wahlen ge­ troffen hat und immer bedacht war, die Behandlung der Kranken nur solchen Ärzten anzuvertrauen, welche das leisteten, was ein Spitalarzt leisten soll, wohlwissend, daß ein A rzt, welcher kühne Experimente in einem Spitale ausübt, dasselbe nur des öffent­ lichen Zutrauens und der Achtung beraubt, oder durch überteure für ein Spital zweck­ widrige und unpassende Medikamente und andere überspannte Forderungen den Fond und m it ihm die W ohltat der ganzen Anstalt untergrabt. Die ersten Professoren als Prim arärzte im Spitale waren der D r. med. Franz Karl Karpe und der Dr. chir. Jos. Edler v. W attmann. Ersterer war unglücklich im Erfolge seines Heilverfahrens, letzterer aber wagte kühne Experimente und das Spital gewann einen unvorteilhaften Ruf. Im Jahre 1825 wurde für Prof. Karpe der D istriktsarzt vom Landgerichte Steinach, Dr. med. Pascoli, als Prim ararzt ernannt, welcher in dieser Eigen­ schaft bis zum August des Jahres 1830, wo er als D irektor der Provinzial-Irrenanstalt zu H all angestellt wurde, verblieb. Sein W irken als Prim ararzt im Spitale war von der A rt, daß das Spital wieder einen bessern R u f gewann, und die innere bessere Einrich­ tung sowie verschiedene andere wohltätige Verbesserungen haben ihm ihre Entstehung zu verdanken. Für Dr. Pascoli wurde D r. v. Wocher als Prim ararzt bestimm t, welcher diese Stelle vom September 1830 bis Ende September 1835 bekleidete. Sein H eilverfah­ ren steigerte den aufgelebten guten R u f des Spitales in hohem Grade, und die armen Kranken hiengen mit Liebe und Vertrauen an diesem ihrem Arzte. A uf Dr. v. Wocher folgte der Prof. Dr. med. Karpff als Prim ararzt. Obwohl derselbe nur 6 Monate Dienst 15 leistete und sein junges Leben so frühzeitig (6. Mai 1836) endete, so besaß er doch die Liebe und Achtung der Kranken und aller im Spital Angestellten. Sein W irken war kurz aber ehrenvoll für das Spital, sein so frühes Hinscheiden wurde hier wahrhaft und innig betrauert. Ihm folgte der damalige med. Assistent Dr. Ludwig Schneller als Sublierender Professor und Spitals-Prim ararzt. Wie dessen W irken als Prim ararzt war, beweist der vom verstorb. Prof. und Spitalsdirektor Simon Schwalt gemachte Ausdruck, welcher in einer Äußerung an eine öffentliche Behörde von ihm abgegeben wurde, darin er sagt: „Eine nähere Bezeichnung seiner Kenntnisse und H eilverfahrens müßte für einen A rzt wie Dr. Schneller ist, nur beleidigend für ihn sein, eine Anstalt, welche den Dr. Schneller als A rzt besitzt, kann sich nur Glück wünschen.“ U nter ihm er­ reichte der gute R u f des Spitales die größte Höhe, die es ehedem hatte. Mit 11. Mai 1838 wurde diese Primararztens-Stelle wieder definitiv besetzt und dem H r. Prof. Dr. med. Laschan verliehen. Als fremd und unbekannt m it den Lokalverhältnissen bleibt es eine schwere Aufgabe für ihn, in der ersten Zeit das zu leisten, was sein angerühmter und im Spitale so beliebt gewesener Vorgänger leistete. Jedoch in seiner Kunst reich m it K ennt­ nissen ausgestattet und von dem besten Willen für die Anstalt beseelt, hiezu sein ein­ nehmendes liebevolles Benehmen gegen jedermann, geben die schönste H offnung, daß die Primararztens-Stelle in die Hände des Prof. Laschan gegeben, dem Rufe des Spitales Ehre bringen wird. Für Edlen v. W attmann, welcher seine Bestim mung nach Wien er­ hielt, wurde im Jahre 1826 der gegenwärtig noch hier befindliche Prof. der chir. Jos. Mauermann als Prim ar-W undarzt ernannt. Als heilender W undarzt und Operateur wird ihm Ehre gezollt. Im Jahre 1817 fand auch die Regulierung der gegenwärtig bestehenden Gebärabtei­ lung statt, und die Professoren der Geburtshilfe erteilen hierin den Manualunterricht, beziehen aber von Spitale weder einen Gehalt noch eine Rem uneration. Prof. und D r. med. H interberger war der erste, welcher als geburtshilflicher Professor die G ebär­ abteilung übernahm. Sein W irken darin war ehrenvoll und noch jetzt wird seiner mit Liebe und Achtung gedacht. Im Jahre 1821 erhielt er seine Übersetzung nach Salzburg und statt dessen wurde der Dr. med. Amerer als Prof. der Geburtshilfe ernannt. D er­ selbe wurde im Jahre 1835 von dieser Professur entfernt. Sein W irken in der G ebär­ abteilung spricht außer dem Lehrfache nicht vorteilhaft für ihn. Ihm folgte im gleichen Jahre der Dr. med. Fabian Ullrich als Prof. der Geburtshilfe und Übernehm er der G e­ bärabteilung, welcher noch gegenwärtig dieselbe innehat. Sein Erscheinen auf Prof. Am erer war gleich dem Erscheinen eines Engels zu nennen. Durch ihn erhielt diese Abteilung wieder einen guten R uf und auch einen stärkeren Besuch von Schwangeren als er je war. Die Schwängern und Wöchnerinnen überlassen sich seiner ärztlichen Be­ handlung m it vollem Vertrauen und alle im Spitalle angestellten zollen ihm Achtung und Liebe. H onstetter bemüht sich wenigstens für die Zeit seiner A m tstätigkeit, also von 1832 bis 1838, genaue statistische Angaben über die Anzahl der Kranken, über die vorge­ fallenen Erkrankungen wie auch über die vorgenom menen Operationen beizubringen. Letztere konnte er nur den M onats-Rapporten entnehmen, da ihm Prof. Mauermann „auf eine unfreundliche Art, mir unbewußt w arum “ , sein Ersuchen um Bekanntgabe der Operationen ablehnte. Diesen Statistiken wird nur das Wichtigste entnommen. 16 Medizinische A bteilung: Jah r Aufnahmen Geheilt Gestorben 1832 237 170 29 1833 274 189 31 1834 267 180 34 1835 304 226 30 1836 314 211 45 1837 300 212 39 1838 312 231 36 sehe Abteilung: Jah r Aufnahmen Geheilt Gestorben 1832 192 142 2 1833 199 149 8 1834 166 116 11 1835 171 117 8 1836 175 110 10 1837 155 105 9 1838 165 114 4 »teilung: Jah r Aufnahmen Geheilt Gestorben 1832 15 2 1 1833 17 5 0 1834 15 3 1 1835 11 0 1 1836 17 4 2 1837 9 0 2 1838 16 0 0 G ebär-A bteilung: Jah r Aufnahmen Geb. Kinder Gestorben 1832 22 18 2 1833 26 24 4 1834 32 28 1 1835 29 25 1 1836 36 28 0 1837 33 2S 1 1838 38 29 0 Bei den fast 200 angeführten Krankheiten ist die Beifügung der deutschen Bezeich­ nung zur lateinischen wertvoll. Die Zahlen der Aufnahm en und Entlassungen gehen ohne nähere Begründung oft derart auseinander (z. B. Syphilis: wurden 208 aufgenom ­ men und 231! entlassen, m it Lungenschwindsucht wurden 43 aufgen. und 14 entlassen, wobei noch 60 starben?), daß bei den folgenden Angaben — nur Krankheiten mit mehr als 20 Fällen! — allein die Zahl der Aufnahmen in Klam m ern beigefüet wird: 17 A rthritis = Gicht (45) — Apoplexia — Schlagfluß (24) — Abscessus — Eiterge­ schwür (55) — Angina = H alsentzündung (27) — Catarrhus = fieberloser Lungen­ katarrh (41) — Contusio — Quetschung (65) — Cancer — Krebs (21) — Caries — Beinfraß (22) — Cardialgia uz Magenbeschwerden (26) — Delirium tremens potato- rum = W ahnsinn m it Zittern der T rinker (21) — Dysenteria = R uhr (66) — Erysi- pelas = Gesichtsrose, R otlauf (20) — Febris gastrica — gastr. Fieber (74) — Febris in- termittens = Wechselfieber (117) — Feb. nervosa = Nervenfieber (37) —1 Feb. rheu- m atica — rheumat. F. (50) — Feb. catarrhosa — Katarrhalfieber (22) — Fractura =r Beinbruch (36) — Fluor albus — weißer Fluß (27) — Gastrism us — Magenbeschwerden (103) — H ydrothorax — Brustwassersucht (39) — H ernia — Leistenbruch (22) — H aem optoe — Bluthusten (21) — H epatitis — Leberentzündung (22) — H ydrops uni- versalis = alldem. Wassersucht (48) — Herpes = Flechten (22) -—- Infarctus visc. ab- dom. = Stockungen in den Unterleibsorganen (20) — Inflammationes externae = äußere Entzündungen (53) — Marasmus = Altersschwäche (66) — Ophthalm ia “ Augenentzündung (37) — Phtisis = Lungenschwindsucht (43) — Pneumonia = Lun­ genentzündung (101) — Pleuritis = Brustfellentz. (58) — Pleuropneumonia — Brust- fell-Lungenentz. (20) — Rheum a = Rheum atism us (56) — Scabies = Krätze (401) — SvphUis universalis et local. = venerische Krankheits-Zufälle (208) — Scarlatina — Scharlachfieber (12) — Taenia = Bandwurm (13) — Ulcera = Fuß- und andere G e­ schwüre (157) — Vesania = Irrsinn (38) — Varicellae = unechte Menschenpocken (31) — Varioloides = m odif. Menschenpocken (26) — Variola vera = Pocken, Blattern (23) — Vulnera — Wunden (33). Es folgt nun ein Verzeichnis der in 7 Jahren „Verrichteten O perationen“ : Paracentesis abdominis (14 Fälle) — je 7 Fälle von Oncotom ie, Operationen der H ydrocele durch Schnitt und Operationen des grauen Stars durch Reclination — A m ­ putation der Brustdrüse (6) — Einrichtung von Knochenbrüchen (4) — Einrichtung von Verrenkungen (3) — Op. d. H ydrocele durch Punktion (3) — Trennung verwach­ sener Finder (3) — Keratonixis (2) — Lithotripsia (2) — und je eine Operation: A b­ tragung des vorderen Teiles der Zunge, Am putation des rechten Unterschenkels, Amp. des m ittlern Fingers der linken H and, Auslösung von Knochen an den Zehen, Ausl, von Knochen am kleinen Finger, Ausl, von Knochen am Kniegelenk, Enucleation des Vorderfußes, Excision eines Fungus haematodes, Exc. mehrerer Knochenstücke an der äußern Fläche der Schilddrüse, Exc. eines Carcinom s an der Oberlippe und Wange, Exc. eines fremden Körpers in der rechten Hand, Exc. labii inferioris carcenomatosi, Exc. eines Sarcom s an der rechten Seite des Halses, Exc. einer Fettgeschwulst, Exc. der gro­ ßen Zehe, Exc. der erkrankten Unterkieferwinkeldrüse, Exc. des degenerierten rechten Hodens, Exc. des degen. rechten Auges, Exc. des fungösen linken Hodens, Kaiserschnitt an einer Verstorbenen (die lebend zur Welt geförderte Frucht, 6 Monate alt, starb nach einer Viertelstunde), Lithotem ia, Operation eines enormen Regenbogenhaut-Staphi- loms, Op. eines Staphilom a corneae, Op. einer H ydrosarcocele, Op. des grauen Stars durch Depression und eine durch Extraction, Op. der Hasenscharte, Op. der Phimosis, R epositio herniae incarceratae, Trepanation, Unterbindung eines Fungus medullaris, U nterb. einer Mastdarmfistel. Es folgt nun eine D arstellung'der Verwendung des Stadtspitales für die Ausbildung der Mediziner: 18 Die Kliniken Diese zerfallen in 3 Abteilungen, nämlich in die medizinische, chirurgische und ge­ burtshilfliche Klinik. Dieselben haben in fakultätischer Beziehung den Unterricht zum Zwecke und gewähren für das Spital ein finanzielles Interesse. Es soll daher der fakul- tätische und der finanzielle Zweck in diesen Kliniken gleich beobachtet werden. Die ordentliche Einführung dieser Kliniken erfolgte im Jahre 1817 (1816 war nämlich das mediz.-chir. Studium wiedereingeführt worden). Die Professoren wählen sich aus ihren Abteilungen diejenigen Krankheitsarten aus, welche sie zum Unterrichte bedürfen. Die Gebärabteilung allein benützt alle in diese Abteilung kommenden Schwangeren zum klinischen Unterrichte. Jeder klinisch genommene Kranke erhält einen Ordinarius unter der Leitung des Professors. Bei diesen Kranken ist es den Ärzten erlaubt, U m gang von der für Spitäler vorgeschriebenen O rdinationsnorm zu nehmen. Sie sind daher in der K ost und den Medikamenten besser gehalten als die anderen Kranken. Für jede K linik ist auch ein eieener Sekundararzt als Assistent für den Professor angestellt. Gegenwärtig sind dieselben der Dr. med. Georg Berreitter und der Mag. d. Chir. W en­ delin Pfeiffer. Ersterer leistet in den mediz. Abteilungen, Letzterer aber in der chir. und Gebärabteilung wesentliche Dienste. Beide sind geschätzt und beliebt sowohl bei den Kranken als auch von den im Spitale angestellten Beamten und Professoren. Für die mediz. und chir. Klinik sind 4 Zim m er und zwar jedes m it 6 Betten bestimm t, wovon jede derselben 2 innehat und 1 für Männer, das andere für Weiber zu verwenden ist. D er auf die Klinik aufeenommene Kranke hat den Vorteil, daß er dem Spitale nur die letzte Verpfle